nr. 158 Erstes Blatt 182. Jahrgang 5reitag,8.)uli 1952 Eriche,nl täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Vezugrpreir: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ - 25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. ßernsprechanschlüffe unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten^ Anzeiger Siehe«. Postscheckkonto: Zrankfvrt am Main 11686. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dmd vnd Verlag: vrühl'sche Univer^rütr-Vuch. und Steindruckerel H. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi« zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Ro- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20® „ mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Regionale Reichsreform nach dem sog. „Iranlsurfer Entwurf". Von A. Weihel. Wenn die Vorschläge des „Bundes zur Erneuerung des Reiches", sowie der „Länderkonferenz" ganz bewußt das Reugliederungsproblem nicht berühren und sich auf eine vorläufige biff.rentierte Lösung Rvrd-Süd beschränken, so geht der „Frankfurter Entwurf" ebenso bewußt von der regionalen Gliederung Gesamtdeutschlands (einschließlich Oesterreich) aus, und zwar in der richtigen Erkenntnis, daß man zuerst wissen muß, w a s zu verwalten ist. 3n klarem Aufbau von unten her, unter Vermeidung jedweder überflüssigen Mittelinstanz: Gemeinde — Kreis — Reichsland (Reichsprovinz) und Reich, sieht der „Frankfurter Entwurf" unter Verücksichtigung sowohl der kulturellen, als auch der wirtschaftlichen und Verkehrs-Zusammenhänge eine Gliederung in zwölf an Größe und Be- völkerungszohl sich angleichender Reichsländer vor. Die Dreiteilung Deutschlands in die Norddeutsche Tiefebene, die Mitteldeutsche Gebirgsschwelle und das Süddeutsche Hochplateau mit dem Alpenvorland findet darin ihre besondere Berücksichtigung. Geopolitisch betrachtet bilden hierbei die großen deutschen Ströme als Lebensadern der natürlichen Landschaften keine inneren Derwaltungsgrenzen mehr. Es sind dies: 1. Ostpreußen um Königsberg, 2. Schlesien um Breslau, 3. Pommern um Stettin, 4. Brandenburg um Berlin, 5. Obersach - f e n um Leipzig, 6. Riedersachsen-Elbe um Hamburg, 7. Riedersachsen-Weser um Hannover - Bremen, 8. Riederrhein- Westfalen um Köln-Düsseldorf, 9. Rhein- franken um Frankfurt a. M., 10. Rhein- fchwaben um Stuttgart, 11. Oberfranken um Rürnberg, 12. Dayern um München, denen als 13. Oesterreich um Wien sich anschlieht. Sowohl diese Reugliederung als auch deren organischer Verwaltungsaufbau durch zwischen- regionale Aufgliederung in erweiterte Landkreise stellen durchaus nichts Theoretisches oder Konstruktives dar. Sie sind nicht anders zu bewerten und wollen nichts anders sein, als der Riederschlag dessen, was nüchterne aber um so intensivere Beobachtung an Entwicklungstendenzen im Laufe des letzten Jahrhunderts erkennen lassen, wobei Weg und Ziel aus den Forderungen der Gegenwart, d. h. der Rachkriegszeit, aus den verschiedenen erwachenden natürlichen zusammenhängenden Landschaften selbst heraus- geftellt werden. Die Zusammengehörigkeit dieser natürlichen Landschaften und deren Abgrenzungen erfolgten hierbei mit Rücksicht auf die Einpassung in die Gesamtgliederung Deutschlands. Für alle Gebiete, die besonders unter dem dynastischen Erbe territorialer Zerrissenheit leiden, haben die Untersuchungen wirtschafts-wissenschaft- sicher Gesellschaften oder von Einzelpersonen gleiche Ergebnisse gezeitigt. Diese lebendigen Er- gebnisse muß nun eine umfassende Reichsresorm auch gegenüber allen länderbureaukratischen Bedenken berücksichtigen. Die Bezeichnung „Frankfurter Entwurf" ist Ausdruck einer für derartige Dolksprobleme erwünschten Anonymität und Charakterisierung deutscher Entwicklungsgeschichte zugleich: denn Frankfurter Geschichte ist deutsche Geschichte Von der Römerzeit über Karl den Großen, Wahl- und Krönungsstätte deutscher Kaiser, Tagungsort des Deutschen Bundestages und des ersten deutschen Parlaments; der Äativnal- versammlung in der Paulskirche 1848, der Frankfurter Friedensschluh 1871 im Schwan und mit der Gründung des Deutschen Reiches, als Vermittlerin und Brückenstadt zwischen Rord und Süd ist Frankfurt bis heute Hort des groh- deutschen Gedanken geblieben. Der Vorzug des „Frankfurter Entwurfes" liegt außerdem noch darin begründet, daß die territoriale Frage in der notwendigen Flurbereinigung bereits innerhalb einer preußischen Verwaltungsreform durchführbar ist und der Reichsreform vorangehen kann. Verwaltungsmäßige Querriegel über Rhein, Weser und Elbe hinweg lassen in der Zusammenfassung natürlicher zusammenhängender Ver- waltungs-, Wirtschafts, und Derkehrsbezirke vergrößerte preußische Provinzen am Mittelrhein: Rhemfranken, sodann Riederrhein - Westfalen, Riedersachsen-Weser und Riedersachsen-Elbe entstehen, wodurch die Zahl der heutigen Provinzialverwaltungen nicht zum Rachteil einer zweckmäßigeren Verwaltung eine nicht unwesentliche Verringerung erfahren würde. Mit der weiteren Schaffung von erweiterten Landkreisen werden die bisherigen Mittelinstanzen der Regierungsbezirke entbehrlich. Post-, Eisenbahn-, Kraftwagen-, Luftverkehr-, und Wasserwirtschaft sowie öffentlich-rechtliche Verbände usw. passen sich diesen natürlichen Gliederungen vorteilhaft an. An zahlreichen Beispielen der Gegenwart kann dieses Werden z. B. in der rheinfränkischen Landschaft verfolgt werden. Wie in Rheinfranken der „Rhein-Mainische Städtekranz" mit seinen Ausstrahlungen nach dem Dreistädtegebiet am unteren Reckar und dem Mittelrhein: in Obersachsen (Mitteldeutschland) das „Städtedreieck Leipzig-Halle- Merseburg", mit seinen Ausstrahlungen nach Magdeburg unö. Dresden das jeweilige Kerngebiet darstellc, so in R i e d e r r h e i n - Westfalen das Ruhrgebiet mit feinen Ausstrahlungen nach Köln, Aachen und Münster. Abschluß in Lausanne. Nie heutigen Verhandlungen haben ein Ergebnis gehabt. Lausanne,?. Juli. (TU.) Aus maßgebenden englischenKreisen e.fäh.t dieTe egraphen- union daß auf Grund der Unterrebung zwischen ben englischen unb französischen Ministern Donnerstagnacht b i e Verhanblungen über bie politischen Fragen fortgeführt werden. Auf englischer Seite bestehe der bestimmte Eindruck, daß von einem Abbruch der Verhandlungen über die großen politischen Fragen vorläufig noch nicht die Rede fein könne, daß vielmehr jetzt neue V.o rschläge aufgetaucht seien, die Besprechungen über die von deutscher Seite geforderten politischen Fragen durchaus möglich machten. Auch von deutscher Seite wird nun mitgeteilt, daß die Verhandlungen über die politischen Fragen jetzt wieder in Gang gekommen seien und verschiedene neue Pläne aufgetaucht seien, bie im Verlaufe bes Freitag eingehenb erörtert würben. Von französischer Seite wirb bagegen mitgeteilt, baß bie finanziellen Verhandlungen bereits sehr weit gediehen wären und eine Einigung auf der Grundlage einer 2,7-Milliarden-Reichsmark- Abschluhzahlung zu erwarten wäre. Die deutsche Forderung auf Streichung des Teiles VIII des Versailler Vertrages werde berücksichtigt werden. Die juristischen Sachverständigen waren beauftragt, eine neue Formulierung hierfür auszuarbeiten, die in die Schlußerklärung ausgenommen werden solle. Diese optimistischen Aeuherungen werden von deutscher Seite mit großem Zweifel ausgenommen. Man erklärt in deutschen Kreisen nach dem Abschluß der Rachtverhandlungen, daß neue Versuche jetzt in Gang gesetzt worden seien und neue Formulierungen geplant wären. Rach den Aeußerungen, die H e r r i o t getan hat, besteht der Eindruck, daß man ben gaben, bet gestern nachmittag gerissen schien, wieder angeknüpft hat unb Versuche macht, auch in bezug auf die politischen Formeln die Verhandlungen wieder in Gang zu bringen. Herriot zeigte bei der Rückkehr aus dem Hotel Beau Rivage einen erheblichen Optimismus und meinte, daß es sich um Sachverständigenarbeit handeln werde, bie heute vollbracht werben könnte. Auf deutscher Seite ist man jedoch noch erheblich skeptischer. Fortsetzung der Verhandlungen. Lausanne, 8. 