Ur. <59 Erster VM 182. Jahrgang Samstag, 9. Juli 1932 Erscheint täglich,anher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Giehener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monat, vezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlöfle unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Sieheu- Postscheckkonto: Zrantfurt am Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühNsche Nniverpätr-Vuch' miö Stehtöruderei B. Lange in Sietzen. §chrffttettnng und Geschöftrftelle: Schulffratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mra Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Herriot und Reichskanzler von papen ziehen die Bilanz von Lausanne. auf eine reinliche und restlose Erledigung der *Xc* Parationsfrage zu konzentrieren, verzettelte sie sich auf den Gebieten politischer Zielsetzun- Sen, die in den Lausanner Rahmen in keiner Weise ineinpahten. Oie Linke. Ansprachen der Oelegationsführer auf der Schlußsitzung der Konferenz über Das Echo in Deutschland Herbe Kritik auf der Rechten und im Zentrum. — Beifall der Linken. Fehlwirkungen für die ganze wett —. dah gewonnene Erkenntnisse zu entscheidendem handeln führen müssen. Deshalb sollten die noch offen stehenden Fragen einer beschleunigten Lösung zugeführt werden. Die wirtschaftliche Befriedung der weit verlangt vor allem die politische Stabilität. Sie ist nur gewährleistet, sofern Rach Macdonald erklärte in der Schlußsitzung der Lausanner Konferenz der französische Ministerpräsident unserer Finanzwirtschaft la st en werde. Zweifellos wäre bei den schweren taktischen und politischen Fehlern der deutschen Delegation der Lausanner Reparationskampf noch viel ungünstiger ausgefallen, hätte nicht die weitsichtige und ersprießliche Dorbereitungsarbeit Brünings vorgelegen. Wenn schließlich Herriot als Sieger über Deutschlands politische Störungsversuche nach Paris zurückfahren könne, so sei dies auf die ilnein* heitlichkeit und den Dilettantismus einer deutschen Delegation zurückzuführen, die unter dem Druck innerpolitischer und personeller Einflüsse die von Brüning vorgeze i ch nete gerade Linie verlassen habe. Anstatt alle Kräfte allen Völkern neben gleichen Pflichten auch gleiche Rechte zugebilligt werden. Deutschlands Ansprüche sind bekannt. Nach dem Reichskanzler sprachen noch der italie- Berlin, 8. Juli. (TLl.) Am Samstag sollte in Berlin eine nationalsozialistische Kundgebung stattfinden, nach dec ein Vorbeimarsch von 40 000 SA.- und SS. -Männern vor Hitler in der Siegesallee, die im Reichstagsbannkreise liegt, vor sich gehen sollte. Die SA. sollte vom Lustgarten her zur Siegesallee durch die Straße Unter den Linden durch das Brandenburger Tor marschieren. Die RSDAP. hatte das Reichsinnenministerium gebeten, den Vorbeimarsch in der Siegesallee $u ermöglichen. Das Reichsinnenministerium hat jedoch diese Bitte a b g e l e h n t, da es nicht in der Lage sei, die gesetzlich festgelegten Vorschriften für die Bannmeile aufzuheben. Der Vorbeimarsch der SA. und SS. ist daraufhin abgesagt worden. Es wird daher lediglich die Kundgebung im Lustgarten stattfinden. Aus diesem Anlaß richtet der „A n g r i f f" schwere Vorwürfe gegen den Reichsinnenminister Frei- herrnvon Gayl. Unter der Ueberschrift: „G a y l provoziert die SA." schreibt das Blatt, daß es Herrn von Gayl vorbehalten geblieben sei, dem nationalsozialistischen Deutschland das zu verweigern, was unter der Herrschaft des Novembersystems Scharfe Absage -er NSDAP, an -en Reichsinrrenminister. nische Finanzminister Mosconi und der belgische Ministerpräsident Rencin ihre Genugtuung das Zustandekommen des Vertragswerts aus. dutzendmal dem Reichsbanner, der Eisernen Front und ähnlichen Organisationen erlaubt worden sei. Dadur chhabe dieser Reichsinnenminister s e i n w a h» res Gesicht gezeigt. Der Minister nehme dem nationalsozialistischen Deutschland das Recht auf jene Straßen, die ihrer historischen Bedeutung wegen allein der Größe und der demonstrativen Wucht der Parteiorganisation und der stolzen und niemals besiegten SA. und SS. entsprächen. Auch er habe jene Regierungserklärung unterschrieben, in der gesagt werde, daß das alte System fallen müsse. Glaube er vielleicht, mit Paragraphen und Opportunitätsgründen den Marxismus zum Sturz bringen zu können? Das System werde nicht überwunden durch zaudernde Schwäche und starre Paragraphenreiterei. Das System werde nur überwunden durch d i e massive Wucht und demonstrative Kraft einer Millionenbewegung. In einem Appell an die SA.-Kameraden erklärt G r a f h e l l d o r f, der Führer der Gruppe Berlin- Brandenburg der SA., daß Minister von Gayl mit dem Erlaß bewußt den Trennungs strich zwischen sich und den braunen Bataillonen Adolf Hitlers gezogen habe. Berlin, 8.Juli. (WTB. Funkspruch.) In der Freitagsitzung des preußischen Landtags kam es zu Sturmszenen. Vor Eintritt in die Tagesordnung gaben die Nationalsozialisten Lohse und Dr. Freister Erklärungen ab, die sich gegen s o - zialdemokratische Wahl-Flugblätter wendeten weil darin zu Unrecht behauptet sei, ein Nationalsozialist habe im Landtag die deutschen Frauen beschimpft mit dem Zuruf: „Ihr dummen Ziegen, dafür werden Euch ja Kinder gemacht, daß st» als Kanonenfutter verrecken können." Die Erklärungen enthielten scharfe Wendungen gegen die SPD. Sobald ein sozialdemokratischer Abgeordneter mit einem Zuruf hiergegen sich wandte, erhoben sich die Nationalsozialisten, drohten mit dm Fäusten und gingen gegen die Sozialdemokraten vor. — Präsident Kerrl rief wiederholt Nationalsozialisten zur Ordnung. Die Erregung bei den Nationalsozialisten konnte aber auch Präsident Kerrl kaum dämpfen. Als dann die am Beginn der Tagesordnung stehende nochmalige Beschlußfassung über die Amnestie aufgerufen wurde, nahm der Iustiz- minifter Dr. Schmidt das Wort, um die Angriffe zurückzuweisen, die von nationalsozialistischen Rednern im Landtag gegen die Justiz erhoben worden waren. Ihm antwortete Abg. K u b e (Ratsoz.) mit scharfen Redewendungen, in denen er Richter und Staatsanwälte namentlich nannte, ihnen Rechtsbeugung vorwarf und sie als Lumpen bezeichnete. Präsident Kerrl bat ihn um Mäßigung. Auch gegen den Staatssekretär im Innenministerium, Dr. A b e g g, ging Kube vor, weil Abegg für die Bewaffnung des Reichsbanners eingetreten sei. Als er gegen den Handelsminister Dr. Schreiber bolynifierte, rief Abg. Hinkler (Ratsoz.): „Wo ist der Lümmel?", er wurde dafür vom Präsidenten Kerrl zur Ordnung gerufen. Den Staatsrat Herriot die französische Delegation sei über das Ergebnis der Lausanner Konferenz erfreut. Ein nicht geringer Teil dieses Erfolges sei chrem Präsidenten Macdonald zu danken. Er sei besonders erfreut darüber, daß, obwohl die Meinungen in vielen Punkten auseinandergegangen seien, man auf eine Formel sich habe einigen können, die von einem guten Geiste diktiert worden sei. Man habe der Leidenschaft die Tür geschlossen und das Gesetz der Vernunft zugezogen. (Zeder Staat habe zwar feine Interessen verfolgt, aber er habe auch dem Wohle der Allgemeinheit Zugeständnisse gemacht. Die Konferenz von Lausanne habe ihr Programm ausgeführt. Es handele sich nunmehr auch darum, daß die Völker ihr Teil an der allgemeinen Zusammenarbeit beitragen. In den letzten Wochen habe er mit tiefer Erschütterung von den Leidendes deutschen Volkes gehört. Er möchte deshalb nun wiederholen, daß jetzt die Zeit gekommen sei, wo alle Völker selbst Mitarbeiten mühten, um einen neuen Geist der Versöhnung zu schaffen. Eine neue Aera sei nun angebrochen, ein neuer Geist sei da, der Geist von Lausanne, der allein als Richtschnur dienen müsse. Man habe auch hier nur immer auf die Verschiedenheiten zwischen den Völkern hingewiesen, da sei nun die Zeit gekommen, auch diese Verschiedenheiten zu vergessen und auf die Züge hinzuweisen, die allen Völkern gemeinsam seien. Man müsse nun die neuen Lebenskräfte, seien es materielle, seien es solche auf geistigem Gebiete, entwickeln, man müsse ein neues Vertrauen schaffen. Herriot schloß mit dem Hinweis auf jene Worte, die er als die tiefsten und menschlichsten bezeichnete: „Friede aus Erden den Menschen, die guten Willens f in d." Reichskanzler von papen erklärte sodann u. a.: Ich glaube und hoffe, daß die Entscheidungen, die wir in Lausanne trafen, einen Wendepunkt in der Geschichte Europas und in der Geschichte der Welt bedeuten. Das erste Ziel dieser Konferenz war, eine endgültige Lösung der Reparationsfrage zu finden. Ich bin glücklich, feststellen, zu können, daß dieses Ziel erreicht ist. Das Rcparationsproblem ist endgültig beseitigt. Diese Konferenz hat für Deutschland das Ende der politischen Zahlungen gebracht. Ich glaube und hoffe, daß wir hiermit die stärkste Wurzel der Weltwirtschaftskrise-, die gegenwärtig auf uns lastet, durchgeschlagen haben und daß es uns gelingen wird, wenn wir in der hier eingeschlagenen Bahn fortschreiten, der liebel, die alle "unsere Länder bedrohen, Herr zu werden. Unerläßlich ist es freilich, daß wir den hier begonnenen Weg fortsetzen. Zwei Voraussetzungen sind es, die ich als wesentlich ansehe, wenn unsere Bemühungen von einem vollständigen Ergebnis und dauerndem Erfolge gekrönt werden follen. Einmal müssen tatkräftig und entschlossen die wirtschaftlichen Hemmungen beseitigt werden, die aus der Krise geboren sind, und ich hoste, daß die Weltwirtschaftskonferenz, deren Vorbereitung wir hier in Lausanne eingeleitet haben, dieses Ziel verwirklichen wird. Die zweite ist, daß die politische Entspannung, die Voraussetzung aller wirtschaftlichen Prosperität und erfolgreichen Zusammenarbeit der Völker fortschreiten und ausgebaut wird. Politische Fragen, die hier bereits zur Erörterung gestanden haben, und alle Programme dieser Art, die künftig austauchen, müssen in demselben Gei st e des Entgegenkommens behandelt und e werden, der uns hier bei der Lösung des rationsproblems geleitet hat. Ich erkläre hier ganz offen, daß wir uns nur mit schwerem herzen haben entschließen können, die in dem Lausanner Abkommen niedergetegten Verpflichtungen zu übernehmen, wir haben deshalb geglaubt, dies tun zu können, weil es sich bei den Leistungen, die von uns gefordert werden, nicht mehr um Reparationszahlungen, sondern um einen Beitrag handelt, den Deutschland zum wirtschaftlichen Wiederaufbau der well leistet. Deutschland tritt, von seinen Reparationsfesseln befreit, willig an die Seite der anderen Völkern, um das große gemeinsame Werk des wirtschaftlichen Wiederaufbaues der Welt in Anariff zu nehmen. Die Beseitigung der bisherigen Fesseln kann den Mut und die Tatkraft und den Arbeitswillen des deutschen Volkes nur beflügeln. Die deutsche Regierung hat den festen Willen, das Wiederaufbauprogramm im eigenen Lande in der tatkräftigsten Weise in Angriff zu nehmen, und hofft, damit ein Wesentliches zur Wiederherstellung normaler Wirtschaftsbeziehungen mit allen Ländern beizutragen. Das frühe Kapitel der Reparationen ist geschlossen. Lernen wir aus diesem Problem — au» den verzögerten Beschlüssen und ihren nannte Abg. Kube eine Leichenkammer. Als Iustizminister Schmidt nochmals die Angriffe gegen die Iustiz zurückzuweisen versuchte, wurde er von den Rationalsozialisten stürmisch unterbrochen. Die Rationalsozialisten erhoben drohend die Fäuste gegen den Iustizminister. Da es dem Präsidenten Kerrl nicht gelang, dem Minister Gehör zu verschaffen, unterbrach er die Sitzung. Nach Wiedereöffnung trugen noch Abg. Steinfurth (Komm.) und Dr. Zubke (DNVP.) ihre Wünsche auf Beseitigung des Staatsratseinspruchs gegen die politische Amnestie vor. Damit war die Aussprache beendet. Die Abstimmung sollte erst später stattfinden. Als die Fortsetzung der Bergdebatte aufgerufen wurde, setzten die Nationalsozialisten mit Hilfe der Deutschnationalen und der Kommunisten einen Beschluß aufsofortigeHerbei- Zitierung des Handelsministers Dr. Schreiber durch. Die Verhandlung wurde unterbrochen. Nach ihrer Wiedereröffnung wurde bekannt, daß Minister Schreiber auf dringenden ärztlichen Rat sich auf Erholungsurlaub befindet. Der an feiner Stelle erschienene Staatssekretär Staudin - g e r war mitten aus wichtigen Verhandlungen mit dem Reichsfinanzministerium über den Harzer Bergbau herausgeholt worden. Das Haus erlaubte dem Staatssekretär, sofort wieder zu diesen Verhandlungen zurückzukehren. Dr. Freister (Natsoz.) beantragte dann die sofortige Haftentlassung des nationalsozialistischen Abgeordneten Beckerle (Frankfurt a. M.) und gleichzeitig die Verhaftung des Frankfurter Polizeipräsidenten, der zu unrecht gegen Beckerle vorgegangen wäre. Die Haftentlassung des Abg. Beckerle (Natsoz.) wurde alsdann beschlossen. Im Zusammenhang hiermit setzten die Nationalsozialisten die He-r-beizitierung öe$> Oie Rechte. Berlin, 9. Juli. (TU.) Die ersten Pressestimmen zu dem Ergebnis der Lausanner Konferenz liegen bereits vor. Unter der Ueberschrift „Das Wort hat die Nation" schreibt der „Tag" (Hugenberg) u. a.: Das Ergebnis bedeutet, Frankreich hat gesiegt. Herriot hat sich auf den Standpunkt zurückgezogen: Versailles über alles! Tribute statt freiwilliger Beiträge für Europas Gesundung! Weitere militärische Niederhaltung Deutschlands, Aufrech- erhaltung der Kriegsschuldpsychose. Der Ausgang dieser Konferenz erinnert fatal an ähnliche Abschlüsse: Immer ging Deutschland als der Leid- t agenbe von solchen Konferenzen. Es wäre ungerecht, zu verkennen, wie bedeutsam die Vorbelastung Deutschlands für Lausanne war. Das Entscheidende ist die Tatsache, daß wir aus Lausanne mit einer politischen Milliarden- schuld heimkehren. Es wird sich bald zeigen, w i e ftarf der Wider st and aus der Volkstiefe gegen dieses Pragraphenwerk sein wird. Der „Loka l a n 3 e i g e r" führt aus: Deutschland hat etwas gewonnen, das man nicht klein nennen soll: Die Auslöschung der Tributzahlungen, aber es hat sehr hoch dafür bezahlt. Statt eines großen Werkes, dessen Schwung mitreißen sollte nach der vertanen Zeit der bösen 13 Jahre, unter der die Welt leidet, wurde ein Teilstück geliefert. Wer die Lage in Lausanne sah, kann die Unterschrift nicht verstehen, wenn man den Blick auf die Schwierigkeiten unserer deutschen Wirtschaft richtet. Vom nationalen Standpunkt gab es und gibt es nur das eine Wort: Wir dürfen nicht mchr zahlen, gar n i d) t s. Die „Deutfche Zeitung" (alldeutsch) hebt hervor, daß kein Anlaß zu Optimismus sei. Papen hätte nein sagen müssen, und kein Hinweis auf die Gefahren, die dem deutschen Kredit beim Scheitern von Lausanne erwachsen wären, vermöge auszulöschen, dah ein über und über verschuldetes Volk, das zudem nochmals Milliarden-Ver- pflichtungen eingehe, mindestens so wenig Kredit haben werde, als wenn es aus seiner Lage die gegebenen Schlüsse ziehe. Die „Börsenzeitung" (konserv.) betont, diese letzte ungeheure Kraftanstrengung könne nur in dem befreiten Gefühl geleistet werden, dah damit der Fluch der Tribute endgültig vom deutschen Volk genommen sei und in absehbarer Zukunft die deutsche Wirtschaft, der deutsche Arbeiterund Angestellte nicht mehr Lohnsklave der Tributmächte sein werde. Dieses große Verdienst der deutschen Delegation anzuerkennen und ihren großen Wert zu würdigen, sollte auch denen eine Pflicht sein, deren Blick durch parteipolitische Komplexe oder Abhängigkeiten getrübt sei. Die „D A Z." (gern. Rechte) schreibt unter der Ueberschrift „Das Lösegeld" u. a.: Rach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten