nr. 289 Kvübausgabe 182. Jahrgang Donnerstag, ö. vejcnüei (932 MetzenerAn;eiger General-Anzeiger für Oberheffen Drad und Verlag: vrühl'sche Univerfität§-Vuch- und Steindruckerei B. Lange in Sietzen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7. Annahme von luj« Tür die Tagesnummer ms zum Nachmittag vorher. Preis für ( mm höhe für Anzeigen von 27 nun Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspiennig; für Ne« klameanzeigen von 70 "in Breite 35 Neichspjenmg, Platzoorfchrift 20" , mehr. Chefredakteur Dr. Frredr. Wich. Lange. Verantwortlich für Polit k Dr. Fr. Wilh. Lange: iür Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Er st Blumschein undiüedenA'l- zeigenteil i. V. TH.Kümmel sämtlich in (Biegen Er>chein» täglich, außer Sonntags und Feiertags veilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat >m Bild Die Scholle Monatr-vezugspreir: Mit 4 Beilagen Nil. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. 5ernsprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach- richten Anzeiger Siehe«», posischeckkonto: Kronifurt am Main 11686. Der Reichstag an der Arbeit. Oie Stellvertretung -es Reichspräsidenten in zwei Beratungen behandelt.-Eine Schlägerei führt zur Unterbrechung der Sitzung.-Eine sozialpolitische Debatte. Der Alterspräsident, der nationalsozialistische Abgeordnete General L i tz rn a n n, bei der Eröffnungsansprache. -rr- - W- < "W. MH 0Tv. • - i Ü- ?•,3- E "•/ - 1 r M M i Berlin, 7. Dez. (DDZ.) Reichstagspräsident Göring eröffnete um 14.10 Hfjr die Sitzung des Reichstages und teilt das Ergebnis der Schriftführerwahl mit. Die Mitteilung, dah auch der Abgeordnete Hugenberg (Dn.) mit 291 Stimmen zum Schriftführer gewählt sei, wird mit großem Gelächter und Beifallsklatschen ausgenommen. Don den Rationalsozialisten wird gerufen: „Der große Schriftführer Deutschlands!" Lobes Vizepräsidentenposten. Der Präsident teilt weiter mit, daß nach der endgültigen Feststellung gestern der Abgeordnete Löbe (Soz.) zum Dizepräsidenten gewählt worden ist. Abg. Dr. Frick (Rat.-Soz.) beantragt, in namentlicher Abstimmung eine Wiederholung der Dizepräsidentenwahl zu beschließen. Die Rationalsozialisten bezweifelten, daß die Wahl des Abg. Löbe zum Vizepräsidenten einwandfrei festgestellt sei. Abg. Di ttmann (Soz.) widerspricht einer Wiederholung der Wahl, deren Ergebnis amtlich einwandfrei festgestellt sei. Abg. T o r g 1 e r (K.) erllärt sich gleichfalls gegen eine Wiederholung der Wahl. Abg. Leicht (BVP.): Das amtliche Ergebnis muß selbstverständlich als das endgültige gelten. Eine Wiederholung der Wahl ist gar nicht zulässig. Als Präsident Göring die namentliche Ab- stinunung über den Antrag Dr. Frick vornehmen will, erhebt Abg. Leicht (BDP.) Einspruch gegen die Zulässigkeit dieser Abstimmung. Abg. Dr. Frick (RS.) beantragt nunmehr namentliche Abstimmung über die Zulässigkeit der Abstimmung. Diese Abstimmung ergibt die Ablehnung der Zulässigkeit mit 289 gegen 201 Stimmen bei 58 Enthaltungen. Für die Zulässigkeit haben mit den Rationalsvzialisten die Mitglieder der Deutschen Dottspartei gestimmt. Die Deutschnationalen haben Stimmenthaltungskarten abgegeben. Auf die Frage, ob er die Wahl annehmen wolle, erklärt Ab. Löbe, er nehme die Wahl an. Dor Eintritt in die Tagesordnung erhält Abg. Hel! (Brandenburg) (5t) zu einer Erklärung das Wori. Er teilt mit, daß bei der furchtbaren Ex- Plc,, nstatastrophe im Premnitz 30 Arbeiter unter den Trümmern begraben und zehn getötet worden sind. Alle Abgeordneten erheben sich spontan von den Sitzen. Abg. Hell verlangt die fo- fertige Beratung eines kommunistischen Antrages, Iber eine Untersuchung der Ursachen der Katastrophe und Hilfsmaßnahmen für die Opfer fordert. Gegen den kommunistischen Antrag wird kein Widerspruch erhoben. Er soll am Schluß der Tagesordnung behandelt werden. Oie Stellvertretung des Reichspräsidenten. Auf der Tagesordnung steht als erster Punkt der nationalsozialistische Gesetzentwurs, wonach der R e i ch s p r ä s i d e n t im Falle seiner Verhinderung durch den Präsidenten des Reichsgerichts vertreten werden soll. Die Antragsteller nehmen zunächst nicht das Wort. Abg. Schneller (K.) erklärt, das Reichsgericht stehe unter so starkem nationalsozialistischen Einfluß, dah nach dem Ausscheiden des jetzigen Präsidenten fein Rachfolger sicher ein Rationalsozialist fein werde. Der Redner richtet dann scharfe Angriffe gegen den Reichspräsidenten von Hindenburg. Die Kommunisten klatschen Beifall und rufen dreimal im Sprechchor: „Rieder mit Hindenburg!" Vizepräsident Esser: Wegen dieses unerhörten Ausfalls gegen den Herrn Reichspräsidenten rufe ich den Redner zur Ordnung und mache darauf aufmerksam, daß ich bei einer Wiederholung mit schärferen Maßnahmen vorgehen werde. Abg. Schneller (K.) seht seine Angriffe auf den Reichspräsidenten fort. Die Kommunisten rufen wieder dreimal: „Rieder mit Hindenburg!" Auf der rechten Vublikumstribüne stimmt ein Besucher dreimal laut in die Riederruse ein. 3n dem Lärm, der im Hause herrscht, ist nicht zu hören, was der Vizepräsident sagt. Wieder rufen die Kommunisten dreimal: „Rieder mit Hindenburg!" Wieder beteiligt sich der Tribünenbesucher laut mit erhobenem Arm an dieser Kundgebung. Andere Besucher derselben Tribüne dringen auf den Demonstranten ein und drängen ihn unter Faustschlägen zur Tür. Die Kommunisten im Saale brechen beim Anblick dieser Szene in lärmende Verwünschungen gegen die Tribünenbesucher aus, Auf der Tribüne find inzwischen auch einige uniformierte Rational- soziallsten erschienen. Es entwickell sich oben eine Schlägerei, die von den Kommunisten im Saal mit „Rieder!"-Rusen gegen Hindenburg begleitet wird. Während des allgemeinen Tumults hate Vizepräsident Esser feinen Platz verlassen und damit die Sitzung unterbrochen. Rach etwa dreiviertelstündiger Pause eröffnet Vizepräsident Esser die Sitzung wieder mit der Mitteilung, daß der Reichstagspräsident die Dorgänge untersuchen und nach dem Abschluß berichten werde. Sollten sich weitere Störungen von den Tribünen zeigen, so würden sämtliche Tribünen geräumt werden. Abg. v. Freytagh-Loringhoven (dn.): Die politische Führung des Reiches sollte nicht einem Manne anvertraut werden, der die ganz unpolitische Stellung des Reichsgerichtspräsidenten einnimmt. Die Annahme des Gesetzentwurfes würde die Folge haben, daß man den Präsidenten des Reichsgerichts nicht nach rein rechtlichen, sondern auch nach politischen Gesichtspunkten auswählt. Wir lehnen den Entwurf ab und beantragen: „Der Reichspräsident bestimmt seinen Vertreter für den Fall feiner Verhinderung. Der Vertreter muß den Bedingungen entsprechen, die für den Reichspräsidenten-gestellt sind." (Lachen bei den Rationalsozialisten.) Wir sehen in dem nationalsozialistischen Entwurf eine Ueberspan- nung des demokratischen Gedankens. Wir bedauern die gestrigen Angriffe des Alterspräsi- denten gegen den Reichspräsidenten, dessen geschichtliche Stellung ihn vor solchen Angriffen schützen sollte. (Beifall bei den Deutschnationalen.) Abg. Dr. B r e i t s ch e i d (Soz.) bezeichnet es als befremdlich, daß die Nationalsozialisten ihren Der fassungsändernden Gesetzentwurf nicht einmal durch einen Redner begründet haben. Die Sozialdemokraten würden dem nationalsozialiftifchen Entwurf zuftimmen, weitste eine Dauerregelung der Vertretungsfrage für nötig halten. Der deutschnationale Antrag fei unannehmbar, denn er gebe dem Reichspräsidenten eine Machtvollkommenheit, die beinahe die des Kaisers erreicht. Die scharfe Kritik an dem Urteil des Staatsgerichtshofes fei berechtigt: aber trotz alledem sei der Reichsgerichtspräsident der zu einer Vertretung des Reichspräsidenten geeignetste Mann. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) 'ilbg. Dr. Bredt (Wp.) begrüßt den national foziallstischen Entwurf. Es sei in der Tat zur Vertretung des Reichspräsidenten am besten geeignet der Reichsgerichtspräsident, dem der Schütz des Rechts und der Verfassung obliegt. Die Kritik an dem Urteil des Staatsgerichtshofes sei nicht berechtigt. Damit ist die erste Beratung des Entwurfs erledigt. In der darauf folgenden zweiten Beratung wird ein de-utfchnationaler Antrag auf Ausschuß- Überweisung gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Der vom Abgeordneten v. Freytagh begründete Aenderungsantrag, wonach der Reichspräsident selbst seinen Vertreter bestimmen soll, wird gleichfalls gegen die Antragsteller in einfacher Abstimmung abgelehnt. ~ Nachdem Abg. Leicht (BVP.) den von seiner Fraktion eingebrachten Entwurf zugunsten des gleichlautenden nationalsozialistischen Entwurfes für das Reichspräsidentenvertretungsgesetz zurückgezogen hat, wird der nationalsozialistische Entwurf mit allen gegen die Stimmen der Kommunisten und Deutschnationalen angenommen. Die dritte Beratung kann wegen eines Einspruches der Kommunisten erst in der nächsten Sitzung vorgenommen werden. Es folgt die erste Beratung der Anträge des Zentrums, der Sozialdemokraten und der Nationalsozialisten aus Aenberung der Notverordnung vom 4. September in ihrem sozialpolitischen Teil, aus Winterhilfe und Arbeitsbeschaffung. Abg. I o r g l e r (Som.) weist darauf hin, daß kein Mitglied der Reichsregierung diese Sitzung besucht hat. Er beantragt die Herbeirufung des Reichskanzlers zu der jetzt bevorstehenden sozialpolitischen Debatte. Der kommunistische Antrag wird gegen Kommunisten und Sozialdemokraten abgelehnt. Berlin, 7. Dez. (VdZ.) Zu dem heutigen Zwischenfall im Reichstag sind folgende Einzelheiten zu melden: Nach Aussagen von Tribünenbesuchern hat sich der Zuhörer, durch den der heutige Zwischenfall verursacht wurde, schon gestern auffällig benommen, indem er den kommunistischen Rednern und Zwischenrusern ständig Beifall zollte und Zwischenrufe machte. Dieses Benehmen setzte er auch heute fort, so daß andere Tribünenbesucher sich schließlich bei dem zuständigen Reichstagsbeamten beschwerten. Der Beamte verwarnte ihn, -der kommunistische Zuhörer wiederholte aber seinen Ruf „Nieder! . Während man dann versuchte, 'ihn von der Tribüne zu entfernen, gab der Präsident gleichzeitig den Auftrag, die ganze Tribüne zu räumen. Inzwischen hatte sich auf der Tribüne schon ein Handqe - menge entwickelt, da der demonstrierende Tri- bünenbefucher heftigen Widerstand leistete. An der Tür der Tribüne zeigten sich auch uniformierte Nationalsozialisten, die ihre Angehörigen auf der Tribüne schützen wollten. Als gleichzeitig aus dem Sitzungssaal auch kommunistische 'Abgeordnete versuchten, auf die Publikumstribüne zu gelangen, folgten ihnen weitere Nationalsozialisten. Beide Gruppen trafen auf dem Wandelgang hinter der Regierungstribüne aufeinander. Es gab zunächst einen heftigen Wortwechsel. Er schien zunächst abzuflauen, als plötzlich im hohen Bogen ein Spucknapf durch die