llr. 288 Erstes Blatt 182. Jahrgang Mittwoch, 7 Dezember 1952 Eriche,ni tägltd),aufcei Sonntags und Jeiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gietzener ftamilienblätter Heimat tm Bild Die Scholle monab=Be$agspret$: Mit 4 Beilagen 9111.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. zernsprrchanschlüffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: Kranifurt am Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrrck unv Verlag: vrühl'sche Universttäts-Vuch- und Steindruckerei TL Lange in Giehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Lchulstraste 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm YSHe für Anzeigen von 27 mra Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspsennig: für Ne- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspsennig, Platzvorschrift 20", mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wild. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein undlürdenAn. zeigenteil i.V.TH.Kümmel sämtlich in Biegen. Deutschland lehnt den Davis-plan ab. EindeuischerGegenvorschlagverlangtRegelung-erGleichberechiigungsfragebtoEn-eLanuar. Wenig Aussicht auf Einigung mit Frankreich. Genf. 6. Dez. (X1L) Die Vertreter der fünf Großmächte traten am Dienstag unter Vorsitz von Macdonald im Hotel Veaurivage zur Behandlung der lSleichberechtigungsfrage und des neuen Herciot-Davis-Planes zusammen. An der Sitzung nahmen Freiherr v. Neurath, Gesandter v. Weihäcker, H e r r i o t. Paul-Bon- cour, Sir 3ot>n oimon, Jtorman Davis, der amerikanische Gesandte WUson, Baron Aloisi und der italienische Botschafter in Washington, Rosso, teil, lieber die Sitzung kann nach Mitteilung von zuständiger deutscher Seite folgende zusammenfassende Darstellung gegeben werden: Zu Beginn der Verhandlungen wurde den fünf Mächten der amerikanifch-fran- zösische Plan vorgelegt. Der deutsche Außenminister bemerkte darauf ausdrücklich, daß er sich zu weiteren Besprechungen in Genf nur auf der Grundlage der Erklärungen des englischen Außenministers im Unterhaus und des dem Bureau der Abrüstungskonferenz eingereichten Vorschlages bereit erklärt habe. Jetzt werde ihm jedoch ein von den übrigen Mächten ausgearbeiteter schriftlicher Plan vorgelegt, wonach sich somit für ihn eine völlig veränderte Lage ergeben habe. Macvonald bestritt, daß irgend eine feste Vereinbarung zwischen den üb Eigen Mächten vorliege und erklärte, daß ihm selber dieser Plan bis dahin nicht vorgelegt worden sei. Freiherr von Neurat erklärte darauf, nach seiner Stellung zum amerikanisch-französischen Plan befragt, daß er hierin zunächst eine erhebliche Verschiebung aller Fragen sehe, die für ihn nicht annehmbar sei. Der Reichsaußenminister legte dann von sich aus den übrigen Mächten einen Vorschlag vor. nachdem die gegenwärtigen Besprechungen mit der Annahme einer formulierten Erklärung abgeschlossen werden solle, in dem die Einsetzung eines Ausschusses maßgebender bevollmächtigter Sachverständiger der fünf Mächte beschlagen wird, der dis spätestens Lude Januar die allgemeinen Richtlinien für die endgültige Regelung der Gleichberechtigungsfrage und der sich aus der Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung und die Ersetzung des Teiles V des Versailler Vertrages ergebenden materiellen Fragen ausarbeiten soll. Auf der Grundlage dieser Richtlinien sollen sodann nach dem deutschen Vorschläge die fünf Mächte Ende Januar e r - neut zusammentreten, um den endgültigen Beschluß über die Anerkennung der formellen und materiellen deutschen Gleichberechtigung und damit der Rückkehr Deutschlands in die Abrüstungskonserenz zu fassen. Dieser deutsche Vorschlag wurde von Mac do - nold als zuweitgehend nicht zur Verhandlung gestellt, da er befürchte, daß dieser Vorschlag zunächst auf den allergrößten Wider st and der französischen Regierung stoßen werde. In der Mittagssitzung, in der die Erörterung des amerikanischen Planes wieder ausgenommen wurde, gab dann fj e r r i o t im Namen der französischen Regierung folgende Erklärung zur Gleichberecht gungfrage ab: „Frankreich erkennt an, daß einet der Zwecke der Abrüstungskonferenz der ist. Deutschland und den übrigen durch die Friedensverträge entwaffneten Eiächten die Rechtsgleichheit im Rahmen eines Regimes zu gewähren, das für alle Mächte, wie auch für Frankreich. die Sicherheit einschlieht." Diese Erklärung wurde dem deutschen Außenminister als die Grundlage für die Rück, ehr Deutschlands in die Abrüstungskonferenz vorgelegt und von den übrigen Mächten als ein außerordentliches Entgegenkommen gegenüber Deutschland bezeichnet. Man machte geltend, daß diese Erklärung nunmehr die sofort iye Rückkehr Deutschlands in die Abrüstungskonferenz ermöglichen müßte. Auf die dahin- gchende Frage lehnte der Reicysaußen- Minister die Erklärung Herriots als ungenügend ab, behielt sich jedoch seine endgültige Stellungnahme vor. Die Verhandlungen der nächsten Tage werden nunmehr auf der Grundlage sowohl des amerikanischen, als auch des deutschen Vorschlages erfolgen. Herriot zeigte in der heutigen Sitzung gewissen Widerstand gegen den amerikanischen Plan und verlangte, daß zunächst der große französische Sicherheit s - und Abrüstungsplan mit den gesamten dort vorgesehenen Sicherheitsgarantien behandelt würde, während Norman Davis die sofortige Durchberatung seines Planes forderte. Der deutsche Außenminister gab hierzu die Erklärung ab, daß er an dem amerikanischen Plan kein Interesse habe, jedoch bereit sei, die Verhandlungen über den amerikanischen Plan anzu hören. Die Vertreter Englands und Italiens nahmen zu dem Plan nicht Stellung. Die neue Lage. Der deutsche Vorschlag der einzige Ausweg Genf, 6. Dez. (TA.) Durch das Eingreifen und die entschiedene Haltung des deutschen Außenministers ist die Erörterung wieder auf ihr eigentliches Thema, die Frage der deutschen Gleichberechtigung, zurückgeführt worden. Die Erklärung Herriots zur Gleichberechtigungsfrage wird in den deutschen Kreisen zwar als ein gewisser Fortschritt bezeichnet, jedoch keineswegs als genügend, um eine Rückkehr Deutschlands in die Abrüstungskonferenz zu ermöglichen. Man weist darauf hin, daß diese Erklärung außerordentlich vage und nur in allgemeinen Linien gehalten fei, so daß damit keinerlei Klarheit über Frankreichs künftige Stellung in den Rüstungsfragen geschaffen werde. Von englischen und französischen Kreisen wird übereinstiinmend mitgeteilt, dckß die Erklärung Herriots von den übrigen drei Mächten, England, Italien und Vereinigten Staaten, angenommen worden war und von Herriot im Namen der vier Mächte abgegeben wurde. Es wird hervorgehoben, daß der deutsche Außenminister seine endgültige Stellungnahme zu der auf Mittwochvormittcm einberufenen weiteren Sitzung der fünf Mächte in Aussicht gestellt habe. Das ändert nichts an der Tatsache, daß eine französische Bereitschaft für die Praxis den TeilV des DersaillerVertrages auf* zuheben und durch ein neues Allgemeinabkommen zu ersetzen, aus der Erklärung nicht erkennbar ist. Zu dem neuen deutschen Vorschlag neben .dem formalen Verfahren der Einsetzung eines fünfgliedrigen Ausschusses zur Tehand- lung der Gleichberechtigungsfrage auch die praktischen Wirkungen der Anerkennung der Gleichberechtigung auf rüstungspolitischem Gebiet zu berücksichtigen, liegt eine Stellungnahme der Großmächte noch nicht vor. Es wird aber zugegeben, daß der deutsche Vorschlag den einzigen Ausweg für die Weiterführung der Verhandlungen darstellt. Macdonald, der bereits am Freitagfrüh wieder in Genf eintrifft, beabsichtigt die nächste Woche in Genf zu verbleiben und die Verhandlungen bis zu einer Einigung in der Gleichberechtigungsfrage fortzusühren. bunb nicht angehörenden, am Streitfall jedoch interessierten Großmächte Sowjetrußland und die Vereinigten Staaten zugezoaen werden sollen. — Die Generalaussprache wird nm Mittwoch weiter fortgesetzt. Japan beseht Mandschuna. London, 7. Dez. (WTB. Funkspruch.) Wie Reuter aus Tschangtschun meldet, hat die japanische Armee, die den .Siampf gegen General S u p i n g m e n führte, die Stadt 'Mandschurin in der Nähe der sowjetrussischen Grenze besetzt. Nach einer anderen Meldung soll der General M n ° tschangtschen als Kuli verkleidet im Gefolge von Supingmen auf s o w j e t r u s s i s ch*e s Gebiet geflüchtet (ein. Das Echo der Parlamentoeröffnung. Berliner Blätterstimmcn. Berlin, 7. Dez. (TA.) Die Berliner Blätter geben ausführlich den Eindruck der Parlamentseröffnung am Dienstag und der Wahl des Präsidiums wieder. Allgemein wird darauf hinge- wiesen, daß die Parlamentseröffnungen, allzu oft wiederholt, an sensationellem und feierlichem Charakter verlören. Die „G e r m a n i a“ (Zentr.) weist auf die Rede des Reichstagspräsidenten Göring hin und schreibt, Göring habe bereits zum zweitenmal in gleicher Funktion beteuert, daß er es als seine Pflicht erachten werde, die Rechte der Volksvertretung in aller Konsequenz zu wahren.' Inwieweit ihm das gelingen werde, hänge mindestens ebensosehr von dem Parlament selbst. Die Zukunft werde Klarheit darüber schaffen müssen, ob alle Gruppen der Volksvertretung, die nicht geborene Feinde des Parlaments seien, diesmal den M u t zu den notwendigen positiven Entschlüssen finden würden, die allein die W i e- dereinschaltung der Volksvertretung in das Staatsgefüge und die Wiederherstellung einigermaßen normaler Beziehungen zwischen Regierung und Reichstag sicherzustellen vermöchten. Die Bewährung würde dieser Reichstag, der sein Schicksal vielleicht mehr noch als sein Vorgänger selbst in der Hand habe, noch zu liefern haben. Die „D A Z." (gern. Rechte) stellt u. a. fest, die Tatsache, daß der Sozialdemolrat nach einem grotesken Zwischenspiel parlamentarischer Zähl- technik an die Stelle des Deutschnationalen Gräs als Vizepräsident gewählt sei, demonstriere die Folgen der Streitigkeiten im nationalen Lager: Den Vorteil habe die Linke. — Die „B ö r s e n ze i t u n g" (gern. Rechte) weist auf die Rede des Alterspräsidenten, des Generals L i h m a n n hin und meint, daß er gestern im Parlament sich nicht auf seine rein geschäftsmäßigen Aufgaben beschränkt, sondern eine po * litischeAnsprache gehalten habe, fei nicht notwendig gewesen. Die Verstimmung der NSDAP. über das Scheitern der letzten Verhandlungen zwischen Hitler und Hindenburg hätte bei anderer Gelegenheit und von einem anderen Vertreter als gerade dem zur parteipolitischen Reutralität verpflichteten Alterspräsidenten si^erlich treffender zum Ausdruck gebracht werden können. Auch der „D ö r s e n k u r i e r" (dem.) bedauert, daß General Litzmann in seiner Rede einen offenen Angriff gegen den Reichspräsidenten von Hindenburg unternommen habe. Die „Dossische Zeitung" (Dem.) hebt hervor, daß die Antrittsrede des Reichstagspräfi- denten Göring ein zuverlässiger Wegweiser in die nächste politische Zukunft bedeute. 2m Augenblick wollten die Rationalsozialisten einen arbeitsfähigen Reichstag, weil sie kein Interesse an Neuwahlen hätten. — Der „Vorwärts' (Soz.) erhebt scharfe Angriffe gegen dieKommun i st e n, weil sie nicht die Wahl Löbes zum zweiten Vizepräsidenten ermöglicht und außerdem bei dem Antrag über die Regierungserklärung d i e Sozialdemokraten im Stich ge- lassen hätten. Die „Deutsche Zeitung" (Alldeutsch) hebt mit Hinweis auf die Wahl des Präsidiums hervor, wenn diese Entwicklung fortgesetzt werden sollte, dann werde die Vertagung des Reichstages durch ein Zusammenspiel des Zentrums und der Rationalsozialisten den hoffnungsvollen Aufbruch des nationalen Deutschlands zunichte machen und uns vielleicht auf Jahre hinaus wieder parlamentarischer Zersetzung anheim geben. — Der „Tag" (Deukschnat.) spricht von einem Schacher bei der Wahl des Präsidiums und hebt hervor, der ganze Parlamentarismus fei greifen- Hafter denn je. — Die „Berliner Volkszeitung" (öemofrj ist der Meinung, es bestehe kaum noch ein Zweifel, daß die Rationalsozialisten das Kabinett Schleicher tolerieren würden, nachdem sie dazu geholfen hätten, alle Versuche, das Kabinett Schleicher zu offener Feldschlacht im Reichstag zu zwingen, abzuwehren. Eine deuischnationale Erklärung. Berlin, 6. Dez. ($11.) Zu dem Verlauf der Wahl des Reichstagspräsidiums teilt die deutschnationale Reichstagsfraktion mit: „Die vorige kurze Reichstagsperiode hat die Angeeignetheit des Herrn Göring als Reichs- tagspräsidenten erwiesen. Trotzdem hätte die deutschnationale Fraktion der Wahl des von der stärksten Fraktion borge» schlageneu Kandidaten z u g e st i m m t, wenn die Nationalsozialisten ihrerseits die Gewähr gegeben hätten, daß sie den von der Vrilisch-französische Schuldenkonserenz. Macdonald und Chamberlain beraten mit Herriot in Paris. Paris, 7. Dez. (MTB. Funkspruch.) Die Auf- merkfamkeit der Presse lsk heute besonders auf die Verhandlungen gerichtet, die Ministerpräsident h e r- r i o ( und Premierminister Macdonald in Paris heute über das kriegsfchuldenproblem führen werden. „Matin" behauptet, daß herriot entschlossen fei, auf jeden Fall m i t England eine gemeinsame Linie zu beziehen, weil er es für verhängnisvoll halten würde, wollte Frankreich in einer so bedeutsamen Frage das Risiko übernehmen, völlig isoliert zu sein, herriot werde versuchen, Macdonald für den Standpunkt zu gewinnen, daß man am 15. Dezember an Amerika keine Zahlungen bzw. nur Zahlungen auf ein gesperrtes Konto leisten dürfe. Sollten die Engländer jedoch ihre Absicht beibehallen, Zahlungen zu leisten, dann scheine ein Konflikt zwischen herriot und dem französischen Parlament unvermeidlich zu fein, da dieses gegen eine solche Maßnahme sei. Enslandslirchtei die Einheitsfront London, 7. Dez. (TU.) Der englische Schatzkanzler Neville Chamberlain reiste ebenfalls nach Paris, um dort Macdonald zu' treffen. Die Nachricht hat die englische Oefsentlichkeit völlig überrascht. Die Blätter geben zwar zu, daß die britische Regierung beabsichtigte, in der Schulden, frage in „angemessener Weise" mit Frankreich i n e n g st e r F ü hl u n g zu bleiben, versichern aber im Hinblick auf Amerika, daß vyn der Bildung einer Einheitsfront der europäischen Schuldner ober „von einem gemeinsamen Vergehen" keine Rede sein könne. „News Chronicle sagt, die britische Regierung betrachte eine Wiederaufrollung der Reparationsfrage bei der Behandlung der Schuldenfrage als keineswegs wünschenswert. „Morning Post" legt dar, daß Lausanne nicht als zusammengebrochen betrachtet werden könne, bevor sich eine Vereinbarung mit Amerika endgültig als unmöglich ergeben habe. Eine „Einheitsfront" gegen die Vereinigten Staaten komme schon deshalb nicht in Frage, weil Großbritannien und Frankreich am 15. Dezember höchstwahrscheinlich nicht die gleiche Haltung einnehmen würden. Associated Preß erklärt, wenn die Zahlungen an Amerika wieder ausgenommen werden sollten, sei es klar, daß die Lausanner Vereinbarungen aufs neue untersucht werden müßten. Es sei daher zu erwarten, daß die Pariser Besprechungen die unmittelbaren und möglichen Wirkungen erwägen mürben. Es könnte beispielsweise für notwendig erachtet