ar.210 SrübauSsabe 182. Jahrgang Mittwoch, 7. September 1932 Er, chernl tägltd), autzei Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Siebener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle monau-Beiugsprets: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. 5ernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehe«. Postscheckkonto: Sranlfurt am Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Vrvck und Verlag: vrühl'fche Univer^rair-Vuch- und rieindruckerei L Lange in Sietzen. Schnstlettung und Seschästzstelle: ZchulNratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm 'Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Ns- hlamean',eigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°, mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. DerantwoNlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriotr für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mar Filler, sämtlich in Gießen. Llm Deutschlands Gleichberechtigung in der Wehrfrage Reichsaußenminister Freiherr von Reuraih über seine Unterredung mit dem französischen Botschafter. — Oie deutsche Rüstungsdenkschrist wird veröffentlicht. Berlin, 6. Sept. (WTB.) Der Reichsminister des Auswärtigen hat heute einen Vertreter von WTB. empfangen, um ihm das Schrift st ück zur Veröffentlichung zu geben, das er als Refume feiner mündlichen Darlegungen des deutschen Standpunktes in der Abrüstungsfrage vom 29. August dem hiesigen französischen Botschafter ausgehändigt hat. Freiherr v. Reurath hat sich bei dieser Gelegenheit über den Zweck des Schriftstücks und über die Gründe feiner Veröffentlichung u. a. wie folgt geäußert: Seitdem die französische Presse die ersten Meldungen über meine vertrauliche älnter- haltung mit dem französischen Botschafter Herrn Francois Poncet brachte, hat sie das Vorgehen der Reichsregierung in der Abrüstungsfrage fortgesetzt zum Gegenstand von Kombinationen und Vorwürfen gemacht, die in der Anklage gipfeln, daß Deutschland unter dem Deckmantel seiner G l e i ch b e r e ch t i g u n g s f or de- r u n g nichts anderes als seine eigene Aufrüstung und die Wiederher st el- lung seiner früheren Militärmacht betreibe. Es gibt keinen einfacheren Weg, diese Entstellungen zu entkräften, als meine Aufzeichnungen der veffentlichkeit zu übergeben. Der deutsche Schritt bei dein französischen Botschafter war nichts Ungewöhnliches oder Lieberraschendes. Er hielt sich durchaus im Rahmen der Genfer Abrüstungskonferenz und sollte lediglich dazu dienen, ein positives Ergebnis ihrer Arbeiten zu ermöglichen. Ich brauche auch kein Geheimnis daraus zu machen, daß noch in Genf selbst Vertretern die Aufnahme baldiger Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen über das Thema oer Gleichberechtigung verabredet wurde. Die Gründe, die die französische Regierung jetzt zur Mitteilung unseres Derhandlungsvorschlags an die am sogenannten Vertrauenspakt beteiligten Regierungen veranlaßt habl'n, sind mir nicht bekannt. Der Pakt kann t)cd- unmöglich den Zweck haben, eine diplomatische LInler!,altung zu zweien oder dreien zu verbieten und für jede politische Frage, welcher Art auch immer, von vornherein ein förmliches Verfahren vor dem Forum aller dem Pakt beige- tretcnen Regierungen vorzuschreiben. Jedenfalls will es mir scheinen, daß die bisher dem Pakt beigetretenen Länder, zu denen eine Reihe wichtiger europäischer Staaten nicht gehört, kein G re m i u m darstellen, das für Abrüstungsfragen eine besondere Zuständigkeit in Anspruch nehmen könnte. Die Rcichsregierung war der Ansicht und ist es auch heute noch, daß in vorliegendem Falle eine Aussprache zwischen Deutschland und Frankreich der gegebene Weg ist, um eine Einigung zwischen allen beteiligten Mächten anzubahnen. Sollte, was ich nicht hoffe, die Anwendung des Dertrauenspaktes seitens der französischen Regierung die Bedeutung haben, daß diese jetzt zu einer unmittelbaren deutsch-französischen Aus- sp r ache n i ch t be re i t ist, so wäre eine n eue Lage geschaffen, die neue Entschlüsse der Reichs- rcgierung notwendig machen würde. Soviel stcht aber schon heule fest, daß es für Deutschland nicht möglich ist. sich an den weiteren Beratungen der Abrüstungskonferenz zu be t e i l i g e n , bevor die Frage der deutschen Gleichberechtigung eine grundsätzliche Klärung gefunden hat. Unsere Gleichberechtigung, nicht unsere Aufrüstung, ist der Punkt, den wir zur Debatte gestellt haben. Wenn die Hochgerüstelen Staaten sich nicht zu einer radikalen Abrüstung entschließen können, und wrnn sich daraus die Schlußfolgerung ergibt, daß unsere Gleichberechtigung nur durch Modifikationen unseres gegenwärtigen Rüstungsregimes hergestellt werden kann, so ist es eine handgreifliche Verdrehung der Wahrheit, von deutschen Aufrüstungslendenzen und militärischen Machtgelüsten zu sprechen. Was wir unter dem Gesichtspunkt der Gleichberechtigung fordern, ist nicht mehr als eine gewisse Modifikation unseres gegenwärtigen Rüstungsregimes, eine Modifikation, die zugleich der Notwendigkeit Rechnung trägt, ein unserem Lande auferlegtes starres System unseren besonderen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen anzupajsen. Es ist auch eine allzu bequeme Methode, uns zur Geduld zu raten und uns daraus zu vertrösten, daß sich die Abrüstung der anderen Mächte und damit unsere Gleichberechtigung i m Laufe der Zeit schon verwirklichen werde. Dir warten jetzt länger als zehn Jahre auf die Erfüllung unseres Anspruchs. Die Abrüstungskonferenz ist an einem Punkte angelangt, wo die Entscheidung über unsere Gleichberechtigung fallen muh und keine Konferenzmacht sich mehr einer klaren Stellungnahme zu dieser Frage entziehen darf. Niemand kann Deutschland zumuten, sich noch länger mit einer Diskriminierung abzustnden. die mit der Ehre des deutschen Volkes und feiner Sicherheit unvereinbar ist. In dem obenerwähnten S ch r i s t st ü ck Neuraths heißt es u a.: Die Haltung der deutschen Delegation gegenüber der Resolution der Generalkommis- sion vom 29. Juli war ausschließlich durch Gründe, die in der Sache selb st liegen, bestimmt, und war unvermeidlich. Die Resolution legt wichtige Punkte für die endgültige Abrüst ungs- k o n v e n t i o n fest, und zwar in einer Weise, die bereits erkennen läßt, daß die Konvention in der Herabsetzung der Rüstungen außerordentlich weit hinter dem Versailler Vertrag Zurückbleiben wird. Die deutsche Regierung konnte schon aus diesem Grunde der Resolution nicht z u st i m m e n. Es kam aber noch ein anderer Gesichtspunkt hinzu. Tatsächlich hatten die Beschlüsse für Deutschland überhaupt keinen Sinn; denn trotz der Diskrepanz zwischen dem in ihnen vorgesehenen Abrüstungsregime und dem Regime des Versailler Vertrages blieb in der Resolution die Frage völlig offen, ob die gefaßten Beschlüsse auch auf Deutschland Anwendung finden sollen. Solange diese Frage nicht geklärt ist, ist für die deutsche Delegation auch bei den künftigen Beratungen über die endgültige Regelung der einzelnen Punkte des Abrüstungs- Problems eine Mitwirkung nicht mög - lich. Um jedes Mißverständnis in dieser Beziehung ,auszuschlicßen, soll im folgenden noch einmal zusammenfassend dargelegt werden, was Deutschland unter der Gleichberechtigung versteht, und wie es sich praktisch die Verwirklichung dieses Prinzips denkt. Deutschland hat stets gefordert, daß d i e anderen Staaten auf einen R ü st u n g s » stand ab riiften, der dem Rüstungsstand entspricht, der Deutschland durch den Vertrag vonDersailles auserlegt worden ist. Damit wäre dem Anspruch Deutschlands auf Gleichberechtigung in einfachster Weise Rechnung getragen worden. Zu ihrem großen Bedauern hat jedoch die deutsche Regierung aus der Resolution vom 23. Juli ersehen müssen, daß die Konvention weder in den Methoden, noch im Umfang der Abrüstung dem Muster von Versailles entsprechen wird. Die Lösung kann deshalb nur die sein, daß d i e AbrüstungskonoentionsürDeutsch- land an die Stelle des Teils V des Versailler vertr ags trift, und daß hinsichtlich ihrer Geltungsdauer sowie hinsichtlich des Rechlszustandes nach ihrem Ablauf keine Sonderdesiimmungen für Deutschland gelten. Die deutsche Regierung kann allerdings nicht darauf verzichten, daß in der Konvention das Recht Deutschlands auf einen feiner nationalen Sicherheit entsprechen- denRüstungsstandin geeigneter Weife -um Ausdruck kommt. Sie ist jedoch bereit, sich für die Laufzeit der ersten Konvention mit gewissen Modifikationen ihres Rüstungsstandes zu begnügen. Auf dem Gebiete der qualitativen Abrüstung ist die deutsche Regierung bereit, jedes Waffenverbot zu akzeptieren, das für alle Staaten gleichmäßig zur Wirkung kommt. Dagegen müßten diejenigen Waffenkategorien, die durch die Konvention nicht allgemein verboten werden, grundsätzlich auch Deutschland erlaubt fein. was das Wehrsystem anbetriffl, so muß die deutsche Regierung auch für s i ch das Recht aller anderen Staaten in Anspruch neh- men, es im Rahmen der allgemein gültigen Bestimmungen so zu gestalten, wie es den Bedürfnissen sowie den wirtschaftlichen und sozialen Eigenarten des Landes entspricht. Die deutsche Regierung wird stets zur Erörterung von Plänen bereit fein, die dazu dienen, die Sicherheit für alle Staaten in gleicher weise zu festigen. In der Tat liegen die Dinge heute so, daß die Frage der deutschen Gleichberechtigung nicht mehr länger offen bleiben darf. Die Rotwendigtcit ihrer Lösung ergibt sich aus dem bisherigen Verlauf und dem jetzigen Stande der Genfer Abrüstungsverhandlungen, darüber hinaus aber aus Gründen, die mit der allgemeinen internationalen Lage zusammenhängen. Es wird wesentlich zur Beseitigung der bestehenden Spannungen und zur Beruhigung der politischen Verhältnisse beitragen, wenn endlich die militärische Diskriminierung Deutschlands verschwindet, die vom deutschen Volke als Demütigung empfunden wird, und die zugleich die Herstellung eines ruhigen Gleichgewichts in Europa verhindert. Oer Aufstand in Brasilien. Buenos Aires, 6. Sept. (TU.) Nach Meldungen aus Sao Paulo haben die brasilianischen Aufständischen mehrere Siege über die Regierungstruppen errungen. Die Aufständischen berichten, daß eine revolutionäre Truppe aus dem