Nr.2bZAvüha«ssave 182. Zahrgang Dienstag, 8. November 1932 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Drrrf und verloa: vrühl'sche UnivelfitStr-vuch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schristieitnng und Geschästsftelle: Zchulftraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig; für Re« klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrift 20u , mehr. Chefredakteure Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und Mr den An« zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Siegen. Lrscheint täglich, auher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte (Siegener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüfse unter Sammelni.mmer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten^ Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: firanifurt am Main 11686. Oie Deutung der Reichstagswahl. Regierung und Parteiführer ziehen die Schlußfolgerungen aus dem Wahlergebnis. Popen bei Hindenburg. Berlin, 7. Rov. (WSD.) Reichspräsident v. Hindenburg empfing heute nachmittag den Reichskanzler v. P a p e n zu einer Besprechung über die durch die gestrige Wahl gegebene politische Lage. Morgen Sitzung des Reichskabinetts. Berlin, 7. Rov. (ERB.) Rach dem heutigen Vortrag des Kanzlers beim Reichspräsidenten wird für die weitere Klärung der innerpolitischen Lage nun zunächst eine Sitzung des Reichskabinetts von Bedeutung sein, die für M i t t - woch vorgesehen ist. Die Rcichsregierung wird sich am Mittwoch darüber schlüssig werden, in welcher Weise sie nun vorgeht. 3m Augenblick steht deshalb auch der Termin für einen Empfang der Parteiführer noch nicht fest, ebenso wie die ganzen Modalitäten kommender Verhandlungen erst vom Mittwoch abhängen. Weiter wird die Rcichsregierung sich in dieser Kabinettssitzung grundsätzlich über den sachlichen Arbeitsplan der nächsten Wochen aussprechen. Dabei stehen vor allem zwei Fragen im Vordergrund. Die eine ist das große Problem der Dersas- sungsrefcrm, für die bekanntlich die Vorarbeiten im Reichsinnenministerium bereits weitgehend im Gange sind; wie diese Dinge aber technisch behandelt werden sollen, darüber muß die Reichsregicrung noch Beschluß fassen. Den zweiten wesentlichen (Legenstand der Kabinettsberatungen bildet die Kontingentierung, die nun auch so schnell wie möglich zum Abschluß gebracht werden soll. Ob das noch in dieser Woche möglich sein wird, wie man noch heute vormittag glaubte, muß man abwarten, da es sich um eine der schwierigsten wirtschaftlichen und außenpolitischen Fragen überhaupt handelt. Bas Littest Der AeichsregienM. Derlin, 7. Rov. (XU ) 3n Kreisen der Reichs- regicrung ist man von dem Ergebnis der Reichslagswahl fichi.ich befriedigt, was die Verschiebung des Krä^everhcitlnifses im Einzelnen angehl, fo wird zunächst sestgeskelll, daß die nationalsozialistische Bcroeguug nicht nur zum Stillstand gekommen sei, sondern über die geringere wah - .'iciligung hinaus Einbußen erlitten hat. Der wefcnuiche Tr.'i der von der RSDAp. erlittenen Verluste ist nach Ansicht maßgebender Kreise auf den bürgerlichen Parteien hängen geblieben. Dav gesunde Bürgertum, so wird erklärt, sei wieder zurückgefiossen. Diese Stimmen sowohl als auch die Stimmen der Richlwähler glaubt man zugunsten der Regierung von Popen verbuchen zu können. Innerhalb der sogenannten m a r x i st i - schen Front habe ein Austausch der Stimmen slaltgesundcn, so daß von einem Einbruch der Rationalsozialisten in diese Front nicht gesprochen werden könne. Die Gewinne der Kommunisten überstiegen etwas die Verluste der Sozialdemokraten. Die Verluste des Zentrums werden auf die Verhandlungen zurückgcführt, die diese Partei verschiedentlich mit den Rational- f o z i a l i st e n gepflogen habe. In welcher weife sich der Wahlausgang auf die innerpolitische Lage auswirken wird, hängt nach Aussassung maßgebender politischer Kreise einmal davon ab, ob im neuen Reichstag eine arbeitsfähige Mehrheit zustande kommt, zum anderen davon, wie sich der neue Reichstag zur Frage der verfafsungsreform stellt. Dem neuen Reichstag wird bekanntlich alsbald ein Verfassungsprogramm vorgelegt werden, nachdem vorher auch die breitere Oesscntlichkeit Gelegenheit genommen hat, sich mit diesem Programm zu beschäftigen, fo daß nach Möglichkeit diesen oder jenen wünschen noch Rechnung getragen werden kann. Für das Schicksal des Reichstags dürste die Haltung maßgebend fein, die gegenüber dec Berfas- sungsvorlage er genommen wird. Raturgemäß wird in politischen Kreisen auch bereits die Möglichkeit erörtert, ob es nicht doch dem neuenReichs- t a g gelingt, eine arbeitsfähige Mehrheit zustande zu bringen. Das könne möglicherweise dadurch geschehen, daß etwa die E h r i st l i ch - S o - zialen zu einer Koalition von Rationalsozialisten und Zentrum bezw. Bayerische Voikspartei stoßen würden. Das Zustandekommen einer solchen Koalition vorausgesetzt, würde es aber auch eines Programmes bedürfen, das nach allen Richtungen hin hieb- und stichfest ist. Bei der Beurteilung des Wahlergebnisses wird in maßgebenden politischen Kreisen auch auf die als besonders charakteristisch bezeichnete Tatsache hingewiesen, daß die Kontingentierungspolitik auf den Wahlausgang, wie die Stimmen auf dem Lande zeigten, keinen nachteiligen Einfluß ausgeübt habe. Die endgültige Entscheidung in dieser Frage dürste noch im Lause dieser Woche fallen. Es dürfte sich dann auch Herausstellen, ob die Gerüchte, die hinsichtlich der Stellung des Reichsernährungsministers von Braun in der letzten Woche im Umlauf waren, begründet find oder nicht. Die Reichsregierung habe keine Veranlassung, von ihrem bisherigen Kurs a b - zuweichen. Es werde nunmehr Sache der Parteien sein, ob der Reichstag in der Lage sei, positive Arbeit zu leisten. Die Reichsregierung sei bestrebt, ihre Grundlage zu verbreitern und, wie der Kanzler auch in feiner Rundfunkrede zum Ausdruck gebracht habe, für jeden die Arme offenzuhalten, der gewillt sei, mitzuarbeiten. Praktisch dürfte sich der weitere Gang der Dinge so gestalten, daß der Reichskanzler die Parteiführer empfängt und an sie die Frage richtet, ob und unter welchen Bedingungen sie bereit sind, sein Kabinett zu unterstützen. Sollte die Antwort negativ ausfallen, so würde der Kanzler voraussichtlich dem Reichspräsidenten Vorschlägen, daß dieser die Parteiführer zu sich bittet und sie fragt, was sie unter diesen Umständen für Vorschläge zu machen Haden, wenn dabei ein wirklich brauchbarer und durchführbarer Vorschlag gemacht werde, so werde der Reichspräsident seine Durchführung emöglichen. (Eine Umbildung des jetzigen Präsidialkabinetts wird offenbar nur dann in Erwägung gezogen werden, wenn dadurch wirklich eine erhebliche Verbreiterung der Regierungsbasis erreicht wird. 4- 4- - ' + 4- 4- + 4- + i {+ + 4 V 4- 4-j U 4-Bq i-ÜÜ-'W :::::::::::: MM v'v ■ _____ _Zusammen 582 Mandate E3kP0 -100 Ml SPD 121 ÜÜ ÜBR.PART.16 WvVP 11 OoNVP 51 [VJZENTP. 69 MW NSDAP 195 Nach den neuesten Zahlen, die vom Bureau des Reichswahlleiters mitgeteilt werden, tritt in der bisher mitgeteilten Verteilung der Mandate insofern eine Aenderung ein, als das Zentrum 69, die Bayerische Volkspartei 19 Mandate erhalten. Kundgebungen der Parteiführer. Drei Aufrufe Hitlers. München, 7. Rov. (Sil.) Adolf Hitler erläßt folgenden Aufruf: „Rationalsozialisten!, Rationalsozialistinnen, Parteigenossen! Der schwerste Kampf der Geschichte unserer Partei ist hinter uns. Ein gewaltiger Angriff gegen die Bewegung und die Rechte des deutschen Volkes ist abgeschlagen. Die Regierung von Papen hat trotz ungeheurer Versprechungen, trotz Anwendung aller denkbaren Machtmittel, trotz des Einsatzes der größten Propagandamittel fast der gesamten Presse, des Rundfunks, trotz Zeitungsauflogen usw., eine vernichtende Riederlage erlitten. Die ihr verschriebene Deutschnationale Volkspartei und deren Anhang umfassen keine 10 v. H. des deutschen Volkes, 90 v. H. lehnen sie ab. Für uns ist der Sinn des Ausganges dieser Wahl klar: Fortsetzung des Kampfes gegen dieses Regiment bis zur endgültigen Beseitigung. Die nächsten Wochen und Monate werden dabei unser bester Bundesgenosse fein. Sie werden nicht nur durch die gesteigerte wirtschaftliche Rot die Einsicht unseres Volkes verstärken, sondern auch die Erkenntnis vertiefen, daß unsere nationalsozialistische Warnung, durch das Regiment von Papen und die dadurch ncubelebten bürgerlichen Parteien gehe Deutschland immer mehr dem Bolschewismus entgegen, richtig ist. Schon diese Wahl hat es bewiesen. Rur dieser Hugenberg- Papenschen Reaktion ist es zuzuschreiben, daß nun in den Deutschen Reichstag zum ersten Male 10041 Bolschewisten einziehen. Ich lege damit die Parole für die Haltung der Partei genau so eindeutig fest, wie nach dem ersten Reichspräsidenrenwahlgang! Rücksichtslose Fortsetzung des Kampfes bis zur Riederringung dieser teils offenen, teils getarnten Gegner einer wirklichen Wiederaufrichtung unseres Volkes. Keinerlei Kompromisse und kein Gedanke an irgendeine Verständigung mit diesen Elementen. Ich treffe für die Weiterführung des Kampfes folgende Anordnungen: 1. Alle organisatorischen Fragen und Arbeiten der Partei treten ab sofort zurück gegen- I über der Aufgabe der äußersten Verstärkung unserer Propaganda. 2. Sämtliche Parteiinstanzen treffen sofort ihre Maßnahmen zur Einleitung des neuen Propaganda-Feldzuges. 3 Ehe dieses Regiment und die es deckenden Parte en nicht bis zur Vernichtung geschlagen sind, gibt es kein Verhandeln! Die neuen Ausführungsbestimmungen für die Durchführung dieser Anordnung gebe ich noch in dieser Woche hinaus. Adolf Hitler." ^Ein weiterer Aufruf Hitlers lautet: „SA.- und SS. - Männer! Ich danke allen SA.- und 55.