werden, die Lausanner Konferenz wieder ein-, zuberufen. Der Mandschurei-Konflikt vor der Völkerbundsversammlung. Oie kle nen Mächte fordern scharfes E «greifen gegen Japan. Genf, 6. Dez. (TU.) Die außerordentliche Vollversammlung des Völkerbundes für den ch.nesisch- japanischen Streit ist heute vormittag unter dem Vorsitz des belgischen Auhenm.nisters Hymans eröffnet worben. Die Sitzung fand im überfüllten Saale statt. An der Sitzung nahmen Reichsminister von Neurath, herriot, Paul-Boncour und Baron Aloifi teil. Norman Davis wohnte der Sitzung in der Dplomatenloge bei. Die Verhandlungen wurden sogleich mit einer scharfen Erklärung des chinesischen Gesandten Ten eröffnet, der die volle Verantwortung für die Kriegslage im Fernen Osten Japan zuscyab, das unzweifelhaft der Angreifer sei. Am Schluß seiner Ausführungen forderte $en: Die Völkerbundsversammlung stellt fest, daß Japan den Dölkerbundsoertrag, den Kelloggvertrag und den Washingtoner Neunmächtevertrag gebrochen hat. Japan wird aufgefordert, unverzüglich seine Truppen in die Eisenbahnzone z u - rückzuziehen. Die mandschurische Regierung wird aufgelöst. Die Völkerbundsversammlung erkennt bis zur Auflösung des mandschurischen Staates den gegenwärtigen Mandschukuo-Staat in keiner Richtung an und lehnt insbesondere jede Beziehung zu der mandschurischen Regierung ab. Innerhalb einer kurzbefristeten Zeit wird ein Bericht über die enbgifltige Regelung des japanisch-chinesischen Streites auf der Grundlage des Artikels 15 des Völkerbundsvertrages angenommen. Matfuoka (Japan) verlas als Antwort auf die Ausführungen Vens eine schriftlich festgelegte Erklärung, in der er das Vorgehen Japans und die Anerkennung der Mandschurei durch die japanische Regierung damit begründet, daß die chinesische Regierung gegenwärtig vollständig machtlos sei und die Dolschewisierung Chinas drohe. Der Völkerbund müsse jetzt endliche den anarchischen Zuständen in China ein Ende machen. Die systematische Fremdenfeindschaft und die vom Bolschewismus beeinflußten sogenannten. revolutionären Grundsätze der Außenpolitik in China, sowie die Umtriebe der chinesischen Generale in der Mandschurei und der antijapanische Boykott hätten Japan zur Notwehr gezwungen. Bei dem gegenwärtigen Aufbau und Ziel des Völkerbundes habe Japan von dieser Seite keinen Schuh erwarten können. Die Generalaus.spräche über den japanisch-chinesischen Konflikt begann mit den Erklärungen der Vertreter der Tschechoslowakei, Schwedens, Norwegens unb Irlands, bie den Stanbpunkt ber kleineren Mächte zum Ausbruck brachten unb sich überein- stirnmenb mit großer Schärfe gegen bie japanische China-Politik wandten unb bie Nichtanerkennung bes neuen mandschurischen Staates durch sämtliche Völkerbundsmächte forderten. Der bekannte frühere schwedische Außenmin.fter U n d e n wies insbesondere darauf hin, daß die Völ« kerbundsvevsammlung — entsprechend dem Lytton- bericht — seststellen müsse, bah die mllitärischen Operationen in der Mandschurei einen Bruch der territorialen Unantastbarkeit eines Völkerbunds st aates bedeuten. Der tschechoslowakische Außenminister Bene sch vertrat die gleiche Auffassung und wies darauf hin, daß die Schaffung eines neuen Staates auf dem Gebiete einer anderen Macht ein gerade für die kleinen europäischen Mächte außerordentlich gefährliches Beispiel sei. Benesch verlangte strengste Einhaltung des Völkerbundspaktes und sämtlicher internationalen Verträge. Die vier Redner der kleineren Mächte schlugen sodann die Einsetzung eines engeren Ausschusses vor, zu dem auch die dem Völker- deutschnationalen Fraktion vorgeschlagenen lang» Vchrrgen und verdienten Vizepräsidenten Gräf wiederum wählen würden. Diese Gewähr zu geben, haben die Vertreter der nationalsozialistischen Fraktion ausdrücklich abgelehnt Der Fraktionsvorsitzende Dr. Frick hat vor Beginn der Reichstagssitzung dem deutschnationalen Frak- twnsvorsitzenden Dr. Oberfohren erklärt es liege ein Beschluß der nationalsozialistischen Fraktion vor, HerrnGräf nicht zu w ä h - l e n. Er stellte in diesem Zusammenhang die Zumutung, daß die Deutschnationalen einen anderen Kandidaten Vorschlägen sollten. Diese Zumutung wurde selbstverständlich zurückgewiesen. Daraufhin stellte Dr. Frick cm« erneute Benachrichtigung in Aussicht. Diese Benachrichtigung erfolgte nun vor dem Wahlgang und besagte, daß wahrscheinlich ein Teil der Vationalsozialisten für Gräf stimmen werde. Irgend eine Gewähr wurde ausdrücklich abgelehnt. Die deutschnationale Fraktion stimmte nunmehr geschlossen für Herrn Gräf. Dadurch, dast die Vationalsozialisten bei der Vizepräsi- denten^ahl an Stelle des Herrn Gräf die Kandidatur des Volksparteilers Hugo aufstellten, kam der Sozialdemokrat Lobe in die Stichwahl und wurde dann mit Hilfe des Zentrums mit einer Stimme Mehrheit gewählt." Ferner teilt die deutschnationale Deichstagsfraktion mit, ihr sei sowohl von maßgebender Seite des Zentrums, als auch der Deutschen Dolkspartei vor der Sitzung erklärt worden, daß diese beiden Parteien für Herrn Gräf als Vizepräsidenten stimmen wollten. Gesamtzahlen derKommunal- wahlen in Thüringen. Weimar, 7. Dez. Die Kommunalwahlen in Thüringen (Gemeindevertretungen und Kreistage) standen unter dem Zeichen einer starken Wahlmüdigkeit. Die Wahlbeteiligung betrug etwa durchschnittlich 65 Prozent, sank teilweise auf wenig über 50 Prozent, um nur an ganz wenigen Orten, wie in Gera, Sonneberg und Altenburg 80 Prozent zu überschreiten. Don einem Wahlkamps konnte man kaum sprechen. Lediglich die Nationallsozialisten hielten Versammlungen in. großem Ausmaß ab. Gegenüber 341 230 Stimmen am 6. November (am 31. Juli waren es 423 948) erhielten diesmal die Nationalsozialisten insgesamt in Thüringen 263 722 Stimmen, also ca. 77 000 Stimmen weniger. Die Verluste der Kommunisten beliefen sich auf etwa 20 000 Stimmen (178 404 bzw. 158 405), die der SPD. aus über 33 000 Stimmen (209 784 bzw. 176 467). Demgegenüber stiegen die für bürgerliche Listen abgegebenen Stimmen von etwa 170 000 am 6. November aus 194 000. Prozentual erhielten von der Gssamtstimmen- zahl in Thüringen: Keine Beamtengehaliskürzungen. am 6 Nov. am 4. Dez. NSDAp. 38 Prozent 33 Prozent Bürgerliche SPD. 19 23 24,5 „ 23,5 KPD. 20 „ 20 Berlin, 7.Dez. (CVB. Funkspruch.j In den Kreisen der Wirtschaft kursieren Gerüchte über bevorstehende Kürzungen der Beamtengehälter. Es wird im Zusammenhang mit diesen Gerüchten behauptet, daß das Weihnachtsgeschäft dadurch gewisse Hemmungen erleidet. Es wird von zuständigen Stellen der Reichsregierung, wie auch der kommissarischen preußischen Regierung, mit allem Vach, druck erklärt, daß Gehaltskürzungen weder in Aussicht genommen noch erwogen werden. Aus aller Welt. Schweres Explosionsunglück bei Rathenow. Bei Bauarbeiten in dem bei Rathenow (Hovel) gelegene Premnitzer Sunstseidewerk der IG.Farben, die von einer Rathenower Baufirma ausgeführl werden, explodierte beim Schweißen eine Wasserstoff-Flasche und zerriß eine Gruppe von 8 bis 9 Arbeitern. Einige der verunglückten wurden bi» zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Die Unfallstelle macht den Eindruck schwerster Verwüstung. Sämtliche Fensterscheiben in weitestem Umkreise sind demoliert. Bisher wurden 7 Tote geborgen; wahrscheinlich sind noch weitere 2Hen- schenleben zu beklagen. Außerdem wurde noch eine Anzahl von Personen verletzt. Rach einer Darstellung der TU. war ein Schlossermeisler In einem Neubau mit Arbeiten beschäftigt. Bei der Beförderung einer Sauerstoff-Flasche ließendie Lehrlinge die Flasche fallen, die unter hohem Druck stand und explodierte. Die Gase, die über dem Werk lagen, verbanden sich mit dem Sauerstoff. Durch den gewaltigen Druck platzten die Fensterscheiben in der Umgegend, weiter stürzte eine Mauer ein. Tödlicher Absturz einer italienischen Fliegerin. Die italienische Europasliegerin Baby Ange- i i n i, die in diesem Herbst einen Europarundflug machte, ist bei Beginn ihres geplanten Afrikafluges zwischen Bengasi und Tobruk tödlich verunglückt. Aach mehrtägigen Vachforschungen ist das als vermißt gemeldete Flugzeug in der Vähe von Hadi Helda bei Eirene auf- gesunden worden. Man nimmt an, daß die Fliegerin die Richtung verloren hat, nach der Mittelmeerküste zurückfliegen wollte und dabei einem Motordefekt zum Opfer gefallen ist. Rückkehr der deutschen Anden-Lxpedltion 1932. / Der Hapag-Dampfer „General Artigas" traf von seiner Südamerikafahrt im Hamburger Hafen ein. An Bord des Dampfers befanden sich Prominente Mitglieder der deutschen An den - Cxpedition 1932, die nach einer achteinhalbmonatigen Forschungsreise in die Heimat zurückkehrten. Die heimkehrenden Expeditionsmitglie» der wurden von Vertretern des Deutsch-Oester- reichischen Alpenvereins und der Votgemeinschaft der ^utsthen Wissenschaft willkommen geheißen. Dr Borchers, der schon an der Pamir-Exvedition i?2® tcchzenommen hatte, gab einen ‘ kurzen itebcrbHd über den Verlauf des jetzigen Unter* nr Ziel, von Peru aus zu der Andenkette vorzustohen und die höchsten Gipfel der Cordilleren zu besteigen. Es handelte sich oabel keineswegs um bergsteigerische Aufgaben, foiwern es follten durch kartographische Aufnahmen und Vermessungen viele der weißen Flecken verschwinden, die sich bisher noch auf der Landkarte dieser Gebirgszonen befinden. Oer Görlitzer Gistmörderprozeß. In der weiteren Vernehmung des wegen fünffachen Giftmordes angeklagten Schuhmachers Eduard Just aus Klein-Partwitz (Kreis Hoyerswerda) gab er eine eingehende Schilderung seines Lebens. Darauf äußerte sich der Angeklagte zu dem Mord an seiner zweiten Ehefrau, die in Kottbus verstarb. Er erklärte, am zweiten Tage nach der Geburt des Kindes habe seine Frau ihm gestanden, sich mit Arsen vergiftet zu haben, lieber die Gründe dieses Selbstmordes hüllt sich der Angeklagte in Schweigen. Er will erst sprechen, wenn seine Schwiegermutter ihre Aussage gemacht hat. Auf die Frage des Vorsitzenden, warum er keinen Arzt geholt habe, als ihm die Vergiftung bekannt wurde, erklärte Just: ,Zch meine, wenn sich jemand vergiftet und sterben will, so soll man ihn ruhig sterben lassen". Die Frau o e r st a r b einige Tage später im Krankenhaus, ohne daß di« Aerzte die wahre Todesursache erkennen konnten. Desgleichen habe die schlechte Wirtschaftslage seinen Schwager G r o b a gezwungen, Gift zu nehmen. Der Vorsitzende hält dem Angeklagten seine Geständnisse vor, di« er nur wegen seiner Schweigepflicht gegenüber seinem Schwager und seiner Frau gemacht habe. Damit war die Vernehmung des Angeklagten beendet, und Kriminalkommissar Dr. K u b i tz i von der Breslauer Mordkommission schildert eingehend die angestellten Ermittlungen. Bei der Vernehmung habe sich Just ziemlich lasch benommen. Die Todesfälle seien ihm nicht nahegegangen. Das Geständnis habe Just dann in Görlitz widerrufen. Die Giftquelle habe nicht einwandfrei geklärt werden können. Chefarzt Dr. Kühne aus Kottbus hält es für unmöglich, daß die Frau Selbstmord begangen haben könnte. Nachdem der Angeklagte erklärt hatte, auch weiterhin bei feinem bisherigen Leugnen bleiben zu wollen, wurde die Beweisaufnahme fortgesetzt. Die Hebamme Berta Struck aus Petershain, die die zweite Frau Justs entbunden hat, hält den von dem Angeklagten behaupteten Selbstmord für völlig unwahrscheinlich. Unter großer Spannung wird bann die Mutter der verstorbenen zweiten Frau des Angeklagten vernommen. Sie sagt aus, daß die Ebe nicht immer glücklich gewesen sei. Oft habe sich ihre Tochter über schlechte Behandlung und auch über körperliche Mißhandlungen beschwert. Nach der Geburt des Kindes sei sie voller Zukunftspläne gewesen, so daß ein Selbstmord kaum anzunehmen wäre. Die weiteren 3 eng en stellen dem Angeklagten ein sehr ungünstiges Leumundszeug' nis aus und bekunden, daß Just schon kurz nach dem Tode feiner zweiten Fran lustig gezecht und getanzt habe. Ein Schmelzermeister aus Welzow muß zugeben, dem Angeklagten schon im Jahre 1929 auf fein Bitten hin eine Handvoll Arsenik angeblich zur Rattenvergiftung ausgehändigt zu haben. Damit ist die Beweisaufnahme zu dem dem Ange- klagten zur Last gelegten Mord an seiner zweiten Frau abgeschlossen. Außerdem wurden auch Messungen der Höhenstrahlungen vorgenommen. Alle Forschungen haben zu außerordentlich guten Ergebnissen geführt. Die breitere Oeffentlichkeit dürfte vor allem intereffieren, daß der 6970 Meter hohe Berg Aconcagua, ein alter Vulkan, von der Expedition bezwungen worden ist, was als ein neuer großer Erfolg des Bergsteigers Schneider verzeichnet werden kann. Generaloberst Graf von Vothmer 80 Jahre alt. Am 10. Dezember vollendet einer der bekanntesten bayerischen Heerführer im Weltkrieg«. Generaloberst a. D. Graf Felix von Bothrner sein 8 0. Lebensjahr. 1852 in München als Sohn des Generalleutnants Maximilian von Bothrner geboren, erwarb sich Graf Bothrner als General der Infanterie 1915 hohen Ruhm mit der Erstürmung des Zwinin-Derges, den die Russen für unbezwinglich gehalten halten, und zeichnete sich weiter be- sonders bei den Kämpfen bei Tarnopol aus. Na- mentlich bei der russischen Sommeroffisive 1916 leistete der unter seinem Kommando stehende Teil der Front in Galizien stärksten Widerstand. Nach Herstellung des Friedens im Osten erhielt Graf Bothrner 1918 im Westen den Oberbefehl über die 19. Armee an der lothringischen Grenze, den er bis zum Schluß des Krieges beibehielt. Nach einer außerordentlich ehrenvollen Laufbahn schied er als Generaloberst aus dem Heere aus. 75 3ahre deutsch-evangelische Kirchengemeinde im Haag. Die deutsche evangelische Kirchengemeinde im Haag, die als älteste deutsche Auslandgemeinde auf eine inhaltsreiche Geschichte zurückblickt, beging die Feier ihres 75- jährigen Bestehens. Bei dem Festakt überbrachte Iustizminister Dr.Donner die Grüße der niederländischen Regierung. Für das Deutsche Reich sprach der Gesandte Graf Zech, für den deutsch- evangelischen Kirchenausschuh und den Gustav- Adolf-Derein Oberkonsistorialrat D. Heckel- Derlin, der auch eine ansehnliche Spende überbrachte. In allen Reden wurde die hohe Wertschätzung der deutschen evangelischen Gemeinde im Haag und zugleich die Anerkennung ihrer ökumenischen Mission bekundet. An den Reichs- Präsidenten von Hindenburg, an den Präsidenten des Deutschen Evangelischen Kirchenbundes, D. Dr. Kapier, und an den Vorsitzenden des Gustav-Adolf-Dereins, Geheimrat D. Dr. Rendtorff»Leipzig wurden Degrüßungötele- gramme gesandt. Mord an einem Belastungszeugen? In einem Wasserloch in der Nähe von Wahrendorf bei Lensahn (Oldenburg) wurde der Siedler Möller aus Schönwalde tot ausgesun- den. Die Leiche war in Sackleinewand gewickelt verschnürt. Möller sollte in einem Strafprozeß als Belastungszeuge vernommen werden und wurde seit vier Wochen vermißt. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß an ihm ein Verbrechen begangen worden ist. Als des Mordes dringend verdächtig wurden der 2. jährige Gärtner Rommel aus Augsburg und die Wirtschafts, gehilfin Iohanna Degen aus Mainz festgestellt. Beide wohnten bis zum 15. Vovember d. I. bei Möller und sind kurz nach der Tat von Wahrendorf angeblich nach Augsburg abgereist. Sie konnten dort bisher nicht ermittelt werden. Jn der Kleidung des Gefängnisdireklors entwischt. Ein Sträfling des französischen Gefängnisses von Poissy, der zum Arbeitsdienst in die Wohnung des Gesängnisdirektors abkommandiert war, benutzte einen Augenblick, in dem er nicht bewacht wurde, um Mantel und Hut des Direktors anzuz.ehen und in dieser Verkleidung zu entfliehen. Er hatte das Glück, außer dem Mantel noch einen Tausendfranksschein aus der Wohnung des Direktors entwenden zu können. Die Suche nach dem Flüchtling blieb ergebnislos. Wettervoraussage. .. $n Gemeinschaft mit der kontinentalen Störung»- tätitzkeit und dem hohen Druck über dem Nordmeer sowie Skandinavien prägt sich mehr und mehr eine nordöstliche Windströmung aus. In ihrer Begleitung wird zwar der hohe Druck auch südwärts über Deutschland aufgebaut werden, jedoch führt die Kaltluft zunächst noch Bewölkung mit sich, außerdem verursacht ste einzelne Niederschläge, meist in Form von Schnee. Stärkere Temperaturgegenfätze zwischen Tag und Nacht kommen nicht zustande, die Werte liegen nachts unter Null und dürsten tagsüber nur wenig über den Gefrierpunkt anziehen. Aussichten für Donnerstag: Nachtfrost, wechselnd bewölkt mit Aufklaren, vereinzelt geringe Schneefälle, Temperaturen tagsüber nur wenig über Null, nordöstlich« Winde. Lufttemperaturen am 6. Dezember: mittags 1,7 Grad Celsius, abends 1,9 Grad; am 7. Dezember: morgens 0,7 Grad. Maximum 2,5 Grad, Minimum 0,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. Dezember: abends 1,2 Grad; am 7. Dezember: morgens 1,1 Grad Celsius — Niederschläge 2,2 mm. — Sonnenfcheindauer % Stunde. Aus Der provtuzialhaupiKaDt. Landgerichtsrat Adolf Strack. Am gestrigen 6. Dezember jährte sich zum vierzigsten Male der Tag, an dem Landgerichtsrat Adolf Strack als Gerichtsakzessist (jetzt Referendar) am Amtsgericht Friedberg in den Dienst der hessischen Justiz trat Der Iubilar, dessen Vater Forstmeister in Ober-Rosbach am Taunus war, ist ein Sohn der Provinz Oberhessen. Ostern 1889 bestand er am Gymnasium zu Bensheim das Maturitätsexamen. Seinen juristischen Studien lag er an der Landesuniversität ob; hier gehörte er dem Korps Starkenburgia an. ©ein Abschlustexamen bestand er mit ter Gesamtnote «Sehr gut“. Vach DrendigrMg seines Vorbereitungsdienstes am Amtsgericht Friedberg wurde er am Landgericht Gießen beschäftigt, hierauf bei dem langjährigen Landtagsabgeordneten Rechtsanwalt Geh. Iustizrat I ö ck e l in Friedberg und schließlich bei dem dortigen Kreisamt Bereits im März 1896 unterzog sich der Iubilar der großen juristischen Staatsprüfung für das Iustiz- und Verwaltungsfach und erhielt unter sämtlichen Kandidaten den ersten Platz. Als nunmehriger Gerichtsassessor wurde er Amtsanwalt in Lauterbach, sodann nach kurzer Beschäftigung als Stellvertreter des Rechtsanwalts Windecker in Friedberg Amtsanwalt in Büdingen und Offenbach am Main. Hier wurde er im Iahre 1899 erstmals richterlich verwendet. Mit Wirkung vom 1. Ianuar 1901 erfolgte seine Ernennung zum Amtsrichter in Lorsch, im Dezember 1904 seine Versetzung an das Amtsgericht Friedberg. Das Vertrauen der Wählerschaft seines Heimatkreises berief ihn alsbald in den Deutschen Reichstag, dem er als eifriges Mitglied der damaligen Vationalliberalen Partei angehörte. Im Ianuar 1909 wurde er zum Amtsrichter in Gießen ernannt, mit Wirkung vom 4. Dezember 1911 wurde er Landgerichtsrat beim Landgericht der Provinz Oberhesssen. Landgerichtsrat S t r a ck ist weithin als außerordentlich kenntnisreicher, tüchtiger, schaffensfreudiger und allezeit hilfsbereiter Richter in der Zivil- und Strafrechtspflege bekannt. Sein ■Urteil ist scharf und zutreffend, abhold jedem Bürokratismus. Aeußerlich bescheiden und jedem falschen Schein abhold, steht er als Iurist und Mensch gleich hoch im Ansehen.seiner engeren Derufsgenossen und seiner Mitbürger, die den Adel feiner Gesinnung kennen und schätzen. Seiner. heimatlichen Provinz ist er stets treu geblieben. 3u seinem gestrigen Jubiläumstage wurde Landgerichts rat Strack im besonderen Auftrage des Hessischen Iustizministers von dem Land- crerichtspräsidenten der Provinz Oberhessen Dr. Maurer ein Schreiben des Iustizministers überreicht, in dem dieser ihm zur Vollendung des 40. Dienstjahres im Flamen der Staatsregierung beste Glückwünsche und zugleich deren Dank für die treuen und ersprießlichen Dienste ausspricht, die Landgerichtsrat Strack dem hessischen Staate bisher geleistet hat. Mögen dem Iubilar noch lange Iahre seine Gesundheit und damit seine ersprießliche Arbeits- und Schaffenskraft im Dienst der hessischen Justiz und der deutschen Rechtspflege erhalten bleiben. Pornotizen. — TageskalenderfürMittwoch. Stadt- theater: 20 bis 22 Uhr, „Ueber unsere Kraft". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand- platj: 15 bis 17 Uhr, Ausstellung. — Konsumverein Gießen und Umgegend: 20 Uhr, Katholisches Vereins- Haus, Hausfrauenabend. — Hotel „Prinz Carl: 15 bis 17, 20 bis 22 Uhr, Frischkoftkurse mit Kostproben. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Strich durch die Rechnung". — In derVornotiz de s S t a d t t he a- ters von heute morgen war der Titel der Erstaufführung am Freitag falsch wi eiergegeben worden. Cs muß richtig heißen: Erstaufführung des deutschen Frontstückes „DieendloseStraße" usw. und nicht „lieber unsere Kraft". — Oeff entlief! Vorträge über Phy- nächsten Sonntag, 11. Dezember, 11,15 Ate (pünktlich), findet im Physiologischen Jn- Intut, Friedrichstraße 24, der 12. öffentliche Vortrag über Physiologie statt. Professor Dr. B ü r t e r IPP/vl über „die Funktionen bes Nervensystems". Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. — Hausfrauenabende des Konsum- Vereins. Der Konsumverein Gießen veranstaltet am heutigen Mittwoch, 7. Dezember, am morgigen Donnerstag, 8. Dezember, und am 9- Dezember, jeweils um 20 Uhr, im Katholischen Vereinshaus bzw. im Eafs Leib (am Freitag) Hausfrauenabende, in denen Vorlage und unterhaltsame Darbietungen die Stunden ausfüllen werden. Die Kapelle Meyer, Herr Erb- W.eseck als Solist, sowie zwei Ge- fangsquartette haben ihre Mitwirkung zugesagt. Redner der Abende sind Frau T h e u n i s s e n - Düsseldorf und Derbandssekretär Pichler- Heidelberg. Väheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. ** Militärpersonalie. Mit Wirkung vom 1. Dezember wurde Oberst Geyer, Infanterie» führer V und Standortältester in Kassel, zum Generalmajor befördert. ** For st Personalien. Mit Wirkung vom 1. Januar 1933 ab wurden der Förster Karl Hinkel zu Bingenheim und der Kommunalforstwart Johs. Leyerer zu Climbach in den Ruhestand versetzt. ** Winters Antrittsoisite. Im Verlaufe der letzten Nacht hat der Winter oei uns seinen Einzug gehalten. Nachdem es schon gestern spät abends leicht „gefusselt" hatte, lag heute früh in der sechsten Morgenstunde eine Schneedecke auf den Dächern und den Straßen, die sich bis heute gegen 10 Uhr auf den Dächern im großen und ganzen gehalten hat, während sie in den Straßen zu Wasser und Schmutz wurde. Dagegen ist die Antrittsoisite des Winters im Vogelsberg weit kräftiger ausgefallen. Wie wir aus Schotten hören, hat es dort, und im Oberwald erst recht, während der ganzen Nacht und weiterhin auch heute vormittag kräftig geschneit. In Schotten liegt der Schnee etwa 15 cm hoch, die Temperatur bewegt sich um den Nullpunkt. Leider konnten wir vom Hoherodskopf über den Beginn des Winter- Kaufen schafft Arbeit! Rur noch kurze Zeit trennt uns vom weihnachts- fest. Neben dem Schenken und Freudebereilen in der Familie muß bei dieser Gelegenheit auch der volkswirtschaftliche Gedanke zur Geltung kommen. Troß aller Not der Zeit sind alle Familien im Rahmen ihrer Möglichkeiten noch kaufkräftig. Ihre Aufgabe ist es, durch Weihnachtseinkäufe die Wirtschaft zu beleben. Die Geschäftswelt hat in weitgehendem Maße Vorsorge getroffen, daß dem kaufenden Publikum reiche Auswahl an Daren und bestmöglichste Preisgestaltung die Anschaffung erleichtern. Diese Vorteile zu nützen, ist Pflicht aller kaufkräftigen Mitbürger in Stadt und Land. Wer danach handelt, wird die Genugtuung haben, daß er zum weihnachtsfeste nicht nur seinen Angehörigen, sondern durch Warenabsatz und neue Arbeitsmöglichkeit auch den anderen Mitmenschen Freude bereitet. Kaufen ist erste Bürgerpflicht! roetters nichts hören, da die Fernsprechleitung zum Hoherodskopf, anscheinend durch starken Schneefall, in der zehnten Vormittagsstunde noch gestört war. Unser Gewährsmann in Schotten betont aber^ daß der Vogelsberg überall ein weißes Gewand angelegt habe und mit der Möglichkeit des Wintersports am nächsten Sonntag wohl gerechnet werden könne, wenn bis dahin keine starke Veränderung der Wetterlage mit ansteigender Temperatur eintrete. ** Falschgeld. Aus Frankfurt a. M. wird berichtet: In letzter Zeit taucht u. a. eine neue Sorte falscher Zweimarkstücke im Zahlungsverkehr auf. Diese Falsifikate sind daran erkenntlich, daß sie ein poröses Aussehen haben. Die Riffelung ist unscharf. Sie haben ein weißes, mattes Aussehen. Sehr zahlreich erscheinen auch wieder falsche 50-Pfennigstücke, die durchweg aus Zinn und im Gußoerfahren her- gestellt sind. Trotzdem sie im Verhältnis zu den echten Stücken an ihrer blaugrauen Färbung, der schlechten Riffelung und der leichten Biegsamkeit erkennbar find, bringen sie die Fälscher immer wieder an den Mann. *• Kinder lernen kochen! Vor einiger Zeit gingen in der Studienanstalt und in der Schillerschule Eingeichnungslisten um, in die sich die Schülerinnen, die an dem Kinderschaukochen im „Einhorn" teilnehmen wollten, einzeichnen konnten. Diele meldeten sich. Gestern nachmittag begann nun dieses S chau kochen, das von dem städtischen Elektrizitätswerk veranstaltet und mit Hilfe der Damen der Hausfrauenberatung durchgeführt wurde. In den Räumen der Hausfrauenberatung im „Einhorn" herrschte lebhafter Betrieb. In schmucken weißen Kopftüchern, in sauberen Schürzen stateden die Mädchen um die Herde, saßen an den Tischen und warteten, bis die Reihe auch an sie kam, um dann mit großem Eifer bei der Sache zu sein, die ihnen allen* sichtlich viel Spaß machte. An kleinen Herden wurden einfache Gerichte. Eintopfgerichte bereitet, es wurde gebacken und gekocht; sorgfältig muhte auch die vorbereitende Arbeit unter der Anleitung von Frau Kalbfleisch und ihrer Helferinnen geleistet werden. So standen sie da und hantierten mit einer natürlichen Geschicklichkeit, die die zukünftigen Hausfrauen ahnen lieh. Herr Ingenieur M a x e i n sprach als Beauftragter des Elektrizitätswerkes einige einleitende Worte und wies dabei besonders auf die Herde hin, die bei aller Wirtschaftlichkeit einfach in der Handhabung und völlig gefahrlos zu bedienen seien. Iedes der Mädchen erhielt in dieser Veranstaltung eine Stunde lang praktischen Unterricht im Kochen, der, wenn auch nicht allzuvieles, so doch eine Reihe von grundlegenden Kenntnissen vermitteln konnte. An den verschiedenen Herden und an den Arbeitsplätzen konnten innerhalb einer Stunde 24 Mädchen beschäftigt werden. Das Kinderschaukochen dauerte etwa drei Stunden, so daß etwa 72 Mädchen die ersten Versuche am Kochherd hinter sich brachten. Heute nachmittag wird das Kochen fortgesetzt, und voraussichtlich findet am Freitag eine weitere Kochvorführung statt. *• Deutscher Bankbeamtenverein, Gießen. Dieser Tage fand, wie man uns berichtet, eine gut besuchte Mitgliederversamm- lung des Deutschen Banlbeamtenvereins, Zweigverein Gießen, statt, in der Gaugeschäftsführer Decker, Frankfurt a. M., über wirtschaftspolitische und sozialpolitische Zeitfragen sprach. Der Redner behandelte in seinem Vortrag zuerst dte Wirtschaftskrise, die Deutschland um so schlimmer betroffen habe, als in unserem Vater- lanb di« Mechanisierung viel zu hastig vorwärtsgetrieben worden sei. Der Redner siihrte u. a. tociter aus, daß durch die Maßnahmen der letzten Reichsregierung dem Massenelend nicht gesteuert würde, vielmehr würde die Kaufkraft der breiten Masse noch weiter herabgedrückt und die Wirtschaft demzufolge weiter zusammenschrumpfen. Es sei unbedingt erforderlich, und zwar in erster Linie schon aus rein nationalem Interesse, um «egen den Osten einigermaßen geschützt zu sein, den schwachen und überschuldeten ostpreußischen Großgrundbesitz durch einen starken und.gesun- iten Bauernstand abzulösen. Schließlich wies der Redner in seinen Ausführungen daraus J)in, daß Wirtschaft Die evana. Landeskirche in Sesien im Zähre 1931 yandotten schwarz: Muster- S-erheffenansder3y.SenischenGeMeiansffelIiina Magnus 4 Co., Gießen Gießen, Marktstraße 10 EMIL PISTOR NAC HF Diezstraße 07i n MWiiellOoit «giss Geschäftsdrucksachen Stud.phiLert.biHifle Rechnungen gMWlIe == fabrikneu, Weltmarke auch auf TeUzabl. Hermann Röhrig Briefumschläge Wochenrate 1.50 Mk. 1. Zahlung Februar 1933. Kostenlos. Nähkursus. Ohne Anzahl. Renstadt 43 frei Haus. Altmaschinen in Zahl. Schrift!. Angebote unter 8602V an den Gieß.Anz. ÜOIlllllllllllllllllllllllllllllO Postkarten Geschäftskarten 6w Brühl, Schulstrafle I in allen Fächern. Schrift!. Angeb. u. 07149 a. d. G. A. Iäbne 2 Mark in Kautschuk, Brück., Kronen, Plomben zu billigstenPreisen. Sluch L^ilzahlung. $rau Köniaer Dentistin (o?i6o Steinstraße Nr. 31. tiiiiiiiiiiiinimiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiimiiiimiiiiiimiiiiiiiiniio Der heutigen Gesamtausgabe des Gieß. Anz. liegt ein Werbeblatt der Boltina« Schuhgesellschaft, «liehen, bei. 8608A iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiuuue Berlin freundlich. Berlin, 7. Dez. (WTB. Funkspruch.) Lwwohl die zu den ersten Kursen festzustellenden Kurs- besserungen nicht immer ganz den oorbörs« Ausverkauf findet nicht statt '150—200 Stück Christbäumchen hat abzugeben 07i7i Wilh. Schmidt IX., Groüen-Buseck, Schützenstrabe 5. Der Winter ist da!___ Nun heraus mit Schneeschuhen und Rodelschlitten! — Größte Auswahl in sämtlichen Wintersport-Artikeln mit dem nötigen Zubehör bei sgiod Heiligen Abendmahl ergeben sich folgende Zahlen: Offenbach 17,91 Prozent (13,43-, Gießen 20,88 (15,66), Darmstadt 21,97 (16,48), Worms 26,94 (20,21), Mainz 37,80 (28,35). Der Kir- chenbesuch im ganzen Land erreicht den Durchschnitt von 15,19 b'w. 17.77 Prozent, der Abendmahlsbesuch 55,93» bzw. 41,94 Prozent. Die höchste Zahl erreicht sur den Kirchenbesuch dos Dekanat Hungen mit 35,02 Prozent, für den Abendmahlsbesuch auch das Dekanat G r ü n - berg mit 129,75 Prozent. Die Gesamtsumme aller freiwilligen Gaben für die evangelisch-christliche Liebeslätigkeit betrug 1447 871 Reichsmark. Davon entfielen auf die Aeuhere Mission 75 015 Mark, Innere Mission 68 077 Mark, Gustav- Adolf-Derein 71 759 Mark, Evangelischer Bund 27 697 Mark, Elisabethenstift 26 401 Mark, Dia- konie-Derein 5415 Mark, Krankenpflegestationen 204 338 Mark, Anstalten des Dekanats 3681 Mark, besondere Anstalten und Vereine der Pfarreien 140 297 Mark, sonstige christliche Vereine und Unternehmungen 19 061 Mark, Verschiedenes 35 672 Mark. Für die allgemein erhobenen Kirchenkollekten gingen 85 770 Mark ein, für die Ortsarmen wurden 169191 Mark aufgebracht, für sonstige Leistungen, wie Stiftungen, kirchliche Vereine usw. 515 497 Mark. Der Bericht hebt besonders hervor, daß das Jahr 1931 auch für die Kirche ein Notjahr war. Die Finanzlage der Kirche ist infolge des immer noch ausstehenden Schiedsspruches in der finanziellen Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche sehr schlecht, viele Einzelgemeinden waren kaum in der Lage, ihr Budget auszugleichen, wichtige kirchliche Aufgaben mußten unterbleiben. 