kann selbstverständlich nicht entschieden werden, ob die Ratisi- zierung des Lausanner Abkommens zu empfehlen ist oder nicht. Es ist aber kein Zweifel darüber möglich, daß der Lausanner Abschluß für den wirtschaftlichen Wiederaufbau den Weg freimachen kann. Eine gesunde Wirtschaft eröffnet auch den Weg zur Gesundung der Politik. Ob dieser Vorteil groß genug ist, um d i e Enttäuschungüber das, was politisch zu erreichen nicht möglich war, aufzuwiegen, bedarf noch der gewissenhaften Prüfung. Die „Tägliche Rundschau" (Christlicher Volksdienst) betont, der Verzicht des Reichskanz- ■ lers, die Tributfrage durch eine Aufkündigung des Versailler Vertrages und einem moralischvölkerrechtlichen Angriff gegen den § 231 zu lösen, hätte zu der Katastrophe in Lausanne geführt. „Wir sind der Tleberzeugung", so schreibt das Blatt, „daß das Ergebnis von Lausanne schlechthin verhängnisvoll und katastrophal für das deutsche Volk ist. und dah der Reichspräsident v. Hindenburg die Rach- giebigkeit der Reichskanzlers lediglich mit seiner Entlassung beantworten muß." Durch die Ausgabe von Bonds blühe den internationalen Weltbankiers wiederum ein großes Geschäft, da Deutschland nach Abschluß des dreijährigen Moratoriums jährlich eine halbe Milliarde zahlen müsse. Oie Mitte. Die Germania" (Zentrum) erklärt, dah ihr die Lösung nicht gefalle. Drei Milliarden stellten bei der Verarmung des deutschen Volkes einen Betrag dar, der schwer auf Die „V 0 ssische Zeitung" (dem.) nennt bas Ergebnis positiv und sagt, daß in dem Wettkampf zwischen Rettung und Vernichtung eine Runde gewonnen sei. Was in Lausanne erzielt worden sei, ist ein Abschluß und ein Anfang. Abschluß der wirtschaftlichen Diskriminierung, die schließlich zu einem Wirtschaftskrieg aller gegen alle geführt habe, Ausgangspunkt der neuen Ordnung für die wenigstens die gemeinsamen Grundlagen gesunden worden seien. — Das „Berliner Tageblatt" (dem.) ist der Ansicht, daß das,, was in Lausanne erreicht worden ist, deutlicher als alles andere zeigt, wie richtig die Erfüllungspolitik der republikanischen Parteien in Deutschland gewesen ist, denn sie hat den Boden für die Endlösung in Lausanne Überhaupt erst bereitet. Man kann die Lösung in Lausanne im großen und ganzen als fair bezeichnen. Außenpolitisch ist damit der Weg freigegeben für einen wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands. Der „Vorwärts" (soz.) schreibt, Herr v. Popen, der nach Lausanne gefahren war, um für die Politik der nationalen Konzentration einen Sieg zu erfechten, ist mit einem schönen Erfolg der E r f ü 11 u n g s p 0 l i t i f heimgekehrt. Lausanne sollte eine Wegscheide sein. Es ist aber ein Meilenstein aeworden an der langen und beschwerlichen Straße, die in Versailles beginnt, über London und Locarno in den Haag führt und an der die Orabmäler Erzbergers und Rathenaus stehen. In Lausanne hat di« D e r- ständigungspolik über den U n d e r • ftanb gesiegt. Die deutsche Sozialdemokratie wird unbeschadet ihrer schärfsten Opposition gegen das Kabinett der Hitler-Baron« das Ergebnis von Lausanne objektiv würdigen. Stmmschnng im preußischen Landtag. ErregieIustiz-ebaiie.-Oie politische Amnestie gescheitert.-OieSitzung aufgeflogen Innenministers Severing durch. Die Sit- zung mußte wieder unterbrochen werden. Es wurde dann die politische Amnestie, gegen die der Staatsrat Einspruch erhoben hatte, wiederum zur Abstimmung gestellt. Die notwendige Zweidrittelmehrheit für Beseingung des Einspruchs wurde nicht erreicht. Es wurden 401 Stimmen abgegeben, wovon die Zweldc ttel- Mehrheit 268 gewesen wäre. Für die politische Am. nestle stimmten aber nur 244, dagegen 155, so daß der Staatsratseinspruch ausrechterhalten bleibt. Das Eraebnis wurde mit stürmischen Pfui-Rufen bei den Nationalsozialisten ausgenommen. Abg. K u b e (Nts.) erklärt, daß damit die wirkliche politische Amnestie gescheitert sei. An dem Amnestieschmarren, den der Staatsrat vorgelegt habe, hätten die Nationalsozialisten kein Interesse. Er richtet heftige Angriffe gegen Zentrum und Sozialdemokraten und erklärt schließlich, da die politische Amnestie gefordert sei, seien die Nationalsozialisten dafür, daß Schluß mit dem ganzen faulen Zauber gemacht werde. Vor dem Volk werde man zeigen können, was eigentlich Not sei. Er schloß mit einem auf Adolf Hitler und Deutschland ausgebrachtcn Heil, in das die nationalsozialistische Fraktion einstimmte. Dann erheben sich die Nationalsozialisten und singen das Horst-Wesfcl- Lied. Präsident Kerrl verläßt seinen Platz; die Landtagssitzung war ausgcflogen. Nachträglich blieben Nationalsozialisten und Kommunisten noch im Sitzungssaal. Als die Kommunisten die Internationale anstimmten, wurden sie von den Nationalsozialisten durch den gleichzeitigen Gesang nationalsozialistischer Lieder übertönt. Erst allmählich leerte sich der Sitzungssaal. Oie Verhaftung des Abg. Beckerle. WSN. Frankfurt a. M., 8. Juli. Nach einer Demonstration der Nationalsozialisten im Anschluß an die Beerdigung des am Montagabend erfchos- senen SA.-Mannes Handwerk wurde der nationalsozialistische Landtaasabgeordnete B e ck e r l e heute mittag in dem Augenblick verhaftet, als er ein Flugzeug auf dem Frankfurter Flugplatz besteigen wollte, um sich nach Berlin zu der Land- tagssitzüng zu begeben. Die Verhaftung erfolgte, weil Beckerle der Anführer der verbotenen Demonstration gewesen sein soll. Dieser Vorgang führte im Landtag zu erregten Szenen. Innenminister Severing teilte mit, daß er die Enthaftung des Abg. Beckerle angeordnet habe. Der Frankfurter Polizeipräsident habe mitgeteilt, daß trotz Verbots sich der verhaftete Abgeordnete an der Spitze eines Demonstrationszuges befunden habe. Aufhebung der Mitgliedersperre bei der NSOAp. M ü n ch e n , 9. Juli. (WTB. Funkspruch.) In einer in der nationalsozialistischen Parteikorrespondenz ver- öffentlichten Mitteilung des Reichsschatz- meisters der NSDAP, wird bekanntgegeben, daß die am 19. Mai 1932 verfugte Mitgliedersperre am 15. Juli 1932 als erloschen anzusehen ist. Abg. Lenz (Natf.) begründet den Antrag, die Negierung solle bei der Reichsregierung die Aufhebung der Kürzungen der Sozialversicherungsrenten, der Versorgungsrenten uick» der Arbeitslosenversicherung fordern. Die Rationalsozialisten hätten mit dem Kabinett v. Popen genau so viel zu tun, wie mit dem Kabinett Brüning. Die Rationalsozialisten könnten nur eine Reichsregierung anerkennen, an deren Spi,tze Adolf Hitler st ehe. Abg. Gum bei (Soz.) lehnt die nationalsozialistischen Anträge als ein Produkt des schlechten Gewissens ab. Adolf Hitler, der am Sonntag wieder zur Tolerierung des Kabinetts v. Papen aufgefordert habe, habe die Uniformen, den Rundfunk, die Riederlage der Länder und die Auflösung des Reichstages durchgesetzt, und jetzt kämen diese armseligen Anträge. Wenn Hitler wirklich gewollt hätte, wäre es ihm sicher eine Kleinigkeit gewesen, diese Forderungen auch durch- zusehen. An dann eine mehrstündige Debatte. OHDQN be> Aus aller Welt nach -^CALAIS 1QULOGHE des ge- die der Karte der Unglücksstelle bei Kap Levi, nahe dem Kriegshafen Cherbourg. Werner Adelung Kirnberger Keil Nie Katastrophe des französischen U-Bootes „promethee" Italienische Hebeschiffe zur Hilfeleistung unterwegs. - Wenig Hoffnung auf Rettung her Besatzung. Katastrophe aus ein falsches Manöver zurückzuführen ist. Wahrscheinlich wurden versehen!« lich die Ballastkammern mit Wasser gefüllt, worauf das Schiff notgedrungen absacken mußte. 35 Stimmen, 17 10 8 o CAEN NORMANDIE AMW 2Ibg. Lenz (Natsoz.) schlägt erneut den Abg. Dr. Werner vor und richtet an das Zentrum die Ausforderung, angesichts des ersten Wahlganges °.uj -'nen eigenen Kandidaten zu ver- ziehen ° Un& notwendigen Konsequenzen zu die Aufhebung des 11. August als Volksfeiertag einsehen. 3n der Abstimmung wird der kommunistische Abänderungsantrag: „Der Derfassungsfeiertag des 11. August wird aufgehoben", mit den Stimmen sämtlicher Parteien gegen die Sozialdemokraten angenommen, ebenso der nationalsozialistische Antrag und der Initiativantrag des Zentrums. In diesem Jahre wird also der Verfassungstag nicht mehr gefeiert werden. Die Reichönotverordnung. Der letzte Punkt der Tagesordnung: träge zur letzten Rotverordnung der Reichsregierung vom 14. Juni 1932 veranlassen Oie Freitagsitzung des Hessischen Landtags. Oie Wahl des Staatspräsidenten auf den 14. Juli vertagt. — Mißtrauensanträge gegen MinisterLeuschnerund dasGesamtkabinett angenommen.-Aufhebung desVerfaffungsfeiertags schiedenheiten über die Einbringung der Heuernte in Streit, in dessen Verlauf er seine Flinte holte und den eigenen Sohn kurzerhand über den Haufen schoß. Der Schuß traf den jungen Schomburg i n die Schläfe, so daß er, ehe ärztliche Hilfe zur Stelle war, verblutete. Schon wieder ein Schulbrand in Berlin. In der letzten Zeit wurde in Berlin eine Reihe von Schulbränden gemeldet, über deren Entstehung bisher nichts ermittelt werden konnte. Dieser Tage ereignete sich ein neuer, ebenso mysteriöser Fall- In einer Gemeindeschule im Nordosten brach ein Brand aus, der wiederum in einem Klassenschrank gelegt worden war. Das Feuer konnte erstickt werden, ohne daß größerer Schaden entstanden wäre. DOVER. ^u^NPT0Noprsh0ur Räuberunwefen in der Umgebung von Insterburg. Die Gegend von Groß-Schunkern bei Insterburg ist in der letzten Zeit wiederholt von Räuberbanden heimgesucht worden. So wurde in der Nacht zum Mittwoch der Besitzer B a r s ch e i s auf dem Hofe seines Gehöfts überfallen. Aus dem Hinterhalt wurden auf Barscheis mehrere Schüsse abgegeben, von denen drei ihn in den Oberschenkel trafen. Trotz seiner schweren Verletzung feuerte der Ueberfallene ebenfalls, und es entwickelte sich ein regelrechtes Feuergefecht. Schließlich zogen sich die Banditen zurück. Die sofort herbei- gerufenen Landjäger konnten bisher der Verbrecher nicht habhaft werden. Dor längerer Zeit erhielt ein anderer Besitzer namens Perkuhl einen Brief, in dem er aufgefordert wurde, in einer der nächsten Nächte 1000 bis 1500 Mark bereit zu halten, andernfalls er erschossen würde. Die davon benachrichtigte Landjägerei ließ das Gehöft daraufhin wochen- lang überwachen. Als sich die Banditen einen Mo- nat hindurch nicht meldeten, hob man die lieber» wachung auf. Kaum aber fehlte der polizeiliche Schutz, als die Räuber das Gehöft, das sich nur einige hundert Meter von dem des Barscheis entfernt befindet, üb er fielen und bei Perkuhl in die Wohnung eindranaen. Mit vorgehaltenem Revolver zwangen sie den Besitzer, ihnen den verlangten Betrag auszuhändigen. Die Suche nach ihnen war auch diesesmal ergebnislos. Schreckliches Ende eines Familienstreils. Eine blutige Familientragödie spielte sich in Seelze bei Hannover ab. Der Gutsbesitzer Schomburg geriet mit seinem 32jährigen Sohn auf der Diele seines Hauses infolge von Meinungsver- Wettervoraussage. Der hohe Druck über der Biscaya hat sich weiter gekräftigt, sowie über Frankreich und Deutschland ausgebreitet. Unter seinem Einfluß steht vorerst die Wetterlage, so daß Aufheiterung und Erwärmung einsetzt, wenn auch die vom Ozean kommende Luft zeitweise etwas Bewölkung mit einmischt. Aussichten für Sonntag: Aufheiternd und wolkig, trocken, wärmer. Aussjchen für Montag: Fortdauer der Wetterlage. Lufttemperaturen am 8. Juli: mittags 21,6 Grad Celsius, abends 19,4 Grad; am 9. Juli: morgens 18,7 Grad. Maximum 22,8 Grad, Minimum 13,8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 8. Juli: abends 24,8 Grad; am 9. Juli: morgens 19,7 Grad. — Son- nenfcheindauer 3% Stunden. Abg. Wesp (Z.) findet, daß Deutschland unter dem Kabinett Papen bereits zu erwachen beginne, das von der Schwerindustrie mit höherem Aufatmen begrüßt worden sei. Das Zentrum lehne die Rotverordnurg vom 14. Juni ab. An der weiteren Aussprache beteiligen sich dann noch die Abgeordneten Glaser (Landbund), Keil (K.) und Kern (Rats.). In der Abstimmung wird der Antrag der Rationalsozialisten mit Mehrheit angenommen. Der zweite Absatz des nationalsozialistischen Antrages, die Kreisdirektoreir und Oberbürgermeister als Leiter der hessischen Bezirksfürsorgeverbände anzuweisen, daß eine neue Herabsetzung der jetzt bereits ganz unzulänglichen Richtsätze für die allgemeine und die gehobene Fürsorge nicht mehr erfolgt, wird von den Antragstellern zurückgezogen. Bei Stimmenthaltung der Rationalsozialisten wird der sozialdemokratische Antrag angenommen, wonach der hessische Reichsratbevollmäch- tigte beauftragt werden soll, im Reichsrat für die Aufhebung der Rotverordnung einzutreten. Präsident Werner vertagt dann die Weiterberatung auf Donnerstag, den 14.Juli, mittags 12 Ähr. Einziger Punkt der Tagesordnung ist die Wahl des Staatspräsidenten. Paris, 8. Juli. (TU. Funkspruch.) Soeben trifft die Nachricht ein, daß die Suchfahrzeuge auf die sogenannte Telefonboje des am Donnerstag gesunkenen Unterseebootes gestoßen sind. Eine Möglichkeit zur Rettung der Besatzung besteht jedoch nicht. Der Marineminister hat zugegeben, daß für die ganz großen Unterseeboote des neuesten Typs ausreichend kräftige Hebeschiffe noch nicht gebaut worden sind. Die Mannschaft muß deshalb nach wie vor als verloren gelten. Die Besatzung hatte für 36 Stunden Sauerstoff; diese Zeit ist bald abgelaufen. Man fürchtet daher das Schlimmste. Die Meldung, daß an der Unglucksstelle Unterseebootes „Promöthse" eine Telephonboje funden wurde, hat sich bestätigt. Dennoch sind Hoffnungen, daß vielleicht doch noch ein Teil Besatzung im Schiffsraum eingeschlossen ist, sehr schwach. Man nimmt vielmehr an, daß die Boje im Augenblick des Unterganges des Schiffes von einem Mitglied der Besatzung gelöst wurde. Marineminister L e y g u e s hat den Kommandanten des italienischen Hebeschiffes „Artiglio" gebeten, fein Schiff und den „Rostow", die beide mit den Hebearbeiten an der „Äegypte" beschäftigt sind, zur Verfügung zu stellen. Beide Schiffe sind sofort nach Cherbourg ausgelaufen. Es scheint mit <Ächerheit festzustehen, daß die K A N Ä - * CAP LEVI CHERBOUP&) SlE HAVRE V ROUEN Darmstadt, 8. Juli. (WHP.) Unter außerordentlichem Andrang des Publikums fand die heutige Sitzung des Landtages statt, der die Wahl des Staatspräsidenten vornehmen wollte. Vizepräsident W e ck l e r eröffnet die Sitzung um 11 Uhr. Die Ministerbänke sind leer, dagegen sind alle Ministerialbeamten dec Spitze erschienen. Der Präsident erbittet zum Punkt „W a h l des Staatspräsidenten" Vorschläge. Abg. Len, (Tlatso,.) Sie alle kennen die Forderungen, die wir für diesen Spezialfall der Staatspräsidentenwahl in Hessen schon nach dem Ergebnis der letzten Landtagswahl der Oeffentlichkeit unterbreitet haben. Wir haben in unserem Brief an das Zentrum damals unsere Forderungen eindeutig fest gelegt: Abkehr von dem das deutsche Volk und das Deutsche Reich vernichtenden Marxismus, klares Bekenntnis zur Politik der nationalen Erweckung, Erhebung und Befreiung unseres Volkes, sittliche Erneuerung auf einer wirklich christlichen Grundlage, eine Staats- regierung, die billig, zuverlässig und sauber arbeitet. Man hat uns den Vorwurf gemacht, wir wollten als Staatspräsident einen Mann stellen, von der Partei kommandiert, der nichts anderes wäre als parteipolitisches Vollzugsorgan. Diejenigen, die uns diese Vorwürfe gemacht haben, zeigen heute, daß diese Verfassung und das Recht für sie nichts mehr gilt, weil sie sehen, daß die vorwärts- schreitende NSDAP. nicht aufzuhalten ist. Diejenigen, die sich seit 14 Jahren an den Futterkrippen gemästet haben, werden wir beseitigen. In Hessen sind die Zustände in den letzten Wochen unerträglich geworden. Terror auf Terror gegen die nationalsozialistische Bewegung breitet sich aus. (Widerspruch links.) Wir können die Beweise dafür geben. Dutzende unserer Anhänger sind niedergeknüppelt worden. Die Hessische Regierung ist außerstande, ihre Bürger zu schützen, aber sie kann den kommunistischen Abgeordneten Hamann aus dem Zuchthaus bringen. Geben Sie uns die Gelegenheit, am Steuer des Staatsschiffes zu beweisen, daß wir nicht die Partei in den Vordergrund stellen, sondern den Staat und das Volk und daß alle Vorwürfe gegen uns falsch sind. Wir schlagen als Staatspräsident den Abg. Professor Dr. Werner vor, den Sie alle als persönlichen Ehrenmann kennen. Er wird sein Amt nicht als Parteimann auffassen, sondern als Beauftragter des ganzen Volkes, un- beeinflußbar von Parteigrundsätzen. Er wird die Garantie dafür bieten, daß in Hessen an- berc Verhältnisse geschaffen werden. Oie Debatte Abg. Hoffmann (Z.) schlägt als Kandidaten Fmanzminister Kirnberger vor, 2lbg. Zinn- k a n n (Soz.