Staate Minas Geraes durch den Staat Espirito Santo nach Rio de Janeiro marschiere. Auch in Rio Grande do Sul seien die Bundestruppen auf der ganzen Linie von den Aufständischen abgebrängt, die sich der Stadt Porto Alegre näherten. Die Bundesregierung erklärt, daß ihre Truppen die Städte Copao Bonito an der Südfront und Villa Oucimaba an der Nordfront eingenommen haben. Auch die Stadt Cascavel soll nach einem Bajonettangriff e r - o b e r t worden sein. Erbitterter Wahlkampf in Griechenland. Gefahr eines Militärputsches. Athen, 6. Sept. (TU.) Der Wahlkampf für die am 25. September ftattfinbenbe Parlamentswahl spitzt sich in gefährlicher Weile zu. Die Führer der beiden Hauptparteien, Ministerpräsident Venize- l o s und Tsaldaris, überhäufen sich gegenseitig mit Gewaltandrohungen. Tsaldaris wird als Repu- blikfeind bezeichnet. Er wird unterstützt von dem früheren Ministerpräsidenten und jetzigen Führer der republikanischen Union, Papanastasiu, der Sozialdemokrat ist, sowie von Kaphanda- r i 5. Denizelos erklärte wiederholt, daß er trotz der wahrscheinlichen Wahlniederlage nicht zurücktreten, sondern diktatorisch roeitetregieren werde. Er kündigte sogar ein militärisches Einschreiten vor den Wahlen an, um die angeblich mon- archistischen P-l ä n e Tsaldaris zu vereiteln. Tsaldaris hat am Dienstag den Staatspräsidenten Zaimis aufgesucht. Er verwahrte sich gegen die revolutionäre Einstellung des Ministerpräsidenten Denizelos und verlangte den Rücktritt der augenblicklichen Regierung, sowie die Bildung eines Beamtenkabinetts um freie Wahlen zu gewährleisten. Für den Fall der Ablehnung seiner Forderungen drohte Tsaldaris das Fernbleiben der Opposition von der Wahl an. Die der Militärliga ange- hörenden republikanischen Militärs versuchen, auch die Marine auszuwiegeln. Der Kreuzer „Awe- roff" ist ganz unerwartet ins Arsenal eingelaufen. Ein Militärputsch vor den Wahlen unter dem Vorwand der Rettung der Republik vor einem monarchistischen Wahlsieg erscheint nach Lage der Dinge nicht ausgeschlossen. Die Verteidigung Ostpreußens. Eindeutige Erklärungen Reichswebrministers von Schleicher auf den ostpreußischen Manövern. Elbing, 6. Sept. (WTB.) Reichswehrminister General v. Schleicher nahm am heutigen Schlußtag der Divisions Übungen im Raume östlich Elbings persönlich an den Hebungen teil. Nachdem die Manöver gegen 13 Uhr abgeblasen waren, unterhielt der Minister sich mit den im Manöoergelände anwesendenVertrelern der Presse, ließ sich den empfangenen Eindruck schildern und richtete danach an die Pressevertreter eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Die Provinz Ostpreußen fühle sich besonders bedroht. Unleugbar sei zweierlei notwendig, einmal eine moderne Bewaffnung, die aber nicht mehr zu kosten brauche, zum andern aber, daß jeder Ostpreuße für die Zukunft wisse, wie und wo er sein Vaterland im E r n st f a 11 z u verteidigen habe; denn einen Anspruch auf Verteidigung des Landes, wie man ihn z. B. der Schweiz zubillige, müsse auch Deutschland, insbesondere Ostpreußen, erheben dürfen. Das Recht eines jeden Staats, sich im Angriffsfalle zur Wehr zu fetzen, gebühre auch Deutschland. Traurig, daß es Blätter gebe, die der gegenwärtigen Regierung die Vertretung der Forderung nach Gleichberechtigung in diesem Sinne nicht zusprechen wollten. Nach Meinung des Ministers habe jede nationale Regierung das Recht, den nationalen Schutz des Landes zu fördern. Der Minister sei der Auffassung, daß darüber Einigkeit im ganzen deutschen Volk herrsche, und deshalb habe jede deutsche Regierung das Recht und die Pflicht, für die Lösung dieses Problems einzutreten. Dem Vertreter der „Königsberger Allgemeinen Zeitung" erklärte der Minister: „Sagen Sie Ostpreußen, daß wir es bis auf den letzten Mann verteidigen werden, und daß wir ihm alle Mittel, die zu feiner Verteidigung nötig find, notfalls auf dem Seewege, heranführen werden." Frage: „Die ganze TDelf, Herr General, sieht mit größter Spannung der Entwicklung entgegen, die durch d i e Rüstungsdenkschrift der Regierung aufgeworfen ist. Wir wissen, daß gerade Sie persönlich sich einmal als der Wille des Kabinetts der Oeffentlichkeit gegenüber bezeichnet haben. Die sind Ihre Lntschlüsfe für die Zukunft?" Antwort: „Ich kann Ihnen nur erklären, daß Deutschland in jedem Falle — er unterstrich die Worte „in jedem Falle" mit einer besonders geschlossenen Geste seiner Hand — das durchführen wird, was für feine nationale Verteidigung notwendig ist." „Auf jeden Fall, Herr General?" „Jawohl, auf jeden Fall. Dir lassen es uns nicht mehr weiter gefallen, als eine Nation zweiter Klasse behandelt zu werden." Kamps her wirssÄasWMchen Mutlosigkeit. Reichsarbeitsminister Schaeffer spricht über den sozialen Gedanken im Wirtschastsplan des Reichskabinetts. Berlin, 6. Sept. (WTB.) Reichsarbeitsminister Dr. Schaeffer hielt im Rundfunk eine Rede, in der er betonte, daß die Volkswirtschaft bei ihrem dreijährigen Niedergang jetzt die Talsohle erreicht habe. Sogar die Zweifler stellten nicht mehr in Abrede, daß der Fall an Geschwindigkeit und Wucht nachgelassen hat. Dieser Wandel in der Grundstimmung sei zum guten Teile die Frucht der Verhandlungen von Lausanne. Das deutsche Volk steht jetzt vor zwei Möglichkeiten: Ent- weder man wartet mit ohnmächtiger Resignation ab, bis der Rückgang in Absatz, Erzeugung und Beschäftigung selbsttätig sein Ende findet, das bedeutet einstweilige Fortdauer von NotundElend und wäre nur ein anderer Ausdruck für die Ohnmacht der Staatsgewalt gegenüber den Vorgängen in der Wirtschaft oder man hält es für notwendig und zeitgemäß, wirtschaftliche und s ö z i a 1 p o 1 i t s ch e Hebel anzusetzen, um den Wirtschaftsapparat über d e n toten Punkt zu bringen und wieder in Gang zu setzen. Die Reichsregierung hat sich für die Zweite Alternative entschieden. Trotz der verhältnismäßigen Gunst der Jahreszeit zählen die Arbeitsämter noch 5,4 Millionen Arbeitslose. Mit dem Eintritt der rauhen Jahreszeit wird, wenn nicht Durchgreifendes geschieht, die Arbeitslosenzahl von neuem fta r f an | chwe11 en. Die Reichsregierung weiß, daß für den vermehrten Bedarf im Winter die niedrigen Sätze der Unterstützung nicht ausreichen. Der Haushalt der öffentlichen Hand wird sich auf eine angemessene Erhöhung der Unter stützungssätze einrichten müssen. Es ist daher erforderlich, daß vorher eine große Bresche in die sich immer höher türmende Mauer der Arbeitslosigkeit gelegt wird. Dafür scheint der gegen« wärtige Charakter und Zeitpunkt der Wirtschasts- bcpreifion besonders geeignet zu sein. Sozial handelt, wer Arbeit schafft: Dieser Satz schließt Grund und Ziel aller Maßnahmen der Reichsregierung in sich. Es ist ein Irrtum, anzunehmen, der Steuer» nach l atz sei eine reine Zuwendung an die Steuerpflichtigen. Ein solcher Irrtum könnte bei der breiten Masse eine wirtfchaftsfeindl.che Stim- mung gegen den Steuernachlaß erregen. Der Steuern ach laß ist zunächst mit der stillschweigenden Auflage beschwert, daraus eine Kredit- quelle für wirtschaftliche Zwecke zu machen Der Steuernachlah ist gerade als Voraussetzung für die Erweiterung des Arbeitsbeschaffungsprogramms gedacht. Es ist nicht zu verkennen, daß die De- schäftigungsprämie der Gefahr des Mißbrauches ausgesetzt ist. Die Reichsregierung wird aber in ausführenden und ergänzenden Vorschriften dem Mißbrauch zu begegnen wissen. Die Reichsregierung bekennt sich zur sozialen Mission des Staates gegenüber Kranken und Verletzten, Invaliden und schutzbedürftigen Arbeitern. Sie hält fest an der öffentlich-rechtlichen Arbeiterfürsorge, am gesetzlichen Arbeitsschutz, am Tarif - und Schlichtungswesen. Für die Richtung in ter Sozialpolitik ist der Wille maßgebend, den der Herr Reichspräsident am 30. August in Reudeck kundgegeben Hat: „Die Lebenshaltung der deutschen Arbeiterschaft soll gesichert und der soziale Gedanke gewahrt bleiben." Der Minister schloß: Das der Deflation eigentümliche Merkmal ist die Einschrumpfung m der Gütererzeugung, der Beschäftigung und dem Absatz. Das Schlimin ste aber ist die allgemeine Mutlosigkeit. Sie ist deshalb so gefährlich, weil sie meist länger anhält, als die realen Ursachen es nötig machen. Nachdem die Reichsregierung für eine Wirtschaftswende das Stetige getan hat, ist es vor allem Sache der wirtschaftlichen Kreise s e l b st, in der Geistesrichtung und der Grundstimmung einen Umschwung herbeizuführen. Un- sozial handelt, wer heute noch dos Mißtrauen für eine wirtschaftliche Tugend hält, sozial, wer Arbeit schafft. Ich bitte die Unternehmer, jetzt ans neue Werk zu gehen und unter Ausnutzung der dargebotenen Chancen mit Mut und Tatkraft einzugreifen. Wittschaflstagung der ÄSDAP. Straßer und Feder zur Frage der Arbeitsbeschaffung. München, 7. Sept. (LU.) 3m Braunen Haus in München begann eine Wirtschaftstagung der NSDAP., die sich in der Hauptsache mit der Arbeitsbeschaffunasfrage beschäftigte. Gregor Straßer bezeichnete nach dem Bericht im „Völkischen 'Beobachter" als eines der Hauptziele der Tagung die in den verschiedenen Abteilungen und Verbänden bisher geleistete umfassende Vorarbeit zusammenzufassen und systematisch in das Gefüge des tragenden nationalsozialisti- schen Grundgedankens einzufügen. Es komme darauf an, die heute bestehende Gefahr zu erkennen, die darin liege, daß die nationalsozialistischen Grundgedanken von anderen übernommen und mit unzureichenden Mitteln durchgeführt, bzw. sogar gefälscht, abgebogen und auf einen Seitenweg geschoben würden. Gottfried Feder führte u. a. aus, der Nationalsozialismus stehe schon an der Stelle der politischen Macht. Er müsse hineinkommen, um das Zentralproblem unserer -Zeit, nämlich die Arbeitsbeschaffung, zu lösen. Feder lehnte eine Siedlungsromantik ab und setzte sich für die Siedlung auf der Grundlage von Meliorationen und eine folgerichtige Ostraumpolitik ein, ferner für die Wichtigkeit des Straßenbaues, der Wasserkraftnutzung, der Wasserstoffwirtschaft, der Hausreparaturen usw. — Einen weiteren Gegenstand der Aussprache bildete das Handelsvertragswesen, das Kontingentierungssystem, die Notwendigkeit der Flußregulierungen und Hochwasserschutzbauten, die Herabsetzung des überhohen Zinsfußes und die Abschnürung des Va- lutaduinpings als Voraussetzung einer zusätzlichen Arbeitsbeschaffung. Dr.