Luft flog. Im gleichen Augenblick entstand eine schwere Schlägerei zwischen etwa 40 bis 50 kommunistischen und nationalsozialistischen Abgeordneten, wobei nicht nur Aschenbecher und Pu 11deckel als Waffen benutzt wunden, sondern auch Telefonapparate unb _ S d) r e i b = pulte* die man aus der Wand riß, verwandt wurden. Mehrere große Glasscheiben von Der- bindungstüren gingen in Trümmer, schließlich wurden die Kommunisten von Nationalsozialisten dis in den Wandelgang zurückgedrängt, in dem diese sich gewöhnlich aufhalten. Im Verlaufe des Handgemenges erlitten mehrere Abgeordnete blutige Verletzungen. lieber die llrsache des Zwilchensalles auf der Tribüne erfahren wir noch, dah von kommunistischen Tribünenbesuchern einer Rational- Abg. Kar st e n (Soz.) begründet die sozialdemokratischen Anträge. Darin wird die Aufhebung der Notverordnung vom 14. Juni über Arbeitslosenhilfe, Sozialversicherung und Wohlfahrtslasten verlangt. Im Falle der Ablehnung dieses Antrages soll nach einem Eventualantrag die Winterbeihilfe erweitert werden. Nach einem von den Sozialdemokraten eingebrachten ^Gesetzentwurf sollen die Unterstützungssätze und Sozialrenten wieder auf den Stand vor der Notverordnung vom 14. Juni 1932 gebracht werden. In einem weiteren Entwurf wird eine Winterbeihilfe für alle Empfänger von öffentlichen Unterstützungen und Renten verlangt. Abg. Börger (NS.) tritt für die nationalsozia listischen Anträge ein. Einer dieser Anträge fordert die Aufhebung der Notverordnung vom 4. September in ihrem sozialpolitischen Teil und der darauf gegründeten Verordnung zur Vermehrung und Erhaltung der Arbeitsgelegenheit vom 5. September 1932. Weitere Anträge fordern eine Weihnachtsund Winterbeihilfe in Form von Lebensmitteln, Kleidungsstücken, Wäsche usw. für die notleidende Bevölkerung, sowie eine Arbeitsbeschaffungsaktion, insbesondere durch öffentliche Aufträge. Abg. Pieck (Kom.) erklärt, nur die Kommunistische Partei habe ehrlich den Kampf gegen die Pa pen-Regierung mit ihrem Hungerprogramm aufgenommen. 2Ibg. Dr. Schmid- Eichwalde (Dn.) führt aus, die Deutschnationalen müßten Einspruch erheben gegen den nationalsozialistischen Antrag, der die sozialpolltische Vollmacht für die Regierung aufheben will. Ein solcher Antrag würde bei seiner Annahme die Arbeitnehmer schwer schädigen, weil er die Sozialversicherung vollständig den Roten und Schwarzen ausllefern würde. (Ruse bei den RS.: „Sie sind ja gegen jede Sozialpolitik und nur für die Unternehmer!") Wir nehmen die Sozialpolitik ernst 'und werden Anträge einbringen, die mit den sozialen Ungerechtigkeiten der Rotverordnungen aufräumen sotten. Abq. Schwarzer (BDP.) meint, die DRDP. genieße in Arbeiter- und Angestetttenkreisen gar kein Vertrauen mehr. Die BDP. wolle ihre Hilfsbereitschaft durch die Tat in entsprechenden Anträgen beweisen. Wichtig sei vor allem die Erhaltung der Leistungsfähigkeit der sozialen Versicherungsanstalten. Diesem Ziel hätten die Notverordnungen der Regierung Brüning gedient. Wenn die neue Regierung mit dem Volke bessere Fühlung haben wolle als ihre Vorgängerin, dann sollte sie die sozialpolitischen Härten der Rotverordnungen beseitigen. Die sozialpolltische Aussprache wird darauf abgebrochen. Vizepräsident Esser teilt unter großer Heiterkeit mit, daß Dr. Hugenberg (Dn.) die Wahl zum Schriftführer nicht angenommen hat. Ohne Debatte werden die A m n e ft i e an- träge dem Rechtsausfchuh überwiesen. Rach 19,30 Uhr vertagt sich der Reichstag auf Freitag, 9. Dezember, 11 Uhr. Aus der Tagesordnung stehen die dritten Beratungen der heute verhandelten Entwürfe und Anträge. sozialiftin Beschimpfungen zugerufen worden fein sotten, die sich gegen die kommunistischen Ruhestörer auf der Tribüne energisch gewandt hatte. Wie wir weiter erfahren, handelt es sich bei dem demonstrierenden Tribünenbesucher um den kommunistischen Landtagsabgeordneten des Mecklenburgischen Landtags, Quandt. Bei der Schlägerei in den Wandelgängen wurde auch ein Tisch in so hohem Bogen geschleudert, daß der ziemlich hoch hängende Kronleuchter in Trümmer ging. Durch die herabfallenden Glassplltter wurden mehrere Abgeordnete verletzt. Am schwersten verletzt wurde der - nationalsozialistische Abgeordnete Lohse, dem ein Telephonapparat an den Kopf geschleudert wurde. Bei den Demonstranten handelte es sich nicht um die allgemeine Publikumstribüne, sondern um eine Tribüne, die den Mitgliedern der Länderparlamente und dem Reichstagspräsidium zur Verfügung gestellt ist. Oie folgen der Schlägerei. Bei dem Zusammenstoß zwischen kommunistischeil und nationalsozialistischen 'Abgeordneten im Reichstage sind, wie das VDZ.-Bureau hört, verschiedene Personen verletzt worden. Schwere Verletzungen haben insbesondere Kriminalbeamte erlitten, die sich mit ausgebreiteten Armen zwischen die Streitenden stellten. Ein Beamter hat eine tiefe Kopfverletzung und einer eine Beschädigung des Ellenbogengelenks offenbar durch Würfe mit harten Gegenständen davongetragen. Die beteiligten Abgeordneten scheinen mit leichteren Verletzungen davongekommen zu fein. Best mmt weiß man nur, daß der preußische Landtagsabgeordnete Lohse (NS.) und der Reichstagsabgeordnete Hörn le (Kom.) blutende Kopfverletzungen erlitten. Im A e 11 e ft e n r a t ist über den .Hergang bei den Zusammenstößen ausführlich gesprochen worden, ohne daß die Schuldfrage schon geklärt werden konnte. Feststellungen darüber werden überhaupt kaum möglich sein, da auf der T r i b ü n c, von der die Unruhe ihren Ausgang nahm, ein wildes Durcheinander herrschte. Die Reichstagsverwaltung hat nach Vernehmung sämtticher in Frage kommenden Beamten des Hauses und der Polizei Oie Schlägerei im Reichstag. Em kommunistischer Landiagsabgeordneier aus Mecklenburg als Urheber. einen ausführlichen Bericht fertiggestellt, -er dem Präsidenten Göring vorgelegt werden wird. Die Folgerungen aus diesem Bericht zu ziehen, ist Sache des Präsidenten, der im Haufe das Hausrecht ausübt und Polizeigewalt hat. Die Reichstagsverwaltung bedauert die Vorgänge insbesondere deshalb, weil sie ihren Ausgang von einer bevorzugten Tribüne nahmen, nämlich vor der Empore, auf der Angehörige und Ehrengäste des Reichspräsidenten, der Reichsminister und anderer hoher Behörden Platz zu nehmen pflegen und auf der fönst nur Mitglieder der Länderparlamente und des Reichs- wirtfchaftsrates gegen Vorweisung ihrer Mitgliedskarte zugelassen werden. Daher ist anzunehmen, daß gegen eine Wiederholung solcher Vorfälle energische Maßnahmen getroffen werden. Wahrscheinlich wird auch Anweisung ergehen, daß bei ernstlichen Zusammenstößen nur uniformierte Polizeibeamte einschreiten. Oer Eindruck des zweiten Tages. Vertagung bis Mitte Januar gilt als sicher. - Oie preußische Frage. Berlin, 7. Dez. (CRB.) Der zweite Tag dieser Reichstagstagung hat, wenn man von dem Zwischenfall absieht, der auf der Tribüne begann und sich im Wandelgang fortsehte, einen Verlauf genommen, der fast vollkommen früheren normalen P a r l a m en t s z e i - ten entsprach. Die Beratung der beiden Gesetzesanträge wurde ordnungsmäßig durchgeführt, und zwar so rasch, daß es allgemein älebrrraschung auslöste, als die Vertagung auf Freitag schon gegen 20 Llhr verkündet wurde, während man noch eine endlose Rednerliste erwartet und damit gerechnet hatte, daß es mindestens 22 oder 23 Ahr werden würde. Angesichts dieser Entwicklung läßt sich das Ergebnis dahin zusammenfassen, daß der gestrige Eindruck sich verstärkt hat, wonach für Freitag die Vertagung des Reichstages auf Mitte Januar erwartet werden kann. Auf eine einfache Formel gebracht, liegen die Dinge folgendermaßen: Das Stellv e rt re - tungsgefetz macht leine Schwierigkei- t e n. Bei dem sozialpolitischen Fragenkomplex gehen die sozialdemokratischen Anträge am weitesten, weil sie die Aufhebung der ganzen Notverordnungen vom 14.3uni und 4. September verlangen. Schon heute hat sich gezeigt, daß diese Anträge der Ablehnung verfallen werden. Dagegen werden die nationalsozialistischen Anträge, die sich auf Aufhebung der lohn- und sozialpolitischen Bestimmungen beschränken, sicher a n - genommen werden. Konfliktsstoff ergibt sich daraus also nicht. So kann sich—wenn nichts Außerge- wohnliches eintritt, woran man aber -kaum glaubt — am Freitagabend der Reichstag bis Mitte Januar vertagen. Für dielen Auegang der Reichs- tagstagung spricht u. a. auch die Mehrheitsbildung, die sich heute ergab, als von links der Antrag gestellt worden war, den Reichskanzler zu zitieren. Der Antrag wurde mit derselben Mehrheit a b g e l e h n t, die schon am Dienstag in die Erscheinung getreten war. Man erwartet mit Bestimmtheit, daß der Reichstag bei den entscheidenden Abstimmungen am Freitagabend dasselbe Bild bieten wird. Man hält es sogar für möglich, daß auf Grund einer Verständigung noch weilergehende Vereinbarungen zwischen Regierung und Parteien nicht aussichtslos sind. z. B. über die Regelung der Preuhenfrage. Die Berichte einiger Blätter, wonach sich das Zentrum und die ÄSDAP. auf die gemeinsame Kandidatur eines Rationalsozialisten als preußischen Ministerpräsidenten bereits geeinigt hätten, eilen den Tatsachen voraus. Voraussetzung für eine solche Einigung mühte Wohl eine Einigung mit der Reichsregierung sein, daß diese das Reichskommissariat aufhebt und daß der zu wählende Ministerpräsident in das Reichskabinett eintritt. Entgegen der Annahme, daß der Reichstag sich am Freitag vertagen werde, rechnet man in führenden Kreisen des Zentrums mit der Möglichkeit, dah die dritte Lesung erst am Samstag vorgenommen werden kann, so daß der Reichstag sich erst am Samstag vertagen würde. Zweck und Ziel des Freiwilligen Arbeilsdienstes. Eine Rede des Reichsarbeitsministers. Berlin, 7. Dez. (WTB.) Auf ber Sitzung des Huuptausschufses des Deutschen Industrie- und Han- -delstages mochte heute Reichsarbeitsminister Dr. S y r u p Ausführungen über Wesen, Zweck und Erfolge des Freiwilligen Arbeitsdienstes. Einleitend betonte der Reichsarbeitsminister, daß er in seiner Eigenschaft als Reichskommisfar für den Freiwilligen Arbeitsdienst spreche. Er führte dann u. a. folgendes aus: Im Oktober 1931 zählten wir rund 300 Arbeitsdienstwillige. Am 1. November d. I. war die Zahl von Millionen bereits überschritten. Diese Hahl ist im November noch etwas gestiegen. Sie beträgt nunmehr 270 000." Beim Arbeitsdienst handelt es sich nicht etwa um eine Betätigung im erlernten Beruf, sondern um eine körperliche Primitioarbeit, die von jedem Ar- beitsdtenstwilligen unbeschadet seiner Herkunft nach kurzer Eingewöhnung verrichtet werden kann. Die Arbeiten sollen möglichst auf dem Lande ausgeführt werden, um die Jugend wieder stärker mit der Natur zu verbinden. Weiterhin müssen die Arbeiten zweckvoll sein. Nutzlose Arbeiten ohne Aufbauziele würden den Arbeitswillen