Sn der obersten B e f e h l s g e w a l t des Reichspräsidenten über Reichsheer und Reichsmarine kommt der Gedanke der Reichseinheit sehr klar zum Ausdruck. Rach der Weimarer Verfassung ist im Gegensatz zu der Rechtslage der früheren Reichsverfassung die militärische Befehlsgewalt des Reichsober- Hauptes durch keinerlei Kontingentsrechte der Bundesstaaten mehr beschränkt. Sn den durch Reichsverfassung und Reichsgesehe dem Reichsole Haupt verl ehenea Befugnissen und Zuständigkeiten erschöpft sich aber seine tatsächliche Macht nicht. Sein Einfluh wird neben den staatsrechtlichen Befugnissen vor allem durch die Persönlichkeit des Reichsoberhauptes bestimmt. Sein hohes Amt erhält seinen wesentlichen Sn- Halt durch die Person des Snhabers, durch die Autorität, die dieser im deutschen Volke inne hat. Der vom Volke gewählte Reichspräsident verkörpert über die Vielheit der Parteien und Snteressen die Einheit der Ration. Den zentrifugalen Kräften der Auflösung in Parteien und Gruppen seht er den Willen zum Zusammen- schluh aller verschiedenen Kräfte zum einheitlichen Staatswillen entgegen. Amt und Würde des Reichspräsidenten haben in Deutschland keine Vorgeschichte und keine Ueberlieferung. Diese Ueberlieferung muh erst geschaffen werden. Die beiden ersten deutschen Reichspräsidenten haben in ihrer verantwortungs- bewuhten Art von den Rechten, die chnen die Reichsverfassung gibt, tatkräftigen Gebrauch ge- macht. Sie haben das Amt des Reichspräsidenten nicht als das eines blohen Repräsentanten der Ration, sondern als das eines wirklichen FührersdesdeutschenVolkes aufgefaßt und so die Stellung des Reichsoberhauptes im politischen Leben Deutschlands Schritt für Schritt gefestigt. Smil M ®nM, j)Oll ^^knern N glatt Kt. 185 (Elftes Blatt 182. Zahrgang Dienstag. 9. August 1932 m btt 8 Set. ein. filberne Ms. ^h-eforb^t, imai 400 Oie präfihiaigetvaU in Deutschland. Don Dr. Otto Meißner, Staatssekretär ll«g entscheiden igt Deutschland d und Echve- * ii S I 16 S 5 0 9 0 ar. Mrente ) Scifc 6 69, je fo-tt pro;, dv. Li- !>uderuS 28,50, AEG. 28,50, 87,50, Sessürel nens 122, §0* lugust thal bei %)inom >r Ernst Mel eichner Heinrich nsiage schland westlich utschlaod M ^8. August 1932. Forschungsstelle Frankfurt a. 5 uni ircxkeneL, i Wetter- M. d 78,g 14,57 i« I69-Z 2l# 72.90 2J1 71.90 62. Jl.!* August. ngarn aus dem is: Erstürmung (VI.; - 1912: Schmalbach ge> stankreichs an ■er war die Deutschland, lel Büchner, nch die 8er# ä** die der dm üarathvn. n wurde von enden Argen. Hlschen Best. erris-England, id, Tsuda-Ja- Der Deutsche lden unter 28 olgm'ch. ZfiebaiUen. an Sonntag nt dilch-römischen' nitten sehr er- men wir nach men Medaille . endet 3m Platz und da. i Leichtgewicht den 2. Platz ragen und da- ernt Medaisle 52.05 12, 3,063 169.92 72,M 78,Z 74.92 14.59 0,882 4,217 58,46 21,54 16,515 82,£ 34-Z 82 J* 1,091 ,326 6.70 13,31 2M ,95 465 ,05? 9,58 2,78 8,22 4,78 4,55 1,878 ,209 8,34 •1,50 i,475 11,87 Ü," II ,089 1,32 >,693 13,29 tc», ohne durch verfassungsrechtliche Destimmun- dm dazu verpflichtet gewesen zu sein, lediglich Gründen politischer Zweckmäßigkeit bei dec Bil dung der einzelnen Regierungen sich nach den Parteien und Fraktionen des Reichstags und nach isns-n Zusammengehen zu einer Mehrheit gerichtet wd» daß er bei der Zusammensetzung der Reichsrigierung meistens die Parteivorschläge iwe-mommen hat, mit anderen Worten, daß also •vsongs d a s P arlamentbei derRegie- d war. Erst allmählich trat 8i e persönliche Entscheidung des Reichspräsidenten bei der Regierunas- »ld-ung stärker hervor. Schon der erste Reichs- !£ifrbcnt Ebert machte im Rovember 1922 mit ®ic Bildung des Kabinetts Cuno den Versuch Regierung, die sich mindestens zum Teil auf außerhalb des Parlaments, nämlich mc Wirtschaft, stützt. Doch blieb es bei diesem «reit Versuch. Ebert kehrte nach Cunos Rücktritt v.'Lcr zu dem System der Verhandlungen mit »ri Parteien und des Koalitionskabinetts zurück. D>^r zweite Reichspräsident hat selbständig ein» ggiMssen und sich bei den Regierungsbildungen » n Parteien unabhängig ge- xu^t. Als im Sahrc 1927 die Frage zur Entsck^i- vm g stand, ob die Regierung der Mitte, die un- Ic Reichskanzler Rlarx bestanden hatte, nach links «.'ir nach rechts verbreitert werden sollte ent- 101-5 sich der Reichspräsident von Hindenburg .nure die bis dahin üblich gewesene Fühlung* i Wc mit dem Reichstag, selbständig für das .Irtare und brachte dies in einem an den zum .rnntjlcr ausersehenen Zentrumsführer Dr Marr ! Stifteten Schreiben zum Ausdruck. Roch deut* ‘K tT™ t>cr C2Bine des Reichspräsidenten, sich Iwc Ser Bildung der Regierung von den Parteien tui) Fraktionen unabhängiger zu machen, bei der .R^ierungsbildung nach den .^».Wahlen im Mai 1 928 hervor. *iner amtlichen Verlautbarung vom 27. Suni IM erklärte Reichspräsident v. Hindenburg, daß „ablehnen müsse, in Ausübung seiner ver* s>'c'ii!,gsmäßigen Rechte sich Don einer Frak- B: io« für die Zusammensetzung des Reichskabi- n«s besondere Vorschriften machen zu 2. o re n . Besondere Initiative des Reichspräsi- llketen trat bei der Bildung der Regie* tring Brüning am 30. März 1930 in Erschei* rnurj als er unter den verschiedenen sich ihm im Äureau des Reichspräsidenten. Staatssekretär Dr. Meißner, Hindenburgs engster Mitarbeiter, dessen Rame insbeson. dcre bei den politischen Vorgängen der letz- ten Zeit häufig genannt wurde, hat dem Berliner Berichterstatter von Reclams Universum, Ren^ Kraus, die nachfolgenden Ausführungen zur Verfügung gestellt. Die geschriebenen Verfassungen der Völker sind nicht wesenlose Gebilde und für die Ewigkeit fest* gelegt; sie sind entwicklungsfähig wie die ctaatsvölker selbst, deren Leben zu regeln sie be* Himmt sind. Auch die Artikel der Reichsverfas* fung geben Raum genug, in dem durch Anpassung uird durch Ausdehnung das geschriebene Recht sich weiterentwickeln kann. Die Reichsverfassung hat bem Reichspräsidenten die Rechte des formellen Staatsoberhauptes übertragen, barüber hinaus hat sie ihm aber noch als Gegen- .^'Ickcht gegen das Parlament eine bestimmte Mitwirkung bei der Gesetzgebung verliehen. Sn den ersten Sahren der Geltung der Aeimarer Verfassung überwog der Parlamen* lorismus. Erst später fanden die dem Reichs* Präsidenten verfassungsmäßig eigenen Rechte ein xroßeres Anwendungsgebiet, so daß die Befug* Nisse des Reichsoberhauptes sich allmählich zu dem ft-.'igctten, was man heute als Präsidial* in ci ch t bezeichnen kann. Die Verfassung überträgt dem Reichspräsidenten die wichtige Funktion der Bildung der llieichsregierung. Dem Reichspräsidenten c-bührt die Auswahl der Persönlichkeiten, die die llieichsregierung bilden. Rach Artikels! bedürfen bcc Reichskanzler und d e Reichsminister zu ihrer Amtsführung des Vertrauens des Reichstages. Diese Bestimmung bedeutet jedoch nicht, daß der Reichspräsident nur solche Personen wählen darf, ton denen er weiß, daß sie das Vertrauen des 7i-jchstags genießen. Die Berücksichtigung der Wehrheitsverhältnisse im Reichstag ist keine sa a ts r e ch t l i ch e Pflicht des Reichspräsi- leirten, mag sie auch häufig eine politische Rot- dcndigkeit sein. Sm Falle des Rücktritts der Aeichsregierung steht es dem Reichspräsidenten frei, ihre Mitglieder gleich zu entlassen oder sie — lter einzelne von ihnen — mit der Fortführung ter Geschäfte zu betrauen, bis die neue Regie* junig gebildet ist. Aus dem Rechte des Reichs« Miidenten, die Mitglieder der Reichsregierung U ernennen und zu entlassen, ergibt sich seine veJugnis, ständig über die Staats- ke sch ä f t e informiert au werden, Bericht tbrr Vortrag einzufordern, sowie selbst den Vor* fn bei Sitzungen der Reichsregierung zu führen. süLibei steht ihm aber weder eine Stimme noch 6e Entscheidung bei Stimmengleichheit zu. Sn der Segel nimmt als Beauftragter des Reichspräsi* kennen der Chef seines Bureaus an den Sihun* an der Reichsregierung zwecks Snformation des Leüchspräsidenten teil. Ein Rückblick auf die Praxis der Regierungs- l düng — seit der Staatsumwälzung haben wir li verschiedene Regierungen gehabt — zeigt, daß kr Reichspräsident in den ersten Sah. itl a. W. I.wi1 _ ii*«* Vorbereitungen zur Regierungsbildung. Erste Fühlungnahme der ausschlaggebenden Männer. — Hindenburgs Bedingung für eine Regierungsbeteiligung der Nationalsozialisten: der Charakter des Präsidialkabinetts muß gewahrt bleiben. Von unserer Berliner Redaktion. Die großen Entscheidungen, die das politische Gesicht Deutichlands vielleicht für Äahre bestimmen werden, müssen nun von den verantwortlichen Männern nach ihrer Rückkehr in die Reichshauptstadt getroffen werden. Der Reichskanzler hat am Montag feine Amtstätigkeit wieder ausgenommen. Am Dienstag kommt der Reichswehrminister von Schleicher von Mprineübungen der Hoch- feestrcitkräste in der Ostsee zurück, und am Mittwoch wird der Reichspräsident mit dem Staatssekretär Meißner in Berlin erwartet. Man nimmt an, daß schon während des Wochenendes die Vorentscheidung über den künftigen Kurs zwifchen den maßgeblichen Perfönlichteiten vereinbart worden ist. Den Gerüchten ist ein weiter Spielraum gelassen. Was kann man nicht alles für Möglichkeiten an die Tatsache knüpfen, daß am gleichen Tage der