84 Pfarrstellen waren nicht beseht, davon in Starkenburg 14, in Rheinhessen 20, in Oberhessen 50. Dennoch bietet dieses Notjahr reichen Anlaß zum Dank gegen Gott. Die kirchliche Arbeit blieb in vollem Umfang erhalten, ja sie zeigt an vielen Orten einen erfreulichen Fortschritt. So gibt der Bericht trotz aller Not Anlaß auch in Bezug auf das kirchliche Leben mit Zuversicht in die Zukunft zu sehen. Götz-G. Koch — Oelemami-Enders 21:11, 21:12, 21:14; Weber-Schmück — F. Koch-K. Schmidt 19:21, 15:21, 21:16, 14:21. 1900 I — VfL. Wetzlar I 15:2. Eine mehr als deutliche Niederlage mußte am Sonntag beim Rückkampf der VfL. Wetzlar hinnehmen. Die Wetzlarer haben durch den Wegzug der Geschwister A b 6 e einen empfindlichen Verlust erlitten. Die Kämpfe hatten folgende Ergebnisse (Wetzlar ist jeweils zuerst genannt): Damen-Einzel: Frl. E. Schmidt — Frau Hauser 10:21, 17:21, 14:21; Frl. H. Schmidt — Frl. E. Loichinger 21:18, 21:16, 21:19; Frl. H. Schmidt — Frl. T. Geilfus 21:9, 21:9, 21:12. Herren-Einzel: Schellenberger — Dietrich 13:21, 7:21, 9:21; Zerndt — Ost 16:21, 17:21, 10:21; Weimar — Beil 8:21, 21:19 9:21, 21:19, 15:21; Brück — Gebhardt 9:21, 15:21, 4:21; Bärwinkel — Jung 14:21, 18:21, 21:17, 15:21; Happ — Berger 9:21, 15:21, 4:21; Voß — Petsch 14:21, 17:21, 6:21; Voß — Arzbacher 17:21, 13:21, 14:21. Gemischte Doppel: Frl. H. Schmidt-Schel- lenberger — Frau Hauser-Beil 16:21, 13:21, 17:21; Frl. E. Schmidt-Weimar — Frl. Loichinger-Dietrich 12:21, 4:21, 21:18, 12:21. 'Herren-Doppel: Schellenberger-Ze rndt — Ost-Bell 9:21, 14:21, 8:21; Weimar-Bärw.nkel — Dietrich-Berger 10:21, 13:21, 19:21; Brück-Bärwin- kel — Jung-Gebhardt 11:21, 15:21, 7:21; Voß-Happ — Arzbächer-Petsch 17:21, 18:21, 14:21. Der soeben erschienenen amtlichen Statistik der evangelischen Landeskirche in Hessen über das Jahr 1931 entnehmen wir folgendes: Im Jahre 1931 standen von der evangelischen Landeskirche getrennt 1964 Freiprotestanten, 9089 Deutsch-Katholiken und Freireligiöse, 669 Altlutheraner, Freilutheranische und Sepa''^"'-Lutherische, 2216 Reuapostolische, 1290 Me.hodi en, Baptisten, Darbysten und Adventisten, 11^, Dissidenten sowie 1258 andere evangelische Christen. Zur evangelischen Landeskirche traten im ganzen 684 Personen über. Davon kamen von der katholischen Kirche 422, von sonstigen christlichen Gemeinschaften 65, von nichtchristlichen Gemeinschaften 187, von Israeliten 10. Es traten aus der evangelischen Landeskirche 3223 Personen aus, davon zur katholischen Kirche 17, zu sonstigen christlichen Gemein'chaften oder ohne Hebertritt 2945, zu den Israeliten 27. von 6330 standesamtlich getrauten Paaren liehen sich 5811 (91,80 v.h.) kirchlich trauen. Don 1878 Mischehen zwischen Evangelischen und Katholiken wurden 781 evangelisch getraut, von 257 Mischehen zwischen Evangelischen und anderen Konfessionen wurden 51 evangelisch getraut, Trauungsverweigerungen kamen in 205 Fällen, Trauungsversagungen in 4 Fällen vor. Von 2480 Kindern aus Mischehen zwischen Evangelischen und Katholiken wurden 1412, von 1158 unehelich geborenen Kindern wurden 1016 evangelisch getauft. 20 Kinder wurden ungetauft in die Schule ausgenommen. Don 8502 Konfirmierten stammten 7656 Kinder aus rein evangelischen, 846 aus Mischehen. In 4 Fällen wurde die Konfirmation versagt. Es fanden 9312 kirchliche Beerdigungen ft alt, 222 Kinder wurden nach dem Herkommen ohne Mitwirkung des Geistlichen beerdigt. Die Zahl der Kirchenbesucher weist für die 5 größten Städte des Landes je nach der Zahl der Erwachsenen bzw. der Zahl der landeskirchl'.chen Evangelischen folgendes Bild auf: Offenbach 5,25 Prozent (6,80), Gießen 7,79 (8,44), Darmstadt 8,18 (862), Mainz mit Vororten 9,02 (10,03) und Worms mit Vororten 11,07 (13,35). Für die Beteiligung am es in der heutigen Rotlage erfreulich sei, wenn der nationale Gedanke in unserem Volle immer mehr an Boden gewänne. Es sei aber notwendig, daß neben der Rationalpolitik auch eine gesunde Sozialpolitik betrieben werden müsse. Im Anschluß an den Vortrag, der mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurde, fand eine rege Aussprache statt. _ *• Parade der Zinnsoldaten. Im Saale des „Einhorn" wird in diesen Tagen eine Ausstellung von etwa 8000 Zinnsoldaten gezeigt. Em ehemaliger Frontsoldat, Herr Han n ewacker, hat sich der Mühe unterzogen und in einjähriger Arbeit viele Zinsoldaten gegässen und bemalt, um damit einen Ueberblick zu geben über die verschiedenen Formationen und Regimenter, die es in Deutsch- land vor dem Kriege gab. So sieht man Zinnsoldaten aufmarschieren (so wie sie es eben tun) in den Uniformen der Ulanen, der Husaren, des Garde du Corps der Infanterie, der Artillerie, der Kavallerie, der Chevauxleger usw. Auch das Regiment Nr. 116 erscheint in Friedensuniform. Die Ausstellung zeigt ferner einen Ausschnitt aus den Kämpfen des Well- frieges, und zwar die Darstellung des Kampfgeländes bei Fleury und Monocourt, das selbst in kleinsten Einzelheiten wiedergegeben ist. Eine Flottenparade, ein Sammelplatz der Sanitäter, eine Anlage von Schützen- und Laufgräben und noch viele andere Dinge mehr wurden in dieser Schau, die das Zeugnis eines großen Fleißes darstellt, zusammengetragen. Der „Verband Hessischer Geflügelzüchter" steht in der Beschickung der über 7000 Nummern starken 3 0. Deutschen Nationalen Geflügel-Ausstellung in Frankfurt a. M. unter allen Gauen Deutschlands wohl an erster Stelle. Daß er hervorragende Leistungen in der Geflügelzucht vollbrachte, zeigt der 130 Seiten starke Führer durch die Schau. Nachstehend seien die Erfolge der Züchter aus Oberhesjen veröffentlicht. (Es bedeuten: sg = sehr gut: g - gul, b = befriedigend; E - Ehrenpreis; BE = Bundes-Ehrenpreis): Lang schon: M. Lorenz, Bad-Nauheim, sg, g, b; Orpington gelb: H. Reinhardt II., Schlitz, 2 g, 2 b:Wyandotten goto: H. Mogk, Echzell, sg, 4g; Wyandotten hell: H. Roos, Echzell, 3g; Wyandotten weiß: O. Soedler, Nieder-Gemlln- den, 4g; W. PiPP, Echzell, 5g, b; F. Muth, Drechsler, Lich, sg. Zucht st ämme: Plymouth-Rocks: H. Pfeiffer, Großen-Buseck, b; Jubilee-Kämpfer: Dr. Erb, Lich, b; Bantam: A. Fuchs, Lollar, g. Tauben: Florentiner, blau: F. Wolf, Laubach, g; Malteser: derselbe; Französische Dagdetten: I. Kolter, Bad-Nauheim, 3 sg, g; Straßer: Jacobi, Vilbel, 6 sg, E; Schönheitsbrieftauben: I. Mobs, Echzell, 2g; A. Rathschlag, Nidda, 2 jg, g; Koburger Lerchen: I. Kranz, Schotten, 3 sg, g; W. B ie d e n k o p f, Münster, 2g; Nürn- berger Lerchen: W. Mobs, Echzell, 3 sg, g. Tagung des katholischen Deutschen Frauenbundes. Dieser Tage fand im St. Elisabechheim in Frankfurt a. M. die P r o v i n z i a l a u-s f ch u ß- sihung des katholischen Deutschen Frauenbundes für Hessen und Hes- sen-Aafsau statt. Die Verhandlungen, die unter der Leitung von Frau Professor Hatte- mer (Darmstadt) standen, befaßten sich eingehend mit den Fragen des weiblichen freiwilligen Arbeitsdienstes. Der katholische Deutsche Frauenbund versucht durch intensive Aufklärung und lebendige Mitarbeit die Durchführung des freiwilligen Arbeitsdienstes entscheidend zu beeinflussen. Im Mittelpunkt der Beratungen stand das Referat von Fraulein Bezirksjugendpflegerin Laubach, sg, g; Zw.-Wyandotten weiß: Echzell, 4fg, 5 g; Zw.-Wyandotten schm „ geflügelhof Funk, Gießen, 2 g; I. Sim o n, Echzell, b; Zw.-Jtaliener: K. Daubertshäuser, Friedberg, sg, g; Holländer Weißhauben: Gg. Jammer, Garbenteich, 2g; Zw.-Paduaner: W. Jacobi, Vilbel, 2 sg, g, E; Zwergkämpfer, neumodisch: H. Kraft, Wallenrod, sg, g; K. Philipp, Steinberg, 7 sg, 11 g, 2 E; H. Pfeiffer, Steinberg, sg; Hamburger Äilberlackzwerge: Ehr. Melchior, Butzbach, 7 sg, g, BE; Antwerpener Dartzw.: I. K. Fey, Lich, sg, g, E; Federsüßige Zwerge: Otto Soedler, Nieder-Gemünden, 4 sg, g; Bantam schwarz: G. Radetzky, b; Sebrights, silber: F. lichen Erwartungen entsprochen, konnte bereits die Anfangstendenz der heutigen Börse als fester be- zeichnet werden. Die Publikumsbeteil-igung schien wieder zugenommen zu haben, doch beschränkt sich das Interesse von dieser Seite immer wieder auf Spezialpapiere. Aber auch die Spekulation war zu Rückkäufen geneigt, zumal hinsichtlich der innerpolitischen Lage nach dem gestrigen Verlauf der Reichs- tagssitzung eine beruhigtere Auffassung vorherrscht, günstigere Wirtschaftsberichte aus den verschiedensten Industriezweigen des Reviers (Eisen, Kohle, Schrott) vorlicgen und der festere Verlauf der gestrigen Neuyorker Börse und ein weiterer gebesserter Pfundkurs anregten. Etwas leb Hafteoes Geschäft hatten wieder Schiff- fahrtsaktten und die Montanpapiere. Während Kursbesserungen bis zu 1 Prozent keine Seltenheit waren, zogen Spezialpapiere wie Reichsbankanteile, Harpener, Mannesmann, Rheinstahl, Leopoldgrube, die Kaliwerte, Farben, (Eontigummi, Gestüte!, RWE., Deutsche Atlanten und die Kunstfeideaklien bis zu 2 Prozent an. Bei letzteren kam wohl in der Kursbewegung zum Ausdruck, daß die internationalen Verhandlungen dicht vor dem Abschluß stehen. Auch bei Contigummi hielt das Kaufinteresse angeblich für süddeutsche Rechnung an, das Papier überschritt im Verlaufe die 120-Grenze. Ueberhaupt war es nach den ersten Kursen weiter freundlich. Nur schrumpfte die Umsatztätigkeit wieder etwas zusammen, und die neueintretenben Kursbesserungen hielten sich in bescheidenen Grenzen. Für Rentenwerte war das Interesse heute wieder nicht allzu groß. Deutsche Anleihen eröffneten unverändert, die Altbesitzanleihe zog im Verlaufe etwas an, während Schutzgebiete zur Schwäche neigten. Jndustrieobligottonen waren bis zu 1 Prozent gebessert. Reichsschuldbuchforderungen gewannen bis zu Yi Prozent. Die übrigen Gebiete des Anlagemarktes waren vernachlässigt. Von Auslän- bern konnten sich Anatolier leicht befestigen, während Bosnier ihre Abwärtsbewegung um bis zu % Prozent fortfetzten. Am Geldmarkt war die Situation weiter unverändert leicht. Tagesgeld war mit 4%, für erste Adressen auch schon mit 4% Prozent erhältlich. Pri- oatdiskonten waren eher etwas angeboten. Reichs- wechsel per 4. März und Reichsschatzanweisungen per 18. April waren infolge des leichten Geldmarktstandes gefragt. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 7. Dez. (WTB. Drahtmeldung.) Die Getreidebörse verkehrte auch heute in sehr ruhiger Haltung. Die Preise blieben kaum behauptet. Das Angebot von Brotgetreide war zwar klein, doch war die Rachfrage auch gleich Aull. Mühlennachprodukle und Kraftfuttermittel waren angeboten und die Preise etwas schwächer. Am Mehlmarkt war das Geschäft trotz ermäßigter Forderungen sehr schleppend. Es wurden notiert: Weizen 202,50 bis 204, Roggen 162,50, Sommergerste für Brauzwecke 180 bis 185, Hafer, inländischer 132,50 bis 137,50, Weizenmehl, südd., Spez. 0 23,75 bis 29,50, Weizenmehl, Niederrhein.. 28,75 bis 29,25, Roggenmehl 23 bis 24,25, Wei- zenkleie 7,90, Roggenkleie 8,35 Mark. Tendenz: ruhig. Schweinemarkt in Gießen. Auf dem heutigen Schweinemarkt in Gießen .standen 239 Ferkel und 2 Läufer zum Verkauf. Es kosteten Ferkel bis zu 6 Wochen 9 bis 10 Mark; 6 bis 8 Wollen 12 bis 14 Mark; 8 bis 13 Wochen 14 bis 18 Mark. Läufer 26 bis 28 Mark. — Tendenz: mäßig, Ueberstand. Frankfurt fester. Frankfurt, 7. Dez. (WTB. Drahtmeldung.) Die wahrscheinliche Vertagung des Reichstages auf unbestimmte Zeit und der bisher ruhige Verlauf ließ an der heutigen Börse die Hoffnung zu, daß sich die deutsche Wirtschaft, nachdem die innerpolitischen Unsicherheilsfaktoren aus- gefchaltet feien, besser entfalten könne. Die Stimmung war fester, und gegen die Abendbörse ergaben sich Erhöhungen um bis zu 1 v. H. Eine Anregung waren auch weiter günstige Be- ricbte aus der deutschen Kohlen-, Eisen- und Stahlindustrie, sowie der feste Schluß der gestrigen Nouyorker Börse. Da aber von der Kundschaft kaum Orders eingetroffen waren, beschränkte sich die Umsatztätigkeit auf einige Deckungen der Kulisse, so daß das Geschäft allgemein klein blieb. Im Mittelpunkt des Interesses standen Montan- werte. Stahverein, Klöcknerwerke, Phönix, Mannesmann und einige Kohlenwerte verzeichneten Erhöhungen von 0,65 bis 1 v. H. Nur Gelsenkirchen gingen , um 0,50 v. H. zurück. Kunstseideaktien, die an den letzten Tagen eher unter Druck standen, waren heute besser beacytet, 21 tu gewannen 1,25 und Bemberg 1,90. Am Chemiemarkt eröffneten JG. mit 97,90 v. H. um 1 v. H. fester, Scheideanstalt blieben behauptet. Don Elektroaktien setzten AEG., Siemens, Lechwerke Augsburg je 0,75 v. H. und Licht und Kraft 1.50 höher ein. Fester lagen außerdem Reichsbank mit plus 1,25 v. H. Deutsche ErdA mit plus 1,50 v. H. und Zement Heidelberg mit plus 0,50 v. H. Schiffahrtswerte waren nicht mehr so lebhaft wie gestern, aber immerhin um weitere 0,39 v. H. höher. Don Nebenwerten waren Gebr. Junghans unverändert. Am Rentenmarkt war die Stimmung freundlich. Deutsche Anleihen und Reichsschuto- buchforderungen konnten sich um 0,39 o. H. bessern. Don fremden Werten lagen Zolltürken eine Kleinigkeit höher. Der Pfandbriefmarkt zeigte ebenfalls Kursbesserungen von 0,25 bis 0,75 v. H., mit Aus- nähme der Frankfurter Institute, bei denen die Kurse nur wenig verändert waren. Nachdem vorübergehend nur leichte Rückgänge von etwa 0,25 bis 0,50 v. H. eingetreten waren, setzte sich im Verlaufe eine recht feste Haltung durch, wobei Montanwerte bevorzugt waren und bei lebhafteren Umsätzen neue Besserungen bis zu 1 v. H. aufwiesen. Auch an den übrigen Marktgebieten stellten sich Erhöhungen von 0,50 bis 1 v. H. ein. Tagesgeld war zu 3,50 o.H. unverändert leicht. Eine verzwickte Angelegenheit. * Nidda, 6. Dez. Eine komplizierte R e ch t s f r a g e ist hier bei einer Zwangsversteigerung von zwei Grundstücken dadurch ent- standen, daß die Parzellen im Grundbuch falsch eingetragen waren. Das eine Grundstück wurde alsWie s e ausgeboten und der StHgerer war angenehm überrascht, als er bei der Besichtigung seines neuerworbenen Grundstücks statt einer Wiese ein schönes Baumstück für sehr mäßigen Preis erworben hatte. Der andere Steigerer aber fand statt eines vermeintlich gesteigerten Saum« st ü ck s nur eine Wiese vor, für die er aber keine Verwendung hat. Natürlich erhebt er nun Widerspruch und verlangt das Baumstück, während der erste Steigerer sich darauf beruft, daß er das Grundstück, das nach dem Eintrag eine Wiese fein soll, rechtmäßig gesteigert habe. Die Streitfrage erregt bei vielen Grundstücksbesitzern großes Interesse. Es muß nun gerichtlich entschieden werden, wer in diesem Falle für den Fehler verantwortlich gemacht werden kann. Echzell, sg, g; Wyandotten schwarz: Lehrer Lotz, Nieoer-Gemünden, sg, g; K. Philipp IV, Steinberg, 3 sg, g; A. Gutmann, Vilbel, 6 sg, g, 3 E; L. Klinke!, Lollar, 5 sg, 4 g, E; L. Schwalb, 2llten-Buseck, 2 g; Wyandotten rebhuhnfarbig; Ph. Ost he im, Echzell, 3 g; Lachshühner: H Kunz- mann, Vilbel, 2 g; Rhodeländer: Fr. Bauer, Gießen, 3fg, g, E; O. Muhl, Reichelsheim, 11 sg, 5 g, 2 b, 2 E; W. Schuch, Vilbel, g; W. Hofmann, Lollar, 7 jg, E; C. Rübsamen, Gießen, sg, b; Indische Kämpfer: Dr. H. Erb, Lich, 2 sg, g, BE; Barnevelder, doppelt gesäumt: L. Emrich, Röthges, 2 sg, 2 g, b; Italiener silbers.