Samstag, 8. Oktober 1952 Nr.237 KvübauSsavL 182. Jahrgang Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Plahvorfchrift 20 "/„ mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THgriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein und für denAn- zeigcnteil i. V. TH.Kümmel, fämtlich in (Siefeen. bedrohlichen A n g r i f f s ch ar a k t« r Habs. 3m Falle einer durchgreifenden Abrüstung muhte Vorsorge getroffen werden, dah die zivile Luftfahrt zuverlässig entgiftet werde. Dazu sei es aber nicht notwendig, die gesamte Handelsluftfahrt in einen Welttrust zusammenzufassen, der von einer internationalen Dureaukratie geleitet werde. Eine solche Mahnahme würde d e n T o d der zivilen Luftfahrt bedeuten. Ls gebe ein sehr einfaches Mittel, um die zivile Luftfahrt jeder militärischen Verwendbarkeit radikal zu entziehen: Man brauchte nur allgemein diejenigen Bestimmungen einzuführen, welche man im Jahre 1926 der deutschen Zivilluftfahrt auf- gezwungen habe, vor ollem ober könne man die ganze vermeintliche Gefahr der zivilen Luftfahrt mit einem Schlage beseitigen, indem Dan sich auf ein allgemeines Vombenabwurfs- oerbot einige. Das Verbot des Bombardements der Zivilbevölkerung. wie es in der Benesch-Ent- schliehung der Abrüstungskonferenz enthalten sei. sei völlig unzureichend. Wenn man die Flughäfen, die Verkehrsanlagen, die Kasernen, die Docks, die Fabriken, welche Heeresgut Herstellen und ihre Unterlieferanten als militärische Ziele anfehe und diese deswegen angreife, so bleibe eigentlich keine Stelle tn den Großstädten mehr ührig, auf die nicht Bomben geworfen werden können. Die unglückliche Zivilbevölkerung wohne nun einmal an allen diesen Stellen. Bei den Genfer Verhandlungen habe man oft den Eindruck gehabt, als ob nach der Meinung der Gegenseite nur drei Luft- f a h r z e u g e auf der ganzen Welt Angriffswaffen waren: der „Do X", der „Graf Zeppe- | Im“ und die „Junkers G 38“. Berlin, 7. Oft. (SU.) Im Rundfunk sprach Ministerialdirektor Dr. Brandenburg über die Frage »Der deutsche Gleichberech- tigungsanspruchaufdemGebie t e d e r L u f t f a h r t." Der Vortragende betonte zunächst, dah Deutschland bisher noch niemals eine Aufrüstung verlangt habe. Es wollte seine Gleichberechtigung derart verwirklicht sehen, dah alle Mächte auf der Abrüstungskonferenz dieselben Methoden übernahmen, welche in den sogenannten Friedensverträgen den besiegten Völkern als Auftakt zu einer allgemeinen Weltabrüstung auferlegt waren. Der Friedensvertrag verbiete Deutsch- landden Besitz jeglicher Luft st reit- k rüste als Teil des deutschen Heerwesens. Bei ehrlicher Anerkennung des Gleichberechtigungsprinzips für alle völkerbundsftoaten mühten also alle Staaten auch ihre gesamte militärische Luftsahrt abschafsen. und zwar durch Zerstörung, nicht durch Internationalisierung. Denn wenn vielleicht eine imaginäre 11 n t e r - stellung unter den Völkerbund stattfin- det, so mühte auch Deutschland in der Lage sein sich an dieser internationalen Luftmacht zu beteiligen. 3n dem Verbot von Luftabwehrmitteln für Deutschland liege einer der gröhken Zynismen des Versailler Vertrages. Man verbiete dem abgerüsteten Volke sogar die armselige Abwehr von der Erde. Auf der Abrüstungskonferenz sind ganz wenige Staaten bei der einzigen Abstimmung, die es über diese Frage herbeizuführen gelang, der selbstverständlichen Auffassung beigetreten, dah für ein Land ohne jede militärische Luftfahrt und ohne jede Abwehrmöglichkeit von der Erde die gesamte militärische Luftfahrt einen höchst bot im Saale erlchicnen, das mit dem Gummiknüppel den Saal räumte. Vorher waren im Saal schon mehrere Schüsse gefallen, durch die ein junger Mann schwer verletzt wurde. Auf der Straße setzten sich die Kundgebungen fort. Jernhaltung der Berliner SA. von deutschnationalen Versammlungen Berlin, 7. Oft. (TU.) Der Führer der Gruppe Berlin-Brandenburg der NSDAP., Graf fz e Ildar f, hat, wie der „Angriff" meldet, an die Untergruppen folgenden Befehl erlassen: „Die deutsch- nationale Presse 'setzt mit ihrer Phantasie die letzthin erfolgten V e r s a m m l u n g s st ö r u n g e n auf unser Konto. Die deutschnationalen Versammlungen veröden an ihrer eigenen Langweiligkeit und Löcher lichkeit. Jede Beteiligung unsererseits macht höchstens Reklame. Klamauk zieht Neugierige herbei und Zahlung von Eintrittsgeldern stärkt den gegnerischen Wahlfonds. Daher ordne ich an, daß die SA. s j ch von deutfchnationalen Versammlungen fernhält. DeiftschlandsGleichberechtigung in derLust Zerstörung der Militärluftfahrt der andern oder gleiches Recht der Luftabwehr für Deutschland. Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monalr-vezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Liehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Versammlungsstörung in Oüffeldorf. Düsseldorf, 7.Okt. (TU.) Die DNVP. wollte am Freitagabend im Kaisersaal der Tonhalle eine Wahlversammlung veranstalten, in der Referendar Dr. Givelius über das Thema „Nazi erwache" sprechen sollte. Gleich zu Beginn der Versammlung wurde der Versammlungsleiter durch laute Zurufe unterbrochen, die ihn zwangen, die nationalsozialistischen Zwischenrufer durch den Saal- schütz entfernen zu lassen. Hieraus entstand em ungeheurer Tumult. Stühle flogen durch die Luft und es kam zu einer ausgedehnten Schlägerei. Als die Nationalsozialisten das Horst-Wessel-Lied anstimm- fen, spielte die Kapelle das Deutschlandlied. Inzwischen war ein starkes Schupoausge- nommen. 3d> hoffe, daß es der Dank für 3n> dustrieobligationen im Zusammenhang mit den Landstellen gelingen wird, das Verfahren so stark zu beschleunigen, daß dadurch autoritative Eingriffe der Reichsregierung überflüssig werden. Die Reichsregierung beabsichtigt, in Zusammenhang mit einer Gesamtsanierung der ländlichen Genossenschaften die Forderungen der Genossenschaften an zu entschuldende Betriebe des Osthilfegebietes durch eine Pauschalsumme abzulösen. Eine Erhöhung der baren Entschuldungsmittel bei entsprechender Minderung des Umlaufs an Entschuldungsbriefen ist bis auf 40 v. H. im Reichsdurchschnitt ins Auge gefaßt. So wird ermöglicht, daß nicht nur di? kleinen Gläubiger, wie Handwerker und Kleingewerbetreibenden in b a r ab- gefunden werden, sondern daß auch die anderen Gläubiger einen wesentlichen Teil ihrer Forderungen in bar erhalten Der Minister gedachte zum Schluß desReichs - Präsidenten, des Siegers von Tannenberg, der heute klar und unbeirrt wie ein alter wetterfester Lotse sein Schiff durch die Klippen steuere und betonte, daß cs für ihn eine unauslöschliche Erinnerung bleibe, wie Hindenburg mit innerster Anteilnahme sich alle Pläne zur Forderung der Land - w i r t s ch a f t vortragen ließ und sie in seiner immer wieder aufs neue verblüffenden Klarheit eingehend besprach. Er bleibe der große Lehrer des Wortes: „Herrschen heißt dienen“. Wegen Beleidigung der Reichswehr verurteilt. Berlin, 7.Okt. (TU.) Die fünfte große Straf- kammer beim Landgericht I verurteilte am Freitag den bisherigen sozialdemokratischen ReichstagSabgcordneten Gerhard Der Hessische Landtag vertagt sich bis Mitte November Wirtschaftspolitische Debatte und Abstimmungen über -ie Anträge der Parteien. schwinden. ,, , ,, . . Fivanzminister Kirnberge r stellt fest, daß die Regierung alle Wünsche und Anträge mit größtem Entgegenkommen bearbeiten wird, die einen brauchbaren D e ck u n g s v o r s ch l a g enthalten. Der oft beliebte „Deckungsvorschlag mit den Forderungen aus der Eisen» bahnschuld des Reiches sei nicht brauchbar: denn zur Zeit verfüge das Reich über le ne Mittel zur Zahlung seiner anerkannten Schuld. Die Regierung werde die Aus- stattung der nicht gerechten Sondergebäu d e- steuer mit Sieue. gutscheinen im Reichsrat beantragen. Wie kaum ein anderes Land habe Hessen für feine Landwirtschaft in Rotfällen gesorgt in Erkenntnis der ungeheuren Bedeutung der Landwirtschaft für Geben und Wesen des Volkes. r .. Landforstmeister Dr. Hesse erklärt, daß die Erhebung der Staatspachten 1932 nach den Sähen von 1931, eventuell modifiziert, jetzt veranlaßt werde. Das Verbot des betäubungslosen Schlachtens vertritt Abg. Dr. Lang (Rat.-Soz.), der als Tierarzt die hyfiologischen Vorgänge bei dem Schächten darlegt und die Betäubungsmethoden anführt die auch den rituellen Vorschriften des orthodoxen Judentums gerecht werden. Abg Glenz (Soz.) lehnt die Vorlage ab. Die dauernd vom „Köpferollen" sprechenden Nationalsozialisten mimten ausgerechnet tierschutzlensche Be- strebungen. Der Fleischerverband Hessen und Hessen- Nassau beantrage aus wirtschaftlichen Gründen Ablehnung des Schächteverbots, das auch der Reichs- Verfassung widerspreche. Abg. Frau P r i n g s h e , m erinnert an Potempa, wo „bie SA.-Leute dreiviertel Stunden zur Betau- Erörterung landwirtschaftlicher Fragen ' Darmstadt, 7. Ott. (WHP.) Präsident > Werner eröffnet die Sitzung zur Fortsetzung j der Sozial» und Wirtschaftsdebatte. Abg. (Södel (RS.) seht sich mit den Kommu- j nisten auseinander, die „aus der Rot der Bauern Riemen schneiden wollten". Die lommunistifchen Anträge zur Landwirtschaftshilfe seien ohne Dedungsmittel und daher undurchführbar. Die Regierung habe die Finanzämter angewiesen, int Einzelfall den Llnwettergeschädigten größtes Entgegenkommen zuzugestehen; das ;ci das einzig Reale heute. Die deutsche Landwirtschaft sei heute imstande, das Volk zu ernähren: darum müsse die ausländische Einfuhr eingestellt werden. Abg. Seipel (RS.) erklärt die Regierungsantwort zu den einzelnen Anträgen für ungenügend. Der Bauer wolle kein Geschäft aus »seiner Rot machen, aber ein zusammengebrochener Bauer könne keine Steuern und Abgaben mehr zahlen. Die Regierung habe 60 000 Mark für ein Wa^erbauinstitut übrig (Zuruf: Sie haben ja selbst dafür gestimmt! — Heiterkeit.). Abg. Glaser (Lv.) fordert Anpassung der Aderpachten an die Friedenssätze. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse lägen weit unter Friedenspreis: Die Kartoffeln 1 RM. tiefer als vor 30 Jahren, das Getreide 2 bis 3 RM. unter Friedenspreis, em Kalb bringe in der Wetterau noch 15 RM. Zuckerrüben bedeuteten ein glattes Verluftgesck>äft. Gemüse rentiere auf dem Lande kaum noch. Die toonber-- gebäubefteuer solle entsprechend den erfolgten Reparaturen gesenkt roetben. Abg. Thomas (Soz.) erklärt: Sicherlich deckten die landwirtschaftlichen Preise die Selbstkosten des Bauern nicht: dennoch finde die Produktion keinen Absatz, weil die Hungerunterstützungen von Millionen auch für diese niedrigen Preise für deutsche Produkte nicht ausreichten. Mit Zöllen und Preiserhöhungen könne daher die erwünschte Kaufkrafterhöhung der Landwirtschaft nicht erreicht werden. Abg. Renz (Rats.) fordert Zwangsvollstreckungs schütz für Handwerk und Gewerbe, das bisher stets das'fünfte Rad am Wagen gewesen sei. Die nationalsozialistischen Handwerker lehnten bas Wirt- schastsprogramm des Kabinetts Papen ab. Abg. Böhm (dn.) sicht in den Ausführungen des Finanzministers die Bestätigung für die jahrelange Kritik der Opposition. Angesichts der Zins- jenkung erlcheine die Entlastung von nur 500 000 Mark bei der hohen Schuldenlast des Landes gering. Der Redner fragt, wie hoch sich die kurz- und langfristige Verschuldung beziffere. Die DNVP. erkenne d'e Mängel, besonders auf sozialpolitischem Gebiet, im Papen-Programm durchaus an. Aber Papen habe die schlimme Erbschaft Brünings übernehmen müssen. In Zwang-versteigerungsverfahren solle mehr als bisher d^r Richter als Vermittler zwischen Schuldner und Gläubiger eingesetzt werden. Abg. G u m d e l (Soz.) setzt sich mit den national- sr. statistischen Wirtschaftstheorien auseinander, die , Dr. Best entwickelt hat. Erst mit der Beseitigung des Kapitalismus und seiner Geißel, der Wirtschaftskrisen, werde eine des Menschen würdige Wirtschaftsform möglich sein. Abg. Rink (Soz.) bezichtigt den Abg. Dr. Best des Plagiates; seine gestern verlesene Rede sei aus einer Broschüre von Köhler und Tholens: „Nationalsozialistisches Sofortprogramm zur Behebung der Arbeitslosigkeit" abgeschrieben. Oberst Hierl habe die Arbeitsdienstpflicht der NsDAP. entschleiert mit seiner Begründung, der marxistische Gedanke in den Hirnen der Arbeiter, jede Arbeit müsse mit entsprechendem Lohn bezahlt werden, habe zu ver- wird. „ . Eine Minderheit von Sozialdemokraten und Kommunisten stimmt für den sozialdemokratischen Antrag auf Gewährung einer Wirtschaf t s b e i h i l f e f ür die älnterstühungsemp- fänger. Die Rationalsozialisten enthalten sich der Stimme. Die kommunistischen Anträge hierzu werden ab gelehnt. - Die Regierung wird dann einstimmig ersucht, dem zentralen HilfsausZchuß der Winterhilfe in Hessen aus vorhandenen Fonds einen Beitrag zur Verfügung zu stellen. — Der nationalsozialistische Antrag, die Regierung möge die Bezirks - fürsorgeoer bände sofort anweisen, die in der allgemeinen und gehobenen Fürsorge geltenden Richtsätze während der Wintermonate um 10 Prozent zu erhöhen und die vom Reich für die Kleinrentner zur Verfügung gestellten Sondermittel umgehend zur Auszahlung zu bringm, wird angenommen. Die Regierung hatte jedoch vorher hierzu erklärt, daß den Fürsorgeverbänden die jetzigen älnterstühungen Schwierigkeiten bereiten, so daß für erhöhte Sähe erst recht keine Mittel vorhanden seien. Ein nationalsozialistischer Antrag, der verlangt, baß die Sonbergebäubesteuer dis zur Hälfte erlassen werden kann, wenn in dieser Höhe nachweisbar Aufwendungen für Instandsetzungen und Verbesserungen an der Sonbergebäubesteuer unterliegenden Gebäuden gemacht worden sind, wird mit 33 gegen 32 Stimmen angenommen. Ein weitergehender Antrag des Abg. Glaser (LV.), der eine gleitende Quote der Steuer nachgelassen haben will, wird mit dem gleichen Stimmenverhältnis genehmigt. Beide An- träge sehen als Deckungsmittel die hes- fische Eisenbahnforderung an das Reich vor, was der Finanzminister jedoch nicht als brauchbare Deckungsgrundlage ansieht, da das Reich diese Forderung, die zwar anerkannt ist, zur Zeit nicht erfüllen kann. Gegen die Kommu- nisten billigen die übrigen Parteien den Antrag des Abg Niepoth (DD.), bei der Reichsregierung die Ausstattung der S o n d e r g e b a u d e- steuer mit Steuergutscheinen zu verlangen. Ein Zentrumsantrag, der gleichfalls Erlaß d-r Sondergebäudesteuer vorsieht bei Vornahme von Reparaturen und weiter die Gemeinden aufforbert, sich dem Vorgehen der hesischen Regierung anzu- jchließen, wird gleichfalls angenommen. Der nationalsozialistische Antrag, die F o r st b e - soldungsbeiträge der Gemeinden und der privaten Waldbesitzer zu senken, wird genehmigt — Das Plenum ersucht dann die Regierung au Antrag des Abg. Glaser (Lv.) um Neufestsetzung der Pachtsätze f Ü r s i s k a l i s ch e s Gelände und — bei Stimmenthaltung der Nationalsozialisten — um Vorstellungen bei der Reichs- regierung, daß auch die privaten Pachten durch Reichsnotverordnung um 30 Prozent gesenkt werden. — Die nationalsozialistischen Anträge, die Regierung möge für sich — die Gemeinden sollen in gleichem Sinne ersucht werden — lebe Z w a n g s > oolstrecku ng gegen L a n d w i r t e u n d G e - werbetreibende unterlassen, wenn die Voll- streckung die zur Fortführung des Betriebes erforderliche Vermögenssubst an z an g rei ft, werden einmütig gebilligt. — Em Antrag Glaser (Lv) der Hilfsmaßnahmen für die Unwetter geschädigten Gemeinden, Senkung der gesamten Landessteuern. Gemeindesteuern,' soweit die Gemeinden damit einverstanden sind, und einjähriges Moralo- rium für die Beitragszahlung an die Entwafse- rungsverbände verlangt, wird angenommen Der kommunistische Antrag, am 6. November zu. lammen mit der Reichstagswahl a u ch Kommunal w a h l e n in Hessen oorzunehmen, wird ab gelehnt. Der nationalsozialistische Antrag, am 12 Februar 1933 neu wählen zu lassen, soll in der nächsten Sitzungsperiode des Landtags beraten werden Der Landtag wird am 15. November wieder zusammentreten. Breslau, 7. Okt. (TU.) Auf dem Derbandstag des Prooinzialoerbandes Niederschlesischer l ä n d • kicher Genossenschaften Raiffeisen hielt der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Freiherr von Braun, eine Rede, in der er u. a. ausführte: „Ich werde mich heute darauf beschränken, den gegenwärtigen Stand des Siedlungsoerfahrens und seine Aussichten und die Ost Hilfe zu berühren, sowie die Frage der Genossenschaftshilfe kurz zu streifen. Bei der Weiterführung der landwirtschaftlichen Siedlung werden eine gewisse Rolle die Güter spielen, die aus dem S i ch e r u n g s o e r s a h r e n entlassen werden müssen. Zur Zeit werden die Vorbereitungen getroffen, die hiervon zur Siedlung geeigneten Güter aufzusiedeln. Die Reichsregierung hat die Finanzierung der Reichsstelle für Siedlerberatung entscheidend auf sich genommen, ferner die Mittel für eine Wirtschaftsberatung der Siedler in Preußen bereitgestellt und den Ausbau einer Wirtschaftsberatung in Mecklenburg- Schwerin in Angriff genommen. Um die Möglichkeiten der Siedlung ganz auszuschöpfen, sind nut dem preußischen Domänenfiskus Verhandlungen ein- geleitet über eine Vereinbarung, nach der der Do- mänenfiskus b e s i c d l u n g s f a h i g e D o m a • non zur Siedlung hergibt. Im Austausch fall dafür der preußische Fiskus geeigne e Walds lachen übernehmen von denjenigen Privat- befihern die in Entschuldungsverfahren durch Abverkauf von Wald l a n i e r t werben können. Unter Berücksichtigung der Wirtschaftslage der Landwirtschaft und der allgemeinen Konjunk- turverschlechterung hat die Reichsregierung ferner in Aussicht genommen, die Jahresleistungen ber Siedler ab l.Juli für die nächsten zwei Jahre von 5 a u f 3 i v. H. zu ermäßig e n. Die Entlricklung der Ost Hilf e hat — das spreche ich ganz offen aus — keinen allgemein befriedigenden Verlauf ge- Sichener Anzeiger General-Anzeiger sm Oberhessen Druck Md Verlag: vrühl'sche Ui,lversitS1§-Yuch' und Steiudruckerel R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7. Siedlung und Osthilfe. ReichSernährungsminister Freiherr von Braun spricht vor den landwirtschaftlichen Genossenschaften in Breslau. bung von Menschen gebraucht haben". Um die antisemitischen Hintergründe zu verbergen, entdeckten die Nationalsozialisten plötzlich das humane Herz in ihrer rauhen Männerbrust. (Heiterkeit.) Abg. S ch ü l (Zentr.) ist der Auffassung, daß die heutigen Schlachtmethoden weitgehend schinerzlos wirken. Die Versuche mit der elektrischen Betäubung ließen noch auf ein Ergebnis warten. Aus politischen und verfassungsrechtlichen Gründen lehne das Zen- trum den Antrag ab. Abg. Dr. Niepoth (DVP.) sieht in dem Verlangen eine Erschwerung der Kultusausübung. Im gegenwärtigen Augenblick könne man der Landwirtschaft und dem Metzgergewerbe nicht zumuten, daß die hessischen gesetzestreuen Juden als Fleischkonsu- menten ausfielen. An der Aussprache beteiligen sich weiter die Abgeordneten Jung (Natsoz.), Dr. W e r n e r (Natsoz.), der schon seit Jahrzehnten für das Schächteverbot eintritt, und Abg. Dr. Stahr (Zentr.), der eine Kontingentierung der Schlachttiere entsprechend den Bedürfnissen für annehmbar hält. Die Nationalsozialisten stellen darauf einen entsprechenden neuen Antrag. Abstimmungen. Der nationalsozialistische Antrag auf ein Schäch tverbot wird mit 34 gegen 32 stimmen abgelehnt. Angenommen wird dagegen der nationalistische Antrag, die Regierung möge unverzüglich veranlassen, daß das Schächten von Schlachttieren nach demBedarf derjudi- schen Bevölkerung kontingentiert Seger, Hauptschriftleiter des sozialdemokra- schen „Volksblattes für Anhalt" unter Au Hebung des Urteils erster Instanz, das auf 500 Mark Geldstrafe lautete, wegen Beleidigung der Reichswehr zu einem Monat Gefängnis. Seger hatte am 17. November 1930 in einer Versammlung der Liga für Menschenrechte geäußert, daß die Reichswehr so diffamiert werden müsse, daß jeder Reichswehrangehörige in der Öffentlichkeit w i e die Pest angesehen werde. Die Strafkammer betonte in der Urteilsbegründung, daß hier eine Gefängnisstrafe am Platz sei, weil die Reichswehr, die das letzte Mittel für die Aufrechterhaltung des inneren Friedens darstelle, besonders geschützt werden müsse. Der Lahusen-prozeß. Berlin, 7. Oft. (TU.) 3n dem Verfahren gegen die Gebr. Lahusen, die Generaldirektoren der Aordwolle in Bremen, deren Zusammenbruch seinerzeit großes Aufsehen erregt hatte, ist wiederum ein Verteidigungs- Wechsel zu erwarten. Die Gebr. Lahusen haben den bisherigen nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten Rechtsanwalt Dr. Frankel, auf* gefordert, d i e Verteidigung niederzulegen. Dr. Frank ist diesem Wunsche nach- gekommen, da er, wie verlautet, selbst eingesehen hat, daß er infolge seiner politischen Arbeitsüberlastung nicht die genügende Zeit habe, sich um einen derartig umfangreichen Strafprozeß zu kümmern und daß außerdem eine Verteidigung durch einen nationalsozialistischen Abgeordneten den Lahusens in der Öffentlichkeit schaden könne. Die Mandatsniederlegung durch Frank 11. wird gleichzeitig die Mandatsniederlegung Prof. Dr. Lütgebrunes nach sich ziehen. Ein Berliner Anwalt soll sich grundsätzlich bereit erklärt haben, die Verteidigung der Lahusens zu übernehmen, wenn die beiden nationalsozialistischen Verteidiger ausscheiden. — 3m übrigen ist mit einer Entscheidung d^s Oberlandesgerichts Hamburg in der Frage der Haftentlassung des einen noch in Untersuchungshaft befindlichen Lahusen zu rechnen. Sensationelle Wendung in einem politischen Mordprozes. Düsseldorf,?. Okt. (CNB.) In der Strafsache gegen vier Nationalsozialisten wegen Erschießung des Kommunisten Sonnen am 9. Juni d. I. ist eine sensationelle Wendung eingetreten. Einem SA.-Mcmn gelang es, auf Grund von Gesprächen zwischen SA.