Nr. 159 Kvühaussabe 182. Jahrgang Samstag, 9. Juli 1932 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Vezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. 8ernsprechank^lüfse unierSamme' r2251. Anschrift nach» richte' ea. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univer^llttr-Vuch- und Zteindruckerei TL Lange in Stehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorschrift 20°, mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. *)et Abschluß. - Konferenz von Lausanne ist beendet. Drei Zöchen lang verhandelten die leitenden Staatsmänner der an der Tributfrage interessierten vier europäischen Großmächte über eine Regelung, die den wirtschasllichen Tatsachen entsprach. Die Schwierigkeiten waren nicht gering und oft genug stand das Schicksal der Konferenz auf des Messers Schneide, oft genug hing die Fortführung der Verhandlungen nur noch an einem dünnen Fädchen, aber die Verantwortung für die Folgen eines Scheiterns der Konferenz wären unabsehbar gewesen, nicht nur für Deutschland, niemand konnte und wollte dafür die Verantwortung übernehmen, so gelang es immer wieder, Die Fäden wieder anzuknüpfen und trotz schärfster Gegensätze und stärkster Spannungen einen Abbruch zu verhüten. Wenn das Ergebnis den verhandelnden Staatsmännern oft genug in dem, Augenblick zu entgleiten schien, wo sie schon glaubten, zugreifen zu können, so hatte das seinen Grund darin, daß immer wieder neue Probleme in die Debatte geworfen wurden und sich der Rahmen der angestrebten Vereinbarungen ständig erweiterte. Dazu war die unverminderte Anspannung dieser Wochen natürlich auch nicht ohne tiefe psychische und körperliche Wirkung auf Die Rervenkraft geblieben. Macdonald, der britische Premierminister, der als Rekonvaleszent nach Lausanne gekommen war und hier als ständiger Vermittler zwischen Deutschen und Franzosen eine heikle und aufreibende Aufgabe zu losen hatte, fühlte sich erschöpft und zermürbt. Sogar Herriots unbekümmerte Vitalität zeigte sich nicht immer den Anstrengungen der ständig wechselnden Sorge gewachsen. Rur von. den Deutschen hörte man nicht viel Aeußerungen der Entmutigung und nachlassender Spannkraft. Roch vor wenigen Stunden schien eine Vertagung der Konferenz ohne ein abschließendes Ergebnis fast unvermeidlich. Wmn cs dann doch gelang, durch eine letzte energische Kraftanstrengung in an dramatischen Zuspitzungen reichen Verhandlungen, die am Donnerstag früh begannen und fast ohne Unterbrechung bis zum Morgen des Freitag fortgeführt wurden, zu einem Abschluß zu kommen, so nur dadurch, daß man auf den engen Rahmen des Tributproblems an sich zurückging, in dem die Konferenz vor drei Wochen begonnen war. lieber das, was in diesem engeren Rahmen schließlich erreicht wurde, hat Reichskanzler von Popen noch gestern abend in einer kurzen Rundfunkansprache die deutsche Oeffentlichkeit unterrichtet. Nach seiner Erklärung hat die deutsche Delegation in Lausanne die völlige Beseitigung der Tributzahlungen durchgesetzt. Der Poung- plan mit seinen Zahlungsverpflichtungen in Höhe von mehr als 33 Milliarden Mark ist gefallen. Deutschland hat sich indessen verpflichten müssen, die während des Hooverfeierjcchrs gestundeten Zahlungen zu leisten und außerdem einen Beitrag für die gemeinsame europäische Wiederaufbaukasse, insgesamt eine Summe von drei Milliarden Mark, die 'in Form von Reichsschuldverschreibungen der Baseler Bank für internationale Zahlungen zu treuen Händen übergeben werden soll. Diese Schuldverschreibungen des Reichs dürfen indessen erst nach drei Jahren von der BIZ. auf den ausländischen Geldmärkten angeboten werden und zwar zu Modalitäten, die auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands Rücksicht nehmen müssen. Schuldverschreibungen, die nach 12 Jahren unter diesen Bedingungen nicht begeben werden konnten, gelten als erloschen. Diese Vereinbarung bedeutet das Ende des Tributsystems, das, wie der Kanzler mit Recht ausführte, mit seiner destruktiven Tendenz einseitiger Zahlungen eins der stärksten Hemmnisse für die Wiederherstellung des Vertrauens und eine Erholung der Wirtschaft dar- gestellt hat. Deutschland löst sich wieder aus den finanzpolitischen Verstrickungen, in die es Dawcs- und Äoungplan hineingezogen hatten. Es erhält seine volle Souveränität über Reichsbahn und Reichebank zurück und damit volle Freiheit, aber auch volle Selbstoerantwortung für die Gestaltung seiner wirtschaftlichen und finanziellen Zukunft. Es bestehen keinerlei weitere Bindungen mehr. Auch g^endwelcher Zusammenhang mit den interalliierten Kriegsschulden an Amerika in Form einer Sicherungsklausel, wie Herriot sie gefordert hatte, ist von der deutschen Delegation erfolgreich abgcwehrt wor- den und damit auch dieser Unsicherheitsfaktor, der für die Zukunft hätte gefährlich werden können, ausgeschaltet worden. Die deutsche Delegation hat offenbar lieber eine höhere Gesamtleistung in Kauf ge- nommcn, als die künftige wirtschaftliche Entwicklung, die sich nur auf einer festfundierten neuen Grundlage des Vertrauens in die Stabilität der Verhältnisse aufbauen kann, mit der Uebernahme von Zahlungsverpflichtungen zu belasten, die nicht aus eigenem Entschluß und zur selbstgewählten Stunde eintreten wurden. So sind wir also auch hier unser eigener Herr geworden. Einer kritischen Betrachtung der Vereinbarung von Lausanne im Einzelnen stehen Schwierigkeiten entgegen, so lange die dort getroffenen Abmachun- chen nur in großen Umrissen und in Kommentierungen unserer Unterhändler vorliegen Von ausschlaggebender Wichtigkeit für die abschließende Beurteilung des neuen Abkommens ist z V daßdie Zahlung, zu der wir uns verpflichtet haben nur in einer Höhe erfolgen soll, die der tatsächlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit entspricht und daß die Schuldverschreibungen, in die diese deutsche Zahlung gekleidet wird, erst dann begeben werden dürfen, wenn das wirtschaftliche Gleichgewicht Deutschlands vollkommen wiederhergestellt wird. Wir möchten annehmen, daß gewitzigt durch Erfahrungen bei der Ausführung früherer Tributabkommen, die Deutsche Delegation starke Kau- Das Vertragswert von Lausanne. Oer Ersah des Haager Abkommens durch eine neue Vereinbarung über eine deutsche Zahlungsverpflichtung in Höhe von 3 Milliarden Mark. Oie politische Präambel. Das Außerkrafttreten des AoungPlans. Lausanne, 8. Juli. (TU.) Das umfangreiche Dertragswerk von Lausanne besteht zunächst aus einer allgemeinen geschichtlichen Darstellung der Vorgänge, die zur Einberufung der Konferenz geführt haben. Es gibt sodann die Moratoriumserklärung der Gläubigermächte vom 16. Juni wieder. 1. Das Reparationsabkommen mit Deutschland beginnt mit einer Präambel, in der die Regierungen von England, Belgien, Kanada, Australien, Reuseeland, Südafrika, Indien, Frankreich, Griechenland, Japan, Portugal, Polen, Rumänien, Tschechoslowakei, Südslawien, und Deutschland feststellen, daß die Rechts- gültigkeit der Haager Abkommen vom 20. Januar 1930 nicht zur Verhandlung stehen, jedoch im Hinblick auf die großen wirtschaftlichen Krisen und Schwierigkeiten und von dem Wünsche geleitet, das notwendige Vertrauen für die normalen wirtschaftlichen und finanziellen Bedingungen zu sichern, die unterzeichneten Mächte folgendes Tlebereinkom- m e n getroffen haben: Die unterzeichneten Staaten des gegenwärtigen Abkommens sind in Lausanne zusammengetreten, um eines der Probleme des Weltkrieges mit dem ehrlichen Wunsche zu regeln, zur Bildung einer neuen Ordnung beizutragen, die die Schaffung und Entwicklung des Vertrauens zwischen den Völkern im Geiste des gegenseitigen Entgegenkommens, der Zusammenarbeit und der Gerechtigkeit fördert. Die Wachte sind nicht der Ansicht, daß das in Lausanne geschaffene Werk, das vollständig den Reparationen ein Ende bereitet, genügt, um den Frieden zu erreichen, den die Völker wünschen. Jedoch hoffen sie, daß diese Erkenntnis in sich selbst so bedeutend ist, daß sie von allen friedlichen Elementen Europas und der Welt verstanden und richtig geschäht werden, und daß neue Werke folgen werden. Diese Taten werden um so leichter durchzuführen sein, als die Völker diesen neuen Schritt zu einem wahren Frieden unterstützen, der, um vollständig zu sein, sich gleichmäßig auf die wirtschaftliche und politische Ordnung beziehen muh, wie sie auch jeden Appell an Gewalt oder zu den Waffen zurückweisen. Die Anlerzeichner- mächte des gegenwärtigen Abkommens werden sich daher bemühen, die gegenwärtig gestellten Probleme oder diejenigen Probleme, die später gestellt werden, in dem gleichen Gei sie z u l ö s e n, der dieses Abkommen beseelt. Dis finanziellen Abmachungen. Es folgt der finanzielle Teil der Abmachungen: Artikel I regelt die von der deutschen Regierung im Gesamtbetrag von drei Milliarden Goldmark auf der Grundlage der gegenwärtigen Währung auszugebenden Schuldverschreibungen zu 5 v. H. sowie in neun Punkten d i e näheren Ausgabebedingungen. Die Schuldverschreibungen können von der BIZ. erst nach Ablauf von drei Jahren vom Zeitpunkt der Unterzeichnung des Abkommens begeben werden. 15 Jahre nach der Unterzeichnung werden die von der BIZ. nicht untergebrachten Schuldverschreibungen annulliert. Der Ausgabe- k u r s ist 90 v. H. Bemerkenswert ist Punkt 6, wonach im Falle, daß die Reichsregievung im Auslande mit oder ohne ihre Garantie Anleihen auflegt, sie bis zu einem Drittel das Nettoeinkommen dieser Anleihen zum Rückkauf der Schuldverschreibungen verwenden muß. Gegebene Vorschüsse für die gleiche Zeit oder für weniger als ein Jahr bleiben davon unberührt. Punkt 7 besagt, falls zu irgendeinem Zeitpunkt die BIZ. der Ansicht ist, daß der Kredit der deutschen Regierung wiederher g e st e l l t ist, jedoch die Anleihekurse unterhalb des Minde st Preises der Emission liegen, so kann eine Zweidrittelmehrheit des Der- waltungsrates der BIZ. den Mindestpreis ä n - dern. In allen anderen Fragen (Punkt 8) faßt der Vcrwaltungsrat der BIZ. ferne Entschließungen mit Stimmenmehrheit. Artikel II. Von dem Zeitpunkt des Inkrafttretens an beendet und ersetzt das vorliegende Abkommen das Reparationssystem des Haager Abkommens vom 20. Januar 1930, des Londoner Abkommens vom 11. August 1931 und des Berliner Abkommens vom 6. Juni 1932. Die Verpflichtungen dieses vorliegenden Abkommens c r - fetzen vollständig die vorhergehenden Verpflichtungen Deutschlands, die in den Jahreszahlungen des „Reuen Planes" zusammengefaßt waren. Artikel III. Infolgedessen sind die Artikel I, II, IV, V, VII, VIII und IX sowie die Annexe I, III, IV, V, Vb, VI, VIb, VII, X und Xa (des Haager Abkommens) en d g ü l t i g beseitigt. Artikel IV: Das Londoner Protokoll vom 11. August 1931 und das Berliner Zusatzprotokoll vom Sie Wahl des hessischen Siaaispräsidenien aus den 14.3uli vertagt. Mißirauensaniräge gegen MinisterLeuschner undGesamtkabineit angenommen- Aufhebung des Verfassungsfeieriags. WSR. D a r m st a d t, 8. Juli. Rach etwa zweistündiger Tlnterbrechung der Sitzung des Hessischen Landtages teilte der Vizepräsident mit, daß der zweite Wahlgang äuc Staatspräsidentenwahl auf Wunsch verschiedener Fraktionen heute von der Tagesordnung abgesetzt werde. Das Haus trat dann in die Beratung des nationalsozialistischen Mihtrauensantra- ges gegen Innenminister Leuschner und des