- G. Rade tz k y , Lich, 3 sg; Italiener gelb: W. Bechtold, Butzbach, 2sg, d; Lehrer Stoll, Altenburg, 2sg; E. B e n d e r, Griedel, 2 sg, g, b; Italiener schwarz: R. Radetzky, Lich, 2 g; Italiener gestreift: L. Heß, Watzenborn, fg, E; Rheinländer: H. Kraft III., Schmidt (Wiesbaden). Ausgehend von den Grundlagen der ersten Verordnung über die Forderung des freiwilligen Arbeitsdienstes vom 23. Iuli 1931 stellte die Referentin die wesentlichen Aenderungen bzw. Erweiterungen des freiwilligen Arbeitsdienstes durch die Verordnung vom 16. Iuli 1932 heraus, die den freiwilligen Arbeitsdienst auf vollständig neuen Grundlagen ausbaut. Er ist nicht mehr beschränkt auf Arbeitslose und Krisenunterftühte, sondern nach Ar- ttkel 1 der Verordnung gibt er „dem jungen Deutschen die Gelegenheit zum Nutzen der Gesamtheit in gemeinsamem Dienst freiwillig ernste Arbeit zu leisten und zugleich sich körperlich, geistig und sittlich, zu ertüchtigen". Personen unter 25 Iahren, ohne Untershied der Berufsausbildung, der sozialen Stellung und Weltanschauung, können zugelassen werden. Der bisherige Grundsatz der Gemeinnützig'eit und Zusätzlichkeit wurde beibehalten und muh erfüllt werden. Die meisten bisher durchgeführten weiblichen freiwilligen Arbeitsdienste stehen in Verbindung mit der Winterhilfe. Reinigen und Instandsetzen von Kleidungs- und Wäschestücken, Hilfe bei Erwerbslosenspeisungen, Küchendienst und Wirtschaftsführung für männlche Arbeitslager sind Arbeiten, die den Charakter der Gemeinnützigkeit und Zusätzlichkeit tragen. Darüber hinaus wird bereits im laufenden Winter xa überlegen fein, wie im kommenden Frühjahr durch die Bewirtschaftung ungenutzten Gartenlandes und die Schaffung von Kleingartenland, gelegentlich in Verbindung mit der Siedlupg, weitere Arbeitsmog i'fteilen für den weiblichen freiwilligen Arbeitsdienst geschaffen werden können. Der Vergleich zwischen der offenen und geschlossenen Form der Durchführung fiel im Hinblick auf die immer noch bestehende Gebundenheit der Mädchen an die Familie und die wachsende Erwerbslosigkeit und Verarmung, die jeden Pfennig notwendig macht, ?ugunsten der ersteren aus, wenn auch nicht verarmt wird, daß die pädagogische Beeinflussung im geschlossenen freiwilligen Arbeitsdienst gesicherter erscheint. Erfreulich ist die Tatsache, daß der Zweigverein Heppenheim bereits eine größere Maßnahme im freiwilligen Arbeitsdienst durchführt, während andere weibliche Arbeitsdienste in der Einrichtung begriffen sind. Hervorgehoben zu werden verdient der freiwillige Arbeitsdienst des Mainzer Zweigvereins auf Schloß Braunshardt bei Darmstadt. G.A -Sport. Tischtennis der Sp.-Vg. 1900. 1900 n — Dhv. Gießen 11:3. Beide Mannschaften standen sich erstmals im Turnier gegenüber. Es wurde annehmbarer Sport geboten. Die Gäste vom DHD. zeigten schöne Ansätze, waren den 1900ern jedoch noch nicht gewachsen. Nachstehend die Ergebnisse (DHV. jeweils zuerst genannt): Einzel: Reichel—ArMcher 10:21, 21:14, 18:21, 21:19, 17:21, Faber—Treser 5:21, 11:21, 6:21; Gust. Koch—Gros 15.21, 12:21, 19:21; Götz—Oele- mann 23:21, 21:17, 20:22, 14:21, 21:18; Hopfner— Meyerhofs 21:15, 21:13, 14:21, 17:21, 14:21; Fischer—Frau Hauser 19:21, 8:21, 15:21; Bepler— Kurt Schmidt 21:14, 21:19, 23:21; Sckpnück—Frz. Koch 9:21, 16:21, 16:21; Weber—E. Enders 21:17, 13:21, 21:14, 12:21, 15:21. Doppel: Reichel-Höpfner — Arzbächer-Treser 14:21, 19:21, 21:18, 19:21; Faber-Höpfner—Meyer- hoff-Gros 14:21, 21:17, 18:21, 12:21; Bepler-Fi- scher — Frau Hauser-Arzbücher 13:21, 8:21, 8:21; Wallenrod, 2 b, g; Zwerglangschan: R. Fegbeutel, Ockstadt, sg, E; Zwerg--Brahma: H Ruhl, Garbenteich, 2 g; Zwerg-Orpington: Fr. Wolf, " : L. Mogk, Denken Sie an Stoffe/ denken Sie an L Bernard 07139 8599 A Zur Stadt Wetzlar Institut, Friedrichstraße 24. 8601D - VvofeNov Dv. Büvkev Ostanloge 47,11 8605 D folgende neuen Möbel: 8609V CafeAmend Was soll ich meinen (6 Herren) 8615V 6i lAf c KD DE DRUCKSACHEN VV t* K Q t BrOhl’sche Druckerei Einige Einige Deutsche Teppiche billig abzugeben. 07174 P600 A 8613 A « D GIESSEN AufWunsch der Entschlafenen fand die Beerdigung gestern in aller Stille statt Im Sinne der Heimgegangenen liegt es auch, von Beileidsbesuchen abzusehen. durchgewebt, 2,50X 3,50 und 2x3 Meter, und verschiedene echteTeppiche und Brücken 6. Koos - Gießen Möbelhaus, Piockstraße 14 J. B. Häuser Am Oswaldsgarten Gießen • Ruf 2145/2146 j Vermietungen | r- u. z Zimmer- Wohnungen mit und ohne Bad ^Neubauwohnung.) t. d. Schubertstr. tu vermiet, durch meD 'jirchiteftPh.Nicolans Für die miranlä'ßlich meines80 Ge- vuristages in |o reichem Maße erwiesenen Ehrungen sage ich aus diesem Wege herzlichen Dank. Frau Dorothea Heil. Gießen, den S. Dezember 1932 Lieben schenken? Stets an XShaoattL*- Sch uh ex denken! Aber natürlich Der gute Weihnachtsmann wird's ,1hm* sagen. daßSie sich schon so lange neue Tischbestecke, einen Satz Aluminiumtöpfe, eine Wringmaschinefdamit die Wäsche nicht mehr so schwer ist) wünschen. Außerdem gibt es aber noch so viele andere praktische Geschenke bei Im Namen der trauernden Hinterbliebenem Georg Martiny Kurt Martiny Gießen, Bell. Bensheim, Darmstadt, Elmshausen, Gadernheim. Irlich, Merzig a.d.Saar, Neuwied, Schiltigheim, Straßburg,Werdohl, den 7. Dez. 1932. Am Bahnhof Das Fachgeschäft für Fern-Optik Prismen-Gläser für Jagd, Reise und Wanderung eig. ges. gesch. Modelle Verkaufsniederlage und lückenloses Lager der Firmen Zeiß, Hensoldt. Leitz, Busch u. Rodenstock Photo-Apparate alle Markenkameras in bequemen Monatsraten! Weihnachts-Geschenke v. bleibendem Wert! Sonder-Abteilung fürTausch u.Ge- legenheitskäufe 8408D NWkWWMMlW Donnerstag, den 8. Dezember, ab 10 Uhr. verkaufe ich im „Löwen". Jleuenroeq 28, Fußleidenden steht jederzeit besonders ausgebildete fachkundige Bedienung kostenlos zurVerfügung Todesanzeige. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwägerin und Tante Frau Elifabeth Margarethe Reufchling geb. Lindenstruth heute vormittag 3 Uhr plötzlich und unerwartet sanft in dem Herrn entschlafen ist. In tiefem Schmerz: Heinrich Reuschling I.» Flurschütz i. R. und Angehörige. Heuchelheim, Berlin-Charlottenburg, Trohe, den 6. Dezember 1932. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 8. Dezember, nachm. ls/4 Uhr, vom Sterbehause, Wilhelm Straße -4, aus statt. mioD Aus önoflliianö äußerst preiswert zu verkaufen: I BMW-Limoiisinß 3 ?8,sehrgut erhalt. I Öpel-Cabriolel l,8Lrr.,sehrgut erh. I Opel Lieferwag. 1 Tonner Schriftliche Anfrag, unter 07176 an den Gießener Anzeiger. Nun hab’ ich's aber satt! Und es Ist recht so. Argem Sie eich nicht mehr Ober den eiten Kohlenkasten. Ein neuer und auch die anderen Sachen, Ofenschirme,Kohlenschotter, Vorsetzer, sind Ja Jetzt eo billig bei J. B. Häuser Am Oswaldsgarten Gießen.Ruf 2145/2146 zweitürige Kleiderschränke von 49 Mark an, zweitürige Wäscheschränke von 52 Mark an, eintürige Kleider- und Wäscheschränke von 28 Mark an, Waschtische von 15 bis 40 Mark, Nachttische von 8 Mark an, Büfetts (Eiche) von 55 Mark an, Rodelschlitten, Schneeschuhe zum Spottpreis, ferner Oelgemälde. Ludwig Kavimetz Neuenweg 28. Guterhaltener Gas- 07164 zimmer-Ofen „Prometeus", und 1 Kinderbett mit Kavokmatratze zu verk. bei Born'', Walltorstr. 24 H. v. Zwei komplette Puppen - Betten zu verkaufen, oviee Asterweg 40 I. röllsersivivellle gesund und schnellwüchsig, offeriere f. 30 Pf. per Pfund ab hierin großen u. klein. Posten. (asseD JLübbo Janßen, Sulingen (Han.) Schlafzimmer wie neu, mit Ma- tratrcn,Kcilen,Tcck- bctten und Kovf- Eih'cn3.bemriOr Spottpreis.'bX/H - von RM. V0V. aüzugeben. 8607d Betten Bär Gießen. Oeffentl. Borltöge öter USnfiologie 12. Vortrag Oie Funktionen des Nervensystems am Sonntag, dem ll. Dezember 1932, um 11'/, Ubr vünktl.. im Physiologischen Donnerstag, den 8. Dezember: Frisch geschlachlel Empfehle Is Hausmacher Wurst 07161 Mmnl öippel Tüchtiger brauche!. Reisenden b.Haus- ».Küchen- gerätegeschäftengut eingeführt für hiesigen Bezirk sofort gesucht. Schr. Ang. u. 07157 a. d. G. A. Statt besonderer Anzeige, Gott -der Allmächtige hat am Samstag, dem 3. Dezember, unsere liebe, unvergeßliche Mutter Frau Anna Martiny Witwe geb. Bickelhaupt im Alter von 52 Jahren zu sich in die Ewigkeit gerufen. Soziale VMM Der Ausgeber v. Stellen» a geboten Ist es, die dn» gegang. n-Bewerbungsunterlagen (Zeugnisse, Zeugnisabschrift., Licht« vllderu.bgl.) schnellstens »urückzus.Oie Stellung« suchenden sind dankbar dafür, wenn man ihre Bemühungen zur Er« tangung ein. geeigneten Tätigkeit aus diele Wei|e unterstützt und sind aus diese selbstverständliche pflicht auch ongewie en. Gietzenev Anzeiger Morgen Donnerstagabend: Sonderkonzert unter Leitung des neuen Kapellmeisters Kurt Scharf • Berlin Morgen Donnerstag 07,59 Schlachtfest Donnerstag, den 8. Dezember 1932, nachmittags 2 Uhr. versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 8614D 13 Sofas, 2 Radioanlagen, 1 Klavier, 3 Grammophone, 5 Schreibmaschinen, 3 Sessel, 2 Nähmaschinen, 1 Registraturschrank 5 Vertikos, 2 Bücherschränke, 5 Schreibtische, 1 Wirtschaftsbüfett, 3 Gläserschränke, 1 Badeofen mit Wanne, 1 Mille Zigarren, 5 Büfetts, 5 Tische, 14 Stühle, 2 Kommoden, 2 Spiegel, 1 Teppich, 2 Wäscheschränke, 1 Sprechapparat, 1 Blumenkrippe, 2 Kleiderschränke, 1 Chaiselongue, 1 Warenschrank. 1 Bitrine 1 Waschtisch, 1 Harmonium, 1 Staubsauger. Ferner an Ort und Stelle (Bekanntgabe erfolgt im Versteigerungslokal): 1 Motorrad, 1 Kassenschrank, 3 Personenwagen, verschiedene Spielwaren, Christbaumschmuck, Besen, Zinkeimer, Zinkwannen, Waschkroppen, Schraubzwingen, 2 Schweine. Bestimmt: 34 Taschentoiletten, 5 Tresors, 35 Wildleder- und Leder-Damengürtel, 8 Garnituren Sportgürtel, Manschetten- knöofe, Krawattennadeln. IN ö l l. Gerichtsvollzieher in Gießen Ludwigstraße 33 — Telephon 3239 |Stellengesuche| One» Suche für mein brav., äußerst tücht. Hausmädchen Stellung in gutem bürgerlichen Haushalt für 1. oder 15. Januar 1933. Anfr. anJrauJosef.Mübl Lollar,Hauptstr.l59 I Vorkäufe | Mtir-Wlenz bietet fick ja. tücht. Friseur od. Ehepaar in Wetzlar in seit ca. 20 Jahren best.Friseurgeschäft 2 H.- u 1 D.-Bed. Schrift!. Ang. unt. 8389 D a. d. G. A. Mml Bullet Morgen Donnerstag: z senD Mtzelsuppe Ab 10 Uhr: Wellfleisch mit -kraut! W*gl« |l IkaDM 2-3-Zimm.- Wohn, m. Küche u. Garten Näh. Gießen z.verm. Freie herrlicheLage. Schrift!. Ang. uni. 07178 an d. G. A. 1—2-Zim.-Wohn. mit Gas u. eL Licht, Korridor,sof.z.verm Schrnti. Angeb. u. 07168 a. d G. A. 2 schöne leereZlmmer am liebst, an berufstätige Dame oder Herrnsof.z.vermiet. Schriftl. Ang. unt. 07175 a. d. G. A. [Kleines Zimmer als Schlafraum od. Werkstatt sof.zverm v7i5« Kaiserallee 38 p | Mietgesuche | 1—5-Zim. - Wohn. l.o.2. Stock von ält. kinderlosen Ehepaar p. bald o. später zu mieten gesucht. Schriftl. Ang. unt. 07172 an d. G. A. Stellenangebotes IHausfrauenü Gehen Sie zum Hausfrauenabend des Konsumvereins Wir laden unsere verehrlichen Mitglieder und alle Hausfrauen zu unseren Hausfrauenabenden höflichst ein. Die Hausfrauenabende finden statt Mittwoch, den 7. Dezember 1932 im „Katholischen Vereinshaus“, Liebigstraße Donnerstag, den 8. Dezember 1932 im „Katholischen Vereinshaus“, Liebigstraße Freitag, den 9. Dezember 1932 im „Cafe Leib“, WaUtorstraße Die Veranstaltung beginnt jeweils abends 8 Uhr Mitwirkende: Kapelle Meyer und Solist Erb, Wieseck, sowie 2 Gesangs-Quartette Redner: Frau Theunissen, Düsseldorf, und Verbandssekretär Pichler, Heidelberg simmD Wer die Veranstaltung besucht, erhalt 30 Pf. in W«>ren zurück! Eintritt 20 Pf. Mit genossenschaftlichen Gruß Das Sekretariat Konsumverein Gießen und Umg. e.G.m.b.H. ■IIIPIIIPIIIIIIIIIIIPIIIIIIIIIIIIIIPIIÜIIÜIPIIIIPIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII Die anspruchsvolle Dame 8575 A bevorzugt die erprobten Präparate der Schönheitspflege von „Elise Bock",das haben die Konsultationen vom 2. und 3. Dezember erneut bewiesen.-Zollten Sie, gnädige Frau, noch nicht Zeit gefunden haben, diese Präparate kennenzulernen, so lassen Sie sich bitte in meinem Geschäft kostenlos beraten. Bitte, denken Sie auch daran, wenn Sie Ihre Weihnachtsgeschenke auswählen Zimmertüren und 1 Badewanne ges. Schrift!. Ang. unt. 07170 a. d. G. A. MöhreD-TeW.-Mio billig zu verk. tme? Ludwigovlatz 4 v. Kleinschreibmaschinen große Auswahl erster Fabrikate finden Sie zu niedrigsten Preisen bei Niederhausen&Co. Seltersweg 17 erster Stck. von Kleider Köhler. fl354D 1 WHotniiur mit Umbau 1 Chaiselongue 1 Kreuzthermalbad 1 Grudeherd 40 m Gartenschlauch und sonst.zu verkauf. Lollar 07162 Hauptstraße 159. RM. 1800.— als l.Hnvothek ges. auf neuerb. Wohnh. (Spezereihdlg.) mit Scheu.-Stall., Gart. 6 Morg. erstkl. Land in Borort Gießens. Schr. Angeb. unter 07169a.d. Gieß.Anz. THP. 86180 Donnerstag, 8. 12. abends 87? Uhr im Heim: Portrag von Assessor Travv „Unser Grenzland im Citcn". Gäste willkommen! Winterhoff Die Drogerie, die Ihr Vertrauen verdient! Kreuzplatz Nr. 10 AUTO fährt anfangs nächst. Woche leer o. Groß- Gerau - Frankfurt- Gießen 07173 Grvreff-Vcrkebr Möbeltransport Friedr.ch Kuhl Telephon 2280 fetzt In Lttbers Hof. 8 AM. 9000 auf l.Hrwothek und la Objekt zum 1.Mai 1933 auszulciben. Berm.zweckl.Selbst- rerlekt. woll. mit ge° nauerAngabed.Ob- jekts unt. 8611D an den Gieß. Anz. ihre Adresse einsenden. | Kaufgesuche | Doppelflinte gebrauchte, gut erhaltene, rauchlose, .Kaliber 16, zu kaufen gesucht. Schriftl. Angeb. unt. 8612D a.d.Gieß. Anzeiger. |Verschiedenes| Frischei Seefische zum Kochen v.3B an znm Braten Filets Barke, Fifi'v.40-' an Heilbutt im Ansschn. Pfd. 1.., leb. Karp en HLL-, leb. Schleien Pfund 1.15, täglich frische Räucherware empfiehlt A. Koch NacMoln. Bfäusburg 15,Tel.3612 ' - ■ ■ ■ ■ K ULTRA-GEADEM und SUPER-GEADOR 4 Röhren / 3 Kreise 5 Röhren-Superhet sind ausgezeichnet durch den opHtcfwt dessen Komfort den Fernempfang erst zu einem vollen Genuß macht Auskünfte und Vorführung bei Ihrem Radiohändler Ur. 288 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefjen) lttittwoch, r. Dezember 1952 Bücher unter dem Weihnachtsbaum. Politik und Geschichte. — TheodorBirt: Frauen derAntike. In Lemenband 4,80 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — (479) — Ern einzigartiges fernes Buch, Las uns den Zauber der antiken Welt von einer neuen Seite erschließt. Nur ein Meister wie Prof. Theod. Birt, der berühmte Marburger Alchisto- riker, der alles zugleich mit Len Augen des Künstlers und Gelehrten sieht, konnte den ungeahnten Reichtum antiken Frauenlebens so eindrucksvoll gestalten. Mit inniger Liebe versenkt er sich in Seele und Gedankenwelt der Alten und weiß auch die Schattenseiten im leuchtenden Bild seiner Frauengestalten mit köstlicher Ironie zu zeichnen. Etwas von der Anmut und süßen Grazie der Griechinnen liegt über diesem Buch. Diel Liebe und Leidenschaft, viel Freundschaft und Haß wird in diesen Blättern lebendig. Die kühle Berechnung der.Politikerin, die schlichte Einfachheit der jungen Frauen, das Intrigenspiel der römischen Kaiserinnen, die Sinnenlust der Tänzerinnen — die Vielgestaltigkeit der Frauenseele hält den Leser bis zum Schluß gefangen. Schicksal und Charakterblld einer Aspasia, Sappho, Kleopatra, Fulvia und ihrer namenlosen Schwestern, von deren Taten und Dulden uns die Geschichte erzählt, üben auch auf den modernen Menschen eine starke Anziehungskraft aus. — Willy Andreas, Deutschland vor der R e f o r ma t i o n. Eine Zeitenwende. 