und den Arbeitsernst der Jugend schwer schädigen. Notwendig ist es, Leistungsergebnisse zu erzielen, jedoch weniger ausgesprochene Spitzenleistungen — etwa durch Gewährung von Prämien. Weiter müssen die Arbeiten gc- Heiteres Konzert. Erbauliche Geschichten von Musikern. Äon Hans Brandenburg. Gustav Mahler, bei einem Spaziergang mit Freunden, traf auf einer Walddichtung einen blinden Orgeldreher. Die Freunde wollten den Mann durch ein Trinkgeld zum Schweigen bringen, doch Mahler sagte: „Lassen Sie ihn weiter spielen! Er ist das Bild des Künstlers in der Welt: nur die Bäume hören ihm zu. Er ist überhaupt das Bild der Welt, in deren Mittelpunkt Musik ertönt." So ist es. Im Mittelpunkt der Welt ertönt Musik, und aller Musik lauschen irgendwie nur die Bäume und die Sterne. Alle Musik ist ernst und heiter zugleich, selbst musikalische Kapriolen sind ernst in ihrer Heiterkeit, heiter ist die „Matthäuspassion' und ernst ist die „Fledermaus", und ich habe es immer für Heuchelei und zum Mindesten für arge Verständnis- und Stillosigkeit gehalten, wenn man bei gewisser Musiker „wegen des Ernstes der Veranstaltung" den Applaus verbietet. Nie ist Beethoven, der große Tragiker der Musik, größer und überwältigender, als wenn Scherz, Lust und Humor bei ihm durchbrechen und triumphieren, so wie ja auch sein letztes und größtes Lied, als auf der Schwelle des Todes sein taubes Ohr nur noch den Marsch der Cherubim vernahm, ein Lied an die Freude war. Und wer Mozart noch über ihn stellt, der kann es höchstens deshalb, weil bei Mozart alles heiter ist, heiter durch Form und Maß. Darum sagt Grillparzer von ihm — und diese ewigen Worte mögen uns und unserer Zeit als Richtspruch und Mahnung gelten —: „Nennt ihr ihn groß? Er war es durch die Grenze; was er getan und was er sich versagt, wiegt gleich schwer in der Schale seines Ruhms. Weil nie er mehr gewollt, als Menschen sollen, tont auch ein Maß aus allem, was er schuf, und lieber schien er kleiner, als er war, als sich zu Ungetümen anzuschwellen." Mozarts Geist ist immer anwesend, wo Musik ertönt, die nur heiter sein will, auch wenn sein Name nicht auf dem Programm steht. Man sieht, wir sind längst von der Musik zu den Musikern übergegangen, und von den Musikern soll ich ja auch handeln. Wenn ich das tue, so wachte ich zunächst alle die billigen Klischees zerstören, die als typisches Bild des Musikers — etwa des „armen" und „weltfremden" — im Umlauf finb, als wären Musiker stets und unter allen Umständen, wie nach Freiligrath die Dichter, „des Himmels Prinzen und der Erde Lumpen". Ich habe nicht umsonst Grillparzer aufgerufen, um meinnühig und zusätzlich sein. Sie sollen den Arbeitsmarkt nicht noch weiter einengen, sondern Maßnahmen sein, die weder jetzt, noch in absehbarer Zeit ohne Einsatz des Arbeitsdienstes vorgenommen werden können. Ein Beschluß darüber, in welchem Ausmaße der Arbeitsdienst im nächsten Haushaltsjahr weitergeführt werden soll, konnte von der Reichs- regierung bisher noch nicht getroffen werden. Rach den bisherigen Erfahrungen ist damit zu rechnen, daß in dem nächsten Haushaltsjahr mit einem durchschnittlichen Einsatz von 200 000 Arbeitsdienstwilligen gerechnet wird. Insgesamt bedeutet dies eine Aufwendung von 200 Millionen Mark. Würde man die Einberufung eines ganzen Jahrganges unserer männlichen Jugend in Betracht ziehen, so bedeutet das nach einem Abzug der körperlich Untauglichen einen Einsatz von mehr als 500 000 junger Leute und mithin eine Gesamtauswendung von rund 500 Millionen Mark. Diese Zahlen lassen schon von der finanziellen Seite her erkennen, daß die Forderungen auf Einführung der Arbeits- dienstpflicht nicht leicht zu erfüllen sind, ohne daß der privaten Wirtschaft erneut große Geld- mittel entzogen werden. Zu der Volks erzieherischen Seite des Arbeitsdienstes führte der Minister u. a. aus, daß neben dieser Werksarbeit die sinnvolle Ausnut- an seiner Hand als Vertreter der Dichtkunst vor den Vertretern der Schwesterkunst würdig zu bestehen. Er nennt in jenem Gedicht auf Mozart den Ton „des Lebens Herold" und das „allfühlende Ohr", das Auge des Gemüts. Und den Glauben des Musikers nennt er den Glauben „an die Ahnungen; die, ohne andere Bürgen als sich selbst, und nur bewiesen, weil sie sich gestaltet, zur Wirklichkeit verherrlichen den Traum." Diese Gläubigen, die mit dem hörenden Auge des Gemütes den tönenden Herold des Lebens empfangen, können im übrigen fo verschieden voneinander sein wie alle anderen Menschen auch. Und es stimmt nicht einmal bas lapidare Wort, welches Nietzsche oder sonst ein Musikgegner sprach, daß alle Musiker schmutzig seien — denn wir wissen, daß Beethoven sogar komponierend in feiner Badewanne plantschte, daß Bruckner in alle Seen, Bäche und Flüsse sprang, und daß Hugo Wolf, der auch seinen jeweils einzigen Anzug peinlich sauber hielt, nicht die kleinste Reise ohne sein Kautschukschafs antrat. Ich weiß jedoch von keinem Meister der« Musik, der, wie ein Seraph nur von der Luft gelebt hätte, ja, Johannes der Täufer, der von Kamelshaaren, Heuschrecken und wildem Honig lebte, war ganz gewiß kein Musiker. Dagegen weiß ich, baß H ä n b e l, wenn er nach gigantischem Schassen ein Lonboner Gasthaus betrat gleich brei Gedecke für sich allein bestellte, und Max Reg e r schrieb einer Dame, die ihm aus Begeisterung über sein Klavierspiel in Schuberts „Forellenquintett" Forellen geschickt hatte, er werde sich erlauben, in seinem nächsten Konzert das Ochsenmenuett von Haydn zum Vortrag zu bringen. Hugo Wolf erzählt selbst, daß ihn ein Steuerbeamter schließlich ungeduldig gefragt habe: „Aber Sie müssen doch von etwas leben — wovon (eben Sie denn?", worauf er geantwortet: „Vom Pumpen!" Allein neben den unfreiwilligen Pumpgenies stehen fürstliche Verschwender, neben Weltflüchtlingen Weltbeherrscher, und Händel war im Leben derselbe wahrhaft königliche Mensch wie in der Musik. Er zog nach England, in das „Land ohne Musik", und gewann gerade dort der Tonkunst zum ersten Male Weltgeltung und Weltläufigkeit, die große, prunkvolle, gesellschaftliche Geste und repräsentative Gebärde. Eine berühmte dramatische Sängerin weigerte sich, unter ihm zu fingen. Niemand wagte, sie umzustimmen, sie war der Satan unter den Weibern und hatte ihren eigenen Mann umgebracht, als er ihr zu widersprechen wagte. Aber dem großen Musiker gelang die Zähmung der Widerspenstigen: er packte sie auf der Probe eigenhändig und schleifte sie ans offene Fenster: „Madame, entweder Sie singen, oder ich werfe sie drei Stock- zung der Freizeit, die der körperlichen und geistig- sittlichen Ertüchtigung der jungen Menschen dienen soll, treten müsse. Der Reichsarbeitsminister wies insbesondere daraus hin, daß die geistige Gemeinschaftsarbeit in den Arbeitslagern in hohem Maße geeignet sei, die anfänglichen Gegensätze unter der Jugend zu lösen, gegenseitiges Verstehen zu erleichtern und die vollspvlitische Erziehung der Jugend aus eigenem Wollen — über parteipolitische und weltanschauliche Bindungen hinweg — in die richtigen Bahnen zu lenken. Bei der Frage „FreiwilligerArbeits- dienst" oder „Arbeitsdienstpflicht" sei vor allem die Frage entscheidend: Ist die ideologische Grundlage des Arbeitsdienstes, die eine andere als die der früheren Wehrpflicht ist, trotz der Bewegtheit und politischen Zersplitterung unserer Jugend bereits so stark, daß die praktische Durchführung der zwangsweisen Arbeitsdienstpflicht ohne Gefahr schwerer innerer Spannungen unter den Dienstpflichtigen erfolgen kann? Wird der Geist der Kameradschaft und der Ge- meinschaftsgedaicke in den Arbeitslagern nicht durch widerstrebende Dienstpflichtige, deren Dienstleistung durch staatliche Zwangsmittel gesichert werden muß, beeinträchtigt? Der Reichsarbeitsminister betonte, erst dann, wenn man in vollem Bewußtsein der Verantwortung für unsere Jugend diese grundlegende Frage bejahe, könne man in weitere Erörterungen über die Arbeitsdienstpflicht ein treten. Zum Schluß betonte der Reichsarbeitsminister, daß sich der Gedanke des Freiwilligen Arbeitsdienstes durchgesetzt habe. 9 Millionen Mark Mehrausgaben in Hessen. WSR. Darmstadt, 7. Dez. Rach der amt» lichen Rachweisung über die Einnahmen und Ausgaben des Landes Hessen stellt sich die Finanzlage wie folgt: 3m ordentlichen Haushalt sind per Ultimo September 29,426 Millionen Einn ahmen verbucht, und zwar aus Reichs- und Landessteuern 23,113 Millionen, aus der Rechtspflege 1,378 Millionen, aus Schule, Kunst, Wissenschaft und Kirche 0,055 Millionen rind aus der übrigen Landesverwaltung 6,127 Millionen Mark. Bei den Betrieben steht nach ein Aysstand von 1,247 Millionen zu Buch. Die Ausgaben belaufen sich auf insgesamt 38,565 Millionen, und zwar für allgemeine Verwaltung einschließlich Polizei 5,741 Mill., für Rechtspflege 3,688 Mill., für Verkehrswesen 0,123 Mill., für Schule, Wissenschaft, Kunst, Kirche-12,153 Mill., für soziale Maßnahmen und Gesundheitswesen 1,803 Mill., für Wohnungswesen 0,648 Mill., für den Schuldendienst 2,143 Mill., für Ruhegehälter 7,493 Mill, und für sonstige Ausgaben 4,768 Millionen. Es verbleibt also im ordentlichen Haushalt eine Me h r a u s g a be von 9,139Mil- lionen. 3m außerordentlichen Haushalt sind per Ultimo September 0,741 Millionen Gesamteinnahmen und 0,582 Millionen Gesamtausgaben verzeichnet, so daß sich hier eine Mehreinnahme von 0,159 Millionen Mark ergibt WirdHeffendieSchlachtsteuererhöhen? WSN. Frankfurt a. M., 7. Dez. Bekanntlich liegen die hessischen Schlachtsteuersätze teilweise erheblich unter den preußischen. An dieser Tatsache scheiterte bisher der Abschluß eines Gegenseitigkeitsabkommens zwischen Preußen unb Hessen betreffend Erlaß ber Ausgleichssteuer. Jetzt wirb, wie wir er- fahren, von feiten bes preußischen Finanzmini st eriums ein Druck a.uf Hessen aus- geübt, wonach Preußen nur bann zum Abschluß eines solchen Abkommens bereit sein soll, wenn Hessen seine Schlachtsteuersätze ben preußischen anpaßt. Oer Reichspräsident begrüßt die „Karlsruhe". Kiel, 7.Dez. (TTl.) Reichspräsident v. Hindenburg hat an den zurückgekehrten Kreuzer „Karlsruhe" folgendesDegrüßungstelegramm gesandt: werke hinunter! Meinetwegen können Sie der Teufel sein — ich bin Beelzebub!" Robert Schuhmann erklärte Richard Wagner für „unmöglich", weil er immerzu rede, und Wagner erklärte Schumann für unmöglich, weil er immerzu schweige — man kann also selbst als Musiker und für Musikergeschmack auf entgegengesetzteste Art ein unmöglicher Mensch sein. Schumanns Wesen war so bescheiden-; daß er hinter seine Gattin, die berühmte Pianistin, ruhig zurücktrat unb es sich gefallen lassen mußte, daß nach einem Konzert, welches dabei nur seinen Werken gegolten hatte, Klara vorn König der Niederlande ins Gespräch gezogen, er aber von der Majestät mit ben leutseligen Worten ab