3uli. (WTB. Funkspruch.) Die bis in bie frühen IHorgenffunben geführten Verhandlungen wurden heute vormittag 10 Uhr Herriot sagt: „C'est fait“. Lausanne, 8. Juli. (OB. Funkspruch.) Am Schluß der vormittagsbefprechungen gab herriot den anwesenden wartenden Journalisten wiederholt seine große Freude zum Ausdruck, daß man zum erzielten Ergebnis gekommen fei. Er begrüßte die Presse mit den Dorten „C'est fait“. In seinem Hotel angelangt, wiederholte er den dort ihn erwartenden Journalisten nochmals seine große Freude und sagte, daß er heute abend die Deltpresse empfanden werde, um an sie IDorte der Freundschaft zu richten. Lr bemerkte noch, daß nur noch technische Einzelheiten zu regeln seien. HeuteRuudfunkrededesReichSkanzlerS D e r I i n, 8. Juli. (ERB. Funkspruch.) Reichskanzler von Papen spricht heute abend aus Lausanne für alle deutschen Sender. Der genaue Zeitpunkt bet Kanzlerrebe wirb erst im Lause des Rachmittags bekanntgegeben. OieWahl des hessischenStaatspräsidenien Oer erste Wahlgang ergebnislos verlaufen. - Noch keine Verständigung zwischen Zentrum und NSDAP. Darmstadt, 8. Iuli. (WTB.) Nachdem in den verschiedenen Fraktionen noch bis in die Nacht hinein verhandelt worden ist, gab es heule vormittag im Landtag doch eine kleine Aeberraschung, als N a - tionalsozialislen und Zentrum nicht einen gemeinsamen Kandidaten präsentierten. Die nationalsozialistische Fraktion schlug den Abgeordneten Professor Dr. Werner vor, der als persönlicher Ehrenmann im ganzen Haus bekannt sei, der sein Amt als Staatspräsident nicht als ein Parteiamt, sondern als Beauftragter des gefamten heffifchen Volkes, unbeeinfluhbar von Par- tcigrundfähen, ausüben werde. Das Zentrum schlug darauf seinerseits den Finanzminister Kirnberger als Staatspräsidenten vor. von den Sozialdemokraten wurde Adelung ausgestellt, die Kommu- nisten benannten ihren Parteigenossen keil. Der Vertreter der Nationalen Einheitsliste, Abgeordneter Dr. Ni e p o t h , verlas eine Erklärung, die sich schließlich für den Nationalsozialist ischenkandidaten aussprach, ohne jedoch für die künftigen Handlungen der neuen Regierung irgendwie bie Verantwortung mit zu übernehmen. Die Einstellung zu ihr werde abhängig sein von ihrer künftigen Arbeit. Darauf trat das Haus in die Debatte ein. Nach Erklärungen der Abgeordneten Z i n n k a n n (So;.), Glaser (LVP.), der sich für Professor Werner aussprach, Böhm (DNVP.), der sich ebenfalls für die Regierungsbeteiligung der Nationalfozia- liften aussprach, des Abg. Keil (Kom.) und einer Erwiderung des Abg. Lenz (Nalsoz.) gegen kommunistische vorwürfe wurde die Debatte geschloffen. Die Wahl Halle folgendes Ergebnis: Professor Dr. Werner (Nalsoz.) 35, Adelung (Soz.) 17, Kirnberger Zentr.) 10, Keil (Kom.) 8 Stimmen. Die nach Artikel 37 Absatz 2 der Verfassung notwendige absolute Mehrheit ist also nicht erreicht. Nach einer Auseinandersetzung, ob eine Stichwahl notwendig oder möglich ist, beantragen die Nationalsozialisten einen zweiten wahlgang. Ausgestellt werden erneut die Kandidaten des ersten Wahlgangs. Abg. Len; (Nalsoz.) richtet an das Zentrum die Aufforderung, nach dem Ergebnis des ersten Wahlgangs die Konsequenzen zu ziehen und auf einen eigenen Kandidaten z u verzichten. Der Fraktionsführer des Zentrums erklärte, das Zentrum liehe sich die Freiheit seiner Politik nicht vorschreiben und liehe sich auch nicht aus Ueber- raschungsmanöver ein. wenn eine Slaatspräsi- dentenwahl oorgenommen werden solle, dann müsse man sich wenigstens vorher über bie kommenden Dinge verständigen. Daraufhin beantragte der Fraktionsführer der NSDAP. Unterbrechung der Sitzung. 9an$ig protestiert gegen den polnischen Sotzkott bar erscheinen. 3n verschiedenen Städten Polens sind von den hinter dem Boykott gegen Danzig und Zoppot stehenden polnischen Kreisen neue mit einem Kreuz versehene Rarnenlisten von Personen angebracht worden, die den Boykott gebrochen haben. Bor dem Verzeichnis, das 63 Rainen aufweist, stehen die Worte: „Verräter, die mit frecher Stirn dem preußischen Hakatis- mus dienen, ihr polnisches Geld in der Zoppoter Spielhölle verspielten und den verkündeten Boykott Zoppots und Danzigs brechen! Mit Verachtung müssen sich alle Polen von den Llntenaufgeführten abwenden." Bei einigen 'Hamen findet sich die Bemerkung: „Spielt dauernd und hoch!" Die Plakate sind in vielen Fällen mit deutschfeindlichen Aufschriften versehen. polen will Geld für Gdingen. Lausanne, 7. 3uli. (CRD.) Der polnische Außenminister Z a l e s k i weilte heute t n L au* sänne, um hier mit Herriot über eine polnische Anleihe zu verhandeln. Es würde sich um die Summe von 300 Mill, französischen Franken handeln, die für den Ausbau des Hafens von Gdingen und die polnischen Eisenbahnen verwandt werden sollten. Polen hat b e r e r t s eine Anleihe in der gleichen Höhe von Frankreich f v r l g e s e h t. Der Reichskanzler, der Rcichs- auhenminister, der Reichsfinanzminister unb Staatssekretär von Bülow begaben sich i n b a s h o t e l ber englischen Delegation, wo gleichzeitig auch herriot unb bie anberen Mitglieder seiner Delegation eintrafen. Die verhanblungen würben unter englischer Vermittlung auf ber Grunblage ber oerschiebenslen von ben einzelnen Delegationen ausgearbeiteten Berechnungen geführt. Sie würben um 11.15 Ahr unterbrochen. Ls hanbelt sich zunächst um bie Frage ber Form, in welcher bei völliger Einstellung ber Reparationen ab 1. Juli 1932 b i e rückst ä n b i g e n , ge ft unbeten Beträge aus em hooverjahr abgegolten werben sollen. Eine Derffänbigung hierüber ist noch nicht erfolgt, boch werben bie Verhanblungen im Laufe bes heutigen Tages fortgesetzt. Macbonald ist hoffnungsvoll Lausanne, 8. Juli. (CNB. Funkspruch.) Kurz vor Schluß ber Sitzung verließ um 13.30 Uhr M a c- b o n a l b zuerst bas Beratungszimmer unb teilte den wartenden Journalisten mit, baß sehr gute Nachrichten da seien. Es ist also daraus zu erkennen, daß eine Verständigung zustpnde- gekommen oder unmittelbar zu erwar- t e n ist. Von englischer Seite wird mitgeteilt, daß die technischen Arbeiten den heutigen Nach- mittagin Anspruch nehmen unb daß vielleicht eine Schlußsitzung der Konferenz morgen vormittag möglich sein werde. Eine Bestätigung die- 'r englischen Auffassung von anderer Seite liegt noch nicht vor, da sowohl die deutschen wie die französischen Delegierten in getrennten Zimmern arbeiten. der polnischen Bevölkerung gegen die Freie Stadt Danzig ein Ende bereitet wird und damit nicht Zustände eintreten, deren Folgen auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet unüberseh- Grohstädten, die bei einheitlichen 3nteressen und einheitlicher Auffassung des ganzen eine gewisse Rollenverteilung schon heute zu erkennen gibt: Köln: Handel. Universität; Düsseldorf: Repräsentation; Essen: Börse und Kontor; Duisburg: Hasen; Hagen-Dortmund-Gelsenkirchen: die Werkstatt; Münster: Militär und Landwirtschaft. Mit grundlegend für den „Frankfurter Entwurf" war u. a. ein Essener Preisausschreiben der „Deutschen Bergwerks-Zeitung" 1919 über „Deutschlands Brennstoffwirtschaft und zentrale Kraftversorgung", bei dem die Arbeit des Verfassers unter über 300 wissenschaftlichen -Arbeiten aus Deutschland und Oesterreich mit an erster Stelle preisgekrönt wurde. Die Zusammenschlußbewegungen in den verschiedenen bayerischen Landschaften widerlegen ferner u. a. auch in klarer und eindeutiger Weise, daß das partikulare Bayern m dem Sinne, wie der bayrische Ministerpräsident Dr. Held — Auch im niederrheinisch-westfälischen Gebiet werden noch so schwerwiegende örtliche Sorgen schließlich zu einer Frage zweiten Ranges gegenüber den gesamtdeutschen Rotwendigkeiten, die eine sinnvolle Reuordnung im niederrheinischwestfälischen Gebiet fordern. Der richtige Weg ist niemals der eines lokalen oder gar persönlichen 3nteresses, sondern der des ganzen Deutschen Reiches. . . r Der heutige Zustand, wonach die Provinzial- nreiue zwischen Rheinland und Westfalen mitten durch d^ Herz des Ruhrgebietes geht, ist auf die Dauer unhaltbar, besonders wo doch die Einbettung in ein umgebendes landwntschaft- liches Versorgungsgebiet dem Charakter des weiteren Westfalens dem in glücklichster Weise Rechnung trägt. 3m niederrheinischen Gebiet sind Köln unb Düsseldorf nur der Anfang einer großen Entwicklung: der Städtestadt mit zehn bis zwölf übrigen- selbst kein Bayer, sondern Rassauer -> in seiner Tuntenhausener Art zu belegen sich ereifert, im pulsierenden Leben der Gegenwart^ seiner Bevölkerung, überhaupt nicht exi * Der Sinn einer Reichsreform kann nur der sein dem national-staatlichen Gedanken ganz zum Siege zu verhelfen, kein Rord und Süd kerne differenzierte Endlösung. Weder an preußischen noch an bayerischen Grenzen kann eine Reichsreform oder auch nur eine Derwaltungsreform Halt machen, wie dies übrigens die praktisch schon heute sich auswirkenden Beispiele von Rheinfranken, Riederrhein, Obersachsen, Riedersachsen- Weser unverkennbar aufzeigen. Wie dem deutschen Hauptübel der Kleinstaaterei abgeholfen werden muß, zeigt der „Frankfurter Entwurf": Die Entwicklung zum einheitlichen deutschen Staate, die eine deutsche und nationale Frage ersten Ranges ist. Danzig, 7. 