kommunistischen Mißtrauensantrags gegen die Gesamtrcgierung ein. Der kommunistische Antrag gegen die Gesamtregierung wurde bei Stimmenthaltung der Rationalsozialsten, des Zentrums und der Sozialdemokraten mit den acht Stimmen der Antragsteller angenoinmen. Der nationalsozialistische Abberufungsantrag gegen Minister Leuschner wurde von den Rattonalsozialisten, den Bürgerlichen und den Kommunisten bei Stimmenthaltung des Zentrums und der Sozialdemokraten angenommen. Ein nationalsozialistischer Antrag auf Aufhebung des Verfassungsfeiertages in Hessen wurde angenommen. Ein weitergehender Antrag der Kommunisten, dafür den 1. Mai zu feiern, abgelehnt. Der Landtag verabschiedete anschließend eine Vorlage, die das Gesetz vom 20. Juni 1929 über den Verfassungstag mit sofortiger Wirkung außer Kraft setzt. Damit wird in diesem Jahr der Verfassungstag in Hessen nicht mehr als Feiertag begangen. Ein nationalsozialistischer Antrag, der die hessische Regierung ersuch!, bei der Reichsregierung mit allem Nachdruck dieAufhebungderKürzung der Sozialversicherten-Renten zu fordern, wurde angenommen. Gleichfalls Annahme fand ein sozialdemokratischer Antrag, der die Regierung ersucht, bei der Reichsregierung schärfsten Protest gegen die N o tve r o r dn ung vom 14. J u n i zu erheben, den Reichsrats-Bevollmächtigten zu beauftragen, im Reichsrat einen Antrag auf Aufhebung dieser Notverordnung einzubringen und alsbald Fühlung mit den übrigen Länderregierungen zu nehmen mit dem Ziel, gemeinsam im Sinne des Antrags der SPD. bei der Reichsregierung vorstellig zu werden. Der Präsident vertagte hierauf den Landtag auf Donnerstag, den 14. Juli. Auf der Tagesordnung steht lediglich die Wahl des Staatspräsidenten. Die Hintergründe der Vertagung Aussichten auf Zustandekommen der Koalition Zentrum-NSDAP. WSN. Darmstadt, 8. Juli, lieber die Verhandlungen zwischen den Nationalsozialisten und dem Zentrum sowie über die Ursache der heutigen Vertagung der Staatspräsidentenwahl hört man in politischen Kreisen u. a.: Die schon seit Wochen im Gang befindlichen Fühlungsnahrnen und Verhandlungen — tm Laufe der Woche war auch der Führer der Zentrumspartei, Prälat Kaas, in Darmstadt — hatten bereits Donnerstag abend z u einer weitgehenden Annäherung geführt, so daß man einen positiven Ausgang des heutigen Wahlganges für möglich hielt. Gegen den Staatspräsidenten-Kandidaten Professor Werner bestand auf keiner Seite Wider- spruch. Ueber die Person . für den zweiten Ministerposten war jedoch eine Einigung zwischen Nationalsozialisten und Zentrum noch nicht re st los zustande gekommen. Man glaubte jedoch, daß diese Differenz am Freitag noch ausgeglichen werden könnte. Der überraschende Versuch des nationalsozialistischen Fraktionsführers, ohne diese Einigung bereits die Wahl des Staatspräsidenten allein heute durchdrücken zu können, scheiterte an dem Zentrum, das sofort mit einem eigenen Kandidaten, dem Finanzminister Kirnberger, hervortrat. Die Wahl des Staatspräsidenten wird nun am kämmenden Donnerstag erfolgen und man nimmt an, daß, wenn nicht mehr Unvorhergesehenes eintritt, am kommenden Donnerstag d i e neue Regierung aus Nationalsozialisten und Zentrum in Hessen zustande kommt. telen dafür durchgesetzt hat, daß später einmal, frühestens also nach 3 Jahren über die Prüfung dcr deutschen Leistungsfähigkeit nicht ein neuer Streit entbrennt. Schon die Möglichkeit dazu müßte auf den deutschen Kredit schädigend wirken. Lind das um so mehr, als migesichts des völligen Damie- derliegens der deutschen Wirtschaft mit ihrer ungeheuren Auslandverschuldung und angesichts der katastrophalen Lage der öffentlichen Finanzen in Deutschland die von der deutschen Delegation angenommene Gesamtzahlung von drei Milliarden Mark keineswegs ein Pappenstiel ist. wie es fast den Anschein haben könnte, wenn man sie, wie es der Reichskanzler getan hat, neben die völlig imaginären Zahlen des Voun-zplans stellt. Hier bleibt also vorerst eine Frage of en, die Anlaß zur Beunruhigung geben könnte. Offengeblieben sind auch, um diese Feststellung gibt es kein Herumreden, die sog. politischen Fragen, die die deuttche Delegation in einer kritischen Phase der Lausanner Konferenz überraschenderweise in die Debatte geworfen hatte und von deren präziser Beantwortung sie ursprünglich ihre Zustimmung zu dem Finanzplan des britischen Sachverständigen Sir Walter Lahton, der auch der endgültigen Vereinbarung zugrunde liegt, abhängig machen wollte. Es ist natürlich leicht, dem Reichskanzler den Vorwurf zu machen, mit dieser Aufrollung der politischen Fragen sich ein Ziel gesteckt zu haben, das er bei nüchterner Einschätzung der Lage aller Voraussicht nach in Lausanne wenigstens nicht erreichen konnte. Hier spielten von allen Seiten zweifellos innerpolitt- sche Einwirkungen und Rücksichten hinein. Die deuttckte Delegation, die ausgezogen war mit dem entschiedenen „Olein" hinter sich, das Reichskanzler Brüning schon für jede künfttge Verhandlung über die Beendigung der Tributzahlungen vorweggenommen hatte, sah sich in Lausanne einer sehr erheblichen Milliardenforderung Herriots gegenüber, die dieser als „Rest-" oder „Abschluß z a h l u n g“ verlangte, zumindest bann,, wenn es ihm nicht gelingen sollte, die Amerikaner' zum Verzicht auf ihre Ansprüche aus den Kriegsschulden zu bewegen. Da auch England, obwohl es früher für eine gänzliche Beseitigung der einseitigen und deshalb wirtschaftsmordenden Tribute eingetreten war, eine solche Restzahlung als Kompensation für den Fortfall der Boungplanver- pflichtungen für angebracht und gerechtfertigt hielt, fand man den Ausweg des „fonds com- mun“, der gemeinsamen europäischen Wiederaufbaukasse, deren Verwendungszweck übrigens auch noch recht im Dunkeln geblieben ist. So wurden zwar die Tribute restlos beseitigt, aber doch eine deuttche Zahlung herausgeschla- gen, die allerdings beträchtlich unter den ursprünglichen Forderungen der Franzosen liegt. Die deutsche Delegation glaubte dieses Zugeständnis, das sie entgegen ihrer ursprünglichen Absicht — wenn auch in anderer Form — gemacht hatte, durch die Forderung auf Beseitigung der Diskriminationen des Versailler Diktats dem deutschen Volke erleichtern zu können. Sie hatte dabei aber doch anscheinend Herriots inner» politische Stellung falsch eingefchäht. Sie ist keineswegs so stark, wie sie nach den letzten Kammerwahten hätte sein können. Das erwiesen eklatant die verschiedenen Pariser Reisen des Ministerpräsidenten, von denen Herriot stets sturer und unzugänglicher nach Lausanne zurück- kehrte, von der eigenen Partei sowohl wie von der Rechten bedrängt, in nichts locker zu lassen. Herriot wird auch ohne die Erfüllung der politischen Forderungen in Paris um feinen Kopf zu kämpfen haben, denn er bringt weder die Restzahlung mit in der Höhe, wie sie der französischen öffentlichen Meinung als für Deutschland tragbar eingctrichtert worden ist, noch hat er die Sicherungsklausel durchsetzen können, die Frankreich von der Sorge um die Rückzahlung seiner amerikanischen Kriegsschuld befreien sollte. Daß auch Macdonalds Plan eines „Gottes- friedens", dessen gefährliche Auswirkungen für Deutschlands Ostpolitik wir hier schon beleuchteten, soweit wir bisher durch den Kanzler über die in Lausanne getroffenen Vereinbarungen unterrichtet sind, offenbar nicht zustande gekommen ist, müssen wir als einen Erfolg buchen. Herriot war sofort bereit, als Antwort auf die deutschen politischen Forderungen das Verlangen nach einem politischen „Stillhalteabkommen" zu erneuern. Auch dieses wäre für Deutschland unerträglicher gewesen, als die Ablehnung der deutschen Forderung nach Beseitigung der Diskriminierung des Versailler Vertrags. Die Taktik der deutschen Delegation hat während der einzelnen Phasen der Konferenz von Lausanne häufig gewechselt und ist ohne Kenntnis der internen Vorgänge hinter den Kulissen der Konferenz von daheim aus nicht immer klar zu durchschauen gewesen. So muh sich auch eine Kritik vorerst noch Zurückhaltung auf er legen, wenn es auch im ganzen öeutfdjen Volk als besonders schmerzlich empfunden werden wird, daß das ihm gezeigte Ziel der offiziellen Beseitigung der Kriegsschuldlüge und der Wiederherstellung der deutschen Gleichberechtigung gegen den heftigen Widerstand der Franzosen nicht erreicht werden konnte. 6. Jun! 1932 werden aufgehoben. Infolgedessen werden die provisorisch der BIZ. von der Reich s- bahn übergebenen Einnahmen dieser wieder zurückgegeben. Artikel V: Das Schuldzertifikat der deutschen Re- gieruna und das Zertifikat der Reichsbahngesell. schast, Sie beide in Artikel VIII des Haager Abkommens und der Annexe III und IV behandelt sind, sowie in den hierin bcigefügten Koupons werden entsprechend der deutschen Regierung und der RcichsbahnaescUschast z u r ü ck c r st a t t e t. Artikel VI: Richt berührt werden Artikel III (Liquidation der Vergangenheit), Artikel IV soweit er die juristische Persönlichkeit der BIZ. berührt und Artikel X (die Immunität der BIZ.) des Haager Abkommens. Artikel VII. Die Signatarstaaten erklären, daß nicht in dem gegenwärtigen Abkommen herabseht oder ändert, die Rechte der Inhaber der Obligationen der auswärtigen deut- schenAnleihc von 1 9 2 4 oder der internationalen 5^,prozentigen Anleihe der deutschen Regierung (Dawes-Anleihe und Voung-Anleihe). Jede notwendige Aenderung des Verfahrens aus den Derpflichungen der deutschen Regierung, die die Auslandanlcihe von 1924 und die internationale 5'/»pro-. Anleihe der deutschen Regierung von 1930 betreffend, wird <5>cg en - st a n d eine- Abkommens zwischen der deutschen Regierung und der DIZ. sein. Die DIZ. ist hierbei der Finanzagent und Treuhänder der deutschen Auslandanleihe von 1924 und Treuhänder der 5'/°Proz. internationalen Anleihe der deutschen Regierung. Artikel VIII. Don dem Zeitpunkt des Inkrafttretens an wird das Abkommen durch Vermittlung der französischen Regierung der IIZ. notifiziert werden, um damit die Anwendung der darin vorgesehenen Bestimmungen, soweit sie die DIZ. betreffen, zu ermöglichen. Die französische Regierung wird gleichfalls der DIZ im Hinblick auf deren Statuten notifizieren, das) der „Reue Plan" auhev Kraft getreten ist. Artikel IX: Jede Meinungsverschiedenheit. sei es zwischen den Signatarmächten des gegenwärtigen Abkommens, sei es zwischen einem oder mehreren unter ihnen einerseits und der DIZ. andererseits, wird Gegenstand einer Auslegung oder einer Anwendung des gegenwärtigen Abkommens durch ein Schiedsgericht sein, das auf der Grundlage des Artikels IV des Haager Abkommens in Deutschland gebildet wird. Jegliche hierfür geeigneten Destimmungen des Annexes XII dieses Abkommens werden hierbei angewandt. Artikel X: Das gegenwärtige Abkommen, dessen französischer und englischer Text gleichmässig Gesetzeskraft hat, wird ratifiziert. Die Rieder- legung der Ratifikationsurkunden erfolgt i n Paris. Sobald das gegenwärtige Abkommen von den Regierungen Deutschlands, Belgiens, Frankreichs, Englands, Irlands, Italiens und Japans ratifiziert ist, tritt eszwischen den Regierungen in Kraft. Artikel XI: Zu jedem Zeitpunkt vor dem Inkrafttreten des Abkommens, so, wie es in dem Artikel X vorgesehen ist, kann das gegenwärtige Abkommen von den älnterzeichnermächten des Haager Abkommen- vom 20. Juni 1930 