'litt y SÄ * v4j UÄw SS » Zb sS- ?M j^ÄT? 6ÄY KM SS.|/b* **S»Ä ’J« ■©njning?^ Z1^_ NÄ^ Bewerber, Utz Sie. l°nf5.114:4.816,$ '■ .ÄQJ ^injrr, In, ’ I-, Id. Steinfurth, V- Pein. ®9»«n,Io. Lang. *”• ®runingin, 80; • 1B. R. Römer, Tn. Tv. ©rüningen, 72- Ich. ®. Diehl, Tn. «n, Xn. Kirchgönz, y- 23. R. Diehl, Tn. iSenberg, E. Rumpf, ^Uer, Tn. Kirchgöns, ®- Ruß, In. Lang. 66; 25. A. Echwenj, Id. Lang-Göns, 64; ", Hans Falk, In. ambach, 63; 28. Hel- fl Wenzel, In. Lang. Briebel, 60; 29. W. - Phil. Alban, In. iinjurth, 58; 31 W. igft, Id. Steinfurth, ; 33. hrch. Walter, 'er, Id. Grüninaen, infurth, 53; 36. Otto 7. D. Düringer, To. "d. Steinfurth, 50. f, 26 Zeverbcr, 24 ‘U.fyo. VufM, gtietocrg, 81; 3. iad), 73; 16. ®crba ; 17. Anna Dem, a. . • Oberstufe ©leger): 1. 3nge im, 73; 2. Anneliese 72; 3. 31fe Hilgen. Üarta Wagner, Id. if, T.-u. 6pv. Gne- >. Gniningen, 55; 9. 54; 13. Marg. Sau« Rarta 3sh:im, Tv. iheim, TV. Srümn- ). Grüningen, Erna itte. i . Unterstufe Sieger); 1. Fnedel heim, 55; 2. 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Eriche,nt täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte (Lietzener Familienblatter Heimat im Bild Die Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM 1.95 Ohne Illustrierte . 1 80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. $em|pred)anfd)lüfft unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach. richten Anzeiger tiefte«. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Neue Notverordnung in Preußen. 3um Ausgleich des Staatshaushalts Einführung der Echlachtsteuer und Kürzung der Beamtengehälter um 5 Prozent für Ledige und Kinderlose, um Prozent für Verheiratete mit Kindern. — Rückzahlung der Abzüge ab 1937. Berlin, 8 Juni. (ENB.) Das preußische Kabinett Hai heule abend die angekündigte neue Notverordnung erlassen. Der Wortlaut der Nolverord- nuug wird morgen veröffentlicht werden. Der Presse teilte Finanzminister Klepper folgendes mit. Bei der tiufftellung bes Etat» für 1932 33 war mit einer Mindereinnahme von 478,6 Millionen Mark gerechnet worden. Davon wurden 207,2 Millionen durch Abstriche am Persona le tat und 169,4 Millionen durch *21 b • striche am Sachetat eingespart sowie 2 Millionen durch Erhöhung des Staatsanteils an den Notariatsgebühren gedeckt. Der Nest von 1OO M.llionen sollte ursprünglich durch die Ausgleichszahlungen des Reichs gedeckt werden. Die Gchlachisteuer. Angesichts des Fortfalles dieser Ausgleichs- Zahlungen hat die preußische Regierung nunmehr in der Notverordnung die Einführung der Schlacht st euer vom 1. Juni d. 3. an beschlossen, die einen Ertrag von rund 90 Millionen erbringen soll Die Schlachtsteuer ist der in Bayern gültigen i Regelung entsprechend den dort julcht vorgenommenen Milderungen nachgebildet Der Finanz- Minister hat die Ermächtigung, die H a u s s ch 1 a ch - tung von Schweinen von der Schlacht- st euer zu befreien, wovon er sofort Gebrauch machen wird. Der Tarif ist im einzelnen b e i Schweinen, die 70 v 5) der Schlachtungen betreffen, folgender: Hausschlachtungen 2 Mark, unter 30 Kilogramm steuerfrei Bon 30 bis 75 Kilogramm ; 5 Mark, von 76 bis 125 Kilogramm 8 Mark, über 125 Kilogramm 10 Mark. Die sächsischen Tarife (dort gilt das Schlachtgewicht) sind vergleichsweise erheblich höher. Im übrigen glaubt der Finanz- minisler nicht, daß die von den Interessentenver | bänden gehegten Befürchtungen gerechtfertigt feien, zumal die in Bayern und Sachsen schon seit längerem bestehende Schlachtsteuer einen wesentlichen Einfluß auf die Preisbildung für den Verbraucher nicht gehabt habe. KürzungderBeamtengehälter Nüdzahlung b r ctnstestaltcncn Avzüqe nach fünf Jahren. Darüber hinaus waren aber zum völligen Aus- \ gleich des Etats noch weitere Maßnahmen notwendig. da im laufenden Etatsjahr mit etwa 5 0 Millionen Minder- aufkominen an Steuern gerechnet wird. Die Notverordnung ficht deshalb eine Kürzung der veamtengehälter in höhe von 5 o. h. für Ledige und kinderlofe ver- ! heiratete und von 2,5 o. h. für Beamte und Angestellte mit Kindern vor. Diese Gehalts- kürzung, die nur vorübergehend sein soll, ist als eine Zwangsanleihe gedacht I und sollnachfünfIahren vom 1. Juli 1937 ab in monatlichen Raten, die dem I monatlichen Abzug entsprechen, wieder zurück- I gezahlt werden. In Todesfällen ist der ganze abgezogene Betrag an die Hinterbliebenen sofort auszuzahlen. I Ebenso erfolgt die sofortige Auszahlung des I gesamten Betrags beim Ausscheiden von Staats- | angestellten und von Beamten unter Fortfall der Derforgungsbezüge. Eine entsprechende Regelung ist den Gemeinden für ihre Beamten und Angestellten oorgefdjrieben worden. Geringere Freigrenze ie Notverordnung ficht weiter zur Sicher- fiung des Etats eine Aenderung der bis- rigen Bestimmungen über die Riedcrschla- una der- H a u s z i n s st e u e r vor, der j ausyaltsvoranschlag hatte für die Hauszins- L / euer einen “Betrag von 540 Millionen Mark vor- I 1 efeben, wobei für Riederschlagungen infolge der I f lrbeitslofigkeit usw. von Mietern 160 Millionen I Rarf bereits in “Xbrcdmung gebracht waren. । 1 )ie Verschärfung der Wirtschaftskrise mußte je- I »x»ch eine höhere Abrechnungssumme 1 [ >efürchten lassen. Durch die nunmehr vorgenom- M/ mene llc&crtDcifung der 160 Millionen Mark an II die Fürsorgeverbände, wodurch praktisch nur IV noch Einkommen in Höhevon 800 statt von 1200 Mark Hauszins st euerfret I bleiben, ist der Ausgleich erreicht und die Haus- I zinssteuereinnahme von netto 540 Millionen gc- I schert. Der Minister erklärte, daß hinsichtlich der K a s - I f e n I a q e Preußens keinerlei Bedenken be- I stehen Die Kassenlage ist für das laufende Etatsiahr I unter allen Umständen f i ch e r g e st e l l t. | Der Minister dementierte, daß Verhandlungen nut I einem Bankenkonsortium stattgefunden hatten i.er I preußische haushalt selbst wird nichtdurchN o l- I Verordnung in Kraft gesetzt, vielmehr denke die preußische Regierung, wie der Minister erklärte, nßcht daran, dem Landtag die Verantwortung hierfür abzunehmen. papens Verhandlungen mit den Parteien in Preußen. Wirb Dir Landtag vor dem 22. Juni lufntnmcntrrtcn ? Berlin, 8 Juni. (ERB.) Zu den Behauptun- gen von Plänen der Reichsregierung, einen Reichskommissar in Preußen einzusetzen, wird von der Reichsregierung mit allem Nachdruck betont, es ist absolut falsch, daß der Reichskanzler und die Reichsregierung auf die Einsetzung eines Reichs- kammifsars in Preußen zusteuern. Im Gegenteil legen Kanzler und Reichsregierung den größten Wert aus die Bildung einer verfassungsmäßigen Regierung in Preußen, und sie sind bereit, an der Bildung einer solchen Regierung mitzuarbeiten. Reichskanzler v. Papen empfing Mitglieder des Vorstandes der preußischen Zentrumsfrak- tion, um ihnen feine Wünsche auf frühere Einberufung des Landtages zum Zwecke der Ministerpräsidentenwahl und zur Klärung der Lage in Preußen zu unterbreiten. Der Reichskanzler brachte die Geneigtheit der Nationalsozialisten und Deutschnationalen zum Ausdruck, mit dem Zentrum in Preußen zulammenzuarbeiten. Nähere Be- dingungen teilte er nicht mit, und so konnten ihm die Vertreter der preußischen Zentrumsfraklion auch keine bindende Antwort geben. Nunmehr hat der Aeltestenrat die Entscheidung, ob der Preußische Landtag vor dem 22. Juni zusammentreten wird oder nicht. Da man in Zen- trumskreisen der Ansicht ist, daß bis Besprechungen mit dem Kanzler keine andere Situation geschaffen haben, hält man auch eine vorherige Einberufung des Landtags für nicht erforber» I i ch Es hängt nunmehr von den Kommunisten ab, ob sie für eine frühere Einberufung eintreten ober nicht. Sinb sie ebenfalls gegen eine solche, bann bleibt es bei bem Datum bes 22. Juni für die nächste Tagung bes Landtags. Wie „Der Angriff" meldet, weilen die nationalsozialistischen Landtagsobgeordneten K e r r l und Aube zur Zeit in München, um mit Adolf Hitler die gesamte Preußensrage nochmals abschließend zu besprechen. 3m Verlauf dieser Besprechung dürste auch entschieden werden, wer von den Nationalsozialisten als Kandidat für den preußischen Ministerpräsidentenposten aufgestellt werden wird. Das Echo der Notverordnung. Erste Bläiierstimmen. “Berlin, 9. Juni. (ERB.) Die neue preußische Aotvcrordnung wird von der .Germania" als eine außerordentlich schmerzliche Maßnahme bezeichnet, die aber anderseits zeige, daß in unseren Tagen die unerläßlichen Finanzmaßnahmen jenseits aller Parteipo'itik lägen, und daß jede “Regierung, mag sie von einer parlamentarischen Mehrheit abhängig sein oder nicht, zu der Vornahme unpopulärer, fast zwangsläu ig vorgezeichneter Finanzmaßnahmen gezwungen sei. — Die .Vossische Zeitung" betont, daß durch die Rotverordnung jeder Vorwand zu einem Eingreifen des Reiches genommen fei, auch wenn die Regierungsverhaidlungen in Preußen nicht zum Erfolge führen sollten. Die preußische Regierung verdiene Hochachtung ob ihrer Courage, mit der sie bemüht sei, ihren Erben ordentlich geführte Bücher und keinerlei Schulden zu hinterlassen. — Der .Vorwärts" siebt die Verantwortung für die .drückenden Maßnahmen" beim Reiche, das seine Schulden nicht bezahle. — Die .D A Z." meint, daß der neue .verschleierte Gehaltsabbau'“ zweifellos bedenkliche Folgen auf wirtschaftlichem Gebiete haben mühte. — Der .T a g" nennt die verfassungsmäßige Berechtigung der Rotverordnung sehr zweifelhaft. Die Frage, ob sie vom Landtag mit Zweidrittelmehrheit aufgehoben werden könne, bedürfe noch sehr eingehender Erörterungen. Es sei Zeit, daß in Preußen wieder Preu- ßische Finanz- und Staatsgrundsähe eingeluhrt werden. Protest gegen die Scblachtsteuer. Wie der Bund derDiehhändlerDeutfch- l a n b 5 mitteilt, hat er einbringlich auf bie außer- ordentlichen Gefahren hingewiesen, bie bie Schlacht- steuer für bie gesamte preußische Viehwirtschaft mit- sichbringt. Die Vieh- und Fleischwirtschast liegt id)on heute nicht zuletzt infolge b e r ü b erhol) t e n Steuern unb Gebühren vollständig darnieder. Die Viehpreife haben einen nie gekannten Tiefstand erreicht, der der Landwirtschaft keine rentable Produktion mehr ermöglicht. Die Einführung einer Schlachtsteuer muß zwangsläufig zu einem weiteren Absinken der Preise führen, bie ber Lanbwirt für sein Vieh erhält. Infolge ber Arbeitslosigkeit unb ber schwachen Kauf- kraft ber Bevölkerung ist bie Unterbringung ber Viehprobuktion nur unter größten Schwierigkeiteiz und zu völlig unzulänglichen Preisen möglich. Die Schlachtsteuer trifft bas Fleischerge, werbe, DieHHandel unb Lanbwirtschaft gleichermaßen. Protest der Beamtenschaft. “Berlin, 8. Juni. (TU.) Die plötzliche von Preußen angeorbnete Gchaltsminderung hat die Beamtenschaft in die größte Aufregung verseht. Der Reichsbund der höheren Beam- t e n, der bereits vor einigen Tagen den Schuh der Reichsregierung „gegen die immer mehr um sich greifende Willkür und Ungleichheit der Beamtenbesoldung" angerufen hatte, forderte in einem Telegramm an den Reichskanz- I e t Einwirkung gegen die Absichten der preußischen Regierung. Ebenfalls will der Landesverband derHöherenBeamtenPreu- h e n s alle Fraktionen des Landtages auffordern, die Schlechtcrftcllung der preußischen Beamten durch sofortige Anträge auf Aushebung dieser Rotoerordnung zu verhindern. Vorbereitungen zumReichslagswahlkamps Das Zentrum zur Lage. Tie Mitveranlworiung für den neuen Äur© wird abgclchnt. Berlin. 8. Juni. (VDZ.) 3n einer Sitzung des Reichsparteivorstandes der Zentrumspartei brachte der Vorsihendc Dr. K a a s zom Ausdruck, dah er nach wie vor in unerschütterlicher Treue zu jenem Mann stehe, der in den letzten Jahren der Exponent des deutschen Volkes gewesen sei. Der Tag werde kommen, wo auch die Männer der heutigen Regierung einsehen würden, daß sie nicht nur einen ilmmeg eingeschlagen hätten, sondern Irrwege gegangen seien. Er habe nirgends einen Zweifel darüber gelassen. daß er die plötzliche Beendigung der Arbeit des Kabinetts Brüning für einen schweren Fehler halte. Diejenigen, die immer nach der Macht gerufen hätten, hätten jetzt auch voll und ganz die Verantwortung übernehmen müssen- Dr. Brüning dankte der Partei für die Unterstützung, die ihm während seiner Kanzlerschaft zuteil geworden ist. und gab einen Bericht über die Ereignisse der letzten Zett. Die Aussprache wurde mit der Annahme einer Entschließung beendet, in der der Reichs- parteivorstand sein unerschütterliches Festhalten an den Grundlagen der Polittk des bisherigen Reichskanzlers Dr. Brüning bekundet. Die Linie der staatsmännischen Aufbauarbeit sei in einem besonders gefahrvollen Augenblick jäh unterbrochen und durch ein Experiment abgelöst worden, für das aus zwingenden Gründen das Zentrum keinerlei Mitverantwortung übernehmen könne. DaS Zentrum führe den Wahlkampf in unabhängiger Stellung. Sem Kampf werde sich gegen diejenigen richten, welche die politisch-parlamentarische Mitverantwortung ab!ebnen zu einer Zeit, in der sie ihre Machtansprüche angemeldet hätten, um Kabinette zu bestimmen und zu zerstören. Das Zentrum wird auch den Kampf gegen Verbände und Bewegungen. die das christlich-religiöse Erbgut des deutschen Volkes unterminieren, weiterführen. Der Parteivorstand fordert alle Parteifreunde auf, in Treue und Tatkraft dafür zu sorgen, daß ein starker, aus allen Volksschichten unterstützter Ordnungsblock als Garant einer sriedlichen und organischen Weiterentwicklung Deutschlands erhalten bleibe. Dazu schreibt die „Deutsche Allgemeine Zeitung" u. a., baß bie Sprache ber Zentrumsentschließung gegenüber bem Kabinett Papen von ben Aeußerungen bes ersten groben Unmuts schon einigermaßen absteche, sei ein Fortichritt. Die Erklärung atme nach w i e vor Opposition. Aber sie lasse bereits bas Zurückfinben zu den alten Traditionen bes Zentrums erkennen. Sie suche bie Entwicklung im Zentrumssinne zu beeinflussen; aber sie verbaue nichts e n b g ü l t i g. Die erste Probe auf bas Erempcl, ob der „Crbnungsblocf” vom Zentrum mit ganzer Kraft angestrebt und ber Verwirklichung zugeführt werbe, biete sich in ber nächsten Woche in Preußen. — Auch bie „B örs e n - Ze i t u n g" stellt fest, baß