3uli. (TU.) Der Danziger Senat hat dem diplomatischen Vertreter der Republik Polen in Danzig, Dr. Papee, eine Rote überreicht, die sich gegen die überhandnehmende polnischeBoykotthehe gegen Danzig wendet. 3n der Rote heißt es u. a., die polnische Boykottbewegung verschärfe lich von Tag zu Tag sowohl in der Presse, wie in den Wirtschaftskreisen, in der polnischen Beamtenschaft und in den nationalistischen Organisationen. Die polnischen Beamten setzten ihre Verhetzung gegen Danzig weiter fort, indem sie besonders bei den Kontrollen nach Danziger Ware die Kaufleute aufforderten, in keinem Fall irgendwelche Waren aus Danzig zu beziehen, ganz gleich, welcher Art diese Waren auch seien. Da alle diese Boh- koltbestrebungen unter den Augen der polnischen Regierung und chres Vertreters vor sich gingen, könne die Vermutung nicht abgewiesen werden, daß diese Maßnahmen von der polnischen Regierung nicht nur geduldet, sondern direkt ober inbirett gefördert würden, daß insbesondere die polnische Beamtenschaft sich aktiv daran beteilige. Die Rote schließt: „3ch möchte daher Sie, Herr Minister, als den verantwortlichen Vertreter der Regierung der Republik Polen in Danzig darum bitten, die erforderlichen und unbedingt notwendigen Maßnahmen sofort zu veranlassen, damit in kürzester Frist dieser augenblicklich betriebenen, unwürdigen Verhetzung erhalten. Wie verlautet, wurde der polnische Wunsch abschlägig beschieden. Oie östlichen Kriedenspakie. Polnisch-rumänische Unstimmigkeiten. Warschau, 7. Juli. (WTB.) Zwischen Polen und Rumänien bestehen offenbar schon seit längerer Zeit Unstimmigkeiten wegen der Nichtnngriffspaktverhandlungen mit Sowjet-Ruhland. Vor einigen Tagen hatte nun der neuernannte rumänische Gesandte in Warschau, Code re, eine lange Unterredung mit Marschall Pilsudski. Cadere soll dem Marschall erklärt hoben, daß der einseitige Abschluß eines Nichtangriffspaktes Zwischen Polen und der Sowjet-Union einen ungünstigen Eindruck in B u k a r e st Hervorrufen müsse. Die polnische Regierung solle deshalb die Unterzeichnung des Paktes verschieben, um Zaleski Zeit zu lassen, in Genf zwischen Titulescu und Litwinow zu vermitteln. Im „Krakauer Kurier" wird behauptet, daß die polnische Regierung auch heute grundsätzlich an der gleichzeitigen Beendigung der Nicht- angriffspaktverhandlungen zwischen Sowjet-Rußland und seiner westlichen Nachbarn festhalte. Erste Wahlrede Hugenbergs. R o st o ck, 7. Juli. (TU.) In Rostock eröffnete der deutschnationale Parteiführer Dr. Hugenbera am Donnerstag den Wahlkampf. An den Anfang seines Wahlkampfes, so erklärt er, stelle er den Gedanken der Staatserneuerung. Die Zeiten seien vorbei, in denen es genügt habe, den Wahlkampf mit der Kritik an dem herrschenden System zu bestreiten. Vor allem müsse gesunde Staatsverwaltung und finanzielle Selb st Verantwortung der Gemeinden gefordert werden. Die Länder müssen wieder Träger der Verwaltung werden. Die Ueber- tragung der Sozialversicherung einschlieh. lich der Arbeitslosenversicherung auf die Gemeinden und Kreise ist Voraussetzung für eine durchgreifende Reform dieser durch den Sozialismus auf den jetzigen Tiefstand gewirtschafteten Einrichtungen. Den Parlamenten muß das Recht genommen werden, Mi. nister abzusetzen. Das Beamtentum muß durch Reinigung von ungeeigneten Parteibuchelementen wieder zum Träger des Staatsgedankens gemacht werden. Denkt man diese Gedanken zu Ende, so kommt man ohne weiteres auf die Entwicklung Deutschlands zum erblichen Kaisertum, Staatserneuerung ist nicht möglich, solange der Marxismus den größten deutschen Bundesstaat Preußen beherrscht. Trotz 162 nationalsozialistischen Abgeordneten ist der Marxismus in Preußen nach wie vor an der Macht. Ein Abkommen, das Nationalsozialisten mit dem Zentrum geschlossen haben, verschiebt die Wahl des Ministerpräsidenten bis nach den Reichstagswahlen und erschwert dem Reich die Möglichkeit, den Marxismus von sich aus in Preußen auszuschalten. Ohne Staatserneuerung ist keine wirkliche Freiheitspolitik denkbar, ohne Staatserneuerung kein Schuß der deutschen Kultur, kein Schutz der christlichen Religion vor der Zerstörungswut der vom alten System einschließlich Zentrum geförderten Gottlosenbewegung. Ohne Staatserneuerung ist auch an einen Wiederaufbau der zusammengebrochenen deutschen Wirtschaft nicht zu denken. Nicht den Staat, sondern die Wirtschaft wollen wir berufsständisch gliedern. Verständlich sei vor allem ein wiedererstarkter Mittel- st a n d. Kundgebung derNSOAp. in Frankfurt Frankfurt a. M., 7. Juli. (WSN.) Anläßlich des Ueberfalls auf die uniformierten Nationalsozialisten in der Langestraße, bei der der Nationalsozialist Hans Handwerk erschossen und sein Bruder verletzt worden ist, veranstaltete die NSDAP, heute abend eine große öffentliche Kundgebung auf dem Börsenplatz, dem ein Aufmarsch der SA., der SS. und der HI. vorausgegangen war. Begleitet von einem starken Polizeiaufgebot marschierten diese Abteilungen von der Saalburgallee durch Bornheim und die Innenstadt nach dem Börsenplatz, wo Stadtrat H e y s e und Gaupresseamtsleiter W o w e r i e s unter dem Motto: „Mit Trauer, Trotz und Treue über Gräber vorwärts!" an die vieltausendköpfige Versammlung An- sprachen hielten, die neben einer Verdammung der scheußlichen Tat in der Forderung nach dem Selb st schutzrecht der NSDAP, ausklangen. Die Versammlung ebenso wie der An- und Abmarsch der Teilnehmer verlief ohne nennenswerte Störungen. Einberufung des Lleberwachungs ausschusses abgelehni. München, 8. Juli. (ERB. Funkspruch.) Der nationalsozialistische Reichstagabgeordnete Gregor Straßer hat als Vorsitzender des Ueber- wachungsausschusses Les Reichstages an die Abgeordneten Torgler (KPD.), Dr. Hertz (SPD.), Weber (Staatspartei), Wegmann (Zentrum) und Pfleger (BVP.) sowie an den Reichstagspräsidenten Lobe Schreiben gerichtet, in der er eine Tagung des Ausschusses für unnötig hält und erklärt, nicht in der Lage zu sein, den Ausschuß eir- zuberufen. Er sei prinzipiell der Meinung, daß das deutsche Volk nicht mehr der aufgelöste Reichstag oder ein Ausschuß des nicht mehr existierenden Reichstages interessiere, sondern einzig und allein nur noch die Zusammensetzung und Leistung des am 31.Juli zu wählenden Reichstages. Aus aller Well. Die amerikanischen Weltflieger bei Minsk ausgefunden. Aenyork, 8. 3uli. (IBIB. Funkspruch.) Aach einer Meldung der „Associated preß" au» Moskau sind die Flieger Griffin und Mattern etwa 80 Kilometer von Minsk entfernt mit ihrem Flugzeug verunglückt. Da» Flugzeug ist be- schädigt. Die Flieger scheinen die Herrschaft über den Apparat verloren zu haben, der der Steuerung nicht mehr gehorchte. Da» Befinden der geretteten Australienflieger. Wie aus Melbourne gemeldet wird, befindet sich der Begleiter des geretteten deutschen Australienfliegers Bertram, Klausmann, unter ständiger ärztlicher Lleberwachung in einem Krankenhaus. Es wird jedoch damit gerechnet, daß er durchkommt. Die Tatsache, daß Bertram und Klausmann die ungeheuren Strapazen überlebt haben, wird als ein großes Wunder bezeichnet und in erster Linie dem Mut und der Entschlossenheit Bertrams zugeschrieben, der in den letzten Tagen nicht nur sich selbst, sondern auch Klausmann am Leben zu erhalten hatte. Beide Flieger trugen lange Bärte, als sie aufgefunden wurden. Absturz in den Bergen. Von einer Lawine wurden an der Nordwand des Gran Zebru in der Ortsgruppe zwei Münchener Touristen in den Abgrund gerissen. Eine Rettungsexpedition ist unterwegs. Zwei Todesopfer beim Ueberholen auf der Landstraße. In Pattfcheid (Kreis Solingen) ereignete sich ein schweres Verke^rsunglück. Ein Personenkraft, wagen überholte Damen des Opladener Frauenver- eins, als im gleichen Augenblick ein Motorradfahrer mit Sozius versuchte, an dem stark links fahrenden Kraftwagen vorbeizukommsn. Es kam zu einem Z u - sarnrnenstoh zwischen den Fahrzeugen. Die beiden Motorradfahrer wurden auf die Straße geschleudert und blieben t o t liegen. Karl Strecker zieht den Reoisionsantrag zurück. Der bekannte Schriftsteller Karl Strecker, der wegen vorsätzlicher Brandstiftung unter Annahme mildernder Tlmstände zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt worden war, hat die gegen dieses Urteil eingelegte Revision zurückgezogen. Hiermit ist der Weg zur Begnadigung frei getoorben, den das Gericht dem Verurteilten bereits in Aussicht gestellt hat. Da» Unwetter im Allgäu. Das furchtbare Unwetter, das in der Gegend von Füssen (Dayr. Allgäu) niedergegangen ist, hat ungeheuren Schaden angerichtet, der sich ziffernmäßig noch nicht annähernd darstellen läßt. Besonders