-Leuten und Kommunisten, die Flobertbüchse, aus der der tödliche Schuß abgefeuert wurde, und die seitdem verschwunden war, zu ermitteln. Die Büchse war imBesitze des eigenen Bruders des Ermordeten. Die Polizei beschlagnahmte die Waffe, und Sachverständige stellten fest, daß die in dem Körper des Erschossenen aufgefundene Kugel zu der Büchse paßt. Schießversuche ergaben, daß die Kugel, die Sonnen traf, nur aus dieser Büchse abgegeben sein kann, da der Lauf der Büchse so geartet ist, daß der Abschuß an sämtlichen Kugeln die gleichen Merkmale aufweist. Unter dem dringenden Verdacht, ihren eigenen Angehörigen erschossen zu haben, wurden nun der Bruder und Vater des Sonnen in Haft genommen. Ausschußsitzung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbundes. • Berlin, 7. Ott. (TU.) Gestern trat der Ausschuß des A.lgeme.nen Deutschen Gewerkschafts- bunves zu c.ner Tagung in Berlin zusammen. D'r Bundesvorstand beschäftigte sich zunächst m t den Folgerungen, d e durch die Durchführung. ve or'onung des Re.chsarbe'.tsministers vom 3. Oltober d 3- für den Abwehrkampf der Arbeiterschaft gegen den Lohnabbau entstehen könnten. Einmütig wurde d e Meinung ve. treten, daß durch die Verordnung d e verschiedenen Einwände, die von den Gewerkschaften gegen das Bestehen einer Gießener StaStthearer. W.1 t r E ich Schäfer: „ er IN 0l ober'. Der 18. Oktober, um den es sich hier handelt, ist ein historisches Datum. Dieses Schauspiel spielt sich ab auf dem Schlachtfelds bei Leipzig, während zweier Stunden in der Morgenfrühe, ehe der Kampf aufs neue beginnt. Auf vorgeschobenem Posten die Kompanie eines rheinbündis den Re- gim.ntes unter fran-ösis >m Oberbefehl: hart gegenüber die preußische Stellung. * Die Stimmung der kleinen Truppe — nach schweren Verlusten, vor einer Schlacht, an der, wie alle wissen, die Ent- sc'-.idung hängt — ist nicht die beste. Sie sehen dem Auögang des Kampfes ohne große Ho'fnung entgegen. Der französische Brigadier, der im Morgengrauen bei ihnen ankommt, sucht die Leute mit dem Versprechen baldiger Verstärkung durch französische Regimenter zu beleben. Ohne viel Erfo'g. Die Füsiliere haben nur zu einem Vertrauen, zu ihrem Führer, dem Obersten Dauer, der wie ein Vater und wie ein Kamerad mit ihnen lebt und eben dadurch die Disziplin bewahrt. Eine Patrouille bringt einen Gefangenen ein, einen Fuhrmann, der mit Schnaps zu de i Preußen wellte. Aber der Je angcnc sicht gar ni )t aus, als ob er ein Fuhrmann wäre, und redet auch nicht so: er kommt mit den Schnaps trinkenden Rhein- bündlem ins Gespräch und beginnt ihnen klar zu machen, daß sie, alS Deutsche unter napoleonischem Kommando gegen Preußen, auf der falschen Seite stünden. Die werden erst nachdenklich, dann gibt es Lärm, ein Hauptmann kommt dazu, und cs dauert nicht lange, biS der Gesang, ne entlarvt ist: unter dem dunklen Fuhr- mannSmantel kommt die Uniform eines preußischen 3ägerS zum Vorschein. Man bringt den Mann zum Stabe. Der fran- zösischi General ordnet — da der Sachverhalt klar ist — ein Kriegsgericht an und macht den Obersten Dauer zu dessen Vorsitzenden. Der Preuße, Student der Philosophie und „Leutnant auf Kriegs dauer", leugnet nichts, verteidigt sich selbst und führt seine Sache (die ja zugleich die Sache aller sei in diesem deutschen Rheinbundregiment) so trefflich, daß er den Obersten in einen schweren Gewissenskonflikt treibt: er zwingt ihn zur Entscheidung zwischen der Stimme seineBrückenkopf eines Weltreichs. Palästina als englische prokuratur. Von unserem P. P.-Korrespondenten. Jerusalem, Oktober 1932. Beinahe 3000 3ahre ist e- her, daß Palästina zum letztenmal selbständig war. Danach ist es von Babylon, von Rom, von Konstantinopel, von Bagdad und wieder von Konstantinopel aus regiert worden. 3etzt wird es von London aus reg.ect. Der englische Prokurator von Palästina, S.r Arthur Grenfell W a u ch o p e, wird vielleicht der Welt keinen ganz so bekannten Ramen hinterlassen, wie sein entfernter Vorgänger Pontius Pilatus, aber seine Aufgabe ist dieselbe: eine kleine und entlegene Provinz nach den 3nteressen eines Weltreich- zu regieren. Palästina ist nie durch s ich selbst wichtig gewesen, sondern immer nur durch seine eigenartige geographische Lge. Es ist d i e s ch m a l st e Stelle der Lan. j rüde, die sich zwischen dem Mittelmeer und Der arabischen Wüste von Asien nach Afrika hinüberstredt. Bei Suez, wo sie noch enger ist, beginnt schon Afrika. Hier konnten die Großreiche von den Assyrern und Persern bis zu den Arabern und Türken fein selbständiges Gebilde dulden. Zum letzten Male kam diese Brückenlage Palästinas zur Geltung im Weltkriege. Für einen Augenblick war eine kleine deutsch-türkische Streifabteilung von der Palästinafront bis auf das West- ufer des Suezkanals vorgestoßen, aber es blieb ein verwegenes Patrouillenstuckchen ohne Bedeutung. Die entscheidende Stelle für die Kriegführung in Palästina lag weit dahinter, auf der Strecke, wo die Bagdadbahn das Taurus- und das Ama- nusgebirge zu überwinden hatte. Diese Stücke waren nicht ausgebaut, als der Krieg begann, und sie wurden auch während der ganzen KriegLdauer nicht für einen Vollbahnbetrieb fahrbar: eines der dunkelsten, kaum bekannten Kapitel des Weltkrieges. So blieben Aegypten und der Suezkanal in englischer Hand, umgekehrt bauten die Engländer von Aegypten her die Bahn, mit deren Hilfe sie unsre Palästinafront zertrümmerten. Hätten w i r rechtzeitig die Bahn fertig gehabt, der Suezkanal wäre schon im ersten Kriegsiahr für die Engländer gesperrt worden — ein Vorgang von unabsehbarer Bedeutung für den Ausgang des Ringen! 3etzt, nach dem Weltkrieg, hat Palästina eine andere geopolitische Bedeutung, als früher. Es ist nicht mehr Drücke zwischen Vorderasien und Rordafrika, es ist englischer Brückenkopf für den Weg nach Bagdad und nach Indien. Die alte weltpolitische Rord- Südrichtung und die neue West-Ostrichtung kreuzen sich rechtwinklig, und die Kreuzungsstelle liegt bei Haifa, am Fuß des Karmelvorgebirges. In dem ersten Vertrag, von 1915, den England und Frankreich über S')rien-Palästina miteinander schlossen, war nur die Ducht von Haifa für England vorgesehen. Das übrige Palästina ist erst später, als eine Art Anhängsel, dazugekommen, und wenn jetzt ein englischer Prokurator in Jerusalem sitzt, so geschieht eS nicht so sehr wegen Jerusalem, wie wegen Haifa. Die Engländer bauen bei Haifa einen Hafen, der über eine Million Pfund Sterling kosten soll. Mächtige Wellenbrecher, die im nächsten Jahr fertig sein werden, schließen ein Bassin ein, vor dessen Große man sich staunend fragt, wozu es an dieser keineswegs verkehrsreichen Küste dienen soll? Roch nicht verkehrsreich! Es soll aber uald anders kommen. Die Rohrleitung von den Oelfeldern im Wossulgebiet ist schon im Bau, quer durch Mesopotamien und die syrisch-arabische Wüste, und wemr sie fertig ist, wird die Flotte der Tankschiffe, die das Oel nach Port Said, nach Malta, nach Gibraltar, nach England selbst bringen soll, im Hafen von Haifa ankern. Mehr als das. Haifa wird Ausgangspunkt der englischen Bagdadbahn, die dazu bestimmt fft, auf dem direktesten Wege das Mittelmeer mit dem Persischen Golf zu verbinden, eine neue englische Hochstraße für den Schnellverkehr nach Indien zu werden. England hält den Suezkanal fest — aber es ist entschlossen, sich für den Notfall auch von ihm unabhängig zu machen. Es umgeht chn durch zwei große Bahnen. Die eine, von Haifa nach Bagdad, ist beschlossen, aber noch nicht in Angriff genommen. Die andre ist schon seit einigen Jahren fertig. Sie führt vom Sudan, unter Vermeidung ägyptischen Gebiets, direkt ans Rote Meer (der dort angelegte Hafen heißt Port Sudan), und ist dazu bestimmt, die Produkte des Sudan auch dann nach England verfrachten zu können, wenn der Kanal etwa gesperrt, Aegypten unsicher oder feindlich sein sollte. Es ist der Pulsschlag eines Weltreichs, den man hier spürt — in dem englischen Schutzstaot Aegypten, wie in der englischen Prokuratur Palästina. Es ist, als ob man ein Triumphlied auf Englands Größe, auf seinen Gewinn aus dem Weltkrieg hörte — aber es mischt sich ein anderer Ton dazwischen unb der klingt nicht nach Größe. Als ich vor ein paar Tagen in Port Said in den Zug nach El Krieg gebaute englische Palästinabahn beginnt, kaufte ich mir die französische Zeitung von Port Kantara stieg, wo am Ostufer des Suezkanals die im Englands auf unfern Schritt wegen der Wehrfreiheit. Also, was zu erwarten war: Kapitulation vor Frankreich! Unaufrichtig in Ton und Inhalt, ein untrügliches Zeichen der Sck mche. England möchte im Herzen die Erstarkung Deutschlands, es sähe gern das kontinentale Gleichgewicht sich wie- Sai/d, und las darin die minderwertige Antwort der bilden, das es selbst in Versailles so dumm und blind zerstören half — aber es darf nicht! Frankreich will es nicht, Frankreich ist stärker, und Frankreich zu Gefallen muß England, entgegen seiner wahren Grundstimmung, sogar wieder den schulmeisterlichen und anmaßenden Ton gegen Deutschland brauchen, den es sich schon seit einer Weile ab gewöhnt hatte. Ein Weltreich, aber ein Weltreich in Aengsten! Diese Aengste narben ihm bleiben, bis eines Tages wieder ein starkes Deutschland dasteht. Friedenspflicht erhoben werden, nicht entkräftet worden feen, da eine Rechtsgrundlage für die Verordnung des Reichsarbeits- m n.stets nicht gegeben sei. Die Gewerkschaften könnten sich zudem den Protesten ihrer Mit- gl'eder gegen den Lohnabbau nicht verschließen. De Kämpfe würden nicht durch die Gewerkschaften, sondern durch das Unrecht der Rotverordnung selbst hervorgeru- f e n. Die Verantwort.mg für diese Arbeitskämpfe treffe daher n cht die Gewerkschaften, sondern d'.e Reg e.ung. Von zahlreichen Rednern wurde des weiteren auf die sozial völlig unerträglichen Auswirkungen der Notverordnung hingewiesen. Am 18. Oktober werden die Gewerkschaften eine öffentliche Kundgebung abhalten. Aus aller Well. Der Reichsoerband der Deutschen Hotels tagt in Berlin. Der Reichsoerband der Deutschen Hotels, her zur Erörterung seines Hilfsprogramms für die Hotelwirtschaft zu einer außerordentlichen Tagung in Berlin zusammengekommen ist, nahm eine Entschließung an, in der die Bedeutung des Wirtschaftsprogramms der Reichsregierung als großangelegte Maßnahme zur Wiederentfachung der privatwirtschaftüchen Initiative und zur Lösung des Erwerbslvsenproblems anerkannt wirb. Leiber komme aber die Verordnung zur Entlastung der Wirtschaft dem Hotel- und Gaststättengewerbe nur in sehr beschränktem Umfange zugute, da die Steuergutscheine für Mehrbeschästigung von Arbeitnehmern den Hotelbetrieben keinen Vorteil insofern brächten, als die Dernessungsgrundlagen für die Be- schäfiigungsdurchschnitte der Monate Juni, Juli unb August 1932 eine Ueberschreitung der Arbeitnehmer- zahl sehr fragwürdig mache. Um so dringender müsse bas Hotelgewerbe eine sofortige Hilfe burch Verwirklichung ber seit Jahren oorgebrächten. Anträge auf E n t l a st u n g von Hauszins-. Grund, und Getränke steuern verlangen. Es müsse von Reichs wegen sichergestellt werden, daß Hauszinssteuern und Grundsteuern in allen Ländern nur im Verhältnis der tatsächlichen Be- setzung der Hotelbetten erhoben werden dürften und nicht, wie bas noch in vielen Ländern geschehe, nach dem Wert des Grundstückes, das in der heutigen Zeit vielfach nicht vollkommen auegenutzt werden könne. Die Beseitigung der Gemeindegetränkesteuer müsse um so dringender gefordert werden, als sie durch die Steuergutschein-VorzugsbehanLlung nicht erfaßt werde. Sowohl der Reichskan.zler, als auch der Reichsfinanzminister, die im Lause des Freitag 'Abordnungen des Hoteloerbandes empfangen haben, haben ihre Unterstützung im Rahmen des Möglichen zugesichert. Ferngespräch Batavia—Berlin im Rundfunk. 