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Aber «ger Meister- der begeistert kner Genuß, nen Tempera- en. n dem Einzel ah den Mttel. :e. Der Amen- >lch großartige Applaudieren war Nüßlein >e Spiele aus mberger nicht Ende in drei Mittwoch, 7 Dezember 1952 182. Jahrgang nr. 288 Kvübaussabe GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen xrvS und Verlag: vrühl'sche Unlverfitüls-Vuch- und Zleindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7. Die Konstituierung des Reichstages Ruhige Sitzung.-Lm Präsidium: NSDAP., Zentrum, Bayerische Dolkspartei und SPD Unnaqme von äiijeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20u , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil i. D. TH.Kümmel sämtlich m Biegen. Ertcherni täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Giegener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr-Vezugsprelr: Mil 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanschlüfie unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Berlin. 6. Dez. (VDZ.) Der Sitzungssaal und die Tribünen des Reichstags, auch die Diplomatenloge, find bis auf den letzten Platz besetzt. Der Alterspräsident von L i tz m a n n , der in Zivil erschienen ist, wird von den sämtlich in Parteiuniform erschienenen Nationalsozialisten mit Heil- Rufen begrüßt. Der Alterspräsident dankt mit dem Faschistengruß. Die Kommunisten rufen: Nieder! Nach der üblichen Feststellung, daß kein älteres Mitglied als er im Reichstag ist, e^ffnet Abg. v. Lihmami (NS.) als Alterspräsident. die erste Sitzung des neuen Reichstages mit einer längeren Rede. Unsere Machthaber, so führte er u. a. aus, haben in den letzten 14 Jahren sich reichlich Mühe gegeben, das deutsche Volk an Enttäuschungen zu gewöhnen. (Zwischenrufe der Kommunisten.) Die Enttäuschungen vom 13. August und 25. November schlagen trotzdem schmerzliche Wunden. Das Volk hoffte, daß nach dem jahrelangen fruchtlosen Experimentieren der Reichspräsident die befreiende Tat eintreten lassen würde, und glaubte, daß er, wie früher, den Führer der stärksten politischen Bewegung mit der Führung der Regierung betrauen würde. Das hätte in diesem Falle den Mann betroffen, der allein fähig ist, das Vaterland zu retten. (Beifall bei den 9to.) (Gelächter links und Rufe der Kommunisten: „Nieder mit Hitler!") Aber statt vor allem zu fragen, wer denn überhaupt imstande sei, die jetzige Lage zu beherrschen (Zuruf bei den Kommunisten: „Ihr niemals!") hat man sich tagelang über die Begriffe „parlamentarische Re-gierung", „Präfidmlregierüng" usw. unterhalten und hat ein Scheingefecht geführt. Man wollte eben unserem Führer nicht die Macht überlassen, man hat ihm darum unerfüllbare Bedingungen gestellt. (Zuruf bei den Soz.: „Ich denke, er kann alles?") Derselbe Herr Reichspräsident, der einem Hermann Müller, einem Brüning und einem Fram v. Papen sein volles Vertrauen geschenkt hatte (Zuruf bei den Kommunisten: „Wofür Sie den breiten Rücken hinhielten!"), versagte sein Vertrauen dem Manne, in dem Millionen Deutscher den Größten und Besten sehen, den Deutschland gegenwärtig beisitzt (Stürmischer Beifall bei den NS. — Lachen bei den Soz. und bei den Kommunisten), der seit 14 Jahren und länger an dem Problem gearbeitet hat, wie Deutschland zu retten ist. In seinem Brief an den Reichspräsidenten vom 23. November, der an Gradheit nicht zu übertreffen ist, hat Adolf Hit - l e r unter dem Einsatz feiner Person sich dem Herrn Reichspräsidenten zur Verfügung gestellt. Dieser hat ihn abgelehnt! (Gelächter und Rufe links: „Das glauben wir!") Das Ergebnis der Papenregierung ist innerpolitisch das Ehaos, außenpolitisch die Isolierung Deutschlands. Die Not des deutschen Volkes (Zuruf bei den Soz.: An der ihr schuld seid!) ist grenzenlos. Täglich bekomme ich erschütternde Briefe von ehemaligen Untergebenen und ihren Hinterbliebenen. So schreibt einer aus Frankfurt a. d. D.: „Unsere Speise sind Tränen. Wir stehen am Ende unserer Kraft. Wir sind der Verzweiflung nahe, und nur der Tod kann uns retten/' In einem anderen Briefe heißt es: ,Zch bitte Sie inständig, Herr General, sorgen Sie dafür, wenn Hitler Reichskanzler wird, daß diese unglückliche Notverordnung des Reichspräsidenten über die Rentenkürzung der Teufel holt. (Zurufe bei den Kommunisten: „Wir werden Ihnen Gelegenheit geben!") Durch diese Verordnung werden die Leute zu Kommunisten gemacht." (Große Heiterkeit linksI Die Brieffchreiber sind der Meinung, daß der Reichs- vräsident über die Zustände in Deutschland nicht im klaren ist. Genau 18 Jahre ist es her, daß Feld- marschall v. Hindenburg sich zum Retter Deutschlands machte. Am 23. November 1914 fand der Durchbruch nach Brzesny statt, im Anschluß daran die Schlacht bei Lodz. Die glückliche Wendung wurde durch meine Infanteriebrigade herbeigeführt, und Hindenburg gab zu, daß er uns den Feldmarschallstab zu danken habe. Heute handelt es sich darum, daß er dem historischen Fluch entgeht, 'bas deutsche Volk zur Verzweiflung getrieben, dem Bolschewismus preisgegeben zu haben (Huhu-Rufe bei den Kommunisten), obwohl der Retter bereitstand. (Lachen links.) Das Wohl und Wehe von Volk und Vaterland muß die einzige Richtschnur unseres Denkens und Handelns sein. Vorteil und Wunsch des einzelnen oder einer Gesellschaftsschicht oder einer politischen Partei, oder gar einer auswärtigen Wacht dürfen dabei ganz und gar keine Volle spielen. (Stürmischer Beifall bei den VS. — Lärm und Rufe bei den Kommunisten: „Denken Sie an die Rom- reife! Südtirol!" — Gegenrufe der Rationalsoz. „Tiere seid Ihr, keine Menschen!") Gleichgültig, ob er von Dauer ist, oder ob er in scherzhafter Anwendung des 2lrt. 1 RV.: „Die Staatsverwaltung geht vom Volke aus!" bald wieder aufgelöst wird, muß der Reichstag vor allem an eins denken: Ans Vaterland! (Lebhafter Veifall bei den RS. — Erneute Rufe bei den Kommunisten: Ihr habt Südtirol verraten!) Die Feststellung der Anwesenheitsliste. Darauf nimmt der provisorische Schriftführer Abg. Laverrenz (Dnl.) den Ramensaufrufzur Feststellung der Veschlußfähigkeit des Hauses vor. Der Alterpräsident teilt mit, daß nach der Zählung 566 Abgeordnete anwesend sind, das Haus also beschlußfähig ist. Die Abgeordneten Dr. Frick (RS.) und Tor gier (Korn.) beantragen, die in Haft befindlichen nationalsozialistischen Abgeordneten Keller, Gretzesch und die kommunistischen Abgeordneten M addalena, Duchmann und Thom freizulassen. Abgeordneter T o r g I e r beantragt weiter die Aushebung der Durgsriedens-Rotverordnung. Abg. Dittmann (Soz.) stimmt der Haftentlassung der drei Kommunisten zu und richtet an die Rationalsozialisten die Frage, ob es richtig sei, daß die Abgeordneten, deren Freilassung sie fordern, wegen Totschlags und Dombenlegerei im Gefängnis sitzen. Diese Fälle müßten erst dem Ge° schäftsordnungsausschuh überwiesen tp.'rben. Abgeordneter Dr. Frick (RS.) erklärt, nach dem Widerspruch des Abg. Dittmann gegen die sofortige Haftentlassung der Rationalsozialisteu widerspreche er auch der sofortigen Haftentlassung der Kommunisten. (Lärm links.) Alterspräsident von Litzmann erklärt: Wir kommen nun zur Wahl des Präsidenten. Abg. Dr. Frick (NS.) schlägt den Abg. Göring zum Reichstagspräsidenten vor. Abg. S t e i n h o f f (Dnl.). Trotz der Bedenken, die unsere Fraktion gegen Herrn Göring hat, hätten wir ihm unsere Stimme gegeben, wenn die Nationalsozialisten nicht deutlich ängefünbigt hätten, daß sie gegen den Kandidaten der deutjchnationalen Fraktion, Abg. Graes, stimmen würden. Wir schlagen daher vor, den Abg. G r a e f zum Reichstagspräsidenten zu wählen. Abg. Dittmann (Soz.) schlägt als Gegenkandidaten den Abg. L ö b e vor Abg. Rädel (Kom.) schlägt den Abg. T o r g 1 e r vor. In der Stichwahl würden aber die Kommunisten für ßöbe stimmen. (Hört! Hört!). Bei der Präsidentenwahl erhält Abg. Goring (RS.) 279 Stimmen. Abg. Göring ist somit im ersten Wahlgang gewählt, da die absolute Mehrheit 273 Stimmen beträgt Präsident Göring dankt zunächst dem Alterspräsidenten v. L i tz - mann, der als Sieger des Weltkrieges jetzt in ungebrochener Frische der Volksvertretung diene. Die deutsche Volksvertretung sei in letzter Zeit herabgewürdigt wordem Man habe von überlebtem Parlamentarismus gesprochen im Gegensatz zu einer autoritären Staatsführung. Auch wir sind gegen eine überlebte Parteiherrschaft, aber die Regierung hat alles getan, um den “Begriff der Autorität gründlich zu zerstören. Der Kuhhandel der letzten Wochen steht einzig da, und selbst alte erprobte Parlamentarier könnten vor Reid blaß werden, wenn sie an diesen Kuhhandel der autoritären Staatsregierung denken. (Heiterkeit und Beifall.) Wir brauchen eine autoritäre Staatsführung, aber sie muß der Verfassung gemäß sich stützen auf die Kraft des deutschen Volkes und nicht auf Bajonette, denn Bajonette find zu allem möglichen gut, aber nicht, um darauf zu fitzen. (Beifall.) Wir bedauern, daß durch die Ernennung des Wehrministers zum Reichskanzler unsere kleine, aber ausgezeichirete Reichswehr in den Streit der Parteien hineingezogen wird. Riemals darf unsere Wehrmacht benutzt werden, um im Innern als Polizei gebraucht zu werden. (Beifall und Hort! Hört!) Wit dem Artikel 48 wird jetzt so regiert, daß der reine Abfolutismus an der Tagesordnung ist. Wenn man der Volksvertretung das Recht nehmen will, durch ein Mißtrauensvotum eine Regierung zu stürzen, so ist das niemals mit der Verfassung vereinbar. Man mag zur Auflösung des Reichstages jedesmal andere Gründe heranziehen, um dem Buchstaben der Verfassung zu genügen, aber dem Geist der Verfassung entspricht dieses Verfahren nicht. (Beifall.) Rach der Verfassung geht die Staatsgewalt vom Volke aus, und darum hätte mit der Staatsführung Adolf Hitler betraut werden müssen, hinter dem ein Drittel des ganzen Volkes steht, (älnruhe bei den Kommunisten.) Ich trete mein Amt an als Dienst am deutschen Volk. (Beifall bei den Rationalsozialisten.) Oie Wahl der Vizepräsidenten. Bei der Wahl des Präsidenten hatten erhalten: Lobe (SPD.) 120, Torgler (Kom.) 92 und Gräf (Dnl.) 51 Stimmen. Für die nun folgende Wahl des 1. Vizepräsidenten schlägt Abg. Dr. Frick (NS.) den Abg. Esser (Ztr.) vor. Abg. ßöbe (Soz.): Wir schließen uns diesem ausgezeichneten Vorschlag an. Wir hoffen dabei, dem Herrn Reichstagspräsidenten Göring eine Hilfe zur Seite zu stellen für feine Bemühungen um die Parlamentsrechte und um die Verfassung von Weimar. (Heiterkeit.) Zum 1 Vizepräsidenten wird der Abg. Esser (Ztr.) gewählt mit 445 Stimmen. Auf den Abg. Torgler (Kom.) fielen 93 Stimmen. Zur Wahl des 2. V i z e p r ä f i b e n t c n schlagen die Sozialdemokraten den Abg ßöbe, die Nationalsozialisten den Abg. Rauch (BVp.), die Deutsch- nationalen den Abg Gräf und die Kommunisten den Abg. Torgler vor Die Wahl ergibt für den Abg. Rauch (BVp.) 195. für den Abg. ßöbe (Soz.) 198, Gräf (Dnl.) 58 und Torgler (Kom.) 93 Stimmen. Demnach muß Stichwahl zwischen den Abg. Rauch und ßöbe stattfinden. In der Stichwahl wird Abg. Rauch (BVp.) mit 255 Stimmen zum 2. Vizepräsidenten gewählt. 