656 S. Groß-Oktav. Leinen Preis 14 Mark. Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart. — (359.) — Wie eines der unendlich vielgestaltigen bunt gegliederten Tafelge- mälde mittelalterlicher Meister baut der Heidelberger Historiker Willy Andreas eine großartige und ein- drucksvolle Ueberfchau deutscher Kultur auf, wie sie uns für diese schillernde und schwer greifbare Epoche in der hier zugleich gebotenen Fülle der Erscheinungen und schärfsten Herausmodellierung der großen Linie erstmals und einzig zu sein scheint. Kirche und Volksreligiösität, Staat, Gesellschaft und Wirtschaft, Geistesleben und Kunst: die ganze deutsche Wett am Vorabend der Reformation, in ihrer Erregtheit und ihrem Drang nach neuen Lebensformen unserer Zeit innerlich verwandt, breitet sich vor uns aus. Erkenntnisse einer ungeheuren Quellenforschung werden zu einem kristallklaren, bei aller Vielseitigkeit und Farbigkeit niemals verwirrenden Gesamtbild deutschen Lebens zusammengesügt, das sich uns mühelos ohne den Ballast des kritischen Apparates zur überaus fesselnden Lektüre darbietet. Meisterhaft sind die Porträts einzelner Persönlichkeiten wie das des Kaisers Maximilian, des Philosophen Nikolaus von Kues, der Humanisten Reuch- lin und Erasmus, des streitbaren Ulrich von Hutten, des großen Arztes Paracelsus, Albrecht Dürers u. a. Ausgezeichnet auch die wirtschaftshistorischen Schilderungen und die Darstellung der Bauernbewegung. Das Buch ist die beste Widerlegung der oft gehörten törichten Behauptungen von der Unlesbarkeit gelehrter Gesch chtswerke, es wird vielmehr aerade in interessierten Laien kreisen sich schnell einen festen Platz erobern. — Otto Flake, Die Französische Revolution 1789 bis 1799 mit 24 Bildern nach zeitgenössischen Vorlagen. Preis geb. 7,50 Mark. Ver.ag Hesse & Becker in Leipzig. — (281.) — Dieses Buch des bekannten Romanciers und Essayisten unterscheidet sich vorteilhaft von ähnlichen Unternehmungen belletristischer Geschichtsschreibung. Gelassen, ohne falsches Pathos, mit jener ruhigen Sachlichkeit, die diesem gigantischen Stoff allein angemessen erscheint, in glänzendem Stil, der den Der- fasser doch nie zu überspitzten Formulierungen hin- reißt, gibt Flake ein trotz der Gedrängtheit in allen wesentlichen Zügen scharf getroffenes und eindrucks, volles Bild der großen Revolution und ihrer trei- benden Kräfte. — H. R Knickerbocker: Kommt Europa wieder hoch? Preis kart. 4.80 Mark. Verlag Ernst Rowohlt KG., Berlin W. 50. — (371.) — Der bekannte amerikanische Journalist, dessen Bücher über Sowjetrußland und Deutschland bereits einen routinierten Reporter und Wirtschaftsexperten verrieten, hat auf einer Reise durch die Hauptstädte Europas, für seine uyr ihre erheblichen Kapitalanlagen bangenden Landsleute die Hand an den Puls der europäischen Wirtschaft gelegt. Und siehe da, dem rosenroten Optimismus des Herrn Knickerbocker erscheint der Befund über Erwarten befriedigend. Jeder der Staatsmänner, die er in Berlin und Rom, Paris, Brüssel und London und in den Donauländern interviewte, hat zwar seine Sorgen, aber Herr Knickerbocker ist nicht gewillt, das Heer der sauertöpfischen Miesmacher zu vermehren. Seine Zahlen sollen eine beredte Sprache der Zuversicht und des Glaubens an Europa sprechen. Namentlich was der Amerikaner über die Lage der Nachfolgestaaten schreibt, erscheint uns, von historischen Schiefheiten abgesehen, überraschend oberflächlich. Daneben finden sich Kapitel des interessantesten wirtschaftspoli- tischen Materials, überraschend scharfsinnige, von einem gesunden Instinkt eingegebene Erkenntnisse des Wesens der europäischen Krisis und der Notwendigkeit feiner Heilung. — Die neue Stalling-Dücherei. „Schriften an die a t i t> n.“ Jeder Band gebd. 1 Mk. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. O. (317.) Der Versuchs in großem Rahmen die neuen Orb» nungskräfte ^ufzuzeigen, liegt in dieser neuen Schriftenreihe vor. Daß er mit glücklicher Hand und bewußtem GestaltungswiUen unternommen wurde, zeigen schon die ersten 14 Bände, die jetzt erschienen sind. Von der Krise unserer Zeit handelt ein Historiker, Jacob Durckhardt, in dem Band „Die weltgeschichtlichen Krisen". Ms Burkhardt 1868 in subtiler Geschichtserkenntnis das Wesen der großen Krisen schilderte, konnte er nicht wissen, daß unser Volk sechzig Jahre spater eine Zeit erleben würde, die mit geradezu unheimlicher Präzision all das wiederholte, was er erschaut hatte. Eine Begleiterfcheinung der Krise ist wirtschaftliche Rot und Arbeitslosigkeit. Daß diese Rot nicht ganz unverschuldet ist und bei gesundem wirtschaftlichen Denken gemildert werden kann, zei,gt der Band: „Grundsätze deutscher Wirt» schaftspolitik" von Dr. Hjalmar Schacht. — Die seelischen Folgen der Arbeitslosigkeit für den Einzelnen, die Familie und zuletzt für das ganze Volk schildert Bruno Relissen Haken in seiner Erzählung „Die Ehe des Arbeitslosen Martin Krug". — „Der Soldat von 1917“ wird von Werner Deumelburg mit aller Eindringlichkeit geschildert. Auch der „Hauptmann", den H. H. Freiherr Grote in seiner Novelle schildert, ist einer von den Siegern des Weltkrieges, die es in beiden Lagern gegeben hat. — Moeller van den Drucks Begründung eines deutschen Sozialismus, „Jedes Volk hat seinen eigenen Sozialismus", ist im Zusammenhang dieser Schriftenreihe von besonderer Bedeutung. Gegenstück und Ergänzung zu dieser Schrift ist Hans Bogners „Bildung der politischen Elite". Welche außenpolitischen Wege das neue Reich gehen muß, wenn es einen nationalen Willen besitzt, zeigt Franz Mariaux in der Schrift „Rationale Außenpolitik". — Der Beitrag von Lothar Schreyer über den „Bamberger Reiter" ist eine Wallfahrt zum Heiligtum der Deutschen, dem Bamberger Dom'und seinem Reiter. Christliches und deutsches Wesen werden hier in ihrer höchsten und innigsten Verschmelzung er- sühlt. Karsthans schildert einen wefentlichen Abschnitt des Bauernkriegs in seiner Erzählung „Die Weinsberger Ostern". 1813 wurde Görres zum großen Rufer einer zu neuen geistigen Formen drängenden Zeit. Richard Curinger wählte sich diese Gestalt in seiner Rovelle „Der deutsche Gör- res". — Heinrich Dauer unternimmt cs, in feinem Werke „Schwert im Osten. Die Staatsschöpfung des deutschen Ritterordens in Preußen", den Ordensstaat, in der Geschichte und in seinen Grundelementen aufzuzejgen. Aus dem Schicksal des baltischen Adels sind die Erzählungen entstanden die Otto Freiherr von Taube in seinem Duch „Daltischer Adel" berichtet. Herbert Blank zeigt in seiner Schrift „Preußische Offiziere", wie die alten konservativen und die jungen liberalen Kräfte 1813 in opservvllem Zusammengehen den Sieg über einen der größten Feldherrn aller Zeiten erfochten haben. Wer Drandenburg kennenlernen will, muß mit Franz Schauwecker auf „Drandenburgische Fahrt" gehen. Er wird das alte und das neue Drandenburg finden, aber immer das preußische. Kinderbücher und Zugendschristen. — Gert Fauth: Wer hat die Zehntausend? Eine lustige Geschichte. 200 Seiten mit 26 Bildern von Paul Simmel. Geb. 3,80. Rütten & Loening Verlag, Frankfurt a. M. — (502.) — Dieses Duch wird von jung und alt mit Spannung gelesen werden. Ein Derliner Müllkutscher hat seinem Töchterchen Lene ein Lotterielos gekauft, das zehntausend Mark gewinnt; aber ein windiger Kerl stiehtt das Geld. Bei Rächt und Rebel jagt Lenchen mit einem mutigen Kameraden dem Dieb nach, ein Landstreicher beteiligt sich an der Verfolgung, schließlich wird der Missetäter gefaßt. Paul Simmel hat die Höhepunkte der humorvollen Geschichte mit lustigen Dildern dar gestellt. — Abenteuer-Geschichten. Herausgegeben von Mfred Sternbeck. Großoktav. 128 Seiten. Mit vier Ton-Vollbildern von Werner Ehomton. In Ganzleinen mit farbigem Schutzumschlag 3,20 Mk. Herold-Verlag Levy & Müller, Stuttgart. — (365.) — Mfred Sternbeck hat eine Reihe interessanter Menteuerge- schichten von fernen Meeren und Gestaden für die Jugend ausgewählt und bearbeitet. Mitreißend sind die Schilderungen vom ersten Zusammentreffen mit dem Gorilla, von blutigen Kämpfen mit den gefürchteten Seeräubern der hinterindifchen Inseln, von gefahrvollen Jagden auf Löwen und andere Großraubtiere in den Steppen Afrikas, von Lleberfällen der vereinigten Indianerstämme unter ihrem großen Häuptling Sitting Dull. Mit Spannung folgt man dey packenden Berichten über die ungeheuren Strapazen verwegener Polarforscher, den Erlebnissen eines deutschen Abenteurers bei den wilden Indianern Südamerikas, den Jagden auf heimtückische Tiger oder wilde Elefanten in den Dschungeln Indiens. Es ist ein Duch. das jeder frische Junge mit Begeisterung liest. — Darbra Ring, Petras Reise. Erlebnisse eines kleinen Mädchens. 104 Seiten. Mit 10 Textbildern von Bruno Fuck. In Ganzleinen mit farbigem Schutzumschlag 2,00 Mk. Hcrold-Der- lag Levy & Müller, Stuttgart. — (369.) — Ein herzerfrischendes Kinderbuch, ganz erfüllt von dem natürlichen Humor, der den Nordländern eigen ist. Zwei kleine Mädchen, Petra und Ulla, begeben sich mit ihrem Großvater auf eine Reise in die Großstadt. Petra, ein fröhliches, natürliches Land- kind, in Freiheit aufgewachsen, begeht dort keck und unbefangen die unmöglichsten Dummheiten und Streiche in allerbester Absicht. Ulla, das etwas verzogne, verzärtelte Stadtkind dagegen folgt dem waghalsigen Büschen nur sehr zaghaft bei seinen Unternehmungen auf eigene Faust. Was die beiden zum Schrecken des geplagten Großvaters in der Großstadt alles anstellen, das muß man gelesen haben. — Andersens Märchen. Ausgewähltund herausgegeben von Erich Georgi. Grohoktav. 160 Seiten. Mit sechs farbigen Vollbildern und 56 Tcxtbildem von Ernst Kutzer. In Goldfolie oder in Ganzleinen gebunden mit farbigem Schuhumschlag 3,60 Mk. Herold-Verlag Levy & Müller, Stuttgart. — (368.) — Eine Fülle echten Mär- chenzaubers ist in dieser neuen Ausgabe von Andersens Märchen eingefangen. Der Wiener Meister Ernst Kutzer wird mit seinem wahrhaft künstlerischen Buchschmuck die Herzen im Sturm gewinnen. — Sepp Dauer, Hans Eichhorn der Lausbub. Eine lustige Geschichte von den Tieren des Waldes. Quart. 192 Seiten. Mit vier farbigen Vollbildern und 20 Textbildern von Mana Grengg. In Ganzleinen gebunden mit farbigem Schutzumschlag 4,80 ML Herold-Verlag Levy & Müller, Stuttgart. — (367.) — Ein lustiger Geselle ist Hans Eichhorn, der im Walde von Hirande lebt. Seine weiße Schwanzspihe deutet darauf hin, daß es Hänschen ganz faustdick hinter den Ohren hat, und das zeigt sich auch bald in seinen lustigen Einfällen und tollen Streichern Fast alle Tiere des Waldes haben unter seinem Schabernack zu lmden, aber keiner kann dem übermütigen kleinen Kobold wirklich ernstlich böse sein. — Fürchtemichnit. Der Nachtwächter vom Donnerwald. Märchenbilderbuch für kleine und große Kinder. Geschrieben und gezeichnet von seinem Freund dem Waldkauz. 32 Seiten. 12 farbige Vollbilder und viele Bilder im Text. Halbleinen 4,50 Mark. Verlag Josef Müller, München 13 — (373) — Wie Fürchtmichnit, des Zwergenkönigs Nachtwächter, seine Abenteuer und Kämpfe besteht mit dem Igel und dem Fläschchen Berberitzensaft, der bösen Kröte, dem Eidechs-Drachen und dem Flieger ... im Donnerwald, am Hexenstein, bei der Linde, am Polterbach im Zaubergrund ... das wird, daheim am warmen Ofen vorgelesen und beguckt, große Augen und lachende Gesichter machen. Kalender und Almanache — Deutscher Almanach für das Jahr 1 9 33. Mit Beiträgen von E. G. Kolbenheyer, Leopold Ziegler, Hans Künkel u. v. a. Kartoniert 1,50 Mk. Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig. — (248) — Die neue Ausgabe des Almanachs, die in geschmackvoller buchkünstlerischer Gestaltung (durch Georg Satter) erschien, wahrt bei aller Buntheit und Vielseitigkeit der Beiträge Niveau und geistige Linie der Vorgänger. Führende Geister unseres kulturellen Lebens geben in größeren Originalbeiträgen die gedankliche Durchdringung unserer geistigen Lage: E. G. Kolbenhever schreibt über die neue „Deutsche Freiheitsidee ; Leopoid Ziegler, der bekannte Philosoph und Goethe-Preisträger, behandelt in einem programmatischen Aufsatz „Der Mut zur Bewußtheit" die tiefsten Fragen und Nöte der Zeit; Prof. Eduard Spränget schreibt über den „pädagogischen Genius", wie er sich in Sokrates, Pestalozzi und Fröbel manifestierte und auch der großen Erziehungsaufgabe der Gegenwart oor- anleurhten muß; Prof. Heinz Kindermann gibt in umfassendem lieber blick die Linie der Entwicklung der modernen Literatur vom Expressionismus bis zur neuesten Strömung der „Idealistischen Sachlichkeit". Neben den Denkern stehen die Dichter: größere Novellen der jungen Autoren Hans Künkel, A. Artur Kuhnert, Wilhelm Stolzenbach, Gedichte von Ruth Schaumann, Max Reuschle, Kramer, Zernatto und Brockmeier. Zum 70. Geburtstag Gerhart Hauptmanns schreibt fein Freund und Jünger Hans o. Hülfen über die Stellung des Dichters zum deutschen Volk; aktuelle Beiträge vervollständigen das vielseitige Bild des Jahrbuchs. Besonders reizvoll ist ein Aufsatz von Karl Daupel; er berichtet mit reichen Proben über das Ergebnis eines Preisausschreibens des Verlags Reclam, zu dem über tausend Einsendungen jugendlicher Künstler von 6—12 Jahren eingingen, und eröffnet ein bezauberndes Reich kindlicher Einbildungskraft. — MeyersHi st orifch-Geographischer Kal e n d e r 1933. 36. Jahrgang. 