-3ng. Lawaczek verbreitete sich über die nationalen Aufgaben der Technik. öie Deutsche Volkspartei zur Wirtschafisverordnung. Berlin, 6. Sept. (TU.) 3n einer Sitzung des Parteivorstandes sowie der volksparteilichen Abgeordneten des Reichstages und des Preußischen Landtages wurde eine Entschließung gefaßt, die den Versuch der Reichsregierung begrüßt, die deutsche Wirtschaft aus der Erstarrung zu befreien und den Fluch der Arbeitslosigkeit zu lindern. Die Wiedereinführung der Bürgersteuer wird bedauert und die! Erwartung ausgesprochen, daß die sozialpolitischen Vollmachten keine unerträgliche Verschlimmerung der Lebenshaltung der Arbeitnehmer und Rentenempfänger zur Folge haben. Das deutsche Volk würde um die heute nach langen Entbehrungen sich regenden Hoffnungen betrogen werden, wenn es einseitigem parteipolitischem Machtwillen gelingen könnte, die alle Kräfte der Nation erfordernde Aufbauarbeit durch politischen Kampf erneut zu gefährden. Die Entschließung warnt davor, das Werk etwa dadurch zu gefährden, daß zu Maßnahmen gegriffen wird, die eine Absperrung des Auslan'ds- Marktes zur Folge haben könnten. Dem Reichspräsidenten wird der Dank für seine entschlossene und weise Führung ausgesprochen und ihm ver- sichert; daß die Deutsche Volkspartei in unverbrüchlichem Vertrauen zu ihm stehe. Sekunde der Erinnerung. Haben Sie mal etwas vom Gesetz der Serie gehört? Manche schwören darauf. Etliche halten es für ausgemachten Unfug. Wie dem auch sei: es soll hier nicht entschieden werden. Merkwürdig ist jedenfalls Folgendes. Jeden Morgen wird einem eine Handvoll schmaler Papierstreifen auf den Schreibtisch gelegt: das Papier ist meist weiß, manchmal auch grün oder rot, und es ist schwarz bedruckt mit Meldungen, Telegrammen, Funksprüchen. Die müssen zurechtgemacht werden für die Rubrik „Aus aller Welt". Ein raschelndes kleines Häufchen Papier, beschrieben mit dem Neuesten, was sich in den letzten vierundzwanzig Stunden in allen Gegenden der Erdkugel zugetragen hat. „Schicksale, gebündelt". Helle und dunkle, heitere und traurige Begebenheiten. Aber die dunklen und traurigen überwiegen leider bei weitem. Was das Merkwürdige dabei ist? Die Volksweisheit drückt sich so aus: ein Unglück kommt selten allein. Und an manchem Morgen hat man das Gefühl, als ob etwas daran sei. Flugzeugunglück, Grohfeuer, Ciserrbahnkatastrophe, Absturz in den Bergen, Autozusammenstotz, Schiffsuntergang, Schmuggler-Geschichten, Pilzvergiftung, Devisenschiebung, Ueberschwemmung, Kinderlähmung, Aaubüberfall. Eine Verlustliste ohne An- fcmg und ohne Ende. Wer sich die Mühe nimmt, die Meldungen einer einzigen Woche zusammenzustellen und zu vergleichen, dem wird die verzweifelte Eintönigkeit, die bestürzende Hartnäckigkeit nicht verborgen bleiben, mit der sich das Schicksal ost seine Opfer aussucht ... in aller Welt. • Das gleitet dir so Tag für Tag durch die Hände: kleine raschelnde Papierstreifen, Chronik des Unglücks und des Elends, voller Blut und Tod und Tränen. Man möchte aufatmen, wenn hier oder dort einer mit dem Leben und mit dem Schrecken davonaekommen ist: wenn das große Los wieder einmal an kleine Leute fällt, Sie es gebrauchen können: wenn dem Obersten Lindbergh ein Sohn geboren wird: wenn sie einen Abgestürzten aus der Gletscherspalte geborgen haben, oder schlafende Kinder aus einem brennenden Haus. Aber meistens hat man gar keine Zeit, sich mit priva- tcu Gennitsbewegungen aufzuhalten. Dienst ist Dienst, die Maschinen brauchen Stoff, die Rotation frißt Papier. Garrz selten einmal geschieht es, daß du aus dem Gleichmaß der Arbeit, die Schnelligkeit und Sozialgesinnung als Aufgabe! Die Voraussetzung für die Ertämpfung der innen- und außenpolitischen Freiheit Deutschlands ist die Herstellung des Wirtschaftsfriedens. Ein Volk, dessen eine Hälfte sich von der anderen Hälfte unterdrückt fühlt und in seiner Seele Haß aufspeichert gegen den eigenen Volksgenossen, der ihm nicht als blutverbundener Bruder, sondern als tückischer Ausbeuter erscheint, ist unfähig, seine Mission zu erfüllen. Der Wirlschaftsfrie.en aber ist wiederum abhängig von einer Regelung der sozialen Frage. Eine Regierung, die es nicht versteht, das Nationale . mit dem Sozialen innerlich zu verbinden und es sowohl in der Staats- als auch in der Wirtschaftsordnung praktisch zu verwirklichen, wird über kurz oder lang scheitern. Von allen -Vorwürfen gegen das Präsidialkabinett Papen-Schleicher, es regiere autokratisch, es frage nicht nach dem Mehrheitswillen und wie die Anwürfe sonst noch lauten, ist nur derjenige ernst zu nehmen, der aus dem Munde der Nationalsozialisten ebenso ertönt wie aus dem Munde der Sozialdemokraten, und der behauptet, das Kabinett von Papen sei „der Hort der sozialen R e a k t i o n". Wer ist heute im Deutschland der sieben Millionen Arbeitslosen wahrhaft sozial? Nur derjenige, der Arbeit schafft, und zwar in solchen Formen schafft, die die Würde des Menschen nicht verletzen und nicht das Gefühl einer aussichtslosen Sklaverei aufkommen lassen. Es ist das hohe Verdienst des Reichspräsidenten von Hindenburg, daß er immer und immer wieder, und auch jetzt bei der Veröffentlichung der Notverordnungen, auf die unerläßlichen Voraussetzungen in sozialer Hinsicht hingewiesen hat, die allein eine Auflockerung des Tarifrechtes rechtfertigen. 3n feiner Sonntagsrede in Münster hat der Reichskanzler von Opfern gesprochen, die dem Arbeitgeber, wie dem Arbeitnehmer im 3ntereffe der darbenden und arbeitslosen Volksgenossen aufgelegt werden müßten. Es ist jedoch ein ungeheurer Unterschied in der Fühlbarkeit des Opfers, ob dem Generaldirektor eines staatlich subventionierten Betriebes das Iahres- gehalt von 100 000 Mk. auf 40 000 Mk. beschränkt wird oder ob ein Arbeiter das an und für sich schon geringe Tarifeinkommen gekürzt erhält. Eine wirtschaftliche Ordnung, welche die Hauptlasten der breiten Masse des werktätigen Volkes aufbürdet, ist unsozial. Darüber helfen alle schönen Reden nicht hinweg. 3n dem Anreiz für die Betriebe, die Tariflöhne unterbieten zu dürfen, wenn neue Arbeiter in Söheren Mengen eingestellt werden, liegt zweisel- s eine soziale Gefahrenquelle. Ein Staat, der alles nur dem guten Willen seiner Bürger überläßt, und der auf scharfe gesetzliche Kontrollen verzichtet, kann leicht Rückschläge erleiden. Auch bei der Ausgabe der Steueranrechnungsscheine scheint sich der Staat etwas allzu sehr auf die menschliche iln* eigennützigkeit verlassen zu haben. Es besteht einstweilen keine Möglichkeit, die im Prinzip als zusätzliches Geldmittel gedachten Steueranrechnungsscheine auch wirklich in dem Umlauf der Wirtschaft gelangen zu lassen. Eine größere staatliche Initiative gegenüber dem unkontrollierbaren und von den großen Staatsmännern der Geschichte immer etwas skeptisch angesehenen „guten Willen" wäre, wie es die Ereignisse bald beweisen werden, erheblich sozialer gewesen. Aber schließlich kann soziale Gesinnung niemals durch Verordnungen ausgezwungen werden, und der Staat hat lediglich dafür Sorge zu tragen, daß sich eine unsoziale Gesinnung nicht zum Schaden der Volksgemeinschaft auswirken kann. Ob es hier ohne neue Notverordnungen abgeht, muß abgewartet werden. Wir stellten fest: sozial ist, wer Arbeit in menschenwürdigen Formen schafft! Da aber menschlicher Voraussicht nach die Arbeitslosigkeit in den nächsten Jahren nicht voll überwunden werden kann, im nächsten Winter sogar furchtbarer in ihren Folgen fein wird als je zuvor, reicht die soziale Ausgabe für den Staat und den einzelnen heute erheblich weiter. In wenigen Wochen fallen die Blätter, und die ersten Nachtfröste lassen das Land erstarren. Der Staat muß mit einer großzügigen Arbeitslosen- Hilfsaktion hervortreten, die dem ganzen deutschen Volk den Grundsatz einhämmert, aber auch verwirklicht: „Kein Deutscher darf hungern und frierenl" Hier erwächst für die Reichswehr und die Wehrverbände, aber auch für die großen Parteien und berufsständischen Vereinigungen eine außerordentliche und dankenswerte Ausgabe. Zur Not müssen ganze Stadtteile oder ganze, von der Not besonders betroffene Gebiete aus staatlichen Feldküchen ernährt werden. Nur wenige tragen heute Schuld an ihrer Not, deshalb darf der Staat nicht schuldig werden, diese Not Mir Verzweiflung auswachsen zu lassen. Wenn der Winter dann überwunden ist, muh das Werk auf dem Wege der Arbeitsbeschaffung und Siedlung weiter fortgesetzt werden. Für ein überparteiliches Präsidial-Kabinett gibt es nur einen Weg, das Herz des Volkes zu gewinnen und dem Parteihader Einhalt zu tun. Es ist der Weg, der in die Tat um* gesetzten sozialen Gesinnung. Der Vegriff „konservativ" vermag demjenigen nicht das mindeste zu geben, der arbeitslos, hungernd und frierend in seiner kahlen Wohnung sitzt. Es gibt in Zukunft in Deutschland keine andere Aristokratie mehr, als eine Sozial-Aristokratie! Es gibt keinen anderen Nationalismus mehr, als einen sozialen Nationalismus! Wer sich dieser Erkenntnis widersetzt, über den geht das Rad der Geschichte hinweg. Wer sie jedoch meistert, dem gehört die deutsche Zukunft! Wie kam Südostemopa geholfen werden? Oie Krisis der Agrarländer auf der Konferenz von Siresa. Stresa, 6.Sept. (WDD.) Das Komitee für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Südosteuropas ist heute vormittag zusammengetreten. Der deutsche Vertreter Ministerialdirektor Posse erklärte, seiner Meinung nach liege das Hauptproblem in der Lösung der landwirtschaftlichen Schwierigkeiten, aus der sich dann auch eine Regelung der finanziellen Fragen von selber ergeben würde. Der deutsche Vertreter schlug die Gründung eines wirtschaftlichen Unterkomitees vor, um so rascher zum Ziel der Konferenz zu gelangen. Der polnische Delegierte Rose schlug vor: Schaffung von Kontingenten für den Ausfuhrüberschuß seitens der Gläubigerländer, ferner die Schaffung von Präferenzen, die aber allgemein sein müßten, um von Nutzen zu fein, und eine U rn schu ldu n g der kurzfristigen Schulden auf eine Obligationenanleihe. Diese Anleihe könne auf den Hauptgeldmärkten aufgenommen werden, und zwar für jeden Staat getrennt Der