unterzeichnet werden. Außer diesem Abkommen mit Deutschland enthält das Dertragswerk von Lausanne: 2. ^lebergangsmaßnahmen zu diesem Abkommen, 3. die Frage der Ostreparationen, zu deren Regelung ein Komitee eingesetzt und das Moratorium bis 15. Dezember verlängert wird, 4. eine Resolution betreffend Mittel- und Osteuropa, 5. eine Resolution des Lausanner Wirtschaftsausschusses betreffend die Weltwirtschaftskonferenz. Was in Lausanne erreicht wurde. Heichskanzler von Popen spricht im Rundfunk. Lausanne, 8. Juli. (WTB. Funkspruch.) Reichskanzler von Papen sprach heute abend iin Rundfunk über die Ergebnisse der Lausanner Konferenz. In der Rede, die über alle deutschen Sender verbreitet wurde, führte der Kanzler aus: Das deutsche Volk hat bas Recht, von dem verantwortlichen Regierungschef auf dem schnellsten Wege über das Ergebnis der Lausanner Konferenz unterrichtet zu werden. In dieser historischen Stunde ist für P a r t e i p o l i t i k kein Raum. Je großer das zu behandelnde Problem ist, umso freier, um so höher muß der Standpunkt lein, von dem man aus an die Lösung einer so schweren Ausgabe herantritt. In Lausanne geht es um nicht mehr und nicht weniger als um das Schicksal des deutschen Volkes und mit ihm um die Zukunft der abendländischen Welt. Wir gingen an die Arbeit in dem festen Bewußtsein eines geschlossenen und starken Willens der deutschen Heimat, in dem Bewußtsein, Führer eines Volkes zu sein, das u m feine wirtschaftliche und nationale Freiheit einen siegreichen Kampf zu führen bereit ist. Unsere Aufgabe war, die Ver- aangenheit zu liquidieren und für die Zukunft das deutsche Volk von dem ungeheuren Druck zu befreien, der jede wirtschaft- liche Tätigkeit lähmte, jede Aufbauarbeit störte, der den Kampf aller gegen alle bedeutete. Es galt, die Lebensgrundlagen zu schaffen, die der Ration den geistigen, kulturellen und wirtschaftlichen Wie- deraufstieg ermöglichen. Die Welt war sich seit langem darüber klar geworden, daß jeder konstruktive Gedanke für die Wiederherstellung normaler wirtfchafllicher und politischer Beziehungen unter den Völkern (Europa# und der Welt solange nicht zu verwirklichen sein würde, solange in irgendeiner Jorm die destruktive Tendenz einseitiger Tributzahlungen ohne jede Gegenleistung bestand. Trotzdem zeigte sich sehr bald während der Lausanner Verhandlungen, daß der Weg von der Erkenntnis dieser Tatsache bis zu dem klaren Entschluß, sie zu beseitigen, sehr weit und Front-Wiedersehen in Flandern. Don Franz Hauser. In jedem, der damals mit draußen war, steckt etwas wie Frontschnfucht. Rückerinnern an Stimmungen, die im Innerlichsten festhaften, die urplötzlich wiederkehren mit dem Gedanken, wie es wohl heute draußen aussehen mag, an den Stätten, an denen man so Schweres erlebte, die uns aber auch Großes und Schones gewinnen ließen: Aufopferung für das große Ganze, Freundschaft und Kameradschaft in höchster Gestaltung, das Gefühl des Zusan,menwirkens für die Ration und Hint- anstellen des eigenen Ich. Ein solches Wiedererleben der einstigen Stimmungen, die in uns allen noch heute nachklingcn, läßt eine Frontfahrt zu einer wahrhaft gefühlvollen Reise werden. Das hat nichts mit jener aescl)äftiaen Emsigkeit zu tun, die mit Rundreise- Auto, Führer und Erinnerungsmitbringsel das Kricasgrauen von damals zu einer Art besonderer Sensation und „Sehenswürdigkeit" werden ließ. Der Frontkämpfer wird einsam wandern müssen, wenn er die Erinnerungen auf einer solchen Frontfahrt aufklingen lassen will: er wird sich an den Stätten, an denen jeder Fußbreit Erde mit Blut gedüngt ist, nicht vom Lärm und Schaulustigen ob' lenken, lassen, die dort so etwas wie Nervenkitzel zu suchen scheinen. Ihm liegt daran, zu sehen, wie sich Trichterfelder, Schützengräben und Batteriestände wieder in friedliä)es Land gewandelt haben, wie die Mauerreste inzwischen zu Dörfern und Städten geworden sind Und endlich liegt in dem Lebendigwerden der Erinnerungen wohl das Wert- vollste in dem Durchivandcrn der langen Gräberreihen, in dem Suchen nach diesem ober jenem Namen einstiger uns liebgewordener Freunde und Kameraden in dem schwersten aller Kriege... Allerdings ohne Enttäuschungen geht es auch hier nicht. In den verflossenen fünfzehn Jahren hat sich überall gar vieles geändert — und ganz besonders im flandrischen Kampfgebiet. Wie so anders erscheint schon das heutige Belgien an sich: das Flamentum, dessen nationales Denken sich im Kriege anregte, steht im schärfsten Kampfe um seine Eigenart und um sein Volkstum gegenüber dem llsalloncntuni. Je mehr man sich von Brüssel aus, das wieder ganz französisch geworden ist, nach der sehr schwer war. Für die WiederhersteUung deS Vertrauens in der weitesten Form waren wir bereit, eine allerletzte Krastau st re n a u n g zu machen. Für dieses Ziel haben wir über drei Wochen lang schwer gekämpft. Wir sind hart und unnachgiebig geblieben, weil wir die große Rot in Deutschland kannten, weil wir von den Hoffnungen so vieler Arbeitsloser wußten, weil wir die Verantwortung fühlten für 65 Millionen Menschen und weil wir uns klar waren, daß jedes Ab- weichen von unserer Linie Deutschland und die Welt nur tiefer ins äln glück bringen würde. An dieser Stelle meiner Ausführungen habe ich das Bedürfnis, der Heimat den Dank der deutschen Regierung auvzusprechen. Da» mustergültige Verhalten des gesamten deutschen Volke» in diesen schweren wachen Hal uns die Kraft und den Mut gegeben, unverzagt, unser Ziel vor Augen, zu kämpfen. Wie schon so oft in der deutschen Geschichte hat der feste Glaube an eine bessere Zukunft sich bewährt, hierfür dem deutschen Volke zu danken, ist mir In dieser Stunde ein ernstes Bedürfnis. Der Abbruch dieser Konferenz würde jeden wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland unmöglich gemacht haben. Es bestand die Gefahr weitestgehender Schrumpfung des deutschen Wirtschaftslebens, weiter steigender Arbeitslosigkeit mit allen ihren Folgen für die finanzielle Lage im Reich, Ländern und Gemeinden und für eine ungeheure Vermehrung der sozialen Spannung. Die Nichtbereinigung der Reparations- läge hätte die Abhängigkeit vom Auslande fort- bestehen, die Möglichkeit von Sanktionen offen gelassen und jede politische Befriedung insbesondere zwischen den beiden „Hauptbeteiligten", zwischen Deutschland und Frankreich unmöglich gemacht. Die sich daraus ergebenden innen- und außenpolitischen tochwierigkeiten würden Deutschland in den 'Abgrund gestoßen, die Schuld des Scheiterns den Ring der Kü te zu wendet, umso stärker ersckzeint das bewußte Voranstellen der flämischen Vorzeichen, umso reundlicher nimmt man dort den Deutschen, den ein tigen Kampsgegner, auf, spricht mit Achtung von dem schwerleidenden Nachbarvolke und preist dessen Können und Organisationsstreben, „das auch aus Flandern etwas machen könnte". Allerdings gibt es auch dort Kriegserinnerungszeichen und Gedenktafeln an „Bürgers vor den Koop geschvoten", ohne daß man hierbei über das Franktireur-Unwesen mit feinen Morden und Ucberfällen auf einzelne deutsche Truppen die eigentlich notwendigen Erläuterungen gibt. Der Genter will nicht gern an die Dinge von damals erinnert werden, spricht dagegen mit Begeisterung von seiner großen Se- hcnswiirdigkeit in der tot. Bavo-Kathedrale, dem Altarbilde der Brüder van Eyck, das nunmehr in seiner vollständigen Schönheit wieder vereint ist, nachdem die beiden Flügelbilder — die vor 100 Jahren ein holländischer Kaufmann an den König von Preußen ucrFauH hatte — durch das Versailler Diktat aus dem Berliner Museum hergegeben werden mußten. Brügge war damals schon ein Teil der Kampf- linie, die Bombenabwürfe der „Alliierten" hatten manche Schönheit der träumerischen „toten Stadt" beeinträchtigt. Aber nichts mehr von Ruinen: unter Wahrung der architektonischen Einheit sind diese Häusergruppen wieder hergestellt. Auch die damals „ausgewanderten" Kunstwerke sind wieder heimgekehrt, darunter die Kostbarkeiten des M e m 1 i n g • Museums mit feinem wundervollen Ursula- Schrein. Und wenn vom hohen Belsried die Glok- kenkonzerte erklingen, erinnert man sich daran, daß in diesen historlfchen düsteren Hallen noch 1917 über zehntausend gefangene Engländer nach einem erfolgreichen deutschen Vorstoße an der Combortzyde- Ecke ihre erste Unterkunft gesunden hatten. Und dann sucht man den ersten deutschen Soldotenfried- Hof auf: die Gräber in einer Front, von grünem Rasen bedeckt, ohne Blumenschmuck, mit einfachen, schwarzen Holzkreuzen, so ganz anders als die stein- und blumengeschmückten langen Reihen der Alliierten an .anderen Frontteilen. Die Inschrift eines großen Steinblockes betont die Einheit der gefal- lenen deutschen Soldaten: „Wir liegen zusammen in Reih' und Glied, Wir standen zusammen im Leben. Drum gleiches Kreuz und gleicher Schmuck Siegermächte wieder um uns geschloßen haben. Die deutsche Regierung hat deswegen unentwegt a u f ein Ergebnis der Lausanner Konferenz hingearbeitet, aber nur auf ein Ergebnis, dasmitderwirtfcha ftlichen Leistungsfähigkeit Deutschlands im E i n k 1 a n g st a n d, mit der W ü r d e u n d E h r e eines großen Volkes zu vereinbaren war. hier das (Ergebnis: Da» Ziel der Lausanner Konferenz, die völlige Beseitigung der Reparation ist erreicht. 3n keiner wie immer gearteten Jorm wird Deutschland vom 1. Juli 1932 ab Reparationen aufzubringen haben. Der Zoung- plan ist gefallen. Zahlungen von über 33 Milliarden Mark, mit Jahresleistungen von rund zwei Milliarden, find beseitigt. Unsere Verpflichtungen aus dem hooverjahr bis zum 1. Juli 1932 wurden von uns anerkannt und werden geleistet. Dazu tritt ein gewisser Beitrag für den europäischen Wiederaufbau, alle» zufammen bi» zu einer Maximalhöhe von drei Milliarden Mark. Diese Verpflichtungen werden aber nicht etwa gezahlt in festen Jahresraten wie bisher, sondern durch besondere Reichsschuldverfchrei- bungen, die nur dann auf den Weltmarkt gebracht werden dürfen, wenn das wirtschaftliche Gleichgewicht Deutsch- lands vollkommen wieder Hergeste 111 ist. vorher beginnen weder Zinslauf noch Tilgungen auf diese Reichsschuldverschrei- bungen. Die Begebung dieser Reichsanleihe auf den auswärtigen Märkten der Welt kann frühestens nach drei Jahren und dann nur In einer höhe erfolgen, die der tatfächlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit entspricht, von besonderer Wichtigkeit ist es, daß soweit innerhalb einer Jrlft von zwölf Jahren die Begebung dieser Schuldverschreibungen auf den ausländischen Märkten nicht gelingt, der nicht begebene Restbetrag völlig erfolgt. Die endgültige Beseitigung der Reparationen stellt unsere Unabhängigkeit in wirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht vollkommen wieder her. Sie beseitigt alle Bindungen, die bisher noch aus dem Voung- plan bestanden. Das Reich gewinnt die volle Souveränität über Reichsbahn und Reichs bank zurück. In wirtschaftlicher Hinsicht wirb Liese Lösung den oeutschen Kredit.neu fundieren und damit eine der wesentlichsten Voraussetzungen für die Erholung der deutschen Wirtschaft schaffen. Wir haben zu keinerZeit irgendeinen Zusammenhang zwischen Tributzahlungen nnd den interalliierten Zahlungen anerkannt und es ist deshalb selbstverständlich, daß diese Lösung nichts mit der Bereinigung der interalliierten Zahlungen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Gläubigern zu tun hat. Politisch bedeutet das Ergebnis der Lausanner Konferenz den Beginn einer neuen Aera unter den Völkern. Die von der deutschen Regierung gemachte End- anstrengung hat den Sinn, einen letzten Beweis unseres festen Willens zu geben, für die wirtschaftliche Miederaufrichtung der Welt unsere Kraft einzusehen, unsere Kraft, s o w e i t e 8 die eigene Lage uns gestattet. Abes:, das spreche ich in |dem vollen Bewußtsein meiner hohen Verantwortung als Regierungschef au& diese letzte Kraftanstrengung wird nur dann ihren Sinn und ihren inneren wert haben, wenn die weiteren Auswirkungen der hier getroffenen Vereinbarungen zu einer Klärung derjenigen politischen Fragen führen, die die Freiheit des deutschen Volkes heute noch einengen. 