3m deutschen und javanischen Rundfunk wurde am Freitag das erste drahtlose Ferngespräch zwischen Berlin und Batavia, das zwischen Dr. Kurt Rathke von der Reichs- rundfunkgesellschaft und dem Flieger Wolfgang von Gronau geführt wurde, nach Wachsplatten- aufnahmen wiedergegeben. Die Verständigung zwischen den Sendern Nauen und Bandoeng, also über eine Entfernung von etwa 12 000 Kilometer, war ganz ausgezeichnet. Wolfgang von Gronau beantwortete die Frage nach den Schwierigkeiten und den weiteren Zielen des großen Fluges mit eindringlichen -Schilderungen. D'.e Uederwindung der langen Land- und Wasserstrecken mit Dem Flugzeug sei glänzend geglückt. Erneut habe sich herausgestellt, daß das Luftfahrzeug in den Tropcn das idealste Beförderungsmittel fei. Nach zweitägigem Aufent- halt auf Java werde zum Weiterflug gestartet. Ende des Monats denke er am Bodensee zu sein. Sühne für einen gröblichen Dahlschwindeß Dor dem Emdener Schöffengericht muhte sich die- fer Tage der Gründer der Partei irSj ö d) ft g e • Halter der Beamten 5000 Mark für die bis jetzt abgewiesenen Kriegsbeschädigten" wegen schwerer öffentlicher Urkundenfälschung unb versuchten Betruges verantworten. Seine Liste für die letzte Reichstagswahl hatte in feinem Heimatdorf, dem ostfriesifcheu Dorf Folmhuse, 500 Unterschriften erhalten. Diese Liste wollte er aber auch in den anderen Wahlkreisen unterbringen Zu diesem Zweck ließ er sich vom Gemeindevorsteher mehrere Bescheinigunaen darüber ausstellen, daß 20 namentlich genannte Leute dort wahlberechtigt seien. Diese Bescheinigungen fälschte er um. Er setzte für die einzelnen Wahlkreise jeweils Orte hinter den entsprechenden Namen. In Düsseldorf-Ost wurde die Fälschung bei der Wahlprüfung aufgedeckt Die Anklage warf dem Angeklagten, dem Schlächter Oltmanns, vor, sich dadurch einen Vorteil zu verschaffen versucht zu haben, daß er in den Reichstag gewählt werden sollte, um so in den Genuß der Diäten, des Freifahrtscheines und anderer Annehm, lichkeiten zu kommen. Er wurde zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Signalglocke des früheren Kreuzers „(Stuben“ verschwunden. Die große S i gn a k g 1 o ck e des früheren deutschen Kreuzers „E m d e n", der nach ruhmreichen Kriegsfahrten von ber überlegenen Artillerie bcs australischen Kreuzers „Sydney“ zum Wrack geschossen würbe, wirb v e r nt i ß t. Sie war zur Erinnerung ci* bas erste Seegefecht ber australischen Marine am Eingang bes Marinedepots von Garben Islanb aufgeftellt worden, wo sie mehrere Jahre lang zu sehen war. Ein Stück der Glocke fehlte, es war durch das Artilleriefeuer der „Sydney" herausgebrochen worden. Jetzt ist die Glocke obwohl sie mit eisernen Klammern befestigt war, spurlos verschwunden. Fünf Todesurteile in der Sowjetunion vollstreckt. Das Gericht in Tomsk verurteilte fünf Beamte der Genossenschaften wegen Sabotage und gegenrevolutionärer Umtriebe zum Tobe burch Erschießen. Die Todesurteile wurden vor einigen > Tagen durch die Wachen der OGPU. vollstreckt. Herzens und seines Blutes, die ihn auf die andere Seite weist — und seiner Pflicht als Offizier und dem Gid, den er dem Landesfürsten geschworen hat. Das ist eine Entscheidung — vor der Entscheidung der Schlacht in wenigen Stunden. Und der Ausgang dieser Schlacht kann das Schicksal Preußens, Deutschlands, Europas bestimmen. Und vielleicht steht der Oberst mit seinen sechshundert Leuten in der Schlüsselstellung: es kann alles davon abhängen, ob die sechshundert Eewehre hüben oder drühen losgehen. • Der Spruch des Geri-ötes lautet — nach den Kriegsartikeln — auf Erschießung. Der General drängt auf Vollstreckung, der Oberst bittet um Begnadigung. Der General lehnt ab, der Oberst weigert die Durchführung des Befehls und wird des Kommandos enthoben. Ein Hauptmann soll die Truppe zur Exekution des Preußen führen. Aber die dumpf aufbegehrende Stimmung der Leute, denen die Weirte des Preußen die Augen geöffnet und den richtigen Weg gewiesen haben, schlägt in offene Empörung um. Statt den Leutnant zu erschießen, lassen sie ihn laufen und schlagen den eigenen Hauptmann nieder. Oberst Dauer bringt, gedrängt von einigen schnell entflammten Premierleutnants, die meutende Truppe zur Disziplin zurück: er übergibt einem der jungen Offiziere den Befehl und weist ihm die Richtung, aus der das preußische Avanciersignal und die friderizianische Feldmusik lockend zu ihnen her- übcrtö.iL Dem Obersten selbst bleiot die Pistole: er erschießt sich — noch ehe der preußische Leutnant zu den für Preußen gewonnenen Füsilieren zurückkehrt. — • Der starke Erfolg, den die- Soldatenstück — in dem keine einzige Frauenrolle vorkommt — schon an zahlreichen deutschen Dühnen gesunden hat, erklärt sich nicht allein aus dem theatergerechten, bühnensicheren Grifs, mit dem es geschrieben ist iSchäfer ist „vom Dau": Dramaturg und Dozent für Theatergeschichte in Stuttgart) — sondern auch aus der nationalen Idee und der vaterländischen Gesinnung, welcher der Konflikt seines Schauspiel- entspringt: einer Idee und einer Gesinnung, die gerade hellte weithin verstanden wird und Widerhall findet. — • Die Spielleitung hatte Peter Fassott: er brachte eine durchgearbeitete, abgerundete und zweckmäßig besetzte Aufführung heraus, in der alle Akzente richtig verteilt waren. Die Regie verstand die natürlich gegebenen, rein bühnenmäßigen Möglichkeiten des Schauspiels in geschickten Steigerungen auszunutzen und zu unmittelbarer Wirkung zu bringen. Vor allem war der Mittelakt, der mit seiner entscheidenden Auseinandersetzung die innere Achse des Stückes bildet, über den äußerlich-theatralischen Effekt hinaus empfunden und gestaltet worden. Die gut gesehenen Bühnenbilder Löfflers, welche die Stimmung des Göhschen „Gneisenau" wieder heraufbeschworen, unter ftü^ten den geschlossenen Eindruck der Ausführung auss vorteilhafteste. Fassott gab auch selber die Rolle des alten Dauer und stellte einen grauhaarigen Obristen auf die Deine, der in seiner menschlichen Haltung ein wenig an den OLborne in der „Anderen Seite" erinnerte: ein väterlicher Führer und pflichtbewußter Offizier: ein Mensch, der vor die schwerste Entscheidung seines Lebens gestellt, ist und die einzig: Lösung findet, die er zugleich vor seinem Herzen und vor seinem Eid verantworten kann. e 3hm gegenüber (aber eigentlich auf seiner Seite) der p ethische Leutnant Fabricius: Rainer Eggemann: er sand hier den befreiten Schwung der ihm als Drackenburg im „Egmont" versagt hie ben mußie: zu der überzeugenden und befeuernden Rede eines leidenschaftlichen Idealismus, den die kühle Klarheit einer vor'okrati» schen De stesschulung nicht lähmt, fontern stärkt und vertieft. Zwischen beiden Herr H u b als General Dela- rede, in der Maske Napoleons: eine interessante und gant runde Leistung, die auch im glat‘cn, diplomatischen, verbindlich-küh'en Tonfall den treffenden Ausdruck fanb. Aus der Gruppe der Füsiliere hoben sich mit schärferem Umriß die wilde Landsknechtsgestalt des Schlagenhaufs (Hauer) und der blutjunge Bühler des Herrn Hamel heraus. Von den Offizieren: Karl Hehler, der den brutalen Adjutanten mit schneidender Schärfe zeichnete: und Paul R i e r e n, der sich temperamentvoll für den jäh für die preußische Sache entflammten Premierleutnant von Henkel einletzte. Auch alle übrigen standen tüchtig an ihrem Platz. Der Deifall war flarf unb anhallend: ein entschiedener Erfolg. hth. Das Mädchen mit dem Herzen „auf dem rechten Fleck". Wenn der amerikanische Herz-Spezialist Dr. C. H. Deihl nicht zufällig in das Haus der Familie MyhreS zu Poplar Dlusf in Missouri gerufen worden wäre, um den erkrankten Sohn zu behandeln, bann würde wohl heute noch niemand wissen, daß das Töchterchen des HausrS, die kleine Peaches Myhres ein „verkehrtes Inneres" hat. Das Kind erfreut sich einer vortrefflichen Gesundheit und hat noch niemals die geringsten Beschwerden geäußert. Als es daher, neidisch auf den umsorgten Druder, verlangte, auch von dem „Onkel ©oftor“ behandelt zu werden, legte dieser zum Spaß fein Stethoskop an die Brust des Kindes, blickte aber sofort erstaunt auf, denn er fand, daß das Herz auf der rechten Seile, also am „falschen Fleck" lag. Als er dann, um den Fall genauer zu studieren, da- Kind nach St. Louis nahm und dort eingehenden Unter» suchungömethoben, darunter auch verschiede e Röntgenaufnahmen anwendcte, wollte er zunächst seinen Augen nicht trauen, denn die Bilder zeigten, daß bei Peaches nicht nur das Herz an der unrechten Stelle liegt, sondern „alles verkehrt" ist. De Leber befindet sich auf der linken Seite, anstatt wie bei den normalen Menschen rechts zu sein, und der Magen ist umgedreht. Trotz dieser seltsamen Verlagerungen, die amerikanische Aerzte bisher noch nie beobachtet hatten, ist die Kleine gesund und bei bestem Wohlbefinden. Das Mädchen konnte nicht ne r ft eben, warum man es nach St. Louis brachte und im Krankenhaus so wunderliche Sachen mit ihm vornahm. Daß es an „Dextrokardie" leidet, wie der wissenschaftliche Rame für die Verlagerung des Herzens nach rechts lautet, bedeutet nichts für sein kindliches Gemüt. Rach ungefähren ©tat.Riten werden nur etwa vier Personen von jeder Million mit Herzen geboren, die mehr nach der rechten Seite des Körpers hinneigen, und diese Erscheinung tritt bei noch nicht einem weiblichen Wesen in einet Million auf. Daß aber auch die anderen inneren Organe sich am unrechten Platz befinden, ist bisher kaum je beobachtet worden. Amerikanische Blätter, die sich mit dieser eigenartigen „Mißgeburt" beschäftigen, fragen, ob die kleine Dame Ehrenmitglied des Londoner „Klubs der rechten Herzen" werden wird. Diese kuriose Vereinigung umfaßt nur sechs Mitglieder, die alle ihr Herz auf der rechten Seite tragen. Aus der Provinzialhaupistadt Geschichten aus aller Welt gefunden... Leben angeschlossen. Katzenmutter und Wcckertante. (—) Paris. Die französischen Frauen scheinen in der Erfindung neuer Berufe spitzfindiger zu sein als die Männer. Wer würde sich zum Beispiel denken daß eine stattliche Anzahl von Damen im Lande des „lapin saute“ als