britische Gesandte Addison erklärte sodann in scharfen Worten, daß das einzige Mittel, um den lächerlichen Zustand zu' beseitigen, der gegenwärtig von Staat zu Staat einen hundertprozentigen Ausgleich der Handelsbilanzen schaffen soll, die Beseitigung der Einfuhrschwierigkeiten und vor allem die Herabsetzung der Zölle sei. Denn durch die jetzige Wirtschaftspolitik würde die Wirtschaft einfach abgewürgt. Der rumänische Handelsminister Madgearu erklärte, eine der Hauptursachen der gegenwärtigen Krise in den Agrarstaaten sei der Preissturz, der die Agrarländer besonders schwer betroffen habe. Dazu kämen «noch die allgemeine Panikstimmung und die Abwehrmaßnahmen der die Produkte der Agrarstaaten importierenden Länder. Gewährung von Präferenzen sei notwendig. Sie mühten auch lauf Vieh, Fleisch und landwirtschaftliche Erzeugnisse ausgedehnt werden Der rumänische Delegierte forderte sodann gerechte und normale Preise für die bäuerlichen Produkte: denn nur so könnte eine noch größere Verelendung der Agrarbevölkerung in Südosteuropa verhütet werden. Amerika müsse bedenken, daß es ohne eine europäische Einigung unmöglich sei, dem Schulde n d i e n st an Amerika nachzukommen. Mit dringenden Worten wies Madgearu auf die Gefahr der Insolvenz der südosteuropäischen Staaten hin. Der tschechoslowakische Delegierte Fierlin- g e r betonte, die Devisenvorschriften hätten nur andere Länder, wie z. D. die Tschechoslowakei, aus Verteidigungsgründen zu ähnlichen Maßnahmen gezwungen. Ein großer Fortschritt wäre, wenn man den Agrarstaaten die Abnahme ihrer Getreideüberschüsse garantieren könnte. Die Tschechoslowakei sei bereit, Präferenzen für agrarische Produkte zu gewähren, wenn ihr für ihre Produkte eine gleiche Behandlung zugesichert würde. Die Koaliiionsgesprache wieder ausgenommen. Brüning w.rd von Goering empfangen. B,erlin 6. Sept. (TU.) Im Reichstaa wurden am Dienstagnachmittag die Besprechungen zwischen den Nationalsozialisten und dem Zentrum wieder ausgenommen. Reichstagspräsident G o e r i n g empfing nacheinander den früheren Reichskanzler Dr. Brüning und den Reichstagsabgeordneten Dr. Bell (Zentrum). Die „Germania" nimmt in längeren Ausführungen Stellung zu den Verhandlungen des Zentrums mit der NSDAP, in Verbindung mit der Frage, ab eine Tolerierung der Reichsregierung möglich wäre. Das Blatt schreibt u. a., was die Zentrumspartei will und unternimmt, das ist der ernste und ehrliche Versuch, einen Weg ausfindig zu machen, der eine verfassungsmäßige Entwicklung gewährleistet und unter möglichst geringen Risiken eine Entspannung und Stabilität unserer politischen Verhältnisse zum Nutzen der wirtschaftlichen Belebung sicherstellt. Wenn jetzt dem Zentrum empfohlen wird die Regierung Papen zu tolerieren, so geht dieser Rat an Kernpunkten der politischen Krise vorbei, denn damit wäre für die Ausräumung des Konfliktes mit dem Reichstage und die Vermeidung feiner für Staat und Volk gefährlichen Folgen gar nichts gewonnen, da auch dann eine überwältigende Mehrheit noch immer geaen d i e Regierung stünde. Die entscheidende Aufgabe ist es, die negative Mehrheit in eine posiiive umzuwandeln, die bereit ist, der Führung durch eine von starker Autorität getragene Reichsregierung eine parlamentarische Basis zu geben. Das ist das Ziel, das die Zentrumspartei nicht allein, sondern nur i m Zusammenwirken mit anderen erreichen kann. Wenn es verfehlt wird, dann wird leider Größeres verfehlt, als nur die Schaffung eines ar« beitsfähigen Reichstages. Kommunisten und SPD. fordern Aufhebung der Notverordnungen. Berlin, 6. Sept. (VDZ.) Die k v rn rn u nist i s ch e F r a k t i o n hat irn Reichstag zwei Anträge eingebracht, in denen sie die sofortige Aufhebung der Verordnungen des Reichspräsidenten zur Belebung der Wirtschaft vorn 4. September 1932 und der Verordnung der Reichsregierung zur Vermehrung und Erhaltung der Arbeitsgelegenheit vom 5. September 1932 fordert. Auch die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat einen Antrag eingereicht, in dem die Aufhebung der Notverordnungen verlangt wird. Genauigkeit von dir fordert, aufgestört wirst und den Atem anhältst ... vor ein paar armseligen Zeilen auf schmalem Papier. Ganz selten einmal, vielleicht war es am 13. August. Da liegt, mit allerlei anderen, eine Meldung vor dir, aus Paris: ein Autounglück ist geschehen. Das füllt gerade zwölf Zeilen. Und während du liest, wie sich das zugetragen hat, hörst du plötzlich dein Herz schlagen, eine Erinnerung schießt dir durch den Kopf, du muht einen Augenblick den Bleistift hinlegen und es noch einmal lesen. Und dann begreifst du die sinnlose Grausamkeit dieses Einzel- schicksals: nun ist das also schreckliche und unabänderliche Wirklichkeit geworden, was du vor vierzehn Jahren um ein Haar selber aus nächster Nähe mit angesehen hättest: und was sich damals deine Phantasie nicht auszumalen wagte. Um ein paar Sekunden und ein paar Zentimeter hat es sich gehandelt. Damals hatten wir Glück und sind allesamt mit dem Schrecken davongekommen. ♦ Vor 14 Jahren: Spätwinter oder Frühjahr 1918. Auch in Frankreich. Da gehen drei deutsche Telephonisten Übers Feld mit einer dicken Kabelrolle und dünnen Stangen: Leitung legen von der Feuerstellung nach hinten. Sie kommen an eine Fahrstraße mit hochliegenden Böschungen. Graben hier ihren Pfahl ein, machen den Draht fest, schönen starken Draht, drei Millimeter wohl, viel haltbarer als der gewöhnliche, dünne, der ewig zerschossen und unzählige Male geflickt war. Ueberschreiten die Straße, rollen Draht ab — der hangt schlapp über dem Boden — und fangen an, gegenüber ein neues Loch auszuheben. Daß die unübersichtliche und tagsüber kaum befahrene Straße etwa dreißig Meter seitlich von ihnen eine scharfe Kurve macht, merkt bei der Arbeit bloß einer von den Dreien. Und auch der erst in dem Augenblick, als in voller Fahrt ein mit vier Offizieren besetztes Stabsauto (das keiner kommen hörte) aus der Kurve heraus auf die Leitung zuschießt. Ehe er's recht begreift, ist der Wagen da ... vorüber ... schon verschwunden in einer rötlichen Staubwolke hinter der nächsten Biegung. 3m alleräußersten Augenblick hat der Mann auf der Böschung das Kabel hochgerissen. Der Wagen saust drunter durch. Um Sekundenbruchteile steht der Draht, Aittemb gestrafft, ein paar Handbreit über den vier Köpfen. Dicker starker Kabeldraht. Und der Wagen macht gut und gern 60 Kilometer. Die Offiziere haben gar nicht gemerkt, in welcher Gefahr sie geschwebt hatten. Das ging alles so schnell. Wie in einem Film oder in einem bösen Traum. Die drei Soldaten haben sich ein paar Augenblicke lang stumm angesehen, und das Herz hat ihnen geschlagen. Einer von den Dreien hält vierzehn Jahre später ein Blatt Papier in der Hand ... kleines weißes Papier ...ein paar Zeilen darauf ... Paris, 12. August. -y- Jupiter in Berlin. 23on Victor Auburtin. Auf dem Potsdamer Platz in Berlin vor dem „Siechen" (wo man früher die bekannten Kasseler Rippespeer bekam) hat sich ein Astronom eingerichtet. Er besitzt ein langes Fernrohr, und dieses Fernrohr hat er auf die Königgrätzer Straße zu gewendet, in deren Verlängerung sich der Planet Jupiter befindet. Es kostet einen Groschen, wenn man einmal durch das Fernrohr sehen will. * Der Berliner ist bekanntlich eine durchaus materiell gesinnte Natur, und namentlich in den unteren Schichten ist ein beklagenswerter Mangel an idealem Interesse zu verzeichnen. So kann man es wenigstens in den fremden Zeitungen lesen. Deshalb steht hier auch immer eine Reihe von ungefähr zehn Mann, die warten und einen Groschen bezahlen wollen, um sich einen Stern zu besehen. Cs sind einfache Leute von der Straße, einige Soldaten darunter. So lange sie warten müssen, fassen sie die Sache allerdings mehr als Spaß auf, machen Witze und grinsen. Aber wenn sie an das Rohr herankommen, werden sie stille, und wer hinausgesehen hat, der grinst nicht mehr. Dabei ist zu erwägen, daß sich hier dicht nebenan ein Lichtspieltheater befindet, in dem man den Film „In der Schlinge des Inders" hätte betrachten können. ♦ Auch ich bin etwas aufgeregt, als ich an die Reihe komme und in das Fernrohr sehen darf. An dem Okular ist eine Spiegelvorrichtung angebracht, und man blickt deshalb nicht hinauf, sondern von oben hinein wie in ein Mikroskop. So sehe ich wie in einer Lupe unter mir die weihe, geheimnisvolle, ferne, beunruhigende Scheibe des Gestirns, während der Astronom mir erklärt, daß dieses der größte unter den Planeten ist, und daß er vielleicht von vernunftbegabten Wesen bewohnt wird. Um Gottes willen, lieber Mann, hoffentlich nicht. Vielmehr gewährt es einen heimlichen Reiz, au hoffen, daß diese gewaltige Welt einsam durch die Aetherstille wandelt, mit ihren schweigenden Ebenen und den Bergen im ewigen Schlaf; daß es dort keinen Krieg, keine Valuta, keine Wohnungsnot gibt. Mein Hintermann wird ungeduldig und fängt an, mich zu stoßen. Es ist ein Herr in Ledergamaschen und Automobilmütze und er will seinerseits astronomische Beobachtungen anstellen. So gibt der ferne Stern jedem eine Minute des Gedankens oder der Phantasie oder des Nichtverstehens, und er gibt es um einen Groschen, den er aber nicht selbst einzieht, sondern einem armen Menschen zusammen läßt. Es ist lange nicht so schlimm in der Welt, wie gemeinhin behauptet wird. Streit um einen platz. ©in Streit, der im Grunde genommen um nichts gebt, erheitert die Berliner. Da ist in Berlin ein Platz' der sich wachsender Beliebtheit im Verkehr ees Reichspräsidenten m 4. September 1932 isregierung zur Ser* rbeitsgelegentjeit °°m ch die sozialdemotra' einen Antrag einge* Notverordnungen Mm, hoffentlich M heimlichen , Dell einsam durch ihren schweifen !