sich b>e Entschließung in ihrer Stellungnahme gegenüber bem Kabinett o. Papen etwas mehr formelle Zurückhaltung auserlege als es z. B bei ben An- griffen ber Reichstagsfraktion der Fall gewesen sei. ©auleitertag ber NGOAp. Hiller gibt die Nichtlinien für den -Laßlkampf. München, 8. Juni. (TU.) Die Pressestelle der Reichsleitung ber NSDAP, teilt mit: ,In München fanb heute in Anwesenheit Aböls Hiller- unb unter bem Vorsitz bes Reichsorganisationsleiters Gg. Straßer ein Gauleitertag ber NSDAP statt, ber sich insbesondere auch mit der organisatorischen Vorbereitung ber bevor st ehenden Reichstags» wähl befaßte. Adolf Hitler legte in eingehendsten Ausführungen die politischen Richtlinien bar, bie für bie Haltung ber NSDAP, zu der durch den Sturz ber Regierung Brüning neugeschaffenen politischen Lage im Reich unb in ben Landern mafo- gebenb sinb. Er wies aus bie Bebeutung ber Reichs- tagswahl als ber Generalabrechnung bes beutschen Volkes mit ber Politik ber letzten 14 Jahre unb ihrer Träger hin unb trat dabei bem lächerlichen Versuch ber Systemparteien, bie Verantwortlichkeit für biefe Politik von sich abzuweifen, scharf entgegen. Insbesondere kennzeichnete er bann die Erklärung ber Mitglieber des abberufenen Kabinetts Brüning, wonach mit polizeilichen Mitteln allein ben zerfetzenden Kräften in unserem Volke nicht entgegengetreten werden könne, als ein ungewöhnlich dreistes Manöver angesichts ber Tatsache, baß gerade bie Regierung Brüning zwei Jahre lang mit biefen Mitteln bie nationalsozialistische Freiheitsbewegung in ber brutalsten Weise unterdrückt hat. Gegenüber den separatistischen Gerüchten, die durch bie Reben verantwortungsloser bayerischer Politiker genährt werden, gab Adolf Hitler der Auffassung der NSDAP, unb bes ganzen beutschen Volkes bahin Ausbruck, baß jeber Versuch eines Anschlages auf bie Einheit des Deutschen Reiches an dem entschlossenen Widerstand ber nationalsozialistischen Bewegung brechen werbe. Die Ausführungen Adolf Hitlers fanden ihren Niederschlag in der einmütige» Willenskundgebung der Versammelten, bie organisatorische Einheit unb Geschlossenheit ber NSDAP., Ihre innere Kraft unb äußere Kampfbereitschaft nur um so mehr zu stärken, jernehr ber endgültisft' Sieg ber Bewegung in greifbare Nähe gerückt sei. Der Reichswahlleiter, Minister a. D. Dr. Frick, gab anschließenb bie Anweisungen für bie. technische Durchführung ber Wahlvorbereitungen. Der Reichsorganifationslelter Gregor Straßer, der organisatorische Richtlinien im einzelnen gab, stellte für die organisatorische Arbeit der nächsten Zukunft den Leitsatz auf: Die Schlagkräftigkeit der Organisation so zu oervollkoistrnnen, daß keine Macht der Welt mehr die NSDAP, vom Sieg zu trennen vermag." Adolf Hitler spricht im Rundfunk. Berlin, 8 Juni. (ERB.) Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, wird Adolf Hitler am DienStag, 14. Juni, von 19 bis 19 30 Uhr, auf der Deutschen Welle über die Staatsidee deS Rationalsozialismus sprechen. Oie Bolkspariei und der Gammlungsgedanke. Zwei rßctntschc Abgeordnete treten ans. Berlin, 8. Juni. (TU.) Die bisherigen volksparteilichen Reichstagsabgeordneten Hofbesitzer Meyer au Belm und Staatssekretär z D. Schmid (Düsseldorf) sind aus der Deutschen Volkspartei ausgetreten. Sie begründen ihren Dckritt damit, daß der Partei- vorsihende Dingeldey vor den Parteiinstcnrzen die Partei preisgegeben und sich aus denDer- such einer neuen Parteigründung fest gelegt habe. Ein derartiger Versuch sei aber gegenwärtig a u S sich t s l o S und gefährde lediglich durch Dtimmenzersplitterung ben Wahlsieg der nationalen Sache Die beiden Ab- geortmeten richteten zugleich an ihre Freunde im Lande die Aufforderung, sich bei der kommenden Reichstagswahl unter Zurückstellung aller früheren Gegensätze und persönlichen Voreingenommenheiten mit ihnen in der Deutschnationalen Volkspartei zu sammeln, die in der nationalen Front neben der großen Rationalsozia- listischen “Bemegimg allein noch Lebenskraft besitze und als die Heimat des nationalen Bürgertums einen unentbehrlichen Faktor unseres öffentlichen Lebens bedeute. Der Führer der Volkspartei, Dingeldey, erklärte auf Anfrage hierzu, daß ihm von einem derartigen Schritt der beiden Abgeordneten zwar noch nichts bekannt sei, daß er ihn aber für durchaus möglich hatte. Im übrigen entspreche es nicht ben Totlachen, baß er bie Volkspartei preisgegeben habe. Er habe nur ben Stanbpunkt oertreten, daß es wünschenswert wäre, wenn die verschiedenen bürgerlichen Parteien einschließlich der Deutschnationalen Partei sich zu einer großen bürgerlichen Partei zusammenschlösfen, daß aber ein bedingungsloses Aufgehen der Volkspartei in ber Deutschnationalen Partei n i ch t w ü n- schenswert fei, weil bann große Teile bes Bürgertums nicht mitgehen würben. — Die Pressestelle ber Deutschen Volkspartei teilt ferner mit: Die Austrittserklärung der früheren Abg. Meyer zu Belm und Schmid (Düsseldorf- kommt nicht überraschend, zumal mit ber Wiederaus ft el- lung veider Herren bei den Neuwahlen nicht zu rechnen war. Auf die Organisation der DVP. bleibt dieser Schritt aber ohne jede Wirkung. Die letzten Beratungen der führenden Persönlichkeiten der Partei aus dem ganzen Reiche haben ergeben, daß sichalleihreTeilemitderZiel- setzung der Partei st ellung einig wissen. Diese gehe dahin, einen möglich st vollständi- gen Zusammenschluß des nationalen Bürgertums zu erreichen, wobei die politischen Grundlagen der DBP. gewahrt bleiben müssen. Alle Wahlkreise und Ortsgruppen der DBP. sind gewillt, dieses Ziel durch geschlossenes Vorgehen gemeinsam mit der Parteileitung zu erreichen, nicht aber durch etwaige Sonderaktionen oder persönliche Rücksichten stören zu lassen. Reich und Länder. Welche Verfaffungsrcforrnpläne hat das neue Kabinett? München, 8. Juni. (TU.) Der neue Reichsjustizminister Dr. G ü r t n e r gab der „München- Augsburger Abendzeitung" Gelegenheit zu einer Unterredung, in der u. a. über die Ansichten der Reichsregierung-über den Fragenkomplex „Reich und Länder" gesprochen wurde. Der Minister erklärte u. a., daß von der Reichsregierung selbst- verständlick keinerlei Reformenim Sinne einer Abwürgung der Länder beabsichtigt sein würden. Woran man denke, sei die sogenannte „Gleichschaltung" von Reich und Preußen, wobei eine Aufnahme des preußischen Ministerpräsidenten in die Reichsregierung möglich sei. Ob aber diese Mitgliedschaft mit einer Vereinigung von Ministerposten im Reick und in Preußen verbunden sein würde, sei noch eine offene Frage. Beginn der Memelverhandlungen im Haag. Hakg, 8. Juni. (WTB.) Vor dem Ständigen In- ternationalen Gerichtshof begannen die öffentlichmündlichen Verhandlungen im Memelstreit. Am Tisch der einen Prozeßpartei nahm für Frank- re i ch der juristische Berater des Quai d'Orsay Prof. Basdevant, für I t a l i e n der italienische Kronjurist Pilotti, für England der englische Kronjurist Sir William Malkin und für Japan dessen Gesandter im Haag Matlumaga Platz; für die andere Partei ist der litauische Gesandte in London Sidsi» k a u s k a s erschienen. Die Sitzung wurde vom Vizepräsidenten Guerrero (San Salvador) eröffnet. Der englische Vertreter erhielt das Wort zu seinem Plädoyer für die klägerische Partei. Er betonte, daß das Memelstatut nicht einseitig durch Litauen cchge- ändert oder durch litauische Gesetze oder Verordnungen abgelöst werden könne. Eine Abänderung könne lediglich aus Antrag des Memeler Landtags stattfinden. Daher könne sich die litauische Regierung für ihr Verhalten gegenüber dem Präsidenten des Direktoriums bzw. dem Memeler Landtag nicht auf ihre eigene Gesetzgebung berufen. Die englische Regierung sei, unbeschadet ihrer Auffassung, daß Präsident Böttcher bei seiner Reise nach Berlin außerordentlich unklug gehandelt habe, der Ansicht, daß die sechs Wochen nach seiner Reise erfolgte Absetzung keineswegs durch die vorangegangenen Vorfälle gerechtfertigt sei. Diese Vorfälle hätten durchaus nicht den ernsten Charakter gehabt, den die litauische Regierung ihnen beigelegt' habe. Der litauische Präsident habe kein Recht zur Absetzung des Direktorium. Die Vertreter der übrigen Signatarmächte schlossen sich den Darlegungen des englischen Vertreters an. Hierauf stellte der Vertreter Litauens, Gesandter Sidsikauskas, den Antrag, ihm eine dreitägige Frist zur Beantwortung der Ausführungen der Gegenpartei zuzubilligen. Der Gerichtshof hat diesem Antrag stattgegeben. Amerika gegen jede Gchuldenstreichung Schulden und Reparationen haben nichts miteinander zu tun. Washington, 8. Juni. (TU.) Das Staatsdepartement wendet sich in einer Erklärung erneut gegen die Streichung der Kriegsschulden. In der Erklärung heißt es, die amerikanische Regierung hat stets darauf hingewiesen, daß sie m i t den Reparationen nichts zu tun habe und die Lösung dieser Frage den beteiligten Mächten überlassen müsse, die jetzt in Lausanne hoffentlich zu einer Einigung gelangen werden. Das Staatsdepartement hat stets die Schwierigkeit des internationalen Schuldenproblems betont, da der Bundeskongreß sich im Dezember des Jahres 1931 in einer gemeinsamen Entschließung beider Häuser gegen eine Ermäßigung oder Streichung der Schulden der Alliierten ausgesprochen habe Das Staatsdepartement hat ferner stets darauf hingewiesen, daß bei Streichung der interalliierten Schulden Amerika auf alles verzichten und nichts erhalten würde. Mit anderen Worten, das amerikanische Volk solle zu den eigenen Lasten auch noch den Löwenanteil der Kriegskosten der Alliierten übernehmen. Eine derartige Reaelung würde keineswegs der amerikanischen Auffassung entsprechen. Der amerikanische Standpunkt gehe dahin, daß eine Streichung der Reparationen durch die europäischen Staaten die amerikanische Regierung nicht verpflichtet, auch die Schulden zu streichen. Vom Staatsdepartement wird betont, daß dieser Standpunkt allen an der Lausanner Konferenz interessierten Regierungen bekanntgegeben worden sei. Oie Bauern in Sowjeirußland. .Moskau (über Kowno), 8. Juni. (TU.) Wie amtlich gemeldet wird, hat sich in Baku ein Fall abgespielt, der die größte Aufmerksamkeit der Sowjetregierung und des Hauptvollzugsausschusses der kommunistischen Partei auf sich gelenkt hat. Mehrere Abteilungen der berittenen Polizei haben ganz plötzlich auf dem Freien Markt in Baku, auf dem die Bauern ihre Lebensmittel zu freien Preisen verkaufen dürfen, die Händler und Käufer auseinandergetrieben. Ein Schwarm berittener Sowjetmiliz hat bei den Bauern sämtliche Lebensmittel beschlagnahmt und über 100 Verhaftungen vorgeyommen. Verschiedene Behörden haben sofort beim Vollzugsausschuß schärfsten Einspruch erhoben, auf dessen Anordnung dann die gesamte Leitung der Bakuer Miliz verhaftet und von ihrem Dienst enthoben wurde. Im amtlichen Bericht heißt es u. a., die Beamten hätten die Befugnisse überschrit-1 Mcdmald zum Wochenendbesuch in Paris erwarlei England beurteilt die Aussichten für Lausanne günstiger. Paris, 8. 3uni. (111.) Das französische' Außenministerium veröffentlicht folgende amtliche INittei- lung: Der britische Ministerpräsident Macdo- n a l d und Außenminister Simon werden am Samstagabend in Paris eintreffen, wo sie den Sonntag zu verbringen gedenken. Die englischen Staatsmänner werden die Gelegenheit benutzen, um sich mit Ministerpräsident herriol über die beide Länder interessierenden Probleme zu unterhalten. Der britische Botschafter Lord Tyrrell hat dem Ministerpräsidenten herriot folgendes Telegramm des Außenministers Simon übergeben: „Ich bitte, den Ministerpräsidenten herriot zu verständigen, daß der britische Außenminister und ich uns glücklich schätzen, die französische Einladung anzunehmen. Wir haben feine Erklärung inder Kammer mit Befriedigung gelesen und sind überzeugt, daß der geplante direkte Meinungsaustausch wesentlich dazu beitragen wird, den Weg für eine befriedigende Lösung in bezug auf die Probleme, die in Genf und Lausanne behandelt werden, vorzubereiten." Nach einer Meldung aus London soll das Programm der englischen Regierung für die Reparationsregelung in Lausanne folgende drei Möglichkeiten vorsehen: 1. Die vollkommene und einfache Streichung der Reparationen, die im Prinzip immer die englische These gewesen sei, 2. eine reduzierte Schlvhzahlung Deutschlands, wodurch die Reparationen ein und für allemal abgelöst werden sollen, 3. ein sehr langfristiges Moratorium für Deutschland, nach dessen Ablauf das Reich in stark vermindertem Umfange feine Zahlungen wiederaufnehmen soll. „Matin" berichtet ferner, daß Macdonald die Absicht habe, herriot den Vorschlag zu machen, die Lausanner Konferenz nach der Aussprache über die Reparationsfrage zu vertagen und die Arbeiten entweder in der Schweiz oder in London zur Prüfung des zweiten Teils der Tagesordnung zu einem Zeitpunkt wieder aufzunehmen, an dem es den vereinigten Staaten möglich fein werde, Delegierte zu empfangen. Die „Times" bemerkt, daß Herriot die A b - rüstungnicht von irgend einem besonderen Plan abhängig gemacht habe. In dieser Hinsicht unterscheide sich Herriots Haltung von der seiner Vorgänger, was man in England begrüßen werde. Besonders Ententen und Bündnisse verstießen gegen den Völkerbundsgeist. Es sei ferner -mehr als einmal der englischen Regierung sehr unangenehm gewesen, wenn eine französische Regierung auf dem Standpunkt gestanden habe, daß FrankreichundEnglandanjedeFrage gemeinsam Herangehen müßten, nachdem schon vorher eine gemeinsame Auffassung gefunden worden sei. Dies führe dazu, daß die anderen Mächte weniger entgegenkommend seien. Englands Politik bestehe darin, wohlwollend Ab st and zu halten, was jedoch nicht ausschließe, daß in Sonderfällen eine Verständigung mit einem Lande notwendig fein könnte. Herriot habe diese englische Auffassung richtig verstanden, wenn er nicht auf besondere Freundschaften hinziele, sondern seine Bereitschaft zu gemeinsamer Wiederaufbauarbeit angeboten habe. Zu den Aeußerungen Herriots über die Reparationsfrage sagt das Blatt, daß Herriot Festigkeit, aber auch Verständnis gezeigt habe. Die Anerkennung der