■ /$» «' Z V ■ ti». i.' Donnerstag, 7. April 1952 Nr. 81 Erstes Blatt 182. Jahrgang Annahme von Anzeigen für die logcsnummcr bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm •Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Ne« klameanzeigen von 70 mm •Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrisi 20°, mehr. dhefrebakteur: Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh- Lange: für Feuilleton Dr.H.Tbyriot; für Öen übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Biegen. J^gen wir . ,ilh^ hwaren te1*» -t-n JSfc ad *•**£ Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monatr-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanfchliiffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: vrühl'fche Universttüls-Vuch- und Steinöruderei R. Lange in Gießen. ächriftleitung und Sefchäststtelle: Zchutitraße t. Des Reichskanzlers Wahlfeldzug für Hindenburg DeutscheLandivirtebeimAetchSprHdenten Hiller in Würzvmg, Nürnberg und Regensburg sich verfolgt. allem aber in den Gebieten, wo er bislang noch im Verzüge gewesen sei. Dies sei eine Ehrensache. Der Reichskanzler appellierte vor alle man die Frauen, zur Wahl Hindenburgs beizutragen, denn Hindenburg sei nicht nur ein Staatsmann, sondern er sei das Symbol einer Erziehung dcrIugendzurDisziplin und zur Ehrfurcht. Demgegenüber lause, wie ein prominenter Stahlhelmsührer kürzlich ausgesprochen habe, das ganze System der Rational- sozialisten daraus hinaus, die Jugend zur Disziplinlosigkeit zu erziehen. Auch dagegen gehe der Kampl. Unter dem Romen und dem Zeichen Hindenburgs gehe der kommende Kamps um Glück und Freiheit bis zum vollen Erfolg. Aach Beendigung der mit stürmischem Beisall aufgcnommenen Rede begab sich der Kanzler nod> in die A e b e n v er s a m m l u n g, um auch dort noch einmal in kurzen Worten für die monumentale Persönlichkeit Hindenburgs einzutreten, ihn 20.30 Uhr sprach Dr. Brüning dann noch in Weimar. gung auszurafsen. wäre es möglich, diese Einheit zu schaffen unter einem Reichspräsidenten, der wie Hitler ein einseitiger Parteikandidat wäre? Hein! Born Geschick ist uns ein Mann beschieden worden, in dessen politischem Denken und Erkennen es nur eines gibt: Das Vaterland. Der Kanzler ging dann zu den Derhandlungen mit Hitler und Hugenberg über und erklärte, daß beide die Chance verpaßt hätten, die ihnen bei dieser Wahl geboten worden sei. Hitler habe sich in den Schlingen eines Mannes gefangen, der ihm zumindest an politischer Raffiniertheit und Taktik wei t überlegen sei. Mit Uebertompliziertheit und Phantasien sei man unfähig, im Wirrfal der politischen Ereignisse eine klare Linie zu sehen. Cs müsse dahin kommen, im Interesse der deutschen Außenpolitik, der deutschen Wirtschaft und des finanziellen Kredits, daß Reichspräsident v. Hindenburg am nächsten Sonntag eine viel größere Stimmenzahl erhalte als zuvor: vor Keine neue Notverordnung. Eine Richtigstellung Der '.Ueichsrcgierunq. Berlin, 6. April. (WIB.) Amtlich. 3n der in Braunschweig erscheinenden „Riedersächsischen hiller-Zeilung" Rr. 3 vorn 27. März wird in einem Artikel „Reue Rolverordnung kommt" die Behauptung ausgestellt, daß Reichskanzler Dr. Brüning am 25.April eine neue Rolverordnung dem Herrn Reichspräsidenten oodegen werde. Die gleiche Behauptung hat der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Gregor Strasser in einer Rede am 10. April in Kassel ausgestellt, worin er von einer 1 Vprozentigen Gehaltskürzung und „einer unerhörten Kürzung der Renten und Arbeitslosenunterstützungen" spricht. Die von Herrn Strasser und in dem genannten Artikel ausgestellten Behauptungen entbehren jeder tatsächlichen Grundlage und beruhen aus freier Erfindung. Die etatsrechtlichen Maßnahmen, die für das Vierteljahr April/Juni 1932 notwendig wurden, find in der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten vorn 29. März 1932 vorgesehen. I r gendwelche neue La st en sind darin nicht enthalten. Vorarbeiten zu einer weiteren neuen Rotverordnung sind nicht im Gonge. Daß es m i I Hilfe von Sparmaßnahmen gelingen wird, den Etat 1 932 in Ordnung z u bringen , hat bereits der Reichsminister der Finanzen öffentlich ausgesprochen. Zentner und (Sparer bei Hindenburg. Berlin, 6. April. (111.) Reichspräsident von Hindenburg empfing am Mittwoch eine von dem Landtagsabgeordneten Oberschulrat B a u - s e r (Stuttgart) geführte Abordnung der volksrechtparteiundReichsparteisür volksrecht und Aufwertung, die die wünsche der in dieser Partei vereinigten deutschen SparerundRentner nach unbedingter Abwehr aller irgendwie gestalteter Inflatorischer Vorschläge nach Besserung des Loses der Kleinrentner, nach Reubildung inländischen Kapitals durch Wiederherstellung alten Volkvvermögens und nach Förderung der Kapilals- bildung oortrug. Die Abordnung bat den Reichspräsidenten, alle diese Fragen sowie auch ihre Zusammenhänge mit Arbeitslosigkeit und Kreditkrise durch einen besonderen Sachoersländigenausschuß prüfen und beraten zu lassen. Vertreter des Deutschen Gchrifttumes sürHindenburg. B e r l i n, 6. April. (TU. Funkspruch.) Eine größere Anzahl von Vertretern des deutschen Schrifttums und der Dichtung übergeben uns folgendes B e • kenntnis zu Hindenburg: Hindenburg ist uns Ausdruck der tief st en und besten Eigenschaften unseres Volkstums. Er besitzt die ursprüngliche Verbindung mit dem Ur- gründ der Nation, die den ersten Diener des Reiches kennzeichnen muß. Wenn er nach seinen eigenen Worten „im Bewußtsein seiner Verantwortung für das Schicksal unseres Vaterlandes" handelt, so gibt er damit zu erkennen, daß er sein Amt als eine ihm von Gott gestellte Aufgabe als wie an seinem Volke und an Gott aussaßt. Diese liefe innerliche Beziehung zu seinem Amt ist das ganz Große, daß über alle parteipolitischen Schichtungen und Schranken hinweg in Hindenburg den obersten Führer des deutschen Volkes und Reiches verkörpert. Daß das deutsche Volk im zweiten Wahlgang ein starkes Bekenntnis zu hin- benburg ablegt, sollte vö lkische Selbstverständlichkeit sein. Ernst Bac meister, Werner Bergengruen, Bruno Brehm, Otto Brües, Hans Heinrich Busse, Hans Franke (Heilbronn), Friedrich Griese, Paul Gurk, Ricarda huch, Isolde i K u r z, Gerhart Menzel, Will Erich P e u ck e r t, Eduard Reinacher, Benno Rütte neuer, Albrecht Schaeffer, Wilhelm Scharrel mann, Friedrich Alfred S ch m i d - N ö r r , I n a S e i d e l, 1 Heinz Steguroeit, Hermann Stehr Otto S t ö ß l, Leo W e i s m a n t e l, Konrad Weiß, Ernst D i e ch e r t, Joseph Winkler. Eine Mahnung der Saarländer. Saarbrücken, 6. April. (CAB ) DieDeutsch- ■ Saarländische Volkspartei, die Sozialdemokratische Partei, die W-.rtfchafts- und die Zentrumspartei des Saargebietes richten an das deutsche ! Volk folgenden Aufruf. Das Saargebiet tarnt i zwar nicht an der Reichspräsidentenwahl teil* - nehmen: wir Saarländer sprechen vor der schick- > salhaften Entscheidung des nächsten Sonntags un- - seren Brüdern und Schwestern im Reich d i e , ernste Mahnung aus: Seid einig! Wir i sind berechtigt zu dieser Mahnung. Deutsches j Schicksal i st unser Schicksal. In den großen nationalen Fragen waren wir an der - Saar einig! Diese Einigkeit hatte das Saarsagen sollen. Das schlimmste aber ist die Verquickung politischer Arbeit mit der Religion. In Millionen von Flugblättern habe man in Rord- deutschland erklärt, ich sei ein von Rom bezahlter Jesuit. Hier in katholischen Gegenden sage man, ich sei Wotan-Anbeter und Feind der Religion überhaupt. „Wir haben es schon seit langem als das Wichtigste erkannt, so betonte Hitler, daß man die Priester aus diesem politischen Kampf herausnimmt und sie wieder in die Kirche hineinbringt. Auch wir in Deutschland wollen das fertigbringen, was in dieser Beziehung der Faschismus in Italien sertig- gebracht hat. Den Generalseldmarschall von Hindenburg verehre ich und habe ihn verehrt, als die anderen ihn besudelten." Röhm bleibt Hitlers Stabschef. München, 6. April. (TU.) Die Pressestelle bei der Reichsleitung der RSDAP. verbreitet folgende Erklärung AdolfHitlers. „Aus sehr durchsichtigen Gründen wird jetzt in der Wahlzeit immer wieder das Gerücht verbreitet, daß ich beabsichtigen würde, mich von meinem Stabschef z u trennen. Demgegenüber erkläre ich ausdrücklich ein für allemal, Oberstleutnant Röhrn bleibt mein Stabs- ch e f jetzt und nach den Wahlen. An dieser Tatsache wird auch die schmutzigste und widerlichste Hetze, die vor Verfälschungen. Gesetzesverletzung und Amtsmißbrauch nicht zurück- schreckt und ihre gesetzmäßige Sühne finden wird. Reichspräsident von Hindenburg empfing im Garten seines Palais Vertreter der deutschen und österreichischen Landwirte, um ihre Auffassung über die notwendigen Maßnahmen zur Beseitigung der Agrarnöte entgegenzunehmen. E r s u r t, 6. April. (WTD.) Reichskanzler Dr. Brüning sprach am Mittwochnachmiitag in einer großen Wahlversammlung in Erfurt im Reichshallentheater. Der Kanzler erklärte, von den Versammelten stürmisch begrüßt, wenn man Millionen von Menschen in das Reich der- Träume weise, so müsse es bei den Anhängern dieser Partei später einen Rückschlag geben, dessen keine Staatsgewalt mehr Herr werden würde. Angesichts ber Behauptung, daß die Reichsregierung neue Gehaltskürzungen vorhabe, verwies der Kanzler darauf, daß die Reichsregierung kein Interesse an neuen Gehaltskürzungen ober an einem Abbau bet sozialen Leistungen habe, unb baß sie alles baran sehen werde, die Politik so zu leiten, daß neue schwere Opfer möglichst vermieden werden. Wir haben, fo führte er aus, wiederholt die Erklärung abgegeben, daß toir nicht daran denken, neue Maßnahmen im Sinne einer Deflationspolitik zu ergreifen, weil wir der Ansicht sind, daß die Kaufkraft der breiten Masse der Konsumenten schon zu sehr geschwächt worden ist und daß diese Schwächung dazu führt, daß beispielsweise trotz aufs Höch st e gesteigerter Lebens- mi ttelzölle keine Preise erzielt werden können, wie sie der Landwirt wünsche, unb baß es nur möglich gewesen ist. die Getreidepreise durch Maßnahmen der Zollpolitik so hoch zu halten, damit die deutsche Landwirtschaft nicht zerbricht. Es gibt keinen anderen Weg und es wird keinen anderen Ausweg geben, der uns in eine glücklichere Zukunft führt, als dem Volke die Wahrheit zu zeigen und nicht um Popularität zu buhlen, ein Weg, der auch einst von Friedrich dem Großen und im Freiheitskrieg gegangen werden muhte, um den Zusammenbruch der Ration zu verhindern. Ich möchte, fuhr der Kanzler fort, nicht länger verantwortlicher Staatsmann fein — und ich möchte nicht den Eindruck erwecken, als ob der Wann, für den ich nicht nur aus politischen, sondern auch aus menschlichen Gründen b i s z u m äußer st en kämpfen werde, unser Reichspräsident, auch nur einen Augenblick anderer Ansicht sein könnte —, wenn wir nicht die Pflicht erkannt hätten, olles, ulun für das Ganze, ohne Rücksicht auf Kritik und Verleumdungen. Und nur mit dieser Politik werden wir in der Lage sein, die Grundlinien unserer Außenpolitik, die wir an den Punkt herangeführt haben, wo s ch w e r st e Entscheidungen nicht nut für Deutschland, sondern für ganz Europa bevorstehen, überhaupt durchzuführen und eine Garantie zu bieten, daß in den nächsten Monaten auch Erfolge nach dieser Richtung hin erzielt werden können. Nürnberg, 6. April. (TU.) Mittwochnachmittag sprach Hitler in Würzburg. Seine Rede wurde durch Lautsprecher in weitere vierzehn Säle übertragen, so daß sie von etwa 30 000 Dersammlungsbesuchern vernommen werden konnte. Hitlers Ausführungen beschäftigten sich vorwiegend mit der Widerlegung der gegen die Rationalsozialisten gerichteten Angnsfe. Gegen 20 Uhr traf Hitler aus dem R ü r n b e r g e r Flugplatz ein. Er begab sich zur Luitpolbhalle, die wegen ilebetfüllung polizeilich gesperrt worden war. Weitere Menschenmasien warteten auf den anliegenden Wiesen und Straßen. In der Versammlung ging Hitler ebenfalls auf die gegen die RSDAP. gerichteten Behauptungen ein. Gegenüber dem Versagen des Systems, das mit seiner ganzen Wirksamkeit nur zu den heutigen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Zuständen geführt habe, pries Hitler die vorbildliche Geschlossenheit in der nationalsozialistischen Bewegung die keine soziale Krise mehr unter dem Hakenkreuz kenne die Spargroschen sichere unb die Frau in ihre 'vornehmsten Rechte und Pflichten wieder einsehe Er, Hitler, und seine ganze Bewegung seien keinem ihrer Grundsätze in den dreizehn Jahren untreu geworden. Das heutige System dagegen sei nur in seinen Schlagworten stecken geblieben. Das Ziel seiner Arbeit sei der Sieg über die schwarz-rote Koalition. Die jungen Hitlers wurden wiederholt von Beifallsstürmen unterbrochen. Rach seiner Rede begab er sich sosort nach Regensburg, wo et ebenfalls am Mittwochabend sprach. Hitler wies auch in dieser Versammlung eine Reihe von böswilligen Beschuldigungen zurück. Von der falschen Hotelrechnung angefangen, so erklärte er, bis zu dem Flugblatt, das mit einer gefälschten Unter- schrist meinen Rücktritt von der Präsidentschaftskandidatur behauptet, ist von der gegnerischen Seite mit den unmöglichsten Mitteln gegen mich gearbeitet worden. In Berlin habe ich eben noch vernommen, daß man aufs neue behauptet, em schweizerisches Konsortium hätte uns 4 Millionen Franken gegeben. (Große Heiterkeit.) Wenn der Herr Reichskanzler bei feiner Rede in Königsberg von der Rotwendigkeit der Verteidigung unserer Ostgrenzen sprechen will, so meinen wir er hätte das nicht in Königsberg, sondern in Genf nichts ändern." Rechtsanwalt Dr. Lütgebrune gibt an die Presse eine Erklärung, wonach die durch eigene Anzeige Röhms veranlaßten staats- anwaltschastlichen und richterlichen Ermittlungsverfahren ergeben hätten, daß keinerlei Verdacht einerJtrafbaren Handlung, auch nicht wegen einer Teilnahme an einem Vergehen gegen § 175 des BGB. trotz genauester Untersuchung und Prüfung vorsiege. Die Verfahren in Berlin und München seien zugunsten Röhms eingestellt. Die weitere Verbreitung der angeblichen Röhmbriefe sei durch gerichtliche Verbote unter Strafe gestellt. Verstöße gegen diese Verbote würden Unnachsicht- gebiet dem Deutschtum gerettet. Deutsche Brüder, deutsche Schwestern, stellt das Wohl des Vaterlandes über das Parteiinteresse! Seid einig in dem einen großen Wann, in Hindenburgs Eines haben wir erreicht: Den Kredit dieser Regierung und des Herrn Reichspräsidenten. Das ist von ungeheurer Bedeutung. Denn eine Währung bleibt nur Stabil, wenn eine Regierung entschlossen ist, dafür zu sorgen, daß alle öffentlichen Ausgaben auch durch wirkliche Einnahmen gedeckt bleiben. Davon hängt der Kredit der Reichsbank und aller unserer Geldinstitute ab. vor allem aber auch die Aufrechterhaltung des Glaubens der Welt an die Stabilität der Reichsmark. Und wenn Herr Hitler sich m Dresden dagegen verwahrt hat. er wolle 1 a gar keine Inflation, und wenn man von der Dinnenmark oder vom sedergeld