«nSchlaf: daher L keine MH- eduldig urä> sangt er U £nilltung iner^bbSaber illen, D)^gÄittfllot * $e£«tW,n K den WjJed wer- 4te. J-Znift» Ne nw 5 bestund^ , ÄJ dann ■:ä%s SS SfeS Aus der Provinzialhauptstadt. ** Unfall bei der Arbeit. Gestern gegen 19 Uhr ereignete sich auf dem Unioersitätssportplatz, auf dem gegenwärtig Planierungsarbeiten vorgenommen werden, ein Unfall. Der etwa 22jährige Arbeiter Willy Becker, Gießen, Kaplansgasse 25, geriet zwischen zwei Kippwagen und erlitt dabei einen komplizierten Unterschenkelbruch am rechten Bein. Der Verunglückte wurde sofort durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz nach der Thirur- gischen Klinik gebracht. ** Straßensperrung, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Club E. V. (2L v. D.). Gießen: Die Strecke Hartmannshain—Gedern im Zuge der Straße Hersfel^—Selters wird vom 8. September 1932 ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt: Richtung Hart- mannshain—Gedern über Volkartshain—Oberseemen, Richtung Schotten über Eichelsachsen— Glashütten bzw» Vurthards—Sichenhausen. Gießen, den 7. September 1932. Oer Mensch und das Weiter. ,Ob e- wohl morgen regnen wird?" Großvater spürt es nämlich schon in den Deinen, und das hat noch immer gestimmt." Dieser alte DolkS- alaube von der Wetteremvfindlichkeit alter Leute ist von der ernsten Wissenschaft noch vor wenigen Jahrzehnten angezweifelt worden. Heute wissen wir es besser und haben festgestellt, daß, wie die belebte Ratur überhaupt, so auch der Mensch in hohem Maße vom Wetter abhängig ist. Da ist zunächst unser« Stimmung. Dlauer Himmel und strahlender Sonnenschein machen uns froh, Regenwetter verdirbt uns die Laune. Der Frühling verleiht unserem Geiste neue Schwingen, läßt unser Kraftgefühl wachsen. Aehnliche Beobachtungen, die den Einfluß des Wetters aus den gesunden Menschen daptun. ließen sich leicht auch für alle übrigen Jahreszeiten erbringen. Allein nicht nur auf den gesunden Menschen haben Wetter unb Klima einen deutlich erkennbaren Einfluß, sondern auch eine Anzahl von Krankheiten treten mit Vorliebe und in größerer Zahl fast stets nur zu bestimmten Jahreszeiten auf, so z. D. die Kinderlähmung in den Monaten August und September, Grippe und Erkältungskrankheiten besonders im Dezember und Januar. Alte Leute sind im März besonders gefährdet uff. Sicherlich kommen für manche sog. .Saison- Krankheiten" in erster Linie natürlich eine Reihe anderer Faktoren in Betracht, aber für viele Krankheitszustände ist ein gewisser, mitbestimmender Einfluß der Witterung heute doch nicht mehr abAuIeugnen. Daß nicht nur im Ablauf des Jahre- Wetterschwankungen den Gesunden und Kranken beeinflussen, sondern daß dies auch schon durch den Wechsel von Tag und Rächt geschieht, haben neueste älntersuchungen von Prof. Hagentorn in Kowno gezeigt. Dieser Forscher beobachtete, daß den Menschen ihr letztes Stündlein meist gegen 4 Uhr morgens oder 12 Uhr mittags schlägt. Die Häufigkeit der Geburten zur Rachtzeit ist sicherlich auch kein Zufall. Worin liegt hier das große Geheimnis der Ratur? Man hat schon immer vermutet, daß in allen oben erwähnten Fällen luftelektrische Erscheinungen eine wichtige Rolle spielen könnten. Tatsächlich konnte Hagentorn feststellen, daß zu den von ihm als häufigsten Sterbestunden des Menschen gefundenen Zeiten die Luft die größte elektrische Leitfähigkeit besitzt. Und wenn auch sicherlich neben diesen luftelektrischen Erscheinungen noch eine Reihe anderer wetterbestimmender • Faktoren wie Luftdruckwirkung, Temperatur und Feuchtigkeit der Luft u. a. m. für diese Abhängigkeit unseres Lebens und Sterbens, unseres Gesunö- feins und Krankseins in Frage kommt, so ist doch« mit diesen Feststellungen der Schleier des Geheimnisses schon ein wenig gelüftet. Wie Hagentorn vermutet, dürfte die elektrische Leitfähigkeit der Lust ähnlich wie auf den Menschen auch auf die verschiedenen Bakterien und Krankheitserreger einwirken können. Hat doch schon jede Hausfrau z. D. das Sauerwerden der Milch bei Gewitterluft beobachtet. Auch das Kommen und Gehen von Epidemien, die wechselnde Schwere bestimmter Infektionskrankheiten (Scharlach, Diphtherie) lassen sich vielleicht so in gewissem Umsange erklären. Mit alledem dürfte der Wissenschaft ein neues, interessantes Forschungsgebiet erschlossen fein, das nicht nur alte Volkserfahrungen zu bestätigen und auszudeuten vermag, sondern auch neue, für die Erhaltung der Gesundheit und für die Verhütung und Bekämpfung von Krankheiten aller Art wichtige Erkenntnisse zu bringen verspricht. DKGS. Gerüchte um die Tomate. Von dcr Landwirtschaftskammer Hessen wird mitgeteilt: Gerüchte, die irgendwo auftauchen und die Gemüt: r der Menschen beunruhigen, hat es zu allen Zeiten gegeben. Keiner weih, wo sie Herkommen, keiner weiß, ob auch nur ein Tüpfelchen Wahrheit daran ist. So geht feit einiger Zeit auch das Gerücht um, der Genuß von Tomaten könne Krebserkrankungen Hervorrufen oder stehe doch in irgendeinem Zusammenhang mit dieser Geißel dor Menschheit. Das deutsche Zentral-Komitee zur Erforschung und Bekämpfung der Krebskrankheit hat sich mit der Frage beschäftigt, ob dor Genuß von Tomaten tatsächlih in ursächlichem Zusammenhänge mit der Entstehung von Krebs gebracht werden dürfe. Zur Beruhigung ängstlicher Gemüter fei festgestellt, daß die neuesten wissenschaftlichen Forschungen für diese Annahme auch nicht den geringsten Anhaltspunkt erbracht haben. 3m Gegenteil: alle Erfahrungen und die segensreichen Wirkungen des Tomatensaftes in der Säuglingspflege sprechen direkt gegen solche Beziehungen. Der Ausschuß des Zentral-Komi- tces kam nach eingehender Besprechung zu der Ueberzeugung, daß kein Grund vorliege, den Tomatengenuß für Krebsentstehung verantwortlich zu machen. Es sei daher niemand berechtigt, vor der Verwendung dieser wohlschmeckenden und nahrhaften Frucht zu warnen. Tödlicher Motorradunfall. Vor einigen Tagen nach Einbruch der Dunkelheit ereignete sich auf der Straße zwischen Klein-Linden und Dutenhofen ein Motorradunfall, dem der 39jährige Friedrich Lenz aus Allendorf (Lahn zum Opfer fiel. Der Motorradfahrer kam auf bisher ungeklärte Weife zu Fall und erlitt dabei einen schweren S ch ä d e l b r u ch , der seine sofortige Ueberführung durch die Freiwillige Sanitätskolonne Gießen in die Chirurgisch Klinik notwendig machte. Im Laufe des gestrigen Tages erlag der bedauernswerte Mann feinen Verletzungen. " Sonntags-Rückfahrkarten nach Groß-Gerau. 3n Groß-Gerau findet in der Zeit vom 10. bis 12. September ein Herbstmarkt, verbunden mit einer Ausstellung für die heimische Industrie, Landwirtschaft und das Gewerbe tatt. Außerdem tagt am 11. September die Hes- ische Presse in Groß-Gerau. Zu den Veranstaltungen können Sonntags-Rückfahrkarten von allen Orten im Umkreis von 100 Kilometer um Groß- Gerau, und darüber hinaus von allen auf hessi- chem Gebiet gelegenen Bahnhöfen nach Groß- Gerau ausgegeben werden. Die Karten gelten vom 10. September, 12 Uhr. bis 12. September, 24 Uhr, zu welchem Zeitpunkt die Rückfahrt angetreten sein muß. (Straffammer Gießen. Gießen, 6. Sept. Ein junger Maurer aus Ruppertenrod hatte bei einer Geschäftsfahrt mit dem Kraftwagen seines Großvaters in betrunkenem Zustand einen Radfahrer überfahren und derart verletzt, daß diesem die Milz entfernt werden mußte. Tas Unglück war dadurch ge- chehen, daß er nach dem Ueberholen eines anderen Autos auf der linken Straßenseite weiter- fuhr und den ihm entgegenkommenden Radfahrer überrannte. Seine Berufung wurde xurückgewie- fen; eS behält bei der vom Bezirksschöfsengevicht Gießen verhängten Strafe sein Bewenden. Das Urteil wurde auch insoweit bestätigt, als der ebenfalls betrunkene Mitfahrer freigesprochen worden war. Das Gericht entschied auch heute, daß er seiner Stellung nach keinen Einfluß auf die Lenkung des Autos hatte. Ebenfalls zurückgewiesen Wirde die Berufung eines Kraftfahrers, der wegen fahrlässiger Tötung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Ec hatte als Lenker eines Ferntrans- Ports einen Dauernwagen überholt und war zu rasch wieder nach rechts eingebogen: hierdurch war der neben dem Fuhrwerk gehende Führer von dem an dem Hauptwagen hängenden Wagen erfaßt und getötet worden. Strafmildernd kam in Betracht, daß es sich um einen ordentlichen Mann handelte, der durch die anstrengende "Berufsarbeit übermüdet war. Freigesprochen von der Anklage der Verleitung zum Meineid wurde ein Gastwirt. Eine Zeugin behauptete zwar, er habe sie zu verleiten gesucht, in einer Gerichtsverhandlung wider besseres Wissen zu beschwören, die gegen ihn erhobene Anklage wegen „Heber kneipens" der Gäste sei unbegründet: sie machte aber einen derart unzuverlässigen und unglaubhaften Eindruck, daß der Vertreter der Staatsanwaltschaft selbst Freisprechung beantragte. Ein Bücherrevisor verfolgte Berufung gegen zwei Urteile des Bezirksschöffengerichts, durch die er wegen Rückfallbetrugs zu sechs Monaten und wegen Beleidigung eines Staatsanwalts zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt worden war. Gr hatte mit dem Versprechen alsbaldiger Bezahlung sich ein Fahrrad erschwindelt, obwohl er mittellos und bereits zum Offenbarungseid geladen war: gegen den Staatsanwalt hatte er in einer Deschwerdeschrift schwere und unbegründete Vorwürfe erhoben. Die Hauptverhandlung heute hatte wieder das gleiche Ergebnis: die Berufungen wurden zurückgewiesen. Amtsgericht Gießen. Der Chauffeur Lepper, der zur Zeit m Qlümberg weilt und auf seinen Antrag vom Erscheinen in der Hauptverhandlung entbunden wurde, hat sich seinerzeit durch eine Veröffentlichung in dem „Gießener Echo", das sich als „Rachrichtenblatt der Werktätigen in Gießen und Umgegend" bezeichnete, unter Tu, Rümmer 6, 3. Jahrgang, einer außerordentlich schweren öffentlichen Beleidigung und Kreditgefährdung einer hiesigen Firma bzw. ihres Inhabers, schuldig gemacht, indem er darin in durchaus underanlaßter Weise bei dem hiesigen Stadtvorstand anfragte, ob es wahr sei, daß die Firma D. durch fingierte Aufträge die Stadt um mehrere tausend Mark geschädigt habe und ob der Stadtvorstand bereit fei, deshalb eine Untersuchung einzuleiten, in der auch die Arbeiterschaft vertreten fein müsse. An der in Frageform aufgestellten Behauptung war kein wahres Wort, und der beleidigte Alleininhaber der genannten Firma, E. D., erhob daher Privatklage. In dem ersten Verhandlungstermin wurde dem Beschuldigten trotz der Schwere der Beleidigung Gelegenheit gegeben, einer gerichtlichen Bestrafung durch einen Vergleich zu entgehen. Dieser ging dahin, daß der Beschuldigte dieDeleidigung unter dem Ausdruck des Bedauerns zurücknahm, da von den diesbezüglichen Behauptungen nicht das Geringste wahr