General Schleicher an die Ostsee gefahren ist, an dem auch Hitler und Goering nach bestimmten Nachrichten dort geweilt haben sollen und daß außerdem Staatssekretär Meißner zu einem kurzen Erholungsurlaub nach Heringsdorf gefahren ist. Es wäre unter diesen Umständen wirklich nicht verwunderlich, wenn diese politischen Persönlichkeiten, die auf die kommende Entwicklung in höherem Maße als alle andern bestimmenden Einfluß haben, schon während des Sonntags Besprechungen gehabt hätten und wenn sie nun mit einem genau festgelegten Programm in die Reichshauptstadt zurückgekehrt wären. Als feststehend kann man heute annehmen, daß die Nationalsozialisten in die Regierung wollen und daß sowohl Hindenburg wie General Schleicher diesem Wunsche Rechnung zu tragen bereit sind unter der einen Bedingung, daß aus demPräsidial- fabinett nicht wieder ein parlamentarisches Parteienkabinett werden darf. Die Stellung Hindenburgs und Schleichers ist in den kommenden Verhandlungen außerordentlich stark, weil sie bei einem Scheitern der Verhandlungen das Mittel einer neuen Neichstagsauflösung in der Hand haben. Unter diesen Umständen und wie sonst die Dinge liegen, kann man auch nicht mehr unbedingt von einer allein entscheidenden Schlüsselstellung des Zentrums sprechen. Die Einschaltung in die parlamentarische Mitbestimmung hat zur Voraussetzung die Tolerierung einer Präsidial- regierung, die im Sinne der nationalsozialistischen Wünsche u m g e b i l b e t ist. Ein sichtbares älnbehagen kann man wohl in den Kreisen der Deutschnattonalen fest- stellen, nachdem bisher von keiner entscheidenden Stelle Anstalten gemacht wurden, ihre Wünsche und Forderungen festzustellen. Auf deutschnationaler Seite möchte man vor allen Dingen keinen Wechsel im Kanzleramt sehen. Man ist sich inzwischen darüber klar gewcrden, daß auch in einer starken Regierungsgruppe wirtschaftspolitische Aufsassungen zur Geltnug drängen, die sich mit gewissen staatssozialisti- s ch e n Wünschen in der RSDAP. decken. 3n Herrn von Popen glaubt man ein wirksames Gegengewicht im Sinne einer konservativen Wirtschaftsauffassung erblicken und erhalten zu müssen. Das Verbleiben des Kanzlers scheint unter diesen Umständen nicht allein von den Forderungen der Rationalsozialisten abhängig zu bietenden Möglichkeiten der Regierungsbildung die Lösung wählte, aus Mitgliedern des Reichstags ein Kabinett zu bilden, ohne ^daß die G unbla e einer Par. enfoclition vorhanden war. Während bis zum Fayre 1932 die Reichsregie- rungen lediglich entweder infolge einer Beschluß- fassung des Reichstags zurücktraten, oder weil sie keine Mehrheit des Reichstags mehr hinter sich fühlten, ist kürzlich zum erstenmal eine Retchsregierung außerhalb des Parlaments durch politische Meinungsverschiedenheiten mit dem Reichspräsidenten zum Rücktritt veranlaßt worden. Die Initiative des Reichspräsidenten zeigte sich bei der Bildung der gegenwärtigen Regierung v. Papen insbesondere dadurch, daß diese Regierungsbildung völlig unabhängig vom Reichstag erfolgte und daß dieses Kabinett keine Persönlichkeiten umfaßt, die dem Reichstag als Abgeordnete angehören. Ein Rückblick auf die seit der Staatsumwälzung erfolgten zahlreichen Regierungsbildungen zeigt, daß die anfänglich all-ein ausschlaggebende Macht des Parlaments — infolge seiner Zersplitterung in viele Parteien und bei schwieriger werdenden innerpvlitischen Verhältnissen — Schritt für Schritt hinter der steigenden Macht des Reichspräsidenten zurückgetreten ist. Das wichtigste Gegenrecht des Reichspräsidenten dem Parlament gegenüber ist seine, im Artikel 25 der Reichs- Verfassung ihm gegebenen Befugnis, d e n R e i ch s- tag aufzulösen. Das Auflösungsrecht des Reichspräsidenten ist für unser Staatssystem oon großer Bedeutung. Es ermöglicht das politische Gleichgewicht, in dem sich Reichsoberhaupt und Parlament die Waage halten. Der deutsche Reichspräsident besitzt in dem Auflösungsrecht ein gewichtiges politisches Machtmittel, das seine Stellung weit über die Stellung vieler anderer sein. Diese werden vielleicht ihre Wünsche davon abhängig machen, ob innerhalb der Reichsregierung ein Einverständnis über einen wirtschaftspolitischen Kurs erzielt werden kann, dem sie ihre Zustimmung zu geben vermöchten. Heute noch Notverordnung gegen politischen Terror. Londergertchte und Androßnnti der Todesstrafe. Berlin, 9. August. (OB. Funkspruch.) Die Veröffentlichung der Verordnung und der Notverordnung gegen Terrorakte wird heute abend erfolgen. Rach dem bisherigen Entwurf sollen Sondergerichtc für Berlin, die Provinz Ostpreußen, Schlesien. Schleswig- h ölst ein und Brandenburg eingesetzt werden, zweifelhaft ist wohl noch Braunschweig. Die neue Notverordnung über die Strafverschärfungen sieht die Todes st rase für ganz bestimmte Fälle vor, u. a. bei Hochverrat, Brandstiftung, Herbeiführung oon Explosionen, Ueber- schwemmungcn, Beschädigungen von Eisenbahnan- lagen, Landesverrat und bestimmten schweren Fällen von Ausschreitungen. Außer der Todesstrafe sind aber auch bei den Freiheitsstrafen Verschärfungen beabsichtigt, lieber die Einzelheiten entscheidet jedoch erst das Reichskabinett. Wird Hiller Reichskanzler? Oie Nationalsozialisten fordern die ^stegierungsführung. Von unserer Berliner Redaktion. Berlin, 9. August. Wenn in der Berliner Presse der Fortbestand der Regierung Papen nach der Aufnahme einiger Nationalsozialisten in bas Kabinett als die wahrscheinliche Löfung bezeichnet wird, so ist wohl in den meisten Fällen der Wunsch der Vater des Gedankens. Dieser Wunsch dürste feinen Ausgangspunkt natürlich beim Kanzler selbst und in feiner engeren politischen Umgebung haben. Die Frage ist, ob er heute noch erfüllbar erscheint, wenn Adolf Hitler seinen Anspruch auf die Regierungsführungoffiziell anmeldet. Es ist zwar noch nicht ganz klar, ob der nationalsozialistische Führer für sich persönlich das Kanzleramt verlangt, aber es ist jetzt sehr wahrscheinlich geworden. Das Goebbelsche Blatt, „De r Angriff", hat in großer Aufmachung eine offenbar parteioffizielle Auslassung veröffentlicht, in dec für den Fall, daß man Hitler nicht an die Regierung läßt, dem Kabinett Papen der rücksichtslose Kampf angesagt wird. Es wird auch ausdrücklich, und zwar nicht nur als Privatmeinung des Blattes, grundsätzlich abgelehnt, in eine Regierung „hineinzugehen". Einem „farblosen Kabinett der Fachmänner" wird im Gegenteil schärfste Opposition angekündigt. Damit fallen alle Kombinationen und Pläne des derzeitigen Reichskanzlers ins Wasser. Er wird weder für die Regierung in der bisherigen Zusammensetzung eine parlamentarische Mehrheit finden, noch kann er ferner auf den Eintritt „überparteilicher Nationalsozialisten" in fein Kabinett rechnen. Es bliebe ihm nur noch die eine Möglichkeit, auf Grund des Artikels 48 gegen alle Parteien zu regieren. Die Frage ist, ob der Reichspräsident oon Hindenburg ihm dazu die Ermächtigung geben wird. Wir halten das nicht für wahrscheinlich. Draußen im Reiche werden auch in linksgerichteten Kreisen die Dinge viel ruhiger und nüchterner betrachtet, als in der übernervösen Reichshauptstadt, wo man oft den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Selbst die „Frankfurter Zeitung" bezeichnet es als nützlich, „daß auf irgendeine Weise der größten Partei jetzt Gelegenheit gegeben werde, entweder ihr Können oder ihr Nichtkönnen zu beweisen." Weiter sagt dann das demokratische Blatt: „Dies würde nicht autoritativer geschehen können, als wenn der Führer dec Bewegung, Hitler s e l b st, mit seinem Namen dieVerantwortungdafürübernähme". Gegenüber der Haltung eines demokratischen Blattes im Reich wirkt es natürlich etwas seltsam, wenn ein Berliner Blatt der Rechten, die „Deutsche Allgemeine Zeitung", die man jetzt wohl den Dcutschnationalen zurechnen muß, Hitler geradezu beschwört, von seinem Plane Abstand zu nehmen. Zn dcutschnationalen Kre.sen sieht man allerdings einer Regierung Hitler mit schweren Bedenken entgegen. Man möchte unter allen Umständen das Kabinett Papen erhalten. Wie weit die Sorgen gehen, das zeigt sich in einem dringenden Appell der erwähnten Zeitung an „die Ritterlichkeit und Loyalität des Reichspräsidenten gegenüber seinen Ministern, die diesen Kurswechsel ermöglicht haben". Von der andern Seite wird aber der Appell an den Reichspräsidenten gegründet auf den Anspruch der stärksten Partei. Dieser Anspruch dürfte bei einer einflußreichen Gruppe in der Regierung als berechtigt anerkannt werden. Neue Terrorakte in Gchlesien G l e i w i tz, 9. Aug. (WTB. Funkspruch.) Wie die Polizeipressestelle mitteilt, wurde heule früh in Schönwald auf die Wohnung eines Schuhmachermeisters, der der Zentrumspartei angehört, Pistolen- und Karabinerschüsse abgegeben; verletzt wurde niemand. In Hindenburg wurde ein Sprengkörper in dos Schaufenster eines jüdischen Gemischtwarengeschäftes geworfen. Kurz darauf wurde in einem Fenster des Büros der internationalen Arbeiterhilfe ein Sprengkörper zur Entzündung gebracht. 3n Scho m b crg explodierte auf einem Gartengrundstück ein Sprengkörper. Zwei Kommunisten wurden als der Tat dringend verdächtig festgenommen. Auf das Haus des Gemeindevorstehers republikanischer Präsidenten und sogar mancher Monarchen erhöht. Der Reichspräsident kann jedoch von diesem Recht nur einmal aus dem gleichen Anlaß Gebrauch machen. 