= Führern und -Männern für die ungeheure Arbeit in diesem bisher schwersten Kampf unserer Bewegung. Ich weiß, mit wieviel Opfer und Leid, Sorge und Entbehrung Ihr lämpfen mußtet. Ich weiß, daß Ihr Ucbermen'schliches geleistet habt, ich weiß, daß viele sich nach Ruhe sehnen. Ich kann dies verstehen, aber ich kann es nicht zugeben. Wir alle glauben, unser Höchstes getan zu haben. Wir müssen uns überwinden und noch mehr l e i st e n. Der Kampf muß und wird zu Ende geführt werden, dis unser Gegner amEndedoch vernich- t_e_t ist. Ich bestimme daher folgendes: Die SA. und 55. haben sofort im engsten Einvernehmen mit der politischen Propagandaleilung der Partei die Arbeit und damit den Kampf erneut aufzunehmen. Adolf Hitle r." Einen dritten Aufruf hat Hitler an die Leiter der Partei-Organisationen erlassen: „Ich danke hiermit den Amtswaltern der Pariei der nationalsozialistischen Frauenschaft und der Hitlerjugend, sowie sämtlichen Rednern und Schriftleitern für die ungeheure soeben geleistete Arbeit. Der Kampf zur Nieder- ringung unserer Gegner wird sofort wieder aufgenommen. Die Anweisungen hierfür werden noch in dieser Woche hinausgehen. Adolf Hitler." Ein Ausm des Zenirumsführers Köln, 7. Rov. (TU.) Der Vorsitzende der Zentrumspartei. Prälat Dr. K a a s , erläßt eine Erklärung, in der es heißt: „Ein schwerer, bedeutungsvoller Kampf liegt hinter uns. Den mit allen Mitteln geführten Großangriff des gegenwärtigen- Kabinetts auf die Grundlage der Dolksrechte hat die überwiegende Mehrheit der deutschen Staatsbürger an der Wahlurne mit einem „Rein" beantwortet, wie es wuchtiger und unmißverständlicher keine deutsche Regierung je zu hören bekommen hat. In diesem schweren Wahlkampf hat die Zentrumspartei sich erneut als unerschütterliche Aktion aufrechten und staatspolitischen Wollens und Handelns erwiesen. Unseren Kämpfern in Stadt und Land aufrichtigen Dank für ihr Vertrauen. Das Votum des 6. Rovember bedeutet eine vernichtende Absage an das jetzige System, ein „Bis hierher und nicht weiter!" gegenüber denen, die unserem Volke und seiner Vertretung die Rechte nehmen wollen, ohne die ein gesundes Staalsleben nicht bestehen kann. Der Spruch des Volkes ist für uns Ermächtigung und Aufforderung, auf unserem Wege weiterzuschreiten — im Vertrauen auf die Treue unserer Wählerschaft, im Vertrauen auf die Güte der Sache, der wir dienen. Dem Staat kann nur dienen, wer nicht gegen das Volk, sondern mit dem Volke geht. Die Regierung hat gegen das Volk optiert. Das Volk hat die Antwort gegeben. Auf Grund dieses Volksurteils werden wir jeden verantwortbaren Schritt tun zur lleberbrückung der Zerrissenheit zwischen den politischen Lagern und zur Ermöglichung einer starken, volksverbundenen Reichsregierung an Stelle des unmöglichen Zustandes von heute." Aufruf Hugenbergs. Berlin, 7. Rov. (Sil.) Der deutschnationale Parteiführer Dr. Hugenberg veröffentlicht folgenden Aufruf: „ilnbeirrbares Festhalten an dem für richtig erkannten politischen Ziel und opferbereiter Einsatz aller Gliederungen der Partei, insbesondere auch der in den Kampfgruppen organisierten Jugend haben der Deutschnationalen Voltspartei einen überzeugenden Sieg gebracht. Die schwarz braune Mehrheit nn Reichstag ist beseitigt. Damit ist eine der wesentlichsten Voraussetzungen für die Durchführung des von uns in Volk und Parlament vertretenen Kurses geschaffen. Dank und Anerkennung spreche ich allen Kämpfern der deutschnationalen Bewegung aus, die sich unter Einsatz ihrer Person gegen Terror und Lüge durchgesetzt haben. Der Kampf geht weiter. Heil Deutschland! Hugenberg." Dingeldey über den Wahkausfall. Berlin, 7. Rov. (Sil.) Dem Parlaments- dienst der „Sil.“ äußerte sich der Führer der DVP. Dingeldey über das Ergebnis der Reichstagswahl dahin, daß das entscheidende Ziel, die braun-schwarze Koalitionsmehrheit zu brechen, erreicht sei. Dingeldey sieht keine Möglichkeit einer Mehrheitsbildung im neuen Reichstag, es sei denn, wie er erklärt, daß die Rationalsozialisten ihre Haltung vom 13. August aufgäben. Alle Anzeichen sprächen jedoch dagegen. Die Reichsregierung müsse ober unter allen Umständen einen neuen Versuch in dieser Hinsicht machen. Erklärungen des Führers der Bayerischen Volkspariei. München, 7. Rov. Der Landesvorsitzende der DBP., Staatsrat S ch ä s f e r, erläßt e'.ne Kundgebung zum Wahlausgang, in der es heißt: „Cs geht heute in Deutschland nicht um Schattierungen in der Politik, sondern um Sein oder Rich tfein unseres Volkes. Wem: es nicht schleunigst gelingt, zu einer sachlichen, planmäßigen Regierungsarbeit im Reiche zu gelangen, dann gegen wir den schwersten Zeiten entgegen, die Deutschland jemals erlebt hat. Es ist eine Lebensnotwendigkeit der deutschen Innenpolitik, daß der Machtkampf unter den Gewählten, die berufen sind, die Reichspolitik zu bestimmen, beendet wird. Eine Regierung, die ihre Aufgabe darin erblickt, sich grundsätzlich gegen die Volksvertretung zu stellen, ist nicht am Platze. Ein Reichstag, der sich nicht auf seine Aufgaben und Pflichten besinnt und nicht alles daran seht, sich durch sachliche Arbeit und txinünftige Zusammenarbeit aller arbeitswilligen Kräfte zu behaupten, verdient nicht denn Ehrentitel einer Volksvertretung. Rur im Zusammenwirken zwischen Reichstag, Reichspräsidenten und Reichsregierung ist eine Politik der Gesetzmäßigkeit, des Rechts und der Verfassungstreue gewährleistet. Diejenigen, die immer mit dem Gedanken eines Staatsstreiches von oben spielen, mögen bedenken, daß sie damit die Revolution von unten führen. Rur zu einer Reichsregierung, die in allen Dingen auf den Pfaden des Rechts wandelt, können wir in Bayern das Vertrauen haben, daß bei einer zukünftigen Reichsreform die Rechte des bayerischen Staates gewährleistet und gesichurt werden. Mit klarer Vorstellung von einem Staat de s Rechts, der Ordnung und der Wohlfahrt und mit dem festen Willen, ihre unerschütterlichen Grundsätze in die Tat umzuset- zen, geht die DVP. an die große Aufgabe des unaufschiebbaren deutschen Rettungswerkes heran. Sie wird jedem Freund sein. Kommunistische Forderungen. Berlin, 7. Rov. (ERB.) Die neugewählte kommuni st ische Reichstagsfraktion hat die sofortige Einberufung des Reichstages verlangt. Sie wird u. a. einbringen ein Mißtrauensvotum gegen das Gesamtkabinett und einen Antrag, die im Verlaufe des Derkehrsarbeiterstreiks Inhaftierten freizulassen und alle durch die ordentlichen oder Sondergerichte gefällten Urteile aufzuheben. Herriot zur Gleichberechiigungsdebatte mit Deutschland. Eine neue CRebe über die französische Abrüstungspolitik. Toulouse, 6. Rov. (WTD.) Auf dem Kongreß der Radikalen erklärt« Ministerpräsident Herriot, wenn man daran denke, daß England einzig und allein deshalb 1914 in den Krieg eingetreten sei, weil es einen Akt unterschrieben hatte, der die R e u t r a l i t ä t Bellens garantierte, dann habe man nicht das Recht, an der englischen Unterschrift irgendwie zu zweifeln. Ter Friede würde in weitem Ausmaße gesichert sein, wenn alle Unter* schriften den gleichen moralischen Wert hätten, den England der seinigen gegeben habe. Aber Locarno decke nicht alles. Dieser Vertrag enthalt« Lücken, die Driand leider nicht habe ausfüllen können. Dasselbe gelte vom K e l I o g g - A n t i kr i e g s p a kt, den die Vereinigten Staaten zwar unterzeichnet hätten, der aber abstrakte Stellen enthalte, die die amerikanischen Delegierten selbst zu ergänzen sich bemühten. Die Frage der Gleichberechtigung sei ein Beweis für den Mangel des guten Glaubens. Als er die deutsche Rote erhalten habe, habe er zunächst geantwortet, daß er keine geheimen und vertraulichen Verhandlungen annehme. Das sei für niemand verletzend. Er halte an der Völkerbundspolitik fest. Auf den Inhalt der Rote habe er i n einem Punkte geantwortet: Rein, Frankreich werde niemals einwilligen! Aber hinsichtlich der Gleichberechtigung habe er einfach auf seine Erklärung in Genf verwiesen. Er habe sich gegen einige gegen Frankreich erhobene Anschuldigungen des Imperialismus gewandt. Allerdings habe er des weiteren erklärt, daß er die Formel, wenn mit ihr eine Aufrüstungsabsicht verbunden sein sollte, nicht annehmen würde. Leider habe man ihm nicht geantwortet. Anstatt seinen Worten den wahren Sinn zu geben, habe man sich in Aeußerungen ergangen, von denen man zum mindesten sagen könne, daß sie nicht gerade liebenswürdig gewesen seien. Er lasse gewisse Anklagen gegen Frankreich nicht durchgehen. Rechtsgleichheit ja, aber nur, wenn die Formel die Absicht in sich schließe, ein späteres Regime gemeinsamer Sicherheit einzuführen. Wenn diese Formel aber nur Absichten zur Aufrüstung und zur Verstärkung der Angriffsstreitkräfte verdecke, dann nein! Zu dem sogenannten „k o n st r u k t i v e n P a n" bemerkte Herriot dann noch, Frankreich habe das Rotwendige verlangt, aber nichts Undurchführbares. Ietzt müsse man die Antworten ab -- warten. Es dürften ermutigende und auch aggressive Antworten eingeh-en. Unglück über die, die Frankreich des Imperialismus berichtigten! Er werde sie verfolgen und überall zeigen, daß sie lügen. Wer wünsche etwa eine Hegemonie? Etwa das französische Volk? Die Bauern, Angestellten und Arbeiter, die vier Jahre lang in den Schützen^ grüben gelegen hätten, sollten Militaristen sein? Frankreich stehe über solchen Verdächtigungen. Frankreich biete wieder einmal der Welt den Frieden. Es habe keinen anderen Wunsch als die Kinder, die ihm verblieben seien, in der Arbeit, im Frieden und in der Freiheit auszuziehen. Kabmeiisrai in Paris. Herriot über außenpolitische Fragen. Paris, 7. Rov. (WTD.) Kriegsminister Paul-Boncour erstattet« in dem heut« vormittag abgehaltenen Kabinettsrat Bericht über die Aufnahme des Sicherheits- und Abrüstungsplanes in Gens. Ministerpräsident Herriot unterrichtete dann die Kabi- neittsmitglieder über seine Reise nach Spanien. Rach dem KabinLttsrat erklärte Herriot den Iournalisten, durch Einbringung des Sicher- heits-und Abrüstungsplanes habe sich die Stellung Frankreichs in Genf verbessert. Heber seine Reise nach Spanien sagte er: „Erster Tag: Höflichkeit, zweiter Tag: Herzlichkeit, dritter Tag: Begeisterung". Zu der Frage der französisch-italienischen Beziehungen erklärte der Ministerpräsident, man müsse diese Beziehungen auf eine vernünftige Grundlage stellen. Ein Regime der Radelst i ch p o l i t i k könne nicht andauern: nach dem Kriege sei man gegenüber Italien ungerecht gewesen, man müsse anerkennen, daß das italienische Volk beträchtl'che Anstrengungen gemacht habe. Cs hätte neutral bleiben können, aber es sei in den Krieg eingetreten, und zwar zu einer Zeit, als man schon wußte, daß er fürchterlich sein würde. Aus alter Welt. Gronau in Genua. Der deutsche Weltflieger Wolsg. v. Gronau ist, von Rom kommend, in Gen u a ge land et. Das Wetter über den Alpen ist sehr schlecht und die Ausläufer des Schlech>twettergebietes reichen bis Genua, so daß Gronau sich entschlosi- sen hat, vorerst noch dort zu bleiben. Feierliche Inthronisation des neuen Bischofs von Meißen. Rachdem der neue Bischof von Meißen, Peter ßegg e, in den letzten Tagen aus Hamburg in Bautzen eingetroffen war, fand eine Sitzung des Domkapitels St. Peter statt, in der der neue Oberhirte von seiner Diözese Besitz ergriff. Im Anschluß daran ging die feierliche Inthronisation in der Domkirche vonstatten. Rachdem die päpstliche Ernennungsbulle verlesen worden und die Einkleidung des Bischofs mit den Abzeichen der geistlichen Würde erfolgt war, hielt Bischof Segge ein feierliches Pontifikalamt und sprach von der Kanzel aus zu der Gemeinde. Mit den üblichen gottesdienstlichen Handlungen ging di« Feier zu Ende. Ein neuer Devisenskandal. Auf Veranlassung des Vernehmungsrichters beim Amtsgericht Berlin-Mitte wurde Haftbefehl gegen den Kaufmann Adolf Borchardt, den Bergwerksdirektor Gustav Cordes, den Makler Heinrich Holländer, den Bankbeamten Leonhard Kubernuß, den Geh. Rcg'.erungsrat H. Tillich, Bureoudirektor im preußischen Wchlfahrtsministerium, wegen