3m Rainen Deutschlands melde ich schon heute erneut denAnspruch vor der ganzen Welt an, als Volk mit gleichen Rechten und mit gleichen Pflichten in der ganzen Welt behandelt zu werden. Diese Fragen, insbesondere die der Kriegsschuld und der wehrsreiheit sind zwischen den Staatsmännern eingehend erörtert worden. Menn heute auch noch nicht alle Rationen z u einer Anerkennung unserer Rechte bereit find, so sind diese, die deutsche Ehre betreffenden Fragen nun vor dem Weltforum aufgeworfen. Der neue Zeitabschnitt, 'der heute für das beutschs Volk beginnt, die nun wieder hergestellte wirtschaftliche Freiheit und die Unabhängigkeit von den anderen Ländern werden es der deutschen Regierung ermöglidjen, nun auch die politische Freiheit zu erkämpfen. Unser Weg von der heute erreichten wirtschaftlichen Liquidierung des Krieges wird und muß zum Frieden in Ehren führen. Darin weiß sich heute die deutsche Regierung mit dem gesamten deutschen Volk einig. Oie Schlußsitzung der Konferenz. Oie kleinen Mächte protestieren. Lausanne, 8. Juli. (WTB.) Die angekündigte Vollsitzung der Lausanner Konfereirz wurde heute pünktlich um 21 Tlhr im großen Saale des Hotels Beau Rivage durch den Vorsitzenden der Konferenz, Premierminister Mardon a l d , eröffnet. Er begrüßte die Anwesenden mit einer kurzen Rede, in der er zunächst entschuldigte, daß sich in der Vorbereitung der verschiedenen Dokumente Verspätungen ergeben hätten. Er erklärte diese Verzögerung mit dem großen Druck, unter dcm man habe arbeiten müssen, da es notwendig gewesen wäre, die Arbeiten der Konferenz sobald als möglich zu beschließen, da auch noch andere Pflichten die hier anwesenden Staatsmänner in ihren Ländern erwarteten. Macdonald schlug daher der Konferenz vor, sich um eine Stunde zu vertagen. Die Vollsitzung wurde etwa um 22 älhr wieder ausgenommen. Macdonald richtete an die anwesenden Delegierten Glückwünsche über den Stand der Arbeiten. Macdonald erklärte dann, daß morgen nur bie einladenden M ächte das Abkommen unterzeichnen würden, da die nichteinladenden Mächte noch nicht genügend Zeit gehabt haben, die Vertragsklausel zur Genüge zu studieren. Maodonald verlas dann die einzelnen Teile der Abkommen nach ihren Punkten. Der erste Teil behandelt das Reparations- a b f o m men mit Deutschland. Macdonald rief dann die verschiedenen Delegierten auf, die etwaigen Vorbehalte zu den verlesenen Doku- Ward uns aufs Grab gegeben. Nun ruhen wir aus von dem herben Streit Und harren getrost der Ewigkeit." Und weiter geht es: Ostende. Wieder das alte internationale Modebad, das allerdings gleichfalls unter der Wirtschaftskrise schwer zu leiden hat; viele Hotels und Häuser stehen leer, auch das den Frontkämpfern wohlbekannte Palast-Hotel bleibt gesetzlos- scn. Der reiche Amerikaner fehlt, der Engländer knappst heute mehr denn je, und auch der Fran- zose muß sparen. Uns interessiert nicht das lär- mende Treiben: man sucht immer wieder die ein- fügen Häuser-Ruinen, sieht abends wieder die damals erloschenen Leucht- und Blinkfeuer, hört Verkehrsflugzeuge nach Paris und London an der Küste vorüberdonnern — ohne Schrapnellwolken und Abwehrfeuer. Und bei M a riakerke sind gleichfalls die Hotels aus dem Staube wiedererstan- ben — hier wie in den weiteren Wiederaufbaugebieten in architektonischem Wirrwarr, Prachtbauten neben Puppenspicl-Häusern im üblichen Eottage-Stil, trotz der kurzen Zeit schon stark ver- wohnt und abgenützt. Ein Vergleich mit dem ein« •Kitlid) großzügigen Bauspstem im neuen Ostpreußen drängt sich unwillkürlich auf. Und weiter geht es über Raversyde nach Middelkerke; die ersten deutschen Kriegserinnerungen tauchen auf: Beton-Unterstände und Geschützstellungen, baulich vortrefflich erhalten, innen mnn Strandsand verweht, nur außen eine Inschrift: „Besucht bas Kriegsmuseum in Zeebrügge", eine einseitig aufgezogene Materialsammlung, die die Franktireurs verherrlicht, den Qinglänbcr feiert und von Deutsch- land nur Uniformstucke und Anschläge aus Kasinos mit humorvollen Stimmungs-Malereien wiederzugeben weiß. Englische Granaten und Monitorbeschießungen hatten Middelkerke und das anschließende W e st e n d e vollständig in Trümmer gelegt, auch von dem Dörfchen Combortzyde war kaum ein Stein auf dem anderen geblieben; auch hier hat der Ausbau alle diese Zeichen ausgelöscht, das übliche Durcheinander von Häusertypen, prachtvollen Strandpromenaden und vernachlässigten Schmuckplätzen , schade, daß man die von deutschen Soldaten in den Dünen mühsam hergerichteten hübschen Gärten nicht erhalten hat. Kur, vor Nieuport zogen sich einstmals die Gräben im langanbauernben Stellungskrieg; hier wie an vielen anderen Stellen der Flandernfront menten bekanntzugeben. Da in der Reihenfolge des französischen Alphabets Deutschland zuerst aufgerufen wurde und es zu den beiden ersten Dokumenten keineEinwendungenzu machen hatte, wies Macdonald launig daraus hin, daß es ein gutes Beispiel für die einladenden Mächte ssi. Es wurden auch im weiteren Verlauf keine Ein- Wendungen erhoben, nur ersuchte der Reichskanzler in bezug auf den in der Anlage 2 vorgeschriebenen Fall einer fehlenden Zwischenzahlung um Aufklärung über das vorgesehene Verfahren. Man verständigte sich dahin, daß zu irgendwelchen Maßnahmen eine neue Konferenz einberufen werden müßte. Am Schluß der ganzen Prozedur gaben der Reihe nach die Vertreter der einladenden Mächte Erklärungen ab, wonach sie nicht in der Lage gewesen seien, die Dokumente rechtzeitig zu prüfen und ihren Regierungen zu übermitteln, weshalb sie in bezug auf ihre Unterzeichnungsbereitschaft Vorbehalte machen müßten, obwohl sie dem Sinne nach durchweg ihren guten Willen zum Ausdruck bringen wollten. Verschiedene kleine Staaten wie z. B. Jugoslawien, Rumänien, Griechenland und Portugal protcfticrtenbngegen, baß man ihnen nicht genügenb Zeit gelassen habe, ihre Regierungen von bem Vertrag in Kenntnis zu setzen. Sie könnten daher ihre Unterschrift für morgen noch nicht ver- prechen. Macdonald erklärte das durch die Um- tände und sprach die Hoffnung aus, daß sie ihre Unterschrift wenigstens in Aussicht stellen. ein Gedenkstein „Ici fut arrete l’invahisseur 1914“*). Ein Kriegsdenkmal folgt dem anderen; die Alliierten konnten sich anscheinend über einheitliche Erinnerungszeichen nicht einigen, einer sucht den an- deren zu überbieten, ein buntes Durcheinander während der weiteren Frontfahrt. Die sechs mach- tiaen Schleusen bei Nieuport, die im Oktober bas Ysergeblct überschwemmten und den deutschen Vormarsch zum Stillstand brachten, sind neuhergestellt, auch die weitausragende Mole, eine der besten Beobachtungsstellen, von denen ein ausgezeichneter Einblick in bie deutschen Stellungen bei stets guter Sicht möglich war. Nieuport selbst ist ebenso' wie Oftduinkerke und Coscyde wieder baulich in Stand gesetzt; aus das trichterbesäte Ueberschwemmungs- gebiet hat wieder schöne Gehöfte und blühende Wiesen. Und nun Dixmuibe, einst ein oielum- kämpfter Trümmerhaufen, heute wieder ein hübsches Landstädtchen. In ernsten Gedanken wandert man durch den Boyau de la Mort, den Tvdesgra- ben, der fast in seinem ursprünglichen Zustande er- halten ist: schwerbetonierte Unterstände, die von starken Kalibern erdrückt wurden, Erdlöcher, bie kein Tageslicht einließen, Zugangswege, die nur kriechend zu benutzen waren. Ein Stück Front, wie sie wirklich war. Neue Orte von gewichtigem Klange tauchen auf: Lange marck, ein Ehrennahme für die jungen deutschen Kriegsfreiwilligen; auch Poelcapelle, Paschendaele und Tonnedeke bis zum Wytschaete- Bogen zeigen kaum noch Spuren des kriegerischen Hin und Her. Und endlich naht sich P p c r n mit dem dahintergelagerten Stemmet, um dessen Besitz noch im April 1918 erbittert gekämpft wurde. Wer Vipern im Kriege gekannt hat, glaubt nicht, daß sich eine solche Trümmerstätte wieder beseitigen ließe. Die ganze Stadt ist neugebaut, auch hier ohne städtebauliche Einheit, die Kathedrale ist in noch prächtigerer Gestalt neuerstanden, nur bie Hallen mit dem Belsried zeigen noch ihr zerschossenes Bauwerk; an[d>einenb zieht man diesen Wiederaufbau in die Länge, um durch dieses „Kriegszeichen" Schaulustige weiter anzulocken. Am Enda des Marktplatzes ein englischer Triumph-Bogen, auf dessen Innenwänden bie Namen von über 55 000 gefallenen Engländern ausgeführt werden. Und um Ppern weite Strecken von Kriegsfried- Höfen, Stein an Stein, Kreuz an Kreuz... * Hier wurde 1914 der eindringende Gegner aufgehalten. Aus Der Provinzialhauptfiavt. Gießen, den 9. Juli 1932. Oie Saisonschlußverkäufe. Don der Industrie- und Handelskammer Gießen wird uns geschrieben: Das Kreisamt hat nach Anhörung der Industrie- und Handelskammer für die Saisonschluß- verkaufe den Beginn auf den 18. Juli und den Schluß auf den 6. August festgesetzt. Die Festlegung und Dauer dieser Veranstaltungen ist getroffen worden, um ein ungeregeltes, wildes gegenseitiges Ueberbieten oder Wettlaufen mit derartigen Verläufen auszufchließen. Der ganze Sinn der Veranstaltung von Saisonschlußverkäuten wird nun aber in Frage gestellt, wenn schon eine Woche vor ober eine Woche nach diesen Saisonschlußver- käufen Verkäufe in der Form von Sonderanzevo- ten mit Rabatten und dergl. veransialtet werden. In diesem Vorgehen ist eine unzulässige und im allgemeinen Interesse bedauerliche Erweiterung der -Saisonschlußvcrkäufe und im besonderen eine empfindliche Schädigung derjenigen Handelskreise zu erblicken, die sich stregg an die gesetzlichen Vorschriften halten. Aus diesem Gesichtspunkte heraus haben sich denn auch Gerichte und Einigungsämter auf den Standpunkt gestellt, daß die Veranstaltung von Sonderoerkäufen vor oder nach den Saisonschlußverkäufen als verschleierte Vorwegnahme bzw. als Verlängerung des Saisonschlußverkaufs anzusehen sind und nach § 1 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb als gegen die guten Sitten verstoßend geahndet werden können. Kundgebung der SPO. Die Ortsgruppe Gießen der Sozialdemokratischen Partei veranstaltete gestern abend im Lass Leib eine Protestkundgebung gegen die Zeitungsverbote, die sehr stark besucht war. Zunächst sprach Redakteur Puttkammer von der Frankfurter „Dolksstimme". Es liege, so führt« er u. a. aus, System in den Verboten. Die Antwort Müsse am 31. Juli gegeben werden „Fort mit der Regierung von tßapen!" müsse die Parole lauten. Im Auftrage der Redaktion sage er, man werde sich nicht einschüchtern lassen. Das Echo, das das Verbot ausgelöst habe, spreche für die SPD. Die Kritik des Interviews, das der Reichskanzler dem Vertreter des ,,'JOlatin" gewährt habe, fei der Anlaß des Verbotes. Das, was man neuerdings von leiten der Regierung Papen zu bezahlen für möglich erachte, fei gegenüber den Forderungen des Poungplans als eine Erleichterung zu betrachten, das Verdienst v. Papens sei das allerdings nicht. Unter Brünings Vertretung deutscher Interessen wäre unser Vaterland billiger weggekommen. Von Papen have nicht das deutsche Volk hinter sich. Die SPD. werde möglicherweise die Verantwortung für dar-, was in Lausanne versprochen werde, diesmal jenen Parteien überlassen, die mit der Regierung sympathisieren. Hitler habe in allen Röten der Gegenwart nichts anderes gewußt, als für die Aufhebung Des SA.