gespeist würbe: „Nun, und Sie? Sie sind auch musikalisch?" Hingegen wußte der Geiger Wilhelms seinen Stolz sehr gut zu wahren, als er bei einer reichen Dame zum Kaffee eingeladen.war, doch ohne Geige erschien und zu der enttäuschten Hausfrau mit höflicher Verbeugung sprach: „Meine Geige läßt sich entschuldigen, sie trinkt keinen Kaffee!" Aber es war einz.g eine Verschiedenheit der Temperamente, die sich ausdrückte, als Anton Bruckner und Hugo Wolf bei einem Konzert in Berlin gleichzeitig uraufgcftihrt wurden und Wolf sich bei dem rauschenden Beifall nur roiberroill.g in seinem Hellen Sommeranzug aufs Podium zerren ließ, während sich Bruckner im Bratenrock mit devoten Kratzfüßen unb unterwürfigem Grinsen stets von neuem bedankte: jeder feierte auf feine Art seinen Sieg im Kampf mit dem Drachen. Hans von Bülow wußte bekanntlich das Publikum geradezu und wirklich en canaille 3u behandeln; wie nach der Dachschen Schlußfuge eines feiner Klavierabende der Applaus nicht enden wollte, drohte er mit malitiöfem Lächeln vom Podium: „Verehrte Anwesende! Wenn Sie jetzt nicht aufhören, bann spiele ich Ihnen die letzte Fuge wirklich noch einmal vor!" Den Herrscheranspruch in der Welt, den mancher Musiker erhob, hat die Welt oft genug gern und bereitwillig anerkannt und befrie-. bigt. Als Franz Liszt bei schwerem Wetter, von Gibraltar kommend, in einen kleinen spanischen Hafen einlief, wurde das Schiff infolge eines Miß- Verständnisses beschossen. Der Hafenkommandant entschuldigte das Versehen, aber er fabelte ben Kapitän mit den Worten: „Warum haben Sie nicht die F lange »Souverän an Borb' gehißt?" Man verstehe nur diese eben erwähnten Anekdoten recht. An der Spitze meiner kleiner Auslese würde am besten die folgende Geschichte stehen. Hugo Wolf wurde von einer Musikerzeitschrift um eine biographische Skizze unb um sein Bild ge- beten. Er antwortete auf einer Postkarte: „Ich heiße Hugo Wolf, bin am 13. März 1860 in Win- „Den Kreuzer „Karlsruhe" heiße ich bei feinet Rückkehr in die Heimat herzlich willkommen und verbinde damit meine Anerkennung für die Leistung des Schiffes und mustergültiges Verhalten der Besatzung, v. Hindenburg." Aus aller Welt. Das Lxplosionsunglück bei Rathenow. Wie ergänzend zu dem Explosionsunglück in Premnitz bei Rathenow (Kreis Wcfthavelland) verlautet, werden noch drei Arbeiter vermißt, von denen man annimmt, daß auch sie unter ben Trümmern begraben wurden unb nicht mehr am Leben finb. Die Zahl der Toten würde sich dadurch auf 10 erhöhen. Bei den sechs Schwerverletzten schweben vier in hoch st er Lebensgefahr. Zu dem Unglücksfall wird von der Prcffe- stelle IG.-Farben noch mitgeteilt, daß der Betrieb vorläufig ftillgelegt ist. Am Donnerstag ober Freitag soll die Arbeit wieder auf genommen werden. Die Belegschaft von. Premnitz beträgt 1850 Mann. Der Görliher Giftmordprozeh. Geständnisse des Angeklagten. .Zu Beainn der Mittwochoerhandlung im Gör- ntzer Giftmord prozeß legte der Angeklagte 3 u ft zur allgemeinen Ueberraschung ein umfassendes G e st ä n b n i s ab, nach bem er sowohl feine zweite Frau, als auch die Familie G r o b a s, Vater» Mutter und Kind» mj t Arsen vergifte t hat. Lediglich ben ihm zur Last gelegten Mord an seinem Schwiegervater, dem alten Türke, bestreitet er nach wie vor unb behauptet, baß Türke versehentlich von bem mit Arsen vergifteten Kaffee getrunken habe. Seine zweite Frau "will ber Angeklagte vergiftet haben, weil seine Schwiegermutter gedroht habe, ihm ihre Tochter wieder wegzu- nehmen. 15 Kriegsschiffe suchen die „Saroarabi". Nach einer Meldung der Agentur Indo Pacifique aus Hongkong find 15 Kriegsschiffe damit beschäftigt, die Lage des gesunkenen japanischen Torpedobootszerstorers „Sawarabi" festzustellen und ihn zu heben. Die Hoffnung auf Rettung der 104 an Bord befindlichen Personen hat man aufgegeben. Der Kapitän der „Europa" gestorben. Commodore 3 o Husen, der sehr populäre Führer des Schnelldampfers „Europa" vom Rorddeutschen Lloyd, war an einer Blinddarmentzündung erkrankt und hatte sich an Bord vom Schiffsarzt operieren lassen müssen; Commodore 3ohnseu ist jetzt in einem Reuyorker Hospital, das er nach der Ankunft der „Europa" aufgesucht hatte, gestorben. Bergwerksunglück in Amerika. — 9 Tote, 75 verschüttete. 3n dem bei der Stadt Albuquerque im Staate Reumexiko gelegenen Kohlenbergwerk „Madrid" wurden durch schlagende Wetter neun Bergleute getötet. Außerdem sollen 75 Bergleute verschüttet worden fein. Schwerer Verkehrsunfall in Karlsruhe. In Karlsruhe ereignete sich ein schwerer Verkehrsunfall. Ein Schloffermeifter fuhr mit feinem Personenwagen mit voller Geschwindigkeit auf den Anhänger eines vor seinem Hause stehenden Lastwagens auf. Der im Personenwagen mitfahrende verheiratete Kaufmann Karl Bender aus Karlsruhe wurde auf der Stelle getötet, ein weiterer Fahrgast wurde schwer, der Kraftwagenführer und eine dritte Person leicht verletzt. Die Verletzten wurden sofort ins Krankenhaus gebracht. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht einwandfrei geklärt. Ein Schmugglerdrama. — Elf Tote. Die Belgrader Blätter berichten aus Mostar (Südflawien) von einem Schmugglerdrama, bei dem 11 Personen ums ueben kamen. Reun Tabakschmuggler, die von der Zollwache verfolgt wurden, zwangen an der Reretwa einen Fährmann und dessen Sohn, sie in einem Kahn Über den Fluß zu sehen. Da der Kahn überlastet war, lief er voll. Die 3nsassen sprangen ins Wasser und ertranken. dischgrätz geboren und noch am Leben. Die blöde Fratze tut nichts zur Sache." Auch bas Wort Richard Wagners ist ein rechtes Musikerwort: »Deutsch fein, heißt eine Sache um ihrer selbst willen tun." Sachlichkeit ist echte Musikerart, unb ich möchte beileibe nicht einen elenden Hunger nach Privatverhältnissen befriedigen. Wenn es gleichwohl über keine Gattung von Künstlern so viel Anekdoten gibt wie über Musiker, unb wenn diese Anekdoten zum Teil ihr volles Recht beanspruchen dürfen, so sind es eben solche von besonderem, von über- biogaphischem Charakter, die gerade beweisen, daß das Leben der Musiker nur Ton wird unb auch der Rest nur in eine Art Musik übergeht, nämlich ins Mythische unb Legendäre. Zu Operetten-, Film- unb Singspielhelben eignen sie sich nicht, unb bas letzte Wort über sie, die Cinheitsformel für ihre menschliche unb künstlerische Mannigfaltigkeit, findet nur die Mythe und Legende selbst. Und dieses letzte Wort spricht schon die alte Limburger Chronik: „3ur Zeit Karls IV. zog ein Mönch durch die Dörfer, der fo wunderbar sang, daß die Herzen der Mädchen und Burschen von seltsamer Seligkeit schwollen. Sie verließen die Stuben und gingen ihm nach. Als sie in seine Nähe kamen, sahen sie: der Barfüßer war von schrecklicher Krankheit zerfressen, der Atem seines Mundes hauchte G.ft. Entsetzt flohen sie zurück. Er zog weiter einsam von Dorf unb Dorf. Niemand gab ihm die Hand, niemand wußte seinen Namen. Nur seine Lieder blieben zurück, und alle Liebenden fangen die Melodien des Verstoßenen." Eine infereffanfe Expedition. Das Seemannsapostolat plant jetzt unter der Führung von Pater Rockliff eine Expedition, die VA aus deutschen, englischen und amerikanischen Wysenschastlern zusammensetzen wird, um Häfen zu besuchen, die bisher vom Seemannsapostolat nicht erfaßt wurden. Die Mission wird sich in der Hauptsache auf geistlichem Gebiet bewegen, soll jedoch auch wissenschaftlichen Zwecken dienen. Es werden Apparate für die Unterwasser-Aufnahmen und ein von Pater Rockliff erfundenes Instrument zum Messen ber Auswirkungen von Erdbeben unter dem Wasser mitgeführt. Das Meßinstrument ist bereits erfolgreich bei oerschiebenen Erdbeben in Chile, Peru, Panama und Nicaragua angewandt worden. Pater Rockliff ist ein erfahrener Seefahrer, der schon 49 Seereifen unternommen hat, bei denen er, obwohl sie ausnahmslos in den Dienst des geistigen Wohls der Seeleute gestellt waren, Gelegenheit hatte, ungewöhnlich reiches und interessantes Material Ku sammeln. Aus der Provinzialhauptstadt. Ich wünsche mir ein Buch. Ich möchte, bnfo man mir Bücher zu den Festen schenkt. Denn ein Buch ist immer gegenwärtig, immer bereit, sich einem in die Hand zu geben und ins Herz zu schmiegen, auf die Dauer eines Augenblicks zu einem zu kommen oder lange Stunden zu verweilen. Ich kann das Buch, das bei mir steht, rufen, und es folgt dem Rufe und gibt mir Antwort, aber ich kann eine Melodie, die in einem Konzert in mich gezogen ist, verloren haben, und sie versagt sich ebenso meiner Erinnerung, wie meiner suchenden Hand. Ich kann leer im Herzen sein und rnude und traurig, ohne irgendeinen Ruf von innen her, aber wenn ich an der kleinen Reihe meiner Bücher entlang gehe, schmiegt sich mir das Buch in die Hand, das mir von einem Satze, manchmal von einem einzigen Worte her die Seele füllt. Ich weiß, das Theater ist ein wundersames Erlebnis, und ich weiß auch von der bannenden Gewalt der Töne, aber sie gehorchen nicht immer meinem Winke, sind nicht zur Stelle, wenn ich ihrer bedarf, weggezogen aus der greifbaren Erinnerung. Aber das Buch ist da, körperhaft bereit, und kann mir in dem Augenblick helfen, zu dem fein Wort mir not tut. Ich wünsche mir ein Buch, denn seine gleitenden Zeilen lassen auch mich in Höhen, Täler und Ebenen gleiten, wie meine Seele es wünscht, wie der Geist es verlangt. Das Buch, das mir gehört, ist augenblicks zur Stelle, wie der treueste Freund — ich wünsche mir ein Buch. A.H. Vornotizen. — Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Morgen, als IO. Vorstellung im Fr.itag-Ab.-nnemer.t. Erstaufführung des Frontstückes „Die endlose Straße" von Graff und Hintze. .Unter der Spielleitunng des 3 n tendanten wirkt das gesamte Herrenpersonal des Ensembles bei diesem packenden Frontstück des „unbekannten deutschen Soldaten" mit. — Als Fremdenvor. stellung verzeichnet der Spielplan für Sonntag. 11. Dezember, die Erfolgsoperette „Peppina" unter der Spielleitung Paul W re d e s. — Die Intendanz hat für Montag, 12. Dezember, eine Ope- retten-Dolksvorstellung angeseht. Diele konnten bei der letzten Aufführung der Operette „Die Toni aus Wien" die gewünschten Plätze nicht erhalten. Auf Wunsch vieler Theaterbesucher hat die Intendanz die Anregung einer nochmaligen Wiederholung dieser echtwiener Operette ausgegrifsen und eine nochmalige letzte Wiederholung dieses musikalischen Werkes bei kleinen Operettenpreisen ein» gelegt. — „2 000 Kilometer a u f dem Pangtse- kiang". D.e Vortrags-Gemeinschaft: Goethe-Bund, Kaufmännischer Verein und Gewerbeverein, der sich diesmal auch die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde angeschlossen hat, teilt mit: Zu dem 3. gemeinsamen Vortragsabend ist der Asienforscher Walther S t ö tz n e r zu einem Lichtbilderoortrag über das Thema „2000 Kilometer auf dem Pangtse- kiang" verpflichtet worden Der Forscher ist in unserer Stadt von seinen früheren Vorträgen her gut bekannt. Stötzner hat durch seine Forschungssahrten wertvollste kulturelle Pionierarbeit geleistet, die völkerpsychologisch nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Seine unermüdlichen und oft höchst schwierigen Expeditionen trugen wesentlich dazu bei, daß die deutsche Asiensorschung ihren führenden Platz im internationalen Wettstreit behalten konnte. Aus der Fülle der interessanten Erlebnisse wird er diesmal an Hand wertvoller Lichtbilder einen spannenden Bericht über seine 2000-Kilometer-Forschungs- fahrt auf dem Pangtsekiang geben. Die Kämpfe, die sich in letzter Zeit im Fernen Osten abspielten, werden seinem Vortrag eine ganz besonders aktuelle»Note geben. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. Handwerkskammer-Untersuchungsausschuß des Hessischen Landtags. WSR. Darm st a dt, 7. Dez. Der Handwerkskammer * Anters uchungs ausschuh des Hessischen Landtags setzte heute die Zeugenvernehmung fort mit der Aussage des 71jährigen Schuhmachermeisters Karl Stern aus Alzey, der über die Vergebung seines Kredits sprach und ein erschütterndes Vild des Schicksals eines gutgläubigen kleinen Handwerksmeisters entrollte. Er hatte 2000 Mk. Darlehen erhalten, muhte Wechsel über 2200 Mk. unterschreiben, eine Handwerker-Zentralgenossenschafts-Aktie Volkskunde in Hessen. Zahrestagung der Hessischen Vereinigung für Volkskunde. D a r m st a d t, 7. Dezember 1932. Die Hessische Vereinigung für Volkskunde, die sich auch während derAot- jahre einen treuen Stamm von Mitgliedern erhalten und weiter an der Erforschung des heimischen Volkstums gearbeitet hat, hielt am Montag unter dem Vorsitz von Oberstudiendirektor Dr. Faber (Friedberg) ihre 31. ordentliche Hauptversammlung ab. Der Jahresbericht des Vor, enden gedachte zunächst dreier verstorbeyer Mitglieder: Verlagsbuchhändler Roth, Frau Geheimrat S p e n g e l und Dr. Alfred Dock in Gießen. Alfred Dock hat viele Jahre dem Ausschuh der Deveinigung angehört und war ein eifriger Benutzer des Archivs. Die Mitgliederzahl beträgt gegenwärtig 518. Es sei dringend notwendig, so führte der Vorsitzende aus, daß der jetzige Mitgliederstand zumindest erhalten bleibe, wolle die Vereinigung and), weiterhin ihren dringendsten Aufgaben gerecht werden. Herzlichen Dank für finanzielle Unterstützung fanden der hessische Staat, die Rotgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, der Kreis Gießen , die Provinz O b e r h e s ste n und der hochherzige Stifter Dr. Müller in Flix (Spanien), ohne deren verständnisvolle Förderung die wertvollen Veröffentlichungen" der Vereinigung nicht hätten erscheinen können. In bezug auf die Beihilfe des hessischen Staates konnte mitgeteilt werden, daß ihr insofern eine Gegenleistung gegenüberstände, als durch den Austausch der „hessischen Blätter für Volkskunde" etwa 140 Zeitschriften der Universitätsbibliothek in Gießen als wertvoller wissenschaftlicher Besitz jährlich einverleibt wurden. Das von der Universitätsbibliothek verwaltete volkskundliche Archiv der Vereinigung hat durch Zugang einiger Himmelsbriefe und Gesahne weiteren Zuwachs erhalten. Drach liegt zur Zeit die Volksliedsammlung, dagegen zeigt sich auf dem Gebiet der Flurnamenforschung reges Leben. An den mit dankbarem Beifall aufgenommenen Jahresbericht schloh sich eine rege Aussprache, die von Geheimrat v. H a h n, der die Grühe des Verbandes hessischer Geschichts- und Altertumsvereine überbrachte, eröffnet wurde. Die von Studienrat O h w a l d (Friedberg) vor- gelegte Rechnung zeigt, daß die Vereinigung ohne die staatlichen und körperschaftlichen Beihilfen ihre wissenschaftliche Aufgabe nicht voll erfüllen kann. Unter herzlichem Dank für die mühevolle Arbeit fand der Rechner einstimmig Entlastung. Von den Hessifchen Blättern für Volkskunde erscheint jetzt der Doppelband 30/31 für die Jahre 1931/32 mit wertvollen Beiträgen in beträchtlichem Umfange. Beschlossen wurde, den Band 32, für den bereits sehr viel Stoff vorliegt, zum Herbst 1933 herauszubringen. Tie Bogenzahl wird von der wirtschaftlichen Lage der Vereinigung diktiert werden. Mit besonderer Anerkennung wurde des Herausgebers der „Blätter", Prof. Dr. Hepding (Gießen), gedacht, dessen sachkundiger, unermüdlicher Arbeit für die Volkskunde und die Wissenschaft es in erster Linie zu danken ist, wenn die „Blätter" ihren Rus in der wissenschaftlichen Welt bewahrt haben. Die Flurnamensammlung bildete dann einen wichtigen Punkt der Tagesordnung. Oberstudiendirektor Dr. Faber, der hessische Vertreter im Deutschen Flurnamen-Aus- schuß, gab einleitend einen interessanten Einblick in den Aufgabenkreis dieser aus 22 Landesvertretungen bestehenden Körperschaft, deren Organ das Rachrichtenblatt für deutsche Flurnamenkunde" ist. Der Ausschuß stellt für die Flurnamenforschung Richtlinien auf, die sich u. a. auch die einheitliche Schreibweise der Flurnamen im Grundbuchkataster zum Ziele haben. Dr. Faber stellte in diesem Zusammenhänge fest, daß von Hessen aus (die Ramen Archivdirektor Dieterich und Pfarrer S ch u l t e - Großen-Linden wurden hier besonders genannt) die gesamte Flurnamenforschung grundlegend und richtunggebend beeinflußt worden sei. Eine rege Aussprache, an der sich Archivdirektor i. R. Dr. Dieterich, Prof. Dr. Esselborn, Pros. Maurer, Dr. Friederich, Prof. W. M. Decker und der Vorsitzende beteiligten, nahm hauptsächlich zu grundsätzlichen Fragen der Flurnamenforschung Stellung. Ziel der Arbeit in Hessen ist das Flurnamenbuch des Volks st a a - tes Hessen, von dem bereits einige Hefte im Druck vorliegen. Als nächste Arbeit kommen die Flurnamen von Großen-Linden zum Druck, die in Pfarrer Schulte einen ausgezeichneten Bearbeiter gefunden haben. Als weitere druckfertige Sammlung unter vielen anderen wurde die von Homberg a. d. O. genannt, die Lehrer Immel besorgt hat. Zu Mitgliedern des Ge-> samtausschustes der Vereinigung wurden Pros. Dr. Blecher-Friedberg und Lehrer Heu- sohn - Büdingen gewählt. Als Ort der nächstjährigen Tagung bestimmte man Büdingen. Die öffentliche Vortragsveranstal- tung, die sich abends in der Technischen Hochschule der Hauptversammlung anschloß, wurde von Oberstudiendirektor Dr. Faber eröffnet. Er führte dabei aus, daß es der Zweck des Abends fei, der Vereinigung neue Freunde zu gewinnen, damit sie ihre dreifache Aufgabe, nämlich den Druck der „Blätter", die Fortführung des hessischen Flurnamenbuches und den Ausbau des von der Llniversitätsbibliothek in Gießen betreuten volkskundlichen Archivs, auch in dieser Rotzeit durchführen könne. Unter lebhaftem Beifall wurde gesagt, daß Bolkvtumsarbeit nicht trotz der Rot der Zeit, sondern erst recht wegen der seelischen Zeitnöte dringend notwendig sei. ■ Hierauf hielt Prof. Dr. Maurer-Erlangen (früher Giehen) einen geistvollen Lichtbilder- vortrag über „Zeitliche, räumliche und schicht- mäß'ge Betrachtung in der neueren Spra')- und Volkskundeforschung" und führte darin v.ma folgendes aus: Das Kennzeichen der neueren Sprach- und Volkskundeforschung ist die starke Beachtung der geographischen und des soziologischen Ge° sichtspunkles. Diese Forschungsweise stellt sich aber nicht in einen Gegensatz zu der früheren, vorwiegend geschichtlich eingestellten, sondern sie bietet auf dem Weg über die räumliche und die schichtmähige eine neue, vertiefte Geschichtsforschung. Der erste Teil des Vortrags erläuterte die geographische Betrachtung der Mundarten, die von der Untersuchung der Sprachgrenzen und ihrer Grundlagen ausgehend, heute zur Betrachtung der Sprachräume und der Sprachbewegungen gelangt ist und so eine neue, wirkliche Geschichte der deutschen Sprache vorbereitet. Die neuere Sprachforschung, die den engen Zusammenhang von sprachlicher und allgemein kulturgeschichtlicher Entwicklung erkannte, kam folgerichtig auch zu einer räumlichen Betrachtung der volkskundlichen Erscheinungen. Hat so die neuere Volkskunde der Sprachforschung entscheidende Anregungen zu danken, so gingen anderseits auch von der modernen volkskundlichen Forschung wertvolle Gesichtspunkte in die Sprachforschung über. Die aus Hans Raumanns Gedankengängen entwickelte soziologisch eingestellte Volkskunde, deren Ziele der zweite Teil des Vortrags näher erläuterte, vermag auch der Sprachgeschichte wichtige Ziele zu weisen. Beide Forschungsweisen aber, die räumliche wie die soziologische, müssen geschichtlich betrieben werden, da sich die kulturellen Räume, Bewegungen, Schichten und ihre Beziehungen zueinander im Laufe der Jahrhunderte immer wieder geändert und neu gestaltet haben. Leytes Ziel der Forschung ist daher nicht die Erforschung der Gestalt, sondern des Werdens der Gestaltung,' nicht Kulturmorphologie, sondern Kulturbiologie. Der hochwertige Vortrag fand starken Beifall. I von 200 Mk. übernehmen und erhebliche Auslagen und Provisionen zahlen. Er kam mit den Zinsen in Rückstand, wurde gerichtlich verklagt und sein Häuschen wurde auf Betreiben der Kreisfparkasse Alzey zwangsversteigert. Die Handwerker-Zen- tralgenostenschaft steigerte das Haus zu 7750 Mk. und verkaufte es weiter zu 9200 Mk., es steht mit 12 000 Mk. in der Brandkasse. Der Zeuge erklärte, er habe leider zu spät gemerkt, daß ec Wache rern in d i e Hände gefallen sei. Zeuge Karl Steinmann (Worms) war im Jahre 1924/25 Syndikus des Wormser Handwerksund Gewerbeamtes, mußte dann aber wegen seines Widerstandes gegen die Handwerker-Zentralgenos- senschaft seine Stellung verlassen und beteiligte sich an der „Notgemeinschafts-Aktion". Er bestätigte im wesentlichen die Aussagen der gestern vernommenen Groß-Gerauer Handwerker über die Methoden der Handwerker-Zentralgenossenschaft und der Handwerkskammer. Durch die Einrichtung der Handwerkskammer-Nebenstellen und deren Besetzung mit „Steigbügelhaltern" der Handwerkskammer-Prominenten habe man die atten Verbände aushöhlen und unliebsame Kontrollorgane ausschalten wollen. Leider habe die Regierung auf die Vorstellungen der verschiedenen Kommissionen nach Untersuchung bei der Handwerkskammer und der Handwerker-Zentralgenossenschaft nicht energisch genug reagiert und keine Untersuchung der schweren Vorwürfe durchgeführt, vielmehr den Beschuldigten weitgehend vertraut. Ministerialrat Hechler erwiderte, daß es selbstverständlich gewesen sei, auf Beschwerden auch die Angeschuldigten zu hören. Im übrigen habe die Regierung ihre Pflicht getan. Die Handwerkskammer habe ja auch die Untersuchungskommission eingesetzt. Der Ausschuß hielt anschließend eine vertrauliche Sitzung ab und vertagte dann die weitere Beweisaufnahme auf Dienstag kommender Woche. Bor der Vollendung der Limburger Hafenanlagen. WSR. Limburg, 7. Dez. Die hier mit Mitteln der Mesthilfe gebauten Hafenanlagen gehen ihrer Vollendung entgegen. Es wurde eine 85 Meter lange Kaimauer errichtet, die nun noch mit fahrbarem Kran versehen wird, um ein schnelles Be- und Entladen der Schiffe zu ermöglichen. Es fehlt jetzt nur noch an einer gründlichen Besserung der Wirtschaftslage, daiyit der Lahnschiffsverkehr stärker belebt wird. Drei Jahre Zuchthaus für Falschmünzerei. WER. Limburg, 7. Dez. Die Große Strafkammer Limburg verurteilte den bereits ein- schläging vorbestraften 21jährigen Mechaniker Hofmann aus Wetzlar wegen Münzverbrechens zu drei Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Hofmann hat im August dieses Jahres falsche Fünfmarkstücke in Wirtschaften in Leun und Stockhausen gegen Zwanzigmarkscheine eingetauscht. Man wurde seiner bald habhaft und konnte ihn trotz beharrlichen Leugnens einwandfrei überführen. Als der Staatsanwalt zwei Jahre Zuchthaus beantragte und auch der Verteidiger sich von seiner, Schuld überzeugt erklärte, bequemte sich der jugendliche Verbrecher noch schnell zu einem Geständnis. Es verhalf ihm aber nicht zur Milde des Gerichts. Dieses ging vielmehr über die Anträge hinaus und erkannte auf die obengenannte Strafe. Taten für Donnerstag, 8. Dezember. 