spricht, so ist das alles nichts anderes als ein Deckname sür eine verkappte 3 nfl a tio n. Ich halte meine Behauptung aufrecht Wenn die RSDAP- auch nur fünf Prozent ihrer Ver- sprechungen wahr machen sollte, bann wackelt das Gebäude oer deutschen Mark innerhalb 1 4 2a gen, und die Mark würde überhaupt ins bodenlose hinunter s i n k e n. Wer glaubt, alle Fruchte einer harten Arbeit von mehreren Jahrzehnten auf einmal reifen leben »u können der w-rd alles Auf gebaute wieder zerstören. Glücklicherweise sei uns. fuhr der Kanzler fort, in dem Reichspräsidenten v. Hindenburg ein Mann gegeben, der alle Dinge klar und einfach sieht und der dem Ausspruch eines unserer größten Deutschen „Mehr sein als sch ei nen" besser gerecht werde als die Politiker der Kompliziertheit. Unsere Enkel wurden es eines Taqes nicht verstehen können, daß es be' dieser Reichspräsidentenwahl einen zweiten Wahlgang gegeben hat- _ Bon vornherein möchte ich, betonte Dr. öru- nina, darauf Hinweisen, daß die nächsten Wonate schwerste Nervenproben in den Verhandlungen über die Außenpolitik bringen wer- ben. Wan mutz damit rechnen, daß sich politische Dinge ereignen werden, die vorüber gehen einen fachlichen oder seelischen Rückschlag bringen könnten. Ich betone. Borübergehend dann, wenn das deutsche Volk die Kraft hat, in einem Jahre, das nach menschlichem Ermessen futScnccaf Ionen enljcheidend fein wird, sich zur Lin»- Matz 1 2695A Seiten in len Stoffen langen )r'age. Sie ein über die i f f N. N j G. Auch in Frankreich beginnt derWahlkampf. Tardieus erste Wahlrede. Paris, 6. April. (WTB.) Ministerpräsident Tardieu hat heute abend auf dem Bankett im Saal Bullier die angekündigte große politische Rede gehalten, die die Wahlkampagne einleitet. Tardieu sprach beinahe anderthalb Stunden. Er hat in seiner Rede die Leistungen der abgelaufenen Legislaturperiode 1928/32 auf den verschiedenen Gebieten der Politik, der Wirtschaft und der Finanz beleuchtet. Auhenpoli- t i sch, führte Tardieu aus, sei die erste Aufgabe die Organisierung des Friedens gewesen. Wenn es an gegenseitigem Beistand fehle, müsse man auf der Freiheit in der Bemessung der eigenen nationalen S t r e i t k r ä f t bestehen, oder aber man müsse den gegenseitigen Beistand organisieren, und dann könne man die Streitkräfte herabsetzen. Im April 1928 sei die Lage bedrohlich und heikel gewesen. Die Rheinlandbesetzung bezog sich nur noch auf die dritte Zone, was nach Ansicht des Marschalls Foch die Besetzung ihres größten Gebietsteiles und ihres militärischen Wertes beraubte. Der Dawesplan sei auch nur eine vorübergehende Lösung gewesen. Man habe die Wahl gehabt zwischen einem negativen Rationalismus, einem tollkühnen Internationalismus und als dritte Möglichkeit eine Politik der Festigkeit und Aussöhnung. Die letztere sei die Politik, die man getrieben habe. Aber der Notwendigkeit einer Politik der Liquidierung des Krieges habe sich niemand entziehen können. In den Beziehungen zu Deutschland habe Frankreich ständig seinen Derständi- aungswillen bewiesen. Es habe dafür nicht immer Dank geerntet, und deshalb haben die französische Regierung und die Mehrheit des französischen Parlaments — einschließlich der radikalen Opposition in diesem Falle — gewissen Theorien den Begriff des Vertrags und der Achtung der Unterschriften entaegengestellt. Nur die sozialistische Partei habe sich für den Internationalismus und die Preisgabe der Rechte Frankreichs eingesetzt. Allein die Hitlcrbeweaung habe bewiesen, wie falsch die sozialistische These sei. Durch den P o u n g p l a n sei eine tatsächliche Verbindung zwischen Reparationen und interalliierten Schulden hergestellt worden, so sehr, daß das Hoover- Moratorium sie nicht habe wieder trennen können. Auf der Abrüstungskonferenz sei Frankreich durch seine Vorschläge und die Bereitwilligkeit zu sofortiger Verminderung der Rüstungs- ausgaben weitergegangen als irgend ein anderes Land. Es beherrsche jetzt den Gang der Aussprache durch den Einfluß einer starken Idee. Eine Gleichheit der Rüstungen sei unmöglich. Tardieu verteidigte sodann die Finanzpolitik der letzten Legislaturperiode, die bekanntlich heftige Kritik bei den Sozialisten und den Radikal- sozialsten auslöste. Es seien nicht weniger als 47 Milliarden Goldfranken nach Frankreich geflossen. Seit 1926 habe man mehr als Dreiviertel der 20 Milliarden Franken betragenden inneren Schuld amortisiert. Taroieu gab dann eine genaue Aufstellung der Verwendung der 19 Milliarden Franken, die sich bei Beginn der Legislaturperiode, d. h. im Jahre 1926, in der Staatskasse befanden und die a u f 2 M i l l i a r° den zusammengeschrumpst sind. 1,3 Milliarden seien davon zur B e f e st i g u n g der O st - grenzen und die Vervollständigung der nationalen Ausrüstung verausgabt worden. Dreieinhalb Milliarden seien zum großen Teil für lang- fristige Kredite an Ungarn und Süd- s l a w i e n verwendet worden. Empörung in Neufundland. Eine Volksmenge belagert Regierung und Parlament, um den Rücktritt des Ministerpräsidenten zu erzwingen. Conbon, 6. April. (TU.) In St. Iohns (Reufundland) zogen etwa 15 000 Menschen vor das neufundländische Parlament. Eine Abordnung verlangte Aufklärung über eine Reihe von Beschuldigungen gegen den Ministerpräsidenten Sr.Richard Squires und einige Minister wegen Aktenfälschung über Ka- binettssihungen und wegen Betruges. Während die Abordnung verhandelte, stürmte die aufgeregte Menge unter den Rufen: „Die Regierung muß zurücktreten" und „W erst den Ministerpräsidenten in den Ha - f e n" das Gebäude. Sie zerstörten olles, was sie in den Räumen fanden. Die Türen wurden eingeschlagen, die Fenster zertrümmert, die Möbel vollkommen zerschlagen und teilweise zu den Fenstern hinausgcworfen. Es entspann sich ein Handgemenge mit den Polizisten, in dem diese unterlagen. Die Oppositionsmitglieder und der Sprecher durften das Gebäude verlassen. Der Ministerpräsident war inzwischen mit Hilfe von drei Geistlichen entflohen. Die übrigen Regierungsmitglieder hotten sich in einem Daum eingeschlossen. Bei Einbruch der Rächt verliehen die Demonstranten das Gebäude wieder, das dann von ihnen verbarrikadiert wurde, während sich immer noch die Regierungsmitglicder und sämtliche Polizisten von St. Iohns darin befanden. 4000 Menschen umlagerten das Gebäude, während der ganzen Dacht weiter. Teilweise wurde gedroht, Feuer anzulegen. Die staatlichen Alkohollager wurden gestürmt und vollkommen ausgeplündert. In den Morgenstunden des Mittwoch konnte die Ordnung wiederhergestellt werden, nachdem 300 Mann der Kriegsteilnehmerverbände aufgeboten worden waren, die die Bewachung der Straßen und Amtsgebäude übernahmen. Die Regterungsmitglieder und die Polizei konnten das Parlamentsgebäude wieder verlassen. Ein Minister hat den Gouverneur gebeten, den Ministerpräsidenten zum R ü ck t r i t t zu zwingen, um die Wenge zu beruhigen. Im Februar war der Premierminister von Arbeitslosen, die eine größere Lebensmittelration verlangten, mißhandelt worden, und kürzlich war er nach einer amtlichen Untersuchung von der Anschuldigung, S ch r i f t ft ü ck e im Zusammenhang mit der Verwaltung öffentlicher Gelder gefälscht zu haben, freigesprochen worden. Neufundland ist ein britisches Dominion an der atlantischen Küste von Kanada. Ein Gebiet von der Größe Bayerns, Württembergs und Badens zu- sammen wird nur von einer Bevölkerung bewohnt, die der Hälfte der Einwohnerzahl der Stadt Frankfurt entspricht. Wichtigste Ausfuhrprodukte sind Pa- pier und Fische. Die Hauptstadt St. Johns hat 40 000 Einwohner. Die Viennächte-Kollserenz in London. Oie Eröffnung. Einsetzung zweier Sachverständigen« Ausschüsse. London, 6. April. (111.) Line grohe schaulustige Menge halle sich in der Downingslreet eingefunden, um sich die Auffahrt der ausländischen Abordnungen zu der v l e r m ä ch l e k o n - f er e n j anzusehen. Gegen 14.20 Ahr englischer Seit erschien die französische Abordnung unter Führung des Finanzministers Flandin und kur; darauf trafen die Mitglieder der italienischen Abordnung — soweit sie nicht an dem Frühstück beim Ministerpräsidenten Macdonald keilgenommen halten — auf dem Hofe des Foreign Office ein. Sur; vor 14.30 Ahr kamen Staatssekretär v. B ü l o ro und Ministerialdirektor Posse sowie der italienische Außenminister G r a n d i mit Begleitung aus dem Hause Downingstreet 10 heraus. Ihnen folgte Handelsminister R u n c i m a n und Außenminister Sir John Simon. Als letzter kam Ministerpräsident Macdonald in Begleitung des Schahkanzlers Neville Chamberlain. Sie begaben sich in den Locarnoraum, wo sie die Abordnungen begrüßten und hierauf pünktlich um 14.30 Uhr die Sitzung über die Donaufrage im alten kabinettsraum eröffneten. Ueber die heutigen Besprechungen wurde am Ende der Rachmittagssihung folgendes Lommuniquö veröffentlicht: Cs wurde ein Ausschuß gebildet, der über die gegenwärtigen wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse der Donau st aalen sowie über die Art der für eine Lösung am besten geeigneten Maßnahmen zu berichten hat. Der Bericht soll morgen erstattet werben. Die Vertreter der vier Mächte kamen weiterhin überein, einen kleinen Sachverständigenausschuß einzusehen, der die durch den kürzlich veröffentlichten Bericht des Finanzausschusses des Völkerbundes angeschnittenen Fragen prüfen soll. Schwerwiegende Meinungsverschiedenheiten. London, 6. April. (WTB.) Reuter meldet: Wie in später Abendstunde verlautet, hat sich auf der heutigen Sitzung der Mermächtekonferenz eine Meinungsverschiedenheit zwischen Frankreich und Großbritannien einerseits und Deutschland und Italien ow dererseits herausgestellt. Der erste Ausschuß der Konferenz, der aus den Delegationsführern besteht, wird sich morgen früh bemühen, diese Meinungsverschiedenheiten ausKugleichen. Die beiden zur Diskussion stehenden Fragen sind: 1. Muß Bulgarien in die Donauföderation einbezogen werden und 2. sollen die Donauländer für sich Verhandlungen führen? Die Vertreter Frankreichs und Großbritanniens sind dafür, die in der Diermächtekonferenz erarbeiteten Vorschläge der Konferenz der Donau st aaten vorzulegen, während die deutschen und italienischen Vertreter es für notwendig halten, eine Vollkonferenz der neun beteiligten Staaten einzuberufen. Die deutschen und die italienischen Vertreter sind der Ansicht, es sei wenig wahrscheinlich daß eine richtige Lösung auf einer Konferenz der Donaustaaten allein gefunden werden könne und daß ein dort ausgearbeiteter Plan Oesterreich und Ungarn verhältnismäßig gegenüber der Kleinen Entente schwerer belasten müsse. Die Vorschläge für eine den Donaustaaten zu gewährende Hilfe bewegen sich, was Frankreich und Großbritannen anbelangt, im Rahmen finanzieller Unter st ühungen: soweit Italien und Deutschland in Frage kommen, sind sie auf Z o l l e r l e i ch t e r u n g abgestellt. Oer deutsche Standpunkt. London, 6. April. (WTB.) In deutschen Kreisen hat man von dem ersten Tag der Viermächtekonferenz den Eindruck gewonnen, daß die heutigen Verhandlungen noch kein klares Bild über den Gang der nächsten Tage abgezeichnet haben. In Erscheinung treten die Gegensätze zwischen den Geldgeber st aaten und den durch wirtschaft- liche Erwägungen beeinflußten Handelsländern. Die französischen Vorschläge gehen dahin, daß in erster Linie finanzielle Hilfe notwendig ist und daß für diese Hilfe gewisse S i - cherh eiten nötig sind. Deutscherseits ist man dagegen der Auffassung, daß finanzielle Hilfe ohne gleichzeitige wirtschaftliche Unter- stützung nur von vorübergehendem Nutzen ist. Deutschland hot vitales Interesse daran, daß der Balkanmarkt nicht zerstört, sondern gehoben wird. Es ist nicht wahrscheinlich, daß schon in London eine Antwort auf die Fragen gefunden werden wird, die technischer Natur sind. Deutschland hat darum auch den Vorschlag unterstützt, bald mit den Vertretern der zu unter st ätzenden Länder zusammenzukommen. In ähnlicher Lage befindet sich I t a I i e n. Deutschland kann sich nicht von den o st europäischen Märkten ausschließen lassen. Deutschland befindet sich in an- derer Lage als die Geldgeberländer, die natürlich noch stark den finanziellen Zusammenbruch dieser Länder befürchten. Ein solcher Zusammenbruch wäre für Deutschland natürlich auch mit Opfern und Verlusten verbunden, nicht aber in demselben Maße wie für die beiden Geldgeberländer. Auch daraus ergibt sich ein gewisser Gegensatz zwischen Italien und Deutschland auf der einen und England und Frankreich auf der anderen Seite. Oie britische Presse wenig hoffnungsvoll. London, 7. April. (ERD. Funkspruch, eigene Meldung.) Die Aussichten der gegenwärtigen Londoner Verhandlungen werden in der Presse verschiedenartig beurteilt. Am pessimistischsten äußert sich das Blatt der Arbeiteropposition, der „Daily Herald", der schreibt, wahrscheinlich werde nichts anderes übrig bleiben, als die Erörterung der Meinungsverschiedenheiten b i s zurGenfer Zusammenkunft in der nächsten Woche zu verschieben. Der deutsche Standpunkt sei ungefähr der gleiche wie der italienische gewesen, nur, daß er vielleicht noch etwas deutlicher zum Ausdruck gebracht worden sei. „Times" sagt, der Ton der gestrigen Erörterungen sei harmonisch gewesen. „Morning-Post" bezweifelt, daß die Kluft zwischen den beiden Standpunkten bei der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit noch in London überbrückt werden können. Es verlaute, daß England nach wie vor den Einschluß Bulgariens in die Donaugruppe begünstige. „Rews Chronicle" nennt den französischen Donauplan einen Tropfen auf den heißen Stein und sagt, wenn wirklich nur erstrebt werde, eine Art Dvnaufreihandel unter Ausschluß Bulgariens zu schaffen und den beteiligten Staaten als Belohnung für die einander gewährte VvAugs-- behandlung eine Anleihe von 10 Millionen Pfund zu gewähren, dann habe es keinen Zweck, britisches Gold zu verschwenden. Das einzig sichere Ergebnis eines solchen Planes würde sein, Oesterreich fiskalisch mit der Tschechoslowakei undRumänien statt mit Deutschland zu verbinden. Dies sei vielleicht ein Bestandteil der französischen, nicht aber der britischen Außenpolitik. Nervosität in Prag. Die Tschechen gegen eine Zoll« und Währungsunion der Donauläuder. Prag, 6. April. (WTB.) Im Senat erklärte Außenminister D e n e s ch, der Plan Tardieus habe das Ziel, die wirtschaftlichen Zusammenhänge teilweise wiederherzustellen. Der Minister hob hervor, daß die Tschechoslowakei nicht um finanzielle Hilfe ersuchen werde und eine solche auch nicht brauche, daß sie aber ein großes wirtschaftliches und finanzielles Interesse daran habe, daß in das Donaugebiet Geld komme, da ein großer Teil dieses Geldes für tschechoslowakische Waren nach der Tschechoslowakei fließt. Wenn sich die geplante mitteleuropäische Zusammenarbeit vielleicht jetzt verhindern lasse und wenn sie heute nicht in der geplanten $orm verwirklicht werde, werde sie morgen in einer anderen