Or. 132 Erster Matt Mittwoch, 8. Juni 1932 182. Jahrgang Gießener Anzeiger »nnah«e von ie* General-Anzeiger für Oberheffen postscheckfonto: Sranffun om moin new. ünd «nd Verlag: vrühl'sche UpioersitSir-vuch. unö Steinö ruderet H. Lange ii Sieden. Schriftleitung und Sefchaftrstelle: Zchnlstratze 7. für die lagesnummtt di» zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für No» klameanzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20',. mehr. Chefredakteure Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Deranttvortlich für Polttik Dr. Fr. Wilh. Lana«; für Feuilleton Dr H.IHyriot; für den übrigen Zeil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich, auher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monat, Bezugspreis: Mit 4 Beilagen NM. l.Sb Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanschlüste unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Gieße». Für der Mehrheit de» Landes entsprechende Politik betreibt. Die Kammer lehnt jeden weiteren Zusatz ab und gehl zur Tagesordnung über", erhielt das Kabinett herriot mit 384 gegen 115 Stimmen der Rechten bei 110 Enthaltungen eine Mehrheit von 2 6 9 Stimmen. Die Gruppe I a r d I e u holte sich mit der Antwort herriots bei feiner Haltung in der Abrüstungsfrage nicht zufrieden- gegeben und gegen die Regierung gestimmt. In parlamentarischen Kreisen betont man, önf) es gegen d i e alle parlamenlarische Ueberlieferung verstoße, dah eine Regierung, die bei Neuwahlen das vertrauen des Landes verloren habe, gegen ihren Nachfolger stimme. Bisher habe sich die Gruppe des allen Regierungschefs bei der ersten Abstimmung flels der Stimme enthalten. Die deutsche Delegation für Lausanne. Eine dcnlfchc Tribut-Tcnrfdirift in London überreicht. verlin. 7. Juni. (ENS.) Die deutsche Delegation für die Lausanner Konferenz wird voraussichtlich am Dienstag die Reise nach Lausanne antreten. Ihre Zusammensetzung steht noch nicht in allen Einzelheiten fest. Ls dürsten an ihr leilnehmen: Rcichsauhenminislcr Freiherr von Neurath und Staatssekretär Dr. v o n Lütow, Reichsfinanz- minisler Graf Schwerin-Krosigk, Reichs- wirtschaflsministcr Professor w a r m b o I d und Staatssekretär Dr. Irendelenburg. Dagegen hat Reichskanzler von Papen über seine Teilnahme an der Konferenz noch kelne endgültigen Dispofitionen getroffen. Ebenso ist auch noch nicht entschieden, ob der neue Leiter der presseabtellung der Reichsregierung, Ministerial- direktor Dr. von Kaufmann, nach Lausanne geht. — wie die „Times" meldet, hat der deutsche Außenminister FreiherroonNeuralh gestern im Foreign Office eine Denkschrift über d ie Lausanner Konferenz übergeben. Ls verlautet, dah die Denkschrift die Gründe enthalte, warum Deutschland auherstande sei, die Reparasions- Zahlungen sortzuschen. Berlin, 7. Juni. (TU.) Amtlich wird mil- geteilt: Das Reichskabinetl fasste heule grundsätzliche Beschlüsse über die Sicher st ellung der Reichsfinanzen. Die Reichsrefforts wurden angeroiefen, weitere L r- fparniffe für den Reichshaushalt 19 3 2 noch übet den bereits vorliegenden haushattsplan hinaus anzumelden. Ferner fehle das Reichskabinett unter anderem die Beratung über das ländliche Sieblungsroefen fort, das durch Bcfchluh vom 3- Juyi 1932 dem Reichsernährungsmini, ffetium zugewiefen wurde. ininbeft moralische Beunruhigung eindämmen, dieses Werk bieten wir unsere Mitarbeit an." ©ie Aussprache. rarkücu vcilangt Zusicherungen in der AOrüstungesrage. Die Vorarbeiten für die neue Hotoerorbnnng. Weitere Abstriche am Etat. — Oie Beschäsftgtensteuer unter anderem Aamen? ©ie Verhandlungen mit dem Reich gescheiteri. Tas Retch kann nicht sofort zahlen. Berlin,?. Joni. (VDZ.) Die Besprechungen des Reichskanzlers von Papen mit den Vertretern der preußischen Staatsregierung über die Ueber- Iragung von 100 Millionen Reichsmark an Preußen aus Anlaß der Übereignung der Siedlungsanteile haben kein positives Ergebnis für Preußen gehabt. Ls hat sich heransgeftelll. dah das Reich im Augenblick diese 100 Millionen an preuhen nicht überweisen kann, womit im preußischen Haushaltsplan von 1932 ein ungedeckter Fehlbetrag von 100 Millionen zuzüglich eines kleineren sonst noch bestehenden Defizits entstanden ist. von zuständiger Stelle wird daraus hingewiesen, dah die Verhandlungen, die seinerzeit der gegenwärtige Reichsfinanzminister Graf Schwerin in feiner Eigenschaft als Ministerialdirektor mit Preuhen geführt hat, noch zu keinem definitiven Abschluß gekommen waren, und daß Zu den Mitteilungen über die heutige Äabi- nettssihung erfahren wir ergänzend, daß d i e neue Notverordnung der Deichsregierung voraussichtlich in der ersten Hälfte der n ü ch st e n Woche herauskommen wird. Praktisch handelt es sich dabei um zwei Rotverord- nunQv.i, nämlich einmal um den Etat, zum anderen um die Maßnahmen zur Sicherung der Finanzen, denen gleichzeitig jene über die öffentliche Ordnung und Sicherheit angefügt werden dürfte. Der Etat erstreckt sich auf die Zeit vom 1. 3ult b s zum 3. 2lpril, also auf neun Monate. Bekanntlich ist für die Zeit vom 1. April bis zum 30. Juni diese- Jahres bereits eine Degelung getroffen worden, und zwar im Zusammenhang mit der vom Kabinett Brüning vorgenommenen Umlegung des Beginns des Etatsjahres auf den 1. Juli. Die Grsparnis- rnaßnahrnen, die in der Mitteilung über die heutige Kab.nettssitzung angekündigt worden find, beziehen sich auf sachliche Ausgaben, d. h. also, daß Gehaltskürzungen nicht beabsichtigt sind- Ob es zur Einführung der Beschäftigten st euer kommt, ist noch nicht geklärt. Ein wesentlicher Teil der Ersparnismahnahmen bezieht sich auf jene Artikel, die unter dem Begriff Dersicherungsetat zu- sammengefaht werden und die im ganzen die Summe von 3,01 8 Milliarden ergeben. keinebindendeZusicherungderRefchs. regierung oorlag, sondern nur eine bedingte Zusage, die den verkauf von der Erfüllung bestimmter Garanliebedingungen abhängig machte. Kommt der Reichskommissar? Tas gezchafttführcnde Kabinett plant neue Stenern. Berlin, 7. Juni. kENB.) Die preußische Staats- regierung hat eine Kabinettssitzung abgehalten, die bis in die späten Nachtstunden hinein dauerte. Der Vertreter des im Urlaub befindlichen Ministerprä- sidenten, Wohlfahrtsminifter Hirtsief er, und Finanzminister Klepper berichteten zunächst über die Verhandlungen mit dem Reichskanzler und dem Reichsfinanzminister über die aktuelle preußische Finanzfrage. Es handest sich dabei um die 1 00 Millionen, die das Reich dem preußischen Staat fürden Verzicht auf Siedlung s- a n f p r ü ch e zahlen will. Dieser Betrag ist u n» bebingt notwendig, wenn der preußische Staatshaushalt ausgeglichen werden soll. In den Verhandlungen mit dem Kabinett Brüning war vereinbart worden, daß die 100 Millionen ab Vertrauensvotum der Kammer für das Kabinett Herriot. Eine Mehrheit von 269 Stimmen für die neue radikale Regierung. — Unterstützung durch > die Sozialisten. — ©ie Gruppe Tardieu lehnt ab. Kritische Finanzlage in Preußen Das ungedeckte Haushaltsdefizit von 100 Millionen. Keine Reichshilfe möglich. tureüer Beziehung haben wir bereits jetzt beschlossen, auch bei der zweiten Stufe der Schulbildung vollkommene Kostenlosigkeit einzuführen. Außenpolitisch werde die Regierung alles tun, um die politische Entspannung, die wirt' ichnstliche Verständigung und die moralische Abrüstung zu fördern. „In der Reparationsfrage kann Frankreich sich die Rechte nicht absprechen taffen, die nicht nur aus den Verträgen hervorgehen, sondern auch In den gegenseitigen Abkommen durch das Gewicht und die Ehre der Unterschriften geschützt find. Line weit, die sich der Einwirkung des Rechts entziehe, würde über kurz oder lang unter der Macht der Gewalt fallen." Die französische Regierung, die diese Grundsätze verteidigt, ist sich darüber klar, keinen selbstsüchtigen Privilegien, sondern internationalen 3 n • teref (en zu dienen. Sie ist außerdem bereit, über jeden Vorschlag und jede Initiative zu verhandeln, die geeignet erscheint, die Weltlage zu verbessern oder eine aufrichtige Verständigung im Sinne des Friedens zU ermöglichen. In Uebereinstimmung mit dem Völkerbundspakt werden wir dieSicberheit nicht nur für uns allein, sondern für alle großen und kleinen Staaten suchen, die in unseren Augen gleiche Ansprüche besitzen. Unsere Handlung wird von den Grundsätzen beherrscht (ein, von denen sich auch Briand bei seinem weitherzigen Werk leiten ließ. In diesem allgemeinen Rahmen erklärt die Regierung sich zu allen Lösungen, auch zu Teillösungen bereit, die nach einer offenen Aussprache in Gens eine Herabsetzung der M i l i t ä r l a st en ermöglichen, ohne die nationale Sicherheit Frankreichs in Frage zu stellen, und die einen weiteren Abschnitt auf dem Wege des Fortschritts und der „detaillierten Abrüstung" darstellen. Die Regierung wird schon von jetzt ab alle möglichen Einsparungen vornehmen, um sich diesen Bemühungen anzuschließen. Zahlreiche Völker leiden, und wir stehen diesen Leiden nicht gleichgültig gegenüber. Energische Anstrengungen können zu- Auf diesem Gebiete find anscheinend weiter« Abstriche geplant. Wie die „D A Z " erfährt, soll der Dersicherungs- haushalt an wichtigen Punkten geändert werden. Bei der Arbeitslosenhilfe werde nichtan grundlegende Derwaltungsänderungcn ge- dacht, die nach Ansicht der zuständigen Ministerien kaum die erhofften Ersparnisse bringen würden. Die Idee einer Zusammenlegung der verschiedenen Vcrsicherungszweige sei in den Hintergrund getreten gegenüber der Absicht, der Reichsanstalt die Kontrolle zu belassen, die G c - meinöcn aber stärker heranzuziehen und vor allem die Unterstützungssätze, die in den einzelnen Versicherungsarten zwischen 54 und 50 Mark im Durchschnitt liegen, weiterzu senken. Die Ersparnisse, die dadurch eintretcn, seien sehr beträchtlich. Das neue Kabinett habe sich im allgemeinen an d i e Pläne der alten Regierung gehalten. Es sei auch von der sofortigen Einführung einer Bedürftigkeitsprüfung Abstand genommen worden, die als Gefährdung des Sparwil- lens lebhafte Bedenken ausgelöst habe. Reden dem Reichsfinanzminister hätten sich auch andere Kadi- nettsmitglieder ganz energisch gegen derartige Vor- schlage gewandt. Da ein Beschreiten des Kreditweges abgelehnt worden sei, bleibe für die Deckung Der Fehlbeträge nur die Inanspruchnahme einer gewissen Mehreinnahme übrig. Das Kabinett werde zwar nicht die ursprünglich geplante Beschäftigten st euer einführen, aber eine ähnliche, vielleicht nur anders genannte und statt auf W» nur auf 1 o h. bemessene Abgabe, die gleichfalls von allen Beamten und fonftigen 3 e ft a n g e ft eilten erhoben werden solle. Die starken Abstriche sollten bartun, daß nichts unversucht geblieben fei, den Finanzbedarf im allgemeinen zu verringern. Der neue Etat fuße in den meisten Ressorts auf den vom alten Kabinett oorgelegten Plänen, insbesondere ändere er auch nichts an der Behandlung der T r i b u t z a h l u n g e n, für die Ceer titel eingesetzt werden. Der Haushalts- plan umfaßt nur die neun Monate bis zum 1. April 1933. In der Aussprache forderte der ehemalige Luftfahrtminister Laurant Eynac die Kammer auf, sich entschlossen hinter die Regierung zu stellen um ihr das notige Ansehen zu verschaffen, dessen sie für die kommenden internationalen Besprechungen bedürfe. Der Führer der Sozialisten, L6on Blum, erklärte die Gründe, die seine Partei veranlaßten für die Regierung zu stimmen. Es handele sich vor allem darum, gegen die Reaktion zu stimmen. Wenn auch in verschiedenen Punkten noch Meinungsverschiedenheiten bestünden, so gebe er die Hoffnung nicht auf, daß diese ausgeglichen würden. Seine Partei behalte sich für die Zukunft natürlich die volle Handlungsfreiheit vor. Tardieu wurde beim Besteigen des Redner- pults von der Mehrheit mit Hu Rufen und von seinen Anhängern mit Beifallklatschen empfangen. Er warnte die augenblickliche Mehrheit davor, Wech- sei auf zu lange Sicht auf die jetzige Regierung zu ziehen, da seit Kriegsende auf einen Wahlsieg der Radikalen stets ein solcher der Rechtsgruppen gefolgt sei. Tardieu betonte, daß die Haltung seiner Partei von gewissen 3ufid)crungen herriots in der Abrüstungsfrage abhängig sei. h e r r i o t warf Dabei ein, dah er fein Bettler fei. Tardieu richtete schließlich die direkte Frage an herriot, von Deren Beantwortung er Die Haltung feiner Partei abhängig mache: „haben Sie Die Absicht, Den von mir in Genf oerteiDiglen 21brüftungsftanDpunlt bei- zubehalten ober zu änbern?" herriot erklärte, er werbe der bisherigen hak- tung der französischen Regierung sowohl derjenigen Tardieus wie auch derjenigen Briands t r e u b I c i ■ b e n. Mehr könne er im Augenblick selbst auf die Gefahr Hin nicht sagen, auf die Unterstützung Der TardieuGruppe verzichten zu müssen. Er bettele nicht um Stimmen. Er denke nur Daran, feinem LanDe zu Dienen. Wer ihm folgen wolle, möge ihm folgen. Er danke 2i on Blum dafür, daß Die Sozialisten für Die Regierung stimmen würden. Er nehme Davon Kenntnis, behalte sich aber ebenso wie Die Sozialisten selbst seine Unabhängigkeit vor. — Tardieu fragte vor der Abstimmung nochmals, ob herriot sich auf das Abrüstungsprogramm Der Sozialisten einlassen wolle. — herriot lehnte es ab. Die von TarDieu verlangten näheren Angaben über seine Außenpolitik zu machen. Die Regierungserklärung sage alles, was Das neue Kabinett wolle. ©ie Abstimmung. 3n Der Dann folgenden Abstimmung über den von den radikalen und foziatistifchen Abgeordneten gemeinsam eingebrachten Antrag: „Die Kammer billigt die Erklärungen der Regierung und hat zu ihr das D e r t r a u e n , daß sie eine dem kürzlich zum Ausdruck gekommenen willen Pari-, 7. Juni. (62TB.) Zu Der heutigen ersten Sitzung Der neuen Kammer waren fast sämtliche Abgeordnete erschienen, und auch Der Andrang des Publikums war angesichts der zu erwartenden Regierungserklärung des Kabinetts Herriot besonders stark. Die Sitzung wurde eingeleitet durch die übliche Ansprache des Kammerpräsidenten. Als dieser ift seiner Ansprache Dem Andenken Briands und seiner Tätigkeit im Interesse des Friedens Ausführungen widmete, bekundeten alle Abgeordneten mit Ausnahme der äußersten Rechten und der Kommunisten ihre Zustimmung Auch die Botschaft des neuen Präsidenten der Republik fand Beifall. In der Regierungserklärung Herriots erregten Aufmerksamkeit die Stellen, die auf den Ernst der Wirtschaftslage hinwiesen, und mit frenetischem Beifall wurde die Ankündigung aufgenommen, die Bilanz aus der aegentoärtigen Lage zu ziehen Im innerpolitischen Teil der Regierungserklärung fällt daS außerordentlich starke Entgegenkommen an die Grundsätze der Sozialisten auf, so Die AntünDigung, Daß Die Arbeitslosenunterstützung in Zukunft über 180 Tage hinaus gewährt werben soll, ferner, Daß auch Die Kurzarbeiter unterstützt werben sollen, und schließlich Die AnkünDigung Des weiteren Ausbaues des unentgeltlichen Unterrichts. Als Herriot seine Darlegungen über Die Außenpolitik begann, sprach er in feierlichem Ton jeDes Wort unter- streichend- Die Erwähnung der unveräußerlichen Rechte Frankreichs auf Reparationen wurde von der gesamten Kammer, auch von Tardieu selbst, mit ostentativem DeifaU ausgenommen. Es ist außerdem aufgefallen, daß auf Die geplante Wirtschaftskonferenz nur insofern angespielt wurDe, als Herriot Die Solidarität der Böller in bezug auf Die Wirtschaftskrise betonte. ©ie Erklärung Des Präsidenten der Republik. Die Erklärung des neugewählten Präsidenten Der Republik, Lebrun, Die in Kammer unD Senat verlesen wurde, weist zunächst auf DaS Attentat gegen Doumer hin. Präsident Lebrun erklärte Dann: Eine Wirtschaftskrise von außergewöhnlichem Ausmaß sei heute auch über Frankreich gekommen und bedrohe es, wie sie schon die Welt in ihren wesentlichen Grundlagen erschüttert habe. Frankreich pflege gegenwärtig internationale Besprechungen von außergewöhnlicher Bedeutung. Frankreich sei ein begeistertes Mitglied des Döl- kerbundes und nehme an diesen Besprechungen mit uneingeschränkter Loyalität teil. Die großen Opfer, die Frankreich seit Kriegsende gebracht habe, seien ein offenkundiger Beweis seiner Uneigennützigkeit und seiner Solidarität. Frankreich müffc einePolitikgegenseiti- ger Hilfe und Unterstützung zu betreiben suchen. Es werde bei diesen Anstrengungen nur Die gerechte Sorge um seineSicher» heil, feine