365 Tagesblätter mit je einem Bild, Sonnen- und Mondphasen, Gedenktagen, Sprüchen, Gedichten und Literatur- nachlweifen. Außerdem Jahreskalender, astronomische Gesamtüberficht, sachlich geordnetes Verzeichnis der Abbildungen und farbiges Titelbild. Als Abreißkalender eingerichtet. Preis 4 Mk. Verlag Bibliographisches Institut AG., Leipzig. — 391) — Meyers „Historisch-Geographischer" hat für jeden Tag ein besonderes Blatt. Hier erblickt man täglich neue Ausschnitte aus dem Weltbild, Geschichtliches, Naturkundliches, Geographisches, vor allem Technisches und dazu kurze, immer sachdienliche Erläuterungen und eine Reihe sorgfältig und kritisch aus- gewählter Gedenktage. Der Preis ist als niedrig zu bezeichnen. — Die bekannten und beliebten „Sp em an ns Kalender" für' das Jahr 1933 sind im Verlage von W. Spernann in Stuttgart erschienen; uns legen vor: Alpen-Kalender; Foto-Kalender; Frauen- Kalender; Kunst-Kalender; Literatur-Kalender; Musik-Kalender; Natur-Kalender; Wander-Kalender; und als Neuheit „Graf Zeppelin-Kalender". — (384) — Sie kosten 2,40 Mk. (Der Zeppetin-Ka'ender 2,— Mk.) und enchalten als Zugabe je acht Kunst- Ansichtskarten. Allen gemeinsam: ein vielseitiger, abwechslungsreicher Inhalt, sehr schöne, klare, gut reproduzierte Bilder und eine gediegene und gefällige Ausstattung. Die Stoffverteilung der einzelnen Kalender ist |o geschickt und den verschiedensten modernen Interessengebieten entsprechend vorgenommen, daß für jeden Geschmack etwas Passendes gesunden werden kann. „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen." Die genannten Vorzüge machen die Spemann-Kalender, die sich seit langem mit Recht großer Beliebtheit erfreuen, zu Geschenkzwecken besonders geeignet, zumal auch der Preis in Anbetracht der Ausstattung und der Fülle des Inhalts sehr wohlfeil genannt werden darf. — EllyPetersensHunde-undKatzen- falenber 193 3. Ein künstlerischer Wochenabreiß. kalender mit 65 Tierbildern. Preis 1,95 Mk. Verlag Knorr & Hirth G. m. b. H., München. — (321) — Der Jahrgang 1933 ist wieder vortrefflich geglückt. Hund und Katze geben sich auf seinen schönen Kunsrdruckbildern Der besten Tierfotografen ein friedliches Stelldichein. Jeder Tierfreund wird daran seine helle Freude haben. Da ist z. B. die berühmte Schauspielerin Elisabeth Bergner zu sehen mit ihrem schwarzen Scotch Terrier, oder Gerhart Hauptmann mit seinen putzigen Drahthaarteckeln, oder der nie lachende Duster Keaton und seine ebenso ernste Bulldogge. Andere Bmtter zeigen die beiden schnurrigen Hauskatzen der Frau Petersen „Tünnes" und den Siamkater „Prinz", die Schäferhündin Anni als Pflegemutter eines kleinen Löwen und dreier kleiner Pumas im Berliner Zoo, treffliche Studien eindrucksvoller Tierphysiognomien, Kinder und Tiere im gemeinsamen Spiell Eine Reihe geglückter Bilder entstammen dem letzten Fotowettbewerb, zu dem auch heuer wieder den Liebhaberfotografen hohe Geldpreise ausgesetzt sind. Eine liebevolle und fröhliche Stimmung strahlt Elly Petersens anmutiger Kalender aus, Latz jedem Tierfreund dabei Las Herz aufgeht. Deutsche Erzähler. — Franz Werfel: Das Geheimnis des Saverio. Rovelle. Reclams Llniversal- Dibliothek Rr. 7184. Geh, 35 Pf., geb. 75 Pf. — (454.) — Die Rovelle, eine der besten novellisti- fchen Leistungen des Dichters, läßt die Eigenart, abgründige Tiefe und seelische Intensttüt Werfels in der Darstellung eines geheimnisvollen Falles erleben, in dessen Mittelpunkt ein genialer Maler-Fälscher steht. Wie Werfel das Geheimnis dieses Menschen anleuchtet, allmählich enthüllt und bis zur Katastrophe entwickelt, das ist von bedeutender Meisterschaft und erregender Spannung. Die Rovelle wird von vielen Freunden des Dichters mit tiefer Anteilnahme ausgenommen werden. — C. G. Kolbenheyer: Die Begegnung auf dem Riesengebirge, Sammlung „Die kleine Bücherei" des Verlages Albert Langen-Georg Müller in München. — (400.) — Ein junger Gelehrter, in seiner Entfaltung und selbständigen Wirksamkeit gehindert, beschließt freiwillig zu sterben, um mit der ihm aufgezwungenen Lebenslüge Schluß zu machen. Wie die in freier winterlicher Bergwelt sich ereignende Begegnung mit einem aus anderem Lebenskreise kommenden, seinen Weg in seltsamem Zufall kreuzenden Menschen den zum Tode Entschlossenen wieder in das Leben zurückführt, das erzählt Kolbenheyer in dem kleinen, ernsten Meisterwerk diese rgedanllich klaren und tiefdringenden neuen Rovelle- — Paul Alve rdes: Kleine Reise. Aus einem Tagebuch. („Die kleine Bücherei", Bd. 9.) Albert Langen-Georg Müller, München 1932. — (402.) — Alverdes, den wir unseren Lesern schon mehrfach mit Erzählungen in der Unterhaltungsbeilage vorgestellt haben, hat sich durch seine „Pfeiferstube" und den Rovellenband „Reinhold oder die Verwandelten" als einer der wenigen aus unserem jüngeren Schrifttum eben- büvtig dem Kreis der anerkannten Großen zugesellt. — Ein Tagebuch von einer Reise durch die Schweiz und Rorditalien, meint man, müsse jeder schreiben können, der dort war. Aber wer hat diesen offenen, unbefangenen Blick, diese kluge Menschlichkeit, diesen übermütigen, graziösen Witz, und wer beherrscht die Sprache wie Alverdes? Die „Kleine Reise" ist ein sonniges Duch, hinter dessen heiterer Anmut sich gedankenreiche Besinnlichkeit verbirgt. — Manfred Hausmann: D ie Frühlingsfeier. Fünf Rovellen. 264 Seiten. Buchausstattung Hans Meid, Berlin. Geb. 2,85 Mk. Carl Schünemann, Verlag, Bremen. — (504.) — Das Buch handelt von den kleinen Dingen des Lebens, von der Stille des Abends und dem Geheimnis der Dacht. Es schildert die leise Begegnung zweier Herzen, eine Trennung, eine Freude oder ein innerliches Erschrecken. Diese Erzählungen, mit deren Erscheinen Manfred Hausmann alle Augt»n auf sich lenkte, atmen den Zauber eines großen Beginns und sind in ihrer Ursprünglichkeit von keinem seiner späteren Bücher übertroffen worden. Aus fremden Literaturen. — Helen Thomas, Welt ohne Ende. Roman. Aus dem Englischen übertragen von W. E. Süskind. In Leinen 5 Mk. (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart.) — (451.) — Helen Thomas erzählt die Geschichte ihres beschatteten und dennoch dank innerem Reichtums glückseligen Lebens. Es ist die Geschichte einer Ehe, beginnend mit einer rührend zarten Jugendliebe des siebzehnjährigen Mädchens zu David, dem jungen Studenten, der seine ersten poetischen und essayistischen Arbeiten schreibt. Zart und poetisch schildert Helen Thomas die Entwicklung dieser innigen Iugendfreundschaft, Aus eine wunderbare Art verbinden sich mit ihrem Leben die Ratur und die englische Landschaft, deren Zauber ihr David auf langen Spaziergängen erschließt. Immer wieder wird ihr das gemeinsame Erleben der Ratur zu einem K.rastquäl, zur Stärkung ihrer inneren Fröhlichkeit. Sie haben mit schweren materiellen Sorgen zu kämpfen, aber auch in den dunkelsten Augenblicken fühlen sich die Gatten untrennbar verbunden und die reine Menschlichkeit der Frau und ihre unermeßliche Liebe leuchten gerade aus dieser Düsternis hervor. Die Aufzeichnungen schließen im Weltkrieg, da David an die Front geht, von der es, wie man ahnt, keine Rückkehr gibt. — Warwick Deeping: Der alte Py - bus und sein Enkell Roman aus dem Englischen. Deutsch von Fritz von Dothmer. 332 Seiten. Buchausstattung Hans Meid, Berlin. Geb. 5,50 Mk. Carl Schünemann, Verlag, Bremen. — (509.) — Der englische Erzähler Deeping ist ein Kenner der Wirklichkeit, und besitzt den Blick für die posittven Kräfte des Gebend und auch den unerschütterlichen Optimismus, daß Opfermut, Treue, Standhastigkeit früher oder später im Leben endgültig triumphieren. Dieser Optimismus w'rd dem Roman die Herzen der Leser gewinnen. Die Erfindungsgabe des Erzählers hält immer neue Lieberraschungen bereit und entwickelt ein Bild des modernen englischen Lebens in allen Schichten. — Sigurd Hoe I: Ein Tag im Oktober. Ehr-Roman aus dem Rorwegischen. Deutsch von Konstantin Reichardt. 364 Seiten. Buchausstattung Hans Meid, Berlin. Gebd. 5,50 Mk. E-rl Schünemann, Verlag, Bremen. — (506.) — Der ganze Roman spielt an einem einzigen Tag. Dieser Tag ist wie ein Schnittpunkt, von dem aus ein Bündel Großstadtschicksale auf gerollt werden: Beamte, Gelehrte, Rentner, Kleinbürger, Typen, tote sie der Zufall des Zusammenwob- nens in einem Mietshaus zusammenführt, sie alle stehen blitzartig erhellt in der Geschlossenheit ihres Lebensraumes vor uns. Das erregende Moment, das die Handlung in Bewegung seht, ist der Schrei einer Frau. Der Schrei „Ich will nach Hause" durchdringt an diesem Abend das Haus und verbindet alle Bewohner in gemeinsamer Spannung und Teilnahme. Alle erkennen plötzlich ihr eigenes Schicksal, fühlen ihre Einsamkeit, ihre Verlorenheit. die Fremdheit in ihren Ehen. Alle erfahren durch den erschütternden Tod der Heldin einen Antrieb zum gegenseitigen Verstehen und zu einem besseren mitmenschlichen Zusammenleben. Rußlands Zweifrontenkrieg. Ein politischer Spaziergang durch Baku. Von unserem 8r.-Berichterstotter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Seit 1914 hat der Krieg in Rußland nicht auf- gehört. Und so. wie zur Zeit des Weltbrandes d i c tv ront das Tagesgespräch im weiten Reiche des Zaren war, so ist auch heute das Wort „Front" in aller Munde. In einem ganz ähnlichen Sinne sogar. Im Zusammenhang mit Kampf, ja sogar mit Krieg. Man spürt, daß hier ein ganzes Volk zum mindesten sich im Zustande der Mobil- machun-g befindet und es würde geradezu wider- sinnig erscheinen, sollte dieser Ausbietung aller Kräfte für den Krieg nicht der Krieg selbst legten Endes folgen. An den Fronten ist jedenfalls alles schon längst aufmarschiert: gegenüber den wirklichen oder vermeintlichen militärischen Kriegsgegnern und gegenüber den l)arten Tatsachen und zwangsläufigen Entwicklungen im Wirtsct-oftsleben, namentlich in der Erzeugung, in der Produktion, die ja schließlich auch im Sowjetreich die Beherrschung der Natur und die Anpassung ihrer stofflichen Elemente an die Bedürfnisse des Menschen ist. Auf dieser Front, auf der Wirtschafts- front, ist man nicht allein aufmarschiert, sondern dort kämpft inan bereits seit Jahren. Das ist Rußlands Zweifrontenkrieg, und wer das Sowjetreich heute politisch und wirtschaftlich aus einem anderen Gesichtswinkel betrachtet, der betrachtet es eben ^m persischen Ausgangshafen am Kaspischen Meer, in Pahleoi, dem früheren Enzeli, das zu Ehren des persischen Königs Reza entsprechend umbenannt worden ist. weht schon die blutrote Fahne Moskaus mit dem Sowjetemblem. Zeichen dafür, daß Rußland in Nordpersien nach wie vor eine beherrschende Stellung einnimmt, beherrschend in wirtschaftlicher Hinsicht wenigstens, wenn auch die Tatkraft der persischen Beamten den kulturellen und politischen Einfluß der Russen immer mehr zurückdrängt. Aber hier schon schwimmt man geradezu in russischen Waren aller Art. hier türmen sich all jene Leckerbissen zu Berge, die man in Rußland selbst nicht bekommen kann, weil sie lediglich zum Export bestimmt sind. Und von hier aus trägt einen auch der „Krieger", das regelmäßig zwischen Pahleoi und Baku verkehrende sowjetrus- sische Schiff mit seinem bezeichnenden Namen *e Westküste der Kaspischen See enttang nach Baku, der großen Petroleummetropole der Sowjetunion. Wer von dieser Seite aus den Boden des heutigen Rußland zum ersten Mal betritt, der wird von den Eindrücken, die auf ihn einstürmen, viel stärker gefangen genommen, als wenn man von der europäischen Seite in das Gebiet einreist, über das die gegenwärtigen Herren im Kreml herrschen. Kommt man aus Moskau nach Baku, so merkt man deutlich, daß man sich an der Pforte des Orients, wenn nicht schon mitten drin, befindet. Reist man von Persien nach Baku, so ist man überzeugt. bereits europäischen Boden betreten zu haben. Man sieht zwar noch eine Menge von Mohamedanern, von Persern, Usbeken, Tataren, auch Türken, und man bemerkt häufig die verschleierte Frau in allen möglichen morgenlän- bischen Varianten Aber dann sind die Petroleum- türme, da hämmert und raffelt es Tag und Nacht, da ist ein durchaus europäisches, ja man möchte so- gar jagen amerikanisches Getriebe, und das schlägt alle orientalischen Eindrücke tot. Bis man vom Dampfer über die Zollstation endlich in das Hotel des russischen Reüebüros gelangt ist, vergeht eine geraume Zeit. 2)a werden alle Koffer durchsucht, da werden verdächtige Personen abgc- tastet, da wird nachgeforscht, ob irgend etwas vielleicht einen doppelten Boden besitzt, da müssen sämtliche Wertgegenstände und Geldbeträge sorgsam angegeben und registriert werden, sonst muß man all dies im ehemaligen Reiche des Zaren zurücklassen, wenn man sich anschickt, ihm wieder den Rücken zu kehren. Für jede Sprache hat man einen besonderen Dolmetsch, der sich nicht etwa mit einem unterhält, sondern mit mehr oder weniger großer Sachkenntnis jedes Stück Papier, das ein Reisender besitzt, um und umwendet, studiert, gegen das Licht hält. Kriegszustand! — Und die, derer man wirklich habhaft werden will, die kommen natürlich unbehelligt durch. In dieser Beziehung ist es in Rußland genau so wie überall sonst in dieser angeblich schönsten aller Welten. Und sitzt man dann oben In seinem Tageszimmer im Hotel „Nowaja Europa", bei geschlossenen Fenstern, an denen sich lediglich rechts oben eine Ventilationsöffnung befindet, hat man vergeblich den Tee bestellt, well gerade das Zimmermädchen feine fünf Stunden abgedient und Feierabend gemacht hat, ist man vergebens in den Gasträumen des Erdgeschosses gewesen, wo sich eine umfangreiche Speisekarte befindet, die aber praktisch bedeutungs- los ist, weil man ja doch nicht das bekommt, was auf ihr steht, so bekommt man eine ungeheure Sehnsucht, sich auf eigene Faust durch die Stadt zu schlagen und einmal wirklich zu sehen, wie es so zugeht in einem sowjetrussischen Ort. Es gibt amtliche Rundfahrten in Baku für ausländische Reisende, und die Behörden sehen es eigentlich nicht gerne, wenn ein Fremder selbst Aussck)au hält, wonach ihm gelüstet. Aber sie können schließlich nichts anderes tun, als irgendeinen hinter dein Unbotmäßigen herzuschicken, der mehr oder weniger unauffällig wie ein Schatten hinter einem hergleitet. Aber schließlich kann man einem das Sehen nicht verbieten, und so schlendert man langsam durch die Straßen ... Schnell ist men auf dem Platz angelangt, wo sich der byzantinische Kuppelbau der größten Kirche der Stadt befindet. Rund herum ist so etwas Aehnliches wie ein Markt. D i e letzten Ueberreste des freien Handels. Bauern, kleine Händler, die Eier, Zwiebeln, Rüben und dergleichen anbicten Vor den Läden jedoch bemerkt man jene „Schlangen", die dem Deutschen aus der Kriegszeit sattsam bekannt sind. Sieht man das, sieht man auch den Polizistcn daneben, der die Leute zurückdrängt, so überkommt einen das Gefühl, als hatte man eine Zeitmaschine bestiegen und wäre mit ihr zurückgefahren in eine Vergangenheit, die noch schlimmer ist als die, die man selbst durchlebte. Bettler umschwirren einen: „Dai papiros, dai *opiejik“ (Gib eine Zigarette, gib einen Kopeken) — daneben fegt mit proletarischem Selbstbewußtsein eine in ein uniformähn- llches Gewand gehüllte, ziemlich beleibte Frau den Rinnstein aus, wovon die Straße jedoch nicht sauberer zu werden scheint. Die Straßenbahnen- sind Deiner Hände Werk Vornan von Klothilde von Stegmann»E>tein. Copyright by Martin Feuchttoanger, Halle (Saale) Schluß. Mit immer ernster werdendem Gesicht hatte der junge Amerikaner der Erzählung des Gastes gelauscht. der mit mühsam unterdrückter Erregung gesprochen. Seltsam, er hätte eigentlich, von Eifersucht entflammt, Haß gegen diesen blonden Aord- länder empfinden müssen, der