-Verbotes, für die Demonstrationsfreiheit u. a. m. der neuen Regierung die Steigbügel zu halten. Die Partei fühle "sich stark genug, den Kampf ausnehmen zu können. Der einzige Gegenspieler Hitlers sei heute die SPD. Und die SPD. marschiere! (Anhaltender Beifall!) Sodann sprach Reichstagsabgcordneter Oberregierungsrat Ritzel. Der Redner erinnerte zunächst an das Verhältnis der Monarchie und der Zensur zur Presse. Er verlas in diesem Zusammenhang einige alte Dokumente und zog gleichzeitig Parallelen zur Gegenwart. Er werfe in diesem Zusammenhänge die Frage aus, ob die Karikatur der „Volksstimme" das Reich wirklich gefährde. Die Karikatur wolle nur Kritik an der Regierung üben. In der Regierungserklärung habe die Regierung betont, daß sie von christlichen Grundsätzen ausgehen werde. In den Notverordnungen werde aber den Arbeitern, den Erwerbslosen das Brot weggenommen. Das sei in höchstem Grade unsozial. Das Verbot der Zeitungen sei auf eine Forderung der Nationalsozialisten zurückzuführen. Man könne dagegen in einem Zuge marschieren, der eine neue Einheit darstelle. Die SPD. könne eine Front stellen, die die Regierung aus dem Sattel hebe. Die Nationalsozialisten allein seien nicht die Nation. Inwieweit sie es sein könnten, hänge von der SPD. ab. Die Nationalsozialisten flüchteten auch heute noch vor der Verantwortung. Die Erklärung Hitlers gegen die neue Notverordnung stehe noch aus. Die NSDAP, toleriere an= cheinend die Kürzungen an den Bezügen der Aeriw ten. Man müsse sich überlegen: das Volk werde nicht tillschweigend hungern. Noch habe das Volk den Stimmzettel als Waffe. Die Macht des Proletariats müsse aber 100prozentig eingesetzt werden. Die SPD. müsse wieder Einfluß gewinnen auf die Regierung. Der Terror werde den Wahlwillen nicht unterdrücken können. Der deutsche Arbeiter sei seines Landes größter Sohn noch immer gewesen. Man fordere gegenüber Hitler und gegenüber der Negierung ein freies, ein gesundes und in gutem Wohlstand lebendes Volk. Die Hessenwahl habe gezeigt, daß die 5PD. und die Eiserne Front marschiere. Man werde triumphieren über die Mächte der Reaktion, es komme der Tag der Vergeltung, da die Regierung Papen und Hitler hinweggefegt werden würden. Die drei Pfeile würden die Arbeiterschaft zum Ziele und zum Sozialismus führen. (Starker Beifall.) Nach einem kurzen Schlußwort des Versamm- ! mgsleiters sand die ruhig verlaufene Kundgebung ihr Ende. Neue Llnruhen in Gießen. Im Lause des gestrigen Nachmittags und der letzten Nacht tarn es an verschiedenen Stellen der ciabt bedauerlicherweise wieder zu Unruhen, die wiederholt das Eingreifen der Polizei erforderlich machten. Zunächst entstand gestern nachmittag in der Bahnhofstraße ein Tumult, der dadurch veranlaßt wurde, daß Plakate der „Eisernen Front" von politischen Gegnern abgerissen bzw. überklebt wurden. Die von Anhängern der Linksparteien benachrichtigte Polizei hatte bei der Zwangsgestellung der Täter mit allerlei Schwierigkeiten zu kämpfen, es kam dann zu weiteren Auseinandersetzungen, bei denen u. a. auch der Gummiknüppel in Aktion trat und schließlich eine Sistierung zwecks Feststellung der Personalien des Töters oorgenommen werden mußte. Gegen Abend kam es an der Ecke Mühlstrahe- Westanlage wieder zu einem Zusammenstoß zwischen Parteigängern der Rechten und dec Linken, bei dem auch geschossen und auf beiden Seiten allerlei Hiebe ausgeteilt wurden. Diese Schlägerei fand dann eine ernstere Fortsetzung gegen 19 Ul>r an der Ecke Schulstraße-Sonnenstrahe, wo schließlich ein junger Rationalsozialist in der Bedrängnis aus einer Schreck- oder Gaspistole einen Schuß abgab, der für seine Gegner das Signal war, mit großer Wucht über ihn herzu- fallen und ihn so schwer zu verprügeln, daß er zunächst von der Polizei im Polizeiamt verwahrt und dann nach der Klinik verbracht werden mußte, wo man einen Bruch des Rasenbeins und ein» Verletzung an der Hand fest stellen muhte. Das Befinden des jungen Mannes machte es erforderlich, ihn gestern abend zunächst in der Klinik zu behalten. Ein besonders schwerer Zusammenstoß ereignete sich schließlich zwischen 23 und 24 Uhr im Seltersweg vor dem Lokal von Soldau. Dort gerieten Teilnehmer des Demonstrationszuges, der sich, im Anschluß an die sozialdemokratisck-e Versamm- lung im Lass Leib vom Walltor aus durch die Stadtmitte über den Seltersweg bewegte, mit einigen Mitgliedern der NSDAP, aneinander, und im Handumdrehen war eine Schlägerei im Gange, die starken polizeilichen Einsatz erforderlich machte. Bei dem Tumult wurde auch mit einer Tränengaspistole geschossen, wodurch der Schupo- wachtmeister Becker von der 6. Hundertschaft in Butzbach an beiden Augen schwer geschädigt wurde, ferner ein Nationalsozialist Schaden erlitt, während ein anderer Angehöriger der NSDAP, durch Schläge am Kopfe verwundet wurde. Die Polizei griff sofort mit großer Energie durch und trennte die streitenden Parteien, so daß ein weiteres Ausdehnen der Prügelei zum verhindert wurde. Unter starker polizeilicher Bedeckung wurden die im Lokal von Sold an versammelten SA.-Leute von außerhalb aus dem Brennpunkt der Ereignisse im Seltersweg sortgeschafft, ebenso die übrigen SA.-Leute unter polizeilichem Schutz in Sicherheit gebracht. Gleichzeitig wurde auch nach der anderen Seite hin jede erdenkliche Sicherungsmaßnahme getroffen. Die Gastwirtschaft von Soldan wurde aus sicherheitspolizeilichen Gründen für gestern abend vorzeitig geschlossen. Dank der umsichtigen und aufopfernden, aber energischen Tätigkeit der Polizeibeamtenschaft war es möglich, für den weiteren Verlauf der Rächt Ruhe und Ordnung zu sichern. Hoffentlich kehrt nun auf allen Seiten Ruhe und Besonnenheit wieder ein, damit unserer Stadt Ereignisse wie in den letzten beiden Rächten künftig erspart bleiben. Heber die vorstehend berichteten Ereignisse konnten wir bislang keinen amtlichen Bericht der Polizei erhalten, so dah über die Schuldfrage an den einzelnen Vorgängen und über die Persönlichkeiten der Täter noch nichts gesagt werden kanm "Ein Achtzigjähriger. Der ehemalige Gießener Professor Franz Himstedt begeht orn 12. Juli seinen 80. Geburtstag. Der alte Herr ist mit dem Hessenlande doppelt verbunden, denn er war vom Herbst 1886 an Ordinarius der Physik an der Darmstädter Techn. Hochschule, bis ihn im Herbst 1888 unsere Universität, als Roentgen nach Würzburg berufen wurde, nach Gießen holte. Hier hat er 7 Jahre lang, bis Herbst 1895, gewirkt. Dann rief ihn die Freiburger Universität, an der er vor seiner Darmstädter Tätigkeit als außerordentlicher Professor gelehrt hatte, nach Freiburg zurück. Dort lebt er heute im Ruhestände, aber noch immer in lebhafter Tätigkeit für alle Interessen seiner Universität. Noch manche werden sich auch hier in Gießen feiner kräftigen sympathischen Persönlichkeit erinnern und werden seiner mit guten Wünschen zum 80. Geburtstage gedenken. •• Erneuerung an der S ch iller- E i ch e. Der Verkehrs- und Derschönerungsverein hat dieser Tage den Gedenkstein, der zu Schillers Ehren im Jahre 1905 (zum 100. Todestag des Dichters) vom Verkehrsverein in der Anlage an der Licher Straße errichtet wurde, wieder Herrichten lassen. Der Stein war im Lause der Jahre unansehnlich geworden, und insbesondere die Schrift bedurfte einer Renovierung. Der Stein, die schön gewachsene Eiche, der gärtnerisch gut angelegte Platz um Stein und Baum, stellen ein einfaches, aber doch würdiges Gedenkzeichen für den großen Dichter dar. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein gebührt Dank, daß er sich um die Verschönerung der Anlage bemühte. " Die Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 älhr bei gewöhnlichen Preisen geöffnet. ** Das Fundsachen-Verzeichnis. Das Verzeichnis über die im Monat Juni gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der An- fchlagtafel im Flur des Polizeiamts, Landgraf-Phi- lipp-Plal; 1, eingesehen werden. Die Empsangsberech- tigten weiden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb zwei Monaten beim Fundbureau während der Dienststunden geltend zu machen. Strafkammer Gießen. * Gießen, 8. Juli. Am 29. Februar 1932 sollte in einem Saal in Alten-Buseck eine öffemt- liche Versammlung der RSAPD. stattsinden: diese wurde jedoch von dem Kreisamt verboten, älm den von auswärts gekommenen Redner zu beschäftigen, sollte dann eine Mitgliederversammlung stattsinden. Zu dieser kamen denn auch eine ganze Reihe Gäste. Die Versammlung wurde später von den überwachenden Polizeibeamten aufgelöst. Gegen Veranstalter und Redner wurde Anklage erhoben, weil es sich tatsächlich um eine verschleierte öffentliche Versammlung gehandelt habe. Das Amtsgericht Gießen stellte dies auch urteilsmäßig fest, verurteilte aber die Angeklagten insoweit nicht, weil es nicht für erwiesen ansah, daß sie die Oefsentlichkeit der Versammlung gekannt hätten Es erkannte dagegen auf Hast- und Geldstrafen auf Grund des Dereinsgesetzes, weil die Angeklagten nach Auflösung der Versammlung nicht alsbald den Raum verlassen hätten. Dem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprechend, sprach die Strafkammer die Angeklagten frei. Die fraglichen Bestimmungen über Genehmigung öffentlicher Versammlungen usw. sind inzwischen aufgehoben toerben; es konnte deshalb eine Verurteilung nicht mehr erfolgen. Ein Verstoß gegen das Vereinsgesetz stand nicht unter Anklage. Es ist verboten, neben Schußwaffen auch Hieb- und Stichwaffen außerhalb seiner Wohnung zu führen Der Bewohner eines Landortes hatte im Februar b. 3. einen Dolch bei sich getragen als er einen Rachbarort besuchte und war deshalb zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt wordem Auf die Tein nng der Staatsanwaltschaft wurde die Strafe auf eine Woche Gefängnis erhöht. __________ Schwere Zusammenstöße in Raunheim. WSR Raunheim (Kr. Biedenkopf), 8. Juli. Gestern abend foHte hier eine n a t i o n a lsozialistische Versammlung stattfinden, zu der die SA-Leute aus den Kreisen Biedenkopf und Wetzlar mit Lastautos erschienen warem Da die Rationalsozialisten in dem Ort einen Saal Bilanz der Filmerfolge. ,pu6tifumdgefd?macP/ künstlerisches Niveau und gutes Geschäft . Don A K. von Hübbenet. Der Wunsch, das Geheimnis des Publikumserfolges zu ergründen, ist zwar keine Errungenschaft des Tages, aber er war noch nie so lebhaft in den Herzen der Filmproduzenten wie jetzt. Denn noch nie war eine Kunstsorm im Entstehungsprozeß derart abhängig von geschäftlichen Gesichtspunkten, wie heute der Film. In tiefgründigen theoretischen Abhandlungen wird immer wieder die Frage erörtert, wie sich das