202 Stimmen fielen auf den Abg. ßöbe (Soz.). Runmehr wird noch die Wahl des Dritten Vizepräsidenten vorgenommen. Hierzu werden vorgeschlagen von den Ra- tionallozialisten Abg. Dr. Hugo (DVP.), von den Sozialdemokraten Abg. L ö be (Soz.), von den Deutschnationalen Abg. Gräf (Dntl.) und von den Kommunisten Abg. Torgler. Stimmen erhielten Abg. Dr. Hugo 204, Abg. ßöbe 193, Abg. Torgler 87 und Abg. Gräf 52. Es findet also Stichwahl zwischen Hugo und ßöbe statt. Bei der Stichwahl zwischen ßöbe und Hugo entfallen auf jeden Kandidaten 205 Stimmen, so daß das ß o s entscheiden muh. Der amtierende Vizepräsident Esser (Ztr.) gibt unter allgemeiner Heiterkeit bekannt, daß er das Los des Abg. Hugo gezogen habe. Die spätere amtliche Rachzählung des Abstimmungsergebnisses bei der Wahl des Dritten Vizepräsidenten hat ergeben, daß auf den Abg. Dr. Hugo (DVP.) nur 204 Stimmen und auf Berlin, 6. Dez. (CNB.) Bei aller Belebtheit des äußeren Verlaufes hat die heutige Eröffnungssitzung des neuen Reichstages keine politischen Sensationen gebracht Bis fast zum Schluß der Sitzung war aber die wesentlichste Frage offen, nämlich die, ob es bereits morgen zur Entscheidung über das Schicksal auch dieses Reichstages kommen, oder ob er sich über Weihnachten und Neujahr vertagen würde. Unvorhergesehene Plötzlichkeiten, die alle Berechnungen umwerfen können, sind natürlich auch jetzt noch n:cht ausgeschlosien; aber unter diesen Vorbehalten kann es jetzt als sicher gelten, daß der Reichstag sich am Freitagabend bis zum 15. Ianuar vertagen wird. Die Ablehnung des kommunistischen Antrages (das Mißtrauensvotum) und des sozialdemokratischen Antrages (die Regierungserklärung auf die morgige Tagesordnung zu setzen) wird in parlamentarischen Kreisen als charakteristisch, gewissermaßen als V Urabstimmung für die Entscheidung über die Vertagung ins nächste Jahr hinein angesehen. De? Reichstag wird Mittwoch und Freitag — dazwischen liegt der katholische Feiertag — das Ge setz über die Regelung der Stellvertretung des Reichspräsidenten und das über die Aufhebung der sozialpolitischen Be- st i m m u n g e n der Juni-Notverordnung behandeln und annehmen. Man rechnet sogar damit, daß für beide Gesetze ungewöhnlich große Mehrheiten zusammenkommen. Bei dem Gesetz über bie Stellvertretung des Reichspräsidenten Fann_ so gar annähernd Einstimmigkeit erzielt werden. Sehr viel anders liegt es auch keineswegs bei dem Zwei ten Gesetz, zumal die Reichsregierung selbst ohnehin die Absicht hatte, diese Bestimmungen außer Kraft zu setzen. Nach Erledigung dieser beiden Aufgaben wird der Reichstag sich dann voraussichtlich am Freitagabend bis zürn 15. Januar vertagen. Im Reichstage sieht man die volrtrsche Bedeutung dieser voraussichtlichen Entwicklung in zwei Punkten. Einmal ist bedeutsam, daß die neue Reichsregierung bis Mitte Januar Zeit zu ruhiger Arbeit hat. Die Vertagung um fünf Wochen wäre ein unleugbarer Erfolg — der erste Erfolg — des Kabinetts v. Schleicher, durch den auch im Augenblick verhindert wird, daß neue Beun- Den Abg. ßöbe (Soz.) 205 Stimmen entfallen. Abg. ßöbe (Soz.) ist damit zum Dritten Vizepräsidenten gewählt. Die Wahl der 12 Schriftführer wird in einem Wahlgang vollzogen. Haftentlassungen beschlossen. Abg. Torgler (K.) beantragt erneut die so-» fertige Abstimmung über die Haftentlassung der in Haft befindlichen drei kommunistischen Abgeordneten. Abg. Dr. Frick (Rat.-Soz.) erklärt, er werde der sofortigen Abstimmung nicht widersprechen, wenn sie zugleich auch für die beiden nationalsozialistischen Abgeordneten gelte. Widerspruch wird diesmal nicht erhoben und die Haftentlassung der fünf Abgeordneten wird mit den Stimmen der Rationalsozialisten und Kommunisten beschlossen. Oie Tagesordnung der zweiten Sitzung Damit ist der Arbeitsstoff der ersten Sitzung erledigt. Die nächste Sitzung soll nach dem Vorschlag des Vizepräsidenten Esser am Mittwoch, 14 Ahr, stattfinden. Aus der Tagesordnung soll nach feinem Vorschlag stehen der Gesetzentwurf über die Vertretung des Reichspräsidenten, Anträge auf Aenderung der Rotverordnung vom 4. September, Amnestieanträge und Anträge auf Winterhilfe und Arbeitsbeschaffung. 2njg. ßöbe (Soz.) beantragt, auch die Entgegennahme der Regierungserklärung und die Anträge auf Abschaffung der Sondergerichtsbarkeit auf die Tagesordnung zu setzen. Abg. Torgler (K.) meint, es fei interessant, daß der nationalsozialistische Präsident die entscheidenden Abstimmungen gegen das neue Kabinett Schleicher noch nicht auf die Tagesordnung gefetzt habe. Die Kommunisten müßten verlangen, daß schon morgen die Anträge auf Aufhebung aller Rotverordnungen und die Mißtrauensanträge gegen das Kabinett Schleicher auf die Tagesordnung gesetzt würden. Abg. B r e i t s ch e i d (Soz.) widerspricht dem kommunistischen Verlangen, morgen schon über den Mißtrauensantrag abzustimmen. Die neue Regierung habe Anspruch darauf, mit ihrem Programm gehört zu werden, und der Reichstag habe das Recht, seine Meinung zu diesem Programm ^zu sagen. Dem neuen Kabinett stünden auch die Sozialdemokraten mit großem Mißtrauen gegenüber, zumal die Ernennung von Dr. Bracht zum Innenminister erkennen lasse, daß der bisherige Kurs fortgesetzt werden solle. In der Abstimmung wird der konrrnunistische Antrag, das Mißtrauensvotum schon morgen auf die Tagesordnuno zu setzen, mit allen Stimmen gegen die der Kommunisten abgelehnt Die Kommunisten rufen: „Die Retter Schleichers!" Gegen die Sozialdemokraten und Kommunisten i wird auch der sozialdemokratische Antrag auf Re- gierungsproarammdebatte abgelehnt. Es bleibt beim Vorschlag des Präsidiums. | Schluß der Sitzung gegen 20 Uhr. rufjigung in die Wirtschaft bineingetragen wird. Das ist um so bemerkenswerter, als gerade augenblicklich z. B. aus dem Ruhrgebiet sehr ansehnliche Ansätze einerWirt- schastsbelebung gemeldet werden, so bei der Kohlenförderung eine Besserung um 15 ü. Sy; ähnlich ist die Steigerung in der Eisenerzeugung, und beim Rohstahl beträgt sie sogar 33 v. H. Gerade bei den Abgeordneten, die in enger Verbindung mit der Wirtschaft stehen, wird die ruhige parlamentarische Entwicklung, die sich zunächst für eine gewisse Zeit anzubahnen scheint, in diesem Zusammenhänge mit lebhafter Genugtuung verzeichnet. Der zweite Gesichtspunkt für die parlamentarische Beurteilung ist die Tatsache, daß der Reichstag mit der für Mittwoch und Freitag in Aussicht genommenen Tätigkeit wieder anfängt, seine gesetzgeberischen Aufgaben zu erfüllen. In den Kreisen, die grundsätzlich auf dem Boden des Parlamentarismus stehen, wird besonders begrüßt, daß der Reichstag sich damit wieder als arbeitsfähig erweist, statt sich in fruchtlosen Rega- tiven, wie Mißtrauensvoten und dergleichen, zu erschöpfen. Das wird, so sehr es sich auch nur um einen Anfang handelt, als ein wesentlicher Fortschritt zur Wiederherstellung parlamentarischer Verhältnisse empfunden. Ein Fortschritt übrigens, der auch in Kreisen der Reichsregierung schon deshalb mit Befriedigung ausgenommen wird, weil das Parlament, wenn es wieder zu seiner ureigensten Aufgabe, der Gesetzgebung, zurückkehrt, dem Reichspräsidenten die seit langem gewünschte Entlastung auf diesem Gebiet« bringt. Tagung des Aettesienrats. Berlin, 6.Dez. (VdZ.) Der Aeltesten- r a t des Reichstages hielt am Dienstagabend feine erste Sitzung ab. Es wurde bestätigt, daß nach dem endgültigen Ergebnis der Abgeordnete ßöbe zum dritten Vizepräsidenten gewählt ist. Im übrigen fcnrd im Aeltestenrat eine Aussprache über die Erledigung der Tagesordnung statt. Auf die Tagesordnung sind nachträglich noch sämtliche mit den Rotverordnungen zusammenhängenden Anträge gesetzt worden,' die aber größtenteils den Das politische Ergebnis der ersten Sitzung. Vertagung bis iS.Zanuar heute schon sicher?-E>elbstbeschnänkung des Reichstags. Hoovers ZahresboWast an den Kongreß stabililäk Ver- Havarie der „Tonte bi Savoia". Sodann schulden Aus aller Welt. Seine Entschädigung für Bullcrjahn. Kein Zusammentritt des Hessischen Landtages vor Weihnachten Darmstadt, 5. Dez. (WSN.) Wie nunmehr feststeht, tritt der Hessische Landtag vor den Weihnachtsfeiertagen nicht mehr zusammen. Lediglich die Ausschüsse werden in diesen Wochen ihre Beratungen weiterführen. Washington, 6. Dez. (WLD.) Präsident Hoover verlas imKongreßdie übliche 3 o h- resbotschaft. Cr erklärte, daß die bisherigen Maßnahmen und die Kredite der Finanzre<.on° struktionsgesellschaft die bedürftige Bevölkerung der Vereinigten Staaten im kommenden Winter vor Hunger und Kälte bewahren würden. Die unvergleichliche Weltdepression habe während des ganzen Jahres angehalten und im letzten Winter und vor allem im Herbst infolge des europäischen Zusammenbruchs mehrere sehr ernste Krisen hervorgerufen. Die getroffenen Votmahnahmen hätten jedoch die Vereinigten Staaten vor einem Wirtschaftszusammenbruch gerettet und seil Juli sei eine gewisse Wirlschaflsbesserung zu beobachten. Zur Wirtschaftsbelebung seien notwendig: 1. eine drastische Kürzung der Derwaltunas- kosten, 2. eine völlige Äeuorganifation des amerikanischen Vankensystems, dessen älnzuver- lässigkeit die Wirtschaftskrise wesentlich verschärft habe, und eine nachdrückliche offenherzige Zusammenarbeit mit den übrigen Nationen zwecks Stabilisierung der Rohstoffpreise durch Verbrauchshebung und Wiederherstellung des allgemeinen Vertrauens. Hoover kündigte sodann in seiner Dotschaft eine Kürzung des Haushalts um 580 Millionen Dollar an und empfahl die Beibehaltung des im letzten Jahr eingeführten Systems des zwangsweisen unbezahlten Urlaubs für die Regierungsbeamten. Ferner schlägt Hoover eine w itere Gehaltskürzung bis zu 14.8 v. H. vor. sowie die Abschaffung unnötiger Kriegsteilnehmerbezüge. Hinsichtlich der Weltabrüstung erklärte Hoover, daß die Regierung der vereinigten Staaten bemüht sei, die Verteidigungswaffen anderer Rationen zu stärken, die Stärke der Angriffswaffen dagegen herabzusehen, hierdurch würde die welt- mitgrteilt, daß er dem amerikanischen Kongreß Mittel und Wege empfehlen werde, um nötigenfalls zeitweilige Trasferschwierig- keiten in Verbindung mit den Dezemberzahlungen zu beheben. In diesem Zusammenhang kündigte Hoover eine S o n d e r b o t s ch a f t an, die die Sriegsschul- denfrage im einzelnen behandeln wird. Schließlich verwies er, was das Haager Schiedsgericht das Antitrustgeseh und die zahlreichen inneren Reformen anbelangt, auf seine früheren Botschaften. Die Einzelheiten des Wirtschaftsprogcamms werden in einer Sonderbotschaft in den nächsten Tagen erwartet. und der allgemeine Wohlstand gefördert. Ausschüssen überwiesen werden dürften. Staatssekretär Planck wies darauf hin, daß in den Fragen der Amnestie und der Winter- h l l f e auch bve Regierung die Absicht habe. Vor- schlage zu machen. Heber den Zeitpunkt und die Duvä.suhrung dieser Vorschläge konnte er noch mchts Mitteilen. Oer Reichspräsident beim Gottesdienst vor Eröffnung des Reichstags. X V Vm rL' 6-Dez. (CNB. Funkspruch. Eigene Meldung.) Nach althergebrachter Sitte fand heute mit- lag aus Anlaß der Eröffnung des Reichstages ein Gottesdienst für die Mitglieder der Reichsregierung, °?b..,^eichsrates und des Reichstages statt. Die Geistlichkeit empfing im Vorraum des Doms den Reichspräsidenten von Hindenburg, der punkt 12 Uhr in Begleitung von Staatssekretär Dr Meißner erschienen war. An dem Gottesdienst nahmen außerdem der Reichsfinanz- und der Reichswirtscha tsminister teil. Der Vize- Präsident des Evangelischen Oberkirchenrats, Oberdomprediger Dr. D. Burghardt hielt die Predigt. Schlechte Aufnahme der neuen Schuldennoten. Hoover Witt nicht reagieren. Washington. 