des Verdachts des Devisenvergehens erlassen. Die Angeklagten sollen über das Konto des Regierungsrats Tillich ausländische Effekten in beträchtlichem Wert« verkauft und den Gegenwert an die ausländischen Auftraggeber gezahlt haben, Hm das Manöver zu verdecken, wurden Scheinquittungen ausgestellt, nach denen der Verkaufserlös zu Wohlfahrtszwecken gegeben wurde. Goeihe-Bund. Erster Dichter-Abend: Hans Carossa. Der im bürgerlichen Beruf als Arzt tätige Dichter Carossa, dessen bisher nicht eben viele und nicht besonders umfängliche Bänd« füllendes Werk — zumal nach dem Erscheinen seiner letzten Erzählung „Gion" — immer steigend« Bedeutung gewinnt, las in der Renen Aula vor einem großen Zuhörerkreise. Er begann mit dem Dortrage etlicher Abschnitte aus einem im Entstehen begriffenen Buch, einer Bekenntnisschrift und Dankschrist für Mitlebende. Den besinnlich-heiteren Auftakt bildeten Erinnerungen aus frühen Kindheitstagen, in deren paradiesisch besonnte Landschaft die Königstragödie am Starnberger ihre Schatten wirst und die schweifende Phantasie des Knaben Carossa zu wunderlichen Taten erregt. In ganz leise mundartlich gefärbtem, sonoren Tonfall klar und gegliedert erzählend, ließ der Dichter einige persönlich durchlebte und formulierte Gedanken über den Krieg folgen: über dessen Entartung, die längst jener romantischen Verklärung entrückt ist, womit noch Rovalis den Krieg umgeben wollte. Dann wendet sich der Begriff, merkwürdig gleitend, vom Politischen ins Geistige: Heraklits berühmter Ausspruch spielt in die Gedankengänge hinein. And zuletzt ist die Rede von der heilsam-reinigenden Wirkung des Krieges, der dem Frieden seinen Wert bestätige. Den Abschluß des ersten Teiles bildete eine Episode aus dem Frühjahr 1918, von einem bayerischen Anterosfizier berichtend, dessen Entschlossenheit dem Miterlebenden denkwürdig schien. Für den Hörer beruhte das spezifisch« Gewicht dieser Erzählung in der eigentümlichen Wendung aus der nahen und gleichsam sinnlich greifbaren Wirklichkeit kriegerischen Geschehens in die unwirklich fernen Bezirk« d«r Kindheitserinnerung: und nur einem Dichter konnte die Verschmelzung der knabenhaften Geschichte von der „chinesischen Mauer" in seiner süddeutschen Heimat mit dem knappen und männlichen Bericht vom jähen Sterben eines Soldaten und vom Angriff auf die englische Stellung so selbstverständlich gelingen. Rach der Pause las Carossa einige wenige Gedichte: gedanklich geprägte Strophen von sehr gemessener Form zunächst: dann eine ganz klassisch anmutende Vision „Heimliche Landschaft", dann „Die Ahnfrau", ein in dunklen Akkorden auf gefangene^ Erlebnis (bei dessen Vortrag man flüchtig an Hölderlin denken mußte, stärker an Dillinger erinnert wurde) — zuletzt „An eine Katze", tiefsinnige Zwiesprache mit einem vor Zeiten heiligen Tier. Als Abschluß: ein Zusatzkapitel zu dem neuen Buch vom Arzt Gion, handelnd von der Bekehrung und Belehrung einer alten Mutter und von der beglückend erfüllten Sehnsucht eines in lachsfarbenes Trikot gekleideten jungen Herkules, den Begabung und Ehrgeiz vom biederen Schlosserhandwerk zur schwierigen Kunstübung dörflicher Akrobaten treiben. Wer hier zuerst etwa auf eine Szene wie zwischen der sterbenden Aase und ihrem phantasierenden Sohne Peer Gynt gefaßt war, wurde bald abgelenkt, erfreut und beschwichtigt von der durchsichtig-klaren Prosa und jener überlegenen, unaufdringlichen und halb verdeckten Heiterkeit Carossas, die eine scharf gesehene und dargestellte Begebenheit wie mit warmen Goldlichtern überspielt. Gerade hier wird manchem Carossas Auszeichnung mit dem Gott- sried-Keller-Preise sinnvoll begründet erschienen sein. Die Hörerschaft dankte mit herzlichem Beifall für «ine schöne und nachhallende Stunde. —y— Konzert des Gängerkranzes. Joseph Haydn: „Die Schöpfung". Obwohl Haydn durch die eingehende Kenntnis der Händelschen Oratorien tiefgehende Anregungen für sein eigenes Schaffen empfangen hatte, so führt dennoch die „Schöpfung" weit über das von Händel ülierkommene Erbe hinaus. Es war sicher eine glückliche Fügung, daß Haydn erst zu der Zeit an dieses Oratorium Herangehen konnte, als er die neu erwachte Instrumentalmusik mit ihren individuellen Ausdruckswerten zu einem hohen Grade der Vollendung geführt hatte. Bei ihm bricht im Gegensatz zu Händel, dessen subjektives Erleben mehr dem eines Menschheitstypus entspricht, rein persönliche Aneignung und Durchformung des Stoffes hervor. Die weltanschaulichen Wandlungen des Zeitalters der Empfindsamkeit, des Sturmes und Dranges finden hier in der inneren Symbolik des Naturlebens, in reizvollen finnigen Szenen ihren Niederschlag. Der Urgrund, auf dem aber das monumentale Werk erwuchs, war Haydns tief irn Religiösen wurzelndes gläubig-naivesGotteserlsben. Nur einer souveränen, aus dem Praktischen erwachsenen Meisterschaft konnte es gelingen, die bilderreiche Sprache des vorliegenden Textes musikalisch völlig zu erschließen, ohne dabei etwa intime Einzelzüge zu übersehen oder sich gar in Einzelheiten zu verlieren. Immer wieder werden wir die Großzügigkeit im Gelamtaufbau bewundern müssen, die in ihrer Ausgereiftheit und innerer Ausgeglichenheit eine Sonderstellung einnimmt. Die reichen Ausdrucksmöglichkeiten des symphonischen Jnftrumentalstils werden hier erstmalig der geistigen Sphäre des Oratoriums nutzbar gemachte ja. in der Einleitung mit ihrer gegen- ätzlichen Thematik, im Aufstrahlen des Lichtes in )cr musikalischen Abbildung des Wandels der Ge- tirne, und nicht zuletzt in der Jnstrumentaleinlei- tunfl des dritten Teils. In der organischen Durcharbeitung der Ensemblesätze und mit Chor weist er ebenso über seine Vorgänger hinaus, wie er z. B. Ein« solch« Quittung war von ö«m Vorsitzenden eines Erwerbslosenverbandes unterzeichnet, der zuevst auch vorgeführt, dann aber auf freien Fuß gesetzt wurde, da er offenbar gutgläubig gehandelt hat. von einem Lastauto zu Tode geschleift. Ein entsetzliches Anglück ereignete sich dieser Tage in Bromberg. Das Auto eines B.erverlages überfuhr eine etwa 65jährige Frau. Der Chauffeur versuchte zu entfliehen, ließ sofort die Scheinwerfer und die Beleuchtung der Autonummer verlöschen und raste davon, ohne zu ahnen, daß d e greise Frau sich an dem Fahrgestell des Wagens verfangen hatte und mit- geschleift wurde. Der Chauffeur achtete nicht auf die Zurufe der Passanten, sondern durchfuhr mehrere Straßenzüge in schnellstem Tempo, bis er endl ch nach einer Strecke von etwa 2 Kilometer den Wagen anhielt, das Opfer seiner Fahrt vom Kraftwagen befreite und dann verschwand. Man fand die schrecklich verstümmelte Leiche der Frau, der durch die Räderoewegung das Fleisch von den Knochen gerissen war, und die eine schreckliche Schädelspaltung aufwies. Der Chauffeur ist geflohen. Die Polizei verhaftete heute einen Mitfahrer. Schweres Verkehrsunglück. — Drei Tote, ein Schwerverletzter. Ein Lastzug, dessen Triebwagen mit etwa 100, und dessen Anhänger mit etwa 200 Zentner beladen waren, geriet bei L i e g n i tz in einer Kurve infolge der Rässe ins Schleudern. Als der Kraftwagenlenker auf die rechte Straßenseite fuhr, geriet er mitten in eine Gruppe von Personen hinein, die gerade eine nationalsozialistische Wahlversammlung verließen. Drei Personen wurden vom Anhänger erfaßt, gegen die Mauer gedrückt und völlig zerfleischt. Ein SA.-Mann wurde außerdem schwer verletzt. Luftschuhübng über Mitteldeutschland. In Fortsetzung der im Frühjahr und Sommer abgehaltenen Flugmeldeübungen und unter Verwertung der seinerzeit gesammelten Erfahrungen findet in Kürze eine Flugmelde- und Luftschutzwarnübung in Teilen der mitteldeutschen Länder und preußischen Provinzen statt. Ein auf klärender Vortrag über die Hebung wird demnächst vom Großsender Leipzig übertragen. Ein Teil des vermißten deutschen Postflugzeugs aufgefischt? Ein belgisches Lotsenboot hat in der Rähe des Feuerschiffes „Maas" ein Rad vom Fahrgestell eines Flugzeuges auf* gefischt, das vermutlich von dem vor etwa einer Woche über der Rordsee verunglückten und spurlos verschwundenen deutschen Post- fl ugzeug stammt. Der um das Rad befindliche Teil trägt di« Kennzeichnung „Elektron- Metall G. m. b. H., Konstanz-Stuttgart". Typ 965,150. Zwei Todesopfer eines Familiendramas. Ein furchtbares Verbrechen hat sich in Dabrowole im Kreise Alypu an der memel- ländischen Grenze zugetragen. Der Besitzer D a- b r o w o l s k h schickte frühmorgens seine Frau mit einem Auftrage in einen Schuppen. Ohne sein W f,"en gab seine im Hause lebende Mutter ihrem Enkel, dem 16jährigen Sohn des Besitzers, die Weisung, der Mutter im Schuppen zu helfen. Plötzlich sahen die Rachbarn Flammen aus dem Schuppen herausschlagen. Als sie hinzueilten, fanden sie, daß die eine Tür des Schuppens vernagelt, die andere zugebunden war. Ehe es gelang, die Türen zu öffnen, brach der Schuppen in sich zusammen. Aus den Trümmern zog man die verkohlten Leichen der Frau und des Iungen hervor. Dem Besitzer wird vorgeworfen, das Feuer aus Anstiftung seiner Geliebten selbst angelegt zu haben, um die Frau aus dem Wege zu schaffen. Dabrowol- sky hatte seine Frau oft mißhandelt und ihr im dritten Teil bei dem Duett (Adam und Eva) mit dem psalmodierenden Chor auf satztechnisches Neuland vorstößt. Als ein typisches Beispiel der Mischung weihevoller Feierlichkeit mit menschlich- indlviduellem Empfinden mag das Engelterzett gelten. Einzigartig und innerlich mit sich fortreißend wird es immer wieder sein, wie Haydn ein geradezu volkstümlich anmutendes motivisches Material einer großen geistigen, religiösen Tendenz dienstbar macht. Eine Chorvereinigung, die sich dieses Werk zum Ziel setzt, ehrt sich mit diesem Vorhaben, wenn sie imstande ist, den hohen Ausgaben zu entsprechen. Es konnte kaum ein geeigneteres Werk geben, um einem 25jährigen treuen und gewissenhaften Wirken im Dienst der Chormusik einen Markstein zu sehen. Es soll bei dieser Gelegenheit besonders betont sein, daß Herr Albert Kasten, soweit ich in den letzten Iahren seine Ausführungen verfolgen konnte, stets durch fein gründliches solides Musizieren zu einem achtbaren Faktor im Gießener Musikleben geworden ist. Daß nur durch unermüdliche Schaffenskraft und Einsetzung der ganzen Persönlichkeit der Destand eines Gemischten Chores gewährleistet und seine Sangesfreudigkeit gefördert und hohen Zielen zugesührt werden kann, ist eine, jedem Einsichtigen bekannte Tatsache. Auch diesmal bewies er wieder mit den chorischen Leistungen, in welch peinlich sorgfältiger Weise er gearbeitet hatte. Mit bewegter Frische waren die einzelnen Sätze erfüllt, sauber und klar in ihrer Plastik erklangen die fugierten Sätze. Dem Orchester, der Kapelle des Inf.-Regts. 