3m Falle der Auflösung muh die Reuwahl spätestens am sechzigsten Tage nach der Auflösung stattsinden. Mit dieser Befugnis ist dem Reichspräsidenten die Möglichkeit gegeben, vom Gewählten an den Wähler zu appell'eren. Für außerordentliche Fälle verleiht Artikel 48 unter bestimmten Voraussetzungen dem Reichspräsidenten eine zeitlich und inhaltlich beschränkte Diktaturgewalt. Dieser Artikel 48 gibt dem Reichspräsidenten für jeden Fall einer erheblichen Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung eine weitgehende außerordentliche Gesehgebungsgewalt, einerlei, ob diese Störung sich durch Unruhen im Lande oder durch Auftreten wirtschcftl cher Gefahren offenbart, mit der Befugnis, alle zur Abweyr dieser Gesährdung erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Durch die hier dem Reichspräsidenten übertragenen Befugnisse geht seine verfassungsmäßige Macht erheblich über die manchen anderen Staatsoberhäuptern, den republikanischen wie den monarchischen, gegebene staatsrechtliche Stellung hinaus. Reben dem Rechte zu außerordentlichen Maßnahmen und zu außerordentlicher Gesetzgebung hat der Reichspräsident nach Artikel 48 weiter dasRechtderReichsexekution. Er kann also ein Land, das die ihm nach der Reichsverfassung oder den Reichsgesetzen obliegenden Pflichten nicht erfüllt, mit Hilfe der bewaffneten Macht dazu anhalten. Der Reichspräsident selbst entscheidet — unter der verfassungsmäßigen Gegenzeichnung — darüber, ob die Voraussetzungen zu diesem Eingreifen gegeben sind. Ebenso bestimmt er im Einzelfalle die anzuwendenden Maßnahmen. in Markow itz. eines bekannten Polenführers, wurde ein Handgranatenanschlag verübt. 3n Reichend ach wurde von einem SA.-Mann auf den Redakteur des sozialdemokratischen Blattes „Der Proletarier" ein Handgranatenanschlag versucht. Die Handgranate explodierte jedoch vorzeitig und der SA.-Mcmn erlitt so schwere Ver- letzungen, daß er noch in der Rächt seinen Verletzungen erlag. 3n Wünschet- bürg, Kreis Reurode, wurden sieben Schüsse auf die Wohnung eines Reichsbannerführers abgegeben. Personen wurden nicht verletzt. 3n Münsterberg erfolgte ein Feuerüberfall gegen das Haus der Münsterberger Zeitung und gegen ein Geschäftshaus. Personen wurden nicht verletzt. Auf das Konfumlager in Rieder- Heidersdorf wurden in der vergangenen Rächt Schüsse abgegeben, eine Stielhandgranate und eine Flasche mit explosiver Flüssigkeit beworfen. Personen sind nicht verletzt worden. • Die Sozialdemokratische Partei (Bezirk Mittelschlesien), der Allgemeine Deutsche Ge- werkschüftsbund, der Allgemeine Freie Angestelltenbund und das Reichsbanner haben a n den Reichspräsidenten und den Reichsinnenminister gleichlautende Telegramme gesandt, in denen sie unter Hinweis auf die Anschläge in Mittelschlesien um Schuh bitten. Oie NSOAp. zu den Sprengstoffanschlägen in Braunschweig. Braunschweig, 8. Aug. (CRD.) Der Präsident des Braunschweigischen Landtages, Reichs- tagsab-eordneter Börner, erklärte der „Braunschweigischen Landeszeitung", die Urheber der Sprengstoffexplosion in der Langen Straße hätten sich durch ihre Tat selbst aus der Partei ausgeschlossen. 3m übrigen sei noch nicht festgestellt, woher diese auswärtigen Nationalsozialisten gekommen seien, und unter welchen älmständen sie Mitglieder der Partei wurden. 3e mehr die Bewegung wachse, um so mehr müsse man sich vor ungeeigneten Elementen und Spitzeln schützen. Ganz besonders unklug feien solche Streiche im Lande Braunschweig, für dessen Ruhe und Sicherheit ein nationalsozialistischer Minister verantwortlich sei. Der Rationalsozialismus erkämpfe sein Ziel auf legalem Wege. Erst, wenn versucht werden sollte, die Bewegung mit illegalenMitteln ander Machtübernahme zu verhindern, würde im gleichen Augenblick auch die Partei volle Handlungsfreiheit erhalten. Oer Verfaffungsstreii zwischen -em Reich und Preußen. Die Streitschrift des Reichs in Leipzig vorgelegt. Berlin, 8. Aug. Die Gegenerklärung der Reichsrcgierung gegen die Klage der bisherigen preußischen Staatsregierung sowie der preußischen Landtagsfraktion der Sozialdemokraten und des Zentrums über die Einsetzung des Reichskommissars in Preußen ist jetzt beim Staatsgerichtshof eingegangen. Es wird betont, daß für die Anwendung des Artikels 48 die gegenwärtige Sachlage, die man als „Bürger- kriegslage" bezeichnen könne, keinen Augen- blick außer acht gelassen werden dürfe. Auch die Richtlinien der Politik, die nach Artikel 56 der ReichsverfassINg der Reichskanzler bestimme, würden von einer solchen Lage fortwährend entscheidend beeinflußt. „Reichspräsident und Reichsregierung", so heißt es weiter, „waren der äleber- zeugung, daß die Kommunistische Partei, von staatsfeindlicher Gesinnung beseelt, gerade in Preußen in erster Linie für die Entstehung blutiger Unruhen Original-Roman von Anny von panhuys. Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig. 29. Fortsetzung. Rachdruck verboten! 21. Kapitel. Ein Dlick in Celias Vergangenheit! Wie sie es sich vorgenommen, wich Celia nicht um die geringste Kleinigkeit von dem ab, was sie zu Werner gesagt, als sie später von dem Kommissar befragt wurde, der mit einem Polizeiarzt gekommen war. Der Arzt meinte: „3ch bezweifle natürlich 3hre Aussage nicht im geringsten, Frau Gräfin, aber wenn sonst jemand, zum Beispiel irgendeine unglaubwürdige Person, dasselbe erklärt hätte wie Sie, würde ich ihr entgegensetzen: Sie haben den Mann aus irgendeinem Grunde derb zu- rückgestoßen, dadurch stolperte er und fiel gleich so stark. Wenn er von selbst, nur durch einen ungeschickten Rückwärtsschritt gestolpert wäre, hätte er das Gleichgewicht wiedergefunden." Er sah Celia durch die funkelnden Kneifer- glaser an. Celia hielt dem Blick stand und erwiderte mit leichter Heftigkeit: „3ch wühle keinen Grund, weshalb ich lügen sollte über die böse Sache, die mir schrecklich ist. Stefan Brauner war, so weit ich ihn kenne, ein braver, anständiger Mensch, ich hätte keinen Grund gehabt, ihn zurückzu- stoßen. Sein Respekt verbot ihm übrigens, allzu nahe an mich heranzutreten." Man las ihr die Empörung vom Gesicht ab. Der Arzt machte eine beschwichtigende Handbewegung. „Frau Gräfin, ich wiederhole, ich bezweifle 3hre Aussage nicht. 3d) äußerte nur, wie ich das Geschehene ansehen würde, wenn nicht Sie, eine durchaus glaubwürdige Dame, die Aussage gemacht hätten." Er wandte sich an den Kommissar. „Der Mann hat sich den Tod bei dem harten Aufschlagen des Hinterkopfes auf die Truhenecke geholt. Ein Mord kommt ja sowieso nicht in Frage, also können wir den Toten wohl abholen lassen?" Der Polizeiarzt nickte Celia zu. „Ein unangenehmes Erlebnis für Sie, Frau Gräfin, aber sobald der Tote abgeholt ist, wird es Sie nicht mehr so beängstigen." Celia schenkte dem Arzt einen ihrer bezauberndsten Blicke. „Sie haben Verständnis für mein Empfinden." Kommissar Fritz schüttelte den Kopf. Oie Aufgabe der Polizei im Staat. Eine Rede Or. Brachts vor den preußischen polizeiosfizieren. Berlin, 8. Aug. (ERB.) Die Vereinigung der Polizeioffiziere Preußens veranstaltete im Rathaus Schöneberg aus Anlaß ihres zehnjährigen Bestehens eine Gedenkfeier, zu der il a. der Bevollmächtigte des Reichskommissars für Preußen Dr. Bracht, ferner der preußische Landtagspräsident K e r r I, Polizeipräsident Melcher und andere erschienen waren. Dr. Bracht dankte für die Begrüßungsworte des Vorsitzenden der Vereinigung und führte dann il a. aus: 3ch persönlich beabsichtige nicht, mich im preußischen Ministerium des 3nnern häuslich einzurichten, und so notwendig und unaufschiebbar auch die Reuregelung der staatsrechtlichen Beziehungen zwischen Reich und Preußen ist, so muß ich doch hoffen und wünschen, daß die Tätigkeit des Reichskommissars dabei nur eine vorübergehende bleiben wird. Gerade in diesen aufgeregten Zeiten ist die preußische Polizei mehr denn je berufen. Hort der Staatsautvrität zu sein: Darum wird es auch mehr denn je Ihre Aufgabe sein, m i t strengster Gerechtigkeit und Hebet- Parteilichkeit Ihres Amtes zu walten. Ich stehe ebenso wie Sie unter dem Eindruck, daß in den vergangenen Fahren in manchen Fällen im Staatsleben die Parteipolitik die Staatspolitik überwuchert hat. 3etzt gilt es, sich wieder nachdrücklichst des Wortes der Verfassung bewußt zu werden, daß der De- amteDienerderGesamtheitundnicht einer Partei ist, jetzt gilt es, das Wort Staat wieder groß zu schreiben und den Dienst an Staat und Volk allein als Blickpunkt unserer ganzen Arbeit hinzustellen. Strengstes Pflichtgefühl, aber auch eiferne Rerven sind jetzt für dis Polizei die vordringlichsten Forderungen. Alle, die guten Willens sind, müssen dabei nebeneinan» Verarbeiten. Es ist keinesfalls danach zu fragen, wie der Vorgesetzte oder Rachbar parteipolitisch orientiert ist. Unser ganzes Volk verlangt nach Autorität, und auch unsere gesamte Beamtenschaft sehnt sich gerade nach einer klaren, festen, gerechten, ü b e rp a r t e i l i ch e n Führung, die sich nicht nach Masseninstinkten, sondern nach Staatsnotwendigkeiten orientiert. Ich werde alles tun, daß nach dem Leistungsprinzip ausgesuchte Männer in Führerstellungen gelangen. Den, der seine Pflicht tut, werde ich schützen, auch gegenüber Presse- und Parlamentsangriffen. Lassen Sie sich durch nichts beeinflussen, in aller Nutze Ähren Dienst zu tun. Ich hoffe, daß es Ihnen gelingt, im Nahmen der preußischen Staatsgewalt unter Führung charaktervoller Männer mit einer ihrer Pflichterfüllung hingegebenen Beamtenschaft unsere gemeinsame Aufgabe zu erfüllen: Volk und Vaterland über diese Rotzeit ungefährdet Hinwegzubringen." Präsident Serri erklärte, die Aufgabe der Zukunft werde es sein, die Parteipolitik aus dem Staatswesen auszu schließen. Das wage er zu sagen, obgleich er heute noch Präsident eines Hauses fei, in dem die Parteipolitik ihr Unwesen treibe. verantwortlich zu machen sei und daß der verantwortliche Leiter der preußischen Politik, der Ministerpräsident, und der für die Polizei zuständige preußische Mini st er des 3 n n e r n wegen ihrer einseitigen, den Rationalsozialisten weit mehr als den Kommunisten abgeneigten Einstellung nicht mehr im stände waren, dieser Lage genügend Rechnung zu tragen.