5. Dez. (WTD.) Don amerikanischer Regierungsseite verlautet, daß die alliierten Regierungen keinerlei Aussichten auf wohlwollende Behandlung ihrer zweiten Serie von Schuldennoten haben dürften. Auch innerhalb des republikanischen Kabinetts werden diese Roten als völlig ungeeignet zur Förderung der Angelegenhett bezeichnet, und es ist zweifelhaft, ob mehr als eine rein formelle Empfangsbestätigung darauf erfolgen wird. Im Weißen Haus sieht man keine Möglichkeit, diese Roten Englands und Frankreichs dem Kongreß mit der Bitte um weitere Behandlung vorzulegen, da sie unrichtige Feststellungen, Entstellungen und reine Propaganda enthalten. 2m Weißen Hause wird mit Rachdruck dementiert, daß Hoover irgend etwas mit dem LausannerAbkommen oder mit dem Lausanner gentlemen Agreement zu tun gehabt habe. Auch die französische Behauptung wird abgelehnt, daß Hoover infolge des Moratoriums vom Juni 1931 den Anlaß zu den alliierten Schuldennoten gegeben habe. Beide Roten enthielten kein einziges Wort über eine Herabsetzung der Ko st en für die Rüstungen. Ton und Inhalt der beiden Roten seien derart, daß Hoover sich ernsthaft überlege, ob er irgendwie darauf reagieren solle. Oie Hungerdemonstranien in Washington. Washington, 5. Dez. (WTB.) Den umfassenden Vorbereitungen der Polizei ist die schwere Aufgabe gelungen, die aus zwei Himmelsrichtungen auf Washington zukommenden Karawanen von Arbeitslosen, notleidenden Farmern und Kommunisten in Lastwagen und Prioat- autos ohne größere Störungen in ein Konzentrationslager am Außenrande der Stadt zu bringen, wo sie ein starkes Polizeiauf- aebot Tag und Nacht bewacht und durch weitgehende Absperrungen jegliche Berührungmitdem Publikum verhindert wird. Die Demonstranten dürfen morgen ei n z e l n in die Stadt hinein, jedoch sind Umzüge verboten, und um das Kapitol, dem Sitz des Bundeskongresses, ist eine Bannmeile gezogen, die von Sondertrupps aus Polizisten und Feuerwehrleuten abae- fperrt wird. Gefchästsführendes Kabinett Adelung bleibt. BegrenzungderBrandversicherungebciträge Darmstadt, 6. Dez. (WHP.) Der Gesetz- gebungsausschußdesHessischenLand- t a g s beriet heute über den Antrag Dr. Niepoth UW), auf Aenderung des Art. 38 der Hessischen Versagung. Der Antrag bezweckt, daß eine g e = schäftsführende Regierung nach einer gewissen Zeit automatisch durch den Präsidenten des Oberlandesgerichts ab- g e l ö st werde. Bei Stimmenthaltung der Nationalsozialisten wurde der Antrag mit den Stimmen von Zentrum und Sozialdemokraten a b g e l e h n t. Der Antrag Dr. Niepoth (DVp.), wonach die Verordnung zur Sanierung der Versiche- rungsanstaltfürgemeindlicheBeamte zu Unrecht auf die Notverordnung des Reichspräsidenten zur Aufrechterhaltung der Haushalte der Länder sich stütze und daher dem Landtag eine entsprechende Vorlage ^unterbreitet werden , müsse, wurde mit 7 gegen 5 Stimmen angenommen. Der voltsparteiliche Antrag, wonach die Regierung für das Jahr 1932 einen höheren Satz als 8 Pf. für 100 RM. Versicherungskapital als U m - 1Q 9 e der H e s s i s ch en Brandversiche- Der neue italienische Luxusdampfer „C onte di Savoia" muhte auf seiner Jungfernfahrt nach Ameri'ka etwa 800 Seemeilen von Neuyork wegen eines Defektes an den Turbo-Generatoren stoppen. Ein Seeventil war gebrochen. Drei Stunden lang mußten Mechaniker in der Nähe der Das Thüringer Wahlergebnis Ein nationalsozialistisll er Rückblick. München, 6. Dez. (TU.) Zn der „NSK." wird zu dem Ergebnis der Thüringer Wahlen Stellung genommen. Es wird gesagt, daß die Thüringer Kreis- und Geme.inderatswahlen vom Sonntag den klaren Beweis erbracht hätten, daß der von der bürgerliche Presse immer wieder abgeleugnete E i n b r u ch i n die marxistische Front Tatsache sei. Die Wahl vom Sonntag habe in dieser Richtung Fortschritte gemacht. In Gera, im Kreis Zeulenroda, Langenberg, Tribes, Neustadt am Rennsteig sei die rote Mehrheit gebrochen worden. Die absolute Mehrheit hätten die Nationalsozialisten neu in Meiningen, Lauscha, Neustadt am Rennsteig, Vieselbach und in zahlreichen kleineren Gemeinden erringen können. Der Marxismus habe heute nur noch im Stadt- und Landkreis Altenburg eine Mehrheit. In den übrigen 24 Stadt- und Landkreisen seien nationalsozialistisch-bürgerliche Mehrheiten. Im Landkreis Hildburghausen sogar eine rein nationalsozialistische Mehrheit vorhanden. Die Nationalsozialisten seien mit Ausnahme von Altenburg und G-ra überall die stärkste Partei. Sie habe, von lokalen Ausnahmen abgesehen, über die geringe Wahlbeteiligung hinausgehende Stimmrückgange nicht zu verzeichnen. In vielen kleinen Gemeinden habe das Stimmergebnis der letzten Reichstagswahlen sogar noch gesteigert nyrben können. Das Wahlergebnis in Thüringen bedeute eine Vertraue ms kundgebung der thüringischen Wählerschaft für die nationalsozialistischen Minister. In den Massen der Arbeiterschaft wachse das Vertrauen zum Nationalsozialismus langsam, aber sicher. behandelte Hoover die Kriegsund erwähnte auch kurz die britische und die französische Schuldennote, sowie die Antwort der amerikanischen Regierung. Der Präsident lehnte den Wunsch der alliierten Schuldner nach Aufschub der am 15. Dezember fälligen Kriegsschuldenzahlungen mit der Beg Ladung a b, daß Vertrauen und Freundschaft nur dann erhalten werden könnten, wenn man Verträge getreulich erfülle, bis sie durch ein gegenseitiges Abkommen geändert seien und eine für beide Teile segensreiche Lösung gefunden sei. Er, Hoover, habe den Schuldnern Amerikas rungsanstalt nicht genehmigen soll, wurde durch die zusagende Erklärung der Regierung für erleb,at erklärt. Das weitere Verlangen Dr. Niest o t h«s, baß die Leitung der Branoversicherungs- anstalt veranlaßt werde, alljährlich bis zum 31. Dezember eine Ueb erficht über die Einnahmen und Ausgaben nebst einer Nachweisung über die Höhe des Reservefonds und des Betriebsfonds oorzulegen, wurde einstimmig gebilligt. Der IV. Strafsenat des Reichsgerichts hat beschlossen, dem Oberlagerverwalter Bullerjahn eine Entschädigung für die von ihm verbüßten mehr als 6.Jahre Zuchthaus nicht zu gewähren. Die Derhand- lung, die zu seiner Freisprechung führte, habe weder feine äln schuld ergeben, noch dargetan, daß gegen ihn ein begründeter ~ dckcht nicht vorliege. Wasserlinie außenbord arbeiten. Wie erinnerlich, mußte seinerzeit auch das Schwesterschiff, die „Rex", wegen einer Störung an den Turbo-Generatoren ihre Jungfernfahrt in Gibraltar unterbrechen. Das japanische Schiffsunglück. In Tokio wird amtlich bekanntgegeben, daß an Bord des gesunkenen japanischen Zerstörers „Sawarabi" sich die volle etatsmäßige Besatzung in Stärke von 120 Mann befunden habe, so daß mit dem Verlust von 10 6 Mann gerechnet wird, nachdem bisher nur 14 gerettet werden konnten. Entgegen den ersten Berichten ist das Schiff nicht abgesackt, sondern gekentert. Es treibt kieloben, so daß Hoffnung besteht, es noch bergen zu können. Feuerüberfall auf einen Kraftwagen. Der mit mehreren Personen besetzte Kraftwagen des Lehrers Spreewald aus Ortelsburg (Ostpreußen) ist im Rudauer Wald über fallen worden. Quer über die Straße war ein Baumstamm gelegt worden. Als sich der Kraftwagen auf etwa 20 Meter dem Hindernis genähert hatte, fielen acht Schüsse, von denen einer Spreewald in den Kopf traf. Seinen Begleiter gelang es, den Wagen sofort zu wenden und den Verletzten ins nächste Krankenhaus zu bringen. Wie später fcstgcstcllt wurde, war vor dem Baumstamm ein Drahtseil über den Weg gespannt gewesen, das aber bereits von einem vorher durchfahrenden Kraftwagen zerrissen worden sein muß. Raubüberfall in Berlin. 3m Osten von Berlin wurde der 26jährige Hauswirt Albert S t ö f f i n beim Betreten seines Hauses nachts von zwei noch unbekannten Männern überfallen. Stöffin wurde von den Männern, die ihm mit einer Taschenlampe ins Gesicht leuchteten, sofort niedergeschlagen. Durch Schläge mit der Faust oder mit einem harten Gegenstand wurde der äleberfallene bearbeitet, bis er bewußtlos zusammenbrach. Die Täter raubten om3 der inneren Westentasche 1000 Mark einkasslerte Mietsgelder, rissen außerdem eine Aktentasche mit weiteren 1000 Mark Silber- gelb an sich und stahlen noch eine Brieftasche, in der sich u. a. ein Führerschein und ein Bankausweis befanden. Die aufgenommenen Ermittlungen haben bisher noch keinen Erfolg gebracht. Grauenhafter Selbstmord einer 67jährigen Frau. 3n Lemberg hat eine 67jährige Frau namens Dobromilska in furchtbarer Meise Selbstmord begangen. Zunächst machte sie sich durch reichlichen Alkoholgenuß betrunken, begoß sich bann mit Del und zünbete barauf ihre Kleider an. Nach einiger Zeit fanden die Nachbarn die verkohlte Leiche der Frau. Zwei Todesopfer einer Kohlenoxydvergiftung. Vier Wanderburschen wurden in der Herberge in Landsberg (Ostpreußen) durch Kohlenoxyd vergiftet aufgefunden. Zwei von ihnen waren bereits t o t. Die beiden anderen mußten i n bedenklichem Zustande ins Krankenhaus gebracht werden. Wolfsplage in Wolhynien. Ein Bauer wurde bei Kowel in Wolhynien von einem Rudel Wölfe überfallen und zerrissen. Zwei in der Nähe weilende Pferde wurden ebenfalls von den Wölfen angegriffen. Die Bevölkerung, die vor der überhand nehmenden Wolfsplage in ständiger Furcht lebt, bereitet umfassende Abwehrmaßnahmen vor. Entziehung der Unkerrichtserlaubnls für einen polnischen Lehrer. Die Regierung hat dem Lehrer S a r n o w s k i an der polnischen Winderheitenschule in Altmark, Kreis Sluhrn, bieälnterrichtserlaub- nis entzogen, weil er sich außerhalb seiner Lehrertätigkeit in einer dem friedlichen Zusammenleben der Angehörigen deutschen und polnischen Volkstums abträglichen Weise betätigt hat. Eine Schließung der Schule ist mit dieser Maßnahme nicht verbunden. Der französische Dramatiker Eugen Brieux f. Der Dramatiker Eugen D r i e u x , Mitglied der Academie Fran;aise, ist in Rizza gestorben. Brieux ist in Deutschland hauptsächlich durch sein Justizdrama „Die rote Robe" und durch sein viel gespieltes Aufklärungsstück „Die Schiffbrüchigen" bekannt geworden. Gießener Gtadttheater. Henry Bernstein: „Der Dieb". Man wurde mehrfach im Laufe des Abends, während der drei Akte dieses französischen Schauspiels, an ein anderes Stück erinnert: ein englisches, vom Nobelpreisträger Galsworthy; es führt den etwas unzulänglich ins Deutsche übersetzten, vielleicht überhaupt unübersetzbaren Titel „Loyalties“. S^eibe Stücke beginnen mit einem Skandal, beide mit der höchst peinlichen Aufdeckung eines Diebstahls. Doch nahm der Engländer seinen Fall zum Anlaß einer grundsätzlichen Erörterung, zur Aufrollung eines gesellschaftlichen und sozialen Problems, sogar