15, war e ne nicht alltägliche Aufgabe gestellt worden. Im allgemeinen müßte bei den Bläsern noch mehr auf ein fein differenziertes Piano geachtet werden: im einzelnen zeigten besonders die Holzbläser sehr beachtliche solistische Leistungen. Der re.n symphonische Anteil am Werke erhob sich stellenweise zu starken Akzenten. Die Anforderungen, die Haydn an feine Solisten stellt, sind, dem Hochstand der Sangeskunst seiner Zeit entsprechend, sehr groß. Er verlangt nicht nur ausdrucksstarke Koloraturbeherrschun^ in den Arien, sondern auch durchschlagende stimmliche Kraft in den Ensemblefähen mit Chor. Helma Kolbe (Soprans, Frankfurt, führte die Arien und die Cnsemblesätze musikalisch sinngemäß durch, die Koloraturen in den Arien wurden gewissenhaft behandelt. Eine zu einseitige Bevorzugung der isolierten Kopfstimme in der Höhe lieh ihr Organ in den Ensemblefähen mit Chor sich nicht zu der klanglichen Breite entfalten, die der musikalischen Situation angemessen gewesen wäre. Es wäre der Sängerin für künftige Fäll« dringend anzuraten, nicht immer in das Rotenblatt hinein* jufingen, sondern sich von dem Schallreflex im Raume bei der Tongabe leiten zu lassen. Dem Tenor Anton Knoll (Frankfurt) schien der mit Totschlag gedroht. Cr hatte jedoch nicht gewußt, daß auch sein Sohn sich im Schuppen befand. da er sonst wohl den Brand niemals angelegt hätte. Die Goethe-Medaille für Gcheimrat Adolf Gottstein. Der Reichspräsident hat dem Ministerialdirektor a. D- Geheimrat Professor Adolf Gott- stein in Berlin-Charlottenburg anläßlich seines 75. Geburtstages in Anerkennung seiner Verdienste um die wissenschaftliche Durchforschung der sozialen Hygiene die Goethe-Medaille für Wissenschaft und Kunst verliehen. Furchtbare Unwetter über Rordnorwegen. Heber Rordnorwcgen, besonders in der Gegend von Tromsö, hat in den letzten Tagen ein furchtbares Hntoetter getobt. Man befürchtet, daß Schiffe untergegangen sind. Der engl sche Fischdampfer „Golden Deeps" ist mit 13 Mann Besatzung gesunken. Der Kapitän und drei Mann der Besatzung konnten gerettet werden. Vom Lande aus sah man das Schiff hilflos in der hohen See treiben. Zehn portugiesische Fischer ertrunken. Ein porkugiesischses Fischerboot wurde am Cap Mondego von einem anderen Boot so heftig g e- rammt, daß «s sofort sank. Von der 25 Mann starken Besatzung find zehn ertrunken. Kleine politische Nachrichten. Das Sondergericht Altona hat in dem Kom - munistenprozeß über die Itzehoer H n- ruhen vom 31.3uli d. I., bei denen der SA.- Mann Peter Koelln erschossen wurde, den Angeklagten Hildebrand zu zwölf Iahren und zwei Monaten Zuchthaus, Rieger zu zehn Iahren zwei Monaten Zuchthaus verurteilt. * Im Brünner Prozeß wurden gegen 14 Mitglieder der deutschen Jugendorganisation „Iung sturm" acht Angeklagte zu Gefängnisstrafen von 12 bis 18 Monaten verurteilt, zwei Angeklagte zu sechs Monaten Cinschließung mit dreijähriger Bewährungsfrist. Drei Angeklagte wurden freigesprochen. Sämtliche Verurteilten sind verpflichtet, die Kosten des Strafverfahrens zu tragen. Die acht zu Gefängnisstrafen verurteilten Angeklagten verlieren die bürgerlichen Ehrenrechte. De« italienische Mi nist errat hat unter dem Vorsitz Mussolinis einen Amnestie- und Gnadenerlaß für politische Vergehen gutgeheißen, der bereits' 'dem König zur Hnterschrift zugeleitet worden ist. Der Erlaß be- tirifft auch ausgesprochen antifaschistische Vergehen und stellt den weitestgehenden politischen Gnadenakt dar, der seit dem Bestehen des Königreiches ausgesprochen worden ist. Gewisse Einschränkungen sind nur gegenüber rückfälligen und sich verborgen haltenden Verbrechern gemacht worden. * In Beloit (Wifcomsin) verhafteten Bahnpolizeibeamte zwei Neger, die im Verdacht stehen, einen Anschlag auf den Sonderzug des Präsidenten Hoover geplant zu Haden. Die Polizei hatte Kenntnis von dem Anschlagsplan erhalten und ließ während der ganzen Nacht die Stelle der Strecke überwachen, an der die Schienen beschädigt werden sollten. Die beiden Neger wurden in dein Augenblick verhaftet, als sie sich an der fraglichen Stelle zu schaffen machten. * Die mexikanische Regierung hat ein Dekret erlassen, durch das die Bodenschätze an Gold, Kupfer, Antimon, Quecksilber, Aluminium, Phosphaten, Salpeter, Kohle, Platin, Eisen und Wismuth nationalisiert werden. Man will wissen, daß die gegenwärtigen Mineral- und Erdölkonzessionen, die sich in den Händen von Ausländern befinden, unberührt bleiben. Hebergang in bie hohe Quart durch nicht besonders glücklichen Sitz der Stimme einige Schwierigkeiten £|".t bereiten, sobald stärkere dynamische Grade erforderlich waren: In der mittleren Lage entsprach er durchaus den gestellten gesanglichen Ausgaben. In den rein lyrischen Teilen vermochte er durch geschickt« Verwendung der Mezza voce besondere Wirkungen zu erzielen. Kammersänger Ernst Everts (Barmen) zeigt« sich mit der Durchführung der Bahpartie als ein routinierter Vertreter seines Faches, der stimmlich zu des „Bodens Tiefe" hinunter^usteigen vermochte. Im einzelnen wäre stellenweise noch ausgeprägtere Charakterisierung und feinere dynamische Abstufung am Platze gewesen. Johannes R e b e l i n g gab am Harmonium den Rezitativen sicher« musikalische Stütze. Dr. H. Tonfilm: „Schuß im Morgengrauen". Da spielt eine einsame Tankstelle mitten im Wald eine gewisse Rolle: man denkt erst, die kennt man schon, aber es ist nur ein einziger Tankwärter drin, und der heißt weder Fritsch noch Rühmann, und es ist überhaupt ein bißchen unheimlich in der Gegend und nicht recht gehcuer, besonders nicht in der Villa, die ganz nahebei liegt, auch sehr einsam und übrigens preiswert zu verkaufen. Die Sache fängt damit an, daß in dieser für einen smarten Kriminalfall wie geschaffenen Landschaft ein Auto in höchst auffälligem Zickzackkurs über die Landstraße torkelt — im Morgengrauen. Und die Sache hört damit auf, daß wieder ein Auto, aber ein anderes, in sonderbaren Kurven über die Wald- straße schlingert. Diesmal hat es indessen eine andere Bewandtnis damit. Es bleibt auch nicht bei dem einen Schuß, es fallen im Laufe dieser aufregenden und durchsichtigen Begebenheit noch mehrere, und zuletzt gibt es — in der einsamen Villa — ein regelrechtes Feuergefecht. Das ist ganz grauslich, aber der Regisseur Alfred Z e i s l e r hat es verstanden, die düsteren Vorgänge mit einigen heiteren Episoden zu würzen und aufzulockern, und es entsteht so eine Mischung, deren Wirkung auf den Zuschauer bereits in sehr erfolgreichen Kriminalaffären erprobt ist. Der Film hat also Tempo, Spannung, auch Humor und überdies eine gediegene und pointierte Besetzung: gute Bekannte von früher: Karl Ludwig Diehl, Speelmanns, Lorre, Loos und Ode mar: olle vortrefflich. (Der erfahrene Kinobesucher wird übrigens schon aus der Besetzung die Kräfteverteilung ein wenig abschätzen können und seine Schlüsse auf den Gang der Ereignisse ziehen.) Außerdem: Ery Bos, neuer Ufa-Stern, und die Ni k o l a j e o a ; Heinz Salf - n e r und Curt Vespermann. Man verbringt einen angenehmen Nachmittag ober Abend, schwankend zwischen Gruseln und Lachen: im Lichtspielhaus. Aus der Provinzialhauptstadt der Wiedergabe einer Kletterpartie in die Re- gionen deS ewigen Eises fand der ausgezeichnete Kulturfilm seinen glücklichen Abschluß. Dankbar verlieh man das Haus. Oie nassauischen Bauern fordern Gtron Preissenkung. L^inb (Lahn). 7. Rov. Die Be- LEauernschaft für Rassau einschließlich des Kreises W^lar beschloß in ihrer Dorstandssitzung, Drrhandlungcn mit den Mainkraftwerten mit dem Ziel einer weiteren Senkung des Strompreises und Wegfalles der Zahlermiete einzuleiten. Sollten die Main- kraftwerke diese Forderungen unerfüllt lassen ble- Dr-rrksbauernschaft mit anderen Derufsstanden in Verbindung treten, um eventuell einen Licht streik zu organisieren. Alltag auf unserer Pflanzung Bericht aus dem ehemaligen deutschen Schutzgebiet. D i e D o I o m i t e n i m D i l d. Für die De- sncher des Lichtspielhauses Bahnhofstraße bedeute der Kulturfilm „Dolomiten" einen vielseitigen Genuß. 3n ganz ausgezeichneter Photographie die alle Hilfsmittel der modernen Technik in Air-' sprnch genommen zu haben schien, wurde jenes Land, das jetzt zum Teil in italienischen Händen r ^^e wiedergegeben und zwar so, daß all die mannigfachen Stimmungen, die über einer >o^unterschiedlichen Landschaft liegen, völlig erfaßt wurden. Das bedeutete die Hauptstärke dieses Bildstreifens. Die vollendete Schönheit dieses gottgesegneten Landes kam in — so darf man wohl lagen — vollkommener Meise zum Ausdruck. (So- weit Photographie überhaupt die Möglichkeit gibt, landschaftliche Schönheiten zu erfassens Der Film war sehr vielseitig und mit großer Sorgfalt zusammengestellt. Die Bilder erwiesen sich durchweg als von hoher künstlerischer Qualität. So sah man eine kühne Kletterei an den Valojett-Türmen das romantische Eisacktal. das Grödnertal. die Städte Br.xen, Klausen und Sterhing, die Langkofel- buchte gigantisch auf. vor dem Pordoi- !och sah man den Friedhof der Gefallenen des Meltknegech der sich dem heroischen Landschaftsbild sehr glücklich einfügt. Man sah die Trosburg kam über die Dolomitenstraße zur.Ruine Andre»' sah oae großartigen Drei Zinnen. Im Tilde nahm man Teil am üppigen Obstmarkt und an Winzer» sesten in Bozen und Meran; man lernte die Erd- pyramlden am Schiern kennen und war im Sarn- tal zu Besuch, bei jener Bevölkerung, die sich ihre Sitten und Trachten in unveränderter Form er- dem Weihnachtsfest Preußen und die Mehrzahl der Lander einem Vorschlag des Reichsarbeits- Ministers zugestimmt haben, der die Interessen der Angestellten mit denen des Einzelhandels in Der- blndung zu bringen sucht. Das generelle Verlangen nach Freigabe von drei Verkaufssonntagen vor dem Weihnachtsfest i st gescheitert. Die maßgebenden Stellen haben sich auf eine Kompromißlösung geeinigt. Der Einzelhandel insbesondere, so wird dem Rachrichtenbüro erklärt, habe großen Wert darauf gelegt, daß ihm jeweils zwei volle Wochen mit Sonn- tagen für das Weihnachtsfest zugestanden werden. Da in diesem Iahr der Heilige Abend auf einen Samstag fällt, genügt die Freigabe des Silbernen und Goldenen Sonntags um die gewünschte Zweiwochenfrist für den Weihnachtsverkauf zu erhalten. Im nächsten Iahr dagegen, wo der Heilige Abend auf den Goldenen Sonntag fällt, ist mit der Freigabe auch des Kupfernen Sonntags für den Weihnachtsverkauf zu rechnen, so daß dann insgesamt drei Sonntage freigegeben und erforderlich werden, wenn man die Zweiwochenfrist erreichen will. Auf die Dauer würden also in einem Zeitraum von sieben Iahren viermal je zwei Sonntage und dreimal je drei Sonntage für den Wechnachtsverkauf freizugeben sein. Die Verkauf sstunden an diesen Sonntagen setzen die Nachgeordneten Behörden fest. Die diesmal nicht zustande gekommene einheitliche Regelung dieser Angelegenheit für das ganze Reich ist für das nächste Iahr zu erwarten, zumal, wie das Rachrichtenbüro des DdZ. meldetz eine allgemeine Reuregelung der Sonntagsruhe geplant ist. Vorno nzcn. ~ s dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute 20 Ahr unter der Spiel- leitung von Peter Fassott „Sechs Personen suchen einen Autor" von Luigi Pirandello. Ende 22 Ahr. Gewöhnliche Preise. — Morgen im Mittwoch-Abonnement Wiederholung der Operette „Die Toni aus Wien". halten hat. Man nahm im Geiste an der Weinlese teil und bewunderte bald darauf in den nächsten Bildern trutzige Burgen und kühn auf Felsen gebaute Schlösser. Im Film war man zu Gast in einem Marmorbruch von Lassa, der 1800 Meter hoch liegt. Schloß Tirol und die Churburg tauchten auf und erinnerten an große Vergangenheit. 