M. 82 Erster Blatt 182. Jahrgang Freitag, 8. April 1932 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Vezugrpreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüste unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drucf und Verlag: Vrühl'fche Univerfitäts-Vuch- und Lteinüruckerei R. Lange in Siehen. Schriftlettung und Seschästrftelle: Zchulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re. Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°, mehr. Chefredakteur: Dr. Frredr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Mlh. Lange,- für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Bieben. Der Wahlfeldzug auf dem Höhepunkt. Der Reichskanzler spricht in Hamburg. Hamburg, 7. April. (WTB.) In Hamburg fand der Wahlkampf am Donnerstag feinen Höhepunkt mit zwei stimmungs- und zahlenmäßig interessanten Riesenkundgebungen, in denen der Reichskanzler Dr. Brüning vor annähernd 2 0 0 0 0 Menschen sprach. Dr. Brüning wurde beim Erscheinen mit minutenlangem Beifall begrüßt. Ich trete, so führte er aus, in dieser Reise durch Deutschland für die Kandidatur Hindenburg ein aus menschlichen und aus politischen Gründen. Man hat mir, auch hier in Hamburg, den Vorwurf gemacht, ich solle lieber nach London gehen. Dieser Vorwurf ist naiv. Es ist nicht meine Schuld, daß ich nicht gehen kann; es wird in London überdies, dessen seien Sie versichert, nichts verdor- den werden. Ich habe vor diesem zweiten Wahl- gang und vor den Wochen zwischen dem ersten und dem zweiten Wahlgang gewarnt; denn was in dieser Zeit verloren "wird, das ist tatsächlich in mancher Beziehung verloren. Aber mein Platz ist in diesen lagen a u f meiner Befehls st eile hier im Lande. Das ist wichtiger. Dr. Brüning beschäftigte sich bann eingehend mit dem Agitationsfeldzug der Nationalsozialisten. Auch auf das Knickerbocker-Interview Hit- le r s kam der Kanzler zu sprechen. Einen. Augenblick lang habe damals Hitler einen staatsmännischen Anflug gehabt. Dieser Augenblick hätte eigentlich für seine ganze Gefolgschaft genügen müssen, den Spuk mit einem Male verschwinden zu lassen. Die heutige Not ist unabhängig von politischen Konstellationen. Die allgemeine Not in der Welt zeugt nur für die Tatsache, daß es in der Weltwirtschaft seit einem Jahrzehnt kein System gegeben hat. An den Notverordnungen ist sicherlich im einzelnen vieles zu tadeln. Aber es handelt sich dabei um einen Versuch, unter dem Zwang der Zeit alle Dinge einander anzugleichen, alles der A u ß e n p o l i t i k der Negierung unterzuordnen. Die Opfer, die gebracht werden, sind Opfer zur Nettuug des Volkes. Ohne die wunderbare Haltung des deutschen Volkes hätten wir den Winter nicht überwunden. Wenn irgend etwas schamlos ist, so ist es die Behauptung, der Reichspräsident habe diese Opfer vom Volke leichten Herzens gefordert. Cs ist ihm schwer genug geworden, das glauben Sie mir. Das agitatorische Treiben der Nationalsozialisten ist heute bereits ein sehr bedenkliches .System". Wan kann nicht ewig eine verant- wortungsbewußte Mehrheit des Volkes begeifern und treten. Man wird einmal auch uns zwingen, mit Enthüllungen aufzuwarten, dann aber mit Enthüllungen, die belegt sind, und dann wird man das „national“ der Nationalsozialisten nur noch mit Gänsefüßchen schreiben können. Hätten Hitler und Hugenberg seinerzeit d ic Entwicklung d er Dinge vorausgese- hen, so würden sie zweifellos der parlamentarischen Lösung zugestimmt haben. Aber es ist zu viel, rief der Kanzler aus, vom Reichspräsidenten zu verlangen, daß er etwa durch Notverordnung die politische Geschicklichkeit auf die Rechte verpflanze. Deutschland müsse wieder unterscheiden lernen, was Politik und was Geschwätz sei. Die Parole müsse lauten: Hinweg mitIllufio- nen. vor allem in der Außenpolitik! — Deutschland wählt Hindenburg und sichert sich damit das Ziel: Glück und Freiheit für sich und für die kommenden Generationen. Ein Appell des Grafen Westarp. Die Bahn frei für Dculschnakionale und Stahlhelm. Mannheim, 7.April. (ERB.) In dem von ungefähr 5000 Personen besuchten Mannheimer Nibelungensaal fand am Donnerstagabend eine Kundgebung des Hindenburg-Ausschusses statt, in der zunächst Graf Westarp das Wort nahm. Der Redner ging auf die außenpolitische Bedeutung der Reichspräsidentenwahl ein und betonte, daß wir im Endkampf um die Kriegsschuldlüge stünden. Ein entschiedenes Nein sei notwendig und werde um so wirkungsvoller sein, je größer das Vertrauen sei, das sich Reichskanzler Dr. Brüning erringe. Eine gemeinsame Forderung des gesamten deutschen Volkes sei dieses Nein, das besonders auch wegen des Ernstes derLage in Ostpreußen feine Bedeutung habe. Der Mampf um Deutschlands Freiheit sei eine große Aufgabe. Wir müßten alles unterlassen, was Deutschlands Stellung schwach e n und vor allem dem Auslande unsere Ze r r i | s e n - fjeit offenbaren wurde. Schon der erste Wahlgang habe großen Schaden angerichtet. Was sich vom 23. bis 25. Februar im Reichstag ereignet habe, fei ein außenpolitisches V e r b r e ch e n gewesen. Nicht Angst, sondern Sorge vor dem Bürgerkrieg habe viele Wähler aus den bürgerlichen und Rechtsparteien veranlaßt, ihre Stimme Hindenburg zu geben. Hindenburg verkörpere gerade im Ausland das Deutschland, das beachtet wird. Hindenburg sei nicht Partei kanöl- bat, sondern ausgestellt von über Partei- lichen Persönlichkeiten aller Kreise. Auch der erste Wahlgang habe gezeigt daß die Hindenburgwahl eine Volkswahl sei, die die Wähler von links bis rechts aufrief. Der Redner schloß mit einem Appell an die Hindenburgwähler aus dem Jahre 1925, s i ch wieder für Hindenburg zu entscheiden und richtete a n d i e Wähler Duesterbergs und Hitlers vom 13. März den Appell, ihre Stellungnahme für den 10. April einer ernsten Nachprüfung zu unterziehen. Es sei erfreulich, roenn_bie Kluft sich schlösse, die sich zwischen dem Stahlhelm und feinem Ehrenmitglied aufgetan hätte. Der Verzicht Hugcnbergs auf Betei- ligung^feiner Partei im zweiten Wahlgang bedeute eine Freigabe der Abstimmung. Wenn freilich der deutschnationale Parteioorfitzende erkläre, es könne niemanden übel genommen werden, wenn er seine Stimme Hitler gebe, fo fei dies eine Fortsetzung der Politik, die die einst fo starke führende DNLP. in die Gefolgschaft der NSDAP, geführt habe. Hierdurch sei sie in die Sackgasse geraten. Um so erfreulicher sei es, daß sich mehr und mehr führende deutschnationale Politiker entschlossen hätten, von der nunmehr gegebenen Handlungsfreiheit zugunsten des Generalfeldmarschalls von Hindenburg (3_e b r a u d) z u machen. Für alle Mitglieder des Stahlhelms und der Deutfchnationalen Volkspartei fei die Bahn frei, um ungehemmt von Partei und Bundesruckfichten der persönlichen Verehrung, Dankbarkeit und Treue dem Generalfeld marschall gegenüber Aus- druck zu geben. fiönifl Gustav von Schweden bei Hindenburg. Berlin, 7. April. (WTB. Amtlich.) Reichspräsident o. Hindenburg empfing heute mittag den inoffiziellen Besuch S. M. des Königs von Schweden, der sich auf der Rückreise aus dem Süden einen Tag in Berlin aushielt. Vor dem Reichspräsidentenpalais erwies eine Ehrenwache dem König die militärischen Ehrenbezeugungen. An eine etwa halbstündige private Unterhaltung der beiden Staatsoberhäupter schloß sich ein F r ü h st ü ck an, an dem der schwedische Gesandte in Berlin A s Wirsen, Reichsminister Groener, der Ches der Heeresleitung Freiherr o. Hammer st ein, Konteradmiral Dr. h. c. Gros, Botschafter Nado 1 ny und Vertreter des Auswärtigen Amts teilnahmen. Unser Bild zeigt den Herrn Reichspräsidenten und seinen königlichen Gast auf der Freitreppe des Präsidentenpalais. Hister-Kundgebungen in Frankfurt und Äarmstadi. Frankfurt a. M., 7. April. (WSN.) 3n einer Massenversammlung der NSDAP, sprach heute abend Adolf Hitler in der vollbesetzten Festhalle. Hitler, der wieder mit minutenlangen Ovationen begrüßt wurde, führte in einer halbstündigen Ansprache u. a. aus, das „System" und die Parteien hätten 14 Jahre lang Gelegenheit gehabt, ihre Fähigkeiten durch Taten zu erweisen. Aber sie hätten auch nicht einen Bruchteil von dem erfüllt, was sie versprochen hätten. Heute solle nun nicht gerichtet werden über das, was die Nationalsozialisten tun werden, sondern über das, was das „System" bisher geleistet habe. Brüning wolle dieser Tage in Königsberg über die Notwendigkeit der Verteidigung Ostpreußens sprechen. Wenn er Reichskanzler wäre, würde er über Ostpreußen nicht in Königsberg reden, sondern in Gens. Die Nationalsozialisten dachten selbstverständlich nicht daran, eine Inflation zu machen. Wer sage, mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten käme die soziale Reaktion, der kenne die Bewegung nicht. Schon vor Jahren sei der Begriff Nationalismus und Sozialismus in der Bewegung zusammengeschweißt worden. Wann sei jemals in Deutschland der deutsche Arbeiter so mißhandelt worden wie unter der Regierung der heutigen Parteien. Ich habe diesen Kampf zur Dormichtung der schuldigen Männer aufgenommen, und ich führe ihn durch bis zum Letzten. Cs ist möglich, daß sie unsere Zeitungen verbieten, daß sie uns terrorisieren, ja, daß sie mich und meine Mitkämpfer umbringen; aber kapitulieren tue ich niemals. Am 10. April wird ein Kampftag sein, am 11. wird der Kampf wieder beginnen, ebenso wie am 25. April. Wir werden arbeiten und, wenn es notwendig ist, in einem oder in drei oder in zehn Jahren, bis der Gegner am Boden liegt und Deutschland frei ist. Nach Hitler sprach Gregor Strasser. M. d. R., der sich mit den Arsachen der heutigen Not befaßte und als solche herausstellte 1. die Vertrustung des Goldes, 2. die Arbeitslosigkeit und 3 die seelische Zersetzung und Kulturkrise. Eine Wirtschaft ohne starten Staat müsse zugrunde gehen. Der Staat müsse das Geld wieder zum Diener der Wirtschaft und die Wirtschaft zum Diener des Staates machen. Der Redner stellte dann im einzelnen die nationalsozialistischen Ziele heraus. Sie dächten nicht an phantastische Experimente und lehnten den Bürgerkrieg ab. Bürgerkrieg würde nur kommen, wenn diese Leute noch länger so weiter regierten. Zn Darmstadt. Darmstadt, 7. April. Die Nationalsozialisten hatten für heute abend drei Versammlungen einberufen. 3n der Festhalle sollte Adols Hitler persönlich sprechen, während in zwei anderen großen Darmstädter Sälen Hauptmann Göring und andere Führer sprechen sollten. Da um 20 Ahr die Festhalle noch nicht gefüllt war, wurden die in den beiden übrigen Sälen Erschienenen nach der Festhalle dirigiert. Mit halbstündiger Verspätung traf Hitler, von Frankfurt kommend, ein und wurde mit lebhaften Heilrufen begrüßt. Der Gauführer Lenz eröffnete die Kundgebung. Hitler, stürmisch begrüßt. fetzte sich dann in einer 20 Minuten dauernden Rede mit dem System auseinander. Er erklärte u. a., in dem Kamps handle es sich nicht um den Feldmarschall, sondern um das System und die Parteien, die dieses System repräsentierten. Dieses System versuche systematisch die nationalsozialistische Freiheitsbewegung zu unterdrücken. Hitler wehrte sich entschieden gegen die Behauptung, daß die Nationalsozialisten die deutsche Grenzmark preisgeben wollten, oder daß sie eine Inflation und s o - ziale Reaktion planten. Während unter der 13jährigen Politik der jetzigen Parteien fast alle deutschen Stände und die gesamte deutsche Wirtschaft am Boden lägen, hätten es die Nationalsozialisten verstanden, eine einheitliche Bewegung aus dem Boden zu stampfen. Hitler berichtigt. Eine eidesstattliche Erklärung des national» sozialistischen Führers. Nürnberg, 7. April. (TA.) Hitler hat durch Rechtsanwalt Josef Müller It. vor dem Nürnberger Gericht folgende eidesstattliche Erklärung abgegeben: „Ich versichere an Eides statt: 1. Es ist unw ahr, daß ich für mich imKai - serHof für 10 Tage den Betrag von 4048 Mk. ausgegeben habe. Wahr ist, daß diese Rechnung eine Fälschung darstellt, wegen der »Die Welt am Montag" bereits verklagt ist. 2. Cs ist unwahr, daß ich aus Partei- ämtern jährlich 1 3 000 M k. erhalte. Wahr ist, daß ich überhaupt keinerlei Einnahmen von der Partei beziehe. 3. Es ist unwahr, daß ich vom Verlag Franz Cher240 000 Mark beziehe. Wahr ist, daß ich von meinen Bücher- und Schriftsteller- Honoraren lebe. Diese machen nur einen Bruchteil dieser Summe aus. 4. Es ist u n w a h r , daß ich a u s D e r s a m m - lungseinnahvien j ä h r l i ch 2 00 0 00 Mk. erhalte. Wahr ist, daß ich meine gesamten Versammlungsreisen aus meinen persönlichen Bücherund Schriftstellerhonoraren decke, von den Versammlungen aber niemals einen Pfennig bezogen habe. Dagegen gebe ich von den Heber- schüssen meiner Bücher- und Schriftstellerhonorare, soweit als möglich, noch für Parteizwecke ab. 5. Es ist unwahr, daß ich reich geworden bin. Wahr ist, daß ich keinerlei Vermögen besitze. 6. Es ist unwahr, daß ich außerdem noch das Gehalt eines Regierungsrates beziehe. Wahr ist, daß ich mit Rücksicht auf mein persönliches Einkommen als freier Schriftsteller mein gesamtes Gehalt als Regierungsrat laufend schon bisher und auch für alle Zukunft der Braunschweigischen Staatsbank zur Verteilung an ausgesteuerte Erwerbslose überweisen ließ und lasse. Die Verteilung besorgt ein von der braunschweigischen Regierung anerkanntes Komitee. Vorstehende eidesstattliche Versicherung gebe ich ab in Kenntnis der strafrechtlichen Folgen bei der Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung. Nürnberg, 7. April 1932. Gez. Adolf Hitler." In der Klage Hitlers gegen die „Schleswig- Hvlsteinifche Volkszeitung" verkündete das Amtsgericht die Entscheidung, daß der „Schleswig- Holsteinischen Volkszeitung" im Wege der einstweiligen Verfügung bei Vermeidung von Geld- und Haftftrafen untersagt wurde, zu behaupten, Hitler bereite den Bürgerkrieg vor und habe Putschanweisungen babingefjenb gegeben, daß Waffen und Lebensmittel zu requirieren, die öffentlichen Gebäude zu besetzen und die Kassen dabei nicht zu vergessen seien. In seiner Begründung führte der Vorsitzende u. a. aus, das Beweis material der letzten Tage rechtfertige den Verdacht, daß bei nicht wenigen örtlichen Organisationen der NSDAP, illegale und revolutionäre Bestrebungen bestünden. Cs müsse aber angenommen werden, daß Hitler diesen Bestrebungen f e r n st e h e. Vertreter-eutscherGeisteswelt für Hitler. München. 7. April. Der „Völkische Beobachter" veröffentlicht eine Reihe Kundgebungen von Vertretern deutscher Geisteswelt, darunter der Romanschriftsteller Rudolf Herzog, die Professoren Karl Berger, Ehrendoktor der Universität Gießen, Lenard (Heidelberg), Günther (Jena) und E m g c (Jena) für Adolf Hitler. Rudolf Herzog schreibt u. a.: Jahraus, jahrein haben wir gutgläubig gewartet, haben wir uns vor dem In- und Ausland bis auf die Haut entkleiden und schänden lassen. Arm an Lebensgütern, totarm an Idealen sind wir geworden. Hoffnungslos starrt die Jugend in eine bettelarme Zukunft. Vierzehn Jahre lang haben die Männer der alten Machtparteien versagt. Das Steuer herum! Besser ist es, durch den Sturm brausen, denn als ewiges Wrack hin und her qc- schleudert zu werden. Hindenburg errettete Deutschland im Kriege vor den Russenstürmen, Hiller errettete das Deutschland nach dem Kriege vor der Bolschewistenwoge. Vor mehr: vor dem nationalen Zusammenbruch, dem Brei! So wolle es denn die Gerechtigkeit, daß nach dem alten Erhalter der neue das Ruder packe und dem Schiff den Weg weise m die neue Zeit. Der bekannte Verfasser des Romans „Voll ohne Raum", Hans Grimm, erläßt einen Aufruf für Adolf Hitler und begründet diesen Beschluß damit, daß allein Hitler den Willen zum deutschen Neuanfang ohne Vorbehalt vor aller Welt vertrete. Die Stimme für Hiller bedeute nicht die Stimme für die nationalsozialistische Partei, sie bekunde aber den unerschütterlichen Willen zu einem neuen sauberen Deutschland und bekräftige den deutschen Widerstands- und Aenderungswillen. Roehm zu der Bekanntgabe des in Preußen beschlagnahmten Materials. München, 7.April. (CNB.) Der „Völkische Beobachter" bringt eine Erklärung des Stabschefs der SA., Roehm, zu der Bekanntgabe des bei den Beschlagnahmungen ein 17. März 1932 gefundenen Materials durch den preußischen Innenminister S e v e r i n g. Roehm erklärte u. a., die Zusammenziehung der SA. und SS. in ihren Ber|ammlungslokalen am 13. März 1932 habe e r angeordnet, wie dies auch bei früheren Wahlen der Fall gewesen sei und wie er es auch bei kommenden Wahlen tun werde. Er habe das Reichsinnenministeriiim davon vorher verständigt. Da die SA. d i e Trägerin der Propaganda sei, sei dies eine Selbstver- ständlichkeit. Die Maßnahme sei doppelt notwendig gewesen, nachdem von marxistischer Seite für den 13. März im Falle eines Sieges Hitlers offen der Bürgerkrieg angekündigt worden sei. Daß jede große Organisa- kion über die Tätigkeit ihrer Gegner sowohl wie ihrer Verbündeten unterrichtet sein müsse, sei eine Binsenweisheit. Roehm verweist in diesem Zusammenhang auf den Nachrichtendienst des Reichsbanners und der KPD. Eine Ueberwachung oder Bespitzelung der Organe des Staates (Reichswehr, Polizei ufw.) habe er grundsätzlich untersagt. Das R e i ch s r c l ai s sei bereits am 2.9.1931 eingerichtet worden und stehe mit der Reichspräsidcntenwahl in keinem Zusammenhang. Zu dem Vorwurf des Landesverrats erklärt Roehm, die bisherigen Erhebungen hätten bereits die „völlige Haltlosigkeit dieser' Anschuldigungen" ergeben. Er sehe daher dem Verfahren vor dem höchsten deutschen Gerichtshof mit absoluter Ruhe entgegen. Oie Revisionen im Hamburger Totschlagsprozeß Henning verworfen. Leipzig, 7. April. (WTB.) Das Reichsgericht hat heute die R e v i s i on e n der drei wegen Totschlags an dem kommunistischen Hamburger Dürgerschaftsmitgliede Ernst Henning, 'Verurteilten, des früheren Hamburger Polizeimajors Jansen, des Handlungsgehilfen B a m - m e l und deS aus Bayern stammenden Hoeck - meyer, als unbegründet verworfen. Damit ist dos nach achttägiger Verhandlung vom Schwurgericht Hamburg verkündete Urteil rechtskräftig geworden, nach dem diese drei SA.