“ 3m Zusammenhang hiermit sei auch die Aenderung der Geschäftsordnung des Preußischen Landtags zur Erschwerung der Wahl des Ministerpräsidenten von Bedeutung. Der Landtag habe bei seiner wichtigsten Befugnis, der Wahl des Ministerpräsidenten, versagt. Ein derartiges Versagen könne die Voraussetzungen von Artikel 48 Abs. 1 und 2 erfüllen. Schließlich vertritt die Schrift noch eingehend den Standpunkt, daß die älebernahme der Diktaturgewalt durch den Reichspräsidenten eine rein politische Entscheidung darstelle, bei der der Staatsgerichtshof nicht die Rachprüfungsbefugnis habe, die ihm etwa beim Erlaß von Rotverordnungen darüber zustehe, ob die Mitwirkungsrechte gewahrt seien. Aus aller Wett. Vertretertag der deutschen Krankenkassen in Würzburg. Etwa 250 Delegierte der deutschen Krankenkassen kamen in Würzburg zur zweiten Vertre - terversammlung des Hauptverban- des Deutscher Krankenkassen zusammen. Der Vorsitzende Stadtrat Arend, Berlin, wies in seiner Eröffnungsansprache auf die Tatsache hin, daß die deutschen Krankenkassen erstmals mit Llnterbilanz abgeschlossen, und daß sich die viel geschmähte Thesaurierungspolitik als berechtigt erwiesen habe. Trotz der schweren Lage stehe die deutsche Krankenversicherung nicht vor dem Bankrott, nicht zuletzt dank der Selbstverwaltung der Krankenkassen. Der Redner „So rasch geht das nicht, Herr Doktor, denn wenn auch kein Mord in Frage kommt, verlangt die Angelegenheit doch mehr Gründlichkeit. Vor allem sollte Frau Gräfin Kurzmann ruhig zugeben, den Mann kräftig zurückgestoßen zu haben. Irgendwie ist er aufdringlich gewesen und da hat sie sich gewehrt." Seine kleinen kalten Augen saugten sich an Delias Gesicht fest. „Da haben Sie sich gewehrt, Frau Gräfin. Verschleiern Sie die Wahrheit nicht aus irgendeinem Grunde, der sicher keine Lüge wert ist." Celia war vor Schreck wie erstarrt. Sie hatte geglaubt, weil der Polizeiarzt so entgegenkommend gewesen, wäre die ganze Angelegenheit erledigt. Sie riß sich zusammen, überlegte, niemand auf der Welt konnte ihr beweisen, daß es sich anders verhielt, wie sie angegeben und erwiderte, den Kopf zurückwerfend: „3ch habe die Wahrheit gesagt und verbiete Ihnen, mich wie eine Lügnerin zu behandeln! Es ist schon genug und übergenug für meine Rerven, daß so etwas hier in meinem Zimmer geschehen ist, und es ist völlig überflüssig, daß Sie mich noch dazu grob beleidigen." 3pr Gesichtsausdruck war sehr verächtlich. Kommissar Fritz musterte sie mit dem gleich kühlen Blick von vorhin. „Vergessen Sie, bitte, nicht, Frau Gräfin von Kurzmann, wenn ich Dinge frage, die Ihnen aus irgendeinem Grunde nicht gefallen, tue ich es nur, weil es meine Pflicht ist. Ob es sich hier um einen Mord han- oett oder nicht, ich tue nur meine Pflicht, wenn ich Klarheit zu schaffen versuche. Cs ist vielleicht gleichgültig, weshalb Sie den Mann zurück- stießen — (Sie fiel ihm ins Wort: „Ich lasse mir die Wiederholung Ihrer Beschuldigung nicht gefallen. Ich werde mich beschwerdeführend an Ihre Vorgesetzten wenden." Sie war außer sich vor Zom und fühlte sich sicher. Riemand konnte den Beweis bringen, daß sie gelogen hatte. Werner Sturm trat jetzt aus seiner Reserve heraus. Er hatte schon vorhin seine Erklärungen abgegeben, jetzt stellte er sich neben Celia. „Die Gräfin ist überreizt von der bösen Geschichte, Herr Kommissar, und ich bürge 3hnen dafür, Sie hat Ihnen die volle Wahrheit gesagt. Ich bürge für meine Verlobte." Der Kommissar kannte Werner Sturm, wie ihn sehr viele Frankfurter kannten, durch sein neues Heilverfahren war er hier populär geworden. Der Kommissar schwieg und murmelte etwas vor sich hin, was niemand verstand. Er neigte sich über den Toten, nahm Papiere aus dessen Drusttasche und blätterte in den Papieren. Er bezeichnete es als die Hauptausgabe der Tagung, den iuxf> gesunden Kern der Krankenversicherung überdieKrisehinüberzuretten in eine bessere Zeit. Die Anpassung der Ausgaben an die sinkenden Einnahmen müsse weiterhin durch wirksame Herabsetzung der Vergütungen für die Krankenpflegedienste und die Krankenhauspflege gefunden werden. Die Vergütungen der Zahnärzte und Dentisten bedürften der Reureoe- lung. Außerdem fei die Wiederaewährung der Reichshilfe für Familienwochenhilfe notwendig. Geschäftsführer Christian Riedel forderte das Verbleiben der Erwerbslosen in der Krankenversicherung. Rach ergiebiger Aussprache über die Referate fanden die von den Referenten auf- gestellten Leitsätze die Billigung der Versammlung. 21. Deutscher Feuerwehrlag. Auf das Huldigungstelegramm der Hauptversammlung des Deutschen Feuerwehrverbandes hat der Reichspräsident wie folgt geantwortet: „Besten Dank für Degrüßungstelegramm. Rehme Gelöbnis der Treue und opferwilligen Hilfsbereitschaft gern entgegen. Allen Angehörigen des Feuerwehrtages seirde ich in aufrichtiger Anerkennung der hervorragenden Leistungen der braven deutschen Feuerwehrmänner herzliche Grüße." Man schätzt, daß 18 000 bis 20 000 Gäste den Höhepunkt des großartigen Festes miterlebten. Auf dem Stresemcmn-Platz ging eine große Hebung der Karlsruher Feuerwehren vor sich. Brandobjekt war die städtische Festhalle, in der, wie angenommen wurde, während eines Maskenballs Feuer ausgebrochen tirar. Die große Haupt- und Schauübung, deren Idee aus einem wirklichen Ereignis. dem schrecklichen Hoftheaterbrand in Karlsruhe (1874) geschöpft wprde, erbrachte den Beweis, daß die Karlsruher Wehren im Ernstfall sehr tvohl in der Lage fein werden, große gefährliche Brände rafd) und in zweckmäßiger Weise zu löschen. — An dem großen Festzug nahmen etwa 10 000 Feuerwehrleute, die Dürger- war wütend auf die Gräfin, die ihm entgegen* geschleudert, sie werde sich beschwerdeführend an seine Vorgesetzten wenden. Hnd noch dazu in Gegenwart anderer hatte sie ihm die Beleidigung zu sagen gewagt. Er empfand die Worte als eine sehr grobe Beleidigung. Er beschäftigte sich nur mit den Papieren, um zu überlegen. Er stutzte, ein Briefumschlag lag zwischen Ausweisen und ein paar Rechnungen, und dieser Briefumschlag trug die Adresse der Gräfin Kurz- mann. Der Umschlag war unverschlossen. Kommissar Fritz ging damit in die äußerste Zimmerecke und überflog dort den Inhalt des Briefes. Dabei legte sich ein triumphierendes Lächeln um seinen schmallippigen Mund. Er sagte befehlend: „Ich bitte alle Anwesenden, bas Zimmer zu verlassen, außer Gräfin Kurzmann." Celia war wütend. Hatte der widerwärtige Beamte noch nicht genug von ihr? Da der Konimissar den im Zimmer Anwesenden, Frau von Welp, dem Polizeiarzt, Werner Sturm und Celia vollständig den Rücken gewandt beim Lesen des Brieses, hatte niemand gesehen, was er getan. Richt das leiseste Mißtrauen warnte Celia, etwas vorsichtig zu fein. Sie erwiderte schroff: „Wir haben keine Geheimnisse miteinander, Herr Kommissar. Ich mochte nicht mit Ihnen allein bleiben, um mich weiter quälen und beleidigen zu lassen. Ich wünsche, nein ich fordere, daß mein Verlobter bei mir bleibt.“ „Also auf Ihren ausdrücklichen Wunsch bleibt Ihr Verlobter, Frau Gräfin." Er betonte silbenweise das Wort „ausdrücklichen". „3a, es ist mein ausdrücklicher Wunsch", gab sie zurück. „Außerdem haben wir Zimmer genug im Hause, ich kann den Anblick des Toten nicht mehr ertragen.“ „Bitte, öffnen Sie uns ein anderes Zimmer", gestattete er. 3n einem der Räume Frau von Welps standen sich ein paar Minuten später der Kommissar, Celia und Werner Sturm gegenüber. Celia war vor Wut dem Weinen nahe. Konnte der Unverschämte denn keine Ruhe geben? Was wollte er denn nun noch von ihr? Sie nahm sich vor, wirklich Beschtoerde über den eifrigen Beamten zu führen. Sie blickte madonnenhaft zu Werner auf, flüsterte: „Ich danke dir dafür, daß du mich beschützest.