heimgesucht wurden das Zentrum der Stadt, sowie der nördliche und östliche Teil. Stellenweise sieht die Stadt aus, als ob ein Trommelfeuer über sie hinweggegangen wäre. Manche Häuser gleichen Ruinen. Rahezu alle Dachplatten wurden durchschlagen und die Fensterscheiben zertrümmert. Da auf den furchtbaren Hagel- schlag ein gewaltiger Wolkenbruch folgte, drangen die Wassermassen in die Speicher und die oberen Stockwerke der Häuser ein. Viele Wohnräume sind unbewohnbar geworden, so daß Einwohner und Hotelgäste ausquartiert und anderweitig untergebracht werden mußten. Ein trauriges Bild der Verwüstung bieten die Gärten, Wiesen und Aecker in der Umgebung. Es gibt Aecker, auf denen kein Grashalm und kein Pflänzchen mehr steht. - Das Unwetter in Bayern hat auch im Betriebe der Reichsbahn zu Störungen geführt. Zwischen Wasserburg-Dahn- hvf und Wasserburg-Stadt, sowie in der näheren Umgebung, ferner zwischen Ohlstadt und Hechen- dvrf und bei Staltach wurde der Bahndamm vom Hochwasser unterspült und überschwemmt, so daß die Züge Verspätungen erhielten. Zwischen Murnau und Garmisch-Partenkirchen wurden die Reisenden von zwei Zügen mit Kraftwagen befördert. Auch durch Blitzschläge in die elektrischen Fahrleitungen und in die Telephonleitungen wurde der Betrieb der Reichsbahn an mehreren Stellen gestört. Die Störungen konnten alle nach kurzer Zeit behoben werden. Der Vater schießt auf den Sohn. Der durch seinen langwierigen Prozeß gegen die Stadtverwaltung von R e u st a d t a. d. H. bekannt gewordene 70jährige Mühlenbesitzer Moderh von der Heidmühle gab dieser Tage aus dem Jagdgewehr zwei S ch r o t s ch ü s s e auf seinen 43jährigen Sohn ab, die diesen am Hinterkopf und im Rücken schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzten. Wie man hört, soll zwischen Vater und Sohn ein Streit entstanden fein, in dessen Verlauf der Sohn den Vater mit einem Messer bedrohte, worauf der alte Mann zur Waffe griff und die beiden Schüsse abgab. Ob die Annahme der Rotwehr für den Vater zutrifft, wird erst die genaue Untersuchung ergeben. Modery scn. wurde nach seiner Verhaftung und einem ersten Verhör auf freien Fuß gesetzt, da Fluchtverdacht nach den obwaltenden Umständen nicht besteht. Schlimmer Ausgang eine» Wlrlshausstreit». In dem Westerwalddorf L e u tz e r t befanden sich einige junge Burschen in einer Wirtschaft, die das Lokal trotz mehrfacher Aufforderung des Landjägers nicht verließen. Dieser trieb die Burschen schließlich mit Hilfe deS Gummiknüppels aus dem Raum. Die Burschen gaben sich aber hiermit nicht zufrieden. Einer von ihnen ergriff ein Stück Holz und forderte den Beamten auf, mit ihm den Kampf aufzunehmen. Als der Landjäger den Widerspenstigen festnehmen wollte, ergriff der Bursche die Flucht. Bei der Verfolgung sah sich der Beamte gezwungen, einige Schreckschüsse abzugeben. Einer von ihnen traf aber einen völlig unbeteiligten Kraftfahrer aus Hanroth in den Kopf. Der Verletzte blieb besinnungslos und blutüberströmt liegen und wurde in bedenklichem Zustand dem Krankenhaus zu- geführt. Mildwest in Berlin. Ein vor wenigen Tagen auf eine Schankwirtschaft im Rorden Berlins verübter Feuerüberfall hat jetzt seine Aufklärung gefunden. Der Vorsitzende eines Unterweltvereins ,Ar- c o n a" war von dem Wirt wegen dauernder Belästigung seiner Gäste aus dem Lokal gewiesen worden. Wutentbrannt beschloß er, furchtbare Rache zu nehmen. Er befahl telephonisch den übrigen acht Mitgliedern der Kolonne, sofort mit Pistolen bewaffnet anzurücken. 3n wenigen Minuten waren alle Mann zur Stelle. Unter dem Kommando des Führers „®ebt Feuer!" wurde das Lokal durch die Scheiben der Fenster und Türen beschossen Zwei Gäste wurden getroffen und erheblich verletzt. Jetzt ist es der Polizei gelungen, alle acht Mitglieder der Kolonne f eft- zunehmen. Da» Urteil im Prozeß Westenhuber. Dor dem Erweiterten Schöffengericht Traunstein begann dieser Tage die Verhandlung gegen Mich. Westenhuber aus Freilassing wegen Versicherungsbetruges u n d U n t e r s ch l a- gung. Der „Fall Westenhuber" hatte im März d. 3. großes Aussehen erregt, da ursprünglich Raubmord angenommen wurde. Der Vater des Angeklagten war am 19. März im Walde t o t und seiner Barschaft beraubt auf gefunden worden. Die polizeilichen Erhebungen ergaben, daß sich der alte W. nach genauer Verabredung mit seiner Familie selbst erschossen hatte, und der junge W. sich noch in der Rächt zur Leiche des Vaters herangeschlichen und dort verabredungs- gemäß das einkassierte Geld an sich genommen hatte. (!) Durch den vorgetäuschten Raubmord sollte erreicht werden, daß die Hinterbliebenen Westenhubers bei drei Versicherungsgesellschaften den Betrag von insgesamt 50 000 Mark ausbezahlt erhielten. Das Gericht verurteilte jetzt den Angeklagten Michael Westenhuber wegen Hehlerei zu drei MonatenGesängnis unter Freisprechung von der Anklage des Versicherungsbetruges. Die Gefängnisstrafe gilt als durch die Tlnter- suchungshaft verbüßt. Der Staatsanwalt hatte versuchten Versicherungsbetrug und Hehlerei angenommen und insgesamt 7 Monate Gefängnis beantragt. Aus ver Provinzialhauptllavt. Gießen, den 8. Juli 1932. Oie weite Welt. „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt", heißt es in dem viel gesungenen Wanderlied. „Berg und Tal und Strom und Feld", die diese weite Welt ausmachen, sind aber überall der Wunder so voll, daß auch schon die Nähe zu unendlicher Weite werden kann, wenn man sich die Mühe macht, diesen Wunderborn zu suchen und in seinen ewigkeitsnahen Spiegel zu schauen. „Wozu denn in die Ferne schweifen, sieh', das Gute liegt so nah'!" ist durch die Not der Zeit bei Hun- dcrttausenden eine Notwendigkeit geworden, aus der sie wohl oder übel eine Tugend werden machen müssen. Denn die Weite der Welt ist ja nicht allein bedingt durch die Anzahl der Kilometer, die man braucht, um zu ihr zu gelangen. Die Weite der Welt wird viel weniger eine Angelegenheit des Geldbeutels als des Willens und der Fähigkeit, in jedem noch so unscheinbaren Pflanzengebilde,die Kräfte zu ahnen und zu fühlen, die den Gedanken bis in die unbegrenzten Weiten des Alls und der Allmacht zu schweifen erlauben, bis in jene traumvergoldete Gefilde, die dje Heimat der Seele find. Reifen in die weite Welt find bei den meisten Menschen doch nur Durchreisen durch Gegenden in irgendwelchen Landstrichen, auf denen das Schöpferauge mit besonderem Wohlgefallen ruhte. DaS Tempo, mit dem dies in der Regel geschieht, summiert die Eindrücke zu einer bunten Masse von Bildern, zu einer schillernden Oberfläche, zu einer rein optischen Schau, die kaum genossen, schon von neuen Reizen auf der Retzhaut abgelost und ausgelöscht sind. Tlnd zum Schlüsse ist eine solche weite Welt, die man durchraste, doch immer nur einer farbigen Scheibe vergleichbar, bei der die rasche Tlmdrehung die einzelnen Töne in einen verwaschenen Farbton zusammenfliehen läßt. Die weite Welt ist dann nur noch eine kleine Episode, wie tausend andere, ein Raturfilm, den man sich auf einer Freilichtspielbühne angesehen hat. Man kommt nach Hause, und das unbeschreiblich schöne Lied von der Erde ist aus, wird übertönt von dem gewohnten und nie ganz ausgeschalteten Tamtam beim Tanz um das goldene Kalb. Wozu also derartige Hetzjagden in eine Welt, in der man ständig aus Angst vor sich selbst auf der Flucht vor der Langeweile ist? Die Langeweile ist nämlich ein Zustand, den auch die weiteste Welt nicht zu ändern vermag, weil sie ihre Tlrsachen nur äußerlich tarieren kann. Es wird immer nur ein Sonnenstreifen zwischen Wolken über daS innere Oedland wandern, und hinterher ist wieder Schatten. Die weite Welt, wenn sie wahrhaft den Blick weiten, wenn sie die Wunder wirken soll, die ihr innewohnen, bedarf nicht des Autos oder des Flugzeuges. Sie liegt gewöhnlich nur eine oder einige Wegstunden Wanderung weit. In dem engen Raum von einigen Kilometern können Welten an Weite des Wissens um wirklich Wertvolles eingeschlossen fein. Das find jene Werte, deren Wirkung weit über eine augenblickliche Freude an dem Schönen hinausgeht, das sich den Sinnen zum Genüsse bietet. Darum: die weite Welt ist kein Massenvergnügungsartikel, weder an Kilometern, noch an Kosten, noch an Kurz-(beziehungsweise Lang)- we'.l. Die weite Welt muß zu dir kommen. Dazu mußt du sie suchen, in der festen Absicht, aus der täglichen Enge dich zu erheben in die Weite der tieferen Bedeutung alles Sichtbaren. Eine solche Reise zu sich selbst ist für die Heutigen oft ein weiterer Weg, als um den ganzen Erdball. Kig. 40 Sonderzüge zum Sängerfest. Der Sonderzugfahrplan der Reichsbahn. Die