Dnirf vn- Verlag: vrühl'sche Univerfriäls-Vvch' uv- 5tein-ruckerei H. Lange in Sietzen. Zchriftlettung «n- Sefchaftrstelle: Zchulftratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Prejr für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für ‘He- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°, mehr. Chefredakteur- Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für ‘Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or.H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monat» vezngrpreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illusttierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bet Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanschlllffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Liehe». Postscheckkonto: Sranffurt am Main 11686. ar. 184 Srübaussa»« . 182.Mrgang tliontag,8.llugufl(<132 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Oie Bekämpfung des politischen Terrors. Keine Meinungsverschiedenheit zwischen Reich und Preußen. Schwerste Ltrafcn fürSprengstoffatteniäter Berlin, 6. Aug. (III.) Amtlich. Zu den von einem Berliner TNorgenbiatt gemachten Ausführun- gen, wonach zwischen dem Bevollmächtigten des Beichskommissars für Preußen, Dr. Bracht und der Beichsregierung Meinungsverschiedenheiten über die Wege zur Abwehr der rechtsradikalen Terrorakte entstanden fein sollen, erklärt Dr. Bracht, daß diese Mitteilung frei erfunden ist. Durch tägliche persönliche Fühlungnahme wird im Gegenteil völlige Uebereinstimmung mit dem federführenden Be i ch sinnenmi- nister von Gayt gewährleistet. Auch durch die ständige Zusammenarbeit der Sachbearbeiter des kommissarischen preußischen Innenministers mit denen der Reichsregierung wird das ständige Einvernehmen bewirkt und gesichert. Der Zeitpunkt und das Ausmaß für weitere Maßnahmen hängen in der Hauptsache davon ab, ob die jetzt im Lande mehr und mehr eingetretene Beruhigung von Dauer i ff. Aus besondere vorbeugende Vorkehrungen wird jedoch voraussichtlich nicht verzichtet werden können. Es wird sich voraussichtlich vor allem um eine neue Durchführungsverordnung zu den bestehenden Notverordnungen zum Schuhe gegen politische Ausschreitungen handeln. Es ist anzunehmen. daß in dieser neuen Verordnung keine neuen Strafbestimmungen für Sprengstoffanschläge enthalten sein werden, angesichts der Tatsache, daß bereits die ordentliche Gesetzgebung gerade für Sprengstoffaktentate die h ä r - Iesten Strafen vorsieht. So bedroht bekanntlich dos Sprengskoffgeseh Sprengstosfanschläge, auch wenn keine Verletzungen dabei erfolgt sind, mit Zuchthaus von fünf b i s 15 Iahren und für den Fall, daß Personen dabei verletzt werden, m i f lebenslänglichem Zuchthaus, bei Todesfolge, auch wenn diese nicht gewollt ist, m i t Todes st rase. Parteien und Polizei. Keine Parteiformaiionen als .Hilfspolizei. Berlin, 6. Aug. (CAB.) Die Besprechungen des Reichsinnenministers mit den Ministerpräsidenten von Oldenburg, Mecklenburg.Schwerin sowie mit dem Innen- Minister von Braunschweig haben, wie amtlich erklärt wird, sichergestellt, daß keinerlei Parteiformationen in staatlichen Funktionen verwendet werden dürfen. Die Verwendung von Formationen, denen polizeiliche Befugnisse übertragen werden, ist nicht zulässig. Unter der Ueberschrift: „Polizei und SA. — Gemeinsam für Deutschland" berichtet der nationalsozialistische „A n g r i f f" von einem kameradschaftlichen Abend der Führer der Untergruppe West, zu dem etwa 50 Polizeibeamte in Uniform erschienen feien und in dessen Verlauf ein Polizeioffizier das Beisammensein als erstes sichtbares Zeichen für gemeinsamen Kampf für ein nationales Deutschland bezeichnet habe. Zum Schluß sei ein Vorbeimarsch aller 3C0 Teilnehmer einschließlich der Polizeibeamten vor dem Gruppenführer Graf Helldorf erfolgt. Wie amtlich mitgeteilt wird, wird dieses Vorkommnis dem preußischen Etaatsministerium Anlaß geben, in einem Erlaß erneut zu betonen, daß Polizeibeamte sich jeder parteipolitischen Betätigung zu enthalten hätten. Reue Ausschreitungen in Ostdeutschland. (In 2 öhen wurde derReichsbannerfüh. rer Kurt Kotzan vor demDürodes2and- arbeiterverbandes erschossen. Kohan war mit mehreren anderen Aeichsbannermitglie- dern am Abend aus dem Büro gekommen und durch die Straßen gegangen. Hierbei traf er auf SA.-Leute, mit denen die Reichsbannerleute in Auseinandersetzungen kamen. Während der Reichsbannermann Piontek zum Büro zurücklief, um Polizei herbeizurufen, krachte ein Schuß hin- ter ihm her. P. konnte jedoch das Büro erreichen und die Tür hinter sich verschließen. Kotzan, der ihm gefolgt war, wurde von einem zweiten Schuß zu Boden ge st reckt und war a u f der Stelle tot. — 3n Königsberg wurden unter dem Verdacht der Mittäterschaft des Mordüberfalls auf den Chefredakteur Wyrgatsch und den kommunistischen Führer Schütz sieben Rationalsozialisten d e m E r - mittlungsrichter vorgeführt. Sechs von ihnen sind wieder freigelassen worden, da der Verdacht der Täterschaft unbegründet erscheint. Die Untersuchung gegen den in Hast befindlichen Rationalsozialisten schwebt noch. — Sn Anklam wurde a uf die Wohnung eines nationalsozialistischen Führers ein Feuerüberfall verübt. Unbekannt gebliebene Täter gaben fünf bis sechs Schüsse'ab, die jedoch nicht in die Wohnung deS Rational- sozialisten trafen, sondern in die Wohnung eines SPD.-Mannes gingen. Der lljäh- rige Sohn des Sozialdemokraten erhielt einen Schenkelschuß, seine Tochter wurde durch Glassplitter verletzt. Die im gleichen Zimmer schlafenden Großeltern wurden ebenfalls verletzt. Die Polizei hat einen Kommunisten fest» aenommen. — Sn Stolp (Pommern) wurden Revolveranschläge auf die Wohnungen linksgerichteter Person en verübt. Gegen 2.30 Uhr fielen im Grünen Weg mehrere Revolverschüsse, die auf die Wohnung des Reichsbannersührers Donnke gerichtet waren. Eine der Kugeln durchschlug zwei Scheiben eines Doppelfensters. Der Täter entkam anscheinend in einem Auto, denn wenige Minuten später wurden die Bewohner der am anderen Ende der Stadt liegenden Präsidentenstraße durch mehrere futA hintereinander fallende Schüsse geweckt. Es wurden fünf Schüsse auf d i e Wohnung des Kommuni st en Meier abgegeben. Die Schüsse trafen aber nur die Hauswand. Verletzt wurde niemand. In R a t i b o r mürbe auf die Hauptgeschäftsstelle des Zentrumsblattes „Oberschlefische Rundschau" eine Eierhandgranate geschleudert, die die große Schaufensterscheibe der Geschäftsstelle' völlig zertrümmerte. Der Täter isk unerkannt entkommen. — In L i e g n i tz wurden auf die erleuchteten Fenster des Braunen Hauses von unbekannten Tätern mehrere Pistolenschüsse abgegeben; Personen wurden nicht verletzt. Kurz darauf wurde auf ein anderes Haus, in dem sich die Unterkunft der NSDAP, be- findet, mehrere Pistolenschüsse abgegeben. Auch hier wurden Personen nicht verletzt. — In Groß-Neudorf bei Brieg wurde auf die Wohnung des SPD.-Mitgliedes und Reichsbannerfunktionärs Wenzel mehrere Pistolenschüsse abgegeben. Die Kugeln gingen in die Wand; verletzt wurde niemand. Kurz vorher war in Moselache in die Wohnung des SPD.-Mitgliedes Kalle mit Pistolen geschossen worden. Auch hier wurde niemand verletzt. — In Hindenburg warfen etwa 20 Kommunisten Steine-gegen das S A. - H e i m und zertrümmerten die Fensterscheiben. Als daraufhin etwa 20 SA.-Leute aus dem Hause heraus- kamen, zogen sich die Kommunisten zurück. Dabei fielen etwa acht Schüsse, die, wie die SA.- Leute aussagten, von den Kommunisten abgegeben wurden. Beim Eintreffen der Polizei ergriffen die Kommunisten die Flucht. Es gelang der Polizei einen von ihnen f e st z u n e h m e n. Ein Nationalsozialist wurde durch einen Steinwurf verletzt. Die Revolverhelden im Chemnitzer Kaffeehaus „Herold", wo ein Dentist getötet wurde, gehören der KPD. an. Es gelang, einen von ihnen fest,zu- nehmen. Es handelt sich um den 28 Jahre alten tschechoslowakischen Staatsangehörigen Ferdinand Bartl, der in Chemnitz wohnt. Kabineilskrisis in Schweden. DerKreugerfkandal zieht seine Kreise. — Ministerpräsident Ekman zurückgetreten Stockholm, 6. Aug. (WTD.) Ministerpräsident Ekman hat im heutigen Kronrat dem König sein Rücktrittsgesuch übermittelt. Ueber die Beweggründe zu diesem Schritt heißt es in einer amtlichen Regierungserklärung: „Der Grund zu dem Rücktritt des bisherigen Ministerpräsidenten Ekman ist. daß er außer der Summe von 50 000 Kronen, die er im September 1931 von Kreuger entgegennahm, Anfang Februar d. S. noch ein zweites Mal 5 0 0 0 0 Kronen für die freisinnige politische Organisation von Spar Kreuger erhielt. Dieser Betrag ist jetzt a n d i e Konkursverwa11ung zurückge- z a h 11.“ — Wie die Schwedische Telegraphenagentur hierzu erfährt, hat Ekman die letztgenannte Summe aus eigenen Mitteln zurückgezahlt. Die plötzliche Abberufung des Ministerpräsidenten hat großes Aufsehen erregt. An Stelle Ekmans ist der bisherige Finanzminister H a m - rin zum Ministerpräsidenten er- n a n n t worden. Er behält vorläufig das Finanzministerium weiter. Die Regierung ist ferner durch die Ernennung des Unterstaatssekretärs im Finanzministerium T. P. 3. Petersson zum Minister ohne Portefeuille ergänzt worden. Die amtliche Erklärung über die Gründe des Rücktritts Ekmans wird durch eine Auslassung von Generaldirektor Strindsbevg und Rechtsanwalt Forßner, die den Kreuger-Rachlaß verwalten, ergänzt. Sie teilen mit, dah Kreuger während seines Aufenthalts in Reuyork im Sa» nuar oder Februar d. 3. einen Scheck von 50 000 Kronen in der Chase Rationalbank hat kaufen lassen. Auf die eingeschriebene Sendung hatte Kreuger persönlich die Adresse des Ministerpräsidenten Ekman geschrieben. Als die beiden Rachlahverwalter im Beisein eines Kabinettsmitgliedes am letzten Donnerstag den 4. 