3m Reigen der Landschaften dursten die Bilder vom Ortler und der Marmolata nicht fehlen. Ge- mal gebaute Autostraßen und kühn über Abgründe geführte Brücken wurden gezeigt: der Gardasee offenbarte im Bilde feine feinen Reize. In einem Wallfahrtsort aus den 5. Iahrhundert fand der Kameramann eine Kuriosität: eine fünffach über- einanbergebaute Kirche. Aus den Bildern von rmr ^H^M^ben und Cavern en am Simona de la Pala, konnte man ahnen, welch ungeheure Leistungen die Soldaten in diesem Gebiete während des Weltkrieges zu vollbringen hatten. Mit Den nachstchenden, überaus instruktiven Brief einer beuffchen Pslanzersrau aus dem ehemaligen Deutsch-Ost-Afrika entnehmen wir den „Afrika-Ydachvichten". Wir haben unsere Pflanzung am Morogora-Ve- 3irf, leben schlecht und recht, wie die Verhältnisse es uns erlauben. Alles ist noch Anfang, alles erstes » und die Zeiten frrob schlecht. So ist es über- all. All das Krisenhafte unserer Zeit hat auch den afrikaniichen Busch nicht verschont, so weit er von Menschen bewohnt ist, von Europäern, von Eingeborenen. Auch auf sie fallen die Schatten der Zeit, pat der Europäer kein Geld, so ist auch der Schwarze arm. ’ ... ?e""och> mir sind guten Mutes. Wir haben unser täglich Brot, unsere Arbeit. Wir kommen voran. Es geht langsam. Immerhin, wir sind zufrieden und haben keine Sehnsucht nach Europa. Um 5 Uhr beginnt der Tag des Pflanzers mit der Ein- teuung der Arbeiter. Hier bei uns hat die Morgenstunde recht e.gentlich den Mund voll Gold, ^.s ist noch lkuhl die Sonne sammelt erst Kraft für den jbag. Diese Stunden müssen erst ausgenutzt werden. Dann darf man auch getrost mit den Hühnern zu Bett gehen. Nach dorn Frühstück geht es an die Fütterung der Diere. Das ist die Sache der Hausfrau, die immer lerlieb sein wird. Anders würde sie es hier nicht chaffen. Unser Tierpark ist neuerdings bereichert worden um einen Buscht)ock und eine Schwarzersenantilope. Ein jeder von uns hier draußen auf ben Pflanzungen hat seine eigenen Tiere gesammelt. — Neben der Küche befindet sich der Vorratsraum der stets der Verwaltung der Hausfrau untersteht. Diese Arbeit kann niemals von einem Schwarzen übernommen werden. Man würde teures Lehrgeld du zahlen haben. Alle Vorräte werden im Großen gekauft. Reis, Mehl, Zucker, Salz, Erdnüsse sackweise, Honig, Del, Petroleum in großen Tons. Die Gemüsekonserven bilden den eisernen Bestand, im übrigen muß der Garten alles liefern. So n n tag ist Iagbtag für die Männer. Für Ue Hausfrau bedeutet die Jagd einen Fleischvorrat ur drei Tage. Ein Teil wird singeweckt. — „Wir leben einfach und dennoch gut. Das Frühstück besteht mögl chst aus Früchten, Haferflockenbrei mit Milch und Zucker, Eiern, Butter, Brot und Marmelade. Ein paar Bananentrauben hängen un- term Deckenbalken stets für den Verbrauch bereit. Die überreifen Bananen liefern einen ausgezeichneten Essig. Mittags gibt es Suppe, Fleisch, Gemüse, Kompott, dazu Pudding oder Fruchtsalat. Zwischen vier und fünf Uhr nehmen wir unseren Kaffee mit Butterbrot oder Kuchen. In der Küche bnbe ich schwarze Hilfe, aber nichts geht ohne ständige eiserne Kontrolle. Besonders das '2lt »mecken ber Speisen darf nicht dem Koch überlassen werden, da -die Geschmäcker sehr verschieden sind. Nach dem Essen sollst du ruhn. Die Sonne stcht dann im Zenith. Unentbehrlich ist dann der Bombay- Stuhl, den der richtige Pflanzer hier selbst baut. — Der Hausfrau untersteht natürlich auf allen Pflanzungen auch die Hausapotheke, die den besonderen DerhältMen hier draußen auch besonders Rechnung trägt. Plasmochin, Plasmochin comp., Aspirin, Pyramidon, Patren usw. sind stets in reichlichen Mengen vorhanden; dazu Abführmittel aller Art, Verbandszeug, essigsaure Tonerde und Wund- salben. Die Wartung des Kleinviehs fällt in den Arbeitsbereich der Frau. Wir haben 40 Enten, 80 Legehühner und 20 bis 40 Schlachthühner. Die Fütterung erfolt stets unter meiner Aufsicht. Garten und Gemüsegarten unterstehen der Frau, dazu auch die Duka, der kleine Laden, in dem die Arbeiter ihre Bedürfnisse eindecken können. x ..2>ie Seit wird ausgefüllt mit M u s i k, L e k ° rJ?' Korrespondenzen usw. Allerdings, die Beleuchtung läßt bei uns zu wünschen übrig, wenn man europäischen Maßstab anlegen wollte. Eine wundervolle Errungenschaft ist die Benzin- ga s I a m p e, wertvoller aber noch, da für alle Zwecke brauchbar, ist die gute Petroleumlaterne. Sie leuchtet in den Ställen, des Abends im Freien, sie macfjt den „Salon" bewohnbar, wenn das Licht des Tages untergegangen ist. Wir wohnen in 1000 Meter Höhe, erfreuen uns eines gefunden Klimas und haben Moskitos nur njabrenö der großen Regenzeit, durch zwei Monate hindurch. Eine einzige Malaria in zwei Japren ließ fich schon ertragen. Die Abende sind kühl, ein warmer Mantel in der Morgenfrühe ist nicht zu verachten. Die Männer tragen Khaki, wir «rauen Waschkleider aus Seinen, Baumwolle, Seide, im Busch lange Hosen und Blusenjacken. Die Nachte werden so kühl, daß man gern unter zwei Wolldecken liegt. Unser ganzes Leben spielt sich auf unserer Pflan- jung ab; feiten, daß wir einmal nach Morogoro kommen. Niemand, der sich hier eingelcbt hat ent- befjrt die Stadt mit ihrer Zivilisation. Wir sind weniger zivilisiert, haben darum aber vielleicht mehr Kultur als — andere. _ Die Zeiten sind schlecht. Wir spüren es an allen men 2Iber wir sind dennoch zufrieden und hoffen, daß dieses deutsche Afrika wiederganzdeutsch werde mit deutscher Verwaltung. Gießen, den 8. Rovernber 1932. Wohne bei dir! Draußen geht das große Abrüsten — das einzige, das nicht nur auf dem Papier steht — zu Ende. Die Ratur legt in ihrem Freilichttheater die große Pause ein. Die frühen Abende verengen die Lagesspanne. Die weite Welt beschei- det sich wieder auf jene Wände, die früher den ruhenden Pol in den flüchtig gewordenen Läuften darstellten. Die naturverlorenen Söhne halten Heimlehr in das Zuhause. Das braucht kein Signal zur „Familiensimpelei", zum Stubenhocken, kurz zur Einwinterung zu sein. And es wird auch nicht, wenn man dem Wahlspruch „Mein Heim, meine Welt!" den Rahmen gibt, in dem die „traute Häuslichkeit" nicht als „Mottenkiste", sondern als ureigenste Kleinwelt lebt. Richt als Mumienmuseum, nicht als Raritäten- und Antiquitäten- fabinett, sondern als Teil des Ichs ihrer Bewohner. Die Lust am Gestalten, jedem nach seinem schöpferischen Talent, ist uns allen eingeboren. In je- ' dem Menschen steckt ein Stück Künstler. And nirgends findet sich für diesen Spieltrieb, hinter dem der Drang nach Entfaltung eines Eigenwilligen steht, ein dankbareres Betätigungsfeld als inner- balb der wenn man sie hat! — eigenen vier Wände. Wie das Kunstideal sich mit den Zeiten ändert, Ausdruck und Versinnbildlichung einer Epoche wird, so wird auch das Gesicht der Wohnung das Spiegelbild seines Inhabers sein, wie ihn seine Zeit zu formen vermochte. Wie lange ist es her, daß jedes Quadratzenti- meterchen Holz ober Wand in dem Zimmer mit allem Möglichen und Anmöglichen bepflastert und behängt war?! Portieren, Palmwedel, ganze Vogelhandmngen und Porzellanbuden vom Iahr- markt: Eckchen, Schränkchen und Erkerchen-- nur nichts, was nach einer eigenen Wohnung aussah, nur nichts, worin sich in der Beschrän. tung em Geselle (Dom Meister zu schweigen) ge- de.gt hatte. Kitsch, Gleichmacherei, Aeberladen- ye.t und tausenderlei tote Richtigkeiten, zwischen Denen man sich nur mit der entsprechenden Vorsicht bewegen konnte. And so bewohnte man die Räume, aber man tootmte nicht in ihnen. Man war der Sklave ’c.m®£ seiner Plüschbezüge und einer kunstl chen Alora. Der Hang zu zweckentsprechender Sachlichkeit, ber die Gegenwart kennzeichnet, braucht nicht unbedingt in kalte Kahlheit und seelenlose Starrheit auszuarten. Die Schönheit der natürlichen Holzmaserung zur Geltung gc- alle Schnörkel und Ornamente lächerlich. Ein gutes, wenn auch kleines Bild an der vor.e.lhaftesten Stelle ber richtigen Wand • angebracht, erdrückt den größten Schwaden, selbst wenn er „mit echtem Oel gemalt" ist. Iedes Ding in der Wohnung muß von der Freude des Be,ihers künden, dessen gestaltender Slnn es >o und nicht anders zu seinem Leben erweckte. Iede Blume soll wie ein weiter Gottes- garten leuchten, den er sich zu seinem Ergötzen herein verpflanzte, jeder Teppich die unsichtbare ^icbrift tragen: Hier wohnt ein Mensch bei l'ch selbst, weil alle Gegenstände durch ihn und f.r mit ihnen lebt. Sie sind Kinder seines Geistes Ne sind stumme aber beredte Schwingungen seiner Seele. Dann wird das Heim zur Welt an und >ur Nch! , , Kig. Die freien Verkaufssonntage vor Weihnachten. An unterrichteter Stelle wird dem Rachrichten- buro ues DdZ. erklärt, daß in ber Frage der I für den Verkauf freizugebenden Sonntage vor | ■ DieZagd im November. Herbstjagd im bunt gefärbten Wald, ber von der Sonne übergoldet erscheint, Hundegeläut und Büchsenknall, Erntezeit im Jagdrevier kennzeichnen die Jagd des Monats, in der die Jägerei das Fest ihres Schutzpatrons St. Hubertus (3. November) feiert 3m Rotwildrevier ist nach beendigter Brunft ber Abschuß guter Hirsche beenbigt, unb nur ans hegerischen Gründen abkömmliche Geweihte werben noch gejagt. Um so wichtiger ist ber plcm- mäfjige Abschuß bes Kahlwilbes, ber wegen ber richtigen Gliederung des Bestandes ebenso erfolgen muß, wie um einen zu starten Bestand einzuschrän- ten. Wie im Rehrevier sollen dabei vor allem geringe Stücke, Schmaltiere und weibliche Kälber ber Kugel verfallen sein. Pürschgänge unb Ansitz an mafttragenbeft Orten ober an abgeernteten Kartoffeläckern führen im Schwarzwilbreoier mitunter zum Erfolg. Aussicht verspricht aber erst Schneefall, bei bem ein Spüren unb Kreisen möglich ist. Im Rehreoier ist ber Abschuß von weiblichem Wilb im Gange. Verschiebene Länder, wie z. B. Preußen, haben bie Jagb auf den Bock geschlossen. Dem wahllosen Abschuß, bem Ruin einer Rehjagb, ift damit ein Riegel vorgeschoben. Ebenso ist dort der Abschuß ber männlichen Kitze meist burch bie ir^5lra5^tiffe. verboten (z. B. durch bie für unfere Gegenb in Frage fommenben Regierungs- We Kassel unb Wiesbaben). Der Staat hat ba- mit ben Weg gewiesen, den ber Weibmann in Re- Dieren mit nachhaltiger Nutzung schon längst als richtig erkannt hat: Abschuß