Unabhängigkeit und seine Stabilität Hochhalten müssen. Die wichtige Pfänder des allgemeinen Friedens seien. Frankreich werde sich auch bemühen, die großen Grundsätze der Achtung unterzeichneter Abmachungen und des gegebenen Wortes zur Geltung zu bringen, die bei Den Beziehungen der Böller Bertrauen und Kredit Hervorrufen, beides wesentliche Grundlagen des Wohlstandes, nach dem Die ganze Welt strebe. Auf diese Weise werde man die allmähliche Wiederaufnahme Der wirtschaftlichen Tätigkeit herbeiführen. ©ie Regierungserklärung Herriots. In feiner Regierungserklärung führte Ministerpräsident Herriot in Der Kammer foIgenDc« aus: „Jnnerpolitisch stehe Die Regierung vor einer ernsten finanziellen Lage. Die Methode des Llbwartens nnißte durch Handlungen erseht werden, die sowohl die Finanzlage verbesserten, wie auch der Gesamtheit der französischen Wirtschaft helfen. Die Regierung werde in Kürze der Kammer einen Gesetzentwurf unterbreiten, Der eine ganze Reihe von Ausgaben einschränkungen vorfehe. Die Derabschie- Dung Dieses Vorschlages werde im Lande das Bertrauen wieder Herstellen und Den Kapitalumlauf fördern. Es sei außerdem beabsichtigt, ein großzügiges Arbeitsprogramm aufzustellen, um der Arbeitslosigkeit zu steuern. Den Sparern, die oft getäuscht und enttäuscht worden seien, biete die Regierung sichere Anlagemöglichkeiten an. Die bisherigen Schutzmaßnahmen für Die französische wirtschaft müßten mit einem erweiterten System internationaler Abkommen und wechselseitiger Beziehungen verbunden werden. Der Arbeit verbürgen^oir ihr Recht und wir halten uns eng an die Achtung her Gewerkschaftsrcchte. Wir werden die Grundsätze der Sozialversicherung nicht antasten lassen, sondern veriuchen, der an ihr geübten Kritik gerecht zu werden. In tul- 1. April 1 933 i n fünf Raten zu zahlen sind. Das Dilemma besteht aber darin, daß die ursprüngliche Absicht, diesen preußischen Anspruch, vielleicht durch Einschaltung der Reichsbank, vor- z u f i n a n z i e r e n , sich nicht d u r ch f ü h r e n läßt, während auf der anderen Seite der Betrag zur Ausbalancierung des Etats für 1932/33 unbedingt erforderlich ist. Danach bleibt der ge- schästsführenden Staatsregierung nichts anderes übrig, als den Etat durch Abstriche und entsprechende neue Steuern auszu- gleichen. Diesem Problem galt nun die Abendsitzung des Staatsministeriums. Das Kabinett hat sich indessen auf Mittwoch vertagt, weil die Ausschreibung umfangreicher neuer Steuern größeren Schwierig, feiten begegnet als man zunächst angenommen hatte. Das Kabinett wird inzwischen mit den hinter dem geschäftsführenden Kabinett stehenden Parteien Rücksprache nehmen. Die Bemühungen um den Etatsausgleich sind schon deshalb außerordentlich ernst, weil man sich darüber klar ist, daß ihr Fehlschlagen zwangsläufig zu der Einsetzung eines Reichs- k o m m i s s a r s führen müßte. Die Aussichten für diese Lösung gewinnen um so mehr an Boden, als nach der Erklärung der Nationalsozialisten, für sie komme nur ein Ministerpräsident aus ihren eigenen Reihen in Betracht, die parlamentarische Lösung für die nächste Zeit als ausgeschlossen gelten muß. Nachdem Reichskanzler v. P a p e n heute einen Beauftragten der NSDAP, empfangen hat, wird er im Laufe des Mittwochs noch eine Aussprache mit dem Führer der preußischen Landtagsfraktion des Zentrums, dem Abg. Sieger, haben. AaiionalsoziaWsche Angriffe gegen das Zentrum. Oas Zentrum wird beschuldigt, einen Berlin, 7. Juni. ($11.) Der nationalsozialistische .Angriff" wendet sich unter der Heber» schrift „Brüning-Koalition droht mit offenen Separatismus! Schwarze Wühlmäuse am Werk!" zunächst gegen Aeußerungen deS bayerischen Dauernführers Dr. Georg Heim, der u. a. gesagt habe, er könne sich ganz gut denken, daß einzelne Länder unbeschadet der Interessen des Reiches sich eine selbständige Staatsform a u s f u ch t e n. Diese Sähe könnten nichts anderes bedeuten, als daß die zentrümliche Bayerische Dolkspartei gegebenenfalls plane, in offenem Separatismus sich gegen die Reichseinheit zu stellen. Sodann zitiert der .Angriff" ein Mittagsblatt, das sich zu der Ungeheuerlichkeit versteige, zu melden, man spreche in Kreisen Süddeutschlands angesichts des Regimes Papen-Schleicher ganz eindeutig von der Notwendigkeit eines süddeutschen Zusammenschlusses mit Oe st erreich unter Bildung eines auf diesen Grundlagen zu errichtenden neuenDtaatesals Gegengewicht gegen die Tendenzen der preußisch-norddeutschen Reichsregierung. Hierzu bemerkt der .Angriff", daß die Reichsregierung sich diese schamlosen Drohungen nicht gefallen lassen könne, ohne sich selbst aufzugeben; denn daß hinter diesen Plänen die alte französische Donauföderation stehe, wisse jedes Kind. Es werde außer» süddeutschen Separatismus zu fördern. halb gewisser Kreise des Zentrum-, dessen Tendenzen sich hier wieder einmal auf das schlagendste enthüllen, keinen Menschen in Deutschland geben, der der Reichsregierung nicht zur Seite stehe, wenn sie auf das allerschärfste schon den Anfängen des Emporkeimens eines neuen Separatismus entgegentritt. Das Blatt kommt sodann auf die E i n se h u n g eines Reichskommissars in Preußen zu sprechen und sagt dazu, die Verantwortung dafür, daß man solche Maßnahmen überhaupt in Erwägung ziehen müsse, treffe das Zentrum, das bisher die Regierungsbildung in Preußen aus Anhänglichkeit an die SPD. zu verhindern verstanden habe. Wenn sich das gleiche Zentrum heute gegen diese selbstverschuldete Lage mit Drohungen der Verletzung der Reichseinheit wende, so sei dies eine parteipolitische Niedrigkeit und Gewissenlosigkeit der Gesinnung, die in der parlamentarischen Geschichte Deutschlands tatsächlich ihresgleichen suche. Das Blatt ist zum Schluß der Ansicht, daß der preußische Konflikt verhältnismäßig einfach zu lösen sei. Die Reichsregierung brauche sich nur auf den Standpunkt zu stellen, daß die Wahl de- preußischen Ministerpräsidenten mit einfacher Mehrheit nach f rü h e ren M u st e rn vorgenommen werden könne, was theoretisch ohne weiteres möglich sei. ausgenommen werden soll. Der Vertreter Italiens, General P i c c o, sprach sich sehr scharfgegendiesenDericht aus. Er wies nach, daß nach diesem Bericht es nicht möglich sein werde, eine Demarkationslinie zur Bestimmung solcher Flugzeuge, die verboten werden sollen, und solcher, die beibehalten werden sollen, ziehen. Der deutsche Vertreter betonte, daß der Ausschuß Fragen, die ein eingehendes kriegswissenschaftliches Studium erforderten, sachlich falsch und oberflächlich in ein paar Stunden erledigt habe. Er müsse es infolgedessen ablehnen, daß diese Arbeit in den Gesamtbericht ausgenommen werde. Die Abstimmung ergab, daß dieser Teilbericht in den Gesamtbericht des Ausschusses ausgenommen wird. Gegen die Aufnahme stimmten außer Deutschland noch zehn Staaten, darunter Italien, Rußland und China, dafür stimmten 23 Staaten, darunter Frankreich, Amerika und England. Nachdem der Ausschuß bereits den deutschen Antrag, die gesamte Militärluftfahrt und den Abwurf von Kampfmitteln als Offensive zu bezeichnen, abgelehnt hat. geht aus der heutigen Stellungnahme des Ausschusses unzweideutig hervor, daß die MehrheitdesNusschusses es ablehnt, Ziffern für die technische Kennzeichnung solcher Flugzeuge, die unter ein Verbot zu fallen hätten, anzugeben. Der deutsche Vertreter erklärte, daß er gegen den Gesamtbericht sei und infolgedessen die w e i t e r e M i t - arbeit an diesem Teilbericht ab lehne. Dasselbe erklärten die Vertreter Rußlands und Italiens. Wer wird Ministerpräsident? Eindeutige Ltcllungnahmc der NSDAP. B e r I i n, 7. Juni. (TU.) Der „Preußische Presse- dienst der NSDAP." teilt mit: Die von verschiedenen Seiten in Erörterung gezogene Kandidatur des deutschnationalen Fraktionsvorsitzenden Abg. Dr. v. Winterfeld für den Posten des preußischen Ministerpräsidenten dürfte wohl nur eine haltlose Kombination (ein. Ohne zu der Person des Herrn von Winterfeld Stellung zu nehmen, erklären wir Nationalsozialisten, daß wir für keinen deutsch- nationalen Ministerpräsidenten ft i turn e n würden. Abg. Kube hat den Preußischen Pressedienst der NSDAP, ermächtigt, zu erklären, daß für die Nationalsozialisten nur b i e Kandidatur eines Nationalsozialisten zum Ministerpräsidenten in Frage kommt. Die National- sozialisten lehnen es ab, ihre Stimme fürirgenb- einen anderen Kandidaten abzugeben, da sie der Auffassung sind, daß der Willensbildung des Volkes Rechnung getragen werden muß und die stärkste Partei, nämlich die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, den Ministerpräsidenten zu stellen hat. Dazu wird von deutschnationaler Seite erklärt: Seitens der DNDP. ist ein Anspruch auf das Amt des preußischen Ministerpräsidenten nicht erst o b e n worden. Berhandlunaen über die Bildung des neuen Preußenkabinetts sind unsererseits w e - der mit der NSDAP, noch mit dem Zentrum geführt worden. Warum die NSDAP, es für nötig gehalten hat, auf Grund leerer Pressekombinationen eine deutschnationale Ministerpräsi.- dentschaft im voraus grundsätzlich abzulehnen, entzieht sich unserer Kenntnis. Wenn, wie es den Anschein hat, die NSDAP, eine Aenderung der Verhältnisse in Preußen mit Hilfe des Zen- t r u m s erreichen will, so sieht die DNVP. keine Veranlassung, dem Ergebnis dieser Bestrebungen oorzugreifen. Keine Aufhebung der Sicherungsverordnung. Berlin, 7. Juni. (WTD. Amtlich.) Don unverantwortlicher Seite werden auf dem Lande Nachrichten verbreitet, daß die Aufhebung der Sicherungsverordnung vom 17. November 1931, Vie zwecks Sicherung der Ernte für landwirtschaftlicheBetriebe unter bestimmten Voraussetzungen einen Schutz gegen Zwangseingriffe der Gläubiger sowie eine Dilanzbereinigung durch Akkorde im Entschuldungsverfahren vorsieht, bevorstehe. Wie von der Regierung amtlich mitgeteilt wird, entsprechen derartige Gerüchte keineswegs den Tatsachen. Die Aufhebung der Sicherungsver- vrdnung ist weder jetzt, noch nach der Ernte beabsichtigt. Die Reichsregierung hält an den Grundsätzen der O st Hilfegesetzgebung durchaus fest und wird dafür Sorge tragen, daß in der Abwicklung der Entschuldungsverfahren keinerlei Stockung eintritt. Oie NGOAp. und das Kabinett Popen. München, 7. Juni. (WTB.) Die Nationalsozialistische Parteikorreiponbenz nimmt zur Frage der Haltung der NSDAP, zur Regierung von Papen Stellung. Sie erklärt, btes Kabinett sei nicht von der NSDAP, gebildet worben. Wie die bisherigen Regierungen, so werde sie -auch das neue Kabinett nach seinen Taten beurteilen. Die nationalsozialistische Bewegung werde nicht zulassen, daß der klare Sinn des Wahlkampfes durch plumpe Ablenkungsmanöver verdunkelt wird, sondern die Schül- bigen in das hellste Scheinwerferlicht der Oeffent- lichkeit ziehen. Bei dieser Reichstagswahl könne nicht abgestimmt werden über die Taten einer Re- gierung, deren Arbeit kaum begonnen und die dieses Volksgericht lediglich verfassungsmäßig ermöglicht hat, nicht über Taten, die ihr die November- möchte unterschieben möchten, sondern über die Taten jener Regierungen und Parteien, die verant- wörtlich seien für das Nooemberverbrechen von 1918 und die von da ab bis heute als „System" die Verantwortung für den größten historischen Zusammenbruch der letzten Jahrhunderte vor dem deutschen Volke zu tragen haben. Was nach diesem Volksgericht zu geschehen habe, werbe Sache ber- jenigen fein, die vom Vertrauen des Volkes zur Führung berufen werden. Oie Wirtschaftspakte» ruft zur bürgerlichen Sammlung auf. Berlin, 7.3uni. (DDZ.) Die Wirtschafts- Partei veröffentlicht folgenden Beschluß: Parteivorstand und Reichstagsfraktion der Wirtschaftspartei stehen einmütig auf dem Standpunkt, daß die politische Lage das nationale freiheitliche deutsche Bürgertum gegen jede Unterdrückung, gegen die Gefahr der Dina» tur über alle Parteischranken hinweg in eine große Einheitsfront zwingen muß. Die Wirtschaftspartei ruft daher in Erkenntnis dieser Sachlage in Erneuerung diese- Beschlusses von Leipzig daS nationale, freihettliebende, Unterdrückung und diktatorischen Terror verachtende und bekämpfende Bürgertum auf, sich über alle Parteibindungen hinweg in der neuen Front der schaffenden nationalen deutschen Menschen zusammenzufinden. Oer Christlich-Soziale Volksbienst bleibt selbständig. Berlin, 7. 3uni. (DDZ.) Die Reichstagsfraktion des Christlich-Sozialen Dolksdienstes beriet über die Stellung des Dolksdienstes zum neuen Reichskabinett und über die Vorbereitungen aut Reichstagswahl. Die entscheidenden Beschlüsse werden von der am • Samstag und Sonntag in Kassel zusammentretenden Reichsleitung und dem Reichsvorstand gefaßt werden. Ohne diesem Entschluß vorzugreifen, wurde insbesondere durch anwesende Mitglieder der Reichs- leltung der festen lleberzeugung Ausdruck gegeben, daß der Dolksdienst in EntschlossenAit «und in voller Selbständigkeit als eine rein evangelische Gruppe in den Wahlkamps eintreten werde. Oie sozialdemokratische Wahlparole. Berlin, 7.Juni. (WTB.) Der Parteiausfchuß ber Sozialdemokratischen Partei befaßte sich, wie parteiamtlich mitgeteilt wird, unter dem Vorsitz von Otto Wels mit den jüngsten politischen Ereignissen, über die Abg. Dr. Breitscheib ein eingehenbes Referat erstattete. Die Aussprache, bie insbesonbere den bevorstehenben Wahlkampf betraf, zeigte hinsichtlich ber Führung bes Kampfes gegen ben Faschismus völlige Ueberclnftimmung unb entschlossenen Kamp- feswillen. In seinem Schlußwort gab ber Parteiführer Otto Wels ber lleberzeugung Ausbruck, baß die Sozialbemokratie auch bie bevorstehenben Kämpfe erfolgreich überstehen bürste. Neuer Zusammenstoß im Genfer Lustfahrtausschuß. Der französische Fragebogen im Gesamtbericht ausgenommen. ® e n f, 7. 3uni. (WTD.) Der Lustfahrtausschuß der Abrüstungskonferenz hat seine Arbeiten abgeschlossen. Es handelte sich darum, ob die in dem Gutachten des Unterausschusses vorgenommene Beantwortung des französischen Fragebogens von dem Luftfahrtausschuß angenommen und in den Gesamtbericht Oie Revolutionsregierung in Chile nicht zurückgetreten. Einberufung einer Nationalversammlung. London, 7. 