Reichbahndirektion Frankfurt a. M. gibt soeben die Fahroläne für die Sonderzüge aus Anlaß des XI. Deutschen Sängerbundesfeftes in Frank- furt a. M. vom 21. bis 24. Juli heraus. Für das Fest liegen über 33 000 verbindliche Anmeldungen vor. Die Teilnehmer werden zum größten Teile in Sonderzügen nach Frankfurt a. Ä. gebracht. Die Zahl der Teilnehmer zwang die Reichsbahn, die Zahl der Sonderzüge von 29 auf 40 zu erhöhen. Da ein großer Teil der Sänger im Anschluß an das Fest nicht sofort zurückfährt, werden für die Rück- fahrt nur 30 Sonderzüge benötigt. Die dienstliche Bezeichnung der Sonderzüge lautet „S a e p" (Sän- gerpersonenzüge). Abgangsorte der Sonderzüge sind die Städte Stettin, Königsberg, Chemnitz, Breslau, Beuthen^ Berlin, Basel, München, Bremen, Wien, Düsseldorf, Bonn Nürnberg, Saarbrücken, Stuttgart, Kassel, Tübingen, Friedrichshafen, Hannover, Zweibrücken, Freiburg, Essen, Mannheim, Hof, Stendal, Naumburg, Altona, Riesa, Zwickau, Dres- den, Bautzen, Kottbus. Von den Sonderzügen berühren 3 unsere Stadt. Hier wird den Sängern Gelegenheit zu einem Heinen Erfrischungsaufenthalt geboten fein. In Gie - ßen hält der „Saep" Nr. 1, der am 19. Juli in Stettin abfährt, in Gießen kurzen Aufenthalt nimmt und am 20. Juli 5.29 Uhr weiterfährt. Der Sonderzug Nr. 3 kommt ebenfalls von Stettin, nimmt in Gießen Aufenthalt und fäh--, >>.m 21. Juli 6.28 Uhr nach Frankfurt weiter. Neben diesen beiden Zügen berührt auch noch der Sonderzug von Bremen unsere Stadt. Der Saep Nr. 22 fährt am Abend des 21. Juli von Bremen ab, nimmt am 22. Juli morgens in Gießen Aufenthalt und fährt um 5.50 Uhr nach Frankfurt weiter. Erleichterungen für den Reiseverkehr in der Tschechoslowakei. In einem zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei abgeschlossenen Abkommen ist eine teilweise Flüssigmachung der in den beiden Ländern infolge von Maßnahmen zur Regelung des Zahlungsverkehrs festliegenden Guthaben im Wege des Reiseverkehrs vorgesehen. Für deutsche Reisende kommt folgendes Verfahren in Betracht: Mit Genehmigung der Devisenbewirtschaftungsstellen dürfen über den im Rahmen der Freigrenze zulässigen Betrag von 200 Mark hinaus weitere Betrage bl- zu 500 Mark in Form von Akkreditiven, Schecks oder Auszahlungen auf Plötze in der Tschechoslowakei bei inländischen Kreditinstituten, oder Hotelgutscheine des Mitteleuropäischen Reisebüros erworben werden. Die Reisenden haben den Kredit- instttuten oder Reisebüros, bei welchen sie Forderungen erwerben wollen, außer den Genehmigungsbescheiden auch die Reisepässe vorzulegen. Die Genehmigung berechtigt nur zur Bestreitung der Aufenthaltskosten in tschechoslowakischen Bädern, Kurorten und Sommerfrischen. Deutsche Gläubiger, die in der Tschechoslowakei Guthaben besitzen, haben die Möglichkeit, mit Genehmigung der De- wisenbewirtschaftungsstellen und der tschechoslowakischen Nationalbank Beträge bis zu 100 000 Ko. auf ein Sammelkonto bei der Böhmischen Unionbank in Prag zu überweisen. Diese Beträge werden nach bestimmten Richtlinien zur Auszahlung in Reichsmark an die deutschen Gläubiger gelangen. Nähere Auskunft erteilen die Industrie- und Handelskammern. Erfolgreiche Gießener Stenographen. Der diesjährige Verbandstag des Hessisch- Rassauischen K u r z f ch r i f t v e r b a n d e s in Bingen, der in 127 Vereinen insgesamt 10 000 Mitglieder vereinigt, war mit einem Wett- schreiben verbunden, an dem sich über 1100 Personen beteiligten. Als Höchstleistung wurden 340 Silben geschrieben. Der nächste Verbandstag soll in Friedberg stattfinden. An dem Wettschreiben beteiligten sich u. a. auch eine Anzahl Mitglieder der 1. Reichskurzschriftgesellschaft Gießen. Folgende Gießener Stenographen konnten mit Preisen bedacht werden: 2 60 Silben. 2. Preis: Kurt Moosdorf; 3. Preis Georg Wahl. 180 Silben. 2.Preis: Hilde Kuhl. 160 Gilben. 1.Preise: Johanna Bohl, Aug. Schott, Karl Röhm, Karl Brücke!, Alfred Bormuth, Minna Gerbig, Erna Reininger: 2. Preise: Käthe Demuth, Otto Wahl; 3. Preise: Theo Schwarz, Annemarie Steinberger. 14 0 Silben. 1. Preis: Emmi Overbeck. 120 Silben. 1. und Ehrenpreis: Luise Reinhardt: 1. Preise: Wilhelm Hofmann, Karl Marth, Karl Dree, Emmy Roth, Johanna Graf, Ilse Lehmann: 2. Preise: Else Leinweber, Luise Metz. Gertrud Schäfer: 3. Preise: Christel Emmel, Otto Wilhelm. 10 0 Silben. 1. Preise: Rudolf Günther, Elli Schick, Aenne Magold, Alfred Wissemann. Alfons Klein, Hans Fuhr, Adolf Schmitz: 2. Preis: Hedwig Lehnhardt: 3. Preis: Aenne Fendt. 80 Silben. 1. und Ehrenpreis: Otto Keßler; 1. Preise: Hermann Blum, Theodore Heinz, Erich Sauer, Elisabeth Paul, Helmut Holzigel, Adam Krug: 2. Preise: Kurt Simon, Annemarie Seibert, Otto Mädel: 3. Preise: Willi Althaus. Ferdinand Dörfner, Irene Wintterlin, Marie Gerbig, Gretel Niederhöfer. Bornotizen. — TageskalenderfürFreitag. Gießener Konzertoerein: 20 Uhr im Stadttheater Orchesterkonzert. — Oberhessischer Kunstoerein: Turmhaus am Brandplatz, 15 bis 17 Uhr Ausstellung. — SPD.: 20 Uhr im Caf6 Leib Proteltverfammlung. — Zeltmission, Oswaldsgarten: 16 Uhr Bibelstunde; 20.15 Uhr religiöser Vortrag. — Lichtspielhaus, Bahnhof- straße: „Durchlaucht amüsiert sich". — Der Kavallerie-Verein Gießen begeht am morgigen Samstagabend im ©aale des Cafe Leib sein 25. Stiftungsfest. Im heutigen Anzeigenteil werden die Vereinsangehörigen, sowie Freunde und Gönner des Vereins zu der Veranstaltung eingeladen. (Siehe Anzeige.) ** Aus dem Cichgärtengebiet. Durch freiwilligen Arbeitsdienst wurde dieser Tage das bisher neben dem neuen Schulgebäude lagernde Aushubmaterial planiert, so daß sich das Schulgebäude jetzt wesentlich vorteilhafter präsentiert. Rachdem nun der Ausbau der verlängerten Roon- strahe und die Verbindungsstraße zwischen dieser und der Wolfstraße nahezu fertiggestellt ist, kann in Kürze der Fußgänger- und Fuhrwerksverkehr durch die neu geschaffene Straße „In den Eichgärten" am Schulhausneubau vorbei nach dem Philosophenwald einsehen. Außer einer weiteren Zugangsmöglichkeit zum Philosophenwald ist hier auch ein neues Dauviertel entstanden. •• Eine Langemarck-Kundgebung auf der Burg Gleiberg, veranstaltet von der Hochschulgruppe Gießen des Rationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes, findet morgen, Samstag, 20.30 Uhr beginnend, statt. An der Veranstaltung nehmen il a. Vertreter der Gießener Studentenschaft, sowie die nationalen Verbände aus Oberhessen und den anschließenden preußischen Gebieten teil. Die Langemarck- Gedenkrede wird der 1. Vorsitzende der Gießener Studentenschaft, stud. rer. pol. Edler v. Graeve, halten. Weiterhin sieht die Dortragsfolge Gedicht- und Liedervorträge, Sprechchöre, Musik einer Heroldstrompeten-Kapelle, Burgbeleuchtung und Feuerwerk vor. Den Abschluß der Kundgebung wird ein Fackelzug bilden. Zu der Veranstaltung wird auch eine zahlreiche Beteiligung der Gießener Bürgerschaft erwartet. ** D e u t s ch e Z e l t m l s s i o n. Zu dem gestrigen Sondervortrag „Göttliche Ordnungen im Familienleben" hatten sich überraschend viele Zuhörer eingefunden. Alle lauschten mit gespannter Aufmerksamkeit den fesselnden Ausführungen des Redners. Er sprach über die göttlichen Ordnungen für des Hauses Vater, des Hauses Mutter und des Hauses Kinder. Der Vater ist zunächst des Hauses Ernährer. „Wer seine Hausgenossen nicht versorgt, der ist ärger denn ein Heide." Er ist des Hauses Herr. Seine Stellung im Hause ist die der unbedingten Autorität. In allen Streitfällen spricht er, gleichsam als letzte Instanz, das entscheidende Wort. Freilich soll diese Herrschaft eine Herrschaft der Liebe sein, wie ja in der Familie alles nur vom Standpunkt der Liebe aus geregelt werden kann. Wo Liebe und Treue fehlen, da machen böse Geister sich breit. Die Mutter sollte mit dem Vater vor allen Dingen eins sein in der Kindererziehung. Zwiespalt der Eltern in Erziehungsfragen ist ein böses Ding. Dazu erwartet die Schrift von ihr, daß sie sich dem Manne unterordnet und ein Leben des Dienstes und der Selbstverleugnung lebt. Die Aufgabe des Mannes ist, zu sorgen und zu leiten; die Aufgabe der Frau, zu dienen und zu helfen. Modern sind zwar solche Auffassungen nicht, aber biblisch und gesegnet. Den Kindern zieht die Heilige Schrift zwei Linien: Ehrerbietung und Gehorsam. Packend und ergreifend waren die Beispiele, aus reicher Erfahrung geschöpft. Heute findet ein zweiter Sondervortrag statt über das Thema: „Der Kampf um die Che". Jedermann, ohne Unterschied des Standes, der politischen Einstellung und der Konfession ist eingeladen. Deginn 2015 IHjr. Eintritt frei. Standort des Zeltes: Os- Waldsgarten. •• Evangelisches Jugendtreffen in Arnsburg. Am kommenden Sonntag findet, wie schon kurz berichtet, in Arnsburg ein allgemeines evangelisches Jugendtreffen statt. Im Jugendgottesdienst hält Landcsjugendpfarrer von der Au die Predigt. Zur Ausgestaltung des Gottesdienstes haben verschiedene Posaunenchöre. der Kirchengesangverein Lich und ein Jugendchor ihr« Mitwirkung zugesagt. Bei der Nachfeier ist die Aufführung eines Laienspiels, das Tellspiel der Schweizer Dauern, vorgesehen. , das Dr. Paul Kammer, der seitherige Leiter der Volkshochschule Hohensolms, mit verschiedenen oberhesfischen Dolksschülern eingeübt hat. Dieses Spiel hat bei seiner Aufführung auf der Ronneburg bei der Schaugemeinde einen gewaltigen Eindruck hinterlassen. Im gleichen Maste wird auch der köstliche „Peter Schuenz", aufgeführt durch die Licher Jugendvereinigung, allen Zuschauern viel Freude bereiten. Für die Belebung des Rasens wird die evangelische Jugendvereinigung unter Leitung von Stiftspfarrer D r a u d t besorgt sein. Das Schlustwort spricht Pfarrer Strack- Münster. ** Für das Turn- undSporta biz eich e n kann am kommenden Sonntag die Prüfung für Gruppe 5 (Radfahren) abgelegt werden. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. zur Förderung vermehrter Milchabsonderung. Der G a r t e n s a l b e i, ein Lippenblütler, hat in seinen Blättern und jungen Trieben Säfte, die heilend bei Durchfall wirken, und in Wein gekocht heilsam bei Leber- und Nierenleiden sind. Weiterhin sind noch Majoran. Thymian. Rosmarin und Ringelblume zu nennen, die alle als Hausmittel Verwendung finden. Wer Gartenpflanzen zu heilkräftigem Tee net* wenden will, dünge möglichst wenig mit Pfuhl, aber reichlich mit Kalk und Euperphosphat, dessen wasserlösliche Phosphorsäure im Verein mit Kali den Wohlgeschmack und die Bekömmlichkeit der Getränke erhöht. Wer wirtschaftseigene Dünger nicht zur Verfügung hat. greife zu den im Handel erhältlichen Mischdüngern, von denen sich Am-Sup-Ka in seiner Form 8X8x8 besonders Unsere einheimischen Heilkräuter. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die ältesten Arzneistoffe die Pflanzen gewesen sind. Der kranke Naturmensch suchte nach Heilmitteln und fand diese ob durch Zufall oder den Naturtrieb der Tier «nachahmend, bei gewissen Kräutern. Mit der zunehmenden Zahl der Krankheiten wuchs in weit stärkerem Maste der Glaube an die Kräuterheilkraft, so dah es bald dahin kam, dah fast jede auffällige Pflanze als heilkräftig angesehen wurde. In dicken .,Kräuterbüchern" aus dem 16. und 17. Jahrhundert finden wir diese Pflanzen und ihre Verwendung als f,eilmittel eingehend beschrieben. Diese Kräutereilkunde erreichte ihren Höhepunkt nach der Entdeckung Amerikas, wodurch zahlreiche neue Heilpflanzen eingeführt wurden. Wenn man auch heute weist, dast der Aberglaube fast 1000 von ihnen wunderbare Kräfte andichtet, so steht doch zweifelsohne fest, dah gewisse Kräutersäfte bet manchen Krankheiten einen sichtbaren Erfolg her» beiführen. Ein Teil der heilsamen Stoffe, die man früher nur aus Pflanzen gewann, werden heute auf chemischem Wege erzeugt. Immerhin werden im „Arzneibuch für das Deutsche Reich" noch etwa 100 Kräuter als gebräuchlich aufgezählt. Dazu gehören auch die meisten einheimischen Giftpflanzen, die nur in der Hand des Arztes wichtige Heilmittel sind. Hier sollen uns vornehmlich die Arzneipflanzen beschäftigen, die noch überall als Hausmittel Verwendung finden. Es gibt wohl keine ländliche Hausfrau, die nicht alljährlich „Tee" sammelt sowohl für die Lieben der Familie, als auch für die Haustiere. Leider muh sestgestellt werden, dast die Jungen dieser Fürsorge des öfteren achselzuckend gegenüberstehen und oft noch ein Stück Aberglauben darin erblicken. Diel zu wenig ist auch bekannt, dah unseren Heilkräutern eine vorbeugende Heilkraft inncwohnt. Dabei sei an die von Kneipp empfohlene Frühlingskräuterkur erinnert, die darin besteht, dast man dem Körper den Saft gewisser Frühlingskräuter zuführt. Mir sind heute noch ländliche Haushaltungen bekannt, die jahrein, jahraus selbstgesammelten Tee trinken und dabei über mangelnde Gesundheit nicht zu klagen haben. Zu den bekanntesten Heilpflanzen zählt die echte Kamille. Tee. aus den getrockneten Dlütenköpfen hergestellt, wirkt schweißtreibend und beruhigend und findet bei Erkältungen Leibschmerzen und Blutandrang nach dem Kopfe vielfach Verwendung. Vielfach wird der Fehler begangen. den Tee zu kochen anstatt nur zu über- brühcn. Erwärmte Blüten in Kissen — landläufig Kamillesäckchen genannt — auf Geschwüre und Entzündungen aufgelegt, wirken zerteilend und erweichend Sie leisten auch vorzügliche Dienste gegen Zahnschmerzen. Die Linde liefert in der gelblichen Doldentraube den köstlichsten und gewürzhaft schmeckend» sten Tee. Er hat schweißtreibende, krampfstillende Wirkung und man erzielt bei Schnupfen, Husten und Verschleimung der Lungen mit ihm immer eine sichtbare Erleichterung. Durch Zusatz von Schafgarbe oder Kamille wird die Heilkraft ver- Der Baldrian wächst überall an Gräben, älfern, im Gebüsch und blüht von Mai bis August in rötlichen Trugdolden. Die Wurzel tyird nach der Blüte gesammelt. Aus ihr bereitet man in getrocknetem Zustande einen krampf- und schmerzstillenden Tee. Baldriantropfen, vier bis fünf, jedesmal auf Zucker genommen, sind bei nervöser Magenverstimmung und Magenkrampf von guter Wirkung. Wir haben bis jetzt eine Auswahl der wichtigsten Heilpflanzen getroffen. Es sollen nun solche folgen, die sich der Gartenfreund selbst anbauen kann, und die in vielen Gärten bereits als Gewürzkräuter anzutreffen sind. Jedermann bekannt ist die A n i s p f l a n z e, aus deren Blüten heute noch stillenden Müttern Tee bereitet wird gut eignet. Nun noch ein Wort über das Sammeln und Trocknen. Gewiß kann man alle Teekräuter käuflich haben, aber es empfiehlt sich, diese selbst zu sammeln. Man hat dann die Gewißheit, frische Ware zu haben und kann immerhin auch ein schönes Stück Geld sparen. Man wähle nur gesunde Pflanzen aus und schneide sie ab, um den Wurzelstock zu schonen. Das Trocknen der Pflanzen soll sachgemäß erfolgen, damit die Güte der Kräuter keinen Schaden erleidet. Niemals sehe man sie dabei den Sonnenstrahlen unmittelbar aus, weil sich sonst die heilkräftigen Stoffe zum Teil verflüchtigen Man breite die Heilpflanze an einem schattigen, der Zugluft zugängigen Orte aus und wende sie mehrmals. Je langsamer sie trocknen, um so gewürzreicher bleiben sie. Die Aufbewahrung erfolgt am besten in gut schließenden Schachteln oder Blechdosen. Bw. OJL-Sport Mit der „Europa" nach AGA. Äm Sonntag treten die deutschen Olympia-Teilnehmer an Bord des Ozeanriesen „Europa des Norddeutschen Lloyd die Ueberfahrt noch Amerika an. — Rechts unten: Staatssekretär Lewald. der Organisator der deutschen Olympia-Vertretung. ■....... MM K iLifü&iüä—-— stärkt, und Versüßen mit echtem deutschen Bienenhonig erhöht die schleimlösende Wirkung. Sowohl die kleinblättrige Winter- wie auch die großblättrige Sommerlinde waren unseren heidnischen Vorfahren heilig. Ein allgemein bekannter, aber noch mehr verkannter Strauch ist der Holunder. Ueberall ist er im Wege, und Junge und Alte schneiden und zerschneiden ihn. Wohl nirgends hat er Anspruch aus Pflege und Wertung. Dabei ist dieser Allerweltsstrauch Wildstrauch und Heilpflanze zugleich. Kenner sammeln seine duftigen^Blüten und bereiten daraus einen Tee (ein Teelöffel auf eine Tasse), der blutreinigend, schweißtreibend und gelinde abführend wirkt. Aus den dunkelschwarz glänzenden Beeren, die uns im Herbst alljährlich in reichem Segen aus dem saftiggrünen Laub entgegenleuchten, läßt sich Saft, Gelee und Mus bereiten. Auch dient der dunkle Saft zum Färben des wasserhellen Birnweins. Nicht genügend gewürdigt wird die Schafgarbe. Wohl sammelt sie der Bauersmann zum Heiltrank für das Rindvieh. Gute Dienste aber keiftet sie auch im Haushalt. Ein Tee aus Kraut und Blüten, mit Johanniskraut gemischt, löst den verstocktesten Schnupfen und erzielt bei Grippe immer Besserung. Daß sie so wenig als Arzneipflanze eingeführt ist, mag daran liegen, daß der Tee herb und bitter schmeckt. Reichlicher Zusatz von echtem deutschen Bienenhonig erhöht nicht nur die Heilkraft, sondern macht den Tee auch mundgerechter. ______ Gießener Rudergesettschast auch in Offenbach. Die Gießener Rudergesellschaft für Samstag und Sonntag ihre Mannschaften für Bad- Ems gemeldet, für den darauffolgenden Sonntag aber auch zur Regatta in Offenbach. Der Achter der GRG. wird zum Zweiten Achter (Taunuspreis) an den Start gehen und als Gegner den Offenbacher RV. 74 und die Wormser