mit Auswahl, wobei ,.lf b^ten entbehrlichen Stücke, geringe weib- itdje Kitze, Schmalre' e unb nicht füljrenbe Ricken cor allem wegzunehmen sind. In Hessen hat bas flamte Rehrmlb noch bis Moncttsenbe Schußzeit, nrm ^"schränkungen hat der Staat nicht ShS ’ UmJ° m'd’t,9cr ist es, baß ber wirkliche Weidmann obige Grunbsätze von sich aus auf sein Revier übertragt. Die Böcke werfen ab. Der November ist ber Monat ber Walbtreiben. Solange noch ber Bauer auf bem gelbe arbeitet, ruckt der H a f e gern vom gelbe in ben Wall). Er ift bas für bie Jaabkasse wichtigste Wild. Gerabe beswegen sollten aber nur wirtschaftlich einwanb- freie Jagbarten auf ihn Anwendung finden Unter diesem Gesichtspunkt ist die Suchjagd auf' Hasen unbedingt zu verwerfen. Sie mag für jemand ber wenig Jagbgelegenheit hat, um bes Jagens willen bie bevorzugte Methobe sein, ihre Nachteile verliert sie damit doch nicht. Der Hase ift ein außerordentlich reoiertrcucs Wild, bas immer mieber zu feiner Sasse zurückkehrt, wenn es bort keine schlechten Erfahrungen macht. Aber wieberholtes Besagen vor allem Anflicken ober Hetzen mit Hunben verträgt er schlecht unb vertauscht solche unangenehme Gegenb gern mit ruhigerer. Wer baher glaubt, seiner Jagb- kasse durch recht oftes Absuchen der Grenzen einen besonderen Gefallen zu tun, erreicht in der Praxis bas Gegenteil, er grault bie Hasen über bie Grenze. H'NZU kommt noch bie Tatsache, baß bei keiner Jagbart mehr Wilb krank geschossen wirb unb oer- loren geht, wie bei ber Hafensuche, ba hierbei der ^afe meist von hinten beschossen wird, wenn er bas chmmste Ziel bietet, gehst bann auch noch ber wirk- ^e gute Verlorenbringer, bann ist ber Schaben ö~. -Rehr denn je gilt hier ber alte Jägerspruch: Jager ohne Hunb überhaupt kein Jäger". ;®.er m seinem gelbe so viele Hasen zu schießen hat, baß sich bie Kosten einer Treibjagd lohnen, der chieße nur so und nur einmal im Jahr feine Hasen. UcbcraU gibt es entlegene ober schlechter besetzte Lrfen, bie man von ber Treibjagd doch ausscheiden muß Dort kann immer noch der „Küchenhase" auf Der Suche geschossen werben. Es wäre leicht, aus Revieren unserer Gegenb an Hanb ber Jagbbücher nacyzuweisen, wie sich nach Abkehr von ber Such- jagd zur Treibjagd bie Jahresstrecke verdreifacht bat. Es ift fast verstänblich, wie schwer es hält, mit linolg bie gebankenlos übernommene Stümperei auf bem Gebiete ber Jagbwirtschaft bei bem Durch- |d)nittsjager zu bekämpfen. Neben bem Hasen wirb ber gasan beim Holz- g^agt. Ausschließlicher Hähneabschuß sollte ielbltverstanbliches Gebot sein, solange unsere Bestände noch so gering finb. Die Schaufenster ber Wildbret- banbler stellen leiber ber Einsicht ber Jäger häufig kein gutes Zeugnis aus. .Zwar hat bas Rebhuhn noch Sck-'.ßzeit, boch wird es höchstens noch einmal gelegentlich geschossen. Die Zeit planmäßiger Bejagung ist vorüber. Wenn ber Winter seine Vorboten schickt, stellen sich in größerer Zahl Enten ein, bie bann auf der Suche ober auf bem Strich besagt werden können. Die W a l d s ch n e p f e, auf bem Zug gen Süden bei uns rasteird, bringt Abwechslung in bie Treib- jagb. Auch der Strich kann zum Abschuß benutzt werden, ebenso wie im Herbst bas Buschieren mit kurz suchendem Hund weidmännisch ist Die Jagd auf unser 9t a u b m i< b kommt nun in Gang. Der guchsbalg wirb gut, und fein Träger ist auf ber Strecke ber Walbjagb besonders gern gesehen Der Dachs ist feist, und bie Zeit zum Graben da. Auch Iltis und Wiesel lohnen bald den Fang. Wer Raubwild am Luderplatz fangen oder schießen will, benutzt jede Gelegenheit ihn mit Hasengescheibe, Rehaufbruch unb ähnlichem immer mieber zu beföbern. Wo noch keine Vorkehrungen zur Winterfütterung getroffen würben, wirb es jetzt Zeit. Fasanen und Hühner sind Dafür besonders dankbar Alle Fütterungen werden zweckmäßig wenig, aber mit gutem Futter beschickt, damit das Wild im Falle der Wintersnot nicht planlos umherirrt, sondern weiß, wo sein Tisch bann gedeckt ist. Hubertus. Buntes Allerlei I^s 100 Zentimeter Tiefe und 1 Meter Breite auswirft. Der Pflug wird von drei Traktoren g^ogen und legt am Tage 2 Hektar um; das Wenden erfolgt mit hydraulischer Kraft. Die sieben Gebote der japanischen Ehefrau. Vor kurzem ist aus der Feder E. Martinoris in Aralien ein Buch erschienen, das den Titel „Die Zahl der Welttounder" fuhrt und eine Sammlung von nicht weniger als 800 Beispielen der außerordentlichen Bedeutung der Zahl Sieben enthält. Die Beispiele nehmen kein Ende, angefangen bon Den sieben Tagen der Weltschöpfung der Bibel, von den sieben Schleiern der Salome bis herab zu den sieben Geboten, die die japanische Ehefrau unserer Tage ihrem Gatten vorschreibt. Diese sieben Gebote dürsten auch den Beifall man» cher europäischen Ehefrau finden, darum seien sie der Wissenschaft halber hierher gesetzt: 1. Sei ?l^CÄcn®Iän9.Ii^r Nörgler und Spielverderber. 2. Misch dich niemals in die Angelegenheiten Dei- Frau und erfülle ihre Wünsche bisweilen, b. Verzichte von Zeit zu Zeit darauf, deine Frau zu seheri, um ihr Arlaub und Erholung zu gönnen. 4. Versäume es nicht, ihre Schönheit liebenswürdig zu loben, auch wenn sie nicht schön ist. 5. Vergiß ihren Geburtstag niemals und veranstalte an diesem Tage ein Fest ihr zu Ehren. 6. Tadele deine Frau nie mit strengen Worten, auch wenn sie eine Anvorsichtigkeit begangen hat. 7. Vergiß nicht, daß deine Gattin das Recht hat, eine eigene Meinung zu haben, auch wenn sie von der deinen abweicht. Handgemenge im Herbstsa'on. Auf dem Pariser „Herbstsalon", der alljährlich stattfindenden großen Gemäldeausstellung, kam es unmittelbar vor der Eröffnung zu einem Zw schenfall, der das Palais bald in ein wogendes Schlachtfeld verwandelte. Ein Maler fand daß ferne Bilder nicht so gut aufgehängt worden se.en, wie es feinem Ruhm gebührte. Er ging zu dem Ausstellungsleiter und fand ihn in einem erregten Wortwechsel mit einer Malerin Die dasselbe von ihren Bildern behauptete Die folgende Diskussion wurde mit beträchtlichem Temperament geführt und artete schließlich in eine solenne Schlägerei aus, an Der sich zum Schatz ungefähr 30 Personen beteiligten. Erst kurz vor Dem Eintreffen Der gelaDenen Gäste :°uute Die herbeigerufene Polizei der Künstler- ichlacht ein Ende machen. Ieht haben sich der Maler und der Ausstellungsleiter zum Duell gefordert, und zwei andere tapfere Kämpfer b'N Rugbyspieler, wollen' sich gleichfalls schlagen... Wildwest-Reklame. Die Amerikaner haben sich schon immer auf Reklame berftanben, und die Zeitungen gingen mit gutem Beispiel voran. So gab vor etwa 100 Iah- ren ein Mann an der Grenze von Illinois ein B att heraus, mit dessen Verkauf er nicht recht zufrieden war. Arn die Trapper und Siedler von der völligen Anabhängigkeit seiner Anschauungen und von seiner Tapferkeit zu überzeugen, lieh er eines Dages feine Zeitung nicht erscheinen. Arn anoern Morgen aber war das Blatt wieder da und zeigte auf der ersten Seite die folgende Mit- teilung in fetter Schrift: „Der Herausgeber der Fahne von Illinois bedauert, daß er gestern sich nicht mit der Herausgabe einer Rümmer beschäftigen konnte; er hatte nämlich während des gan- zen Tages vollauf zu tun, um einen Elenden mit Etpeitsche zu züchtigen, der sich erdreistet n? clIle. ^Inabhangigleit in Zweifel zu ziehen. Rachoern dieses unaufschiebbare Geschäft nun- mehr erledigt ist, wird das Blatt wieder regel- mamg herauskommen!" Diese Mitteilung fand Sf?6en Beifall, und bald konnte er die Auflage beträchtlich erhöhen. 60 betrunkene Schweine. Tas seltsame Schauspiel von 60 Schweinen, die 7 ^ch^denen Stadien der Betrunkenheit befanden, bot sich dieser Tage Kraftwagenfahrern dar, die durch das Dorf Bozen im Kanton Aar- gau kamen. Die Schweine sollten auf einem Last- frafttt>agcn naä) einem Schlachthaus in Basel ge» Dra^t werden, aber der Wagen schleuderte und INeß gegen eine große Tonne mit jungem Wein, die am Wegraiid stand. Einige der Tiere wurden in bie Tonne hineingeschleudert und erhielten dadurch eine nicht wiederlehrende Gelegenheit, einen ausgiebigen Gratistrunk einzunehmen; andere der Russelträger, denen dieses Glück nicht zuteil wurde, hielten sich schadlos, indem sie mit vollen Zügen aus einem Miniatursee von Wein schlürften, der sich am Wegrand gebildet hatte. Die Kosten dieses „Schweine-Bacchanals" werden auf 2600 Mark geschätzt. Ein Giesen-Pflug. Einer der größten Pflüge, die je Verwendung gefunden haben, wird jetzt in Kalifornien zur Fruchtbarmachung eines früher überschwemmten Gcbfetes benutzt. Die Gebiete am Santa Anna- Fluß in Kalifornien waren infolge von Aeber- schwemmungen mit einer 30 bis 60 Zentimeter dicken Sandschicht bedeckt worden. Rachdem nun jede Gefahr beseitigt ist, ist man in Orange» County Daran gegangen, Den früher sehr fruchtbaren Boden, Der jetzt nur StranDgräser trägt toieDer anbaufähig zu machen. Dazu wird ein Pflug verwendet, dessen Schar Furchen von 90 9JL-'fl>OTt Abiuenen im Turnverein 1846. Der Turnverein 1816 Hielt dieser Tage die alljährlichen Dereinswettiämpfe der Jugend- Abteilungen ab und trug den Wettkamps um den Turnklubschild aus. Bei der starken Teilnahme — es waren etwa 180 Wettkämpfer und Kampfrichter beteiligt — herrschte oft ein beängstigendes Gedränge in der Halle. Dank der guten Vorbereitung und der umsichtigen Leitung durch Oberturnwart Erb und Männerturnwart Müller und der tatkräftigen Mithilfe aller Kampfrichter und Riegenführer wickelten sich die Weltkämpfe flott und ohne Unfall ab. Ein besonderes Erlebnis war der Gerätewettkampf der Turner um den Turnklubschild. Elf Turner bewarben sich um die Ehre, Sieger und Gewinner der Plakette sür 1932 zu sein. Es zeugte von guter Ausbildung, daß die von Männerturnwart Müller erst zu Beginn des Kampfes br- kanntgegebenen Pflichtübungen fast durchweg in guter Ausführung geturnt wurden. Zu begeistertem Beifall hingerissen aber wurden die zahlreichen Zuschauer bei den schwierigen, oft staunen- erregenden Kürübungen. Sie zeigten, daß der Tv. 1846 mit einer Kunstturnriege auftoarten kann, die der Schulung durch den ersten Turnfestsieger von Köln, Karl Reuter, alle Ehre macht. Die Siegerehrung zeitigte folgendes Ergebnis des Wettkampfes um den Turnklubschild: 1. Sieger und Gewinner der Plakette: Ludwig Herbert mit 233 Punkten. Die Sieger von 1930 und 1931, Karl Schick und Heinrich Herbert, die außer Wettbewerb an dem Kampf teilnahmen, erreichten 212 und 237 Punkte, stellten sich also auch diesmal wieder an die Spitze. 