sei. Er verpflichtete sich ferner zu geeigneten Veröffentlichungen des Vergleichs im „Echo", im „Gießener Anzeiger" und der „Oberhessischen Volkszeitung", übernahm auch alle Kosten. Der Vergleich sollte hinfällig sein, sobald der Beschuldigte seinen Verpflichtungen nicht nachkomme. Dies hat er nicht getan, und es wurde daher neuer Verhandlungstermin an- beraumt, die mit seiner Verurteilung zu zwei Wochen Gefängnis endete. Der Beleidigte ist auch befugt, das Urteil binnen zwei Wochen auf Kosten des Beschuldigten im „Gießener Anzeiger" zu veröffentlichen. Drei Chinesen, angeblich Kaufleute, die bei ihrer Festnahme erklärten, ihren Lebensunterhalt durch Hausieren zu verdienen, hatten es als Ausländer Dcrfäumt, sich bei der Polizei rechtzeitig anzumelden. Sie trugen auch feine Pässe bei sich, konnten aber eines Paßveraehens nicht überführt werden, da sie unwiderlegbar angaben, ihre Pässe befänden sich bei anderen Behörden. CEegen Übertretung der hessischen Verordnung über die Meldepflicht der Ausländer vom 12. Aug. 1921 erhielten sie Geldstrafen von je 20 Mark. Ein vierter Chinese hatte zwar einen Daß bei sich, der aber abgelaufen war. Wegen Derge^ns gegen § 1 Ziff. 1 der Verordnung über die Bestrafung von Zuwiderhandlungen gegen die Pahvorschriften vom 26. April 1923 wurde er in eine Gefängnisstrafe von einerWoche genommen. Alle Strafen wurden durch die erlittene Untersuchungshaft als bezahlt, bzw. verbüßt angesehen. Großes Arbeiisdienstwerl bei Großen-Linden. • Großen - Linden, 6. Sept. Seit 3. Mai steht eine Freiwillige Arbeitskolonne von etwa 50 Mann an der Chaussierung der durch staatlichen und Gemeindewald führenden Ranzenschneise. Der erst« Bauabschnitt ift jetzt zu Ende gegangen. Damit ist in 18 Wochen eine von jedem Vorübergehenden als gut anerkannte Arbeit geschaffen worden. Runmehr hat das Landesarbeitsamt Hessen den zweiten Bauabschnitt genehmigt, so daß weitere 50 Mann auf 15 Wochen eingesetzt werden formen. Träger der Arbeit sind das Forstamt Schiffenberg, das die technische Leitung hat, und die Gemeinde Großen-Linden. Der Iungdeutsche Orden ist Träger des Dienstes. Leider hat das Landesarbeitsamt die tägliche Vergütung für die Arbeitswilligen auf 1,60 Mark angesetzt, während es bei dem 1. Abschnitt den Höchstsatz von 2Mk. bewilligt hatte. Bundestreffen des HeffenbundeS in Friedberg. WSR. Friedberg, 5. Sept. Am kommenden Samstag und Sonntag, 10. und 11. September, findet hier das Dundestrefsen des Hessenbundes, der größten evangelisch-kirchlichen Jugendorganisation in Hessen, statt. Schon rein äußerlich wird das Tressen mit schätzungsweise 2 00 0 Teilnehmern, Jugendlichen aus allen Teilen Hessens, und mit seinen verschiedenen Veranstaltungen, wie Fackelzug, durch die altertümliche Stadt, Kurrendesingen, Festgottesdienst, Kundgebung auf der Kaiserstrahe, Masfentreiben auf der „Seewiese" usw. eindrucksvoll genug wer- den. Sein besonderes Gepräge erhält es aber als Kundgebung für die evangelische Sache und evangelische Jugend überhaupt, wodurch es eine über eine halb interne Vereinsangelegenheit weit hinausgehende Bedeutung erhält. Die kirch lichen Behörden betonen diesen Charakter der Tagung auch durch ihr in Aussicht gestelltes Erscheinen: e- soll dieses Bundesttessen unter dem Zeichen des Eichenkreuzes gerade der Gegenwart eine Mahnung sein, sich auf die tiefsten Quellen aller Kraft zu besinnen, deutsche Art im Grund des Kreuzes wurzeln zu lassen und so, jenseits aller Parteien, getrieben vom Bewußtsein letzter Verantwortung und getragen von der immerwährenden Bereitschaft zum Dienst an jedem, der seiner bedarf, für das Reue zu wirken, das sich an- bahnen will und die Rot und Ausweglosigkeit des Augenblicks beendet. OerOffenbacherJrauenmordaufgeNäri WSR. Offenbach a. M.. 6. Sept. Wie daS Polizeiamt mitteilt, ist es den gemeinsamen Bemühungen der Ermittlungsbehörden gelungen, den Mord an der Frau Kreutzer am 13. Januar dieses Jahres restlos aufzuklSren. Zwei bereits vor längerer Zeit Verhaftete haben nach anfänglichem hartnäckigem Leugnen nunmehr die Tat eingestanden. Es handelt sich um den 24jährigen Klempner Hansmann und den gleichaltrigen Musiker Distler, beide aus Offenbach. Frau Kreutzer war in ihrer, Wohnung überfallen, von den Tätern an Händen und Füßen gefesselt und mit einem Handtuch erdrosselt worden. Den Mördern fielen damals 1000 Mk. in die Hände.______________ Verantwortlich für Lokales, Provinz, Sport und Wirtschaft i. V.: S). L. Neuner. Eine Wanderung auf der^Hohenfiraß^ von Büdingen nach Fulda. Don p. Meß, Tübingen. Es ist ein Erlebnis von eigenartigem Reiz, auf den großen Straßen einer vergangenen Zeit zu wandern. Viele Stunden ist hier der Wanderer auf sich selbst angewiesen: durch mächtige Wälder, über einsame Höhen und Halden, auf Umwegen an Dörfern und Höfen vorbei führt ihn der Weg feinem Ziel entgegen. Am Herrnhaag bei Büdingen — einem geschichtlich und baugeschichtlich interessanten Orte — erreicht man die Höhe, auf welcher die .Höhest r aß e" nach Osten verläuft. Die ehemals breite Straße ist heute an dieser Stelle nur noch als schmaler Feldweg erhalten. Im Büdinger Wald — Dem ehemaligen Bannforst — ist sie größtenteils in ihrer alten Breite erhalten geblieben. Uralte Eichen und Buchen säumen den Weg. Hie und da bieten sich prachtvolle Fernblicke in die umliegenden ?r. An steilen Hängen blühen seltene Wald- icn, und auf den Wiesen am stillen Waldsee ,en stattliche Hirsche friedlich neben dem mähenden Landmann. Westlich von dem Dorfe Waldens- berg verläßt die „Hohesttaße" den Büdinger Wald und trifft zwischen den Dörfern Waldensberg und Leisenwald auf die Landstraße. Während man auf der schmalen Straße, die von Autos nur selten befahren wird, dem Dorfe Leisenwald zuschreitet, genießt man eine prachtvolle Fernsicht auf die bewaldeten Höhen des Vogelsberges. Am Eingang des Dorfes Leisenwald zeugen die großen Rundholz- Hallen von dem bedeutenden Jahrmarkt, der hier schon seit Jahrhunderten am dritten Pfingsttage ab- gehalten wird und auch heute seine Zugkraft noch nicht eingebüßt hat. Den Hauptteil des Dorfes läßt man zur Linken liegen, biegt am Backhaus rechts ab und befindet sich bald wieder auf der Höhe, die wieder eine herrliche Fernsicht gestattet. Schmucke Dörfchen mit meist einstöckigen Holzhäusern, aus dunklen Holzbalken mit hellen Gefachen und roten Dachziegeln, überragt vom Glockenturm des schlichten Kirchleins, kuscheln sich friedlich in die Wellen eines gesegneten Landes. Nach etwa einstündigem Marsche erreicht man Hitzkirchen. Die trutzige Wehrkirche mit ihrem imposanten Turm, der jahrhundertelang gleichzeitig als Glocken- und Wehrturm diente, ragt weithin sichtbar in die Lande. Nächst einer alten Mühle mit einem großen unterschlächtigen Wasserrad überschreitet man an einer Furt die Bracht und befindet sich bald wieder auf der Höhe in einer echten Sögels- berglandschaft. Die Straße von Höfen nach Hettersroth wird überschritten und in schöner Einsamkeit geht es stundenlang auf prachtvollem Waldweg nordöstlich bis Fischborn. Unter der alten Dorflinde am Friedhöfe bietet sich Gelegenheit zur Rast und Umschau. Man sieht es dem bescheidenen Vogelsberg-Dörfchen nicht an, daß hier ein mid)tiger Lebensnerv der Großstadt Frankfurt ansetzt; die Frankfurter Wasserleitung. Eine Besichtigung der interessanten Quellkammern kann sehr empfohlen werden. Prachtvoll ist die Fernsicht, die man von der Höhe östlich von Fischborn nach Süden und Osten hin genießt. Man überschreitet hier die neue Bahnlinie von Birstein nach Hartmannshain. Leider ist aber an dieser Stelle die ,Hohestraße" durch Bahnbau und Feldbereinigung zerstört worden. Strecken- weise folgt der neue Bahnkörper dem Verlaufe der alten Straße, die erst wieder nördlich von dem Berge „Steinrödern" bei Ober-Reichenbach als solche zu erkennen ist. Auch in der Waldgemarkung „Am hohen Roth" und in der Feldgemarkung Radmühl hat man den Verlauf der alten Straße geändert. Am „Helgenstock" bei Radmühl bietet sich Gelegenheit zu einem umfassenden Rundblick. Das Dorf selbst ist deshalb interessant, weil es durch die preußisch-hessische Grenze in zwei Teile geteilt wird, wovon jeder Teil, bei etwa 100 bis 150 Einwohnern, seine eigene Verwaltung und Schule hat. Don Radmühl aus verläuft die „Hohestraße" in fast gerader Richtung nordöstlich bis Reichlos. Auf der Strecke von der Straßengabel „Am Fuchsloch" bei Radmühl bis zur Kreuzung mit der Straße von Nieder-Moos nach Freien-Steinau ist sie unverändert erhalten geblieben. Als ein mit weicher Grasnarbe bewachsener Weg, von zabllosen Basalt- finblingen und hohen Heckenrainen flankiert, zieht sie sich über die Höhen dahin. Man wird nicht müde, die herrlichen Ausblicke in das Salztal, nach den Mooser Teichen oder bis zur Herchenhainer Höhe und zum Taufstein zu bewundern. Nach Ueberschrei» tung der Straße von Nieder-Moos nach Freiensteinau verläuft die .Hohestraße" durch eine Lichtung am Scheuerwald vorbei. Unbeschreiblich schon ist das Bild beim Austritt aus dem Wald. Im Vor- dergrund das leicht bewegte Wasser des großen Reichloser Teiches, dahinter, sanft ansteigend aus- gedehnte Weideflächen mit buntscheckigem Vogels- berger Vieh, und oben am Horizont das schmucke Dörfchen im schönsten heimischen Charakter. Hinter Reichlos verläuft die .Hohestraße" am Ziegelteich und dem Reichloser Wald vorbei. Die Straße führt auf dis Höhe der Bornheide, am Buckenhof vorbei. überquert am Neuhofer Forst die Straße von Brandlos nach Hauswurz und bringt nun nach Osten in den mächtigen (Siefeier Forst ein. Stundenlang geht es nun auf der alten Straße durch den Gieseler Forst dem Ziel entgegen. Um diesen Wald richtig zu erleben, muß man ihn ohne Führer mit drohenden Gewitterwolken im Rücken durchwandern, muß seststellen, daß die Karten nicht stimmen, die Schrecken eines Irrweges und eines Nachtlagers im dunklen Wald vor Augen haben. Dann erscheint dem Wanderer nach bangen Stunden am Ausgange des Gieseler Forstes wie eine Fata Morgana das Bild der türmerreichen Bischofsstadt Fulda in greifbarer Nähe. Die Bewohner des Dorf- chcns Giesel findet man im Hochsommer größtenteils im Gieseler Forst bei der „Schwarzbeerenernte". Don Giesel aus geht der Marsch durch ein lieb- liches Tal über Niederrode und Sickels nach Fulda. Der Eindruck, den man von den näheren Höhen aus von der barocken Stadt gewinnt, ist überwältigend Die Türme des herrlichen Domes, der Michaelskirche, der Benediktiner-Nonnenkirche, der Franziskanerkirche am Frauenberge, der Stadtpfarr- kirche u. a. grüßen den Wanderer und lassen schon aus der Ferne erkennen, welche Schätze von Sehenswürdigkeiten der Bewunderung harren. Zweitägige Westerwaldwanderung. 