-Leute der RSDAP. wegen gemeinschaftlichen Totschlags, wegen gemeinschaftlich verübten versuchten Totschlags, gemeinschaftlicher Rötigung und verbotenen Waffenbesitzes, und zwar Hoeck- meyer und Jansen zu je sieben und Bammel zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt worden sind. Es handelt sich um die in einem Hamburger Nachtomnibus begangene politische Bluttat, die eigentlich dem Kommunisten Andreas gegolten hatte. Durch die insgesamt 15 Schüsse, die die angetrunkenen Attentäter abgegeben hatten, war weiter noch eine Lehrerin durch fünf Schüsse in den Oberschenkel schwer verletzt worden: einer zweiten Frau aus Hamburg wurde der Daumen abgcschossen, während der zweite im Wagen anwesende Kommunist C a h n b l e h nur einen leichten Streifschuß am Kopf erhielt. — Mit ihrer Revision bemängelten die Angeklagten in ver- fahrensrcchtlicher Hinsicht ohne Erfolg, daß sechs Siebentel der Schöffen Sozialdemokraten gewesen seien, wie in materieller Hinsicht ergebnislos, daß ihnen als Jugendlichen zu Unrecht mildernde Umstände versagt worden seien. Präsidenten. Reben der weltgeschichtlichen Größe Hindenburgs verschwindet Hitler zu einem Richts. Hitler hat noch nichts Positives geleistet, wohl aber Hindenburg. Hitler hat bisher nur Versprechungen über Versprechungen gemacht, aber wenn es positiv zu arbeiten galt, sind seine Anhänger aus dem Reichstag ausgezogen. Sie haben damit wieder bewiesen, daß ihnen jeder Wille zur Mitarbeit am deutschen Volke fehlt, denn sonst waren sie nicht immer bei den entscheidenden Abstimmungen im Reichstag, der doch die Verwaltung des deutschen Volkes Ist, ferngeblieben. Wir alle glauben fest an Hindenburg und seine Größe. Für uns gibt es keinen anderen, der uns selbst ein Vorbild sein kann. „Wenn mich das deutsche Volk ruft, werde ich zur Stell» sein!" hat er mehr als einmal gesagt, und er hat dem deutschen Volke in den sieben Jahren seiner Amtszeit ein Beispiel seiner heldenmütigen Selbstverleugnung gegeben als oberster Diener des deutschen Volkes. Deshalb kommt für und keine andere Kandidatur als die Hindenburgs in Betracht. Eine Rede Arthur Mahrauns. Der Jungdeuische Orden im Kampf für Hindenburg. Braunschweig, 8.April. (END.) Auf einer Kundgebung des Hindenburg-Ausschusses sprach vor zahlreichen Zuhörern Arthur M a h r a u n , der Reichsführer des Iungdeutschen Ordens. Er hob in seiner Rede insbesondere die großen weltanschaulichen Gegensätze zwischen Hindenburg und Hitler hervor. Bei Hin- denbura sei der Begriff der Treue und der Volksgemeinschaft, dagegen erscheine Hitler als der Nutznießer der Auflösung aller bürgerlichen Begriffe und der Verhetzung der Massen. Es sei ein weltanschaulicher Kampf, der heute in Deutschland aus- aetragen werde, ein Kampf der germani- schen Auffassung von Volk und Staat gegen die römische und slawische. Von diesem Standpunkte aus sei der Kampf um das System zu betrachten. Die Nöte der Zeit könnten nicht durch Phrasen und Versprechungen beseitigt werden, sondern nur durch einen neuen Staat, der mit dem Volk wieder verbunden sei, der nicht bloß ein Untertanentum kenne, sondern eine Nation. Auf dem Wege zur Einheit von Volk und Staat, auf dem wir seien, d o m Untertanentum zum Staatsbürger, gebe es Marschkrankheiten und Wegekrankheiten. Die Wegekrankheit beim Proletariat sei der Marxismus, beim Bürgertum der Nationalsozialismus. Auch der Begriff der Führung sei bei Hindenburg und Hitler weltanschaulich entgegengesetzt. Hindenburgs Begriff von der Führung werde den deutschen Menschen anziehen, weil er das Volk als solches achte. Hitlers Begriff von Führung sei letzten Endes die Diktatur. Dem Derantwortungsbewußtsein Hinden- burgs und seiner Methode, keine Versprechungen zu machen, stehe Hitlers Werben für das Reichspräsidentschaftsamt gegenüber, das nicht an die Pflicht, sondern an die Leidenschaften im Menschen appelliere. Mahraun schloß mit dem Bekenntnis, daß wir als Deutsche uns auf uns selbst besinnen müßten gegen Bolschewismus und Faschismus für Hin- d e n b u r g. EineKan-idaturdesKronprinzen Am Widerspruch des Kaisers gescheitert. Berlin, 7. April. (CNB.) Der Herausgeber der Zeitschrift „Fridericus" R. E. Holtz, gibt in seinem Blatt eine Schilderung von Bemühungen der Führer der „nationalen Opposition", den früheren Kronprinzen zum Gemeinschaftskandidaten für den zweiten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl auszurufen. Nach langer sachlicher und ernsthafter Aussprache zeigte sich der .Kronprinz bereit, sich dem Volk, wenn es ihn.zur Reichspräsidentschaft berufe, nicht zu versagen. Bedingung sei jedoch, daß d c r K a i s e r nicht auf Grund des Hohenzollernschen Hausgesetzes ein Kandidaturverbot an den Kronprinzen ergehen lasse. Adolf Hitler hatte sich daraufhin bereit erklär t, den Kronprinzen auf den Schild zu erheben. Aber derKaiserwarmitderKandidotur nicht einverstanden. Daraufhin erklärte der Kronprinz, daß er unter diesen Umständen nicht kandidieren wolle. Bis zum letzten Tag der Anmeldung der Kandidaten, bis zum 31. März, war- 1 tete man auf eine Sinnesänderung aus Doorn. Sie trat aber nicht ein. Keine^undfunkanspracheHin-enburgS zum zweiten Wahlgang. B e r l i n, 8. April. (CNB.) Wie die „DAZ." von unterrichteter Seite erfährt, steht nunmehr fest, daß vor dem zweiten Präsidentschaftswahlgang keine Rundfunkansprache des Reichspräsident e n mehr erfolgt. Die Reichsregierung be- schränkt sich auf die Rundfunkübertragung der Königsberger R^de Dr. Brünings am Samstag, die nach einigen Schwierigkeiten nun- mehr gesichert ist. Oie Regierungsbildung in Mecklenburg-Strelitz. Schwerin^ 7. April. (TU.) Die Fraktionen der Deutschnationalen Volkspartei und der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei teilen mit: In einer Verhandlung der Fraktionen der DNVP. under der NSDAP, unter ihren Vorsitzenden Abg. Dr. Everling und Abg. v. Lingelsheim ist heute die Regierungskoalition und die Regierungsbil- düng in Mecklenburg-Strelitz vollzogen worden. Vereinbart wurde folgendes: 1. Die beiden Parteien schließen sich zu einer Zusammenarbeit im Interesse des vom Marxismus völlig zu reinigenden Staates zusammen. 2. Staatsminister Dr. v. M i ch a e l wird in seinem Amt ohne Neuwahl bestätigt. 3. Abg. Dr. S t i ch t e n r o t h tritt als Staatsrat in die Regierung ein mit einer vereinbarten, die nationale Zusammenarbeit gewährleistenden Geschäftsordnung. Abg. Stichtenroth ist Mitglied der nationalsozialistischen Fraktion, Dr. o. Michael ist deutschnational. Deutscher Handwerksund Gewerbekammertag. In Dresden fand in Anwesenheit von Vertretern der Reichs- und Staatsregierung sowie zahlreicher Berufsorganisationen die Vertreterversammlung des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages statt. Nach kurzer Begrüßung durch den Präsidenten Pflugmacher (Magdeburg) behandelte Universitätsprofessor Dr. P a s s o w (Göttingen) das Thema „Freie und gebundene Preise" und Universitätsprofessor Dr. Rößler (Bonn) das Thema „Der berufsständische Gedanke im Handwerk". Ein- stimmig gelangte sodann eine Entschließung zur Annahme, in der es u. a. heißt: Die Versammlung fordert eine grundsätzliche Wandlung der deutschen Wirtschaftspolitik in ihrem Verhältnis zum gewerblichen Mittelstand. Sie erinnert die Reichsregierung an die furchtbare Verantwortung, die sie mit ihrer Einstellung zum Handwerk gegenüber der Volksgemeinschaft trägt. Die Reichsregierung wird aufgefordert, unverzüglich alle Maßnahmen zu treffen, um eine organische Vereinheitlichung der Spitzenkreditinstitute des gewerblichen Genossenschaftswesens bei der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse herbeizuführen. Großfeuer in der MünchenerZnnenstadt M ü n ch e n, 8. April. (WTB. Funkspruch.) Heute früh gegen 3 Uhr brach in der im Zentrum der Stadt gelegenen großen Schrannenhalle Feuer aus, das sich mit ungeheurer Schnelligkeit über das ganze Gebäude ousdehnte und auf einige Nachb ar Häuser übertrat. Die gesamte Münchener Berufsfeuerwehr mußte zur Bekämpfung des riesigen Feuers heran- gezogen werden. Die Bekämpfung des Feuers gestaltete sich ä u ß e r st schwierig, da der Rauch durch den Wind in die Straße geführt wird, in der die Feuerwehr Aufstellung genommen hat und diese sehr behindert. Gegen 4 Uhr früh bot die Halle ein Bild vollkommener Verwüstung. Sie ist vollkommen ausgebrannt. Die Schrannenhalle hatte früher als Markthalle gedient und wird jetzt als Lagerraum für Speditionsfirmen und als Fleischfreimarkt benutzt. In der Halle sollen in der Hauptsache alte Möbel und Automobile untergebracht gewesen sein. Um 6.15 Uhr brannte noch der Dachstuhl eines Hauses in der Utzschneider- straße und die Fleischbank. Bis jetzt wurden vom Roten Kreuz 82 Personen, die bei dem Brand verletzt wurden, behandelt, darunter 65 Feuerwehrleute. Zwei Feuerwehrleute haben durch Absturz schwere Verletzungen erlitten. Die übrigen holten sich meist Rauchvergiftungen oder Riß- und Schnittwunden. ZesmndmÄaisberMngenimHessischenLandtag Zinanzminister Kirnberger spricht im Finanzausschuß. Landvolk und Präsidentenwahl. Die Hessische Landvolkpartei wendet sich mit einer Erklärung ihres Vorsitzenden Glaser an die Oeffentlichkcit, in der es u. a. heißt: Durch die Verwechslung der Ramen Reichs« landbund, Hessischer Landbund, sowie Landvolkpartei wurde in letzter Zeit des öfteren starke Verwirrung in die landwirtschaftliche Bevölkerung hineingetragen. Wenn zum Beispiel die Presse zur jetzigen Reichspräsidentenwahl die Erklärung des Herrn Grafen Kalckreuth bringt, daß der Reichslandbund für Hitler eintritt und zur gleichen Zeit wird berichtet, daß die Deutsche Landvolkpartei für Hindenburg eintritt, dann entspricht dies der Sachlage, wenn aber ein gewisser Teil der Presse schreibt: „Das Landvolk wählt Hitler", dann ist es für den einfachen Bauer eine Irreführung und eine Aufklärung ist meines Erachtens unbedingt erforderlich. Zur Klarstellung möchte ich nun folgendes bekarmtgeben: Der Reichslandbund und die Deutsche Landvolkpartei sind zwei voll st än * dig getrennte freie Organisationen und haben in ihrer gesamten Tätigkeit, sowie in ihren Verwaltungen keine näheren Verbindungen, sind also vollkommen unabhängig voneinander. 1. Der Reichslandbund ist eine freie be- rufsständische Organisation. Rach einem Beschluß seines Vorstandes hat sich der Reichslandbund für politisch neutral erklärt. Wenn jetzt durch den geschäfts- führenden Präsidenten Graf Kalckreuth ein einseitiges Eintreten für Hitler bekannt- gegeben wird, dann kann dies nur als B r u ch der Reutralität bezeichnet werden. 2. Der Hessische Landbund ist eine Unter* Organisation des Reichslandbundes. Ein Mehrheitsbeschluß über politische Reutralität wurde vor einigen Wochen bekanntgegeben. Auch zur jetzigen Reichspräsidentenwahl wurde vom Vorstand Neutralität beschlossen und für die Mitglieder bleibt dadurch frei, für Hindenburg oder Hitler zu stimmen. 3. Die Deutsche Landvolkpartei ist eine politische freie Organisation auf nationaler berufsständischer Grundlage, ist gleich dem Reichsland* bund über ganz Deutschland verbreitet. Im Vorstand der Partei, sowie in dem erweiterten Vertretertag wurde zur Reichspräsidentenwahl einstimmig beschlossen, für Hindenburg einzutreten. 4. Die Hessische Landvolkpartei wurde erst gegründet infolge des politischen Reu* tralitätsbeschlusses des Hessischen Landbundes. Die Hessische Landvolkpartei ist e 6 e n- falls freie Or ganif afrion auf nationaler konserv ativer berufs- ständischer Grundlage. Die Organi- satton ist der Reichspartei „Deutsches Landvolk" angeschlossen und steht mit dieser in guter Zusammenarbeit. Die Hessische Landvolkpartei tritt gleich der Reichsorganisation auch am 10. April für die Wahl des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg als Reichspräsident ein. Darmstadt. 7. April. (WHP.) Der Finanzausschuß des Landtages begann mit der Beratung des Staatsvoranschlages 1932. Finanzminister Kirnberger leitete die Beratungen mit einem Lieberblick über die Finanz- und Kassenlage des Landes ein. Die im Etat sich auswirkende Sparsamkeit werde wohl von keinem anderen deutschen Land übertroffen. Es sei nicht mehr wie in normalen Zeiten möglich, Fehlbeträge auch nur vorübergehend in Kauf zu nehmen, denn bei der Unmöglichkeit der Kreditbeschaffung sei das Land ausschließlich auf seine eigenen Einna hm en angewiesen. Dadurch werde die Kassenlage natürlich äußerst angespannt. Der Voranschlag schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 108 542 Mill. Mk. Die Entwickelung der letzten Jahre zeige, daß die Fehlbeträge vis 19 2 8 gedeckt sind, die Fehlbeträge von 1929 und 1930 sind im wesentlichen eine Folge der neuen Desoldungs- o r b n u n g gewesen, die, wie von anderen Ländern, auch von Hessen aus der begründeten Erwartung durchgesührt wurden, daß das Reich für die Mehraufwendung Ersatz schaffe. Das sei jedoch nicht der Fall gewesen und der Ausgleich müsse durch eigene Maßnahmen des Landes herbeigeführt werden. Die Sachausgaben seien nunmehr bis an die äußerste Grenze herabgesetzt worden. Sie gingen von 55,3 Millionen im Jahre 1929 auf 49,1 Millionen (1930) und 50,7 Millionen (1931) auf jetzt 37,7 Millionen zurück. Die persönlichen Ausgaben zeigten nach dem Anwachsen durch die neuen Desoldungssätze von 73 Millionen im Jahre 1925 auf 89,9 Millionen im Jahre 1930 einen auf Grund der Reichsnotverordnung bewirkten Abstieg auf 87,7 Millionen im Jahre 1931 und auf 70,8 Millionen im vorliegenden Etat. Hier wirke sich außerdem die Personalverminderung seit 1924 aus. Ms zum Schluß des Jahres 1927 waren abgebaut worden 804 Planstellen, 431 Staatsdienst* ar.toärter und 355 Angestellte. Von da ab seien weitere 7 9 2 Stellen abgebaut worden. 2m Voranschlag 1932 sei nachgewiesen, daß weitere 332 Stellen ausfallen und 253 auf den Inhaber gesetzt worden sind. Außerordentlich erschwert werde die Sanierung der Staatsfinanzen durch die großen Finanz* sorgen der Gemeinden, die auch die Sorge des Staates sind. Die angespannte Finanzlage hemme den Staat in seiner Fürsorgetätigkeit. Er müsse aber mit den Gemeinden verlangen, daß das Reich, nachdem es durch seine an sich gerechtfertigte Gesetzgebung für die Erwerbslosen die Gemeindefinanzen schwer getroffen hat, auch die Mittel bereitstellen, damit die Gemeinden die schwere Krise überwinden könnten. Der Landtag habe mit Mehrheit die Verlängerung des Etats abgelehnt. Damit wäre die Regierung gezwungen, auf Grund des Artikels 55 der Verfassung die Geschäfte weiterzu-- führen. Das bedeute für die Regierung ernste Sorgen und große Verantwortung. Zugleich fei ihr aber dadurch eine gewisse Macht in d i e Hand gegeben, von der sie allerdings nur vorsichtig und gewissenhaft Gebrauch machen werde. Der Minister bat abschließend, diesem zwar gesehesmäßigen, aber unnatürlichen Zustand im Interesse des hessischen Volkes und im Interesse der Wirtschaft bald ein Ende zu. machen. Der Ausschuß begann darauf nut der allgemeinen Aussprache, in der von dem Vertreter der nationalsozialistischen Fraktion erklärt wurde, daß man der Mehrheit des Landtags nicht verübeln könne, wenn sie die Erstreckung des Finanzgesehes für 1931 auf einige Monate des Jahres 1932 ablehnte, da sie ja keinen Einfluß auf die Geschäfte der Regierung besitze. Grundsätzlich werde die nationalsozialistische Fraktion int Ausschuß sachlich Mitarbeiten und den Voranschlag nicht nach parteipolittschen Gesichtspunkten beurteilen. Bayern und die NSDAP. Auch die bayrische Regierung veröffentlicht Material. München, 6. April. Wie der preußische Jn- nenminifter, so gibt auch die bayerische Staatsregierung in einer ausführlichen Darlegung Material bekannt, das sich auf das Verhalten der RSDAP. beim ersten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl bezieht. Es heißt darin u .a.: Was dem Volke von Beamten des bestimmt erwarteten Dritten Reiches nach dem 13. März bevorstand, das zeigen Beispiele, wie das Schreiben an einen Bäckermeister in Weilheim vom 8. März 1932. In diesem heißt es: „<5ie werden hiermit verwarnt, weiterhin über unsere Freiheitsbewegung abfällig zu sprechen. Wenn Sie noch einmal in derart gemeiner Weise schimpfen, kommen Sie auf die schwarze Liste. Als Geisel sind Sie vorgemerkt. Rach unserem Sieg, der unausbleiblich ist, werden Sie erschossen. Merken Sie sich dies. Heil Hitler." — Im Bezirk Aibling wurden Marken, das Stück für 50 Pf. verkauft. Dabei wurde den Leuten erklärt, daß man sich durch den Besitz dieser Marken im Dritten Reich Stellen sichern könne. Wer keine solchen Marken besitze, der erhalte auch keine Stellung. Was sich Hitler-Wähler verschiedentlich von einem Sieg Hitlers erhofft haben, das beweist die Wahrnehmung, daß in der letzten Zeit vor der Reichspräsidentenwahl Schuldner ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen wollten und die Zahlungen bis nach der Wahl am 13. März verzögerten. Ein Gruppenführer der Rationalsozialisten aus der Gegend von Schrobenhausen erklärte in einer Versammlung: »Wenn Hitler siegt, dann bekommt jeder 50 Tagwerk Grund und 20 000 Reichsmark Geld." Eine neue Veröffentlichung der Bayerischen Amtlichen Pressestelle erklärt, daß für die Veröffentlichung die Tatsache bestimmend gewesen ist, daß draußen im Lande fast in jeder Gemeinde Namen und Fälle bekannt waren, wie die National- sazialisten am Tage nach der Wahl verfahren würden, wen sie als Beamte verhaften, absetzen und durch nationalsozialistische Ortsgrößen ersetzen werden. Äoß alle die vielen Anwärter auf einen Posten an diese Aussichten glaubten und durch die Hoffnung auf die Erfüllung ihres Glaubens zu allem für die Partei fähig gemacht wurden, das habe jene Terror st immung und jene Angst und Panik in der Bevölkerung erzeugt, die unbestreitbar tagelang vor dem 13. März fast über jeder Ortschaft lag. In einer SA.