RG vorfinden. Ferner werden die Gießener zum Doppelzweier ohne Steuermann (Theodor-Boehm- Gedächtnispreis) an den Start gehen und dabei auf die Mannschaft des Offenbacher RG. Undine und des Wassersportvereins Godesberg treffen. Den härtesten Wettbewerb dürfte aber sicherlich das letzte Rennen des Sonntags der Erste Achter (Jubiläumspreis) bringen. Hier liegt der Achter der Gießener Dudergesellfchaft dem Achter der Mainz-Kastcler RG. 1880 gegenüber. Auf den Ausgang dieses Rennens ist man in weiten Kreisen der Ruderer sehr gespannt. Hellas Magdeburg siegt in Saarbrücken Die Magdeburger Schwimmer trugen am Mittwoch gegen den stärksten Saarverein, den SV. 08 Saarbrücken, einen Clubkampf aus. Die Magdeburger siegten im Gesamtergebnis mit 35:25 Punkten, wobei sie sich überraschenderweise in der Brust- staffel überlegen geschlagen bekennen mußten. Das Wasserballspiel endigte 9:4 für Magdeburg._______ Ein Tennisturnier auf dem Zeldberg. Der Feldberg im Schwarzwald, der sich als eines der besten deutschen Skigelände eines sehr guten Rufes erfreut, wird nun auch als Stätte des Tennissportes Bedeutung erlangen. Die beim Feldberger Hof vor drei Jahren errichtete ausgezeichnete Turnierplatz-Anlage wird in diesem Jahre zum ersten Male einem „Allgemeinen Turnier dienen, das unter der Leitung des Freiburger Tennis- und Hockeyclubs stehen wird. Das Turnier findet vom 20 bis 24. Juli statt Da bereits mehrere deutsche Ranglisten-Spieler ihr Kommen zugesagt haben, so ist guter Sport zu erwarten. Kurze Sportnotizen. Zu unerhörten Szenen kam es beim Mitropa-Cupspiel in Prag, das von Slawin Prag gegen Juventus Turin 4 0 gewonnen wurde. Nach einem Roheitsakt eines italienischen Spielers gegen den Wiener Schiedsrichter Braun stürmte das Publikum den Platz und richtete die italienischen Spieler übel zu. Die italienische Presse fordert nun einen Boykott des tschechischen Sports. Spielvereinigung Leihgestern. Am kommenden Sonntag weilt die Schiedsrichtervereinigung Gießen-Butzbach mit der 1. und der 2 Mannschaft in Leihgestern. Es sollen zwei Belehrungsspiele zum Austrag gelangen und gleich- Oeuffchlands einziger Springer in Los Angeles. Der Hamburger Köchermann, wohl der beste deutsche Weitspringer, ist jetzt von dem Deutschen Olympiakomitee nachträglich in die deutsche Expedition für Los Angeles ausgenommen worden, ür die er eine beträchtliche Verstärkung bedeuten bür te. sehen: auf. Man er» Tore 13:7 11:16 15:16 Lollar Launsbach Albach Gew. 3 1 1 Punkte 7 3 2 Unentsch. 1 1 0 Gauklasse Verl. 0 2 3 Lollar steigt somit zur wartet, daß sie in der kommenden Saison einen be> achtenswerten Gegner in ihrer Klasse darstellen. zeitig den Schiedsrichtern Gelegenheit gegeben werden, sich in körperlicher Hinsicht für die kommenden Derbandsspiele vorzubereiten. Beide Mannschaften konnten in ihren letzten Spielen achtbare Ergeb- Handball im Lahn-Dünsberg-Gau Am kommenden Sonntag finden in Atzbach Schiedsrichter-Belehrungsspiele statt. Die Mannschaften Waldgirmes II — Atzbach I sowie Waldgirmes I — Atzbach I werden sich gegenüber- stehen. Rach Beendigung der Aufsttegspiele zur Gauklasse hat die Tabelle folgendes Aus- WettervorherfagefürSanistagundSomttag Don der Biskaya ausgehend erstreckt sich in nordöstlicher Richtung hoher Druck über Deutschland nach dem Baltikum hin. Wenn er auch bestimmend für den W'ckerungscharakter sein wird und eine gewisse Beständigkeit aufkommen läßt, so dürfte sich durch das Einmischen von ozeanischer Luft noch Be wölkung einstellen, wobei namentlich mehr im nordöstlichen Teil unseres Bezirkes vereinzelt geringe Niederschläge nicht ausgeschlossen sind. Trotz der einwirkenden Sonnenstrahlung wird die vorn Ozean zufließende Luft die Erwärmung noch etwas zurück- halten. Aussichten für Samstag: Bewölkt mit Aufheiterung, meist trocken, Temperaturen vorerst wenig verändert. Aussichten für Sonntag: Warmes, wolkiges und aufheiterndes Wetter mit Neigung zu einzelnen Niederschlägen. Lufttemperaturen am 7. Juli: mittags 20,8 Grad Celsius, abends 17,4 Grad; am 8. Juli: morgens 16,4 Grad. Maximum 21,9 Grad, Minimum 13,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 7. Juli: abends 22,3 Grad; am 8. Juli: morgens 18,3 Grad Celsius. — Niederschläge 0,2 mm. — Sonnenscheindauer laA Stunden. Kircklicbe Rackrichten. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 9. Juli. Vorabend 7.45 Uhr; morgens 8.30; abends 8.55 und 9.35 Uhr. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bi» 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag naduniHag geschlossen Trinkt Jad)inget. Das altberühmte Heil- und Ge- sundheitswasjer Staat!. Fachingen hilft in vielen Fällen mit zum Gesunden und macht Gesunde widerstandsfähiger gegen das Erkranken. 220V Flit Crerne. Neu. Flit ist aller Welt bekannt als Jnsekten-Dertilgungsmittel im geschlossenen Raum. Draußen freilich konnten Stechmücken und Fliegen nach Lust ihren Blutdurst stillen; denn es gab noch kein vollkommenes Schutzmittel gegen diese Plage- geister. Dieses Schutzmittel ist Flit-Creme. Es schützt vor Insektenstichen, ist geruchlos, fettfrei, angenehm im Gebrauch und stundenlang sicher wirksam. Flit- Creme ist in allen Fachgeschäften zu haben. 5095V über 5 Pfg. edle, nimmt man für Zigare echt macedonische Tabake. Wir nehmen sie auch für club rz, denn gute macedo- nische Tabake sind eben nicht zu ersetzen. Ms MO W. Original-I^oman von Anny von panhuyü. Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig. 2 SottlcL j. Nachdruck verboten! Er lächelte zufrieden. Wie vernünftig die kleine Lil war. Nachmittags ging seine Mutter aus, erst am Abend, nachdem er noch ein paar dringende Besuche gemacht, kam sie zurück. Sie stürmte ganz aufgeregt in sein Zimmer, darin er sich ein Viertelstündchen ausruhte und rief schon von der Tür her: »Das ist ja eine schöne Geschichte, die Lil sich jetzt einbrockt. Du mußt sofort zu ihr! Ader nein, es ist Wohl besser, ich gehe selbst und erkläre ihr, es gehört sich nicht, was sie vorhat. 3d) war bei Frau von Welp und sie fragte mich, ob es wahr wäre, Lil Körner beabsichtige in der Wohltätigkeitsvorstellung in einer Clownnummer aufzutreten. Frau Direktor Mager kam noch dazu und behauptete, Lil hätte es ihr heute vormittag selbst erzählt." „Dann wird es wohl stimmen", erwiderte Werner trocken, „denn mir hat sie es gestern auch erzählt." Die Baronin nahm ihren Hut ab und warf ihn auf einen Stuhl: „Unt> du hast das ruhig mit angehört, Werner, hast sie nicht auf das Unstatthafte ihres Vorhabens aufmerksam gemacht?" fragte sie und um ihren Mund zuckte es unaufhörlich. Er zögerte mit der Antwort. Wenn er ganz ehrlich sein wollte, hatte es ihn ja anfangs auch befremdet, daß Lil als Clown vor die Oeffentlich- kcit treten wollte. Es war etwas, was ihm zu einer Frau nicht zu passen schien. Aber sie hatte ihn schnell zu ihrer Ansicht bekehrt, und er wollte, wenn nun schon seine Mutter Partei gegen sie ergriff, nicht dasselbe tun. So log er denn: „3ch fand und finde nichts plnstatthaftes dabei." Die Baronin sank auf einen Stuhl nieder. „Nun hör aber auf, Werner! 3ch denke, du willst Lil heiraten? Und da meine ich, mühte es dich eigentlich verflixt stören, wenn dir später, nach der Hochzeit, jeder beliebige Patient, der sich für ein paar Mark eine Eintrittskarte zu der Wohltätigkeitsvorstellung gelöst hat, erklären kann: 3hre Frau war großartig als Clown! 3ch hab mich scheckig gelacht über ihr dummes Gesicht, und Fratzen hat sie geschnitten, Fratzen! 