2. Sieger wurde Otto Kern mit 217 P, 3. K. Schöndorf mit 206 P; 4. H. Gutbub und W. Goppelt je 173 P: 5. L. Lotz 172 P; 6. K. Schäfer 164 P.: 7. W. Cllermeier 159 P: 8. P. Schmidt 146 P. Von den Siegern der übrigen Wettkämpfe seien nun noch die 5 Bechen jeder Stufe genannt: Zugendturner: 1. außer Wettbewerb Hans Happel mit 168 P: 1. H. Fleischmann 157 P: 2. H. Schäfer und Heini Happel 148 P; 3. H. Schwarzhaupt 143 P.; 4. O. Kampf 141 P. Schülerinnen-Ober stufe: Ehrensieg: A. Kröck 13) P., 1. M. Benderoth 131 P: 2. G. Funke 125 P.; 3. R. Wintterlin 120 P; 4. L. Walldorf 113 P.; 5. Th. Heller 112 P. Schülerinnen-llnterstuse: 1. Sieg 11. Röhr 87 P: 2. L. Brunotte und E. Schmidt 80 P.; 3. A. Georg, M. Köhlinger und Tr. Ph'lipv 79 P.: 4. Ehr. Herbert, M. Küthe und L. Röhm 75 P.: 5. Susi Müller 74 P. Schüler-Oberstufe: 1. H. Köhlinger 130 P.; 2. W. Wieaand 1 5P.; 3 E W^gaer lrch 4. K. Fuchs 109 P.: 5. E. Haas 108 P. Schüler-Unterstufe: 1. G. W.nterhoff 119 P.: 2. K. Sahl 117 P.: 3. K. Reuser 108 P: 4. W. Jung uad H. Rinderknccht 107 P.; 5. F. K. Zughard 102 P. tDpietvereinißung 1900 Gießen. 1900 I — Ockershausen I (1:0). Die 1. Elf der Spieloereinigung 1900 hat die beiden Punkte aus diesem Verbandsspiel unter Dach gebeucht. Allerdings nicht so überzeugend, wie man hoffte, daß es geschehen würde. Das Ergebnis wurde zäh.ermäßig höher gewertet und hätte in Anbetracht duffen, daß die Gäste in technischer Hinsicht zu wünschen übrig ließen, auch unbedingt höher lauten müssen. Der Sturm konnte sich nicht durchsetzen. Man mußte immer wieder die zielbewußte Zusammenarbeit vermissen so daß der schlagkräftigen Verteidigung des Gegners Gelegenheit gegeben war, störend einzugreifen. Das gelang denn auch oft genug, und manche Torchance wurde im letzten Augenblick zunichte gemacht. Außerdem ließen sich die 1900er sehr die hohe Spielweise und das etwas planlose Spiel der Gäste aufdrängen und begaben stch damit der letzten Garantie auf weitere Torerfolge. Wenn sich die Mannschaft in ihrer eigentlichen Stärke, dem flachen Kombinationsspiel, nicht treu bleibt, so wird sie schwerlich gegen einen solchen Gegner gewinnen können, wie sie ihn am Sonntag vor sich hatte. Dem körperlichen Spiel der Gäste, die eine sehr massive Mannschaft stellten, konnte nur durch exakte Kombination begegnet werden, zudem man' weiß, daß der harte Einsatz den Blauweißen nicht liegt. Die Elf von Ötkershausen spielte außerdem mit einem immensen Eifer, der auch die 1900er zur Entfaltung zwang. Trotz alledem blieb es bei einem Mittelfeldspiel. Die Tore gerieten nicht sehr häufig in Gefahr, obwohl der Gästetorwart immer etwas mehr beschäftigt wurde. Das einzige Tor des Spieles fiel in der zehnten Minute auf eine sehr schöne Weise. Lippert gab einen Kopfball nach vorn, den Goebel aufnahm, an Jäckel weitergab und dieser mit scharfem Schutz aus etwa zehn Meter Entfernung in halber Höhe verwandelte. Allen weiteren Bemühungen auf beiden Seiten blieb der Erfolg versagt. Der Ausgleich hing gegen Spielende einigemal drohend in der Luft, aber die Verteidigung (Luft, Zeiler) arbeitete aufopfernd und bannte die Gefahr. So blieben denn die beiden wertvollen Punkte in Gießen. Leider gab es während des Spieles einige weniger erfreuliche Szenen, die den Gesamteindruck trübten. Fußball-Ergebnisse aus dem Gau Greßen-Wetzlar. Dezirksklasse 1: 1900 Gießen — Ockershausen 1:0 (1:0); Frohnhausen — Wetzlar 0:4 (0:2); Wallau — Bottenharn 2:1. Bezirksklasse II: Aßlar — Diskirchen 4:2; SV. Wetzlar — Oberbiel 2:1 (1:1); Burgsolms — Weilburg 2:0; Ehringshausen — Steindorf 3:1; Daubringen — 1900Gießen 2:1 (0:1); VfB.GießenII — Steinberg 1:7 (1:1); Ettingshausen — Lollar 2:3 (1:2). Gauklasse I: Holzhaufen — Löhnberg 11 6:0 (0:0); Hermannstein — Oberndorf 1:1 (0:1); Lich — ButzbachII 4:2 (1:1); Steinbach — Riederweisel 5:2 (3:2); VfB.GießenIII — Garbenteich 1:3 (0:2); Heuchelheim — 1900 Gießen 2:0 (0:0); Großen-Duseck — Dutenhofen 1:2 (1:1); Villingen — Geilshausen 2:3 (2:1); Arborn — Gaudernbach 7:1 (4:0); Leun — Diskirchen II 4:1 (1:0); Tiesenbach — Ulm II verlegt; Bechlingen — Berzhausen verlegt; Werdorf II — Büblingshausen 0:11 (0:5); DutenhofenII — Bieber 0:2 (0:1); 1900 Gießen IV — Lollar III 2:0 (2:0); Muschen- heim — ButzbachIII 0:2 (0:2); LichII — Leihgestern 11 2:2 (1:2); Ronnenroth — Flensungen II ausgefallen. Spielvereinigung Fürth gastiert m Wehlar. Der Wetzlarer Sportverein hat es unternommen, die 1. Mannschaft des Fußball-Altmeisters der Spielvereinigung Fürth für ein Spiel gegen die 1. Mannschaft des Gastgebers am Mittwoch, 16. November (Buß- und Bettag) zu verpflichten. Alle Sportinteressenten der Umgebung werden dieses Gastspiel der bekannten Mannschaft begrüßen. In den Reihen der Fürther sind mehrere Spieler, die schon des öfteren die deutschen Farben im Ausland vertreten haben. Näheres über dieses sportliche Ereignis ist aus dem gestrigen Anzeigenteil ersichtlich. Derbands^piele in Kessen. Mainz allein an der Spitze. In der Gruppe Hessen hat sich die Situation weiter geklärt. Die Wormser Kombinierten „Alemannia-Olympia", die zwar bislang fünfmal unentschieden gespielt hatten, aber noch ungeschlagen waren, holten sich im Lokalderby gegen Wormatia mit 1:2 ihre erste Riederlage und dürsten damit wohl aus dem engeren Wettbewerb um die beiden ersten Plätze ausgeschieden sein. Mainz 05 schlug Kastel 3:0 und liegt damit als Meister- schaftsanwärtcr wieder klar in Führung. Lorsch und Urberach sind am stärksten der Abstiegsgefahr ausgesetzt. Lorsch wurde in Mainz durch Marnbach 4:1 g schlagvn und Urberach verlor in Bürstadt sogar 7:2. Der SV. Wiesbaden sicherte sich durch feinen 2:0-Sieg über Langen einen guten Mitteplatz. Gautmniag im Lahn-'OünSberg-Gau. Unter zahlreicher Beteiligung sand der diesjährige Turntag des Lahn-Dünsberg-Gaues am vergangenen Sonntag in Wieseck stakt. Nach einer voraufgegangenen Vorstandssitzung begrüßte der erste Gauvorfitzende E. D a u p e r t - Wiefcck die erschienenen Vertreter der Vereine und gab anschließend die Tagesordnung bekannt. Nachdem der 1. Verbandsvorsitzende Zöller- Hausen die Grüße des STB. übermittelt hatte und der Tagung einen guten Verlauf wünschte, ehrte er die im verflossenen Turnjahr verstorbenen Mitglieder und gedachte besonders des verstorbenen Gau-Ehrenvorsitzenden Ludwig D a u p e r t - Wieseck. Sodann wurde das Protokoll des 24. Gaukurntags genehmigt und die Aufnahme der Vereine „Jahn" Watzenborn und „Gut Heil" Blasbach bestätigt. Den nun folgenden Berichten der Gaufunteionäre war gute turnerische und organisatorische Arbeit zu entnehmen, wie überhaupt auch die Leistungen gegenüber dem Vorjahre in stetiger Entwicklung nach oben lagen. Die Kasse hat gegenüber^ dem Vorjahre eine kleine Einbuße erlitten. Die Führung war in besten Händen. Im weiteren Verlauf wurden die Orte für die Veranstaltungen 1933 festgelegt. Das Wintergeräteturnen findet in Londorf, der Frühjahrswaldlauf in Launs- bach, die leichtathletischen Gaumeisterschaften in Ruttershausen, das Gaufest in Reiskirchen, das Schülerturnen in Haufen, die Gau- schwimmoeranftaltungen in Wißmar und das Bergfest in Salzböden statt. Die Ersatzwahlen zum Vorstand brachten sämtliche bisherige Mitglieder, bis auf ein Sportausschußmitalied, wieder in den Vorstand. Unter „Verschiedenes" wurden ■einige Anträge der Gauvereine zur Debatte gestellt und weitere Anregungen auf turnerischem Gebiet gegeben. Zum Schluß gab der Verbandsoorfitzende Zöller- Hausen feine Freude über die harmonische Zusammenarbeit innerhalb des Gauvorstandes Ausdruck. Süddeutscher Verband gegen wildes profittum. Im Anschluß an die Gesamt-Dorstandssitzung des Süddeutschen Fußball- und Leichtathletil- Derbanbes in Stuttgart hat sich am Montag die Ratwendigkeit ergeben, daß der Derbandsvor- stand eine neue Kundgebung an alte Vereine, Funktionäre und Spieler im Verbandsgebiet herausgeben mußte. Die Bemühungen der privaten Grupve, die in Süddeutschland einen Professional-Fußball finanzieren und organisieren will, haben neuerdings auch in Nürnberg eingesetzt. Ihnen schreibt nun die Kundgebung des süddeutschen Gesamt-Verbandsvorftandes eindeutig vor, daß sich die organisierte Sportbewegung dir Handlungsweise jener Personen, die aus rein gewinnsüchtigen Beweggründen den geschäfts- mäß'gen Berufs--Fußballspart in Süddeutschland einTuführen beabsichtigen, unter keinen Umständen ungestraft gefallen lasse. Mit der eindeutigen Warnung an die Manager des wilden Profittums und an Verbandsangshörige, die eventuell auf Lockungen privater Kreise eingehen möchten, verbindet die Kundgebung des Verbandsvorstandes die Androhung, daß im Verwaltungswege ein beschleunigtes und abgekürztes Verfahren auf Ausschluß aus dem Verband und Aufnahme in die schwarze Liste mit alten daraus sich ergebenden Folgerungen porgenommen werden müßte. Die Kundgebung schließt mit dem Aufruf an alle, in die Reihen des ■organisierten Sportverbandes einzutreten und den Kampf gegen wilde Unter* nchmungen aufzunehmen. Der Erlaß ist gezeichnet vom stellvertretenden Vorsitzenden Paul Flierl- Fürth für den Gesamt-Verbandsvor- stand von Süddeutschland. Wirtschaft. Frankfurt fest. Frankfurt a. M., 7.Rov. (WTB. Drahtmeldung.) Die Reichstagswahlen, die in der ganzen vergangenen Zeit als älnsicherheitsfaktor auf das Geschäft gedrückt hatten, haben in ihrem Ergebnis dte Börse stark befriedigt. Es entstand heute eine fühlbare Entspannung, die sich im allgemeinen in einem 1 bis 2 Proz. höheren Kursniveau ausdrückte. Raturgemäh konnte man noch nicht allzu viel Kundenorders erwarten, das Geschäft blieb somit auf die Kulisse beschränkt und relativ klein. Dagegen wies der Rentenmarkt schon erhebliche Umsätze auf; besonders bevorzugt wurden Reichsaltbesitz und Reichsschuldbuchforderungen. Mit Spannung sieht man den morgigen amerikanischen Präsid entschaftswahlen entgegen, durch die ein weiteres älnsicherheitsmoment ausgeschal- tet werden dürfte. Im Vordergründe des Interesses stand der Montanmarkt. Den größten Gewinn hatten Har- pener mit plus 2,25 Proz. zu verzeichnen. Man- nesmann, Phönix und Rheinstahl zogen je 1,5 Prozent und Stahlverein 0,5 Proz. an. Kali Aschersleben besserten sich um 1 Prozent. Von Eleterowerten eröffneten Licht & Kraft 1,90 Prozent, Gessürel, Lahmeyer, AEG. und Schuckert bis zu 0,75 Proz. höher, dagegen blieben Buderus unter Berücksichtigung des Dividendenabschlages von 9 mit 103 75 Proz. nur knapp gehalten. Chemie- aktien wiesen Besserungen von bis zu 1 Proz. auf, Dt. Erdöl von 2 Prozent. Von sonstigen Spezialpapieren gewannen Siemens 2,75 Proz., Reichsbank 2,5 und Aku 2 Prozent. Fester lagen u. a. Daimler mit plus 0,70, Metallgesellschaft mit plus 1 und Holzmann mit plus 1,75 Prozent. Die Alt- besitzanleihe zog gegen den Wochenschluh um 1,13 Prozent an, Reichsschuldbuchforderungen waren 1,25 Proz. höher bewertet. Goldpfandbriese blieben weiterhin gesucht und fest. Einern lebhafteren Geschäft stand jedoch die Marktleere hindernd im Wege. Liguidytionspfandbriese. lagen im allgemeinen ruhig, nur HyPothetenbankliquidations- pfandbricse waren stark gefragt. Auch auf den übrigen Gebieten des festverzinslichen Marktes stellten sich meist kleine Besserungen ein. Im Verlaufe litt der Rentenmarkt etwas unter dem starken Interesse für Anleihen, die erhöhten Kurse blieben aber meist behauptet. Die Reichsaltbesihanleihe zogen bei weiter lebhaftem Umsatz erneut um 1 Prozent an. Tagesgeld war zum Satz von 3,5 Prozent weiter erleichtert. Frankfurter Aöendbörse fest. Frankfurt a. M., 7. Rov. Unter dem Einfluß der festen Meldungen von den Auslandbörsen setzten sich an der Abendbörse neue Kursbesserungen von etwa 0,5 bis 1 Proz. durch. Da aber vom Publikum noch keine wesentlichen Aufträge hergelegt wurden, hielt sich das Geschäft wiederum in recht engen Grenzen. Befestigt waren u. a, vor allem Conti Gummi mit plus 1 Prcz. und IG.