Form erfolgen. Die ganze Angelegenheit hänge weit mehr von den Großmächten ab, da sich die mitteleuropäischen Staaten wahrscheinlich leichter einigen werden. Gerüchte über den angeblichen Inhalt des Donauplanes Tardieus und über die Absicht, die Donaustaaten durch eine Währungs-, Schulden.undZollorganifation zu ver- flechten, habe in der tschechischen Presse große Erregung hervorgerufen. Es wird betont, daß diese französischen Pläne auf Unkenntnis der Verhältnisse in -den Donau- stanken zurückzuführen sind. Die Tschechoslowakei werde und könne sich an keiner derartigen Kombinationbeteiligen. — Charakteristisch ist, daß die tschechischen Zeitungen welche gestern den angeblichen Tardieu-Plan veröffentlichten b e • schlagnahmt worden sind und daß die Regie- rung ein Dementi der Nachrichten herausbrachte, in denen behauptet wird, daß über den Währungsstandard Der mitteleuropäischen Staaten verhandelt werden würde. Diese Umstände bekunden deutlich, welche Besorgnisse man in Prag vor den Wirkungen einer allzu weit gehenden Entfaltung der Tardieu- Flandinschen Pläne hat. Die tschechische öffentliche Meinung ist schon jetzt überaus nervös. Oie Sühne des Attentats auf Twar-owski. Das Schicksal der zum Tode verurteilten Stern und Wassiljew. K o w n o (über Kowno), 6. April. (TU.) Der Oberste Gerichtshof der Sowjetunion hat heute dem Präsidium des Hauptvollzugsausschusses der Sowjetunion sämtliche Akten des Attentats-Prozesses, sowie das Urteil gegen Stern und Wassiljew zur Bestätigung vorgelegt. Sollte das Präsidium von dem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch machen, so wird das Urteil im Lause von 72 Stunden durch die Wachen der OGPU. vollstreckt werden. Gestern abend sand noch eine geschlossene Gerichtssitzung statt, in der die Beziehungen zwischen Stern und Wassiljew und ihren ausländischen Auftraggebern erörtert wurden. An dieser Sitzung, die später wieder öffentlich erfolgte, nahmen auch Vertreter der deutschen Botschaft und der polnischen Gesandtschaft teil. Stern leugnete die Echtheit seiner Unterschrift bei der Untersuchungsbehörde der OGPU. ab und erst auf mehrere Fragen des Obersten Staatsanwaltes Krylenko erklärte er, daß er die Angaben zwar gemacht habe, aber die Abschrift der Anklageschrift nicht erhalten hat. Demgegenüber legte Krylenko eine Bescheinigung über die Aushändigung der Anklageschrift an Stern vor. Oer Stahlhelm sagt Zurücknahme der Ausschlüsse zu. Berlin, 6. April. (TU.) Der Reichsp rä- fident hatte sich bekanntlich wegen der Mah- regelung derjenigen Stahlhelmmitgliedsr, die sichvordemerstenWahlgangzur Reichspräsidentenwahl für Hindenburg auSge» sprachen hatten, in einem Schreiben an di- Dundesleitung des Stahlhelms gewandt. Nunmehr ist das Antwortschreiben der! Dundesleitung des Stahlhelm beim Reichspräsidenten eingetroffen. Wie von zuständiger Stells mitgeteilt wird, hat die Bundesleitung dem Reichspräsidenten in einer ben Forderung gen des Reichspräsidenten entgegenkommenden Weise geantwortet. Di- Dundesleitung hat zum Ausdruck gebracht, daß von ihr selbst keine Ausschlüsse vorgenommen worden sind. Soweit von örtlichen Unterführern Maßregelungen vorgenommen worden sein sollten, ist eine Zurücknahme in Aussicht gestellt. Aus aller Welt. Tagung bet Deutschen Bühnengenossenschafi. InDüsseld o r f begann in Anwesenheit zahlreicher Vertreter der Behörden und befreundeter Gewerkschaftsorganisationen unter der Leitung des Präsidenten Karl W a l l a u e r und des Vizepräsidenten Erich Otto die 52. Vertretertagung der Deutschen Bühnengenossenschaft. In seinen Begrüßungsworten führte-Oberbürgermeister Dr. Lehr u. a. aus, daß man über dem Schrei nach Brot nicht vergessen dürfe, daß der Mensch nicht vonDrot allein lebe. — Der Präsident des Oesterreichischen Bühi um Vereins, Kammersänger Wiedemann, forderte sodann den Einsatz aller Kräfte zum engsten organisatorischen Zusammenschluß, um die Theaterkrise zu überwinden. — Generalsekretär Ci - feier von der Internationalen Union der Schauspieler in Wien trat für Gegenseitigkeitsverträge der Regierungen in Pensionsfragen ein. — Der Vorsitzende des Afa-Dundes A u f h ü u s e r forderte konstruktive Planwirtschaft und Selbsthilfe. Bei der Erstattung des Geschäftsberichts wandte sich Vizepräsident Otto scharf gegen die Opposition der RGO. und wies darauf hin, daß die Behauptungen über einen katastrophalen Rückgang der Mitgliederzahl falsch seien. Die Forderung der RGO., die Ersparnisse der Genossenschaft an erwerbslose Schauspieler auszuzahlen, müsse a b g e l e h n t werden. Die Gerüchte über eine bedrohliche Lage der Versorgungsan st alt für Schauspieler in München entbehrten jeder Grundlage. Die Genossenschaft habe in den letzten drei Iahren zwei Millionen Mark für erwerbslose Schauspieler aufgebracht und unterhalte drei Wanderbühnen für erwerbslose Schauspieler, zu denen noch eine v'.ecte kommen solle. Cs ständen auch Verhandlungen vor dem Abschluß, die darauf abzielten, in Berlin ein eigenes Theater zu eröffnen, in dem erwerbslose Schauspieler in monatlichem Wechsel spielen sollen. Verleihung des staatlichen Beethoven-Preises. Der im Jahre 1927 vom preußischen Staatsmini st erium begründete staatliche Beethoven-Preis ist auf Vorschlag des dafür berufenen Kuratoriums von der Preußischen Akademie der Künste dem Professor Dr. h. c. Max o. Schillings verliehen worden. Kassenraub beim Elektrizitätswerk in Frankfurt a. b. Ober. Als bei Dienstschluß zwei Straßenbahnschaffner In Begleitung eines Aufsichtsbeamten d i e Tageseinnahmen zum Verwaltungsgebäude des Elektrizitätswerkes brachten, sprangen in dem Augenblick, als der Panzerschrank aufgeschlossen war, !wei maskierte Räuber aus einem Seiten- lur in den Raum, um sich durch einen räuberischen leberfaU in den Besitz der Gelder zu setzen. Der eine der Kassenschaffner warf bei dem Rufe „Hände hoch!" dem einen der Räuber eine eiserne Kassette entgegen, traf ihn jedoch nicht, da der Gegner rechtzeitig zur Seite sprang. Als die Einbrecher auf das Kassenpersonal feuerten, entstand eine plötzliche Verwirrung, während der sich die Räuber unerkannt zurückziehen konnten, da sie ein sonst verschlossenes Tor vorher schon m i t N a ch» schlüsseln geöffnet hatten. Der Nachtwächter sandte ihnen noch einige Schüsse nach, die aber ihr Ziel verfehlten. Den Räubern sind zwei kleine Kassetten mit Fahrkarten und etwa 60 Mark und eine größere Kassette mit 675 Mark in die Hände gefallen. Die Kassetten wurden am Morgen erbrochen aufgefunden. Ein Kohlendieb erschossen. In Bottrop kam es auf dem Gelände der Zeche „Vereinigte Melheim" zu einem schweren Zusammen st o ß zwischen einem Nachtwächter und Kohlendieben. Einer von ihnen streckte durch einen Schuß den Diensthund des Wächters nieder. Als er dann die Waffe gegen den Wächterselbst richtete, kam ihm dieser zuvor und gab mehrere Schüsse ab. Der Dieb erhielt einen Bauchschuß. Er ist feiner Verletzung im Krankenhaus erlegen. Die Polizei verhaftete vier weitere Kohlendiebe. Einer von ihnen lag mit einem Rückensteckschuß im Bett, den der Nachtwächter ihm bei der Schießerei beigebracht hatte. Der Bildfälscherprozeh. Der Prozeß um die Echtheit der van Gogh- Bilder begann mit der Vernehmung des Angeklagten Wacker. Er stammt aus einer Malerfamilie. Sein Vater war Landschaftsmaler: auch sein Bruder und seine Schwester haben sich als Maler betätigt. Mit 12 Iahren hat der Angeklagte, wie er weiter angab, schon Bilder seines Vaters selbständig verkauft, und mit 13 Iahren schon Wanderausstellungen geleitet. — Vorsitzender: „Hat Ihr Vater Bilder van Goghs restauriert?" — Angeklagter: „Er hat die meisten der dreißig in Frage kommenden Bilder restauriert." — Auf Vorhalt des Vorsitzenden gab der Angeklagte zu, daß schon vor 15 Iahren gegen ihn der Vorwurf erhoben worden sei, er habe einen unechten Stuck verkauft. Heber den angeblichen Erwerb der van Gogh-Bilder sagte W.: Bei einem Tanzabend in Berlin habe er einen Russen kennen gelernt, der zu ihm auch von einer Sammlung van Goghscher Bilder gesprochen habe. Wacker will aber keine näheren Angaben weder über den Russen noch über die Art des Erwerbes der Bilder machen. Die -Polizei in Bern teilte mit, daß es sich bei dem gesuchten russischen Emigranten um einen Fürsten Galatzin handeln könne. Wacker verweigert in diesem Punkte jede Aussage. Er habe die Bilder in Kommissionen übernommen unter der ehrenwörtlichen Verpflichtung, den Ramen des Vorbesihers nicht zu nennen, wozu er als Kaufmann auch nicht verpflichtet gewesen sei. In der Schweiz habe er auch Verwandt» des Sfcx* -eis JQntcn tün< b°n Öti,, t>ot. •‘•»ÄS' Bert. sä "?Ä ;WL LxtzÄL Mertchts wandt- L9Tnbie°m ÄjM hin,dah .^osrophaien^^ ata*»L ®le Wie Mi ^®!lurgungs< Cm,n München ent« ^L°"lchosthabe e Schauspieler E drei Dan. °!e Schauspieler, zu m solle. Ez standen pbW, dTdar. ln «in eigenes m dem erwerbslose Wechsel spielen sollen. Beethoven-Preise,, preußischen begründete staatliche chlag des dasür bcru« Preußischen Akademie d.c. Max o. Schil. •anffurf aAOtet. Liraßenbahnschassner Mendieia^e,' mMebäude des 6lrt« ngen in dem Augen« l ausgeschlossen war, e r aus einem Seiten« urch einen räuberischen Gelder zu setzen. Der bei dem Ruse „Hände iber eine eiserne n jedoch nicht, da der sprang. Als die Ein« nal feuerten, ent« ung, während der sich iziehen konnten, da sie >rher schon mit Mady tten, Der Nachtwächter Me nach, die aber ihr lern sind zwei kleine ib etwa 60 Mark und 75 Mark in die Hande jen am Morgen erbro« besitzerS kennengelernt und in Erfahrung gebracht, bah eine Familie in Zürich ebenfalls zwei Bilder van Goghs besah. Der Dorbesitzer selbst habe die Bilder sehr billig erworben und nur mehrere tausend Mark bezahlt. Für das teuerste, das Selbstbildnis, habe der Dorbesitzer 800 Mark gegeben. Etwa vierzehn bis sechzehn Bilder, die in schadhaftem Zustande waren, seien von seinem Bruder in Düsseldorf restauriert worden. Den Erlös aus dem Verkauf der Bilder habe er dem Dorbesitzer übergeben. Als im Herbst 1926 die Behauptung auftauchte, die Bilder seien gefälscht, hätten ihn seine Freunde gedrängt, den Namen des Dorbesttzers au nennen. Er sei zu dem Zweck in die Schweiz gefahren. Der Dorbesitzer hätte sich aber bereits aus einer Reise nach Aegypten befunden. An Zürich sei er verhaftet worden. Vom Dorbesitzer will er auch aus dem Erlös der Bilder ein Darlehen von 80 000 bis 90 000 Mark erhalten haben. Mit diesem Geld habe er die Einrichtung seines Geschäftes in der Diktorioftraße bestritten. Do X 3 flugklar. Das dritte von der Dornier-Werft Altenrhein gebaute Flugschiff Do X 3 hat seine Abnahmeflüge zur Zufriedenheit der italienischen Abnahmekommission beendet. Das Flugschiff, das wie sein Vorgänger Do X 2 f ü r das italienische Luftfahrtenunternehmen Consorzio Aerio Roma bestimmt ist, wird zum äaebersührungsfluge über die Alpen nach Italien klar gemacht. Sobald günstige Witterungsverhältnisse über den Alpen und den Apeninnen herrschen, soll gestartet werden. Die Piloten sind Chefpilot Wagner der Dornier- Werke, Kommandant Ravazzoni, der Führer von Do X 2 („Umberto Maddalena") und Kommandant Donadelli, einer der Piloten des Geschwaderfluges Dalbos nach Südamerika. Aus der provinAialbuuptstod». Gießen, den 7. April 1932. Neues Leben! Die Stare lärmten und schwatzten die ganze Zeit. Wir verstanden ihren Gesang: Der Frühling wollte kommen! Aber erst die Lerchen und die Amseln brachten ihn zu uns. Die Schneeglöckchen haben schon ausgeblüht, die Veilchen lugen schüchtern unter den Hecken hervor. Auch die kleinen zarten Stimmchen der Meisen tönen uns entgegen. Am heftigsten aber gebärdet sich der Buchfink. Immer und immer wieder versichert er unS mit seinem schmetternden Triller, daß nun der Winter vorbei ist, daß neues Leben ersteht. Blicke nur nach den Wiesen, nach den schwellenden Knospen der Bäume! Ueberall keimt und sproßt cs, und die FrühjahrSarbeit deS Landmannes beginnt. Das sonst so stille Feld wird lebendig, laute Rufe ertönen, man hört Maschinen klappern. Dort pflügt ein Bauer. Langsam, mit bedächtigen Schritten geht er hinter den Kühen her. Ab und zu ruft er dem Zugvieh ein ermunterndes Wort zu. Die Tiere sind durch die lange Winterruhe noch nicht so recht an die Arbeit des Pflügens gewöhnt. Am Ende des Ackers ruht der Bauer ein wenig, wendet langsam, und von neuem schneidet das blinkende Pflugeisen tiefe Furchen in das Erdreich. Welch köstlicher, herber Geruch strömt uns entgegen! Glänzend braun liegen die Schollen vor uns. Die Sonne beleuchtet grell die Ackererde, und schon sind zahlreiche Stare und Krähen zur Stelle, um Würmer, Engerlinge und andere Tiere, die so schön geschützt im Innern der Erde saßen, als Frühstück zu verzehren. Solch dampfendes, frisch gepflügtes Land ist das schönste Bild im Frühling. Da zieht der Pflug Furche um Furche, die Egge kommt und ebnet alles ein, und die goldene Saat wird ausgestreut. Jahr für Jahr. Cs ist etwas Herrliches um die Arbeit des Landmannes. Gott und sich selbst vertrauend bebaut er seinen Acker, sät den Samen unö pflanzt seine Früchte. Jahr für Jahr. Mögen die Zeiten noch so schlecht fein, mag überall die Arbeit ruhen, e r rastet nicht. Doll Zuversicht und voll Hoffnung auf die kommende Ernte vergißt er manche trübe Stunde in dem Bewußtsein, daß cs auch wieder aufwärts gehen wird in unferm Vaterlands. Er gedenkt der Brüder, die gern arbeiten möchten und nicht können, für sie arbeitet er. Er sorgt für unser tägliches Brot. Aus den braunen Furchen werden ball' grüne Hälmchen sprossen, neue- Leben wird da hervorquellen, wo eben noch Stare und Bachstelzen auf die Iaad gehen. Mit Liebe und Sorgfalt bestellt der Dauer sein Feld. In steter Sorge, aber auch im Vertrauen auf eine gute Ernte, umschreitet er die Aecker und freut sich, wenn im Laufe des Sommers die Frucht und die Pflanzen gedeihen und eine gute Ernte bringen. Mg. Gießener Wochenmarktpreise. • Gießen, 7. April. ES kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt daS Pfund: Kochbutter von 90 Pfennig an, Süßrahmbutter 130, Landbutter 120, Matte 25 biS 30, Wirsing, gelb, 15 bis 20, grün 25, Weißkraut 10, Rotkraut 12 bis 15, gelbe Rüben 10 biS 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 20 biS 25, Unter-Kohlrabi 5 biS 8, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat 100, Tomaten 50 bis 60, Zwiebeln 20 bis 22, Meerrettich 30 biS 60, Schwarzwurzeln 25 biS 35, Kartoffeln 4,5, Aepfel 8 bis 15, Dörrobst 25 biS 30, Honig 40 bis 45, junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80, Rüsse 35 bis 40: das Stück: Käse 5 bis 10, Tauben 60 bis 70, Eier 7, Dlumen- kohl 30 bis 70, Salat 20 bis 30. Endivien 15 bis 30, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 40; das Bund: Radieschen 15 bis 20 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 3,80 bis 4, Weißkraut 6 bis 6,50, Wirsing, gelb, 12 bis 15, grün 20 biS 22, Rotkraut 8 bis 9 Mark. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. DHB.: 20.30 Uhr, im Heim, Mitgliederversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Tabu". — Asto- ria-Lichtspiele, Seltersweg: „Giftgas" und „Launen einer schönen Frau". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Freitag, 8. April, in neuer Inszenierung das Schauspiel von Ar- thur Schnitzler „Liebelei". Ein echter Schnitzler! Spielleitung Karl H e Y s e r. Vorher „Der Verwandelte Kommödiant", ein Dersspiel aus dem deutschen Rokoko von Stefan Zweig. Die erfolgreichste dramatische Arbeit des berühmten Ro- vellisten. Spielleitung Wolfgang Kühne. 25. Vorstellung im Freitag-Abonnement zu gewöhnlichen Preisen. Beginn 19.45, Ende gegen 22.30 cklhr. — Sonntag, 10. April, 18.30 Ahr, Wiederholung des großen Operettenerfolges „Morgen geht's uns gut" als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Operettenpreisen. Ende nach 21 Ahr. — Der Kurzschriftverein von 1861 Gießen veranstaltet am kommenden Sonntag eine Werbeveranstaltuna, die den Zweck verfolgt, junge Leute auf die Bedeutung der Stenographie aufmerksam zu machen. Der Kurzschriftverein weist besonders darauf hin, daß es zur Zeit nur wenig wirklich tüchtige Stenographen gibt und mancher Geschäftsmann in Verlegenheit kommt, wenn er einen wirklich leistungsfähigen Stenographen sucht. Hier seien noch Fortkommensmöglichkeiten gegeben, die derjenige, der sich der Mühe unterziehen will, die Stenographie gründlich zu erlernen, ausnühen kann. Räheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. • ** Der neue Landeskommandant In Hessen. Mit dem 31. März ist Oberstleutnant von Kaiser vom Stabe des Infanterie-Regiments 15 der Stellung des Landeskommandanten in Hessen enthoben worden. Mit Wirkung vom 1. April wurde Oberstleutnant K l e p k e, Kommandeur des I. Bataillons Jnf.-Regts. 15 in Gießen, zum Landeskom- Mandanten in Hessen ernannt. ** Don der Landesunioersität. Der ordentliche Professor für römisches, bürgerliches und Zivilprozeßrecht an unserer Landesuniversität Dr. Rosenberg hat den an ihn ergangenen Ruf an die Universität Leipzig angenommen. Er wird dem Rufe aber erst im Herbst Folge leisten, •* Wahltransparente am nächsten (Sonntag nicht zugelassen. Das Kreisamt Gießen gibt im neuesten Amtsverkündigungsblatt bekannt: Mit Rücksicht auf den Mißbrauch, der mit nicht zugelassenen Transparenten anläßlich des ersten Wahlgangs der Reichspräsidentenwahl getrieben worden ist, werden für den zweiten Wahlgang Transparente von uns nicht zugelassen. Personen, die Transparente zum Aushang bringen, werden un- nachsichtlich zur Anzeige gebracht. •* Haftung des Arbeitgebers für die Bürger st euer der Lohn - und Ge - baltsempfänger. Die Stadtverwaltung gibt an heutigen Anzeigenteil bekannt, daß der Arbeitgeber für die Einbehaltung und Abführung der Dürgersteuer seiner Arbeitnehmer haftet. 3m Falle er seiner Verpflichtung nicht nachkommt, wird die Steuer von chm durch Haftungsbeschcid angefordert und nötigenfalls im Derwaltungs- zwanasverfahren beige trieben. " Schulbeginn inderBerufs schule. Da- Stadtschulamt gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß da- neue Schuljahr der Berufsschule am nächsten Montag beginnt. Berufsschulpflichtig werden alle Schüler und Schülerinnen, die Ostern au- der DollSschule entlassen wurden, sowie diejenigen Kinder, die aus höheren Schulen nach achtjährigem oder vor vollendetem 10. Schul« !ahr ausgetreten sind. Die interessierten Eltern eien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen. •• Die Postgebühren im Ortsverkehr. Briese und Dostkarten im Ortsverkehr werden In großer Zahl unzureichend freigemacht. Da die Empfänger die von der Post zur Erhebung kommende Rachgebühr in der Regel nicht zahlen, gelangen die Sendungen al- unzustellbar an den Absender zurück, oder sie fallen Der Vernichtung anheim, wenn der Absender nicht zu ermitteln ist. Wer sich vor Schaden, Aerger und Verdruß bewahren will, mache seine Sendungen ausreichend frei. Die Gebühren betragen für Ortsbriefe bis 20 Gramm 8 Pfennig und für Ortspostkarten 5 Pfennig. •• Fundsachen im Polizeiamt. Das Verzeichnis über die im Monat März gefundenen bzw. abgclieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur des Polizeiamt-, Landgraf- Philipp-Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufgeforbert, ihre etwaigen Rechte innerhalb zwei Monaten beim Fundoureau während der Dienststunden geltend zu machen. Weller« Lokalnachrichten Im 2. Blatt Kriegsopfer-Tagung in Gießen. Der Landesverband OberhessendeS ZentralverbandesDeutscherKriegs- beschädigterundKriegerhinterblie- b e n e r hielt am Sonntag in Gießen seine diesjährige Vertreterversammlung ab. Reben dem Geschäfts» und Kassenbericht und der Besprechung organisatorischer Fragen brachte die Tagesordnung einen Vortrag des ersten Der- bandsvorsitzenden, Kameraden Möll (Gießen). Der Geschäftsbericht des ersten Vorsitzenden ließ erkennen, daß die Derbandstätigkeit im abgelaufenen Iabre sehr stark durch die Rotverordnungen beeinflußt worden ist. Auf allen Gebieten der Versorgung wurden in erheblichem Maße Einsparungen vorgenommen, die von den Betroffenen nicht immer widerspruchslos hingenommen wurden. Während sich die Tätigkeit des Gesamtverbandes in der Hauptsache auf die Wahrung der Gesamtinterefsen der Kriegsopfer beschränkt, müssen sich die Gliederungen mehr den Cinzelinteressen annehmen. Erfreulich war es, zu Horen, daß die erzielten Erfolge bei den Dersorgungs- und Fürsorgebebörden auch im abgelaufenen Jahre nicht zurückgegangen sind. Der vom Rechner, Kamerad Schumacher, erstattete Kassenbericht zeigte gesunde Kas- senverhältnissse, die nicht zum geringsten Teil durch die sparsame Geschäftsführung des Vorstandes erzielt wurden. Von den Kassenprüfern wurde diese Tatsache besonders hervorgehoben. Rach eingehender Aussprache wurde dem Rechner und zugleich auch dem Gesamlvorstand Entlastung erteilt. Das Referat des ersten Vorsitzenden, Kameraden Möll, über „Rückblick und Ausblick in der Versorgungsgesetz, gebung" brachte nach einem kurzen Rückblick auf die Aufwärtsentwickelung der Dersorgungs- gesehgebung eingehende Ausführunaen über die seit 1929 einsehenden Abbaumaßnahmen, die in den Rotverordnungen vom Juni und Dezember 1931 ihre stärkste Auswirkung gefunden haben. Der Redner legte dar, daß sich auch in den Zeiten des Abbaues das Vorhandensein einer starken Organisation für die Kriegsopfer erfolgreich aus- gewirkt habe, denn in Wirklichkeit seien von den verschiedensten Seiten noch viel weitergehende Sparmaßnahmen beim Kriegsopferetat in Vorschlag gebracht worden. Durch den entschiedenen Abwehrkampf des Verbandes konnte zwar nicht alle-, aber doch manches Schlimme verhindert werden. Die Zeit sei aber keineswegs geeignet, bi* Hände in den Schoß zu legen, denn es gelte auch weiterhin, auf der Hut zu fein. Die VorstandSwabl ergab Wiederwahl des seitherigen Dorstanoes, Kamerad M5N erster Vorsitzender, Schulhof zweiter Vorsitzen ter, Schumacher Rechner. Auch die übrige^ VorstandSmitglieder wurden wiedcrgewählt. 3m Verlaufe der Tagung wurde besonders scharfe Kritik an dem schleppenden Geschäftsgang der Hauptfürsorgestclle Darmstadt geübt. Do« lägen zahlreiche Beschwerden schon sechs bis neun Monate, ohne bearbeitet ■>.» werden. Die Dev- sammlung beauftragte den Vorstand, beim Hessischen Minister des Innern Protest einzulegeJ und Abhilfe zu verlangen. Rach Beratung und Beschlußfassung über big vorliegenden Anträge fand die Tagung ihr Qmb* Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Ist da- Submission? Dieser Tage wurde von der Verwaltung der Heil- und Pflegeanstalt die Lieferung der Fleischund Wurstwaren erneut vergeben. Die Lieferung war auf dem Submissionswege zur allgemeinen Offertenabgabe ausgeschrieben. ES wurden daraufhin eine Anzahl Angebote ein* gereicht. Wer aber glaubt, daß nunmehr nach den Vorschriften der Reichsverdingungsordnung bei gleicher Leistungsfähigkeit der im Preise billigste und angemessene Handwerksmeister di» Lieferung übertragen bekommen hätte, der irrt sich. Die Leitung der Heil- und Pflegeanstalt gab vielmehr den beiden bisherigen Lieferanten, einer auswärtigen und einer Gießener Firma, ohne Berücksichtigung des Submissionsergebnisses die Lieferung kurzerhand wieder. ES soll dabei sogar der aus der Submission herausgekommene billigere Lieferungspreis bei gleicher Warenqualität unberücksichtigt geblieben sein. In den beteiligten Handwerkskreisen fragt man sich, ob ein solches Verfahren noch als Submission zu bezeichnen ist, und ob bei dem hier beliebten Verfahren die Ausschreibung der Lieferung überhaupt einen Sinn gehabt hat. Cs wäre gut, wenn die Aufsichtsbehörde der Anstalt und die Handwerkskammer dieser Sache ihre Aufmerksamkeit zuwenden und für genaue Befolgung der Verdingungsordnung Sorge tragen würden. Ein beteiligter Handwerksmeister. Wettervoraussage. An der Südseite des Nordmeerfallgebietes hat sich stärkere Störungstätiykelt entfaltet, die über ganz Deutschland unfreundliches und reanerilches Wetter verursacht. Weitere ozeanische Luft, die teils aus Südwcsten, teils aus Nordwesten vordringt, führt zur Fortdauer des unbeständigen Aprilwetters. Dabei schwanken die Temperaturen und werden durch wechselnde Luftzufuhr zeitweise etwas zurückgehen. Weiterhin treten Niederschläge auf. Auch für später wird noch kein beständiges Wetter zu erwarten sein, denn die eingelcitete Störungstätigkeit dürfte mit dem Herannahnen eines neuen Druckfallgebietes vom Atlantik her sich abermals auch über Deutschland auswirken. Ausfichten für Freitag: Unbeständiges, wechselnd wolkiges Wetter mit kurzem Aufklaren, mild, jedoch zeitweise etwas ftifcher, mehr schauerartige Niederschläge, lebhafte um West drehende Winde. Aussichten für Samstag: Weiterhin veränderliches Wetter und Niederschläge. Lufttemperaturen am 6. April: mittags 9,1 Grad Celsius abends 6,6 Grad; am 7. April: morgens 7,9 Grad. Äkaximum 10 Grad, Minimum 6,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. April: abends 6,8 Grad; am 7. April: morgens 6 Grad. — Nieder- fd)(äge 5,3 mm. — Sonnenscheindauer 2/ Stunden. Käufen,bevor Sie die neuesten Modelle der führenden Marken hörten'. Lassen Sie sich diese, vorfuhren bei Radio -Ruhl,Giessen,PlockifrC «schoßen. bem Gelände der Zeche lern schweren 3.ulam« lern Nochtwoch " iner von ihnen Mit je Waffe gegen den amihlNdleMUMll^ „b. Ser Sieb erh ell er Verkeilung nn KM' SU-t fei angab, Ich a mit : rsaE Mie , gab der M hak einen :den sc', angebliche'! den ans. Dilder sagie er in DerUn.^aveht alle Blicke auf sich vereinigt, der mit seiner ausdrucksvollen Rednergebärde alle Sinne an sich reißt der den Gesandten eines fernen Volkes und einer verschwisterten Kultur zu feiern und zu weihen bestimmt scheint. Iahrhunderte^ng wußte außer ein paar Archivbeamten und Dienern kaum ein Gebildeter um diese Statue aus edelstem gelben Marmor, sie dämmerte irgendwo in einem musealen Massengrab abgetaner romt- schcr Herrschaften, bis Mussolini kam und den irdischen Staub wegbltes. Auf den Ehrenplatz des Kapitols stellte er sein Vorbild und letzt braust -iese seltsame Sinfonie durch den Raum: Casar — Mussolini — Goethe! Ich weiß, das klingt nicht gut in der sauber aufgeräumten guten Stube der Literatur, das fügt sich schlecht in die ordnungsliebende Registratur. das kann ein schulmeisterliches Ohr beleidigen. aber wir alle, die wir hier saßen, aufgewühlt bis in die Tiefen des Unbegreiflichen, wir alle haben die rauschende Sinfonie gehört. Ich habe darüber sogar vergessen, wie der Festausschuß zusammengesetzt war. Es waren erschienen ... man bemerkte ferner ... die heilige Roma möge mir verzeihen, aber ich habe, nachdem als Vertreter des Königs der Herzog von S p o l e t o erschienen war und der Versammlung den römischen Gruß entboten hatte, niemanden mehr bemerkt als Goethe, Goethe vor Cäsar. Ich weiß nur noch, daß draußen, als der Gouverneur, Fürst Boncompagni-Ludo- v i s i den Dichter der römischen Elegien begrüßt hatte wie einen Mann, dem zu sagen vergönnt ist: Civis romanus sum’), dessen italienische Leidenschaft er pries, daß in diesem Augenblick draußen die Glocken läuteten. Und dann erhob sich aus der Schar der Akademiker. die wie alle Geladenen für diese Siegesstunde des Geistes auf Ehrenkleider und Orden verzichtet hatten, Arthur Farinelli und sprach und sprach und jubelte und huldigte ... Ob ein Festredner in der Heimat des Gefeierten solche Worte fand? Sicher ist, daß ihn die Fremde nirgends herzlicher willkommen geheißen hat. Das war Rom. fein Rom. Und das Rom Mussolinis, der am andern Tage die ihm von einer begeisterten Amerikanerin geschenkte, riesige Parkvilla Sciarra auf dem Gianicolo weitergab an das neugegründete „Italienische Institut für deutsche Studien". Er weihte es dem Gedächtnis Goethes. ... Die Rede Farinellis, dieses Feuerkopfes in grauen Haaren, war lang, ebenso schön wie lang, und sie war ungewöhnlich schön. Je größer Goethe wurde, um so kleiner wurde Cäsar, je mehr der Feuerzauber um sich griff, um so mehr verblaßte der Feldherr. Der Herrscherstab entfiel seiner Rechten, der Marmorboden wich einem Schulzimmer und es war mir, als hätte ich ein vergleichendes Aufsatzthema vorgelegt bekommen. Der Mann in der Toga nahm die Gestalt meines Lateinlehrers an, schlug die Grammatik auf und las mit jener unterstreichenden Bewegung der linken Hand, bei der der Mittelfinger so übergroß hervortritt, den schönen Satz zum Ueber« •) Ich bin ein römischer Bürger. setzen vor: Die Römer haben die Griechen mit den Waffen besiegt, aber diese haben jene mit den Waffen des Geistes besiegt. Richt leicht, so etwas zu übersetzen. Aber Goethe brachte es fertig. Er besiegte Rom. ..Alles Bergängliche ist nur ein Gleichnis." Das schmetterte auf Deutsch durch den Saal der Senatoren und wir standen auf, als togren wir schweren Weines trunken. Draußen läuteten wieder die Glocken, von den Fenstern und Ballonen hingen leuchtende Teppiche herab und die Menschen auf der Kapitols- treppe wichen zu beiden Seiten zurück, als wollten sie einem Manne, größer als Cäsar, die ehrende Mitte freigeben. Zalschriechen. Die Parosmie, eine krankhafte Erscheinung, bei der andere als die normalen Geruchsempfindungen auftreten, ist in letzter Zeit wissenschaftlich eingehender beobachtet worden, und man hat dabei ganz erstaunliche Irrwege des Geruchssinnes entdeckt. Wie in der „Chemiker-Zeitung" ausgeführt wird, tritt das Falschriechen gelegentlich nach entzündlichen Prozessen des Rasenrachenraumes auf, findet sich aber auch im Verlauf einer Influenza. Eine solche Parosmie läßt sich künstlich dadurch erzeugen, daß die Rasenschleimhaut mit Sublimat-Lösungen oder Lösungen anderer Quecksilbersalze bespült wird. Ber- > schiedene Stoffe beeinflussen das Riechvermögen in eigenartiger Weise, wenn sie innerlich eingenommen werden. So wird die Geruchsempfin- durch durch Strychnin gesteigert, durch Morphium