8. Ekman aussuchten, verneinte er den Empfang des Schecks. Die Bank lieferte jedoch den Scheck aus, und als dann die beiden Rachlahverwalter nochmals am Donnerstag Ekman aufsuchten und den Scheck zeigten, erklärte Ekman, daß die Unterschrift auf dem Scheck nicht von ihm stamme. Die Rachlahverwalter erklärten hierauf, dah sie gegen den Ministerpräsidenten Regreßklage anstrengen müßten. Die Rachlahverwalter informierten mehrere Mitglieder des Kabinetts, worauf beschlossen wurde, dem König die Angelegenheit zu unterbreiten. Ekman gab dann zu, daß er den Scheck erhal - t e n habe. Er habe es am Tage vorher bestritten, weil Kreuger ausdrücklich verlangt habe, dah der Absender nicht genannt werden dürfe. Ekman erklärte sich schließlich bereit, die Summe zurückzuzahlen, was auch geschehen ist. Einweihung des Beinhauses von Douaumont. Das Ehrendenkmal für die französischen Gefallenen der Schlachten um Verdun. Paris, 7. August. (TU.) Tausende von Besuchern trafen am Samstag in dem auf Tributkonto vollkommen neu erbauten, verschönerten und erweiterten Verdun ein, um an den Gedächtnisfeierlichkeiten für die französischen Gefallenen teil- zunehmen. Don allen Gebäuden weht die Trikolore, und die alte Festung prangt in kriegerischem Schmuck. Nicht weit von Verdun, auf der Höhe von Douaumont, wurde die mit einem hohen Turm versehene T o t e n h a 11 e errichtet. Am Samslagvor- mittag fand bereits eine Pontifikalmesse in der Kathedrale statt, worauf Schulkinder aus allen Gegenden der Provinz einen Umzug veranstalteten und auf den französischen Kriegergräbern Blumen niederlegten. Nachmittags fand auf dem Nationalfriedhof von Douaumont an den Gräbern der Kolonialtruppen ein mohammedanischer Gottesdienst statt. Um 18 Uhr marschierten die Fahnenkompagnien der Regimenter auf, die an den Feierlichkeiten teilnehmen. Am Sonntag wurde dann das Beinhaus von Verdun, das die sterblichen Ueberrefte von 300 000 französischen Soldaten enthält, die bei den Kämpfen um Verdun den Tod gefunden haben, vom Präsidenten der französischen Republik im Beisein des Kriegsministers, des Pensionsministers und einer Reihe anderer Mitglieder des Kabinetts ein- geweiht. Die Garnison von Verdun, der Große Generalstab und Tausende aus der Bevölkerung nahmen an der Feier teil, die mit einer großen Truppenschau endete. Präsident Lebrun begab sich am Sonntagoormittag nach einer Kranzniederlegung am Siegesdenkmal zum Rathaus, wo Begrüßungsreden ausgetauscht wurden. Am Vormittag fand ferner am Fort Douaumont die Ein- I weihung einer Erinnerungstafel statt, die folgende | Inschrift hat: „Am 24. Oktober 1916 wurden vom I Kolonial-Infanterieregiment von Marokko, verstärkt • durch das 43. Bataillon Senegalesen und Zwei Kompagnien Somalis in einem bewundernswerten Angriff die ersten deutschen Stellungen erobert. Unter «dem Befehl des energischen Kommandanten Regnier konnte der Widerstand des Feindes gebrochen und zwei Kilometer in die feindlichen Reihen vorgedrungen werden." Sn den Rachmittagsstunden folgte die feierliche Einweihung des Deinhauses. Marschall P e - t a i n erinnerte an die furchtbaren Kämpfe und lobte das heldenmütige Verhalten der französischen Truppen, das den kommenden Generationen als Vorbild dienen müsse. Kriegsminister P a u l- B o ncour gab dem Wunsch Ausdruck, daß das Ringen um Verdun das letzte gewesen sein möge, das Frankreich je erlebt habe. Der französische Soldat habe fein Leben dem Vaterland geopfert, weil er in dem Sieg Frankreichs die einzige Möglichkeit gesehen habe, die Wiederholung eines derartigen Krieges unmöglich zu machen. Er glaube nicht, dah es sich bei dieser Hoffnung um eine nie erfüllbare Sllufion handele. Der Kriegsminister erinnerte dann an die verschiedenen internationalen Abkommen zur Verhinderung des Krieges und bezeichnete es als Gefühlsduselei, wenn man nach Frieden schreie, ohne ihn zu organisieren. Es sei ein Hirngespinst, zu glauben, den Krieg unmöglich zu machen, solange der Schiedsrichter feinen Schiedsspruch nicht aufzwingen könne. Dor den Toten von Verdun habe Frankreich die Pflicht, mit doppelter Energie an der eigenen Sicherheit und der Organisierung des Friedens zu arbeiten. Präsident Lebrun bezeichnete das Schlachtfeld von Verdun als den Friedhof Frankreichs. Er erinnerte an die 400 000 Soldaten, die bei der Verteidigung der Stadt ihr Leben lassen muhten. Sahre würden vergehen, bis die Ralur wieder das Vortriegsgesicht angenommen habe, soweit dies angesichts der unzähligen weißen und schwarzen Kreuze überhaupt möglich sei. Es sei jedoch ein Trost, daß diese Kreuze als Zeugen und gleichzeitig alsWarnungfürdiek o m- wende Generation errichtet worden seien, um sie vor ähnliche,n Wahnsinn zu' bewahren. Cs gebe wohl kaum einen Menschen auf der Erde, ob Sieger oder Besiegter, der vor einem ähnlichen Anblick nicht mit Abscheu vor den Greueln des Krieges zurückschrecke. Das republikanische Frankreich, das das traurige Vorrecht habe, auf eigenem Boden die Rachwehen des Krieges zu bewahren, habe keine Lehren nötig. Die Opfer, die es feit Beendigung des Völkerringens hergebracht habe, seien der beste Beweis hierfür. Auf diesem Wege werde es auch in Zukunst fortfahren. Aber man dürfe nicht verlangen, daß es seine Sorge um die eigene Sicherheit a u f g e bc, so lange der Geist des Friedens nicht überall durchgedrungen sei und so lange nicht die Grundlagen einer allgemeinen Sicherheit geschaffen worden seien, auf denen alle Staaten eine Zuflucht fänden. — Sm Anschluß an die Einweihungsrede des Staatspräsidenten wurde eine Minute Stille gewahrt, worauf die Truppen der Garnison Verdun vorbeimarschierten. Präsident Lebrun begab sich darauf im Kraftwagen zu seinem Sommersih. Bombenanschlag bretonischer Separatisten. 40v-Zaßrseier des Zusammenschlusses der Bretagne mit Frankreich. Paris. 7. Aug. (TU.) Ministerpräsident Herriot nahm am Sonntag an der 400-3ahr-> feier des Zusammenschlusses der Bretagne mit Frankreich in Vannes teil. Herriot betonte u. a., daß Frankreich bei den Reparations- und auch bei den Abrüstungsverhandlungen imGeisteBriands gehandelt und das erreicht habe, was in den jetzigen Zeiten, in denen noch sehr viel Verwirrung herrsche, überhaupt möglich fei. Herriot benutzte die Gelegenheit, um noch einmal allen Staaten zu danken, die mit Frankreich durch die „gleiche Liebe zur Freiheit" verbunden seien. Die französische Regierung werde sich durch keinen Zwischenfall beirren lassen, sondern auch in Zukunft als Beispiel für die Vernunft und den gesunden Menschenverstand dastehen. 3n engem Zusammenhang mit diesen Feierlichkeiten steht nach Ansicht der zuständigen Behörden ein Bombenanschlag, der in den frühen Morgenstunden des Sonntags auf das Denkmal des Vorkämpfers des französisch-bretonischen Anschlusses. Sean Boucher, verübt wurde. Gegen 5 Uhr wurde die Bevölkerung durch einen furchtbaren Knall aus dem Schlafe gerissen. Der Platz vor dem Rathaus war in eine dichte Rauchwolke gehüllt. Als sich der Rauch verzogen hatte, sah man einen wüsten Trümmerhaufen. Das Denkmal ist völlig zertrümmert worden. Man nimmt an, daß der Anschlag von bretonischen Separatisten verübt worden ist. Zwei Personen wurden verhaftet. Amerika gegen die französische Handelspolitik Paris, 6. August (WTB.) Der vor kurzem wieder auf seinen hiesigen Posten zurückgekehrte amerikanische Botschafter Edge hat ein Memorandum am Quai d'Orsay überreicht, das den amerikanischen Standpunkt in der Frage der amerikanisch-französischen Wirtschaftsbeziehungen im all- meinen und die Wünsche Amerikas nach 2lusarbeitunfl eines neuen Handelsvertrages im besonderen behandelt. Die Vereinigten Staaten wenden sich darin sowohl gegen die französische Kontingentierungspolitik als auch gegen den vor einiger Zeit erfolgten Abschluß eines französisch-belgischen Handelsabkommens, das das Kongo-Kupfer im Gegensatz zum amerikani- schen mitVorzugszöllen bedenkt. Washington erblickt darin eine Diskriminierung feiner Handels- interefsen, während man hier die Ansicht vertritt, daß eine Vorzugsbehandlung gewisser amerikanischer Erzeugnisse Konzessionen Amerikas auf finanziellem Gebiete voraussetzen würde. Aufständischenführer wegen Mißhandlung eines Deutschen verurteilt Siemianowih, 5. Aug. (CRD.) Der Führer der früheren Siemianowitzer Aufständischen Felix K u r c z h k, der sich wiederholt schwerer Terrorakte gegen Angehörige der deutschen Minderheit schuldig gemacht hatte, stand wegen eines ähnlichen Vorfalles erneut vor dem Kattowitzer Gericht. Er hatte ohne jeden Grund einen deutschgesinnten Bergarbeiter überfallen und schwer verletzt. Trotz der außerordentlichen Roheit der Tat hatte seinerzeit die polnische Polizei den Ueberfallenen auf den Weg der Privatklage verwiesen. Vor dem Gericht konnte der Angeklagte die Ausschreitungen nicht bestreiten, bat aber trotzdem um Freispruch mit der Begründung, daß er „ein guter Patriot" und ein »tüchtiger Auf. ständischer" sei. Das Gericht gab auf diese „Argumente" nichts, sondern erkannte auf zehn Tage Gefängnis. Diese Strafe ist für den Verurteilten insofern empfindlich, als er, eben- falls wegen einer Kötperverlet- zung gegenüber einem Minderheitenangehörigen vor kurzer Zeit zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden ist, für die ihm aber eine Bewährungsfrist zugebil- ligt worden war, die mm durch die neue Verurteilung hinfällig geworden ist. Vorerst keine Gihung -es preußischen Landtags. Die für den 16.'August anberaumte Sitzung fällt aus. Berlin, 6. 2lug. (WTB.) Der Präsident des Preußischen Landtags Kerrl hat auf Ersuchen des nationalsozialistischen Fraktionsführers Kube die für den 16. und 17. August vorgesehene Landtagstagung abgesagt. Den Fraktionen soll Enoe nächster Woche Mitteilung darüber zugehen, wann die Sitzung stattfinden soll. Abg. Kube habe den Wunsch nut Vertagung der Landtagsberatungen damit begründet, daß in der übernächsten Woche eine große Tagung aller nationalsozialistischen Abgeordneten aus Reichstag und Landtagen abgehalten werde. Da die letzte Landtagssihung aufgeflogen und nicht ordnungsmäßig abgeschlossen war, hat der Präsident ohne weiteres das Recht, den Termin der nächsten Tagung festzusehen, und er kann daher auch auf Grund des letzten Beschlusses des Aeltestenrates eine Aen derung des Termins vornehmen. Der Präsident ist der Mei- nung, daß in diesem Falle der Wunsch einer großen Fraktion vorliege, dem stattzugeben der LIebung des Landtages entspreche. Der Kurs -es Zentrums. Aeutzcrunücnder„Kölnischen'Äolkszei1untt". Köln, 6. Aug. (TLl.) Die „Kölnische Volkszeitung" schreibt über den Weg des Zentrums u. a.: Die Zentrumspartei wird nicht billigen, was gegen Legalität verstößt und sie wird nicht für Handlungen zu haben sein, die auf verfassungswidrige Diktatur hinauslaufen. Sie wird mit Hartnäckigkeit prüfen, was mit Legalität zu vereinbaren ist und wird sich nicht imponieren lassen durch Stimmkraft oder Säbelaufftoßen. Vorläufig ist für das Zentrum nichts eilig. Eile ist nur für eine Regierung notwendig, die viel versprochen hat und vor allem zusehen muß, wie sie das seit Aufhebung des Llnisormverbots schwer erschütterte Vertrauen in die Staatsautorität wiederherstellen kann. Diese Regierung muß ernst machen mit den Maßnahmen, die sie angekündigt hat, um den Terror zu brechen, von dem nun feststeht, daß er in Ostpreußen von SA.