1. Tag: Rieder-Dresselndorf — Salzburger stopf — Lrbach — Hachenburg. Diese überaus lohnende Wanderung führt uns am ersten Tag über den Hohen Westerwald, am zweiten durch die Kroppacher Schweiz. Als Ausgangspunkt wählen wir zweckmäßig Nieder-Dres- felnborf, eine Station der Gießen—Kölner Strecke. Von hier wandern wir auf guter Landstraße über Liebenscheid nach Neukirch (628 Meter) den höchst- bcwohnten Ort des Gebirges. Unterwegs kommen wir an großen, mit unzähligen Basaltblöcken versehenen Viehweiden vorbei, die von dem kleinen, aber kräftigen Westerwälder Rindvieh belebt sind. Auch die für das Gebirge charakteristischen Schutzgehege, breite Tannenhccken, welche die hochgelegenen Dörfer gegen rauhe Winde und Schneestürme schützen, finden wir hier. In kurzem Anstieg er- reichen wir von Neukirch den zweithöchsten Berg des Westerwalds, den Salzburger Kopf (654 Me- ter), von dessen Plateau sich eine großartige Fernsicht auf Taunus, Eifel, Hunsrück, Siebengebirge usw. bietet. Blaue Striche leiten uns von hier über die echten Westerwalddörfer Hos und Bach mit typischen Bauernhäusern nach dem als Sommerfrische rühmlichst bekannten, reizvoll gelegenen Marienberg. Nach einer Erholungspause in einem der guten Gasthäuser gehen wir nunmehr blauen Dreiecken nach über Zinheim, Hardt und die Hardter Mühle nach Erbach, wo wir die imposante, 260 Meter lange, 32 Meter hohe Eisenbahn- brücke bewundern können. Von hier benutzen wir die Bahn, die uns in einer Viertelstunde nach dem Endziel des ersten Tages, dem anmutig gelegenen, von einem mächtigen Schloß bekrönten Hachenburg, der Gartenstadt des Westerwalds, brinat. Wir nehmen in einem der sauberen Gasthäuser Quartier und besichtigen noch das schöne Städtchen mit mancherlei Sehenswürdigkeiten, vor allem das Schloß mit dem prächtigen, wohlgepflegten Schloßgarten. 2. Tag: Hachenburg — stloster THarienffalt — kroppacher Schweiz — Wissen. Am andern Morgen wandern wir zunächst nach dem herrlich im Nistertal gelegenen Kloster Ma- rienstatt, einer uralten Cisterzienserabtei, einem der schönsten Punkte des Westerwalds. Nach der Be- sichtigung folgen wir der vom Westerwaldverein angelegten Wanderstrecke 4a, die uns jetzt in das romantische Nistertal, die sog. Kroppacher Schwei) führt. Don einem vorspringenden Felsen bietet sich noch ein prächtiger Blick auf die Klosteranlage: weiter geht cs der Großen Nister abwärts. In vielfachen Krümmungen bald unten am Bach, der einigemale überschritten wird, bald hoch über dem Tal geht der Weg, immer neue reizvolle Land- schaftsbilder gewährend. Wir durchwandern die stillen Dörfchen Heimborn, Hartenberg, Ehrlich und Stein, die wie eingeklemmt an hohen Felsen liegen. Kurz hinter Stein liegt etwas abseits die Spitzelei, ein wunderschöner Aussichtspunkt hoch über der Nister, den wir nicht versäumen dürfen. Das Zeichen führt uns weiter über den Stauten» köpf nach Bürbach und von da vorwiegend durch Wald nach unserem Endziel Wissen a. d. Sieg (Station der Köln—Gießener Bahn). Wanderzeit am ersten und zweiten Tag je 5)4 Stunden. S.J.4pori II. leichiaihleiische Wettkämpfe des MTB. Der Männerturnverein Gießen veranstaltet am Samstag und am Sonntag (10. und 11. September) feine zweiten leichtathletischen Wettkämpfe, bie auch in diesem Jahre wieder bei aller Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Gegenwart ein erfreuliches Meldeergebnis zu verzeichnen haben. Turner und Sportler werden sich im Wettkampf messen. Namhafte Vereine entsenden ihre besten Leichtathleten. Bisher liegen von nahezu 40 Vereinen Meldungen vor. Der Frankfurter Sportverein wird durch die bekannten Springer Holbein und Witte sowie mit seiner Damenstaffel (Dezirksmeister- schaftsstaffel) vertreten sein; die Turngemeinde Rödelheim entsendet u. a. den mehrfachen Kreismeister Junker; der ehemalige Mtver Roth- ermel sowie Schneider, Rüsselsheim (letzterer ausgezeichnet im Kugelstoßen, 3. bei den Deutschen Leichtathletikmeisterschaften), werden für den PSV. Darmstadt starten. Die Turngemcinde Darmstadt wird 12 Teilnehmer entsenden, Leichtathleten des Hanauer Turn- und Fechtklubs sind gemeldet, VfB. Marburg entsendet den Läufer Krück. Der Turnverein „Vorwärts" Dockenheim hat seine Teilnahme zugesagt, VfL. Wetzlar wird mit starkem Aufgebot erscheinen, die Spielvereinigung 1900 ist sehr stark beteiligt, OSC. Gießen hat ebenfalls einige vorzügliche Sportler in den Wettbewerben. Die Vorbereitungen für die große Veranstaltung sind zum großen Teil getroffen. Die Wettkämpfe beginnen bereits am Samstag mit den Wettbewerben der Jugendlichen, am Sonntagvormiltag werden die Drei-Kämpfe ausgetragen, sowie Vor- und zum Teil auch schon Entscheidungskämpfe in allen Klassen bestritten. Am Rachmittag folgen die hauptsächlichsten Entscheidungen. Indien siegt zweistellig. Rorddeutschland im Hockey mit 14:2 Toren geschlagen. Einen neuen großen Erfolg erzielte die indisch« „Wunder-Mannschaft" am Montag in Hamburg gegen eine Auswahlmannschaft von Rord- deutschland. Dor 8000 Zuschauern errangen sie einen hohen 14:2°Si«g. Rorddeutschland schoß zwar in den ersten Minuten das erste Tor, mußte sich dann aber der hohen Kunst der Inder restlos beugen. Die Inder faszinierten wie immer so auch diesmal wieder durch ihr wundervolles Zusammenspiel, ihre akrobatisch anmutende Stocktechnik und ihr unvergleichliches Laufvermögen. Kurze Sportnotizen. Frl. Hammer/ Schwenker gewannen bei den tschechischen Tennismeisterschaften in Prag das Gemischte Doppel gegen Frau Deutsch/Hecht 1:6, 6:4, 6:2, und holten damit einen weiteren Meistertitel nach Deutschland. * Englands Fußballmeister, Everton Liverpool, wurde im Meisterschaftsspiel von Sheffield Wednesday mit 2:1 Treffern geschlagen. Die Deutschen Kraftsport-Meisterschaften finden unter Deteiligung aller Olympiakämpfer im Ringen und Gewichtheben vom 16.—18. September in der Dortmunder Westfalenhalle statt. Eberle über die Olympiade. Interview mit dem deutschen Zehnkampf-Meister. Von Werner Weffeng. 23or mir steht in der kleidsamen Tracht der deutschen Olympiakämpfer in weiter weißer Hose und knappsitzender kurzer Jacke ein blonder Hüne. Breitschultrig, braungebrannt, die Locken etwas zerzaust im lachenden, jungenhaften Gesicht ... Walrath Eberle. Deutscher Meister und dritter Preisträger im Zehnkampf in Los Angeles. Er kommt gerade von der Ehrung, die ihm sein Verein zuteil werden ließ, indem er ihm die höchste Auszeichnung des Berliner Sportklubs, die goldene Adlerplakette überreichte. „Fabelhaft, die Ozeanreise auf der .Europa', phantastisch der Empfang, der uns in Neuyork und später in allen übrigen Städten bereitet wurde, die wir auf unserer Fahrt über den amerikanischen Kontinent berührten", waren seine ersten Worte, als ich ihn darum bat, mir seine Eindrücke von der Olympiareife zu schildern. „Trotzdem wurde diese Fahrt quer durch USA. eine außerordentliche Strapaze für uns. Je südlicher wir kamen, desto heißer und trockener wurde das Klima. Als einziges Mittel, um die Hitze etwas erträglich zu machen, blieb uns, da uns kalte Getränke nur in Rationen zugestanden wurden, das Brausebad, das wir auf jeder Station nahmen. Das wurde uns am Ende auch noch verboten. Da wir natürlich auch keinerlei Trainingsmöglichkeiten hatten, ging unsere in der Heimat so sorgsam aufgebaute und auf der „Europa" erhaltene Form in erschreckendem Maße zurück. Außerdem litten viele von uns unter Kopfschmerzen. Besser wurde es erst, als wir in das mildere Klima des Westens kamen. In der Blumenstadt Pasadena wurde wir vom deutschen Konsul empfangen, der uns von Los Angelos entgegengefahren war. Und dann der Empfang in Los Angelos selbst! Im Triumphzuge wurden wir eingeholt und von einer großen Menschenmenge bis in unsere Quartiere begleitet. Man riß sich darum, uns den Aufenthalt so angenehm als möglich zu machen. Dollarbarone luden uns ein, sie in ihren Villen zu besuchen und während einiger Stunden ihr Gast zu sein. Natürlich durfte hierdurch unsere Form nid,, leiden. Scharfes Training tat deshalb not. Aber wie und wo? katastrophal war unser erstes Trainingscamp. Sportplätze, die man in Deutschland nur als sehr mittelmäßig bezeichnen würde, wären Gold dagegen gewesen. Wir siedelten deshalb sobald wie möglich in ein anderes, günstigeres über, das nur eine halbe Stunde von unserem Quartier entfernt und bequem mit dem Omnibus zu erreichen war. hier trainierte ich nun tagtäglich. Allerdings ist das ein sehr dehnbarer Begriff. Man kann z. B. nicht trainieren, wenn die Uebungsgercite dazu fehlen. Speere waren fast nie aufzutreiben, da sie der Hamburger Siewert fast alle bei seinem Training zerbrochen hatte." „Immerhin genügte Ihre Form, um die bronzene Medaille zu erringen", tröstete ich ihn. „Das wohl, aber gerade im Speerwerfen hätte ich sonst weit bessere Leistungen erzielt, als sie mir dort im entscheidenden Kampf gelangen. Pech hatte ich auch noch in den Sprungübungen, die bei den deutschen Meisterschaften in Hannover viel besser waren. Mehr als ausgeglichen wurde dieses Manko allerdings durch die guten Zeiten, die ich in den Laufübungen erzielte. Diese haben mir den dritten Platz eingebracht und mir dazu verhalfen, einen neuen deutschen Rekord aufzustellen. 8000 Punkte wollte ich erreichen, und dieses ist mir auch gelungen.