abgeschwächt und kann durch Kokain sogar ganz aufgehoben werden. Durch Einnahme des als Wurmmittel benutzten Santonins tritt bei manchen Personen ein unangenehmer brenzlicher Geruch auf, der ihnen tagelang anhaftet, während durch Antipyrin und Antifebrin ein angenehmer Zimt-Geruch hervorgerusen wird. Berstärkte Ge- ruchsempsindungen, ja sogar ausgesprochene Geruchs-Halluzinationen sind besonders bei Frauen beobachtet worden. Der Geruch wird bisweilen bei der werdenden Mutter merkwürdig beeinflußt, so daß sie sonst zusagende Gerüche als unangenehm empfindet und durch den Eigengeruch der Hausbewohner, der sonst nicht auffällt, belästigt wird- Rach entzündlichen Prozessen der Rase und des Rachens kommt es vor. daß der Kranke gewisse Duftstofse überhaupt nicht mehr wahrnimmt. andere nur schwach empfindet, dagegen ganz neue Gerüche erlebt, so daß er sich in einer Mark. Es gingen 136 346 (132 862) Anträge von Versicherten auf Gewährung eines Heilverfahrens ein. Es wurden 48 316 (49 047) ständige Heilverfahren durchgeführt. Es wurden für die Gefundheitsiürforge insgesamt 28,9 Millionen (27,1 Millionen) Mark aufgewendet. Die Gesamt- beitragseinnahme belief sich auf 343,4 Millionen (385,1 Millionen) Mark. Der Beitraasrück- gang ist auf die starke Stellenlosigkeit der Angestellten und auf das Sinken der Gehälter und Lohne zurückzufuhren. Die Beiträge machen etwa 5 v. f). des durchschnittlichen Monatsverdienstes aus gegen 7 o. ch. in der Vorkriegszeit. Die Zahl der Versicherten wird für das Ende des Iabres 1931 auf 3,1 Millionen geschätzt. Die Anlegung der Rücklagen erfolgte wertbeständig auf Goldmarkgrundlage mit dem Ziele, sie dem Versicherungszweck ungeschmälert zu erhalten. Die Gesamtneuanlage für Wohnungsbauzwecke belief sich auf 128 Millionen (184 Millionen) Mark. An versicherte An- gestellte wurden 782 (1468) hypothekarische Darlehen für neuerstellte Eigenheime mit 4,8 Millionen (9,k Millionen) Mark ausgezahlt. Der Vermal- tunqskostenaufwand betrug 2,8 (2,5) v. f). der Gesamleinnahme. Es verbleiben also 97,2 d. S). dieser Einnahme für die Zwecke der Versicherung. Oie Gefährdung der öffentlichen und sozialen Fürsorge. Dom Zentralverband der ArbeitS- invaliden und Witwen Deutschlands geht uns eine Zuschrift zu. der wir folgendes entnehmen: Die Entwicklung der finanziellen Der- hältnisse in den Gemeinden wächst sich zu einer großen Gefahr für die gesamte Fürsorge au3. Gemeinden und Dezirksfürsorgeverbände erklären. daß sic trotz aller Anstrengungen kaum noch die Möglichkeit sehen, die Gelder aufzubringen. die zur Fortführung der Fürsorge- tätigteit notwendig sind. Die Folge ist eine sich sortgcseht steigernde Beunruhigung in allen Kreisen der Hilfsbedürftigen und eine Verbitterung, die aus die Ver- schlechterung der Fürsorge zurückzuführen ist. Man hat nicht nur die Richtsätze sehr oft um mehr als die prozentual gesunkenen Lebenshaltungskosten gesenkt, sondern es sind auch starke Einschränkungen bei den Sach- und Sonderleistungen vorgenommen worden, so daß durch diese Herabsetzungen Kürzungen bis au 30 und 40 Prozent eingetreten sind. Eine sehr große Anzahl Sozialrentner sind aus der Fürsorge ausgeschieden. Auch die neugeschaffene Bestimmung, die in der erhöhten Fürsorge nur noch eine zu gewährende „angemessene Mehrleistung" vorschreibt, trägt dazu bei. daß sich die Lebensverhältnjsse der Klein- und Sozialrentner und ihnen Gleichgestellten in recht fühlbarer Weise verschlechtert haben. Bon den Gemeinden und Bezirlssürsorgever- bänden wird nicht selten daraus hingewiesen, daß man weitere Einschränkungen vornehmen müsse, wenn nicht bald eine Behebung der Finanzkrise in den Gemeinden eintritt. Eine weitere Einengung der LebensVerhältnisse aller Hilfsbedürftigen würde aber bi« Erregung ins Unermeßliche steigern. Unsere Organisation, die 350 000 Mitglieder umfaßt, hat die Pflicht, die nachdrücklichste Warnung vor dieser Gefährdung der öffentlichen und sozialen Fürsorge zu erlassen. Die Gemeinden und ihre Körperschaften, wie auch andere Organisationen, sehen eine Erleichterung in der Aenderung des ßaften- ausgleichsin der Erwerbslosensürsorge. Man schätzt die Erwerbslosenlasten im Jahre 1932 aus 1560 Millionen. Das sind gegenüber dem Borjahre 460 Millionen mehr. Diesem ungeheuren Druck glauben die Gemeinden nicht mehr stand» halten zu können und ihr 'Verlangen, dasReich müsse mehr als 230 Millionen von diesen Lasten übernehmen, ist bei dielen Verhältnissen nur zu berechtigt: diese Reichshilfe fchafft die Voraussetzungen dafür, daß die soziale und nicht zuvollkommen andersartigen Welt des Geruchs zurechtfinden muß. Aerzte. die an Parosmie litten, haben merkwürdige Beobachtungen mitgeteilt. So roch der eine drei Tage lang beständig Pech und Teer, ein zweiter Schellack und später Schwefel, Knoblauch und Leichen, ein dritter erst verfaultes Fleisch, dann Seife und Petroleum. Beim Falschriechen treten vorwiegend unangenehme Geruchsempfindungen auf, während angenehme, wie Blumengerüche usw. viel seltener vorkommen. Eine ganz besondere Krankheit ist die sogenannte „Stinknase" (Ozaena), unter ber ber Patient viel weniger leibet als seine Umgebung. Personen, bic dauernd mit starkriechenden Stoffen in Berührung kommen, verändern bisweilen vollkommen ihre Geruchsauffafsung. Wenn man bedenkt, daß von den rund zwei Millionen organischen und anorganischen Körpern, die bisher bekannt sind, etwa ein Fünftel den Geruch an- regen. so wird man sich nicht wundern, daß sich solche verschiedenen Eindrücke, die durch Rasse oder Gewohnheit bedingt sein können, heraus- bilden. Oie Elche gedeihen in Ostpreußen. Die letzten gesetzlichen Maßnahmen, die zugunsten des Elchwildes 1929 erlassen wurden, forderten den unbedingten Schutz dieser Tiere, die sich als Ueberreste einer fernen Vergangenheit bis in unsere Zeit erhalten haben. Rur wenige Stücke wurden in den ersten Jahren abgeschossen, um die Zucht zu verbessern. Dann aber konnte der Abschuß in größerem Umfange gestattet werden, wie Scharein im „Deutschen Jäger" ausführt. In den Regierungsbezirken Königsberg und Gumbinnen wurden in den privaten Jagdbezirken 25 (Stangen- Elche und 16 Schmaltiere zum Abschuß freigegeben. Die Lichtung der Bestände war dadurch gerechtfertigt. daß dieses große Wild nicht unbeträchtliche Schäden an dem jungen Holz in den Forsten anrichten kann. Bei der Jagd wurde natürlich darauf geachtet, daß hauptsächlich solche Stücke beseitigt werden, die wegen schlechter Geweihform oder sonstigen Unzulänglichkeiten einer gesunden Rachzucht im Wege stehen. Man braucht ja heute nicht mehr vor allem darauf zu sehen, daß die ost- preußischen Elche überhaupt erhalten bleiben, denn ihr Bestand entspricht bereits wieder dem der Vorkriegszeit. Das Hauptziel ist vielmehr, daß die Körperbeschaffenheit des Wildes sich von Iah" ?u Jahr bessert und die Veredelung der Geweih- orm sortschreitet. Dieses Ziel wird in den Elchgehegen Ostpreußens schon in erfreulichem Ausmaße erreicht letzt die vorbeugende Fürsorge sichergestellt wird. Schon die Mitteilungen, das) sich der Gesundheitszustand des Dolles zusehends verschlechtere, sollte für die Reichsregierung Dcranlassung sein, sich den Forderungen nicht zu verschließen. D i e Hunderte von Millionen, die in der letztenZeitderPrivatwirtschaftzur Verfügung gestellt worden sind, rechtfertigen jede weitergehende Hilfe auf der anderen Seite, die endlich die Gefährdung der Fürsorge e i n d ä m m t. Aus ver Provinzialhauptstadt. Gießen, den 7. April 1932. Zum Kapitel Geburtenrückgang. All-Gießener Erinnerung. Dor einiger Zeit bemerkte ein Stammtisch- Kommunalpolitiker, nachdem er die Gemeindepolitik der Stadtverwaltung und der Stadtväter in bezug auf die in den letzten Jahren von der Stadt ausgeführten Reu- und Umbauten (Volks- halle, Marktlauben usw.) durch die Schokolade gezogen, zu dem Reubau der Pestalozzischule in den Gichgärtcn: „Eht hawwe mer e neu Schulhaus, awwcr kaa Kinner". Daß es heute viele Eheleute gibt, die „kaa Kinner hawwe", oder vielleicht nur eins, ist keine Neuerscheinung. Aus einem „Anzeigungs-Blättchen der Stadt Giessen" aus dem vorvorigen Jahrhundert ist zu ersehen, daß es schon damals hier recht niedrige Geburtskurven gab. 3n nicht mißzuvcrstehender Form werden in einem „Eingesandt" die Eheleute, insbesondere die Eheherren aufgefordert, der Bevölkerungsabnahme in „geziemender" Weise abzuhelfen. — Daß es aber in vergangenen Jahrhunderten Eheleute gegeben hat, die reichlich für Bevölkerungszuwachs sorgten, wird die Bestätigung ausgerechnet — auf dem Alten Friedhof finden. Die an den Außenwänden der Friedhofskapelle aufgestellten Grabsteine in ihrer künstlerischen Ausführung lassen darauf schließen, daß die Verstorbenen und ihre Hinterbliebenen wohlhabende Leute gewesen sein müssen, im Gegensatz zu den heute meist in recht ärmlichen DerhLlt- nissen lebenden sog. Kinderreichen. Soweit die zum Teil unleserlich gewordenen Inschriften zu entziffern sind, wurden den, an dieser Stelle nicht namentlich bezeichneten Eheleuten z. B. „gebohren": Einem im Jahre 1670 Gestorbenen 6 Sohne und 5 Töchter, einem um 1676 Gestorbenen 13 Kinder, 25 Enckel, 8 Uhrenckel. Weiter verzeichnen die Sterbejahre der Eltern 1705 12 Kinder (4 Sohne, 8 Töchter), 1718 4 Söhne, 5 Töchter; 1729 6 Söhne, 3 Töchter; 1673 7 Söhne, 2 Töchter. Wie viele sonstige Kinderreiche aus damaligen Zeiten, denen die Hinterbliebenen entweder keinen Grabstein sehen konnten, oder ein solcher inzwischen verschwunden ist, auf dem Alten Friedhof begraben sind, ist wohl nicht festzustellen, wohl aber die Tatsache, daß Kinderreichtum und Geburtenrückgang schon früher wie Ebbe und Flut wechselten. Es bleibt zu wünschen, daß die steinernen Zeugen vergangener Jahrhunderte, die man auf alten Friedhöfen, besonders aber auf dem Gießener, findet, möglichst vor weiterem Verfall geschützt werden, schon aus kunsthistorischem Interesse. Es finden sich dort Grabsteine, in die in wundervoller Schrift in lateinischer Sprache bis über 300 Worte ein- gemeißelt sind, die in ihrem ornamentalen Schmuck die Steinhauer als Meister ihres Handwerks erscheinen lassen. Daß schließlich auf seinem Grabstein ein ehrsamer Gastwirt und Herbergsvater den lieben Gott bittet, ihn nach seinem Tode ebenso freundlich im Jenseits aufzunehmen, wie er es seinen Gästen hier in Gießen gegenüber getan, beweist, daß heilige Einfalt uno Humor vor der Friedhofspforte nicht immer ab- schwenkten. H. E. Koch-Weitbewerb der Mnen-Lieblinge. ”1 I • V * eN r > Die Filmschauspielerin Lee Parry und der Schauspieler FritzKampers bei dem Wettkochen der prominenten Schauspieler, das im -Rahmen der Reichsgastwirtsmesse veranstaltet wurde. Das Publikum, das seine Lieblinge so einmal bei ganz ungewohnter Beschäftigung sah, folgte den Bemühungen der männlichen und weiblichen Kochkünstler um die Zusammenstellung eines schmackhaften Menus mit dem größten Interesse. Viehbestand und Obsternte in Hessen 1931. WSN. Nach den Feststellungen des Hessischen Landesstatistischen Amtes betrug die Zahl der Viehhaltungen in Hessen am 1. Dezember 1931 insgesamt 151102, gegen 150 993 im Dorjahr. Davon entfallen auf die Provinz Starkenburg 65 386, auf O b e r h e s s e n 47 290 und auf Rheinhessen 38 426. In ganz Hessen gab es 1931: 58 889 Pferde, 317 319 Stück Rindvieh, 33 815 Schafe, 398 426 Schweine, 98 383 Ziegen, 2131110 Stück Federvieh und 23 974 Bienenstöcke. Wie ausgezeichnet die Obsternte im vergangenen Jahre ausgefallen war, zeigt ebenfalls die Statistik: 925 834 Doppelzentner Obst im Werte von 6 015 703 Mark stehen einem Ertrag von 175 403 Doppelzentner im Betrage von 3 840127 Mark im Jahre 1930 gegenüber. Die Provinz Starkenburg hat wieder den Löwenanteil mit 412 154 Doppelzentner, es folgt Oberhessen mit 337 862 Doppelzentner und Rheinhessen mit 175 818 Doppelzentner. Die Apfelernte hat sich gegen 1930 weit mehr als verzwanzigfacht, denn es wurden 669 292 Doppelzentner geerntet, gegen 28 844 Doppelzentner 1930. Bei den Birnen ist das Derhältnis ebenfalls sehr günstig, denn es stehen 185 567 Doppelzentner 1931 gegen 37 239 Doppelzentner im Jahre vorher. Bei den Zwetschen und Pflaumen ist allerdings der Ertrag um ungefähr die Hälfte zurück- gegangen, und auch bei den 2ft,rikosen und Pfirsichen ist ein, wenn auch geringeres, Minus zu verzeichnen. Die Kirschenernte hat gegen 1930 zugenommen. “ Fremdenverkehrs - Werbemit- tel in den Schulen. Der Hessische Minister für Kultus und Dildungswesen hat nachstehendes Ausschreiben an die Kreis- und Stadtschulämter und die Direktionen der höheren Schulen erlassen: „Der Herr Reichsverkehrsminifter hat angeregt, die Schulen darauf aufmerksam zu machen, welch' große Bedeutung es bei der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage Deutschlands hat, daß deutsche Reisende die Kur- und Erholungsstätten der eignen Heimat aufsuchen. Rach den Richtlinien für die Lehrpläne aller Schularten bestehen genügend Möglichkeiten, im Rahmen des Unterrichts auf diese Fragen eiruugeben und durch Hinweise auf die Schönheiten Deutschlands mittelbar für diesen Gedanken zu werben. In diesem Zusammenhang bestehen keine Bedenken dagegen, wenn Werbemittel der Verkehrsverbände (Karten, Bilder. Statistiken usw.), die den Schulen kostenlos zur Verfügung stehen, in geeigneter Weise im Unterricht verwandt werden." ** Die Maul- und Klauenseuche in Oberhessen. In Rieder-Erlenbach (Kreis Friedberg) ist die Maul- und Klauenseuche erneut aus- gebrochen. In Burkhardsfelden (Kreis Gießen) ist die Seuche erloschen. ** Sperrzeit für Tauben. Während der Saatzeit vom 9. April bis 10. Mai müssen die Besitzer von Tauben ihre Tiere in den Schlägen halten, wenn sie nicht riskieren wollen, daß die Tauben abgeschossen werden unb für ihren Besitzer außerdem noch Strafe eintritt. Man beachte die heutige Bekanntmachung. ** DHC. Gießen. Man berichtet uns: Am vergangenen Sonntag unternahm der VHC. Gießen seine Aprilwanderung. Die für diesen Tag ungünstige Wetterprognose, die glücklicherweise nicht zutraf, hatte nur eine Schar von nahezu 40 Teilnehmern auf die Beine gebracht, die von Hungen aus bei hellem Sonnenschein die Wanderfahrt in den lachenden Frühling antrat. An der lustig plätschernden Horloff entlang ging der Weg, um später in den Wald überzugehen, wo Senn löstet Stauen luetüen Roman von I. Gchneider-Foerstl. Urheber-Rechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau. 21. Fortsetzung. Nachdruck verboten I Dann vernahm sie, wie Malnow draußen zu dem Chauffeur sagte: „Sehen Sie doch einmal ins Haus, wo das gnädige Fräulein bleibt. Möglicherweise hat es sich schlafen gelegt. Das Zimmermädchen gibt Ihnen gerne Auskunft. Ich laufe inzwischen zum Fluß hinunter. Dort ist nämlich ihr Lieblingsplatz." Nun glückt es womöglich doch noch, dachte Suse, als sich die Schritte der beiden entfernten. Sie sah noch Dieters Haar dunkel in der Sonne auf» flimmern, als sie sich bereits auf