-Leuten ausgeübt wurde. Hier gilt es Farbe zu bekennen. Hier ist Gelegenheit, zu beweisen, ob man in gleicher Weise nach rechts wie nach links vorgehen will. Das Zentrum hat keine Veranlassung denen, die es auf seine Vernichtung abgesehen hatten, irgend einen Dienst zu tun. Das Zentrum wird natürlich nicht in den wärmenden Strahlen eines Wahlerfolges sitzen bleiben: es wird streng prüfend umhergehen und nach dem Rechten sehen. Aber jeder, der gesehen, wie übel man ihm mitzuspielen versucht hat, wird verstehen, wenn es skeptischer als sonst ist und alles darauf anlegt, diejenigen mit Verantwortung zu belegen, die so heftig danach gedrängt haben und diejenigen, die sie schon besitzen. Oer freiwillige Arbeitsdienst in Anhalt. Dessau, 7. August. (WTB.) Das anhaltische Staatsministerium erklärt, daß der staatliche Freiwillige Arbeitsdienst in Anhalt, der erste dieser Art in Deutschland, s i ch ausgezeichnet bewährt habe. Es werden Angehörige aller politischen Parteirichtungen e i n g e st e l l t. Der Arbeitsdienst werde jedoch auf einer gesunden nationalen Grundlage durchgeführt. Nicht nur aus Anhalt, sondern aus dem gan- den Reiche gingen täglich Anmeldungen ein, so daß sich das Ministerium zu einer Erweiterung des Arbeitsdienstes entschlossen habe. Schwierigkeiten in Ottawa. Das kanadische Vorzngszollangeboi für England ungenügend. Ginnfeiner-Atientai auf den britischen Oominion-Minister verhindert. Ottawa, 6.Aug. (TU.) Die kanadische Polizei Ottawa, 7. Aug. (TU.) Die englischen Sachverständigen haben die Nachprüfung der kanadischen Vorschläge beendet. Sie haben dabei festgestellt, daß die kanadischen Schätzungen, über die der englischen Industrie eröffneten neuen Ausfuhrmöglichkeiten gewaltig übertrieben sind. In diesem Sinne wurde der kanadische Ministerpräsident Bennett verständigt.-In den Kreisen der englischen Abordnung wird erklärt, daß die kanadischen Vorschläge n o ch nicht einmal die Mindestforderungen Englands hinsichtlich des Absatzes von Eisen und Stahl, Baumwoll- und Wollwaren erfüllten. Während die Kanadier amtlich die Erhöhung der Ausfuhrmöglichkeiten englischer Waren nach Kanada mit 11 Millionen Pfund angegeben hatten, berechnen die nglischen Sachverständigen diese Zahl auf w e n i g e r a l s 4 Millionen Pfund. Die Arbeit der Konferenz konzentriert sich nunmehr auf die Auseinandersetzungen zwischen Eng. land und Kanada. Biel wird davon abhängen, wieweit Bennett sich von den Bindungen an die kanadischen Industriellen freimachen und sie zu einem großzügigen Standpunkt etwa in der Form über- zeugen kann, daß weitergehende Zugeständnisse an England eine Belebung des Gesamthandels mit sich bringen würden. Lord Beaverbrok bringt in seiner „Sunday Expreß" einen scharfen Angriff gegen Baldwin und die englische Regierung. In dieser Woche werde das Schicksal des englischen Weltreichs entschieden. Sollten Baldwin und seine Ministerkollegen nach England zurückkehren, ohne ihr Ziel erreicht zu haben, so würde Die Regierung in Stücke gehen. Es gehe um die Wahl zwischen dem Macdonaldschen Internationalismus und dem Erbtum des englischen Weltreiches. hat einen Linnfeiner-Anfchlag auf das Leben des englischen Ministers für die Dominien, Thomas, entdeckt und in Verbindung hiermit einen Iren namens danMalone in Toronto festgenom- m e n. Der Anschlag sollte während der Feierlichkeiten zur Eröffnung des welland-kanals stattftn- den. Die Polizei hatte Malone überwachen taffen und dabei eine Besprechung abgehört, in der er seine verbrecherische Absicht darlegte. 100 Detektive waren aufgeboten, um Thoma» zu bewachen, da schon vor Beginn der Konferenz hartnäckige Gerüchte über beabsichtigte Anschläge auf englische Minister im Umlauf waren und sie hat jetzt den Schuh für Thomas und Baldwin noch verstärken lassen. Gleichzeitig wurde eine Anzahl von Kommuni st en in Hamilton am Ontario- See verhaftet, wo über 100 Mitglieder der Vttawaer Konferenz zur Eröffnung des Kanals eingetroffen waren. Oer irische Konflikt. De Valera verteidigt Seine Politik. Dublin, 7. Aug. (TU.) Das Parlament des Irischen Freistaates genehmigte mit 58 gegen 43 Stimmen den von de Valero eingebrachten Rötst andskredit in Höhe von 2 Millionen Pfund de Valero war während der Verhandlungen Zielscheibe heftiger Angriffe. Der Führer der mit ihm verbündeten Arbeiterpartei warf Oie neue Verwaliungseinteilung in Hessen-Nassau. lleberall Proteste der betroffenen Kreise. WSR. Kassel, 7. Aug. Die starke Erregung in den von der Reueinteilung betroffenen kurhessischen Kreisen hält unvermindert an. Scharfe Proteste werden eingelegt und die wirtschaftlichen Schäden für die Kreisinsassen in den Vordergrund gestellt. Vertreter der zwölf Gemeinden des Kreises Biedenkopf, die nach Frankenberg einb er Iei6t werden sollen, sind in Dattenberg zusammengekommen, um gegen diese Maßnahme zu protestieren. Trotz der mehrfachen Zusicherungen seien die Krei skörperscha f - ten nicht gehört und die wirtschaftlichen und kulturellen Interessen der Bevölkerung nicht berücksichtigt worden. Was Volkstum und Stammverwandtschaft anbelange, so sei dos Edertal ein unteilbares Ganzes mit dem hessis chen Hinterland und habe in diesen Punkten nichts Gemeinsames mit der kurhessischen Frankenberger Bevölkerung. Wirtschaftlich und berufsständisch fei es nach Frankfurt a. M. und Wiesbaden orientiert. Weitere Schritte gegen die Aufteilung des Kreises Biedenkopf sind angekündigt. In Frankenberg ist man natürlich von der in Aussicht stehenden Erwerbung des Amtes Fra-nkenbevg, das sowohl geographisch wie auch geschichtlich und ethnologisch mit dem Kreise Frankenberg eine zusammengehörige Einheit bilde, sehr erfreut. Die Bemühungen zur Erhaltung der Selbständigkeit des Kreises Kirchhain werden weiter fortgesetzt. Rachdem die nach Berlin entsandte Kommission zurückgekehrt ist, mußte man erfahren, daß an einer Zusammenlegung der beiden Kreise Marburg-Land und Kirchhain nichts mehr zu ändern sein wird. Man versucht nun, den S itz des neu z u bildenden Kreises nach Kirchhain zu bekommen. Kreisausschuh, städtische Körperschaften, Kreisbauernschaft nahmen einmütig gegen die Reuregelung Stellung. Der Vorsitzende und die Mitglieder des Kreisausschusses W o l s h a g e n veröffentlichen eine Mitteilung, wonach sie einmütig der Auffassung sind, daß die Zusammenlegung des Kreises Wolfhagen mit dem Landkreis Kassel für den Kreis Wolfhagen und seine Bevölkerung in jeber Richtung unerträgliche Folgen haben wird. Sie sind daher willens, auf Grund eingehenden und erschöpfenden Materials bei den zuständigen Staatsbehörden vorstellig zu werden, um diese Lösung rückgängig zu machen. Vertreter des Kreises Homberg, an der Spitze der Landrat Freiherr von Funck, sind in Berlin wegen der Zusammenlegung der Kreise Homberg und Fritzlar vorstellig geworden. Aus dem Innenministerium wurde ihnen der Bescheid, daß an der Zusammenlegung der Kreise Homberg und Fritzlar nichts zu ändern sei. Der Kreisausschuß des Kreises Gersfeld hat in einer Entschließung Einspruch gegen die Auflösung des Kreises Gersfeld erhoben. „Die Zusammenlegung der Kreise Fulda und Gersfeld bringt für Gersfeld überwiegend Nachteile mit sich. Eine etwaige geringe Einsparung in der Dermal- tung wird durch die Mehrkosten aufgehoben, die den einzelnen Kreiseingesessenen im Verkehr mit dem neuen Landratsamt erwachsen. Der Einfluß der Kreiseingesessenen auf die Erledigung ihrer Angelegenheiten im Rahmen der Selbstverwaltung wird ganz gering. Das ist umso bedauerlicher, als der Kreis Gersfeld durch feine geschichtliche Ent- Wicklung und in seiner durch die Höhenlage bedingten Bodenbeschaffenheit und Wirtschaftsweise e i n in s i ch völlig abgeschlossenes Gebilde darstellt, das durchaus anders geartet ist, als der Kreis Fulda. Sehr nachteilig muß sich die Zusam- menlegung für d i e kleine Kreisstadt Gersfeld und ihre Bewohner auswirken, die mit dem Verlust des Landratsamtes einen erheb- lichen Ausfall an Bedeutung und an Kauf- und Steuerkraft erleidet." Briefmarken - weri-efiän-ig! Zeder zehnte Deutsche interessiert sich für Briefmarken. — fester internationale? Kurswert. — Oer Schah in der Bodenkammer. Eine Reportage von Liliom. Es gibt in Deutschland ungefähr tausend Briefmarkenhandlungen und 17 6 Briefmarken- sammleroereine. Das heißt, daß allein in Deutschland sich Tausende und Abertausende für Briefmarken interessieren müssen, daß Tausende sammeln, daß Tausende heute noch erhebliche Summen für Briefmarken ausgeben. An saft allen Briefmarkenläden steht angeschrieben: „Wir kaufen guterhaltene Einzelstücke und ganze Sammlungen." Das deweißt, daß die Nachfrage vorhanden ist, daß ständig das Lager aufgefüllt werden muß, daß also gut verkauft wird. Stimmt das? Der Inhaber eines in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gegründeten Geschäfts gibt bereitwillig und freundlich Auskunft. „Jeder zehnte Mann in Deutschland interessiert sich für Briefmarken. Oder vielleicht müßte man genauer sagen: jedes zehnte männliche Wesen, denn die Herren sind ja oft noch in sehr jugendlichem Alter. Von fünfzig Menschen, die an meinem Schaufenster vorbeigehen, bleibt mindestens einer stehen und sieht sich die Marken an — unter ihnen viel Frauen. Und trotzdem geht natürlich das Geschäft nicht so gut wie m früheren Jahren. Aber das liegt bestimmt nicht an einem Erlahmen des Interesses, sondern einfach an der wirtschaftlichen Lage. Das Interesse für dieses Sammelgebiet wächst sogar. Welche Arten von Marken wir verkaufen? Die ganz billigen und die ganz teuren. In geringem Maße werden auch ganze Sammlungen verkauft." Man möchte gerne erfahren, ob die neue Leidenschaft, Autogramme von Filmlieblin- g e n zu sammeln, ob das Sammeln von Zigarettenbildern und ähnlichen Dingen dem Briefmarken- händler nicht gerade einen großen Teil der jugendlichen Kundschaft weggenommen habe. Er verneint. Denn Automatenbilder habe es früher in seiner Jugend auch gegeben, man habe sie gesammelt, aber si« seien nie zu einer wirklichen Leidenschaft geworden wie das Briefmarkensammeln. Vor allem aber: sie stellen ja keine wirklichen Werte dar. Mit Briefmarken aber kann man sich langsam ein kleines Vermögen, ein wertbe ständiges Vermögen sogar, zusammenholen. Wieso wertbeständig? Sei eine Sammlung denn auf alle Fälle und immer loszuschlagen? Ja, wenn nicht bei den großen Händlern, dann bei den staatlichen Briefmarken-Versteigerungsunternehmen, der „Salle de Venie" in Paris, dem „Dorotheum" m Wien und einer ähnlichen Anstalt in London. Briefmarken haben einen genau notierten internationalen Wert. Sie werden immer ihre Preise erzielen, genau wie Kunstwerke. Wir wissen ja aus unserer kindlichen Sammelzeit noch recht genau, welche Unterschiede es zwischen Briefmarke und Briefmarke gibt. Da spielen Färb- nuancen eine große Rolle, da muß auf die U n - verletztheit des gezackten Randes geachtet werden, Wertunterschiede sind oft gewaltig zwilchen gestempelten und ungestempelten, und auch woher dieser Stempel stammt, und welches Datum er trägt, ist keineswegs ohne Bedeutung. Es gibt hier, genau wie bei Kupferstichen, besonders schöne, klare, alte Stücke, d i e sehr hoch bezahlt werden. Umso mehr, als die wirklich alten Briefmarken ja nur in verhältnismäßig geringer Anzahl vorhanden sind. Ob es vorkomme, daß man noch alte Stücke ausgrabe? Ja, mitunter, aber es sei eine Seltenheit. Und der Briefmarkenhändler erzählt eine