“ Der Kommissar sagte: „Sie sind hier daheim und können sich natürlich setzen, toenn Sie wollen." wehren von Ettlingen, Bretten und Zella.H. tu historischer Tracht, sowie mehrere Reitervereine aus der Karlsruher Umgebung teil. Drei Todesopfer eines Grubenunglücks. Im unterirdischen Betrieb der Zeche Kaiserschuh Il bei Dortmund waren am Samstag drei Bergleute durch Einsturz eines Kohlenpfeilers verschüttet worden. Die Rettungsarbeiten gestalteten sich sehr schwierig, da dauernd Gesteinsmassen nachstürzten. Erst in der Rächt zum Sonntag konnten der Bergmann Watermann und der Bergmann Baumgardt tot geborgen werden. Der dritte Verunglückte, der Hauer Sander, wurde nun gleichfalls tot aufgefunden. Ein Lastkraftwagen mit Hochzeitsgesellschaft umgekippt. Im Osten Berlins geriet ein mit einer Hochzeitsgesellschaft besetzter Lastkraftwagen beim Ueber- holen eines Radfahrers ins Schleudern und kippte um. Hierdurch erlitten sechs Personen so schwere Verletzungen, daß sie in ein Krankenhaus übergeführt werden mußten. Schweres Autounglück in Spanien. 6 Tote, 20 Schwerverletzte. Ein folgenschweres Verkehrsunglück ereignete sich in der Rähe von Salamanca. Wie „Journal" aus Madrid berichtet, stürzte ein mit 26 Personen besetzter Autobus, der Ausflügler nach Salamanca zurückbringen wollte, in eine 30 Meter tiefe Schlucht, da die Bremsen versagt hatten. Von den Insassen fanden sechs den Tod, alle anderen wurden schwer verletzt. Feuergefecht bei einer Verhaftung. Ein aufregender und blutiger Zwischenfall spielte sich dieser Tage in Lichtenberg bei Berlin ab. Dort erschienen im Hause Gürtelstraße 31 zwei Polizei- beamte des zuständigen Reviers, um den 29jährigen Arbeiter Walter P ü s ch l o w auf Grund eines Haftbefehls festzunehmen. Püfchlow sollte eine dreimonatige Gefängnisstrafe antreten, zu der er in einer Diebstahlsangelegenheit verurteilt worden war. Als die Beamten Einlaß begehrten, wurden sie von Püschlow mit der Waffe bedroht. Die Beamten benachrichtigten darauf das Ueberfallkommando, das kurz darauf mit einem Schnellwagen erschien. Püschlow hatte sich inzwischen im Schlafzimmer seiner Wohnung verbarrikadiert. Als die Beamten eintraf< Sieb«"' „SjrsK 'den ^.rjntet it den verO°.tißis<-e im -erbirgt M> Kti f°nL?Whing. iine gennf 7 sich bis Zum nehmen sie Vf*1* «ei®u” süßen sie Zahn' „ibm jedes eignen ZM "reW>W tot IM gleichen Zabncaries steht. , Natürlich hat in Büro. M Jugend bereits em Senn in dem gestählter ach die Zahnfäule toen Der also aus gesunder buch geeignete Ernähru Roggenbrot, ausgiebiges geordnete Mund, und Za eingangs gestellte Frage antwortet finden. And Gründen zunächst mit E durch entsprechendes Trat rctung und geeignete Leb ai gleichfalls zu einer ein beit gelangen. Vom KM Heffen-Heff 3m Kurhaus zu Dal tergangenen comitag d Gießen als Landesverbi Volksbildung (Sih Der! verband ßeffen-Hefsen-2 Teil der in diesen Dezii zur Pflege von Wissens, bildung umsaßt, eine ; menhmft ab. Es tonten ließen, Dillenburg, Woms, Friedburg und lend. Derhandiung, i Diesbaden, bet erste Dc tetbanb* WW\W^ -Ehe aktueller Fragen ai erarbeit Wiederholt vn Munkt aller DMH d-i S Aus der Provinzialhauptstadt Graumüller, Bau und Hinferleifner beenden die schwerste Bergprüfung der Welf, die Inter- Der Vorsitzende gab yum Schluß der Hoffnung Ausdruck, daß Oefscntlichkcit und Behörde durch Schaffung von Arbeitsmöglichkeit dem Schloffen» Handwerk zur Seite stehen möge. einen eingehenden Bericht. Er betonte, daß sich der Landesverband als ein wertvoller Helfer für die Mitgliedsbetriebe erweisen konnte. Stad trat Echlossermeister Geher -Darmstadt erstattete den Kassenbericht. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Der Haushaltsplan für das kommende Geschäftsjahr wurde genehmigt. 3m weiteren Verlauf der Tagung hielt Echlossermeister Geher- Darmstadt einen aufschlußreichen Vortrag über die Bedeutung der Arbeitsmaschinen für die Zukunft des Handwerks. Er führte u. a. aus, daß jeder, der den Anschluß an die weitere wirtschaftliche Entwicklung behalten wolle, nicht vergessen dürfe, fich maschinentechnisch zu wappnen. Es gelte den Werkzeugen, den Hilfsmaschinen der gesamten Wcrkstattanlage besonderes Augenmerk zuzuwenden, brauchbare Verbesserungen am vorhandenen Material durchzuführen, kurzum, sich anzupassen, wo es nur irgend möglich sei. Die Anschaffung von Hilfsmaschinen sei unumgänglich. Der Vortrag löste eine rege Aussprache aus. 3m weiteren Verlauf der Versammlung wurde ein Antrag auf Einschränkung der Gewcrbe- freiheit einstimmig angenommen und außerdem noch eine Reihe interner Berufsangelegenheiten behandelt. Obermeister-Tagung der hessischen Schlosser. 3m Chrensaal des Handwerkerhauses zu Worms fand am vergangenen Sonntag eine Obermeistertagung des hessischen Schlosserhand- wcrks statt, der an Stelle eines ordentlichen Verbandstages die Befugnisse eines solchen übertragen waren. Sämtliche angeschlossenen 3nnungen waren vertreten. Der Landesverbandsvorsihende, Obermeister Heinzerling, Darmstadt, begrüßte die Teilnehmer. 3n kurzen Worten kennzeichnete der Vorsitzende die Rot des hessischen Schlosserhandwerks, sprach vom Riedergang der Dauwirtschaft und seinen Folgen insbesondere für das Schlosserhandwerk, er erörterte schließlich die mannigfachen Auswirkungen der Regiebetriebe der öffentlichen Hand zum Schaden -des Handwerks. Er mahnte, trotz aller Schwere des Kampfes um die Existenz, die Verven zu behalten. Lieber die Verbandstätigkeit im verflossenen Geschäftsjahr gab H. Schwerer -Darmstadt den Azoren. nenininifler hat cinttt ufolgr Dom lhonvernnir rml einen Bericht übet bai Lirzssche Erdbe- Käufer finb ringe« igt. Ticke m 14 Personen Werder -tbit Der Sachschaden de Reis belaufen. 2a t Mguck gelitten, w nfvlge Einstürzens rc- worden finb. 3n Fa^ 100 Mser, «m V und in Lomba do Cavi- fo dah dort die gefamh ßimmel fd)lafcn muf- Dornotizen. — Tageskalender für Dienstag. I. 93. im Augustiner, Monatsversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Muller der Kompanie". WAN D E R E R wieder Alpensieger Tödlicher Motorradunfall. chKlein-Linden, 9. Aug. In der vergangenen Nacht verunglückte der in Sportlerkreisen weit über unsre engere Heimat hinaus bekannte Motorradrenn- fahren Wilhelm Klein von hier in der Nähe von Oberndorf bei Braunfels. Klein fuhr mit großer Wucht gegen einen Telegraphenmast und erlitt einen so schweren Schädelbruch, daß der Tod auf der Stelle eingetreten sein muß. Seine Kameraden fanden ihn bereits ohne jedes Lebenszeichen vor. lieber die Ursachen des Unfalls konnten bisher noch keine genauen Feststellungen gemacht werden. Wilhelm Klein hatte sich als Mo- torradrennfahrer beim vorjährigen Rennen „Rund um Schotten" einen Namen gemacht. Er konnte seinerzeit das Rennen in der Klasse der Ausweisfahrer als erster Sieger für sich entscheiden. Er beteiligte sich auch an verschiedenen Rennen auf dem Nürburgring und galt als sehr geschickter Fahrer. " Ein« Achtzigjährige. Frau Ernestine Kinzenbach, geb. Wagner, wohnhaft Schützen- strcrße 17, begeht heute in körperlicher und geistiger Frische ihren 80. Geburtstag. * * Straßensperre. Wegen Abbruchsarbeiten wurde ab Montag, 8. August, die Katharinengasse von der Kaplansgasse bis zum Hause Katharinengasse Nr. 7 polizeilich gesperrt. Die ausgestellten Sperrschilder sind zu beachten. •• „Die Mutter der Kompanie." 3m neuen Programm des Lichtspielhauses sieht man wieder einen der bekannten und beliebten Dorkriegsmilitärfilme. Die Emelka Drehte unter der Regie von Franz Seitz die heitere Manöverposse .Die Mutter der Kompanie" mit dem beliebten Münchener Komiker Weiß - Ferdl in der Hauptrolle des Feldwebels Stops, ferner mit Paul Heidemann, Betty Bird und Grit Haid. Unter dem Motto „Schön ist die Wanoverzeit" entwickelt sich ein gemütlicher Einquartierungszauber mit volkstümlichem Gesang, mit viel Liebe und Trompetenblasen und allerlei drastischen Situationen, die zwar nicht besonders originell, aber von unsehlbarer Wirkung sind. Das Publikum unterhielt sich angeregt und er- beitert. — 3m Beiprogramm findet man neben der teilweise bemerkenswert aktuellen Wochenschau einen vielversprechenden Vorspann zu dem großen Afrika-Film „Trader Horn", den die Metro-Goldwyn-Mayer herausgebracht hat. — Eine sehr hübsche und sehenswerte Bereicherung des Abends ist die Dühnenschau: „Little M i m i", eine schlanke und sehr junge Dame, die eine ausgewachsene Dariete-Rummer vorführt' Parterre- Akrobatik von verblüffender Eleganz, Leichtigkeit und Geschmeidigkeit des körperlichen Ausdrucks, wie man dergleichen, zumal bei uns in Gießen, nicht häufig zu sehen bekommt. Vn Sich dieser SS,Ä« Celia keß ’,<9 -- “ L &,to Nun, der arme Händler meint, hier wolle einer zu viel Geld im voraus haben, er zuckt die Schuller, besteigt fein Rad und kann grabe noch rechtzeitig ausbiegen, da kommt nämlich einer auf einem Klicker- pucker an, ein großer Kerl mit rotem Gesicht. Auch der bremst wahrhaftig vor Duhlemanns Haus und fragt gleich, ob die Karpfen noch zu haben feien, und wieviel sie denn kosten sollten. Die Karpfen seien noch zu haben, knurrte Buhle- mann, aber er wisse gar nicht, wieso der Herr von feinen Karpfen wisse. Was er für das Pfund haben wolle. Der andere ist kurz entschlossen, er hat einen bösen Sandweg fahren müssen und will sich nicht umsonst gemüht haben. Und er fügt hinzu: Bor dem, der da eben weggefahren sei. vor dem Sputter und Eckenputzer, solle der Herr sich nur in Acht nehmen, der habe ein großes Maul und wenig Bargeld. Nun. wie