1815: Der Maler Adolf v. Menzel in Breslau geboren: — 1832: der norwegische Dichter Björnstjerne Bjömson in Kwikne geboren: — 1903: der englische Philosoph Herbert Spencer in Brighton gestorben: — 1914: Deutsch-englische Seeschlacht bei den Falkland-Inseln: Tod des Admirals Maximilian Graf v. Spee, des Siegers von Coronel. Buntes Allerlei. Wie die moderne Engländerin sich den Mann wünscht. Auch das Männerideal der Frauen ist der Mode unterworfen, und das starke Geschlecht paßt sich unbewußt den Wünschen an, die in den Herzen der Weiblichkeit schlummern. Man kann daher aus der Erscheinung des Herrn aller Zeiten Rückschlüsse auf das Ideal der Frauen ziehen. In einer englischen Frauenzeitschrift wird ein Bild des weiblichen Männerideals entworfen: „Es ist durchaus männlich, aber erstreckt sich nicht mehr auf die stiernackigen Doxergestalten, die kurz nach dem Kriege verehrt wurden, sondern man verlangt heute unaufdringliche Stärke, die mit Verstand und Bescheidenheit gepaart ist. Das Muster von 1932 darf sich nicht zu gut dünken, auch im Haushalt einmal mitanzugreisen, das Baby zu waschen oder das Essen zu kochen, ja sogar sich selbst die Knöpfe anzunähen. Ja, der Mann von heute ist ftoh darauf, diese Dinge gut zu verrichten. Man verlangt von ihm Verständnis für alles Weibliche: seine Manieren müssen gefällig und zart sein. Alles Derbe und Brutale ist verpönt. Die sportlichen Interessen, die man bei ihm vorausseht, teilt die Frau mit ihm, aber sie will auch für die romantische Seite ihres Wesens eine gleichgestimmte Seele finden. Auf äußere Schönheit wird kein Wert gelegt: er muß nur „gut aussehen". Die Frau weiß, daß sich hinter einer besonders eleganten und anziehenden Fassade meist nicht die besten Eigenschaften verbergen. So hat man auch Mißtrauen gegen Männer, die allzu viel Wert auf Kleidung legen. Sein Anzug sei korrekt und sauber, aber vermeide jeden übertriebenen Aufwand. Daher kommt cs vielleicht, daß heutzutage schöne Männer so oft Iung- gefellen bleiben. Das Mädchen will heute keins Kleiderpuppe, sondern einen Menschen zum Lebensgefährten. Deshalb ist der gezierte Gigolo- Typ ebenso aus der Mode gekommen wie der des muskelbepackten Athleten. Ein Mann von einfachem Wesen, von geistigen Interessen, von natürlicher Anmut, von Verständnis für die Frauennatur — das ist es, was man heute vor allem schätzt. Indem die Frau sich selbst veränderte, hat sich auch ihr Ideal vom Manne gründlich gewandelt. Oie will einen Mann, der zugleich ein ganzer Mensch ist: auf ihn will die Frau stolz fein, und zwar mehr auf seine inneren als auf seine äußeren Eigenschaften." Aufmarsch der Curopalustsahri. Eindrücke von der internationalen Flug-Ausstellung in Paris. Von unserem W. Sp.-Sonderberichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Paris, im Dezember 1932. Der Pariser Aero-Salon, der jeden zweiten Herbst im Grand Palais veranstaltet wird, ist immer noch das große Ereignis der europäischen Luftfahrt. So trifft man auch auf dem dies-- jährigen 13. Salon de l'Aviation, der gegenwärtig stattfindet, alles, was in Europas Luftfahrt irgendwie Namen und Bedeutung hat. Leider hat die deutsche Luftfahrt-Industrie, die vor zwei Jahren hier mit einer sehr netten Sammelausstellung er- irfjienen war, diesmal auf eine Beteiligung an der Ausstellung fast ganz verzichtet, und zwar wobl aus dem Gedanken heraus, daß es hier doch nicht möglich ist, irgendwelche Geschäfte zu machen. Das mag ia im Prinzip auch stimmen.' Die Flugzeug- Industrie wird — schon mit Rücksicht auf ihre unzweifelhaft militärische Bedeutung — Immer in der Hauptsache national gebunden sein. Dazu kommt, daß die einzelnen Länder ihren Flugzeugkäufern zum Teil sehr große Ankaussprämien auf Erzeugnisse der heimischen Industrie geben, in Frankreich z. B. bis 50 Prozent und darüber. Da können natürlich ausländische Fabrikate noch so gut sein, verkäuflich sind sie unter diesen Umständen kaum. ' Soweit Geschäfte auf derartigen internationalen Ausstellungen zu machen sein werden, wird es sich höchstens um Lizenzvergebungen handeln können. Aber schließlich läßt sich ja auch barait noch mancher Betrag hereinholen, der verloren ist, wenn man sich überhaupt nicht sehen läßt. Die deutsche Luftfahrt-Industrie sollte sich deshalb in Zukunft ruh.g wieder etwas mehr um den internationalen Markt bemühen. Daß wir uns immer noch sehen lassen können in Bezug auf Qualität unserer Erzeugnisse, das zeigt auch dieser Pariser Salon wieder. Ganz fehlt Deutschland übrigens doch nicht. Die Vereinigten Deutschen Metallwerke zeigen auf einem sehr nett eingerichteten Stand ihre Heddernheimer Metallpropeller und werben dort für ihre eigenen Erzeugnisse, gleichzeitig für die Dürener Leichtmetalle unb für die neuen Rupp- Leichtmetallnaben. Als zweite deutsche Lustfahrtbaufirma findet man hier das Berliner Werk Schwartz, dessen patentierte Leichtholzpropeller allenthalben großes Interesse finden. Und tatsächlich zeigen sich die Vertreter beider Firmen über das Ergebnis ihrer Beteiligung sehr befriedigt — auch in geschäftlicher Beziehung. Wenn man den diesjährigen Pariser Salon mit der gleichen Veranstaltung vor zwei Jahren vergleicht, so läßt sich feststellen, daß die militärische Note etwas in den Hintergrund getreten ist. Zwar findet man auch diesmal wieder ganz hervorragende Jagd- und Kampfflugzeuge der französischen, englischen, italienischen, polnischen Industrie vor, aber erstens ist das Beste, was die betreffenden Länder in dieser Beziehung heroor- bringen, bestimmt nicht hier zu sehen, und bann hat man wirklich diesmal etwas mehr die zivlle Luftfahrt zu Worts kommen lasten. Das mag zum großen Teil daran liegen, daß gerade in Frankreich die Erzeugnisse friedlichen Luftfahrtgeräts erst in den letzten beiden Jahren in Schwung gekommen ist. Die französische Presse nennt jetzt selbst rückblickend den Aero-Salon den „Salon" der Prototypen", also die Ausstellung der Erstversuche. Viele von den damals hier zu sehenden Maschinen sind auch wirklich wieder in der Versenkung verschwunden, wie man es ihnen damals schon voraussagte. Aber manches hat sich auch durchgesetzt, und heute zeigt der Salon schon eine ganze Reihe von fertigen, gut durchkonstruierten Stücken, sowohl von Verkehrs- wie Sportflugzeugen, die sich durchaus sehen lassen können. Bei den Verkehrsflugzeugen findet man, genau wie jetzt auch bei uns, das Streben nach Erhöhung der Reisegeschwindigkeit, als Mittel dazu einziehbare Fahrgestelle, bessere Durchbildung der äußeren Formen usw. Bei den Sportflugzeugen vermißt man, wenn man an unsere „Dein" zurückdenkt, den „Volks- fl u g z e u g t y p", also die ganz schwachpferdige Maschine für ein und zwei Personen. Dafür scheint hier noch nicht das Interesse zu bestehen wie bei uns in Deutschland, was wieder darauf schließen läßt, daß die Luftfahrtbegeisterung der Jugend dort nicht in dem Maße besteht wie in Deutschland. Ein anderes Zeichen dafür ist übrigens auch der geringe Raum, den die Segelfliegerei auf dem Salon einnimmt. Zum Teil mag dieses mangelnde Interesse aber auch daraus zurückzuführen sein, daß ja hier die Militärluftfahrt jedem jungen Mann, der sich für das Fliegen interessiert, genügend Dläg- lichkeit zur Betätigung bietet. So hat sich die französische Sportstugzeug-Jn- dusfrte mehr dem Touristikslugzeug, also dom bequemeren Resteflugzeug zugewandt, und zwar in größerem Maße, ass es bei uns der Fall ist. Man sieht hier drei- und viersitzige Resteflugzeuge in ganz ausgezeichneten Ausführungen. In der äußeren Form weisen diese Maschinen in der Hauot- sache auf das erste erfolgreiche Flugzeug dieser Art, die englische „Preß-Motte" von de Haoilland hin. Erstaunlich niedrig sind die Preise, zu denen die ,Lust-Limousinen" angeboten werden, sie liegen zwischen 10 und 16 000 Mark, wobei die Staatssubvention für französische Käufer noch nicht berücksichtigt ist. Daneben wird auch eifrig an der Weiterentwicklung gearbeitet. Die schwanzlosen Flugzeuge, von denen man hier mehrere Modelle und eine fertige Ausführung sieht, lehnen sich allerdings sehr an die Vorbilder des auf diesem Gebiete führenden deutschen Konstrukteurs L i p p i s ch an. Von dem „Artagiro" des Spaniers de la Cieroa ist eine Weiterentwicklung ausgestellt, bei der die unteren Stabilisierungsflächen ganz zum Fortfall gekommen sind, und bei der Höhensteuer und Querruder direkt durch Verstellung der Windmühlenflügel erreicht werden, also em Schritt auf dem Wege zum Flugauto, wie ihn ein Zukunftsmodell der Dela zeigte. Auch sonst wird, wie aus der umfangreichen Sonderausstellung des „Service tech- nique", der etwa unserer Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt entspricht, eifrig an die Erhöhung der Sicherheit des Lustreiseverkehrs gearbeitet. 9Jl.