Anekdote: Da kam eines Tages zu ihm ein verarmter pommerscher Adeliger, der ihm, gegen eine gewisse Provision, einen guten Tip gab. Seine Familie hatte seit Hunderten von Jahren einen Grundstücksstreit mit der Marienkirche in Berlin geführt, und die ganze Korrespondenz, die inzwischen längst einge- schläfen war, mußte sich noch in den Archiven der Kirche befinden. Man stelle sich die Ausbeute an alten deutschen Marken vor! Es gelang dem Briefmarkenhändler auch, bis zu dem Boden oorAubringen, auf dem der Küster die ganze alte Korrespondenz in Kisten untergebracht hatte, aber nachdem er einen ganzen Tag lang zwischen Staub und altem Gerümpel herumgesucht hatte und die Briefe endlich entdeckte, mußte er sehen, daß bei ihnen allen die Marken bereits ausgeschnitten waren. Dor Jahren schien da jemand auf die gleiche gute Idee gekommen zu sein ... vielleicht ein leidenschaftlicher Sammler. Wenn die alten Marken auch rar sind und sich kaum noch durch Entdeckungen vermehren, so werden doch von gewissen kleinen Staaten ständig neue Marken ausgegeben, und zwar hauptsächlich zum Zweck der Hebung der Staatsfinanzen. Denn jedesmal stürzen sich die Sammler natürlich auf diese neuen Stücke. Aber gerade dieses System hat in letzter Zeit zu vielem Mißbrauch geführt. Das allzuhäufige Herausgeben von Neuheiten droht den Briefmarken-Markt zu überschwemmen, Kontrollen sind kaum mehr möglich, und schon wenden sich die organisierten Briefmarkenhändler in einem Feldzug gegen diese „R a u b - N e u h i t e n". Sie wollen sie boykottieren — und damit würden diese Neuausgaben ja ihren Sinn verlieren. Die Leidenschaft für diesen Zweig des Sammelns ist übrigens noch nicht allzu alt. Erft 1865 hat man richtig angefangen, Briefmarken zu sammeln, und wenige Jahre später wurde die erste Handlung gegründet. Nun gibt es über tausend, und man hört nur selten davon, daß eine von ihnen eingeht. Die Geschäfte scheinen, auch wenn sie der Zeit entsprechend ein bißchen flau sind, doch nicht allzu schlecht zu sein. Der Briefmarkenhändler ist hoffnungsvoll. Sammeln ist eine zu menschliche Eigenschaft, als daß man mit ihrem baldigen Verschwinden rechnet! müßte. Und warum sollten die Leute ausgerechnet aufhören, Dinge zu sammeln, die wertbeständig sind? ihm Mangel an einer entschiedenen Politik und das Fehlen eines Planes zur Bekämpfung der Rotstandslage vor. Die Opposition hielt ihm vor, daß es nur an ihm liege, wenn es zu keiner Einigung mit England komme, aber de Valero sehe lauter Räuber. Er wolle aus Irland ein zweites Mexiko machen. de Valera erklärte in seiner Antwortrede, daß Irland für seine Rechte eintreten müsse. Gebe es nach, werde England ihm seinen Willen aufzwingen. Die Iren hätten das Recht, in voller Freiheit ihre Beziehungen zu anderen Mächten zu regeln. Er wies bann darauf hin, daß Belgien trotz seiner engen Rachbarschaft mit Frankreich und Dänemark ungeachtet seiner Angrenzung an Deutschland unabhängige Länder seien, der irische Freistaat aber läge viel weiter von England ab, als Belgien und Dänemark von ihren großen Rachbarländern. Er würde eine Unabhängigkeit, wie sie Dänemark und die Schweiz haben, einer Partnerschaft vorziehen, die. wenn sie auch Vorteile, so doch viele Rachteile habe. Wenn England dem Vorschlag eines internationalen Schiedsgerichts nicht vorziehe, so müsse es dazu gezwungen werden, de Valero erklärte dann mehrfach die Behauptung für unrichtig, daß in den letzten Monaten Waffen nach Irland eingeführt worden seien. Aus aller Welt. Eröffnung der Autostraße Köln—Bonn. Rach einer zeitgemäß schlichten aber eindrucksvollen Feier wurde die m-o dernste Autostraße Europas der Oeffentlichkeitübergeben. Die vierspurige, kreuzungsfreie, nur dem Kraft- wagenverlehr dienende Straße von Köln nach Bonn ist mit einem Kostenaufwand von 8,6 Millionen erstellt worden. Landeshauptmann Dr. H e r i o n übergab die Straße an die Provinz und an den ADAC, zur freien Benutzung. Oberpräsident Dr. Fuchs nahm unter anerkennenden Worten für die Provinz und alle am Bau Beteiligten die Straße in die Obhut der Provinz und zerschnitt das Band mit den Worten: „Möge diese Straße einen neuen Weg eröffnen in die Zukunft des Rheinlandes und des deutschen Vaterlandes." Hierauf setzte sich eine lange Autokolonne über die neue Straße in Bewegung. An dem „Strohenbahnhof" Wesseling wurde Halt gewacht. Hier gaben die am Bau beteiligten Dauräte der Rheinprovinz nochmals technische Erläuterungen über die Auf- und Abfahrtsrampe, die einzige Zwischenrampe auf der 21 Kilometer langen Strecke Köln—Bonn. Dann begann der Großverkehr in beiden Richtungen. Wegen Erbstreitigkeiten erschossen. Wegen Ermordung des 20jährigen Fabrik- arbelters Otto Thieme wurden der zwanzigjährige Schmied Willi Berndt und der öierunb- zwanzigjährige Fabrikarbeiter Otto P i e t s ch k e verhaftet und in das Wittenberger Unter- suchungsgeifängnis eingeliefert. Die Verhafteten haben bereits gestanden, In der Nacht zum 8. Juli den Thieme wegen Erbstreitigkeiten ermordet zu haben. Thiemes Schwester war die Braut von Berndt. Ebenfalls in das Gerichtsgefäng- nis eingeliefert wurde die Mutter des Ermordeten, die der Anstiftung zurErmordung ihres Sohnes beschuldigt wird. Die Täter sind außerordentlich geschickt vorgegangen. Da Thieme sich am 10. Juli wegen eines Diebstahls vor Gericht zu verantworten hatte, beschlossen die Mörder, ihn kurz vorher zu ermorden, um den Verdacht entstehen zu lassen, Thieme sei durch Komplizen beseitigt wor- den, die durch ihn vor Gericht belastet zu werden fürchteten. In der Mordnacht ging Berndt mit Thieme zum Angeln, worauf Pietschke den tödlichen Schuß abgab. Mutter und Kind vom Motorrad überfahren. In Kassel ereignete sich in der Leipziger Straße ein schwerer Berkehrsunfall. Eine Mutter, die mit ihrem Kinde den Fahrdamm überschreiten wollte, wurde von einem Motorradfahrer aus Groß-Almerode erfaßt und zu Boden geworfen. Die Frau trug eine schwere Gehirnerschütterung und einen komplizierten Bruch der Schädeldecke davon, während das Kind mehrere Armbrüche erlitt. Die beiden Verletzten wurden einem hiesigen Krankenhaus zugeführt. Die Schuldfrage muh noch geklärt werden. Schwere Explosion bei einem Trinkgelage. In Klein-Go rschüh (Ober-Schlesien) hielt eine Anzahl Bauern m't dem im dortigen Kreis als Getränk beliebten Aether ein Trinkgelage ab. Durch einen unglücklichen Zufall explodierte plötzlich die auf dem Tisch stehende Flasche. Vier der Teilnehmer erlitten schwere Brandwunden, so daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Einige weitere Zechgenossen kamen mit leichteren Ve r letzun- g e n davon. — Da Aether in Polen nicht im freien Verkauf zu haben ist, herrscht in Ost- Oberschlesien ein blühender Schmuggel mit diesem Detäubungsmittel aus der Tschechoslowakei. Drei Frauen durch Kohlenoxydgas getötet. Drei aus Oberschlesien stammende junge Erntearbeiterinnen, die auf dem Dominium Scheidel- wih beschäftigt waren, hatten sich zusammen ein Stübchen gemietet und führten gemeinschaftlich den Haushalt. An einem der letzten Abende heizten sie nach der Arbeit den eisernen Ofen, um ihre Kleider zu trocknen, worauf sie zu Bett gingen. Durch unvorsichtiges Hantieren am Ofen ist vermutlich Gas ausgeströmt. Am anderen Morgen fand man zwei der Arbeiterinnen bereits tot, die dritte wurde in hoffnungslosem Zustande in das Knappschaftslazarett nach Reurode überführt, wo sie bald darauf starb. Als Todesursache wurde Vergiftung durch Kohlenoxyd- gas festgestellt. 14. Internationaler Studentenkongreh in Riga. In R i g a eröffnete der lettisch« Außenminister Z a r i n s dieser Tage mit einer Begrüßungsansprache den 14. Kongreß des Internationalen Studentenverbandes, der von 200 Delegierten aus 20 Ländern beschickt ist. 40 Wagenladungen Obst ins Meer geschüttet. 2ln der spanisch-französischen Grenze in derbere wurden, einem Funkspruch aus Paris zufolge, 4 0 Eisenbahnwagen-Ladungen mit fpa- n i schern Obst ins Meer gestürzt, weil sie nicht nach Frankreich eingeführt werden durften. Das Obst stammte aus Südspanien und traf erst an der Grenze ein, als das französisch-spanische Abkommen über die Kontingentierung des Obstes bereits in Kraft getreten war. Da ein Verkauf in den Grenzorten sich als aussichtslos erwies, stürzte man die ganze Ladung, die einen Wert von etwa einer Million Franken hatte, ins Meer. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 6. August 1932. 3m Vorüberfahren ... 3m Gleichtakt der ratternden Räder führt mich mein Zug durch die Lande: aber nicht in rasendem Tempo hastenden Eilzuges geht die Fahrt, sondern im gemächlichen Zeitmaß ziehen wir von Station zu Station. Hier ein kleines Städtchen, dort ein winziges Dörflein und überall einige Minuten Aufenthalt. Fast überall auch stehen hinter dem Zaun der Dahnhofssperre neugierige Menschen, meist Mädchen und Frauen: und ihre Blicke gehen die Wagenfenster entlang, als wollten sie d^n im Zuge Sitzenden sagen: nehmt uns mit, ihr Glücklichen, die ihr aus den Tages ödem Einerlei entfliehen durftet in die Weite. Da draußen, so erzählt ihnen ihre Sehnsucht, ist alles seltene Erlebnis-Möglichkeit: da draußen vielleicht verwirklichen sich die Märchen von Glück, älnbewußt mag sich in diesen Zaungästen der Bahnhöfe der kleinen stillen Station die Sorge um ein Erfrieren der Seele regen. Daß sie wenigstens auf diese Weise ein klein wenig vom Wellenschlag der großen unbekannten Welt verspüren, ein wenig vom Duft des Windes, der über das große Feld des Tagesgeschehens weht. Mnb wenn dann der Pfiff der Lokomotive ertönt, wenn sich langsam und schwerfällig der Zug in Bewegung seht, dann sieht man sie wohl noch sich wie in still getragener Resignation Heimwärtswenden, entgegen ihrem kleinen Kreis der Pflicht, älnd in Gedanken wandere ich mit ihnen in die Ruhe der kleinen Gassen, begleite diese Frauen in die engen Räume ihrer Wohnungen, in denen sie in Küche und Keller emsig wirken und arbeiten, älnablässig und in ewigem Einerlei wächst ihre Tätigkeit im Wechsel von Tag und Rächt. Immer dringt der Staub durch die Fugen und wird weggefegt, immer wieder berufet die Herdflamme Tiegel und Topfe, und täglich müssen sie blankgeputzt werden: immer folgt eine Mahlzeit der anderen, und die Arbeit der Stunden wird von der Hast der Minuten verbraucht, Unb wenn am 2lbend die fleifeigen Hände müde in den Schofe sinken, dann scheint es, als sei alles Tun sinnlos und vergebens. Lind doch haben jene Frauen in den stillen versteckten Häusern vielleicht das bessere Teil erwählt als die, die in der wirbelnden Hast der Großstädte ihre Kräfte zermürben, ihre Rerven vergeuden. 3n dem lauten Treiben des Hastigen sind sie die unentbehrlich Wirksamen, sind sie der Segen, der die Lande begnadet. 