einerRas- senfrage. Während in diesem französischen Stück eigentlich nie die private Sphäre überschritten wird: der Fall bleibt durchaus Einze'lfall. älnd der kv'.minelle Vorgang dient zur psychologischen Entschleierung einer Herzensgeschichte. Vielleicht ist diese grundsätzliche Abgrenzung in nationalen Untermieten begründet. In einer sehr seriösen Gesellschaft auf dem Schloß des Herrn Lagardes werden Gelddiebstähle entdeckt. Der Hausherr enge gierst einen Detektiv. Der sagt nach eingehend.r Untersuchung des Falles zum allgemeinen Entsetzen dem Sohn des Hauses, Fernand, die Verfehlungen auf den Kopf zu. Der Junge gesteht. Da er schon im ersten Akt gesteht, tauchen dem Zuschauer einige Zweifel an der Echtheit des Geständnisses umso eindringlicher auf, als Fernand einer Dame, Marie Luise Voysin, die mit ihrem fliann bei Lagardes zu Gast ist, seine Liebe erklärt hat; und weil — in diesem ebenso geschickt wie durchsichtig komponierten Stück — Marie Luise und Fernand kurz vor Fernands Geständnis Gelegenheit hatten, unter vier Augen miteinander zu sprechen. Die rein kriminalistische Spannung ist also schon nach dem ersten Akt mindestens gelockert. Aber im zweiten beginnt sogleich — nicht nur sich zu bestätigen, was schon zuvor vermutet wurde — sondern auch die psychologische Motivierung: Marie Luise ist die Täterin. Fernand hat sich mit dem Geständnis für sie geopfert — aus Liebe. Aber auch Marie Luise handelte aus Liebe — zu ihrem Mann. Sie hat gestohlen, um reich zu sein, um schön und elegant zu fein, um ihm zu gefallen. Sie hat sich in Schulden und unwürdige Abhängigkeiten verstrickt. Ihr Mann, Richard, ist außer sich über ihre Tat; ein einmal geweckter Verdacht nährt seine Eifersucht, und er erpreßt seiner Frau ein zweites Geständnis, wo doch nichts zu gestehen war. Marie Luise beweist die Haltlosigkeit seiner Vermutungen durch den Vorschlag, mit Wichard, zusammen ins Ausland zu gehen —, für immer in die Verbannung, die, für einige Zeit, dem unschuldigen und ritterlichen Fernand von seinem Vater zudiktiert worden war. Tlnd das letzte Geständnis an diesem Abend kommt von Richard, der seine Frau noch immer, trotz allem, vielleicht sogar um ihrer Tat willen liebt. Dieses Schauspiel, deutsch von Rudolf Lothar, ist ein ungemein wirksames Theaterstück, baä seiner Spannung in jeder Szene sicher ist und dem Zuschauer dennoch Zeit läßt, im Stillen aller- Kombinationen zu verfolgen, ohne dabei den Faden zu verlieren. Eine dankbare Aufgabe für oie Regie. Es wurde, unter der Führung von Herrn Hehser, vorzüglich gespielt; der Dialog gmg federnd in wohlgeölten Gelenken; die Stichworte kamen wie am Schnürchen; die Pausen waren sorgsam berechnet; die Steigerungen effektvoll eingefädelt und vorbereitet; die großen Szenen entfesselten ein Drillantfeuerwerk darstellerischer Möglichkeiten. Dazu die Dekorationen von Löffler, die dem äußerst luxuriösen Lebensstil in diesem Hause mit Geschmack und Verständnis angepaßt waren. Was die „großen Szenen" angeht, so stand der Mittelakt nicht nur äußerlich im Zentrum des Spiels im Schloß. Edith Berger hat mit ber Marie Luise eine Paraderolle ersten Ranges; sie kann alle Minen springen lassen wie die selige Lady Milford, ist Salondame und Liebhaberin in einem, kann ihrem Temperament die Zügel freigeben und, mit Gefühl und Intellekt gleichermaßen beteiligt, nicht nur Theater spielen, sondern auch ein kleines, törichtes, menschliches Schicksal begreiflich machen. Als ihr eigentlicher Partner begann Herr Hauer (Richard) ganz leicht und fpielerifch, im Stil des schwerelosen Salonstücks, um dann im Mittelakt, mit sorgfältiger Stufung und Steigerung, immer härter, schärfer und gefährlicher werdend, zum großen Ausbruch und endlich zu einem leisen Geständnis zu gelangen. Ten jungen Fernand gab Herr Eggemann; er rüefte die Figur anfänglich geschickt ins Zwielicht, so daß der Zuschauer zunächst auf eine falsche Fährte geriet; später erschien er so beherrscht und ritterlich, daß seine Opfer- bereitfchaft nicht unglaubhaft wirkte. Hehser, in der Rolle des Zambault, gab die entscheidende ©jene knapp, scharf, mit schneidender und eis- gefüblter Dialektik. Sibylle Flemming und Wolfgang Kühne: vornehm und taktvoll zurückhaltend, doch nicht ohne Wärme, als das Ehepaar Lagardes. Tas Stück hätte, wie vorauszusehen war einen ausgesprochenen Publikumserfolg. hth. Wie sich junge Krieger bei Hofe benehmen sotten. Eine Verordnung des österreichischen Hofmarschallamtes aus dem Jah.e 1624, die den Ka- betten vorschreibt, wie sie sich zu benehmen haben, nn Falle sie von einem Herzog zur Tafel geladen toercen, liefert einen interessanten Beitrag zu der Kulturgeschichte der damaligen Zeit. Der betref- fenoe Erlaß lautet: König!. Hoheit haben geruht, verschiedene Offiziere zur Tafel zu laden, und haben häufig Gelegenheit gehabt zu bemerken, daß bet größte Seil dieser Offiziere sich mit der größten Hoflich- kelt und guten Erziehung benimmt und sich gleich wahren und würdigen Cavalieren aufführt. Richts- destoweniger erscheint es Höchstdemselben ratsam, den minder erfahrenen Cadetten folgende L^n^gsporschriften zu machen: Sie sollen 1. Se. Konrgl. Hoheit gleich nach Ankunst ihre Hochach- tung beweisen hübsch gekleidet, mit Rock und versehen, und nicht in das Zimmer in halbtrunkenem Zustande eintreten. 2. Bei Tafel nicht mit dem Stuhle schaukeln ober sich darin , der Länge nach ausstrecken. ti xV IC?em Mundvoll trinken, denn wenn sie das thun, so werden sie bald berauscht sein; den Becher nicht mehr als zur Hälfte nach jedem reF und vor dem Trinken den Wund und Schnurrbart rein abpuhen. 4. Die Hände nicht in die Schüsseln stecken und die Knochen nicht unter ■ nK- Werfen. 5. Richt die Finger ablecken, noch in die Teller ausspucken und ebensowenig die Rase am Tischtuche abputzen. 6. Richt so bestialisch trinken, um vom Stuhle zu fallen und verhindert zu sein, aufrecht zu gehen." Ausflüge auf den Meeresgrund. Die Wunder des tierischen unb pflanzlichen Lebens auf bem Boben bes Meeres finb nicht nur häufig von Tauchern, sondern auch in jüngster Zeit von einigen kühnen Gelehrten geschildert' worben. Es würbe daher in so manchem Besucher des eleganten kalifornischen Badeortes Long Beach die Sehnsucht rege, auch einmal etwas von diesen Sehenswürdigkeiten der Meerestiefc zu betrachten. Diesem Zweck dient nun eine praktische Erfindung, bie von einem finbigen Unternehmer an ber Küste von Long Beach eingerichtet ist. Der Apparat, ber SU diesen jetzt sehr beliebten Ausflügen auf den Meeresgrund benutzt wird, ist ein geräumiger wasserdichter Behälter, der mit dicken Glasplatten als Fenstern ausgerüstet ist und mit einem Paar sehr kräftiger Scheinwerfer, bie bie bunklen Wassertiefen erhellen. Außerdem ist noch ein Telephon und ein Sauerstoffapparat angebracht, der den Insassen frische Luft zuführt. Diese bequeme Taucher-Kabine wird von einem Schiff aus heruntergelassen, das etwa 15 Kilometer von der Küste entfernt verankert liegt. Das Wasser unter dem Kiel ist etwa 75 Meter tief, und es ist ein Fleck auf dem Meeresgrund ausgewählt, der an Pflanzenwelt und Tierleben besonders reich ist. Die Ausflügler nach dem Meeresgrund begeben sich in den Stahlzylinder durch eine wasserdichte Tür, die ganz fest geschlossen wird, bevor bas Signal zur Fahrt nach unten gegeben wird. Auf dem Boden steht der Apparat sicher auf drei starken Beinen; die Scheinwerfer werden an- gestellt, und in ihrem grellen Licht betrachten die Insassen durch bie Fenster das bunte Schauspiel bes wimmelnben Lebens rund um sie herum. Man fürchtete zuerst, baß das starke Licht die Tiere abschrecken würde, aber das gerade Gegenteil ist der Fall; sie werden dadurch in großen Massen heran- gelockt, von den kleinsten Fischen bis zu den riesigen Haien. Die ersten Kunden fürchteten sich etwas vor dem Ausflug in die Meerestiefe, aber als ihnen auseinanbergefeijt worden war, daß nicht die geringste Gefahr drohe und daß alle nur erdenklichen r 0rJUo!nafore9eIn getroffen waren, unternahmen sie den Ausflug unb kehrten begeistert zurück. Seitdem ist das Geschäft sehr lebhaft geworden. Immer wieder steigt die Tauchkammer mit vier Insassen, Denen ein Begleiter beigegeben ist, in die Tiefe hinunter, und Tausende haben bereits die Herrlichkeiten auf dem Meeresgründe bewundert. Aus der Provinzialhauptstadt t für einen Buntes Allerlei übertragenen verloren bzw. Nergiffong. er Herberge in ohlenoxyd ihnen waren Hen in be• anlenhaus geil. Zolhynien v o n I e n uni j e r* ie Pferde wur- rtfjcn. Die Se> menben Dolfs- itet umMfeniie Handwerker-Zentralgenossenschaft 325 000 2U1L Ruhrkredite heute abgebucht seien. n Brieuj f. , Mitglied der gestorben. )Iich durch lein durch sein viel ichisfbrüchigen Ministerialrat Hechler sagte eine Aufstellung zu, wie die von der Regierung zurückbehaltenen 30 000 Mark verwendet worden sind. „Der große Schrecken von 1832/' A s die Cholera in Paris wütete ... Seminars mit Tee und Gebäck, das in der Küche des Seminars von den fungen Mädchen selbst her« gestellt war, aufs freundlichste bewirtet. Auf diese Weise verbreitete sich bald eine behagliche Stimmung unter den Gästen, die bis zuletzt anhielt. Die Schülerinnen des Fröbel-Seminars haben durch diese Veranstaltung einen Grundsatz der Anstalt prakti'ch durchgcsührt: Mit wenig Mitteln aus eigener Kraft selbständig etwas zu gestalten. Vieles, was sie während ihrer Ausbildung lernten, haben sie bei den Vorbereitungen zu dem Elternnachmittag mit viel Liebe und Eifer angewendet. Sie haben damit auf das hohe Ziel hingewiesen, das das Fröbel-Scminar seinen Schülerinnen in und mit der Berufsausbildung zu geben bestrebt ist: durch die Tat seine Lebenstüchtigkeit zu beweisen im Sinne Fröbels, dessen Leitspruch „Schweigen und Tun" auch den zukünftigen Erzieherinnen der jüngsten Generatton ein Wegweiser sein soll. intnotoiti jute m Alt» )t8etlaub» herhalb seiner 'liehen Zusam- hen und Pol- Mise betätigt ist mit dieser u? Mrige treten (ei a-mten Mn. :De, bon den Jenlam^e in i '*Q9?n. Durch -'nem harten e bearbeitet, Die Täter ^lasche icoo ausserdem Qiarf Silber. Brieftasche, in o «in Taut- men Ermilt- ^vlg gebracht, ^igen Jtau. 8rau namens eise Celbst- sie sich durch egoß s'ch dann eiber an. Nach i verkohlte üf.te’Ä Ulf. |ebcn, dab nn tz: hoagen. S-8 '«“"»flamm etwa Jatte' fielen in bei n" lnt9 nächste rin N^stcllt nn Droh,, aber tenben Arast- sgsllll-. slanzlichen Le- fmb nicht nur i jüngster Zeit ildert worden. >ucher des ele- iq Beach die ,5 von diesen ju betrachten, che Erfindung, an der Küste ■ Apparat, der .