- den Staatspräsidenten Adelung, Abg. Hammann (Komm.) den Abg. Keil. Abg. R i e p o t h (DVP.) betont seine Zustimmung für den nationalsozialistischen Kandidaten. Die RSDAP. müsse in die Verantwortung hinein. Die Haltung der DVP. gegenüber der neuen Regierung werde von deren Leistungen bedingt sein. Abg. Zinn kann (Soz.) weist die nationalsozialistischen Vorwürfe der Geschäftemacherei gegen die seitherige Regierung zurück. Die Taten der nationalsozialistischen Länderregierungen, insbesondere in Braunschweig, zeigten das Parte i b uch b e a m te n t u m der RSDAP. ganz unverhüllt. Don ihren Versprechungen hätten die Rationalsozialisten, die die Regierung Papen und deren Rotverordnung deckten, bisher nichts wahr- gemacht. Abg. Glaser (Lv.) fordert Betrauung der Rationalsozialisten mit der hessischen Regierung. Abg. Böhm (Dntl.) erinnert an den seitherigen Oppositionskampf seiner Partei gegen die hessische Regierung. Wenn man schon das parlamentarische System besitze, mühten auch seine Spielregeln Anwendung finden. Er werde für den Kandidaten der NSDAP, stimmen. Oie Wahl ergibt, wie schon gestern kurz gemeldet, für Vizepräsident Weckler stellt fest, daß die Art. 37 Abs. 2 der Verfassung notwendige absolute Mehrheit von keinem Bewerber er- reicht ist. Zwischen den Abgg. Dr. Werner (Natsoz.), Ade- lung (Soz.), Hoffmann (Z.) Dr. Niepoth (DVP.), Schul (ZI entspinnt sich eine Auseinandersetzung, ob Stichwahl möglich ist, wie das von Dr. Werner gefordert wurde. Man einigt sich dann auf den zulässigen zweiten Wahlgang. Vertagung des zweiten Wahlgangs. Abg. Hoffmann (Z.) nominiert erneut Finanzminister Kirnberger und erklärt, das Zentrum lasse sich sein Handeln nicht vorschreiben, auch nicht durch Ueberraschungs- Manöver. Es sei selbstverständlich, daß man sich bei einer Präsidentenwahl wenigstens vorher über das, was kommen solle, verständigen müsse. Abg. Z i n k m a n n (Soz.) schlägt Dr. Adelung, der Abg. Hammann (K.) erneut den Abg. Keil vor. Jetzt beantragt Abg. Lenz (Rats.) Unterbrechung der Sitzung. Das Haus stimmt dem zu. Nach fast zweistündiger Pause gehen die Beratungen weiter mit der Erklärung des Vizepräsidenten, daß auf Wunsch verschiedener Fraktionen die Wahl des Staatspräsidenten von der Tagesordnung a b g e s e tz t werde. (Hört! Hört!) Mißtrauensanträge gegen Minister Leuschner und das Gesamtkabinett. Es folgt die Beratung des nationalsozialistischen M i ßtrauensantrages gegen Innen- Minister Leuschner und des kommunistischen Mißtrauensantrages gegen die Gesamtregierung. Abg. Lenz (Rats.) verliest zur Begründung eine Reihe von Vorfällen, in denen Nationalsozialisten von Kommunisten und Reichsbannerleuten Überfällen, mißhandelt und beschossen worden seien. Der Terror wage sich deshalb so sehr auszubreiten, weil Innenminister Leuschner über dielen Leuten stehe (Tumult links). Ein Minister, dessen Liebesbriefe täglich in der Zeitung erschienen, sei unmöglich. Die politische und persönliche Qualifikation des Innenministers mache ihn für das hessische Volk untragbar. Staatsprä sident Adelung, oft unter- brachen von den Nationalsozialisten, bezeichnet den nationalsozialistischen Antrag auf Abberufung des Innenministers als verfaifungsmäßig'unzulässig. Ganz entschieden müsse er Verwahrung einlegen gegen die unerhörte Unterstellung, als stehe irgend ein Mensch über Leuten, die Blut ver- giehen. (Zuruf Lenz: „Es hat aber den Anschein.") Wir fordern von Ihnen die Beweise für Ihre Behauptungen. Jedes Verbrechen gegen die Gesetze werden wir, wie stets, nachprüfen, beurteilen und verurteilen. Wir werden sehen, was an Ihren Behauptungen Wahres ist. Was die persönlichen Dinge angeht, so meine ich, es gibt Dinge zwischen zwei Menschen, die nicht in der von dem Abg. Lenz beliebten Form in die Oeffentlichkeit gehören. Auch im Parlament sollte man heute noch etwas Schamgefühl behalten. Abg. Storck (Soz.) verliest nun eine G e gen! iste, in denen Nationalsozialisten die Täter bei Ueberfällen und Schießereien gewesen seien. Der heutige Terror sei durch die SA. und SS. auf die Straße getragen worden. (Widerspruch bei den Nationalsozialisten.) Abg. S ch ü I (Z.) erklärt den Antrag für recht- lidfbelanglos und kündigt Stimmenthaltung des Zentrums, wie im vergangenen Landtag, an. Abg. Jung (Natsoz.) meint, die Formulierung der Verfassung rechtfertige den Antrag, denn auch ein geschäftsführendes Kabinett aus zwei Ministern genüge ebenfalls. An dem Ton des Parlaments fei die Linke schuld. Oer Verfaffungstag als Feiertag abgeschafst. Abg. Z i n n k a n n (S.) verliest bann Ausfüh rungen des „Völkischen Beobachters", die in dem von Rechtsanwalt Jung beanstandeten Ton gehalten sind. Der kommunistische Mißtrauensantrag gegen die Gesamtregierung wird bei Stimmenthaltung der Nationalsozialisten, des Zentrums und der Sozial- demokraten mit den 8 Stimmen der Antragsteller angenommen. Der nationalsozialistische Abberufungsantrag gegen Minister Leuschner wird von den Nationalsozialisten, den Bürgerlichen und den Kommunisten bei Stimmenthaltung des Zentrums und der Sozialdemokraten angenommen. Abg. Lenz (Rats.) plädiert für den nationalsozialistischen Antrag, daß der 11. August auf der Liste der Regierungsfeiertage gestrichen und weder durch öffentliche, noch durch interne Veranstaltungen gefeiert werden darf. Die Utopie von Weimar sei nicht wert, daß sie gefeiert werde. Heute bestehe nur noch der Artikel 48 dieses schönen Romanes. Abg. Wittmann (S.) bezeichnet die Ausführungen des Vorredners als eine nationale Würdelosigkeit, die in jedem anderen Lande der Welt unmöglich gewesen seien. Wenn von dem National- fozialismus keine Erinnerung mehr bestehe, werde das Werk von Weimar in der Geschichte noch weiter bestehen. Abg. S ch ü l (Z.) erklärt, das Zentrum weise die Ausführungen des nationalsozialistischen Vorredners, der die Verfassung schamlos in den Kot gezogen habe, energisch zurück. Das Zentrum verlange, daß der Artikel 1 des Gesetzes über den Verfassungstag vom 20. Juni 1929 aufgehoben werde. 2lbg. Beutel (K.) lehnt die Verfassung als Machtinstrument der herrschenden Älaffc ab und will den 1. M a i als Feiertag eingeführt wissen. Abg. Dr. Niepoth (D. Vp.) erklärt, die Volkspartei werde, wie seit Jahren, sich für Al Ss ifAön e3c,tl ÄH 'L«% ®'"Ü s * wKr6;- 2öir fennenf qen, bie W Müt'ge 1 Wseh'lt"> E ! geiß nrit ih^n ■ Munneuers. ; Pii bann mit w Eo erzähle" uns logen. . m Such viele > gierten ®nr : im Brunnen v ft. Die Feinde d P höhl« b« e ! 65 'M FH mg^ener. Do 1 gegangen ift, o z legten. Wenn ' Schon am fr 9 iir Weide getri . ynfrunf, ebens | xhl. Unabläfstk | iertönt vom ' r tzeri der Walle jnnt er zu erz, htn mit ihren ( k le« Tages Müh taei Zeit sande ‘ bewegte, oder i HM. Der Brun Mth getaner I mmchm auflei uni) Mchen i Msscr zusamml Skluschel, bann Lebesschwüre, a Mcherls unur über, mit ihren firmte ihn. 3n her stille Hunde machte rauschte nur nt unaufhörlich fe bemoosten Roh) aas er erzählte @or manches w Liebespaare' den ßmtwertsb Weiberkastch. T läuteten. Aus t Gezwitscher bei um die Wette, «reist und jui Dorfbrunnen! öer Erde kam, plätscherte wei erstarrte er vl ftiU. Die Son ’ Leben. ; Alle diese (Ei W s-ch Maffei Mdern, aber bproche. Die s 7* nirft und dn alter, ?,oybentibQ. Morgen w w her H ^'°Aeßener! ktnel1 LrK Ändrr i.nk t11 YLZ u*n»5 N<6hnl w >J" '"Mim 6t. ÄJ** Zss J'unmung wird TL ft;*: y> dlrd Don SS "tionalsozichß^ ,nt.CQ9 angenom- ^ratbevvklmäch. ^Ehttat für Ordnung einzu- dann die ?n» 14.3uli, «der Tagesord. 'tspräsiben. eihee" Hoffnung Manöver zu« wurden versehen!- [er gefüllt, woraus in mußte. W >t N Levi, Üjerbouifl. avre rl ROUEN weiter W Mtschlan fl u^norcrit d>e Amenbe * ‘,gnml'&iternb . Fortdauer 6(1 nißSrad juflj Ä0®röÖ,M nuM Zj. abends jtn 8?'^ So"' und der Heuernte ufL Flinte hotte _ Zchomburg i" ilM- SÄ-J“' bin»* , "SSfi ^"?mvlteriA KS- 50 Jahre Tierschutz-Arbeit in Gießen. Aus der Provinzialbauptstovt Gießen, den 9.3uli 1932. * Alte Oorsbrunnen. Wir finden sie manchmal noch in abgelegenen Gebirgsdörfchen, auch überraschenderweise * *\ großen Dörfern ganz nahe bei der Stadt. Sie sind geblieben, trotz Pumpe und Wasserleitung, und stehen nun da als Wahrzeichen und Erinnerung an längst vergangene schöne Zeiten, die noch mehr Ruhe, Beschaulichkeit und Poesie in sich bargen. Aus einem hölzernen oder eisernen Rohr senden sie unablässig das kühle Naß in einen tiefen Trog oder in eine Holzrinne. Alter Märchenzauber wird wieder lebendig, wenn wir uns an einem solchen Dorfbrunnen zur Sommer- ! zeit niederlassen. .. Unter einer alten Linde war s ein Brunnen. Wenn nun der Tag recht heiß war, I so ging das Königskind hinaus und setzte sich an | den Rand des kühlen Brunnens ..So erzählen I die Brüder Grimm in dem Märchen vom Frofch- > könig. Und das fleißige Mädchen in „Frau Holle" ' mußte am Brunnen sitzen upd spinnen, bis er für ! es die Eingangspforte zum Märchenreich der Frau Holle wurde. Wir kennen sie, die wundersamen Kindererzählungen, die noch in unserer Seele nachklingen und eine wehmütige Stimmung zurückTässen. Wir sehen die Gänsehirtin am Brunnen, wir denken an die alte ' Geiß mit ihren Kindern, die den bösen Wolf im Lorfbrunnen ersäufen, wir erfreuen uns noch an dem ölten schlauen Reinecke, der darin seinen Durst löschte und dann mit Liss den Wolf ins tiefe Wasser lockte. So erzählen uns die alten Dorfbrunnen aus fernen Tagen. Auch viele unserer Volkslieder fingen vom rauschenden Brunnen. „Jetzt gang i ans Brünnele", „21 m Brunnen vor dem Tore" u. a. erinnern uns an fie. Die Feinde der Menschen, die Drachen, sie hatten ihre Höhle bei einem Brunnen und holten sich dort ihre Opfer. Es läßt sich gar schön träumen an solchen alten, vergessenen Dorfbrunnen, wenn der Tag zu Ende gegangen ist, die Menschen und Tiere sich zur Ruhe _ legten. Wenn ein solcher Brunnen erzählen könnte! Schon am frühen Morgen kommen die Kühe, die z ir Weide getrieben werden, und nehmen ihren Mor- gcntrunk, ebenso abends, wenn es zurück zum Stalle geht. Unablässig rauscht das klare Wasser, bei Tage übertönt vom Lärm der Arbeit. Nachts aber plätschert der Wasserstrahl lauter und munterer. Da beginnt er zu erzählen von der Zeit, in der die Mädchen mit ihren Gefäßen das Wasser holen, aber nach des Tages Mühe noch immer zu einer kleinen Plauderei Zeit fanden, um sich mitzuteilen, was ihr Herz vewegte, oder was sich Neues im Dorfe ereignet fptte. Der Brunnen hörte zu. Nach getaner Arbeit aber, wenn nur die Glühwürmchen aufleuchteten im Gebüsch, kamen Burschen und Mädchen unter der Linde beim rauschenden Wasser zusammen. Eine Harmonika ertönte, leises Getuschel, dann wieder helles Kichern, unterdrückte Liebesschwüre, all das vernahm der Brunnen — und plätscherte ununterbrochen weiter. Die Linde darüber, mit ihren herzförmigen Blättern, schützte und schirmte ihn. In der stillen Nacht, wenn der Wächter seine Runde machte und kein Ton hörbar war, dann » rauschte nur noch der alte Dorfbrunnen und sandte ■' unaufhörlich sein klares, kühles Wasser aus dem , bemoosten Rohre.'Sonntagskinder vernahmen bann, was er erzählte ... Gar manches Geheimnis kündete er, Geschichten ton Liebespaaren, muntere Sprüche von hier raften- et den Handwerksburschen, Fuhrmannsflüche und alten . Weibertratsch. Daneben jubelten Kinder und Glocken | läuteten. Aus dem Laub der Linde aber tönte das i Gezwitscher der Vögel, Finken und Amseln fangen um die Wette. Und wenn im Winter alles ringsum vereist und zugeschneit war, wie schon war da der Dorforunnen! Seinem Wasser, das aus dem Herzen der Erde kam, konnte die Kälte nichts anhaben, er plätscherte weiter, und nur bei ganz großer Kälte $ erstarrte er vor Staunen und stand in der Nacht [kill. Die Sonne aber weckte ihn bald zu neuem Leben. Alle diese Erlebnisse kann der Dorfbrunnen nichi bei sich gehalten. Er fängt in hellen Nächten an zu plaudern, aber nur Sonntagskinder verstehen seine Sprache. Die stillen Bauernhäuser hären zu, die Linde nickt und säuselt mit ihren Blättern. Wenn ofcer dann ein müder Wanderer kommt und sich dort neben dem rauschenden Wasserstrahl niederläßt, dem wird gar wunderbar zu Mute. Es umfängt ihn wie ein alter Traum, die Augen fallen ihm zu, und er suhlt sich warm und geborgen wie einst, als ihn leine Mutter am Abend ins Bettchen brachte. Er schläft und träumt von seligen Kindertagen. — Ja, der plätschernde Dorfbrunnen ist ein Zauberer. Fh habe es erfahren, als ich in dem einfachen Dorf- wirtshause in der Rhön übernachtete. Da war auch noch so ein alter, von Efeu umrankter Brunnen, der mir am Abend das Schlummerlied sang und mich am frühen Morgen wieder weckte ... Mg. Ehrungen in der Medizinischen Gesellschaft. Die Gießener Medizinische Gesellschaft beschloß in ihrer Sitzung vom 5. Juli, Sanitätsrat Dr. O h n - 111 e r in Butzbach, Sanitätsrat Dr. K a e s in 3n diesen Tagen ist es 50 Fahre her, daß wir in Gießen einen Tierschutz-Verein haben. Wenige werden seiner Arbeit ausgesprochen ablehnend gegenüberstehen, ebenso wenige werden aber wissen, was ein Tierschutz-Verein eigentlich zu tun hat und welche Gedanken als Triebkräfte hinter seiner Arbeit, wie hinter der in stetem Wachsen begriffenen Tierschuh-Bewcgung stehen. Tierschutz ist nichi eine aus weichlicher Weltanschauung erwachsene Sentimentalität. Der Tierschuhgedanke entspringt dem Rechtsempfinden jener Menschen, die einen Blick dafür haben, in welchem Mißverhältnis unsere Ansprüche an die Tiere zu dem Schicksal stehen, das wir ihnen bereiten. Wir nehmen von unfern rechtlosen Mitgeschöpfen Dienste, Leib und Leben mit Selbstverständlichkeit für uns in Anspruch, ohne ihnen immer die nötigsten Lebensansprüche sicherzustellen. Tier- .schütz will nichts anderes, als das Los der Tiere in der Hand des Menschen so gestalten, wie es die Ritterlichkeit gegenüber Hilflosen und die Rücksicht gegenüber lebendigen Wesen erfordert. Tierschutz trägt nicht die Gefahr in sich, daß menschliche Rot weniger tief empfunden, oder zurückgestellt würde. 