sei's, ober solle er im Herbst roieberfommen? Er blinzelt dabei zu Moor und Wald hinüber. Den rechten Boden habe der Herr ja hier, sagt er freundlich zu Buhlemann, aber unter tausend Pfund lohne sich die Zucht ja auch nicht. Die Wunderlichkeiten wollen kein Ende nehmen. Als Buhlemann, der nun doch einen heißen Kopf kriegt, fich just zu näheren Erklärungen sammelt, rattert und poltert ein richtiger Wagen seinen mühsam geschaufelten Weg bis zur Wende, dreht und holpert und hält steif vor der rosenumhangenen Ein- gangstür. Kaum sehen sich die beiden Fremden, verzieht sich ihr Gesicht wie von einem Biß in Holzäpfel. „Na", meint der Neue, „bann hätten Sie mir ja nicht erst zu schreiben brauchen, Herr Buhlemann. Aber ich sag. was der Ihnen bietet, kann meine Firma dreimal leisten. Und wenn Sie noch nicht abgeschlossen haben — wieviel wollen Sie?" „Wenn Sie vielleicht auch Karpfen kaufen wollen", endlich ist es an Buhlemann, seine Zweifel loszuwerden, — „wenn Sie auch Karpfen kaufen wollen, mein Herr, ja, zum Teufel, wie kommen Sie denn auf den Gedanken, ich verkaufe meine Karpfen ja gar nicht!" „Er verkauft feine Karpfen nicht", bestätigt die Frau. „Sie verkaufen Ihre Karpfen nicht?" brüllen da beide zugleich und versuchen recht zu verstehen. „Wer hat Sie denn überhaupt bestellt, ich habe Ihnen doch nicht geschrieben", trumpft Buhlemann auf und stampft mit dem rechten Fuß auf die gescheuerten Klinker. „Sie haben nicht geschrieben?" „Beim Himmel, ich hab' nicht geschrieben. Hat man Sie vielleicht zum Besten gehalten?" Die Herren können sich solche Frechheit nicht vorstellen. einer sieht den andern mißtrauisch an. Und roeils in der Welt keinen schlechteren Kerl gibt, als die Konkurrenz, dieser Buhlemann aber sehr entschlossen dreinschaut, vermutet jeder, der andere habe vielleicht doch eine heimliche Vorgabe. „Ja, zum Donnerwetter", schilt der Dicke ratlos, aber er vergißt, weiter über den Trick nachzudenken, bas beste ist, vor dem andern beim nächsten Fischteich zu fein. „Na. ja", seufzt auch der aus dem Wagen, „mir scheint jedenfalls, da ist nichts zu machen." Aber er tut so freundlich wie möglich, er will sich gut bei dem neuen Teichwirt einführen, die ersten Eindrücke sind immer die dauerndsten. Sv tut er noch einige gewinnende Fragen hin und her, aber er hört kaum auf die Antworten, er muß immer den andern, den Klicker und Betrüger, den Klopffechter, im Auge behalten. Vielleicht, daß der ihm im Herbst zuvorkommen will? „Also, lieber Buhlemann", sagt er, „es ist doch nett, daß Sie mir geschrieben haben. Ich komme bei nächster Gelegenheit wieder vorbei, vielleicht haben alten Widerlager werden auf mehrere Meter Tiefe abgebrochen und mit Eisenbeton verstärkt, wieder auf die zum Auflager der bedeutend schwereren Eisenträger nötige Höhe, gebracht. Die alten Säulen, auf welchen die Brückenträger zum Teil ruhten, werden beseitigt. Die neuen Träger werden von einer Firma in Reust geliefert, während die Eisenbetonarbeiten von einer Firma in Höchst a. M. ausgeführt werden- Außer den Facharbeitern der betreffenden Firmen finden zahlreiche Hilfsarbeiter der näheren Umgebung lohnende Arbeit. Die Zeit der Bauarbeiten ist auf mehrere Monate berechnet, mehrere große Krane sind zur Bewegung der schweren Eisenteile ausgestellt. Wicfjcner Wochciimarktpreisc. • Gießen, 9. Äug. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Kochbutter Pfund 1,00; Süßrahmbutter 1,30; Landbutter 1,20 bis 1,30; Matte 25 bis 30; Wirsing 6 bis 8; Weißkraut 6 bis 7; Rotkraut 10 bis 12; gelbe Rüben 10 bis 12; rote Rüben 8 bis 10; Spinat 18 bis 20; Römischkohl 8; Bohnen (grüne) 12 bis 15; Bohnen (gelbe) 12 bis 15; Llnterkohlrabi 5 bis 6; Erbsen 18 bis 20; Tomaten 20 bis 30; Zwiebeln 10 bis 12; Pilze 25; Kartoffeln 3.5; Frühäpfel 20 bis 25; Birnen 15 bis 30; Dörrobst 30 bis 35; Stachelbeeren 15 bis 20; 3ohannisbeeren 12 bis 15; Himbeeren 15 bis 20; Pfirsiche 35 bis 50; Pflaumen 15 bis 20; ZWetschen 30; Mirabellen 35; Reineclauden 25; Honig 40 bis 45; junge Hähne 80 bis 90; Suppenhühner 60 bis 80; Käse Stück 5 bis 10; Tauben 50 bis 60; Eier 8; Blumenkohl 30 bis 60; Salat 8 bis 10; Salatgurken 10 bis 30; Cinmachgurken 2 bis 4; Endivien 10 bis 15; Oberkohlrabi 8 bis 10; Rettich 10 bis 12; Radieschen Bund 8 bis 10; Kartoffeln Zentner 3,00 Mk. >°s i< am, » nie abgemacht ;n, > so bMlboS 9» ibsichilich lauten ßwfjj ni köstlichem purpuwq mit der Hand aus N SZK lN. brauner m* S®S.S! Endlich, nach langen Jahren des Sparens, Darbens und Mühens, hat Buhlemann das Häuschen, das er sich seit seiner Kindheit erträumte, vier eigene Wände und einen Garten mit Ausblick auf den ungeheuren Zauberwald, an dem er als Knabe einmal entlang wanderte und der seitdem sein Wunsch geblieben war. Aber das schönste an seinem kleinen Hof ist der Karpfenteich. Kein großer Teich, ihr müßt's euch recht vorstellen! Ein kleiner Himmelsteich ist es, mit sechzig Schritten ist man herum. Aber Buhlemann hat schon im letzten Herbst, als der Teich noch ein alles Sumpfloch war, Karpfen gekauft und die erfreuten Tiere hineingesetzt; er zählt sie jetzt an jedem warmen Tag. Er kann auch die Fischerei nicht lassen und hat die Karpfen schon im Sommer an Brot und Wurmangeln, an Wurfnetze und Reusen gewöhnt. Sehr kluge Tiere sind sie geworden, mißtrauisch möchte ich sagen, roenn's mir nicht peinlich wäre. Buhlemanns Eigenschaften auf seine Umgebung zu übertrage-,. Die Karpfen Haven jedenfalls gelernt, jedes Ungewöhnliche zu umwittern, haben Auge und Ueberlcgung für alles und denken nicht daran — nicht ein einziger —, der Schnur zu verfallen. So daß, als Buhlemann endlich (eine Freunde Mönchmeyer und Petermeyer, alte Sportangler, zum Fischfang in seinem Teich einlädt, die Armen von früh um drei bis zum Spätnachmittag vergeblich einen Köder nach dem andern den spielenden Tieren vorlegen — was sage idr vorlegen? Sie hängen die feistesten Würmer den Karpfen, die sich mitten im Teich ergehen, auf Fingernagelbreite vor die nach Sonnenlicht schmatzenden Mäuler. Sie flüstern, reden ihnen leise zu, und lassen die Würmer Hüpfen. Aber die Karpfen wissen Bescheid, was das für sonderbare Köder sind, die in der Sonne tanzen, sie lutschen einmal daran — bann tun sie einen spöttischen Schlag mit dem Schwanz und wenden ihre andere Seite der Wärme zu. Mönchmeyer und Petermeyer brachen knurrend noch vor Abendessen auf, obschon Frau Buhlemann, sehr erfreut über die ortsverbliebenen Karpfen, ihnen Butterbrote strich und versöhnlich Apfelwein anboL Nein, Mönchmeyer und Petermeyer waren bitter über den verlorenen Tag, sie sannen auf Rache. Und weil ihnen abends der Karpfenteich so närrisch erschien, wie er sie noch morgens erfreut hatte und sie den armen Buhlemann auch von seiner Hochtraben- beit heilen wollten, schrieben sie noch am gleichen Abend mit schlechter Unterschrift an die Fischhändler der Nachbarstadt, was sie für das Abfifchen von Buhlemanns Karpfenteich zum Herbst anböten. Billig würde es fein, der Eigentümer hätte keine rechte Luft mehr an der Zucht. Als Buhlemanns Frau andern Tages also mit dem Nähkorb vor der Haustür sitzt — Fischhändler sind ein bewegtes Volk, und die Karpfen werden heuer knapp — auf einmal kommt ein Fremder auf dem Rad und redet ohne Umschweife gradeswegs auf sie ein. Er wäre nur ein kleiner Mann, wie man so sage, erzählt er der Frau und dem neugierig herbeitrollenden Gatten, aber bis zu hundert Pfund Karpfen könnte er gleich anbezahlen, und ob er den Handel machen könne. Buhlemann, der neben der Haustür feine Stiefel schabt, kommt errötend hinzu, er merkt, er hat irgendwie einen Ruf als Fischzüchter. Aber er hat keine hundert Pfund Karpfen im Teich — zehn höchstens, bis zum Herbst können's zwanzig fein. Und er will zudem feine Karpfen selbst essen. Er fragte darum nicht erst viel, um sich keine Blöße zu geben, und antwortet, die Hand auf der Schulter der nähenden Hausfrau gestützt: Leider könne er auf das Anerbieten nicht eingehen. Und dann nickt er, der Mann kann gehen. Buhlemann will nicht erst, daß feine Frau sich verplappert. Ung teil • kTS* -Sh S Tie L^Ien. MSe iÄSäN«' ! Mnen.'l?1' in Manien, eroerlehie. gingen tuollk 2 dn,Q,,en anderen wurden tt Maftung. KZAÄ •D «5, um btn 5"®aui®:unb” l*n> füllte eine bm. l .. « « Ebenheit verurteilt S ®inta6 begehrten, mit ber Masse be, achrichtjgien daraus bas U daraus mit einem lchlow hatte sich in5Di. er Wohnung verbarrika. mtrafen, begann er [o« im Versuch der Polizei, sag ein Bringen, wurde it kchujsen beantwortet. Htich ebenfalls von der ab es entspann sich ein feL Nach längerer 3c- icibtamten in die Mohorn mit einem Kopsschuh rn ihm lag eine Pistole, geladen war. Püschloo zte, dah sein Widerstand ssen, nachdem er zuvor -chuh getötet hatte. Bei Hschlvw außerdem eint ilb, durch einen Schuh Gießen, den 9. August 1932. Weshalb werden unsere Zähne schlecht? DKGS. Ein« Frage, die leicht gestellt, aber desto lchwieriger beantwortet werden kann. 3n unserer Urväter Tagen kannte man natürlich auch schlechte 3äbne, wenn auch nicht im heutigen weitausge- _,..ten Sinne. Wenn auch römische ^H^fisteller cfjon über Behandlungsmethoden an den Zähnen ichten, so unter anderem Ab töten des