Schulden fei notwendig, auch wenn sie nicht bezahlt würden. Die Ansicht, daß Abänderungen nur durch gegenseitiges Abkommen und nicht durch einseitige Erklärungen vorweg genommen werden dürften, fei richtig. Es müsse ein Kompromiß für die Ein st ellung der Zahlungen gefunden werden. Die Zahlungsverpflichtung dürfe nicht abgelehnt werden. Wenn man die Erklärungen Herriots mit denen Neuraths vergleiche, so verbessere sich die Aussicht auf ein Abkommen in Lausanne. Ein Erfolg in Lausanne würde /ine nütz- liche, ein Mißerfolg eine vernichtende Wirkung auf die Verhandlungen von Genf, Ottawa und London haben. Die Landtagswahl in Hessen. Deuischnationale Volkspartei und „Rationale Einheitsliste". Die Landespreffestelle der Deutschnationalen Volkspartei schreibt uns: Ein Mitglied der Deutschen Volkspartei überreichte uns ein Rundschreiben des Landesverbandes Hessen der Deutschen Volkspartei vom 29. Mai 1932. Weil dieses Rundschreiben „An alle Mitglieder" als vertraulich gilt, sehen wir von einer Veröffentlichung ab. Da es aber eine Reihe unrichtiger Behauptungen enthält und vor allem wiederum den Absagebrief des Vorsitzenden der Deutsch- nationalen Volkspartei in Hessen an den „Ausschuß für bürgerliche Sammlung" erwähnt und angreift, übergeben wir diesen Brief der Oeffentlichkeit. In dem Schreiben heißt es: „Die Parteien der Mitte hatten schon bei der letzten Reichstagswahl starke Einbuße an Wählern und Mandaten zu verzeichnen. Bei den letzten Landtagswahlen, insbesondere in Preußen und Bayern haben sie, unter Berücksichtigung ihres früheren Bestandes, sogar vernichtende Niederlagen erlitten. Ferner sind die Versuche, wie sie z. B. Graf Westarp gemacht hat, eine neue Sammlungsaktion einzuleiten, völlig fehlgeschlagen. Diese Vorgänge zwingen zu dem Schluß — mag man zu den einzelnen Parteien stehen, wie man will —, daß die Wählerschaft kein Vertrauen mehr zu den Mittelparteien und insbesondere zu Samm- lungsvorschlägen hat. Von dieser Tatsache muß man ausgehen, wenn man praktische Politik treiben will. Die Deutschnationale Volkspartei, die heute weniger denn je eine Mittelpartei ist, hat in der Vergangenheit zweimal den Versuch gemacht, trotz der Warnungen einer Anzahl ihrer Führer, insbesondere Hugenbergs, in der Regierung mitzuarbeiten, in dem Glauben, die Regierungspolitik maßgebend in ihrem Sinne beeinflussen zu können. Beide Male schlug der Versuch fehl. Die auf Kompromißpolitik eingestellte Gruppe schied dann aus der Partei aus und hat es bei der darauf folgenden Reichstagswahl und erst recht bei den letzten Landtagswahlen nicht vermocht, auch nur ein Mandat aus eigener Kraft zu erlangen. Auch dieses Beispiel muß von einem erneuten Sammlungsversuch abschrecken. Verstärkt werden unsere Bedenken durch die Lieberzeugung, daß die auf einer bürgerlichen Einheitsliste gewählten Abgeordneten, also die von Ihnen vorgesehene bürgerliche Fraktion im Landtag niemals eine gedeihliche Arbeit leisten werden können, weil in ihr Kräfte zusammen- gefaßt find, die weltanschaulich stark ausein- anderstreben. Auch die Ausübung eines Fraktionszwanges halten wir bei den gegebenen Verhältnissen für unmöglich. Seitdem die Partei unter der Leitung von Hugenberg steht, hat sie wieder an Stärke und Ansehen gewonnen. Sie würde dieser ihrer Entwicklung und damit auch der Stellung der bürgerlichen Wählerschaft überhaupt einen schweren Schlag versehen, wenn sie sich jetzt ihrerseits auf eine der von Ihnen vorgeschlagenen Art „Sammlungspolitik" einliehe. Zahlreiche uns in den letzten Tagen aus Stadt und Land, und zwar auch aus Kreisen, die uns seither fernstanden, zugegangenen eindringlichen Warnungen bestätigen uns die Dichtigkeit unseres Vorgehens. Llnserer Partei sind alle Elemente willkommen, die auf den Boden des nationalen Widerstandes und der Bekämpfung des Marxismus treten wollen. Daher können wir uns eine Sammlung nur in der Weise denken, daß die Mittelparteien von der Aufstellung eigener Kandidatenlisten ab- sehen und ihre Wähler auffordern, für die Deutschnationale Liste einzutreten. Ist dieser Wille bei den Mittelparteien vorhanden, dann sind wir gerne bereit, in bezug auf die Personenauswahl berechtigten Wünschen entgegenzukommen." Minister Leuschner im Gerichtssaal tätlich angegriffen. Darmstadt. 8. 3uni. 3n einem Schnellgerichtsverfahren gegen den Kaufmann Berg- ft räß er und den Drogisten Horstmann wegen Beleidigung des 3nnenministers gab es zu Beginn der Sitzung eine erregte S&ene. Minister Leusch- n e r, der als Zeuge geladen war, wurde plötzlich von einer Frau miteinemStock aus den Kopf geschlagen, so daß eine blutende Verletzung entstand. Die Frau wurde von der Polizei sistiert. 3n der Verhandlung wurden die beiden Angeklagten, die in der Dacht vom Samstag auf Sonntag den Minister und dessen Frau in der Straßenbahn von Eberstadt nach Darmstadt gehänselt und dann beleidigt hatten, gemäß dem Antrag des Staatsanwalts zu je zwei MonatenGefängnis verurteilt. Dem Minister wurde außerdem Publikationsbefugnis in den Darmstädter Zeitungen zugesprvchen. Minister Leuschner bekundete als Zeuge, daß es wohl die übelste Hetze gewesen fei, die er je erlebt habe. 3n ber Llrteilsbegründung betonte der Vorsitzende, die jungen Leute hätten ihr zahlenmäßiges Liebergewicht in einer unschönen, ja feigen Weise ausgenutzt. Oer frühere Abgeordnete Buttler verurteilt. Darmstadt, 8.Juni. (WSN.) Vor dem Schöffengericht Darmstadt hatten sich die bisherigen nationalsozialistischen Landtagsabgeordneten Joses Buttler und Kern aus Eberstadt wegen Vergehens gegen das Schußwaffengesetz zu verantworten. — Wie bekannt, wurde Buttler am Abend des 15. Februar auf der Modau- brücke in Eberstadt mit einer Schußverletzung in der rechten Hüste aufgefunden. Das Gericht gelangte insbesondere auf Grund des Gutachtens der Frankfurter Sachverständigen Professor Popp und Dr. Hans Popp zu der Ueberzeugung, daß sich Buttler ohne Zweifel selb st den Schuß beigebracht haben müsse. Vervollständigt wurden die Indizienbeweise durch das auch heute vor Gericht wiederholte Geständnis des nationalsozialistischen Landtagsabgeordneten Kern aus Eberstadt, daß er d i e von Buttler benutzte Waffe an diesen verkauft habe. Buttler wurde wegen Erwerbs der Waffe zu 50 Mark Geldstrafe und wegen unerlaubten Führens der Waffe zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Kern erhielt wegen Verkaufs der Waffe an Buttler 30 Mark Geldstrafe. t e n und die Partei und die Regierung könnten sich solche Uebergriffe nicht l e i st e n. Kleine politische Nachrichten. Am Samstagoormittag wird der Reichskanzler die Vereinigten Ausschüsse des Reichsrates in Anwesenheit der Ministerpräsidenten der größeren Länder zu einer Besprechung über die allgemeine politische Lage und die zu erwartenden Notverordnungen empfangen. • Die Stadt Duisburg-Hamborn ist zur Zeit nicht in der Lage, die am 1.3uni fälligen Zinsscheine der 7-Millionen-Reichsmark°An- leihe von 1928 einzulösen. Alle vorhandenen flüssigen Mittel müssen im Augenblick für die Wohlfahrtspflege bereitgehalten werden. Die Stadt hofft, daß ihr vorn Reich und Land Hilfe zuteil wird. Der Fehlbetrag im Haushaltsplan der Stadt Köln, der in der nächsten Woche den Stadtverordneten unterbreitet werden soll, beläuft sich auf rund 25 Millionen Mark. 3n den Haushaltsplan ist kein Zuschuß des Reiches eingesetzt. 3n einer geheimen Stadtverordnetensitzung wurde mit großer Mehrheit (gegen zwei Rationalsozialisten und 'einem Kommunisten) die Vorlage des Magistrats, dem ehemaligen Reichskanzler Dr. Brüning das Ehrenbürgerrecht derStadtMünsterzu verleihen, angenommen. Das badische Staatsministerium hat soeben folgende Verordnung erlassen: Die Verordnung des Staatsministeriums vom 21. Juli 1923 über dis Bestimmung des 11. August (Reichsverfassungstag) als gebotener Festtag wird aufgehoben. Die nationalsozialistische Fraktion der Bremischen Bürgerschaft hat einen Dringlichkeitsantrag eingebrachl, worin mit Rücksicht auf die Men- derung des politischen Willens der Bevölkerung die sofortige Auflösung der Bürgerschaft gefordert wird. Der Bundesvorstand des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold hat beschlossen, gegen den früheren Ersten Dundesvorsitzenden, Oberpräsident z. D. H ö r s i n g, sowie gegen drei weitere Mitglieder des Reichsbanners das Ausschlußverfahren einzuleiten. Zum Stellvertreter des jetzigen Ersten Bundesvorsitzenden Karl Höltermann wurde der Reichstagsabgeordnete Gustav Ferl (Magdeburg) gewählt. Aus aller Welt. Deutscher Flottenbesuch in Stockholm. Bom 11. bis 17.3uni findet ein Besuch deutscher Kriegsschiffe in Stockholm statt, an dem der Kreuzer „Königsberg", das Torpedoboot „Seeadler" und die 4. Torpedoboothalbflottille teilnehmen. An Bord des Kreuzers „Königsberg" befindet sich der Befehlshaber der Aufklärungsstreitkräfte Konteradmiral A l - brecht, auf dem Torpedoboot „Seeadler" de« Ches der 2. Torpedobootsflottille, Fregattenkapitän M o o h, Kommandant des Kreuzers „Königsberg" ist Fregattenkapitän Den sch. Die 4. Torpedoboothalbflottille besteht aus vier Booten und wird geführt von dem Halbflottillenchef, Korvettenkapitän Stande (Halbflottillenboot, Torpedoboot „Albatros"). Profesfor Piccard steigt in Zürich zum zweilcy Stratosphärenflug auf. Lleberraschend erschienen Schweizer Herren mit Möbelwagen im Auftrage von Professor Piccard, um den kompletten Höhenballon, der bisher bei foer Ballonfabrik Riedinge e in Augsburg lagerte, abzuholen. Profesfor Piccard hat sich nach eingehendem Studium der örtlichen Verhältnisse entschlossen, den zweiten Stratosphärenflug von Zürich aus zu unternehmen. Der Ballon wird unter belgischer Flagge unb unter der Führung von Professor Piccard selbst in Begleitung des belgischen Physikers Coshns aufsteigen. Für das Datum des Aufstiegs sind die Witterungsverhältnisse ausschlaggeberck». Als Startplatz ist der Sportplatz der Graßhop- pers bei Zürich in Aussicht genommen. Professor Piccard hofft, daß er in der Stratosphäre eine Windströmung von Rord nach Süd antrifft, um mit dem Ballon die Alpen zu überfliegen und i n der Pv- Ebene zu landen. vom Deutschen Merkmeislerverband. Der Deutsche Werkmeisteroerband, Sitz Düsseldorf, die älteste und größte Organisation der technischen Betriebsangestellten, hat soeben seinen Geschäftsbericht herausgegeben. Der wirtschaftliche Niedergang hat die Mitgliederbewegung relativ gering beeinträchtigt. Ziemlich groß ist aber die Zahl der stellenlosen Mitglieder. Zu Ende der Berichtszeit wurden 18 800 gezählt. Dementsprechend ist auch die Ausgabe für Unterstützungen gestiegen. Werden die Leistungen der Nebeneinrichtungen hinzugerechnet — der Verband hat eine Sterbekasse, einen Brandoersicherungsverein und eine Berufskrankenkasse, Ersatzkasse —, so ergibt sich für die Jahre 1930/31 eine Gesamtausgabe von über 16,5 Millionen Mark, die den Mitgliedern wieder zugeflossen sind. 110 000 Auskünfte über alle möglichen Rechtsgebiete wurden erteilt. Auch die Bildungs- beftrebungen der Mitglieder wurden gefördert durch Veranstaltung beruflichfachlicher-, wirtschaftlicher-, arbeitsrechtlicher- und Sozialversicherungs-Kurse im ganzen Reichsgebiet. Vom 11. bis 13. Juni hält der Verband seinen 30. Verbandstag in Mannheim ab. In Verbindung damit findet eine große öffentliche Kundgebung statt, an der mehrere taufend Werkmeister aus Südwestdeutschland teilnehmen werden. Giftschmuggler vor Gericht. Dor dem Erweiterten Schöffengericht Dürnberg begann ein Kokain- und Salvarsan-Prozeß gegen neun Angeklagte, £>ie geglaubt hatten, durch den Schleichhandel mit diesen Mitteln leicht zu Geld kommen zu können. Die allermeisten von ihnen sind aber nicht nur finanziell schwer geschädigt worden, sondern müssen jetzt auch nod) Gefängnisstrafen gewärtigen, da die Sache rechtzeitig auf gedeckt werden konnte. 3m übrigen gelang es den Angeklagten gar nicht, sich echtes Kokain bzw. Sal- varsan zu verschaffen; ihre Lieferanten verkauften ihnen nämlich für gutes Geld meist wertlos e Mischungen aus Kokain und Borax bzw. wertlosen Oder statt Salvarsan, der natürlich trotz großer Reisen nirgends abgeseht werden konnte. Zwei Jahre Gefängnis für eine Rabenmutter. Wegen Kindestötung wurde vom Schwurgericht | Deuwied die Ehefrau Schlosser aus Brühldors bei Kirchen a. d. Sieg zu zwei 3ahren Gefängnis verurteilt. Als der Mann der Angeklagten im 3ahre 1929 nach Amerika auswanderte und sie lange nichts von ihm gehört hatte, ging sie ein Verhältn s mit einem anderen Manne ein. Am 4. März 1932 schenkte sie in aller Heimlichkeit einem Kind das Leben. Sie setzte in den kalten Morgenstunden das Kind zunächst etwa eine Stunde hinter dem Hause aus, schickte ihre beiden anderen Kinder zur Schule und warf dann das Deugeborene, das, wie die Angeklagte angab, inzwischen gestorben war, in die 3auch e g r u b e. 3hr eigener Vater fand das Kind im April in der Grube und erstattete, ohne zu ahnen, daß es das Kind seiner Tochter war, sofort Anzeige. Das Gericht machte die Feststellung, daß das Kind bei der Geburt gelebt hatte. Ein Vater von elf Kindern tödlich verunglückt. Ein Bauunternehmer, der auf einem Fahrrad nach Hause fahren wollte, wurde auf der Land- straße bei Düsseldorf von einem Kraftwagen ü b e r f a h r e n. Der Verunglückte, der etwa 50 Meter von dem Auto mitgeschleift wurde, war sofort tot. Er hinterläßt 11 Kinder. Das Schuldkonto einer Räuberbande. 3n DowiBetschej in der Wojwodina wurden Untaten einer Räuberbande aufgedeckt, die in der Kriminalgeschichte beispiellos dastehen dürsten. Es wurde festgestellt, daß die Bande mindestens 86 Morde verübt hat. Die meisten Opfer wurden erschossen, acht Personen erschlagen. Die Verbrechen reichen bis in die Zeit des Umsturzes zurück. Auf Grund von Zeugenaussagen wurdet» ü? X^r^x9 Deilein einer Gerichtskommiffion Gräber der Sd^Iagenen geöffnet. 