3m Gegenteil! Wer einen Blick für das Leid stummer, andersgearteter Geschöpfe hat, der kann an dem Elend der Mitmenschen nicht vorbeisehen. Mitgefühl mit Mensch und Tier entwächst der gleichen Wurzel, nämlich einer Liebe, der es nicht möglich ist, vor einzelnen Gebieten haltzumachen. Man begegnet öfters der Meinung, die Hauptarbeit der Tierschutz-Vereine bestünde in der Verfolgung der Tierquälereien durch Strafanzeigen. Das ist nur einer, und vielleicht nicht zu den sichersten Erfolgen führender Weg. Da es sich bei den meisten Tierquälereien nicht um Bosheit, sondern um Gewohnheit, Gedankenlosigkeit und Anwesenheit der Menschen handelt, bemühen sich die Tierschutz-Vereine durch Aufklärung und Belehrung Besserung zu schaffen und jungen Menschen durch Schriften und Beispiel Verständnis für andere Lebewesen beizubringen. daraus ergibt sich ganz von selbst eine überlegtere Tierbehandlung. Durch Anzeigen aus dem Publikum angeregt, kümmern sich die Vereine um schlecht gehaltene, falsch behandelte oder überanstrengte Tiere' und versuchen die Tierbes.iher dazu zu bringen, ihre manchmal fürchterlich veralteten Ställe in etwas hygienischere Ställe voll Gießen und Geheimrat Professor Dr. P o p p e r t in Gießen zu Ehrenmitgliedern zu ernennen. Herr Sanitätsrat Dr. O h n a ck e r gehört der Ge- iellschaft seit 1879 an und ist ihr ältestes Mitglied. Mit großer Regelmäßigkeit hat er über fünf Jahrzehnte an ihren wissenschaftlichen Sitzungen teilgenommen und gehört heute noch zu ihren eifrigsten Besuchern. Auch Herr Sanitätsrat Dr. Kaes gehört zu den Senioren der Gesellschaft. Mehrere Jahre war er im Vorstande der Gesellschaft tätig und hat besonders als Obergutachter der Eisenbahnbirektion Frankfurt am Main hervorragende Verbienste. Zu ben hauptsächlichsten Förberern ber Gesellschaft gehört auch Herr Geheimrat Prof. Dr. P o p p e r t, der verbienstvolle Leiter ber hiesigen Chirurgischen Klinik. Die Gesellschaft verbankt ihm vieles. Er gehörte nach ihrer Grünbung lange Jahre bem Vor- ftanbe an unb war wiederholt ihr erster Vorsitzender. Eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Vorträgen hat er selbst gehalten unb aus seiner Klinik halten lassen. So hat Herr Geheimrat Professor Dr. P o p - pe r t ben Mitgliebern ber Mebizinischen Gesellschaft eine große Fülle von wissenschaftlichen unb praktischen Anregungen geben können. Rettungsdienst an Zreibadestetten. Die Deutsche Lebensrettungs-Ge- s e l l s ch a f t hat es sich zur Ausgabe gemacht, einen Rettungsdienst einzurichten, der an Hauptbadeplätzen eingesetzt werden soll. Weit über 100 Damen und Herren wurden allein in Gießen im Rettungsschwimmen ausgebildet. Veranlaßt durch den Anglückssall in der Lahn am vorigen Sonntag wird die DLRG., Bezirk Oberhessen, an den Hauptbadeplätzen der freien Lahn einen Rettungsdienst organisieren. Zunächst werden in der Gegend des Launsbacher Steges an den Sonntagen in der Zeit von 11 bis 20 Ahr zwei Rettungsschwimmer, versehen mit Rettungsgürtel, Boot und evtl, mit Fahrrad, Wache halten. Ausgebildete Rettungsschwimmer der Turnvereine, der Reitervereine, des Schwimmvereins und der Sanitätskolonne haben sich hierzu zur Verfügung gestellt. Gießener Wochenmarktpreise. • Gießen, 9. 3uli. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Kochbutter Pfund 90 bis 1,00; Süßrahmbutter 1,20; Landbuttec 1,20; Matte 25 bis 30; Wirsing 8 bis 10; Weißkraut 8 bis Licht und frischer Luft umzuwandeln. Sie erstreben, den Kettenhunden und den immer angeketteten Stalltieren etwas Bewegungsfreiheit zu verschaffen. Sie bekämpfen manche Dcschirrungs- fcfjler, die den Zugtieren zu täglicher Qual werden können, richten Asyle ein, wo herrenlose Tiere vorübergehend untergebracht werden können, und Tötungsstellen für überzählige und kranke, oder auch für zur Rahrung des Menschen bestimmte kleinere Tiere. Sie verhandeln mit den zuständigen Behörden wegen schlechter Zufahrtswege bei Reubauten, Sandgruben usw-, bitten um Verkehrsordnungen, die auch die Zugtiere berücksichtigen, befürworten die Einführung modernster Schlachtapparate und humaner Fallen für Raubwild u. a. m. Die Verbände, denen die Einzelvereine eingegliedert sind, fordern in Eingaben an die Parlamente einen strengeren Straf- gesehschutz für die Tiere (Deutschland steht darin hinter den andern nordischen Län.e.n, der Schweiz und neuerdings auch Polen und Italien, zurück), sie fordern Betäubungszwang für alle Schlacht- ticre (bis jetzt nur in Bayern, Braunschweig und Anhalt durchgeführt), Verbesserung der Vorschriften über Viehtransporte, Einschränkung der Einfuhr von gefangenen Singvögeln (im Oktober, Rovember und Dezember 1928 wurden an nur drei Grenzstationen zwischen Holland unb Deutschland 22 435 Singvögel in Käfigen eingeführt; dies sind nur die amtlich kontrollierten Sendungen) und vieles andere. Daß man heute in der Oesfentlichkeit weniger durch Tierquälereien beunruhigt wird als früher, ist zum Teil der Erfolg der mühevollen Arbeit der Tierschutz-Vereine, sowie der Aufmerksamkeit der Polizeiverwaltung und bes Entgegenkommens der Presse, die sich hier in Gießen stets der gutem Sache angenommen hat. Wer aber tiefer sieht, weiß, daß in ben Hintergründen bes öffentlichen Lebens nach wie vor eine große Schar von Tieren auf Hilfe aus einem unsagbar grausamen Geschick wartet. 3edes neue Mitglied wird vom Tierschutz-Verein (1. Vorsitzender Herr Lehrer L R. Müller, Henselstraße 10) mit Freuden begrüßt. Richt, weil es die Dereinskasse jährlich um den kleinen Beitrag von 2 Mk. bereichert, sondern deshalb, weil sich ein Haus mehr dem Tierschutz-Gedanken öffnet und durch die allmonatlich gelieferte Tierschutz-Zeitschrift einen Einblick in die Rotwendigkeit und den Amsang der Tierschutz- Arbeit gewinnt. L. D. 10; Spinat 15; Römischkohl 12 bis 15; Dohnen (grüne) 30 bis 35; Bohnen (gelbe) 40; Erbsen 15 bis 18; Tomaten 30 bis 40; Zwiebeln 15; Rhabarber 8 bis 10; Pilze 50; Kartoffeln (alte) 5; Kartoffeln (neue) 8 bis 10; Acpfel (ausländische) 50 bis 60; Dörrobst 30 bis 35; Kirschen 35 bis 40; Heidelbeeren 25 bis 30; Stachelbeeren 35 bis 40; Johannisbeeren 20 bis 25; Erdbeeren 35 bis 50; Pfirsiche 60; Honig 40 bis 45; junge Hähne 80 bis 90; Suppenhühner 70 bis 80; Tauben Stück 50 bis 70; Käse 5 bis 10; Sier 8; Blumenkohl 30 bis 60; Salat 8 bis 10; Salatgurken 25 bis 35; Oberkohlrabi 10 bis 12; Rettich 10 bis 12; gelbe Rüben Bund 8 bis 10; Radieschen 8 bis 10; Kartoffeln Zenter 4,80 Mk. Bornotizen. — Tageskalender fürSamstag: Kavallerieverein: 25. Stiftungsfest, 20 ilfjt, Cas6 Leib. — Geflügel- und Dogeizuchtverein: 20.30 Ahr im Pfälzer Hof Generalversammlung. — Gießener Radfahrer-Verein von 1885: 20 Ahr auf der Karlsruhe »Großes Sommernachts-Fest". — VfB 08. 17.30 Ahr: Waldsportplah, Fußball- Wettspiel. — Erste Reichskurzschriftgesellschaft Gießen: 20 Ahr, Familienausflug auf die Bergschenke. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: »Durchlaucht amüsiert sich". — Tageskalender fürSonntag: 15.30 Ahr im „Philosophenwald", Familientag der Matthäusgemeinde. — DHC.: 8.20 Ahr Vereins- Wanderung. — Mtv.: Turngang nach Wetzlar. — DHV.: Kinder- und Sommerfest", 15.30 Ahr, „Karlsruhe". — Cafe-Restaurant „Bürgerhof" Sonder-Konzert der Militärkapelle. — Reichsbund der Zivildienstberechtigten: 15.30 Ahr: Familienzusammenkunft auf der Liebiashöhe. — Kavallerie-Verein: 10 Ahr, Abfahrt Artilleristentag in Hattenrod. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Durchlaucht amüsiert sich". — Familientag der-Matthäus-Ge- m e i n b e. Am morgigen Sonntag, 15.30 Uhr, finbet im „Philosophenwalb" ber gamilientaß ber Mat- thäusgemeinbe statt. Ansprachen, musikalische unb gesangliche Darbietungen, Spiele ber Jungen- unb Mäbchenvereinigungen werben bie Teilnehmer auf bas Beste unterhalten. Auf bie Anzeige im gestrigen Anzeigenteil sei befonbers aufmerksam gemacht. — DerDeutschnationaleHanblungs- gehilfenoerbanb veranstaltet am morgigen Sonntag, 15.30 Uhr, ein Kinber- unb Sommerfest im Restaurant „Karlsruhe". Näheres ist aus ber gestrigen Anzeige ersichtlich. — Sonberkonzert im „Bürgerhof". Am morgigen Sonntag finbet im Cafö Restaurant „Bürgerhof" ein Sonberkonzert statt, bas von Mitgliebern ber Kapalle unseres Bataillons ausgeführt wirb. (Siehe gestrige Anzeige.) — Ein Militärkonzert unseverDa- taillonskapelle findet am kommenden Donnerstagabend auf der Liebigshöhe statt. Auf dis Veranstaltung, über die in den nächsten Tagen im Anzeigenteil Räheres mitgeteilt wird, sei hmite schon hingewiescn. •• Die Gefallenen-Gedenkfeier in der Aniversität anläßlich der Aebergabe des GefaUenen-Friedhofs in Langemarck an die Deutsche Studentenschaft beginnt morgen, Sonntag, pünktlich 11.15 Ahr in der Aula der Aniversität. Se. Magnifizenz der Rektor und der Vorsitzende der Studentenschaft werden Ansprachen halten. Don 9 bis 11 Ahr ist Gelegenheit zu Kranzniederlegungen am Desallenen-Eh- renmal im Dorraum der Aula gegeben. ** Eine Fünfundsiebzigjährige. Frau Heinrich Gröninger Ww., geb. Ferber, wohnhaft Steinstraße 59, feiert am heutigen Samstag ihren 75. Geburtstag. Die Jubilarin erfreut sich, bem Alter entsprechend, geistiger unb körperlicher Frische. * Erfolgreiche Gießener Stenographen. Zu unserer gestrigen Mitteilung über das Derbandswettschreiben des Hesscn- Rassauischen Kurzschriftverbandes in Dingen wird uns heute noch mitgeteilt, daß auch von Mitgliedern des Kurzschriftvereins von 18 612 Ehrenpreise, 20 1. Preise unb 3 3. Preise errungen werden konnten. Die Preisträger sind, 3 0 0 Silben. 3. Preis: Paul Dehmer. — 180 Silben. 1. und Ehrenpreis: Richard Strauch. — 16 0 Silben. 1. Preise: Willi Drückmann. Friedrich Gorges, Helmut Eckhard, Gertrud Müller, Helmut Zschunke, Artur Michel, Kurt Lei- pold, Fritz Reh. — 1 4 0 S i l b e n. 1. und Ehrenpreis : Ernst Eckhardt. 1. Preise: Otto Wack, Wilhelm Drück, Ludwig Schön. — 120Silben. 1. Preise: Emil 3ost, Wilhelm Honig, Lina Hucke, Hans Werner, Wilhelm Paulus. 3. Preis: Hanni Iacobsohn. — 100 Silben. 1. Preis: 3lse Schmall. — 8 0 S i l b e n. 1. Preise: Hans Möller, Arnold Auer, Anni Schmittdiel. 3. Preis: Sophie Depler. ** Sonntagsrückfahrkarten zumPrämie n m a r k t in Alsfeld. Am Montag, 11. Juli, findet in Alsfeld Prämienmarkt statt. Um den Besuchern eine billige Fahrtmöglichkeit zu bieten, werden von allen Orten im Umkreis von 60 Kilometern um Alsfeld (auch Gießen und bie Dahn- Höfe ber Umgebung von Gießen fallen darunter) Sonntagsrückfahrkarten ausgegeben. Die Karten gelten nur für Montag, 11. Juli, unb zwar nur in der Zeit von 0—24 Uhr. Bis 24 Uhr muß die Rückfahrt angetreten fein. Rundfunkprogramm. Mittwoch, 13. Juli. 7.05: Bad Oeynhausen: Frühkonzert. 12.00: Konzert. 13.00: Schallplattenkonzert. 15.15 bis 16.00: Stunde der Jugend. 17.00: Konzert. 18.30: „Die strukturelle Arbeitslosigkeit im Dlickfeld der Volkspolitik", Dortrag von Prof. Dr. Ernst Michel. 19.00: Schrammelmusik. Gespielt vom Schrammeltrio. Heinz Mönch, Stuttgart. 19.30: Passau: Konzert auf der Passauer Orgel. 20.00: (M, Berlin und Deutschlandsender): Pelleas unb Melisande. Musikdrama in 5 Akten von Maurice Maeterlinck. Musik von C. Debussy. 22.00: Schauturnen der 10 besten deutschen Geräteturner der Deutschen Turnerschaft (Schallplattenbericht). 22.20: Don Berlin: Zeitbericht. Die Prohibition in USA. Donnerslag, 14. Juli. 7.05: Bad Orb: Frühkonzert. 12.00: Schallplattenkonzert. Schubert lieber. 13.00: Rürnberg: Mittagskonzert. 15.00 bis 16.00: Stunde der Jugend. 17.00: Konzert. 18.30: „Die Staatsverfas- fung der Dölker: Vereinigte Staaten von Rord- amerifa“, Vortrag von Prof. Dr. Karl Strupp. 19.00: „Genügt Idealismus zu deutscher Erneuerung?", Vortrag von Werner Deubel. 19.45: Pech mit Schallplatten. Ein bunter Abend von Helmut Kassing. 20.20: Tonhalle München: Internationales studentisches Sängertreffen. 21.20: Symphonische Jazzmusik. Gespielt vom Philharmonischen Orchester Stuttgart. 22.45 bis 24.00: Don Wien: Rachtmusik. Jreilag, 15. Juli 7.05: Bad Orb: Frühkonzert. 12.00: Unterhaltungskonzert des Rundfunk-Orchesters. 13.00: Mittagskonzert. 17.00: Anterhaltungskonzert des RundHlnk-Orchesters. 18.25: „Ludwig Fulda". Dortrag von Charlotte Rau. 19.10: Kannst bu Goethe lesen? Versuch zur Bildung einer Arbeitsgemeinschaft zwischen Funk und Hörer, von Dr. Fritz Röthardt. 19.30: Bilder vom Rheingau. Leitung: Paul Laven. 20.00: Die Durchgängerin. Lustspiel in drei Aufzügen, von Ludwig Fulda. 21.30: Anterhaltungskonzert. Ouvertüren. 22.45 bis 24.00: Rachtkonzert des Kleinen Orchesters des Westdeutschen Rundfunks. IUI SCHEUER PULVER L Mn * EM 4 MO Otz - MM ss Nehmen Sie zum Aufwaschen, Spülen und Reinigen Henkels wie alle, die H e n k e l * s Ata benutzen) I L . 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Und wo ein Volk in Not und Qual und Zorn aufschreit Zum großen, ungeheuer stummen Gotteshimmel: Deutschland! Deutschland! Laß, Himmel, es in uns erstehn, Laß, Himmel, uns in ihm vergehn! Brich unfern Leib als heilig Opferbrot, Nimm unser Blut und segne unfern Tod! Denn wir sind nichts Und alles ist das Reich! Do lebst du bei uns, in uns, Geistgewordne, sieghaft vollendete, unsterbliche Äugend von Langemarck! Morgen, am Sonntag, den 10. Juli, stehen Vertreter der deutschen Studentenschaft gesenkten Hauptes vor den endlosen schlichten Gräberreihen des Soldatenfriedhofes von Langemarck. Die beglische Regierung übergibt die Schlüssel zur Pforte und schenkt damit bte|e heilige Erde der Toten, die selbst der Feind ehrt und bewundert, dem deutschen Volke, der deutschen Jugend. Feierlich wird dieser Tag an den Universitäten im Reich begangen. Der Dichter und Frontkämpfer Josef Magnus Wehner wurde von der Studentenschaft mit der Fassung einer Ansprache betraut, die zu gleicher Stunde mit gleichem Wortlaut an jeder Hochschule vor Tausenden und Abertausenden junger Männer verlesen werden wird, vor den Erben, den Bewahrern des Geistes jener, die 1914 singend, das Deutschlandlied auf den Lippen, die todumheulten, grausam flachen flandrischen Höhen von Langemarck stürmten. In den Herzen und Seelen der Jugend von Langemarck lebte ein über- irdischer, ein unsterblicher, den Tod überwindender Wille: abzuwerfen das Ich, einzugehen in das Wir. Jeder Schritt, den sie dem Feinde entgegen maßen, war ein Schritt für Deutschlands Größe, war eine Welle des uralten Traums vom Reiche der Deutschen, das nicht an den Grenzen aufhört. In ihren Herzen waren Liebe und Glaube so unfaßbar groß, daß sie über den Tod hinaus und über die bitteren Jahre seit Versailles hinweg weiter glühten und nun von neuem durchbrechen in opferwilligster Hingabe tausender junger Menschen aller deutschen Parteien, die auf ihren Lippen — und inniger und tapferer in ihren Herzen — wieder Süße und Heiligkeit des mythischen Wortes Deutschland! füh- Tif Toten von Langemarck grüßen im Geiste diese erglühenden jungen deutschen Männer unserer Tage als ihre Söhne und Erben. Und doch sind cs nicht sic in erster Linie, welche die Toten suchten und suchen die dunklen Nächte und grauen Tage hindurch in dieser gnadenlosen Zeit, sondern jene, die verschüttet vom Alltag und beworfen mit dem Fluch der Zwietracht, der Schwäche und Angst, aus Not und Verwirrung heraus nach dem eigenen Ich als letztem Halt greifen. Sie sagen: auf meine Person kommt es an, in mir allein ist Deutschland, und wenn ich mir diene, diene ich allen. Sie tun es in bester Absicht, wenn auch mit Trotz und Hartnäckigkeit, aber sie wissen nicht mehr, daß ein Volk sich nicht selber bauen kann, sondern daß es gebaut wird von Gott, vor dem auch die Fürsten und Kaiser klein sind. Nicht das Ich, nicht die Existenz des Einzelnen ist wichtig für den Bestand eines Volkes, so nützlich Leistung