3uni. (TU.) Nach der Auflö- funadesKongresses durch die (Junta teilte der Chef des Dreimänner-Ausschusses, Dr. Da - Vila, nach hier vorliegenden Meldungen aus Santiago de Chile mit, daß die Einberufung einer verfassunggebenden Versammlung, sowie Die Ausschreibung von Präsidentschafts- und Parlamentswahlen geplant sei. Meldungen von einem Rücktritt der sozialistischen Regierung in Chile haben sich nicht bestätigt. Vereinzelt finden jedoch noch Kundgebungen gegen die neue chilenische Regierung statt. So hat der Oberste Gerichtshof in Chile die Schließung aller Gerichte im Lande als Protest gegen die neue Regierung verfügt. Entgegen den Versicherungen Davilas wird als sicher angenommen, daß die neue Regierung die großen Vermögen und Güter bis zum äußer ft en Maß mit Steuern belasten werde. Es hat den Anschein, daß sich die neue Regierung in ihrer Stellunghalten wird. Die Junta nahm eine Reihe von Neubesetzungen hoher Regierungsposten vor und ernannte viele neue militärische Oberbefehlshaber. Dr. Davila verneinte alle Gerüchte, daß in Südchile eine Gegenrevolution aus- gebrochrn sei. Auch die Behauptungen, daß eine Auflösung der religiösen Orden beabsichtigt sei, wurde amtlich als unbegründet bezeichnet. Kleine politische Nachrichten. Staatssekretär Dr. G e i b vom Reichsarbeitsminl- fterium hat dem stellvertretenden Reichsarbeitsminister feinen Wunsch übermittelt, zur Disposition gestellt zu werben. • Der Führer der nationalsozialistischen Fraktion in Bayern, Dr. Buttmann, hat in einem Antwortschreiben auf ben Brief bes Aog. Dr. Wohlmuth über bie Frage ber Regierungsbtlbung erklärt, baß bie nationalsozialistische Fraktion den von ber Bayrischen Dolkspartei oorgeschlagenen Weg nicht für geeignet halte, ein Gesamtmtnisterium zu bilben. * Der Berliner Polizeipräsibent hat bie „Sozialistische Arbeiterzeitung" bis zum 14.9unt verboten, wegen zweier Artikel mit ber lieber- schrift „Revolutionärer Wiberstanb gegen ben Staats- Küllenfänger. Don Georg von der Dring. In der Nähe unserer Stadt liegt ein Fischerdorf, es heißt Quallenpiel. Die Einwohner des Dorfes heißen bei uns von alters her: die Füllenfänger. Das kam so: Die Quallenpieler fischten einst im Siel. Sie fingen eine Menge Aale. Es war beschlossen, daß der letzte Fischzug dieses Tage- den Armen des Dorfes gehören sollte. Als gegen Abend alle Korbe gefüllt waren, warf man zum letzten Fang aus. Da man ans Einholen ging, erwies sich das Reh al- so schwer, daß man eine Atempause einlegen mußte. Alle aber riefen: Dat is to väl för de Armen! (Das ist zu viel für die Armen!) Worauf man beschloß, auch diesen letzten Fang für sich zu behalten. Das Retz wurde nach vieler Mühe geborgen, und darin lag — ein ersoffenes Füllen. „Füllenfänger" heißt also Geizkragen. • Zeichenstunde in Untertertia. Ich habe den „Alten Turmhahn" vorgelesen, und jetzt gilt es, die Geschichte zu illustrieren. Der Hahn ersteht trotz seiner 113 schicksalsschweren Jahre in feurigstem Chromgelb ... das Dach des Turmes wie flüssiges Blut ... Sara, als Ofenfigur, steht da auf dünnen blauen Beinen, einen grünen Glockenhut auf dem Kugelkopse. Und viele Vögel sind tDc^ sie so leicht zu machen sind. Plötzlich weint irgendwo jemand. Es ist Dodo Adden. Er sitzt über seiner Malerei und weint verzweifelt, seine Tränen fließen dem Herrn Pfarrer Mörike auf den schwarzen Rock. Ich frage: Adden, was hast du? Er schweigt, schluckt — Tränentropfen glänzen und fallen. Dann: Sie ... nennen mich immer... Füllenfänger! Wer nennt dich so? Alle! Die ganze Klasse sagt e-I Protest auf allen Bänken. Einer steht auf und erklärt: Es ist nicht wahr, wir haben ihn nicht so genannt. Run, Adden? Adden, nach einer Pause, indem er wieder -um Pinsel greift: Horstmann war es. Ich sage: Horstmann, steh auf. Auf der letzten Bank erhebt sich ein rundlicher Dreikäsehoch, rot bi- unter die Haarwurzeln Weshalb nennst du ihn „FÜNenfänger". Horstmann? Er ist ja aus Quallenpiel ... Ist er so geizig? Geizig? — Rein. Dodo Adden springt auf, dreht sich um, schwingt den Pinsel durch die Lust und ruft: Immer sagt er es, und er meint es auch so! Horstmann: Ich meine es nicht so! Ich frage: Wie meinst du es denn, Horstmann? Ich meine es nur s o. Also, ich beruhige Adden, daß der Horstmann eS ja nur s o meine, so ganz ohne Nebengedanken; weil er, Adden, eben aus Quallenpiel sei; übrigens ein hübscher Ort. Horstmann, setzen! Dodo Adden lehrt still zu seiner schwarzen Sarben-Lache, bie den Pfarrer und Dichter Mörike bedeuten soll, zurück; offenbar nicht ganz überzeugt. Aber der Vorwurf „Geizkragen" kann chn ja gar nicht treffen, denn seine ganze Malerei, heute wie immer, bedeutet: Reichtum! Freude! Ja, unerhörte Verschwendung! „Wenn jemand eine Reife tut.. /' Gute Ratschläge aus der posikutschenzeit. Vor 200 Jahren war bas Reisen eine Arbeit, die man „zur Vermehrung ber Qualitäten" wohl auf sich nehmen mußte, bie aber durchaus nicht als Vergnügen gewertet würbe. Den jungen Leuten, bie damals auf bie große „Tour" gingen, würbe immer roieber eingeschärft, baß sie sich nicht bloß Lustbarkeiten hingeben dürften, nicht bloß Curiosa, allerlei Merkwürdigkeiten, sondern nützliche und notwendige Dinge anschauen und erlernen müßten. Gar manches Buch bot sich den Reisenden als guter Ratgeber an, und aus einem dieser bekanntesten dieser Reiseführer, ben „Politisch-Moralischen Maximen" bes Magisters Johann Georg Neukirch, die 1726 zu Braunschweig erschienen, wollen wir einige wohlmeinende Lehren und Erfahrungen mit- teilen, da sie anschaulich die ungeheure Kluft vor Augen führen, die zwischen der Reifekultur von heut und damals liegt. Mit beweglichen Worten wendet sich der gelehrte Professor gegen die schiech- ten Reisenden „welche einige tausend Thaler In auswärtigen Staaten verzehren, und davor nicht mehr mit nach Hause bringen, als fremde Sitten, fremde Moden, fremde Laster, etliche Wörter Französisch Italienisch ober Englisch; nicht feiten- o theure Wahre vor so viel Gelt! einen ungesunden Leib und ein böses Gewissen". Der rechte Reisende braucht „einen gesunden unb geschärfften Verstaub, damit er ben benen auf Reisen vielfältig vorkom- menben Sachen unb Meynungen das Wahre von ben Falschen, das Nützliche von den Schädlichen und das Gute von den Bösen wohl zu unterscheiden wisse"; er darf auch „kein Ignorante" sein, weil er sonst „bie Sachen ansiehet, wie bie Kuh bas neue Thor". Wer aber richtig zu reifen versteht, ber wird nicht nur „geschickter in ber Conversation, erlernet viele Sprachen unb erhält einen großen An- wachs in ber Gelehrsamkeit", er gewinnt auch Nutzen für seine Gesunbheit. „Die Erfahrung ist ber beste Zeuge, baß bie Veränberung ber Luft, bereu man in fremben ßänbern genießet, nicht selten aus den kränklichsten unb schwächsten Personen die ge- funbeften Leute gemacht, so baß man sie in Betrachtung ihrer vorigen elenden Gestalt und jetzo wegen ihres muntern unb blühenben Wesens kaum zu kennen vermag; zu geschweigen, daß die erfahrensten Meister ber Natur tiefes als bas vornehmste Mittel zur Vermehrung ber Gesundheit unb natur- ließen Kräffte oorzuschlagen pflegen." Unter ben Maximen, die man auf ber Reise befolgen muß, steht in tiefem Iahrhunbert des Zeremoniells „Höflichkeit, (Ehrerbietung unb ßeutfeelig- feit" an erster Stelle. „Wer sich auf Reifen vor andern was heraus nehmen will, sich klüger, geschick- ter, gelehrter unb vornehmer zu seyn düucket, als seine Mit-Passagier, da er es doch nicht ist, noch davor ertant werden kann, der bleibe mit seiner unbefugten unb ungegrünbeten Praetension immer ZU Hause, wo er sich nicht muthwillig, vieler Ver- brießllchkeit unb Gefahr aussetzen will." „Rede wenig!" so lautet die zweite Maxime, „jedoch auch das Wenige mit Bedacht". Man kann sich, meint Neukirch, „durch allzu freyen Discours von Personen von Diftinctton, von Staats- und Krieges- Affairen und sonderlich von der Religion" die schlimmsten Unannehmlichkeiten zuziehen. Dagegen beteilige man sich eifrig an „guten Discourfen , die andere führen. Besonders soll man sich vor dem Ewig-Weiblichen „auf Posten, in den Quartieren und allenthalben" in Acht nehmen: „Siehe dem Frauenzimmer nicht so tieff in die Augen, daß dein Hertz nicht gefangen werde, denn ein solcher Magnet hält offt an einem Ort länger auf als bie gesetzte Reise-Zeit unb bie elnlauffenben Wechsel oerftatten wollen." Als Logis wähle man nur ein „renommiertes Wirthshaus", „benn bet) Beziehung eines lieber- ließen Wirthshaufes verliehret man viel von ber guten Dptnion unb Hochachtung". Der Besuch bei ansehnlichen unb gelehrten Leuten, das Anschauen merkwürdiger unb nützlicher Oegenftänbe, bas Studium in Bibliotheken wirb empfohlen. Vor allem vergesse man nie „bie berühmtesten Buchläben" aufzufuchen, „worinnen man nicht nur bie galantesten Schriften in allen Künsten und Wissenschaften antrifft, sondern auch den Sammel-Platz der gelehrtesten Leute, die von diesen und jenen gelehrten Sachen Gespräch halten". Des Nachts „vagire nicht auf den Straßen herum, denn aus dem nächtlichen Herumfchwarmen auf den Gaffen, sonderlich in großen volkreichen Städten kann nicht selten große Leibes- und Lebensgefahr erwachsen. „Reisen kosten Geld", so läßt sich unser Weisheitsmann zum Schluß über den auch heute noch nicht veralteten Kardinalpunkt vernehmen, „wer sich nicht mit guten Wech- gln versehen kann oder doch ben feinem schönen ermögen fein guter Haushalter ift, der stelle sein unzeitiges Reisen ein". Doch man fei auch nicht zu sparsam, „am wenigsten muß man das Geld allzu Heb haben und die Gulden zwölffmal in ben Händen herumkehren unb vor Liebe brücken, wenn man bafür an Wissenschaften unb guten Künsten eine merckliche Zufluß erhalten kann." Vor Dieben, Betrügern unb Räubern wirb gewarnt: „Es muß ein Passagier alleine wissen, baß er Gelb habe, nicht aber anbere Leute." O. H. Eine neunjährige Erfinderin. Aetger über ein Stück Seife, das ihr beim Baden aus der Hand glitt, hat die 9jährige Katharina Feibusch zur jüngsten Erfinderin gemacht, die ihr Patent auf der 4. Internationalen Patent-Ausstellung in Neuyork zeigt. Während sie eines Morgens in der Badewanne stand uni> sich abseifte, fiel ihr die Seife aus der Hand und glitschte außer Reichweite. „Ich wollte nicht aus der Wanne heraussteigen und dem Stück nachlaufen", so erzählte sie mit großem Ernst. „Aber ich konnte auch niemandem rufen, er möchte mit die Seife holen, denn ich bin die einzige Frau in der Familie. Meine Mutter starb vor vier Jahren und ich habe nur drei Brüder. Ich muß also für mich selbst sorgen." Damit ihr dieses unangenehme Ereignis nicht wieder passiere, bohrte die kleine Erfinderin in die widerspenstige Seife mit der Stricknadel zwei Löcher und zog durch diese einen Bindfaden, an dem sie die Seife bequem halten konnte. Diese Maßnahme erwies sich als so praktisch, daß sie von Verwandten und Bekannten nachgeahmt wurde, bis sich der Vater entschloß» sie als Patent seiner Tochter anzumelden. Hum AÄ'kr Reichrarbeilsmini- ’Rei^satbtiismim- ttDispofition iü|ti|d)en Fraktion in it in einem Antwort- ), Dr. Wohlmulh über sbildung erklärt, raktlon den von der jlagenen Weg nicht lefamlmlnifterium zu in5*»hi Ä' ■«'[«. .Ärije 5 utA °u< 3d) a,oll fläd no^ * >’r ^emÄ« ”2 ifen, ct. . ^rauin ?ia« Ac bek- >ies r^/^airnt^ d°i di-^K ^ilberjch^. S 'j?52r* ![“te Elchen .w« ttt J?k- .'s« LM ^gen g* ;re9ierung “befreien, "^ersaniknlttng, teilte St Da. ^Meldungen aus r.^.uberusung denden mtr, Ausschreibung ' und Parka. liRiSy 6011 ?YT? Regierung i bestatt gl 3er- nögebungen o«. ■™9 statt. 6o fa We die Schlie. t Lande als Protest rsügtt Entgegen den -ustersten Matz Verde. Es hat den Regierung in ihrer he Junta nahm eine hoher Regierungs- le neue militärische i verneinte alle De- egenrevvlutton aus- uptungen, daß eine den beabsichttgt sei, »et bezeichnet. it hat die „Sozia- na' bis3um 14.3unl Ml mit ber Ueber- andgegen ben Staats» legen,länbe ba« Stu- <"•^7 hmtesten $ Die trauernden Angehörigen: Lina Appel, geb Friedrich Ilse Appel, Charlotte Appel, Wilhelm Appel. Mein lieber Mann, unser guter Vater Herr Lehrer Daniel Appel ist im 52. Lebensjahr nach langem, schwerem Leiden heute nacht sanft entschlafen. Arbeitsvergebung. Für den Neubau der Rinderkuttelri des Städtischen Schlachthofs sollen vergeben werden: 4364C 1. Lieferung der schmiedeeisernen Fenster, 2. Verputz- und Anstreicherarbeiten. Zeichnungen und Unterlagen liegen bei uns offen. Verdingungstermin am Donnerstag, dem 16. Juni, vormittags 10 Uhr. Gießen, den 7. Juni 1932. Städtisches Hochbauamt: Graoert. Vergebung von Vauarbeiten. Zur Erbauung von Einfamilienhäusern sollen vergeben werden: 4367D die Erd- und Maurerarbeiten. die Zimmerarbeiten, die Dachdeckerarbeiten, die Spenglerarbeiten, die Glaserarbeiten, die Schreinerarbeiten, die Schlosserarbeiten, die Weißbinderarbeiten und Am 7. d. M. verschied plötzlich und unerwartet mein lieber Mann, unser guter Vater Karl Löbsack infolge Herzschlags im 72. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: Dorothea Löbsack Wilhelm Löbsack nebst Braut. Gießen, den 8. Juni 1932. 4378 d Die Beerdigung findet am Freitag, dem 10. Juni, nachm. 2‘/2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Anläßlich unserer Geschäfts Eröffnung, des Restaurant Zum Krokodil sind uns in überaus reichem Maße Glückwünsche entgegengebracht worden, für die wir auf diesem Wege herzlichst danken Leopold Herr und Frau Gießen, den 8. Juni 1932 03599 Evant Frauenverein Versammlung der Gießener und Oberhess. Frauenveroine Feier des 25jähr. Jubiläums des Verbandes evangel. kirchl. Frauenvereine in Hessen Sonntag, den 12. Juni 1932: Festgottesdienst um 1.30 Uhr in der Stadtkirche: Herr Oberkirchenrat D. Wagner Nachversammlung 43710 um 3 Uhr im Caf6 Leib. — Ansprache der Vorsitzenden Frau Julie Heräus-Offenbach: Bflckblick n. Ausblick auf die Verbands arbeit Wir suchen für den weiteren Ausbau unserer Verkaufs-Organisation und den Vertrieb unserer Schreibmaschinen liithligenVerlreier. Günstige Verdienstmöglichkeiten. Weitestgehende Unterstützung. Allerbeste Verkaufsbedingungen. Schriftliche Angebote seriöser Herren erwünscht unt. 4363D an den Gieß. Anz. [Vermietungen | 3- eventuell 4-3immetroot)Dunti 1. Etage, beschlag- nahmerr., z. 1.7. zur gesetzt. Miete zu vrn. Bevorz. werd.Nefl., die 1 eichen, erstklass. verarbeitetes neues Schlafzimmer oder 1 naturlas. Kücheneinrichtung kaufen. Vorerst nur schriftl. Ängeb. unter 03604 an den Gieß. Anz. 3-Zimmerw. lNeub.lBahnhofsn. m.Zentralhz., Bad, Heißwasser, Loggia, Mansarde, 1. Stock, z.oerm. Näh.szn?!) Friedrichstr. 531. 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Müller (Handels!. Gießen) über: EWeikmeis- GksANe. Wir errvarten jeden Kollegen. «,»o Interessenten sind uns willkommen. Mittwoch, 8. Juni 1952 Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) di. 152 Zweites Blatt Zeitfragen des Mittelstandes. iflnbfl und Politik. der im Veranlagung onkurrenz kaufkräftige Nachfrage feiner Äunben g« Diese Grundsätze müssen für ben Einzely' bas Handwerk in allen Betriebsarten unb Krähen bestimmenb sein. Leuten, bie viel Arbeit unb das wenige ihnen gebliebene Vermögen an bie Aufgabe wirtschaftlich gesunder Betriebssührung in biesen Zweigen setzen, soll bie Erhaltung ihrer Betriebe burch gerechtere Besteuerung unb durch individuell angepohte Kreditversor» 6u n g erleichtert werden. Zu ersterem wird der mbau der Umsatzsteuer und die Vereinheitlichung der Gewerbebesteuerung der Reichsregierung Anlag geben, zum zweiten gibt ihr die Bankenreform die Pflicht, die vom Einzelhandel und Handwerk in Kredit» und Einkaufsgenossenschaften unb in vielen gesunden Betrieben geschaffene Grunblagc gibt ihr bie Voraussetzung zu vertrauensvoller positiver über ben volkswirtschaftlichen Segen ber Quantität zu unser aller Schaden verspätet zerstört. Wir wissen klarer als vorher, bah bas volkswirtschaftliche Optimum nicht in ber Drohe unb Man- nigfaltigkeit der Konzernoerflechtungen sonbern in der Anpassung eines Betriebes noch Umfang und Mitteln an einen erzielbaren Abfatz, also an bie ~ ‘ * [Siegen ist. Die lullmelle Vedeulung des Handwerks Don Or. Meusch, Generalsekretär des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages. den sind. Vielmehr'hat bie Entwickluna triebszahlcn zu einer Verschärfung der äi geführt, die durch Errichtung ‘,Dn ®ro6be^ieben des Einzelhandels, durch genohenschaft.chcn Zu- sammenschluh und durch extensive Rellorne olle irgendwie vorhandenen Neigungen zu übermalen Preisen in ber Regel schnell unwirtschaftlich machen und beseitigen muhte. Die große Zahl oon Gtnjel Handelsbetrieben, die übrigens seit 1929 durch wachsende Konkursziffern geschmälert wurde, kann in ihrer wirtschaftlichen Bedeu» tung nur dann verstanden werden wenn man daneben an den Rückgang der Umsätze (1929 36 M>l liarden, 1931 etwa 28 Milliarden lur das Reichs- gebiet) und an die Schmälerung von Ertragen und Einkommen bei gleichbleibendem, teilweise gestiegenem Steuerdruck denkt. , s 8 Diese Verschärfung der Lage für Handwerk unb Einzelhandel hat ihre Berufsvertretungen dazu ge- nötigt, in den letzten Zähren von den Regierungen des Reichs und der Länder stärkeres gesetzgeberisches Eingreifen zu fordern. Roch langer ycjt der Erwägungen unb Vorbereitungen hat die Notverordnung vom 9. Mä r z einige bring- lichstc Forderungen dieser Art ersullt womit sie nicht nur bei den unmittelbar betroffenen 3nter- essenten, sondern auch bei der Allgemeinheit der Staatsbürger Aufmerksamkeit erwecken sollte. Es dürfte doch auch für den Verbraucher wertvoll fein, dah jetzt endlich ärgste Mißbräuche verboten worden sind, die in ben letzten Zähren mit ben Begriffen Ausverkauf unb „Sonderveranstaltung zum Schaden nicht nur des c b r l id) e n ffi et t be wer- ber s. sondern auch des nach Wahrheit unb Klar- beit verlangenden Käufers getrieben worben finb Ebenfo wird die Hausfrau bannt einverstanden fein, wenn sie nicht mehr gezwungen wirb, ihren Kaffee unb ihre Margarine teurer als notig ui kaufen, weil sie babei mit Zugaben zwangsbeglückt wirb. Neuartig in ihrem Charakter ist die in der Notverordnung verfügte zweijährige Sperre für Errichtung von Ein he 11 s- preisae schäften in Orten bis zu 100 000 Em wohnern. Hiermit will die Reichsregierung eine für den kleineren Einzelhandel und das Handwerk vielfach schädliche Konkurrenzform für die nächste Zeit zu erwartender Knappheit von Kapital unb Kauf- kraft eindämmen. Zeder einigermaßen unterrichte.e Beobachter des Wirtschaftslebens weiß, dah gleiche Wünsche auch