ügen aus den -räumiger ®a ’ 3ia5pFeni 'S* S#g cllva 7o i Meeresgrund hinter »rt S"F-k nl« 'M Ss s 3U.... etwas 5’S’S ert ferner fibert DieBerwendung derRuhrgelder in Seffen Handwerkskammer-UniersuchungSausschuß des Hessischen Landtags. Auf ihrem Zug durch die Welt, auf dem sie unbarmherzig gleich dem Schwärzen Tode des Mittelalters Ernte hielt, war die Cholera im Jahre 1 832 auch nach Paris gelangt. Von diesen Monaten grausamen Schreckens, da die Pariser hilf- und ratlos dem großen Sterben gegenüberstanden, entwirft ein soeben erschienenes Werk von Luoas-Debreton „Der große Schrecken von 1832" erschütternde B.lder. Zwei Jahre früher hatte die unh-eimliche Seuche ihren Einzug in Europa gehalten, nachdem sie 1817 zuerst in Jndien^aufgetaucht war. Vergebens suchten die einzelnen Staaten, besonders Preußen, durch Absperrungs'maßnah.nen und sanitäre Vorschriften ihrem Vordringen einen Damm'entgegenzusetzen. Sie wütete ebenso in Berlin, wie sie sich .durch das in Ungarn als Allheilmittel gepriesene Wismut nicht in ihren Siegen aufhalten -ließ. In Paris fand sie in der dichtbevölkerten Stadt, deren hygienische Einrichtungen sehr im Argen lagen, einen vortrefflichen Nährboden. Niemand wußte eine wirksame Methode zu ihrer Bekämpfung. Die einen schworen auf Dampfbäder, andere aus das Eingraben bis zum Halse in Pferdedung and ähnlichen unappetitlichen Stoffen oder auf die Besprengung der Räume mit Chlorlöisung, indessen wieder andere meinten, man solle sich um die Krankheit nicht kümmern und ohne Furcht seine gewohnte Lebensweise fortsetzen. Aber auch den klügsten Parisern half das bald nichts mehr. Nachdem am 1. Februar ein Portier ■in der rue des Lombards zuerst der Seuche erlegen war, folgten am 26. März ein Eierhändler, ein kleines Mädchen, ein Hausierer usw. Indessen stand Paris gerade im Zeichen des Karnevals und wollte sich seine Freude nicht stören lassen. Am 1. April war die Zahl der Todesfälle durch Cholera bereits auf 565 gestiegen. Nun begann auch die Polizei, besonders der tatkräft.ge Präfekt Gisquet, durch eine Reihe von hygienischen Maßnahmen und Vorschriften den Kampf gegen die Seuche. Es wurden Brunnen errichtet, fleißige Straßenreiniaung angeoodnet und ebenso die Hausbesitzer zu größerer Reinlichkeit angcha.ten. Als man aber eine Neuordnung der Kehrichtabfuhr mit leichteren Wagen einführte, die den Dienst nicht wie die früheren schweren nur einmal täglich besorgten da brach eine wahre Revolution aus, die als ,I r i e'g d e r Lumpensammler" berühmt geworden ist. Diese Komödie innerhalb der großen Tragödie begann, indem die Lumpensammler, die sich ihrer Ernte beraubt sahen, di« neuen Wagen in Brand setzten; es folgten Angriffe auf Polizei und Soldaten. Dieser Krieg griff immer weiter um sich, indem die politischen Leidenschaften erregt und gegen die Regierung alle möglichen sinnlosen Beschuldigungen erhoben wurden. Da wollte man gesehen haben, wie ein Mann eine verdächtige Flüssigkeit in einen Brunnen geschüttet habe, die sich dann als Melüfsen- wasser herausstellte; dort hatte ein anderer verdächtige weiße Kugeln ousgestreut, die sich nachher als harmlose Porgellankugeln entpuppten. Es kam soweit, daß die Aerzte nur verkleid e t ihrer Pflicht nachgehen konnten und daß harmlose Passanten auf der Straße niedergeschlagen wurden. Endlich gelang es, dem Krieg der Lumpensammler ein Eiche zu bereiten, aber dem Wüten der Cholera noch lange nicht. Die Zahl der Todesopfer stieg so, daß man in aller Eile neue Leichenwagen anfertigen lassen mußte. Die Nachfrage war so groß, daß bei dem Ruf: „Leichenwagen!" stets ein heftiger Streit entstand, wie um die Droschken beim Regen. Man half sich mit Möbelwagen, aus denen die Firmen-Aufschriften notdürftig mit schwarzem Stoff bedeckt wurden. Bald danach brach ein Mange l an Särgen aus; Säcke mußten an ihre «teile treten. Auf den Friedhöfen wurden die Leichen in drei Lagen übereinander verscharrt, ohne daß sich jemand um die sonst vorgeschobenen Zwischenschichten von Erdreich kümmerte. Die^Totengräber, die unter den furchtbaren Ausdünstungen litten, verweigerten die Arbeit; arbeitslose Erdarbeiter mußten an ihre Stelle treten. Die Aerzte hatten keine Zeit mehr zum Schlafen. Die Theater spielten weiter, aber die Besucher b’.iebcn aus. In der Oper betrat eines Abends der Sänger Santini die Bühne, und plötzlich versagte ihm die Stimme. „Die große Seuche hat mich erfaßt!" schreit er auf, eilt aus dem Hause und flieht aus Paris. Unter den Opfern befanden sich u. a. der Entzifferer der Hieroglyphen Champollion, der große Naturforscher Cuvier, der Ministerpräsident Casimir Parier. Endlich, gegen Ende April ist der Höhepunkt der Cholera überschritten. Man zählt an diesem Tage „nur noch" 100 Tote. Gleichzeitig wuchs aber die Erregung im Volke und es kam zu richtigen Straßensch'.achten beim Begräbnis des Generals Lamarques. Im August verschwand die Seuche ebenso gohe:mnisooll, wie sie gekommen, und wandte sich nach dem Südwesten. In Paris ließ sie ein Leichenfeld von 18 400 Toten zurück. A. H Oie niedrigste Temperatur Europas. Der Wiener Professor Dr. Wilhelm Schmidt hat eine Forschungsstätte in der Biologischen Station am Lunzer See in Rieder-Oesterreich geschaffen, aus deren interessanten Beobachtungen Dr. Alfred Gradenwitz einiges in der Frankfurter Wochenschrift „Die Almschau" mitteilt. Hier ist eine Arbeitsgemeinschaft tätig, die aus Meteorologen, Botanikern, Zoologen, Boden-Chemikern, Mikrobiologen und Zoologen besteht. 3n der Umgebung der eigentlichen Station wurden zwölf bewegliche Beobachtungsstellen eingerichtet, die mit den verschiedensten Apparaten und Methoden die Wetter- Vorgänge auf kleinstem Raum ergründen sollen. Dabei werden sogar Dautemperaturen gemessen, Pflanzen einmal in der Woche photographiert, um ihre Entwicklung zu verfolgen, Tiersammlungen angelegt, um das Auftreten von Schädlingen zu erkennen usw. Unter den überraschenden Tatsachen, die dadurch gewonnen wurden, befindet sich auch die Feststellung der niedrigsten Temperatur, die jemals in Europa gemessen wurde. Dieser kälteste Ort ist die „Gstettneralm", eine abflußlose Vertiefung im Kalk-Plateau in 1270 Meter Höhe; infolge der Ansammlung abgekühlter Luft treten hier im Winter sehr niedrige Temperaturen auf, die bis minus 51 Grad Celsius sinkckn. Während hier infolge dieser Kälte nur ein äußerst dürftiger Pflanzenwuchs, ähnlich dem im nördlichen Lappland und in Sibirien, auftritt, fand man in einer Entfernung von kaum einem Kilometer, nur wenig tiefer, in einem Tal mit gutem Luftausgleich Laubhölzer und subtropische Moosarten, wie sie sonst nur in den wärmeren Teilen von Japan und den Südstaaten Rordame- rikas Vorkommen. Der Rachweis so schroffer Klimaunterschiede auf engstem Raum gewinnt besondere Bedeutung, um die Entwicklung von 3n» sektenschädlingen zu erkennen. Interessante Ergebnisse lieferte auch die Untersuchung über den Einfluß der Häusermassen auf die Temperatur. Dabei wurde festgestellt, daß an heißen Sommertagen die Wärme in engen Gassen bis 6 Grad niedriger ist als in dicht daneben gelegenen breiten Straßen; die enge Bauweise in südlichen Ländern wird dadurch in ihrer praktischen Wirkung erklärt. Ein weiterer Schritt zur Erforschung des Kleinklimas führt von der Straße ins Haus; auch zwischen den Wänden gibt es bedeutende Unterschiede. Man hat ein Schema über das sog. „Deamtenklima" ausgearbeitet, d. h über den Wechsel der Temperaturen denen ein Beamter während seines Arbeitstages ausgesetzt ist. Dieses weist besonders im Winter große Schwankungen auf. Der Weg nach öem Amt, die Wanderung in freier Luft, die Fahrt mit Straßenbahn oder Eisenbahn, zeigen schon Gegensätze zwischen der Winterkälte und der Wärme im geheizten Wagen. Die verschiedene Temperatur der Zimmer und Gänge im Amt, Besorgungen im Freien, Wege in der Mittagspause ** Das Fröbel-Seminar peranstaltete am vorigen Sonntagnachmittag im Saalbau Leib für die Eltern und Angehörigen der Schülerinnen einen sehr gut besuchten Elternnachmittag. Nach einem leicht und beschwingt gesungenen Brgrüßungs- lied des Schülerinnenchores begrüßte zunächst — wie man uns berichtet — eine Schülerin, daraus die Leiterin des Fröbel-Seminars, Fräulein Burgheim, in einer längeren Ansprache die Gäste. Dann folgten in bunter Reihenfolge Darbietungen mannigfaltigster Art, wie Volkstänze, Chöre, ein Hans-Sachs-Spiel. Kasperle-Theater für Erwachsene, ein Singspiel, musikalische Vorträge u. a. m. Eine Lotterie erfreute die Gäste mit kleinen Geschenken, die von den Schülerinnen gestiftet und selbst hergestellt waren. Der Erlös aus dieser Lotterie kommt der Kasse der Kinderspeisung des Fröbel-Seminars zugute. An weihnachtlich geschmückten Tischen wurden die Gäste von Schülerinnen des Fröbel- O eIahrgeiderstattungderlsteichsbahn. Rücknahme und Umtausch gelöster unbenutzter Fahrausweise erfolgt bei den Fahrkartenausgaben der Reichsbahn und bei den Reisebureaus — MER — (möglichst den Ausgabestellen) innerhalb der Gültigkeitsdauer ohne Abzug von Verwaltungskosten. 3st Gepäck aufgeliefert, oder eine Platzkarte gelöst worden, so werden die zugehörigen Fahrausweise nur zurückgenommen oder umgetauscht, wenn der Reisende das Reisegepäck von der Beförderung zurückzieht, oder nach dem Bestimmungsbahnhof des neugelösten Fahrausweises aufliefert. Erstattung auf Grund von teilweise benutzten Fahrausweisen erfolgt im allgemeinen für die nichtabgefahrene Strecke. Einwandfreier Rachweis über den Umfang der Richtbenuhung ist zu führen. (Bescheinigung auf dem Fahrausweis durch den Aufsichtsbeamten ist stets erforderlich^) Bei unvorhergesehenen Umständen, z. D. durch Krankheit, Unfall, besteht nach § 19 der Eisenbahnverkehrsordnung Rechtsanspruch auf Rückzahlung; in anderen Fällen wird möglichst ent- gegenlommend verfahren. , Zuständig f ü r Fahrgelderstattung sind die größeren Fahrkartenausgaben, die Reichsbahnverkehrsämter und die Reichsbahndirektionen, für Bayern das Zentralverkehrsamt in München. Fahrkartenausgaben erledigen mündliche Anträge bei einwandfreiem Rachweis sofort. Sie sind nicht zuständig für Fahrkarten aus dem Auslandverkehr einschließlich Danzig, Saargebiet usw., für Fahrkarten aus dem Ost- und Rordseebäderverkehr, aus dem Verkehr mit Ostpreußen und mit Privatbahnen, für Fahrausweise, die bei einem Reifebureau für Platz- und Bettkarten usw. gelöst wurden. Alle Anträge, zu deren Erledigung die Fahrkartenausgaben nicht zuständig sind, werden von den Reichsbahnverkehrsämtern erledigt. Sofern ein Verschulden der Eisenbahn nicht nachgewiesen ist, werden 10 Prozent Verwal» tungskosten, mindestens 0,20 Mark, höchstens 2 Mark einbehalten. Reichsbund der Kinderreichen. Die neugegründete Gießener Ortsgruppe. Der Reichsbund der Kinderreichen hielt dieser Tage im „Aquarium" eine Versammlung ab, in der der Vorsitzende des Landesverbandes Hessen, Herr Heil- Offenbach, die Ziele des Bundes darlegte. Im weiteren Verlauf der Versammlung wurde eine Entschließung gefaßt, die folgenden Wortlaut haue: „Die in Gießen versammelten Kinderreichen des Landesverbaizdes Hessen im Reichsbund der Kinderreichen Deutschlands zum Schutze der Familie, haben einmütig Stellung genommen zu der Lage der kinderreichen Familien in dieser Zeit der Not, unter der sie unvergleichlich mehr zu leiden haben, als ledige, kinderlose und kinderarme Volksgenossen. Die zum Schutze der Wirtschaft erlassenen Notverordnungen wirken sich geradezu familienfeindlich aus. Daß unsere kinderreichen Familien trotzdem ihre sittliche und staatsbürgerliche Haltung bewahrt haben, verdient die Achtung und Anerkennung aller um die Zukunft des Staates und