und Tätigkeit eines selbstbewußten Menschen auch sein mögen — son- dern. die Fähigkeit, aufzugehen in einer höheren, überpersönlichen Idee, in sich zu spüren das Rauschen eines Stromes, der vor den Ahnen durch unsere Leiber hingeht in die Zukunft und jedes Neugeborene schon durchblutet. Dieser Glaube an den Mythus gibt einem Volke Stoßkraft über Jahrzehnte und Jahrhunderte des Elends hinweg und mehrt die Summe des Guten, das ein Volk der Menschheit zu schenken vermag. Langemarck ist ein solcher heroische Augenblick in der deutschen Geschichte, wo der Mythus sichtbar und singend vor Auge und Ohr des deutschen Volkes trat. Im Langemarck von 1914 und in der nationalen Bewegung von heute und morgen schließt sich ein Kreis unmerklich, wenn wir nun von der Trauer über den Tod dieser Jugend zu einem starken gläubigen Ja! und zur Erkenntnis der Notwendigkeit ihres Opfertodes kommen. In einer Äugend, die sich so weit zu entäußern vermochte, daß sie singend ihr Leben dem Vaterlande darbot, nicht aus nüchterner Disziplin, nicht aus blassem Fatalismus — nein, als freudigstes Geschenk und heroisches Los — in dieser Äugend und in einer neuen, welche die Schlüssel zum Geistesreich dieser Toten überliefert bekommt und sie entgegennimmt, beginnt Sinn und Sendung un- Von unserem Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Reichenberg, 3uli 1932. Auch über die deutschen Randgebiete der Tschechoslowakei spülen die Fluten der Arbeitslosigkeit hinweg. Das emsige Volk der Tuchmacher und Glasbläser steht unter dem sich ständig verschärfenden Druck der Weltwirtschaftskrise, die sich in den großen Webereien und Werkstätten ebenso bemerkbar macht wie in den Hütten der Heimarbeiter. Städte, wie Reich e n b e r g und Gablonz, die einstmals ganzen Arbeiterbataillonen lohnende Beschäftigung gaben, müssen nun finnen und überlegen, ihre Erwerbslosen übev Wasser zu halten. Leicht wird ihnen das nicht gemacht. Die Prager Regierung denkt stets zuerst an die arbeitslos gewordenen Rationaltschcchen. für sie greift der Staat bereitwilliger in die Tasche als für die von ihm ebenso erbittert bekämpften wie gehaßten Deutschen. Rur über die Gewerkschaften leistet er einen Zuschuß zu den von diesen Organisationen aus- geworsenen Unter st ützungen. Aber auch hier bedarf es stets heftiger Auseinandersetzungen, um von der Staatsregierung die gesetzlich festgelegten Zuwendungen ausgehändigt zu erhalten, die die Gewerkschaften vorher verauslagen, also bei den Danken gegen hohe Verzinsung sich ausleihen müssen, während es oft Monate dauert, bis sie wieder in den Besitz ihrer Gelder kommen. Auch hier spielt der Haß der Tschechen eine große Rolle, der sich am liebsten über die sich auch auf die deutschen Arbeiter.erstreckende. gesetzliche Fürsorgepflicht hinwegsehen möchte. Rur wäre es falsch, annehmen zu wollen, daß die tschechische Arbeitslosenhilfe sich ungefähr mit den Einrichtungen im Reiche deckt. 3n der Tschechoslowakei gilt das Genter S y st e m, d. h. die Gewerkschaften leisten Unterstützung auf Grund der eingezahlten Beiträge. Sie erhalten zur Weiterverteilung noch einen Staatszuschuß hinzu. Aber nicht alle Arbeitslosen sind gewerkschaftlich organisiert. Groß ist die Zahl derjenigen, die mit dem dürftigen Gemeindesah von ganzen zehn Kronen, also von 1,25 Mk. wöchentlich auskommen müssen. Das ist in der Tat zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Wohl bemühen sich Gemeinden und Burger, durch Rothilfen fortlaufend Gelder flüssig zu machen. Der gute Wille, den Volksgenossen nicht verkommen und verelenden zu lassen, ist wohl überall vorhanden. Rur sind der Gebefreudigkeit durch die enormen Steuern und die katastrophale Wirtschaftslage äußerst enge Grenzen gezogen! War es früher noch möglich, einen nicht unerheblichen Teil der Gemeinde st euern der Wohlfahrt zur Verfügung zu stellen, so ist es seres Volkes: Führer und Vorbild der Menschheit zu sein, wunderartig, wetterleuchtend, unfaßbar herrlich für Augenblicke im Meer der Zeit Tat und Erfüllung zu werden. Die Deutsche Studentenschaft ist es, die es sich zur Pflicht gemacht hat, die Ehrenställe Langemarck durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auszubauen und als Pate für immer zu betreuen. Schlicht und doch wuchtig, ganz wie jene Helden waren, so ist die Ehrenstätte Langemarck geschaffen worden. Aus Sandsteinquadern am Eingänge eine Ehrenhalle. In ihr auf Eichentafeln geschnitzt die Namen der Zehntausend, die hier unter Bäumen gebettet liegen. An der Stirnseite der Gräberstätte ein mit Mohn dicht bepflanzter Ehrenraum. Hier stehen noch, neu ausgemauert, drei Betonunterständc, und die hier verlaufene Kampffront wird dargestellt durch eine Linie von 52 Steinsarkophagen, die die Inschriften studentischer Verbindungen und beteiligter Truppenteile tragen. Ein Plattenweg führt an ihnen entlang. Umschlossen wird dieser Ehrenraum von einem breiten Wassergraben. Der Kampf vom November 1914 wird hier versinnbildlicht: nach Oeffnen der Pferschleusen durch die Belgier versteinerte die Front. ^--Berichterstatter. heute der Staat, der seine Ansprüche rücksichtslos geltend macht. Er ist unersättlich, braucht Geld und immer wieder Geld, um seinen kostspieligen militärischen Reigungen, aber auch seinem Größenwahn namentlich auf kulturpolitischem Gebiet nachgehen zu können. Wer hätte in den sudetendeutschen Gebieten etwas gegen gut ausgestattete Schulgebäude einzuwenden, wenn gleiches Recht für alle gälte und vor allem auch für den Bau dieser Schulpaläste sowie anderer Staatsgebäude deutsche Arbeiter herangezogen würden. Wird aber ein Gebäude aus Staatsmitteln, richter gesagt aus den Steuergroschen der Sudetendeutschen aufgeführt, dann sind tschechische Architekten, tschechische Lieferanten und tschechische Arbeiter die Rutznießer. Deutsche werden unerbittlich zurückgewiesen, selbst wenn sie am Ort wohnen. Dagegen werden Tschechen aus entserntesten Gegenden herangeholt. Die Bevorzugung des tschechischen Elementes ist überhaupt ein Kapitel für sich. Jahraus, jahrein wird intensiv daran gearbeitet, die herrschende Schicht der Tschechen in Lohn und Brot zu sehen, ihr die besten Poften einzuräumen und sie vor allem als Vorposten in die deutschen Sprachgebiete einzuschieben. An Mitteln, die Deutschstämmigen arbeitslos zu machen und auf die freigewordenen Plätze Tschechen zu sehen, fehlt es der Prager Regierung nicht. Es ging schon gleich nach dem Llmsturz damit los. Die G r e n jto älder und Grenzäcker wurden enteignet. Tschechen dafür in die freigewordenen Försterstellen oder in die geraubten Bauernhöfe gesetzt. Dasselbe gilt für die G r e n z b a u d e n, die vielfach schon tschechisch sind, während um die Wegnahme der noch von Deutschen bewirtschafteten Bauden der Kampf keineswegs ruht. HebetaH ist das gleiche Ziel gesteckt: Verdrängung der Deutschen zugunsten der Tschechen. Städte wie Reichenberg kamen ftüher mit dreißig Polizisten aus, heute liegen neunzig tschechische Polizoi- beamte in den Mauern dieser Gemeinde. Selbstverständlich fehlt es nicht an rein tschechischem Militär, das Familien nach sich gezogen hat, während die eingezogenen Sudetendeutschen in entfernte Winkel der Slowakei gesteckt werden. Es ist in der Tat interessant zu wissen, wie man in Prag zu Werke geht. Da gibt es e i n Sprachengesetz, das allen in öffentlichen Diensten stehenden Personen vorschreibt, die StaatLsprache, also das Tschechische, zu beherrschen. Mit Hilfe dieses Gesetzes ist es bereits gelungen, Tausende von Sudetendeutschen a b z u- tz a l f t e r n und durch Tschechen zu ersehen. Das gilt namentlich für die Post» und Eisenbahnbetriebe. Man glaube aber nicht, daß Kleinkrieg jenseits der Sudeten. Orchester-Konzert -es Gießener Konzertvereins. Werke von Nicolai, Bruch, Grieq und Johann Ltrantz Das diesjährige Orchester-Konzert (Volkskon- tert) unter Mitwirkung des Gießener Orchester-Vereins gab einen Ausschnitt aus dem Schaffen des 19. Jahrhunderts. Das Programm hatte eine treffende Wahl unter dem vorgenommen, was einem Volkskonzert angemessen erscheint, und von dem man die Gewißheit bat, daß es in seine Wesenseigenheit auch von weiteren Kreisen völlig erfaßt werden kann. Otto R i c o l a i, unter den deutschen Musikern wohl einer der letzten Italienfahrer, hatte durch den langen Aufenthalt im Süden viele Elemente italienischer Musik in sich aufgezogen, ohne je- bod) in irgendwelche Abhängigkeit zu verfallen. Vielmehr haben die fremden Eindrücke seinen eigenen Erfindungsstrom gestärkt, und die Anregungen des Südens erfuhren durch ihn eine persönliche Amprägung. Die so gewonnene Leichtigkeit und Durchsichtigkeit im Stil fand ihren schönsten Riederschlag in seiner komischen Oper ..Die lustigen Weiber von Windso r", deren Erfolg der 39jährige Meister infolge Schwindsucht nur um acht Wochen überleben lallte odjon die Ouvertüre läßt jene ausgewogene Mischung des Kornischen und Romantischen erkennen: ein reicher Born musikalischer Erfindung bindet sich mit feiner, fast mozartscher Charakterisierungskunst. Zauberhaftes Raturerleben kündet die Einleitung der Ouvertüre: das Ganze ist erfüllt von einem ursprünglichen und darum innerlich befreienden Humor. Meisterhaft sind die Jnstrumentalfarben, voll Leichtigkeit, Feinheit und Schlagsicherheit. Schon die ersten Takte ließen aufhorchen, wie die Einleitung der Ouvertüre allmählich aufblühte in' ständigem Wachsen zu fülligem Klang, im Erschließen der lyrisch-romantischen Grundstimmung: mit Dlafti- Kber. säst gebärdenhafter Durchgestaltung des Thematischen in aller Eigenheit bis zum Grotesk- Btzarren, mit feiner Dachgiebigkeit und besonderer Schmiegsamkeit in den ilebergängen, eine feinsinnige Ausschöpfung des Werkes. Eine gewisse Mittlerstellung in der Geschichte des Violinkonzerts etwa zwischen Felix Mendelssohn und Johannes Brahms fällt Max Bruch zu. Besonders sein erstes Violinkonzert in 0-Moll (1866: Joseph Joachim gewidmet) ist bis heute ein bevorzugter Liebling der Geiger- weit geblieben: und das mit vollem Recht. Denn es gibt mit seinem bedeutungsvollen musikalischen Gehalt dem Geiger ein reiches Feld sowohl zu ausdrucksstarkem Spiel wie zur Entfaltung edler Kantilene und regt ihn zur Meisterung technischer Aufgaben an, die aber stets dem Geigerischen konform sind. Eine leichte ®ingäng- lichkeit des melodischen Gutes, fast ans Volkstümliche grenzend, und eine dem Publikum entgegenkommende Verständlichkeit wird diesem Werk auch in kommenden Zeiten feinen Platz sichern. In Rora E h l e r t (Köln) konnte man unzweifelhaft eine starke geigerische Begabung feststellen, die in ihrem Studium schon einen sehr beachtlichen Grad der Vollendung erreicht hat. Verheißungsvoll wurden die Cingangsrezitative in ihrer Feierlichkeit erfaßt: von Weihe getragen, voll innerer beseelter Wärme erstand das Adagio, tonschön, modulationsfähig. voll inniger Musikalität. Die weitere Entwicklung wird der Künstlerin noch eine größere Sicherheit, den Durchbruch persönlicher Akzente, bringen. Ihr Ton wird noch an Stärke, Bestimmtheit und Expansion zunehmen. Das Passagenwerk wird an Plastik gewinnen und die zeitweilige Ansicherheit im Intonieren hoher Töne sich verlieren. Das begleitende Orchester hatte im Mitgehen, Ausgestalten der Grundstimmting und in den Steigerungen der Tuttistellen starken Anteil am Erfolge. Edward Griegs Musik zu Ibsens .Peer G y n t" hat durch die beiden Suiten auch im Konzertsaal Fuß gefaßt. Rarnentlich aber die erste hat obwohl szenisch geschaut, auch losgelost von der Eindruckskraft des Bühnenbildes mit ihrer anschaulichen Bildhaftigkeit für den Komponisten geworben. Griegs Musik kennt kein Ringen mit geistigen Problemen, um so treffender fängt sie das Milieu mit typisch geprägter, stark im Lyn- Ichen wurzelnder Rote cm durch eine originelle Bindung des Harmonischen nut dem Melodischen. Die „M o r g c n ft i m m u n g“ strahlte leuchtend, farbgefättigt in schillerndem Tonlichtreflex auf mit schönem, sattem Klang. „Ases Tod" war stimmungsstark durch gedämpften Streicherklang im Spiegel harmonischer Alteration, der man zeitweilig größere Deutlichkeit gewünscht hätte. Bildhaft wirkte „Anitras Tanz", durch sein rhythmisches Kolorit und durch die instrumentale Thematik. „In der Halle des Bergkönig s": Ein gigantisches dynamisches Erwachsen aus dem plastischen Grundmotiv, gipfelnd in klanglicher Ekstase mit starken Akzenten des Schlagzeugs. Eine ganz andere Welt erschließt sich bei Johann Strauß, dem Jüngeren (fein Vater, Johann Strauß der Aeltere, ist der Komponist des rhythmisch beschwingten Radetzky-Marsches; einer seiner Nachfahren ist der bekannte Wiener Walzer-Dirigent Johann Strauß). Johann Strauß d. I. wurde der Erfüllet und Vollender des Wiener Walzers zu vergeistigter, absoluter musikalischer Form. Schwelgende Melodik, biegsam, empfindungsvoll, doch nicht sentimental, galant, vornehm, in ihrer aristokratischen Haltung ein Abbild von Alt-Oesterreich; dazu ein sprühender, zündender Rhythmus, erfüllt von starkem, zuckendem Impuls, in der harmonischen Haltung über das Volkstumgebundene der Vorgänger hinausführend; charakteristische, pikante Instrumentation von bestechendem Reiz, niemals ein überladender Orchesterklang, frei von dem Schwulste seiner Nachfolger, rhythmisch gefedert durch pointiertes Schlagzeug. Der „K a i s e r w a l z e r" fesselte die Hörer ebenso im Vorüberziehen der klanglichen Episoden der Introduktion wie durch sein poesievoll erfaßtes Entschwinden in der Coda. Die einzelnen Walzer waren voll wienerischer Klangseligkeit; schwelgend, jauchzend, ziehend, mitreißend. Als krönender Schluß die „F l e d e r m a u s" - 0 u d e r t ü r e voll klanglicher Delikatesse, Grazie und Verve. Es war eine Freude, zu beobachten, mit welcher inneren Begeisterung das Orchester seinem musikalischen wie geistigen Führer und Erzieher, Univcr- sitätsmusikdirektor Dr. Stefan Temesvary, in williger Ergebenheit bis zum Letzten folgte und 'M Vergleich zu früheren Aufführungen mit wachsenden Zähigkeiten seine Ausgaben meisterte. Dr. H. Samstag, 9. Juli 1932 es genügt, einigermaßen tschechisch sprechen zu können. Die Prüfungskommissionen verlangen eine vollkommene Kenntnis. Wer nicht besteht, ist erledigt. er mufft aus seiner Stellung heraus. Reuerdings will man sogar den T a b a k - Warenhändlern, die überall ihre Stände haben, zu Leibe gehen. Sie werden von den Tschechen der Gruppe der Beamten zugezählt, ohne auch nur irgendein Beamtenrecht zu besitzen. Weil sie aber die Erzeugniftc der Tabakregie und die Wertzeichen der Post verkaufen, stehen sie nach tschechischer Ansicht in öffentlichen Diensten, müssen alfo auch dort tschechisch sprechen, wo rund herum nur Deutsche wohnen. So nagt die tschechische Flut an der deutschen Minderheit, die noch immer ihre dreieinhalb Millionen Köpfe zählt, die aber die Tschechen durch eine Politik der Radelstiche, durch übermäßigen Steuerdruck und nicht zuletzt durch die Verfolgung aller politisch mißliebigen Elemente mürbe und gefügig zu machen suchen. Roch hält der Wall der Sudetendeutschen, die in zahllosen Vereinen zufammengefaht sind und in ihrem Kampf um Sprache und Sitte treu Zusammenhalten. Aber wie lange wird die Widerstandskraft noch dauern? Rarnentlich in den gemischtsprachlichen Gebieten führen die Tschechen den Kampf mit einer unbeschreiblichen Wucht. Hier reiften sie alles an sich, hier bedrängen und bedrücken sie den deutschen