gegenüber anderen Grohunterney- mungen des Einzelhandels bestehen, auch bann. den Zum Begriff ber BerichtigungSveranlaguwz gehört, daß ber ganze Steuerfall erneut erforscht unb in allen seinen Teilen tatsächlich unb rechtlick' nachgeprüft wirb. Neue Tatsachen finb nur solche, bie bei ber ersten Veranlagung schon Vorlagen, aber ber DeranlagungSbehörde noch nicht bekannt waren. Bei der Prüfung ber Frage, ob eine Berichtigung zulässig ist, ist von dem Grundsatz aus- zugehen, bah bie neuen Tatsachen allein bas Ergebnis wesentlich verschieben müssen, an- bernfalls erscheint bie Derichtigungsveranlagung unbillig. Eine Berichtigungsveranlagung ist auch bann nicht zulässig, wenn bas Finanzamt bei ber ursprünglichen Veranlagung bie Tatsachengruppe, von ber ein Teil unbekannt geblieben war, überhaupt für unwesentlich hielt. Eine höhere Beran- lagung auf Grund des Dekanntwerdens neuer Tatsachen oder Beweismittel nach Sinn unb Zweck ber gesetzlichen Bestimmungen ist nur möglich, wenn festgestellt werben kann, bah baS Finanzamt schon bei ber ursprünglichen Veranlagung eine höhere Steuer errechnet haben würbe, sofern ihm die unbekannt gebliebenen Tatsachen oder Beweismittel damals schon bekannt gewesen wären. Cs ist z. D, wenn das Finanzamt bie Buchführung eines Gewerbetreibenden als mangelhaft verworfen hat, weil bie Einnahmen nicht vollständig verzeichnet waren unb bcshalb den Umsatz nach den Ausgaben frei schätzte, eine Berich- tigungsveranlagung nicht möglich, wenn nachträglich festgestellt wird, bah ber Steuerpflichtige auch die Privatentnahmen nicht verzeichnet hat (Urteil vom 24. September 1930). Eine Schätzung ist keine neue Tatsache unb kein neues Beweismittel. Wohl können Schähungsunterlagen, die erst nachträglich bekannt werden, neue Tatsachen werben. Hierzu führt der Reichsfinanzhof in einem vorliegenden Urteil aus, bah eine bloh abweichende (chähung feine neue Tatsache und fein neues Beweismittel ist. Insbesondere ist ein neues Sachverständigen-Gutachten kein neues 'Beweismittel, weil es ber Steuerbehörde jederzeit fr ersteht, Sachverständige in beliebiger Zahl zu vernehmen. Wohl aber kann eine neue Tatsache vor- liegen, wenn die Sa/Ützungsgrundlagen nicht hinreichend bekannt waren, so z. B., wenn das Einkommen auf Grund eines unrichtig erklärten Um- sahes geschäht wurde und nachträglich sich heraus- fiellt, dah der Umsatz wesentlich höher war. Mittelstand und Staatspolitik. Don Or. Tiburtius, Mitgl. des Vorläufigen Reichs-Wirtschastsrats. Der Mittelstand hat in ben letzten Monaten etwas mehr im Vordergründe der Staatspolitik gestanden, als es joiift in ber Nachkriegszeit zu beobachten war. Dabei zeigte sich erneut bie soziale Gegensätzlichkeit in ber Zusammensetzung bieser Volksgruppe. Hanbelt es sich babei lediglich um bie Zusammenfassung von Personen ähnlichen Einkommens unb Lebensstanbards, bie, um einmal mit Goethe zu reben, „in beschränkten, aber doch wohlhäbigen, auch ein sittliches Behagen fördernden Verhältnissen leben?" Zu diesem „neuen Mittelstände" gehören heute obere Beamte, ein Teil ber freien Berufe unb ber stäbtischen unb länblichen Gewerbe. Aktiv in ber Wirtschaftspolitik treten aber als Mittelstanb, mit ber Betonung ber Klassenzugehörigkeit, wohl nur Honbwerk, Einzelhandel, Gastwirtschaft unb nahestehende Gruppen städtischer Gewerbetreibenden auf. Ih" Forderungen nach Bekämpfung von unlauterem Wettbewerb und Schwarzarbeit, nach wenn sie selber aus dem MittelMmbe herooraegan- gen finb unb somit für ben erfolgreichen Kaufmann ein immerhin benfbares Ziel eigener Entwicklung barstellen könnten. Bei biesen Forderungen aus Mittelstanbskreisen handelt es sich eben nicht um Ergebnisse strengster Logik unb Objektivität, sonbern um Notrufe aus schwerster Ärisenbebrängnis, bie man nicht nur konsurn» und volkswirtschaftlich, fon- bern vor ollem ftaotspolitifch würbigen muß. Die Reichsregierung wirb auch noch ber Rot- vcrorbnung vom 9. Marz baran benken müssen, baß fruchtbare Mittel st anbspolitik nicht in Einzelmahnahmen bestehen kann, sonbern bei ollen Gesetzen unb Verordnungen an bas Gesamtziel benken muß, für etwa 5 bis 6 Millionen Gewerbetreibenber mit ihren Familien erträgliche Arbeitsbebingungen zu erholten. Dabei soll es nicht um bie Einführung eines neuen Zunft- Ungeistes auf Kosten bes Reallohns von Arbeitern, Angestellten und Beamten gehen, sondern darum, daß Gewerbetreibenden, bie ihre Betriebe noch in der persönlichen Verantwortung des Individuums führen, die Erhaltung dieses für die Allgemeinheit unentbehrlichen Standpunktes und Lebensprinzips ermöglicht wirb. Die Krise von 1931 hat Illusionen Heue Tatsachen unb neue Beweise im Steuerredbf Don Steuerinspektor HreeS, Gießen. eit Generationen gibt Alte unb neue Parteien inben hier immer noch große, aber schwer zu ösenbe Aufgaben. Der Grunb diefes mangelnben inneren Zusammenhanges zwischen den verschiedenen Gruppen des „Neuen" Mittelstandes liegt vor allem in den wirt» schoftlichen Umwälzungen der Nachkriegszeit. Volksgenossen, die durch den Verlust ihres Vermögens dazu gezwungen wurden, mit spärlichem Arbeitseinkommen, mit Pensionen oder Soziolrenten eine gegenüber 1914 bescheidenere Lebenshaltung zu führen, beurteilen bie Wirtschaft naturgemäß in erster Linie als Verbraucher unb sehen baher in Händlern und Handwerkern keineswegs Schicksals- und Bundesgenossen, sondern eher Gegner. Dieses Empfinden wird bestärkt durch landläufige An- sichten über eine Uebersetzung dieser Mittel- ftanbsgcroerbe, bie zu einer unwirtschaftlichen Verteuerung der Ware führe. In biesen Streit hat bie Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhonbels etwas mehr objektive Klärung zu bringen gcluch, burch eine wissenschaftliche Behandlung des Zahlenmaterials aus den Betriebsstatistiken von 1907 und 1925. Auch wer derartigen Schriften mit kritischer Reserve gegenübersteht, Wirb nach ber Lektüre bie- ter Schrift zugeben müssen, baß eine Uebersetzung, also eine übermäßige Vermehrung der Zahl der Einzelbetriebe feit der Vorkriegszeit nicht nur aus statistischen Gründen nicht nachgewiesen werden kann, sondern auch tatsächlich nur für einzelne Zweige, wie etwa Tabak- und Süßwarenhondel, nicht aber für die Gesamtheit des Einzel- Handels angenommen werden kann, xmies Urteil kann eben nicht schlechthin auf ben Augenschein über bie äußere Zunahme der Läden einer Stabt gegründet werden, sondern muß darauf Bedacht nehmen daß die Ansprüche der Verbraucher an Ausbreitung unb Leistungen bes Einzelhandels gewachsen sind, besonders da gegenüber der Vorkriegszeit ein unverhältnismäßig starkes Wachstum der erwerbstätigen Bevölkerung, eine wc- (entliehe Auflockerung der Siedlungen und damit em vermehrtes Bedürfnis nach Verkaufsstellen in ben Arbeits- unb den Wohnvierteln ber Stabte Platz Gegriffen hat. Auherbem hat auch die Vermehrung der Betriebszahlen des Einzelhandels nicht zu einer Hochhaltung der Preise fuhren können, da Kartelle unb ähnliche Zwangsbindungen hier nicht vorhan- 'Hitdm.’hr hat bie Entwicklung der Be- Eine Betrachtung über die kulturelle Bedeutung des Handwerks kann wohl nicht besser und erschöpfender eingeleitet werden, als durch das ©oetbewort: „Allem Leben, allem Tun, aller Kunst muß das Handwerk vorausgehen." Dieses Wort hat Geltung für alle Zeiten. Es ist fast müßig, die Kultur des alten Handwerks zu preisen, so sehr ist sie sieghafte Tatsache. Die Kultur des Handwerks War der Nährboden für die Weister, deren Namen das Buch der deutschen Kultur- und Kunstgeschichte noch heute mit Ehrfurcht nennt Weit wichtiger für uns noch heute, oder erst recht heute wieder ein Ziel, das Wir mit der Seele suchen, ist der breite Kulturgrund, der das alte Handwerk trug. Nicht fo sehr die ganz Großen, die weit über die Wenge der De- rufsgenossen hinausragen. sondern der Kultur- ftanb gerade dieser breiten Wenge ist das Kennzeichen jener Epoche. Die Handwerkskultur des Mittelalters war im besten Sinne GerneinschaftLkultur des deutschen Bürgertums, in dem das Handwerk wiederum die wichtigste Nolle spielte. Der vornehmste und durch nichts ersetzbare Sinn des Handwerks ist es gewesen, das ganze Werktätige Leben mit dem Ernst und der Würde der menschlichen Arbeit zu durchdringen. Aus der hohen Achtung vor einer solchen Leistung beruhte auch die bedeutsame soziale Stellung, die das Handwerk damals einnahm. Sie gestattete den Handwerkern. entsprechenden Anteil am Leben der Gesamtheit zu nehmen und weit über die Grenzen der Berufsausübung hinaus ihren Willen zur Gestaltung des Schicksal« ihrer Heimat zu gebrauchen. Solche Rechte und solcher Einfluß aber waren nur möglich bei einer hohen Auffassung des Wesen« und der Sendung de« Handwerks, bei einer Standesgesinnung, die es verbot, die Interessen des Handwerks anders zu begreifen und anders geltend zu machen, als zum Wohle der bürgerlichen Gemeinschaft. Träger dieser auf« Gemeinwohl gedachten Berufsarbeit waren die Zünfte. Es ist kein Zufall, daß der Niedergang des Handwerks mit der Ent- attung der fünfte zeitlich zusammengefallen ist. Wenn überbaut. Lehren aus der geschichtlichen Neue Tatsachen und neue Beweise spielen im Steuerrecht bei Berichtigungsveranlagungen eine große Nolle. Hat bei Steuern, bei denen die Verjährungsfrist mehr als ein Jahr beträgt, das Finanzamt nach Prüfung deS Sachverhalts einen besonderen, im Gesetz selber vorgeschriebenen schriftlichen Bescheid (Steuerbescheid. Teran- logungsbescheid, Freistellungsbescheid oder Fest- stettungSbescheid) erteilt, fo findet nach § 222 ber Reichsabgabenordnung eine Aenderung des Bescheides (eine Berich'.igungsveranlagung oder 'J5e- richtigungsseststellung) nur unter bestimmten Voraussetzungen statt. Die hauptsächlichsten Anwendungsfälle. einer Derichtigungsveranlagung ergeben sich. Wenn neue Tatsachen oder Beweismittel bekannt werden, die eine höhere Veranlagung rechtfertigen und die Verjährungsfrist noch nicht abgelaufen ist. oder Wenn durch eine Buch- oder Betriebsprüfung vor dem Ablauf der Verjährungsfrist neue Tatsachen oder Beweismittel bekannt werden, die eine niedrigere OSeran- gung rechtfertigen. Die Möglichkeit der Berichtigungsveranlagung beim Bekanntwerden neuer Tatsachen ober Beweismittel durch eine Buch- oder Betriebsprüfung, die eine niedrigere Veranlagung rechtfertigen, ist erst durch die Notverordnung vom 1. Dezember 1930 geschaffen Worden. Es ist dies eine begrüßenswerte Aenderung der gesetzlichen Bestimmungen, bie der Gerechtigkeit entspricht. Seither war eine Berichtigung nur möglich, Wenn eine höhere Veranlagung in Frage kam. War z. B. ein Steuerpflichtiger für die Jahre 1929 und 1930 mit einem Gewinn von je 10 000 Mark veranlagt und ergab eine Buchprüfung neue Tatsachen^ durch die ber Gewinn für 1930 sich auf 20 000 Mark erhöhte und der Gewinn für 1929 auf 5000 Mark sich ermäßigte, fo war rechtlich nur eine Terichtigungsveranlagung für 1930 möglich,Während für 1929 nur eine Ermäßigung auf dem Bil- ligkeitswege (ohne Nechtsgrund) eintveten konnte. Jetzt besteht für den Steuerpflichtigen ein Nechtsanspruch auf D e r i ch t i g u n a s - Veranlagung, der im Rechtsmittelverfahren durchfechtbar ist. Beachtlich ist auch, daß eine höhere Veranlagung nur bis zum Ablauf ber Verjährungsfrist zulässig ist, während eine niedrigere Veranlagung auch noch nach Ablauf der Verjährungsfrist vorgenommen werden kann, sofern das Bekanntwerden neuer Tatsachen oder Beweismittel innerhalb der Verjährungsfrist eintritt. Nach der Begründung des Gesetzentwurfes soll die Nachforderung von Steuern grundsätzlich bis zum Ablauf ber Verjährungsfrist zulässig sein. Wo jedoch, toi£ bei ben Steuern vom Vermögen unb vom Einkommen, ber Grbschaftsteuer, ber Umsatzsteuer unb sonst, ein besondere« Deranla- gungsverfahren stattfindet, soll eine Derichtigungsveranlagung zum Nachtell des Pflichtigen nur auf Grund neuer Tatsachen und Beweismittel möglich sein. Es ist nicht leicht, die Interessen der Pflichtigen und der Steuerverwaltung in dieser Hinsicht richtig abzugrenzen. Aus diesen Gründen hat der Gesetzgeber bestimmt, daß bei den Steuern, die in kürzester Frist (ein Jahr) verjähre^ b. s. Zölle unb Verbrauchssteuern, die Nachforderung stets zulässig ist. Bei ben übrigen Steuern soll jedoch die Berichti-ungsveranlagung nur beschränkt zulässig sein. Heber die Frage, was als neue Tatsachen und Beweismittel anzufehen ist. hat der Reichsfinanz. Hof schon in einer sehr großen Anzahl von sollen entscheiden müssen. Tatsachen, die bei der ursprünglichen Steuerfestsetzung als unerheblich angesehen waren und deshalb nicht aufgeklärt wurden, dürfen später nicht als neue Tatsachen zur Begründung einer Berichtigungsveranlagung verwertet werden. Ist ein Kaufmann auf Grund feiner Bilanzen veranlagt worden und ergibt eine nachträgliche Buchführung die Unrichtigkeit dieser Bilanzen bzw. daß die Buchführung keine kaufmännische war. so ist dies eine neue Tatsache im Sinne der gesetzlichen Bestimmung. Mit der Einreichung der Bilanzen gelten ferner auch nicht alle den einzelnen Bilanzposten zugrunde liegenden steuerlich bedeutsamen Tatsachen als bekannt. Nicht jede geringfügige neue Feststellung genügt für eine Berichtigung. Nur wenn neue Tatsachen von einigem Gewicht neu festgestellt Werben, ist eine Berichtigungsveranlagung durchzufuhrcn, da nach § 11 der Reichsaoguvenordnung Entscheidungen von Behörden, die nach ihrem Ermessen zu treffen sind nach Recht und Billigkeit zu erfolgen haben. Die Neufassung der gesetzlichen Bestimmungen hatte es zweifelhaft erscheinen lassen, ob auch jetzt noch Derichtigungsveranlagung nur bann stattzufinden hat, wenn sie im Einklang mit § 11 der Neichsabgabenordnung steht. Durch die neue Entscheidung vom 13. April 1932 hat derReichs- finanzhof diese Frage sowohl für die Denchtl- gungsfälle zugunsten, als auch für Beiichtigungs- fälle zuungunsten der Steuerpflichtigen bqabt Bei einer Berichtigungsveranlagung dar^auch 0.r belanntgeweRne Sachverhalt neu geWuro gt wer- Stärkung von Innungen und Genossenschaften und nach ftcuerpolitischer Schonung des Gewerbeertrages finden aber nur selten Widerhall, oder gar tätige Zustimmung etwa bei Beamten, Aerzten oder näheren Gruppen des Mittelstandes im weiteren Sinne, die erst durch Dermögensverlust und Ein- kommensverringerung in der Nachkriegszeit unfreiwillig in diese statistische Gruppe geraten sind Somit gibt es für den Mittelstand keine Einheit der Interessen und der politischen Vertretung, wie es eine solche trotz mancher Gegensätze für die Klassen des Proletariats und des Großkapitalismus Die bevorrechtigte Lohnforderung Don Zustizinzpcttor Schröder, Darmflabt. „Schaffet Recht dem Armen!" mahnt schon der Psalmist. „Verdienter Lidlohn schreit zum Himmel!