den Rand des Fensters schwang. Niemand war unterwegs, der Hof vollkommen menschenleer. Mit einem Satz sprang sie zu Boden. Der Chauffeur kam gelaufen, als er den Motor wieder prusten hörte: „Ich habe das gnädige Fräulein soeben gesucht!" „Und ich bin soeben gekommen! — Ich war am Fluß", log sie kaltblütig. „Wir können sofort weg- sahren." Ihr war es jetzt vor allem darum zu tun, Malnow nicht mehr zu begegnen. Sie hatte keine solche Uebung im Verstellen, daß sie in Gegenwart des Chauffeurs Gleichgültiges mit ihm hätte sprechen können.' Als der Sportwagen auf dem Weißen Band der Chaussee dahinflog, sah Suse Malnow drüben über die abgemähten Wiesen laufen. Wie beruhigend, daß der Fluß dazwischenlag. Sie glaubte ihn rufen zu hören und trug hartnäckig das Gesicht nach der anderen Seite gewandt, wo die Felder in gelbbrauner Tönung sich längs des Weges hinzogen. Zu dumm, daß sie schon wieder weinen mußte. Aber sie würde schon darüber Hinwegkommen. Wenigstens hatte sie jetzt Gewißheit. Trotz des Schmerzes, den sie in sich trug und dem Zorn über sein Verhalten, konnte sie es doch nicht lassen, einen Blick nach den Wiesen hinüberzuwerfen. Sie sah ihn, wie er mit hängenden Armen zwischen den Weiden stand und dem Wagen nachstarrte. Lächerlich, daß er solch hochtrabende Worte gebraucht hatte: „Ich habe die letzten Nächte kein Auge mehr zugetan! Jeder Dissen, den ich zu mir genommen habe, hat mich gewürgt." Er hatte wohl Grund dazu. Schon möglich, daß einem, wenn man so etwas mit sich Herumtrug, Schlafen und Essen verging. Und wie zuversichtlich er gesagt hatte: Meine Mutter ist tot. Es gibt niemand mehr, mit dem du mich teilen mühtest. — Das Kind zählte wohl nicht! - Solange er sie im Arm gehalten hatte, war die Kleine vielleicht vergessen, aber am Sonntag würde es ihn wieder nach München ziehen, um den Feiertag mit dem Kinde zu verbringen. Und Suse wollte und wollte nun nicht mit einem Zweiten in seiner Liebe teilen. Er konnte meinetwegen seine kleine Tochter in die Arme nehmen, aber sie mußte er dann aus dem Spiele lassen. Von heute ab war es aus zwischen ihnen! Wenn er sie jetzt schon belog, wie wurde das erst sein, wenn sie verheiratet waren. Immer tiefer verbohrte sie sich in ihre Gedanken. Als der Wagen nach dreieinhalb Stunden nach Groh-Steinach einbog, stopfte sie ihr gezacktes Spihentüchlein als nasses Knäuel in ihre Leder- Handtasche. Der grohe schöne Traum ihrer achtzehn Jahre war zerronnen. Zusammengebrochen das Glück, von dem sie sich Ewigkeitsdauer erwartet hatte. Nun besah die Mutter eine zweite Tochter, die um ihre Liebe betrogen war. Doktor Wander nahm im Aerztezimmer eine Tasse Fleischbrühe zu sich und verspürte dabei ein Gefühl, als zwänge sich jeder Schluck in der Luftröhre fest. Lächerlich, dachte er! Ich bin doch kein Studio mehr, ermunterte er sich selbst. Wenn sie jetzt hereinkommt, vorausgesetzt, daß sie allein ist, frag ich sie, ob sie mich Haven will. Wenn ja, werde ich mich fein bescheiden mit einem Kuß begnügen, wenn sie mir überhaupt einen gibt, wenn nein — — „Guten Vormittag, Fräulein Kollegin!" unterbrach er seinen Gedankengang und schob die Tasse weit gegen den Rand des Tisches. Im Begriff, darnach zu fassen, berührten sich ihrer beider Hände. Margret zog die ihren mit Eile zurück. „Ich möchte ab 1. Januar um meine Entlassung bitten", sagte sie gleichmütig, nahm einige Rechnungen vom Tisch und drückte einen Stempel darunter. Cr war für den Augenblick derart verblüfft, daß er nicht gleich eine Erwiderung fand. Dann hatte er sich wieder so weit gefaßt, sprechen zu können. „Befriedigt Sie Ihre Tätigkeit hier nicht?" „Doch! — Aber sie ist einseitig", erklärte sie. „Meine Mutter hat mir die Uebernahme einer Praxis in der Adelgundenstraße ermöglicht. Das sagt mir besser zu. Wenn Sie einen Ersatz für mich brauchen, respektive, wenn ich Ihnen eine Nachfolgerin empfehlen darf, Kollegin Hersfeld ist sehr gewissenhaft und tüchtig", fügte sie bei, gewahrte, wie er die Stirn runzelte und zuckte die Achseln. „Weih Gott, was Sie sonst noch alles für Bedingungen stellen. In gewissem Sinne ist doch jede von Ihnen, als Chefarzt, abhängig." „Rur Sie nicht!" brauste er auf. „©ottl“ Es klang nicht im mindesten erregt. „Ich habe eben nicht nötig, mich immer unter einen anderen Willen zu beugen. Wenn es mir irgendwo nicht paßt, schnüre ich mein Bündel. Eine andere kann das nicht!" „Ihr Vertrag läuft übrigens bis Ende Mai", warf er ein. Es klang herrisch und hörfe sich beinahe wie eine Drohung an. Run klirrte die Tasse doch auf dem Boden, so heftig hatten ihre Finger an der Decke gezogen, die über den Tisch gebreitet lag. „Lassen Sie's!" Cr kniete schon auf den Dielen und las die Scherben auf. Als er fein Gesicht hob, war es von Hellem Rot gefärbt, das ihre aber stand etwas blaß unter dem dunklen Haar, das aus den Schläfen gekämmt war. „Ich nehme nicht an, daß Sie mich zum Bleiben zwingen wollen!" „Doch! Das werde ich!" „Auch gegen meinen Willen?" „Jawohl!" entfuhr es ihm. „Sie haben unterschrieben! Basta!" „Aber warum denn?" fragte sie etwas kleinlaut. „Ich sehe mich doch sogar um Ersah für Sie um. — Was wollen Sie denn eigentlich mehr?" „Sie zur Frau haben!" sagte er brüsk. „Sonst weiter nichts!" Sie starrte ihn an, als zweifle sie, es mit einem normalen Menschen zu tun zu haben.Ihre Brauen zogen sich so eng zusammen, daß ihre Augen sich merklich verkleinerten. „Ich bin nicht da, Herr Chefarzt, daß Sie mit mir scherzen. Das können Sie sich für eine andere sparen. — Am ersten Januar verlasse ich meinen Posten hier. Sie können mich ja bei der Aerztekammer oder wo Sie sonst wollen, auf Kontraktbruch verklagen." „Das jperbe ich auch!" sagte er kaltblütig. „Außer Sie geben mir das Versprechen, daß ich einmal, wenn Sie eine zugänglichere Stunde haben, um Sie werben darf." Sie reckte ihre schmale Gestalt. Trotzdem reichte sie nicht an seine muskulöse, stattliche Größe heran. Das Lächeln, das über fein Gesicht glitt, nahm ihr jede Selbstbeherrschung. „Ich heirate Sie so wenig wie einen anderen!" brauste sie auf. „Wenn Die wüßten, wie mich das anekelt, daß Sie auch nichts anderes in mir sehen, als eben das Weib, das Sie notwendig zu Ihrer Ergänzung brauchen! Beglücken Sie doch eine von den vielen, die sich darnach sehnen, das zu fein, wozu sie die Ratur geschaffen hat... Ich empfinde keinerlei Bedürfnis darnach!" „Das ist ja nicht wahr, Margret!" wehrte er gutmütig. „Du--“ Ein dunkles Rot auf den Wangen, hieß sie ihn schweigen: „Ich appelliere an Ihre Pflicht als Kavalier und Ehrenmann. Ich heiße nicht Margret für Sie! Wenn Sie nicht wissen, wie Sie einer Kollegin zu begegnen haben, bann verlassen Sie, bitte, das Zimmer--oder ich tue es selbst" setzte sie heftig hinzu. Das Lächeln stand noch immer auf feinem ©eficht. „Ich gehe sofort!" besänftigte er. „So bleiben wir in Gottes Namen ledig, wir beide! — Guten Morgen, Fräulein Kollegin!" die Vogelwelt die Wanderschar durch ihre fröhlichen Weisen begrüßte. Zahlreiche Frühlingsboten, wie Lerchensporn, Huflattich, Veilchen und Anemonen verkündeten den Einzug des Lenzes. Die erste Rast erfolgte in dem anmutig in einem Talkessel gelegenen Dörfchen Langd. In dauerndem Anstieg ging es weiter über den Plattenberg, von dessen Kamm man bei der herrschenden klaren Luft wunderbare Fernblicke über die Wetterau mit Burg Münzenberg bis zu den Höhen des Taunus, des Westerwalds mit Stoppelberg und Dünsberg genoß, während nach Nordosten zu sich das gewaltige Massiv des Hohen Vogelsberges hinzog. An dem stattlichen Hof Ringelshausen vorüber zog sich der Weg nach dem gastlichen Forsthaus Glaubzahl, dessen ehemalige Klostermauern die Wanderer für kurze Zeit beherbergten. Auf breiter, von seltenen Koniferen umsäumter Landstraße, später auf gut gepflegten Waldwegen ging es weiter über den Rabenstein, von dessen Gipfel sich wiederum ein prächtiges Dogeisbergpanorama erschloß, durch das idyllische Bad Salzhausen zum Endziel Nidda, um von hier nach einem Schluhtrunk die Heimfahrt anzutreten. Oberbeffen. Kreis Schotten. □ Laubach, 6. April. Am Sonntagnachmit- tag hielt der hiesige Geflügelzuchtverein seine diesjährige Generalversammlung ab. Nach der Eröffnung durch den ersten Vorsitzenden, Karl Pitz, erstattete Rechner Hch.^G r a u l i ch den Kassenbericht, der einen Ueberschuß ergab. Die auf der diesjährigen Landesverbands- und Dezirksversammlung gefaßten Beschlüsse wurden eingehend besprochen. Die Bezirksausstellung findet am 15. Januar 1933 in Laubach statt. Die Neuwahl des Vorstandes hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Karl Pih, 2. Vorsitzende» Georg Gunkel (Wetterfeld), Rechner Hch. Graulich, Schriftführer Friedrich Stotz. Als Beisitzer wurden gewählt: Fritz Wolf, Kar! Rühl, Heinrich P i h und Wilhelm Horst (Ruppertsburg). Weiterhin wurde beschlossen, daß auf der Bezirksausstellung nur Tiere mit Bundesringen zugelassen werden sollen. Kreis Büdingen. A 21 i b b a, 5. April. Am Sonntag wurde hie» unser ältester Mitbürger, Spenglermeister Konrad Paul, unter großer Beteiligung zu» letzten Ruhe bestattet. Der Verstorbene galt in der ganzen Gegend als ein reeller und tüchtige» Meister, der einer hier alteingesessenen Handwerkerfamilie entstammte und sich großer Hochachtung erfreute. Er hat ein Alter von 87 Jahren erreicht. — Die Firma Carl L o r z, hier- felbst, konnte am 1. Apsil ihr 50jähriges Bestehen feiern. Der nunmehr 78 Jahre alte Gründer der Firma, Carl Lorz scn., errichtete vor 50 Jahren im Hause seines Schwiegervaters, des Lehrers L. 21hn, in der Schillerstraße ein Manufakturwaren-Gcschäft, das sich bald einen großen Kundenkreis in der Stadt Nidda und deren weiteren Umgebung, in der Wetterau und dem südlichen Vogelsberg erwarb. Dor einigen Jahren übergab der Jubilar das Geschäft feinem ältesten Sohn Carl Lorz jun. Kreis Alsfeld. WSN. Alsfeld, 6. April. In dem Basal t stein bruch bei Brauerschwend wurde der Steinbrucharbeiter Wilhelm Reinhardt aus Brauerschwend, während er auf der Sohle des Steinbruches beschäftigt war, von einer Schicht plötzlich herab stürzenden Säu- lenbasalts zu Boden geschlagen und so schwer verletzt, daß er unterwegs auf dem Transport nach der Gießener Klinik verstarb. Zwei Mitarbeitern des auf so tragische Weise um das Leben gekommenen Mannes gelang es, der herabstürzenoen Gesteinssäule durch Sprung zur Die Türe schnappte etwas unsanft hinter ihm ein. „Unerhört!" zürnte sie. Gut, daß sie die Möglichkeit besaß, von hier wegzukommen. Dann bleiben wir in Gottes Namen ledig, wir beide! Lächerlich! Er würde schon nicht unbeweibt bleiben ihretwegen. Das war auch so eine Phrase, welche die Männer immer gleich bei der Hand hatten, um Eindruck zu schinden. Verärgert horchte sie auf, wollte den Stapel Rechnungen xur Seite schieben und lauschte noch einmal. Auf dem Korridor erklang Suses Stimme. Die Schwester hatte sie ab und zu besucht, abev daß es gerade heute der Fall war, kam ihr reichlich unerwünscht. Jetzt, für den Augenblick wenigstens, wollte sie nicht gleich mit Doktor Wände» wieder zusammentreffen. Sie ahnte nicht, ebensowenig wie die beiden anderen, die draußen in der Halle standen, wie notwendig es gewesen wäre, daß sie gerade jetzt den Augenblick besser genutzt hätte. Wander, noch erregt über die Worte, die e» mit Margret gewechselt hatte, sah die jüngst- Recklinhauserin mit den Blicken des Mannes, den das Mädchen seiner Liebe soeben abgewiesen hatte. Jeder seiner Sinne war wachgerufen. Er bemerkte Suses fein gerötetes Gesichtchen, dem das blonde Flimmerhaar, welches sich kräuselnd unter dem weihen Strohhut hervorzwang, eine rührend keusche, kindlich süße Rote gab, die durch den Ausdruck der blauen Augen noch verstärk wurde. Was der Doktor sonst nie zu tun pflegte, eine» Dame die Hand zu küssen, das tat er jetzt. Suses Mund zuckte begehrlich. Wander gefiel ihr. Sic» war Tag und Nacht bemüht, Dieters Bild au8 ihrem Gedächtnis zu löschen. Der Mann hier war kein Knabe mehr. Sie taxierte ihn rasch. Das dichte brünette Haar, in dem noch kein einzige» Silberstreifen flimmerte, die sehnige, tadellos proportionierte Gestalt, der glattrasierte Mund, mit dem etwas herrischen Kinn als Abschluß! — Er war zwar nicht Malnow! Aber er konnte ihn möglicherweise ersetzen. Ihr Lächeln wurde kindhaft scheu, als er sia jetzt so durchdringend ansah. „Ist meine Schwester sehr beschäftigt, Herr Doktor?" fragte sie ab- lenkend. „Für den Augenblick schon!" log er kaltblütig. »Kann ich Ihnen vielleicht inzwischen den Garten zeigen? Ich bin für den Augenblick gerade abkömmlich. Schwester Lenore ist mit einem kleinen Rekonvaleszenten ausgegangen. Ich sehe voraus, daß Ihnen meine Gesellschaft nicht lästig ist. gnädiges Fräulein!" „Gewiß nicht!" bekannte sie rasch. „Ich wüßta sonst nicht, was ich anfangen sollte." »Dann wollen wir also losziehenl Gedulden Sir sich noch einen Augenblick, Fräulein von Recklin- hausen. Ich lege nur meinen Kittel ab.“ (Fortsetzung folgt) Zirlti «elb Bantnoten. r Leitung seines Diriac (Oberkleen) ein Lhorlied le r vor. Pfarrer Kulke — Lombardsah 7 Proz Wirischast >er as unsanft hinter ihm sie. Gut, dah sie die :t vxgzulommen. Dann imen lebig, toir beide I nicht unbeweibt bleiben । so eine Phrase, welche bei der Hand hatten, nc n b [ i d", Heilstätte der Landesverficherungs anstatt Hessen-Nassau, in Gegenwart zahlreiche Vertreter der Staats- und Kommunalbehörden brS zu denNationalsozialisten, so dah die ordnungsmäßige Weiterführung deS Frankfurter Flughafens gewährleistet ist. sfeld. pril 3n km 3a- stauerschwend wurde älhelm Meinhardt end er auf der Sohle ägt war, von einer ^stürzenden Säuen geschlagen und er unterwegs aus dem met Klinik verstarb, f so tragische Weise um Cannes gelang es, der ule durch Sprung zur __________gerlln, 6. April__________ k'lmertlamldie fliotee....... Belgifchk Noien......... 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Marktverlauf: Kälber und Schafe mittelmäßig, geräumt; Schweine schleppend, ausverkauft. der lebensfähigen Abteilungen, insbesondere des Spielwarengeschäfts, zu sichern. Frankfurt schwach. Frankfurt a. M-. 7. April. (WTD. Drahtmeldung.) 3n Nachwirkung der aufgededten 11 n- regelmähigkeiten bei Kreuger verkehrte auch die heutige Börse in schwächerer Stimmung, zumal das Ausland mit sehr verstimmenden Meldungen kam. Dazu kam die bestehende Unsicherheit vor den Wahlen, die die Unternehmungslust der Dörsenkreise naturgemäß stark eincngt. Nachdem an der Dorbörse besonders für international gehandelte Werte sehr schwache Kurse genannt worden waren, eröffnete der amtliche Verkehr mehr stimmungs-, als kursmäßig schwach. Gegen die Abendbörse ergaben sich Kurseinbuhen von 1 bis 2 Prozent Stark angeboten waren vor allem wieder Kunstseidcn- werte, von denen Aku und Bemberg erneut je 2,5 Prozent verloren. Am Elektromarkt lagen besonders Siemens mit minus 3 Prozent matt. Schudert, Gesfurel, Licht und Kraft gaben bis zu 2 Prozent nach. Von chemischen Werten lagen 3G.