Kaninchenfriseuse ihren Lebensunterhalt verdienen? Sie besorgt den regelrechten Haarschnitt der kleinen Tiere für einige Sous und kann sogar die Kaninchei^ haare selbst verwerten; warum soll man sich immer auf Roßhaarmatratzen versteifen? Jede Markthalle in Paris hat ihre sogenannte Katzenmutter, der die Berpflegung der .berufstätigen“ Katzen übertragen ist. Die Katzen haben nämlich die Verpflichtung, die Batten auszurotten und werden dabei rund und fett. Sie müßten aber verdursten, wenn die Kahenmutter sie nicht morgens und abends mit Wasser und Städtischen Gas- und Wasserwerk zurückbllcken. Auch dieser Jubilar genießt bei seinen Vorgesetzten und Mitarbeitern hohe Wertschätzung. pflichtarbeiierstreik in Wiesbaden. WSR. Wiesbaden, 7. Oft. Seit heute sind die bei der Stadt beschäftigten P f l i ch t a r b eiter in den Streik getreten. Es handelt sich um über 200 Personen. Bei diesem Streik gehen Vationalsozialisten und Kommunisten zusammen. Die höhere Entlohnung wird gefordert, toetl auch andere als nur zusätzliche Arbeiten verrechnet werden mußten. landes wurden durch diese Einrichtung auf Schweizer Erzeugnisse aufmerksam und zählen heute zu starken Abnehmern zahlreicher Schweizer Waren. Aus der Schweiz erhält man jetzt häufig Post- sacheü, deren Marken durch einen Poststempel entwertet sind, der die Aufschrift trägt „Achetez les produits suissois“, „Donnez de travail vos compatriotes“. — „Kauft Schweizer Waren", „Gebt euren Landsleuten Arbeit". Bedauerlicherweise ist es trotz wiederholter Bemühungen in Deutschland, das in erster Linie auf derartige Werbemöglichkeiten angewiesen wäre, nicht durchzusetzen gewesen, daß unsere Poststempel eine ähnliche Inschrift, wie das ausländische Beispiel, tragen. Dafür haben unsere Poststempel immerhin die tröstenden Aufschriften: „Rimm dir ein Postscheckkonto", „Werde Bundfunkhörer" und „Warum hast du noch keinen Fernsprechanschluß?" Wenn unsere Beichspost nur auch in der Propaganda nach dem Schweizer Beispiel beweglicher wäre ... hat die mörserische Symphonie einen mörderischen Eindruck auf die Zuhörer gemacht. Ein Verleger fand sich aber für das Werk nich.. Selbst der Verfasser, der in Paris 1795 einen Musikalienverlag gründete, konnte sich beherrschen, die Hymne drucken zu lassen. Er wandte sich lieber friedlicheren und bürgerlicheren Sachen zu und rief eine Klavierfabrik ins Leben, die noch heute besteht ... Kongretz der Rätselfreunde. (g) Rom. Ein ungewöhnlicher Kongreß ist kürzlich in Forli abgehalten und in San Marino, der kleinen Bepublik, beendet worden, der Kongreß der italienischen Bätselfreunde. Er zählte mehrere Hunderte von Teilnehmern aus allen italienischen Provinzen, darunter bekannte Schriftsteller, Philologen und Historiker mit klangvollem Rainen, Mathematiker, Baturwissenschaftler usw. Während man bisher der Ansicht sein konnte die Kreuzworträtsel-Seuche beispielsweise grassiere hauptsächlich in England und Amerika, bewies der Verlauf der Verhandlungen in Forli, daß der Italiener vielleicht ein noch fanatischerer und systematischerer Anhänger dieser „inneren Quadratur der Worte" ist, wie einer der Referenten in einem zweistündigen (!) Vortrage über die AuflösungstLchnik dieser in Amerika erfundenen Rätselart diese bezeichnete. Man hörte weiterhin Vorträge über die ethymologische Berechtigung I verschiedener Vokabeln, die sich die Herren Verfasser von Kreuzworträtseln inzwischen willkürlich erfunden haben, über die „Kunst des Bilderrätsels", die „Technik des Rösselsprungs" und über Raumschach, ein sehr verzwicktes mathematisches Problem. Der Kongreß schloß mit einem Besuche der Bepublik San Marino ab. Die Kongreßteilnehmer wurden von der Regierung dieses Zwergländchens aufs feierlichste empfangen, die zur Feier des Tages sogar einen Bätselwettbewerb ausgeschrieben hatte. Es sollte nämlich das schönste Anagramm für die Worte „La Republica di San Manno“ gefunden werden. Das Anagramm, eine heute ziemlich vergessene Spielerei, die jedoch im 18. Jahrhundert in Europa ebenso im Schwange war wie heute das Kreuzworträtsel, wandelt die I Buchstaben eines gegebenen Wortes in ein an- I deres oder eine Reihe von anderen Worten um. Das Wort wird sozusagen gemixt. Als Beispiel I sei jenes Anagramm genannt, das ein Schmeichler dem Dichter Voltaire gemacht hat: Voltaire — I o alte vir! (O du großer Mann!) — Ein Oberlehrer fand die Lösung, der aus den oben genannten Worten die größtmögliche Schmeichelei für den marinesischen Gastgeber schöpfte, während 256 Rätselrater, die wie er im Schweiße ihres Angesichts über das treffendste Anagramm nachgegrübelt hatten, leer ausgingen. Die Flucht des Millionärs. (g) Mailand. Elli Beinhorn erzählt Erster Vortragsabend des GoethebundeS. Die schwerste Etappe ihres Weltflugs fei unzweifelhaft Südamerika gewesen. Der Flug entlang der Steilküste der Kordilleren und der Anden, bei dem keinerlei' Möglichkeit zu irgendeiner Notlandung gewesen wäre, habe an ihre Nerven außerordentliche Anforderungen gestellt. Die schwerste Probe sei aber doch die Ueberquerung der Anden auf der Strecke Santiago—Mendoza gewesen, die sich infolge der widrigen klimatischen Verhältnisse sehr schwierig gestaltet habe. Xie Fliegerin wußte gerade von dieser Flugstrecke aufregende, heroische Taten der in Mendoza und Santiago stationierten Flieger zu erzählen wahrend sie selbst mit viel Glück die gefährliche Strecke überwandt, um dann schließlich wohlbehalten in Buenos Aires ^Zum^ Schluß zeigte die Fliegerin noch viele Bilden die sie vom Flugzeug aus aufgenommen hatte und auch hierzu wußte sie viel Interessantes und gleichzeitig auch viel Lustiges zu erzah en. Zwar sei es ihr auf allen ihren Flügen nicht gelungen einen 6 Erdteil zu entdecken, zwar seien die Fluglefftun- gen die sie vollbracht habe schon vor ged^t worden, immerhin freue sie sich aber doch, daß ihr das große Unterne-Hmen so glücklich gelungen fei. und sie hoffe, daß ihr eines Tages wieder Gelegenheit gegeben fein möge, den Gießenern von einem wäteren Flug berichten zu können. Die vielen Zuhörer dankten der Fliegerin mit anhaltendem herzlichen Beifall. Dor Beginn des Bortrags hielt der Vorsitzende ho« lNoetbe-Bundes, Dr. Henning, eine Ansprache, in der er die Fliegerin herzlich willkommen Meß und ferner die Ziele des Bundes kennzeichnete. Er bat gleichzeitig, dem Bunde die Treue zu halten und eifrigen Anteil zu nehmen an dem, was der Goethe-Bund in Gemeinschaft mit dem Kaufmann,- schen und dem Ortsgewerbeverein im Winterhalü- fahr 1932/33 zu bieten habe. Indien zu sehen, das sei, wie sie sich ausdrückte, ihre nächste „Rosine" gewesen. Vori Indien habe sie aber nicht viel mehr gewußt, als daß es dort viele und unendlich reiche Maharadschas gebe, daß die Menschen braun seien, daß es dort sagenhafte weiße E i unten gebe und was dergleichen ähnliche Borst.llungen mehr sind. Diesen Flug sorgfältiger vorzubereiten habe sie sich, durch Erfahrung gewitzigt, sehr angelegen sein lassen. Wieder war das benötigte F ugzcug eine Klemm-Maschine, die aber diesmal m;t einem 120-?8-Motor ausgerüstet wurde, 150 km pro Stunde flog und einen Aktionsradius von 8 biro. 11 Stunden hatte. Auf diesem zweiten Flug habe sie tDieberu.a sehr viel erlebt. Schones und weniger Schönes, Aufregendes und Erhebendes. Am 4 Dezember o. I. begann der Flug in Berlin. Ber- lm—Budapest—Konstantinopel sei die erste Etappe gewesen, die ohne wesentliche Zwischenfälle passiert werden konnte. Heber Kleinasien sei es unfreundlich gewesen. Bei heftigstem Sturm habe sie nahe Alexan- dretta unter schwierigsten Umständen notlanden und in der Folge mit den „Eingeborenen" manches umständliche Intermezzo (unter weitgehender Zuhilfenahme der Zeichensprache) erleben müssen Weitere Stationen seien Aleppo (mit schwieriger Nachtlan- ** Abschieds-Ehrung für Landgerichtsdirektor Sch ud t. Eine schlichte, ober eindrucksvolle Abschiedsseier für den in den Ruhestand tretenden Landgerichtsdirektor S ch u d t fand am Donnerstagabend im Kreise seiner engeren Kollegen, Richter und Staatsanwälte, sowie unter starker Beteiligung der Handelsrichter und der Rechtsanwaltschaft im Hotel Schütz statt. Rach einigen ehrenden Ansprachen, in denen der Verdienste des Scheidenden um die hessische Rechtspflege gedacht wurde, legte Direktor S ch u d t mit treffenden Ausführungen seine hohe Auffassung vom Beruf des Richters dar, der ein „Kenner, Könner und Künder des Rechts" sein solle. Allseits wurde dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß der in den Ruhestand tretende Richter auch weiterhin durch seinen Rat zum Wohle der Rechtspflege wirken möge. ** Straßensperrung, mitgeteilt vorn Oberhessischen Automobil-Club E. V. (A. v. D.), Gießen. Wegen Ausführung von Kleinpflasterarbeiten wird die Provinzialstraße Ortenberg — Lihberg bis zum Abzweig nach Eckartsborn vom 7. Oktober ab für jeglichen Verkehr aefperrt. Umleitung über Bleichenbach—Bergheim—Usenborn—Hirzenhain und Oberhessische Museum (Altes Schloß), das Völkermuseum, sowie das Kriegsmuseum und die Städtische Gemäldesammlung (Beues Schloß) sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr geöffnet. — Mit dem morgigen Sonntag tritt in der Desuchsmoglichkeit unserer Museen insofern eine Aenderung ein, als jetzt künftig auch I die Räume im Reuen Schloß jeden Sonntag von 11—13 Uhr geöffnet sein werden. Der Besuch des Dölkermuseums kostet von jetzt ab nur noch 20 Pf„ der gemeinsame Besuch des Kriegsmuseums und der Städtischen Gemäldesammlung ebenfalls nur 20 Pf. Kinder zahlen die Hälfte. ** Arbeitsjubiläen. Am morgigen Sonntag, 9. Oktober, kann der Heizer Karl Klein aus Albach auf eine 25jährige Tätigkeit als Heizer im Städtischen Elektrizitätswerk zurückblicken. Der Jubilar erfreut sich wegen feiner vortrefflichen menschlichen und beruflichen Eigenschaften der größten Wertschätzunabei der Werkdirektion, einen Vorgesetzten und Mitarbeitern. — Eben- alls am morgigen Tage kann der Gasarbeiter Peter Theiß auf eine 25jährige Tätigkeit im Elli Beinhorn wurde auf das herzlichste begrüßt. Sicherlich war ihr Erscheinen und ihre Erscheinung vielen eine Ueberraschung, denn zart, schmal, liebenswürdig gewandt und mit einer Fülle von durchaus mädchenhaftem Charme begabt, betrat sie das Podium und nahm ben für ihren Vortrag schon im voraus gebotenen Beifall als Anerkennung für ihre zurückliegenden fliegerischen Leistungen mit Bescheidenheit entgegen. Und bann erzählte fiel Sie erzählte im wahrsten Sinne bes Wortes. Die junge Fliegerin erzählte völlig unbekümmert und schloß so sehr schnell den Kreis zwischen sich und ihren vielen Zuhörern (Die Reue Aula bet Universität, in der gestern abend ber Vortrag stattfand, war bis aus ben letzten Platz beseht!) Sie sprach zuerst von Afrika. Zu der Zeit, ba sie zum Afrikaflug startete, sei sie schon brei Jahre lang fliegerisch tätig unb mit dem Flugzeug gut vertraut gewesen. Sie habe aber