* lautet ein alter Rechtssatz, der ganz der deutschen Rechtsauffasiung entsprich,. wie sie sich auch tn unseren heute geltenden Gesetzen widerspiegelt Don alters her sieht man es als eine sittliche Pflicht an. die Ansprüche von Hand, und Kopsarbeitern, deren einziges Vermögen in der Regel ihre Arbeitskraft ist, bevorzugt zu befriedigen. Zn Zeiten wirtschaftlichen Niederganges, in denen leider viele Unternehmer in Zahlungsschwierigkeiten geraten, gewinnt die Frage erhöhte Bedeutung, in welchen Fällen eine Loh»- forberung gesetzlich ein Vorrecht genießt (Ein weitverbreiteter Irrtum ist es anzunehmen, daß eine urteilsmäßig feftgeftcUte Lohnforderung bei der Pfändung von Mobilien oder Außenständen des Arbeitgebers ein Vorrecht vor den von anderen Gläubigern ausgebrachten Pfändungen genieße. Hier gilt der Grundsatz: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!" Anders verhält cs sich in folgenden Fällen: 1. Ist über das Vermögen des Schuldners das Konkursverfahren eröffnet, so sind die Forderungen der Arbeitnehmer aus Lohn, Kostgeld und anderen Dienstbezügen aus dem letzten Jahre vor der Eröffnung des Verfahrens bevorrechtigt. Notwendig ist aber, daß der Arbeitnehmer seine Forderung bei dem Konkursgericht innerhalb der in der Bekanntmachung bestimmten Frist a n m e l d e t, und zwar mit dem Anspruch auf bevorrechtigte Befriedigung. Tut er letzteres nicht, fo gilt feine Forderung nur als gewöhnliche Konkursforderung und wird nur in Höhe der Konkursquote befriedigt. Meldet er aber noch dem Ablauf der Frist an, so hat er zu gewärtigen, daß seine Forderung in einem besonderen Termin geprüft wird, wodurch Gerichtskoftcn erwachsen. Wird ber Arbeitnehmer in dem nach der Konkurseröffnung vom Verwalter weitergeführten Betrieb beschäftigt, so gehört fein Lohnanspruch zu ben Masseschulden, die der Verwalter an und für sich schon «orroeg zu berichtigen hat. 2. Wird die Zwangsversteigerung oon Grundvermögen des Schuldners durchgeführt, so genießt nur der sogenannte Lidlo h n (auch Litlohn = Leute, ober Gesindelohn) ein Recht auf vorzugsweise Befriedigung aus dem Grundstück, und .zwar aus einem land- oder forstwirtschaftlichen Grundstück, wegen der kaufenden und der aus dem letzten Jahre rückständigen Beträge. Die Dienste müssen land- ober forst- wirtschaftlicher Art fein. Für häusliche Dienste besteht bas Vorrecht nicht, also insbefonbere nicht für ben Dienst eines Hausmädchens. Bei ber Zwangsversteigerung von Grundstücken eines G e • roerbebetriebes haben die in diesem Betrieb beschäftigten Perfonen keinerlei Vorrecht! Wichtig ist, daß bas Vorrecht des „Lidlohns" nur berücksichtigt werden kann, wenn der Lohnanspruch beim Vollstreckungsgericht angemeldet wird, spätestens im Derstcigerungstermin vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten! 3. (Eine minder einschneidende Vollstreckungsmaß- nahme gegen ben Schulbner ist die Z w a n g s Verwaltung. Sie nimmt ihm nicht bas Eigentum, sondern entzieht ihm die Grundstücksoerwaltung unb die Einkünfte und bestimmt die von dem gerichtlich bestellten Zwangsoerwalter aus der Bewirtschaftung erzielten Reinerträgnisie zur Befriedigung der Be- rechtigten. Auch hier genießen die Lidlohnan- spräche ein Vorrecht, aber nur die laufenden Beträge (also nicht die rückständigen), soweit sie o o r der Beschlagnahme des Grundstücks entstanden sind. (Nach diesem Zeitpunkt sind sie Ausgaben der Vermattung, die ohnehin an erster Stelle zu berichtigen sind.) Die laufenden Beträge der Lidlohnansprüche sind ebenfalls anzumelden, unb zwar bis zur Aufstellung des Teilungsplans. Entwicklung eine« Volke« oder eine« Derus«- stanbes abgeleitet Werben können, fo ist in diefer Tatsache eine eindringliche Lehre für uns enthalten. dah mit dem Wesen des Handwerk- untrennbar verbunden ist die Idee der sittlich geordneten Berufs standSge- m e i n s ch a f t. daß daS Handwerk auch heute sich ?u dieser Idee bekennen muß und zur VerWirk- ichung der Idee einer festen beruflichen Organisation bedarf. Die Entwicklung von der mittelalterlichen StaatsWirtschast zur Volkswirtschaft hat den engen Zufaminenhang zwischen Handwerk und bürgerlicher Gemeinschaftskultur allmählich mehr gelockert Die Rolle des Handwerk« für die Bedarfsdeckung der Bevölkerung ist mit der aus- kommenden Industrialisierung erheblich verändert Worden. Es schien der volkswirtschaftlichen Theorie unvermeidbar, dah in absehbarer Zeit für eine handwerksmäßige Produktion in der deutschen Wirtschaft überhaupt kein Raum mehr sein würde. Wir wissen, dah dieser Glaube falsch gewesen ist. Wir stellen mit Freude und innerer Befriedigung vielmehr fest, dah ein LlmschWung zum Besseren, ein Aufstieg zu neuer Wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit eingetreten ist. mag auch diese Entwicklung durch Krieg und Nachkriegszeit etwas oufgehaltcn Werden. Dieser Aufstieg Wäre nicht möglich gewesen. Wenn nicht auch in der Gegenwart, vor allen Dingen in der Nachkriegszeit, das Handwerk eine wichtige und besondere kulturelle Mission zu erfüllen hätte. Wir dürfen in dem Ringen um die wirtschaftliche Gestaltung der Gegenwart und Zukunft nicht immer nur auf die äuheren Auswirkungen sehen. Wir müssen vorerst mit un« selbst, d h mit den Menschen wieder ins reine zu kommen suchen. Mit der fortschreitenden Mechanisierung unseres ganzen Volksleben« ist da« Arbeits-Etho« in erschreckendem Um'_ng verlorengegangen, daS doch allein dem Menschen inneren Frieden und soziale Befriedigung zu schaffen vermag. Die Erziehung und die Wieder« findung diele« Arbeits-Ethos in der Arbeit und au« ber Arbeit heraus, das ist die riesenhafte Aufgabe, die uns beim Wiederaufbau unserer Lafot Handel und Gewerbe leben Volksgemeinschaft gestellt ist. Darum sei auch an die Spitze der kulturellen Bedeutung des Handwerks in der Gegenwart das seelische Verhältnis des handwerksmäßig schaffenden Menschen zu seiner Arbeit gestellt. Das Handwerk hat toegeif seiner zahlen- mähigen Bedeutung, wegen seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und seiner kulturellen Kräfte die Aufgabe zu erfüllen, die Reste dieser sittlichen Einstellung zur Arbeit zu erhalten, im Handwerk zu stärken und aus dem Handwerk in die Volksgemeinschaft weiterzutragen. Hst doch die Einstellung des Handwerks zu seiner Arbeit wesentlich anders, als die des industriellen Arbeiters. Der tüchtige Handwerker empfindet Schöpferfreude, wenn unter seiner Hand ein Werk entsteht, in das er seine Seele hineinlegen kann. Wie schön hat der Maler Hans Thoma in einem Schreiben gegenüber dem Reichskunstwart Dr. R e d s l o b gesagt: „Ich bin gern dabei, wo man das Handwerk auch in seiner Bescheidenheit achtet und ihm nicht zu viel Vorschriften macht. Es ist im deutschen Volk viel Begabung und Freude an künstlerischer, d. h. guter Handarbeit. Diese Arbeit führt zum Frieden — immer noch und unter allen Umständen gibt es Arbeiter, die ihr Werk zur eigenen Freude gut und schön machen." Mit einer solchen Arbeitsfreude und einem solchen Arbeitsfrieden ist das Hand- werk zum anderen berufen, immer noch und erst recht wieder an der Spitze derer zu stehen, die dem deutschen Volke hochwertige Bedarfsgüter schaffen können. Die deutsche Wirtschaft ist ja unter den Nachwirkungen des Krieges ganz besonders auf die Herstellung von gediegener guter Arbeit angewiesen. Es wird wohl allmählich auch dem gedankenlosen Zeitgenossen immer klarer werden, daß nur die Erträgnisse aus planvoller, ernster und hochwertiger Arbeit unser Volk wieder zu wirtschaftlicher Gesundheit führen können. Der einzige Schah, den Deutschland noch besitzt, ist seine Fähigkeit, solche hochwertige Arbeit leisten zu können. Einser auf zu engem Raum eingepferchtes Volk besitzt weder Bodenschätze genug, noch trägt ihm sein Acker genügend Frucht, noch wirft ihm sein Kapital eine ausreichende Rente ab — das deutsche Volk muh Werte schaffen durch den Verkauf seiner Arbeitserzeugnisse. Die Arbeitskraft des einzemen muh so zweckmäßig und so praktisch gestaltet werden, dah ihr Ertrag zur Förderung weiterer Arbeit verwendet werden kann. Hier berührt sich die kulturelle Mission des Handwerks mit seiner wirtschaftlichen und sozialen Aufgabe aufs engste: Die Schaffung von Qualitätsarbeit und die Erziehung eines gewerblichen Rachwuchses, der die hochwertige Leistung der deutschen Gütererzeugung fortseht und vermehrt. Das deutsche Handwerk ist in der Lage, diese Aufgabe zu erfüllen, wenn ihm die Möglichkeit zur vollen Entfaltung seiner Fähigkeiten gegeben wird. llnö so wird auch für die Zukunft eine deutsche Kultur ohne das deutsche Handwerk einfach undenkbar bleiben. Junge Menschen suchen Hilfe. Ein Aufruf zur Llebernahme von Patenschaften. Von Oberschulrai Hassinger, Darmstadt. Der Freiwillige Arbeitsdienst hat in der kurzen Zeit seines Bestehens eine ungeahnte Bedeutung erhalten. Wir wollen hier nur von lat« lachen sprechen. Weder von den Gefahren, die auch wir sehen, noch von weit in die Zukunft zielenden Absichten. Wir sehen eine Generation heranwachsen, die gegen ihr Wollen der Arbeit entfremdet wird. Wer täglich mit Menschen zwischen 18 und 25 Jahren zusammenkommt, erschrickt immer neu vor den Verheerungen, die die Arbeitslosigkeit gerade unter ihnen anrichtet. Langsam nimmt auch die Öffentlichkeit von der Not gerade dieser Schichten Notiz. Lin erster Schritt zur Abhilfe ist der ftelwillige Arbeitsdienst. Auch wenn unsere Wirtschaftslage sich bessert, wird die Not der Jugendlichen noch andauern. Da schafft der Arbeitsdienst ihnen wenigstens ein Unterkommen au^längere Zeit. Er stellt die brachliegende Arbeitskraft für Werke ein, die im öffentlichen Interesse liegen. Er gibt dem Menschen einen geregelten Tageslauf, er schafft Verantwortung, läßt müde werden und lehrt so auch die Freizeit wieder schätzen. Durch Zusammenarbeiten vieler Stellen ist der Arbeitsdienst in Hessen bereits so ausgebaut, dah wir mit über 6000 Arbeitsdienstwilligen mit an der Spitze der Länder marschieren. Die meisten dieser Arbeitsdienstwilligen werden direkt oder indirekt vom Hessischen Heimatwerk betreut, zu dem sich Staat, Gemeinden, Kreise und die großen Organisationen aller Richtungen zusammen- gefunden haben. Ich freue mich, sagen zu können, daß keine Arbeitskraft in Hessen darauf verwendet zu werden braucht, Kompetenzen auszugleichen, sondern daß alle in seltener Einmütigkeit an dem großen Werk der Volkshilfe mitarbeiten. Wir wollen den Menschen aber auch Heimat schaffen. Dazu genügt es heute nicht mehr, in ihnen den Sinn für die Schönheit des Landes zu wecken, Sitten und Gebräuche zu pflegen. Wir müssen erst Lebensmöglichkeiten schaffen. Der Raum, in dem wir leben, ist eng. Sich in ihm einzurichten, bedarf es zäher Arbeit eines jeden einzelnen. Die Arbeitsdienste sind in vieler Richtung die Schule für ein neues Geschlecht, von dem wir hoffen, daß es Deutschland aufwärts führen hilft! Denn auch heule noch manche Arbeiten im frei- willigen Arbeitsdienst durchgeführt werden, die im strengen Sinne der Volkswirtschaft keine sofort erkennbare Bedeutung haben, so sind daneben gerade vom Heimatwerk Projekte in Angriff genommen, die auf weite Sicht hin auch sachlich die Voraussetzungen schaffen für eine bessere Existenz in der Heimat. Dir haben Arbeiten ausgenommen, die Siedlungsgelände für Erwerbslose schaffen. Im freiwilligen Arbeitsdienst haben sich junge Bauhandwerker zur Verfügung gestellt, um Erwerbslosen bei der Erstellung einer Randsiedlung zu helfen. Flüsse, He jährlich großen Schaden durch Ueberschwemmungen anrichten, werden reguliert und so der landwirtschaftliche Ertrag gesteigert. Dies ist von um so größerer Bedeutung, als gerade in diesen Gegenden auch viele Industriearbeiter ein Stück Feld für sich bebauen. Wir werden in Kürze eine Planungsstelle einrichten als Arbeitsdienst für Geistesarbeiter, in der weitere Arbeiten zur Sicherung der Existenz der breiten Masse mit vorbereitet werden sollen. All das sind kleine Ansätze, aber sie weisen in die Zukunft und Hunderte junger Menschen finden hier Arbeit, Unterkommen und neuen Lebenswillen. Leider ist jedoch der Kreis der Förderungsberechtigten im Gesetz sehr eng gezogen. Dieser Tage Keine Notiz durch die Presse, daß der freiwillige ntsdienst erweitert werden solle, daß vor allem alle, die unter 25 Jahre alt sind, die Möglichkeit haben sollten, mitzutun. Diese Notiz hat uns Hunderte von Anfragen bereits eingetragen. Wir müssen die Hoffnungen enttäuschen, weil die Erweiterungsbestimmungen nur da gelten, wo der Arbeitsdienst für landwirtschaftliche Sied- lungsoerfahren eingesetzt wird. Es ist fürchterlich, daß täglich, stündlich Menschen vor einem sitzen, bereit zur Teilnahme am Arbeitsdienst unter allen Bedingungen, und daß man sie immer wieder abweisen muß. Wir. stark der Wille zur Teilnahme in der jungen Generation ist, dafür nur ein Beispiel von vielen: In einer hessischen Stadt wurde durch eine kleine Zeitungsnotiz zur Meldung für den freiwilligen Arbeitsdienst aufgefordert, an dem 40 Mann sich beteiligen konnten. Am nächsten Morgen hatten sich bereits über 200 an der Meldestelle eintragen lassen, am Tag darauf weitere 100. Vierzig können jedoch nur eingestellt werden! Wir sehen täglich in fürchterliche Not hinein. Eine Familie mit 10 Kindern, von denen keines der Familienangehörigen Arbeit hat! Junge Männer kommen zu uns, die von ihrem Vater geschlagen werden, weil sie keine Arbeit mit nach Hause bringen. Die Mittel des Staates sind aufs äußerste angespannt. Wir wissen keinen anderen Weg als den öffentlichen Aufruf an alle, die noch in der Lage sind, zu hel« f e n, einen Aufruf an Einzelpersönlichkeiten, an Korporationen und an Firmen. Es hilft den jungen Menschen nichts, wenn wir sie nur in ihrer Not bedauern. Alle Aufzählung und Aneinanderreihung von Elendsbildern hat nur bann einen Sinn, wenn damit der Wille zu einer Tat verbunden ist! Wir rufen alle, die helfen tonnen, auf, alle Kräfte einzusetzen, um der Not zu steuern. Hilfe ist nötig auch in solchen Fällen, wo die unzulänglichen gesetzlichen Bestimmungen die Förderung ausschließen. Dir wollen niemanden ausfchliehen, der den ernsten Dillen zur Arbeit Hal. wir wollen auch ihnen unsere Arbeitslager, in denen sie vier bis fünf Monate untergebracht werden können, öffnen. Dazu bedarf es je Mann und Monat fünfzig Mark. Gibt es nicht auch in Hessen noch Menschen, die für solche Menschen die Patenschaft übernehmen können? Und wo die Kräfte des einzelnen das nicht zulassen, sollte es nicht möglich sein, daß sich Helferringe zusammen- schliehen? Zusammenschließen, um ihren bedrohten jungen Volksgenossen zu helfen, durch diese Zeiten zu körn- men, um itjneh neuen Lebensmut zu geben, um sie herauszureißen aus ihrem Elend! Wir haben die Hoffnung, wir haben das Vertrauen, daß unser Heimatwerk durch die Mithilfe weitester Schichten instand gesetzt wird, seine Arbeit so weit zu span- nen, wie die Not es gebietet. Wir bitten um die llebernahme von Paten- schäften. Wir können nicht alle Not lindern, aber wir möchten es wenigstens da tun föi*en, wo die Not zum Himmel schreit. Die Geschäftsstelle des Hessischen Heimatwerkes, Darmstadt^Mathildenplatz 17, und ich.selber, Darmstadt, Wilhelminenstraße 3, sind jederzeit bereit, Patenschaften zu vermitteln. Ich hoffe, daß trotz der Schwere der Zeit mein Ruf nicht ungehört verhallt, daß-dj^Mitverant- roortung aller, die noch über gesicherte Einkünfte verfügen, uns instand setzt, das wichtige Werk zu vollbringen! Aus Oer Provinzialbauptstodt. Gießen, den 8.Juni 1932. Pädagogik auf der Straße. Der Brennpunkt unseres öffentlichen Lebens ist heute die Straße. Ein Aufmerksamer kann hier manche Erfahrungen sammeln, nicht zuletzt über unsere Jugend, über ihre häusliche Erziehung, über Kinder und — Eltern! Ein kleiner Vorgang in der überfüllten Straßenbahn! Im Inneren sitzt ein zwölfjähriger Junge, zu dem sich eine vor ihm stehende ältere Dame plötzlich mit den Worten wendet: „Junge, bist du krank?" Ein erstauntes „Nein!" als Antwort. „So, ich dachte, weil du mich stehen läßt!" Sofort springt er auf. Nicht immer ist die Belehrung so taktvoll und so von Wirkung. Oft fallen aus den Reihen des Publikums nur Anspielungen und bissige Be« mertungen gegen die heutige Jugend überhaupt, die meist keinen Erfolg hab/n. Zwar weiß die Jugend genau, welche Pflichten sie dem Alter gegen« über hat, und es ist bedauerlich, daß auch Kinder aus gebildeten Kreisen es hier fehlen lassen. Aber oft ist es mehr Gedankenlosigkeit und Unachtsam« feit. Ein leichter Hinweis hat meist den gewünschten Erfolg, etwa eine Geste nach dem stehenden Fahrgast hin oder ein sanfter Rippenstoß, der dem Jugendlichen andeutet: „Du weißt doch...!" Damit gibt man ihm noch Gelegenheit, aus sich selbst her« aus anständig zu handeln. Das Kind fühlt dann den Willen des Erwachsenen nicht als etwas ihm Aufgezwungenes, sondern sieht seine eigene Ehre aufgerufen. Mein Weg führt mich zum Friseur! Pech! Einer wird rasiert, ein anderer läßt sich die Haare schnei- den, ein Herr und ein Junge warten! Ich reihe mich an. Endlich ist der erste fertig! Der wartende Herr springt mit den Worten auf: ,^Junge, du hast doch noch Zeit, ich hab's eilig!" Der Kleine, der eher gekommen war, wird rot, will etwas sagen, aber schon sitzt der Herr auf dem Stuhl, und der Barbier beeilt sich, den guten Kunden zu bedienen. Meine Meinung, daß man auch dem Kinde die Zeit nicht stehlen dürfe, schon weil es zu Hause vielleicht gebraucht werde, die Eltern auf das Kind warten oder dieses noch Schularbeiten zu erledigen habe, enthielt ich dem Herrn nicht vor, fand aber wenig Verständnis. Elisabeth erobert sich das Glück Vornan von Margarete Anlelmann Copyright by M. Feuchtwanger, Halle. 