-$port England — Oesterreich 4:3 (2:0). Der „Fußballkampf des Jahres" zwischen der besten kontinentalen Ntannschaft, der österreichischen Länderelf, und Englands Nationalvertretung begeisterte am Mittwochnachmittag auf dem Chelsea-Platz in London 60 000 Zuschauer. Inmitten der zahlreich anwesenden Diplomatie und anderer Ehrengäste sah man als Vertreter der englischen Königsfamilie auch den Prinzen Georg. Englands Team. Der Kampf erfüllte alle Erwartungen. Die Engländer stellten elf Internationale, die alle über eine nollendete Balltechnik verfügten. Die Spielweise der Briten war auf Erfolg eingestellt. Mit weiten Vorlagen wurde der Ball auf die Flügel getrieben und energisch setzten die Innenstürmer den Flanken der Außenstürmer entgegen. Verblüffend waren noch die Schnelligkeit und das ausgezeichnete Kopfspiel der Briten. Die besten Leute der Engländer waren der Tormann Hibbs, der Verteidiger Blenkinsop, der hervorragende Mittelläufer Harts und die beiden Stürmer Jack und Hampson. Die österreichische Mannschaft. Die Oesterreicher haben ihren guten Ruf gerechtfertigt und den kontinentalen Fußball mit schönstem Erfolg vertreten. Anfänglich kamen sie allerdings schwer in Schwung. Die ungewohnten Verhältnisse und das eigenartige Spiel des Gegners verwirrten die Wiener sichtlich. Sie ließen sich häufig von ihrem üblichen Spiel, dem präzisen schottischen Paßspiel abbringen. Als sie aber etwas mehr zur Ruhe gekommen waren, zeigten sie Leistungen, die ihnen oft den stürmischen Beifall des Publikums eintrugen. Die besten Leute im Angriff waren Schall, Sindelar und Gschweidl. Tadelsfrei arbeitete die Läuferreihe, auch die Verteidigung verdiente sich uneingeschränktes Lob. Hiden war an den Treffern des Gegners schuldlos, er zeigte zahllose herrliche Paraden. Das Spiel verlief, abgesehen von den ersten zehn Minuten, größtenteils ausgeglichen. Ansänglich waren die Briten allerdings klar im Vorteil und es gelang ihnen auch schon in der 5. Minute durch Walker der erste Treffer. Die Oesterreicher tauten dann mehr aus, jedoch konnten die Engländer in der 27. Minute durch Scharfschuß von Hampson überraschend einen zweiten Treffer anbringen. Nach der Pause griffen die Oesterreicher energisch an, sie konnten auch unter dem Beifall des objektiven Publikums in der sechsten Minute durch Zischet das erste Gegentor schießen. England kam durch Freistoß von Harts in der 32. Minute zum 3:1, die Oesterreicher schossen aber drei Minuten später durch Sindelar den zweiten Gegentreffer. Der Rechtsaußen Crooks stellte in der 37. Minute das Ergebnis auf 4:2, aber auch die Oester- reicher waren in einem sehr schönen Endspurt in der 41. Minute durch Schall noch einmal erfolgreich. Lange nus (Belgien) war ein korrekter Spielleiter. Vier 1900 er erhalten die 30-Besten- Aadel der OSB. Wie alljährlich, so ist auch für die Saison 1932 von der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik für die einzelnen leichtathletischen Diszi- vlinen eine 30°Besten-Liste zusammengestellt und dieser Tage veröffentlicht worden. Bei dem ausgezeichneten deutschen Leichtathletikdurchschnitt gehört schon ein beachtliches Können dazu, um in den Besitz der 30-Besten-RaDel Zu kommen. Es ist daher ein erfreuliches Zeichen, daß die Spiel- Vereinigung 1900 viermal vertreten ist, und zwar zweimal im Laus irnd je einmal im Sprung und Wurf. Zunächst ist Paul Gerhardt zu neunen, Der mit seiner in Wien erzielten Leistung von 2:53,40 Std. im Marathonlauf die achte Stelle einnimmt. Heber 10 000 Meter hat sich 1900s erfolgreicher Langstreckler Karl H. S ch a a f eine recht gute Position gesichert. Mit 33:14 Min. hat rc d-n 16. Platz inne. An jeweils 25. Stelle rangieren Otto Gugel und Heini Jung. Jener im Diskuswerfen (40,55 Meter), dieser im Stabhochsprung (3,40 Meter!. Aufgebaut auf die 30-Desten-Liste, ist auch eine Vereinsrangliste 1932 erschienen. Hier ist die Placierung der Spielvereinigung 1900 ebenfalls als recht günstig zu bezeichnen. 3m Reich ist es die 46., in Westdeutschland die 12. Stelle. Letzteres ist auch insofern bemerkenswert, als die elf Dorplacierten bis auf einen Großstadtvereine sind! Oie südwestdeutschen Eislaufmeister- schasten in Gießen. Für den Winter 1932/33 wurde die Durchführung der Meisterschaften des Südwestdeutschen Eislaufverbandes dem Gießener Eisverein übertragen. Die Gießener Eisbahn bietet als eine der größten Schwimmei^bahnen Deutschlands beste Gewähr für eine glatte und einwandfreie Abwicklung dieser großen eissportlichen Veranstaltung. Zum Austrag gelangen die Meistcrschaflen im Kunstlauf, Schnelllauf, Eishockey und Eisschießen. Als Termin ist der 7. und 8. Januar vorgesehen. Für das heimische Sportpublikum sowie das der engeren und weiteren Umgebung verspricht diese Veranstaltung zu einem einzigartigen Ereignis von hohem sportlichen Reiz zu werden. $(£. »Teutonia" Watzenborn Steinberg FE. Teutonia I — Leihgestern I 2:4 (1:3). Dos fällige Derbandsspiel beider Mannschaften enbete mit einer sensationell wirkenden 2:4- Diederlage des ungeschlagenen Tabellenersten auf eigenem Platze. Die Gäste entpuppten sich als eine äußerst spielstarke Mannschaft. Die Platz- besitzer liehen sich durch viel Pech in der ersten Halbzeit aus der Fassung bringen. Leihgestern führte wohl in der Pause 3:1. Aber von diesen vier Treffern wurden von den äußerst nervös spielenden Teutonen allein drei unhaltbar verwandelt. (Zwei Selbsttore.) Dieser Nervenprobe hielten die Einheimischen nicht stand. Wohl warfen sie alle Mann nach vorne, auch half der eine Verteidiger im Sturm, aber die Gäste waren in erstklassiger Verfassung, und wehrten geschickt ob. Es gelang zwar durch restlosen Einsatz das Resultat auf 2:3 zu verbessern, jedoch spielten die Teutonen ohne Zusammenhang, jeder auf seine eigene Weise, ohne jegliches System weiter, und verscherzten so Sieg und Punkte. Die Gäste nutzten alle Schwächen des Gegners geschickt aus und verließen als verdienter Sieger den Platz. Kurz vor Schluß gelang es ihnen sogar noch, durch zu weites Aufrücken Der einheimischen Verteidigung begünstigt, das Resultat auf 2:4 zu stellen. IV. „Teutonia" Laubach. Laubach I — Lollar I 6:2 (3:0). Das Derbandsspiel begann sofort mit lebhaften Angriffen der beiden Mannschaften. Es erwies sich bald eine äleberlegenheit Der Gäste, bei Denen die beiden Flügelstürmer überragten. Erfolge blieben aber zunächst aus. Laubachs Mittelstürmer verschoß einen Elfmeter. Erst in Der letzten Viertelstunde der ersten Halbzeit erzielte Lollar drei Tore. Rach Dem Seitenwechsel kamen Die Teutonen mehr auf und konnten bald zwei Erfolge für sich verbuchen. Einen dritten Treffer für Laubach übersah Der Schiedsrichter. Gegen Mitte der zweiten Halbzeit kamen die Gäste wieder in Vorteil und errangen bis zum Schlußpfiff noch drei weitere Tore. Lollar stellte die bessere Mannschaft, die verdient gewann. Handball im Lahn Oünsberg - Gau. Alleadorf — Londorf 5:1 (2:1). Beide Mannschaften, in stärkster Aufstellung, lieferten sich einen typischen Punktekampf, den der Meister durch bessere Zusammenarbeit für sich entschied. Allendorf war während der ersten Halbzeit stets leicht überlegen. Halbzeitergebnis 2:1! Nach der Pause gestaltete sich das Spiel sehr hart. Es gab viele Strafstöße. Die Platzmannschaft beherrschte aber trotzdem meist Das Feld. Die Gäste verlegten sich auf Durchbrüche, Die aber nichts einbrachten. Allendorf erzielte bis zum Schluß noch drei weitere Tore. Staufenberg — Ahbach 1:6 (1:3). Das Spiel, sehr fair durchgeführt, brachte Den Gästen einen verdienten Sieg. Atzbach erzielte in kurzen Abständen drei Tore, die Platzbesitzer warfen kurz vor dem Halbzeitpfiff ihr einzigstes Tor. Nach der Pause war Atzbach noch dreimal erfolgreich. Staufenberg hatte lediglich im Mittelstürmer, im Halblinken, Mittelläufer und Tormann gute Leute. Wieseck — Dorlar 2:4 (2:1). Beide Mannschaften traten mit 10 Mann an. Wieseck vervollständigte sich später. Die Platzbesitzer fanden sich schnell, gingen in Führung und erhöhten bald auf 2:0. Vor Der Pause holten die Gäste ein Tor auf. Nach Dem Wechsel waren die Gäste tonangebend und dreimal erfolgreich, während die Wie- secker leer ausgingen. Das Ergebnis ist gerecht. W.e- seck hatte viel Pech. Die beiden Torhüter waren sehr gut. Launsbach — Wißmar 6:3 (3:2). Eines Der schönsten Spiele der Runde im ersten Bezirk! Auf beiden Seiten sehr fair gekämpft. Launsbach ging in Führung, Wißmar glich aus. Der gleiche Vorgang wiederholte sich. Launsbach übernahm bis zur Halbzeit wieder Die Führung. Nach Der Pause war Launsbach überlegen, schoß drei weitere Tore, Denen Wißmar nur eines entgegensetzen konnte. Launsbach und Wißmar nehmen nun wieder gemeinsam Den zweiten Platz in der Tabelle ein. Beuern I — Lollar 2:5 (2:2). Beide Mannschaften traten zu diesem Gesellschaftsspiel mit nur 10 Spielern an. Bis zur Pause kam jede Partei zu zwei Toren. Nach dem Wechsel gingen Die Gäste mehr aus sich heraus, erzielten drei weitere Tore und damit Den Sieg. Ruttershausen — Mainzlar 0:0. Die Platzbesitzer spielten überlegen. Die Gäste rourDen fast ständig in die Verteidigung gedrängt. Trotzdem fiel kein Tor. Die Ruttershausener warfen unplaciert. Die Gäste wehrten dagegen sehr gut ab. Nach Der Pause verlor der Platzbesitzer zwei Mann. Nun rourDe Das Spiel ausgeglichener. Trotz vieler Gelegenheiten fiel aber auch jetzt fein Tor. Dem Spielverlauf nach mußte Der Gastgeber mit einigen Toren Unterschieb gewinnen. Burkhardsfelden — Haufen 3:0 (2:0). Die Gäste traten mit Ersatz an. Die Gastgeber gingen bald in Führung. Die Hausen er spielten sehr engmaschig und kamen fetten zum Schuß. Burkhardsfelden setzte Die Außenstürmer ein. Halbzeit 2:0. Nach Der Pause waren die Gastgeber weiter in Front. Hausen verteidigte aber sehr geschickt und erst kurz vor Schluß fiel Das Dritte Tor. Der Sieg war verdient. Steinbach I — ©rüningen I (DI.) 4:3 (3:1). Ein Gesellschaftsspiel! Steinbach war in Der ersten Spielhälfte tonangebend. Nach dem Wechsel holten Die Gäste auf (mit 10 Mann) und schufen Den Ausgleich. Beide Mannschaften kämpften nun energisch um Den Sieg. Ein Tor für Steinbach, nicht unumstritten, entschied Den Kampf. Die Gegner waren sich gleichwertig. Der Sieg Des Platzbesitzers ist glücklich zu nennen. Büchertisch. — Micbel, Wilhelm, „W irheißeneuch hoffenBetrachtungen zur neuen Weldstunde. 2,60 Mk., in Ganzleinen 3,80 Mk. Darmstädter Buch- und Kunstverlag Gotthard Peschko, Darmstadt, Landskronstraße 79. — (318) — Jeder Deutsche spürt. Daß heute eine politische Wende und eine Geisteswende sich vollzieht, die beide von größter Bedeutung sind. Nach langem Verzagen kommt ein neuer Mut. Wir sehen mit einem gestärkten Vertrauen in die Zukunft. Aber wenn auch diese hoffnungsvollere Stimmung von vielen heute empfunden wird, so wissen doch nur wenige zu sagen, worauf sie sicy gründet und wo hinaus sie weist. Diese beiden Fragen sind es, die Wi.helm Michel in seinem Buche beantwortet. Michel weist nach, wie die wirtschaftlichen, geistigen und sittlichen Lebensstörungen in unserer bisherigen Welt auf die Sklavenausstände des .bedingungslosen Rechnens" des entfesselten „Prositdenkens", des aus den Le- bensbindungen herausgefallenen „Geistes" zurückgehen. Er zeigt, wie diese Lebensstörungen unserem Kulturkreis zu einer großen Belehrung über die wahre Natur des Menschen gediehen sind. Er sieht diese Belehrung wirksam werden in Der neuen Ernüchterung und Wirklichkeits-Tendenz, die heute überall in unserem Denken zu beobachten sind. Als Sinn des ganzen Geschehens von heute stellt Michel heraus die neue Verwirklichung des Menschen und eine neue nationale Lebensmächtigkeit Des deutschen Volkes. — Alfred Wien: Das Antlitz hinter Der Maske. 