nicht ohne Sinn unb Zweck fliegen wollen und sich deshalb einer Expedition verpflichtet, deren Leiter erst iM entscheidenden Augenblick, da es kein „Zurück" mehr gab, erfuhr, daß ber Flieger, ber ihn unterstützen wollte — ein — Mädchen war. Run, es iet alles, so erzählt sie weiter, eine Zeitlang gut gegangen. Sie sei glücklich in Afrika angenommen und dann mit ihrer kleinen Maschine mit dem sehr schwachen Motor weiter geflogen, bis sie in der Rahe von Timbuktu das Schicksal ereilt habe und zur Rot- landung zwang. (Man entsinnt sich- ein Oelroh des Motors brach!) Und dabei fei sie mitten unter die primitivsten Schwarzen ge^Len. -va habe es manche komische Situation gegeben, denn sich mit ben Eingeborenen zu verständigen, war schwer. Ohne Schlafsack, ohne Proviant ohne Moskitonetz und sonstige Dinge, tue in den Tropen nötig sind, habe sie sich in schlimmsten Situationen befunden. Etwas leichtsinnig (was die Vorbereitung anbetrifft) fei sie, wie sie selbst Luaivt an diesen Afrikaflug herangegangen. Das habe sich gerächt. Schließlich habe sie aber auf einem langen Fußmarsch Timbuktu erreicht, und um manche Erfahrung bereichert, bald wieder mit der Kultur Verbindung bekommen. Dieser 2sirika- flug habe aber in ihr den Wunsch wachgerufen, noch mehr von dieser Welt zu sehen. Rach Indien ... (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Lt. Helena w.rd modern. (g) London. St. Helena ist eine einsame Insel im Atlantischen Ozean, und wenn nicht der große Rapoleon auf ihr gefangen gehalten und gestorben wäre, so würde man sich ihrer nach Verlassen der Schulbank kaum mehr erinnern. Auch im britischen Weltreich hat dieser kleine Punkt auf dem Atlas bisher keine ernstliche Bedeutung gehabt. Im Londoner Kolonialamt ist nun endlich die Initiative ergr.ff:n worden, St. Hclma zu moöetmneren unb bie Besiedlung zu fördern. Straßenbauten sind in Angriff genommen, landwirtschaftliche Maschinen und Autos sind nach der Insel geschickt worden, eine landwirtschaftliche Versuchsstation mit erfahrenen Beamten wurde errichtet und auch der Touristenverkehr soll gehoben werden. 2n der Tat haben sich bereits mehrere abenteuerlustige Engländer nach St. Helena eingeschifft, um dort in den Schluchten nach verborgenen Schcch"n zu suchen, denn St. Helena war e nst ein beliebter Schlupfwinkel kühner Pira^n unb Sllavenhänoler, und es geht das Gerücht, daß dort ebenso wie auf den Inseln im Karibischen Meer, Säcke mit Goldbarren und Beutel mit Edelsteinen verborgen liegen. Die Felsen und Klippen tragen auch heute noch die Ramen, die ihnen von den Seeräubern gegeben worden sind- Sie heißen „Lots Frau", „Schwarzer Punkt , „Toter Stein", „Blutige Hand" usw., lauter Bezeichnungen, wie wir sie aus den Piratenbüchern kennen, und wie sie die Korsaren ihren Verstecken zu geben pflegten. Die Eingeborenen der Insel haben zwar bisher vergeblich nach den Seeräuberschätzen gesucht, aber alle glauben an ihr Bestehen, und es liegt nicht außerhalb des Bereiches der Möglichkeit, daß die modernen Schatzgräber Erfolg haben werden. So bahnt sich denn eine neue Blütezeit für St. Helena an, denn mit den Beamten kommen Ansiedler, die Schatzgräber bringen Geld ins Land, der Verkehr hebt sich und die vergessene Insel in der Oede des Atlantischen Ozeans wird dem modernen bung auf fragmentarischem Flugplatz) Bagdad— Abuschehr (wieder eine Notlandung mit viel Aufregung der ortsansässigen Perser unb schwieriger Zeichensprache) gewesen, welch letztere Ortschaft in unwirtlichem Gebiet nur zweifelhafte Gastfreunb- schaft in Form einer Art Schutzhaft hinter Gittern bieten konnte. Karachi (Indien) fei die nächste Station gewesen unb gleichzeitig für sie eine Enttäuschung. Sie habe sich Indien etwas anders oorgestellt, als es sich hier in großer Armut und Nüchternheit barbot. Erst Delhi unb Kalkutta, später Darjeling unb ein märchenhafter Flug in 5000 m Höhe in bie Nähe ber höchsten Berge des Himalaja mit einem grandiosen Ausblick (der allein lohnte, fliegen gelernt zu haben) von Mont Everest bis Kangbchendzönga habe sie entschädigt unb mit Jnbien versöhnen können. Birma, Siam, Singapore bebeuten bie nächsten (Etappen; Balis wunbersame Inselwelt mit alter Kultur, mit Kunst unb der Bevölkerung des natur- lichsten Charmes, desgleichen Java, habe unvergeßliche Eindrücke vermittelt, wenn auch ein trauriges Erlebnis vorübergehend die Harmonie des Schonen störte Nach China und Japan habe sie zu fliegen unterlassen, ba seinerzeit kriegerische Wirren eine andere Flugroute einzuschlagen geboten erscheinen ließen. In Begleitung breier großer englischer Flugboote sei sie bann mit ihrem Landflugzeuy über eine 800 km lange Seestrecke nach Port Darwin (Australien) geflogen, obwohl gerade dieser lange Flug über die große Seestrecke ein eminentes Wagnis bedeutet habe. Um so größer aber sei auch der Stolz gewesen, der sie erfüllte als sie wohlbehalten landete. Ueber die schier unendlichen Steppen Australiens führte der weitere Flug bis Sidney. Gießen, den ».Oktober 1932. 3tir Beachtung für den Wahlkampf. Dom Amtsgericht in Diez war im April ein Angeklagter, der zur Nachtzeit auf ^Straße n in Freiendiez Hakenkreuze und Wahlaufrufe angebracht hatte, von der Anschuldigung des groben Unfugs freigesprochen> worden. Auf die eingelegte Revision hat das O ber (a ndes- gericht in Frankfurt daS Urteil aufge- hobcn und nunmehr auf De st r a fu n g erkannt. Das Obcrlandesgericht fuhrt!n der älrteilsbe- rti-imbunn u a aus: „Grober Unfug ist jede $?nto.ng, weich« den äußeren 'Seftanb b=r öf ent- lidien Ordnung dadurch verletzt, daß sie das Publikum als solches unmittelbar ^sahrdet, ober ungebührlich belästigt. Dies liegt hier vor. Das Publikum als solches muß belästigt oder gefährdet lein d h das Publikum in seiner unbestimmten Allgemeinheit. Maßgebend hierbei ist nicht die Ansicht der cm der Tat Beteiligten, oder der politischen Gruppe, der sie angehören, auch nicht die ihrer Gegner, sondern das Urteil der verständigen, auf Ruhe und Ordnung bedachten Staatsbürger. Diese aber empfinden es als eine Belästigung, wenn die zum Allgemeingebrauch bestimmten Gegenstände (dazu gehören auch Straßen und Drücken) durch Be- malen mit Aufrufen unb Zeichenverunziert oder beschädigt werden. Dabei kommt cs nicht auf den Inhalt der an^brachten Aufrufe, sondern auf die Art und Weise der Anbringung an. Daß in der heutigen Zeit, noch dazu während der Wahlen, jedermann an derartige Malereien, wie sie der Angeklagte gemacht hat, gewöhnt sei und sich dadurch nicht mehr belästigt fühle, kann dem Vorderrichter nicht zugegeben werden. Das Bemalen von Gegenständen des öffentlichen Gebrauchs mit Wahlaufrufen stellt einen Auswuchs politischer Propaganda dar, der vor der Beschädigung öffentlichen und privaten Eigentums nicht Halt macht und der von allen vernünftigen Staatsbürgern, auch den vernünftigen politischen Gesinnungsgenossen des Angeklagten, verurteilt wird. Das Beispiel der Schweiz. Die reiche Schweiz hat in den letzten Jahren der deutschen Werbung für heimische Erzeugnisse immer wieder als Vorbild dienen müssen. Die mit großem Erfolge jetzt bei uns in fast allen Städten durchaeführte Deutsche Woche baut aut Schweizer Erfahrungen auf. Die alljährlich in der ganzen Schweiz veranstaltete Schweizer Woche hat sich zu einer besonders wirkungsvollen Propaganda für Schweizer Erzeugnisse entwickelt. Weite Kreise des Aus- Wolfgang Amadeus Mozart hat tn dem Jahre in dem er zum Hofkompoffteur ernannt wurde' eines seiner reifsten Meisterwerke geschaffen, die Oper „Don Juan". (1787.) Ueber die Uraufführung dieses Stückes, insbesondere bezüglich der Premierenbesetzung, fmb Die -£n- sZten der Musikforscher sehr geteilt. In Ermangelung eines Spielzettels ist man auf die mündliche Überlieferung angewiesen, und die ist alles eher denn authentisch. . . Bis vor kurzem gelang es nicht, den Original- -----. Programmzettel aufzustöbern; in letzter Zeit tau- loneiten Pate standen. «nmbofitlon chen auffallend viele Exemplare auf. In Prag Semetlenitoert bleibt bei biefet Sompoltnon ) Sauf|c in ii$Dn 3uan".»to- die Instrumentierung. So wurde z. B d ' jammen ein und die Sammler bezahlten enorme Glockenspiel lw Orchester von nicht w g a ^clöcr für bic unter bibliophilen Gesichtspunkte sieben großen Kirchenstlocken^ to0%c„ ausnehmend wertvollen „Originale“. Bis sie dazu diesem Zwecke nicht ewgeschm 1z w^ hinter kamen, daß es sich um einen wohlorgani- sind. Zur radikalen ^Verstärkung oes^a, fierten Schwindelfeldzug handelte. Zeuges und der P^^Äerauf stellen die im Die wertlosen Fälschungen wanderten sofern sie dem Konzertsaal zwei Mörfer sstetten^^^ ^riüQtbefUj befanden, m den Papierkorb. Finale genau auf den Einsatz s ge Die Restauflage hingegen trat (wie denn anders?) ge euer! »urben. O& ^1^«zl öule au3geTauen n ^berseefahrt an. um die Bankees zu be- Effekte aus wusikalischer Uebe z 9 3 ang (üd $ einigen Wochen kommt aus Amerika hatte, obet «r fl Bestimmtheit die Nachricht man habe dort Monte K mörderischen das garantiert echte „Dan 2uan"-Program.n Emilio Scala, der vorjährige Sieger in der irischen Rennlotterie, ist mit Sack und Pack nach Italien ausgewandert, mit seiner Familie aus Dublin, wo er trotz des Millionengewinns seinen Kaffeehausbetrieb weitergeführt hatte, geflüchtet Mich versorgte. ,,, und will sich nunmehr in seinem kleinen Heimat- Ebenfalls in der Rahe der Markthallen Hausen öo , vergraben. um nichts mehr von der schnöden die Weckertante und die Kaffeehausoesitzerin. draußen zu sehen und zu hören. Letztere besitzt einen dreibeinigen ^isch. einen 6eit GmMo nämlich den Riesengewinn der kleinen eisernen Ofen, eine Dlechkanne. sowie Lotterie eingestrichen hat, ist er nicht mehr zur ausrangierte Biergläser. Sie stellt mit verein- ^uhe gekommen. Obwohl es in England Tausende sachtem Verfahren „Cafe complet tjer^ eine ÜDn Leuten gibt, die ebenso reich und noch reicher undefinierbare Flüssigkeit, die von den Hallen- atd er, wurde er tagtäglich mit Bettel- arbeitern genossen wird und insofern ihren <5toea 6riefen überschüttet, die er überhaupt nicht mehr erfüllt, als sie immer warm ist. Die Weckertante Q[k konnte und einfach in den Papierkorb (rSveilleuse) arbeitet zwischen Mitternacht unö toQnöern [ic^ Daraufhin erhob sich eine Flut Morgengrauen. Sie hat die Arbeiter zu wecken DQn Drohbriefen gegen ihn. es fehlte sogar nicht und kann, wenn fie einigermaßen zuverlässig in. Presseangriffen, und der arme Emilio hatte eine Klientel von 40 bis 50 Personen ihr eigen ruhige Stunde mehr. Mit seinen Verwand- nennen. Jeder Pariser Rachtarbeiter hat seine ten un& heften Freunden hatte er gewisse Zeichen Weckertante ... . , auf den Briefumschlägen ausgemacht, damit er Weckertante. Kahenmutter unö ^5?wc^n- Briese sofort aus dem Wust der Bettelfriseuse — da können d.e armen schwachen korrespondenz herauskennen könne. — auch dieses Männer wirklich nicht konkurrieren! ... Zeichen wurde irgendwie verraten und zierte Tod oder Lympßonie! schließlich über die Hälfte der Bettelbriese. — Straßburg. Emilio bekam das Leben eines Millionärs in NS SSSLSMM ernannt. Kaum hatte er d« Stelle, brach bie mehr «Ruhe haben wird? Revolution aus. und der „Aristokrat" mußte Die Don Juanv von Prag, flüchten. Man verhaftete ihn und bald war das (Ic) Prag. Todelurte.1 gesprochen. Da fiel einem Mitglied des Revolutionstribunals ein, daß Pleyel Korn- ponist sei und man stellte den zum Tode Verurteilten vor die groteske Alternative. „T o d oder Symphonie". Pleyel wählte begreiflicherweise das kleinere Hebel und komponierte in seinem Gefängnis eine gigantische Revolutionshymne mit dem Titel „Der 10. August'. So kam neben der Marseillaise von Rouget de Liste die zweite revolutionäre Komposition zustande, bet der nicht so sehr die sogenannten Musen, als p'c mc).' Cefänznisw'irter mi. aufgrpfl nzten Ba- 9JL-$pont Fortsetzung der Derbandsspiele. 