-Farben 0,5 Prozent, Scheideanstalt 0,25 Prozent und 3G.-Chemie Basel 1 Prozent niedriger. Am Montanmarkt blieben Gelsenkirchen ziemlich behauptet, die übrigen Werte gingen etwa 0.5 Proz. zurüd. Kaliaktien verminderten sich um 1 bis 2 Proz., Schiffahrtswerte um 1 Proz. Reichsbank büßten 2,5 Proz., Commerzbank 1 Proz. ein, während sonst Bankaktien unverändert lagen. Hypothekenbankaktien verzeichneten eher etwas Nachfrage. Von Zellstoffpapieren gingen Wald- Hos um weitere 2,5 Prozent zurüd. Svenska eröffneten bei fehlendem Angebot wieder 2 Prozent höher. Chadeaktien blieben auf dem Niveau unverändert. Am Rentenmarkt waren deutsche Anleihen. Reichsbahnvorzugsaktien und Rcichs- schuldbuchforderungen behauptet. Am Pfandbriefmarkt lagen Preußen Zentralboden 1 Prozent schwächer. Die übrigen Liquidationspfandbriefe lagen bei sehr stillem Geschäft behauptet. Auslandrenten geschäftslos. 3m Verlaufe schwächten sich die Kurse weiter merklich ab. Die Rüdgänge betrugen fast durchweg 1 Prozent. Nur Montanwcrtc blieben unverändert, vereinzelt lagen sie etwas höher. Don Auslandaktien gingen Chade um etwa 4 Mk. zurüd. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 5 Prozent leicht. Berlin schwächer. Berlin, 7. April. (WTB. Funkspruch.) Bereits gestern abend traten allgemein Rüdgänge ein. auch die empfindliche Abschwächung der Atuaktie, die ihren Ausgang von Amsterdam nahm, verstimmte. Die Weltbörsen hatten auf die Der- widlungen der Kreuger-Affäre reagiert und die Vertrauenskrise wirkte sich bei den groben Konzernen am stärksten aus. Hierdurch mußte auch der Berliner Markt in Mitleidenschaft gezogen werden. So fand das herauskommende Material heute nur zu gedrüdten Kursen Unterkunft. Das Geschäft beschränkte sich nach wie vor auf die international interessierten Papiere, das Geschäft war jedoch in diesen Werten heute etwas lebhafter. Die neuen 3nsolvenzen in der 3ndustrie — Glasfabrik Brodwitz und die Bingwerke haben ihre Zahlungen eingestellt — zeigen deutlich, daß die Wirbchastskrise auch in Deutschland noch nicht überwunden ist, und beeinflussen aus diesem Grunde die Stimmung der Börse in ungünstigem Sinne. Die stärksten Rüdgänge waren bei Kunstseideaktien zu verzeichnen, die gegen gestern mittag etwa 5 Proz. einbüßten. Daneben lagen Reichsbankanteile, Siemens. Farben, Schudertaktien und Hamburger Elektrizitätswerke beachtlich schwächer. Demgegenüber waren Chadeaktien nach etwas festerer Eröffnung 5 Mark rückgängig, Svenska blieben verhältnismäßig gut behauptet. 3m Verlaufe brodelten die Aktienkurse überwiegend weiter ab. Gelsenkirchen blieben gehalten, Schifffahrtswerte zeigten weiter schwache Veranlagung, die anfangs stärker gedrüdten Werte konnten sich auf dem ermäßigten Niveau behaupten. Deutsche Anleihen blieben unverändert, Ausländer lagen geschäftslos. Deutsche Renten waren zunächst bei Seite noch rechtzeitig auszuweichen. Um den bedauernswerten Verunglüdten trauern seine Frau und vier Kinder. Preußen. Kreis Wetzlar. * Ehringshausen, 6. April. 3n der vergangenen Nacht drangen Einbrecher durch Zerschlagen der Fensterscheibe des verschlossnen Fensters in den Verwahrungsraum des hiesigen Bahnhofsgebäudes ein und entwendeten die vom j) t n • denburgausschuß zur Verwahrung ausgegebenen Pakete, enthaltend Flugblätter für die Reichspräsidentenwahl. Alle übrigen, zum Teil recht begehrenswerten Waren, wie Zigarren-, Zigaretten- und Schokoladepakete, ließen die Einbrecher unversehrt liegen. Ein sofort herbeigeholter Polizeihund nahm die Täterspur auf; sie führte an einem Nachbarhaus des Bahnhofsgebäudes vorbei über die Dillwiejen zur Dill hin. Dort lagen die Flug- blätter zum Teil auf den Dillwiesen verstreut, zum Teil in der Dill. Man glaubt, den Tätern auf der Spur zu sein, die Ermittlungen sind jedoch noch nicht abgeschlossen. i Groß-Rechtenbach, 5. April. Im Alter von 82 Jahren ft a r b einer der ältesten Einwohner unseres Ortes, der Schuhmacher Friedrich B i n t. Der Verstorbene war der letzte Kriegsveteran von 1870/7 1, der im hiesigen Orte lebte. <>Niederkleen,5. April. Am Sonntagnachmittag fand vor dem hiesigen Schulhause eine Abschiedsfeier für den in den Ruhestand getretenen Lehrer Q u e n z e r statt, an welcher der Gesangverein „Liederkranz". der Kriegerverein, der- Turnverein und fast die gesamte Einwohnerschaft Die Zerschlagungen bei der Siebentopfer Kreisverwaltung. Tcr Kreistag entzieht dem Landrat das vertrauen. WSN. Biedenkopf. 6. April. Die bei der Kreisverwaltunq in Biedenkopf fest- gestellte Unterschleife hatten der Bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft des Kreistages Veranlassung gegeben, die Einberufung einer Kreistags- siyung zu beantragen zur Prüfung der Frage, ob und welche KreiSbeamtcn schadenersatzpflichtig zu machen seien. Diese Sitzung fand gestern statt. Der Landrat gab zunächst eine Darstellung der Verhältnisse, die zu den llnterschlciscn der RrciS- beamten L o e b e r und P r e n z e l l sührten. Don Pr. seien insgesamt 36 687 Dark unterschlagen worden. Gededt seien durch einbehaltene Hintcr- bliebencnbezüge, durch Ncitoerlös der Mobiliar- Zwangsversteigerung, cinbehaltenes Geld usw. insgesamt 9251 Mark. Don der Witwe des durch Selbstmord geendeten Pr. wären noch zu ersehen 7475 Mark, von Loeber 3180 Mark, so daß noch 16 780 Mark ungedeckt verbleiben. Nach längerer Aussprache wurde mit 17 gegen 7 Stimmen folgender Antrag der Bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft angenommen: „Landrat C o ß m a n n hat es nicht verstanden, das Vertrauen der Kreisbevölkerung zu seiner Amtsführung zu erlangen. 3nsbesondere ist durch die Dorgänge bei der Kreiskommunalkassc. und die Umstände, die die jahrelangen Unterschlagungen ermöglicht haben, das Dertrauen in seine Amtsführung vollständig geschwunden. Der Kreistag sieht daher keine Möglichkeit für eine weitere gedeihliche Zusammenarbeit mit Landrat Coßmann." Der Landrat erklärte zu diesem De- Strafkammer Gießen. * Gießen, 5. April. Ein junger, wegen Diebstahls schon mehrfach vorbestrafter Mann, hatte im 3anuar in Butzbach und Usingen kurz nacheinander zwei Autos und ein Motorrad entwendet, war mit ihnen weggefahren und hatte sie stehenlassen, sobald sie nicht mehr funktionierten. Er hatte ferner versucht, in eine Wirtschaft in Ober-Rosbach ein>usteigen. um dort au stehlen. Die von dem Schöffengericht ausgesprochene Strafe von einem 3ahr sechs Monaten Gefängnis erschien der Staatsanwaltschaft zu gering. Auf ihre Berufung hin erhöhte die Strafkammer die Strafe antragsgemäß auf drei 3ahre Gefängnis. Ein pensionierter Eisenbahnbeamter war von dem Schöffengericht wegen fahrlässigerTö- tung zu 5 0 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Nach eingehender Beweisaufnahme und Vornahme eines Augenscheins am Tatort bestätigte die Strafkammer das Urteil. Das Gericht hielt für erwiesen, daß der mit seinem Motorrad in schneller Fahrt von Garbenteich auf dem Schiffenberger Weg nach Gießen zu sich befindende Angeklagte das von dem Müllabladeplatz auf die Chaussee einbiegende, langsam jährende Kehrichtauto auf mindestens 30 bis 35 Meter hätte sehen müssen (der Angeklagte wollte das Auto erst auf drei bis fünf Meter gesehen haben). Er hätte sein Motorrad auf etwa 15 Meter stellen können. Der Angeklagte hatte aber versucht, rechts an dem Auto vorbeizukommen, hatte einen der dort stehenden Bäume gestreift und war dann gegen das Auto gedrückt worden. Hierdurch war seine auf dem Soziussitz befindliche Tochter herab- geschleudert und überfahren worden, und kurze Zeit später an ihren schweren Verletzungen verstorben. Die Strafkammer billigte auch mit Rück- sicht auf die Besonderheiten dieses Falles die Strashöhe. Ein auswärtiger Bauunternehmer war von dem Amtsgericht Butzbach wegen Verstoßes gegen § 1492 der Reichsversicherungsordnung zueiner Woche Gefängnis verurteilt worden. Seine feiner Bestimmung übergeben worden. Der Dau eines Tuberkulosekrankenhauses wurde von der Verwaltung der Landesversicherungsanftalt in Aussicht genommen, da mit einer großen Zuwendung von dem Reichsarbeitsministerium zu rechnen war. Die ärztliche Notwendigkeit des Baues ergab sich aus der besonderen ärztlichen Forschung und daraus, daß ein Tuberkulosekrankenhaus in der Provinz Hessen-Nassau nicht vorhanden war. Cs fehlte insbesondere eine Heilstätte. in der die chirurgische Dehandlung der Tuberkulose durchgeführt werden konnte. Unter 63 Entwürfen erhielt der Plan der Architekten Hebebrand und Kleinerh in Frankfurt am Main den 1. Preis. Mit dem Dau wurde im Sommer 1930 begonnen. Die leitenden ärztlichen Direktoren des Sanatoriums find die jeweiligen Direktoren der Chirurgischen und der Medizinischen Universitätsklinik in Marburg a. L. Die ganze Südfront des Sanatoriums ist in Glas aufgelöst. Sowohl auf der Süd- als auch auf der Nordseite des Daues sind breite offene Terrassen vorgebaut. 3m Erdgeschoß liegt die Abteilung für Männer, im ersten Stod die für Frauen, im östlichen Flügel die medizinische Ab- teilung (Lungentuberkulose) und im westlichen die chirurgische Abteilung (Knochen- und (Selent- tuberkulöse). Nach der Mitte liegen die Gernein- schaftsräume, die Laboratorien, ein Hörsaal und Räume für das Personal. Jeweils an den Enden des Neubaues befinden sich die Behandlungsräume der chirurgischen und medizinischen Abteilung. Ein großer Garten, der nach der Südseite etwa 30 Meter abfällt, umschließt die Anstalt, die insgesamt 100 Kranke beherbergen kann. Oer städtische Zuschuß zum Frankfurter Flughafen. WSN. Frankfurt a. M.. 6. April. 3n der gestrigen Sitzung der Frankfurter Stadt- verordneten-Dersammlung gab der Antrag des Magistrats, für den Frankfurter Flughafen einen Kredit von 1 7 7 5 20 Mark bereitzustellen. Anlaß zu ausgiebigem Meinungsaustausch. Während die Volkspartei der Ansicht war. daß der Zuschuß aus verkehrs- politischen. aber auch aus nationalen Gründen gegeben werden müsse, vertrat die Sozialdemokratie die Ansicht, daß ein Zuschuß von 24 Mk. für jeden Luftreisenden angesichts der heutigen Finanzlage nicht verantwortet werden könne. Namens des Magistrats schilderte Stadtrat L i n q n a u die Entwidlung des Frankfurter Flughafens seine Bedeutung für das Rhein-Mam- Gebiet' und seine enge Derpslechtung mit dem Wirtschaftsleben. 3n der Abstimmung bildete sich für die Bewilligung des Kredits eine Mehrheit von der Staatspartei Ren. »tten. *44 «"ü ersten Ms ^ichEtoh.M 1 ?NH Avis sÄ “? Mm tzÄ 'Ingen. Sonntag wurde hie, ^^nglermei« ÄÄIi3Ung m c verstorbene galt in "Er und tüchtiger alteingesessenen Hand- ^nd sich großer Hoch- m Alter von 87 S 1 6a«l Lorz, hier- * 'hr SOjährigez unmehr 78 Jahre alte 1 Lorz scn., errichtete icmrä Schwiegervaters, der Schiiterstrahe ein > bas sich bald einen Stadt Aidda und deren er Detterau und dm itb. Dor einigen Iah- )as Geschäft seinem kleinen Umsätzen kaum behauptet, später wurde die Tendenz allgemein etwas sreundlicher. Die Kurse sind jedoch teil- rein nominell, teils bei ganz geringen Umsätzen ermittelt. Größere Posten Pfandbriefe sind praktisch überhaupt nicht zu handeln. Reichsschuldbuchforderungen waren weniger angeboten, woraus man schließt, daß die Tauschoperationen im Nachlassen begriffen sind. Kursmäßig lag dieser Marit eher etwas freundlicher. Geld blieb bei unverändertem Tagesgeld- satz weiter leicht; der offizielle Satz für Privat- diskonten wurde um 0,13 auf 5,38 Proz. in der Mitte ermäßigt. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. Oie Vorbereitungen für die Wiedereröffnung der Börse. Der Berliner Börienvorstand hat die Beschlüsse und Maßnahmen zusammengesaßt, die für die Wiederaufnahme der amtlichen Kursfest st ellungimWertpap ierhan- del am 12. April erforderlich sind. Neben der Festsetzung der Börsenzeit und der Zeiten der Kursfeststellungen werden die Papiere veröffentlicht, in denen von jetzt ab ein Handel mit fortlaufender Notierung der tatsächlichen älmsätze stattfinden soll, wobei auch die Mindestabschlüsse neu geregelt sind. Das Verbot des Zwangsverkaufes verpfändeter Wertpapiere aus freier Hand zum laufenden Preise bleibt vorläufig noch aufrechterhalten. Wertpapiere zur Sicherung von neuem Lombardgeld, d. h. Darlehen, die nach dem 25. Februar 1932 gegeben worden sind, werden von dem Verbot des Zwangsverkaufes nicht betroffen. Die in den „Bedingungen für die Geschäfte an der Berliner Wertpapierbörse" für die Zwangsregelung vorgesehenen alten Vorschriften treten wieder in Kraft. Wieder aufgenommen sind die für die Zeit vom 3. bis 17. September 1931 geschaffenen Bestimmungen gegen die Leerverkäufe im Kassamarkt. Der Dörsenvvrstand hat eine große Reihe von Serien festverzinslicher Wertpapiere mit Zustimmung der 3nftitute zu wenigen Notizen vereinigt. Weiter wird der Handel in einer Anzahl von Wertpapieren eingestellt, deren Zulassung zu- rüdgenommen worden ist. Endlich hat der Dörsenvorstand beschlossen, strengstens darauf zu achten, daß nach Wiedereröffnung des amtlichen Börsenverkehrs in Wertpapieren alles vermieden wird, was geeignet ist, das Börsengeschäft zu beunruhigen. 3ede Gerücht- bildung und -Weitergabe muß daher unterörüdt, und, wo sie sich etwa zeigt, zur Anzeige gebracht werden. Der Terminhandel in Wertpapieren bleibt weiter verboten. Eine Aenderung in der Notierungsart der festverzinslichen Wertpapiere tritt bis auf weiteres nicht ein. Sie werden wie früher täglich notiert. Eine Reihe ausländischer Wertpapiere wird vom 12. April 1932 nicht mehr im Amtlichen Kursblatt aufgeführt; eine Zurücknahme der Zulassung ist hierin nicht zu erbliden. Zn Frankfurt. Frankfurts. M.. 6. April. Der Frankfurter Börsenvorstand hat zur Wiederaufnahme der amtlichen Kursnotierung am 12. April folgendes beschlossen: Die Börsenversammlungen finden an allen Werktagen statt und dauern von 12 bis 14, Samstags von 11 bis 13 Ahr. Der Einheitskurs wird, wie bisher, um 13.15 Ahr, Samstag um 12.15 Ahr festgestellt. 3m Handel mit fortlaufender Notierung wird der erste Kurs um 12 Ahr, Samstags um 11 Ahr, der Schlußkurs um 14 Ahr, Samstags um 13 Ahr fest- gestellt. Hiermit wird dix Feststellung des ersten und des Schlußkurses zeitlich an Berlin angeglichen. Die Abendbörse findet, wie bisher, von 17 bis 18 Ahr statt; der erste Kurs wird um 17.15, der Einheitskurs um 17.45 Ahr und der Schlußkurs um 18 Ahr festgestellt. Der Terminhandel bleibt weiter verboten. 