-Sitzung habe der Gau- sturmfuhrer von München-Oberbayern erklärt, wenn Regierung zusammengebrochen sei und die N«DAP. die Macht im Staate übernommen hätte, bann hatte die SA. zunächst 24 Stunden Freiheit. Da könne sich dann jeder SA.-Mann den von ihm notierten Gegner vorfangen und erledigen. Eine scharfe Rede Helds im Landtag. München, 7. April. (WTB.) Im Plenum DeS Landtages erklärte Ministerpräsident Dr. Held bei der Veröffentlichung der bayerischen amtlichen Pressestelle über Absichten von Ratio* nalfMialiften, nach einem Siege Hitlers handele es sich nicht um Spihelberichte, sondern um ernstes amtliches Material. Die Dinge seien unhaltbar geworden, weil man mißbräuchlicherweise einen Druck auf die Bevölkerung auszuüben versuche, insbesondere auf die Deam- t e n, daß keiner mehr sich getraue, seine Pflicht zu tun und die Staatsinteressen draußen zu vertreten. Die Zahl der Briefe sei Legion, die an ihn gekommen find und in denen es heiße, daß sich kein Mensch mehr über die Straße traue und keiner mehr wage, seine Meinung in der Oeffent» lichkeit zu sagen, daß man gesellschaftlich und geschäftlich boykottiert werde, ja das Wort vom „Köpferollen" werde draußen den Leuten jeden Tag vorgehalten. (Lebhaftes hört, hört!) Das sei eine Methode und ein System, das bekämpfenswert und bekämpfensnotwendig sei, da man die übrige Bevölkerung Bayerns unter einen unerhörten Terror sehe, wie man ihn noch nie erlebt habe. Dabei sagt man: Wir sind die Deutschen, wir sind allein das deutsche Volk und wir können allein Deutschland wieder zur Freiheit führen. Um deutsch zu sein, muß man in erster Linie wahrhaftig sein (Lebhafter Beifall) und deutsch sein, heißt, dem Rebenmen- schen gegenüber anständig sein. Ich habe dafür zu sorgen, daß unsere friedliebenden und anständigen Leute sich anständig im politischen Leben betätigen können, und habe weiter dafür zu sorgen, daß die Beamten unter allen UmständenausdemDruckundTerror herauskommen, in den man sie versehen will, damit andere mit Gewalt bei uns die Macht ergreifen können. Oer Frontkämpfer Adolf Hitler Auf die Zuschrift aus nationalsozialistischen Kreisen unserer Leserschaft erhalten wir folgende Erwiderung: Der Frontkamerad Adolf Hitlers legte beson* beren Wert auf bie Tat, burch bie Hitler einigen Kameraben das Leben rettete. Warum er gerabe das so hervorhebt, ist mir nicht begreiflich, denn es haben doch Tausende andere die gleichen und noch viel größere Heldentaten vollbracht. Wäre Herr Hitler heute nicht Führer der RSDAP., so würde kein Hahn nach seinen früheren Heldentaten krähen. Aber die Veröffentlichung sollte offensichtlich eine Wahlpropaganda für Hitler fein. Wenn alle anderen Kandidaten für die Reichspräsidentenwahl auch ihre Heldentaten während des Krieges veröffentlichen wollten, da könnte man ganz anderes hören und lesen. Der Herr Reichspräsident v. Hindenburg hat sich bei Kriegsbeginn freiwillig dem deutschen Volke zur Verfügung gestellt und er hat die deutschen Farben siegreich im Osten verteidigt. Wenn Reichspräsident v. Hindenburg seine Heldentaten veröffentlichen wollte, was könnte man da Bücher und abermals Bücher schreiben. Aber der Herr Reichspräsident hat es nicht nötig, mit solchen Mitteln in den Wahlkampf einzugreifen. Für ihn war es eine Selbstverständlichkeit, daß er dem deutschen Volke diente. Er betrachtet sich selbst als obersten Diener der deutschen Republik. Kein anderer Rame hat im In- und Auslande so viel Geltung, wie der des Herrn Reichs* SSW 253 Quf ^n, bje5 nan8; ’S^annt^ »le ■c ^troff^^kkn W ÄQt, Qud) n tonnten e 2er z'Der Land, 'Wägung too«5^.Ä »! hast Eebr..Ä erdingz fließend di»s n'Q$cn ffS'fe t;C"' ’ "°"h parteipolitisch^ berun9 °us Doorn. 6|e üchetzindenburgs Dahlgang. •) Wie die DWQ • W nunmehr fest dost chastswohlgang keine des Retchspräsj, e Reichsregierung be, untubertragung ^°Dr. Brünings !n Schwierigkeiten nun. igsbildung lg-Etrelih. H ) Die Fraktionen der olksparteiund der ;en Deutschen Ar. Fraktionen der DNDP. ihren Vorsitzenden Abg. ' ime/she/m ift f/eute die RegierungsölV, iitz oo^oyn wton. schließen sich zu einer i Interesse des vom nben Staates zusammen. Michael wird in seinem |t- o t h tritt als Staatsrat einer vereinbarten, die gewährleistenden @e- glied der nationalsozia. ichael ist deutschnational. andverls- kammeckg. Anwesenheit von Der- latsregierung sowie zahl- n die Aertreterversamm. ierf5= und Gewerbekom. r Begrüßung durch den undene Preise und Um. (er (Sonn) das Thema nie im Äft • ftn’ eine EntschließunS ,a. heißt: Bit 8«|aW jche Wandlung der deut- ihrem Verhältnis M sie erinnert d'- W > Aerontwortung, die sie hon werk gegenüber SässsS ää lgenossenschastslal! ntienerjnntiN in der ""/^halle n ^Schnelligkeit ausdehn le -baud- au- über, ^"^Lchuerwehr ichener heran- s rieligeu o gcuer5 >"p'^? da der Sau» vSit!t f&Ssts fA'i S 4 ebit^ Än in t der «om°b'l« l und Au brann i Um Mschneldel' । m>s Jeö.1 (.4 1 D*Dl jen MiHersol ien zu müssen, von ** Der Gießener Kreisausschuß warnt die Landwirte vor überteuertem Fleisch nr ehlbezug. Vom Kreisamt Gießen wird uns folgender, gestern vom Kreisausschuß heute versucht. Deutschland und Italien für den Verlauf der Verhandlungen verantwortlich zu machen und sie durch Vorwegnahme der Schuldfroge zum Sünbcnbock zu stempeln. Der in London weilende Auhenpoli- tiker des „Petit Parisien" glaubt einen vö11i - g der Konferenz feststel- dem er behauptet, daß er a u f Aus Der prvvmzialbouptstavc Gießen, den 8. April 1932. Schwimmendes Gold Die Selbsterhaltung unseres Volkes ist im weitesten Maße abhängig von der möglichst restlosen Er- fassung unserer heimischen Bodenschätze und der Förderung der heimischen Produktion. Handeln wir in diesem Sinne richtig, z. B. auf dem Gebiete der Ernährung? Leider nein, denn wie aus einer vor kurzem vom Reichsgesundheitsamt herousgegebenen Denkschrift hervorgeht, wanderten im Jahre 1930 nicht weniger als drei Milliarden Reichsmark zur Beschaffung von Lebensmitteln ins Ausland! Da drängt sich einem unwillkürlich die Frage auf: Ist es wirklich nötig, daß wir weiter wie im Jahre 1930 für ausländisches Obst und Südfrüchte 448 Millionen, für den Bezug von Kaffee, Tee und Kakao 388 Millionen und für ausländische Fischwaren 110 Millionen Mark ausgeben? Es mag dahingeltellt bleiben, ob wir zur ge- sundheitsgemähen Ernährung Kaffee, Kakao und Südfrüchte, die nur im Ausland gedeihen, in solchem oder ähnlichem Umfange benötigen. Raubbau an unserem Volksvermögen stellt aber die Einfuhr ausländischer Fische und Fischwaren dar. Als Land an den Meeresküsten haben wir selbst die Möglichkeit, jede für eine gesunde Ernährung genügende Menge von Seefischen zu ernten und Fischindustrieerzeugnisse her^ustellen. Wir haben in Deutschland eine genügend große und moderne Hochsee- und Küstenfischerei, aber sie ist aus Absatzschwierigkeiten zeitweise sogar gezwungen, einen Teil ihrer Flotte aufzulegen und damit auch Tausende von Arbeitern brotlos zu machen! Auch eine leistungsfähige Fischindustrie besitzen wir. Hier ist vielleicht einmal wirklich ein Blick aufs Ausland, und namentlich auf England, am Platze. Während der Fleischverzehr in England und Deutschland beinahe gleich hoch ist und 103 resp. 102 Pfund pro Kopf und Jahr beträgt, verzehrt der Engländer im Kopf- und Jahresdurchschnitt 50 Pfund Fisch, der Deutsche aber nur 17 Pfund! Deutsche Hausfrau, du hast rechnen gelernt, du hast in dieser schweren Rotzeit mehr als rechnen müssen: Wenn von jedem Deutschen nur ein Pfund Seefisch pro Monat mehr als bisher verzehrt und dafür z. D. an Kassee, Kakao, Südfrüchten oder sonstigen Aus- landwaren im Gegenwert von 50 bis 60 Pfennig weniger eingeführt würde, so blieben 360 bis 420 Millionen Mark im Lande, so hätten so und so viele Tausende wieder Deschäftigung und so könnte auch der Staat die Steuern vielleicht um so und soviel senken! Was aber ist denn schon ein Mehr von ein Psund Seefisch für 30 Tage? Gewiß könnten es leicht zwei bis drei Pfund im Monat werden und damit würde, unter Vermeidung der entsprechenden Einfuhr, ein Milliar- den-Kapital der Heimat erhalten bleiben. Kein Erfolg auf der Londoner Konferenz Am Widerstand der Franzosen gescheitert. — Fortsetzung in Genf. die Einstellung Deutschlands und Italiens zurückzuführen sei. Die feste Haltung von Bülow und G r a n d i hat sichtlich seinen Aerger erregt. Der Außenpolitiker des „Echo de Paris" schreibt, Paris, London, Berlin und Rom seien unfähig, sich über d i e geringsten Fragen zu verständigen. Die deutsche Hilfsbereitschaft gegenüber den Donauländern sei eine gute pangermanistische Propaganda. Er droht den Dvnaustaaten, daß sie jetzt keine finanzielle Hilfe erhalten würden. Oie Auffassung in England. London. 8. April. (WTB. Funkspruch.) .Times" stellt fest, daß in der Hauptfrage, ob die vier Mächte an der geplanten Konferenz der fünf Donaustaaten teilnehmen sollen oder nicht, Macdvnald im Interesse des Zustandekommens eines Einvernehmens bereit war. in die von Italien und Deutschland befürwortete Abhaltung einer Reun- mächtekonferenz e i n z u w i l l i g en, daß aber die franzosischeDelegationes war, die ihre Zustimmung verweigerte. Das Organ der Arbeiteropposition, „Daily Hera l d" wirft Macdvnald vor, er habe durch Einberufung der Konferenz eine aussichtslose Arbeit unternommen. Denn er habe versucht, Deutschland und Italien dazu zu überreden, den fran- zösischen Plan trotz seiner wirtschaftlichen Wertlosigkeit und seiner politischen Hintergedanken anzunehmen. „Financial Rews" führt aus:-in halbamtlichen Kreisen wird offen zugegeben, daß die Art und Weise, in der Frankreich den Anschein erweckt hat, als ob England vollkommen hinter seinen Dorsch la- gen stehe eine Quelle des Mißvergnügens und der Verlegenheit der britischen Minister gewesen ist, die viel Verständnis sowohl für den italienischen als auch für den deutschen Standpunkt Ijaben. des Kreises Gießen gefaßter Beschluß zur Deröffent- lidnmg mitgeteut: Der Kreisausschuß nimmt mit Erstaunen davon Kenntnis, daß von dem in der Kreisabdeckerci des Kreises Gießen in Garbenteich anfallenden Flcijchmcbi Mengen an eine auswärtige Fabrik verkauft werden und daß diese Fabrik mit Unterstützung eines Tierarztes aus Obcrhessen ihre Produkte zu einem fast dreifach höheren Preis an« bietet. Der Kreisausschuß stellt fest daß, während hier 21 Reichsmark für den Zentner Fleisch- mehl gefordert werden, die Krcisabdcckerei Garben« teich als Lieferant nur 8 Reichsmark für den Zentner fordert. Der Kreisausschuß empfiehlt den Landwirten, die Preiserhöhung durch Zwischenhandel und Provision zu vermeiden und den Bedarf der Landwirtschaft zu einem wesentlich billigeren Preis von der Kreisabdeckerei Garbenteich zu decken. ” Das erste Gewitter in diefetn Jahre ging gestern nachmittag Über unsere Stadt unö weiten Teilen der Provinz Obcrhcsjen nieder. Es brachte ansehnliche Niederschläae, die der Feldflur und den Gärten nützlich gewesen sind- 'Auch im Verlaufe der letzten Nacht wie gestern den ganzen Tag über, fielen ansehnliche Regenmengen, die zur Folge hatten, daß die Wieselt heute früh ziemlich viel Wasser mit sich führt. Aus verschiedenen Gegenden der Provinz liegen ebenfalls Meldungen über Gewitter vor. wobei von ansehnlichen Rcgcnsällen und teilweisem Schneegestöber berichtet wird. Don Schäden durch das Gewitter ist bisher nichts bekanntgewordcn. •• Volksrechtpartei und Sparerbund. In der Mitgliederversammlung, die — wie man uns berichtet — vor einigen Tagen statt- sand, gedachte der Vorsitzende Herr Reiber, des 117. Geburtstages des Altreichskanzlers Bismarck, wobei er den Lebenslauf dieses großen Deutschen und sein überragendes Werk schilderte. Mit seinem 71 amen sei auch der Sinn für das Recht verknüpft, den man im deutschen Volke durch die Inflation zerstört habe, aus der neben der Kriegsschuld- und Entschuldungslüge die toirt- schastliche und politische Verknechtung herrühre. Dies nicht nur wieder gutzumachen, sondern auch zu sühnen, sei die Ausgabe der Wiederherstellung von Recht und Gerechtigkeit als Eckpfeiler des stolzen Staates, den Fürst Bismarck geschmiedet habe. Anschließend wurden Lichtbilder über ..Fürst Bismarck und seine Zeit" gezeigt. Darauf sprach Bankbeamter Lorenz über oie bevorstehende Reichspräsidentenwahl. Obwohl die Belange der Inslationsgeschädigten während der 7jährigen Reichspräsidentschast Hindenburgs von den maßgebenden Regierungsstellen nur in geringem Maße, im Vergleich zu anderen Volksschichten, berücksichtigt worden wären, könne doch keineswegs die Schuld Hindenburg zugeschoben werden. Entscheidend sei doch in allen wichtigen Fragen die Mehrheit des Parlaments, aus da« sich die Regierung stütze. Es sei heute mehr denn je notwendig, daß sowohl die Alt» wie auch die Reusparer sich in der Dolksrechtbewegung zusammenfänden. Die Entscheidung im Kampse gegen das parlamentarisch-demokratische System liege nicht bei der Reichspräsidentenwahl. sondern bei den Parlamentswahlen, besonders jetzt bei den Landtagswahlen in Preußen, Württemberg und Bayern, denen sich hossentlich bald auch Reichstagswahlen und Landtagswahlen in anderen deutschen Ländern, so auch in Hessen, an- schliehen werden. Bei der Reichspräsibentenwahl müsse man den Sozialismus beider Schattierungen als Marxismus bekämpfen. Die sozialistischen Parteien feien bis jetzt immer nur in schönen Worten, aber noch niemals in der Tat für die Belange der Sparer und Inflationsgeschädigten eingetreten. Eine Anzahl Lichtbilder über Hindenburg ergänzten diesen Vortrag, der ebenfalls den DeifaÜ der Tkrfammlung fand. Das Schlußprotokoll. London, 7. April. (WTB.) Reuter meldet: Die Sitzung des aus den Delegationsführern der vier Mächte bestehenden Konferenzausschusfes wurde kurz nach 17 Uhr geschlossen, nachdem in ihr während des ganzen Tages das Donauproblem ein- gehend besprochen worden war. Als erste verließen Macdvnald und G r a n d i das Foreign Office, um gemeinsam im Wagen wegzufahren. Wesentlich später verließ von Bülow dos Gebäude und nach ihm als letzter F land in. Wie man erfährt, find die Arbeiten des Ausschusses beendet, und die Konferenz wird morgen um 10 Uhr eine Vollsitzung abhalten. Obgleich man bisher noch keine Information über die Ergebnisse der Sitzung erhalten konnte, so fährt Reuter fort, wird doch an- gedeutet, daß die Unterhaltungen heute nachmittag ebensowenig eine Uebereinstimmung zeigten wie die Morgensitzung. Das (Ergebnis der Verhandlungen des Viererausschusses wurde in einem Protokoll zusammengefaßt, das der Vollkonferenz am Freitagvormittag oorge- legt werden wird. Das Protokoll bringt zum Ausdruck, daß grundsätzlich finanzielle Hilfsmaßnahmen nur bann einen Zweck hätten, wenn gleichzeitig dafür gesorgt werde, daß die unterstützten Staaten wirtschaftlich auf eigene Füße gestellt würden, damit sie in Zukunft aus eigener Krack ihren Verpflichtungen nachkommen könnten. Unter dem Eindruck der Ausführungen des Staatssekretärs von Bülow wird darauf hingewiesen, daß die wirtschaftlichen Beziehungen der Großmächte zu den Donaustaaten vonceinander wesentlich abweichen. Es wird zugegeben, daß Deutschland und Italien an dem Handel mit den Donaustaaten mehr interessiert inb, als Frankreich unb England und daß die E r- ) a 11 u n g des italienischen unb beut» chen Aussuhrmarktes für bie Donaustaaten von Wichtigkeit ist. Ein besonderer Abschnitt befasck sich mit der Meistbegünstigung, wobei darauf hingewiesen wird, daß hier auch besonderes und zeitweilige Erleichterungen erörtert worden sind, daß ober von zwei Staaten noch keine endgültige Zustimmung zu der Aufgabe des Meist- begünstigungsrechtes erfolgt ist, wöbet erwähnt wird, daß auch eine zeitweilige Aufgabe dieser Rechte für die Dauer der Krise unter Umständen von Wichtigkeit sein könnte. Das Protokoll schlage dann vor, daß die