5he Zerjte stellten an den Skeletten fest, daß den -P/ern b 1 • adel zertrümmert und die Rrppen gebrochen worden sind. BiS jetzt wurden s? so ne n verhaftet, davon wurden allerdings 57 wieder auf freien Fuß gesetzt. Ein Mörder wünscht seine Hinrichtung. Der wegen Morde» an den Zigarettenha ndler xrieoel vom Dresdener Schwurgerrcht zum Tode verurteilte Arbeiter Pogaemk hat seinem Verteidiger mtigeteih, daß er ein Gnadengesuch ab* lehne und Vollstreckung de» Todesurteils wünsche Ein ähnlicher Fall, daß ein Mörder seine Hinrichtung wünschte, ereignete sich vor vielen Jahren bei einem Dersicherungsmöroer Zimmermann, der zum Tode verurteilt worden war und der den gleichen Wunsch äußerte. Da» Gesamt* Ministerium hat damals den Marder gegen sei* neu Willen begnadigt. Auch bei Pogaenik Durfte nach sächsischem Brauch ebenso versah* r e n werden. Drei Arbeiter ertrunken. 2ln Zwickau sind drei Arbeiter vom städtischen Fluhbauamt. die oberhalb der Stadt aus der Mulde DermessungSarbeiten vornahmen. in da- Wasser gestürzt und ertrunken. Die Arbeiter versuchten sich durch Schwimmen Au retten, die starke Strömung trieb sie aber ab. 2hrc Leichen konnten noch nicht geborgen werden. JJeffor (Blanacli», Aegnvtens Zigarrttenkönig f. Nestor GianacliS. beifen Name durch die von seiner Firma hergestellten ägyptischen Zigaretten m der ganzen Welt bekannt ist. ist im Alter v,n 94 Jahren gestorben. 5ech» Personen bei einem Brande erstickt. Bei dem Brande eine» Hauses kamen in Bagdad heute eine Mutter und ihre fünf Töchter im Alter von drei bis zwölf Jahren durch Ersticken ums Leben. Sie hatten sich in den Keller des Hauses geflüchtet. Dem erblindeten Vater gelang es, sich zu retten. Aus der Provinzialhauptfladt. Diehen, den 9. Juni 1932. Gefährliche Sparsamkeit. 3n einer Privatgesellschaft ereignete sich neulich folgender Donal!: Beim Anzünden einer Zigarre sprang einem der Döste die Kuppe deS flammenden Streichholzes inS Auge und brannte eine Delle in den unteren Teil der Hornhaut. Aun ist kaum ein Teil deS AugeS so empfindlich wie gerade die Hornhaut, und daS gescheiteste wäre gewesen, der Verletzte hätte sofort einen Augenarzt ausgesucht. Gr wollte wohl aber die Gesellschaft nicht verlassen, um die Stimmung nicht zu stören, zudem erklärte ihm die liebenswürdige Hausfrau, daß sie eine wunderschöne Hausapotheke habe und ihm sofort helfen könne. Der hilflose Patient war auch damit einverstanden. llnb richtig fand sich zwischen Düchschen, Schachteln und Fläschchen eine ar obere Flasche, auf deren Etikett stand: Zum Kühlen der Augen, Dor Jahren hatte der Hausherr mal eine Entzündung der Lider gehabt, und daS Augenwasser hatte ihm ausgezeichnet und rasch geholfen. Ein bißchen kurpfuschen alle Frauen gern, daS entspringt dem Urtrieb ihrer Mütterlichkeit und Hilfsbereitschaft. In den meisten Fällen möchte man allerdings wünschen, sie gingen beim Verarzten etwas vorsichtiger zu Werke. Bei dem oben geschilderten Vorfall war daS Aug.nw sser di r ) \ hr lang:s Stehrn im Sch a k in Zersetzung übcrgcguiigen, und die Folge war, daß die verletzte Hornhaut deS Betroffenen sich milchweiß um die Delle trübte. Statt rascher Hilfe mußte der Patient nun viele Wochen lang xuxn Arzt gehen, ehe er seine Sehfähigkeit wiedererlangte. Die kleine Geschichte lehrt uns, daß eine gut- eingerichtete Hausapotheke eine äußerst praktische Angelegenheit sein kann. Heftpflaster, Watte, Mull und einige Binden, essigsaure Tonerde, eine Jodlösung und die in jedem HauShalt bekannten Medikamente sollen stetS vorrätig gehalten werden. Auch bei auf Vorrat gehaltenem Tee, bei Salben, wie Vaseline und Borsalbe, besteht wegen ihrer Ungiftigkeit keinerlei Gefahr, daß sie Schaden anrichten könnten. Anders aber ist eS bei vom Arzt verschriebenen Medizinen, die ihren Dienst erfüllt Haven und nun gleichfalls in die Hausapotheke wandern, well man sich aus Sparsamkeitsgründen nicht von ihnen trennen kann. Sie find meist gegen ganz spezifische Krankheiten verordnet, die zu erkennen eben nur Aufgabe deS ArzteS war. Wieviel Schaden ist schon durch solche alten Medizinen angerichtet worden. Ganz gefährlich ist es aber. Gifte auf^lheben (so finden sich in den Hausapotheken oft Tropffläschchen mit Atropin und ähnlichen Substanzen, deren Bedeutung die Hausfrau nicht k.ennt oder vergessen hat, wenn sich auf dem Etikett die Aufschrift deS Apothekers verwischt hat). Darum fort mit allen Resten gebrauchter MedizinenI Die Unkosten einer ärztlichen Konsultation und die eineS neu angefertigten Rezeptes wiegen die höheren Unkosten nach unfad?g:mäb:r Behandlung um e n Vielfaches auf. Feuerwehr und Cxmifdter »erben. -Die Gießener Feuerwehren und die Freiwillige sanitätskolonne vom Raten Kreuz führten gestern abend unter Mimahme ihrer Gerate einen Derbe- marsch durch Zahlreiche Straßen aus, der allenthalben die starke Aufmerksamkeit der Bevölkerung sand. An der Spitze de» eindrucksvollen Zuges fuhren die beiden großen Feuerläschfahrzeuge der Berus»* feuer wehr. Anschließend folgte die Gaiksche Feuerwehr in Stärke von 45 Mann, der sich die freiwillige Eanitätskolonne vom Roten Kreuz mit ihren vielseitig ausgerüsteten Fahrzeugen und .50 Mann anschloß. Den Abschluß de» Zuge» bildete die GießenerFreiwillige Feuerwedr mit rund 120 Mann und zahlreichen Geräten, an der Spitze den Spielmannszug und die erst seit kurzer Zeit bestehende Feuerwehr.Musik- kapelle. 3m Anschluß an den Derbcmarsch fand, nachdem die Geräte wieder an Ort und Stelle verbracht worden waren, im Cafä Leib ein gemütliche» kameradschaftliches Beisammensein statt, in dessen Verlauf Stadtbranddirektor Braubach, Kommandant Wenzel von der Gießener Freiwilligen Feuerwehr und Kolonnenführer Kratz von der Freiwilligen Sanitatskolonnc vom Roten Kreuz kurze Ansprachen hielten, in denen sie das gute ta* meradschaslliche Zusammenwirken zwischen Feuerwehr und «anitätem mit Genugtuung betonten und zu weiterer reger Arbeit auf den bewährten Bahnen aufforderten. Durch die Geschlossenheit diese» imposanten Werbe- morsche» werden zahlreiche Mitbürger erst einen rechten Eindruck von dem Umfang und der Bedeutung dieser im Dienste des Gemeinwohls stehenden Organisationen bekommen haben, und es dürste vielen Bürgern wohl auch in überzeugender Weise klar geworden sein, daß die Geldauswendungen für die Feuerwehren und die Sanitätskolonne eine sehr gute Anlage zum Schutze de» eigenen Besitzes darstellen. Zugleich konnte aus dem Aufmarsch aber auch ent* nommen werden, wie stark bei den Mitgliedern der Feuerwehren und der Sanitätskolonne die Bereitschaft zum eifrigen Dienst für die Bürgergclamtheit ausgeprägt ist und welches hohe Maß von Achtung und dankbarer Anerkennung dieser selbstlosen Hingabe der Feuerwehrleute und Sanitätsmannschaften an ihre gemeinnützige Aufgabe gebührt. Und schließlich konnte jedermann aus dem Aufmarsch die Ueber* zeugung gewinnen, daß unsere Feuerwehren und Sanitätskolonne vom Roten Kreuz unter verantwortungsbewußter und straffer Führung eine Lei- stungsstärke und Gdflagtraft besitzen, die dem Bürger die beruhigende Gewißheit geben, daß er im Falle der Gefahr auf wirksamen Schutz und tatkräftige Hilfe rechnen kann. Möchten diese Ein- drücke des Werbemarsches sich überall in der Bürgerschaft in den Entschluß umsctzen, den Feuer- wehren und der Sanitätskolonne die weitere Arbeit an ihren hohen Ausgaben im Dienste der Allgemeinheit dadurch zu erleichtern, daß sie durch Tiit- gliedschaft ober durch freiwillige Beisteuer von Geldmitteln die finanzielle Kraft der Organisationen stärken helfen! Oie Einstellung in das Reichsheer und die Reichsmarine. lieber die Einstellung zum zwölfjährigen Dienst in der Wehrmacht herrschen vielfach unzutreffende Ansichten, die zu unnötigem Schriftverkehr und zu Enttäuschungen führen. Sowohl das Reichsheer, wie die Reichsmarine stellen alljährlich Anfang April und Anfang Oktober den Ersatz für die nn Laufe deS Halbjahres ausgeschiedenen Soldaten ein. Meldungen von Bewerbern haben zweckmäßig mehrere Monate vor diesen EinstellungSzeiten zu erfolgen: für daS Heer: bei den Bataillonen und Abteilungen oder bei den Kompanien, Eskadronen und Batterien der einzelnen Waffengattungen: für die Reichsmarine: nur bei der Schiffsstammdivision der Ostsee oder der SchifsSstammdivision der Rordsee. Meldungen bei höheren Dienststellen sind zwecklos. da die Truppenteile in der Annahme von Freiwilligen selbständig sind und allein übersehen können, ob Stellen frei sind. Den Meldungen ist zweckmäßig ein ausführlicher LebenSlauf mitLich tbild beizufügen. Die sonst noch erforderlichen Ausweispapiere werden von den Truppenteilen bei den Bewerbern angefordert. Zur Einstellung gelangen in erster Linie Achtzehn- bis Zwanzigiöhrige. 'Die Einstellung geschieht nach ärztlicher Untersuchung und eingehender Prüfung der Bewerber. Bei dem außerordentlichen Angebot, daS den Bedarf um das 50- biS lOOfache übersteigt, ist es leider unvermeidbar, daß zahlreiche Bewerber ohne vorherige Prüfung abgewielen und auch solche Bewerbe abgelehnt werden muffen, die an sich voll diensttauglich sind. Gictzcncr 2Lochcnmarktprcrsc. e Gießen. 9 Juni. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 130 Pf., Landbutter 120. Kochbutter 100, Matte 25 bis 30, Wirsing 15, Spinat 12 bis 15. Römischkohl 15. Erbsen 30 bis 35, Mischgemüse 10 bis 12, Tomate« 60. Zwiebeln 15. Spargel 40 biS 60. Kartoffeln (alte) 4.5 (pro Zentner 3.80 bis 4 Mk 1. Kartoffeln (neue) 15 bis 20. Rhabarber 8 bis 10. Aepfel (ausländ.) 50 bis 60. Dörrobst 30 bis 35. Kirschen 60 bi» 70. Stachelbeeren (unreife) 30. Erdbeeren 160 bis 220 Suppenhühner 70 dis 80. tonig 40 bis 45. jg Höhne 80 bi» 90 Ps. proPfd: auben 50 bis 70 Sier 7 (10 Stück 65). ttüfe 5 bis 10. Oberkohlrabi 15. Salat 8 bis 10, Salatgurken 35 bis 45. Blumenkohl 40 bi« 70. Lauch 5 bis 10. Rettich 10 bi« 15. Sellerie 25 bi« 35 Pfennig pro Stück: gelbe Rüben 15. Radieschen 8 bi« 12 Pf pro Bund: Bohnen 50 Pf pro Pfd. Bornottjcn. * TageSkalender für Donnerstag: DHD 20.30 Uhr. im Heim. Vortrag von Müller über .Einheitspreis-Geschäfte". — 20 Uhr. Gase Leib. Vortrag für Sprachgehemmte ron Frank Reu sch — Oswaldsgarten, 20.15 ilbr, Alhambra-Varietö-Revue. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, .Der Frechdachs". — Vortrag im DHL. Heute, Donnerstag, abend fpricht Tr. Müller von der Handelskammer Gießen im DHL -Heim über das Thema „Einheit»- preisgefchäfte". (Siehe gestrige Anzeige.) •• Der Dank des Stadltheater-En» fern bl es. Don dem Ensemble des Etadttheaters wird uns geschrieben- Die Mitglieder des Stadt- theaters verabschiedeten sich für die Winterspielzeit 1931/32 in ihrer Bcnesizvorstellung „Der Dattcrich" von den Gießener Theaterfreunden. Die allseitige Beteiligung im Zeichen des ausoerkausten Hauses, der vielen Blumen und sonstigen Geschenke wurde dankend begrüßt und gilt als hofsnungsfrohes Zeichen baldigen Wiedersehens in der Spielzeit 1932,33. •* ©in berufsmäßiger Betrüger. Der heutige Polizeibericht meldet Die Persönlichkeit des angeblichen Zremdenlegionär« Rupert Lechner, über den am 4 Juni bereits berichtet wurde, ist in der Zwischenzeit einwandfrei fest- gestellt worden. Es handelt sich um den Schlosser Bernhard Mehring, geboren am 31. Mai 1903 in Werne, zuletzt wohnhaft in Lünen (Lippe). Gegen Mehring liegt eine «ganze Reihe von Suchverrnerlen cuswörtiger Amtsanwaltschaften und Gerichte vor. Er hat in den letzten Jahren nur noch von Betrügereien gelebt. Ob er tatsächlich in der Fremdenlegion gewesen ist. konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Den Pah auf den Ramen Lechner will er von Lechner selbst, der in die Fremdenlegion gegangen fei, bekommen haben. Mehring hat sich hier wegen Paßvergehens und Führung eines falfchen Ramens strafbar gemacht. Kurz nachdem er aus der Augenklinik gekommen und in das Landgerichtsgefängnis eingeliefert worden war. hat er eines feiner Augen auf die gleiche Art wie vorher wieder durch Tintenstift beschädigt, so daß er erneut in die Klinik übergeführt werden muhte. Anscheinend leitet ihn bei diesen Manipulationen die Hoffnung, daß er in der Klinik leicht Gelegenheit zum Ausreihen haben könnte. Eine volkstümliche Rheinfahrt veranstaltet das Hapag-Reisebureau Giehen am 17. Juli. Trotz der Schwere der Zeit hat sich das Hapag-Reisebureau zu dieser Veranstaltung entschlossen, um all den Personen, die in diesem 2lahre auf eine Erholungsreise verzichten müj|cn, wenigstens für einen Sonntag unter Aufwand möglichst geringer Geldmittel die Gelegenheit zur Ausspannung am schönen deutschen Rhein zu bieten. Cs ist besonders zu beachten, dah — wie man uns mitteilt — bis jetzt nur diese eine Fahrt vorgesehen wird, da eine weitere derartige Veranstaltung angesichts der Zeitumstände wohl nicht in Betracht kommen dürfte. Cs dürfte ratsam fein, sich beizeiten mit der Teilnehmerkarte zu versehen, da bei der Einmaligkeit dieser Veranstaltung die Rachsrage nach Karten Wohl groß fein wird und diese Ryeinfahrten sich bisher stets als beliebt erwiesen haben- lieber die kommende Fahrt wird uns folgendes mitgeteilt: Mit Sonderzug geht es gegen 630 Uhr von Giehen ab. Die Anschluhzüge aus der Richtung Marburg. Köln, Koblenz werden abgewartet. Unterwegs wird fast an allen Stationen bis Friedberg gehalten. In Mainz-Kastel wird ein für die Fahrtteilnehmer gemieteter Salon- darnpser der Köln-Düsseldorfer Rheindampffchiff- fahrts-Gesellschast bestiegen, um schon ab Mainz den Genuß der Dampferfahrt zu haben. Sowohl in Rüdesheim als auch in Aßmannshausen ist ein Aufenthalt von je zweieinhalb Stunden vorgesehen. so daß die Teilnehmer zu Fuß oder mit der Zahnradbahn das Riederwald-Denkmal erreichen können. Der Besucher des Riederwald- Denkmals kann den herrlichen Waldweg nach Ahmannshausen wählen, oder mit der Zahnradbahn wieder nach Rüdesheim zurückkehren. An beiden Orten legt der Dampfer an Rach Besichtigung des Riederwald-Denkmals ist immer noch genügend Zeit vorhanden, um den Winzerstuben in Aßmannshausen einen Besuch abzustatten. Auch für Koblenz ist genügend Zeit zur Beftchti- gung vorgesehen Der Sonderzug von Koblenz trifft kurz nach 22 Uhr in Giehen wieder ein. Auswärtige Teilnehmer erreichen hierdurch rechtzeitig und bequem ihre Anschluhzüge Räheres tm heutigen Anzeigenteil. ** -Der Frechdachs." Ein Film nach rinn Komödie von Loui« V e r n e u i L Die Hauptrolle in diesem Bildstreifen scheint Willv Fritsch auf den Leib zuAelchrieben zu fein, ©einer lieben«-- würdigen, schelmischen Frechheit, die immer wieder an ihm gefällt, seiner sprühenden Laune, kann er hier alle Zügel schießen lassen. 