3m engbegrenz- ten Pflichtenkreis erfüllt sich ihre Bestimmung, •unö wenn auch die Sehnsucht oft die Sinne der vorbeifahrenden Züge gleich in die Ferne treibt, so dürfen sie doch immer wieder heimkehren in den Frieden der tteinen Häuser. Solch ein Heimkehren ist ja den anderen, ins Ruhelose Gezwungenen, das heimlich begehrte Ziel, das zu erreichen ihnen nur selten gegönnt ist. Oie Versaffungsfeier in Gießen. Am 11. August im Stadltheater. Der Provinzialdirektor der Provinz Oberhessen und der Oberbürgermeister der Stadt Gießen, laden für Donnerstag, 11. August, zu einer Der. sassungsfeier ein, die im Stadttheater stattfinden wird. Das Programm der Feier bringt einleitend Wagners „Einzug der Gäste auf der Wartburg" auS „Tannhäuser", die Festouverture von Leutner, sodann hält Herr Generalsekretär Pau. lus Lenz (Frankfurt a. M.) die Festrede, an die anschliefeend das Deutschlandlied gesungen werden soll. Den Abschluß der Feier bildet der Alexan- der-Marsch von Leonhardt. Räheres, insbesondere über die Ausgabe der Eintrittskarten, ist aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich. Leere Arbeitsämter — überfüllte Wohlfahrtsämter. Zunehmende Belastung der Gemeinden. Arbeitslojenfür-sorge — Krisenfürsorge — Wohl- fahrstpflege sind bekanntlich die drei großen Unterstützungseinrichtungen. Die- Zahl der Arbeitslosen ist allmählich stabil geworden und schon jetzt ist der weitaus größere Teil in der gemeindlichen Unter st ützungsart, der Wohlfahrtspflege, angelangt. Es war vorauszusehen, daß dieser Zustand eintreten würde, erstaunlich ist, daß das Reich, trotz aller Ermahnungen von kom. munaler Seite aus so wenig Vorsorge getroffen hat. Die Arbeitslosenversicherung dient jetzt f a st nur noch der saisonmäßigen Erwerbs- l o s i g k e i t Dazu hat sie durch Herabsetzung der Leistungen, Verminderung der Unterstützungsdauer de» Personenkreis der Unterstützten immer mehr eingeengt, so daß in schnellerem Tempo die Er- werbslosen bei der Unterstützung der Gemeinden ankommen. Anfang 1930 waren 330 000 in der gemeindlichen Wohlfahrtspflege, Ende 1931 war die Zahl schon auf 1 697 000 gestiegen. In kurzem wird der Punkt erreicht sein, daß das Reich die Gelder einzieht und die Städte müssen bezahlen, ohne Anteil an den Erwerbslosenbeiträgen zu haben. Wie stark die Verschiebung, in Prozenten ausgedrückt, ist, kann man aus folgendem ersehen. Am 31. Dezember 1930 befanden sich 58 v.H. in der Arbeitslosenversicherung, 18 v. H. in der Krisenfür- sorge und 23 v. H. in der gemeindlichen Wohlfahrtspflege. Am 31. Dezember 1931 33 v. H. — 31 v. H. — 35 v. H. Oder nimmt die Zahlen in einzelnen Gemeinden, so waren beispielsweise die prozentualen Anteile in Dortmund (in obiger Reihenfolge) 1930: 52 — 16 — 31 und im Jahre 1931 23 — 31 — 45. Man sieht daraus die überaus starke Vermehrung der gemeindlichen La st. Um eine richtige Vorstellung von den kommunalen Lasten zu haben, genügt es aber nicht, bloß die Zahl der Arbeitslosen in der Wohlfahrtspflege festzustellen: die Gemeinden sind auch noch mit einem Fünftel an den Unterstützungsaufwendungen in der Krisenfürsorge beteiligt. Wenn man das berücksichtigt, dann steigt der Prozentsatz der Gemeinden bei den Gesamtleistungen am 31. Dezember 1931 auf 41 v. H. Dazu kommt noch, was die Gemeinden an zusätzlichen Unterstützungen für die in der Arbeitslosen- und Krisenfürsorge Betreuten leisten. Werden die Leistungen in der Arbeitslosen- und Krisenfürsorge herabgesetzt, dann steigt damit von selbst die Belastung der Gemeinden. Kaninchen-Jungtier Werbeschau. Der hiesige Kaninchen-Zuchtverein hielt am gestrigen Sonntag aus dem Kreise seiner Mitglieder heraus eine Ausstellung von Jungtieren ab, die im Laufe des Tages von feiten der interessierten Gießener und der auswärtigen Bevölkerung gut besucht war. Die Schau brachte eine Reihe sehr schöner Tiere, die Ergebnisse sorgfältiger, bewußter Zucktwahl, Tiere, deren Fell eine ausge- zeichnete Beschaffenheit aufwies und das in der Zeichnung wie auch in der Farbe sehr wohl gefallen konnte. Man sah das prächtige Braun der Hasenkaninchen, deren edle Formen besondere Aufmerksamkeit erregten, man sah ferner die Weißen Riesen, jene Albions, die durch ihr reines Weiß bestachen, die bekannten Belgier Riesen in einigen schönen jungen Exemplaren, das kurzhaarige Hermelin-Kaninchen, das Angora-Kaninchen mit dem wollartigen, zarten Fell, Cinchittas in verschiedenen Größen neben den reizvollen Blauen Wienern und viele andere mehr. Die Ausstellung bewies, daß im Gießener Kaninchenzuchtverein gute Arbeit geleistet wird und das Ziel, durch Züchtung den guten, fehlerfreien Pelz (und mit ihm Volkswirt- schaftlich gar nicht niedrig einzuschätzende Werte) zu schaffen, von vielen Züchtern erreicht werden konnte. Mit der Ausstellung war gleichzeitig eine Prämiierung verbunden, die folgende Ergebnisse zeitigte (Preisträger, hinter deren Namen der Ort nicht genannt ist, lind aus Gießen): Für Riesen-Belgier: Gg. Schellhaas E., 1. und 2. Preis: H. Rinn-Launsbach 3. Pr. Weiße Riesen: Gg. Schellhaas zwei 2. Pr.: Hottriegel 2 und 3. Pr.: Steuernagel 1. Pr.: Okel 3.Pr.; Becker-Wieseck 1. und 3. Pr. Groß-Cinchilla: Kaufmann zwei E., drei 2. Pr.; Gries drei 2. Pr.; Bender 2.Pr.: Schmidt 2.Pr.: Rinn 2.Pr. Weiße Wiener: K. Kirchner 1., 2. und 3. Pr.: Dolz- Heuchelheim 2. Pr. Hasen-Kaninchen: H. Becker 1., 2. und E. Kl ei n - C inchil la : Koch- Albach E. und 3. Pr. Englische Schecken: L. Kreiling zwei 1., drei 2. und 3. Pr. Schwarz- S i l b e r > Ka ni n ch e n: O. Steih 1. Pr. Holländer: H. Becker E. und 3. Pr. Angora- Kaninchen: H. Rinn-Launsbach zwei E., 1., 2. und 3. Pr.: K. Hartmann-Laubach E. und 2. Pr. Hermelin: I. Dolz-Heuchelheim E., zwei 1., zwei 2. und zwei 3. Pr.; L. Kreiling 1. Pr.: O. Steih 1. und 2. Preis. • •• Große Rettungsübung im Bergwerk. Die Sanitätskolonnen von Gießen, Leihgestern und Watzenborn-Steinberg veranstalteten am gestrigen Dormittag im Bergwerk eine groß- angelegte Rettungsübung, an der sich über 50 Sanitäter beteiligten. Angenommen war, daß sich im Kesselhaus des Bergwerkes eine Dampfkesselexplosion ereignete, bei der erstens durch die Eprengstücke verschiedene Arbeiter verletzt wurden, andere durch den ausströmenden Dampf Verbrühungen erlitten und außerdem Dergiftun- gen durch Kohlenoxydgas vorgekommen sind. Des weiteren wurde angenommen, daß ein Sprengstück das Seil des Förderkorbes durchschlagen hatte und der Förderkorb mitsamt den eben einfahrenden Mannschaften plötzlich bis zur Sohle des Schachtes hinabstürzte. Schwere Prellungen, Knochenbrüche usw. galt es hier zu behandeln. Zu allem Lleberfluß wurde noch angenommen, daß in einem Stollen durch Kurzschluß Feuer ausgebrochen war, das eine Anzahl Arbeiter in die Gefahr der Rauchvergiftung brachte. Für die Sanitätsmannschaften ergab sich die Aufgabe, diese Arbeiter mit Hilfe der zur Derfügung stehenden Rauchschuhgeräte aus dem gefährdeten Stollen zu holen. Die Sanitäter machten sich sofort mit großem Eifer an die Arbeit. Die Derwundeten aus dem Kesselhaus wurden sachgemäß verbunden, die Verbrühten behandelt, die Gasvergifteten mit dem Wiederbelebungsapparat wieder in das Leben zurückgerufen. Ein Teil der Mannschaften drang bis zum Förderschacht und in den brennenden Stötten vor und barg hier die Verunglückten. Ein neugieriger Zuschauer, der zu nahe an die Tagbau-Grube herangegangen und abgestürzt war, wurde unter schwierigen Umständen geborgen. Rachdem atte die Verunglückten auf einem Platze zusammengetragen worden waren, nahm Regierungs-Medizinalrat Dr. C o r t u m, Gießen, (als zweiter Arzt war Dr. Heil, Watzenborn-Steinberg, anwesend), die Kritik der einzelnen Hilfeleistungen vor und konnte dabei im allgemeinen feiner Befriedigung über die den Derunglückten zuteil gewordene erste Hilfe aussprechen. Die gesamte Hebung der Sanitätskolonnen, die unter der Leitung des Kolonnenführers Luch, ©iefeen, stattfand, nahm einen guten Verlauf. Die Schlagkraft und die Möglichkeit der guten Zusammenarbeit unter den Kolonnen wurde nachdrücklich bewiesen. ’* Freie Lehrer st eilen. An den Volksschulen der Orte Höckersdorf, Kölzenhain, Meiches, Rudingshain, sämtlich im Kreise Schotten gelegen, sind Stellen für je einen evangelischen Lehrer frei geworden. Für atte Lehrerstellen sind Dienstwohnungen vorhanden. VezirkSschöffengerichf Gießen. Gießen, 5. August. Eine Gemeinde Oberhessens hatte eine Anzahl von ausgesteuerten Arbeitslosen mit Steinbruchs- und Straßenbauarbeiten beschäf- tigt. Der inzwischen verstorbene Bürgermeister der Gemeinde hatte damit den Zweck verfolgt, den betreffenden Arbeitern wieder die Voraussetzung für die Erlangung von Arbeitslosenunterstützung zu verschaffen, damit sie nicht später als Wohlfahrts- erwerbslose der Gemeinde zur Last fielen. Es wurde jedoch die Arbeitszeit und die Lohnhöhe nicht erreicht, die notwendig war, um den Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung zu begründen. Trotz der nicht ausreichenden Beschäftigung waren die Versicherungsbeiträge von dem Gemeinderechner in voller Höhe bezahlt worden. Der Beigeordnete der Ge- meinbe hatte den Arbeitern Arbeitsbescheinigungen ausgestellt, in denen die wahre Beschäftigungszeit und der wirklich verdiente Lohn nicht richtig angegeben waren. Auf Grund dieser Bescheinigungen, die die Arbeiter dem Arbeitsamt vorgelegt hatten, war den Arbeitern mit Ausnahme von drei Fällen, in denen es infolge Entdeckung nicht mehr zur Auszahlung kam, Arbeitslosenunterstützung ausgezahlt worden. Arbeiter sowohl als auch Beigeordneter und Gemeinderechner standen nun wegen Betrugs bzw. wegen Betrugsoersuchs unter Anklage. Sämtliche Angeklagte brachten zu ihrer Verteidigung vor, daß sie über die wirklichen Voraussetzungen des An- spruchs auf Arbeitslosenunterstützung keinen Bescheid gewußt hätten. Sie behaupteten, sie hätten angenommen, daß es allein auf die Arbeitszeit und den Lohn, mit denen sie zur Versicherung angemeldet gewesen seien, nicht aber auf die tatsächliche Beschäftigungszeit und den tatsächlich verdienten Lohn ankomme. Sie hätten sich dabei auf die Angaben des damaligen Bürgermeisters verlassen. Das Gericht hielt auf Grund der Beweisaufnahme diese Behaup- tungen bezüglich sämtlicher Angeklagten mit Ausnahme des Mitangeklagten Beigeordneten für nicht einwandfrei widerlegt — in einem Fall konnte man auch Zweifel haben, ob die ausgestellte Bofcheini- gung tatsächlich falsch war — und sprach die An- geklagten mit Ausnahme des Beigeordneten mangels Beweises frei. Der Beigeordnete erhielt wegen Betrugs eine Gefängnisstrafe von 3 Wochen. Mit Rücksicht darauf, daß er nicht zum eigenen Vorteil gehandelt hatte, auch im übrigen bisher nicht be- (traft ist, billigte ihm das Gericht bedingten Strafaufschub mit einer Bewährungsfrist von br e i"Ja h re n zu. ©fraffamtner Gießen. Dießen, 5. Aug. Mehrere Angehörige einer politischen Partei, die von verschiedenen Amtsgerichten wegen