3ch muß jetzt noch lachen, wenn ich Ihrer Frau begegne." Werner unterdrückte eine schnelle Antwort. Denn er fand, seine Mutter hatte recht. Von dem Standpunkt aus hatte er die Sache noch nicht betrachtet. Er dachte nach. Ach was, die Mutter sah wieder alles viel zu scharf wie immer. Ein paar alte Klatschschwestern würden sich die Zungen müde reden über etwas, was sie nicht begriffen und damit war dann alles erledigt. Er erwiderte: „Nimm die Geschichte nicht zu ernst, Mutter, es lohnt nicht. Ich gebe ja zu, es ist reichlich ungewöhnlich, daß eine junge Dame der Gesellschaft als Clown auftritt, aber die Hauptsache ist doch, daß jeder bei so einer Vorstellung zeigt, was er kann. Else Manners singt sehr gut, Herr von Bär spielt fast künstlerisch Cello, Marie Dehn trägt Couplets vor und Lil spielt Clown." Er lächelte: „Sie hatte schon von Kind an die Neigung zur Komik in der Art derClowns. Ihr Vater meint, seit sie zum ersten Male in einem Zirkus gewesen. Und das müssen wir ihr lassen, ihre Art und Weise dabei ist unwiderstehlich. Der verknöchertste Mensch muh lachen, wenn sie ihren Blödsinn losläht." Seine Mutter war empört: „Du stehst dem verdrehten Mädel noch bei? Ja, Werner, begreifst du denn nicht, wie sehr sie sich und später' auch dir schaden kann durch den Unfug? Es bleibt etwas davon an ihr hängen. Eine Frau, die man einmal so gesehen, meine ich, nimmt man nachher nicht mehr ernst." Er zuckte die Achseln. „Ich mische mich nicht ein und wenn du klug bist, tust du es auch nicht. Wozu Lil und ihren Vater verärgern." Die letzten Worte gäben den Ausschlag. Die Baronin ging manchmal zu ihrem Stiefbruder und lieh sich Geld, wenn sie Anschaffungen machen wollte, die ihre Verhältnisse überschritten und Eduard Körner gab bereitwilligst und verlangte niemals etwas zurück. Sie neigte den Kopf. „Ganz wie du willst, Werner." Sie verlieh das Zimmer und begab sich in ihre Schlafstube und zog ein einfaches Hauskleid an. Sie dachte aber noch über die Unterhaltung mit dem Sohne nach. Er hatte sofort Partei für Lil genommen. Das würde einmal unangenehm werden, wenn Lil erst hier einzog als seine Frau. Die wollte dann das Haus verlassen, Lils Lachen und deren immer fröhliche Miene würden ihr ja sowieso unerträglich werden. Sie schimpfte vor sich hin: Wie kann sich nur ein anständiges Mädchen zum Narren vor dem Publikum machen wollen. Es ist schamlos im höchsten Grade! Am nächsten Tage suchte Werner Sturm Lils Vater in der Dank auf* Die grohe Privatbank Körner und Sohn war von dem Vater des jetzigen Besitzers gegründet worden. Sie galt als grund- solide und viele Altfrankfurter Familien schworen auf die Gediegenheit und Sicherheit der Firma. In letzter Zeit aber hatte sich Eduard Körner an ein paar ausländischen Spekulationen beteiligt, die ihm grohe Verluste gebracht hatten und sich danach trotzdem an neuen Spekulationen beteiligt, um die Verluste wieder einzubringen. Aber daß ihm jetzt manchmal angst und bange war, ob alles gut ausschlagen würde, davon ahnte niemand etwa- von seiner Familie und seinen Freunden. Er empfing Werner Sturm mit kräftigem Handschlag, lächelte: „Ich weih schon, was du heute von mir yaben willst. Mein Mädel, meine Lil, nicht wahr?" Er legte dem ihn um mehr als Kopfeslänge Ueberragenden die eine Hand auf die Schulter. „Ich weih ja auch schon seit Jahren, dah du mir eines Tages meine kleine Lil wegnehmen würdest und ich habe mich an den Gedanken längst gewöhnt. Du bist ein lieber, vornehm denkender Mensch, Lil wird an deiner Seite glücklich werden, davon bin ich fest überzeugt. Also, Werner, ich wühte keinen Hinderungsgrund für eure Ehe." Werner Sturm preßte krampfhaft die Hand des älteren Mannes. „Onkel, ich gelobe dir, Lil zu behüten wie meinen Augapfel. Sie verdient es, sie ist gut und wertvoll. Ich liebe sie über alles." Der Bankier lud zum Sitzen ein. „Also, sind wir einig. Wann ihr heiraten wollt, das macht nur unter euch aus, mir ist alles recht. Im übrigen hat's ja wohl nicht solche Eile? Im Herbst wird Lil einundzwanzig Jahre alt, dann wäre es nach meiner Ansicht die richtige Zeit." Werner Sturm hatte ebenso wie Eduard Körner Platz genommen. Der Bankier fragte: „Was sagst du zu Lils Idee, in der Wohltätigkeitsvorstellung als Clown aufzutreten?" In diesem Augenblick klopfte es und Lil trat ein. Sie erklärte: „Ich wollte mir Geld von dir holen, Vati, für Kostüme und Zubehör, ich habe nichts mehr." Sie umarmte den Vater, flog bann Werner um den Hals. „Habt ihr über mich ver- handelt, ihr beiden lieben, nein, ihr beiden liebsten Menschen? Uni) seid ihr einig geworden? Warm ist Hochzeit?" „Im Herbst, denke ich", erwiderte der Vater. Sie lieh Werner los und nickte: „Ich bin gern einverstanden und nun gib mir Geld, Vati, ein paar hundert Mark, bitte, ich habe allerlei Ko- stümideen für meinen Clown." Werner meinte: „Eben hat mich dein Vater gefragt, was ich zu deiner Idee sage, in der Wohltätigkeitsvorstellung aufzutreten. Ich konnte ihm noch nicht antworten, weck du gerade kamst." Lil lachte: „Herrschaften, lah doch das Thema, sonst veruneinigen wir uns vielleicht noch. Ich setze meinen Kopf ja doch durch und ihr wart doch auch beide einverstanden" Uebermütig blitzend gingen ihre schönen Augen zwischen den beiden Männern hin und her und beide nickten ihr zu. Das war eine Bekräftigung ihres Ginverständ- nisfes. „Anfang März sollt ihr über mich lachen, bis ihr nicht mehr könnt", prophezeite Lil und setzte ihr übermütigstes Gesicht auf. 8. Kapitel. Clown Lil und der Tod! Die Wohltätigkeitsvorstellung für die Blinden fand im großen Schumanntheater am Bahnhofs- platz statt. Schon viele Tage vor der Vorstellung waren sämtliche Eintrittskarten verkauft und alles deutete darauf hin, dah nach der Abrechnung den armen Blinden eine große Summe überwiesen werden konnte. Man erzählte sich, am meisten hatte es gezogen, dah Lil Körner, die reizende Tochter des stadtbekannten Bankiers, sich als Clown zeigen wollte. Viele hatten schon gehört, sie solle in der Rolle Hervorragendes leisten. Der Abend der Vorstellung kam heran. In den Logen sah man elegante Damen und Herren, ebenso aus den Saalplätzen. Man machte sich gegenseitig auf stadtbekannte Persönlichkeiten aufmerksam und erwartete den Beginn der Vorstellung. Die Musik setzte ein. Eine Ouvertüre wurde gespielt. Danach erschien ein schönes junges Mädchen vor der Rampe, sprach ein paar Verse, die auf den guten Zweck der Vorstellung hinwiesen und dann trat eine Sängerin auf. Sie erntete reichen Beifall. In einer der Logen sahen die Baronin und Werner. Die Verlobung sollte Ostern, das war In vier Wochen, veröffentlicht werden. Es faßen noch Bekannte in der Loge, ein Platz war freigehalten für Eduard Körner. Die Baronin meinte zu Werner: „Ein bißchen pünktlicher dürfte Lils Vater heute wirklich fein! Es ist doch unangenehm, daß er nun mitten in die Vorstellung hineinplatzen wird." „Er hat sicher wichtige geschäftliche Abhaltung", erwiderte Werner leise und ihm fiel in Gedanken eigentlich erst jetzt auf wie schlecht der Onkel in letzter Zeit ausgesehen. Er war wohl überarbeitet. Er mußte sich da einmal mit seinem ärztlichen Rat aufdrängen. Der Onkel sollte etwa- für sich tun. Ausspannen vom Geschäft und ein paar Wochen irgendwo unter milderem Himmel verbringen. Mehrere Nummern, jede von reichem Beifall ausgezeichnet, zogen auf der Bühne an Auge und Ohr vorüber, dann stellte man lebende Bilder und danach reihte sich die Sensation des Abends an. Auf dem Programm stand: Clown Lil! Die zwei Worte waren ganz besonders fett gedruckt, sprangen jedem, der das Programm zur Hand nahm, sofort in die Augen. Jazzmusik klang auf, füllte den Saal mit verzwicktem, tollem Notenspuk und nun flog der Vorhang zurück. Auf der Bühne stand ein winziges schmales Kerlchen in schreiend bunten Schlotterhosen und ebensolcher Jacke, ein winziges Zylinderchen auf dem Kopf. Das Gesicht war bedeckt von einer weih und rot gemalten Maske. Mit ein paar Purzelbäumen von eleganter Leichtigkeit begann die von allen am meisten erwartete Nummer. (Fortsetzung folgt) . ' I TÖTE die kriechenden E | | T Söldner des Unheils mit ■ L I ■ Es gibt heute mehr gefährliche Insekten als Jemals zuvor im Zeitalter des Menschen: Typhus, Scharlach, der tödliche Kinderdurchfall sind Plagen, die sie uns bringen. Die einzige Sicherung dagegen ist, diese Todfeinde der Menschheit zu vernichten. FLIT — überall bekannt - ist das beste Mittel, um Fliegen, Mucken, Schnaken und alle lästigen Insekten schnell und sicher zu töten. Achten Sie auf den Flit-Soldaten auf der gelben Kanne mit dem schwarzen Band. Nur in der plombierten Kanne ist FLIT erhältlich. ZU- A'Ä L Matthäus - Gemeinde Sonntag, den 10. Juli, nachmittags 3'/2 Uhr, im „Philosophenwald“ FAMILIENTAG Ansprachen — Musikalische Darbietungen — Gesangsschule von Frau Schmidt-Wissendorf — Solistinnen: Fräulein Keitzer, Fräulein Drommershaus - Kapelle: Musikkreis des Herrn Aliendörfer — Spiel der Jungen- und Mädchenvereinigung usw. Eintritt frei! Die Gemeinde wird hierzu herzlichst eingeladen. Der Kirchen Vorstand. Der Frauen verein. Die Männer- und Frauen Vereinigung. 6099 D SPORT DERBY IDEAL Hut-Richter Marktstr. 24-26 Neuen Bäue 3 4851 D tnaoki wm üw Wlety! DER MEYs KRAGEN mit dem f eI ne n WlichextoM So ganz enden als Kragen sonst) Nie hat man Ärger mit ihm! Er wird nicht gewaschen, ni Jtf geplättet. Man bindet immer einen ganz neuen um. Hetdid*. Ut das! Dutzendpackung ............M 2.50 6 Stüde..................M 1.25 Knoblauch-Saft PURALLITHHee garantiert naturrein ohne AlkoholzuNatz kalt gepreßt und gekeltert unter Erhaltung der wertvollen Vitamine ÄOOgr Original-Flasche 1,80 HM. 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