künstlerische Riveau der Filme auf ihren Erfolg beim Publikum auswirkt und je nach Einstellung kommen die Autoren zu verschiedenen Ergebnissen. Beliebter als solche Abhandlungen sind deshalb Rundfragen, die ein mehr oder weniger objektives Bild Der tatsächlichen Lage ergeben. Das klassische Land der Rundfragen ist USA., wo alljährlich der Film, der Regisseur, Autor, Kameramann, Star usw. ermittelt wird, den die Befragten für den „besten der Welt" (unter dem machen es die Amerikaner bekanntlich nicht) halten. — Eine wirklich interessante Rundfrage wird feit einer Reihe von Jahren in Deutschland vom „Film-Kurier" durchgeführt. Da hier nicht nach subjektiven Urteilen geforscht wird, sondern die Fragestellung klipp und klar ermitteln will, welche Filme die nachweisbar größten Kasscnersolge erbrachten, hat diese Rundfrage den Verzug größtmöglicher Objektivität. Cs werden tatsächlich die „Publikumserfolge" ermittelt und Rückschlüsse auf den vielgelästerten „P u» blikumsgeschmack" ermöglicht. Dabei erweist sich, daß der Publikumsgeschmack keineswegs so minderwertig ist, wie es die düstersten Geschäftemacher der Filmindustrie zur Rechtfertigung ihrer Schundproduktion weismachen wollen. Gewiß erlebt man immer wieder, dah ein künstlerisch hochwertiger Film bei der Zuschauermasse keinen Anklang findet und daß andererseits ein belangloser Film zum ausgesprochenen Publikumserfolg wird. Das liegt aber nie daran, daß der gute Film „zu künstlerisch" und der andere eben schlecht gemacht ist, sondern fast stets am Stoff, und trotz aller Einschränkungen bleibt die Feststellung bestehen: die größten Publikumserfolge sind fast durchweg von mindestens handwerklichem Riveau. Es fällt vor allem auf, daß es nicht erst seit Bestehen des Tonfilms, sondern bereits in stummen Filmzeiten saft ausschließlich deutsche Filme sind, die in den deutschen Kinos d i e größten Erfolge erzielen. Ausnahmen bilden nur die mit gigantischem Aufwand hergestell- ten amerikanischen Produktionen wie „B e n H u r" „W o l g a sch i f f e r", „Dieb von Bagdad" usw. 3m übrigen ergibt sich folgendes Bild: in der Saison 1925/26 waren am erfolgreichen der erste Milieufilm „Die Verrufenen", der später nochmals verfilmte „Rosenmontag" und der amerikanische Reißer ..Mädchenhändler von Äeuhork" der eine wahre Sintflut von unerfreulichen Mädchenhändlerfilmen heraufbeschwor. 1926/27 gefielen am meisten die nicht gerade hochkünstlerischen, aber sauber gemachten Filme „An der schönen blauen Donau" und „3ch hab' mein Herz inHei- d e l b e r g v e r l o r e n" die wieder als erste ihrer Art die Seuche der Wien- und Rhein-Filme und der ellenlangen Titel entfesselten. Darauf folgten die Amerikaner „Wolgaschiffer" und „Den Hur". 1927/28 steht „Ben Hur" an der Spitze, gefolgt von „Der Katzensteg", „Das tanzende Wien", „Metropolis", „Weltkrieg", nochmals „Wolga- schiffer" und Chaplins „Zirkus". Die Saison 1928/29 erlebt einen überragenden Erfolg in der Verfilmung des Romans „Die Heilige und ihr Rarr". Die nächsten Plätze belegen „Wolga- Wolga", „Ungarische Rhapsodie", „Der Kampf ums Matterhorn" und als erster amerikanischer Film „Anna Karenina" mit Greta Garbo. 1929 30 sind „Frau im Mond" und „Die weiße Hölle vom Piz Palü" die großen Kassenmagneten, es folgen der französische „Verdun"-Film und der pompöse Amerikaner „Arche Roah". Die Liste der ersten Tonfilmerfolge wird angeführt von „A t- l a n t i k" und „L i e b e s w a l z e r". 1930/31 ist die erste reine Tonfilmsaison und zugleich die erste Saison Der ausgesprochenen Lustspielhausse. An der Spitze liegen „Die Drei von derTank- stelle" und „Drei Tage Mittelarrest", der Vater der Militärschwänke. Darauf folgen „D a s Flötenkonzert von Sanssouci" „Das Land des Lächelns", „P riva tsekre- tärin", „Zwei Herzen im Dreivierteltakt", und dann erst „Dreyfuö"^ „Stürme über dem Montblanc' „Westfront 1918", „Der blaue Engel" und wieder „Atlantik" und „Liebeswalzer". Die diesjährige Abstimmung des „Film-Kurier" für die Saison 1931/32 ergab erwartungsgemäß einen überragenden Erfolg von „Der Kongreß tanzt". Es folgen „Bomben auf Monte Carl o", „R eserve hat Ruh", „Yorck", „Berge in Flammen" „JmWestennichtsReue s". Unter Den weiteren Großerfolgen finden sich neben einigen Militärlustspielen und anderen wenigen belangvollen Filmen auch .Der weihe Rausch", „Mädchen in Uniform", Fritz Langs „Al".Film. Von den voriährigen Erfolgen trifft man u. a. wieder: „Der Schrecken der Garnison". „Die Drei der Tankstelle", „Privatsekretärin", „Drei Tage ^Mittelarrest", sowie „Das Land des Lächelns , „Das Flötenkonzert von Sanssouci" und „Stürme über dem Mont Dlanc". Auch der ver- Hur" ist wieder da und repräsentiert mtt „Trader Horn" und den mit deutschen Schauspielern hergestellten „Menschen hinter Gittern" die einzigen Ausländer in der ganzen, 46 Filme umfassenden Erfolgsliste! Fremdsprachige Filme auch wenn sie so gut sind wie Rene Clairs „M i l - l i o n', können seit Einführung des Tonfilms nur auf das Interesse einer sehr dünnen Publikums- schicht rechnen. Don den vielen Schwänken zahlreich wie Sand am Meer und große Blöde der letzten Produktionsperiode, hat kaum einer die Erwartungen erfüllt. Skrupellose Spekulationen auf den „Publikumsgeschmack", der in Wirklichkeit der Geschmack der Verleiher und Vertre- t e r ist, haben sich zumeist als arger Fehlgriff her- ausgestellt, und das Mysterium des ersehnten Pu- blikumserfolges, des Symbols für die noch heißer ersehnten Kassenrekorde, ist wieder in undurchdring- l'cher Pracht erstrahlt: Nassauer, die jedem Erfolg nachlaufen und ihn mit geringstem Aufwand an Geist und Geld zu wiederholen trachten, haben mehr Enttäuschungen als Bargeld eingeheimst. Außerge- wohnlich ist dagegen der Erfolg der Ufa, die in die- jem Jahr unter 46 mit 13 Filmen vertreten ist und ihre Filme an erster, zweiter und vierter Stelle der JJifte zu stehen hat. — Zweifellos sucht der Durch, schnittsbesucher im Kino in erster Linie Unterhaltung und nicht Problematik, Ablenkung und nicht Kunst. ®r, will, ohne sich geistig überanstrengen zu müssen, möglichst viel sehen, erleben und sich freuen. Slünfb lerisches Niveau verlangt er von den Filmen ge- wissermaßen nur so nebenbei, — aber seine Ansprüche in dieser Hinsicht sind im Laufe der Zeit erheblich gestiegen, jedenfalls rascher, als das Durch- schnittsniveau der Produktion. Schon in den vergangenen Jahren fanden sich die meisten künstle- risch bemerkenswerten Filme auch in der Liste der geschäftlich überdurchschnittlich erfolgreichen „Va- nett?', „Walzertraum", „Student von Prag", „Hotel Stadt Lemberg", „Patriot", „Goldrausch", fast alle großen Filme der Regisseure Fritz Lang, Joe May, Pabst, Sternberg, Schwarz, die Dergfilme Fancks und Luis Trenkers, die großen Russenfilme wie „Panzerkreuzer Potemkin", „Mutter", „Sturm über Asien". Auch so spannende Kultur- und Neisefilme wie „Chang", „Moana, der Sohn der Südsee", „Weiße Schatten", „Mit Byrd am Sudpol", haben stets ihr Publikum gefunden. In den letzten Jahren ist die geschäftliche UeberlegenheitderQualitätsproduk- tion noch größer und das Versagen der Durch- schnittsfilme noch eklatanter geworden. Vor allem schiebt sich bas Manuskript als wichtigste Grundlage für die Gesamtleistung wie auch für den Erfolg immer mehr in den Vordergrund. Stoff- wähl und (Stoffbearbeitung scheinen allmählich sogar wichtiger geworden zu sein, als die Besetzung, Denn nach der letzten Abstimmung können wohl nur Die wenigsten Stars überragende persönliche Erfolge für sich in Anspruch nehmen. Dabei ist noch zu bedenken, daß gerade für diese teuer bezahlten Stars die Filme besonders sorgfältig vorbereitet und mit großem Kostenaufwand hergestellt werden. Ein inter« essierender Stoff wird vom Publikum mitunter auch in minderwertiger Ausführung ohne weiteres akzeptiert. Wenn jedoch ein guter Film abgelehnt wird, liegt das nie an seiner „zu künstlerischen" Gestaltung, sondern wiederum nur am Stoss. Ost inter« essiert den Zuschauer der Vorwurf nicht, ein andermal findet er zu Stoff und Darstellung nicht das rechte Verhältnis. All Dies gibt aber noch keineswegs die Berechtigung, den angeblichen „Publikums- geschmack" für die schlechtesten Filme verantwortlich zu machen, die die Produktion hervorbringt. Ein Gegenstück zu der Rundfrage des „Film- Kuriers" ist die Rundfrage einer Berliner Tageszeitung, die an jedem Jahresende an verschiedene Prominente im In- und Auslande gerichtet wird und fragt, „welcher Film auf sie im vergangenen Jahr Den stärksten Eindruck gemacht habe." Es würde au weit führen, sich hier mit den Ergebnissen dieser Abstimmung, die 1923 erstmalig durchgeführt wurde, eingehend ,ju befassen, um so mehr als weder Die Auswahl Der befragten Prominenzen, noch Die von ihnen vertretenen Meinungen durchweg überzeugen. Da die Ergebnisse nicht durch objektive Tatsachen, sondern durch subjektive Urteile willkürlich ausge- suchter Personen zustande kommen, und da die Vor- aussetzung fehlt, daß alle Befragten alle fraglichen Filme gesehen haben, hat diese Rundfrage als statistisches Material keinen Wert. Aber sie ist inter- effant als Kulturdokument, in dem sich immerhin eine ganze Anzahl prominenter und scheinpromi- nenter Zeitgenossen mitsamt ihrer Urteilskraft oder Urteilslosigkeit verewigt haben. nur gegen Bezahlung von 150 Mk. erhalten konnten, war beschlossen worben. Die Versammlung unter freiem Himmel abzuhalten. Kommunisten und Reichsbcmnerleute hatten von Dieser Veranstaltung Kenntnis erhalten und sich in einer Stärke von nahezu 1500 Mann eingefunten. Auf Dem Platz, wo Die Versammlung ftatt- finben sollte, wehten Die Sowjet- unD Die Reichsbannerflagge. Vor Eintreffen Der Rationalsozialisten hatten sich Die Reichsbannerleute unD Kommunisten mit Steinen bewaffnet. Als Die Rationalsozialisten in Den Ort einzogen, würben sie mit einem Steinhagel empfangen. Die Versammlung konnte nicht statt- finden. 3n Der Wirtschaft Des Ortes kam es ebenfalls zu Zusammenstößen, Die Dann zu einer Schlägerei ausarteten, bei Der Biergläser unD Eelterswasserflaschen als Wurfgeschosse benutzt wurden. Auf Der Straße setzte sich Dann Das Stein- bombarDement fort. Die anwesenDe Polizei war Den Angreifern gegenüber machtlos. Den Rationalsozialisten gelang es, ihre Autos toieöer zu erreichen. Auf Der Fahrt wurden sie immer wieder mit Steinen beworfen. 