Verbreitung von Flugblättern politischen Inhalts, weil diese nicht zuvor dem betreffenden Kreisamt bzw. der Polizeibehörde zur Einsicht vorgelegen hatten, zu Geldstrafen verurteilt worden waren, verfolgten gegen diese Llrteile Berufung. Die Angeklagten wollten freigesprochen sein, weil der Inhalt der Flugblätter keinen politischen Charakter trage. Dos Berufungsgericht stellte zwar fest, dafe es sich bei den fraglichen Flugblättern um solche politischen Inhalts handelt, mußte aber trotzdem unter Aufhebung der erstinstanzlichen Urteile auf Freisprechung sämtlicher Angeklagten erkennen, weil die Verordnung des Reichspräsidenten vom 28. März 1931, auf die in erster Instanz die Verurteilungen gegründet waren, durch die neue Rotvcrordnung vom 14. Juni d. I. inzwischen aufgehoben worden ist. An dem Tage der Landtagswahl im Rovcmber v. I. kam es in Dad-Rauheim vor einem Wahllokal zwischen Angehörigen der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei und Mitgliedern der kommunistischen Partei zu einem Zu- sammenstofe, weil einige Rationalsozialisten vor dem Wahllokal ein Transparent aufstellen wollten, auf dem Lichtbilder von in der vorausge- gangencn Rächt verletzten Rationalsozialisten zu sehen waren. Bei diesem Tumult äußerte ein Kom- munist, der jetzige Angeklagte, zu einem Nationalsozialisten, dabei diesem mit der Hand drohend: ..Heute nacht stirbst bu noch!" Wegen Bebrohung würbe ber Angeklagte durch bas Amtsgericht Lab- Nauheim zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Die von dem Angeklagten eingelegte Berufung hatte keinen Erfolg. Er bestritt zwar auch jetzt feine Täterschaft, doch würbe er auf Grunb einer umfangreichen Beweisaufnahme einwandfrei überführt. Seine Be- rufung würbe kostenfällig verworfen unb bas auf Zwei Wochen Gefängnis lautende erstinstanzliche Urteil bestätigt. Buntes Allerlei. Schiff zwischen Eisbergen. Eine aufregende Fahrt hatte der Cunard- Dampfer „Alaunia" hinter sich, der von Kanada mit zwei Tagen Verspätung in Plymouth eintraf. Das Schiff geriet bald nach der Ausfahrt in dichten Rebel, fo dafe es vier Tage lang nur mit langsamer Fahrt am Tage die Reise fortsehcn und in der Rächt ganz stoppen mußte, weil zahlreiche Eisberge in der Rähe gefahrdrohend vorüberzogen. An einem Rachmittag hob sich der Rebel für wenige Minuten, unb die Passagiere sahen mit Schrecken, dafe sie vottständig von Eisbergen umgeben waren. „Es war ein gewaltiger Eindruck", sagte einer der Mitfahrenden, „ein Eisberg, der sich in 30 Meter Höhe über dem Wasserspiegel erhob, glitt kaum mehr als 30 Meter an unferm Schiff vorüber". In äußerst vorsichtiger Fahrt gelang es dem Kapitän, der Tag und Rächt auf der Schiffsbrücke blieb, den Dampfer aus der gefährlichen Rähe herauszubringen. Oie Stimme der Micky Maus. Als er in dem vornehmsten Hotel Londons abstieg, trug er weiße Gamaschen und ein vornehmes Wesen zur Schau. Ins Gästebuch schrieb er mit großen Lettern: Gras Mazzaglia Eutelli. Alle, die um ihn standen, die von feinem prunk- haften Titel wußten, verbeugten sich so tief es ging. Knapp vierundzwanzig Stunden später ging es wie ein Lauffeuer durch die Stadt. Reporter und Photographen eilten um die Wette, um diesen vornehmen Menschen in näheren Augenschein zu nehmen. Denn es hatte sich plötzlich herum- gesprochen was eigentlich der Beruf dieses Grafen war. Sie wissen es nicht? Wollen wir wetten, daß Sie nicht schon seine Sttmme wiederholt ge- hört haben — allerdings ohne zu wissen, daß es sich hierbei um so etwas wie einen Grafen Mazzaglia Cutelli handelt? Äm es kurz zu machen: Graf Mazzaglia Cutetti ist die Stimme der Micky Maus. Jedes- mal, wenn in ihren Filmen ein hoher kindlicher Gesang angestimmt wurde, war es jener Graf. Er war die Stimme des weinenden Babys, in dem großen Abraham Lincoln-Film, der unlängst in Hollywood gedreht wurde. Er war das Gebell der Hunde in dem Chevalier-Film „Liebesparade". Seine Spezialität sind Ochsenfrösche, Känguruhs und Eisbären. Aber auch Rilpferden hat er in mancher mühseliger Stunde jede Schattierung ihres Organs abgelauscht. Bei Haselhühnern trifft er gleichfalls Die zarteste Ruance. Unb selbst der Elefant mit dem längsten Rüssel müfete sich verstecken, wenn Graf Mazzaglia Eutelli auf ele- fantisch zu reden beginnt. Er spricht fließend die Sprache sämtlicher Tiere. Deswegen hat man ihn zum Film geholt. Hunde fragen nämlich manchmal die ärgerliche Angewohnheit, nicht genau dann zu bellen, wenn man ihr Gebell dringend braucht. Und auch der Versuch, ein Rilpserd „zum Sprechen" zu bringen, ist schon in vielen Fällen fehlgeschlagen. So dankbar der Tonfilm diesem einzigartigen Mann sein kann, so sehr hat auch er allen Anlaß, der Erfindung des Tonfilms dankbar zu sein. Denn als er vor zehn Jahren nach Hollywood kam, wollte niemand ihn gebrauchen. Was hat mich ein Tierstimmenimitator mit dem stummen 3rum zu schaffen, selbst wenn er zweitausend verschiedene Lautwirkungen in seiner Kehle beher- ber nun 'st er, vor allem mit Hilfe der Micky.Maus, zu einem großen Star geworden. Er bekommt Auftrag über Auftrag. Und ganz geheim hat er sich schon überlegt, dafe er sines Tages einmal einen Film machen möchte, in dem er ganz alleine in der Partie eines liebel tollen Känguruh die Hauptrotte spielt... „Ehrliche Oiebe." In London stiegen Einbrecher nachts bei einem Manne ein unb raubten biesem Schmucksachen. Als sie sich bie Beute besahen, war es wertloser Plunber. Reingcsallen! Die Diebe sannen auf Rache, unb ber Fufall kam ihnen zu Hilfe. Sie erfuhren nämlich, daß der Bestohlene seinen Schmuck mit 200 Pfund gegen Einbruch versichert hatte unb nach bem Einbruch von ber Versicherungsgesellschaft Schabenersatz verlangte. Die Diebe packten bie gestohlenen Schmucksachen in ein Kästchen unb schickten sie ber Polizei. In einem Brief teilten sie ber Polizei mit, baß ber Bestohlene ein Schwinbler lei, wenn er von ber Versicherungsgesellschaft 200 Pfund Schadenersatz verlange, denn ber Kram sei ja keine zwei Pfunb wirt. Sie seien ehrliche Diebe unb könnten nicht zulassen, baß bie Versicherungsgesellschaft in einer solchen Form betrogen werbe. Oie „Kameliendame" auf annamiiisch. Ein interessanter Versuch ist jüngst bei einem Wohltätigkeitofest in Saigon in Cochinchina auf Anregung des einheimischen Kolonialbeamten Tran-Can-Kha unternommen worden: eine Aufführung der „Kameliendame" in annamitischem Gewände. Es genügte natürlich nicht, nur eine sprachliche Hebertragung vorzunehmen, sondern die Handlung des Dumasschen Stückes mußte der Ideenwelt der Bevölkerung angepaßt werden. In den Mittelpunkt des Ganzen wurde das von der väterlichen Gewalt geforderte Opfer der Liebe gestellt. Dementsprechend wurde auch der Titel des Dramas geändert, der jetzt „Liebe b i s z u m T o d e" lautet. Der begeisterte Beifall des Publikums bewies, daß dieser Versuch einer Erneuerung des annamitischen Theaters durchaus gelungen war. Olympisches Tagebuch. Niederlagen und dunkle punkte. Wird er disqualifiziert? Wie eine dunkle Wolke hängt der Fehlspruch des Olympier-Komitees gegen Nurmi über bem heiteren Stadion von Los Angeles. Nun scheint es zum tteberfluß, baß es zu einer zweiten unerfreulichen oeniation dieser Art kommen soll. Der Pole Kusoczinski, ber sozusagen als zweiter Aufguß Nurmis Stelle ausfüllen sollte, würbe von der innrschen Mannschaft besfelben furchtbaren Verbrechens bezichtigt, bas ihren eigenen Spitzenmann Zu Fall gebracht hat: angeblich sott er Gelbbeträge angenommen haben, bie seine Spesen beträchtlich überschreiten. Dieser ruchlose Mensch! Nun ist er also auch Professional? Nun war also sein olympischer Eid, wenn man so sagen kann, ein Meineid? Auf diese Weise ist man im Begriff, eine Zweite Kraft von Weltformat aus einem läppischen Grunb auszuschallen. Aber vorläufig haben bie Finnen ihr Material gegen Kusoczinski noch nicht herausgerückt. Was höchstens dafür sprechen könnte, baß biese Nordländer wesentlich großzügiger find, als jene Clique, bie ihrem Meisterläufer ein Bein stellte. Ein Präzedenzfall! Es ist genau zwanzig Jahre her, da wurde ber Mehrkampfsieger der Stockholmer Olympiade, ber Jnbianer Jim Thorpe, seiner Würde als Olympiasieger entkleidet, weil er ... fast schämt man sich, eine solche Geschichte aufzuwärmen. Er war in den schrecklichen Verdacht geraten, gegen Entgelt einmal eine Schaustellung im Rahmen eines Baseballmatches vom Stapel gelassen zu haben. Von diesem Tage an war er, der Nurmi seiner Zeit, aus ber internationalen Liste ber großen Sportsleute gestrichen. Diese blamable Geschichte behnte sich bis zur biesjährigen Olympiade aus. Insofern nämlich, als das Olympiakomitee ihm, ber inzwischen völlig verarmt ist, eine freie Eintrittskarte verweigerte unb ihm also ben Zutritt zu biesem Fest glatt abschnitt. Erst der ftelloertretenbe Präsident ber Vereinigten Staaten, Curtis, Mußte bas wieder gut- machen, was einige dünkelhafte Leute eingebrockt hatten. Ein böser Geist treibt sich in Olympia herum ... Die Italiener holen auf! Es ist ein alter Brauch, daß die Kolonien der Landsleute eines jeweiligen Siegers immer in ein lautes Freubengeheul ausbrechen, wenn die Farben ihres Landes am Mast hochgehen. Danach zu urteilen, müssen sämtliche anwesenden Italiener heute stockheisek sein. Denn an einem Tage gab es drei italienische Siege. Beccali wurde überraschend Sieger im 1500-Meter-Lauf. Jrn Straßenrennen ber Radfahrer holte sich Pavesi die goldene Medaille. Ein anderer Italiener belegte hier übrigens den zweiten Platz. Unb bas Wettgehen enbete, wie erwartet, mit einem Sieg von § tigert o, ber allerbings kurz nach dem Ziel ohn- mächtig zusammenbrach. Rache an Helene. Trübselig, wie bie deutsche Mannschaft in diesem Fahre abschneidet. Wo es doch bei der vorigen Olympiade zehn Golbmebaillen für Deutschland gegeben hat. Diesmal war Helene Mayer bas Opfer. Sie unterlag zunächst gegen bie Belgierin 21 ba m s, um später in großem Stil von der Oesterreicherin Ellen Preis geschlagen zu werben. Dieser Sieg »an Oesterreich hat insofern eine rnerkwürbige Vor- geschichte, als Ellen Preis von Haus aus ein waschechtes Berliner Kinb ist. Als solches aber konnte sie nie auf den grünen Zweig kommen. Helene, ber weibliche Star bes brutschen Fechteroerbanbes in Frankfurt a. M., behauptete hartnäckig ihren Platz an ber Sonne. Es scheint, als habe sie die Nominierung ber kleinen Ellen Preis mit allen Regeln ber Kunst hintertrieben. Zweimal {ebenfalls hot sie ihr bas Auftreten versalzen: einmal in Deutschland gegen bie amerikanischen Fechter, ein zweitesmal bei ber Zusammenstellung ber olympischen Teilnehmer. Vergrämt über diese Sabotage, erwarb Ellen bie österreichische Staatsbürgerschaft. Als Oesterreicherin ist sie in Los Angeles gegen Helene aufgetreten. Als Oesterreicherin hat sie ihre Rivalin besiegt unb sich bie goldene Medaille geholt — für ihr neues Heimat- land. Es zeigt sich also, daß die betriebsame blonde Hclene ben deutschen Farben durch ihr Intrigen- spiel einen Bärendienst geleistet hat. Denn diese AS.Mittelrheinisches Kreisturnfest in Trier Oer erste Tag. — Ansprechende Leistungen. S.l'fpor/ am Olympia 1932 Kein Tag ohne Rekorde. — Deutsche Teilerfolge am Freitag. der für goldene Medaille, die nun an Oesterreich gefallen ist, hätte die deutsche Mannschaft recht nötig brauchen können. piarekorde der Schwimmer und neue Weltrekorde gaben auch Diesem Olympiatage das Gepräge außerordentlicher sportlicher Leistungen. alle ihm widerfahrene Ungerechtigkeit gerächt. Man ist mittlerweile gezwungen, seine Leistungen als vollgültig anzusehen. Vor der Linse mehrerer Photographen wurde sogar, um den Schein zu wahren, eine rührende Verbrüderungsszene zwischen Schwarz und Weiß organisiert, dadurch nämlich, daß der zweite Mann im Weitsprung Read den Sieger Gor- don freundschaftlich umarmte. Eine schöne Sache für das olympische Familienalbum! Wäre Tolan zu dieser Staffage gewählt worden, so hätte er vielleicht eine etwas weniger günstige Figur gemacht. Er hätte sich vor allem das Heftpflaster abmachen müssen, mit dem er vor jedem seiner Rennen seine Brille an den Ohren festklebt, damit sie ja nicht auf halber Strecke im olympischen Sande endet ... John Becker. Griesheim, 3,40 Meter; 2. Hehrner, Eppstein, 3,30 Meter. Weitsprung: 1. Hilles, Tv. Oberstein, 6,61 Meter; 2. Jakob, Saarbrücken. 