Hiltrud zur Frau begehrte. Aber er vermochte es nicht. Olafs Worte klangen bei aller Schlichtheit so bewegt, zeigten eine so Hefe Liebe zu Hiltrud, daß den jungen Amerikaner eine leise Beschämung ergriff. Olein, so glühend war seine eigene Liebe zu der blonden Deutschen nicht. Er liebte sie, gewiß — aber er würde nicht daran zerbrechen. Er kannte es nicht, jahrelang einem Gefühl nachzutrauern. Das Leben war kurz: man mußte sich in das Unabänderliche finden und sehen, das Beste daraus zu machen. Es würde ihm schwer werden, Hiltruo aufzugeben, aber er würde reisen, in Amerika auf die Jagd gehen, Geschäfte machen. Schließlich würde ein anderes Mädchen kommen, und alles würde alkight fein. Und so sagte er denn, alö Olaf geendet: »Ich weiß es zu schätzen, Mister Erikson, daß Sie so offen zu mir gekommen sind. Wir Amerikaner schätzen KlarArit in allen Dingen. Ich hatte tatsächlich gehoist, daß Miß Hiltrud meine Werbung annehmen würde. Ich wartete auf ihre Entschließung. Aber daß sie mir schon zugesagt hätte, das stimmt nicht, da müssen Sie irgendetwas falsch verstanden haben. Bisher" — er unterbrach sich und griff nach dem Telephon, das leifc ries. »Ja, wer ist denn da?" Dann wurde fein Gcsichtsausdruck gespannt: er hörte auf die Stimme, die ihm da entgegenklang — und Olaf, der ihn beobachtete, sah, wie eine lebhafte und ein wenig schmerzliche Bewegung sich auf feinen offenen Zügen widerspiegelte. Olas stand aus und wollte sich diskret entfernen, aber der junge Amerikaner winkte ihm hastig, zu bleiben. Die Stimme im Telephon schien zu verstummen, denn Archibald legte den Hörer auf die Gabel und wandte sich mit einem halb traurigen, halb lächelnden Gesicht Olaf zu. »Mister Erikson". sprach er, »Sie müssen Miß Hiltrud falsch verstanden haben, wenn Sie annahmen, daß sie mir ihr Jawort gegeben. Soeben telephoniert sie mir, daß sie sich nicht entschließen könne, meine Frau zu werden, denn sie hätte den Manu wiedergetroffen, den sie liebte — und sie wurde ihm treu bleiben, auch wenn —" Die letzten Worte hörte Olaf kaum iwch. Er fchüttelte dem Amerikaner mit einer wilden Freude und Dankbarkeit die Hand, und schon war er hinaus — feinen Hut hatte er auf dem Tisch liegcngelaffen. Du lieber Gott!, dachte Archibald, ein wenig traurig lächelnd. Der hat s aber eilig! Dann zündete et sich feine geliebte Pfeife an, die ihm schon oft ein Trost in allerlei Röten gewesen, und endlich machte er sich fertig zu einer Golf- partie. Pfeife und Golf waren nach Archibalds Meinung ein unfehlbares Mittel, um einen Menschen wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Olaf eilte inzwischen mit Sturmschritten dem Büro zu, in dem Hiltrud arbeitete. Ein glückliches Leuchten lag in feinen Augen. Ohm hatte er alles verstanden. Et sah Hiltruds Gesicht in blindem Stolz erstarrt, genau wie damals im Sommer an der See. Sie hatte ihm nicht -eigen Wollen, daß sie ihn liebte — lieber lieft sie sich und ihn unglücklich werden. Ola warte!, dachte er, und ein übermütiger Gedanke blitzte auf, nun werde ich ein wenig Komödie spielen — ein paar Minuten der Unsicherheit, das ist noch eine geringe Strafe für alle die verlorenen Monate, die dein Stolz uns bereitet! Das Auskunftsbüro war noch leer. Hiltrud faft müde und bleich an ihrem Arbeitstisch. Eie fuhr zusammen, als sie Olaf wieder vor sich sah. „Ditte, gnädiges Fräulein" — Olaf trat mit unbewegtein Gesicht an den Ladentisch heran —, „ich komme geschäftlich. Ich möchte gern eine Reiseroute zufammengesteNt haben, für mich und meine Braut." Hiltrud zuckte zusammen und sah den Sprechenden mit schreckgeweiteten Augen an: aber Olaf schien ihr namenloses Weh nicht zu bemerken. „Würden Eie mir vielleicht eine schöne Reise zufammenstellen?" fragte er. „Ich müßte dazu den Geschmack Ihrer Braut kennen." Hiltrud wunderte sich über ihre eigene Stimme: wie fern und fremd klang fie, wie gesprungen. „Hat die Dame künstlerische Interessen?" „Sicherlich", bestätigte Olaf, und in feinen Augen tanzte es vor verhaltenem Lachen. „Was würden Sie mir denn Vorschlägen, gnädiges Fräulein? Wohin würden Sie zum Beispiel reifen?“ „Venedig", sagte Hiltrud träumerisch, „Rom, Florenz." Bor ihren Augen tauchten die Bilder einer vergangenen Kultur auf — Bilder, die fie einst mit Entzücken gesehen. Immer hatte sie geträumt, solch eine Reise einmal mit einem geliebten Menschen zu machen. Wollte das Schicksal sie höhnen, daß fte nun für den Geliebten und eine fremde Frau diese Reise zusammenstellen muhte? Wie muftte Olaf dieses Mädchen lieben, fein Gesicht sah gegen heute morgen förmlich verwandelt aus, glückdurchsonnt — Gottlob, dachte Hiltrud und krampfte die eiskalten Hände zusammen, daft sie heute morgen sich nicht verraten hatte, daft sie ihn glauben lieft, fie hätte ihn vergessen. „Also gut, nehmen wir die vorgeschlagene Route. Ich hoffe meine zukünftige Frau wird zufrieden sein", hörte sie Olaf sagen. „Wollen Sie mir bitte gleich alles zusammenstellen, auch die nötigen Hotels aufnotieren — das beste. waS es gibt — für mich und meine Braut zwei nebeneinander! legende Zimmer mit Bad. Ich erbitte den Plan mit Kostenanschlag in mein Hotel." Er machte eine knappe Verbeugung, nicht einmal die Hand reichte et ihr. er schien ganz der vornehme Herr, der eine Auskunft von einer Angestellten erhalten, und ging, ohne sich noch einmal umzuschauen. Mit Ausbietung aller Kräfte machte sich Hiltrud an die Arbeit — und bald war die ganze da komme ich selbst, damit du mir nicht wieder einen Korb gibst." Mit Augen, die vor Glück leuchteten, sah Hiltrud zu Olaf auf. „Verzeih mir“, flüsterte fie demütig, „verzeih meine Schwäche, meinen Hochmut — Mit einem heißen Kuß schläft er ihr den Mund. „Alles verzeihe ich", sagte er heiß und leidenschaftlich. „Wenn du mich nur liebst und es mir endlich — endlich einmal sagst!" Da kam ein tiefernster Ausdruck in Hiltruds Gesicht. „Ich liebe dich!" sagte sie — und es war wie ein Gebet. e An einem sonnigen Herbsttage wurde auf Bremerfchloh eine Doppelhochzeit gefeiert Erika und Kurt traten zugleich mit Hiltrud und Olaf vor den Traualtar. Beide Mädchen hatten sich den gleichen Traufpruch gewählt: „Run aber bleiben Glaube. Liebe, Hoffnung, diese drei — aber die Liebe ist die größte unter ihnen!" klang die Stimme des Pfarrers an ihre erschauernden Herzen. Und mit festem Druck legten sich ihre Hände in die des angetrauten Mannes. Eine stille Feier einte die nächsten Freunde und die treuen Mitarbeiter des Bremerwerks mit den Reuvermählten. Unter den Glückwünschen, die tarnen, war eine Depesche, über die sich Hiltrud besonders freute. Archibald Failwoth sandte ein Telegramm: „Alles Glück wünscht Archibald und Braut Daisy." „So ist er auch glücklich", sagte Hiltrud zu Olaf. „Ohm ist auch der letzte Schatten geschwunden." Erika hatte es energisch abgelehnt, eine Hochzeitsreise zu unternehmen. „Ich bin lange genug in der Wett herumgeflattert", meinte sie, „und meine schönste Hochzeitsreise ist die auf Bremer- schloft." Olaf aber reifte mit Hiltrud am gleichen Abend ab. Eie wollten einige Wochen unterwegs bleiben und dann ihren Wohnsitz in Paris nehmen, wo Olaf die Filiale feiner väterlichen Fabrik übernehmen sollte. Frau Melanie, die in der Liebe und dem Glück ihrer Kinder wieder jung und gesund geworden war, sollte ihren Aufenthalt zwischen Paris und Bremerfchloh teilen. Sie hatte sich, durch die schweren Erfahrungen des letzten Jahres geläutert, mit Erika ausgeföhnt und war dankbar für die Liebe, die diese und Kurt ihr erwiesen. Ms Hiltrud und Olaf im D-Zug saßen, der ihr junges Glück den Gestaden Italiens entgegen- trua schlang Olaf feine Anne um Hiltrud: „Run wollen wir einmal sehen, mein Lieb", sagte er lachend, „ob die Reiseroute, die uns eine stolze Dame in Meran vorgeschlagen hat, auch eine gute fein wird." Ta errötete Hiltrud — und verbarg ihren Kops an der Brust des geliebten Mannes. Eng aneinandergefchmiegt, fuhren fie hinaus — inS Glück. Ende. • Der heute zum Olbfchluh gebrachte Otoman „Deiner Hände Werk" von Klothilde von Stegmann-St ein ist als Buch (214 Seiten) im Verlag Marlin Feuchtwanger. Halle an der Saale, erschienen. — (487) . - uiutfeiiö voll. Wie im Orient, |o jchemt auch hier infolge des ungeregelten Verkehrs eine viel größere Anzahl von Menschen auf der Straße zu sein, als sich in Wirklichkeit auf ihr befindet. Man kommt an einem Kino vorbei, in dem ein Propagandafilm oorgeführt wird. Es gibt nur Propaganda filme, Belustigung um der Belustigung willen. Kunst um der Kunst willen, das ist bürgerlich, also Todsünde. Die Zeitungen, deren es eine ganze Anzahl selbst in Baku gibt, sind auf telegraphischem Wege zu° standegekommene getreue Abbilder der Moskauer Zentralblätter, nur mit einem ganz kleinen lokalen Teil, der auch lediglich von der Erfüllung des ersten bzw. des zweiten Fünfjahresplanes handelt. Man soll sich heute in Rußland ebenso wenig in politische Gespräche einlassen, ja noch viel weniger, als vor dem Weltkriege. Aber, sobald gewisse Men- schen einen Fremden erblicken, und ein Fremder fällt nicht allein durch seine Kleidung auf, schon ein Taschentuch, das man links außen am Rock trägt, stempelt einen zum Kapitalisten, so fangen sie mit ihm ein Gespräch an. Man weiß nie, ob es sich um einen Spitzel handelt, der einen ausspionie- ren will, oder um jemand, der sein Herz ausschüt- ten möchte, der einen geradezu beschnüffelt, vergleichbar den Insassen einer Strafanstalt, die auf einen Neuankömmling stürzen, ihn betasten, ihre Nasen an ihn halten, weil er „nach draußen riecht". Solche Gespräche werden zumeist im Flüsterton ge° führt, und drehen sich darum, daß das Leben immer schlimmer, immer grauenvoller wird, und wie denn überhaupt alles werden soll. Mit Fremden spricht man in Rußland von Politik, etwas anderes kommt gar nicht in Frage. Baku besitzt einige bekannte Arbeiterkinds, die mit Vorliebe von der amtlichen Propaganda dem Ausländer gezeigt werden. Aber die Bevölkerung Bakus ist zu groß, als daß sie diese Klubs besuchen könnte, in denen tatsächlich allerhand geboten wird, wahrend Draußen die Dleniajen darven. Es gibt Läden^ in denen für europäische Begriffe höchst ärmliche Stoffe und kunstseidene Damenstrümpfe letzter Qualität ausliegen — zu 30 bis 40 Mark das Paar. Vor den Schaufenstern stehen Mädchen mit sehnsüchtigen Blicken — ohne Strümpfe. Aber die Bevölkerung muß eben opfern, opfern und immer wieder opfern, für die zwei großen Fronten: für die Erfüllung der Wirtschaftsplane und für die Ausrüstung der roten Armee, 'die so stark gemacht wer- denden soll, daß sie fähig wird, jedem „imperialistischen Interventionsoersuch" begegnen zu können, selbst wenn die Japaner, die Polen, die Rumänen, das ganze Baltikum mit französischer und englischer Unterstützung zu gleicher Zeit losschlagen. Das kleinste Kind im Sowjetreich denkt an den K r i e g. Er bildet die erste Sorge, und nur so wird man begreifen können, daß die kommunistischen Parteien in den europäischen Ländern, als willenlose Werkzeuge Moskaus, immer wieder die Anhänger zu Demonstrationen „zum Schutze der Sowjetunion" auf die Straße rufen. Man kann sich, wenn man durch eine sowietrussische Stadt geht, oorstellen, wie groß die Sehnsucht für den sein mag, der für lange Zeit hierher verbannt ist, ohne jede Möglichkeit über die Grenze zu gelangen, um, wie ein Bewohner Bakus angesichts des über der Kaspischen See hereinbrechenden Abends sagte, irgendwo eine nicht sowjetistische Erde zu betreten, über sie hinzustürzen und eine Lust zu atmen, die nicht vom ständigen Waffenlärm gtgen tatsächliche und eingebildete Gewalten erdröhnt. Daten für Mittwoch, 7. Dezember. 43 v. Ehr.: Der römische Staatsmann Marcus Tullius Cicero bei Forrniä ermordet: — 1542: Maria Stuart, Königin von Schotlland, in Linlithgow geboren; — 1835: Eröffnung der ersten deutschen Eisenbahn Nürnberg-Fürth: & Mp Eine imposante Aufnahme des neuen englischen U-Boots „Seahorse", das in Chatham oom Stapel lief. Nach seiner Fertigstellung wird das Boot mit einem 7,5-cm-Geschütz und einer Flugzeug- Abwehrkanone ausgerüstet sein. Route mit Hotels, Ausflügen, Anmerkung der Sehenswürdigkeiten, Berechnung der Reisedauer beendet. Damit war aber auch ihre Energie erschöpft. Als Herr Moser kam, übergab fie ihm das Kuvert für Olaf mit der Bitte, es sofort befördern zu lassen. Sie selbst fühlte sich so elend, daß sie um Urlaub für den heutigen Tag bitten mußte. Herr Moser sah erschrocken in das verfallene, blasse Gesicht des jungen Mädchens: „Aber selbstverständlich, Fräulein von Stüb- den! Gehen Sie nur! Bei dem schönen Wetter wird es heute ohnehin nicht mehr viel zu tun geben: die Ausflügler sind unterwegs und neue kommen heute nicht mehr. Gute Besserung!" Er nickte ihr freundlich zu und klingelte nach einem Boten, der den Brief für Baron Olaf Erikson in Empfang nahm. / • Hiltrud wußte nicht, wie sie in ihr Hotel gekommen war. Die Knie zitterten ihr, die Zähne schlugen wie im Frost aufeinander; sie fühlte sich sterbensmüde. Sie war froh, daß ihre Schwägerin mit Bekannten auf dem Kurplatz war — so konnte fie ungestört in ihr Zimmer gelangen. Dort fiel fie auf ihr Bett und lag wie in einer Erstarrung des furchtbaren Schmerzes. Rur eines konnte sie denken: Fort von hier, nichts mehr toiffen, nichts mehr fühlen, tot fein! Da klopfte es an die Tür; sie stand auf und schleppte sich an die Tür. Ein Brief wurde hereingebracht; sie kannte die Handschrift nicht. Sie schnitt den Umschlag auf. Heraus fielen die Rottzen für die Reiseroute, die sie für Olaf zusammengestellt. Eine dunkle Röte übergoß ihr Gesicht. Ging die Demütigung noch weiter? Schickte man ihr die Arbeit zurück, weil man nicht damit zufrieden war? Da lag ja auch ein Bries dabei. Es flimmerte ihr vor den Augen, als sie zum ersten Male die große, charakteristische Handschrift des geliebten Mannes sah. Aus dem Blatt stieg der leise Duft von englischem Parfüm, der für sie untrennbar mit der Person Olafs verbunden war. Sie breitete den Bogen aus, ihre Lippen drückten sich sehnsüchttg und verzweifelt auf die teuren Schriftzüge: dann erst las sie — las, ohne zu begreifen: Sie haben mir eine so schöne Oleife zusammengestellt, eine Reise, die ganz nach Ihren Wünschen ist, wie ich annehme. Ich freue mich daraus, sie mit meiner Braut zusammen zu machen — mit Dir, meine geliebte Hiltrud, wenn Du die Meine werden willst. Ich warte unten in der Halle, ob Du mir Dein Jawort gibst — und ob ich endlich — endlich glücklich sein darf. . Olaf. 2lus Hiltruds bebenden Händen fiel das Blatt leise raschelnd zur Erde. Aus ihren Olugen stürzten Tränen, heiße Tränen des Glücks und der Erlösung — übet den Tisch geworfen lag sie — und in den flutenden Tränenströmen löste sich alles ODeh der vergangenen Zeit. Sie hörte nicht, daß es leise klopfte, daß eine Tür geöffnet wurde, ein leiser Schritt über den dichten Teppich des Zimmers kam. Sie weinte und weinte — bis zwei Arme fie umfaßten und eine unendlich geliebte und glückliche Männerstimme erklang „Es hat mir unten zu lange gedauert, Hittn»,