3n Herrn ann - st e i n kam es zu einer schwerenSchläg e r e t, wobei auch Schüsse gewechselt wurden, gier- frei wurde ein Mann aus Launsbach durch einen Lefrerschuh schwer verletzt Anter den schwierigsten Umständen gelang es den Rn- tionalsozialisten, ihre Heimfahrt anzutreten. Etwa 30 Personen wurden verletzt. Darunter einige schwer. Von Dem Sturm GlaDcnba b sinD ach t Personen schwer verletzt, darunter einer so schwer, daß er bis jetzt das Bewußtsein noch nicht toieDcrerlangt hat. Außerdem sind zwei Leute in ihrem Heimatdorf tete t noch nicht wieder eingetroffen. rt Raunheim verweigerten die Einwohner Die H frringung Der Verletzten in ihren Häusern. Oer Einzelhandel gegen Kaufhäuser und Filialbetriebe. WSN. F r a n k f u r t a. M., 8. Juli. Die am 6. Juli in Frankfurt a. M. zusammengetretenen Landesverbände Des Einzelhandels von Baden, Bayern, Hessen, Hessen-Nassau (Süd), Hessen- Waldeck und Nachbargebiete, Pfalz, Thüringen und Württemberg verlangten einstimmig Das Aus- scheiDen des Verbandes Deutscher Waren- und Kaufhäuser und Des Reichsoerbanbes deutscher Nahrungsmittelfilialbetriebe aus Der Hauptgemeinschaft Des Einzelhandels. Eine weitere Zusammenarbeit mit den genannten Verbänden in der Hauptgemeinschaft sei aus wirtschaftlichen Gründen, insbesondere angesichts Der Entwicklung Der Wettbewerbs- und Betriebsformen der in den beiden Organisationen hauptsächlich zusammengeschloffenen Unternehmungen, nicht mehr tragbar. Wirtschaft. Oie Arbeiismarkilage in Hessen und Hessen-Nassau. WSN. Frankfurt a. M., 8. Juli. Lieber die 2l r b e i t s m a r k t l a g e in Hessen und Hessen-Nassau berichtet dos Landesarbeitsamt Hessen: Die Zahl der verfügbaren Arbeitsuchenden ist in der zweiten Iunihälfte um rund 2500 auf 320 358 zurückgegangen. Als eine Besserung der Arbeitsmarktlage kann dieser Rückgang nicht gewertet werden, weil <*r nach den Berichten der Arbeitsämter in der Hauptsache auf das Wegbleiben von Ausgesteuerten zurückzuführen ist. Die verfügbaren Arbeitsuchenden nahmen am stärksten ab im Metallgcwerbe (um 655), Holzgewerbe (317), Nahrungsmittelgewerbe (235), Baugewerbe (372), Häusliche Dienste (328) und Lohnarbeit wechselnder Art (381); in den Angestelltenberufen beruht die Abnahme größtenteils auf den obenerwähnten Gründen. Gestiegen ist die Arbeitslosigkeit besonders in der Industrie der Steine und Erden (Zunahme 232), Lederindustrie (+ 284) und im Bekleidungsgewerbe (4- 151). Bon den 320 358 Arbeitsuchenden waren am 30. 3uni Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung 45 434 oder 14,1 Prozent, Hauptunterstützungsempfänger in der Krisenunterstützung 83 147 oder 26,0 Prozent, 125 243 Personen oder 39,1 Prozent erhielten Wohlfahrtsunterstützung und 66 534 oder 20,8 Prozent bezogen keinerlei Llnterstützung (u. a. einschließlich der in Wartezeit Befindlichen, derjenigen, über die eine Sperrfrist verhängt ist und der beim freiwilligen Arbeitsdienst und bei Notstandsarbeiten Beschäftigten). Gegenüber dem letzten Stichtag vom 15. Iuni hat die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung um 2563 und die der Krifenunterstühten um 2462 abgenommen. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmarkt. Die Einführung der Schlachtsteuer auf den preußischen Schlachtviehmärkten hat in der abgelaufenen Woche große LInruhe in die Märkte gebracht. Die Metzger bekundeten im Einkauf starke Zurückhaltung, so daß bei meist nachgebenden Preisen Üeberstände verblieben. Die Aussichten für eine baldige Besserung der Dieh- preise haben eine merkliche Verschlechterung erfahren. Am Nindermarkt war der Auftrieb mit 1198 Stück um 431 Tiere geringer. Nach ruhigem Handel verblieb Lieberstand. Die Preise gingen bei Bullen leicht zurück, während junge Ochsen in besten Qualitäten infolge des knappen Angebots 1 Mk. höher notierten und Kühe behauptet blieben. Dem Nufe ihrer Organisation, die Märkte vorsichtig zu beschicken, um sich vor größeren Schäden zu bewah.en, wurde besonders am Schweinemarkt Folge geleistet. Die Beschickung zeigt gegen die Borwoche mit 4012 Stück eine Abnahme um 2717 Stück. Nach zunächst mittelmäßigem, später aber stark abflauendem Geschäft zeigten die Preise am Hauptmarkt Erhöhungen von 3 bis 4 Mk. für den Zentner. Am Nebenmarkt war die Nachfrage aber so gering, daß nur zu stark ermäßigten Forderungen Käufer zu finden waren. Per Saldo liegen die Preise noch 1 bis 2 Mk. unter denen der Borwoche. Auch am Kälbermarkt entwickelte sich trotz niedrigeren Zutriebs nur schleppendes Geschäft, doch -konnte der Markt geräumt werden. Die Preise gingen um 2 Mk. zurück. Der Auftrieb betrug 1582 gegen 1391 Stück in der Vorwoche. Am Schaf markt war der Auftrieb mit 113 Stück gegenüber der vergangenen Woche mit 116 Stück nur unwesentlich verändert. Nach anfangs mittelmäßigem Geschäft flaute der Handel später stark ab. Die Preise stellten sich um 1 bis 2 Mk. niedriger. Im einzelnen notierten per Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen al) 33 bis 33, a2) 23 bis 32, bl) 24 bis 27. Bullen a) 28 bis 31, bi 23 bis 27. Kühe a) 25 bis 29, b) 20 bis 24, c) 16 bis 19. Färsen a) 33 bis 35, b) 28 bis 32, c) 24 bis 27. Kälber b) 35 bis 33, c) 30 bis 34, d)24 bis 27. Schafe a) 25 bis 29, b) 20 bis 24. Schweine b) 40 bis 43, c) 40 bis 44, d) 38 bis 43, e) 34 bis 40. Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. Die zögernde Haltung des Neichsernährungs- Ministeriums in wichtigen schwebenden Fragen, die die Preissicherung der neuen Ernte zum Gegenstand haben, führte in der obgelaufenen Woche am Getreidemarkt zu fast vollkommener Stagnation. Wenngleich vereinzelt größere Käufe schwach versorgter Stellen das Geschäft vorübergehend etwas belebten, so war die Gesamtumsatztätigkeit doch außerordentlich gering. Die Preisgestaltung war unregelmäßig, es überwogen aber die Abschwächungen. Am Weizenmarkt kam etwas größeres Angebot heraus, dem nur relativ geringe Käufe gegenüberstanden. Der Konsum verhielt sich sehr abwartend. Die Notierung stellte sich mit 257,50 bis 255 Mk. um 7,50 Mk. per Tonne niedriger. Die vorgeschrittene Iahreszeit ermöglicht bereits einen gewissen Lleberblick über die zu erwartenden Ernteerträge, die überwiegend als recht befriedigend angesehen werden. Der Roggen ma r k t erwies sich als widerstandsfähig, da das fast vollkommene Aufhören von Russenroggen-Abgaben aus den Beständen der DGH. dem Markt eine gewisse Stühe bot. Nennenswerte Llmsätze fanden nicht statt. Der Preis blieb mit 220 Mk. per Tonne unverändert. Am Futtergetreidemarkt drückte sich die Erhöhung der Maismonopolpreise um 40 Mk. per Tonne in einer leicht befestigten Haltung für Hafer aus, während dos Geschäft in alter Sommergerste praktisch so gut wie aufgehört hat. Hafer blieb mit 170 bis 180 Mk. per Tonne voll behauptet. Am Kraftfuttermittelmarkt gestaltete sich der Abruf weiterhin etwas besser, nachdem schon in der Borwoche nach der langen Depression eine Besserung zum Durchbruch gekommen war. Weizen- und Roggenkleie zogen um je 0,25 Mk. per Doppelzentner an und notierten wie folgt: Weizenkleie 8,80 Mk., Roggenkleie 9 bis 9,25 Mk. Auch ölhaltige Futtermittel wiesen etwas belebteren Llmsah auf. Rauhfuttermittel gingen in Erwartung der neuen Ernte bis zu 0,50 Mk. zurück. Für neues Heu wurde eine amtlich Notiz noch nicht vorgenommen. Das Geschäft am Weizenmehlmarkt stockte trotz mehrmals ermäßigter Forderungen fast vollkommen, da der Konsum, soweit es geht, seinen Bedarf aus alten Lagerbeständen befriedigt. Für Roggenmehl in greifbarer Ware machte sich dagegen vorübergehend stärkere Nachfrage geltend, so daß die Preise um 0,50 bis 0,75 Mk. per Doppelzentner anzogen. Ie Doppelzentner notierten: Weizenmehl (südd. Spez. 0 mit Austauschweizen) 38,25 bis 39,15 Mk., (nieder- rhein. Spez. 0) 38,25 bis 38,90 Mk., Roggenmehl (70prozentige Ausmahlung) 28,75 bis 29,25 Mk. 3n Kartoffeln alter Ernte werden Llmsätze kaum noch getätigt. Für neue Kartoffeln ergab sich in der Berichtswoche ein merklicher Rückschlag, da die Zufuhren jetzt reichlicher an den Markt kommen. Der Preis für Erstlinge hiesiger Gegend ging um 1 Mk. auf 4,75 Mk. per Zentner bei Waggonbezug zurück. • * Mitteldeutsche Hartsteinindustrie 21®., Frankfurt a. M. Der Geschäftsbericht der Mitteldeutschen Hartsteinindustrie 21(3., Frankfurt a. M., für das Jahr 1931 ergibt einschl. des Vortrages aus dem Vorjahr einen Rohüberschuß von 0,52 (0,96) Mill. Mark. Nach 2lbzug der Verwaltungskosten, Steuern und sozialen Lasten in Höhe von 0,65 (0,75) Mill. Mark ergibt sich ein Verlust »von 125 660 Mark. Durch Kapitalherabsetzung entstehen folgende Buchgewinne: Auflösung des Reservefonds 0,11, Gewinn aus eigenen Ak- tien 0.14, Gewinn aus Kapitalherabsetzung 1,06 Mill. Mark, die zur Deckung des Betriebsverlustes, zu Abschreibungen in Höhe von 0,92 und zu Zuweisungen an den Reservefonds mit 0,16, an den Spezialreservefonds mit 0,10 Mill. Mark verwandt werden sollen. Der Rest von 446 Mark soll auf neue Rechnung oorgetragen werden. Der künftige Geschäftsgang wird von dem in Vorbereitung befindlichen Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung abhängen, in den erften Monaten des Jahres 1932 blieb der Beschäftigungsgrad hinter dem des Berichtsjahres zurück. * Wayß u. Frey tag AG., Frankfurt a. M. Der Geschäftsbericht der Wayß u. Freytag AG., Frankfurt a. M., für das Jahr 1931-32 enthält die Vorschläge der Verwaltung auf Zusammenlegung des Aktienkapitals im Verhältnis 12:1 von 12 auf 1 Mill. Mark, ferner auf Errichtung einer „Baugesellschaft Wayß u. Freytag AG." mit einem Aktienkapital von 2 Mill. Mark und einem Reservefonds von 0,2 Mill. Mark. Die Aktien dieser neuen Gesellschaft sollen an Banken gegen Aufrechnung von Forderungen derselben an die Gesellschaft im Betrage von 3,2 Mill. Mark und gegen Verpflichtung dieser Banken, 1 Mill. Mark Aktien der neuen Gesellschaft den Aktionären der alten Gesellschaft zum Umtausch im Verhältnis 1:1 anzubieten, überlassen werden. Frankfurter Abendbörse fest. Frankfurt a. M.. 8. Iuli. Der Abschluß der Lausanner Konferenz hatte an der Abendbörse eine ziemliche Kursbefestigung zur Folge. Bei sehr lebhafter Llmsatztätigkeit erfuhren die ersten Kurse Steigerungen von 2 bis 3 Prozent. Im Vordergründe der Nachfrage standen IG.-Farben, Deutsche Erdöl, Gesfürel, Schuckert und Siemens, aber auch Reichsbank, Rheinstahl und Mannesmann lagen recht fest. Im Verlaufe wurde das Geschäft etwas ruhiger und die Kurse bröckelten auf rasche Gewinnsicherungen der Spekulation verschiedentlich leicht ab, die Stimmung blieb aber durchaus fest. Auch am Rentenmarkt setzte sich eine neue Steigerung durch und bei größeren Llmsätzen lagen Alt- und Neubesitzanleihe je etwa 0,75 Prozent, Reichsschuldbuchforderungen etwa 1 Prozent höher. Ferner zeigte sich auch für Gold- und Liquidationspfandbriefe Interesse. Altbesitzanleihe 42,60 bis 42,90, Neubesitzanleihe 5,10 bis 5, 6prozentige Frankfurter Hypotheken- Bank-Goldpfandbriefe, Reihe 1 bis IV, 69,75 Reichsbank 129, Kali Westeregeln 104,50,’ Rhe'in- stahl 49 bis 49,25, Mannesmann 41, Stahlverein 13,40 bis 13,50, AEG. 25,75 bis 25,50, Deutsche Erdöl 69,25 bis 68,90, IG.-Farben 93 25 bis 93,40 bis 93,25, Gesfürel 61 bis 60,50, Schuckert 63,50, Siemens 123,25 bis 122,75, Schöfferhof- Binding 129, Norddeutscher Lloyd 13,75 bis 13,90. Bestandene Fliegerprüfungen. Aus dem Gießener Flughafen. Auf dem Flugplatz Gießen wurden von Mitgliedern der Fliegergruppe Friedberg „Polytechnikum" drei Prüfungen für den Zwischenschein mit Erfolg abgelegt. Die Flugschüler führten dann noch in unmittelbarem Anschluß die vorgeschriebenen Höhenflüge aus, bei denen sie eine Stunde lang in einer Höhe von 2000 Meter fliegen und anschließend eine Ziellandung ausführen muhten. Der nächste Sprechabend findet am nächsten Mittwoch statt. Leichtathletik im Männerturnverein. Am kommenden Sonntag werden die fünf kreisoffenen volkstümlichen Wettkämpfe des Turnvereins „Vorwärts", Ffm.