Vier- mächte-Konferenz als solche bestehen bleiben und zu weiteren späteren Sitzungen zusammentrc- ten soll. Der Gedanke von Parallelkonferen- f,en der vier Mächte und der Donau- taat en, wie er von italienischer Seite als Vermittlung vorgeschlagen wurde, wird in dem Protokoll abgelehnt und erklärt, daß vielleiät ein nochmaliger Zusammentritt der Diermächte- Konferenz notwendig sei, ehe die Donaumächte hinzugezogen werden könnten. Die Möglichkeit einer Einbeziehung Bulgariens ist offengelassen. Die Konferenz wird voraussichtlich schon Freitag mittag zu Ende gehen. EinVermittlungsversuchMcdonaldS am Widerspruch Tardieus gescheitert. Eine Neunmächtekonferenz abgclehnt. Paris, 8. April. (WTB. Funkspruch.) Die französische Presse meldet übereinstimmend, daß der englische Ministerpräsident Macdvnald gestern abend, um die Konserenz doch noch zu retten, einen Vermittlungsversuch unternommen habe, indem er den italienischen Antrag, die Viererkonferenz durch eine Konferenz der neun Mächte zu ersehen, vorgeschlagen habe. Der französische Finanzminister F l a n d i n habe Vorbehalte gemacht und erklärt, sich zunächst mit Tardieu in Verbindung sehen zu müssen. Um 20 Ähr habe sich Flandin ins Unterhaus begeben, um Macdvnald die Antwort des französischen Ministerpräsidenten zu überbringen. Sie laute: „Die Reuner- Konserenz würde die Schwierigkeiten, aus die die Viererkonferenz gestoßen sei, nicht beheben können und sie höchstens noch vergrößern. Man brauche sich nicht aus ein Verfahren einzulassen, das der Souveränität und Unabhängigkeit der Donaustaaten Abbruch tun würde." — „Echo de Paris" berichtet weiter, daß bei dieser Despre- chung Macdvnald-Flandin auch der Wortlaut der Entschließung, in der die Vertagung der Konferenz begründet werden soll, festgelegt worden sei. Die Entschließung werde erklären, daß die Viererkonferenz nicht in der Lage sei, ihre Arbeiten fort zu seh en, weil idie Abrüstungskonferenz am 11. April wieder anhebe. Paris ist mißvergnügt. Deutschland und Italien sollen Schuld haben Poris, 8. April. (ERD. Funkspruch, eigene Meldung., Sämtliche Sonderberichterstatter der Pariser Blätter zeigen bei ihren '2Bctra$tungcn über die Londoner Beratungen, daß sie nicht tn der Lage sind, sich bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Probleme, die in London zur Diskussion standen, frei von politischer Leide n s ch a f t zu halten. Wie gestern wird auch Die Werbung für vermehrten Seefischgenuß, wie sie mit staatlicher Unterstützung der ..Reichs- seefischauslchuß' erfolgreich seit einigen Iahrcn betreibt, ist daher keineswegs eine Reklame für einen bestimmten ErwerbSzweig. sondern vielmehr eine nationale Rotwendigkeit, der sich niemand verschließen sollte. Durch den gesteigerten Seesischverkehr werden wir aber nicht nur ein wenig dem Geldmangel und der Arbeitslosigkeit in Deutschland steuern helfen, sondern einen wertvollen Dienst auch unserer Volksgesundheit erweisen. Sind doch Seefische, d. h. Echellsisch. Kabeljau, Hering, Bücking, Flunder, Sprotte u. v. a. Rahrungsmittel. die zugleich nahrhaft, gut unb billig sind. Der Seefisch ist reich an vollwertigem Eiweiß, an Vitaminen und an Salzen. Er ist auch für Kinder und Kranke leicht verdaulich, gestattet eine abwechslungsreiche und schmackhafte Form der Darreichung unb hinterläßt, besonders mit entsprechender Zukost, dasselbe Sättigungs- gesühl. wie z. B. Rindfleisch. Für gewisse Gegenden Deutschlands, in denen der Kropf heimisch ist. erweist sich für dessen Dekärnpsung ber regelmäßige Seefischgenuß gleichfalls als sehr wertvoll. Qkrmoge des nicht unerheblichen Iobgehalts bet Seefische stellen biese nämlich, wie wissenschaftliche Untersuchungen besonbers in Rorwegen gezeigt haben, gerabezu ein vorbeugenbe« Heilmittel dar. So zeigt also dieses eine Beispiel wieder einmal: Das Geld liegt aus der Straße, das Gold schwimmt im Meere, und wir brauchen nur zuzugreisen, um es uns allen nutzbar zu machen. CRofe Stimmscheine. Dom Kreisamt Gießen wird uns mitgeteilt: Um Zweifelsfragen vorzubeugen, machen wir darauf aufmerksam, daß für den zweiten Wahl gang zur Reichspräsidentenwahl die Stimmscheine in roter Farbe ausgestellt werden. Die rote Farbe der Stimmscheine ist unbedingt vorgeschrieben. Stimmberechtigte, die von einer Bürgermeisterei einen beantragten Stimmschein auf weißem Papier erhalten, können zur Abstimmung nicht zu gelassen werden. Es liegt daher int Interesse jedes einzelnen, darauf zu achten, daß ihm für den zweiten Wahlgang jur Reichspräsidentenwahl ein Stimmschein in roter Farbe ausgehändigt wird. Eine Warnung für Sirahenschmierer. Die Stadtverwaltung warnt nochmals davor, Straßen Plätze und öffentliche Gebäude aus Anlaß des am 10. April ftatt- findenden zweiten Wohlganges der Reichspräsidentenwahl mit Aufschriften zu versehen. Die Stadtverwaltung wird in jedem Falle der Richtbeachtung dieser Warnung gegen ermittelte Täter Strafantrag stellen und darauf hinwirken, daß strengste Bestrafung eintritt. Durch die Beseitigung der Aufschriften entstehen der Allgemeinheit Kosten, die unbedingt vermieden werden müssen. Die Stadtverwaltung wird neben der Bestrafung auch die Einziehung der entstehenden Kosten für bie Entfernung der Aufschriften betreiben. Daten für Samstag, 9. April. Sonnenaufgang 5.45 Uhr, Sonnenuntergang 19.10 Uhr. — Mondaufgang 6.31 Uhr, Monb- untevgang 23.23 Uhr. 1848: Helene Lange, Führerin der deutschen Frauen-Dewegung, in Oldenburg geboren. — 1886: der Dichter Viktor v. Scheffel in Karlsruhe gestorben. — 1925: der Derlagsbuchhändler Fritz Baedeker in Leipzig gestorben. Bornotizen. — Tageskalender für Freitag. Stadttheater: „Liebelei". 19.45 bis gegen 22.30 Uhr. — Oberhessischer Kunstverein: Turmhaus um Brandplatz. 15 bis 17 Uhr, Tischbein-Ausstellung. — Eiserne Front: 20.30 Uhr, Cafe Leib. Versammlung; Redner Staatspräsident Dr. Adelung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Wer nimmt die Liebe ernst ...?"; 22.45 Uhr: „Gefahren der Liebe". — Astoria-Licht> spiele, Seltersweg: „Giftgas" und „Launen einer schönen Frau." — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, Freitag, in neuer Inszenierung Arthur Schnitzlers Schauspiel „Liebelei", als würdige Gedächtnisfeier für den verstorbenen Dichter. Die Aufführung steht unter der Spielleitung von Karl H e h s e r. Mitwir- kende Damen: Berger, Walther-Lederer, Wielander; Herren: Geiger, Hauer. Ianscheck, Schelcher. Vorher Stefan Zweigs Spiel aus dem deutschen Rokoko „Der verwandelte Komödiant". Spielleitung Wolfgang KHi h n e. Mitwirkenbe Damen: Koch, Sachse: Herren: Druck, Heyser, Michel. Die Vorstellung gilt als 25. Vorstellung im Freitag-Abonnement. Beginn 19.45 Uhr, Ende gegen 22.30 Uhr. — Sonntag, 10. April, „Morgen gehts uns gut“, die erfolgreiche Schlageroperette als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Operettenpreisen. Spieldauer von 18.30 bis nach 21 Uhr. — Die „Eiserne Front" veranstaltet heute, 20.30 Uhr. im Caf6 Leib eine öffentliche Versomm- lung, in der Staatspräsident Dr. Adelung über das Thema „Hitler oder Hindenburg?" sprechen wird. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. Wettervoraussage. Die kräftige Störung im Norden hat sich über ganz Deutschland ausgewirkt und auch in unserem Bezirk recht ergiebige Niederschläge gebracht, die im Laufe des gestrigen Tages von Gewitterstörungen begleitet waren. Der Kern verlagert sich zwar mehr östlich, aber immer noch kommt der Einfluß der Rückseite zur Geltung. Durch die Zufuhr tühler ozeanischer Luftmassen bleibt das unbeständige Aprilwetter fortbestehen. Bei rasch wechselnder Be« wölkung werden öfters noch Schauer austreten, die teils als Schnee niedergehen. Die Temperaturen bewegen sich dabei in ziemlich niedrigen Grenzen und dürften den Gefrierpunkt erreichen. Aussichten für Samstag: Weiterhin un- beständiges Aprilwetter, wechselnd bewölkt mit vorübergehender Aufheiterung, verhältnismäßig kühl, noch Schauer. Aussichten für Sonntag: Etwas ruhigeres, aber noch kein beständiges Wetter. Lufttemperaturen am 7. April: mittags 6 Grad Celsius, abends 3,3 Grad; am 8. April: morgens 3,6 Grad. Maximum 9,3 Grad, Minimum 1,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 7. April: abends 6,5 Grad; am 8. April: morgens 4,2 Grad Celsius. — Niederschläge 15,8 mm. — Sonnenschein- dauer 1J4 Stunden. (Schluß des redaklionellen Teils.) Trinkt Fachlnger. 1817 schrieb Goethe an seine Schwiegertochter Ottilie: ..... bie nächsten vier Wochen sollen Wunder leisten- Hiezu wünsche aber mit Fachinger Wasser unb weisem Wein vorzüglich begünstigt zu werben, baß eine zu Besrehung des Geistes, bas anbere zu besten Anregung...“ W- v. Goethe. Auch heute heißt bie Parole des Tages noch: „Fachingen befreit ben Geist!" 220V ciaiiwir tui/D ..x...... .. ----------------------- für 3s Pfg- Zigaretten vorgesehen war. Wir fragen aber Weshalb sollen wir nicht anständige Ware billig liefern, < " wenn uns dies durch günstigeTabak-Einkäufe möglich ist? 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Die trauernden Hinterbliebenen: Hans Spaar Sophie Storch Ww. Trais-Münzenberg, den 7. April 1932. Die Beerdigung findet am 9. April, nachmittags 3 Uhr statt. Altersvereinigung 1874 -1924 Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieben Alters- kameraden Gustav Hartbrod geziemend in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung hat in der Stille stattgefunden. Der Vorstand. _________________________________________________________________________2/•>! D Ntagbeefreti ie-Verkayf und Abschnitte Preis, den es noch m Echeurer k/geb.Mjuzer haffenburg '®Wnfe 6 % uch die, welche schon zeichnet sind - »(I.Reste- Preises! den Preisen erwerben: 2738 A Rest Meter 0. Rest Me er 5° «■ Rest 'r '25 u. 0.75 RestM.66 1MU.1-" Restl'!e 50 u.t' RestMee 75u.1.15 RestM.6 ! 200 u'1,25 R®stM6 250 0.1-5° ReSt3' u'2'~ ReStM,6 A 3-U'2' A , RestMeterJ- o.70 Rest Me 0; ^U o.9O MI Samstag, denS. 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Der Förster in der Schorfheide: Die Schorfheide am Werbellinsee. Auf diesem idyllischen Flecken Erde, der kaum eine Stunde von der Reichshauptstadt entfernt ist, liegt das Jagdgebiet der großen Politik- Ministerpräsidenten und Minister sind hier die Herren. Auf der Wanderung am Werbellinsee entlang kommt man an ein einsames Blpckhaus, im Schweizer Stil gebaut. Rund herum ist ein Rasenplatz, und dann beginnt der Wald. Auf einer kleinen Treppe erscheint ein bärtiger Mann im grünen Rock, ein wenig verschlossen, aber mit guten treuen Augen. Es ist ö e r F ö r st c r, der Hindenburg auf seinen Jagden begleitet. Der Förster führt mich zum See herunter. „Dies ist die Lieblkngslindc des Reichspräsidenten. Hier liegt er, wenn die Arbeitsstunden und die Jagd beendet sind, oft ein paar Stunden im Grase und schaut der Abenddämme- rung zu." Und nach einer Pause fügt er hinzu: „Wenn ich dann in seiner Nähe sein darf, dann erlebe ich etwas, was das deutsche Volk sonst wohl nicht sieht: die erhabene Ruhe und Verschlossenheit des Gesichtes verschwindet, und es tritt an seine Stelle ein Ausdruck tiefen E r n st e s. Erst ganz allmählich kehrt in der Natur, mit der finkenden Sonne, die Ruhe und Abgeklärtheit in dos Gesicht Hindenburgs zurück." Dann führt der brave Förster mich in das Innere des Vlockhauscs- „Fremde Besucher haben gesagt, das; kein anderes Staatsoberhaupt der Welt so lebt, wie der Herr Reichspräsident. Lind lachend hot Hindenburg erwidert: Er fühle sich nicht als ein bevorzugtes Staatsoberhaupt, sondern als ein einfacher Soldat, als einer aus der groben Kameradschaftsfront, und ein schlichtes Feldbett sei gerade gut genug für ihn." Wir sehen das Arbeitszimmer im Blockhaus. Es ist eine bunt bemalte Bauernstube, der winzige Schreibtisch, der einfache, unbequeme Sessel, die alte Bauerntruhe, 'm der wichtigste Staatsakten schlummern, — alles ist mit bunten Blumen bemalt „Wenn Hindenburg hier ist", sagt der alte Förster, „dann müssen überall Blumen sein. Wir brauchen uns nicht darum zu sorgen, denn jeden Tag kommen aus allen Teilen des Volkes Blumengrüße für den Reichspräsidenten — wunderbare Sträuße und Körbe, ober auch bescheidene, billige Blümchen, Di6 irgendeiner, der nicht über große Geldmittel verfügt, dem Herrn Reichspräsidenten schickt. Lind über diese Blumengrüße, die so richtig zeigen, wie das Bild Hindenburgs imHerzen des Volks lebt, freut sich der alte Herr so, daß ihm oft die Tränen in den Augen stehen." Der Förster zeigt auf den Schreibtisch. „Hier sitzt der Herr Reichspräsident oft, er kennt keine Ferien. jlnD dennoch liebt er dieses Haus am Werbellinsee. Er sagte einmal zu mir: In diesen vier Wänden kann ich, wenigstens über dos Wochenende, so leben, wie ich es mir mein ganzes Leben lang geträumt habe. Leider wird das bald ganz aufhören, denn die Telegramme und Staatsakten verfolgen mich immer mehr auch über das Wochenende in diesen Zufluchtsort. Mein Leben aber gehört der Arbeit — ich brauche keine Ferien!" Ich bewundere einen wunderschönen Kronleuchter, der in der Diele des Blockhauses hängt. Er ist vollständig aus Geweihen her- gestellt. „Hindenburg hat diesen Kronleuchter stets mit sich gesührt, schon seit dem Weltkrieg. Er ist ihm nach Tannenberg von einer ost- preußischen Förstcrfamilie geschenkt worden Mit diesem Förster korrespondiert der Reichspräsident heute noch, ebenso mit zahlreichen Kriegsinvaliden, und so behält er auch schriftlich den Zusammenhang mit dem Volke Es ist stets ein großes Glück für mich, wenn der Herr Reichspräsident hier draußen seine paar freien Stunden verbringt, und ich ganz allein mit ihm aus Pirsch gehen kann." Der Znspettor aus Gut Aeudeü: Von dem guten Neudeck, dem Familiengut des Reichspräsidenten, ist gerade ein Inspektor in Berlin, der den Reichspräsidenten von einer Seite kennt, die uns allen unbekannt sein dürfte: Hindenburg als Gutsherr. Mit leuchtenden Augen erzählt er von dem Menschen Hindenburg. „Der 84jährige geht durch unser Dorf, kehrt beinahe in jedem Haus ein und erkundigt sich nach dem Schicksal der Dorfbewohner, von denen er beinahe jeden seit Jugend kennt und mit vielen gut Freundschaft hält. Wir sind so glücklich, daß er so oft gerade hier, mit uns einfachen Landleuten über Politik und über feine Sorge für das Staatswohl spricht. Der Dorfschulze sagte neulich zu ihm: „...' aber mit den Reparationen, da muß nun richtig Schluß gemacht werden". Hindenburg antwortete: „So einfach, wie Du Dir das vorstellst, ist das ja nun nicht. Aber ich werde den Ministern in Berlin jedenfalls sogen, wie Du darüber denkst." Hindenburg kann es nicht vertragen, wenn man ihn neugierig anstarrt. An einem Morgen geht er, Gewehr an der Seite und Feldstecher über der Brust, mit mir auf Jagd. Ein paar Amerikaner, die extra noch Neudeck gereist sind, stehen am Wege und gaffen uns an. „Was die sonderbaren Leute nur wollen! Als ob wir nicht ebenso zwei Beine und einen Kopf hätten wie sie. Als die Amerikaner weitergaffen, geht Hindenburg plötzlich lächelnd auf sie zu, eine Zigarette in der Hand und bittet um Feuer. „Oh", sagt einer der Amerikaner, „es ist der traurigste Augenblick meines Lebens. Ich habe kein Feuer bei mir." Hindenburg bittet: „Ach, dann holen Sie mir doch bitte ein Streichholz dort drüben aus dem Wirtshaus." Llnd während die Amerikaner eifrig davonstürzen, eilt der Reichspräsident mit mir im Sturmschritt weiter — und d t e Amerikaner sind w i r los. Wenn Hindenburg hier bei uns in Neudeck ist, dann hat er immer einen Haufen Kintz e r u m s i ch. Selbst wenn er am Nachmittag ein halbes Stündchen im Sessel sitzt, will er die Kinder nicht missen. Sie hocken dann um seinen Sessel herum, sitzen auf seinen Knien, die Enlel- kinder und ein paar Spielgefährten aus dem Dorf, mit denen sie innig befreundet sind. „Ohne Kinder wäre ich ein alter Mann“, sagte Hindenburg vor kurzem einmal im Freundeskreis." Oer Kammerdiener im präsidenienpalais: Auch in Berlin genießen einige wenige den Vorzug, unmittelbar in der Nähe Hindenburgs leben zu dürfen. Der Berichterstatter spricht mit Brunnen der Tiefe. Von Ernst Wiechert. Ich war hinausgegangen auf die Felder v or meiner Stadt. Zuweilen brauche ich ein wenig Erde an meinen Schuhen statt des Staubes der Straßen. Das Licht erlosch im westlichen Raum. Die letzte Meise verflog sich im Tannenwald, die letzte Wolke glitt feierlich hinter den Erdenrand. Ich stand am kühlen Stamm einer Birke und wartete auf den ersten Stern, um heimzukehren mit der Tröstung seines Lichts. Llnd als ich wartete, geschah es, daß das Bibelwort sich erfüllte: „Llnd die Brunnen der Liefe brachen auf“. Als ich ein Kind war, erschauerte ich unter diesem Wort. Ich verstand es nicht. Aber es war mir, als sähe ich die Hände Gottes einen grauen Stein vom Eingang einer Höhle heben und nun breche das Schlafende heraus: Ströme des Segens und der Gnade, die die verlassenen Betten des Paradieses füllten. Nichts dergleichen geschah. Nichts als ein leise rieselnder Laut erfüllte das Schweigen der Stunde, vernehmlicher werdend, je tiefer der Tag sich begrub. Eine leise strömende Melodie, sich hebend und senkend Über einem Grundton, sich eilend und wieder verzögernd, ein stilles Lebendigsein, das unbekümmert und