5Vr Film führt nach Pari», mitten hinein in da« lodere Gefüae der Halbwelt, in der da» Geld nur den Zweck zu haben scheint, au«gegeben zu werden, und die Liebe, sowie alle«, wo» damit zusammen- bängt. groß geschrieben wird. Den Kern der Handlung bildet die stürmische Werbung eines jungen Manne« (hier Willv Fritsch) um eint Frau, die zwar verheiratet ist. die sich aber scheiden lassen könnte, da sie ihr Mann sichtlich vernachlässigt und obendrein betrügt. Der junge Mann inszeniert eine Reihe der auSaesallensten Dinge, bleibt ständig in der Rähe der Angebeteten, und der Film erreicht unter Zuhilfenahme reichlich komplizierter Verwechslungen und Verwicklungen sein Ziel: die beiden kriegen sich. Einige geschickte Schlagerkompositionen (die dem Film schon längst vorausgeeilt sind) tragen den nötigen musikalischen Schwung in die Handlung, für Den übrigen Schwung sorgt Willy Fritsch. Er macht sich dabei wieder sehr sympathisch, ist wirklich frech wie Oskar, und wird seinem Titel in jeder Weise gerecht. Seine Partnerin ist diesmal Eamilla Horn, die (besonder« in ihrem Aeußeren) stark an Lilian Harvch erinnert, durch ihr resolutes Auftreten aber lehr gut zu gefallen weiß. Ralf Artur Roberts al« genaSsührter Ehemann bat von Anfang bi« Ende durch sein« spezielle Komik die Lacher auf seiner Seite. Elf« Elster als Loulou Gazelle (laut Telephonbuch »Künstlerin") benimmt sich sehr geschickt und sieht flut aus. Die übrigen Rollen sind gut beseht. Di« Photographie ist einwandfrei. Interessant sind einige geschickt aufgenommene Straßenbilder au« Paris. Die Tonwiedergabe läßt jede- Wort sehr gut verstehen. SS braucht nicht besonder« betont zu werden, dah man sich ausgezeichnet unterhält. Der Film läuft seit gestern im Lichtspielhaus. •• Der Sparerbund und Rentner« b u n d. Ortsgruppe Giehen, veranstalteten im Katholischen VereinShauS gemeinsam eine öffentliche Versammlung Als Redner des Abend« sprach Justizrat Brink, Berlin, über da« Thema ..Wie schützt sich heute der alte und neue Sparer". Der Redner behandelte zunächst die Ursachen de« mangelnden Vertrauens, die in der Inflation und in der AufwertungSgesetzgebung in erster Linie zu suchen sind. Besonder- die preuhisch« Sparkassenaufwertung bedürfe mancher Besserung. Das zuständige preuhische Innenministerium müsse baldigst von einem Minister anderer politischer Farbe verwaltet werden. Der AuSgleichS- stock zur Sparkassenaufwertung müsse verschwinden, jede Sparkasse weitgehendst auS eigener Kraft aufwerten, sowie die jährlichen Gewinne dem AuswertungSfondS gutgeschrieben werden. Die neuen Sparerichutzkassen erfreuten sich eine« sehr guten Zuspruchs. Selbst im Krisenjahr 1931 sei von einem Rückgang der Spareinlagen nicht« zu verspüren gewesen. Die Anlagen würden sämtlich in erststelligen mündelsicheren Feingold- Hypotheken angelegt, wodurch eine sichere Kapitalsanlage gewährleistet sei. Dank- und Börsengeschäfte würden von den Schuhkassen nicht getätigt. Der Redner fand auch diesmal, wie bei seinen früheren Vorträgen, den ungeteilten Beifall der gut besuchten Versammlung. Weitere Lokalnachrichten Im 2. Blatt Wettervoraussage. Der Abbruch der kühlen Witterung steht bevor, denn über den britischen Inseln dringt unter gleichzeitigem Barometerfall Warmluft vor. Bei uns wird zunächst noch, begünstigt durch den hohen Druck über Frankreich, die Bewölkung abnehmen, so daß mehr ausheiterndcs Wetter einsetzt. Diesem steht mit dem Vorwärtsschreiten der neuen Störungsausläufer eine gewisse Beeinflussung bevor, die sich bei weiterer (Er-, wärmung durch einzelne 9licbcrfd)lage oder Gewitter* störungen bemerkbar machen dürfte. AussichtenfürFreitag: Wärmer, bewölkt, jedoch mehr aufheiternd, zunächst trocken. Aussichten für Samstag: Weitere Erwärmung, zunächst stärker bewölkt, vereinzelte Niederschläge oder Gewitterstörungen. Lufttemperaturen am 8. Juni: mittag» 13,8 Grad Celsius, abends 11,4 Grad: am 9. Juni: morgen« 11,3 Grad. Maximum 15,1 Grad, Minimum 9,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 8 Juni: abends 13,4 Grad: am 9. Juni: morgens 11 Grad Celsius. — Niederschläge 0,3 mm. — Sonnenscheindauer 2% Stunden. 1LJVIVEA-CREME oder aber NIVEA - ÖL Oo TTl/rn (yo MJ X33 Nachdruck verboten! 5. Fortsetzung. wußte. war das kleine Haus am Wassergraben der- < 1 Gießen, Kreuzplatz 10. 2493 A Liter 40 Salatöl reinschmeckend laflnn Motorrad I illlltiol 500 eem, neuwertig, UUUV11 billig ,ju verk. Wo? Kopf-Salat mit Eiern Pfund 1.00 03614 - Neue Kartoffeln Matjes-Heringe. 3 Pfund 30 3 stock 35 10 Stück 58 3 stück 22 38 40 25 24 27 12 38 54 25 Jetzt hatten Halbliterflasche mit Schraubdeckel Feines Salatöl.................... Feines Tafelöl...................- Extrafeines Tafelöl.............. Fünftes Kapitel. alles vorüber. Die letzten Trauergaste Große frische S&F-Eier Kopf-Salat frisch, zart...... Salami auf ungarische Art Eier-Bruch-Makkaroni Eier-Bandnudeln....... Graupen grob............. Haferflocken............ Weizengrieß fein........ Bruchreis................. Mischobst fein........... Aprikosen getrocknete.... Malzkaffee............... jetzt: o. gi. 33 o. gi. 43 o. gi. 53 sagt die GeschäftSst. des Gieb-Anz. 4399 v Gießen, Worms, den 9. Juni 1932. Die Beerdigung findet in aller Stille statt. — Von Beileidsbesuchen wolle man absehen. Wirklich einVergnügen für dieHausfrau mit S & F-Tafelöl den Salat anzumachenl Bei den neuen Halbliterflaschen mit praktischem Schraubdeckel gibt’s keine Enttäuschung mehr - der letzte Tropfen schmeckt ebenso fein und rein wie der ersteI .. Pfund .. Pfund 2 Pfund .. Pfund .. Pfund .. Pfund .. Pfund .. Pfund .. Pfund Motorrad 350 oorn, sehr gut erhalten, zu verk. Wo? sagt d.GeschäftSstelle deS Gieß. Anz. 03618 Der Herr über Leben und Tod hat am Dienstagabend meinen innigst- geliebten Mann,unseren treusorgenden, guten Vater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel Heinrich Köhler, Gastwirt aus seinem schweren Leiden zu sich in ein besseres Jenseits gerufen. Die trauernden Angehörigen: Anna Köhler, geb Beerbaum Gustel Heun, geb. Köhler Elisabeth Köhler Heinrich Heun Vermiete von meiner groß. Wohnung 2 Mne Zimmer mit Balkon, grober Küche und Zubehör zum 1. August 1932. Schrift!. Ang. unt. 03617 a. d. G. A. Elisabeth erobert sich das Glück vornan von Margarete Ankelmann Copyright by M. Feuchtwanger, Halle. Neue, helle, trockene ligeröme evtl, mit Büro, in der Walltorstrabe z. vermieten. Schriftliche Angebote unt. 03616 an den Gieb- Anz. lassen. „ , Elisabeth sah allein am Fenster. Sah hinaus in den trüben Tag. Diele, viele Menschen hatten der toten Mutter die letzte Ehre erwiesen. Auch die Kommerzienrätin Heilmann und die Larsens waren dabei gewesen. Alles war an Elisabeth vorbeigezogen wie ein dunkler Traum. Es war ihr, als ob sie sich in alledem noch nicht zurechtfinden konnte, was sie in den letzten Tagen erlebt hatte. Auch jetzt saß sie wieder starr und unbewegt da, ohne eine Träne zu finden. Der alte Pfarrer kam. Sanft strich er über das zerwühlte Haar des Mädchens. Fast geistesabwesend sah Elisabeth zu ihm auf. „Elisabeth, ich muh mit Ihnen reden, als ^hr Vormund und als der treue Freund Ihres Vaters. Wir müssen an Ihre Zukunft denken. Es ist schwer für Sie, ich weih es; aber wir stehen einem harten Muh gegenüber..." „ u „Ich weih ... aber jetzt noch nicht... spater... „Ich glaube es, Kind, dah Sie wenig Sinn dafür haben. Aber wir müssen vernünftig sein. Müssen den Tatsachen in die Augen sehen. Sie sind jung und gesund, Elisabeth, und Sie haben Freunde, die es gut mit Ihnen meinen. Sie können arbeiten, Kind, und Sie werden es auch müssen. Von dem Wenigen, was Ihnen die Mutter hinterlassen hat, wOrden Sie nicht leben können. Ich toiifbe Ihnen so gern bei mir eine Heimat bieten, aber ich werde demnächst in den Ruhe- stand versetzt und werde das Pfarrhaus verlassen müssen. Ihre Gesangsstunden werden Sie ja aufgeben müssen, Elisabeth, das wird nicht anders gehen. Aber — Sie spielen ja so gut Klavier, und da hat meine Frau einen Vorschlag für Sie. Sie hat eine Schwester, in Dresden..." Entsetzt war Elisabeth aufgefahren. Sie hatte nur das eine Wort gehört: „Dresden". „Dein... nein... nicht nach Dresden... da kann ich nicht hingehen..." „Aber, Kind, warum wollen Sie nicht nach Bauplatz in freier Gage, «epen bar gesucht. Schriftl. Ang. mit Preis unt. 03615 an den G. A. + Herr, dein Wille geschehe! Plötzlich und unerwartet rief Gott, der Herr, meinen innigst- geliebten, unvergeßlichen, treuen Mann,meinen treusorgenden Vater, unseren guten Bruder, Schwager und Onkel, den Wertetätienrsteter Marti Teo im Alter von 54 Jahren, wohl versehen mit den Gnadenmitteln unserer hl. katholischen Kirche, zu sich in sein himmlisches Reich. In tiefem Schmerz: Frau Therese Topp Wwe. und Sohn Heini. Gießen (Krofdorfer Straße 10). Q T . 1(yy> Warmen, Fröndenberg, Arnsberg, Bad Salzuflen, den 8. Juni 1952. Die Beerdigung findet am Freitag, dem 10. Juni, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt.-Das feierliche Seelenamt wirdgehalten: Montag, den 13. Juni, vormittags 6.30 Uhr.—Von Beileidsbesuchen bittet man Abstand zu nehmen. 4391 D Bettenkauft man bei Röhr Die, sagen Sie mir, wie ich Ihnen helfen kann! Stundenlang sah der alte Mann neben dem Mädchen, redete langsam und leise auf sie ein, streichelte ihre Hände, nahm ihren Kopf an seine Schulter, war zärtlich und unermüdlich um sie beschäftigt, so lange, bis Elisabeth endlich aus ihrer Starrheit erwachte und leise zu weinen anfing. Lange weinte sie, dann nahm sie der Schlaf in seine tröstenden Arme. Der alte Professor ging nach Hause. Er hatte seine Pläne. Gut, dah er vorgearbeitet hatte. Er Elisabeth würde ihren Weg machen. Haarwuchsmittel von Hofapoth. Schaefer ohne teure Verpackung. Echt. Brennesselhaar- wasser 7« Ur. 0.75. Echt. Birkenhaarwasser Maiengold 1 < Ur. 1.- ge^en Schuppen, Haarausfall, Kopfjucken. P ein parfümiert! 38Flaschen mitbringen! Allein-Verkauf: Apoth.z.goid.Engel. Gehorsam stand Elisabeth auf, machte Licht. Setzte sich dann dem alten Herrn gegenüber, zu dem sie unendliches Vertrauen hatte. Erwartungsvoll sah sie ihn an. „Also sagen Sie mir zuerst, was Sie eigentlich tun wollen?" „Ich soll mein Häuschen verkaufen, von hier wegziehen, in ... in eine Stadt... und dort Klavierstunden geben...“ „Wer hat Ihnen das alles gesagt, Elisabeth?" „Mein Vormund, der Herr Pfarrer, der es sehr gut mit mir meint." „Und Ihre Stimme — weih Ihr Vormund nichts von Ihrer Stimme?" „Ach, Herr Professor..." „Haben Sie ihm nicht gesagt, dah es Sunde wäre, diese Stimme verkommen zu lassen? Dah Ihnen ein gnädiges Geschick, eine köstliche Gabe verliehen hat, und dah es feige wäre, die Flinte ins Korn zu werfen? Diele, deren Stimme nicht an die Ihre heranreicht, haben den Kampf mit dem Leben und mit der. Kunst ausgenommen, unter allen möglichen Entbehrungen, und haben ihn siegreich bestanden, ilnb Sie wollen einfach alles gehen lassen? Ich weih, dah Sie fast fertig sind rnit Ihrer Ausbildung. Dah nicht mehr viel fehltz bis Sie auf die Dühne gehen können. Ich könnte Sie heute schon anbringen an irgendeinem Stadttheater, wenn ich das wollte. Aber das will ich nicht. Ich will, dah Sie gleich ganz groh anfangen, ilnb das können Sie nur, wenn Sie noch an einem großen Institut die letzte Vollendung bekommen. Sie sind mittellos, Elisabeth, das weih ich wohl. Die selbst können die Kosten nicht bezahlen, die so ein Studium erfordert. Aber ich habe alles in die Hand genommen. Ich habe mit Professor Walter gesprc^)en, er hat regen Anteil an Ihrem Schicksal genommen. Er weih, was aus Ihnen und Ihrer Stimme zu machen ist, und er will Ihnen helfen. Professor Walter ist überzeugt davon, dah es ein unendlicher Derlust wäre für die Kunst, wenn Sie Ihre Stimme nicht ausbilden würden. Er hat einen Mäzen für Sie interessiert, einen reichen Kunstfreund, der sich bereit erklärt hat, die Mittel zu Ihrer weiteren Ausbildung zur Derfügung zu stellen. Sie brauchen nur einzuwilligen, Elisabeth. Es wäre ein großes Glück für <Äe..." Elisabeth schluchzte. Sie fand noch keine Worte. Zu viel war da auf sie eingestürmt. Wie eine Welle des Glücks war es über sie gekommen bei den Worten des Professors. Sie konnte es noch nicht fassen, was sie da gehört hatte. Dah es möglich war, ihr Studium zu vollenden. Dah es Menschen gab, die so gut waren! Aber... durfte sie dieses Anerbieten auch annehmen? War es recht von ihr, die Künstlerlaufbahn einzuschlagen? (Fortsetzung folgt.) Dresden? Die Schwester meiner Frau lebt dort, hat einen grohen Dekanntenkreis. Sie würden dort sicher so viele Klavierschüler finden, dah Sie sich durch den Unterricht ernähren könnten. Das Häuschen hier würden wir verkaufen..." Wieder schrie Elisabeth auf. Das Häuschen sollte sie verkaufen, ihre einzige Zufluchtsstätte, in der sie so glückliche Zeiten verlebt hatte! „Ich kann nicht... ich kann es nicht... Ich kann nicht nach Dresden gehen, älnd mein Häuschen verkaufen, ganz heimatlos werden...