6,60 Meter. GießenerFußballmannschasten siegreich Die beiden Gießener Ligamannschaften konnten die ersten Freundschaftsspiele der neuen Saison gewinnen. Die Spielvereinigung 1900 siegte auf eige-- lutnerinnen. 100 Meter: 1. Lore Becker, Stadtsportverein Frankfurt, 12,6 Sek.; 2. Brückner, Mainz, 1917, 12,8 Sek. 8 0 0 Meter: 1. Feber, Tv. Braunfels, 2:37,5 Min.; 2. Maczat, Trier, 2:46,0 Min. 80 Meter Hürden: 1. Pickelhaupt, Mtv. Gießen, 13,5 Sek.; 2. Remy, Tg. Neunkirchen, 16,3 Sek. Weitsprung: 1. Becker, Stadtsportverein Frankfurt, 5,23 Meter; 2. Ober, Stadtsportverein Frankfurt, 4,85 Meter. Schlagballweitwurf: 1. Jentef, Saarbrücken, 60,41 Meter; 2. Staust, Saarbrücken, 59,90 Meter. Diskus: 1. Bahl, Tv. Borwärts Bockenhcim, 31,75 Meter; 2. Schell, TW. Borwärts Bockenheim, 31,40 Meter. Achter: 1. Lauf: 1. Lübecker RG. 5:41,1; 2. Berliner RE. 5:48; 3. Gießener R G. 5:58,4; 2. Lauf: 1. Moinz-Kasteler RG. 5:32,6; 2. Würzburger DB. 5:33. Ergebnisse der Meisterschafts-Rennen. Vierer o. St. (Meisterschaftsrennen): 1. Spindlersfelder NB. Sturmvogel-Berlin 5:50,5; 2. Berliner NB. Alemannia 5:52,2; 3. Offenbacher AB. 1874 5:55. G r. Einer (Meisterschaft»: 1. Gubener NC. (Willy Dohme) 6:31,6; 2. Dresdener NC. (0. Schäfer) 6:36,2; 3. Stuttgart^Cannstatter NC. (H. Steinle) 6:48,7. Vierer m. S t. (Meisterschaft): 1. Saarbrücker RG. Undine 5,58,1; 2. Spindlersfelder RV. Sturmvogel-Berlin 6:01,6. 3. NV. Sturmvogel Leipzig 6:09,7; 4. Wiener NV. Donauhort 6:16,3. Zweier o. S t. (Meisterschaft): 1. RK. am Wannsee-Derlin (Grafsunder, Urbschat) 6:27,2; 2. Mannheimer NC. (Eichhorn/Zahn) 6:32,9; 3. NC. Bayer-Leverkusen (Gebr. Stange) 6:34,7; 4. NC. Victoria Danzig (Goldcnbaum/Schoen) 6:38,6. Doppelzweier (Meisterschaft): 1. WSD. Godesberg (Gebr. Arentz) 6:05,6; 2. Magdeburger NG. 6:14,3; 3. Akad. NV. Angaria-Hannover (Beckadolph/Doels) 6:16; 4. Gießener RG. 1877 (Ioedt Timpe) 6:19,2. Achter (Meisterschaft): 1. Lübecker NG. 1885 5:35,7; 2. Mainz-Kasteker NG. 1880 5:37,4; 3. Würzburger NV. 1875 5:37,8; 4. Berliner RC. 5:40,4. Zum ersten Male in der 70jährigen deutschen Turngeschichte ist Trier der Schauplatz eines turnerischen Großereignisses. Vom 6. bis 8. August findet das 35. Mittelrheinische Kreisturnfest statt. Trier wußte diese Ehre auch zu würdigen und hatte ein farbenfrohes Festgewand angelegt. Am Freitagabend wurde das Fest mit einem Begrüßungsabend in der überfüllten Stadthalle offiziell begonnen. Seit Samstagvormittag sind die Meisterschaften im Spielen, Fechten, Schwimmen und in der Leichtathletik in vollem Gange. Auf den einzelnen Llebungsplähen hatten sich etwa 1 2 0 0 0 Zuschauer eingefunden, die auf den vorbildlichen Kampfbahnen teilweise recht gute Leistungen und schöne Kämpfe zu sehen bekamen. Im Faustball der Herren macht bisher der langjährige deutsche Meister, Licht- und Luftbad Frankfurt a. M., die beste Figur, er wird sich auch in diesem Jahre wieder durchsetzen. Im Ten - n i s gab es insofern eine Heberraschung, als der Favorit Schwarz-Nastatt durch Pracher- Aschasfenbuvg eine unerwartete Niederlage hinnehmen mußte. Das meiste Interesse konzentrierte sich natürlich auf die leichtathletischen Wettbewerbe, bei denen in den meisten Konkurrenzen die Entscheidung schon gefallen ist. Oie Ergebnisse: Turner. 1 00 Meter: 1. Simon, Tv. Vorwärts Dockenheim, 11,1 Sek.; 2. Wagner, Frankfurter Tv., 11,1 Sek. (Brustbreite). 400 Meter: 1. Blit- tersdorf, Saarbrücken, 52,1 Sek.; 2. Kunz, Saarbrücken, 52,2 Sek. 80 0 Meter: 1. Noe, Vorwärts Bockenheim, 2:00,5 Min.; 2. Möller, Koblenz, 2:02,1 Min. 1 500 Meter: 1. Wagner, Tv Frankfurt, 4:15,2 Min. 5000 Meter: 1. Fornoff, Tg. Darmstadt, 16:14,6 Min.; 2. Dany, Boppard, 16:22,7 Min. Speerwersen: 1. Schilling, Tv. Oberstein, 53,26 Meter; 2. Acker, Stadtsportverein Frankfurt, 48,87 Meter. Schleuder ball: 1. Emmerich, Tg. Worms, 55,14 Meter; 2. Gronig, Tv. Funkstadt, 54,88 Meter. S t e i n st o ß e n: 1. Bohrmann, Drechenheim, 9,29 Meter; 2. Hie- menz, Tv. Mainz, 9,11 Meter. Außer Konkurrenz: Tohrmann 10,05 Meter. Stabhochsprung: 1. Grünewald, Tv. Sonntag feinen Fortgang und erreichte mit dem großen Festzug, an dem vor schätzungsweise 50 000 Zuschauern 12 000 Turner teilnahmen, seinen Höhepunkt. — Am Sonntagvormittag wurden die restlichen Entscheidungen im volkstümlichen Turnen (Mannschafts- und Einzelkämpfe) durchgeführt. Bei hervorragender Organisation wickelten sich die Kämpse glatt und reibungslos ab. Die einzelnen Wettbewerbe waren in allen Disziplinen mit 20 bis 25 Teilnehmern besetzt und durchweg sehr spannend. Es gab auch wieder eine Reihe guter Leistungen, fö z. B. den Diskuswurf des Frankfurters Acker mit 41,38 Meter. Frl. Bickelhaupt (Gießen) erreichte im Hochsprung die respektable Höhe von 1,52 Meter. Tv. Vorwärts Bockenheim holte sich die 3 mal 1000-Meter-S^ftel, mußte aber in der 4 mal 100-Meter-Stasfel infolge Stabverlustes beim Wechsel St. Johann den Sieg überlassen. Von den turnerischen Mehrkämpfen wurde der Fünfkampf -in zwei Altersklassen durchgeführt. Die Mehrkämpfe der aktivem Turner finden am Montag statt. nem Platz gegen Ballspielclub Eintracht Siegen mit 4:1 Toren, die Liga des VfB. konnte in Fronhausen (Dill) mit 4:0 erfolgreich bleiben. Die 2. Mannschaft des VfB. verlor gegen die erste Elf der Spielvereinigung Leihgestern mit 8:2, die dritte Mannschaft mußte gegen die 2. von Leihgestern ebenfalls eine Niederlage (2:1) hinnehmen. Die 1. Jugend spielte gegen die 1. Jugend des Sportvereins Garbenteich unentschieden 0:0. 21. Deutsche Rudermeiflerschasten m Passau. Der Auftakt am Samstag. Im Rahmen der 29. Donau-Verbands-Regatta begannen am Samstag auf dem Stausee des Großkraftwerkes Kachlet bei Passau die 21. Deutschen Rudcrmeisterschaften, die auch in diesem Jahre wieder eine großartige Desehung gesunden haben. Dei trübem Wetter stellten sich sämtliche gemeldeten Toole dem Starter. Man sah schon in den Vorrennen spannende und erbitterte Kämpfe, in denen sich die Favoriten durchweg behaupten konnten. Die Ergebnisse: Meisterschafts-vorrennen. Einer: l.Lauf: 1. DresdnerRV. (Schäfer) 6:39; 2. Stuttgart-CannstatterRC. (Steinle) 6:43. 2. Laus: 1. Gubener RC. (Dohme) 6:34,7; 2. Frankfurter RG. Sachsenhausen (E. Paul) 6:40,6. Vierer m. St.: 1. Lauf: 1. RV. Sturmvogel Leipzig 6:26,9; 2. Wiener RV. Donauhort 6:32,1: Gießener R G. aufgegeben; 2. Lauf: 1. RG. Undine Saarbrücken 6:02,3; 2. Spindersselder RC. Sturmvogel 6:03. Zweier o. St.: 1. Mannheimer RC. 6:30,5; 2. RV. Bayer Leverkusen 6:30,9. 2. Laus. 1. RK. am Wannsee 6:31,5; 2. RC. Viktoria Danzig 6:39,3. Doppelzweier: 1. Lauf: 1. Magdeburger RG. 6:11,9; 2. Akadem. RV. Angaria Hannover 6:13,8. 3. RG. Wiking Berlin 6:15. 2. Lauf: 1. WSV. Godesberg 6:11; 2. Gießener RG. 6:20,1; 3. Gubener RC. 6:22,5. Ebenfalls am Samstagnachmittag begannen die volkstümlichen Wettkämpfe und zwar der Fünfkampf für die 2. und 3. Altersstufe, ' Reuntamps für Aeltere und der Zehnkampf Jüngere. Höhepunkt am Sonntag. Das 35. Mittelrheinische Kreisturnfest nahm Mehner ausgeschieden. Ein deutscher Kämpfer weniger! Unsere 400-Me- ter-Kanone, die bei den Vorläufen noch den ersten Gang spielend an sich gebracht hatte, unterlag in der Entscheidung sang- und klanglos. Wieder war es ein Amerikaner, Carr, der mit 48,8 Sekunden die beste Zeit herausholte. Auch Ben Eastman, wenn auch noch etwas klapperig und schwach, konnte mit 49 Sekunden eine gute Leistung aufweisen. Und wieder Tolans Brille. Der Neger, der sich durch seine fortgesetzten Siege für fein Land, das ihn so lange sabotierte, recht nützlich gemacht hat, hat sich so auf diskrete Art für Wirtschaft. Mi-! dem Verlauf -des Freitags in Los Angeles kann der deutsche Sport im Gegensatz zu den Vortagen einigermaßen zufrieden fein. Es wurden zwar keine durchschlagenden Erfolge erzielt, aber unsere Vertreter hielten sich in den einzelnen Kämpfen recht gut. Mehr als sie leisteten, durste man nicht von ihnen erwarten. Vor 50 000 Zuschauern bestritten im Kolosseum die Zehnkämpfer den Hauptbestandteil des leichtathletischen Programms. Deutschland war hier durch Sievert, Eberle und Wegner vertreten. Der erste Teil des Kampfes brachte 100- Meter - Lauf, 400 - Meter - Lauf, Hochsprung, Weit- sprung und Kugelstoßen. Unser erfolgreichster Vertreter, Sievert, kam in diesen fünf Hebungen auf 11,4 Sek., 53,6 Set, 1,80 Meter, 6,97 Meter und 14,50 Meter. Damit belegte er im Gesamtklassement des ersten Tages hin — knapp hinter dem Amerikaner Charles, dem Letten D i n f a und dem Finnen Järoinen — den 4. Platz. Eberle liegt auf dem 6., Wegner unter 14 Konkurrenten auf dem 10. Platz. Weniger gut stehen die Chancen unserer Fllnf- kämpfer, die sich am vierten Tage des „modernen Pentathlon" beim 300-Meter-Schwimmen nicht verbessern konnten. Die Führung hält noch immer der Amerikaner Mayo, dem dichtauf die Schweden Thofeldt, Lindman und Oxenstierna folgen. Von den Deutschen hält Rem er den 6., Miersch den 8. und Naude den 17. Platz unter noch 24 Bewerbern. Eine Sensation war das 400-7Neter-Entscheidungs-Rennen. Hier fiegte der Amerikaner William Carr in der phänomalen neuen Weltrekordzeit von 46,2 Sek. vor feinem Landsmann Eastman, der feine alte Weltrekordzeit von 46,4 Set. erreichte. Die weitere Placierung war: 3. Wilson-Kanada, 4. Walters-Südafrika, 5. Gordon-USA., 6. Golding-Austra- lien. Nur mit Protest ausgenommen wurde