“ „Woran liegt es eigentlich", fragte ich hierauf, „daß Sie als einer der wenigen deutschen Athleten im entscheidenden Augenblick fit waren, und viele unserer Olympiakämpfer nicht?! „Fit waren sie schon genau so wie ich, aber sie kämpften auf verlorenen Posten. Wenn man Eastman oder Carr die 400 Meter in einem Tempo heruntertraben sah, wie es die deutschen Teilnehmer höchstens 100 Meter durchgehalten hätten, der wußte von vornherein, daß wir in dieser Konkurrenz nichts zu bestellen hätten. Genau dasselbe Gefühl hatte man, als man Körnig gegen Tolan laufen sah, der die 100 Meter in so leichter Manier gewann, wie ich gegen Sie gewinnen würde (bann muß der Klassenunterschied allerdings sehr groß sein, denn Laufen ist gerade nicht meine starke Seite). Uneingeschränktes Lob verdient aber Ionath, der augenblicklich der beste weiße Sprinter ist und deswegen auch vom Publikum stark gefeiert wurde. DJenn hirschfeldt 10 cm hinter seiner Bestleistung zurückblieb, so ist das wohl Pech, aber durchaus kein Gradmesser für feine hohe Qualität. Weimann konnte nicht mehr als Vierter im Speerwerfen werden, und Wegener war eine große Enttäuschung. 2ln Klassen besser war auch die amerikanische 4 X 100-Meter-Staffel, die die Strecke bei schlechter Bahn ohne sich auszugeben in einer Zeit von 40,6 Sekunden gewann. Gegen diese Läufer hätten wir nie gewinnen können." „Amerika hat diese Olympiade verdient gewonnen. Gegen seine Kämpfer kam kein anderes Land, im Schwimmen Japan ausgenommen, auf." „Und doch", warf ich ein, „fällt ein Schatten auf diese Olympiade, der Fall Nurmi. Wie stellen Sie sich zu seiner Disqualifikation?" „Sie ist meiner Meinung nach zu recht erfolgt. Das belastende Material gegen ihn war erdrückend, und zwar nicht das deutsche, sondern vor allem das englische. Daher sind die Angriffe, die von verschiedenen deutschen Zeitungen gegen unsere Sportführer erhoben wurden, nicht gerechtfertigt. Wahr ist vielmehr, daß sich gerade die Deutschen sehr in ihrer Kritik zurückhielten. Die Disqualifikation Nurmis ist von der großen Mehrzahl der beteiligten Nationen befürwortet worden. Tragisch ist nur, bah man gerade bei Nurmi. dem größten Läufer aller Zeiten, dieses Exempel statuieren mußte.“ In diesem Augenblick stürmte der Sportwart des Berliner Sportklubs ins Zimmer, um Eberle daran zu mahnen, daß in der Stabhochsprungkonkurrenz schon die Höhe von 3,10 Meter erreicht sei, so daß es auch für Eberle Zeit fei, sich daran zu beteiligen. Ich konnte mich nur noch schnell bedanken und ihm wünschen, daß er 1936 die goldene Medaille in Berlin erringen möge, da war er auch schon zur Tür hinaus und stürmte mit langen Schritten über die Bahn. ZestlicherEmpfangderOlympiakämpfer 3n München ... Am Montagnachmittag trafen die beiden letzten Münchner Olympiateilnehmer I s m a t) r und Ehrl in der bayrischen Hauptstadt ein. Die offizielle Begrüßung, an der sich auch die übrigen Münchner Olympiakämpfer beteiligten, fand im Königssalon des Bahnhofs statt. Für die Stadt München sprach Bürgermeister Dr. Hüfner, der hervorhob, daß es eine besondere Ehre für München sei, daß sämtliche Münchner Teilnehmer bei den Olympischen Spielen mit Medaillen ausgezeichnet wurden. Für die Amerikafahrer sprach Weltmeister Jsmayr den Dank für die herzliche Begrüßung aus. In reichgefchmück- ten Automobilen wurden die Olympiakämpfer durch die Stadt gefahren, wo Taufende von Sportbegeisterten Spalier bildeten und den Olympioniken stürmisch zujubelten. In Nürnberg... lieber einen ganz großartigen Empfang konnten die Nürnberger Olympiateilnehmer in ihrer Heimatstadt quittieren. Der Olympiasieger Brendel, die Vierte im 100-Meter-Lauf Frl. Dollinger und die Kunstspringerin Frl. Olga Jordan, die am Montag mit dem fahrplanmäßigen Zug um 19.45 Uhr im Nürnberger Hauptbahnhof ankamen, hielten bei ihrem Zug durch die Stadt vor einer vieltausendköpfigen Menschenmenge eine Triumph- einkehr, wie sie noch selten aus einem Anlaß sportlicher Art fcftgefteUt wurde. In Dortmund... Nach fast zweimonatiger Abwesenheit ist am Montagabend der mehrfache deutsche Europameister und Olympia-Zweite von Los Angeles im Amateurringen, der Leichtgewichtler Sperling, mietet in seine Heimatstadt Dortmund zurückgekehrt. Am Bahnhof hatte sich eine nach Tausenden zählende Menschenmenge eingefunden, und auch der Zug durch die Stadt unter Vorantritt einer Musikkapelle ging im Beisein von vielen Sportsleuten vor sich. Im Hotel „Kaiserhof" fand der offizielle Empfang statt, bei dem Sperling durch Bürgermeister Hirsch im Namen der Stadt herzlich willkommen geheißen wurde. Zur Anerkennung feiner Verdienste erhielt er die Stadtplakette. Arbeiter-Turn- und Sporibund. Naunheim I — Gießen I 2:0. Gießen I war am Sonntag in Naunheim zu Gast. Man sah ein temperamentvolles Spiel. Gute Gelegenheiten wurden zwar auf beiden Seiten heraus- gearbeitet, doch klärten die ballficheren Verteidigungen immer wieder. Nach Seitenwechsel wurde schärfer gespielt. Naunheims Sturm, schußfreudiger, tarn auch bald zum ersten Tor. Auf der Gegenseite wurde zerfahrener gespielt, so daß es zu keinem Erfolge reichte. Mit einem zweiten Tor sicherte sich Naunheim, wenn auch nicht überzeugend, so doch Punkte. Wieseck I — Nieter-Florstadt I 5:3. Wieseck in veränderter Aufstellung bot ein Spiel, das ganz auf Erfolg eingestellt war. Auf und ab ging das Spiel, bis Wieseck in der achten Minute die Führung übernahm. Florstadt, überrascht, leitet nun gute Angriffe ein. Verschiedene Ecken brachten nichts ein. Zwei Strafstöße wurden vom Hüter ter Einheimischen gemeistert. Dann kam Wieseck zu einer Ecke, die gut hereingegeben und eingeköpft wird. Kurz darauf erzielte Florstadt ein Tor. Bald darauf kam es auch zum Ausgleich. Halbzeit 3:2 für Wieseck. Nach der Pause stellte Wieseck das Resultat auf 4:2. Nieter-Florstadt ging nun mächtig aus sich heraus. Die Angriffe scheiterten aber an der sicheren Abwehr. Der Sturm Wiesecks vergab einige sichere Chancen. Kurz vor Schluß kam Florstadt zum dritten Tor, Wieseck stellte aber die alte Tordifferenz wieder her. Wirtschaft. Exportförderung durch Verwendung deutscher Auslandsbonds. Berlin, 6.Sept. Während der letzten Monate konnten in beschränktem Umfange gewisse Exportdevisen für den Erwerb deutscher Auslandsbonds verwendet werden. In Zukunft gelten hierfür neue Richtlinien, nach denen das Reichswirtschaftsministerium Genehmigungen nur dann erteilen wird, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt find: Es muß sich um fest bestimmte, erst abzuschließende Einzelgeschäfte mit einem genau zu bezeichnenden ausländischen Vertragspartner und mit einem Mindestwert von 20 000 RM. handeln. Das Ausfuhrgeschäft muß zusätzlich sein. Zur Vermeidung jeder Schmälerung des Devisenaufkommens müssen der Slnteil ausländischer Erzeugnisse im Ausfuhrprodukt, sowie die an das Ausland zahlbaren Zölle, Provisionen, Frachten usw. stets an die Reichsbank zurückfließen. Nichts einzuwenden ist gegen die Finanzierung des Bondskaufes durch Verwertung von An- oder Teilzahlungen des Käufers sowie durch Aufnahme von Auslandskrediten. Auswahl und Verwertung der Bonds bleibt der einzelnen Ausfuhrfirma überlassen, ihr Erwerb im Ausland ist dagegen erst statthaft, wenn der Absatz im Inland gesichert ist. Erwerbsgenehmigungen zu Kapitalanlagezwecken werden nicht erteilt werden. Aus diesem Grunde werden auch Genehmigungen an Ausfuhrfirmen nur in dem Umfange erteilt werden können, als Bonds zu den vertraglich vorgeschriebenen Tilgungen benötigt werden. * * Die G V. her Rheinischen Stahlwerke, Essen, genehmigte unter Opposition eines Kleinaktionärs die Regularien und wählte den zurückgetretenen AR. wieder. Nach Mitteilung der Verwaltung wird die Gesellschaft für das laufende Jahr praktisch schuldenfrei fein. Die Aufnahme neuer Kredite sei nicht beabsichtigt. * Auslandauftrag der Prown Boveri AG., Mannheim. Wie uns auf Anfrage von der Brown Boveri AG., Mannheim, mitgeteilt wird, ist die Gesellschaft beauftragt worden, die gesamte Elektrifizierung der Kopenhagener Vorortnetze der dänischen Staatseisenbahnen auszuführen, lieber den Umfang des Auftrages können Angaben noch nicht gemacht werden, da über die Ausführung eines Teils des Auftrags im Jnlande selbst noch verhandelt wird. Sronffurfer Abendbörse leicht abgeschwächt. Frankfurt a. M., 6. Sept. An der Abend- börse lagen nur noch wenig« Kauforders von der Kundschaft vor, während die Kulisse im Anschluß an den Mittagsverkehr eher weiteres Glattstellungsbedürfnis zeigte. Die Kursbildung war daher ziemlich uneinheitlich, später meist etwas schwächer. Durch feste Haltung zeichneten sich lediglich J.-G.-Farben aus, die nach einem vorbörslichen Kurs von 110,25 Prozent schließlich mit 109 Prozent um 1,50 Prozent fester gegen den Berliner Schluß zur Rotiz kamen. Leicht befestigt waren anfangs noch AEG., Gesfürel und Hapag, während Montanwerte meist angeboten und von 0,5—1 Prozent schwächer. Schwach lagen von Kunstseideaktien Bemberg mit minus 2,50 Prozent. Im Verlaufe war die Haltung schwankend, doch schloß die Börse auf Realisationen der Spekulation allgemein etwas niedriger. Am Renten markt war es ziemlich ruhig. Deutsche Anleihen waren weiterhin offeriert und auch Reichsschuldbuchforderungen gaben weiter nach. Auch im übrigen schien das Angebot zu überwiegen. 6proz. Franks. Pfandbriefbank verloren 1,50 Proz., 5,50proz. Franks. Hhp. Liquid. 0,50 Prozent. Von Industrie-Obligationen büßten 6proz. Daimler 2,75 Proz., 6proz. Voigt & Häffner 1 Proz. ein, auch Stadt-Anleihen lagen z. T. 0,50 his 1 Prozent schwächer. Reubesitz 6,15—6,20, Altbesitz 54,13—54, Schutzgebietsanleihe 4,60, Gelsenkirchen 41,50, Harpener 82,25—81,75, Phönix 28,50, Bemberg 71,50, AEG. 48,64—48,25, J.-G.- Farben 109—108,25, Schuckert 83—83,50—82,75, Hapag 21—20,50, Metallgesellschaft 40—39. Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse an. — Reichsbankdiskont 5 o. H, Lombardzinsfuß 6 v. H. Sranrfurf a.M. Berlin Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M Srantfurt a. 2)1. Berlin börse 5.9. I 6.9. 5.9. 6.9. Datum 5.9. 6.9. 5.9. 6-9. 20,13 20,5 20,5 (1 23 115 19,5 107,5 103,5 48 48,75 . . O 59,5 57,5 O 5,4 6 Banknoten. Berlin, 6. September 24,75 52,5 55,25 183 184,5 182,5 29,5 23 25 65 . . 8 125 124 Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt befchlosfenen Dividende 0 75,5 19,5 134,25 21,25 48,5 55 19,5 21,5 46 O 0 <1 5 6 O 39 57,9 28 80 78,5 83,5 148 102 78.5 92 58,5 76 19,5 136,75 40,5 81 41,5 81,75 41,4 80.5 44 79,5 39,75 141,25 75,5 62,25 134 46,9 21.5 78 91,5 58.25 76,5 65.5 136,75 0 0 Schluß- kurs 62 73,5 47 23,5 56,75 61.25 71,5 46 31 26,5 59,9 125 O !