schmer- den Zahnnerven durch Ausglühen, so dürfte och dieses Verfahren heute allerdings wemig An- rlermung finden. Bedenkt man fernerhin, daß illein bei uns in Deutschland die Zahngesundheit n den verschiedensten Landesteilen und Berufen )anz andere statistische Ergebnisse zeitigt, so liegt Gedanke nahe, daß die Zusammenwirkung vie- ei besonderer Faktoren nötig ist, um Aufklärung ,n schaffen. Unter dem Sammelwort Konstitution (Anlage) erbirgt sich die Eigenart der Erbmasse, des Be- u|es, des Landes, der Rasse, der Ernährung usw. ?ei sonst gesunder Anlage hat die Ernährung eine geringe Bedeutung. Regervölker, Araber, Eskimos ettreuen sich bis ins hohe Alter eines lübcllofen Gebisses. Zum Teil noch wenig von Aul tu r beleckt, nehmen sie ihre Rahrung roh zu sich, die vielfach auch aus Erdfrüchten besteht. Die .Zähne sind dadurch gezwungen, ausgiebig zu arbeiten und zu zerkleinern. Die breiartigen, oft süßen Speisen, die bei uns beliebt find, stellen die Wegbereiter für die Zahnsäule (Zahncaries) dar. Tie hervorragende Zahnpflege der Reger — Ab- teiberx jedes einzelnen Zahnes mit fasersreienHolz- stäbchen, sog. Hickoryhvlz — die mangels anderer Beschäftigung stundenlang ausgesichrt wird, hat eine erhebliche Bedeutung. Man hat durch Erfahrung festgestellt, daß das Fortschreiten der Kultur im gleichen Verhältnis zum Fortschritt der Zahncaries steht. Natürlich hat in Europa die Sportertüchtigung der 3ugend bereits ein Gegengewicht geschaffen. Tenn in dem gestählten gesunden Körper wird auch die Zahnfäule wenig Angriffspunkte finden. Der also aus gesunder Familie stammt, Fann durch geeignete Ernährung, unverweichlichte Kost, Roggenbrot, ausgiebiges Kauen und entsprechende geordnete Mund- und Zahnpflege sehr Wohl meine eingangs gestellte Fraae in günstigem Sinne beantwortet finden. Uno wer aus irgendwelchen Gründen zunächst mit Erbgut belastet ist, kann durch entsprechendes Training, sachverständige Beratung und geeignete Lebensführung von 3ugend an gleichfalls zu einer einwandfreien Zahngesund- ' hcit gelangen. Dr. mcd. dent. L. S. Vom Kuliurverband Hessen Hessen-Nassau. 3m Kurhaus zu Bad-Rauheim hielt am vergangenen Soniitag der im Oktober 1930 in Hießen als Landesverband der Gesellschaft für Volksbildung (Sitz Berlin) gegründete Kultur- verband Hessen-Heffen-Raffau, der einen großen Teil der in diesen Bezirken bestehenden Vereine tut Pflege von Wissenschaft, Kunst und Dolks- lultung umfaßt, eine Vereinsvertreter-Zusam- menfunft ab. Es waren u. a. Vertreter aus @ i e 6 c n , Dillenburg, Siegen, Wiesbaden, DormS, Frredburg und Bad-Rauheim anwesend. Zur Verhandlung, die Dr. Kalischek- Diesbaden, der erste Vorsitzende des Kultur- verbands Hessen-Hessen-Rassau leitete, stand eine Reihe aktueller Fragen aus der praktischen Vereinsarbeit. Wiederholt wurde dabei die im Mittelpunkt aller Dolksbildungsarbeit stehende Pflege des Heimatgedankens unter- fcichen und die Gemeinschaftsarbeit aller im S’ienfte der Volksbildung stehenden Vereine betont, die bemüht sind, auf überparteilicher und überkonfessioneller Grundlage der gegenwärtigen tirtschaftlichen und seelischen Rot weiterer Be- tMerungskreise durch kulturelle Kleinarbeit zu hgegnen. Besondere Bedeutung kommt in dieser himsicht auch dem Problem der geistigen kcwerbslosen-Betreuung zu. Der anregende Gedankenaustausch über das Aufgabengebiet der Volksbildungsvereine soll auf einer ent 8. und 9. Oktober in Wiesbaden geplanten großen Dolksbildungstagung fortgesetzt werden. Llmbau an der Unterführung bei Klein-Linden. Umfangreiche Arbeiten bei der Reichsbahn. Die Deutsche Reichsbahngesellschaft läßt zur 3eit größere Bauausführungen an der Unter- sü hrung der Main-Weser-Dahn, im .)itge der Frankfurter Straße, ausführen. Durch lie außergewöhnliche Belastung infolge schwerer gebauten Lokomotiven und Wagen, waren die Träger bei der großen Spannweite den an die Tragkraft gestellten technischen Anforderungen richt mehr gewachsen und werden jetzt über echt Gleise neue eiserne Träger mit größerem Querschnitt aufgebracht. Rach und nach werden {Bei Betriebsgleise außer Betrieb gesetzt. Die Karpfenteich. Gizählung von Hans Friedrich Blunck. « für mik kleidigunge" L, 5»”® 6 , ; 6:« "S" chls E' g Kops- gtur3 II, 2er , ... A SS- l 9; l mak- nationale Alpenfahrt 1932,als einziges deutsches Team strafpunktfrei u. gewinnen erneut den ALPENPOKAL Im Einzelweftbewerb erringen H.J.Bernef und K.Kappler sfrafpunkffrei den Internationalen ------- GLETSCHERPOKAL 5WANDERER AM START, 5 WANDERER AM ZIEL! Unübertroffene Bestleistung aller Marken Verkauf durch: Willy Letsch, Gießen, Krofdorfer Str. 16, Telephon 3235 5743 V Sie sich bann entschlossen." Und er geht mit großen Schritten auf seinen Wagen zu. „Mit hat aber doch jemand geschrieben", brüllt der mit dem roten Gesicht und drückt auf die Zündung, „wenn ich den erwische, Fischleim soll er aus Ihren Karpfen kochen, zweitausend Pfund soviel Sie liefern, Herr Buhlemann." Dann sieht er, daß sein Klicker- pucker dem großen Wagen im Wege steht, er schiebt ihn zur Seite, Schrammen kosten Geld und Klagen find teurer als ein neuer Wagen. Dann ratterte und holperte auf dem stillen Lehmweg von bannen, als waren zwei Gespenster auf der Jagd hintereinander. Buhlemann bleibt allein, er blickt seine Frau an, die Frau schüttelt den Kopf, sie begreift nichts, aber sie wundert sich über Buhlemanns Mut. „Was hat er gesagt? Tausend Pfund Karpfen? Wae sagt er — Fischmehl? Hast du was verstanden?" Buhlemann hat Nichte verstanden, aber er hat eine entfernte Ahnung. Und weil fürs Ueberdenken die Muße gut tut und unten am Teich ein frischer Wind weht, schlendert er qualmend hinab — auch um seine Karpfen zu zählen, damit ihm bei so vielen guten und bösen Wünschen nicht einer abhanden kommt. Aber die Karpfen treiben wie zu Sommers Anfang in der Mitte des Teiches, sie drehen sich gemächlich einer um den andern. Und der größte, der, wie Buhlemann vermutet, bald Moos auf dem Rücken ansetzen wird, schmatzt wieder deutlich vernehmbar — hustet, könnte man sagen, stünde nicht gerade der eigne Herr am Teich ... Wirtschaft. Oer Karstadt-Bericht. Berlin, 9. Rüg. Der Geschäftsbericht der Rudolph Karstadt 2IG.. Berlin, spricht aus, daß die mit dem Riedergange der Wirtschaft verbundene allgemeine Einschränkung der Lebensführung sowie der Rückgang aller Preise sich in einer Minderung des Gesamtumsatzes in den Detailbetrieben im Berichtsjahre 1931 32 auf 252,24 Millionen Mark gegenüber 310,61 Millionen Mark im Vorjahre ausdrückte. Diesem Llmsahrückgang konnte eine entsprechende Senkung der Spesen nicht im gleichen Zeitmaß folgen. Das reguläre Geschäft schließt in 1931/32 nach Vornahme der regulären Abschreibungen mit einem Verlust von 1,55 Millionen Mark ab. Die anhaltende Abwärtsbewegung aller Warenpreise machte über die üblichen Abschreibungen hinaus Sonderabschreibungen von rund 12 Millionen Mark erforderlich. Das Ergebnis wird weiter verschlechtert durch die Rotwendigkeit großer außerordentlicher Abschreibungen. Insgesamt waren außer den bereits erwähnten 12 Millionen Mark Konjunkturverlusten außerordentliche Abschreibungen von 24,64 Millionen Mark erforderlich- 2m Bericht wird sodann der Verkauf der Cpa-Aktien und die Umwandlung von nom. 20 Millionen Mark Stammaktien in einen gleichen CBetrag Vorzugsaktien erwähnt und zu der Entwicklung des neuen Geschäftstyps „Karzentra" ausgeführt, es habe sich gezeigt, daß es dem Kunden, der nur das Rotwendigste zu kaufen in der Lage sei, weniger auf die Auswahl, als vielmehr auf besondere Leistung ankomme. Dementsprechend seien in verschiedenen Geschäften des Konzerns die Sortimente erheblich verringert worden, um durch die dadurch herbeigeführte Konzentration des Bedarfs und des Einkaufs leistungsfähiger zu werden. Die bisherige Entwicklung der umgestellten Geschäfte habe die Erwartungen bestätigt. Im einzelnen zeigt die Gewinn - und Ver - l Umrechnung (alles in Mill. Mk.) folgendes Bild: Bruttogewinn 82,48 (111,68), Ergebnisse bei Beteiligungen und Wertpapieren 1,24, außerordentliche Gewinne 1,79, Agiogewinn aus Zuzahlung auf Vorzugsaktien 10,20, Gewinn aus Einziehung von nom. 5 Mill. Mk. eigenen Aktien 2,43 und demgegenüber Unkosten 67,43 (78,94), Zinsen und Bankprovisionen 13,35 (12,99), Steuern 10,45 (13,10), reguläre Abschreibungen 6,05 (5,17), Verwendung des Zahlungsgewinnes aus Vorzugsaktien zu Abschreibungen und Rückstellungen 6,44 und zur Zuweisung an gesetzlichen Reservefonds 3,76, außerordentliche Verluste und Abschreibungen 24,64 (25,23.) Es ergibt fi», sodann ein Verlust von rund 34 Mill. Mk., der auf neue Rechnung vorgetragen werden soll (der im Vorjahre ausgewiesene Verlust von rund 23 Mill. Mk. wurde durch fast völlige Auflösung der Reserve getilgt). Rach den vorliegenden Bilanzziffern liege, so heißt es in dem Bericht u. a. weiter, die Notwendigkeit einer Sanierung der Gesellschaft auf der Hand, um den ausgewiesenen Verlust zu beseitigen und um im Interesse der Rentabilität des Unternehmens besondere Abschreibemöglichkeiten auf die Anlagekonten zu schaffen. Wenn die Verwaltung davon absehe, bereits jetzt ein entsprechendes Sanierungs-Programm vorzulegen, so sei für sie