“ Die Tränen stürzten jetzt aus Elisabeths Augen. Haltlos weinte sie vor sich hin. „Ich will Sie zu nichts zwingen, Elisabeth. Heberlegen Sie sich alles in Ruhe, Kind. Sie werden setbst bald einsehen, dah Arbeit für Sie das beste ist, dah Sie nur so wieder zur Ruhe, kommen können. Und vergessen Sie nie, dah ich Ihnen helfen will, so gut ich es vermag. Ieht verlasse ich Sie. Es wäre das beste für Sie, gleich zu Dett zu gehen. Man sieht es Ihnen an, dah Sie die Ruhe nötig brauchen können. Der Pfarrer ging, Elisabeth war wieder allein. Drauhen wurde es schon dunkel, obwohl es noch nicht einmal fünf Hhr war. Elisabeth ging im Zimmer hin und her, blieb dann vor dem Klavier stehen. Also so weit war es jetzt schon. Ihre Kunst muhte sie aufgeben. Sollte nicht mehr singen. Und ihr Vaterhaus sollte sie verlassen, hinausgehen in die fremde Welt, unter die kalten Menschen! Aber mochten sie mit ihr machen, was sie wollten! Sie würde auch das Häuschen hergeben, wenn es nicht anders ginge. Dur — nach Dresden würde sie nicht gehen. Lieber bis ans Ende der Welt! Dur nicht dorthin, wo Hubert lebte, wo sie ihm begegnen konnte! Elisabeths Kopf war auf das Holz des Klaviers gesunken. Versonnen strich sie mit ihren Händen über den Deckel des Instruments. Dann lieh sie sich unbewuht auf den Klavierstuhl sinken, hob den Deckel empor, und ihre Hände suchten die Tasten, formten leise eine Melodie. Mit einem Male brach Elisabeth ab, schlug ihre Hände vor das Gesicht und weinte erschüttert auf. Ihr Kopf sank langsam herunter; sie konnte nicht aufhören, schluchzte immer weiter. Vis zwei Weiche Hände leise über ihr Haar strichen. Elisabeth spürte die Liebkosung, hielt beglückt still. Endlich ein Mensch, eine Seele, die sie verstand. Sie wuhte, wer neben ihr stand. Unter Tränen sah sie zu Professor Landar auf. „Professor ... lieber Professor!" brach es dann schluchzend aus ihr hervor. „Ich soll nicht mehr Stunden nehmen, soll nicht mehr singen dürfen. weil ich zu arm bin... und das Häuschen muh ich verkaufen..." , „Elisabeth, beruhigen Sie sich! Ich habe mit Ihnen zu reden; es wird alles gut gehen. Dur ruhig müssen Sie werden und mir zuhören. von sofort ober später zu vermieten. 4405D Bahnhofstraße 63 | Mietgesuche | 3-5-Zimm.-Wohnong v. ruh., sich. Mieter, 3 Pers., zum 1.7.ges. Evtl, auch in unmit- telb. Nähe b. Stabt. Mietberecht.-Schein vorhanben. Schrift!. Angebote u. 03608 an den Gieß. Anz. | Verkäufe*"" MIO- Gelegenvkllslüuse! 4-PS-Ovel-4-Sitz., offen, generalüberholt, sehr billig. Opel, Gießen, Z-rankf. Str. 52, Tel. 2847. 5719A Elisabeth biß sich die Lippen blutig, um nicht auszuschreien vor Iarnrner und Qual. „Ich bin so müde, Elisabeth. Ich will jetzt schlafen..." Die Augen der Kranken fielen wieder zu. Elisabeth blieb neben dem Dett sitzen, regungslos, hielt die Hand der Mutter in der ihren, stundenlang. Sie merkte nicht, daß der Atem der Schlafenden auszusetzen begann, endlich nicht mehr zu hören war. Erst als die Hand der Mutter kalter und kälter wurde, ahnte sie das Schreckliche. Elisabeth fuhr in die Höhe, betrachtete mit starren Augen die Tote und brach mit einem Aufschrei neben dem Dett zusammen... Am anderen Morgen war Elisabeth in aller Frühe auf den Deinen. Die alte Wehnert hatte sie zusammen mit dem Doktor zu Bett gebracht, nachdem man sie aus ihrer Ohnmacht erweckt hatte. Dann hatte sie wenige Stunden geschlafen, einen unruhigen, wenig erquickenden Schlaf. Als der Morgen graute, lag sie wach. Ihr armer Kopf konnte das alles noch nicht fassen, was in den letzten Stunden auf sie eingestürmt war. Sie konnte nicht weinen, in ihr war alles wie abgestorben. Vun war die Mutter tot und Hubert verloren. Ganz allein stand sie in der Welt, mutterseelenallein. Was sollte nur aus ihr werden? In aller Frühe kam der alte Pfarrer, em Freund ihres verstorbenen Daters und Elisabeths Vormund. Er nahm Elisabeth alle die Verrichtungen ab, die ein Todesfall mit sich zu bringen pflegt. Wenige Stunden darauf hatte Professor Landar die Trauerkunde empfangen, und er kam sofort, sich Elisabeths anzunehmen. Er war innerlich ergriffen, als er seine Schülerin vor sich sitzen sah, teilnahmslos, mit verfallenem Gesicht und erloschenen Augen. Wenn sie geweint oder geschrien hätte, das alles wäre besser gewesen als diese düstere, unheimliche, versteinerte Ruhe. „Elisabeth, kommen Sie doch zu sich. Denken Sie daran, wenn Ihre Mutter Sie jetzt so sehen würde; sie würde keine Ruhe finden. Sie dürfen nicht so starr dasitzen, Kindchen. So sagen Sie doch ein Wort..." , Elisabeth gab keine Antwort. Es war, als ob sie gar nichts gehört hätte. „Elisabeth, ich bitte Sie. Ich, ihr alter Lehrer und Freund. 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Juni (952 r Der Veteranen-Mrsch auf Washington ein- daß der der fein sollte, ernannt werde Damit nicht genug, wollten die Litauer außerdem auch noch einen weiteren Sitz in der Landesregierung haben Die Memelländer haben aber in den Verhandlungen mit dem Gouverneur feinen Zweifel daran gelassen, daß sie auf diese Art „Versöhnung" verzichten Sie blieben f c ft und so mußten die Herren in Kowno, wollten maßgebenden Einfluß in der Landesregierung räumen! So forderte die litauische Regierung, zum Landespräsidenten nicht cm Angehöriger Mehrheitsparteien, sondern ein „Neutraler", natürlich mehr deutsch als litauisch eingestellt |*e luchl aufs neue das Odium der Friedensstörer im Memelgebiet aus sich nehmen, nachgeben Inzwischen beginnt eine neue wichtige Entscheidung in der Memelfrage heranzureisen Am b. Juni roeröen im Haag die Verhandlungen über die Klage beginnen, die die Unterzeichner des Memel- abfommens (Frankreich, England, Italien und Japan) gegen die litauische Regierung wegen der gewaltsamen Absetzung des Präsidenten Böttcher angestrengt haben. Die Aussichten sind ouch hier nicht sehr günstig für Litauen Das geht jd)on daraus hervor, daß es den Bemühungen der Koronoer Regierung nicht einmal gelungen ist, unter den Juristen von internationalem Rus einen Verteidiger zu finden! Infolgedessen muß der Vertreter der litauischen Regierung im Haag, der Londoner Gesandte Szidzikausfas, die Verteidigung übernehmen Ebenso steht auch die litauische Denkschrift, in der in wortreichen Ausführungen der Versuch gemacht wird, gegen die Mage anzu- stehen, auf recht schwachen Fußen. Während die Unterzeichnermachte furz und bündig fcststellen, daß im Memelstatut nun einmal das parlamentarische Regime oeranfert ist und daß es infolgedessen auch beachtet werden müsse, versuchen die Litauer zunächst, wie sie das auch in Genf immer wieder getan haben, hie Zuständigkeitsfrage auf- zuwerfen. Sie erklären, daß der Haager Gerichtshof in den Fragen der Einsetzung des Direktoriums Simaitis und der Auflösung des Landtags gar nicht kompetent sei, da diese Fragen bereits erschöpfend im Statut geregelt seien. Was den wichtigsten Punkt der Anklage, nämlich Neuer Kurs im Memelland Letzte Bewährungsfrist für Litauen. Von unserem v.-Berichterftatter. Die Kriegsoeteranen aus allen Teilen der Vereinigten Staaten haben den „Marsch auf Washington" angetreten, um ihre Entschädigunysforderungen durchzusetzen. Unser Bild zeigt einen Zug von Kriegsteilnehmern, von denen sich allein in Chikago 20 000 aus dem Hauptbahnhof versammelt hatten, wo sie schließlich erreichten, daß sie unentgeltlich in fünf Güterzügen nach Washington befördert wurden. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Memel, 6 Juni 1932. Jjenr M e r k y s, der gestürzte Diktator de» Memelgebietes, hat sich echt russisch mit dem Bruder- ,e*ncn wenigen (Betreuen in Memel oer- ab schiedet. Er wird Rechtsanwalt werden, nachdem Bevölkerung des Memelgebietes bei den leMen Sßahlen ein so eindeutiges Zeugnis politischer Unfähigkeit ausgesiellt hat. Inzwischen ist Herr x iV' bcr frühere Londoner Generalkonsul, in das Memeler Gouvernementsaebäude eingezogen Und auch Herr Simaitis, Landespräfident von Merkys Gnaden, ist — allerdings erst nach einer rertjl deutlichen Aufforderung seitens der ineniel- ländischen Presse — zurückgetreten. Alles Rückwirkungen, die nach dem glanzenden Wahlsieg der Memelländer eine Selbstverständlichkeit waren. Der neue Landtag hat am Samstag vergangener Woche seine erste Sitzung abgehalten. Aber sie war nur von kurzer Dauer. Nach einer ziemlich gemäßigten Rede des neuen Gouverneurs und der Wahl des Präsidiums, in das sich diesmal die Mehrheitsparteien unter völligem Ausschluß der Litauer teilen, mußte sich bie Volksvertretung wieder vertagen, da eine neue Landesregierung noch nicht gebildet worden war. Die neue Memelregie, rung hat allerdings nicht lange auf sich warten lassen. Verhältnismäßig schnell, wenn auch mit einigen Schwierigkeiten, ist ein rein deutsches Direktorium gebildet worden, an dessen Spitze der Syndikus der Memeler Handelskammer, D r. 6 d) r e i b c r, ein Volksparteiler gemäßigter Rich- tung, steht Weiter gehören dem Direktorium der Volksparteiler Hauptlehrer W a l a a h n, ein Mann, der bisher politisch noch nicht hervorgetreten ist, und der Landwirtschastsparteiler Szigaud, der bereits in dem seinerzeit gewaltsam entfernten Di- rettorium Böttcher Landesoirektor war, an. Wie schon gesagt, ist die Regierungsbildung nicht ohne Schwierigkeiten vor sich gegangen. Es Hal erst eines heftigen Kampfes hinter den Kulissen bedurft, | ehe die litauische Regierung die Zustimmung zur Bildung dieses Direktoriums gab. Da die bisherigen Gewaltmethoden versagt hatten, versuchte man den Memelländern nach den Wahlen auf an- dere Weise klar zu machen, daß doch nicht die Deut- scheu, sondern die Litauer die Herren des Landes seien. Es ist zu diesem Zweck viel von Verständigung und Versöhnung gesprochen und geschrieben worden. Der neue Gouverneur erklärte bei seinem Amtsantritt, er werde dafür eintreten, daß das Memelgebiet zwischen Litauen und Deutschland d i e verbindende Brücke werde. Und das Blatt der litauifdjcn Regierung, der „Lietuvos Aidas", schrieb, Litauen wolle mit den Deutschen im Guten auskommen, aber — und hier steckt der Pferdefuß — das hänge in der Hauptsache von den Deutschen ab Mit anderen Worten: die li'taui- sche Regierung wollte sich mit Memel verständigen, aber die Memelländer sollten die Kosten dieser Verständigung tragen. Um des lieben Friedens willen sollten die Memelländer auf die Auswirkungen ihres glänzenden Wahlsieges verzichten und den Litauern, obwohl sie auch im neuen Landtag nur mit 5 von 29 Abgeordneten vertreten sind, einen die gemaUfamc Absetzung Böttchers anbetrifft, so fuhrt die Kownoer Regierung in Ermangelung anderer Argumente die litauische Staats» Verfassung ms Treffen. Die litauische Verfassung laßt nämlich die Abberufung des Ministerpräsidenten durch den Staatspräsidenten zu, woraus man den Schluß ziehen zu können glaubt, daß diese Bestimmung unmittelbar auch auf das Memelgebiet angewandt werden fi-nnte. Demgegenüber wird aber m der Denkschrift der Unterzeichner- machte festgestellt, daß in dieser Frage allein da» M e m e l st a t u t gültig ist, das dem litauischen Gouverneur zwar das Recht gibt, den Präsidenten ZU ernennen, nicht aber ihn ab) u berufen, um so weniger, da der Landespräsident zur Führung seines Amtes laut Statut nicht des Vertrauens des Gouverneurs, sondern lediglich des Landtags bedars. Die von der litauischen Regierung aufgeworfene Kompetenzfrage wird im übrigen mit dem Hinweis erledigt, daß es sich bei den litauischen Gewalttaten um eine Rette fortgesetzter Handlungen handelt, und daß -die (Ein- ÜRung des Direktoriums Simaitis z u Unrecht erfolgte, weil schon von vornherein feftftanb, daß Simaitis nicht das Vertrauen der Landtagsmehrheit befaß. Infolgedessen war auch die Auslosung des Landtags nicht rechtmäßig. Eine Beweisführung, die übrigens durch die Neuwahl eine glänzende Rechtfertigung erfahren hat. Die Entscheidung des Haager Gerichts, die kaum vor Ende Juni zu erwarten ist, wird für die fünf- tige Entwicklung des Memelgebietes von nicht zu unterschätzender Bedeutung sein. Eine andere izrage ist es allerdings, ob sich die litauische Regierung an das Haager Urteil, das unbedingt rechtsverbindlich und ananfechtbar ist, für die Zukunft halten wird. Es scheint zwar so, als ob jetzt wirklich ein neuer Kurs in Memel gesteuert werden sollte, jedoch sind die Erfahrungen, die die Memelländer in den letzten Jahren immer wieder machen mußten, nicht dazu angetan, unbedingten Optimismus aufkommen zu lassen. Auch die Tatsache, daß die au» kleinlicher Rache angestrengte Anklage gegen den miede r- gemahlien ersten Vizepräsidenten de» Landtage», cdjulrat Meyer, wegen angeblicher Spionage aufredjterhalten wird, obwohl sie sich erwiesenermaßen lediglich auf Fälschungen und Intrigen aufbaüt, laßt keine wirkliche Freude aufkommen Und schließlich wird auch die F i n a n z s r a g e, deren Regelung die Kownoer Regierung in der Hand hat, bei der schwierigen Lage des Memelgebietes eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Alle» m allem wird man also zunächst ab warten müssen, wie die Dinge sich weiter entwickeln werden. Litauen hat eine letzte Bewährungsfrist erhalten Es w,rd darauf ankommen, wie es diese Bewährungsfrist nützt. Man sollte sich aber In Rowno nicht darüber täuschen, daß Deutschland die Rückgliederung des rein deutschen Landes auch weiter im Auge behalten wird, falls Litauen offen ober versteckt seine Politik der Citauifierung und Unterdrückung fortsetzen sollte. Aus Der ProDiruialbauptfloöt Dietzen, den S. 3uni 1932. Znedlichc Kr-iegsmittel in der europäischen Wirtschaftspolitik. Der Vortragszyklus über Wehr- Wissenschaft an unserer Universität sand gestern abend in der 'Neuen Aula vor vielen Zuhörern seine Fortsetzung mit einem Vortrag von Prof. Dr. M o m b e r t, der über da» Thema „Friedliche Krieg» mittel in der europäischen Wirtschaftspolitik" sprach. Er führte u. a. aus, die Machtpolitik der Staaten sei immer in den Dienst der Wirischast gestellt worden. Als maßgebend Dafür habe sich stets die Notwendigkeit gezeigt, neue Lebensmöglichkeit für ein wacy- sendcs Loli zu schaffen Die Zeit nach dem Kriege habe aber eine Erscheinung mit umgekehrten Vor- Zeichen gebracht: wirtschaftliche Aktionen wurden in den Dienst der Machtpolitik gestellt. So habe z. B. der Friedensoertrag eine Reihe von Bestimmungen gebracht, die unsere wirtschaftliche (Entfaltung verhinderten und damit auch die politische Machtentfaltung hintertrieben. Beschränkungen der Handels- sreiheit, Auferlegung von Reparationen usw haben diesem Zwecke gedient. Bedeutsam, wenn auch weniger geläufig, sei die Intention Frankreichs, auf dem Wege der finanztechnischen Intervention im Süd- osten (Europas und darüber hinaus den Einsatz der Kaoitalmacht Frankreichs für rein politische Zwecke auf dem Wege der Anleihe dienstbar zu machen. Das bedeute die Fortsetzung des Weltkrieges mit friedlichen Mitteln. Die Anleihen Frankreichs an die Dftftaaten beliefen sich