des Volkes ernsthaft besorgten Volksgenossen. Unerläßlich ist aber ein wirksamer, gesetzlicher Familienschutz. Wir verkennen nicht die Notlage des Staates, müssen aber im Interesse des bedrohten Vaterlandes fordern, daß auch die Notgesetze dieser Zeit die Sorge um Familie und Volk nicht vermissen lassen. Nicht die Wirtschaft ist das höchste Gut des Staates, sondern das von seinen Familien getragene Volk. Wo bleibt die Notverordnung zum Schutze der Familie und zur Sicherung des Volkes? Eine der WSR. Darmstadt, 6. Dez. Der Handwerkskammer-Untersuchungsausschuß des Hessischen Landtags setzte heute Die Beweisaufnahme fort mit der Vernehmung des Apothekers Walter Senat (Goddelau) Der Zeuge erklärte, daß vor Jahren im Kreis Groß- Gerau lebhafte Beunruhigung entstanden sei durch die Verteilung des Ruhrfonds, wobei ver- hältnismäßig hohe Zinsen und die Mitgliedschaft bei der Handwerler-Zentralgenossenschaft gefordert wurden. Erst im Februar d. 3- habe er von der Alebertoeifung der 325 000 Mk. an die Handwerker-Zentralgenosenschaft Kenntnis erhalten worauf von einzelnen Mitgliedern des Dezirtsverbandes ein heftiger Kampf gegen die Handwer.skammer und die Handwerker-Zentralgenossenschaft geführt worden fei Jlad) allem, was sich aus feinen Verhandlungen mit dem handwerkskammeroorstand ergeben habe, komme er zu der Auffassung, daß die Handwerkskammer, um der Handwerker-Zentral- genossenschast zu helfen, bei der Regierung den Antrag gestellt habe, das Geld an die Handwerker-Zentralgenossenschaft geben zu dürfen, worauf die Regierung dem Antrag wohlwollend zustimmte. Wer die Initiative dazu ergriffen habe, wisse er nicht. Ungeklärt sei ihm, ob die Handwerkskammer berechtigt gewesen fei, über diese 325 000 Mark zu verfügen. Wenn die Auffassung der Handwerkskammer zutre'se, daß die 325 COJ Mk. nur darlehensweise an die Handwerler-Zentral- genossenschaft» gegeben wurden, so fei deren Di- lanzierungsmethode nicht korrekt gewesen. Der Direktor der Groß-Gerauer Volksbank, Ra iß, Auffichtsratsmitglied der Handwerker- Zentralgenossenschaft, stellte fest, daß ein Betrag voiu.49 178,10 Mark im 3ahre 1925 zur Abdeckung fauler Forderungen (nur 10 Prozent für besetztes Gebiet) abgebucht wurde. Dennoch sind davon 10—12 000 Mark noch eingegangen, die sahungs- widrig zur Derlustdeckung verwandt wurden. Heute könne die Handwerker-Zentralgenoffenschaft über etwa 178 000 Mark Ruhrhilfe verfügen. Der Zeug» ist der Meinung, daß die der Hauptursachen der deutschen Volksnot sind die Iributlaftcn. Die Ausbringung derselben hat unsere Familien in unsägliche Verelendung geführt. Unsere kinderreichen Familien haben mit ihren Söhnen auch im Kriege die größten Opfer auf den Altar des Vaterlandes gebracht. Nun ist es genug. Die Würde unseres Volkes und seine auf der Erhaltung der deutschen Familie beruhende Zukunft dulden nicht ein Verharren auf dem bisherigen Wege. Wir fordern Arbeit^ für unsere Familien und den Ausgleich der Familien- laften durch staatliche Erziehungsbeih.lfen; wir fordern Verbindung der deutschen Familie mit dem deutschen Boden durch Wohnung und Siedlung, damit die aus der Bindung „Land und Leute" entströmenden vaterländischen Kräfte eingestellt werden können in den Wiederaufbau von Volk und Staat!" Zum Schluß wurde die Ortsgruppe Gießen gegründet, der sofort 32 Mitglieder beitraten. Der vorläufige Vorstand setzt sich aus den Herren Schäfer, Hillebrandistraße (1. Vorsitzender), Wolf (Schriftführer) und Schlossermeister Schön (Kassierer) zusammen. Rentenempfänger und ©teuerfarte. Das Dersorgungsamt Mainz teilt mit: 3m Dezember werden allgemein die Steuerkarten für das 3ahr 1933 zugestellt. Empfänger von Ruhegeld, Witwengeld und Dienstzeitrente, die ihre Bezüge durch das Dersorgungsamt Mainz erhalten, handeln im eigenen 3nteresse, wenn sie die Steuerkarte für 1933 schnellstens dem genannten Amt (Mainz, Rheinstraße 2 und 4) ein- senden. Das Dersorgungsamt ist alsdann in der Lage, rechtzeitig die neuen Derhältnisse zu berücksichtigen. Gehen die Steuerlarten verspätet ein, dann müssen nachträglich Ausgleiche und Alm- rechnungen vorgenommen werden. Die auf diese Weise veränderten Zahlbeträge führen bei den Empfängern .ost zu Mißverständnissen, weil eine Benachrichtigung jedes Einzelnen nicht immer möglich ist. Seht die Steuerkarte trotz Aufforderung nicht rechtzeitig oder überhaupt nicht ein, dann ist dos Dersorgungsamt verpflichtet, volle 10 v. H. vom Ruhegeld usw. als Steuer einzu- behalten und die sonst zustehenden Steuerermäßigungen (steuerfreier Teil, Ehefrau, Kinder usw.) für die zurückliegende Zeit unberücksichtigt zu lassen. Die Empfänger können diese, für beide Teile unliebsamen Folgen durch rechtzeitige Einsendung der Steuerkarte vermeiden. Trifft die Steuerkarte von der Gemeindeverwaltung nicht rechtzeitig ein, so ist es zweckmäßig, wenn sich die Empfänger an das Steuerbureau der Gemeindeverwaltung wenden. Vornotizen. — Aus dem S t ad 11 he a te r - B u r e o u wird uns geschrieben: „Aleber unsere Kraft", Schauspiel von Djörnson (Spielleitung: Wolfgang Kühne) heute zum letzten MaL 9. Darstellung der Mittwoch-Abonnenten. Gewöhnliche Preise. Spieldauer von 20 bis 22 AIHr. — Erstaufführung des deutschen Frontstückes: „Heber unsere Kraft", von Grafs und Hintze, am Freitag, 9. Dezember. Der Aufführung, der bisher an vielen Bühnen allgemein ungeteiltes Interesse und überall lebhafteste Zustimmung zuteil wurde, dürfte auch in Gießen mit großer Erwartung entgegengesehen werden. — Für Montag, 12. Dezember, hat die 3ntendanz als Operettenvolksvorstellung zu kleinen Operettenpreisen die letzte Ausführung der Operette „Die Toni aus Wien" angeseht. Der Kartenverkauf hat bereits sehr rege eingesetzt und beweist die Dorliebe des Gießener Theater- Publikums für Werke musikalischen Charakters. Zeuge Direktor R a i h teilte mit, daß die Alntersuchungskommission bei der Handw-rks» lammet demnächst das Ergebnis ihrer Arbeit dem Kammervorstand und dann dem Handwerk mitteilen werde. Einige Ruhrkredite seien nicht gesichert. Gegenüber der dem Alntersuchungsaus- schuß heute vorgelegten Aufstellung über 680 Konten über insgesamt 333 000 Mark erklärte der Zeuge, daß nur 520 Konten über insgesamt 262 000 Mark vorhanden seien. Durch die Uebertragung der 325 000 RM. habe nur der Gläubiger gewechselt, tatsächlich jedoch seien die ausgeliehenen Ruhrkredite verloren, da nach seiner Prüfung die meisten Konteninhaber „faul“ seien. 3n dieser ganzen Angelegenheit habe die handwerker-Zentral- genossenschaft leichtfertig gehandelt. Ein Beamter habe ein Darlehen von 10 000 Mark zu verbilligtem Zinsfuß (6 Prozent) erhalten, obwohl von der Handwerker-Zentralgenofsen- schaft selbst höhere Zinsen gezahlt werden müssen. Auch Lcgationsrat Heinemann sei Darlehensnehmer. Rach der Mittagspause folgte die Vernehmung des Tapez'erermeisters Gaßbach (Groß-Gerau), des jetzigen Dorsihenden des Groß-Gerauer Hand- werkskammer-Dezirksverband-es. 3n seiner fast zweistündigen Vernehmung betonte der Zeuge u. a., der Kammersyndikus Dr. Lindemann habe 1923 in Groß-Gerau erklärt, daß sämtliche Ruhrgelder bereits ausgeschüttet seien. Von dem Direktor der Groß-Gerauer Volksbank, R a i ß , habe er aehört, daß Legationsrat Heinemann, Ministerialrat Petri und Landtagsabgeordneter Laudenbach Tauaelder aus der Ruyrhilfe erhalten hättew Auch einige Handwerkssüh.er hätten „Schornsteinkredite" bekommen, so z. D. der Oberme ste- Schmuck in Worms 23 000 Mark und der Obermeister Dieter (Eberstadt). Ministerialrat Hechler stellte in Abrede, daß Legationsrat Heinemann und Ministerialrat Petri aus dem RuhrfondH zu verbilligtem Zinsfuß Baugelder erhalten hättew Was sie bekamen, stamme aus einem zinsverbilligten Bausands, dessen Gelder jedem Staatsbürger zur Verfügung gestanden hätten. Der Regierungsvertreter betonte, daß die 3nitiative zu der Aleberschreibung des Betrages von 325 000 Mark an die Handwerker-Zentralgenossenschaft von deren Direktor P aech ausgegangen sei. Am Mittwochvormittag wird die Zeugenvernehmung fortgesetzt. wiesen an einem Tage Schwankungen bis zu 37 Grad auf. Rach Büroschluß bringt Dann wieder der Heimweg, der Besuch von Fortbildungskursen und so weiter neue Gegensätze der Temperatur. Ein prähistorischer Mord. Bei Straßenbauten in Minnesota (USA.) wurde vor einiger Zeit ein Frauenskelett gefunden, das offensichtlich die Anzeichen eines schweren Verbrechens aufwies. Ein herbei gerufener Arzt und von ihm zur Alntersuchung aufgeforderte Sachverständige stellten nach einer gründlichen Alntersuchung fest, daß das Skelett etwa-23000 3ahrs alt sein müsse. Diese sensationelle anthropologische Entdeckung wurde dieser Tage in Reuyork von der Rationalakademie eingehend besprochen, und der augenscheinliche Mord in allen Einzelheiten rekonstruiert. Rach der Ansicht der mit kriminalistischen Fragen vertrauten Gelehrten ist der Tod durch einen Herzstich verursacht worden. Dann warf der Täter sein Opfer in den See, der sich in vorgeschichtlichen Zeiten anstelle Der heutigen fruchtbaren Ebene befand. Wahrscheinlich ist hier ein Leidenschaftsverbrechen begangen worden, Da es sich bei der Ermordeten um ein ungefähr 17- jähriges und, wie Die Gelehrten aus Dem an Den Knochen hängenden Schmuck aus ausgereihtön Muscheln zu schließen glauben, kokettes Mädchen handelt. Allerdings interessieren die Wissenschaftler ' weniger die von ihnen gedeuteten Motive, als Die Tatsache, daß sich aus dem Skelett darauf schließen läßt, daß die vorgeschichtlichen Bewohner Amerikas einer mongolischen Rasse angehört haben. Vor Gericht rasiert. Ein Angeklagter ist dieser Tage auf Veranlassung eines französischen Gerichtes unentgeltlich rasiert worden. Es war ein Hochstapler, der als englischer Aristokrat mit tadellos rasiertem Antlitz aufgetreten war und dem nun während der langen Haftzeit ein üppiger Bart gewachsen war. Obwohl Die Polizei verschiedene Photographien vorweisen konnte, die ihn in seiner früheren Erscheinung zeigten, erklärten doch verschiedene Geschädigte, sie könnten ihn mit dem Bart nicht wieder erkennen. Der Richter befahl daher die sofortige Entfernung des verändernden Bartwuchses. Als man ihm entgegenhielt, daß das nicht so schnell ginge, erklärte er resolut, er habe in seinem Ankleidezimmer einen Rasierapparat, und ein Schöffe, der sich als erfahrener Barbier bezeichnete, fand sich zur Vornahme der Handlung bereit. Das Rasieren ging im Vorzimmer des Gerichtssaales vor sich, während das Gericht selbst weiter tagte. Als der Angeklagte mit glattem Gesicht wieder vor die Schranken gebracht wurde, erkannten ihn die Zeugen sofort wieder und er wurde zu acht 3ahren Gefängnis verurteilt. SJixfpoit Spielvereimgung 1900 Gießen. Iugendklubkampf 1900 — Germania Marburg 3:3. Die Marburger Germanen weilten mit drei Iuo - n^nnschoften hier und konnten den ersten Klubkandf unentschieden gestalten. Die einzelnen Epi-.^ gingen wie folgt aus: 1900 AI — Germania AI 4:0. 1900 All — Germania All 0:0. 