der Sieg des Finnen Lehtinen im 5000-Meter- Lauf, weil er im Endkampf des Laufes den Amerikaner Hill behindert haben sollte. Erst nach längerer Beratung erkannte das Oberste Schiedsgericht den folgenden Urteilsspruch an: 1. Lshtinen-Finn- land 14,30 Min. (Olympischer Rekord), 2. Hill-USA., Handbr. zur., 3. Virtanen-Finnland, 4. Shavidan- Neuseeland, 5. Lindgreen-Schweden, 6. Syring- Deutschland 14,56 Min.; 7. Burn-England, 8. DeanUSA., 9. Hillhoufe-Australien, 10. Rankine-Kanada. Der sechste Platz Syrings ist als Erfolg anzusprechen. Einen sehr schönen Erfolg hatte Erwin Easmir in der Endrunde des Florettfechtens. Im Kampf gegen die Fechter-Elite der Welt konnte er einen sehr achtbaren fünften Platz belegen. Dabei trennte ihn vom dritten und vierten Platz nur die höhere Trefferzahl. Das Endergebnis ' war: 1. Marzi-Jtalien 9 Siege; 2. Lewis-USA. 6 Siege; 3. Gaudini-Jtalien, 4. Guaragna-Jtalien, 5. Erwin Casmir, alle 5 Siege, 4 Niederlagen; 6. Lloyd-England; 7. Tarraz-Argentinien; 8. Bougnol-Frankreich; 9. Cattiau-Frankreich; 10. Palacios-Argentinien. Gute Fortschritte machen unsere Ringer, die bei den Ausscheidungskämpfen durchweg erfolgreich waren und die noch alle im Wettbeweck) sind. Eberle im Zehnkampf Dritter. Bei dem Leichtathletischen Olympiawettbewerb am Samstag konnte der Deutsche Eberle im Zehnkampf den dritten Platz belegen, während Sievert infolge einer Verletzung zurückfiel. Für unsere Fünfkämpser reichte es zu einer Medaille nicht. Im Wasserballturnier verlor Deutschland sein erstes Spiel gegen Ungarn. Die deutschen Ringer waren wieder siegreich. Olyrn- Oie Eisen- und Stahlwarenindustrie im Juli. Wuppertal-Elberfeld, 6. Aug. Der Lleberblick über die Eisen- und Stahlwarenindustrie im Juli 1932 bestätigt, wie der Eisen- und Stahlwarenindustrie-Bund mitteilte, die von ihm bereits mehrfach angedeutete Erwartung, daß der Tiefstand für die Gesamtheit erreicht zu sein scheint. Eine solche Feststellung will natürlich nicht besagen, daß eine grundlegende Konjunkturumstellung zu erwarten wäre, aber es darf keinesfalls übersehen werden, daß für einzelne Zweige des großen Wirtschaftsgebietes der Eisenverarbeitung unstreitig der Ansatz zum Besseren vorhanden ist. Die Zurückhaltung bei Handelsschrauben ist einer merkbaren Belebung gewichen. In Holzschrauben war der Handel im Inland sehr zurückhaltend. Von den einzelnen Fabrikationsgebieten meldet Westfalen eine grundlegende Einstellung, die den vorstehenden Sähen entspricht. II. a. lassen auch die Nachrichten des Eisenhandels einen gedämpften Optimismus erkennen. Bei den großen Genossenschaften sind für die gegenwärtige Zeit sehr bemerkbare Ansätze zur Besserung vorhanden. Alles wird sehr wesentlich durch das Schicksal der Politik in der nächsten Zeit bestimmt werden. * * D ie Indexziffer der Großhandelspreise im Juli. Die vom Statistischen Reichsamt für den 3. August berechnete Großhandelsindexziffer hat sich mit 96,0 gegenüber der • Vorwoche wenig verändert. Die Indexziffern der Hauptgruppen lauten: Agrarstoffe 93,2 (plus 0,3 v. H.), Kolonialwaren 83,8 (unverändert), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 86,7 (plus 0,2 v. H.) und industrielle Fertigwaren 116,2 (minus 0,4 v. H.). Für den Monatsdurchschnitt Juli stellt sich die Großhandelsindexziffer aus 95,9 (minus 0,3 v. Sy). Hauptgruppen: Agrarstoffe 92,5 (plus 0,4 v. H.), Kolonialwaren 84,0 (minus 1,3 v. Sy), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 86,6 (minus 0,6 v. H.) und industrielle Fertigwaren 116,9 (minus 0,7 b. Sy), r. 14,30. Der Index für Produktionsmittel betrug 117,9 (minus 0,2 v. Sy), der für Konsumgüter 115,0 (minus 0,5 v. H.), für. die Berichtswoche. Für den Monatsdurchschnitt Juli stellen sich die Ziffern auf 118,1 (minus 0,1 D. Sy) bzw. 116,0 (minus 1,1 v. H.). Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. M., 6. Aug. Das Geschäft zeigte bei unveränderten Preisen zu Beginn der neuen Woche eine leichte Belebung, wobei die verringerten Zufuhren, hervorgerufen durch den Produktionsrückgang, etwas anregten, doch war der Umsatz für einen Monatsanfang immer noch sehr klein. Zum Wochenschluß war der Absatz schleppend. Es notierten in Pfg. per Stück ab loco Frankfurt: Russen 5,50 bis 6, Holländer 6,25 bis 7,75, Dänen 6 bis 7,75, Flandern 7 bis 7,25, deutsche Landeier 7 bis 7,50, deutsche Frischeier je nach Größe 6,50 bis 8,50. Verantwortlich für Lokales, Provinz, Sport und Wirtschaft i. V.: H. L. Neuner. ; Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o. H, Lombardzinsfuß 6 v. H. Frankfurt a. M. Äerlin Frankfurt 6.2)1. Äerlin Schlußkurs Echlußk. Abend« börse Schlußkurs Schlußk. Mittag- börse Schlußkurs Schlußk. Abend- Schluß, kurs Schlußk. Mittag, börse Datum 5.8. 6-8- 5.8. 6.8. Votum 5-8. 6-8. 5-8. 6-8. 6% Dcunche Retchsanlethe v.lSü. 6% ehem. 7%Dt. RetchSanl. V.192S 5»4% Doung-Anleihe von 1930 . Deutsche Anl.-Ablös^Schuld mH Auslos.-Rechten....... Desgl. ohne Auslos.-Rechte . . 6% ehem 8%Hes>. Volksstaat 1929 (rudsafjlb. 102%)...... Oberhessen Provinz-Anleihe mH Auslos.-Rechten...... Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Eene 1...... 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Bant Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 6% ehem. 7% Franks. Hyp.-Bank Golovie 16 unkündbar bis 1936 514% ehem. V/t% Frankf.Hyp.- Bank üiqu. Bsandbriese . . . 514% ehem. 4 >4% Rheinische Hnv.-Bani.s.'iau.'-Goldpje. . . 6% ehem. 8% Pr. LandeSpsand- briesanslal' Pfandbriese R. 19 6% ehem. 7% Pr. LandeSpsand- briesanstatt Pfandbriefe R. 10 4% Oesterretchische Golbrenle . 4,20% Oesterreichische Eikberrenke 4% Ungarische Goldrente .... 4% Ungarische EtaatSrente v. 1910 414% beSgl. von 1913..... 5% obgesl. Goldmextkaner von 99 4% Türkische Zollanlethe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anlethe Serie 1.......... 4% besgl. Serie II...... 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4^,%Rumän.veretnh.Rentev.l9ig 4% Rumänische vereinh. Rente 2)4% .. Anatolier...... 63,65 67,25 60 49,4 5,9 45,5 70 69 78,5 80 68,5 68,5 10 1,05 5,85 6,25 5,25 3,4 3,35 3,35 8,05 4 17 36,5 68.5 60 49,65 5,65 53,5 46,75 45,5 70 78,25 79,5 68 68,5 10 5,8 6,5 5,25 3,4 3,4 3,4 4,3 8,25 4,13 63,25 68 60,75 49,4 5,85 52 45 68 10 1,2 5,8 6,4 5,05 3,6 3,65 3,45 4,4 8 3,95 17,25 63,25 68,5 60 49,75 5,6 53 45,25 68 5,75 6,4 8,2 5,5 3,5 3,4 4,4 8,2 4,13 17,4 pamvurg-Amerna Pace. . . . u Hamburg,Südom. Dampfschiff. 0 Hansa Dampfschiff . . . < Norddeutscher Lloyd.....( A.G. für Verkehrswesen Akt. . 0 Berliner Handelsgesellschaft . 4 Commerz, und Privat-Bank . 0 Darmstädter und Nalionalbank O Deutsche Bank und DiSconto-GeseUschaft... o Dresdner Bank...... o RetchSbank........i; A.E.G............. Bergmann.........o Elekir. Lieferungsgesellschast. 5 Licht und Kraft...... g Felten & Guilleaume .... o Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 4 Rheinische Elektrizität . . . bV Schuckert & Eo....... o Siemens & Halske..... 9 Lahmeyer & Go.......10 Buderus..........4 Deutsche Erdöl.......5 Gelsenkirchener.......8 Harpener..........o Hoesch Eisen.........6 Ilse Bergbau.......10 Ilse Bergbau Genüsse ..... Klöcknerwerke........6 Mannesmann-Röhren .... 6 ManSselder Bergbau.....0 Oberschles. Kol:werke .... 8 Phönix Bergbau......4'/, Rheinische Braunkohlen... 10 Rhetnstahl .........6 13.4 13,4 30 89,5 16 18,5 75 18,5 126,4 28,5 60 71,5 41,5 61 65,75 65 123,5 88,5 71,75 36,5 52,25 23 39.5 12 16.65 168 50 13,25 14,25 32 89,5 16 18,25 75 18,25 126,5 28,75 60 72,5 41 60,5 68,5 122,75 88 72 36,25 52,25 24,25 13 16,25 165 49,5 12.4 27,5 17,75 14,4 33 89,5 53,5 75 61,75 127 28,5 21 60,5 72,25 41,5 60,75 66 65 123,75 88 28,25 72 36,75 52 26,65 130 95 23.5 40 12 31,5 16,65 167,5 50,25 13 18,25 14,4 32,9 89,5 53,5 75 61,75 126,65 27,9 20.9 60 72,25 41,75 59,9 68,75 64,25 122,5 87 28,25 71,75 35,25 52,9 26 9 131 94,65 23,9 39,5 13,5 31 16 166,25 49 $rant|urt a. M. Berlin Schluß« kurs Echlußk. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Mittag, börse Datum 5-8- 6-8- 5-8. 6.8. Rtebeck Montan...... 1,. — — — — Bereinigte Stahlwerke . . . . 0 13,65 13 13,4 12,65 Otavt Minen....... 0 14 14 14 13,4 Kaliwerke Aschersleben . . . 6 95 94 94.75 97 Kaliwerke Westeregeln . . . Kaliwerke Salzdetfurth . . . 6 104 — 104,5 105,75 9 162 162,75 162,5 162 I. G. Färben-Industrie . . . 7 89,13 87,5 88,75 87,65 Schcideanslalt....... 10 139 138,25 — Goldschmidt........ . 0 17 17,13 17 17,5 RütgerSwerke....... . 0 33,5 33,5 33,5 33 Metällgesellschaft...... . 0 28,75 28,5 28,75 27,75 Philipp Holzmann..... Zementwerk Heidelberg. . . Cementwerk Karlstadt. ... . 0 38,5 37,5 38,75 38 . 4 38,75 39 — — . 0 31,75 4 _ — Waytz & Frey tag..... . 0 4| 4,25 — Schultheis Patzenhofer . . . Aku kAllgemeine Kunstseide) 0 0 39,25 39 56,75 39 56,75 38,5 Bemberg......... 0 33,35 32,5 33 33 Zellstoss Waldhos..... 0 29 28 27 27,25 Zcllstoss Aschaffenburg . . . 0 18 17,75 17,5 18 Dessauer GaS....... . 7 — — 85,5 85,25 Daimler Motoren..... . 0 15 15 14,75 14,75 Deutsche Linoleum .... . 0 32,5 34 32,25 33,75 Orcnsiein & Koppel .... . 0 — 24,9 24,25 Leonhard Tietz...... . 6 44,5 44 44,25 44 Svenska........ — — _ Chade.......... 1 - 1671 17,5 — 166,5 17,25 159,25 Frankfurter Maschinen . . . Gritzner........ - V . 0 17,5 Mainkrastwerke Höchst a. M . . 4 47,5 47,5 — Süddeutscher Zucker . . . # - 8 105,5 — Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2TL Banknoten. 5-August 6.August Amtliche Notierung Amtliche Notierung 3rlcl Geld I Ariel HelsingforS . 6,324 6,336 6,274 6.286 Wien. . . . 51,95 52,05 51,95 52.05 Prag . . . Budapest. . 12,465 12,485 12,465 12,485 ■-------- — —— Sofia . . . 3,057 3,063 3,057 3.063 Holland . . 169,58 169,92 169,58 169,92 Oslo.... 73,33 73,47 72,73 72,87 Kopenhagen. 78,77 78,93 78,17 78,33 Stockholm 75,22 75,38 74,73 74,87 London. . . Buenos Aires 14,65 14.69 14,53 14,57 0,898 0,902 0,888 0,892 Neuyork . . 4,209 4,217 4,209 4,217 Brüssel. . . 58,32 58,44 58,34 58,46 Italien. . . 21,48 21,52 21,48 21,52 Paris . . . 16,48 16,52 16,475 16,515 Schweiz . . 81,85 82,01 81,85 82,01 Spanien . . 34,08 34,13 34,12 34,18 Danzig. . . 81,92 82.08 81,92 82,08 Japan . . . 1,119 1,121 1,089 1,091 Rio oe Ian.. 0,325 0,327 0,324 0,326 Jugoslawien. Lissabon . . 6,693 13,39 6,707 13,41 6,693 13,29 6,707 13,31 _________Berlin, 6-August Geld Brief Amerikanychc Noten....... 4,20 4.22 Belgische Noten ......... 58.18 Dänische Noten......... 77,99 78^31 Englische Noten......... 14,49 14,55 Französische Noten........ 16,435 16,495 Holländische Noten........ 169,21 169,89 Italienische Noten....... 21,44 21,52 Norwegische Noten........ 72,55 72,85 Deutsch-Lesterreich, ä 1OO Schilling Rumänische Sloten........ 2,49 2,51 Schwedische Noten........ 74,55 74,85 Schweizer Noten......... 81,67 81,99 Spanische Noten......... 33,98 34,12 Ungarische Noten........