Rachbarn, der es walt, seine Kinder in die deutsche Schule zu schicken, der nach wie vor seinen guten deutschen Ramen führt. Gerade in den geschlossenen Siedlungen drohen aber dem Deutschtum ernste Gefahren. Richt zuletzt die unsicheren wirtschaftlichen Verhältnisse sind es, die sich auf den Rachwuchs zahlenmäßig ungünstig auswirken. Dazu kommt, daß mit Verwaltungskniffen aller Art versucht wird, die Zahl der Deutschen künstlich herunterzusehen, um ihnen Schulen und andere kulturelle Einrichtungen wegnehmen zu können. Döhmisch-Aicha, ein früher fast rein deutscher Ort, ist dafür ein typisches Beispiel. Einstmals lebten die Bürger von den Erträgnissen ihrer Aecker, dann zog so etwas wie Großmannssucht ein. Sie überließen ihren landwirtschaftlichen Besitz den umwohnenden Tschechen, die also Vordringen konnten, beschränkten sich auf ihren Stadtbesih, der sich schließlich nicht mehr rentierte, so daß nun auch im Ort selbst die Tschechen Oberwasser gewannen. Heute ist das Deutschtum hier eine Minderheit geworden, die erbittert um ihre letzten Schulen kämpfen muß. Anders sieht es dagegen auf dem Lande aus. Der Bauer versucht, seine Habe zu halten. Auch das wird ihm außerordentlich schwer gemacht. sinken doch die Erträgnisse seiner Hände Arbeit immer weiter. Heute bekommt er nicht einmal mehr 50 Prozent des Endpreises seiner Erzeugnisse, muß aber steigende' Steuern aufbringen. Dennoch halten die Landwirte zusammen. suchen sich gegenseitig zu beraten und in Fachausschüssen moderne landwirtschaftliche Kenntnisse zu vermitteln. So ist es wenigstens möglich gewesen, den Lebensraum des Bauern weibgehendst auszunutzen und einen Produktionshöchststand zu erreichen. Zu beklagen ist, baft auch in den deutschen Gebieten die Landflucht keine unbekannte Erscheinung ist, während in den Gemeinden zahlreiche deutsche Arbeitslose die Straften bevölkern. Doch der Bauer ist die letzte Hoffnung der Sudetendeutschen. Solange er auf feiner Scholle bleibt, solange gibt er Handwerkern und Arbeitern Beschäftigung. Er ist der beste Schutz gegen die Tschechenflut, die auch ihn überspülen möchte, jedoch immer wieder von den ausgezeichneten Selbsthilfeovganisationen zurückebben muß. Spiclplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 10. Iuli: Zirkus Aimee. Montag, 11.: Die Zauberflöte. Dienstag, 12.: Die Magd als Herrin. Der arme Matrose. Die spanische Stunde. Mittwoch. 13.: Zirkus Aimöe. Donnerstag, 14.: Irn weißen Röhl. Freitag, 15.: Zirkus Aimee. Samstag, 16.: Zirkus Aimee. Sonntag, 17.: Der Freischütz. — Im weißen Röhl. Schauspielhaus. Sonntag, 10. Iuli: Wetter veränderlich. Montag, 11.: Des Esels Schat- Zeitschnften. — Das soeben erschienene Sommerheft des „Inselschiffs", der Hauszeitschrift des Insel- Verlages, enthält Novellen, Essays und Gedichte von Albrecht Schaeffer, Felix Braun, Karl Scheffler, Karl Heinrich Waggerl, Rainer Maria Rilke u. a. Franz «choenberner schreibt über den großen englischen Dichter D. H. Lawrence, aus dessen neuem Roman „Die gefiederte Schlange" eine Probe gegeben wird. 2lus dem seit langem erwarteten, im Herbst erscheinen- den Franzkskus-Buch von Felix Ti mm e r - manns wird ein Kapitel „Die Gerichtsverhandlung" mitgeteilt. Die ausführliche Uebersicht am Schlüsse des Heftes unterrichtet über die Tätigkeit des Verlages und die für den Herbst zu erwartenden Werke. Das Iuli-Heft der „S ü d d e u t s ch e n M o n a t s- hefte" (München), betitelt sich „Der deutsche Sport". Dr. Th. Lemald, der Präsident des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen, bezeichnet als das spezifische Deutsche im Sport die Naturverbundenheit, wie sie im Berg- und Wanderiport besonders in Erscheinung tritt, und den Mannschaftsgedanken, wie er in den gewaltigen Turnfesten oder dem Massenaufgebot der Staftelläufe gepflegt wird. „Zur Geschichte der Leibesübungen" bringt Prof. Dr. M. Vogt (München) wertvolle Beiträge. „Nationale und ■internationale Bedeutung des Sports" heißt der Aufsatz von Reichsinnenminister a. D. Dr. K. Iar- res. Nicht minder wesentlich ist der folgende Aufsatz non Dr. C. Diem, Generalsekretär des Reichsausschusses, über „Die wirtschaftliche Bedeutung des Sport". Dr. W. Storz lHalle) berichtet über den „Deutschen Hochschulsport" von seinen Anfängen bis zum heutigen Stande. Die kommende Richtung sieht der Verfasser im sog. Wehrsport, lieber „Frauen- spart" schreibt Inge Braumüller (Berlin), die Weltmeisterin im Hochsprung, und über „Die Seele im Sport" Dr. R. W. Schulte, Vorstand der Abteilung für Psychotechnik, Sport und Lebenskultur der Hum- boldt-Hochschule Berlin, lieber „Sport und Berus" schreibt Reichssportlehrer I. Waitzer (München), W. Hoepfner (Hannover) legt dar, daß körperliche und geistige Sporteignung auch im sog. „Maschinen- spart", also Rad- und Motorsahren, Segel- und Motorflug usw., die unerläßliche Vorbedingung wirklich sportlich« Leistungen sind. ten. Mittwoch, 13.: Freilichtaufführung auf dem Römcrber-g: Geschichte Gottfrieden^ von Berli- chingen mit der eisernen Hand (Urgöh). Donnerstag, 14.: Der Raub der Sabinerinnen. Samstag, 16.: Auf dem Römerberg: Geschichte Gott- friedens von Dcrlichingen mit der eisernen Hand (Uvgöh). Sonntag, 17.: Auf dem Römerberg: Geschichte Gottfriedens von Derlichingen mit der eisernen Hand (Llvgötz). Oberheffen. Landkreis Gießen. LJ Groh en - L i n de n, 8. Juli. In der Zeit vom Samstag, 9. Juli, bis einschließlich Mittwoch, 13. Juli, findet in der hiesigen Turnhalle die Hessische Wanderausstellung über Gesundheitspflege und soziale Für- s o r ge statt. Zu diesem Zweck ist die Turnhalle an Werktagen von 14 bis 19 älhr und am Sonntag von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Im Rahmen der Ausstellung finden im Saalbau Schaum folgende Sonderveranstaltungen statt: Samstag, 20.30 Ahr, ein Lichtbildevortraa von Dr. med. Gabriel (Dad-Rauheim) über .Gefährliche Feinde für Kinder und Erwachsene": Sonntag, 20 Ahr, ein Lichtbildervortrag des Leiters der Ausstellung, L. Avemarie (Darmstadt) über: „Unser Kampf gegen die Dolkskrankheiten"; Dienstag, 20.30 Ahr, ein Lichtbildervortrag von Dr. med. Günther (Gießen) über .Krebskrankheiten". z Großen-Linden, 9. Juli. Am morgigen Sonntag findet hier eine große Keglerveranstaltung statt, an der sich die Keglervereine des Lahn-Gebietes und des Busecker Tales beteiligen werden. Die Ausrichtung der Veranstaltung hat der Großen-Lindener Kegelklub „Alle Neun" übernommen. Die Kegler treten um einen Wanderpreis in den Wettbewerb. gck. Großen-Buseck,8.Juli. Die Elektro- Ge mein schäft Gießen hatte zu praktischen Back- und Kochvorführungen auf elektrischen Herden und Backöfen eingeladen. Von sachkundiger Hand wurden Mahlzeiten gekocht und Kuchen gebacken. Kostproben überzeugten die Erschienenen von dem Gelingen und Wohlgeschmack der mit geringer Mühe und rasch hergestellten Speisen. Eine Gratisverlosung begegnete besonderem Interesse. Bg. Großen-Buseck, 8. Juli. Die Grünanlagen um unser Kriegerdenkmal auf dem hiesigen Kirchhof haben durch geschmackvoll angepaßte Blumenbeete und Grünpflanzen in Kübeln und Freiland eine ausschmückende Bereicherung erfahren. Hierbei hat Gärtner Volk einen onerken- nenswerten Gemeinsinn bewiesen. <£ Reiskirchen, 8. Juli. Heute abend wurde hier im Saale der Wirtschaft Gundrum vor meist jugendlichen Arbeitslosen und Angehörigen des freiwilligen Arbeitsdienstes auf Ver- anlafsung des Arbeitsamts Gießen ein L i ch t b i l - deroortrag über „Die französische Fremdenlegion" gehalten. An Hand einer größeren Anzahl guter Lichtbilder machte der Redner, Herr Baumann- Gießen, die Zuhörer mit dem Wesen, den Werbemethoden, dem Dienst usw. der Legion bekannt. * Birklar, 9. Juli. Am morgigen Sonntag begeht Frau Margarete Düringer, Ehefrau des verstorbenen Maurermeisters und Gastwirts Konrad Düringer, in geistiger und körperlicher Frische ihren 8 0. Geburtstag. öJ.-fporJ Leichtathletische Zrauenmeisterschasten. Bezirk Hessen-Hannover. Die leichtathletischen Meisterschafton für Frauen im Bezirk Hessen-Hannover, die am morgigen Sonntag auf dem Sportplatz der Spiel-Bereinigung 1900 ausgetragen werden, haben mit etwa 70 Teilnehmerinnen ein befriedigendes Ren- nungsevgebnis erhalten. Die Frauensportbewegung in unserem Bezirk ist noch verhältnismäßig jung. Erst zum vierten Male werden Meisterinnen ermittelt. Zahlenmäßig am stärksten sind 1900 mit 25 und Hessen-Preußen Kassel mit 21 Teilnehmerinnen vertreten, denen VfL. Wetzlar wohl mit einer kleineren aber sehr leistungsfähigen Anzahl Leichtathletinnen entgegentritt. In der Frauenklasse sind besonders die 200 Meter und der Hochsprung stark umstritten. Für den Hochsprung eine bestimmte Voraussage zu machen, ist bei der großen Zahl der Teilnehmerinnen sehr schwer, immerhin wird man von Schilling, Luh und Hublih die besten Sprünge erwarten können. Der Weitsprung dürste voraussichtlich von Kuhn (VfL.) und Hadler (Hessen-Preußen) gewonnen werden. In der längeren Sprinterstrecke erwartet man Schilling (Hessen-Preußen) vor Hublih (1900) in Front, lieber 100 Meter dürfte das Ende zwischen Hadler (Hessen-Preußen) und Kuhl (VfL.) liegen, aber auch Voremberg (Dar Kochba- Kassel) ist zu beachten. In den Würfen hat wieder Wetzlar in Kuhn eine gute Kraft, jedoch sind Rickel und Luh (1900) ebenfalls gut in Form. Für 800 Meter (7 Teilnehmerinnen) gilt als Favoritin wieder Frl. Kuhl (VfL. Wetzlar). Die Staffeln liegen ebenfalls zwischen diesen genannten drei Vereinen. In den Mädchen-Klassen (Jugend) sind die 1900erinnen wohl am stärksten. Guth A- Klasse, Lippert 6-Klasse und Lotti Diehl in der L-Klasse dürften ihre Dreikämpfe sämtlich gewinnen. Saalsportfest des Gießener i^adfahrervereins. Dem kurzen Vorbericht über das Saalsportfest des Gießener Radfahrervereins ist nachzutragen, daß die Radballspieler des Radklubs „Germania" Gießen nicht nur am Radballspiel der Klasse B, sondern auch am Zweier-Radball der Klasse A beteiligt sein werden. Das Programm sieht außer dem Zweier-Radballspiel und dem Kunstfahren auch noch einen Wettbewerb im Sechser-Scyulreigen vor. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Am morgigen Sonntag hat Gießen I auf dem Trieb Heuchelheim I zum Gegner. Da beide Mann- schäften in wesentlich veränderter Aufstellung an- treten, ist eine Vorhersage nur schwer möglich. Man erwartet einen fesselnden Kampf. Auf dem Wiefecker Platz stehen sich Wieseck II und Launsbach I im Freundschaftsspiel gegenüber. Hier sollten die Platzbesitzer den sicheren Sieger stellen. Wiesecks 3. Mannschaft ist in Beuern zu Gast und sollte ebenfalls siegen. Allendorf (Lahn) empfängt Leun mit zwei Mannschaften und sollte beide Spiele für sich entscheiden. Grllningen weilt mit zwei Mannschaften in Waldgirmes und die Grüninger werden sich mächtig anstrengen müssen, wenn sie nicht in beiden Spielen unterliegen sollen. Hausen hat Gleibergs 1. und die Jugendmannschaft zum Gegner. Zwei gleichwertige Mannschaftspaare ringen hier um den Sieg. Klein-Lin- den I ist in Rodheim zu Gast und hat im Spiel gegen die dortige 1. Elf wenig Aussichten auf Sieg. Saasen I wird gegen Daubringen I alles aufbieten müßen, wenn den Gästen der Sieg nicht überlassen bleiben soll. Wirischast. Berlin lebhaft und freundlicher. B e r I i n, 9. Juli. (WTB. Funkspruch.) Die gestern vollzogene Einigung in Lausanne hat die seit Wocyen anhaltende Ungewißheit von der Börse genommen. Gestern nachmittag wurde das Geschäft recht lebhaft, und die Kurse zogen durchweg mehrprozentig an, so daß die im Verlaufe der gestrigen Börse eingetretenen Verluste wieder wettgemacht wurden. Das Geschäft war heute natürlich nicht so lebhaft, die Kundschaft hatte auf Grund der gestrigen Mittagsschlußkurse niedrige Kauflimite an den Markt gelegt, die nun nicht zur Ausführung gelangen konnten. Man verwies auf den Verlauf der gestrigen Neu- yorker Börse, die trotz Lausanne nicht fest tendierte, sondern sogar Abschwächungen brachte, da man die vollzogene Einigung mehrfach für eskomptiert hielt. Die gestrigen Abendkurse konnten sich gut behaupten, zum Teil auch noch weiter leicht befestigen, aber vereinzelt waren auch kleine Rückgänge festzustellen. Allgemein verstimmte die erwartete neue Verordnung über die Erschwerung der Tausch- Operationen mit dem Auslande. Das Geschäft war zu Beginn der Börse nicht sehr umfangreich, verschiedene Werte, so Gelsenkircyen, Fachinger, Hoesch, Oberkoks, Harburger Gummi und Neubesitzanleihe erschienen mit Plus-Plus-Zeichen. Letztere wurden, wie auch schon an den Vortagen, sehr lebhaft gekauft, da man hofft, daß jetzt nach Beendigung der Reparationen die Zinsfrage für diese Anleihe in Angriff genommen werden kann. Reichs- bank und Farben lagen im Zusammenhang mit der obenerwähnten erwarteten Verordnung etwas schwächer als gestern abend, während Bekula erneut kräftig anziehen konnten. Ilse Bergbau zogen um 5,5 v. H. an. Die Neubesitzanleihe stellte sich auf 5,55 nach 4,55. Auch Altbesitzanleihe war 1,65 v. H. höher. Der Renten marft sah gleichfalls freundlicher aus, Reichsschuldbuchforderungen • n etwa 3 o. H. an. Im Verlaufe verstimmte eii ckgang von Farben und Reichsbank um etwa 1,5 u H., und auch die übrigen Werte gingen meist etwas zurück. Im weiteren Verlaufe konnten sich die Kurse auf Deckungen wieder gut erholen, und Schiffahrtswerte lagen ausgesprochen fest. Am Geldmarkt machte zwar die Erleichterung weiter Fortschritte, bte Satze blieben aber zunächst noch unverändert. • Frankfurt ruhig. Frankfurt a. M., 9. Juli. (WTB. Drahtmeldung.) Rachdem die Abendbörse auf Grund der materiellen Einigung in Lausanne stärker befestigt war, eröffnete die Börse zum Wochenschluß in s e h r st i l l e r H a l tu n g. Die Kulisse zeigte in Anbetracht der bevorstehenden inner- politischen Auseinandersetzungen stärkere Zurückhaltung, zumal entgegen den Erwartungen von der Kundschaft keine Kauforders an den Markt gelangten. Bei sehr geringer Umsahtätigkeit lagen die erhöhten Kurse zunächst gut behauptet, vereinzelt traten sogar noch weitere Erhöhungen bis zu 1 Prozent ein, doch war die Tendenz im Verlaufe auf größere Berliner Abgaben überwiegend abgeschwächt. JG.-Farben lagen mit 93,25 unverändert. Am Montanmarkt waren Gelsenkirchen etwas gefragt " mit 1,75 Prozent höher, auch Stahlverein konnten sich leicht erholen. Von Kaliwerten zogen Salzdetfurth 1 Prozent an. Elektrowerte erzielten bei sehr geringen Umsätzen Besserungen bis zu 0,75 Prozent. Ferner konnten sich Scheideanstalt, Reichsbank und Zellstoff Waldhof bis zu 1 Prozent befestigen. An den Rentenmärkten war die Haltung überwiegend fester, besonders Deutsche Anleihen hatten bei lebhaften Umsätzen Erhöhungen von etwa 0,5 bis 0,75 Prozent. Reichsschuldbuchforderungen zogen 1,5 Prozent an. Gold- und Liquidationspfandbriefe lagen überwiegend bis zu 2 Prozent höher, doch war der Umsatz verhältnismäßig klein. Rach der vorübergehenden Abschwächung, bei der Kursrückgänge bis zu 1 Prozent eingetreten waren, setzte sich im weiteren Verlauf wieder eine Befestigung durch, da zu den Kassakursen einige Kauforders eingetrosfen waren. Eine nennenswerte Belebung trat aber nicht ein. Sehr fest lagen im Freiverkehr Bekula, die gegen den Abendbörsenkurs etwa 3,5 Prozent gewannen. Am Geldmarkt blieb Tagesgeld mit 4,25Prozent unverändert. Obemahm vot 30 Jahren die Metzgerei seiftet Vaters. Seit der Übernahme durch Herrn W bekam das Geschäft einen unvergleichlichen Aufschwung. Seine Konkurrenz- losen Spezialitäten und die Umgestaltung seines Ladens zur modernsten Großmetzgerei gaben Ihm den Ruf „ eines Metzgers von Format. Nur eins hat er vom Vater getreulich übernommen: die gleiche Berufskleidung. „Mein Vater" — so sagt er — „trug schon (^-Berufskleidung; sie Ist bis heute die beste gebliebenI" Erhältlich bei der Firma: H. KaeS Nachfolger • Wilh. Horn & Sohn Gießen, Kreuzplatz 15 5I32a Beachten Sie bitte die Schaufenster-Auslagen! ist nach längerem, geduldig ertragenem Leiden sanft verschieden. Gießen (Moltkestraße 12), den 9. Juli 1932. Die Beerdigung findet in der Stille statt 04152 Gießen, Schillerstr. 