tapfer durch das erstarrte Schweigen ging. Ich näherte mich ihm, als sei es ein Mensch oder einer der Unterirdischen, die im Feierabend heimlich vor ihrer welle schafften Aber was ich sah, war nichts als ein kleines Wasser, das in hellen Fäden aus einem braunen, toten Abhang riefelte. Es war nicht die Mündung einer Ader oder ein eingegrabener Regen- gang. Es war eine braune Wand mit totem Gras, und mitten aus der Wand brach das Leben leise rieselnd heraus, in Tropfen, in Fäden, in kindlichen Strömen, floh zusammen durch zerbröckelnde Erde, brach sich langsam und geduldig durch kleine Mauern und Dämme, erreichte die Ebene, die Wurzeln der Dirken, Moos und Geflecht, und Dcrricfelte im welken Laub. Nichts anderes geschah. Kein Kranichheer zog rauschend und stolz über mich dahin. Der Schrei der Wildgans war noch fern über freundlicherer Erde. Keine Anemone blühte aus kaltem Grund, und in den Höhlen der Erde schlief das Getier noch den winterlichen Schlaf. Aber ich stand vor der Ewigkeit der. Welt. Ich hatte nicht an einen Felsen geschlagen. Aber das Wunder Mose lag vor mir. Aus der Erstarrung des Todes brach das Leben. Die Schöpfungsgeschichte begann. Da war keine Großartigkeit des ersten Schauplatzes, kein Chaos von Land und Meer. Da war nichts als ein paar Birken über einem Abhang, toter Zweige Geflecht und ein erster mühsamer Stern über verdunkelter Welt. Aber der Geist Gottes schwebte über den Wassern, über dem Fall der spärlichen Tropfen, in denen die Erde sich löste und auferstand. Ich fing die Tropfen auf meiner Hand. Demütig, als komme es mir nicht zu. Ich ließ sie sich sammeln über meiner warmen Haut, und dann neigte ich meine Lippen über sie. Das Wasser war kühl und bitter und der Geruch der Wurzeln lebte noch in ihm, die tief unter der Erde sich in feine Feuchte getaucht hatten. Aber es war das Wasser der Auferstehung. Irgendwo im Dunkeln hatte Gottes Hand leise an den Stein des Grabes gerührt. Und die Brunnen der Tiefe waren aufgebrochen und tränkten mich. Der Wald schwieg und Die Erde schwieg. Aber ich wußte, daß die Schöpfung-wieder begann, daß die Verheißung noch bestand: „Solange die Erde steht, soll nicht aushören Samen und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht." Cs verwandelte mich, und in einer Verwandlung ging ich heim. Ich lauschte zurück, und noch immer riefelte es leise durch die einsame Welt. „Sieh, wie still das Große ist“, dachte ich auf meinem Weg. „Zeugenlos und ganz für sich allein. Es wird erweckt und wandert. Nichts weiter, aber alle Gröhe der Welt liegt Darin beschlossen: erweckt zu werden und zu wandern. Wo ist die Hand, die es geschrieben hat. „Und die Brunnen der Tiefe brachen auf?“ Seine Augen mögen aufgeleuchtet haben über dem Glück dieses schönen Bildes und sind lange erloschen und vermodert, wie alles was von ihm lebendig über die Erde ging. Aber dieses sein Wort ist einig geblieben, unverlierbar und nie erblindend und ewig geblieben ist der Sinn seines Wortes." Und es ist ja auch so. dah in dieser Nacht an jener einzigen Stelle der Welt das Wunder der aufbrechenden Tiefe geschah. Daß nur aus jenem braunen Abhang das Wasser des Lebens in die schöpfenden Hände rann. Es ist ja so, daß alle Welt in unsrer Seele still beschlossen liegt: Die Schöpfung und die Erweckung, Die Kreuzigung und Die Grablegung, die Auferstehung und die Herrlichkeit. Und wenn es eines so Geringen bedarf wie dieses Abendganges zu Den Brunnen Der Tiefe, wie vertraut muh das Göttliche in uns sein, wie wenig fremd und geschieden, so gar nicht wie ein König, der zu Den Bettlern kommt, sondern wie ein Kind, das beschlossen liegt in seiner Mutter Leib, bis es auf- Dem Kammerdiener des Reichspräsidenten. „Nennen Sie bitte meinen Namen nicht, denn ebenso wie Der Herr Reichspräsident, wollen auch wir nicht hervortreten.“ Und Dann erzählt er: „Nicht nur, dah Der Herr Reichspräsident jeden Morgen um 6 oufsteht... Es geht so weit, daß er von niemandem geweckt wird, sondern von allein, ohne eine Uhr am Bett, jeden Morgen Punkt 6 aussteht und um 6.30 auf der Terrasse zum Morgenspaziergang fertig gerüstet ist. -- Seine Selbstbeherrschung ist für uns immer wieder das große Wunder. Vor kurzem überraschte er mich eines Morgens mit folgender Nachricht: „Gestern und vorgestern habe ich ein bißchen Fieder gehabt. Ich habe Euch aber nichts gesagt, denn sonst wäre das Lamentieren losgegangen und Ihr hättet mich womöglich von der Arbeit abgehalten.“ So ganz einfach ist es oft nicht, mit unserem verehrten und von uns allen so geliebten Herrn Reichspräsidenten Was kostet es z. B. für Kämpfe, ehe er sich einen neuen Anzug machen läßt: „Für die schlechten Zeiten ist das alte Jackett noch immer gut genug I ch bin ein Preuße — wir Preußen sind sparsam — nur keinen Luru s'' Und wenn ich ihm vorstellig mach», daß der schwarze Anzug nicht mehr gut genug wäre, um einen Botschafter zu empfangen, Dann schneidet er jede Diskussion kurz und bündig ab „Deutschland braucht seine Armut nicht zu verleugnen!" Gar nicht gern hat es der Herr Reichspräsident, wenn man ihm in Der Wilhelmstraße zuviel Besuch aufhalst. „Ich habe doch gar feine Zeit — ich muß doch arbeiten!“ Tatsächlich finden ja bei uns, abgesehen von zwei oder drei unumgänglichen Gelegenheiten, das ganze Jatzr über keine Diners statt. Einige Hobe ausländische Diplomaten waren zuerst Darüber ein wenig erstaunt, aber sie haben sich sofort beruhigt, als Hindenburg einigen von ihnen kürzlich einmal mit seiner ganzen persönlichen Liebenswürdigkeit sagte „Erzellenzen müssen mich schon entschuldigen: das deutsche Volk hat heute wirklich weder Zeit n 0 d) Geld, um mehr als Suppe. Fleisch und Nachsveise zu essen... Und davon werden Sie doch nicht satt." 9er Voranschlag des Kreises Gießen für 1932. Keine Erhöhung der Steuern. — Weitgehende Ersparnisse in allen Abteilungen des Etats. 'Der Kreistag des Kreises Gießen wird sich morgen nachmittag mit der Beratung und Beschlußfassung über den Haushaltsvoranschlag Der Kreis- verwaltung f ü r das Rechnungsjahr 1 9 3 2 beschäftigen. Bon der Gießener Kreisverwaltung, die als erste aller hessischen Kreisbehörden ihren Haushaltsplan herausbringt, erhalten wir zu Dem Voranschlag Die nachstehenden Darlegungen. D. Red. Der Voranschlag des Kreises Gießen für das Rj. 1932 wurde so frühzeitig in Angriff genommen, daß eS dem Kreisausschuß vor Beginn des Rechnungsjahres möglich war, Den Etat in feinen wesentlichsten Zügen zu verabschieden. Die Kreis- verwaltung lieh sich auch in diesem Jahre von der Auffassung leiten, daß die Öffentlichkeit, und im besonderen Die Steuerzahler, ein Anrecht Darauf haben, frühzeitig über Inhalt und Umfang des Kreishaushalts informiert zu werden. Diese Auffassung der Kreisverwaltung wurde von dem Kreisausschuß vollkommen geteilt, Der in ernster, pflichtbewußter Arbeit den Etat in seinen Einzelheiten in zahlreichen Sitzungen prüfte und Die erforderlichen Beschlüsse faßte. Eine frühe Verabschiedung des Voranschlages des Kreises Gießen liegt wiederum, wie im Vorjahr, auch im Interesse der Gemeinden des Kreises Gießen, die frühzeitig über den Umfang der freiwilligen Leistungen des Kreises im Interesse der Verabschiedung ihres Gemeindehaushaltsplans für das Rj. 1932 Bescheid wissen müssen. Außerdem entspricht die möglichst frühzeitige Ausstellung Der Voranschläge Der Gemeinden und Ge- meindeverbände einer Verfügung des Herrn Ministers des Innern, der großen Wert auf eine fristgemäße Vorlage Der einzelnen Etats legt. Der Voranschlag des Kreises Gießen enthält auch für 1932 keinerlei Steuererhebungen. Auch in diesem Jahre konnte dieses Ziel nur unter Einstellung verfügbarerMittel und durch äußerste Sparsamkeit erreicht werden. Alle irgendwie vermeidbaren Ausgaben wurden unterlassen. Die Personalkosten des Kreises wurden weiterhin sehr erheblich gesenkt. Gegenüber dem Vorjahr wurde im ganzen eine rund lOprozentige Ersparnis im Per- sonalaufwand durchgeseht. Bedauerlicherweise ist in den Ueberweisungen aus der Einkommen- und Körperschaftssteuer und Der Umsatzsteuer ein sehr erheblicher Ausfall in Rechnung zu stellen. Es ist mit mindestens 2 7 v. H. Kürzung der Kreisanteile aus Der E i n- kommen - u n D Körperfchastssteuer zu rechnen. Die Umsatz st euer bietet trotz der in Der Zwischenzeit ftattgcfunDencn Sieuererhöhung ebenfalls kein Mehrauskommen, vielmehr ist auch hier ein leichtes Qlbfinfcn des Steuerertrages zu erwarten. Der Ausfall aus Reichssteuerüberweisungen ist so erheblich (22 568 Mark), daß zur Vermeidung einer unerträglich erhöhten Inanspruchnahme versügbarer Restmittel Der Ausgleich auf andere Weise gesucht werden mußte. Der Kreisdirektor des Kreises Gießen hat dieser Erkenntnis schon mit Verfügung vom 15. Januar 1932 Rechnung getragen, in der aus Grund des § 2 Der Verordnung des Hessischen Gesamtministeriums zur Sicherung Der Haushalte von Gemeinden und Gemeindeverbänden und sonstigen Körperschaften des öffentlichen Rechts vom 25. September 1931 Die Bestimmungen des § 4 Der Kreissahung ausgehoben wurden, wonach Der Bezirksfürsorgeverband des Kreises Gießen seither unterschiedslos die Hälfte Der Kosten für Geisteskranke usw. übernommen hat. Der Kreis- ausschuh wird nunmehr von Fall zu Fall entscheiden, in welchem Verhältnis sich Der Kreis Gießen im Einzelfall an den Kosten für Geisteskranke usw. beteiligt. Diese Maßnahme individueller Fürsorge gründet sich auf die Finanzlage des Kreises und auf die durchaus verschiedenartige Finanzlage der eigentlichen Kostenträger des genannten Fürsvrgezweiges, Der Gemeinden. Cs ist in Der heutigen Zeit nicht angängig, daß eine kostspielige Kreisbeteiligung absolut einheitlich Durchgeführt wird, richtig ist vielmehr die Berücksichtigung Der örtlichen Verhältnisse, der besonderen Notlage der einzelnen Gemeinde und der Zwang, keine neuen Kreis- fteuem zu erheben. Die Möglichkeit zur Erhebung neuer Kreissteuern wäre trotz der Rcalffeuerfperre insoweit gegeben, als die Ausschlagsätze des Kreises Gießen an den Landesdurchschnitt der Hess. Kreissteuern noch nicht heranreichen. Ls soll aber mit Bewußtsein von einer solchen Lr- schließung neuer Einnahmen in dieser Notzeit abgesehen werden. Der Aufwand für Amtskosten wurde auf das Mindestmaß beschränkt. Die Leistungen Des Kreises für landwirtschaftliche Schulen, für die Gewerbeschule Gießen, für Die Alices chule Gießen und die D o lk s h o ch - schule bleiben unverändert. Der freiwillige Dei- steht aus der Tiefe des Blutes und uns anblickt: ein anderer und doch wir selbst. Und als ich heim- ging unter den wachsenden Sternen, ging ich wie Der Königssohn, Der das Wasser des Lebens in seinen Händen trug. In mein Dachzimmer werde ich treten, wo ich selbst am Schreibtisch sitze, müde und winterkrank und mir entgegensehe. Meine Hände werde ich unter seine Lippen heben und lächeln. „Tie Welt ist wieder neu“, werde ich sagen. „Die Brunnen der Tiefe öffnen sich. Die Erde steht auf, und hier ist das Wasser, Das unter Den Wurzeln war. Nun trinke, unD trinke es Dir zur Auferstehung!" Der Kampf des Fliegers mit dem Schlaf Der englische Flieger Mollison, Der in der Rekordzeit von weniger als fünf Tagen nach Kapstadt geflogen ist, hatte auf der Fahrt einen Unglücksfall bei einer Zwangslandung, die durch seine völlige Erschöpfung veranlaßt wurde und glücklicherweise noch gut ablief. Ader damit wird die Frage beleuchtet, die sich bei allen langen Rekordflügen einstellen muß: „Wie lange kann sich der Flieger in der Luft halten, ohne aus Mangel an Schlaf abzusturzen?" Zum Fliegen braucht man bekanntlich seine sämtlichen Sinneskräfte. und ein schwer ermüdeter Mensch ist dazu nicht geeignet. Der Kampf mit Dem Schlaf kann für den Helden der Luft furchtbar werden. „Ich machte einmal einen viertägigen Flug", erzählt ein Pilot in einem Londoner Blatt, „bei Dem ich kaum Drei StunDcn Schlaf hatte. Am vierten Morgen war Das ohrenzerreißenDe Hämmern Der Maschine für mich ein süßes WiegenlieD. Einen Augenblick schloß ick meine schweren AugenliDer. Die Maschine flog sicher und ruhig in einer Höhe von 900 Meter. Wieder schloß ich Die Augen. Da — ein furchtbares Zittern. Der Motor heulte. Ich war in meinem Hin- Dösen beruntcrgefaUen und Die Maschine steuerte geradezu auf einen Wald hin mit atemraubcnDer Schnelligkeit. Ich Dachte, Die Propeller roürDen zerbrechen. als ich Das Steuer emporriß, aber sie hielten aus. WährenD ich wähnte, meine Augen für eine SekunDe zu schließen, war ich im Schlummer über 400 Meter heruntergefallen. Wie viele unerklärliche Unglücksfälle mögen wohl Durch einen solchen Schlaf für wenige SekunDen heroorgerufen werden? Ein Fliegertag ist sehr ermüdend, fünf, sechs solcher Tage mit kurzen Ruhepausen lähmen Den ganzen Mrn- schen. Die Versuchung, sich Dem Schlaf hinzugeben, und Die Schwierigkeit, ihr zu wiDerstehen. ist außer- orDentlich groß. Ein so DahinDäsenDer Mensch kann sich vielleicht noch in Der Luft halten, aber alle Versuche einer Landung oDcr gar einer Zwangslandung bringen große Gefahr. Jedes Flugzeug, das zu Derartig langen Fahrten aussteigt, lallte mit zwei Piloten bemannt fein und eine Ausrüstung für das Senden und den Empfang drahtloser Rachrichten besitzen. Dann könnte die Maschine ununterbrochen Tag und Nacht fliegen, und Der eine Flieger könnte sich durch eine genügende Menge Schlaf erfrischen, um Dann Den anDercn abzulösen. Solange Der Flieger Dem furchtbaren Kampf mit Dem Schlaf ausgesetzt ist, beDeutet Dies eine Quelle ftänDiger Gefahr.“ Zeitschriften. — Fünf Millionen Stimmen sind am 13. März 1932 dem Kandidaten einer Partei zugefallen, die nach der Weisung Moskaus immer offener und ungehemmter ihre Volks- und staatsfeindliche Tätigkeit entfaltet. Zum Abstoßendsten und Verderblichsten der roten Massenpropaganda gehört die systematische Vergiftung der Kinderseele. Es ist deshalb besonders dankenswert, daß die Süddeutschen Monatsheste (München) ihr neuestes, illustriertes Sonderheft unter dem Titel „Rote Kindererziehung" diesem Problem widmen. Zum ersten Male werden vielen die Augen darüber aufgehen, wie weit Moskau seine Ziele in Deutschland schon verwirklicht hat. Wir erhalten einen umfassenden Einblick in die kommunistische Kinderpresse. — Auf die Gottlosen-Pro- paganda legt die rote Kindererziehung natürlich auch den größten Wert. Unzählig sind die Gedichte, Reime und Lieder, die sich gegen die Religion wenden. Eine ganze Reihe von Proben werden gebracht, und man erschrickt vor dem Zynismus und der Wildheit dieser auf die Kinderseele losgelassenen, zum Teil raffiniert und geschickt gemachten Wort- und Tongebilde. Wiederum wird allen, die es hören wollen, aus dieser grundlegenden Veröffentlichung bestätigt, daß wir in Deutschland den Bolschewismus bereits im Lande haben und daß er bereits seine Krallen nach dem höchsten und sichersten Zukunftsgut unseres deutschen Volkstums ausgestreckt hat, nach der Kinderseele. und daß unverzüglich und überall der Gegenkampf einfetzen muß gegen die rote Kindererziehung. Sochschulnachnchten. Professor Dr. I. Schacht von der Universität Freiburg i. B. wurde zum ordentlichen Professor Der semitischen Philologie an der Universität Königsberg ernennt. trag für Handwerkerschulen hat sich auf natürliche Weise um einige Hundert Mark verringert. Entsprechend dem Antrag der Verwaltung hat ein« Mehrheit des Kreisausschusses den Z u - schuh zum Gießener Stadttheater in Höhe von 3000 Mark wiederum bewilligt in der Absicht, auf diese Weise zur Erhaltung des Gießener Stadttheaters aus den in der Oesfentlichkeit genügend bekannten Gründen beizutragen. Anders«^ haben Kreisverwaltung und Kreisausschuh die freiwilligen Pistungen für sonstige Organisationen soweit wie nur möglich gemindert. Don dieser Erspamismaß- nahme wurden nicht betroffen die Kreisleistungen für verschiedene Rinderzuchtvereine und den Kreisziegenzuchtverein, sowie den Ob st- und Gartenbauverein. Hier bleiben die seitherigen Bewilligungen unverändert bestehen. Zum Gehalt des Obstbau- Inspektors ist der Kreis bereit, einen Zuschuh von 1000 Mark zu leisten. Zur Rubrik Feuerlöschwesen ist besonders hervorzuheden die Anschaffung eines neuen Fahrzeugs für den Transport der Kreismotor- spritze. Die Gesamtmotorsprihe stellt nunmehr, einschließlich Schlauchmaterial, einen Anlagewert von rund 20 000 Mark dar. Die Anschasfungs- kosten für das neue Fahrzeug konnten aus Rücklagen bestritten werden, außerdem konnte der Kreis über einen Zuschuß der Drandversiche- rungskammer in Höhe von 3500 Mark quittieren. Die Kreisabdeckerei gibt in diesem Jahre zu besonderen Bemerkungen keinen Anlaß. Der Betrieb der Abdeckerei leidet unter der Lln- gunst der Zeitverhältnisse: eine endgültige Regelung des Pachtverhältnisses kann erst nach einer Beruhigung und Klärung der wirtschaftlichen Situation eintreten. Die sachlichen kosten des Kreises wurden nach Möglichkeit eingeschränkt. Die Tagegelder der Beamten des Kreises richten sich bei Dornahme auswärtiger Dienstgeschäfte nach den staatlichen Anordnungen. Es ist nicht wertlos, bei dieser Gelegenheit einmal zur Berichtigung irriger Meinungen in der Oef- fentlichkeit auf die Hohe der staatlicherseits gewährten Tagegcldsätze hinzuweisen. Die Tagegeldsätze für Staats- und somit auch für die Kreisbeamten betragen gemäß ministerieller Derfügung: bei eintägigen Dienstgeschäften bei einer Dauer der Dienstreise Besoldungs» bis zu über 6 über 8 über 12 gruppe 6Shin- bis 8 bis 12 Stunden den Stunden Stunden A 4b — 4o, 5 kein Ta- 1,51 Mk. 2,52 Mk. 4,03 Mk. gegelb A 1b, 1c, 2, 3, 4a „ 2,16 „ 3,60 „ 5,76 „ C2. Der Kreisausschuh des Kreises Gießen hat für sich die seither gültigen Tagegeldsähe seit langer Zeit freiwlllig zurückgeseht, so daß auch hier mit einem geringeren Aufwand zu rechnen ist. 3m ganzen sind für Tagegelder und Reisekosten für Mitglieder des Kreisausschusses und Kreistages, für Beamte und Angestellte des Kreisamts gegenüber dem Vorjahr zur Einsparung 830 Mark vorgesehen. Zur Einnahmeseite des Kreishaushalts ist noch darauf hinzuweisen, daß aus Kreisumlagen das gleiche Aufkommen wie seither erwartet wird. Es soll auch, sobald die endgültigen Zahlen vorliegen, in genau der gleichen Weise wie seither die Verteilung der einzelnen Aus- schlagsätze vorgenommen werden. Da auf der Tagesordnung der Sitzung des Kreistags auch die Frage der Erhebung der Hundesteuer steht, sei in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß der Kreis seither schon «ine Hundesteuer für Hunde erhebt, die in selbständigen Gemarkungen innerhalb des Kreises Gießen gehalten werden. Eine WiAlelMMkiim Zftoman von Z. Schneider-Foerfil. Urheber-Rechtsschutz: Verlag 0. Meister, Werdau. 