nach oberflächlicher Schätzung auf etwa 7 Milliarden Mark, deren Einfluß sich zwar zunächst wirtschaftlich geltend mache, die im Grunde aber der Politik dienen. Eharakte- ristisch sei in diesem Zusammenhang Die Assaire des Zusammenbruchs der Desterreichischen Eredlt- anstatt, die die Kapitalmacht Frankreich» in den Dienst ganz bestimmter politischer Ziele stellen sollte. Gedanken dieser Art seien in Frankreich nicht neu. Schon Napoleon habe ähnlichen Ideen gehuldigt. Der politische Gegenspieler Frankreichs aus dem Kontinent, nämlich Italien, habe fid) in Erkenntnis der Bedeutung der erwähnten Vorgänge stets energisch gegen diese französische Politik gewandt. Frankreich könne, so führte der Redner u. a. weiter aus, seine Kapitalkraft sehr wohl in den Dienst der Kon- solidierung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Welt stellen, tue es aber nie, wenn dabei nicht bestimmte politische Ziele verfolgt werden fönnten. Dadurch, daß Frankreich in seiner Bevölkern ngszahl stagniert, sei Dem LanDe, besonDers in Der Gegenwart, Die Möglichkeit gegeben, Die Kapitalfraft der Politik zur Verfügung zu stellen. Gleichen Inter- essen, wie Die Anleihepolitik, Diente auch Die Goldabzugspolitik. Die Weltwirtschaftskrise wurde da- durch wesentlich verschärft. Frankreich» Wirtschaft wurde davon nun aber auch ergriffen, und diese» Beispiel beweise, daß die Wirtschaft Gesetze hat, die öas Trinkgeld. Don Siegfried von Vegesack Die alte Exzellenz Drevern — mit vollem Flamen . Gras Attila Drevem-Dtüningen, — lebte schon seit Jahrzehnten (wenn man da- leben nennen kann) gelähmt, im Rollstuhl, auf seinem Stammschloß Drcvcrhos bei Meran. Das heißt, von diesem Schloß war eigentlich nicht viel mehr übrig, als von ihm selbst: eine Ruine, die mit jedem Jahr immer mehr verfiel und seit dem Einsturz des Westflügels sogar für die Fremden- besichtiguna behördlich gefperrt werden mußte. Rur der Ostturm hatte sich einigermaßen erhalten, und hier, im ersten Stock, hauste die alte Ex- zellenz. Der sechseckige Raum war mit schweren Schränken, verschlissenen Polsterstühsen. wackligen Kandelabern. Vitrinen und Etageren vollgestapelt, die Wände waren mit dunklen Familienporträts tapeziert, die kleinen trüben Fenster in den tiefen Mauernischen auch am Tag verhängt, weil das Licht die alte Exzellenz blendete. Auch wollte Graf Brevem nicht hinaussehen, weil er nicht mehr hinauskonnte. Die steinerne Wendeltreppe war zu eng und zu steil: es war unmöglich, den Rollstuhl hinunterzutragen. Lind was sollte der alte Gras auch da draußen suchen? Was seit dem Umsturz in dec Welt vor sich ging, begriff er nicht, und wollte es auch nicht begreifen. Es interessierte ihn nicht. Was ihm der Kammerdiener Poldi gelegentlich erzählte, genügte ihm vollkommen. Dieser Poldi, ebenso alt und eingeschrumpft wie fein Herr, mit weißem Franz-Iofef-Datt und rosigen Bäckchen, versorgte und betreute die Erzel- lcnz. Er wohnte unten, im selben Turm, mit einer Geiß und sieben Hühnern. Außerdem bestellte er noch den winzigen Garten, in dem drei magere Aprikosenbäumchen wuchsen und einige Rebstöcke sich rankten. Der alte Graf hatte längst sein Termögcn verloren, den letzten Rest hatten die ewigen Reparaturen und Aufräumungsarbeiten nach dem Einsturz des Westflügels aufgefressen. Aber Poldi bezog eine kleine Rente. €>o war etwas Bargeld vorhanden. llnt> wozu brauchte man auch Geld? Eier, Milch, Gemüse und Wein hatte man selbst. 2iut einmal in der Woche muhte Poldi in die Stadt gehen, um Einkäufe zu machen. Das geschah jeden Mittwoch. Denn jeden Donnerstag aab es — schon seit einem Menschenalter — Empfangsabend mit Souper. An dieser Gewohnheit hielten beide Alten fest, daran durfte nicht gerüttelt werden. Auch wenn jetzt nur ein einziger Gast zur Tafel erschien: der alte, fast taube Baron Lüdinghaus Arnold Baron Lüdinghaus lebte in noch dürftigeren Berhältnissen, als sein Schwager Brevem: in einer ärmlichen Hinterhausstube in der Stadt Cr hatte sein übrigens nicht sehr großes Vermögen auf eine viel kurzweiligere Weise verloren: in Monte Carlo und San Remo, am Roulette. Dann wohnte er bei Verwandten und guten Freunden. Als die Letzten ebenfalls das Letzte verloren oder starben, nistete er sich in Meran ein, in der Rahe seines alten Schwagers. Eine Richte bezahlte die Miete für das Zimmer, einschließlich Frühstück, und schickte ihm jeden Monat ein kleines Taschengeld. Damit bestritt er: drei Virginias am Tag. einen schwarzen Kaffee, einen Vermut. Die Mahlzeiten nahm er bei Bekannten ein: pensionierten verkalkten Exzellenzen, die ja hier reichlich vorhanden waren. Jeden Vormittag stelzte der taube Baron Lüdinghaus mit Wickelgamaschen und grünem Gamsbart-Hütchen auf dem Tappeiner Weg, jeden Rach- mittag saß er auf der Kurpromenade, rauchte und trank seinen Kaffee. Lind jeden Donnerstagabend Aog er sich den blank geriebenen Frack an. warf sich den grünen Havelock um. setzte sich das kecke Iägerhütchen mit dem Gamsbart auf den kahlen Schädel und machte sich auf den Weg nach Schloß Dreverhof. Hier war alles nach uralter Tradition hergerichtet: die Damastdecke, das Service mit der gräflichen Krone, das schwere Familiensilber, der Dreiarmige Leuchter mit den dicken gelben Wachskerzen. Auch die alte Erzellenz hatte sich mit Poldis Hilfe den Frack mit den vielen Orden an- gebogen, die weihe Binde um den steifen Kragen gebunden. Lind Poldi selbst bediente in seiner abgetragenen Gala-Linisorm mit den blank geputzten gräflichen Messing knöpfen, in weihen Gamaschen weihen Handschuhen. Das Mahl war einfach, ja. ein wenig dürftig, aber die silbernen Schüsseln waren schön garniert, und der rote Tiroler Landwein schmeckte in den Kristallgläsern fast wie Bordeaux. Die beiden alten Herren stießen an, nickten sich au, sprachen aber kaum ein Wort. Baron Lüdinghaus verstand nur, was man ihm ins Ohr brüllte. Lind auch dann verstand er oft falsch. Was sollten sich die Beiden auch noch erzählen? Alles, was zu sagen war, hatten sie sich schon längst gesagt. Trotzdem sahen sie noch lange nach dem Essen im Erker, der eine im Rollstuhl, der andere im verschlissenen Sessel, rauchten, schlürften Wein und spielten Dezique. Rach der letzten Partie trug sich regelmäßig folgendes au: Baron Lüdinghaus griff wie suchend mit zwei steifen Fingern in die linke Westentasche, dann in die rechte, beklopfte, durchwühlte alle Taschen, fuhr sich mit der knöchernen Hand Über die Stirn. Dann griff der Graf Brevem in seine Tasche, holte ein Fünf-Lirestück hervor und gab es schweigend seinem Gast. »Daß ich immer das Kleingeld vergesse", polterte der taube Baron: ,ja, man ist nicht mehr gewöhnt, Trinkgelder zu geben!" Hieraus erhob er sich, und nachdem der herbeigeeilte Kammerdiener gravitätisch, als hielte er einen kostbaren Zobelpelz, dem Gast in den abgeschabten Havelock hinetngeholfen hatte, drückte der alte Baron ihm das Fünf-Lirestück in die Hand Der Kammerdiener verneigte sich stumm, mit königlicher Würde. Aber dann geschah folgendes: Wenn Poldi die alte Exzellenz schlafen gelegt, den Frack sorgfältig ausgebürstet und auf den Bügel im Schrank aufgehängt hatte, legte er das Fünf-Lirestück wieder in die Tasche seines Herrn zurück. Lind auch der leere Frack mit den vielen Orden nahm das Trinkgeld in stummer, königlicher Würde. OerZeitgenofte^derGoethenichtkannte. Goethe hat diese Geschichte, die chm bei einem Karlsbader Aufenthalt begegnete, selbst erzählt. Er traf bei seinen Spaziergängen einen etwa achtzigjährigen allen Herrn. Der. auf einen Stock mit goldenem Knopf gestützt, auf der Promenade auf und ab ging; ein General, sagte man ihm, aus altem, sehr verdientem Geschlecht Goethe beachtete nicht, an solche Aufmerksamkeit gewöhnt, daß der alte Herr wiederholt mit chm ins Gespräch zu kommen suchte, das sich Dann eines Tages folgendermaßen abwickelte: ..Richt wahr. Eie nennen sich Herr Goethe aus Weimar. Sie haben Bücher geschrieben und Verse gemacht?" — ..Gewiß" — „Es soll schön fein. Haden Sie viel geschrieben?" — „Es mag angehen " — „Ist das Verfemachen schwer?" — „Run soso." — „Es kommt halt wohl auf die Laune an. ob man gut gegessen und getrunken hat. nicht wahr?" — „Es ist mir fast so vorgekommen." — „Da sollten Sie nicht in Weimar sitzen bleiben, sondern nach Wien kommen, in Wien ist's gut, da wird gut gegessen und getrunken." — „Soso." — „Lind man hält dort was auf die Leute, die Verse machen. Dergleichen finden wohl gar, wenn sie sich gut halten, in den ersten Häusern Ausnahme. Kommen'» nur. Melden s sich bei mir. Ich hab' Bekanntschaft, Verwandtschaft, Einfluß Schrei- ben's nur: Goethe aus Weimar, bekannt aufl Karlsbad. Das ist notwendig, zu meiner Erinnerung, weil ich halt viel im Kops habe." — „Werde nicht verfehlen" — „Aber sagen'- doch, was haben's denn geschrieben? Es soll halt berühmt sein? Schade, daß ich nichts von Ihnen gelelen und früher nichts von Ihnen gehört habe. Sind schon neue verbesserte Auslagen von Ihren Schriften erschienen?" — „O. das auch." — „Lind eS werden wohl noch mehr erscheinen?" — „Das wollen wir hoffen." — „Ja, schauens da kauf' ich Ihre Werke nicht Ich kauf' halt nur Ausgaben letzter Hand, sonst hat man immer Aerger. ein schlechtes Buch zu besitzen, oder man muh dasselbe Buch zum zweiten Male kaufen Darum warte ich immer den Tod deS Autors ab, und davon werde ich auch bei Ihnen nicht abgehen ..." 3eiffd)riffen. Mutter und Kind, Zeitschrift für Sr- näh ung. Pflege und Erziehung des Kindes Verlag Elwin Staude, Osterwieck a H Vierteljährlich (d Hefte) 1,65 Mk emschl Porto — Diese interessante und lehrreiche Zeitschrift, die vom Kaiserin-Auguste-Liktoria-Haus. der Reichsanftalt zur Bekämpfung der Säuglings- und Kleinkindersterblichleit, herausgegeben wird, bringt in ihrem Iumheft einen Aufsatz Dr Pototzkys über den „Schlaf des Kindes, die Störungen und ihre Behandlung". Ferner behandelt Professor Dr. Blühdorn das Thema „Was bedeuten- Leib- schmerzen im Kindesalter ' und Geheimrat Professor Dr. H. SchulA schreibt übet die Arznei- wirkung. Das Heft bringt noch weitere Beiträge wie „Lieber das Körpergewicht des Säuglings und des Kleinkindes", „Umtriebe des Kleinkindes im Haufe". „Zurückgeftellt — Schulunreif, was wird aus Liefen Kindern", „Warum ich viele Kinder haben will" usw- — Alle diese Beiträge werden jungen Müttern. Säuglingsund Kleinkinderpflegerinnen und Kindergärtnerinnen gute Dienste leisten. sich nicht restlos dem Gedankenaang einer Machtpolitik unterordncn lassen. Zur Zeit seien auch die französischen Guthaben im Südosten durch die dort herrschende Agrarkrise erheblich gefährdet. Verluste Frankreichs in größerem Ausmaße könnten innenpolitische Auswirkungen nach sich ziehen, denen Tardieu mit seinem Donaukonföderationsplan ent- aegenwirken wollte. In diesen Plan sollte auch Oesterreich.Ungarn mit eingeschlossen werden, das politische Ziel sei aber die dadurch heroorgerufene Isolierung Deutschlands von den Südoststaaten. Es sei zu erwarten, daß Frankreich bei den kommenden Reparationsverhandlungen für evtl. Erleichterungen der Reparationen Zugeständnisse Deutschlands hin- sichtlich der Donaukonföderation verlangen werde. Es werde für die Reichsregierung zu erwägen bleiben, ob dabei auf lebenswichtige Funktionen Angriffe geplant find und in welchem Verhältnis sie zu den Erleichterungen der Reparationen stehen würden. Die Rcichsregierung werde in dieser Angelegenheit vor schwerwiegende Entscheidungen gestellt sein. (Lebhafter Beifall.) Soldaten im Examen. 3n den ^lnterrichtsräumen der Heeresfach- schule für Verwaltung und Wirtschaft beim hiesigen Bataillon begannen gestern vormittag die mündlichen Abschlußprüfungen für Beamtenanwärter, die nach zwölfjähriger Dienstzeit den Militärdienst verlassen, um sich nunmehr einem bürgerlichen Berufe zu widmen. Die Prüfungen der Klasse II (Anwartschaft auf die gehobene mittlere Beamtenlaufbahn) wurden gestern durchgeführt. Eine Anzahl Vertreter der Anstellungsbehörden hatte sich als Zuhörer eingefunden. Die Prüfungsleitung lag in den Händen des Wehrkreis-Anterrichtsleiter Oberfachschulrat Prof. Schneider, Stuttgart. 3hm zur Seite stand das Lehrerkollegium. Die schriftlichen Prüfungen fanden bereits im April statt, so daß die Prüflinge gestern nur noch die mündliche Prüfung vor sich hatten. Diese Prüflinge sind keine jungen Leute mehr, sie sind (drei hatten sich für die Prüfung ! ein- gefunden) Familienväter, reife Männer, die sich hier dem sonst so „hochnotpeinlichen Verhör" unterzogen. Sie haben eine intensive Schulung hinter sich. Das letzte ihrer zwölf Dienstjahre waren sie vom eigentlichen Militärdienst völlig befreit und widmeten sich nur noch dem Studium. Die Prüfung war ein Spiegel ihrer Arbeit. Es wurde sehr viel verlangt Es wurde geprüft in Deutsch, im Rechnen und in Mathematik, und es wurden Kenntnisse verlangt in Geschichte (Wirtschafts- und Kulturgeschichte), in Erdkunde (Wirtschaftsgeographie), Volkswirtschaftslehre, Staatsund Verwaltungskunde und in Ge^etzeskunde. Als einzige Fremdsprache wurde Englisch gelehrt und geprüft. Zum Abschluß der Prüfung im Mündlichen mußten im Physiksaol Experimente in Physik und Chemie auSgeführt und Fragen von grundsätzlicher Bedeutung beantwortet werden. Alle drei Prüflinge haben die Prüfung mit „Gut" bestanden. , „ „ , Man darf mit Recht sagen, daß es erstaunlich war, zu sehen, mit welchem Fundus an Wissen die Prüflinge aufzuwarten hatten. Die Heeres- fachschule hat ihnen ein umfangreiches und gründliches Allgemeinwissen vermittelt, das eine geschlossene, lückenlose Grundlage für den weiteren Aufbau darstellen dürfte und außerdem Gewähr dafür sein wird, da.ß die zukünftigen Beamten ihren Posten voll auszufüllen vermögen. Man kann gleichzeitig die Beobachtung machen, daß die Prüflinge es auch an lebendiger eigener geistiger Arbeit nicht fehlen ließen und insbesondere große Zusammenhänge in Geschichte, in Literatur, in Wirtschaft usw. zu übersehen und in einwandfreier sprachlicher Form darzulegen wußten. Die Prüfung in ihrer Gesamtheit war ein Beweis dafür, daß an der Heeresfachschule ernsteste Arbeit geleistet wird. Der Prüfungsleiter schloß mit Worten des Dankes an die Gäste und an das Lehrerkollegium die Prüfung, nachdem er den Prüflingen (Unterfeldwebel Adam Decker, Unteroffizier Franz Brand und Feldwebel August Hüfner) das Ergebnis bekanntgegeben hatte. 