1900 Schüler — Germania Schüler 0:1. Die 1. Jugend mußte mit Ersatz antreten und lieferte gegen die körperlich kräftigeren Gäste namentlich in der ersten Halbzeit ein vorzügliches Spiel. Die ganze Mannschaft war recht eifrig und gut im Zuspiel. Die Germanen versuchten im Anfang durch schnelle Flügelangriffe die Blauweißen zu überrumpeln, hatten damit aber kein Glück. Die blau-weißen Stürmer lieferten ein Spiel, wie man es selten von ihnen sah. Durch schnelle und gute Ballabgabe sowie dem stetigen Drang nach vorne schufen sie sich viele Torchancen, von denen vier sicher und unhaltbar verwandelt wurden. Dos Spiel der 2. Jugendmannschaften enttäuschte etwas, wohl wurde es auch fair und eifrig durchgeführt, doch bei beiden Parteien vermißte man den Zusammenhang. Wohl ergaben sich auch einzelne schöne Torchancen im Laufe des Spieles, doch dann fehlte die notwendige Entschlossenheit und der schnelle Einsatz. Zum Schluß lieferten sich die Schüler einen interessanten Kampf. Die kleineren, aber flinken Biau-Wcihen boten den kräftigeren Gästen bis zum Schluß eine gleichwertige Partie. Die beste L'^'ung in diesem Spiel zeigte der Torhüter doi 1900. Zum Schluß hatte er Pech, durch ein Mißverständnis ging ein au «springender Ball über ihn hinweg ins Tor. Dadurch war der Sieg des Klubtampfes vergeben. VfB. Gießen. VfB. H — Spo. Heuchelheim I 3:0. Auf dem Waldsportplatz trugen die beiden Mannschaften einen lebhaften und interessanten Kampf aus. Die DfBer waren zumeist tonangebend, insbesondere kam der Znnensturm oft vor das Tor der Gäste. Daß die Ausbeute nicht höher ausfiel, lag an der äußerst schnellen und beweglichen Verteidigung der Gäste. Handball der Sp.-Dg. 1900. 1900 I — VfL. Vehlar I 7:3 (4:3). Mit diesem Tieg sicherten sich die 1900er den zweiten Tabellenplatz hinter Polizeisportverein Butzbach, den sie auf Grund der in letzter Zeit gezeigten Leistungen auch verdient haben. Das Spiel mußte von den Blauweißen fast ganz mit zehn Mann durchgeführt werden, da der Halblinke schon in den ersten Minuten verletzt wurde. Das Niveau des Dorsonntags (1900 — Polizei Butzbach) wurde n cht erreicht. Die Hauptursache hierfür war das allzu körperliche Spiel der Gäste. In der ersten Halbzeit waren die Chancen verteilt. Die 1900er, die zunächst in Führung gingen, mußten sich in einer Drangperiode des VfL. den Ausgleich gefallen lassen, konnten sich aber dann bis zum Wechsel einen 4:3- Dorsprung sichern. In der zweiten Spielhälfte wogte der Kampf lange hin und her. Dadurch, daß die 1900er nicht locker ließen und ein fünftes Tor erzielten, gerieten die Wetzlarer immer mehr aus dem Konzept. Sie ließen sich zu Undiszipliniertheiten hin- reißen. Der Schiri stellte einige von ihnen heraus uno brach schließlich kurz vor Schluß das Spiel ab. Die Blauweißen hatten inzwischen zwei weitere Bälle verwandelt. Der DfL. stellte eine ausgeglichene Elf ins Feld. Bei 1900 waren alle mit großem Eifer bei der Sache. Tischtennis der Sp.-Vg. 1900. Am heutigen Mittwoch tritt 1900s 2. Mannschaft wieder auf den Plan. Sie empfängt erstmalig zum Turnier die Mannschaft der Deutschen Jugendkraft Gießen. Die Gäste haben einige talentierte Spieler in ihren Reihen, jedoch erwartet man die 1900er auf Grund besserer Gesamtleistung in Front. Handball der Universität. Universität — 2. Kompanie. heute Mittwoch nachmittag findet auf dem Universitätssportplatz ein Handballspiel zwischen der Mannschaft der 2. Kompanie des 15. Hess. Jnfan- teriereg.ments und der Universitätsmannschaft statt. Die Studenten spielen in folgender Aufstellung: Lott; Niemann, Ploch: Wolf II., Loch, Becker; Schott, Schmitt, Magsam, Seipp, Wolf I. Der Aus- gang des Kampfes ist nicht oorherzusagen. Arbeiier-Tuni- und Sportbund. Gießen I — Nieder-wöllstadt I 1:1. Auf dem Trieb lieferten sich beide Mannschaften am Sonntag ein mäßiges Spiel. Die Platzbesitzer enttäuschten; sie liehen sich von den körperlich stärkeren Gästen ein Spiel aufzwingen, das jeden Sy- stems entbehrte. Dorerst drückten die Gäste, der Sturm war aber unbeholfen. Dann kamen die Gießener mehr aus, aber auch auf ihrer Seite wurde viel vergeben. Nach einem überraschenden Durchbruch kamen die Gäste gut vor das Tor der Platz- besitzer, und mit viel Glück gelang ihnen der Führungstreffer. Bei diesem Stande blieb es bis zur Halbzeit. Nach der Pause nahm das Spiel an Härte zu. Ein Elfmeterball brachte Gießen den Ausgleich. Die Gegner trennten sich mit einem gerechten Unentschieden. Heuchelheim I — Dorheim I 0:2. In Heuchelheim war Dorheim zu Gast. Heuchelheim drängte wohl, konnte aber zu keinem Erfolge kommen. Dorheim übernahm bald die Führung. Trotz aller Bemühungen der Gastgeber wurden mit 0:1 für die Gäste die Seiten gewechselt. Nach Wiederbeginn sah man ein verteiltes Spiel. Beide Torleute bekamen reichlich Arbeit. Wohl erzielte heuchecheim einige Ecken, zum Erfolge reichte es jedoch nicht. Dorheim gelang es, noch einen zweiten Treffer an- ^ubringen. Erbsladt-Kaichen I — wieseck I 4:5. Wieseck war in Erbstadt zu Gast. Trotz mäßiger Platzverhältnisse sah man ein ansprechendes Spiel. Erbstadt übernahm bald die Führung und erhöhte auf 3:1. Nach dem Seitenwechsel und nach dem 4:1 für die Gäste kam Wieseck mehr auf. Ein paar gute Angriffe wurden mit Erfolg abgeschlossen, und bald stand das Spiel 4:4. Nun ging es um den Sieg. Wenige Minuten waren nur noch zu spielen. Eine gut hereingegebene Flanke konnte der Mittelstürmer der Gäste zum Führungstor verwandeln. Wieseck nahm zwei wertvolle Punkte mit nach Hause. Naunheim I — Altenstadt I 2:1. Die Gäste enttäuschten nach der angenehmen Seite und lieferten den Platzbesitzern einen gleichwertigen Kampf. Naunheim gelang wohl der Führungstreffer, aber Altenstadt war nicht müßig und schuf bald den Ausgleich. Wohl lag dann Naunheim mehr im Angriff, doch gelang es ihm nur mit Glück, den Hüter der Gäste noch einmal zu schlagen. Grohen-Buseck I — Grünberg I 8:1. In Großen-Buseck war Grünberg zu Gast. Ein ausgeglichenes Spiell^Erst nach Halbzeit fiel Grün- berg merklich ab und mußte sich geschlagen bekennen. heuck^lheim II — wieseck III 1:0. Dor dem Kreisklassenspiel standen sich beide Mannschaften im Freundschaftsspiel gegenüber. Der Kamps litt unter einem unsicheren Schiedsrichter und fand vorzeitig sein Ende. Vorher: Heuchelheim (Jugend) — Wieseck (Jugend) 0:6. Großen-Linden I — Allendors I 2:6. In Großen-Linden lieferten sich beide Mannschaften ein flottes aber hartes Spiel. Allendorf lag bald in Führung, die Platzbesitzer holten aber wieder auf. Halbzeit 3:2 für Allendorf. Nach Seitenwechsel legte Allendorf in kurzen Abständen drei weitere Tore vor. Die Platzbesitzer brachten nun viel Härte in das Spiel, das abgebrochen wurde. Vorher: Großen- Linden II — Lich I, wo die Gäste knapp mit 2:1 Toren Sieger wurden. Grüningen I — Haufen I 2:1. In Grüningen sah man ein ansprechendes Spiel, das die Platzbesitzer mit viel Glück für sich entschieden. Handball. Holzheim I — Gießen I 1:5. Bei unzulänglichen Platzverhältnissen traf man sich in Holzheim zum Serienspiel. Bis Halbzeit lag Gießen mit 3:0 Toren in Führung. Nach Wechsel gelang es den Platzbefitzern, das Ehrentor zu erzielen, dem aber Gießen bis Schluß zwei weitere Treffer entgegensetzte. Gambach I — wieseck I 0:3. Wieseck war mit nur neun Mann in Gambach an» getreten und konnte trotz der zahlenmäßigen Unterlegenheit einen sicheren Sieg mit nach Hause nehmen. Kurze Sporinoiizen. Schwere Bestrafungen hat der Westdeutsche Spielverband über eine Reihe von Vorstandsmitgliedern und Funktionären verschiedener Vereine verhängt. So wurde fast der gesamte Vorstand von Schalke 04 und VfL. Benrath aus dem WSD. ausgeschlossen. Auch eine ganze Reihe von Spielern wurde bestraft, die Vollstreckung der Urteile jedoch auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. * Rausch-Hürtgen und Funda-Mai- dorn sicherten sich im Kölner Sechstage-Rennen in der Nacht vom Montag zum Dienstag allein die Spitze des Feldes, das noch 10 Mannschaften stark ist. Mit einer Runde Rückstand folgen von Kempcn- Pijnenburg und Richli-Broccardo. Anklage und Verhandlung gegen den Geldbriefträgermörder. Frankfurt a. M., 6. Dez. (WSN.) Gegen den Mörder des Geldbestellers Hofmann hat Staatsanwaltschaftsrat Dr. Knögel Anklage wegen Mordes in Jdealkonturrenz mit Raub erhoben. Die Anklage ist bereits ferttggestellt und dem Täter Knirsch zugestellt worden. Es wurde bei den zuständigen Stellen die Frage erwogen, ob die Verhandlung noch in diesem Monat stattfinden sollte. Voraussichtlich wird in diesem Jahre kein Schwurgericht mehr einberufen, und es ist damit zu rechnen, daß sich Knirsch anfangs Januar in der von Landgerichtsdirektor Bitte! geleiteten Schwurgerichtsperiode zu verantworten haben wird. Ein Werkspion vor Gericht. Darmstadt, 6. Dez. (WSN.) Der Hilfsarbeiter August M e i d i n g e r aus Eberstadt hatte sich vor dem Bezirksschöffengericht wegen unlauteren Wettbewerbs zu verantworten und wurde roe^en Vergehens in zwei Fällen gegen dieses Gesetz und wegen Unterschlagung zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Meidinger war früher bei der Post angestellt und wurde wegen Unterschlagung im Amt entlassen. Er ist bereits erheblich vorbestraft und verstand es trotzdem, sich bei der Firma Röhm & Haas in Darmstadt eine Vertrauensstell u n g zu erwerben. In dieser Posttion gelang cs ihm, ein Maschinenzubehörteil, den die Firma geheim zu halten wünschte, a b z u z e i ch- n e n. Weiter brachte er Geheimkorrespondenz und Reservatanweisung an sich. Als er wegen einer Unredlichkeit entlassen wurde, hatte er bereits einen neuen Vertrag mit einer Firma in Spanien in der Tasche, ferner einen Auslandpaß und eine Fahr- Earte. Nur durch Zufall kam man hinter die ganze Geschichte, die jetzt zu seiner Verurteilung führte. Wirtschaft. * Der Stand der Wintersaaten. Unter dem Einfluß des vorherrschend milden und offenen Novemberwetters hoben die Feldarbeiten im Deutschen Reich gute Fortschritte gemacht. Die Einsaat des Wintergetreides ist fast überall zu Ende geführt. Die Wintersaaten zeigen, soweit sie rechtzeitig in die Erde gebracht wurden, eine kräftige Entwicklung und teilweise auch eine recht gute Bestockung. Bei den Spätsaaten ist das Wachstum noch häufig im Rückstände; zum Teil sind sie noch nicht aufgelaufen. Unter Zugundelegung der Zahlennoten 2 (gut), 3 (mittel), 4 (gering) ergibt sich im Reichsdurchschnitt folgende Begutachtung: Winterroggen 2,5 (im Vormonat 2,6), Winterweizen 2,5 (2,5), Winterspelz 2,3 (2,5), Wintergerste 2,5 (2,5). • Hafenmühle in Frankfurt a. M. AG., Frankfurt a. M Die Hafenmühle in Frankfurt AG., Frankfurt a. M., die per 30. Juni 1932 mit einem Reingewinn von 113 267 (121 500) Mark abschlieht, weist in der Gewinn- und Der- lustrechnung Unfoften mit 490 000 (487 000) Mk., Steuern und soziale Lasten mit 210 000 (159 000) Mark, Abschreibungen mit 122 000 (114 000) Mk., und ein neu errichtetes TLertberichtigungskonto mit 50 000 Mk. auf, denen ein Bruttogewinn von 989 000 (887 000) Mk. gegenübersteht. — Im abgelaufenen Geschäftsjahre fei der Mehlabsatz un- । befriedigend gewesen, das Geschäft in Futtermitteln sei indessen in Anbetracht der gedrückten Loge • als nicht ungünstig anzusehen. Lieber die Aussichten könne nichts gesagt werden, da seit dem Aufhören der Preisbindung der süd- und westdeutschen Mühlen Ende Oktober d. I. unlohnende Kampspreise herrschen. Sranffurfer Abendbörse gut behauptet. F r a n k f u r t a. M., 6. Dez. An der Abendbörso blieb die Zurückhaltung wegen der noch ausstehenden Entscheidung, ob der Reichstag vertagt wird oder nicht, bestehen, doch herrschte eine recht freundliche Grund st imraung vor, wobei man auf die besseren Meldungen von den Auslandbörsen verwies. Die Berliner Schlußkurse blieben meist gut behauptet. Etwas Interesse trat wieder für Schiffahrtswerte hervor; Hopag lagen etwa 0,5 Proz. höher. Die Wiederwahl des bisherigen Reichstagspräsidenten machte im Verlaufs guten Eindruck, weil die Börse daraus schloß, daß der Reichstag bisher ohne Zwischenfälle verlaufen ist. Die Kurse zogen allgemein leicht an, wobei Kunstseideaktien etwas mehr in den Dordergrund gerückt wurden. Renten lagen sehr Itill. Altbesitz unter kleinen Schwankungen nur wenig verändert. Altbesitz 57.90 bis 57,50 bis 57,65. Aku 52,90 bis 53.40. Bemberg 59,50 bis 60, 2G.