22. Fortsetzung. Rachdruck verboten I Knapp zwei Minuten später stand er im dunklen Anzug und sorgfältig geknüpfter Krawatte vor ihr. Er warf einen raschen Blick nach der Türe, hinter welcher er Margret wußte und hatte ein wenig gutes Gewissen, als er die jüngste Reckliichauserin die Treppe hinabgeleitete. Als Margret gleich darauf die Türe öffnete, fand sie den Korridor leer. War es am Ende doch nicht Suses Stimme gewesen? — Die Brauen noch immer verärgert zusammengeschoben, begab sie sich nach dem Saal, wo die Kleinsten in ihren Dettchen sahen und ihr mit erwartenden Augen entgegenblickten. AuS einem der Mittelgänge kam Lenore auf fte xa. «Hast du Suse schon begrüßt?" «Sie ist also wirklich da?" fragte Margret. «3a, doch! — Sie promeniert mit Wander unten im Garten. 3ch habe solche Sorge, daß sie Dummheiten macht!" «Aehnlich sähe es ihr!" »Soll ich nach ihr schauen?" «Es wird gut sein", stimmte die Aeltere zu. Als Lenore über die bekiesten Wege eilte, kam ihr das Paar in angeregtem Gespräch entgegen. Suses Augen strahlten förmlich. «3ch habe den Herrn Chefarzt soeben eingeladen, uns auf Reck- linhausen zu besuchen. Er sagt, du hättest kommenden Samstag ohnedies frei. Es wäre nett, wenn wir Sonntags zusammen sein könnten, dann wäre es wenigstens nicht so furchtbar langweilig." Doktor Wander hatte ein herzliches Lachen bereit. Lenores Mundwinkel zuckten. Sie lächelte verzeihend. Die Suse blieb doch ewig das Kind, das gleich in Worte umsetzte, was als Wunsch in ihrer Seele keimte. Als eine der Pflegerinnen kam, um Doktor Wander zu holen, sahen ihm beide Schwestern nach. „Er gefällt mir!" Suse drückte das Gesicht verlegen an die Schulter der Schwester. «Er ist sehr sympathisch!" stimmte diese zu. »Wie alt?" «Sechsunddreihig l" «Verheiratet?" »Rein!" «Dann ist er also noch zu haben!" Lenore nickte ahnungslos. „Vielleicht glückt es mir! — 3ch mochte ganz gerne Frau Chefarzt Doktor Wander teerten r Ganz impulsiv sagte es Suse. Lenore fuhr herum, „lind Malnote?" „Ach!" Ein geringschätziges Heben ter SchulHundesteuer für Hunde, die in Gemeinde- gemarkungen gehalten teerten, erhebt der Kreis Gießen nicht. Zu dieser Frage ist lediglich ein formeller Beschluß des Kreistags zu fassen. Eine Mehrerhebung von Hundesteuer ist keineswegs geplant. Der krelvwohlfahrkselak ist von ter Absicht getragen, die notwendige Fürsorge trotz der Einschränkung ter verfügbaren Mittel unter allen Umständen sicherzustellen. Der Voranschlag des Kreisfürsorgeamts und des Kreisjugendamts schließt mit einer Ausgabe von 371 520 Mk. und mit einer Einnahme von 146 084 Mk., so daß die Kreisleistung zugunsten der Fürsorge 225 436 Mk. beträgt. Der Aufwand für die Kleinrcntnerfürsorge verringert sich naturgemäß infolge des Wegfalls von Kleinrentnern durch Todesfall. Der Aufwand des Kreises für Geisteskranke usw. soll um 17 700 Mk. verringert werden. 3n der Crholungs- und Tuberkulosefürsorge ist wiederum beabsichtigt, 50 bis 60 erholungsbedü'.ft'ge Kinder nach Anhörung des Schularztes zu einer Kur zu entsenden. Für Kuren für tuberkulöse Kinder ist eine Mehrausgabe von 500 Mk. eingesetzt. 3n der Fürsorgeerziehung lassen sich etwa 4000 Mk. einsparen. Die Fürsorge für Waisenkinder wird in dem seitherigen Umfang wieder vorgesehen, obwohl die Zahl der in öffentlicher Fürsorge stehenden Vollwaisenkinder gesunken ist. 3edoch ist anderseits mit einer Zunahme der Llnterstühungs- falle für Enkelkinder und Stiefkinder durch den Wegfall der Waisenrente bei den über 15 3ahre alten Kindern zu rechnen. Der Fürsorgeetat leidet in verschiedener Hinsicht unter Kürzungen von staatlichen Lleberweisungen, so daß auch hier der Ausgleich in der obengeschilderten Weise her- gestellt werden mußte. Zu der dem Voranschlag beigegebenen Vermögensübersicht ist zu bemerken, daß es durch den Ankauf von günstig im Kurs stehenden Pfandbriefen gelungen ist, eine alte Schuld des Kreises Gießen abzudeckcn und hierbei über 6000 Mark zugunsten der Kreiskasse einzusparen. 3m Interesse einer Gesundung der öffentlichen Finanzen kann am Schluffe der Betrachtung nur ter Hoffnung Ausdruck gegeben werten, daß recht bald ein vernünftiger, allen Gesichtspunkten Rechnung tragender Finanz- und Loflen- ausgleich im Reich und in Hessen eintreten möge. ♦ Die wichtigsten Zahlen des Voranschlages. Der Voranschlag für das Rechnungsjahr 1932 schließt in Einnahme und Ausgabe mit je 858 748 Mark, gegen 983 771 Mark im Vorjahre ab. Davon entfallen auf die Betriebsrechnung 634 719 Mark, gegen 758 627 Mark im Vorjahre, auf die Vermögcnsrechnung 224 029 Mark, gegen 225 144 Mari. 3n ter Detriebsrcchnung schließen die einzelnen Abteilungen wie folgt ab: Allgemeine Verwaltung: Einnahme 4215 Mark (im Vorjahre 2215 Mark», Ausgabe 20 421 Mark (20 775 Mark im Vorjahre): Polizeiwesen: Einnahme 23 366 Mark (23 370 Mark), Ausgabe 25 246 Mark (26 372 Mark): Schulwesen: Einnahme nichts, Ausgabe 4675 Mark (5375 Mark): Kunst und Wissenschaft: Einnahme 200 Mark (200 Mark), Ausgabe 4620 Mark (5000 Mark): Bauwesen: Einnahme 3390 Mark (4016 Mark), Ausgabe 13112 Mark (15 824 Mark): Allgemeine Förderung der Wirtschaft: Einnahme nichts, Ausgabe 4308 Mark (5355 Mark): Wohlfahrtspflege und Gesundheitswesen einschl. Erwerbslosen- und Wohnungsfürsorge: Einnahme 152 442 Mark (242 532 Mark), Ausgabe 384 698 Mark (495 628 Mark): Anstalten und Einrichtungen: Einnahme 5350 Mark (5590 Mark), Ausgabe 9465 Mark tem. „Das ist vorbei! — Bitte, tu jetzt nicht den Mund auf und laß mich reden. Ich habe dir schon einmal gesagt, ich würde es nicht machen wie du, wenn mich einer betrügt. Ich suche mir einen anderen! Iawohl! — Mach nur nicht um Gottes willen so ein entsetztes Gesicht! Malnow hat mich belogen! Lind zwar in so unverschämter Weise, daß ich wirklich genug von ihm habe." „Suse!" Lenore zog die blonde Schwester mit sich fort und zwang deren Finger in die ihren. Erst, als der Garten sich verengte und eine hohe Mauer das Ganze umfriedete, ließ sie sich mit der Iüngeren auf eine Steinbank nieder. Ihr war so wirr im Kopfe, daß sie kein Wort für das fand, was ihr die Schwester anvertraut hatte. „Wieso hat er dich belogen?" brachte sie endlich mühsam hervor. „Gott, frag mich nicht darum, Lenore! Die Sache ist reichlich schmutzig", wehrte sie und als Lenore voll quälender Angst in sie drang, gestand sie widerwillig: „Es ist ein Kind da! Du verstehst mich doch?--Ich mag nicht deutlicher darüber sprechen. Aber das siehst du doch ein, daß ich mit meinen siebzehn Iahren nicht schon Stiefmama spielen kann!" „Suse!" Das Gesicht der Aelteren war jetzt leicht gerötet. „Du mußt immerhin in Betracht ziehen, daß er schon dreißig ist. Vielleicht läßt sich die Sache regeln.“ „Ich danke!" fuhr die blonde Recklinhauserin auf. „Möglich, daß ich darüber hinweggesehen hätte, wenn er ehrlich zu mir gesprochen haben würde. So aber füttert er mich mit Schwüren, er habe niemand außer mir, ich wäre das Einzige, das er liebe und das Anspruch auf feine Person habe. Lind so weiter! Lind so weiter!" „Woher weißt bu’8 denn?" fragte die Aeltere resigniert. „Ich habe einen Brief gelesen, den er an das Kind geschrieben hat." Lind auf Lenores mahnenden Blick hin gestand sie das Eindringen in sein Zimmer. „Das war unschön!" tadelte diese. „Sag doch gleich, was du dir denkst!" ereiferte sich Suse. „Cs war gemein! Richt wahr! Aber ich bereu's nicht! Richt im mindesten. Ich wollte und mußte Gewißheit haben!" Lind, plötzlich den Kopf gegen die Brust der Schwester drückend, weinte sie haltlos. „Ich habe ihn so lieb gehabt. Er war ter erste, den ich küßte. Ich habe den besten Willen gehabt, ihm eine gute Frau zu werden!" „Kind!" tröstete Lenore und streichelte die nervösen Hände der Schwester, „vielleicht sprichst du doch mit ihm darüber." „Rie! — Ich würde mich totschämen, auch nur ein Wort darüber mit ihm zu wechseln. Lieber alles andere könnte ich mit ihm reden! Lieber das nicht! — Ich bin schon seit vier Tagen von Groh- Steinach zurück. Wir haben uns noch nicht einmal „Grüß Gott" gesagt. Er liegt auf der Lauer (12 270 Mark): Finanz- und Steuerwesen: Einnahme 441 246 Mark (470 639 Mark), Ausgabe 164 244 Mark (164 558 Mark): Grundstücksverwaltung: Einnahme 310 Mark (210 Mark), Ausgabe 10 Mark (20 Mark): Kapitalvermögen und Kapitalschulten: Einnahme 4200 Mark (9855 Mark), Ausgabe 3920 Mark (7450 Mark). In der Dermögensrechnung ist folgendes vermerkt: Reste- und Ausgleichsstock: Einnahme und Airsgab« je 213 275 Mark (207 976 Mark): Kapitalien und Erneuerungsfonds: Einnahme und Ausgabe je 10 754 Mark (17168 Mark). Die Kreisumlagen sollen die Summe von 220 000 Mark erbringen. Oer Vermögens stand am 1. Januar. In ter Derrnögensütersicht nach dem Stande vom 1. Ianuar 1932 ist das Vermögen des Kreises mit 388 902,30 Mark verzeichnet, die Schulden sind mit 169 699,80 Mark angegeben. SieHesWeWanderausstellMommImchSießen! Von Präsident Or. h. c. Reumann, Darmstadt. Selten hat eine Ausstellung in unserem Lande so Anklang gefunten, wie dieHessischeWan- derausstellung für Gesundheitspflege und s oziale Fürsorge. Dor fünf Iahren ins Leben gerufen, wandert sie seit dieser Zeit durch unser Hessenland, und sie kommt nunmehr auch nach Gießen, wo sie am Samstag 16. April, nachmittags im Saale des »Einhorn'^ am Kirchenplatz eröffnet wird. Die Ausstellung dient, wie schon ihr Rame sagt, der Volksgesundheit und der sozialen Fürsorge. Ihr Zweck ist, Aufklärung zu schaffen über die wichtigsten Volkskrankheiten, sowie den Menschen Dau und Tätigkeit des menschlichen Organismus verstehen und kennen zu lernen. Es wird in ihr gezeigt, was ter Gesundheit schadet, was ihr nützt und wie dieLehren ter gesundheitsgemäßen Lebensführung auszuführen sind. Weiter wird gezeigt, wie sich ter Mensch vor Krankheiten schützt und wie er, wenn er von solchen befallen ist, geheilt werden kann. Zur Erreichung dieser hohen Ziele soll die Wanderausstellung helfen. Plastisches Anschauungsmaterial, Dildtaseln und Schaukästen sind ihre Hilfsmittel. Führungen durch die Ausstellung und Vorträge über einzelne Krankheiten ergänzen das Ausstellungsmaterial. Lichtbilder und Filme werden zur Aufklärungsarbeit mit herangezogen. Selbstverständlich fehlt es auch nicht an geeigneten Broschüren und Flugschriften. Während der Zeit, da sich die Ausstellung an einem Ort befindet, heißt die Parole: Rur für die Gesundheit! Die Gesundheit ist der größte Reichtum. Es gibt tausend Krankheiten, aber nur eine Gesundheit. Der Mensch hat ein Recht auf Gesundheit, er hat aber auch die Pflicht, alles zu tun zu ihrer Erhaltung. Er muß so leben, daß er von Krankheiten verschont bleibt. Die Ausstellung mit ihren Veranstaltungen zeigt den Weg dazu. Wir sehen in der Ausstellung die verheerenden Wirkungen ter Tuberkulose und der Geschlechtskrankheiten. Gewa'.tige Wunden werden unserem Volkskörper durch diese beiden Krankheiten geschlagen. Wohl sind sie in den letzten Iahren durch den intensiven Kampf, ter gegen sie geführt wurde, etwas zurückgegangen, aber noch immer stirbt in Deutschland cllle sieben Minuten ein Mensch an Tuberkulose. Roch immer tragen viele Menschen eine ansteckende Geschlechtskrankheit mit sich. Sie wissen nicht oder wollen nicht wissen, wie gefährlich diese Krankheit für sie selbst und ihre Mitmenschen ist. Weitere soziale Krankheiten, die am Marke unseres Volkes zehren, sind Alkvhvlismus und Geisteskrankheiten. Manches Familienglück und manche frohe Zukunftshoffnung ist von ihnen in grausamer Weise zerstört worden. Viel Sehenswertes zeigt die Ausstellung über diese vier sozialen Krankheiten. Lichtbilder aus hessischen Heilstätten ter alten und neuen Zeit liefern den Beweis, daß die hessischen Einrichtungen für Krankheitserkennung, -bekämpfung und -Heilung mit an erster Stelle in Deutschland stehen. Zu ten Volkskrankheiten zählen auch die Krebskrankheiten. In ter Ausstellung ist ihnen eine besondere Abteilung eingeräumt. In Deutschland sterben jährlich 75 000 Menschen an Krebs. Die Sterblichkeit an Krebs hat die an Tuberkulose bereits überschritten. Llngefähr 23 000 Frauen werten alljährlich durch den Gebärmutterlrebs dahingerafft. Die Gefahr des Krebses ist für die Frau im allgemeinen größer, wie für den Mann. Geschützt vor dem Krebs ist niemand», leuir Mann jede Frau kann von ihm befallen werden. Kein Organ des menschlichen Körpers jft vor ihm sicher. Mit zunehmendem Alter wächst die Gefahr ter Er- franfung. Wenn man heute auch noch nicht alle Llrfachen des Krebses kennt und es ter Forschung noch nicht gelungen ist, den Erreger ter Krankheit zu finden, so ist aber die Wissenschaft doch soweit vorgeschritten, daß sie den Krebs heilen kann. Das gilt insbesondere in den Frühfällen. Die Ausstellung klingt deshalb aus in die Mahnung: Gehe rechtzeitig zum Arzt, denn krebs ist heilbar. Durch Säuglingssterblichkeit und Krüppeltum wird Iahr für Iahr ein großes Volksvermögen vernichtet. Die Menschen sind ter Reichtum einer Ration. Aber nur d i e zählen die Aktivposten, die gesund und leistungsfähig sind. Wer sich nicht selbst erhalten fann, von der Allgemeinheit erhalten werten muh, ter ist sowohl für die einzelne Familie, wie für die Allgemeinheit eine Last. Die ärztlich« Wissenschaft hat Mittel gefunten, auch den von Geburt aus oder in den ersten Lebensjahren verkrüppelten Menschen zum schaffenden und damit nützlichen Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu machen. Auch hier zeigt die Ausstellung, wie unh wo geholfen werten kann. Die Bedeutung der Klein- und Schulkinderfürsorge, sowie der große Wert der systematischen Zahnpflege ergänzen dieses Kapitel. Bilder und Tafeln aus -der Vererbungslehre wecken das Verantwortungsgefühl in dieser für unsere Zukunft als Volk entscheidenden Frage. Auch der Sport und seine Wirkungen auf die Gesundheit werden dargestellt. Ernährung und Wohnung sind nicht vergessen. Es folgen noch Verkehrsunfälle und Brandgefahren, sowie Gewerbehygiene. Eine besondere Abteilung über Gesundheitspflege i m Ausland bildet den Schluß der reichhaltigen Ausstellung. Sie bringt Vieles und wird dadurch jedem etwas bringen. So wird auch kaum ein Besucher unbefriedigt ihre Räume verlassen. Doch nicht nur für die Erwachsenen ist dieses alles zusammengetragen und in organischer Weise aufgebaut. Die Ausstellung dient auch der Aufklärung der Jugend. Auf diese Aufklärung wird sogar besonderer Wert gelegt. Zn den Vormittagsstunden finden regelmäßige Führungen für d i e Schulkinder statt. Ausstellungsgegenstände, die für das kindliche Auge nicht geschaffen sind, werden verhängt oder weg- wie ein Falke. Aber er hat mich noch nicht einmal zu fassen gekriegt." «Wie du dich ausdrückst!" entsetzte sich Lenore. „Gott, ja! Du mußt nicht immer gleich daS Schlimmste denken. Er wartet vom Morgen bis zum Qtbenb auf eine Gelegenheit, mit mir zu- sammenzutreffen. Aber ich stelle es schon so klug an, ihm das zu vereiteln. Rur wenn ich ihn nach den Fluren gehen sehe, wage ich mich hinaus. Sonst bleibe ich immer hübsch zwischen meinen vier Wänden, so schwer es mir auch ankommt. Zu Weihnachten will er um mich anhalten. Vorher muß ich es ihm natürlich noch zu wissen tun, daß ich nichts mehr mit ihm zu schaffen haben mag!“ „Soll ich mit ihm sprechen?" erbat sich Lenore. „Er tut mir so furchtbar leid!“ „Ratürlich! Er tut dir leid! Ich bin nebensächlich! Heirate ihn doch! Dann hat er einen Engel Mr Frau und für sein Kind eine zärtliche Mutter." „Suse?" Lenores schmales Gesicht glühte. „Würdest du ihn nehmen, wenn dir das passierte?" „Wenn ich ihn liebte, ja!