25 Sobdaten, die in Kürze auch aus dem Militärdienst ausscheiden, haben sich heute morgen der mündlichen Prüfung in Klasse! unterzogen. Soldaten, die diese Prüfung bestehen, erwerben sich damit die Anwartschaft auf die mittlere Deamtenlaufbahn. Ueber das Ergebnis dieser Prüfung werden wir zu gegebener Zeit berichten. , ** Wähleroersammlungen im hessischen Wahlkampf. Die NSDAP, hält heute, Donnerstag, 20.30 Uhr, im Cafä Leib eine Wähler- Versammlung ab, in der Reichstagsabg. Sprenger (Frankfurt a. M.) über „Beamtentum und National- fozialismus" sprechen wird. — Die Deutschnationale Volkspartei beruft auf nächsten Samstag, 20.15 Uhr, eine öffentliche Versammlung in das Cafs Leib ein. Die Landtagsabgeordneten Schmitthenner (Hei. delberg) und B o e h m (Friedberg) werden über das Thema „Wie wählen wir zum Hessischen Landtag?" sprechen. ** Borsicht, Detrügerl Seit einiger Zeit treibt sich in Frankfurt und in der Umgebung ein Schwindler herum, der angeblich für eine Firma reist, die einen Gesundheitstee änpreist. Dem Betrüger ist es gelungen, von zahlreichen Frauen Anzahlungen auf Teebestellungen zu erhalten, die natürlich verloren sind. 3n einem Falle sandte er einer Kundin gegen 20 Mk. Nachnahme ein Paket, das angeblich den „berühmten" Gesundheitstee enthalten sollte. Als es geöffnet wurde, enthielt es nur einen alten Puhlumpen. Also Vorsichtl Wirtschaft. HessischerGparkaffen-undGirover-and Die diesjährige Hauptversammlung des Hessischen Sparkassen- und Girooerbandes, dem von 36 hessischen öffentlichen Sparkassen 35 als Mitglieder angehören, sand in Bensheim a. d.B. statt. Den Geschäftsbericht erstattete der Vor- itzende des Verbandes, Justizrat Dr. Reh- Darm- tadt. An den hessischen Sparkassen ist selbstver- ländlich die Krise, welche im Juli v. I. zum offenen llusbruch kam, nicht spurlos vorübergegangen. In den Spargeldern, die sich seit der Stabilisierung ständig aufwärts bewegten, ist erstmals im Jahre 1931 ein Rückgang eingetreten. Daraus darf aber nicht gefolgert werden, daß die Sparkassen nicht nach wie vor das Vertrauen des Publikums besäßen. Wäre dies der Fall, dann würden die Ein- Zahlungen vollständig aufgehört haben. Bei den deutschen Sparkassen insgesamt betrugen aber die Einlagen im Jahre 1931 nicht weniger als 5,8 Milliarden RM.; bei den hessischen Sparkassen im ersten Halbjahr rund 60 Millionen, im zweiten Halbjahr rund 47 Millionen, zusammen in 1931 demnach 107 Millionen RM., allerdings einschließlich der Zinsgutschriften. Die Rückzahlungen sind über die neu eingelegten Beträge noch hinausgegangen: sie betrugen im ersten Halbjahr 55 Millionen, im zweiten Halbjahr 66 Millionen, zusammen also 121 Millionen RM., woraus sich eine Verminderung von rund 14 Millionen RM. auf den Sparkonten ergibt. Eine Abnahme haben auch die Depositen in Höhe von 3 Millionen RM., ferner die Guthaben auf Giro-, Scheck- und Kontokorrentkonten in Höhe von 1,7 Millionen RM. erfahren. Insgesamt ergibt sich sonach ein Rückgang von 18,7 Millionen RM., der sich allerdings durch übertragene Aufwertungsguthaben auf 17,2 Millionen RM. vermindert, wo- nach die Gesamtsumme der von den hessischen Sparkassen verwalteten fremden Gelder von 271 auf 253,8 Millionen RM. zurückging, während das Jahr 1930 noch einen Zuwachs von 40,7 Millionen RM. brachte. Die Zahl der Sparbücher hat sich er- freulicherweise auch in 1931 vermehrt, und zwar von 305 000 auf 318 000. Damit entfällt auf etwa 4 Einwohner Hessens ein Sparbuch. Das Durchschnittsguthaben je Sparbuch berechnet sich Ende 1931 auf 709 RM. An der Vorkriegs^ahl fehlen nunmehr nur noch etwa 10 000 Sparbücher. Den Bericht über die Landeskommun a*l» bank-Girozentrale für Hessen in Darmstadt erstattete Direktor Seipp. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand die Not der Gemeinden, die unter den Wohlfahrtslasten zusammenzubrechen drohen, wenn ihnen nicht durch eine andere Verteilung des Lasten- und Finanzausgleichs baldigste finanzielle Hilfe zuteil wird. Stadtrat Jur ich hielt einen Vortrag über das Thema „Urfaqjen und Lehren der Finanzkrise von 19 31". Es verdient, aus den ausführlichen Darlegungen hervoraehoben zu werden, daß die Sparkassen an den Ursachen und am Anlaß der Ereignisse des 13. Juli 1931 völlig unbeteiligt sind und darum auch keine Schuld an diesen Ereignissen und Auswirkungen tragen. Die unvermeidlichen Folgen der Zahlungskrise hätten sich leichter überwinden lassen, wenn die zunächst notwendigerweise angeordneten Beschränkungen im Zahlungsverkehr bei den Sparkassen schneller wieder abgebaut worden, also nur eine ganz kurze Episode geblieben wären. Auf die großen volkswirtschaftlichen Nachteile der Geldhortung wurde auch in dieser Versamm- lung hingewiesen. Die bestehende Kapitalnot wird noch verschärft, wenn ein großer Teil der Bevölkerung daran festhält, Noten in den Strumpf zu stecken, anstatt sie zu den Geldinstituten zu bringen, von wo aus sie auf die allgemeine Wirtschaft befruchtend einwirken können. 3mmer noch 5,5 Millionen Arbeitslose. Zunahme der Wohlfahrisertverbslosenzahl. Keine Belebung in Hessen und Hessen- Nassau. B e r 11 n , 8. Juni. (WTB.) Nach dem Bericht der Reichsanstalt für die Zeit vom 16. bis 31. Mai hat die Erleichterung auf dem Arbeitsmarkt von Mitte bis Ende Mai sich mit etwas größerer Beschleunigung fortgesetzt. Während im vorigen Berichtsabschnitt die Zahl der Arbeitslosen nur um rund 64 000 abgenommen hatte, war sie Ende Mai um rund 92000 geringer, als am 15. d. M. Der damit erreichte Stand von rund 5 5 8 3 0 0 0 Arbeitslosen liegt jedoch um etwa 1 j Millionen über dem Stand zur gleichen Zeit des Vorjah- res. Seit dem winterlichen Höchststand (Mitte März) ist die Zahl der Arbeitslosen um rund 546 000 zurückgeganaen. Träger der Entlastung sind weiterhin fast ausschließlich die S ai s o n a u ß ende r u f e , auf die 75 Prozent des Rückganges in der Berichtszeit entfallen, während in den übrigen Berichtsgruppen, bei lebhafter Bewegung im einzelnen, keine wesentliche Entlastung im ganzen eingetreten ist. In der Versicherung war die Abnahme der Zahl der Hauptunterstühungsempfänger mit rund 64 000 geringer, als in der ersten Hälfte des Monats (rund 92 000). Die Abnahme in der Krisenfürsorge war mit rund 52 000 verhältnismäßig größer, als man annehmen konnte. In beiden Einrichtungen zusammen wurden am 31. Mai rund 2 658 000 Arbeitslose unterstützt, und zwar rund 1 076 000 in der Arbeitslosenversicherung, 1582 000 in der Krisenfürsorge. Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen betrug Ende M a i rund 2086000 gegenüber rund 2 019 000 Ende April. Sie hat also entgegen der allgemeinen Bewegung zugenommen. WSR. Frankfurt a. M., 8. 3uni. Heber die Arbeitsmarkt läge im Bezirk des Landesarbeitsamts Hessen in der Zeit vom 16. bis 31. Mai wird mitgeteilt: Die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes hat in der zweiten Maihälfte keineBelebung erfahren. Die Zahl der Arbeitsuchenden ging insgesamt um 3039, oder 0,9 Prozent auf 323 579 zurück. Die Entwicklung in den verschiedenen Derufsgruppen ist nicht einheitlich, jedoch bewegen sich die Veränderungen in engen Grenzen. Der Abgang an Arbeitsuchenden erstreckt sich hauptsächlich auf die Gruppen Bergbau mit —178, Steine und Erden — 620, Metallindustrie — 793, Holzgewerbe — 309, Baugewerbe — 80Ü, häusliche Dienste — 356 und Lohnarbeit wechselnder Art — 399. In der Landwirtschaft ist nur eine ganz, geringe Abnahme (41) zu verzeichnen. Gestiegen ist die Arbeitslosigkeit besonders in der Papierindustrie (+ 109), Lederindustrie (+ 439), im Bekleidungsgewerbe (+ 358) und im Reinigungsgewerbe (+ 110). Aehnlich ist es auch in den einzelnen Arbeitsomtsbezirken. von denen die Arbeitsämter Fulda, Gießen, Offenbach. Treysa, Wiesbaden und Worms schon wiederZugänge anAr- beitsuchenden hatten. Die Zahl der Hnter- stühten in der Arbeitslosenversicherung ist um 4458 auf 52 942 und in der Krisenfürforge um 2950 auf 86 744 zurückgegangen: die der Wohlfahrtserwerbslosen ist von 115 691 am 30. April auf 119 723 am 31. Mai gestiegen. Frankfurt ruhig, aber freundlich. Frankfurt a. M., 9. Juni. (WTB. Drahtmeldung.) An der heutigen Börse herrschte trotz der erneut schwachen Haltung Wallstreets ein freundlicher Grundton vor. Anregend wirkte vor allem die Ausgleichung des Preußenetats: im Zusammenhang damit erwartet man auch besonders eine solche des Reichs. Ferner wurde die innerpolitische Lage etwas besser beurteilt, ebenso die außenpolitische Situation, wobei die einzelnen Blätterstimmen hinsichtlich der Reparationsfrage ein günstiges Echo hinterließen. Die weitere Entlastung des Arbeitsmarktes wurde gleichfalls mit Befriedigung aufgenommen. Das verschiedentlich von der Spekulation an den Markt gekommene Material wurde durch kleine Publikumsorders ausgeglichen, so daß bei allerdings weiter ruhigem Geschäftsgang gegen die Abendbörse überwiegend kleine Kursbesserungen eintraten, besonders am Elektromarkt, an dem durchweg Erholungen von etwa 1 v. H. zu verzeichnen waren. Von Chemiewerten eröffneten IG. mit 90 v. H. unverändert, ebenso Rütgerswerke mit 30,25 v. H. Dagegen gewannen Scheideanstalt und Deutsche Erdöl bis zu 1 v. H. Am Montanmarkt setzten Gelsenkirchen und Mannesmann bis zu 1 v. H. höher ein. Etwas freundlicher lagen ferner Reichsbank und Süddeutsche Zucker mit je plus 0,5 v. H. Daoegen lagen Kunstseideaktien im Angebot, Aku verloren 0,25 v. H., Hemberg 3,5 v. H. Holzmann bröckelten auf den ungünstigen Geschäftsbericht weiter etwas ab. Der Rentenmarkt lag sehr still und überroie- gend etwas schwächer. Deutsche Anleihen blieben jedoch behauptet, ebenso auf dem erhöhten Abendbörsenniveau Reichsschuldbuchforderungen. Der Pfandbriefmarkt neigte meist leicht zur Schwäche, dagegen gewannen am Markte der Industrieobligationen Stahlverein-Bonds 1 v. H. Auslandrenten lagen still und unverändert. Im Verlaufe war die Stimmung unficherund überwiegend abgeschwächt. In Elektrowerten kam starkes Angebot heraus, was ein Ab- gleiten der Kurse um durchweg 1 v. H. verursachte. Auch die übrigen Papiere bröckelten meist bis zu 1 v. H. ab. Tagesgeld war zu 4 v. H. unverändert. Berlinwiderstandöfähig/dannfchwächer Berlin, 9.Juni. (WTB. Drahtmeldung.) Im Gegensatz zu dem wieder recht schwachen Neuyork .eröffnete die heutige Berliner Börse in auffallend wider st andsfähiger Haltung. Noch kurz vorbörslich konnte man niedrigere Kurstaxen hören, die aber den ersten offiziellen Notierungen nicht mehr entsprachen, da bei den Banken kleine Kauforders von der Kundschaft eingetroffen waren, zu denen sich ein gewisses Deckungsbedürfnis der Kulisse gesellte. Ziemlich fest lagen Bahnaktien, von denen AEG. und Allgem. Lokal und Kraft je 1 v. H. ge- wannen. Ferner waren Montanwerte unter Führung von Rheinstahl wieder gebessert, und schließlich machte sich für Tarifwerte einiges Interesse geltend. Fester eröffneten Schubert 8- Salzer, in Reaktion auf die gestrige Steigerung 3 v. H., und Braunkohlenwerte unter Vorangehen von Ilse, in denen das Angebot wieder nur klein war, bis zu 3,75 v. H. niedriger. Das Geschäft war sehr klein, da die sich aus der neuen preußischen Notverordnung ergebende Belastung auf der einen Seite zwar verstimmte, man anderseits von ihnen aber eine Entlastung des Etats erwartet. Ferner befriedigte, daß entgegen den gestrigen Gerüchten keine akuten Kassenschwierigkeiten beim Reiche bestehen, daß die Entlastung am Arbeitsmarkt weitere, wenn auch nicht allzu große Fortschritte gemacht hat, und daß der Reichsbank-ausweis für die Juniwoche trotz der um 4,7 Millionen verringerten Gold, und Devisenbestände im großen und ganzen als entspannt bezeichnet werden kann. Die Deckung hat allerdings nur eine geringe Besserung um 0,4 v. H. erfahren. Auch im Verlaufe blieb das Geschäft ruhig. Es drückten sich aber meist Erholungen um Bruchteile eines Prozentes durch, da sich auf Grund vorliegender ausländischer Pressemeldungen die Hof f- nungen für Lausanne etwas gebessert haben. Der Rentenmarkt lag freundlich. Deutsche Anleihen lagen kursmäßig zwar nur behauptet. Auch Jndustrieobligationen waren nicht ganz einheitlich, dagegen konnten Reichsbank i v. H. gewinnen. Neichsschuldbuchforderungen zogen bis zu 1 v. H. an. Auch die Berliner Schätze schienen weiter gefragt 3U sein. Gegen 12.45 Uhr machte sich an den Aktienmärkten ein Stimmungsumschwung bemerkbar. AEG. verloren auf starke Abgaben ) v. H., während Siemens um etwa 2 v. H. zurückgingen. Hiervon ausgehend wurde es auch an den übrioen Märkten schwächer, die Gewinne der ersten Börsenstunden gingen zumindest wieder verloren. Schubert 8- Salzer büßten erneut 2 v. H. ein. Am Geldmarkt machte die Erleichterung weitere Fortschritte. Tagesgeld war in der unteren Grenze schon zu 5j v. H. erhältlich, während Monatsgeld mit 6 bis 8 v. H. nominell unverändert blieb. Die Nachfrage nach Privatdiskonten hielt an. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a.M., 9.Juni. Auftrieb: 242 Rinder, 1292 Kälber, 72 Schafe, 799 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 38 bis 40 Mark, mittlere Mast- und Saugkälber 33 bis 37, geringe Kälber 25 bis 32; Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 30 bis 33, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 26 bis 29; Schweine: voll- fleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 40 bis 41, von etwa 200 bis 240 Pfund 38 bis 41, von etwa 160 bis 200 Pfund 37 bis 40, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 35 bis 39 Mark. — Marktverkauf: Kälber und Schafe ruhig, geräumt, Schweine mittelmäßig, ausverkauft. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 0. H, Lombardzinsfuß 6 v. H. vranhur u. Ser» i ivianiiuri a. JJi. Ber» au.'Uk u. DI. Berlin Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. IN. Schluß-I lurd | 1-Uhr- $Tur