-Farben 97 bis 96,90, Hapag 18,40 bis 18,50, Rorddeutscher Llovd 19,40. Oie Konjunkiur Anfang Dezember. Oie Lage der Weltwirtschaft. — Oer Stand in Deutschland. Das Institut für Konjunkturforschung gibt in seinem neuesten Vierteljahresheft folgende Diagnose über die Weltkonjunktur Anfang Dezember 1 9 3 2: Der allgemeinen Hausse, die um die Jahresmitte an den internationalen Waren- und Effektenmärkten einsetzte, sind Rückschläge erfolgt. Aktien- und.Warenmärkte dürften im wesentlichen in der Horizontalbewegung verharren. Der Rentenmarkt wird sich mit der allmählichen Ueberminbung des Mißtrauens zunehmend verflüssigen. Auf der Gülecseite hat eine bis in die letzten Wochen anhaltende Belebung von Produktion und Umsatz eingesetzt. In der Hauptsache handelt es sich dabei um die Wiederanpassung der Produktion an den laufenden Bedarf, zum Teil auch um Lagerauffüllungen, was die Beendigung des auf Lagerabbau und Einschränkung von Ersatzinvestitionen drängenden Deflationsdrucks erkennen läßt. Den Beginn einer neuen konjunkturellen Aufwärtsbewegung bildet diese Entwicklung aber nicht. Eine Erhöhung der Investitionstätigkeit, die gewöhnlich den Anstoß zum Umschwung gibt, ist in Anbetracht der zumeist noch prohibitioen Höhe der Kapitalzinsen aus der Dynamik der Märkte heraus vorerst nicht zu erwarten. Ebenso unwahrscheinlich ist eine vom Konsum ausgehende Belebung der Wirtschaft. Jedoch dürfte das Ende der Wirtschaftsschrumpfung in den meisten und wichtigsten Ländern erreicht sein. Die Diagnose über die Konjunktur in Deutschland Anfang Dezember 1932 lautet folgendermaßen: Die Beschäftigung ist zum erstenmal seit vier Jahren konjunkturell leicht gestiegen. Auch Produktion und Umsätze haben sich leicht belebt. Begünstigt waren vor allem die Verbrauchsgüterindustrien. Der Produkionsauf- trieb erklärt sich vornehmlich als Reaktion auf die vorausgegangene Drosselung der Produktion sowie aus Eindeckungen von Weiterverarbeitern und Händlern, die durch die Rohstoffhausse gegen Mitte des Jahres veranlaßt wurden. Vom Konsum selbst lagen keine Anregungen vor. Das Einkommen und mit ihm die Einzelhandelsumsätze nah. Men eher noch ab. In den Produktionsgüterindustrien belebten Russenaufträge, Aufträge der öffentlichen Hand und Bestellungen des Handels zwecks Ergänzung der Lagervorräte. Die I n v e ft i t i o n s- tätigfeit blieb unverändert niedrig. Auch der Druck von der Kreditseite her hat sich abgeschwächt. Der Abbau der Bankdebitoren geht nunmehr in verlangsamtem Tempo vor sich, und zwar offenbar weniger als Folge von Schuldeneintreibung als durch die verminderte Abdeckung unbenutzter Betriebskredite. Die Rotenhortung läßt nach, die Sparkassen verzeichneten erstmals seit 2Hai 1931 wieder einen Einzahlungsüberschuß, die Auflockerung des kapitalmarkts macht weitere Fortschritte. Die Höhe der Zinssätze ist allerdings noch immer restriktiv. Eine nachhaltige Besserung der Wirtschaftstätigkeit ist dadurch vorerst unmöglich gemacht, die Periode krisenhafter Wirtschaftsschrumpfung dürfte aber abgeschlossen, der Eintritt in die Depressionsphase, die einen mehr horizontalen Verlauf von Produkten und Beschäftigung bringt, vollzogen sein. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beichlossenen Dtvid nde an. — Reichsbankdiskont 4 o. H. Lombardzinsfuß 5 v. H. Irantsurr a. JJI. 25enm Schlußkurs Gchlußk. Abend» börs Schluß» turs Schlußk. Mittag- bö'se um n 5-12. I 6.12. | 5.12. i 6-12. 6% Deusichc Retcheanleihe v. 1921 75 75,75 75,13 76 6% efjem.7% Dt. Reicheanl. v. 1929 90,25 90,25 90,25 90,25 S'/2% Doung-Anlethe von 1930 .. Deutsche Ant.-Ablöl.-Schuld mti 75 75 75 75 Auslo«. Rechten ............. 57,5 57.65 57,5 57,25 Tesgl. ohne Auelos.-Rechte...... 6% ebcm.8% Heil. Bolksstaat 1929 6,4 6,4 6,4 6,4 irückzahlb. 102%)............ Lberhessen Provinz - Anleihe mfi 68,9 68,4 — 68,5 Auslol.-Rechten ............ Deutsche Komm. Sammelab l.An 55,5 — — leihe Serie! mit Auslos.-Rechten 6% ehern. 8% ftrantf. Hyv.-Banl 54 54,13 54 53,75 Goldpfe. 13 unkündbar bis 1935 6% eheni. 7% Franks. Hyp.-Ban! 79,65 79,65 — — Goldvse. 16 unkündbar bis 1936 5’4% ehern. 44% Franks. Hyp. Banl-Liau.-Psandbrtofe ..... 6’4% ehern. 4'/,% Rheinische 79,65 79,13 — — 83,9 83,65 — — Hyv.-Ban^Llqu.-Goldpfe. ... 6% ehem. 8% Pr. Londespsand 83,9 83,9 — — briesanitalt, Pfandbriefe R. 19 6% ehem. 7% Pr. Landespfand brtefanslalt, Pfandbriefe R. io 78,5 78,5 78 77,75 78,5 78,5 - — 4% Oesterreichische Gowrente... 8,75 8 8,5 4,20% Lösterreichische Silberrente 1,05 1,1 1,05 4% Ungarische Goldrente....... 5,9 5,9 5,85 5,85 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 5,75 6,05 5,7 44% desgl. von 1913......... - _ 5% abgekt. Goldmepkancr von 99 6,65 6,65 _ _ 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anleche 3,6 3,55 3,65 3,65 Serie I.................. 4 4 4,05 4 4% desgi. Serie II............. 4 4 4,05 5% Rumän. vcreinh. Rente v. 1903 5,9 5,75 _ 4'/r%Rumän.vereinh.Reinev.l913 4% Rumänische vereuch. Rente .. 9,75 9,6 9,8 _ 4,9 4,65 4.9 4 6 3%% Anatolier .............. 21 21,3 21 21,25 -ram.ur. u. £eri.u Schluß» kurS Gchlußk. Abend» Mrfe Schluß- kurö Gchlußk. Mittag, börse Datum 5.12. 6.12- 5.12. 6-12. Yamvurg-Amerita-Paker ..... 17.75 18,5 17,65 18,5 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 — — — Hansa Dampfschiff........... 0 — — 26,5 26,9 Norddeutscher Lloyd ......... 0 18,65 19.4 18,5 19.65 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 46 45 45,25 45 Berliner Handelsgesellschaft.... 4 89 89,5 89,5 89.13 Lommerz» und Privat-Bank ... O 53,5 53,5 53,5 53,5 Deutsche Bank und Diseont» Gesellschaft................ 0 75 75 75 75 Dresdner Bank.............. 0 61.5 61,75 61,75 61,75 Reichsbank ................. 1 17fi 75 129.25 128,5 129 A.E.G...................... 0 52,75 33 33 33 (Helft. Lieferung Sgesellschast ... 5 73,5 — 74,4 73,75 Licht und Kraft ............. 6 97.25 98.25 97 98,75 stellen & Guilleaume ........ O 54 52 54,4 52,25 Gesellschaft für Elektrische Unter. nehmungen............... 4 73 73 72,5 73,25 Rheinische Elektrizität ........ Q 79 79,5 80 79,5 Schuckert LE».............. O 76 75,5 75,5 76 Siemens & fialäte........... 9 121 121 121 120,75 Labmever LCo.............. 10 — 113,25 114,25 114,9 Buderus ................... 0 43 42,75 43,25 Deutsche Erdöl ............. 4 80.75 80,5 80,25 80 Gelsenkirchener.............. O 46 46,25 45.75 45,5 Harpener................... 0 81,25 82,5 8i 82,25 Hoesch Eisen—Köln Neuesten.. 0 47 46,13 $1fe Bergbau ............... 7 — — — — Ilse Bergbau Genüsse........ 7 99.75 99 93,75 98,75 Klöcknerwerke ............... O 44,75 44 44 Manneämann-Röhren........ O 58.25 59,4 58,65 59,25 Mansfelder Bergbau......... 0 21,5 20.25 Oberschles. Kokswerke......... 0 — — 41,65 41,13 Pböntr Bergbau............. 0 31.75 32,25 32,25 32 Rheinische Braunkohlen ...... 10 177 177 174.5 176 Rhetnstahl.................. 0 69.25 70 69,13 79,5 Frankfurt a.DL Lettin Schlußkurs Schluß!. Abend- börs Sch uß- kurS Schluß»! Mi tag- bSre Oatum 5.12. 6.12. 5.12. 6.12. Berelnigie Sladlwette..... ... u 28,75 29,25 29 29,13 Otavi Minen ............ ... 0 15,5 15,25 15,25 15,65 Kaliwerke Aschersleben..... ... 6 106,5 106,5 106 106 Kaliwerke Westeregeln..... ... 6 112,5 113 113,5 113 Kaliwerke Salzdetfurth .... ... 9 172 169,5 — 170,5 I G. starben.Indusftie .... ... 7 97,25 96,9 96 96,4 Scheideanstall............ ...10 145 145 — Goldschmidt ............. ... 0 29 28,5 28,75 28,25 RütgerSwerke ............ ... 0 40 40,4 40 38,13 Metallgesellschaft.......... ... 0 34 34,25 35 35 Philipp Holzmanu........ ... u 56,25 56,75 56,25 56,5 Zementwerk Heidelberg .. Eementwerk Karlstadt...... ... 4 ... O 47 46,5 60 Wayß & Freytag ......... ... 0 4,6 . 4,6 Schultheis Patzenhofer..... ... O — 102,25 Aku (Allgemeine Kunstseide) ... O 52,75 53,4 52,25 52,9 Bemberg................ ... 0 57,5 60 58,25 59.5 Zellstofi Waldhos ......... .. . 0 46 45 45,75 44.75 Zellstoff Aschaffenburg .. ... 0 28,75 28,5 28,5 28 Dessauer GaS ............ ... 7 97,25 97 Daimler Motoren....... . . 0 18,5 19 19 19 Deutsche Linoleum ..... ... 0 46 45,65 46 45 Orenslein & Koppel...... . . 0 36,5 36,5 Leonhard Tietz ........... ... 6 43 44 44 44,5 Ehade................... ...18 145 147,5 144,5 — Gritzner................. ... O 30 30 30,9 30 Mainkraftwerke Höchst a.M. ... 4 54 54 Süddeutscher Zucker ...... ... 8 13b 140,5 139,25 — Devisenmarkt Berlin - Frankfurt a M. 5.Dezember 6.Dezember Amtliche llotienma Amtliche Jloherunn ®f|h Arie Geld Sri t Heising,ors. 5,914 5,926 5,914 5,926 Wien...... 51.95 52,05 51.95 52,05 Prag...... 12,465 12,485 12,465 12,485 Budapest ... — — — — Sofia..... 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland .... 169,33 169,67 169,33 169,67 Lslo....... 68,93 69.07 69,13 69.27 Kopenhagen. 69,63 69,77 69,93 70,07 Stockholm... 73,58 73,72 73,83 73,97 London ..... 13,36 13,40 13,44 13,48 Buenos Aires 0,858 0,862 0,858 0,862 Neupork.... 4,209 4,217 4.209 4,217 Brüssel .... 58,27 58.39 58,27 58,39 Italien..... 21,36 21,40 . 21,35 21.39 Paris..... 16,45 16,48 16.445 16.495 Sck,weiz ... 80,92 81,08 80,92 81.08 S Danton ... 34,40 34,46 34,57 34,63 Danzig .... 81.75 81.91 81.77 81,93 Japan..... 0,849 0,851 0,849 0.851 Rio de Ian. 0,294 0,296 0.289 0,291 Jugoslawien 5.634 5,646 5,634 5,646 Lrstabon ... 12,76 12,78 12,76 12,78 Banknoten. Lettin, 6.Dezember Geld ■— 23dcf Amerikanische Noten.............. 4,20 4,22 Belgische Noten.................. 58.11 58,35 Dänische Noten ................. 69,56 69,84 Englische Noten .... ........... 13,40 13,46 Französische Noten............... 16,40 16.46 Holländische Noten............... 168,96 169.64 Italienische Noten................ 21,29 21,37 Norwegische Roten .............. 68,96 69,24 Deutsch L esterreich, a 100 Schilling Rumänische Noten............... 2,47 2,49 Schwedische Noten............... 73,65 73,95 Schnitzer Noten................. 80,74 81,06 Spanische Noten................. 34,24 34,38 Ungarische Noten ................ ♦-