“ „Das habe ich erwartet." Sie fuhr sich rasch über die Augen und zupfte ihr Kleid zurecht, als Doktor Wander auf sie zukam. Dieter hatte ihr weh getan, so weh, daß sie noch lange würde daran zu tragen haben. Warum sollte sie ihm nicht auch eine Enttäuschung bereiten? Die Männer brüsteten sich immer, daß sie die stärksten seien! Gut! Das würde sich ja nun zeigen. Wenn er sah, daß sie ihre Zuneigung einem anderen schenkte, würde er wohl von selber zurücktreten. Wenn nicht, mußte er eben dazu gezwungen werden. Ein bindendes Versprechen hatte sie ihm übrigens noch nicht gegeben. Man war nicht einmal öffentlich verlobt. Mit einem Lächeln streckte sie Doktor Wander die Hand entgegen und schritt zwischen ihm und der Schwester tem Hause zu, wo er ein kleines Frühstück für sie hatte bereitstellen lassen. Aber in all die Minuten ter folgenden Stunde drängte sich Malnows Bild und ließ sie zu keiner reinen Freute kommen, ilm ganz, ganz glücklich zu sein, mußte sie ihn erst restlos vergessen haben. • Malnow erhob sich beim ersten Hahnenschrei und fühlte, daß sein Körper schlapper war als abends, da er sich todmüde zur Ruhe gelegt hatte. Heute war Samstag. Seit drei Wochen hatte er das Dorli nicht mehr gesehen. Vielleicht benützte er den morgigen Feiertag, um wieder nach ihr zu schauen. Das Kind hing mit einer Liebe an ihm, gegen die es kein Widerstreben gab. Dorli hatte es fertiggebracht, sein Herz ganz für sich zu gewinnen. Er war ihr nicht nur brüderlich, sondern mehr noch wie ein Vater zugetan. Alles, was sie betraf, war von Interesse für ihn. Er konnte sich bis zur Lleberängstlichkeit sorgen, wenn er einmal einen Tag keine Rach richt von ihr bekam und sich maßlos freuen, wenn ein Brief mit ihrer Kinderhandschrift auf seinen Schreibtisch flatterte. Sie fühlte sich nun wieder ganz wohl, hatte sie ihm gestern mitgeteilt, und doch konnte er nicht froh darüber werten. Suses Benehmen, feit sie von Groß-Steinach zurück war, ertötete jede Freute im Keim. Er hatte sich selbst mit aller Strenge äu Gericht gezogen, aber nicht das mindeste gefunden, wodurch er sie gekränkt haben konnte. Es war unrecht von ihr, ihn durch Launen zu quälen. Sie wich ihm aus. So sehr er auch jede Gelegenheit zu nützen suchte, es war ihm bis heute nicht einmal geglückt, zwei Worte mit ihr zu reden, geschweige denn mehr. Dis Weihnachten waren noch acht Wochen. Vielleicht bat er schon früher um ihre Hand. Dann wollte er Frau von Recklinhausen auch von seiner kleinen Schwester sprechen. Suse würde nicht eifersüchtig sein auf das Kind. Wenn sie nicht mit ihrerLlnterbringung auf Recklinhausen einverstanden war, blieb das Dorli eben wieder in ter Pension, in welcher es sich jetzt befand. Seine Toilette beendend, trat er auf den Hof und schritt zu den Stallungen hinüber. Dettermann stand bereits zwischen den beiden Stuten und legte ihnen die silberbeschlagenenGeschirre an. „Will Frau von Recklinhausen wegfahren?" erkundigte er sich erstaunt. „Das nicht! Aber das Fräulein Suse kommt mit tem Acht-Llhr-Zug von München. Ich glaube, sie bringt auch einen Gast mit Einen Doktor oder so, hat mir. die gnädige Frau gesagt. Das Fräulein Lenore ist auch mit dabei. Vor zehn Llhr bin ich jedenfalls nicht zurück. Da ist dann der ganze Vormittag schon wieder zum Teufel." Malnow hatte keine Erwiderung. Aber er spürte sein Herz klopfen. Run würde sie hoffentlich wieder hierbleiben. Er würde die erste beste Minute ergreifen, sich mit ihr auszusprechen, und sie fragen, wodurch er sie verletzt habe. Vielleicht hatte er ihr zu wenig Zärtlichkeit geschenkt. Sie war kaum achtzehn Iahre. In diesem Alter erwartet jedes Mädchen, daß der Mann ihrer Liebe ihr wie ein Sklave zu Füßen liegt. Er lächelte und nahm sich vor, sein ganzes Herz aufzutun. Sie sollte wissen, daß sie für ihn der Inbegriff alles Glückes war. All seine Rlüdigkeit war plötzlich verflogen. Lim die Zeit, da ter Wagen in Sicht kommen muhte, machte er sich auf den Wiesen, die an die Chaussee grenzten, zu schaffen. Der Zug mußte pünktlich eingelaufen sein, denn fast auf die Minute bog die Kutsche um die große Kurve und rollte den verstaubten Weg entlang. (Fortsetzung folgt.) Wirtschaft auch in einer dort eine gro1 Lasten zr Gemeinoi fU erleichtern. Den Kreisdirektor und den erat bat er hierzu um die nottocnbige «eiter. )( 98 000 vermochte gleichfalls eine (eine Banfnolen. Reichsbankdiskont 6 Pro;. — Lombardfah 7 Pro). men wurde. 3m Verlaufe der Versammlung wurden kurz die Vorarbeiten für die bevorstehende Feier des 2biährigen Bestehens des Vereins besprochen und einige Bundesangelegen- heiten erörtert. Der Leiter der Versammlung gab den Mitgliedern außerdem davon Kenntnis, daß der Ehrenvorsitzende des Landesverbandes zum Ehrenmitglied des Geflügel-, Vogel- und Kaninchenzuchtvereins Kirchgöns ernannt worden sei. iner dankte für die Glückwünsche und begrüßte die Beamten und Angestellten als Mitarbeiter. — Unterstützung. Damit war die öffentliche Sitzung beendet. 3m Anschluß daran brachte Oberstadt- lekretär Wiegand im Hamen seiner Kollegen dem neuen Dürgermeister herzliche, Glückwünsche dar. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß cs dem neuen Ch-f vergönnt sein möge, recht lange die Geschicke der Stadt zu leiten. Bürgermeister Dietz der ilujfiärung d. ogar besonderer Wert icn finden regelmäßige Schulkinder statt, ür das kindliche Auge verhängt oder weg- Kirche und Schule. Lanorreiö Gießen. L i ch, 7. April. Am Sonntag wurden in unserer Kirche 11 Knaben und 13 Mädchen (darunter 6 Mädchen aus dem Erziehungsheim Arnsburg) konfirmiert. Erne für das Krüppel- heim Rieder-Ramstadt erhobene Kollekte erbrachte den Betrag von 33,20 Mk. Kreis Schotten. (. Rudingshain, 7. April. Am Sonntag wurden hier drei Knaben und vier Mädchen konfirmiert. Aus dem benachbarten Busenborn wurde nur ein Knabe in Breungeshain konfirmiert. Oberbeffen. Oie Einführung des Büdinger Berufsbürgermeisters. g. Büdingen, 6. April. Am Samstag wurde der zum Derufsbürgermeister unserer Stadt gewählte Steuerinspektor E. Dieme r durch den Kreisdirektor Dr. Gähner in sein Amt eingeführt. Zu der Feier hatte sich der Gemeinderat (mit Ausnahme zweier Mitglieder), sowie viele Zuhörer aus der Bürgerschaft eingefunden. Kreisdirektor' Dr. Gähner kennzeichnete die Einführung des Berufsbürgermeisters als einen Markstein in der Geschichte der Stadt. Er erwähnte, dah der neue Bürgermeister gut vertraut sei mit Land und Leuten und durch seine 25jährige Tätigkeit beim Finanzamt die entsprechende Vorbildung zur Bekleidung seines neuen Amtes besitze. Vach der Eidesleistung des Bürgermeisters schloß Kreisdirektor Dr. Gähner mit einem Glückwunsch und der Hoffnung auf gedeihliche Zusammenarbeit des Bürgermeisters und des Gemeinderats feine Einführungsansprache. Bürgermeister D i e m e r dankte dem Kreisdirektor für die freundlichen Worte und dankte gleichzeitig dem Gemeinderat für das ihm durch die Wahl erwiesene Vertrauen, das zu rechtfertigen er stets bemüht fein werde. Seine Aufgabe sehe er in der Hauptsache darin, durch sparsame Wirtschaft den Einwohnern der Stadt die öffentlichen Wie sich später herausstcllte. harken eS die beibctl Täler auf einen Bekannten abgesehen, von dem sie wußten, dah er in der fraglichen Vacht mit einem größeren Geldbetrag dielen Weg passieren muhte. Diesem wollten sie das Geld abnehmen. Vach langen Ermittelungen wurden zwei Brüder, Arbeiter auS Langd, als die Täter ermittelt Zwar leugneten sie auch heute noch hartnäckig, doch bestand nach Vernehmung von etwa 20 Zeugen nicht mehr der geringste Zweifel darüber, dah nur die beiden Angeklagten die Räuber waren. Einige Monate später waren die beiden Kreis Alsjelo. *!* Ruppertenrod, 7. April. Am Mittwoch fand hier der diesjährige Frühjahrsmarkt statt. Auf dem Schweinemarkt waren 214 Ferkel aufgetrieben. Das Geschäft war anfangs flau, entwickelte sich aber später besser. 6 Wochen alte Ferkel bezahlte man mit 21 bis 23 Mk. Bessere Tiere erzielten 24 bis 25 Mk., und die größten brachten 27 Mk. Der Krämermarkt war etwas weniger besucht, als in den früheren 3ahren. Erweitertes Schöffengericht Gießen. ' Gießen, 6. April. Vor etwa zwei 3ahren wurde im Walde zwischen Hungen und Gillingen eines Abends gelegentlich einer Patrouille der damals in Hungen stationierte Gendarmeriebeamte von zwei jungen Leuten, die. um sich unkenntlich zu machen, ihr Gesicht und ihre Hände schwarz gemacht Hattert in der Absicht überfallen, einen Raub zu begehen. Als diese aber merkten, dah der üebetfallene ein Gendarmeriebeamter war, liehen sie von ihrem Vorhaben ab und flüchteten in das WaldeSdunkel. Kunst und Wissenschaft. Geheimrat Pros. Dr. Max Len; f. Der berühmte Historiker Geh. Rat Pros. D. Dr, phiL Dr. jur. h. c. Max Lenz ist in seiner 'Berliner Wohnung nach langem sckroeren Leiden, 81 Jahre alt, einem Schlagansall erlegen. — Max Lenz wurde am 13.3uni 1850 in Greifswald geboren. Er studierte in Bonn, Greifswald und Berlin Geschichte und war einer der begabtesten Schüler Rankes. 1876 wurde er Privatdozent, 1881 Extras ordinarius und 1885 o. Professor in Marburg. 1888 kam er in gleicher Eigenschaft nach Breslaik und 1890 nach Berlin. Als Nachfolger von Erich Marcks ging er 1914 an die werdende Universität Hamburg, wo er bis 1924 wirkte. 1925 zog er miet der nach Berlin, um dort feine Arbeiten zur Geschichte Bismarcks zu vollenden. Lenz machte sich zuerst einen Namen durch die Biographie Luthers. Bon seinen anderen Schriften wurden weiteren Kreisen bekannt: „Napoleon", „Rückblick auf das 19. Jahrhundert", ferner seine kleinen historischen Schriften und die „Geschichte der Universität Berlin". Bolkstümlich aber wurde Lenz durch seine Bismarckschriften: „Zu Bismarcks Gedächtnis"; Zur Kritik der Gedanken und Erinnerungen des Fürsten Bismarck"; „Die großen Mächte": „Geschichte Bismarcks"; „Das Bismarckjahr 1915". Als letztes Werk gab er heraus „Deutschland im Kreis der Großmächte 1871—1914". Diebstahls Übersührt. Einer der beiden hatte außerdem im vorigen 3ahrc ^stammen mit einem anderen Arbeiter in einem Stcinbruch eine Arbeiterbude aufgcbrochcn und daraus verschiedene Werkzeuge und anderes entwendet. Eine Mundharmonika und mehrere Schutzbrillen für Etcin- klopfer, die sie gleichfalls mitgenommen und nachher verkaufen wollten, wurden ihnen zum Verräter. Wegen versuchten Straßenraubs und gemeinschaftlichen Einbruchsdieb st a h l s wurden die beiden Brüder, der eine zu einem 3 ahr sechs Monat, der andere zu einem 3ahr drei Monat Gefängnis verurteilt, während gegen den dritten Angeklagten, der nur an dem Einbruch in die Arbeiterbude beteiligt war, auf eine Gefängnisstrafe von drei Monat erkannt wurde. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde bann gegen einen 60jähriaen, verheirateten Arbeiter verhandelt, der ein infolge Geisteskrankheit willenloses Mädchen mißbraucht hatte. Mit Rücksicht auf feine bisherige ilnbeftraftbeit wurde er zu der gefehlich zulässigen Mindeftstrafe von sechs Monat Gefängnis verurteilt. 'M bk öt°uenhJrf?l|t Qu8 m die Rtebs ist »nb S™ ton ton «wen muh, der ift nÄ £r All. ton Geburt aus Mlt nützlichen 'E'chast zu machen, "3. wie uni) too a>, -deudmg der Klein, ne der grofe OSkrt ergänzen dieses kr Vererbungslehre lesuhl in dieser für ntscheidenden Frage. Dirlungcn aus die ll. Ernährung und m. Es folgen noch Drandgesah. giene. Eine be- ^ndheitspslege öchluß dec reichhal- gt Vieles und wird 6o wird auch kaum e Äüllme berfaffcn. )(enen ift dieses alles Mschn Nche aus- * Die Indexziffer der Grißhandels- preise im Durchschnitt d«s Monats März. Die vom Statistischen Reiysamt für den Monatsdurchschnitt März berechnete Großhandelsindexziffer ist mit 99,8 gegenüber lern Bormonat unverändert. Die Inderzisfern der Hauptgruppen lauten: Agrarstoffe 96,5 (+ 2,0 v. H.),Kolonialwaren 89,3 (—1,3 v. H.), industrielle Rohshsfe und Halb- waren 90,4 (—0,8 v. H.) und industrielle Fertig» waren 120,7 (—1,2 v. H.). ♦ Die Kölner Fr ühjahrsmess e ver- legt. Einem Wunsche der an der Kölner Messe beteiligten Kreise entsprechend, wird )er Termin der Kölner Frühjahrsmesse (Westdeutsye Möbelmesse und Messe für „Haus- und Küchenbeiarf") mit Rücksicht auf den zweiten Wahlgang der Reichspräsiden, tenwahl auf den 17. bis 20. April vrlegt. Die Sondergruppen „Reise, Sport und Woyenende", „Das werbende Foto" und „Das gute uch billige Tischgerät" sowie die Auslandgrupper schließen am 22. April. Man beachte die heutige Anzeige. Berlin freundlich, c ann schwach. B e r I i n , 8. April. (WTB- Funksjruch.) Die Börse zeigte heute zu Beginn des Berkehrsein eher etwas freundlicheres Aussehen. Man war über die höchstwahrscheinlich heute nachnittag erfolgende Diskontsenkung der Reichsbank, de 0,5 v. H. ausmachen dürfte befriedigt und vernies auf die etwas besseren Auslandmeldungen, besonders aus Stockholm und Neuhork. Der Mißerfolg der Londoner Konferenz kam nichf überraschend und hinterließ deshalb keinen stärkeren Eindruck. Die Abnahme der ArbeitsDscnziffer um > für ihu. Er tonnte >it sorgen, wenn et )rid)t von ihr bekam renn ein Dries mit i feinen Schreibtisch er ganz wohl, hatte uni doch konnte er L Hufes Denchmen, iurüd war, ertötete hatte sich M mit logen, aber nicht das er sie gekränkt haben ihr, ihn durch Launen -hr er auch jede Te- i war ihm bis heute Worte mit ihr \r Dis WeAaM ielleicht bat er schon ÄiÄ L« sZS t mit f Has mit ist dann 1 jUw' zum Teufel, wieder ru ct cvlderunS. ^ffcnt* in wurdesi^ w würde dw ^ l-a, t ihr •gärt* er ste Lcheit F vemg diesem >hn Wnn b Jin vw1 an d-»« Äunx»”6 ,g entW felgt) Am Montag wurde der neugewählte Bürgermeister durch das Amtsgericht Büdingen als Standesbeamter und Ortsgerichtsvorsteher verpflichtet. Gemeinderai in Gmnberg. 4-(3rünberg,7.April. Der Bürgermeister gab in der jüngsten Gemeinderatsfrtzung eine ministerielle Verordnung bekannt, nach der auf die diesjährige Gemeindesteuer einstweilige Vorauszahlungen in Höhe der vorjährigen Steuer zu leisten sind, da wegen geplanten Äenderungen in der Desteuerungsgrundlage die Steuerfestsetzung erst im Herbst möglich fei. Außerdem wies er darauf hin, daß es ihm gelungen ist, nicht nur den Verwaltungs- kostenzufchuß für 1 930 in Höhe von 600 Mark, sondern nach weiteren Verhandlungen auch noch einen solchen nachträglich für die Jahre 1925bis 192 9 in Höhe von 2100 Mk. für die Stadt zu erlangen. Weiterhin machte er auf die am Samstag, 9. April, stattfindende Weihe der Gedenktafel am Geburtshaufe von Professor Dr. Theo Koch, Grünberg, aufmerksam. Der Bürgermeister berichtete außerdem erschöp- tend über den Punkt „Grund st ückstausch an der Höf en tränke". Es wurde anertannt, dah der dargelegte Abschluß der schon lange schwebenden Angelegenheit für beide Teile eine gute Lösung bedeute, und daß nach Riederlegung des alten Hauses am Eingang der Bismarckstraße und Erstellung des Reubaus an dec Hösentränke das dortige Stadtbild eine vorteilhafte Verbesserung erfahre. Der Gemeindcrat gab einstimmig feine Zustimmung zu dem abgeschloffenen Vertrag. Die Holzkommiffion hat mit Georg H a a s L C o. wegen der Zimmerarbeiten für das Schwimmbad verhandelt und empfahl die Ucbertragung der Arbeiten an die genannte Firma zu ihrem Angebot. Der Gemeinderat beschloß in diesem Sinne. Als Bademeister wurde für 1932 der Hilfsnachtwächter Ernst Stock bestimmt. Beim Ausbieten der Reinigung der städtischenStraßen und Plätze wurde nur ein Gebot (400 Mk.) abgegeben. Der Gemeinderat will mit dem Dieter aber nur auf der Höhe des alten Preises (339 Mk.) abschließen. Ein Kabelbagqer.urm der Hefrag einge mzt. Bon der Direktion der Braunkohlen-Schwelkraft- vcrk Hessen-Franksurt AG. (He frag) in Wölfersheim wird uns mitgeteilt: In unserem Braunkohlen-Tagebaubetrieb stürzte gestern, Donnerstag, früh aus bis jetzt nicht ganz Haren Ursachen der Gegenturm eines der aeiden Kabelbagger zusammen. Der Schaden in Höhe von etwa 100 000 RM. ist durch Versicherung voll gedeckt. Irgendeinen Einfluß auf hon Betrieb hat dieses Ereignis nicht. Menschenleben waren nicht gefährdet, weil der Turm ohne eigene Bedienung vom Mafchinenturm aus gesteuert wurde. Landkreis Gießen 4: 9t öb gen, 7. April. Am Mittwochabend wurde der neugewählte Bürgermeister Philipp Becker II durch Regierungsrat Dr. Braun vom Kreisamt Gießen in Anwesenheit des Gemeinderats in sein Amt ein geführt. )( Li ch, 7. April. Am Samstag wurde Die älteste Frau der hiesigen evangelischen Gemeinde die Lchrerswitwe Elisabeth Sauer, geb. Erb, zu Grabe getragen. Die Verstorbene *** d°. KLZ Hühnerfarm cingebrochcn und hatten „ oße Zahl Hühner gestohlen, die sie verkauften. Trotz Leugnens wurden sie auch dieses gaben im Verlaufe etwa 1 v. H. nach. Deutsche Anleihen eröffneten etwas freundlicher, erfuhren aber später eine Abschwächung. Am Markt der Auslandrenten setzten Rumänen nach der gestrigen Unter- । brechung ihre Abwätsbewegung fort. Deutsche festverzinsliche Werte waren nicht einheitlich, Pfandbriefe bröckelten nach behaupteter Eröffnung leicht ab. Industrieobligationen setzten bis zu 1 o. H. fester ein und gingen dann etwas zurück, sommunalobligatio- nen und ßiquibationspfanbbriefe waren nur wenig verändert, Staatsanleihen neigten zur Schwäche. Reichsschuldbuchforderungen konnten zunächst Ge- winne bis zu 1 v. H. verbuchen, die sie später teilweise wieder bergeben mußten. Am Geldmarkt hielt die Flüssigkeit an, der Prioatdiskontsatz wurde heute in Erwartung der Diskontsenkung der Reichs- bank abermals um % v H. auf 5,25 v. H. in der Mitte ermäßigt, stellte sich also auf 5'/,« Geld und 5Brief. Tagesgeld blieb meist noch unverändert 6,25 d. H. und darüber, vereinzelt hörte man aber auch schon einen Satz von 6% v. H. Frankfurt schwach. F r a n k f u r t a. M., 8. April. (WTB. Draht- mclöung.) Die letzt tägige Schwäche der internationalen Börsen im Zusammenhang mit der Kreuger-Angelegenheit wirkte heute auf die deutschen Börsen stärker zurück. Rach dem noch im vorbörslichen Verkehr die Kurse in Erwartung einer Diskontsenkung der Reichsbank gut behauptet und vereinzelt sogar etwas höher gesprochen waren, griff bei Beginn des amtlichen Verkehrs eine sehr schwache Tendenz Platz. Besonders die internattonal gehandelten Werte, wie Siemens, 3G.