1900 empfänct Wetzlar. Rtan kann nicht behaupten, daß die Verbands- spiele der diesjährigen Saison — auch wenn sie sich auf der Ebene der 1. Bezirksklasse bewegen — nicht des Interesses genug hatten. Die bisherigen Begegnungen gestalteten sich vielmehr sehr spannend. Die zukünftigen Spiele werden vorau^ichtlich auch nicht langweilig sein. Dor ollem wird das morgige Spiel auf dem Plage der Spieloereinigung viele Anhänger des Fußballsportes auf die Beine bringen. Die 1. Mannschaft des Sportvereins Wetzlar ist auf dem Trieb zu Kost. Dor einiger Zeit sah man schon ein Gesellschaftsspiel gegen diese Mannschaft. Die 1900er zogen sich seinerzeit mit einem Unentschieden von 2:2 aus der Maire. Nun steigt das Derbandsspiel, das sich vielleicht in etwas anderen Formen abspielen wird. Aber man wird nicht zu befürchten brauchen, daß das Spiel unfair aus- getragen wird, denn die 1900er spielten bisher immer noch sehr zahm und krümmten ihrem Gegner bisher mit Absicht fcrum noch ein Haar, die Wetzlarer aber haben sich in ihrer Spielwerse etwas geändert und zum Besseren bekehrt. Wenn es auch den DfBern vor kurzem gelang, die Wetzlarer auf eigenem Platze knapp zu schlagen, so sind die Gegner des morgigen Verbandsspiels immer noch die härtesten der Derbandsspiele überhaupt. Die weiteren Ergebnisse, die die Spieloereinigung erzielte, geben Hoffnung, daß die Blauweihen sich zum mindesten ein Unentschieden erkämpfen, wenn nicht etwa gar ein knapper Sieg fällig werden sollte. Die Ligareseroe trifft in Laubach aus die 1. Mannschaft der dortigen Teutonen, die auf eigenem Platz einen gefährlichen Gegner darstellen. Wenn Aussicht auf Erfolg bestehen soll, dann wird die Mannschaft in stärkster Aufstellung antreten müssen. Ein knapper Sieg sollte nicht unmöglich sein, wenn der Sturm -das Schießen nicht vergißt. Die 3. Mannschaft der Blauweißen empfängt auf eigenem Platze die 1. von Steinbach. Das Spiel sollte der 3. Elf den zweiten Sieg der Derbandsspiele (Eifer und Siegeswillen vorausgesetzt) bringen. Die Einstellung eines neuen Mittelstürmers hat der Mannschaft einigen Rückhalt verschafft. Die 4. Mannschaft ist spielfrei. Die 5. empfängt zum Gesellschaftsspiel die 1. von Klein-Linden. Ausgang des Kampfes: ungewiß. Und BfB. fährt nach Wallar» ... ebenfalls zum Verbandsspiel. Das wird kein leichter Kampf fein. Wenn auch die Mannschaft von Wallaii, der Sieger der vorjährigen Runde, in dieser Spielsaison einige Punkte verlieren mußte, so will das nicht unbedingt gegen die Spielstärke der Els sprechen. Auf eigenem Grund und Boden ist die Mannschaft scywcr zu schlagen. Das mußte auch schon die Spieloereinigung erfahren, die nur ein mageres 1:1 zu erzielen vermochte. Im entscheidenden Moment versteifen sich die Wallauer, wenn es fein muß, auf die Verteidigung und machen so weitere Erfolge unmöglich oder halten ein für sie noch einigermaßen günstiges Ergebnis. Eine Technik, die zwar nicht das Odium der Neuheit für sich hat, dafür aber die zuverlässige Wirkung. Erfreulich ist, daß auch die Mannschaften des Hinterlandes fair zu spielen gelernt haben, wodurch die Reisen — von Ausnahmen abgesehen — nicht ständig von allerlei Gefahren umwittert sind. Wer nun am Sonntag im Spiel VfB. gegen Wallau den Sieger stellen wird, ist kaum zu sagen. Das Treffen ist völlig offen. Die Kräfte sind ziemlich gleich verteilt und lediglich den DfBern ist ein kleines Plus an Technik zuzufchrei- ben, das durch Körperkraft allein nicht auszugleichen fein wird. Die Möglichkeit eines knappen Sieges liegt nahe, wenn die grünweiße Elf eine tüchtige Portion Kampfgeist und eine möglichst vollständige Mannschaft mit auf die Reise nimmt. * Die Ligareserve hat auf eigenem Platz gegen die 1. Mannschaft von Lollar zum Verbandsspiel anzutreten. Das Spiel wird für die Grünweißen einen schweren Kampf bedeuten, dessen Ausgang kaum 'vorher,zusagen ist. Wenn auch die Hiesigen den Vorteil des eigenen Platzes haben, so sollte diese Tatsache noch lange nicht ausschlaggebend für einen eventuell zu erringenden Sieg fein. Die 3. Mannschaft tritt in Heuchelheim gegen diedortige 1. Mannschaft an und wird wohl kaum zu Lorbeeren kommen können. Die Jugend- und die Schülermannschaft sind spielfrei. Sandball der Sp.-Vg. 1900. Am kommenden Sonntag tritt die 1. Handballmannschaft der Spielvereinigung gegen die eigene 2. Elf an, die in der Hauptsache aus jungen Leuten besteht, die der 1. Mannschaft kaum ernsthaften Widerstand entgegensehen können. Es wird sicherlich für die 2. Mannschaft ein aufschlußreiches Trainingspiel geben, aus dem die 2. Elf lernen kann. Das Spiel wird wohl als Pflichtspiel ausgetragen. nach Punkten aber nicht gewertet. Handball im Lahn - Oünsberg - Sau Das Spielprogramm des Sonntags ist wieder sehr reichhaltig. Wichtige Spiele werden ausgetragen. 3n einzelnen Bezirken rechnet man bereits mit entscheidenden Ergebnissen. Der Gau- meister Allendorf muß nach Atzbach fahren und hat dort einen sehr gefährlichen Gegner vor sich Ob Allendorf die Punkte für sich buchen kann, erscheint sehr fraglich. In Dorlar empfängt der Plahverein die körperlich sehr leistungsfähige Mannschaft von Lollar, die sich so leicht nicht schlagen lassen wird. Ein harter Kampf steht bevor, den vielleicht nur die glücklichere Mannschaft zu entscheiden vermag. In der Bezirksklasse fällt voraussichtlich die Entscheidung um die Führung zwischen den beiden punktgleichen Mannschaften Launsbach und Garbenteich Man erwartet in Garbenteich einen scharfen Kampf, dessen Ausgang nicht vorherzu- sagen ist. Waldgirmes und Rodheim treffen sich in Waldgirmes. Gleichwertige Mannschaften stehen sich gegenüber. Der Ausgang des Spieles ist ungewiß. Erda sollte auf eigenem Platze einige Chancen gegen Wißmar haben, obwohl die Gäste bestimmt nicht schlechter sein werden. Im 2- Bezirk kämpft Ruttershausen auf eigenem Platz gegen die Mannschaft von Kesselbach mit einigen Chancen, während Rordeck gegen Allendorf II trotz des Planvorteils nur schwerlich gewinnen wird. Im 3. Bezirk spielen lediglich Albach und Steinbach gegeneinander. Albach sollte das Spiel glatt gewinnen., Verbondsturntag im Südwesldeutschen Turnoerband. In dem Haupt-Industriestädtchen der Wetterau, dem schön gelegenen Wölfersheim, tagt Rach dem Bericht der Reichsanstalt für Ar- beitslo'enversicherung und Arbeitslosenvermittlung für die Zeit vom 16. bis 30. September waren Ende September bdi den Arbeitsämtern rund 5,1 Millionen Arbeitslose gemeldet. Gegenüber dem letzten Stichtag, Mitte des Monats, ist ein Rückgang um rund 1 6 3 0 0 0 eingetreten. Während des ganzen Monats September hat damit die Arbeitslos e n z a h l nach einer vorübergehenden Erhöhung um rund 123 000 abgenommen. Saisonmäßige Einflüsse, die Maßnahmen der Reisregierung und in beschränktem Umfange noch die bekannten Aenderungen des Thzterstühungs- rechtes haben zu dieser Entwickelung des Zahlenbildes beigetragen. Mehreinstellungen in der metallverarbeitenden Industrie, im Baugewerbe und in der Industrie der Steine und Erden dürften überwiegend auf das Arbeitsbeschaffungsprogramm und auf die Berordnungen zur Belebung der Wirtschaft zurückzuführen sein. Ein jahreszeitlicher Auftrieb, der durch die Maßnahmen der Reichsregierung unterstützt wird, war besonders in der Landwirtschaft, im Bekleidungsgewerbe und in mehreren Zweigen des Rah- rungs- und Genußmittelgewerbes festzustellen. Anzeichen einer konjunkturellen Entspannung bleiben bis jetzt auf einzelne Zweige der Spinnstoffindustrie und der Holzverarbeitung beschränkt. Die Zahl der Hauptunter st ützungs- empfänger belief sich Ende September in der Arbeitslosenversicherung auf rund 626 000 (gegen 660 000 am 15. September), in der Krisenfürsorge auf rund 1 224 000 (1 280 000). Bon den Arbeitsämtern anerkannte Wohlfahrtserwerbslose wurden Ende September rund 2 035 000 gezählt, d. h. rund 5000 mehr als Ende August. Daß die Gesamtzahl der Empfänger von öffentlichen Fürsorgeleistungen über diese Zahl hinausgeht, ist in den Berichten der Reichsanstalt wiederholt hervorgehoben worden. Die Zahl der Rotstandsarbeiter, die sich Ende August auf rund 67 000 belief, konnte im Laufe des September, begünstigt durch die Witterung, noch um etwa 5000 gesteigert werden. am kommenden Samstag und Sonntag der Der» bandsturntag des Südwestdeutschen Turnverbandes. Aus der Tagesordnung stehen Leh^änge, Berbandsveranstaltungen 1933. Unfallversicherung und Borstandswahlen. Des weiteren wird man sich auch mit verschiedenen Anträgen, die in der Hauptsache der Gau Wetterau gestellt hat. befassen. Sein Handball-Kampf mit Oesterreich. Die Deutsche Sportbehörde hat jetzt denHand- ball-Länderkampf Deutschland—Oesterreich, der am 16. Oktober in Wien zum Austrog gelangen sollte, wegen Terminschwierigkeiten mit den Meisterschaftsspielen abgesagt. Adolf Heuser begnadigt. Der Bonner Europameister im Halbschwergewicht, Adolf Heuser, der von der Deutschen Boxsportbehörde und der IBäl. disqualifiziert worden war, ist jetzt unter der Bedingung, daß er die Schadenersatzansprüche der deutschen Der» anstalter erfüllt, begnadigt worden. Heuler steht bekanntlich vor seinem Kampf um die Weltmeisterschaft mit Maxie Rosenbloom Kurze Sportnotizen. Josef Befselmonn, der Kölner Weltergewichtsboxer, besiegte im Pariser Wagramsaal den Franzosen Ferron schon in der ersten Runde durch Niederschlag. Fred I. Perry, der englische Tennisspitzenspieler, schlug in der Schlußrunde der Tennismeister- schaften der Pactfic-Küfte in San Franzisko seinen Landsmann Bunny Austin mit 3:6, 6:4, 8:6, 6:1. * Dem Berliner Schlittschuh-Club a n- a e s ch l o s s e n hat sich der Schwede Gillis G r afft r ö m , der vielfache Weltmeister und Olympiasieger im Eiskunstläufen. Der junge Berliner Nachwuchsspie- l e r Schwenker sorgte beim Tennisturnier in Meran für eine Ueberraschung, er schlug den österreichischen Spitzenspieler Artens mit 7:5, 9:7. Der Freiwillige Arbeitsdienst hat in der Be- richtszeit einen weiteren starken Aufschwung genommen. Die Zahl der tatsächlich beschäftigten Arbeitsdienstwilligen ist von rund 144 000 Ende August auf rund200000 Ende September gestiegen. Daß die Abnahme der Arbeitslosenzahl nicht ohne weiteres mit einer entsprechenden Steigerung des Beschäftigungsgrades gleichgeseht werden kann, ist bekannt. Man darf allerdings die Bewegung der Beschäftigtenzahl keineswegs als Spiegelbild der Bewegung der Arbeitslosenzahl betrachten, wie es in letzter Zeit geschehen ist, weil die ständigen Umschichtungen innerhalb der erwerbstätigen Bevölkerung, besonders während einer so langwierigen und tiefgreifenden Krise, zahlenmäßig nicht erfaßbar sind. Wiederbelebung in der Wirtschaft. Wie die Reichsbahndirektion Kassel mitteilt, werden im Direktionsbezirk Kassel vom 10. Oktober ab etwa 1000 Arbeiter wieder eingestellt. Die Firma Borsig in Berlin-Tegel hat in den letzten Tagen größere Aufträge erhalten, die es ihr gestatten, das Stahlwerk wieder in Gang zu fetzen. Die Arbeiten zur Wiederinbetriebnahme des Siemens-Martin-Ofens und der Stahlformgießerei sind bereits im Gange. Wie dem WTB.