4. Fortsetzung. Rachdruck verboten! Viertes Kapitel. Es war ein schöner Herbsttag heute. Leise fielen die rotbraunen und' hellgelben Blätter hernieder zur Erde. Hell schien die Sonne durch die fast entblätterten Reste, mit ihren letzten warmen Strahlen noch einmal die Erde zu erwärmen. Das herrliche Wetter hatte viele Menschen herausgelockt aus ihren Häusern. Man freute sich dieses wundervollen Herbstsonntags. Auch Elisabeth hatte sich für eine kurze Zeit herausgewagt. Ganz einsame Wege suchte sie, ging dahin, ganz in ihre trüben Gedanken versunken. Schwer lag ihr das Herz in der Brust. Nicht der Mutter wegen. Es ging ihr besser in den letzten Tagen. Deshalb hatte es Elisabeth auch wagen dürfen, das Haus für eine kleine Stunde zu verlassen. Aber die Gedanken an Hubert quälten sie bis zum Tod. Roch immer hatte er nicht geschrieben. Elisabeth war ganz verzweifelt, wußte sich keinen Ausweg mehr. Schreiben konnte sie ihm nicht mehr, nachdem er ihr auf ihre letzten Briefe nicht geantwortet hatte. Er hatte sie vergessen... Aber — das konnte doch nicht sein. Rach alledem, wag vorgegangen war, nach all den Liebesschwüren. Er konnte sie doch nicht so belogen haben! Roch einmal durchlebte Elisabeth die herrliche Zeit ihres Liebesglücks, ging ganz versonnen dahin. „Ra, du, Elisabeth, träumst du am hellichten Tage? Du kennst wohl deine alten Freunde nicht mehr?" Eine helle Mädchenstimme rief Elisabeth an. Lachend stand Hilde von Larsen vor dem erschrockenen Mädchen. »L>h, Hilde, mich so zu erschrecken! Ich war wirklich ganz in meine Gedanken versunken. Aber es ist nett, daß ich dich treffe. Wir haben uns so lange nicht gesprochen." Elisabeth mochte Hilde von Larsen gut leiden. Sie war ein munteres Geschöpf, mit dem es sich gut plaudern ließ. Das war heute eine ganz gute Ablenkung für ihre schweren Gedanken. Unb dann — Hilde war mit Hubert Heilmann verwandt. Vielleicht würde sie etwas über ihn erfahren. Lachend erzählte Hilde von allen möglichen Ereignissen ihres abwechslungsreichen Lebens. Sie berichtete von dem Glück der Neuvermählten Schwester, die sie kürzlich erst besucht hatte. Evi erwarte bald ein Kind: sie und ihr junger Gatte wären überglücklich. Hilde wunderte sich nicht weiter, dah Elisabeth wenig antwortete, sie war zu sehr von ihren Erzählungen in Anspruch genommen. Die beiden waren jetzt an dem Musikpavillon angelangt, in dem in den Sommermonaten die Stadtmusik zu konzertieren pflegte. Jetzt, im Herbst, waren die Konzerte in die hübschen Säle des Restaurants „Fürstenruhe" verlegt worden. Hilde würde ihre Angehörigen drinnen treffen, und sie bat Elisabeth, auf eine Weile mit hinein- zukommen, ihre Eltern würden sich sicher sehr freuen. Elisabeth muhte ablehnen; sie müsse nach Hause, die Mutter warte auf sie. Während sich die beiden Mädchen voneinander verabschiedeten, sah Elisabeth die Kommerzien- rätin Heilmann auf das Restaurant zukommen. Sie hätte gern eine Begegnung mit der Kornmer- zienrätin vermieden. Sie hatte damals, nach dem Konzert, bei Lucie Heilmann einen Besuch gemacht, um sich für den Blumenkorb zu bedanken, war aber nicht angenommen worden. Seit damals hatte sie das Gefühl, als ob man keine weitere Verbindung mit ihr wünschte, und sie wollte deshalb jedes Zusammentreffen mit der Kommerzien- rätin vermeiden. Sie wollte sich deshalb schnell von Hilde verabschieden. Die hielt Elisabeth jedoch fest. Gerade war ihr noch etwas eingefallen. „Oh, ich Schlafmütze , sagt? sie, sich auf die Stirn klopfend. „Die Hauptsache hätte ich dir fast nicht erzählt. Denke dir, mein Vetter Hubert hat sich verlobt. Du kennst ihn ja auch. Ist vor kurzem erst zum Richter ernannt worden, in Dresden. Heute morgen haben wir die Verlobungsanzeige bekommen. Gelt, Elisabeth, da bist du sprachlos? So ein Heuchler, hat immer getan, als ob er fein Mädel ansehen würde. And jetzt hat er sich den reichsten Goldfisch aus Dresden geangelt..." Hilde unterbrach sich, weil sie ihre Tante Lucie sah. „Guten Tag, Tante Lucie! Was sagst du zu der Aeberraschung mit Hubert! Ist das nicht ein Duckmäuser, sich so Hals über Kopf zu verloben!" „Ra, Hildchen, Jo überraschend ist mir diese Verlobung gar nicht gekommen", sagte die Kom- merzienrätin, indem sie den beid,en Mädchen die Hand reichte. „Mir gegenüber hatte Hubert nie ein Geheimnis daraus gemacht, dah er Sibylle Rautenstein einmal zu seiner Frau machen wollte. Die beiden kennen sich ja von Kindheit an und hatten schon lange viel füreinander übrig. And Sibylle ist ja keine schlechte Partie — ihr Vater ist der reichste Mann von Dresden: sein Einfluß wird Huberts Karriere viel nützen können. Aber, Hubert würde Sybille sicher auch geheiratet haben, wenn sie nicht so reich gewesen wäre: er liebte sie schon lange. Wir können jedenfalls auf unseren Hubert stolz fein. Aber, es wird kalt hier draußen, wir wollen lieber hinein- gehen, da können wir weiter plaudern." Sie wandte sich zu Elisabeth. „Kommen Sie mit uns, Fräulein Pfilipp? Was macht Ihre Kunst? Es tat mir übrigens sehr leid, Sie kürzlich verfehlt zu haben. Ich interessiere mich sehr für Sie und Ihre Kunst. Wie ich höre, wollen Sie mit Professor Landar eine kleine Kunstreise unternehmen?" „Rein, gnädige Frau, davon kann keine Rede sein. Ich bin noch keineswegs so weit, Kunstreisen unternehmen zu können. Es fehlt noch viel an meiner Ausbildung: aber wir sind zu arm, als daß ich mich anderswo weiter ausbilden könnte. Außerdem geht es meiner Mutter nicht so gut; ich könnte sie nicht verlassen." Mit todblassem Gesicht hatte Elisabeth geantwortet. Diese beiden Menschen hier durften nicht ahnen, dah sie ihr eben den Todesstreich verseht hatten. Mit Mühe hielt sie sich aufrecht, gelang es ihr, sich zu verabschieden, ohne daß das Schluchzen laut wurde, das ihr in der Kehle saß. Dann ging sie langsam den Weg zurück Die Kommerzienrätin sah ihr einen Augenblick nach. Eigentlich tat ihr das Mädchen leio. Aber — wie hatte diese Lehrerstochter so vermessen sein können, ihre Augen zu Hubert Heilmann zu erheben?! Da hatte man natürlich eingreifen müssen. And das Eingreifen war erfolgreich gewesen, das konnte man wohl sagen. Ihr Schwager hatte alles aufgeboten, Hubert auf den rechten Weg zu bringen. Auf sein Betreiben war er sofort nach Dresden verseht worden. Der alte Heilmann hatte es verstanden, jede Verbindung zwischen 'Hubert und Elisabeth zu unterbrechen; keines der beiden hatte je wieder einen Brief vom anderen zu sehen bekommen, jeder Schutt Huberts war überwacht worden. Aber das alles hätte keinen Sinn gehabt ohne die Schlauheit Sibylle Rautensteins. Sie, die immer schon auf Hubert gelauert, sich nach ihm verzehrt hatte, war ihm buchstäblich um den Hals gefallen — in einem arrangierten Moment, in dem ihre Mutter das Zimmer betreten hatte. Hubert konnte als Ehrenmann nicht anders handeln, er mußte um Sibylle Rautensteins Hand anhalten. Das war also alles gut gegangen. Daß dabei die kleine Lehrerstochter ein wenig leiden mußte, das war nicht zu ändern. 6ie würde sich sicher bald trösten, mit ihrer Kunst oder mit einem Manne, der besser zu ihr paßte als Hubert Heilmann ... Mechanijch setzte Elisabeth einen Fuß vor den anderen, langsam und schleichend, bis sie am Wassergraben angelangt war. In ihr war alles tot. Wenn sie nur nicht zu denken brauchte... nur nicht denken... Wenn sie nur erst bei der Mutter war, ihr alles erzählen, sich an ihrem Herzen ausweinen konnte... Er hatte sie belogen, ein falsches Spiel mit ihr getrieben. Er, dem sie ganz vertraut, auf den sie.gebaut hatte wie auf Granit. Hatte sie belogen, betrogen... mit jedem Wort... mit jedem Kuß. Jetzt endlich war sie an ihrem Häuschen angelangt, machte leise die Haustür auf. In diesem Augenblick stand die alte Aufwartefrau vor ihr, mit erhobenen Händen. „Oh, Fräulein Elisabeth, dah Sie nur da sind! Kommen Sie schnell, Ihre Mutter..." Elisabeth fragte nicht lange, wie gehetzt lief sie die Treppe hinauf. Eine entsetzliche Angst hatte sich ihrer bemächtigt. „Mütterchen... Mütterchen... mach' doch die Augen auf... ich bin es doch, Elisabeth..." Bebend sank sie am Bett in die Knie, sah mit großen Augen auf die Mutter, die still und wachsbleich in den Kissen lag, ohne die Augen zu öffnen. „Mütterchen... Mütterchen...“ Leise,murmelte es Elisabeth vor sich hin, immer wieder. Als ob die Kranke den Ruf ihres Kindes gehört hätte, öffnete sie noch einmal die Augen, langsam und schwer. Lächelte dann, wie aus ganz weiter Feme, tastete mit der Hand umher. Elisabeth ergriff die unruhig suchende Hand, preßte sie auf ihr Herz. Leise miumelten die weißen Lippen der alten Frau: „Elisabeth.. ich muß dich jetzt allein lassen... aber ich weiß, du bist nicht verlassen, du hast ja Hubert... er wird dich beschützen.. (Fortsetzung folgt.) D 6 Wnwtflaöt ^b.Juni 1932. r btkaße, pichen &bfn, » 'erffomer tann hA auftftt über l“>e Erziehung, über dieses jung,, 'Ut 4ebeniU f°m' "rauen, fifn die ®eite[er lün,'r ps* hn K*-» 'te'«- ^inenÄm l®fre her af;> b3^itfi mtin -■stS* überbauten etrofttn. '7l!iähriger L ebeiibe oitere y.-^unge, bist du °l5 Antwort 6« * Sofort |pti Gehrung |o latiDoö len aus den Reihen >gen und billig, 3ugenb überhaupt, .Zwar weiß die Ju. sie dem Alter gegen. Id)- daß auch Sinder r fehlen Men. Aber >keil und Unachtfam. neift den gewünfchten dem flehenden Fohr- uppenftoß, der dem eißt doch..,!' Damit il, aus sich lelbst her- 'as Kind fühlt dann nicht als etwa; ihm . t feine eigene Ehre Friseur! Pech! (Einer sich die fiaare Ichnei- jarfen! Ich reihe mich I Der wartende Herr Mutige, du host doch T Kleine, der eher ' clmas sagen, ober und der Eirunden zu bedien' " ut) dem Kinde die t weil er zu Srv Wern auf do; ft'v d [arbeiten zu erleben nicht vor, fand aber 13$ 6 )en ftäblich um den HaiS gierten Tlomenl, in wer betreten halte, m nicht anders Han- Lautensteins Hand «gangen. Dah d gendkrast mit ihrem elementaren Fortstürmen etwas Schönes — wenn Straße und Verkehr nicht eines Tages eine gar zu bittere Lehre geben würden! Man hört heute öfters aus Elternkreisen die Klage, die Kinder entfremdeten sich schon frühzeitig dem Elternhause, indem sie Wanderungen mit Freunden und Wandergruppen, Teilnahme an sport- lichen Uebungen und Veranstaltungen dem Zusam- menfein mit ihren Eltern in der Freizeit wochentags, ja am Sonntag vorzögen: gewiß seien diese Bestrebungen gesund und begrüßenswert, aber man müsse doch erwarten ...I Ja, erwarten! Die Straße gibt auch hier die nötige Erklärung! Wie oft sieht man nicht Sonntag nachmittags ein Ehepaar mit feinem «pröhling ins Freie wandern! Der Vater spricht kein Wo.t, die Mutter ebensowenig. Das Kind stellt einmal eine Frage, auf die es eine karge Antwort erhält. Im Gasthaus blickt es herum, beob- achtet, sucht nach neuen Eindrücken oder gleichaltri- gen Leidensgefährten. Gerade die Teilnahme des Vaters am Spaziergange dieses Tages müßte für das Kind das Erlebnis seines Sonntags werden! Rur ein klein wenig brauchte der Vater dem Kinde entgegenzukommen, cs nach diesem oder jenem zu fragen, einige Blicke in seinen Gedankenkreis zu tun — und sosort würde sich das Herz des Kleinen erschließen, anstatt sich den Eltern zu entfremden. Dr. K.W. Der Landfriedensbruch in Gießen vor dem Reichsgericht. j-. Die Arbeiter Schwabe und Decker von Dad-Aauheim, sowie der Arbeiter Günther au« Schwalheim, die der Kommunistischen Partei an- geyören, gerieten Mitte Mai v. 3. gelegentlich eines Aufenthalt« in G i e ß e n am hiesigen Dahn- Hos in eine Schlägerei mit Rationalsozialisten, bei der die Kommunisten verprügelt wurden. Die drei Kommunisten kehrten danach in dem nationalsozialistischen DerkebrSlokal ein und hänselten die dort anwesenden Rationalsozialisten. Der höflichen Aufforderung des Wirte« daS Lokal zu verlassen, leisteten die Kommunisten keine Folge. Eie schickten vielmehr den Kommunisten R., der sich gleichfalls im Lokal aufhielt, nach dem DerkehrSlokal der Kommunisten, um die dort befindlichen Genossen zu alarmieren. Kurze Zeit darnach hatte sich auch wunschgemäß vor dem Lokal der Ra- tionalsozialisten eine große Menschenmenge angesammelt, die auS den herbei gerufenen Kommunisten und auS neuaierigen Straßenpassanten bestand. Als einige Kommunisten, angefeuert durch ihre Genossen, mit den Worten „Wir schlagen alle- kaputt" in daS Lokal der Äationalsozialisten eindrangen und dort arge Verwüstungen anrichteten beteiligten sich die vier im Lokal anwesenden Kommunisten an den Jertrümmerungen.'Zahl- reiche Tische und Stühle wurden zerbrochen und etwa 23 Diergläser zerschlagen. Dem herbeigerufenen Ueberfallkommando gelang schließlich die Wiederherstellung der Ordnung. DaS Landgericht Gießen verurteilte die Arbeiter Schwabe, Decker und Günther wegen Landfriedensbruches nach § 125 Absatz 1 StGD zu Je drei Monaten Gefängnis. Aach der Üeberzeugung des Gerichts haben die Angeklagten durch die Aufforderung an ihre in dem Verkehr-lokal der Kommunisten anwesenden Genoffen die Veranlassung zu der Menschenansammlung vor dem nationalsozialistischen Der- kehrslokal gegeben. Die Angeklagten hätten das Vorgehen der zusammengerotteten Menschenmenge gebilligt und sich an den Gewalttätigkeiten der in das Lokal eingedrungenen Menge beteiligt. Gegen die Urteile legten sowohl die Ange- Nagten, al» auch die Staatsanwaltschaft Revision beim AeichSgertcht ein. Die Revision der Angeklagten ttt vom 1. Strafsenat des Retchs^richts verworfen worden. Hingegen hat auf die Revision der Staatsanwaltschaft. die eine strengere Verurteilung der AngeNagten wegen Landfr,edensbruches nach 8 125 Absatz 2 < Rädelsführerschalt' erstrebte, der Senat die Urteile des Landgericht- Gießen aufgehoben und die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung nach Gießen zurückver- miefen. Wegen Straßenschmiererei vor dem Schnellrichter. In der Nacht zu gestern wurden die Bürgersteige zahlreicher Straßen mit Werbe-Schlagzeilen zu- gunften der SPD. beschmiert. Da die Täter bei ihrer Hlctffcrci weiße Dclfarbe benutzten und im Gr äßen maß der Buchstaben sehr weitherzig verfuhren, sind natürlich die Bürgersteige für längere 3cit in ausfälligster Weise „geziert". Der Polizei gelang es, im Laufe des gestrigen Vormittags vier Anhänger der SPD., die bei der „Malerei" mit dem Auto der Partei gefahren waren, als Täter zu ermitteln. Das „Streichquartett" hatte sich bereits gestern nachmittag wegen seiner „Malkunst" am falschen Orte vor dem Schnellrichter zu verantworten. Nach längerer Verhandlung beantragte der Staatsanwalt gegen zwei Angeklagte je 1 Monat ©cföngnis, gegen die beiden anderen Angeklagten je 3 Wochen Gefängnis. Der Schnellrichter verurteilte zwei Angeklagte zu je 50 Mark Geldstrafe, evtl. 10 Tage Gefängnis, die beiden weiteren An- geklagten zu je 40 Mark Geldstrafe, evtl. 8 Tage Gefängnis. Der Vorfall sollte allen malfreudigen Agitatoren die Warnung geben, bei ihrer, Werbearbeit d i e Finger von Farbtopf und Pinsel fort- zu lassen, damit die Straßen als Eigentum der Bürgergesamtheit nicht verschandelt werden und die Werber selbst vor unliebsamen strafrechtlichen Folgen bewahrt bleiben. Vornotizcn. — Tageskalender für Mittwoch. Os- roalbsgarten: 15.30 und 20.15 Uhr, Alhambra Da- riets-Revue. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Frechdachs". •• Feuerw-Hren und Sanitäts- ko l o n n e werden. Heute, Mittwoch, 19.45 Uhr, treten die Gießener Feuerwehren und die Frei- willige Sanitätsfolonne vom Roten Kreuz auf dem Brandplatz ju einem gemeinsamen Werbemarsch durch eine Reihe von Straßen der Stadt an. Bei dieser Derbekundgebung werden die Wehren und bie Somtatskolonne ihre Gerate mitführcn. Der Werdemarsch soll einerseits allen Mitbürgern die Schlagfertigkeit der Feuerwehren und der Sani- täistolonne vor Äugen führen, zum anderen soll er eine Werbung sein, von der man eine Unterstützung der Organisationen durch Beitritt als Mit- glich oder durch Spenden erhobt, um dadurch den Ausbau dieser gemeinnützigen Einrichtungen noch besser als bisher fordern zu können. Ausgangspunkt des Werbcmarsches ist der Brandplatz, Endpunkt vor dem Eafs Leib ee Jungdeutscher Orden. Man berichtet uns: Dieser läge hielt die Schwesternschaft Gießen des Jungdeutschcn Ordens einen sehr stark besuchten Gästeabend ab, an dem Schwester Hirsch- Bad-Nauheim über das Thema „Die deutsche Frau und der Nationalsozialismus" sprach Mit ganz eindeutigen Belegen zeigte die Rednerin die Widersprüche innerhalb nationalsozialistischer Führerkreise auf. Gemeinsam fei meist die Ablehnung der erreichten rechtlichen Hohe und der eigengesetzlichen Füh- rung des Frauentums, also die Betonung einer un- sozialen, einseitigen Einstellung zu den vielfachen Beziehungen innerhalb des Fragenkreises Frau und Familie, Berus, Volkstum und Raste. Dabei zitierte die Vortragende vorzüglich Hitler, Straßer und Darrs. An Hand ihrer Kritik vertrat sie eine unbedingte Ablehnung. Wenn jedoch eine große Zahl Frauen heute Hitler anhange, so habe das leinen Grund darin, daß das staatsbürgerliche Denken sich noch nicht in allen Schichten des deutschen Volkes durchgesetzt habe, was in der Frauenwelt besonders der Fall sei. In der sehr regen Aussprache kam zum Ausdruck, daß in jenen gegensätzlichen Aeußerungen maßgebender Nationalsozialisten eine ideenmäßige Verlegenheit des in seinem Wesen romanischen Nationalismus Hitlers liege. Die alle Gebiete des Lebens umfassenden Mangel und Nöte bedürfen einer gewachsenen und deutschen Lösung. Von der Aufbauwandlung in Staat und Wirtschaft sei letzten Endes auch die Lösung aller jener um die Frau ausaezeigten Fragen abhängig. Deren Gestal- tung müsse ihre Richtung und ihren Sinn erfahren im „Wir" der Gemeinschaft, der Dolksgesamtheit. In der Zusammenfügung starker Gesinnung und sinnvoller Führung bestehe die Ausgabe des Volks- staates der Zukunft, wie ihn das Jungdeutsche Mastisest zeichnet. Da werden bann Mann und Frau als auseinander abgestimmte Persönlichkeiten wirken können in der Familie wie im öffentlichen Leben, Träger eines gemeinschaftsverbundenen Volksstaates in vielfachen Beziehungen. Der auf beachtlicher Höhe stehende Dortrag zeichnete sich aus durch die bestechende Sachlichkeit der Kritik und fand verdiente Zustimmung. Der ganze Abend hatte daher einen anregenden fruchtbaren Verlauf In diesem Sinne schloß Schwester Gebhardt den Abend mit jungdeutschem Brauchtum. Wirtschaft. Einzelhandel und Heichsbank. De r lin, 7. Juni. (LAD.) Am 4. Juni fand, wie die Hauptgcmeinschast des Deutschen Einzelhandels mitteilt, in der Reichsbank eine eingehende Aussprache zwischen dem Reichsbankvizepräsidenten und Vertretern der Hauptgemein- schast des Einzelhandels statt, in der wichtige Fragen der Krediteröffnung des Einzelhandels, insbesondere die Förderung des einzelhändlerischen Wechselkredites, der Umwandlung von Vuchschulden in Wechselfchulden und die Stärkung des Pcrsonalkredites, sowie die De- handlung der Einkaufsgenossenschaften des Einzelhandel« erörtert wurden. 3n dieser Unterredung, die eine weitgehende Uebereinstimrnung in allen zur D.skussion stehenden Fragen ergab, erklärten die Vertreter dcr Reichsbank nachdrücklichst. daß die jetzige Reichsbankleitung mit der Währung stehe und falle. * Der Großhandelsindex im Mai. Die vom Statistischen Reichsamt für den Monatsdurchschnitt Mai berechnete Großhandelsindex- ziffer ist mit 97,2 gegenüber dem Vormonat um 1.2 Prozent gesunken. Die Indexziffern der Hauptgruppcn lauten: Agrarstoffe 93,4 (rninuS 2,4 Prozent). Kolonialwaren 86.9 (minus 1,1 Prozent), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 87,9 (minus 1,5 Prozent), industrielle Fertigwaren 118,8 (minus 0,8 Prozent). • Ford Motor Company AG., Köln. Die GV. der Ford Motor Lomvany AG , Köln, genehmigte den Abschluß für 1931 und beschloß, den ausgewiesenen Verlust von 1,70 Mill. Mark zunächst aus dem vorjährigen Gewinnoortrag zu decken und den dann noch verbleibenden Verlust aus der Sonderreseroe zu tilgen, die sich dadurch auf 0,59 Mill. Mark vermindert (i. V. aus 3 215 280 Mark Reingewinn 10 v. H. Dividende auf das 15 Mill. Mark betragende Aktienkapital). e Die Vereinigte Glanz st ofs-Fabri- ten A G, Wuppertal-Elberfeld, erzielte im Geschäftsjahr 1931 einen Rohertrag aus Fabrikation von 29,56 (i. D. Fabrikationskonto 14,04) Mill. Mark, während sich die Erträge aus Beteiligungen auf 0,076 und außergewöhnliche Erträge auf 0,95 (i. D. sonstige Ertragnisse 1,50) Mill. Mark stellten. Anderseits beanspruchten Steuern 1,94 (2,64), Zinsen 4,05 (3,60), Löhne und Gebälter 16,53, soziale Abgaben 1,19 und sonstige Aufwendungen 2,33 (i. V. Generalunkosten 2,44) Mill Mk. Abschreibungen wurden in Höhe von 6,53 (9,59) Mill. Mark vorgenommen Der sich für 1931 ergebende Verlust von 1 974 570 Mark erhöht sich durch den vorjährigen Derlustvortrag auf 4 700 425 Mark und soll in dieser Höhe vorgetragen werden. Die ersten Monate des laufenden Jahres brachten einen stärkeren Absatzrückgang. Zur Zeit ist die Produktion sämtlicher Werke zwecks Anpassung an den Absatz eingeschränkt worden. Greifbare An- Zeichen für eine Besserung des Geschäfts liegen nicht vor. Schweinemarkt in Gießen. Aus dem heutigen Schweinemarkt in Gießen standen 232 Ferkel zum Verkauf. Es kosteten: Ferkel bis 6 Wochen alt 12 bis 14 Mark, 6 bis 8 Wochen alt 15 bis 16 Mark, 8 bis 13 Wochen alt 18 bis 20 Mark. Tendenz schleppend. Berlin lustlos und sehr ruhig. Berlin, 8. Juni. (WTB. Funkspruch) Auch zu Beginn der heutigen Börse beschränkte sich die Umsatztätigkeit auf ein Minimum. Die Tendenz war als luftlos und eher schwächer zu bezeichnen, obwohl nur relativ wenig Angebot vorhanden war. Unter dem Eindruck der Kursrückgänge an der gestrigen Neuyorker Börse bekundete die Spekula- tion nur geringe Unternehmungslust, zumal die Unsicherheit hinsichtlich der Weiterentwick- lung der inneren Politik, besonders betreffs der Schwierigkeiten bei der Regierungsbildung In Preußen und der ungeklärten Finanzlage des Reiches, zur Zurückhaltung mahnten. Anderseits waren allerdings die Aussichten für Lausanne nach dcr gestrigen Regierungserklärung Herriots etwas gebessert. Mit Jntereste werden die Vorgänge in Chile, die vorläufig ab verworren zu bezeichnen sind, verfolgt, ebenso fand die inzwischen dementierte Meldung eines hiesigen Mittagsdlattes, daß eine Abwertung des österreichischen Schillings in Aussicht stehe, einige Beachtung. Im allgemeinen zeigten die ersten Notierungen heute kleine Rückgänge bis zu 1 v.H. Etwas stärker gedrückt waren Schlesische B-Gas (minus 3 o. H) Feldmühle (minus 2i vH), Kalichemie (minus 2 v.H.) und Ilse (minus 3 v.H). Bei letzteren lag ein Angebot von drei Mille vor. Anderseits waren Montanwcrte als recht Widerstands- lahig zu kennzeichnen, Kunstseideaknen im Zusam» mennang mit den Ausführungen auf der General- ocrfammlung fester, Rutgcrswerkc um 2 v H. gebessert und Schubert 8t Salzer aus die beschlossene Kapitalzusammenlegung und beabsichtigte Rückzahlung der Hälfte des Aktienkapitals plus 13 v H, der Umsatz wird auf 50 bis 60 Millionen geschätzt. Die im verlause anhaltende Festigkeit der Rütgers- werke (der Kurs zog noch um weitere 2 v. H bis auf 29 v. H. an) brachte man mit einer ähnlichen Transaktion in Zusammenhang, bie angeblich seitens der Gesellschaft geplant sei, und zwar sprach man von einer Rückzahlung von zirka 20 v H. auf das Aktienkapital. Sonst war es im Verlaufe sehr ruhig und kaum verändert. Bei kleinen Umsätzen setzten sich vereinzelt Erholungen um Bruchteile eines Prozentes durch. Am Pfandbriefmarkt war die Tendenz nicht einheitlich, aber eher nachgebend. Deutsche Anleihen neigten zur Schwäche, Reichsschuld, buchforderungen waren bis zu i v H. höher, Jn- buftrieobligationen und Reichsbahnvorzugsaktien konnten sich etwa behaupten. Don Auslandsrenten machte sich für Türken Jntereste bemerkbar. Am Geldmarkt blieb Tagesgeld mit 5i v. H. in der unteren Grenze unverändert, Monatsgeld war 6 bis 8 v. H. nominell. Frankfurt sehr still. Frankfurt a. TI., 8. Juni. (WTB. Drahimel- düng.) Die erneut schwache Haltung der gestrigen Neuyorker Börse verursachte zum heutigen Börsen- beginn wieder ftärkste Zurückhaltung. Hinzu kam noch der Machtkampf in Preußen und die schwierige finanzielle Situation de s R e i ch e s. Die Kulisse schritt verlchiedentlich zu kleinen Abgaben, zumal auch von außen her kleine Verkäuse oorgenommen wurden. Gegen die leicht betätigte Abendbörse neigten die ersten Kurse heute überwiegend nach unten, bei allerdings geringster Umsatztätigkeit. Stimmungsgemah recht sest lagen Montanwerte, während kursmäßig die Veränderungen nur klein waren. Lediglich Rütgerswerke fielen durch feste Haltung auf. Zum ersten Kurs zogen sie um 2 v. H. und im weiteren Verlaufe um weitere 2,5 v. H. an. Harpener gewannen 0,75 o. H., dagegen neigten Gelsenkirchen leicht nach unten. Von Spezial- werten eröffneten IG. Reichsbank und AEG. bis zu 1,5 v H. niedriger. Der Elektromarkt verzeichnete nur geringe Abweichungen nach beiden Seiten, wahrend Zellstoff Waldhof 1,25 vH. hoher einsetzten. An den Nebenmärkten herrschte vollkommene Geschäftslosigkeit. Der Rentenmarkt lag gleichfalls sehr fti 11 und nur unwesentlich verändert. Deutsche Anleihen blieben behauptet. Reichsschuldbuchsorderungen und Reichsbahnoorzugsattien zogen 0,25 bis 0,50 v. Ji. an, dagegen lagen Gold- und Liquidationspsandbriefe säst geschöftslos und ein wenig schwächer. Von Auslandrenten zogen Anatolier weiter leicht an, während Rumänen ihre Abwärtsbewegung um 0,25 v. H fort- setzten. Nach den ersten Kursen wurde es vom Mon- tanmarkt ausgehend etwas freundlicher, und die Kurse zeigten Erholungen von 0,5 bis 1 v. H. Im Verlaufe drückte aber die Geschäfts st ille auf das Niveau, so daß die Kurse wieder auf den Anfangsstand zurückgingen. Auch Rütgerswerke gingen noch um 1 v H. zurück Höher zur Notiz kamen noch Aku mit plus 1,75 v. H. Tagesgeld war zu 4 o. H. etwas gesucht. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. TL, 8. Juni. Es wurden notiert: Weizen 277,50 bis 280 Mark, Roggen 225 (nominell), Sommergerste für Brauzwecke 200 bis 202,50, Hafer (inländischer) 172,50 bis 180, Weizenmehl (süddeut- sches, Spezial 0, mit Austauschweizen) 39,25 bis 40,45, Weizenmehl (niederrheinisches, mit Austausch- weizen) 39,25 bis 40,20, Roggenmehl 27,75 bis 29, Weizenkleie 9, Roggenkleie 9,25 bis 9,50 Mark. — Tendenz: ruhig. Sprechstunden dcr Dicöciftion« 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag geschlossen Anzeigenaufträge sind lediglich an bie Geschäftsstelle zu richten. Kurszettel -er Berliner un- Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Zistern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 v.H, Lombardzinssuß 6 v.H._____________________________ u. Dl. ytriib .viontfun a Di. s Bern .tran.iun a. . 1 Artin Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. Schluß- tur# l-Upr* Nute «Schluß- tut* 1 knlsny Rur4 e®.uS- fuhr- 1 ter# « r4 | «ntauq. kur« I flur# e*tu6-| l-Ubr. Schloß. Pur# 1 ’ur« «ntw Nur, 7 3-nl 8 2vnt vmtlich, Reiterung »ei" 1 »rte «mtUche ®etb teticrun. Set« Datum 7.6. 1.6. 7 6. 8 6 Oatum M 8 6. 8 6. Datu ai 7.6. 8.6. 7 6 8 6. Lrag . . . vubapeü . . jofta . . . ki-rrbsrcx . Stockholm . 7|. r Uri .?.rr: SfUECTt . . Brtffef . . . ftalim . . . Bari« . . . öchioeiz . . Bpar.iex . . Canitfl . . . 3an.. 7,163 51 95 12,465 3,057 170,88 77,27 84,72 79.52 15.50 0.948 4.209 58,M 21.63 16.61 82.41 34,77 82.57 1,369 0.324 1 I 7,177 52.05 2,485 3,063 71.22 77.43 84.88 79,68 15,54 0.852 4.217 WM 21.67 16.65 82.57 34,83 82.73 1.371 0.326 7.143 51.95 12.465 3.057 170.78 76.97 84.37 79.17 15.43 0,948 4.209 58,79 21,61 16.61 82.34 34,72 32.52 1.369 0,324 7.157 52.05 12.485 3,064 171.12 77,13 84.53 79.33 15,47 0,952 4.217 58,91 21.65 16.65 82.50 34.78 82.68 1,371 0.326 6% $tutid)e tteimtanietne d.192. 7% Tcutjdir 9iei6fl ... 6 Trrttnrt vant...... 6 — - 15 15.75 11 33 18 120.5 22 64,75 | 8J | S S | 1 | 1 | | | 1 1 1 12.4 42 17 13.13 26.75 85.5 16 18,5 33 18.5 119,75 22,13 18.25 62 65 37 i Seil“ £ii iiixsiis .•Ntebetf IRonton......7,t vereinigte Stabtmrtfe .... 4 ctavt «tuen......16’ , Kaltwerie Sscherricbeu ... 10 flaiirotrit EklKtcaeln ... 10 Ralironte Salibtihirib . . . lf I 9 ««Sai-^nbuftrte . . . lf veren,. Le«. Industrie Stent hat a. 9R.......... LLeideansiaU.......10 »fTb(*Ttb!.........o ßiLtgrr« werte........6 NetallgrieMLakt.......6 Philipp HsUknonn......8 Zrmeunveri Hsenc 1 . . • • • • • 8% ftranlf. Hör' -Bank otoldple 15 untünCbar 6U 1935 1% hranfl. Pvp.-Banl choldpte untuntbar t>W 1938 Serie 1« 4t4.c„ -~Tranff. Hvv.-Bant Ctqiu- ^liir.obrltfe. . . - ■ - - et Bergbau.....0 tberichlel. 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Rente v. 190; 4y»%Ä• ................ 33.5 31.25 23.75 20 80.5 12.25 ?3 23 52.5 5.25 189-75 94,75 35,75 32,25 24,75 18 71 11.9 32,5 5,75 190-25 E Aeesin, 7.Jum «etb Bests Tcntentfcbe Roten ....... begliche Reten......... LtomdK Rotte ......... Lnglitche Roten......... Ttan;oftt*t Roten........ »oUänbttoe Roten........ HaltenH** Roten ........ kortvec.ijche Roten........ Leu tick-LeS erreich, * 100 LchiMng himÄrffd-t Roten........ 5chwebit che Roten........ Schweizer Roten......... rpnnvche Roten......... Ingar«che Roten ........ 4.20 'z 5? 84,53 1544 16,57 170,51 21,61 77,10 2,495 79 3; 82.23 34,63 4,22 :4.32 81.37 15.52 16,63 171,11 21,69 77.40 2,515 79,66 82,55 34,77 SJixfpont Vezirksiumseff des ZLezirksimGaiiSeffeii (DT.) Brennholz Nichtrancher in 3 Tagen durch Druckschriften Frische Seefische dienen den Belangen von Handel und Verkehr, <£. G. Industrie und Gewerbe, Landwirtschaft und Behörden. 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Wenn trotzdem verhältnismäßig gute Leistungen erzielt und die oorgeschriebenen Mindestpunktzahlen in allen Stufen von fast allen Bewerbern erreicht wurden, so spricht das für die Aufwärtsentwicklung des Volksturnens im Bezirk, vor allem in den ländlichen Vereinen. Nachmittags warb ein wohlgeordneter, einheitlich wirkender Umzug der Turner und Turnerinnen durch die Welt- badeftadt anschaulich für die Deutsche Turnerschaft. Deren Arbeit fand dann, bevor die Turner und Turnerinnen die allgemeinen Freiübungen aus- ofenlertlg geschnitt. Fahrenweise frei Haas Sägemehl zumStreuen 03456 Sägewerk Kritik / Abendstern Bekanntmachung. 3n den Konkursen über das Vermögen 1. der Fa. Gebr. Schmidt ft. G. in Laubach, 2. des Otto Schmidt II., daselbst, 3. des Wilhelm Schmidt V., daselbst, foll die Schlußverteilung erfolgen. Hierzu sind 4371,84 RM. verfügbar. Zu berücksichtigen sind bevorrechtigte Forderungen im Betrage von 5784,91 RM. Das Schlußverzeichnis liegt auf der Geschäftsstelle des Hessischen Amtsgerichts Laubach zur Ein- l'cht auf. 4Z810 Nidda, l.Junl 1932. Der Konkursverwalter. Dr. Meinhardt, Rechtsanwalt Nilolf-Mundwasser Zu haben in d. Drog. Wlnterhoff, Kreuzplatz 10 W. Kilblnger Nachfolger, Seltersweg 78a. Kirche und Schule. Landkreis Gießen. 0 Watzenborn-Steinberg, 7. Juni. Die hiesige Evangelische Gemeinschaft hielt am Sonntag ihr I a h r e s f e st ab, das sich eines guten Besuches aus der ganzen Umgebung erfreute. Die Leitung des Festes lag in Händen des Stadtmissionars Petersen (Lich). Prediger Grote (Schotten) hielt die Festpredigt, außerdem sprach Br. R e h (Leihgestern). Der Posaunenchor, der Männerchor, der Gemischte Chor sowie der Jungfrauenchor der Gemeinschaft verschönten das Fest mit gesanglichen Darbietungen. Kreis Schotten. * Schotten, 7. Juni. Auf Präsentation der Freiherren Riedesel zu Eisenbach wurde die hiesige erste evangelische Pfarrstelle dem Hofprediger und Dekan Widmann zu Gedern von der Kirchenregierung übertragen. hier In der Sohrlft Übersichtlich engeordnet sorgfältig gedruckt 1. ZC. Nürnberg in Essen. Der „Club" tritt am Samstag (11. Juni) in Essen gegen den SC. Schwarzweiß-Barmen an. Die von dem ehemaligen Club-Läufer Schmidt- B u m b a s trainierte Mannschaft zählt zu den piel- stärksten Vertretern Westdeutschlands. Bekanntmachung. Die bereits fälligen Stromgelder im Stadt- und Ueberlandgebiet für den Mo- 2tprif 1932 können noch bis zum 15. d. 2TZ. ohne Kosten bezahlt werden. Bei Nichtzahlung bis zu diesem Termin erfolgt Beitreibung und Stromsperre auf Kosten des Abnehmers. 