die Erwägung maßgebend, daß im Rahmen dieses Programmes Opfer nicht nur von den Aktionären und Bankgläubigern verlangt werden müssen, sondern, daß hierzu auch die Mitwirkung der Besitzer der Dollarbonds notwendig sei. * * Opel-Automobile-Derkaufs-AG., Frankfurt a. M. Die 1923 gegründete und mit einem Kapital von 500 000 Mk. ausgestattete Opel-Automobile-Verkaufs-AG., Frankfurt a. M., verzeichnet für das Geschäftsjahr 1931 einen Geschäftsgewinn von 759 174 Mk. und einen Wertzuwachs auf Liegenschaften von 195 378 Mk. (i. V. Bruttoüberschuß 466 327 Mk.). Allgemeine Unkosten beanspruchten 755 040 (454 965) Mk., Steuern 50 194 (80 688) Mk., Abschreibungen 38 887 (15 069) Mk. und Rückstellungen 35 630 (—) Mk. Die Erfolgsrechnung schließt somit ohne Gewinn und ohne Verlust. Für 1930 wurde ein Verlust von 74 801 Mk. ausgewiesen. Berlin beruhigt, aber leicht schwächer. Berlin, 9. August. Die innerpolitische Unsicherheit und besonders die bevorstehenden Entscheidungen hinsichtlich der Regierungsumbildung waren für die Tendenz der heutigen Börse bestimmend. Die Wahlagitationshausse in Neuyork blieb auch heute völlig eindruckslos, da aber das Publikum an seinem Besitz festhält und eher Kaufneigung bekundet, konnten die ersten offiziellen Notierungen im Gegensatz zu den Erwartungen des Vormittags, die auf schwächer gestimmt waren, verhältnismäßig große Widerstandsfähigkeit zeigen. Lebl^ifter war das Geschäft aber nur auf einigen Spezialgebieten und besonders am Montanmarkte. An diesem lagen Harpener und Leopoldgrube recht fest. Auch am Farbenmarkt war eine Beruhigung festzustellen, da ein in den letzten Tagen auf den Markt drückendes Paket Unterkunft gefunden hat. Aus der Wirtschaft lagen wenig anregende Momente vor. Es fei denn, daß man die Festigkeit des Kupfermarktes, den gesteigerten Passagieroerkehr bei der Hapag oder den Reichsbankausweis für die erste Augustwoche mit einer Entlastung um rund 200 Mill., wobei die Deckung auf 23,4 gegen 22,5 v. H. in der Vorwoche gestiegen ist, als Anregungen betrachten will. Etwas stärker war das Angebot dagegen am Rentenmarkt, an dem Reichs-fchuldbuchforde- rungen 0,50 bis 0,75 v. H. einbüßten. Auch die Altbesitzanleihe gab bis zu 0,75 v. H. nach. Jndu- ftrieobligationen lagen ebenfalls eher schwächer, nur Reichsbahnvorzugsaktien setzten ihre Aufwärtsbewegung fort. Auch im Verlaufe blieb die Umsatztätigkeit an den Aktienmärkten auf ein Minimum beschränkt und man hörte zunächst Anfangskurse hin und her. Später machte sich am Farbenmarkt Abgabedruck bemerkbar, der sich auch auf die übrigen Märkte, allerdings mehr stimmungsmäßig, übertrug. Am Berliner Geldmarkt war Tagesgeld mit 5,25 v. H. erhältlich, für erste Adressen auch schon mit 5,13 v.H. Am Privatdiskontmarkt war weiter kleine Nachfrage festzustellen und auch für Reichsschatzwechsel per 5. November bestand nach wie vor Interesse. Reichsschatzanweisungen per 15. November wurden in kleinen Posten umgesetzt. Frankfurt zurückhaltend, unsicher. Frankfurt a. M., 9. Aug. An der Vorbörse nannte man recht matte Kurse, da die Börse in der innerpolitischen Lage eher eine Verschärfung sehen wollte, und man daher wieder größte Zurückhaltung bekundete. Zu Beginn des Verkehrs lagen vereinzelt kleine Kauforders von außen vor, so daß die Kurse der gestrigen Abendbörse meist wieder erreicht wurden und darüber hinaus noch vereinzelt kleine Besserungen zu verzeichnen waren. Im allgemeinen aber war die Ausgestaltung nicht einheitlich und die Tendenz unsicher. Die weiter feste Haltung der gestrigen Auslandbörsen blieb nach wie vor ohne jeden Einfluß. Gegen die Abendbörse eröffneten IG. mit 88 v. H. 0,5 o. H. höher, nachdem sie vorbörslich bis auf 86,75 v. H. heruntergesprochen worden waren. Scheideanstalt und Metallgesellschaft blieben behauptet, wogegen Deutsche Erdöl fast 1 v. H. niedriger lagen. Am Montanmarkt setzten Rheinstahl 1 und Stahlverein 0,25 v. H. höher ein, Klöckner verloren 0,65 v. H., Harpener, Gelsenkirchen und Phönix lagen unverändert. Von Elektrowerten gingen AEG. 0,25 v. H. zurück, Schuckert konnten sich um Bruchteile eines Prozents erholen. Etwas höher eröffneten noch Hapag, Daimler und Holzmann, während Aku und Reichsbank je 0,75 v. H. nachgaben. Die Umsatztätigkeit hielt sich auf allen Marktgebieten in engsten Grenzen. Am Rentenmarkt verloren Altbesitz 0,75 v. Sy, dagegen lagen Neubesitz 0,13 o. H. freundlicher, ebenso Reichsbahnvorzugsaktien. Späte Reichsschuld, buchforderungen bröckelten weiter etwas ab. Goldpfandbriefe waren weiter angeboten und 0,25 bis 0,75 v. H. schwächer. Liquidations- Pfandbriefe lagen dagegen nur wenig verändert und zum Teil etwas hoher. Niedriger im Kurs stehende Kommunalobligationen waren noch gesucht. Deutsche Anleihen bröckelten im Verlaufe weiter ab, ebenso gingen Reichsschuldbuchforderungen erneut um 0,5 v. H. zurück. Im Verlause kam in IG. später Angebot heraus, das den Kurs bis auf 86,75 v. H. drückte, während an den übrigen Marktgebieten nur unwesentliche Abschwächungen eintraten. Schiffahrls- aftien waren sogar gesucht und bis zu 0,75 v. H. hoher. Tagesgeld blieb zu 4 v. H. unverändert. Ö.J.-fpori •• Wolrat Eberle belegte den dritten Platz im Zehnkampf und gewann damit eine Bronzene Medaille für Deutschland. Deutscher Wasserballsieg. Das Olhmpiaprogramm öe£ Montags war verhältnismäßig schwach. Vor allem wurden die Schwimmwettkämpfe fortgesetzt. Deutschland gewann das Wasserballspiel gegen Brasilien 7:3, wobei die Polizei infolge skandalösen Verhaltens der Brasilianer Ruhe schaffen mußte. Oer Abschluß in Trier. Höhepunkt des Kreisturnfestes am Montag. Das Mittelrheinische Kreisturnfest in Trier erreichte am Montag seinen Höhepunkt. Etwa 2500 Turner und Turnerinnen beteiligten sich an den verschiedenen Mehrkämpfen, die früh morgens in Angriff genommen wurden und sich bis zum Nachmittag erstreckten. Im Zwölfkampf der Turner und im Siebenkampf der Turnerinnen gab es zwei ganz große Ueberrafdjungen. Der im Zwölfkampf allgemein als Favorit geltende Ernst Win- t e r (Frankfurter Turngemeinde Eintracht) tarn nur auf den vierten Platz. Sieger wurden der letzte Deutsche-Turnfest-Sieger Karl Reuter (Tv. 1846 Gießen) und Gobüg (Tv. Mainz-Mombach) mit je 207 Punkten. Winter war in seinen Hebungen stark vom Pech verfolgt, hätte aber besser abgeschnitten, wenn er die Möglichkeit ausgenutzt hätte, eine seiner volkstümlichen Hebungen durch eine Schwimmübung zu ersetzen, lieber die Ergebnisse im einzelnen berichten wir, soweit es nicht schon geschehen ist, demnächst. Hochschulnachrichten. Das Vorlesungsverzeichnis der Handels- Hochschule Leipzig für das Wintersemester 1932/33 gibt eine llebersicht über die Vorlesungen und Hebungen u. a. aus dem Gebiete der Betriebswirtschaftslehre, Rechts-, Dersicherungs- und Sleuerwissenschaft, Volks- und Weltwirtschaftslehre, Technologie, Warenkunde und Handelsschul-Pädagogik. Das Verzeichnis enthält auch Angaben über das Steuer-Institut, das Weltwirtschafts-Institut, das Institut für Revisionsund Treuhandwesen (Bücherrevisorenkurs) sowie die Studienabteilung für Wirtschafts-Iournalls- mus und Zeitungs-Betriebslehre. Wettervoraussage. Die Umgestaltung zu beständigem Wetter hat sich durch den Einfluß hohen Druckes weiter vollzogen, während im Osten die Rückseitenwirkung der Lettlandstörung noch zur Geltung gelangt. Wenn auch neuerdings an der Westküste von Irland und England Störungsbildungen in Form von Regen zu erkennen sind, so wird für unser Gebiet vorläufig der hohe Druck standhalten. Aussichten für Mittwoch: Dis auf stellenweise Dunstbildungen in den Morgenstunden oder leichte Bewölkung meist aufheiterndes, wärmeres und trockenes Wetter. Aussichten für Donnerstag: Fortdauer des beständigen und aufheiternden Wetters, tagsüber warm. Gießen, den 8. August 1932. 04662 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unserer lieben Entschlafenen, für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers Köhler, Darmstadt, sowie für die liebevolle Pflege der Schwestern der Medizinischen Klinik und für die zahlreichen Kranz- und Blumenspenden sagen wir auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Wilhelm Wallbott und Kinder. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme anläßlich des Hinscheidens unseres lieben Entschlafenen, dem Herrn Pfarrer Naumann für die trost- reichenWorte am Grabe, dem Krieger-und Schützenverein Alten-Buseck, den Alterskollegen und Invaliden für die erwiesene Ehre, für die zahlreichen Kranzspenden und allen denen, die ihn zur letzten Ruhe geleiteten, sagen wir auf diesem Wege aufrichtigsten Dank. Kath.Ran,geb.Engelhardt. Trohe, den 9. August 1932. 01663 Mittwoch, 10. August versteigere ich im Löwen, Neuenweg 28, ob 2 Llhr: 5732D 4 Kleiderschränke (zweitürig), 1 Vertiko, 1 Flurgarderobe, 4 Büfetts, 3 gut erhaltene Sofas, 2 kleine Kassenschränke, 1 Eisschrank, 2 Nachtschränke mit Marmor, 1 Waschtisch mit Marmor, 1 Bett mit Roßhaarkell, 1 Schreibtisch, 1 Aus- ziehtisck) 1 Obstpresse, 1 Staubsauger, 1 Herrenrad, 5 Mille Zigarren, 1 Lautsprecher, 1 Ofen, 1 Brutapparat, 1 runden Tisch u. v. a. Versteigerung bestimmt. 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