17 Gießen (Steinstraße 28), den 9. Juli 1932 4160 5145 D C.Röhr&Co Gießen (Wescrstr. 17), den 9. Juli 1932. 0416 3129 L> Bett-Wäsche Leib-Wäsche Küchen-Wäsche Tisch-Wäsche Frau Elisabeth Rühl Wwe. Heinrich Rühl. Familie Haubach Familie Lind Familie Peppier. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer Heben Entschlafenen sagen wir auf diesem Wege herzlichen Dank. Telephon 3766 __________________49/QD Karl Römer Frau Lehrer Schlapp Wwe. Dr. med. Albert Schlapp. Lollar, den 9. Juli 1932 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem so schweren Verlust, der uns betroffen hat, sowie für die überaus zahlreichen Kranz- und Blumenspenden sagen wir allen auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Steuerberatung, Interessenvertretung Vermögensverwaltung Organisation Revision Gutachten Wirtschaftssachverständiger Dr. Wilhelm Bachenhelmer Diplomkaufmann WioUtltn Mod. 6'Sitzer-Lim. Kilom. 15 vf-f 04170 Televlwn 2375. [Verschiedenes | Detektiv K. Gerz, Bad-Nauheim, Knr- straße 17 erlebtet alle vertrauliche Privat- u. (Veichäftsanaele- aenheiten.wie Auskünfte, Beobachtungen, Ermittlungen, Beschallung v Be- roeidmat. in Straf- u. .'turilürov streng biskr Svrechst.:9b 12'/, ■ 3—6 Ubr Unsere liebe Schwägerin, Kusine und Tante Frau Christiane Haubach geborene Lampus Witwe des verstorbenen Kaufmanns Theodor Haubach Statt Karten. Danksagung. Allen denen, die unserem teuren Entschlafenen Herrn Max Karl Pötzsdi im Leben Liebe erwiesen haben, ihm auf seinem letzten Wege das Geleit gaben, durch Kranzspenden ihn ehrten und uns ihre Teilnahme bezeugten, sagen wir herzlichen Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. I. d. N.: Familie Paul Pötzsch, Braut und alle Angehörigen. Zeitgemäß billig sind unsere Preise für Gediegener Kaufmann möchte sich mit 15000 Mk. an Fabrik-Betrieb oder sonstig. Unternehmen aktiv beteilig. Schriftl. Ang. unt. 04144 an d. G. A. Gebrauchte Klaviere sehr gut erhalten, zu verkaufen oder au oerm. 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Eigentümer: Eheleute Metzger Karl Seitz I. und Anna geb Schöneck in Hartenrod, zum Teil auch Ehemann allein. — K 64/31, 88/31, 4/32. _______Amtsgericht Gladenbach. (5139D Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Albach für Rj. 1932 liegt vom 9. Juli d. J. ab eine Woche lang auf hiesiger Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Einwendungen können während dieser Frist daselbst mündlich ober schriftlich vorgebracht werden. Albach, den 8. Juli 1932. 5149V Hessische Bürgermeisterei. Lenz. BRIKETTS Wandern und Reisen - Bäder und Sommerfrischen. Kofferpacken - aber richtig! Diese Zeilen werden geschrieben Anno 1932 für all die Glücklichen, die es sich noch leisten können, ihre Ferien an sonnigen Usern, in waldigen Bergen, fern vom häuslichen Alltag, zu verbringen. Ihnen seien folgende Ratschläge zum günstigen Koffer- packen mit auf den Ferienwed gegeben: 1. Packe nie deinen Koffer tm letzten Augenblick! Du wirst bestimmt die Hälfte deiner Sachen ver- gessen, und außerdem haben es Seidenkleider nicht gern, in höchster Eile neben ölige Bergschuhe ge- worfen zu werden. Auch denke daran, daß das „vorher" einer Reise schon eine kleine Erholung sein soll, die dir Entspannung und ein leises Abklingen der Jahresarbeit bringen kann. 2. Nimm nie ungestopfte Strümpfe oder reparaturbedürftige Kleidungsstücke mit auf die Reise, in dem festen Glauben, dort genügend Zeit zu finden, um sie auszubessern. In den Ferien hat man n i e Zeit oder zumindest keine Lust, die'Dinge, die an Hausarbeit erinnern, zu erledigen. Ebenso erledige noch Möglichkeit noch zu Hause alle wichtigen Briefsacycn und denke daran, daß in der Sommerfrische nicht nur der Körper, sondern auch der Geist ausruhen soll. 3. Packe deinen Koffer so, daß du die schweren Dinge, wie Bücher, Photoapparate, Schuhe, Tennisschläger, aus den Grund des Koffers legst und ihre Lücken mit kleinen Gegenständen, wie Taschentücher, Strümpfe, Schuhlappen, Büchsen usw., ausfüllst. Darauf folgt die Wäsche, flach und gleichmäßig verteilt, und zuletzt mit dem Badetuch abgedeckt. Jetzt kommen die Kleidungsstücke. Auch hier wieder die schwersten und die am wenigsten drückenden, wie Mäntel, Röcke, Jacken und Pullover zuunterst. Darauf legst du die leichten Seiden-, Boile- und Leinenkleider, wie Blusen, die du im Umlegebruch stets mit c;ner kleiner Seidenrolle versehen, vor Druck und Zerknittern schützst. 4. Nimm so wenig Kleidungsstücke wie möglich mit und diese auch wieder nur nach praktischen Gesichts- punkten zusammengestellt. Du ersparst dir unnötige Reisespesen, Sorgen, Anschafsungs- und Herrich- tungskosien. Unsere Mode mit ihren Kombinations- fünften ist so auf Zweckmäßigkeit und Billigkeit eingestellt, daß du mit einem Kleid, einem Rock und den verschiedenen Blusen, Jacken und Schals im Notfall schon auskommen kannst. 5. Gibst du deinen Koffer auf, so ist es ratsam, in einer Reisehandtasche die notwendigen Wäsche- und Kleidungsstücke für ein bis zwei Tage mitzu- stihren, damit du nicht, wenn sich die Ankunft deines Koffers verzögert, in deinem Hotelzimmer fitzt und weinst. Auch Kofferschlüssel, Hausschlüssel, Papiere und Reisekasse müssen — aber mit Verstand unter- gebracht — in dieser Handtasche ihren Platz finden. Steht dein Koffer fix und fertig da, so sieh dir noch einmal deine Wohnung auf ihre mehrwöchige Ruhezeit hin an! Die Wertsachen und Schmuckgegen- stände sind im Tresor der Bank sichergestellt, — gut. Der Pelz ist zur Konservierung fortgegeben, die Winterkleider sich tüchtig eingemottet, — gut. Diebstahl- und Feueroersicherungsprämien wurden punkt- lich bezahlt, ebenso Telephon, Gas und elektrisches Licht. Die Zeitung, die du auch in den Ferien nicht vermissen willst, hast du rechtzeitig nachzusenden beantragt. Das Licht ist überall abgeknipst, Gas- und Wasserhähne sind fest geschlossen, die Antenne ist geerdet. Alles in Ordnung, — na, dann glückliche Reise! Brigitte. Reifebrief vom Rhein. Biebrich, Ende Juni 1932. SeHr verehrte, gnädige Frau! Vun verbringe ich meine Tage in Biebrich. Sie hatten recht, hier am Ueberaang vom behäbigen Oberrhein zum weinfroyen Rheingau bietet der Strom ein mächtiges und imposantes Bild. Hier, wo er in stattlicher Breite nachdenklich dahinzieht, trägt die Landschaft das träumerische Gepräge eines verwunschenen Schloßparkes. Die träge Ruhe des heiligen Flusses geht auf mich über und jeden Tag empfinde ich es als ein neues Geschenk, hier weilen zu dürfen. Mein H^tel liegt direkt am Rhein. Morgens Wecken mich die Schiffsglocken. Dann frühstücke ich auf der großen Rheinhotelterrasse. Bon hier aus beobachte ich das Leben an der Landungsstelle. Man wird regelrecht vom Reisefieber gepackt, wenn man das Hasten und Treiben der in der Vorfreude auf die Dampferfahrt nervösen Reisenden sieht und selten kann ich widerstehen. Deshalb habe ich nachmittags schon verschiedentlich Rheinfahsten in den Rheingau unternommen. Auch in die Taunuswälder, an die sich Wiesbaden-Biebrich zärtlich anschmiegt, bin ich mit anderen Hotelgästen schon mehrmals gefahren. Wiesbadens Sehenswürdigkeiten, seinem Kur- und Dadeleben, habe ich selbstverständlich gebührend Beachtung geschenkt: ebenfalls ließ ich mich schon von einem der Lokalboote nach Mainz schaukeln, um dort daS Gutenbergmuseum zu besuchen. Im allgemeinen aber ziehe ich es vor, den Rhein entlang zu bummeln oder mich im Strandbad von der Sonne bräunen zu lassen. Ratürlich gehe ich viel in den großen, schattigen Schloßpark mit seinen alten Baumbeständen, der sich hinter dem prächtigen Biebricher Barockschloß ausdehnt, in dem ja auch Goethe mehrere Male zu Gast war. Goethe sagte einmal von Biebrich „Völlig ein Märchen" und das stimmt. Die alte mit Efeu bewachsene Moosburg, heute ein recht interessantes Heimatmuseum, davor der Weiher mit seinen Schwänen, der herrliche Blick von hier aus durch den ganzen Park nach dem Schloß hin, die alte Kastanienallee — alles in allem, ein Bild das oft von Malern festgehalten wird. Selbstverständlich habe ich auch die Sektkellerei Henkell zu ihrem hundertsten Geburtstage besucht und das kredenzte Glas „Henkell- 2roden“ in Gedanken auf Ihr Wohl geleert. Die übrigen Sehenswürdigkeiten Biebrichs, das Dilthey-Haus, die Geburtsstätte des Kultur- Historikers Riehl und die Richard-Wagner-Tafel, die daran erinnert, daß 1862 Wagner hier seine Meistersinger komponiert hat, ließ ich mir auch zeigen. Kurzum, ich fühle mich sehr wohl hier. Abends genieße ich das herrliche Schauspiel der festlich beleuchteten Dampfer. Kürzlich war hier auch eine große Tlferbeleuchtung, die etwas Mär- cheichaftes an sich hatte. Abends, wenn die Dampfer alle Biebrich passiert haben, leert sich die Rheinpromenade, die Hotels löschen ihre Lichter: dann taucht hinter den Pappeln der Rettbergsau der gute Mond auf und baut eine goldene Drücke über den stillen Rhein, auf der sich die Rheinnixen und Weingeister ein Stelldichein geben. Morgen will ich noch eine der Kaffeefahrten nach dem Oberrhein benutzen, um mir die rhein- hessischen Weinorte anzusehen, deren goldgelben Rebensaft ich mir abwechselnd mit den Rhein- gauer Lagen durch die Kehle perlen lasse. Auf jeden Fall bin ich mit meinem Aufenthalt tn Biebrich sehr zufrieden, der Pensionspreis von 5 Mark pro Tag ist recht günstig und für meinen Geldbeutel noch so gerade erschwinglich. Sowie ich zurück bin, werde ich mir erlauben. Sie, sehr verehrte, gnädige Frau, aufzusuchen und Ihnen meine Aufnahmen von Biebrich und Umgebung sowie die vorn Rhein und seinen stolzen Schissen zu zeigen. Bis dahin mit den besten Grüßen, Ihr ganz ergebener Rheinlandbummler. Wanderfahrten. Londorf—Rorbeck—Allendorf—Climbach—Grohen-Duseck. Don unserem Ausgangspunkt Londorf gehen wir roten Kreuzen nach zuerst einen Feldweg später durch Wald an einem Dasaltbruch vorbei bis zu einer Schlucht, wo wir uns links hinaus wenden zur sog. Hohen Eiche, um von hier herrliche Fernblicke bis zum Hohen Vogelsberg und Dünsberg zu genießen. Der weitere Weg führt uns über die Teufelsbrücke und hinab nach dem malerisch gelegenen, von einer Burg überragten Vordeck. Ohne Markierung gehen wir jetzt abwärts durch das schöne Lumdatal mit hübschen Ausblicken nach dem benachbarten Allendorf, wo wir auf die vom Totenberg kommenden roten Punkte stoßen und ihnen folgen. Wir steigen nun wieder aufwärts nach dem hochgelegenen Climbach und weiden uns an den prachtvollen Rückblicken, die sich unterwegs bieten. Durch viel Wald weist uns das Zeichen schließlich über den Hohe Berg nach Großen-Buseck. Dauer der Wanderung 4 Stunden. Bieber—Altenberg—Hohensolms—Königsberg—Bieber. Wir fahren mit Sonntagskarte nach Bieber und folgen vom Bahnhof gelben liegenden Kreuzen, die uns hinter dem Ort in kräftigem Anstieg auf die Höhe des bewaldeten Großen Rothenbergs bringen. Beim Eintritt und Verlassen des Waldes bieten sich prächtige Blicke, zuerst nach der - Gießener Gegend mit dem Schiffenberg und den beiden Burgen, später auf Königsberg, das Helfholz und den Dünsbsrg. Ein kurzes Stück die Königsberger Straße folgend, verlassen wir diese wieder, um nach links einen Feldweg einzuschlagen, auf dem wir, später durch Wald, an den Fuß des D^rvenbergs gelangen. Hier treffen wir rote Striche, die uns nach dem 404 Meter hohen Altenberg leiten. Der mit allerlei Strauchwerk bewachsene Berggipfel ist mit doppeltem altgermanischem Ringwall umgeben. Der steinerne Aussichtsturm, der jahrelang unbesteigbar war, ist, dank der Bemühungen des Verkehrsvereins Hohensolms, wieder aufgerichtet worden und gewährt eine ganz hervorragende Rundschau. Die roten Striche führen uns abwärts zur Landstraße, auf der wir nach Hohensolms weiterschreiten. Kurz vor dem Ort einige bemerkenswerte 600jährige Linden. Bei Gastwirt Führer ist gute Einkehr. Zum Rückweg wählen wir entweder den schon früher beschriebenen, mit schwarzen Punkten bezeichneten Weg durch das bewaldete Helfholz oder Die kürzere Strecke auf der allerdings schattenlosen, aber aussichtsreichen Landstraße über Königsberg mit sehenswerter Ruine nach unserem Endziel Bieber. Dauer der Wanderung etwa 4 Stunden. Reisende helft mit! Bitte der Reichsbahn. Im Interesse des Reiseverkehrs und des Wohlbehagens der Reisenden selbst liegt es, wenn die Bestrebungen der Reichsbahn, in den Bahnhöfen, auf den Bahnsteigen und besonders auch in den Zügen Ordnung und Sauberkeit durchzuführen!, vom Publikum in jeder Richtung unterstützt werden. Leider kann man nicht selten beobachten, daß Reisende achtlos Papier, Obst- u. Tabakwarenreste odek leere Behälter wegwerfen. Auf den Bahnhöfen sind Reisende wiederholt auf achtlos weggeworfenen Obstresten ausgeglitten und dabei zu Schaden gekommen. Abgesehen von diesen gefährlichen Gewohnheiten besteht vielfach Gleichgültigkeit gegenüber Bestimmungen, die ausschließlich dem Interesse der Reisenden selber dienen sollen. Man nimmt z. B. zuviel Handgepäck mit in die Abteile und belegt oft mehr Plätze, als dies der Zahl der gekauften Fahrkarten entspricht. Manche Reisende halten sich in den Seitengängen der D-Züge zu lange auf, besonders vor fremden Abteilen, und behindern damit den Durchgang. Aborte werden verunreinigt, die zurechtgelegten Handtücher werden allzu häufig zur Reinigung der Fußbekleidung benutzt. Oft genug kann man auch Reisende beobachten, die ihre Füße auf die Sitze legen, ohne wenigstens eine Unterlage zu verwenden. Fenster werden ohne Rücksicht auf die Mitreisenden geöffnet und das Rauchverbot in Nichtraucherabteilen vielfach nicht beachtet. Wenn auch diese kleinen Rücksichtslosigkeiten nicht immer unangenehme Folgen haben, so leidet doch das allgemeine Wohlbefinden der Reisenden darunter. Daher sollte jeder dazu beitragen, Ordnung und Sauberkeit auf der Reichsbahn durchzuführen. Kirche und Schule. Großes Seidenmissionsfest in Holzheim 0 Holzhei m , 8. Iuli. In unserem Kirchspiel wird seit vielen Iahrzehnten alljährlich in der ersten Iuliwoche ein Heiden-Missionsfest gefeiert. Die Vorbereitungen waren gut getroffen, so daß fast alle Festbesucher auf dem neu hergerichteten stillen Platze bei der Kirche einen Sitzplatz sanden. Zu Fuß, zu Rad, auf Leiterwagen und im Automobil eilten die Teilnehmer aus allen Richtungen herbei. Es waren wohl 3000 an der Zahl. Eröffnet wurde die Feier durch einen Posaunenchor, (Leitung W. Engel). Auch der gemischte Chor hatte sich in den Dienst der guten Sache gestellt. An Stelle des erkrankten Ortspfarrers Schmidt leitete Pfarrer Ködding (Eberstadt) das Fest. Sodann hies Pfarrer H a a s (Frankfurt) die Missionspredigt. Auf die Frage »Wie kannst auch du fröhlich deine Straße ziehen?", antwortete er: Wenn du 1. die Götzen Deiner Zeit meidest, 2. dem Worte Gottes lauschst und 3. Jesus aufnimmst. In der Kaffeepause waren die auswärtigen Teilnehmer zu Gast bei den Einheimischen. Es war wohl kaum ein Haus ohne Gäste. Die V a ch versa m m l u n g fand auf dem gleichen schönen Platz statt wie die Hauptversammlung und war ebenso stark besucht. Selbst der nun einsehende Regen vermochte der Feststimmung keinen Abtrag zu tun. Andächtig lauschte man Pfarrer Conrad (Vüm- brecht, Rheinland), der mit großer Freudigkeit Iesus als Missionar und Arzt schilderte. Letzter Redner war Missionar B a ß f e l d (Düsseldorf). Er erzählte von der »großen Erweckung aus Vias", wo er jahrzehntelang im Dienst der Rheinischen Mission stand. Dann dankte Pfarrer K ö d d i n g allen, die sich um das Fest verdient gemacht hatten. Mit einem Gebet des Lehrers Rah (Ober- Hörgern), und einem gemeinsamen Schlußgesang nahm das erhebende Fest fein Ende. Es war so recht geeignet, der Heiden-Mission neue Freunde au gewinnen. Die beiden Geldsammlungen und Der Erlös aus dem Verkauf von Missionskarten und -büchern, die trotz der Vot der Zeit eine bedeutende Summe au-machten, wurden der Rheinischen Mission überwiesen. Vorher und nachher. Er hielt, von ihrem Blick entzückt, im Arm die junge Braut. Er sprach, von seinem Glück berückt, die Worte fest und laut: Wär Ich auf See in einem Orkan, würde das Schiff versinken, würd ich im wilden Ozean hilflos und elend ertrinken, zuckten die Blitze vom Himmelszelt, tobten entfesselte Mächte, Du wärst das letzte Wesen der Welt, an das ich im Sterben dächte! Sie waren längstens schon getraut. Man zankte ohne Sinn. Da warf er ihr, und zwar sehr laut, die gleichen Worte hin: Wär ich auf See in einem Orkan, würde das Schiff versinken, würd ich im wilden Ozcan hilslos und elend ertrinken, zuckten die Blitze vom Himmelszelt, tobten entfesselte Mächte, Du wärst das letzte Wesen der Welt, an das ich im Sterben dächte! * Er sprach es jedoch in andrer Betonung, als damals in Rausch und seligem Glück. Und so verließ sie denn seine Wohnung und ging empört zur Mutter zurück. Puck. Daten für Sonntaq, 10. Juli. 1509: der schweizerische Reformator IohanneS Calvin in Voyon geboren; — 1824: der Staatsmann Rudolf von Denningsen in Lüneburg geboren. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 10. Juli. 7. Sonntag nach Trinitatis. Stadtkirche. 8 Uhr: Pfr. Mahr; zugleich Christen- lehre für die Neukonfirmierten der Matthäus- aemeinde; 9.30: Pfr. Becker; 11: Kinderkirche für die Markusaemeinde; Pfr. Becker. — 3ohannevkirche. 8: Pfr. Ausfeld; zugleich Christenlehre für die Neu- konfirmierten der Iohannesgemeinde; 9.30: Pfr. Bcchtolsheimer; 11: Kinderkirche für die Lukas- gemeinde; Pfr. Bcchtolsheimer; 20: Bidelbelprechung im Johanncsfaal; Pfr. Ausfeld. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. Ausfeld; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Luthergemeinde; 11: Kinderkirche für die Luther- und Iohannesgemeinde; Pfr. Ausfeld. — Elisabeth-Kleinkindcrfchule. 9.45: bei gutem Wetter Waldgottesdienst im Bcrawerkswald; Pfr. Lic. Waus. — Klein-Linden. 9: Hauptgottes. dienst, anschließend Christenlehre der männlichen und weiblichen Jugend; 10.15: Kindergottesdienst. — Heuchelheim. 10: Gottesdienst (Kollekte); 11.15: Ka- tcchismuslehre (männliche Jugend); 15: Missionssest der Gemeinschaft bei der Kirche. — RNescck. 9.30: 10.45: Kinderkirche. — Alfen-Buseck. 10: Gottesdienst. — Trohe. 12.30: Gottesdienst. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 11: Christenlehre für die konfirmierte weibliche Jugend; 13.30: Lollar. — Hausen-Garbcn- tcich. 10: Garbenteich; 11: Hausen. — Watzenborn- Steinberg. 9: Hauptgottesdienst. — Gröningen. 13.45: Hauptgottesdienst mit Christenlehre. katholische Gemeinden. Samstag, den 9. Juli. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, den 10. Juli. 8. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion, der Jungfrauen und Hausangestellten; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14: Andacht. — Grünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt und Christenlehre. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt; 20: Christenlehre und Andacht. — Lollar. 8.45: Messe mit Predigt. — Ridda. 8.30: Hochamt mit Predigt. Montag, den 11. Juli. Laubach. 7.30 Uhr: Messe. Mittwoch, den 13. Juli. Hungen. 6.15 Uhr: Messe.________________________ Sonntagsdienst d.Aerzte u.Apotheken am 10.7.32 Fräulein Dr. Gürtler, Dr. Wolf, Cngcl-Apotbeke. ________________ttnlinnrit: Jäger.___________<9ctd Du hast aber gepflegte Hände! Ach, weißt Du, ich finde, die kann heute jede Frau haben. Ich zum Bei- spiel habe mich beim Putzen und Scheuern für Henkels Ata entschieden. Das fegt den Schmutz wie auf Kommando fort und ist doch so mild, daß die Hände geschont bleiben. 4976V Sleusungerhoß Stal. Mücke L VogelSb. 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Der Diener blickte verwirrt auf das buntscheckige Zwerglein mit der riesigen Nase, aus dessen untermalten Augen sich Tränen drängten und in den drolligen langen Schnurrbart krochen. War es ein böser Spukgeist, der ihm gegen» übers atz? War es eine Gestalt aus einem alten längst vergessenen Kindermärchen? Er mutzte sich erst besinnen, zu sonderbar war der Gedanke, das komische Wesen, das ihn mit so ängstlichen Augen anstarrte und richtige grotz« Tränen weinte, war Lil, die wunderhübsche Lil Körner, und er fuhr mit ihr zu ihrem toten Vater. Er schüttelte den Kopf und gab zurück: „Ich habe leider nicht gelogen, gnädiges Fräulein, Herr Körner hat sich vor ungefähr einer Stunde erschossen. Sie müssen es ja doch erfahren." Lil war zumute, als drehe ihr eine harte, grobe Hand das Herz im Leibe mit roher Gewalt herum. O, tat das weh, tat das weh! Ihr ganzer Körper zuckte vor Schmerz. Sie wollte wieder rufen: Sie lügen!, aber nur ein wimmernder Laut brach über ihre Lippen. Wie ein erstickter Klageschrei klang es und dann sank die kleine zierliche Lil Körner in die eine Ecke des Machen Sie jetzt eine Bussaat von garten. Die Köchin, die Frau von Franz, öffnete, aber sie prallte zurück vor dem bunten Zwerg, der an ihr vorüberstürmte. Lil eilte in des Vaters Schlafzimmer, und dort sah sie den Vater stumm und regungslos auf dem Bett liegen. Er lag noch genau so, wie ihn der Diener gefunden. Dr. Munk war schon gegangen, er hatte die Polizei benachrichtigt. Lil fiel vor dem Bett in die Knie, sie jammerte: „Vati, lieber, guter Vati, wach doch auf! Du kannst doch nicht so von mir gegangen sein!" Der alte Diener näherte sich ihr. ia Doppei-Falzziegel Biberschwänze Dachpappen aller Art 2576 d beste Fabrikate, allerbilligst, C. Rübsamen Fernsprecher 3659 »Gnädiges Fräulein, es wird wahrscheinlich bald jemand von der Polizei kommen, ein Wunder. datz noch niemand hier ist. Dr. Munk wollte doch Meldung machen. Sie sollten dos Kostüm ab» legen und die Vase." Lil fiel es erst in diesem Augenblick wieder ein, in welchem Aufzug sie sich befand. And so kniete sie vor dem toten Vater. Sie ritz die Pappnase ab, warf sie in weitem Dogen durch das offenftehende Fenster und sprang dann auf, murmelte: „Dank, Franz, es war gut. datz Sie mich erinnerten." Fünf Minuten später kamen ein Polizeikommifsar und ein Polizist. Dr. Munk war Polizeiarzt, und es vereinfachte alles, datz gerade er sofort gerufen worden war, weil er am nächsten wohnte. Lil ritz sich in ihrem Schlafzimmer die bunten Hosen und die grelle Jacke vom Körper, als verbrenne ihr das Zeug die Haut, sie ritz auch den Bart ab, der mit einer Gummischnur üTh ihren Kopf befestigt war, und wusch sich mit be» benden Händen. Dann warf sie ein schwarzes Kleid über und, bleich wie eine Tote, trat sie wieder dort ein, wo sich ihr Vater niedergelegt zum letzten Schlummer. Der Polizeikommissar fragte sie allerlei, und sie antwortete wie ein Automat. Aber schliesslich wankte ihr der Boden unter den Fützen, bleischwer fiel sie nieder in wohltätiger Ohnmacht. Da lag sie nun neben dem Totenbett, und das traurige Lächeln, das sich um den Mund des Toten eingegraben, schien seinem armen Mädel zu gelten, das man von bollem Clownspatz hierher geholt, wo der Tod zu Gast gewesen war. 4. Kapitel. Abschied vom toten Vater! Am Schluh der Wohltätigkeitsvorstellung hätte Lil Körner noch einmal auftreten sollen, zusammen mit jemand, der sich als Zauberkünstler zeigte. Ein paar Clownswihe sollten die Vummer verlängern, sie mehr ausfüllen. Ein Herr trat vor die Vampe, teilte mit, Fräulein Lil Körner könne heute nicht mehr auftreten, ihr Vater sei plötzlich schwer erkrankt. Die Baronin und Werner hörten bestürzt die Veuigkeit. Vach ein paar flüsternd gewechselten Worten erhoben sie sich und verliehen die Loge. Ein Mietsauto brachte beide schnell ans ZieL Während der Fahrt hatten Mutter und Sohn Vermutungen ausgetauscht, was Eduard Körner wohl so plötzlich angefochten haben könnte. Der alte Diener öffnete den beiden späten Besuchern. Dein feierlich ernstes Gesicht ritz der Baronin die Frage vom Mund: „Um Himmelswillen, was ist geschehen, wir hörten, mein Bruder sei schwer erkrantt?" Franz hob leicht die Hand. „Herr Körner ist tot, Frau Baronin.- lFortsetzung folgt.) der geborene Clown, Sie sind ein Genie! Herrgott, warum sind Sie ein reiches Mädel, mit Ihrem Können würden Sie bald das Geld scheffeln 1" Die Zofe stand plötzlich vor Lil. Sie hatte Lil beim Umflcibcn geholfen. Sie rief hastig: „Gnädiges Fräulein, der Diener steht unten im Gang. Sie möchten sofort zu Ihrem Vater nach Hause fömmcn. Gr ist erkrankt." Lil noch in der Maske des Zwerges mit der langen Vase erschrak sehr. Ihr Vater war krank und nach Hause sollte sie kommen? Also satz er nicht in der Loge bei Tante Adele und Werner, wie sie geglaubt. Als sie heute fortfuhr hierher, war er doch noch ganz vergnügt gewesen. Er hatte sie umarmt und gefußt: „Denke immer daran. Lil, datz dein Vater dich am liebsten hat auf der Welt. Wenn er einmal etwas tut, was dir nicht gefällt, dann entschuldige ihn damit, er konnte nicht anders!" Sie hatte dazu nur gelächelt und sich gar nichts besonderes dabei gedacht. Doch jetzt mit einem Male empfand sie schreckliche Furcht vor etwas, das sie nicht benennen konnte. Rücksichtslos schob sie alle, die um sie herum- standen. beiseite und lief, von der Zofe gefolgt, auf den Diener zu, der unten im Gang wartete. Der alte Franz wich erschreckt zurück vor dem scheußlichen Vasenzwerg, der da jäh vor ihm auftauchte. Erst an der Stimme erkannte er die junge Herrin. Er stotterte: „Der Herr ist nicht wohl, gnädiges Fräulein möchten nach Hause kommen. Das Auto wartet." Ihre Angst lag jetzt wie ein böses wildes Tier aus der Lauer, wartete darauf, ihr die Pranken ins Herz zu schlagen. Sie fragte atemlos: „Was fehlt dem Vater? Ist schon ein Arzt bei ihm? Mein Kusin ist in einer der Logen, soll er nicht lieber als Arzt mitfaßren?“ Der Diener wich dem Blick aus, der ihn in angstvoller Frage traf und antwortete: „Es ist schon ein Arzt da, ich holte Dr. Munk von gegenüber und der sagte, es wäre keine Hilfe mehr möglich —" Er brach ab, erschreckt darüber, daß er nun doch zuviel gesagt. Eduard Körners Tochter sollte es ja erst zu Hause erfahren: ihr Vater war tot. Lil sah den Diener, der schon seit langen Jahren, schon vor ihrer Geburt, im väterlichen Hause war, entsetzt an und stieß einen gellenden Schrei aus, den man bis auf die Bühne hörte: wie von Furien verfolgt, raste sie zur Ausgangstür. Sie dachte weder daran, ihren Mantel umzuhängen, noch daran, in was für einem grotesken Kostüm sie sich befand. Ihre tolle Angst trieb sie fort. Der Diener folgte so schnell er konnte, aber die Zofe blieb zurück. Sie war der Ansicht, ein Mensch mußte sich doch um Lil Körners wertvollen Pelzmantel kümmern. Lil zog den Diener mit ins Auto hinein, und als es losfuhr, sagte sie mit zitternder Stimme: i -M UND ZWAR..... Astmot-Räucherpu Iver und Cigaretten bringen sofortige Linderung- „Ich habe eine Braut!" krähte der kleine Kerl, „ich will sie euch zeigen. Sie ist wunderschön, die schönste Frau der Welt." Er stolzierte über die Bühne, verrenkte dabei so komisch den Körper, daß ein paar Zuschauer zu lachen begannen. Aus der Bühne stand eine große spanische Wand, dahinter verschwand das Kerlchen, das Lil Körner war, und eine Minute danach stolzierte schon ein weibliches Wesen hinter dem Schirm hervor. In tollbuntem Faltenkleid, das Gesicht — jetzt ohne Maske — komisch bemalt. Zwei dünne weitabstehende kurze Zöpfe wirkten grotesk. Das Mädchen schielte zum Steinerweichen und erzählte von ihrem Liebsten, der sie hier erwarte. Sie redete so ulkiges Zeug zusammen, daß man herzhafter lachte und plötzlich kletterte sie an einer Strickleiter empor, kam von oben in dritter komischer Gestalt zurück. Es war, als ob jede Person, die Lil Körner darstellte, und die alle sehr komisch wirkten, ein anderer Mensch war. Man bestaunte die Wandlungsfähigkeit des jungen Mädchens, die dabei noch Witz um Witz ins Publikum schleuderte und schließlich über Tische und Stühle in tollem Purzelbaumschlagen als Zwerg mit einer riesigen Vase die letzte Verwandlung zeigte. Das Publikum jubelte vor Vergnügen. Die plump täppische und doch so geschickte Weise von Lils Spiel hatte alle in Dann geschlagen. Lauter Beifall lohnte ihr. — Auch Werner hatte herzlich lachen müssen und er freute sich über den Beifall, der Lil zuteil wurde. Seine Mutter aber faß mit verächtlicher Miene da. Er fragte: „Ist Lil nicht großartig gewesen, Mutter?" Ihre Miene wurde noch verächtlicher. „Leider. Für einen wirklichen Clown war sie großartig, für eine junge Dame schien mir alles zu frei und reichlich anstößig, finde ich." Werner Sturm konnte sich jetzt nicht mehr an Lils Erfolg freuen, er sand wieder, die Mutter hatte nicht so ganz unrecht. Er wollte das Gespräch abbrechen und meinte, während Lil sich noch immer auf der Bühne verneigte: „Wo bleibt nur der Onkel? Es muß schon ein sehr triftiger Grund fein, der ihn so lange zurückhält." Lil. berauscht vom Beifall, mußte sich durch eine Ansammlung anderer Mitauftretender drängen, die ihr von den Kulissen aus zugesehen. Ein von der H gen und raste in tollem Lauf durch den Vor> Neuenweg 28 su2d Sonntag, den lo.Zuli, ab abends s Uhr ÄrooB-fioitittf Me-WelMm Dienstag, den 12. Juli 1932, vormittags 11 Mir, sollen auf dem ■v>ofe des Marstallgebaudes, Ma- tbildenvlab 17, dahier, sechs aus- gemusterte Landgestütsbeschäler, 3 Belgier und 3 Oldenburger, öffentlich versteigert werden.!ei;?V Darmstadt, den 7. Juli 1932. SesMe »gefillls-Menton. Hertel. Piano Flügel Harmonium Stimmen. Reparaturen gut. und billig Klavierlechn. Urbas, Gießen, Seltersweg 31. Bekanntmachung^ Die Umlage zur Aufbringung der Kosten der Handwerkskammer für das Rechnungsjahr 1932 ist nunmehr festgesetzt worden. Mit Genehmigung des Herrn Ministers des Innern (Arbeit und Wirtschaft) werden außer einem Stammbeitrag von 6 RM. für jeden Handwerksbetrieb = 24 Rpf. für je 100 RM. Steuerwert des gewerblichen Anlage- und Betriebskapitals erhoben. — Die Zahlung der Umlage hat in vier Zielen zu geschehen, und zwar: 1. Ziel sofort, 2- bis 4. Ziel jeweils bis zum Ende der Monate September und Dezember 1932 und März 1933. 5116C Anforderungszettel werden den Umlage- pflichtigen in Kürze zugestcllt. Gießen, den 6. Juli 1932. Bürgermeisterei Gießen. I. D.: Dr. S e i b. Während der Ferien erneuert man am besten seine Polstermöbel und läßt Matratzen u, Bettwerk aufarbeiten Jetzt ist die Seif für Ofenreparaiuren! 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