-Farben und Reichsbank waren scharfen Angriffen der Daissepartei ausgesetzt, wobei man wieder große Auslandabgaben vermutete. 3nfolgc der bevorstehenden Wah'en war die Aufnahmeneigung aber sehr klein, so dah gegen die Abendbörse durchweg Kursverluste von 1 bis 2 Proz., bei Spezialwerten solche bis zu 3 Prozent eintraten. Die Abnahme der Arbeitslosenziffern blieb vollkommen ohne Einfluß. Bis zu 3 Proz. schwächer lagen 3D., Reichsbank, Siemens und Salzdetfurth. Am Montanmarkt gaben Gelsenkirchen 2 und die übrigen Werte 1 Prozent nach. Don Dankaktien lagen Commerz- und Barmer Bank weiter unter Druck, während Schiffahrts-, Zellstoff- und Kimstseideaktien verhältnismäßig gehalten waren. 3G.-Chemie Dasel und Scheideanstalt gingen bis zu 1 Proz. zurück, dagegen konnten sich Svenska um etwa 2 Mk. erhöhen. Am Rentenmarkt lagen Gold- und Liquidationspfandbriefe in Erwartung einer Diskontsenkung zunächst weiter etwas freundlicher, doch stellten sich später ebenfalls Verluste bis zu 0,5 Proz. ein. Altbefitzanleihe und Reichsfchuld- buchforderungen lagen 0,5 Proz. schwächer. Reichsbahnvorzugsaktien dagegen behauptet. 3G.- Farben-Donds verloren 1 Prozent. 3m Verlaufe kam die Abwärtsbewegung zum Stillst a n d und auf der ermäßigten Dafis stellte sich verschiedentlich kleine Rachfrage ein. IG.-Farben und Schiffahrtswerte konnten um Druchteile eines Prozentes anziehen, während das Gros des Aktienmarktes behauptet blieb. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 5 Prozent unverändert und leicht. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. z . „ „ - ? Anregung zu geben. Die Umsatztätigkeit hielt sch nach wie vor in engsten Grenzen, doch ergaben sich teilweise Erholungen bis etwa 1 v. H. Die fremdlichcre Stimmung vermochte sich jedoch im Verlauf! nicht zu behaupten, und die Tendenz wurde noch ü der ersten Börsen- stunde ausgesprochen s ch w a ch.Besonders in Farben und Reichsbank gelangte in größerem Umfange Auslandmaterial zum Verkauf, so daß an diesen Märkten Verluste von 2 bzw. 3,5 o. H eintraten. Auch Siemens, Schultheis und Salzdeffurth hatten Abschwächungen bis zu 3 v. H. auf/uweisen. Etwas fester waren Ehadeaktien, die 4 Mack anzogen, und Julius Berger, die 2 v. H. gewannen. Auch Eontigummi konnten sich um etwa 2 v. H.erholen. Svenska blieben heute gut behauptet. Gelsenkirchen zeigten weiterhin widerstandsfähige Haltung/ konnten sich jedoch der allgemeinen Abschwächung nicht ganz entziehen und hat das hohe Alter vm 92 3ahren erreicht. — Am Sonntag konnte dir frühere Landwirt und Schuhmachermeister Kaü Christian Roth seinen 8 0. Geburtstag Ergeben. Dechant Kahn überreichte ihm aus ddsem Anlaß ein Gedenk- blatt der Kirchenbehirde. Der Posaunenchor brachte seinein verdifiten Ehrenmitglied ein Ständchen dar. Kreis otten. ± Groß-Eichen, 7. April. Schmiedemeister Georg Fuchs III., dosier. feiert am 9.April in großer körperlicher Rüsigkeit und geistiger Frische seinen 8 0. ©eburts ag. I. Rudingshaiw 7. April. Dieser Tage fand hier eine Güteroer/teigerung statt. Die zum Berkaus stehenden Gmndstucke mußten drei m a I ausgeboten roerttn. Ein Grundstück erbrachte erst beim dritten Awbieten einen höheren Preis. Für ein Grundstück n der Grüße von 2800 qm (mittlere Güte) wurdet nur 100 Mark geboten, zahlbar in zwei Jahresraten, unverzinslich gestundet. KreiS Friedberg. • Kirchgöns, l. April. Anläßlich des Besuches des Chrcnvossitzenden des Landesverbandes hessischer Kaniichenzüchter, Ludwig Steinbrecher- Darmstck>t, hielt der hiesige Geflügel-, Doge - und Kaninchenzuchtverein eine De^amrnlung ab. Der Ehrenvorsitzende, Ludwig Ce r h a r d , begrüßte die Mitglieder, besonders den Gast. Es wurde dabei hervorgehoben, dch der Ehrenvorsitzende des Landesverbandes shon feit 27 3abren sein Amt innehat. Herr Stlinbrecher überreichte dem Verein sein Dild, das dankbar entgegengenom^Runb 98000 Arbeitslose weniger. WTB. Berlin, 7. April. Die Frühjahrs» entlastung am Arbeitsmarkt ist in b«r Zweiten Hälfte des März deutlich erkennbar geworben. Die Arbeitslosenzahl ift seit den 15. März um rund 98000 zurückgegangen und betrug am 31. März nach den Zahlungen dir Arbeitsämter rund 6 031000. Von der Gesamtzahl der Arbeitslosen wurden cm 31. März rund 3 323 000 in der Arbeitslosenversiäe- rung und in der Ärisenfürsorge rund 1 948(00 Wohlfahrtserwerbslose in der öffentlichen Fürso ge unterstützt. Gegenüber dem Stand Mitte März tat die Arbeitslosenversicherung eine Entlastung um nnb 158 000 auf rund 1579 000 Hauptunterstützurgs- empfänger erfahren. In der Krisenfürsorge rouiien rund 1 744 000 Hauptunterstützungsempfänger ge- Zählt, was gegenüber Mitte des Monats eine Zunahme um rund 27 000 bedeutet. Die Besserung der Beschäftigungs- Verhältnisse, die im vorigen Berichtsabjhnitt sich erst in einzelnen Betrieben ankündigle, hck sich nunmehr allgemein durchsetzen könner. Sie blieb jedoch hinter der entsprechenden Bewegutg im Vorjahr nicht unerheblich zurück wohl zum Dil infolge der Zurückhaltung der Wirtschaft roegm der ungeklärten politischen Lage. Die günstiger.' Ent- Wicklung wurde fast ausschließlich von den Saison- außenberufen getragen, in denen allmählich die Arbeit in etwas größerem Umfange wieder angenommen wurde. Bevorsteh nde Ermäßigung des ^steichsbankdiskonis. TU. Berlin, 7. April. Wie vom Reihsfinanz- Minister angekündigt, schweben innerhalb kr Reichs- bank Erwägungen darüber, ob der derzei.ige flüssige Geldmarkt und die verhältnismäßig geringe Inan- spruchnahme der Reichsbank nicht zu einer Senkung des Diskantes ausgenutzt oerben könne, um von bieser Seite aus der Wirtschaft eine weitere Erleichterun a zu schaßen. Diese Erwägungen dürften sich am Donnerstag zu einem Beschluß verdichtet haben, da der Ztntralausschuß auf Freitag, 15 Uhr einberufen werden ist. Man dürfte in der Annahme nicht fehlgrhen, daß eine Senkung des Diskontsätze- um 0,5 auf 5,5 v. H. beschlossen werden wird. gestellt. Die Schüler und Schülerinnen erscheinen nach Schulklassen gesondert mit ihrem Lehrer. Die Kinder werden durch einen kleinen Bortrag über den Wert der Gesundheit aufgeklärt. Es wird ihnen insbesondere von der Notwendigkeit des Kampfes gegen die Tuberkulose, der Zahnpflege, der Schädlichkeit des Alkohols und der wohltuenoen Wirkung einer systematischen Körperpflege erzählt. Dann folgt die Besichtigung, wobei weitere Erklärungen gegeben werden. Um das Gesehene und Gehörte auch nachhaltig den Kindern einzuprägen werden sie veranlaßt, einen kurzen Aufsatz über Das, was ihnen am besten ge- sollen hat, zu schreiben. Die Aufsätze müssen in der schule unter Aufsicht des Lehrers, jedoch ohne dessen Mithilfe, geschrieben werden. Tausende solcher Auf> satze liegen bereits vor, und man kann daraus deutlich ersehen auf welchen Boden die Aufklärungsarbeit gefallen ift. Die iräger der Ausstellung sind neben der Lan- desverstcherungsanftalt Hessen noch die nachstehenden hessischen Verbände: Landesverband zur Bekämpfung der Tuberkulose, Landesverband zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, Zenttale für Mutter- und Säuglingsfürsorge, Fürsorgeoerein für Krüppel, Lan. deshauptstelle gegen den Alkoholismus, Landesverein für Krebsforschung und der Hilfsverein für Geisteskrankheiten. Aus aller Welt. Der erste „nasse" lag in Finnland — ohne Alkohol. Die mit größter Spannung erwartete Aushebung des finnischen Alkoholverbots erbrachte gleich am ersten Tag eine Sensation. Zum erstenmal seit Einführung des Alkoholverbots vor 13 3ahren war es nicht möglich, in den Restaurationen Spirituosen zu bekommen. Diese eigenartige Tatsache beruht darauf, daß die Restaurateure und das Alkoholmonopol, das seine Tätigkeit begann, sich nicht über die Höhe der Ausschankpreise und Verdienste einigen konnten. Aufregende Verbrccherjagd. Eine sensationelle 3agb auf einen gefährlichen Ein- und Ausbrecher spielte sich in Hamborn ab. Der Bergmann 3ohann, der wegen verschiedener Einbruchsdiebstähle eine längere Freiheitsstrafe zu verbüßen hatte, war am 7. Februar d. 3. aus der Strafanstalt Cleve ausgebrochen. Es wurde nun festgestellt, daß 3ohann sich in einem Hause in der Knavpenstraße aufhielt. Mehrere Schutzpolizei- und Kriminalbeamte umstellten das Haus. Rach einer vergeblichen Durchsuchung der Räume wurde der Gesuchte auf dem Dach bemerkt. Cs wurde ferner beobachtet, wie ihm durch ein Dachfenster von einer Frau eine Schußwaffe zugereicht wurde. Der Verbrecher wurde aufgefordert, herunterzukommen und die Schußwaffe wegzuwerten. Er we'gerte sich jedoch und gab im gleichen Augenblick einen Schuß aufdieDearnten ab. Hierauf wurde von den Beamten mehrere Male gefeuert. 3ohann stieg jetzt durch das Dachfenster in das Dachgeschoß des Hauses, wo er nach kurzem Widerstand überwältigt werden konnte. Er hatte mehrere Schüsse in Ober- und Llnlerschenkel erhalten und mußte ins Krankenhaus gebracht werden, doch ist fein Zustand nicht lebensgefährlich. Der richtige Weg zur Erlangung schöner weißer Zähne hähllcd fieffabten Zahnbelages Ist folgender: Drücken Sie einen Slrang Chlorodont- ZahTlpaste auf die trockene llhlorodoni-Zabnbürste(Spe;lalbücsle mH gezähmtem Borstenschnitt), bürsten Sie Ihr Eebih nun nach allen Seiten, auch von unten nach oben, tauchen Sie erst jetzt die Bürste in Wasser und spülen Sie mtt Chlorodoni-Mundwasser unter Gurgeln gründlich nach. Der Erfolg wird Sie Überraschen! Der mißfarbene Zahnbelog ist verschwunden und ein herrluhes Desühl der Frische bleibt zurück. Hüten Sie sich vor minderwertigen, billigen Nachahmungen und verlangen Sie Ms- drückuch Shlorodont-Zahnpaste. Unier-Vortriegspreffe. 7. »prtl 8. April Amtliche Notierung Amtliche Notierung <»flö Srlef Geld Briet Helllngsor» . 7 303 7,317 7,303 7,317 ölen 49,95 50,05 49,95 50,05 Prag . . 12,465 12,485 12,465 12,485 BubapeS 56,94 57.06 56,94 57,06 Gofia . . 3,057 3,063 3,057 3,063 pollanB 170,53 170,87 170,58 170,92 C4lo . . 83,62 83,72 83,02 83,18 ftopenbaga. 87,71 87,89 86,81 86,99 Stockholm 84.82 84.93 84,02 84,18 London . . Buenos Aires 15,98 16.02 15,88 15,92 1,068 1,072 1,063 1,067 Ncunorl 4,209 4,217 4,209 4,217 Brüllet. . 58,94 59,06 58,94 59,06 glatten. . . Pari« . . . 21,70 21,74 21,69 21,73 16,60 16,64 16,61 16,65 Schwel, 81,82 81,98 81,87 82,03 Spanten 31,92 31,98 32,07 32,13 Danzig 82.42 82,58 82,47 82,63 Japan 1.389 1,391 1,389 1,391 Rtv de gan.. 0,259 0,261 0,259 0,261 Iugoslawteu. titiiabiB 7,413 7,427 7,413 7,427 14.59 14,61 14,49 14,51 Berlin, 7.April Geld Bries jlmenläniid.e 9ioten....... 4,20 4,22 Belgische Noten ........ 58,78 59,02 Däniiche Noten ........ 87,52 87,88 Englische Noten......... 15,94 16,00 Zrönzüsische Noten........ 16,56 16,62 Holländische Noten........ 170,16 170,84 Italienische Noten........ Norwegische Noten ....... 22,11 22,19 83,83 83,77 Deutsch.Leiterreich, 6 100 Schilling — — Rumänische Noten........ 2,49 2,51 Schwedische Noten ....... 84,63 84.97 Schweizer Noten........ 81,64 81,96 Spanische Noten ....... 32,04 32,16 Ungarische Noten — G.jfxfpori Tisch-Tennis der Sp.-Vg. 1900. Rot-Weih Friedberg I — 1900 I 7:11. Die Erwartung, das; es beim Rückkampf in Friedberg hart auf hart gehen werde, traf zu. Die Einzelspiele sahen die 1900er mit nur zwei Punkten im Vorteil. Dadurch, daß aber den Gastgebern in den sechs Doppels vier abgenommen werden kannten, war der Sieg der Gießener, die damit immer noch ungeschlagen sind, sichergestellt. Nachstehend die Ergeb n i s s e (Friedberg ist jeweils zuerst genannt): Einzel: Thirl) — Dietrich 21:13, 21:17, 21:19; Rothschild — Ost 14:21, 19:21, 18:21; Meier — Jung 21:15, 21:17, 19:21; 22:20: Oehring — Günther 21:19, 20:22, 21:15, 21:12; Hensel — Gebhardt 19:21, 18:21, 21:19, 8:21; Scharmann — Berger 21:12, 20:22, 21:16, 21:12; Thylmann — Gros 21:17, 21:9, 21:11; Stümpfig — Topp 21:19, 21:19, 16:21, 21:13; Drebes, G. — Petsch 13:21, 12:21, 17:21; Jockel — Nikel 14:21, 13:21, 18:21; Gundrum — Topp 12:21, 22:20, 21:16, 9:21, 11:21; Staubach — Meyerhofs 16:21, 21:12, 14:21, 14:21. Doppel: Meier^Rothschild — Ost-Iung 18:21, 14:21, 13:21; Thiry-Scharmann, W. — Dietrich-Günther 21:12, 13:21, 15:21, 23:21, 21:9; Hensel-Thyl- mann — Gebhardt-Berger 17:21,8:21,12:21; Oehring- Stümpfig — Jung-Nikol 21:9, 16:21, 21:15, 21:16; Drebes, G.-Sprengel — Meyerhoff-Gros 7:21, 13:21, 21:13, 13:21; Scharmann, E.-Trapp — Topp-Petsch 12:21, 9:21, 6:21. FV. „Teutonia^ Laubach. Laubach I — Ettingshausen-Queckborn I 7:1 (3:1). Aus Anlas; des Iugendopfcrtagcs im WSV. standen sich in Laubach die ersten Mannschaften der Vereine Ettingshausen - Queckborn (kombiniert) und des Fußballvereins „Teutonia" Laubach gegenüber. Die Gastgeber griffen sofort mit großem Eifer an und erzielten in der ersten Halbzeit drei Tore, denen die Gäste bei einem Durchbruch nur einen Treffer entgegensetzen konnten. Sn der zweiten Halbzeit kam die kombinierte Gästemannschast nur noch vereinzelt bis an die Laubacher Verteidigung und konnte nicht mehr gefährlich werden. Nacheinander gelangten die Teutonen trotz des energischen Widerstandes der Gästeverteidigung zu vier weiteren Erfolgen. „jRunh um Schotten" am 5. Juni. Der zweite Lauf um die deutsche Motorrad- Straßenmeisterschaft wird am 5. Sunt auf der hessischen Hilfsrennstrecke „Rund um Schotten" ausgetragen. Mit der Ausrichtung des Rennens wurde wieder der DogelsbergerAuto mobil» undMotorradklub in Schotten beauftragt. Die Ausschreibungen werden in Kürze erscheinen. Das Rennen um die Meisterschaft geht über 12 Runden (211,2 Kilometer). Reben den Barpreisen winken dem Fahrer die Wanderpreise der Stadt Schotten und des hessischen Snnen- ministers. Ein Seitenwagenrennen für Lizenzfahrer über 3 Runden (52,8 Kilometer) und ein Ausweisfahrerrennen über 2 Runden (35,2 Kilometer) schließen sich an. Das Rennen findet in diesem Jahr zum 8. Male statt; die Rennstrecke ist wohl die schwierigste und schönste natürliche Rundstrecke Deutschlands. Sie weist einen Höhenunterschied von 350 Meter auf und stellt ■ mit ihren zahllosen Kurven und Schleifen hohe I Anforderungen an Maschine und Fahrer. Süddeutsche Handball-Endspiele am 10. April. Sn Rürnberg-Fürth gehen am kommenden Sonntag zwei wichtige Handballtreffen in Szene. Spielvereinigung Fürth und VfR. Mannheim stehen sich im Vorspiel um die süddeutsche Meister- chaft gegenüber; das Rückspiel steigt acht Tage bätet in Mannheim. Sn Nürnberg findet das öchlußspiel um die süddeutsche Damenmeisterschaft zvischen dem 1. FC. Nürnberg und dem Der- tübiger Eintracht Frankfurt statt. Schalke spielt gegen Ehelsea. Die bekannte englische Berufsspielermannschaft vor Chelsea (London) absolviert demnächst sechs Stiele in Deutschland. Nachdem die Spiele in Berlin gegen Preußen (Pfingst-Samstag), in Levzig (Pfingst-Montag) und in München (am 21. oder 26. Mai) bereits festliegen, ist nun ein Wei eres Treffen mit dem FC. Schalke 04 ab- gescklossen worden, das am 22. Mai in der Dormunder Kampfbahn „Rote Erde" vor sich gehe, wird. Das Programm für Los Angeles liegt vor. Das von 14 internationalen Sportverbändeq ausgearbeitete und endgültig aufgestellte Pro-« gramm für die 10. Olympischen Spiele in Los Angeles wurde, nach einer telegraphischen Mel* düng aus Neuyork, am Dienstag mit allen Ein- Selheiten veröffentlicht. Sn den Tagen vom 30. Suli bis zum 14. August werden im Olympischen Stadion, auf den Nebenplätzen, in den geschlossenen Hallen, auf der Ruderbahn in Long Deach usw. insgesamt an neun verschiedenen Plätzen nicht weniger als 137 Wettbewerbe abgewickelt. Die feierliche Eröffnung der Spiele erfolgt am 30. Suli mit dem Einmarsch allev Teilnehmer. Kurze Sportnotizen. Auf . die Suspendierung Nurmis durch den Vorstand des Snternationalen Leichtathletik-Verbandes hin, antwortet jetzt der finnische Verband mit einem energischen Protest. Die Finnen beklagen sich vor allem darüber, daß sie vor der Beschlußfassung und bei der Verhandlung nicht gehört worden sind. Daten für Freitag, 8. April. 1832: bet Generalfelbmarschall Alfreb Graf v. Waldersee in Potsdam geboren. — 1835: bet Staatsmann Wilhelm v. Humbolbt in Tegel bei Berlin gestorben. — 1848: ber italienische Komponist Gaetano Donizetti in Bergamo gestorben. WC das Thema: 2736 D Eintritt 30 Pf., Erwerbslose 10 Pf. an der Kasse Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei KEHR RASSOL KÖLNER FRÜHJAHRSMESSE Der das Thema des 2741 C 2732 V SexuaLProblems WF DR CD RUCKSACHEN D ■■BrOhl’sche Druckerei in allen Preislagen 2748 A Soll Ihr Stoff recht preiswert sein, kaufen Sie bei Schmücker 2733 A em 1 gr. FI. 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