-Bockenheim, zum Austrag kommen. Wie im vergangenen Iahre, werden auch diesmal wieder einige Turnerinnen und Turner des Gießener Männer-Turnvereins daran teilnehmen. Die hiesigen Vertreter werden hierbei auf sehr starke Konkurrenz stoßen, da die seither durchgeführten Wettkämpfe stets eine zahlreiche und erstklassige Besetzung aufzuweisen hatten. Bei den Turnerinnen beteiligt sich Fräulein E spach mit einigen Aussichten am 100-Meter- Lauf und Weitsprung, Fräulein Bickelhaupt am Vierkampf, 100-Meter-Lauf und Kugelstoßen. Fräulein R ö h m i g nimmt ebenfalls am Vierkampf der Oberstufe teil, und beteiligt sich auch erstmalig am Schleuderballwerfen. Anni Heß bestreitet den Dreikampf der Iugendklasse und wird unter Llmständen in der Turnerinnen-Llnter- stufe beim 75-Meter-Lauf unter den drei ersten zu finden sein. Von den Turnern hat gute Aussicht auf Erfolg E. P l o ch im Hochsprung und 200-Meter-Lauf. Es starten außerdem R. Fern au über 100 Meter und 200 Meter, E. Seyb im Dreikampf der Unterstufe und L. Malkomesius im Dreikampf der Oberstufe. In der Iugendklasse nimmt W. Wagner und K. Strack am Dreikampf teil. Außer diesen I Wettkämpfen bestreiten die Gießener Vertreter die 4X100°Meter-Turnerinnen°Staffel. (Wander- I preis, der, falls die MTV.errnnen ihn wieder erringen, Vereinseigentum wird) und die Iu- biläums-Staffel. Man ist gespannt, wie sich die Gießener Vertreter zu behaupten wissen. Oavispokalkampf Deutschland — England. Am ersten Tage 1:1. Der erste Tag im Davispokaltreffen Deutschland gegen England brachte jeder Nation einen Sieg. P r e n n schlug den englischen Spitzenspieler Austin 6:0, 8:10, 6:2, 6:3. Im zweiten Kamps konnte der Engländer Perry den Deutschen v. Cramm in drei glatten Sätzen schlagen. Die Begegnung steht somit nach dem ersten Tag 1:1. Deutsche Kunstflug Meisterschaft. Am heutigen Samstag und morgigen Sonntag findet auf dem Breslauer Flugplatz der schon mehrfach verschobene Herausforderungspreis um die deutsche Kunstflug-Meisterschaft zwischen dem letztjährigen Sieger Gerd Achgelis - Bremen und Gerhard F i e s e l e r - Kassel statt. Das Pflichtprogramm wird am Samstag abgewickelt, während das Kürfliegen am Sonntag zur Durchführung gebracht wird. Deutsche Rudermeisterschasten in Passau Die 21. Deutsche Meisterschafts-Regatta wird in diesem Jahre in Abwesenheit der Olympiakandidaten in Passau zum Austrag gebracht werden. Hier wird endlich eine Mannschaft ben verdienten Lohn erhalten, nämlich die • Mainz-Kasteler RG., der ewige Zweite hinter Amicitia Mannheim. Die Mainz-Kasteler sind wohl neben den Mannheimern unsere beste deutsche Achtermannschaft. Sie haben nur das Pech, in ihrem Bezirk immer wieder auf einen so hervorragenden Gegner wie Amicitia zu stoßen. Das Meisterschafts-Programm enthält die üblichen Ausschreibungen im Einer, Doppelzweier, Vierer mit und ohne Steuermann und Achter. Gleichzeitig mit der Meisterschafts-Regatta kommt in Passau auch am 7. August die 29. Donau-Ver- bandsregatta zum Austrag. Rundfunkprogramm. Sonntag, 10. 3ufi. 6.15: Von Bremen: Hafenkonzert. 8.15: Morgenfeier, veranstaltet von der Evang. Landeskirche Frankfurt a. M. 9.20: Stunde des Chorgesangs. 10.50: „Der Rundfunk und die Hörer", Gespräch zwischen Ernst Schoen und Anton Behner. 11.30: Von Leipzig: Reichssendung' Kantate von Iohann Sebastian Bach. 12.05: Operetten-Konzert des Rundfunk-Orchesters. 14.00: Stunde des Landes. 14.30: Reichssendung: Erste Femprobe zu den Gesamtchören des ersten Hauptkonzertes des elften deutschen Sängerbundesfestes in Frankfurt a. M. Beteiligte Bünde: Baden, Hannover, Nassau, Ostpreußen, Pfalz, Ausland. 15.15: Stunde der Iu- gend. „Der Löwe und die Maus," sowie „Der Fuchs und der Bär", Singspiele für Kinder. 16.15 Tänze, gespielt vom Württ. Tonkünstler-Orchester. 18.00: „Ieremias Gotthelf", Vortrag von F. T. ©übler. 18.25: Dreißig bunte Minuten. 18.55: „Nur durch Protektion kann man heute noch etwas werden'. Gespräch zwischen Dr. Heinrich Buß und einem Oberprimaner. 19.30: Dalalaika-Konzert des Dalalaika-Orchesters O. Schulrabe. 20.00: Im Fluge um die Welt. Im Paradies der Südsee. Beiträge von Rich. Keilpflug, Rich. Katz, Arnold Höllriegel, Paul Gaugin u. a. 21.00: Darmstadt: Festkonzert zeitgenössischer deutscher Tonsetzer. Montag, 11. 3uli. 7.05: Bad Mergentheim: Frühkonzert des Philharmonischen Orchesters. 12.00: Mittagskonzert des Philharmon. Orchesters Stuttgart. 13.00: Schallplattenkonzert: Aus deutschen Opern. 17.00: Mannheim: Beliebte Shmphoniesähe und Ouvertüren. 18.25: „Schule des Kunstgenusses", Vortrag von Oscar Baum. 18.50: Englischer Sprachunterricht, erteilt von Oberstudienrat Paul Olbrich. 19.30: Deutsche Studentenlieder. 20.00: Von Breslau: Das Waldenburger Bergland. Dichtung. Musik und Bericht. 21.10: Das große Marsch-Potpourri des Südwestfunks. 22.00: Deutsche Reden. Wilhelm Schäfer spricht. i Dienstag, 12. 3uli. 7.05: Bad Oeynhausen: Frühkonzert. 12.00: Mittagskonzert, von Prof. Fahrbach-Ehmki mit seinem Orchester. 13.00: Mittagskonzert: 15.20 bis 15.50: Hausfrauen-Rachmittag. 17.00: Karlsruhe: Nachmittagskonzert des Philharmon. Orchesters Karlsruhe. 18.25: „Zeitgebundene oder blutgebun- dene Kunst", Vortrag von Professor Dr. Schultze- Naumburg. 18.50: „Von Nöten und Hoffnungen des Handwerks", Vortrag von Paul Spindler, Präsident des Reichsverbandes deutscher Tapeziermeister, Polsterer und Dekorateure. 19.15: „Peter im Baumgarten", eine Erzählung um Goethe von Hans Brandenburg — Gelesen von Gerhard Ritter. 19.30: Konzert. 20.15: „Bei uns zu Lande..." Schwabenstreiche. „Moderne Iu- stitia im Guckkasten." Von Gottlob Friedrich Wagner. 21.00: (M, Königsberg): Ein Tag vor englischen Richtern. Hörfolge von Westphal. 21.40: Stunde der Kammermusik. 22.45 bis 24.00: Nachtmusik der Stuttgarter Philharmoniker. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben Die Höhe Der zuletzt beschlossenen Dividende an — Reichsbankdiskant 5 o H. Lombardzinsfuß 6 v. H. vian II. ,,,. ntr tronf'un a. Berlin Jram.ur a. 2)1. Berlin Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2U. Schlußkurs Schluß!. Abend, bärle Schluß- kurs ^wlußk Mlltaa- f'örfc Schluß-- lurü Schnur. Abend- bür Schluß- lurs üdchlußk. Mlilag- böre Schlußkurs Schluß!. Abend- börs- Schluß« lurs Schluß!. Mittaa- börfe 7. Full 8 Iuli Amtliche Notierung Geld | Arie' Amtliche Noiieruna Geld | Sric' Datum 7 7 8 1 7 7 8 7 Datum 77 8 7 7 7 8 7 — Datum 77 8 7.7 8.7 6% .ßeutidje .'heiajjanieihe o. 192. 7% Deutsche Reichsanleihe v. 1929 5%% D^ung-Anleihe von 1930 . £eutjd)? Aul. Ablöl.-Sckuld mit Auslol.-Reckten Tesgl. ohne Auölos.-Rechte . 8% Hess. Bolksstaat von 1929 (rückzahlb. 102%) . . Oberheilen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse 15 unkündbar bis 1935 7% Franks Hyp.-Bank Goldpse unkündbar bis 1936 Serie 16 1 Vt% Franks. Hyp.-Bank Liau.- Pfandbriese... l'/2% Rheiniicke Hyp.-Bank-Liqu. Goldpse. ...... 8% Pr. L an deSpsandbries anstatt, Pfandbriefe R. l!) . . 7% Pr. Landesvsandbriefanstalt, Pfandbriefe R. 10 4% Oesterretchtlche Goldrente 4,20% Oesterreichische Eilberrente 4% Ungarische Gvldrente . 4% Ungarische Slaatsrentev. 1910 4Vz°/o deegl. von 1913 . . . 5% abfieft. Golomerilaner von 99 4% Türkische Zollanleihe von ifiii 4% Türkische Bogdaobahn-Anleihc Serie 1 4% i',,5fll. Serie II 5% Sin man. vereint,. Rente 0.1903 4^i%Rumän.veretnh.Renie v.lüiz 4% Rumänische vereinh. Rente . ?%% 1, Anatolier 62 42 4,9 50 37 37 65 69,9 69-25 /8,75 78.13 66.5 65,5 9,5 1,13 6 6,5 1.4 3,4 1.4 7,5 3.8 15.75 59,4 62 5 64 42,9 5 37 69.75 69 75 77.9 78 13 66 65,5 p | s I । SR 1 । > 1 “? i 59 63 64 42.5 4.9 46 38 66,5 Painvurg-Amerila Pate. l Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Hansa Dampfschiff . 0 Norddeutscher Lloyd . . . . 6 A.G. für Verkehrswesen AU. Berliner Handelsgeseilschast 8 Commerz, und Privak-Bank . 7 Darmstädter und Nationalbank 8 Deutsche Bank und DIsconto-Gesellschast... 6 Dresdner Bank...... 6 Reichsbank .......12 A.E.G. . 7 Bergmann.........9 Elektr. LieserungSgesellschaft io Lickt und Straft 10 Fetten & Guilleaume . . 6% Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen ... 9 Rheinische Elektrizität .... 9 Schuckert & Go.......11 Siemens L Halske.....14 Lahmeyer L Co.. ..... 12 '3,9 88 18.25 10,5 18 25 129 5 25 74.75 40 58,5 62,25 79,5 13 139 88 18 25 30,5 129 32 13 67 75 40 60 5 70 63,5 122.75 79.5 12,75 13.9 28.65 88 16 18.5 30 18.5 129.5 25.25 63,75 74 5 40.75 58,75 62.25 121,5 78.5 12.13 13 28 88 16 18.5 30 18 5 127.65 24.4 64,5 73,4 40 58,25 62,5 120,5 78,25 ,'liiebed Montan......7,k Bereinigte Stahlwerks .... 4 Ltavi Minen......16'/, Kaliwerke Aschersleben ... 10 Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaliwerke Salzdetfurth . 15 I. G. Farben-Jndustrle 12 Verein, ckem. Industrie Frank« suri a. M........... Sckeiveanslalt....... 10 Goldschmidt. ........ 0 Rütgerswerke ........ 5 Metallgescllschast.......6 Philipp Holzmann......8 Zementwerk Heidelberg. ... 7 Cementwerk Karlstadt. .... 7 Watch & Freytag .....0 Schultheis Payenhoser ... 15 Mu (Allgemeine Kunstseide) 0 Bemberg. . . . 0 Zellstoff Waldhof.....12 Zellstoff Aschaffenburg ... 6 Dessauer Gas . . . .... 8 Daimler Motoren......0 Deutsche Linoleum .....6 Srenftein & Koppel.....0 Leonhard Tietz.......8 Svenska.........15 Ehade............ Frankfurter Maschinen . . . . o Gritzner..........o Mainkrastwerke Höchst a.M.. . 6 Süddeutscher Zucker .... io <5— ro y rOFOCO £O O Illi Illi Sin | | in 1 1 1 । । । 01 in in in I 1 in I info 1 1 | 13.5 96.5 104,5 93.25 135 18 26.5 35 32,13 13 13 10,13 93 102,5 164 93 32 35,25 56,25 33,5 31 27 20 87,65 12,9 13,5 24 55,5 7 182,5 19 13,13 9,75 94 163 90 65 32 34 55,9 31,5 30 27 20 86.75 12,5 31.75 23 55 181 104 Helsingfor« Wien. Prag . . Budapest. Sofia . . Holland . OSIo. . . Kopenhagen Stockholm London. . Buenos Aires Neuyork . Brüssel. . . Italien. . . Paris . . . Schweiz . . Spanien . . Danzig. . . Japan . . . Rio de Jan.. Jugoslawien. Lihabon . . 6,344 51 .95 12 465 3,057 170,18 73,98 81,47 76,79 15,00 0,938 4.209 58.54 21-48 16.535 82.07 34 37 82.22 1,179 0,325 6.393 13,64 6,356 52,05 12.485 3.063 170,52 74,12 81.63 77,13 15.04 0 942 4,217 58,66 21.52 16,575 82,23 34,43 82.28 1.181 0.327 6,707 13.66 Banknoten 6.344 51.95 12.465 3.057 170.18 74.13 81.47 77.02 15.02 0.938 4.209 58.50 21 49 16.525 82 05 34.17 82.17 1,149 0,325 6,393 13 960 6,356 52.05 12 485 3.063 170,52 74.27 81.63 77.18 15.06 0.942 4.217 58.62 21 .53 16.565 82.21 34.23 82,33 1.151 0.327 6.707 13,971 Berlin, 8.Zull Geld »rief 1,1 5.9 5 3.4 3,35 4 7.5 3.75 3,6Ö 6,05 6,4 5,9 3,5 8 3.8 16 9,/D 6 4 5,7 3.4 3,4 8.15 3.75 Buderus.........* Deutsche Erdöl.......6 Gelsenkirchener ....... 8 Harvener..........0 Hoelck Eisen..... 6 Flse Bergbau.......10 Klöcknerwerke..... 6 Köln-Neuessen.......6% Mannesinann-Röhren .... 6 Marisfelder Bergbau.....0 Lberschles. Kokswerte .... 8 Phönix Bergbau. Rheinische Braunkohlen... 10 Rheinstav ....... 6 29,5 40,75 15,5 47 75 27,5 68 9 30,25 41 17 49.25 27,75 68,5 30.4 51 26,4 129.5 23,25 40,75 32,25 15.25 175 - 48.75 27 66 25 30,75 50 25,5 39,25 31.5 15 170 47.75 Amerikanische Noten....... Belgische Noten......... Dänische Noten ........ Englische Noten......... Französische Noten...... . Holländische Noten........ Italienische Noten........ Norwegische Sloten........ Deutsch-Oesterreich, i 100 Schilling Rumänische Noten........ Schwedische Noten........ Schweizer Noten......... Spanische Noten......... Ungarische Noten ........ 4.20 58,34 81,29 14,98 16.485 169.81 21.47 73,95 2,49 76,85 81,87 34,03 4,22 58,58 81,61 15,04 16.545 170,49 21,55 74,25 2,51 77,15 82,19 34,17