319 Seiten. Geb. 4,40 Mk. 2krlng C. Bertelsmann in Gütersloh. — (349.) — Zwischen Der ersten himmelstürm^nden Sinfonie des jungen Andreas, die Die ganze Trostlosigkeit menschlicher Sehnsucht enthüllt, und Der letzten Chorsinfonie Des geläuterten Künstlers liegt ein Passionsweg von Seelenqual und Tränen, Den Wien hier zu schil- Dern unternimmt; sein literarisches Können brachte schon seinem ersten Buche „Die Stadt in Den Wolken" einen schönen Erfolg. —- Reinhold "Braun: Christnacht- geschich t e n_ 100 S. Oranien-Verlag, Herborn (Dillkreis). Kart. 1,80 Mk.: Seinen 2,40 Mk. — (428.) — Cs sind Weihnachtsgeschichten von einer vertieften und doch spannenden Art. Geschichten für solche, die Dem Lichtgedanken in aller Beschwernis des Lebens treu bleiben wollen, mag cs kommen wie es wolle. 3n der hübschen Ausstattung ist das Büchlein ein passendes Weihnachtsgeschenk. Wirtschaft. * Der Großhandelsindex im Monatsdurchschnitt Rovember. Die vom Statistischen Reichsamt für den Monatsdurchschnitt Rovember berechnete Grohhandelsindex- ziffer ist mit 93,9 gegenüber dem Vormonat (94,3) um 0,4 v. H. gesunken. Die Indexziffern der Hauptgruppen lauten; Agrarstoffe 87,8 (—0,2 v. H.), Kolonialwaren 81,4 (— 0,4 v. H.), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 87,8 (— 0,5 v. H.), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 114,2 (— 0,4 v. H.), Produktionsmittel 116,4 (— 0,4 v. H.) und Konsumgüter 112,5 (— 0,4 v. H.). * Wiesbaden nimmt Stadtanleihe in Zahlung. Die Magistratspressestelle Wiesbaden teilt mit, daß der Magistrat die städtischen Kassen ermächtigt habe, Stücke der Stadtanleihe von 1928 Serie I zu 90 Prozent ihres Renn- werKs in Zahlung zu nehmen. Diese Ermächtigung ist jedoch beschränkt auf die alten Forderungen der städtischen Vermögensrechnung. Zur städtischen Vermögensrechnung gehören nicht: Darlehensforderuirgen aus Hauszinssteuerbaumitteln und Stiftungsmitteln. 3n Frage kommen demnach Hypotheken aus städtischen Mitteln, Restkaufforderungen, Anliegerbeiträge für fertige Straßen, sonstig«, ungesicherte Darlehens- fcrbcrimgen, wie Darlehen an Vereine usw. Ausgeschlossen von dieser Regelung, Die bis 31. 3. 33 befristet ist, bleiben alle Zahlungen für Die lausende Verwaltung, insbesondere Steuern und Gebühren. * 3.-G. -Farbenindustrie 21®. Werk Leverkusen. Wie WTB.-Handelsdienst erfährt, hat die in der chemischen Industrie zu verzeichnende Geschäftsbelebung auch auf dem Werk Leverkusen der 3.-G.-Farbenindustrie AG. zu Reuein^ellungen geführt? so daß der Belegschaftsbestand am 15. September von 6800 Mann sich auf zur Zeit 7030 Mann erhöht hat, trotz Der in Den Herbstmonaten ersahrungsgemäß einsehenden Abschwächung des Geschäfts. * Süd deutsche Zucker AG, Mannheim. Der Aufsichtsrat hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, Der GV. am 4. Januar 1933 für" Das am 31. August 1932 beendete Geschäftsjahr vorzuschlagen, aus Dem Reingewinn von. 4 493 162 (4 294 095) Millionen Mark eine Dividende von wieder 8 Prozent auf Die Stammaktien und 7 Prozent auf Die Vorzugsaktien zu verteilen und Den um 199 067 auf 2 097 162 (1 898 095) Mark erhöhten Gewinnrest auf neue Rechnung oorzutragen. * Elektrische Licht- und Kraftanlagen. Die Generalversammlung der Elektrische Licht- und Kraftanlagen AG. Berlin genehmigte dcbattelos den Abschluß für das Geschäftsjahr 1931,32, wonach eine Dividende von wieder 6 v. H. auf 22,5 Mill. Mk. gewinnberechtigtes Stammkapital verteilt und 0,46 (0,44) Mill. Mark auf neue Rechnung vorgetragen werden. Rach Mitteilung der Berwaltung ist die im Geschäftsbericht gekennzeichnete absinkende Tendenz der Stromabgabe in letzter Zeit zweifellos zum Stillstand gekommen. Rach Den Zahlen Der letzten Monate Dürfe man eine gewisse Steigerung annehmen, so daß Die abgegebenen Mengen sich Den Ziffern Des Vorjahres nähern. Unter Dem üblichen Vorbehalt glaube Die Verwaltung daher, auch für das laufende 3ahr mit einem befriedigenden Ergebnis rechnen zu können. Srofiffurfer Abendbörse behauptet. Frankfurt a. M., 7. Dez. Der Zwischenfall in der heutigen Reichstagssitzung blieb auf Die Tendenz Der AbenDbörse ohne Einfluß. Auf Grund festerer Kursmeldungen von Den AuslanDbörsen war Die Stimmung weiter freundlich und gegen Den Berliner Schluß blieben Die Kurse meist gut behauptet. Einige Rachfrage erhielt sich für Montan- unD Schiffahrtswerte, Doch war Das Geschäft infolge Der Richtbeteiligung des Publikums außerorDentlich gering. Recht fest kamen Kali Westeregeln (plus 2,5 Proz.) und Bem- berg (plus 1,5 Proz.) zur Rotiz. Am Rentenmarkt herrschte ebenfalls Ge - s ch ä f t s st i l l e bei unveränderten Kursen. Von fremden Werten bröckelten Ungar. Goldrente leicht ab. Reubesihanleihe 6,45, Altbesihanleihe 57,65, Ungar. Goldrente 5,80, Schuhgebietsanl. 5,35, Gelsenkirchen 46,25, Kali Westeregeln 115, Mannesmann 60,40, Stahlverein 30,40, Bem- berg 63,75, IG.-Farben 97,50, Hapag 18,65, RorD- deutscher Lloyd 19,50. Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Divid.nde an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß b o. H. Frankfurt a. JJI. Berlin Schluß- kurs Schluß!. Abend- börf • Echluß- >ur4% Rheinische Hnv.-Bank-Ligu.-Goldpfe..... 83,9 83,75 _ 6% ehem. 8% Pr. Landespfand briefanftalt, Pfandbriefe R. 19 6% ehem. 7% Pr. Landespfand briefanftalt, Pfandbriefe R. 10 78,5 78 77,75 77,75 78,5 78,5 4% Oesterreichische Glototentc.... 8 8,25 — 8,3 4,20% Qesterreichische Silberrente — 1 1,05 1,05 4% Ungarische Goldrente....... 5,9 5,85 5,85 5,8 4% Ungarische Staatsrenle v. 1910 6,05 6 4'desgl. von 1913.......... — ■— — 5,75 5% abgelt. Goldmexikaner von 99 6,65 6,65 — 6,75 4% Türkische Zollanle.he von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie l..................... 3,55 3,75 J,65 3,/5 4 4 4,1 4% desgl. Serie 11............. 4 4 4,1 5% Rnmän. vereinh. Mente v. inoß 5,75 5,75 — 4'/r%Rumän.vereinh.Rentev.l913 9,6 9,55 4% Rumänische vereinh. Rente .. 4,65 4,8 4.6 4,65 3’i"o Anatolier............... 21,3 21,5 21.25 21,5 jramiun u.M. Berlin Schlußkurs Schluß!. Abend- bdrfe Schlußkurs Schluß!. Mittag« börse •Datum 6.12. 7.12. 6-12. 7-12. Hamvurg-Amerika-Pake; ..... t 18,5 18,65 18,5 18,75 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 — — Hansa Dampfschiff........... 0 — — 26,9 — Norddeutscher Lloyd ......... 0 19,4 19,5 19,65 19,5 21.05. für Verkehrswesen Akt. .. 0 45 45 45 46,25 Berliner Handelsgesellschaft.... 4 89,5 89 89,13 89.13 Commerz, und Privol-Bank... v 53,5 53,5 53,5 53,5 Deutsche Bank und Tisronto- Gesellschaft. ........ 0 75 75 75 75 Dresdner Bank............. 0 61,75 61,75 61.75 61,75 Reichsbank ................. 1 129,25 129,5 129 130,5 A.E.G...................... 0 33 33,75 33 33.9 Llektr. Lieferungsgesellschaft... 5 —— 73,5 73,75 74 Licht und Kraft ............. 6 98.25 99,25 98,75 99,75 Felten & Guilleaume ........ O 52 54,5 52,25 54 Gesellschaft für Elektrische Unter. nchmungen............... 4 73 74 73,25 74 Rheinische Elektrizität ........ 5 79,5 79 79,5 80 Schuckert L Eo.............. O 75,5 76,75 76 77 Siemens & Halske........... o 121 123 120,75 123,25 Lahme her & Co.............. 10 113,25 114,25 114,9 — Buderus ................... 0 44,5 43,25 45 Deutsche Erdöl ............. 4 805 81,25 80 80 25 Gelsenkirchener.............. 0 46,25 46,25 45,5 46.75 Harvener................... 0 82,5 83,75 82,25 83.4 Hoesck Eisen—Koln-Reuessen.. 0 — — 46,13 47,25 .Ilse Bergbau ............... 7 — — — 128,4 Ilse Bergbau Genüsse........ 7 99 100 98,75 100 Klocknerwerke ............... O 44,75 44.5 44 44,65 ManneSmann-Röbren........ 0 59,4 60,4 59,25 60,5 Mansseloer Bergbau......... 0 21.25 20.25 21 Lberschles, Kokswerie......... 0 — 41,13 42,5 Pbönir Bergbau............. 0 32,25 33,25 32 33,25 Rdeinische Braunkohlen ...... Lb 177 177 176 176,5 RhcmstaP.................. 0 70 71,25 79,5 71,5 Frankfurt a.201. Berlin Schlußkurs Schluß!. Abend- börs Schuß- für# Schlug!. Mittag« bör e Oatutn 6.12. 7.12. 6-12. 7.12. Bereinigte Stahlwerke...... . 0 29,25 30,4 29,13 30,25 Ltavi Minen ............. . 0 15,25 16 15,65 16 Kaliwerke Aschersleben...... . 6 106,5 108 106 108 Kaliwerke Westeregeln...... . 6 113 115 113 112,5 Kaliwerke Salzdetfurth..... . 0 169,5 169,5 170,5 I G. Farben Industrie..... . 7 96,9 97,5 96,4 97,4 Scheideanstalt............. .10 145 145 Goldschmidt .............. . 0 28,5 28,5 28,25 28,9 Rütgerswerke............. . 0 40,4 42 38,13 42,25 Metällgesellschaft........... . 0 34,25 34,5 35 35 Philivv Holzmann......... . 0 56,75 57,75 56,5 57,65 Zementwerk Heidelberg .... Cementweri Karlstadt....... . 4 . 0 46,5 60 47 59 iSayb & Frehtag .......... . 0 4,6 4,5 — — Schultheis Patzenhofer...... . 0 - — 100,65 Aku (Allgemeine Kunstseide) . . 0 53,4 54,75 52,9 55 Bemberg................ 60 63,75 59,5 62,25 Zellstosk Waldhos .......... . 0 45 45,5 44.75 45,5 Zellstosf Aschaffenburg ..... . 0 28,5 23 28 28,5 Dessauer Ga4.......... . 7 97 97,5 Daimler Motoren......... . 0 19 19,25 19 19,4 Deutsche Linoleum ........ . 0 45,65 46 45 45,9 Orenstein L Koppel........ . 0 36,5 37,25 Leonhard Tietz............ . 6 44 44 44,5 44,25 Thade .................... -12 147,5 153 153 30 30 30 30,5 Mainkrastwerie Höchst a.M. . . 4 54 54 Süddeutscher Zucker ....... . 8 140,5 142 - - Devisenmarkt Berlin - Frankfurt aM Banknoten. 6. Dezember 7-Oczcmber Amtliche »ei" Notierung yrie Amtliche Geld totierung Lrie> Helsingsors. 5,914 5,926 5.944 5,956 Wien....... 51,95 52,05 51,95 52,05 Prag...... Budapest ... 12,465 12,485 12,465 12,485 Sofia..... 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland .... 169,33 169,67 169,28 169.62 Lslo....... 69,13 69,27 69,43 69.57 Kopenhagen. 69,93 70,07 70,33 70,47 Stockholm... 73,83 73,97 73,98 74,12 London ..... 13,44 13.48 13,51 13,55 Buenos Aires 0,858 0,862 0,858 0,862 Neunork.... 4,209 4,217 4,209 4,217 Brüssel..... 58,27 58,39 58.29 58,41 Italien..... Paris..... 21,35 21,39 21,38 21,42 16,445 16,495 16,44 16,48 Schweiz ... 80,92 81,08 80,92 81,08 Spanien ... 34,57 34,63 34,38 34,44 Danzig .... 81,77 81.93 81,72 81,88 Japan..... 0,849 0,851 0,291 0,859 0,861 Rio de Jan. 0,289 0,284 0.286 Jugoslawien Lissabon... 5,634 5,646 5,634 5,646 12,76 12.78 12,76 12,78 Berlin, 7-Oezember Geld Brie! Amerikanische Noten.............. 4,20 4,22 Belgische Noten.................. 58,13 58,37 Dänische Noten ................. 69,96 70,24 Englische Noten ................. 13,47 13,53 Französische Note»............... 16.40 16,46 Holländische Noten............... 168,91 169,59 Italienische Noten................ 21.32 21,40 Norwegische Noten .............. 69,26 69,54 Deutsch Oesterreich, Ä 1OO Schilling Rumänische Noten............... 2,47 2.49 Schwedische Noten . ............ 73.80 74,10 Schwerzer Noten................ 80,74 81,06 Ungarische Noten................