-Handelsdienft von der Verwaltung der Jvsephinenhütte in Petersdorf im Riefengebirge mitgeteilt wird, ist der Hüttenofen in dem Werk Schreiderhau wieder in Betrieb gefetzt, da der gegenwärtige Auftragseingang einen erhöhten Rohglasbedarf verursache. Auch in anderen Abteilungen des Unternehmens feien in den letzten Wochen Neueinstellungen oorgenommen worden, die bisher rund 200 Arbeiter betragen. Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. Das Geschäft an der Getreidebörse hielt sich während des ganzen Wochenverlaufs in sehr engen Grenzen. Es zeigte sich sowohl bei den Händlern als auch bei den Mühlen allgemeine Zurückhaltung, da die bekannten wirtschaftlichen und außerBesserung der Arbeiismarkttage. Ende September rund 5,1 Millionen Arbeitslose. — Rückgang der Arbeiter« losenzahl. — Starker Aufschwung des Freiwilligen Arbeitsdienstes. wirtschaftlichen Zaktoccn Die Geschäftstätigkeit lähmten. Dazu kommen noch die in letzter Zett eingetretcnen Rückgänge auf den in- und ausländischen Getreidemärkten. Das Angebot war angesichts der Herbftfeldbeftellungsarbeiten der Landwirtschaft klein, so daß Preisnachlässe vermieden wurden. Für Weizen zeigte sich anfangs der Woche Im Zusammenhang mit dem besseren Mehlabsatz einiges Interesse für prompte Ware, später stagnierte das Geschäft aber fast vollkommen. Für spätere Lieferung tarnen Hmfätjc kaum zustande. Der Weizenpreis blieb zu 216 Mark etwa behauptet. Der Roggcnmarkt lag während der ganzen Woche matt. Die amtliche Rotiz vom Montag mit 167,50 Mk. war gegen die Dorwoche leicht ermäßigt, für den Rest der Woche fanden llmfähc so gut wie nicht statt, so daß die Rotierung unter- bliefc. Im freien Markt nannte man einen Preis von zirka 165 Mk. per Tonne. Braugerste in feinen Qualitäten war gut gefragt, während sich der Absatz von abfallenden Qualitäten sehr schwierig gestaltete. Die Marktlage für Industriegerste war etwas freundlicher. da vom Riederrhein einige Käufe erfolgten. Das Geschäft für Hafer war sehr klein, das reichliche Angebot ist nur schwer unterzubringen. Am Futtermittelmarkt sanden einige Tlmsätze für spätere Termine statt, während prompte Ware vernachlässigt war. Der Futter- mittelmartt leidet stark unter der Derfütterung der Eigenprodukte, wie z. B. Hafer, Kartoffeln und Rüben. Die Preise schwächten sich meist leicht ab. Das Mehlgeschäft verlies sehr still, da die meisten Käufer sich vor kurzem für die nächsten Wochen reichlich eingedeckt haben. Die Preise für Weizenmehl gaben 0,50 bis 0,75 Mk.. für Roggenmehl 0,75—1 Mk. nach. Kartoffeln liegen weiter ruhig. Industrie hiesiger Gegend notierten mit 1,80—1,85 Mk. per 50 Kilogramm bei Waggonbezug ab Frankfurt um etwa 10 Pf. höher. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviebmarkt. Trotz überwiegend leicht erhöhter Zufuhren war das Geschäft am Frankfurter Schlachtviehmarkt in der abgelaufenen Woche befriedigend. Zwar war der Handel nur auf einigen Märkten lebhafter, doch verblieb auf keinem Marktgebiet Lieberstand. Die Preise lagen teils etwas höher, teils blieben sie gegen die Dorwoche u"verändert. Am Rindermarkt betrug der Austrieb 159Ö Stück und war mit 63 Tieren mehr beschickt. Rach ruhigem Handel wurde • der Markt ausverkauft. Dullen zogen 1—2, Kühe und Färsen je 1 Mk. an, Ochsen blieben unverändert. Ochsen al) 30—33. a2) 26—29, bl) 20-25. Dullen a) 28-30, b) 24 bis 27. Kühe a) 25-27, b) 20-24. c) 15-19. Färsen a) 31-34, b) 27—30, c) 23—26. Die saisonmähige Delebung des Geschästsgan- ges und Besserung des Preisniveaus machte am Kälbermarkt auch in dieser Woche Fortschritte. Der Handel verlief zunächst mittelmäßig, später rege. Der Auftrieb von 1519 (plus 133 Stück) wurde glatt geräumt. Die Preise lagen erneut um 1—2 Mk. höher. Kälber a) —, b) 41-44, c) 36—40, d) 30-35. Am Schafmarkt war die Zufuhr mit 484 um 44 Stück größer. Rach regem Geschäft und anziehenden Preisen wurde ausverkauft. Schafe al) 24—27. b) 19—23, c) 15—18. Trotz etwas erhöhter Beschickung (5380 gegen 5306 Stück) war das Geschäft am Schweinemarkt befriedigend. Eine Erhöhung der Preise trat allerdings nicht ün, nur fette Schweine waren gesucht und wurden über Rotiz bezahlt. Schweine a) —, b) 43—46, c) 42—46, d) 40—45, e) 38 bis 43, f) und g) —. Frankfurter Abendbörse geschästslos. Frankfurt ScutidH’ tltctdieanleihe v. 19k. 71,9 71,9 71.5 71,75 i.% eficm. 7%Ttflctdi«anl.0.1929 83,75 83,75 84 85 t>Vi% $i>uii(i'lMnlcif)c von 1930 Xcutidic Slnl.-Ablvf..Schuld mit 65,65 65,65 66 66 Auslol.»Rechten...... 52,13 — 52,3 •— ohne Anslel.-Rechte . . 6% ehern 8% £»efl. Bolk»Naat 1929 6,45 6,35 6,35 6,45 mid.tahtu. 102%)...... 63 66,4 64 67 Cberbeiien Provinz-Anleibe mit Aiistos.-Rechten...... Deutsche Komm. GammelabL 52 51 - Anleihe Serie 1...... 6% ehern. 8% Franks. Hnv.-Banl 49,65 49.5 49,5 49,25 Oiolvyie. 15 unkündbar bis 1935 6% ehern. 7% Rrantf. Hnp.-Bank 75,5 74,75 — — iflnlople 16 unkündbar bis 1930 6ys% ehern. 4'4% 'Zrankf.Hbp.- Bant Liau $|anN>rie|e . . . 75 74,25 — — 79,25 79,25 6ya°ö ehem. ereüib.«enle 0.1919 9,5 9,75 10 9.75 4,9 18.3 4% Rumänische vereitch. Rente fll6% > Anatolier...... 4,9 18.5 5 18.5 5 18,4 Jrar.ffurt a.M. Serlin Schluß« kurs Schlußk. Abend« börse Schluß» hird Schlußk. OTlitaa» börle Datum 6.10. 7.10. 6.10. 7-10. yamburg-Amerua Pw. ( 16,75 16,75 16,9 16,65 Hamburg-Südam. Tampfschis, . 0 32 Hansa Dampftchisi . . . ( _ — 26,5 27,5 Norddeutscher Lloyd .... . ( 17,75 17,75 17,9 17,65 Sl.(N fm Verkehrswesen Alt. . 0 39,75 40 40.13 Berliner Handelsgesellfchast . 4 90,5 91 90,75 91 Commerz, und Privat-Bank . 0 53,5 53,5 53 - 5 Darmstädter und Nationalban 0 53,5 Deutsche Bank und DiSconlo-Gesellschaft. . . 75 75 75 75 Dresdner Bank...... 0 61,75 61,75 61,75 61,75 Reichebank........ 11 123,75 123 124 123 A.S.iS........... . 0 31,4 31,75 32,13 31,9 Bergmann........ Dein. LieferungSgesellschast. . c — 20,75 20,75 6 66,5 64.5 65,25 65 Licht und Kraft...... 6 85.5 85,75 85,75 85,5 Felten & ffluilleaumc.... c 54 54 54 54 Gesellschaft für Clektrische Unternehmungen .... Rheinische Elektrizität . . . 4 69,5 69.5 69,5 ,69,25 VB 76,75 78 77 78 Schucken & Co. ...... 0 71,5 71 70,65 70,13 Siemen« & Halske..... 9 114,5 115,5 114,5 114,75 Lahmeyer L Co....... 10 118 117 117,75 116,75 Buderus......... Deutsche Erdöl...... . 4 38 36,5 38,13 38,4 . 5 71.5 71,5 71,75 71,65 Gelsenkirchener...... . 8 36 36.5 35,75 35.9 Harpener......... Hoesch Eisen........ . 0 . 6 73 71,75 72,25 36,5 71,25 35,5 JWe Bergbau....... 10 — — 126 124 Ilse Bergbau Genüsse . . . • . 97 97,25 97 97,25 Mloducrroerte....... . fi 32,5 31.5 32.5 30.25 ManneSmann-Röhreu . . . . 6 51,25 sn.4 51 51 ManSselder Bergbau .... Cbetfdtlef. ÄpWroedc . . . Bhönhr Bergbau...... Rbetnstche Stannlohtai. . . Ryeinstahl........ . 0 . 8 4y, 10 . 6 20,5 26 169 64.75 18 : $ 20,75 35,65 26 169 64 20,5 35,75 26 168.5 64.25 Jrantfun a. JJI. Berlin Schlußkur« Schlußk. Abend« b5rf- Schluß« lur« Schlußk. Mittag. bör[e_ ‘Datum 6-10. 7-10. 6-10. 7.10. tHlebed Montan...... — Bereinigte Stahlwerke . . . . 0 21 21 20,65 20,9 Olavi Minen....... 0 — 16,13 15,9 Kaliwerke Aschersleben . . . 6 99 98 99 99.75 Kaliwerke Westeregeln . . . 6 105 106 105 106 Kaliwerke Salzdetfurth . - - 9 166 166 164.5 164,5 I. G. Yarben-Industrie . . . 7 94 93,9 93,25 93,4 Scheideanstatt....... IC 136 137 — — Goldschmidt. ........ . 0 27,5 26,75 27 26 Rütgerswerke....... . 0 40 39,5 40,25 39.5 Metallgeselllchaft...... . 0 34 34,5 34 35 Philipp Hohmann..... . 0 56,25 56,5 56,5 56,25 Zementwerk' Heidelberg. . . . 4 50.5 51 — Zementwerk itarlstadt. . . . . c 50 53,5 — 83at>6 & ffreylag ... . 0 — 5,3 — — Schultheis Patzerchofer . . . 0 — 51,75 52,5 Mu (-allgemeine Kunstseide) 0 54 54.25 54,13 54,5 Bemberg......... 0 52 52 51,25 51 Zellstoff Waldhos..... 0 u 43.5 43.9 44 ßellstoff Aschaffenburg . . . 0 29 28.5 28.25 28.65 Dessauer Gas....... . 7 — 87.75 89,4 Daimler Motoren..... . 0 19.5 19,5 19.4 19,5 Deutsche Linoleum .... . 0 44.5 45.5 45 45.5 Orenstein & Koppel .... . 0 —— 33.25 33,25 Leonhard Lte-...... . 6 45.5 46 45,5 45,25 Lvenrka......... - 0 Tbade.......... 12 167 169 167,9 169,5 frankfurter Maschinen . . . _ _ Gritzner...... . 0 28,25 26,5 28.9 27 Mainkrattwerke Höchst a. M.. 53,5 Süddeutscher Zucker . . . . - 8 126 126 125 — Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 6. Oktober 7.Oktaler Amtliche Notierung »elf | Srle- Amtliche Notierung «elb | Erie Heliingfor» . Wien. . . . Prag . . . Budapest . . Sofia . . . Holland . . Lelo .... Kopenhagen. Stockholm . London. . . Buenos Atte» Neugork . . Brüssel. . . Italien. . . Paris . . . Schwei, . . Spante« . . Danzig. . . Japan . . . Rio de Ja».. Jugoslawien. Lissabon . . 6,264 51,95 12,465 3,057 169,33 73,18 75,32 74,58 14,525 0,890 4,209 58,39 21,58 16.49 81,15 34,39 81,82 0,999 0,294 5,994 13,22 6.274 52,05 12,485 3,063 169,67 73,32 75,48 74,72 14.565 0,894 4,217 58 51 21,62 16,53 81,31 34,45 81,98 1,001 0,296 6,006 13,24 Banknoten 6.264 51.95 12,465 3.057 169.38 73,18 75,32 74.58 14,525 0,890 4,209 58,41 21,57 16,495 81,17 34.39 81.82 0.999 0,294 5.994 13,22 6,276 52,05 >2,485 3,063 169,72 73,32 75.48 74,72 14,565 0,894 4,217 58,53 21.61 16,535 81,33 34,45 81,98 1,001 0.296 6,006 13,24 Senin, 7-Oktober Seid Zrlel ' Amerikanische Roten....... Belgische Noten......... Dänische Noten......... (Lnglische Noten......... Iranzösischc Noten........ Holländische Noten........ Italienische Noten....... Norwegische Noten........ Deutsch. Lesterreich, * 100 Schilling Rumänische Noten........ Schwedische Noten........ Schwerer Note». ........ Spanische Noten. ........ Ungarische Note» ........ 4,20 58,25 74,95 14,485 16,455 169,01 21,52 73,00 2.46 74.40 80.99 34.25 4,22 58,49 75,25 14,545 16,515 169,69 21,60 73,30 241 74,70 LÄ