-Farben mit plus 0,5 Prozent, während andererseits Licht & Kraft leicht nachgaben. Im Verlause zogen die Kurse verschiedentlich weiter um Bruchteile eines Prozentes an. Verhältnismäßig lebhaftes Geschäft entwickelte sich für Reichsallbesitz und späte Reichs'chuldbuch- forderungen, ebenso waren Reubesih und die Schuhgebietsanleihe beachtet und etwas höher. Am festverzinslichen Markt hielt die Rachfrage an und die Kurse für Goldpfandbriefe und Kommunal* Obligationen lagen bis zu 1 Proz. fester. 8proz. bzw. 6proz. Frankfurter Pfandbriefbank, Reihe 3 bis 17, wurden gestrichen, Geld notiert. Die Schutz* gebietsanteihe zog im Verlaufe bis auf 6,42 Prozent am, amtlich wurde sie mit 6.27 notiert Steuergutscheine, die erstmals seit der Einführung abends notiert wurden, hatten ebenfalls einige Umsätze zu verzeichnen und die 1935er Serie lag mit 85,13 Prozent 0,13 Proz. höher. Reubesihanleihe 5,65 bis 6,75, Altbesitzanleihe 54,25 bis 54,30, Schutzgebietsanleihe 6,27, 4pxoz. ilnif. Türken 6. Dresdner Bank 61,75, Reichsbank 127,75, Gelsenkirchen 37,75, Mannesmann 53,25, Aku 56,50, AEG. 32,50, Betula 104,25, Conti Gummi 104,50, Licht L Kraft 88,25, 2G.-Farben 96,50 bis 93,80, Gessürel 68,25, Siemens 117,50, Reichsbahn-VA. 89, Rordd. Lloyd 17,90 bis 18, Hapag 17. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 7.Rov. Auf dem heutigen Schlachtviehmarkt waren aufgetriebrn: 1466 Rinder, darunter 335 Ochsen, 132 Dullen, 541 Kühe, 419 Färsen; Kälber 609; Schafe 90 und Schweine 4139 Stück. Es wurden bezahlt für 100 Pfund Lebendgewicht: Rinder. Ochsen: vollfleischige, ausgemästele, höchsten Schlachtwerts: jüngere 29 bis 31, ältere 25 bis 28, sonstige voll- fleischige: jüngere 22 bis 24; Dullen: jüngere, voll- fleischige, höchsten Schlachtwerts 23 bis 28, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 22 bis 25; Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 23 bis 25, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 19 bis 22, fleischige 16 bis 18, gering genährte 12 bis 15; Färsen (Kalbinnen, Iung- rinder): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 30 bis 32, vollfleischige 26 bis 29, fleischige 23 bis 25 Mark. Kälber. Teste Mast- und Saugkälber 39 bis 42, mittlere Mast- und Saugkälber 35 bis 38, geringe Kälber 28 bis 34 Maä. Schweine. Vollfleischiae Schweine von etwa 240 bis 300 Psund 42 bis 45, von etwa 200 bis 240 Psund 41 bis 45, von etwas 160 bis 200 Pfund 39 bis 44, fleischiae Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 35 bis "39 Mark. Markt- v erlauf: Rinder ruhig, geringer äleberstand; Kälber, Schafe und Schweine ruhig, ausverkauft. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 7. Rov. (WTD. Drahtmeldung.) Die Getreidebörse verkehrte in sehr ruhiger Haltung. Das Wahlergebnis blieb hier ohne fühlbaren Einfluß. Das Angebot von Brotgetreide war gering, ebenso hielt sich die Rachfrage in engen Grenzen. Am Mehlmarkt war die Urnsahtätig- keit klein. Weizenmehl wurde von den Mühlen zu 0,25 bis 0,50 Mark niedrigeren Preisen angeboten. Am Futtermittelmarlt war das Geschäft für ölhaltige Artikel etwas belebter, die Preise zogen bis 0*25 Mark an. Es wurden notiert: Weizen 212 bis 211; Roggen 16a; Sommergerste für Brauzwecke 185 bis 187,50; Haser, inländischer 140 bis 145 Mark pro Tonne. Weizenmehl, süddeutsches, Spez. 0 29.75 bis 30,50, dasselbe, niederrh., 29,60 bis 30; Roggenmehl 23,50 bis 25 Mark pro 100 Kilo. Weizenkleie 7,60 bis 7,75; Roggenkieie 7 75; Sojaschrot 10,50 bis 10,75; Leinkuchen 8,50 bis 8,75; Erdnußkuchen 12,25 bis 12,50; Heu 4,60 bis 4,80; Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt, und gebündelt 2,25 bis 2,50; Treber, getrocknet 10,75 Mark Pro 50 Kilo. Tendenz: stiig. Industrie- kartofseln. hiesiger Gegend, 1,80 bis 1,85 Mark pro 50 Kilo. Tendenz: ruhig. Kurszettel der Berlmsr und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe Der zuletzt bcld)lof|enen Divid nde an. — Reichsbankdiskont 4 v. H. Lombardzinsfuß 5 v. H. Jranlfurt a. M. Scrlin Schlußkurs Schlupt. Abend- 6i?r" Schluß-1 lurs Schloßt. Mittag- bö se OdtU N 5-11. | 7.11. 511- 7.11- 6 ’0 iiLthe ;Hcid)aanicii)f o. t!>L. 72.75 73 72,4 72,5 o% eöcm. 7%Tt.9icicf)5anl.D.192r 85.75 87,5 85,75 87 S'/t% yvuiiQ-tUnlcihe Don 1930 5)eutjd)c Anl. Ablös.-Schuld mli — 71,25 70,25 71,25 dlu8(oi.r:Kecf)ten...... 51,75 54,4 51,13 54,1 Desgl. ohne Ausles.-Rechte . . 6% ehern 8%£>eji. Bollsktaat 1929 6,35 6,75 6,3 6,65 (rutlirtl)ib iÖ2%)...... Obcrhejsen Provinz-Anleihe mli 66,5 66,5 Sin >>>>..Rechten Deutsche Komm Sammelabl. 54,5 55 Anleihe Serie 1 6% ehem. 8% ivranlf. Hyp.-Ban' ©i'iop: . l > nnkünvbar bis 1935 6% ehem 7% Frankl. Hyp.-Banl 48,5 50,4 48,5 49,75 78,5 79,25 — — Ooloiv 16 unkündbar bis 1936 6’/2% ehem 4’/,% ZranN.Hyp.- Boni Ufau Puiudbrieje z% ehem. 4 yt% Rhcintiche 78 — - — 82,65 83,25 — — Hy" Ban Ligu -Gvldp e. . 6% ehem 8% Pr. Landespfand- 82,75 84,25 — brlcianfio Pfandbriefe R. 19 6% ehem. 7% Pr. Lanvespfanb. 74 74,5 74 74,5 briejanstail Pfandbriefe R. 1" 74 74,25 - — 4% Oesterrelchtsche Golvrenre . 11 11 — - 4,20% Oestcrreichische Silberrentr — 1 1,05 4% Ungarische iyolvrente . . 6,2 6,2 6,2 6,25 4% Uiiflariidje StaaiSrenle v. 1910 6,15 6,15 6,1 6,05 4V$% desgl.von 1913 6% abflcfL Goldmexitaner von 99 — — 6,13 —- 6,13 6,13 6,4 6,13 4% Türkische Zollanlcihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anleih 3,4 3,5 — 3,45 Serie 1 3,5 3,5 3,5 3,65 4% oesgl. Serie li 3,4 3,4 3,4 — B% SWumän. oer inh. Rente v.190: 5,25 5 5,1 5,25 4'/,%Rumän.veretnh.Rentev.l913 8 8 8 4% Rumänijche veretnh. Rente 4,2 4,3 4,2 ! 4,35 'Ü% Anaioiier . . . 20 1 20 20.13 1 20 ,yian>iUr. u. jji. ^crnn Schluß- furd Echlußk. Abend- bö-se Schluß« kurs Schluß!. Mittag- börsc Datum 5.11. 7-11. 511- 7-11. yumvurg-Amerl.» Pan > Hamburg-Südam. Dampsschif,. 0 16,5 17 17,13 16,9 — — — 27 Hama Dampsschisj — — 26,5 26,5 Norddeutscher Lloyd . . . . i 17,25 18 17,75 17,9 A.G. für Verkehrswesen AN. . 0 38.25 38,5 38,5 40 Berliner Haudclsgejellschas 4 89.5 90,5 90,25 90,5 Commerz- und Privai-Banl . 0 53,5 53,5 53,5 53,5 Darmstädter und Ralionalbanl 0 - —- — — Deutiche Boni und Disronto-Gejellschaft. . 0 75 75 75 75 Dresdner Ban! .... . 0 61,5 61,75 61,75 61,75 Reichsbanl...... . 1 125,75 127,75 125,5 128 A.E.G......... . . 0 32 32,5 32,25 32,65 Bern mann...... . . 0 — 20,65 — Elekrr. Licserungsgelellschaft. 5 68 69 68 68 Licht und Kras! .... . 6 86,65 88,25 86 88,75 zelten & Guilleaume . . Gesellschaft sür Elektrische . 0 53 54 54 53,75 67,5 68,25 67,5 Unternehmungen . . 4 68 Rheinische Elektrizität . dB 72 72,5 71,5 — Schuckerl & Co..... . 6 69,5 70,5 69,25 70,75 Siemens & Halske . . . c 116,25 117,5 117 116,75 Lahmeyer L Co..... . 10 107,25 107,5 107 107,25 Buderus ....... . . 4 39,4 — 38,75 39,65 Deutsche Erdöl .... . . 6 71,5 73,25 71,25 72,25 Gelsenkirchener .... . . 8 37,5 37.75 37 37,75 Harpener....... . . 0 — 74,5 72,25 74,25 Hoefch Eisen...... . . 6 — 35,13 36 ,'lse Bergbau..... Ilse Bergbau Genüsse . . 1( — — 129 96,5 96,75 96,5 97 Stiodncnuene..... . . 6 32,5 33,25 32,5 —— Mannesmann-Röhren . . . 6 51 53,25 51,5 52,65 Mansselder Bergbau . . . . 0 19 20 20,65 Oderschlei. Kokswerke . . . 8 — 39.5 40 Phönix Bergbau.... . 47i 25,5 27 25.75 26,65 Rheinische Braunkohlen. . 10 162 162 160,5 161,75 Rheinftahl...... » . 6 65 67 65,75 66,25 Iraniiuri a. 2)1. Berlin Schluß« kurs Echlupk. Abend- börf’ Schluß, lurs Echlußk. Mittag, börse Datum 5.1b 7-11. 5-11. 7-11. Riebeck Montan .... 7, — — — — Bereinigte Stahlwerke . e e . 0 22,75 23,65 22,65 23,25 Otavi Minen..... M - 0 15,75 16 16 16 Kaliwerke Aschersleben . M e 6 100 101 97 100,5 Kaliwerke Westeregeln . e e 6 — — 104 105,5 Kaliwerke Salzdetsurth . • • 9 160 161 159 160 I. G. Farben-Jndusirte . 7 95,5 96,65 95,4 96 Scheidcanstalt..... ll 140 141 — — Goldlchmidt...... . 0 39,25 27,5 27,4 27,4 Rütgerswerke..... Mctallgciellschaft. . . . e ■ . 0 39,25 40,25 38,9 40,13 . 0 34 35 33,5 Phitipv Holzmann . . . . 0 54 55 55 55 Zementwerk Heidelberg. e e . 4 49 49 Cementwerk Karlstadt. . . 0 50 50 Wayb & Freytag . . . . 0 — 4,7 4,75 4,75 Schultheis Patzenhoser . 0 — - 55,4 58,25 Aku (Wgemeine Kunstseide) c 54,5 56,5 54,75 56,25 Bemberg...... c 55,5 56 55,75 58,5 Zellstoss Waldhos . . . c 4Z,5 43 42,25 42 Fcllstoss Aschaffenburg . 0 —— — 28 — Dessauer Gas..... . 1 — —— 88,75 89,75 Daimler Motoren . . . . 0 20,4 20,9 20,5 20,75 Deutsch? Linoleum . . . 0 44,75 44,5 44,75 43,75 Orcnstein & Koppel . . . 0 — 33,75 34,25 Leonhard Tietz . . . . . 6 43 44 44,65 44 Svcnska....... 0 — — — - Chade........ 12 157,5 162 157,75 161 Frankfurter Maschinen . 0 — _ Grihncr..... . . 26 26 26,75 - Mainkrastwette Höchst o. M.. 52,75 53,25 — Süddeutscher Zucker . . . — 132 ! 132,5 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a M 5.Rovember 7-Rovem:cr Amtliche Jioiicrung Amtliche Dotierung »eld | Arie Geld Brie HelsingsorS . Wien. . . . 6,044 6,056 6,044 6,056 51,95 52,05 51,95 52,05 Prag . . . 12.465 12,485 12,465 12,485 Budapest. . — — — — Sofia . . . 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland . . 169,58 169,92 169,48 169,82 Osw .... 70,53 70,67 70,68 70,82 Kopenhagen. 72,13 72,27 72,33 72,47 Stockho.m . 72,98 73,12 73,28 73,42 London. . . 13,86 13,90 13,89 13,93 Buenos Aire« 0,918 0,922 0,918 0,922 Neuyvrl . . 4,209 4,217 4,209 4,217 Brüssel. . . 58,54 58,66 58,54 58,66 Italien. . . 21,56 21,60 21,56 21,60 Pari» . . . Schweiz . . 16,54 16,58 16,53 16,57 81,15 81,31 81,13 81,29 Spanien . . 34,45 34,51 34,47 34,53 Danzig. . . 82,04 82,20 82,04 82,20 Japan . . . 0,089 0,891 0,889 0,891 Rio ve Jan.. 0,294 0,296 0,294 0,296 Jugoslawien. Lissabon . . 5,634 5,646 5,634 5,646 12,75 12,77 12,75 12,77 Banknoten. Berlin, 7-November Geld Brief Amerikanische Noten....... 4,20 4,22 Belgische Noten......... 58,38 58,62 Dänische Noten......... 71,96 72,24 Englische Noten......... 13,85 13,91 Französische Noten........ 16,49 16,55 Holländische Noten ...... • >69,11 169,79 Italienische Noten....... 21,50 21,58 Norwegische Noten........ 70,51 70,79 Deutsch-Oesterreich, I 100 Schilling — — Rumänische Noten........ 2,47 2,49 Schwedische Noten........ 73,10 73,40 Schweizer Noten......... 80,95 81,27 Spanische Noten......... 34,33 34,47 Ungarische Noten........ — —