43841) Gießen, den 7. Juni 1932. Direktion der Elektrizitätswerke, Ueberlandanlage und Straßenbahn der Stadt Gießen. ___ Stolte. hatten. Die Bälle, die die Gäste aus der Nachbarstadt auf das Gießener Tor brachten, wurden meist Balsers Beute. Das jederzeit faire und spannende Spiel war gut geleitet. Die Alte-Herren-Mannschaft verlor nach meist überlegen geführtem Spiel gegen die Schiedsrichtervereinigung. Die VfBer konnten an ihre Leistung in Marburg nicht anknüpfen. Mit 1:5 Toren mußten sie sich geschlagen bekennen. VfL. Gießen (Liga) — Spo. wehlar (Liga) 6:6 (4:2). Die beiden Mannschaften haben schon, oft die Klingen gekreuzt, in Verbands- wie in Freundschaftsspielen. Die Torausbeute war stets gering, da schwache Stürmerreihen starken Hintermannschaften gegenüberstanden. Das scheint sich nun geändert zu haben. Der Kampf des Sonntags war stets spannend, nahm geradezu dramatischen Verlauf und wurde sehr hart durchgeführt. Das Spiel trug den Charakter eines Verbandsspieles. Beide Gegner traten in stärkster Aufstellung an. Die Wetzlarer verfügen zur Zeit über sehr gute Kräfte, die Elf ist gut eingespielt und hat durch Diehl (Ehringshausen) im Sturm an Durchschlagskraft aewonnen. Auch der Sturm der VfBer erwies sich besser als je vorher. Man war vor allem schußfreudiger. Die Grün-Weißen gingen zur Halbzeit mit 4:2 Toren in Führung, mußten sich aber nach dem Wechsel in kurzen Abständen 4 Tore gefallen lassen. Erst im Endspurt wurde die Differenz aufgeholt. Die VfBer spielten mit Balser; Leutheuser, Bingel; Haupt, Kreß I, Feuster; Schmidt, Wiedekind Seibel, Wilhelm und Lehrmund. Das Spiel wurde in schärfstem Tempo geführt. Die Gäste gingen sehr bald in Führung, aber Ausgleich und Führung für die Grün- Weißen ließen nicht lange auf sich warten. Die Wetzlarer drängten, erzielten ihrerseits das zweite Tor, aber Feuster schoß bald darauf nach glänzendem Durchspiel und prächtigem Schuß wiederum zum Führungstreffer ein, dem aud) bald ein viertes Tor folgte. Wetzlar hatte bis Halbzeit stets leicht unterlegen gespielt, mit dem Anpfiff der zweiten Spielhälfte kam das aber anders. Die Gäste legten in ihrem bekannten Tempo und in dem ihnen eigenen Stil los, und konnte die VfB.-Verteidigung, die einen schlechten Tag hatte, ständig umspielen, und in der Folge viermal erfolgreich sein. Beim Stand von 6:4 für Wetzlar rafften sich die VfBer noch einmal auf und holten in anerkennenswertem Endspurt zum Unentschieden auf. Auf beiden Seiten sah man sehr gute Leistungen, Schiedsrichter Spurt (Butzbach) gab ober leider durch Nachgiebigkeit das Heft aus der Hand. Es kam zu Reibereien. Ein Wetzlarer Spieler wurde herausgestellt. VfB-Liga heute abend in Marburg. Die VfBer haben vor der Spielsperre noch einmal alle Segel gesetzt. Die Mannschaft trat am Samstag gegen Ockershausen an, trug am Sonntag ein sehr anstrengendes Spiel gegen die 1. Elf des Sportvereins Wetzlar aus, für den heutigen Abend ist nun eine Fahrt nach Marburg vorgesehen, und die Liga tritt dort gegen die Liga von Germania Marburg an, am Samstag trifft die Mannschaft der Grün- Weißen außerdem noch auf die 1. Mannschaft von Teutonia Watzenborn-Steinberg. Etwas viel innerhalb einer Woche und sicherlich nur deshalb zu verantworten, weil die Spielpause unmittelbar bevorsteht! Die VfBer fahren also heute abend nach Marburg und stehen dort einem alten Derbandsspielgegner gegenüber, der aber in seinen letzten Spielen, insbesondere in dem nicht vor allzu langer Zeit ausgetragenen Freundschaftsspiel auf dem Waldsportplatz stark enttäuschte. Immerhin werden die VfBer sich zu einer Leistung aufraften müssen, wenn sie nicht verlieren wollen. Die Aussichten sind an sich nicht allzu günstig, denn die Gießener sind gezwungen, mit vier oder fünf Mann Ersatz zu fahren. Da die Marburger in technischer Hinsicht aber kaum mehr an das Können der Gießener herankamen, erwartet man wenigstens ein gleichwertiges Spiel. VfB. Gießen. FV. TNarburg-Ockershausen (Liga) gegen VfB. Gießen (Liga) 0:4 (0:2). Die VfBer hatten sich zum Wochenendspiel ihre Leidensgenossen auf dem Wege des Abstiegs die Marburger Vorstädter, verpflichtet. Die Gästem'ann- fchaft erschien stark verjüngt, und dadurch verstärkt. Mittelläufer, Halblinker und Tormann ragten besonders hervor. VfB. trat mit Ersatz für Leutheuser und Seibel an, das fiel aber kaum auf, denn die Gastgeber ließen sich das hohe Spiel der Marburger aufdrängen, wodurch leider die Geschlossenheit im Spielaufbau oerlorenging. Trotzdem reichte es zu einem klaren Sieg der Gießener. Der Sieg konnte zahlenmäßig höher ausfallen, wenn der rechte Sturmflügel nicht das Schießen vergessen hätte. Das Spiel begann mit forschen Angriffen der Gäste. Das Anfangstempo war jedoch zu forciert, um durchgehalten zu werden. Durch einen Handelfmeter kam Gießen zum Führungstor. Erft gegen Ende der ersten Halbzeit konnten die VfBer nach ständig überlegenem Spiel einen zweiten Treffer erzielen. Die zweite Spielhälfte sah die VfBer wiederum meist im Feldvorteil. Nach gutem Zusammenspiel konnten die Grün-Weißen zwei weitere Treffer erzielen, denen die Gäste nichts entgegenzusetzen führten, die dankbare Anerkennung durch Beigeordneten Kling, den Vertreter der Stadt. Der Sinn des deutschen Turnertums wurde in Ansprachen des Bezirksvertreters Studienrat Thierolt (Fried- berg) und des Ehren-Gauoberturnwarts Will (Gießen), der die Grüße des Gaues überbrachte, treffend gezeichnet, nachdem bei der Eröffnungsfeier am Samstagabend Kreispreffewart Wollenberg (Frankfurt a. M.) bereits einen tiefschürfenden Vortrag über das Wesen der DT. gehalten hatte. Oie Ergebnisse folgen nachstehend in einem Auszug aus der umfangreichen Siegerliste. Turner (Fünfkampf; 45 Bewerber, 42 Sieger): I. Sieg L. Müller, T. u. Spv. Griedel, 92 P ; 2. W. Roth, Tv. 1860 Dad-Rauheim, W. Willig, Tv. 1860 Dad-Rauheim, R. Wagner, Tgm. Friedberg, 90 P.; 9. Ernst Hock, Tv. Lang-Göns, 77 P.; 10. H. Hofmann, Tv. Gambach, 76 P.; 12. R. Denker, T. u. Spv. Griedel, Karl Reitschmidt, Tv. Eberstadt, 74 P.; 13. G. Zeiß, Tv. Gambach, 73; 16. Erwin Katz, Tv. Münzenberg, 69 P.; 18 Hans Metzger, Tv. Gambach, 66 P.; 20. Richard Dreier, Tv. Lang-Göns, F. Doller, Tv. Gambach. 61 P.; 21. K. Decker, Tv. Steinfurth, Otto Köster, Tv. Lang-Göns, 60 P.; 23. W. Ohlemutz, Tv. Gambach, 58 P.; 25. K. Steinhauer, Tv. Steinfurth, 56 P.; 26. Georg Dolp, Tv. Steinfurth, 55 P.; 27. H. Rühl, Tv. Steinfurth, 54 P.; 29. Willi Hofmann, Tv. Grüningen, 51 P. Jugendturner-Ober stufe (Fünfkampf: 40 De Werber, 39 Sieger): 1. K. (Zehner, Tv. 1860 Dad-Rauheim, 111 P.; 2. Max Keil, Tv. Ober- Mörlen, Gg. Junghans, Tgm. Friedberg, 104 P.; 6. Alfred Dümer, Tv. Eberstadt. 87 P.; 7. H. Rumpf, Tv. Gambach, 86 P.; 8. W. Will, Tv. Kirch-Göns, 83 P.; 9. Willi Schäfer, Tv. Eber- stadt, 80 P.; 10. A. Jäger, Tv. Grüningen, 78 P.: 11. Dernh. Rühl, Tv. Kirch-Göns, 77 P.; 13. W Vogt, Tv. Ebersgöns, 74 P.; 14. R. Will, Tv. Kirch-Göns, 72 P.; 18. L. Jung, Tv. Ebersgöns, W. Alt Tv. Gambach, 67 P.; 19. R. Ruppel, Tv. Münzenberg, K. Dingel, Tv. Grüningen, R. Ohle- muh, Tv. Gambach, 66 P.; 21. K. Krausch, Tv. Gambach, 64 P.; 23. K.'Hetzel, Tv. Münzenberg, 63 P' 24. K. Henrich, Tv. Gambach, 61 P.; 25. 3oh. Dauer, Tv. Ebersgöns, W. Adam. Tv. Ebersgöns, 57 P. Jugendturte r-Ll n t e r st u f"e-(-Fünfkampf) 49 Dewerber, 44 Sieger): 1. Gg. Ernst, Tgm. Friedberg, 104 P.; 2. E. Weisel, Tv. Gambach. 102 P.; 3. W. Wagner, Tv. Kirchgöns, 99 P.; 4. P. (Zäger, Tv. Gambach, 97 P.; 6. G. Weih, Tv. Münzenberg, 93 P.; 8. W. Ohlemutz, Tv. Kirch- Göns, 88 P.; 10. Heran. Hofmann, Tgm. Wölfersheim, 85 P.; 11. Karl Schindel, Tv. Ebersgöns. 84 P.; 12. K. Rühl, Tv. Steinfurth, W. Bender. T. u. Spv. Griedel, 82 P.; 20. Ph. Alban, Tv. Steinfurth, Wilh. Johann, Tv. Grüningen, 71 P.; 21. Konr. Thönges, Tv. Steinfurth, Karl Metzger. Tv. Gambach, 70 P.; 24. W. Seibel, T. u. Spv. Griedel, 64 P.; 30. W. Sauer, T. u. Spv. Griedel, 52 P.; Hugo Hartig, Tv. Grüningen, 51 P. Schüler (Fünfkampf, 151 Bewerber, 116 Sieger): 1. Ewald Nern, Tv. Kirchgöns, 114; 4. Albert Wenzel, Tv. Lang-Göns, 93; 5. Karl Singer, To. Kirchgöns, 91; 7. Hrch. Thönges I., To. Steinfurth. 89; 8. Kurt Wagner, Tv. Lang-Göns, 87; 10. Hrch. Thönges II., Tv. Steinfurth, 83; 11. Wilh. Petri, Tv. Grüningen, 82; 12. Albert Schwan, To. Lang- Göns, 81; 13. Alfred Marsteller, To. Grüningen, 80; 15. W. Alles, Tv. Gambach, 76; 18. R. Römer, To. Lang-Göns, 73; 19. A. Leidig, Tv. Grüningen, 72; 20. Karl Thönges, Tv. Steinfurth, W. Diehl, Tv. Kirchgöns, 70; 22. Eugen ^Nern, Tv. Kirchgöns. Erich Lang, Tv. Lang-Göns/ 68; 23. R. Diehl, To. Kirchgöns, A. Schäfer, Tv. Münzenberg, E. Rumpf, Tv. Gambach, 67 : 24. Hrch. Müller, To. Kirchgöns, Hrch. Löschhorn, Tv. Steinfurth, W. Ruß, Tv. Lanq- Göns, R. Grieb, To. Gambach, 66; 25. A. Schwenz, Tv. Münzenberg, Otto Faber, Tv. Lang-Göns, 64; 26. Erich Fay, Tv. Grüningen, Hans Falk, Tv. Steinfurth, Hrch. Grieb, Tv. Gambach, 63; 28. Hel- mut Cöaer, To. Lang-Göns, Karl Wenzel, To. Lang- Göns, F. Loder, T. u. Spv. Griedel, 60; 29. W. Bingel, Tv. Gambach, 59; 30. Phil. Alban, To. • Steinfurth, W. Hengst, Tv. Steinfurth, 58; 31. W. Bühl, To. Lang-Göns, L. Hengst, To. Steinfurth, K. Hengst, Tv. Steinfurth, 57; 33. Hrch. Walter, Tv. Steinfurth, Erhardt Bender, Tv. Grüningen, 55; 35. Rich. Thönges, Tv. Steinfurth, 53; 36. Otto Pflüger, Tv. Lang-Göns, 52; 37. O. Düringer, To. Münzenberg, 51; 38. E. Agel, To. Steinfurth 50. Turnerinnen (Dierkampf, 26 Dewerber, 24 Sieger): 1. Ria Herrnbrodt, T.-u. Spv. DutzbaH, 83; 2. Tilli Reinheimer, Tgm. Friedberg, 81; 3. Elli Langbein, T.- u. Spv. Butzbach, 73; 16. Gerda Kaiser, T.- u. Spv. Griedel, 43; 17. Anna Dern, Turnv. Lang-Göns, 41 Punkte. Jugendturnerinnen - Oberstufe (Dierkampf, 26 Bewerber, 22 Sieger): 1. Inge Dittong, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 73; 2. Anneliese Bussel, T.- u. Spv. Butzbach, 72; 3. Ilse Hilgen, T.-u. Spv. Butzbach, 71; 5. Marta Wagner, Tv. Lang-Göns, 61; 6. Anni Kraul, T.-u. Spv. Griedel, 58; 8. Emma Jsheim, Tv. Grüningen, 55; 9. Marie Heid, Tv. Lang-Göns, 54; 13. Marg. Dau- müller, T.°u. Spv. Griedel, Marta Jsheim, Tv. Grüningen, 48; 14. Marie Jsheim, Tv. Grüningen, 46; 16. Anna Leidig, Tv. Grüningen, Erna Weil, Tv. Lang-Göns, 44 Punkte. 2u.gendturnerinnen - Tlnter stufe (Dreikampf. 79 Bewerber, 70 Sieger): 1. Friedel Sprengel. Tv. 1860 Dad-Rauheim. 55; 2. Henny Fisch, Tv. 1860 Dad-Rauheim, 53; 3. M. Deutel, Tv. 1860 Dad-Rauheim, Inge Gabriel, Tv. Dad- Rauheim, 52; 8. Irmgard Schäfer, Tv. Grunin- a47; 11. M. Reck, Tv. Gambach, 44; 12. Clisa- Jsheim, Tv. Grüningen, Elise Marsteller, Tv. Grüningen 43; 13. Erna Dietz, T.° u. Spv. Griedel, 42; 17. Marg. Müller, T.° u. Spv. Griedel, Erna Rumps, Tv. Gambach, Marta Wolf, Tv. Grüningen, 38; 18. H. Jsheim, Tv. Grüningen, 37 P. Staffeln: 4xl00-Meter°Pendelstasfel (Turner): 1. Tgm. Friedberg, 45,2 Sekunden. — 4x75°Meter°Pendelstaftel (Turnerinnen): 1. Tgm. cZriedberg, 48,4 Sek.; 2. Tv. 1860 Dad-Rauheim, 52,2 Sekunden. Kreimauverejl! Am Freitag, dem 10. Juni, 20.15 Uhr, im Cafs Leib, Gießen öffenilitbet Vovtvag des ehemaligen Freimaurers und Johannismeisters d.Loge,Leopold z.Treue^, Karlsruhe Rechtsanwalt Robevt Gchneldev, ^avlsvube Das Wesen und Wirken der Freimaurerei unter Vorführung von Stellen aus dem geheim gehaltenen Ritual (Brauchtum) und aus den Katechismen der Freimaurer in der Bekleidung der Freimaurer. — Eintrittspreise 50 Pf. Kriegsbeschädigte und Erwerbslose gegen Ausweis die Hälfte. Tannenbergbund e. V., Kampfgruppe Gießen. 03602 Oberheffen. Landkreis Gießen. + Großen-Linden, 7. Juni. Der Turner Richard Seth vom hiesigen Turnverein DT. errang bei dem in Darmstadt zum vierten Male durchgeführten Kunstturnen des Dolksstaates Hessen zum hessischen Provinzialkampf mit 105 Punkten den zweiten Sieg. Unter den 24 besten Turnern der DT. in Hessen ist Se t h der zweitbeste; ferner ist er bester Turner der DT. in Oberhessen. — Das Dundesschießen des S chützenbundesLahn-Dill.Hüttenberg findet am 12. Juni in Grohen-Linden statt. Dem Schützenbund gehören acht Schützenvereine an. * Geilshausen. 7. Juni. Die Pressestelle der Ortsgruppe Geilshausen der NSDAP, teilt uns mit: Die Gemeindevertretung von Geilshausen hat heute den Führer der NSDAP. Adolf Hitler zum Ehrenbürger von Geilshausen ernannt. # Lich, 7.Juni. Der hiesige Verkehrs - und Verfchönerungsverein, der unter seinem Vorsitzenden Lehrer H i l d in vorbildlicher Weise zum Besten unserer Stadt tätig ist und dafür volle Anerkennung der Bürgerschaft verdient, hat nach der Errichtung einer Schutzhütte auf der Hardt (vgl. „Gießener Anzeiger" Rr. 130 vom 6. Juni) als weiteres Unternehmen im Interesse unserer Stadt die Herausgabe einer L a nd s ch a f ts k a r t e von Lich und Umgebung vorgesehen. Ferner soll die für den Dlumenschmuckwettbewerb in unserer Stadt gebildete Kommission alsbald ihre Tätigkeit aufnehmen, an verschiedenen Terminen die Stadt besichtigen und die mit dem schönsten Blumenschmuck gezierten Häuser im Herbst mit Preisen bedenken. Der Verein sorgt ferner durch Aufklärung in Zeitschriften, Führern und dergleichen dafür, daß unsere Stadt, die als Luftkurort eine gewisse Bedeutung erlangt hat und die eine reiche Fülle von Sehenswürdigkeiten aufweist, in weiten Kreisen unseres Vaterlandes mehr als bisher bekannt wird. — Die gegen Ende des Jahres 1927 durch den Tod des Bürgermeisters Völker unterbrochene monatliche Veranstaltung von Heimatabenden im Hotel „Zum Löwen" soll nach einer Anregung interessierter Kreise wieder ausgenommen werden. Vorerst denkt man daran, alle zwei Monate diese Zusammenkünfte stattfinden zu lassen. Kreis Friedberg. MSN. Friedberg, 7. Juni. Dieser Tage wurde bei Planierungsarbeiten in derGemeinde- kiesgrube bei Groß-Karben ein Skelettgrab angeschnitten und durch das verständige Verhalten der Arbeiter für das hiesige Museum gerettet. Es handelt sich um ein Kriegergrab aus der Völkerwanderungszeit und ist vermutlich alemannischen Ursprungs. Die Beigaben waren durchweg noch sehr gut erhalten. An der gleichen Stelle wurde 1923 ein Frauengrab aus derselben Zeit ausgegraben. MSN. Reichelsheim, 7.Juni. Der hiesige Gemeinderat beschloß in seiner gestrigen Sitzung, dem Führer der NSDAP., Adolf Hitler, das Ehrenbürgerrecht der Stadt Reichelsheim zu verleihen. Kreis Büdingen. * Dad Salzhausen, 7. Juni. In Erinnerung an die mannigfachen Verdienste des verstorbenen Forstmeisters und Bade-Kommissars Wilhelm E e l l a r i u s veranstaltete am Samstag l)€r Kur- und Verschönerungsverein Bad Salzhausen-Ridda in einer im Parkwald gelegenen Schuhhütte eine schlichte G e° dächtnisfeier. Gleichzeitig wurde dabei die Hütte, in der die Feier stattfand, „Cella- rius -- Hütte" getauft, zum ständigen Andenken an den Mann, der für unser Bad so viel getan hat. Angehörige des Geehrten und eine Anzahl Interessenten hatten sich zu der Feier eingesunden. Der Vorsitzende des Kur- und Derschöne- rungsvereins, Geh. Justizrat R ö m h e l d - Ridda, schilderte in einer kurzen Ansprache die Verdienste des Verstorbenen, der mit nimmermüder Schaffensfreude und vorbildlicher Hingabe im Interesse des Bades wirkte. In die Zeit seines Wirkens fallen zahlreiche fortschrittliche Reuerungen (Beforstung des Rabensteins, Anlage des Riddaer Hanges, Ausbau der Parkanlagen, Reugestaltung der Ouellfassungen, Geländeerwerbungen, die Errichtung eines Badehauses usw.), die der Redner dankbar erwähnte und dabei nicht vergaß, die menschlichen Qualitäten des verehrten Mannes zu erwähnen. Die Cellarius- Hutte hat eine ansprechende Ausgestaltung erfahren. Fabrikant R e u n i n g stiftete eine Ge- ^nktafel, ein Eichenholztisck) auf einem mächtigen Basaltblock wurde ebenfalls von einem Freunde der Heimat gestiftet, die Hütte hat einen soliden Steinplattenboden erhalten, so daß sie sich in ihrer Gesamtheit als eine würdige Erinnerunas- stätte präsentiert. Kreis Alsfeld. n>'!* ^“^ertenrDb, 6. Juni. Die schweren Regenfalle der letzten Zeit haben den R o g g e n vielfach zum Lagern gebracht. Da der Roggen poch nicht geblüht hat. werden die I Mehren taub und es ist dadurch fast überall emp- sinoucher Schaden entstanden. Die Forstleute | klagen in diesem Frühjahr sehr über zahlreiches Auftreten des Rüsselkäfers. Gegenmaßnahmen hatten nicht immer den erwünschten Erfolg. Viele Fichtenkulturen haben unter diesem Schädling gelitten. preuhen. Kreis Wetzlar. <> Niederkleen, 7. Juni. In der Nacht zum Montag, gegen 24 Uhr, ertönte hier Feueralarm. In einem mit dem Wohnhause verbundenen Stallgebäude der Witwe Heinrich Braun war Feuer ausgebrochen, das in kurzer Zeit den Statt in Asche legte. An den Heu- und Grummetvorräten fand das Feuer reichlich Nahrung. Die sofort nach dem Alarm an der Brandstelle eingetroffene Pflichtfeuerwehr mußte sich dar- auf beschränken, das durch das Feuer stark gefährdete Wohnhaus zu schützen, was ihr auch gelang, lieber die Entstehungsursache des Brandes ist bis jetzt nichts bekanntgeworden.