3n der Auswahl der zur fortlaufenden Notierung zugelassenen Papiere und der vorübergehenden, ober dauernden Einstellung der Notierung einzelner Papiere schließt sich der Frank- für ter Dörsenvorstand grundsätzlich dem Vorgehen des (Berliner Börsenvorstandes an. behält sich jedoch die Dekanntgabe von Einzelheiten, in denen die besonderen Verhältnisse des Platzes berüdsichtigt werden, noch vor. • Dingwerke AG., Nürnberg. Die Dingwerke AG. hat sich wegen eines außergerichtlichen Vergleichs an ihre Gläubiger gewandt und im Zusammenhang mit dieser Maßnahme hre Zahlungen eingestellt. Gleichzeitig wird eine außerordentliche Generalversammlung zur Mitteilung nach Paragraph 240 Absatz 1 HGD. auf den 11. Mai einberufen. Es besteht die Absicht, den (Betrieb fortzusehen, um die Weiterführung f»5. feintSpS SS hiSU6tt dj- toa'8'W» "iS :Qma jBg* ein Ulf, wollte ben Stapel ieben und lauschte noch erklang Sus- St« b und zu besucht, ab- Al war, fam ihr w -den Augenblickvenig- ich mit Doktor Mnde- Sie ahnte nicht, ebenso« iberen, die bt* notwendig es gem en t den Augenblick bester der die Worte, die g Hut hervoGE durch L'Ks ne feH ’te Wnd. nut JW*lh“ 7 Ist i"cineL lie ab* Mr?" sr°gle , »unblutig- chMl" M ' W .Ilschoft Zch vustlr des Ortes teilnahmen. Nach einem gemeinsamen Sieb unb Psalmverlesung trug bet Gesangverein unter Leitung seines Dirigenten Lehrer S ch ü - zollte in seiner Ansprache bem scheidenden Lehrer und Organisten für feine Verdienste um Kirche unb Schule bie Anerkennung ber Kirchengemeinde. Für die Zivilgemeinbe sprach Dürgermeister Dr. Neumann (Groß-Rechtenbach), der ebenfalls bie (Berbienfte bes scheibenben Lehrers hervorhob. Er überreichte als Andenken ber Gemeinde eine schöne Photographie vom hiesigen Ort mit Kirche, Schule unb Schulsaal. Für die Kirchengemeinbe überreichte Pfarrer K u l k e eine Dilberbibel. Der Gesangverein „Liederkranz" verabschiedete sich von seinem Ehrendirigenten unb Orünbcr durch seinen Vorsitzenden Wilhelm Rühl, der Turnverein von seinem Mitbegründer durch seinen Vorsitzenden Wilhelm Klein. Die Schulkinder überreichten ihrem scheidenden Lehrer als Andenken ein geschmackvolles Geschenk. 3m übrigen wurde bie einbrucksvolle Feier durch Gesangsvorträge des Gesangvereins „Liederkranz", sowie durch Gedichtvorträge von Frl. Anna Messerschmidt, Frl. Emma Meier, sowie ber Schülerin Erna Heep verschönt. Lehrer Quaket dankte für die zahlreichen Ehrungen. Mit einem gemeinsamen Lied sand die Feier ihr Ende. Lehrer Quenzer amtierte von 1901 bis 1932, also 31 3ahre lang, in unserer Gemeinde. Er wird nach Bad Kreuznach übersiedeln. Kreis Biedenkopf. • Weidenhausen, 6. April. Am Sonntag ?aftierte die Gießener Nationalsozia- istische Theatergruppe in unserem Orte unb führte vor vielen Zuschauern das Schauspiel „Horst Wessel" auf, das in zahlreichen Dildern das Leben unb Sterben eines jungen Nationalsozialisten vor Augen führte. Starker (Beifall belohnte bie Darsteller. Einige lebenbe Bilder bereicherten den Abend. Eine provinzial-Lungenheilanstali in Marburg. WSN. Marburg, 6. April. Gestern ist Las Tuberkulosekrankenhaus „Son- 6 tfpril vmlllck»» Jlohtrunj ®»1b | Priel Sochschulnachrichien. Professor Rudolf H i 11 m a i r von der Technischen Hochschule in D r e s d e n ist zum Ordinarius ber englischen Sprache unb Literatur an ber Uni* versität Tübingen als Nachfolger von Professor W. Schirmer bestätigt. Kirche und Schule. Landkreis Gießen. )( Hungen, 6. April. Unter bem Vorsitz von Dekan Engel unb in Anwesenheit bes Super- intenbenten von Oberhessen, Oberkirchenrat D. Wagner, Gießen, sand hier eine Konferenz ber evangelischen Geistlichen bes Dekanats Hungen statt. Stiftspfarrer D r a u b t, Lich, hielt einen Vortrag über den freiwilligen Arbeitsdienst Der Direktor des Arbeitsamtes Gießen, Regierungsrat Dr. D u e s , ergänzte bie Ausführungen unb berichtete von ben günstigen Ergebnissen bes freiwilligen Arbeitsbienstes in Oberhessen. Den Vorträgen folgte eine ausgiebige Aussprache. Kreis Büdingen. nb. Nibda, 5. April. 3n ber hiesigen Kirche würben aus bem Kirchspiel 32 Kinder konfirmiert, 18 Knaben unb 14 Mäbchen. Von Nibba waren 10 Knaben, 8 Mädchen; von Unter- Schmitten 3 Knaben, 4 Mädchen; von Kohden 5 Knaben, 1 Mädchen; 1 Mädchen wohnt außerhalb des Kirchspiels. Aus Michelnau und Bad Salzhausen wurden keine Kinder konfirmiert. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 9. April: Vor» abend 6.45 Uhr; morgens 9; abends 7.15 und 7.55 Uhr. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatseier den 9. April. Freitag abend 6.40 Uhr; Samstag vormittag 8.30; nachmittags 3.30; Sabbatausgang 7.55. —? Wochengottesdienst: morgens 6.45; abends 6.30 Uh«, 4,22 58,92 87,27 15,89 16.62 170,74 22,19 83,27 2.51 85,27 81,88 32,16 Aus öfter Wett. General von Kathen f. In Wiesbaden ist der im Ruhestand lebende General der Infanterie a. D. H u g o v o n K a t h e n im Alter von 76 Jahren gestorben. Kathen war der letzte Gouverneur der Festung Mainz und trat im Weltkrieg an die Spitze eines Armeekorps, bis ihm schließlich die Führung der 8. Armee anvertraut wurde. Einige Tage vorher ist auch die Tochter des Generals, Margarete von Kathen, Geschäftsführerin beim Städtischen Gesundheitsamt in Mainz, gestorben. Forderungen des Reichsbundes Deutscher Mieter. Der Gesamtverbanb des Reichsbundes Deutscher Mieter hat tine Ents ch liehung gefaßt, die die beschleunigte Fortführung ber burch bie 4. Notverordnung eingeleiteten Mietfen - tung fordert, vor allem der Mieten für Wohn- unb Geschäftsräume in Alt- unb Neubauten auf ben Stanb ber Vorkriegsmieten. Ferner wirb verlangt bie Rückgängigmachung bes ebenfalls burch bie Notverorbnung vom 8. Dezember v. 3. erfolgten Abbaues bes Mieterschutzes sowie bie Schaffung eines zeitgemäßen Sozial- und Wohnrechtes. 3n der Reso- iution wirb außerdem bie Sortierung erhoben, bäh jebe Senkung ber Hauszins st euer im vollen Umfange zur weiteren Senkung ber Mieten verwanbt unb baß ber Kleinwohnungsbau durch Gewährung staatlicher Mittel energisch gefördert wirb. träge einbehalten, für diese aber nicht die Marien geklebt hatte. Das gleiche Gericht hatte einen Arbeiter wegen unbefugten Führens einer Waffe (Dolch, zu einer Geldstrafe verurteilt Da ber offensichtlich sehr beschränkte einzige Zeuge seine trüberen belastenden Angaben widerrief, wurde der Angeklagte sreigesprochem schluß, er müsse dem Minister die Entscheidung Berufung war ohne Erfolg. Die Beweisaufnahme überlassen, er werde aber wissen, seine Konsequen- ergab, dah er einem Arbeiter Dersicherungsbei- | zen zu ziehen. 7«tril_______ «mtlidx Aoltknmg («leib 4.20 58.68 86,93 15,83 16,56 170,06 22,11 82,93 2,49 84,93 81,56 32.04 (lelltngfoti . Wen . . 7.283 49.95 7.297 50.05 7.303 49.95 7.317 50.05 Prag . . . 12.465 12.485 12.465 12.485 BubaptQ . . 56.94 57.06 56.94 57.06 Sofia . . 3.057 3,063 3.057 3.063 ('ollanb . . 170.43 170.77 170.53 170.87 Cilo . . . 83.12 83.28 83.62 33.72 Ri’penbagci. 87,11 87,29 87.71 87.89 etodbolm 85,11 85.29 64,82 84.98 London . . 15.87 15.91 15.98 16.02 Oueno« 21frH 1.068 1,072 1,068 1.072 Reunort . . 4.209 4.217 4.209 4.217 »rüffel . . . 58,84 58.96 58.94 59.06 mallen . . . 21,72 21.76 21.70 21.74 Pari, . . . 16.60 16.64 16.60 16.64 G diroetg . . 81,74 81.90 81,82 81 .98 Spanien . . 31,92 31,98 31.92 31.98 Danzig . . 82.44 82,58 82,42 82.58 Japan . . 1.389 1,391 1,389 1.391 «io de Sian.. 0.256 0,258 0,259 0.261 Niigoflamie». Uiiiaboe 7.413 14.39 7.427 14.41 7.413 14.59 7,427 14.61 SJi.-’fpoit Trammgsverpflichiung - Anrudern. Der Verein Rudersport Gießen 1913 eröffnete mit der Lrainingsvcrpflichtung und dem Anrudern am vergangenen Sonntag seine diesjährige Ru- dersaison. Der Vorsitzende des Vereins verpflichtete mit den Worten: „Kampf ist der Erzeuger alles Lebens, aber eine gedeihliche Entwicklung erfordert den Frieden ..." in Anwesenheit zahlreicher Mitglieder, 13 junge Ruderer zum diesjährigen Training. An der traditionellen Auffahrt, die dieser Verpflichtung voraufging, beteiligten sich zwei Einer, ein Doppelzweier, drei Vierer, ein Damenvierer und ein Achter, die in Kiellinie das Bootshaus passierten. Die Veranstaltung war von gutem Wetter begünstigt und hatte zahlreiche Zuschauer an die Lahn gelockt. Der Verein rechnet auch in diesem Jahre wieder mit einem regen Rudcrbetrieb. Die Trainings- leitung wurde Hans Weber übertragen. Radclub „Germania" 1899 Giehen. Bei dem am Sonntag in Wiesbaden-Bierstadt ausgetragenen Radballturnicr um den „Großen Preis vom Mittelrhein" konnte die 1. Mannschuft des Radclubs „Germania" Giehen (QI. Daum, W. Stommel) unter stärkster Konkurrenz den 2. Sieg erringen. Da die Germanen im Vorspiel frei waren, muhten sie gleich gegen ihren alten Rivalen, die Mannschaft der Frankfurter „Wanderlust" (Krupp—Hartmann) antreten, gegen den sie im letzten Frankfurter Radballturnier in der Entscheidung mit 10:8 verloren, jedoch diesmal mit einem Resultat von 6:0 überlegen waren. 2m zweiten Zwischenspiel muhte sich Oberrads 2. Mannschaft (Reinhardt—Walter) eine 6:2-Riederlage gefallen lassen. 3m entscheidenden Spiel fanden die Gießener aber in Oberrads erster Mannschaft (Grebe—Schwab) einen härteren Gegner, der auch nach hartem Kampf mit 4:2 Sieger blieb. Handball im Gau Hessen (O. T.) Mto. Giehen I — To. Heuchelheim I 6:4. Am Sonntag weilte die 1. Mannschaft des Tv. Heuchelheim als Gast beim Männerturnverein zu einem Freundschaftsspiel. Die Männerturner mußten mit mehrfachem Ersatz antreten, der sich aber sehr gut der übrigen Mannschaft anpaßte. Bei den Gießenern machte sich eine leichte Ueberlcgenheit durch gutes Zusammenspiel bemerkbar, die aber die Heuchelheimer durch ihren guten Sturm fast ausgleichen konnten. Das Spiel zeigte zeitweise schöne und spannende Momente und wurde auch jederzeit fair durchgeführt. Das Endresultat von 6:4 für Mtv. entspricht dem Spielverlauf. 2Mv. 1. Jugend — Tv. Wetzlar 1. Jugend 4:4 (2:1). Am Sonntagvormittag trug die Jugend des Männerturnvereins ihr fälliges Verbandsspiel gegen die Wetzlarer Jugend in Wetzlar aus. Während der ersten Halbzeit entwickelten die Männerturner großen Spieleifer, führten ein schönes Kombinationsspiel vor und konnten die Führung bis zur Pause halten. Während der zweiten Halbzeit kamen die Wetzlarer immer mehr in Fahrt. Die Gießener mußten sich den Ausgleich und sogar ein 3:2 gefallen lassen. Die Wetzlarer legten später noch ein Tor vor, das die Män- ncrturner kurz vor Schluß ausgleichen konnten. Großen-Linden I — Dutenhofen 1 11:5 (2:3). Die Gäste spielten zuerst mit dem Wind und hatten auch die Sonne im Rücken. Die Gastgeber lagen zwar bald mit zwei Toren in Führung, aber ihr leichtsinniges Spiel ließ die Gäste nicht nur zum Ausgleich, sondern bis zur Pause sogar zur Führung gelangen. Rach der Pause gingen die Einheimischen dann wieder mehr aus sich heraus und kamen bis zum Schlußpfiff noch zu weiteren neun Toren, denen die Gäste nur noch zwei Treffer entgegensetzen konnten. Der Tv. Großen-Linden, einer der leistungsfähigsten ländlichen (DT.)-Turnvereine, beging am Sonntag, wie schon kurz berichtet wurde, sein 40. S t i f t u n g s f e st. Daß er in dieser ernsten Zeit nicht mit einer rauschenden Festlichkeit aufwartete, sondern die Feier mit turnerischer Arbeit ausfüllte und zu einer wirkungsvollen Werbeveran- ftaltung für das deutsche Turnen gestaltete, und daß er seine Partner in dem Mannschaftskampf nicht vom Lande, sondern aus zwei städtischen Hochburgen des Geräteturnens geladen hatte, verdient besondere Anerkennung. Die Veranstaltung, die turnerischer Großtag für Großen-Linden war, wurde vom Vorsitzenden des Turnvereins, Dr. Römer mit herzlichem Gruß an die nahezu 600 erschienenen Turnfreunde und Gäste eröffnet. Ein besonderer Willkomm galt den Gästemannschaften, den von der Gauleitung anwesenden Vertretern (Gauvertreter Schneider, Ehren- Gauoberturnwart Will, Gaufrauenturnwart Paul) und den zahlreichen Besuchern aus Gießen. Treffend zeichnete Dr. Römer den tieferen Sinn der Gerätcwettkämpfe. Bürgermeister Lang begrüßte die auswärtigen Gäste im Namen der Gemeinde Großen-Linden. Gauvertreter Schneider (Butzbach) beglückwünschte den Verein im Auftrage des Gaues Hessen zum 40jährigen Bestehen. Ein Vertreter der Gästemannschaften dankte der turnfreundlichen Gemeinde Großen-Linden für die herzliche Begrüßung und gastliche Aufnahme. Zum Wettkampf traten an die aus je 6 aktiven Turnern bestehenden Mannschaften von Tv. 1846 Gießen, T. u. Spv. Marburg und Tv. Aus Anlaß der Einweihung des neuen Sportplatzes in Klein-Linden wurden am Sonntag zwei Freundschaftsspiele ausgetragen. Die flinkere Jugend des Tv. Münchholzhausen rang der 2. Mannschaft des Tv. Klein-Linden ein 2:1 ab, nachdem Klein-Linden zur Halbzeit noch 1:0 geführt hatte. — Die 2. Mannschaft des Tv. Münchholzhausen mußte sich der schnelleren, allerdings auch körperlich überlegenen Klein-Lindener 1. Mannschaft mit 1:5 beugen. Das Spiel wurde ziemlich hart durchgeführt. Dem erstklassigen Torwächter der Gäste war es zuzuschreiben, daß der Torunterschied nicht noch größer wurde. Mit der Verpflichtung der Friedberger hatte der Tv. G r o ß e n - B u s e ck gute Wahl getroffen. Die Gäste stellten eine in jeder Hinsicht gut durchgebildete Mannschaft, die ihren Hauptrückhalt im vorzüglichen Tormann hatte. Das Spiel an sich war ein von Anfang an sehr flott geführter Kampf, bei dem jede Mannschaft energisch bemüht war, den Sieg zu erringen. Bei nicht allzu großem Schußpech hätte der Sieg der Großen-Busecker höher ausfallen müssen. Der Sturm sollte vor allen Dingen lernen, flach zu schießen. Großen-Linden. Geturnt wurde von jedem Teilnehmer an Pferd, Barren und Reck; dazu kamen noch Kürfreiübungen, die von zwei Turnern jedes Vereins ausgeführt wurden. Leiter des Kampfes war Ehren-Gauoberturnwart Will (Gießen). Jeder der drei Kampfrichter (Turnlehrer S i n n w e l l, Bad-Nauheim, und die Bezirksturnwarte Schüler, Wetzlar, und Jansen, Sinn) konnte bis zu zehn Punkte werten, so daß theoretisch 600 Punkte von einer Mannschaft hätten erreicht werden können. Oer Kampfverlauf. Selten ist von durchaus ebenbürtigen Mannschaften so spannend um den Sieg gekämpft worden. Das Treffen begann mit dem Pferd, dem schwierigsten und undankbarsten Gerät. Es gab hier trotz einfacher Hebungen manchen Versager, und erst in den Schlußrunden wurde die Punktzahl 25 erreicht oder überschritten. Der Kampf stand nach der letzten Hebung: Marburg 126*; Giehen 128h Großen- Linden 131h Am Barren verbesserte zunächst Gießen das Gesamtergebnis zu seinen Gunsten und führte vorübergehend mit einem Punkt Vorsprung. Aber R. Seth, der Schlußturner der Großen- Lindener, holte sich 29£ Punkte und schaffte damit Großen-Linden wieder an die Spitze der Tabelle, die nach dem Barrenturnen folgendes Bild zeigte: Marburg 2711; Gießen 277; Großen-Linden 278 P. Nach der F r e i ü b u n g, bei der neben der überragenden Leistung des Marburgers G o e t s ch (30 Punkte) auch die übrigen Teilnehmer recht Beachtliches zeigten, stand der Kampf: Marburg 3291; Gießen 330; Großen-Linden 332 P. Beim äußerst Geräiewettkampf Großen-Linden - Gießen - Marburg' 40Zahre Tv. Großen-Linden. spannenden Endkampf am R e ck holte Gießen auf! es brachte es nach der zweiten Runde bereits auf drei Punkte Vorsprung vor Großen-Linden, hatte nach dem vierten Gang davon aber wieder lr P. an Großen-Linden abgegeben. Nach menschlichem Ermessen konnte es jetzt nur noch einen knappen Sieger mit höchstens 1 bis 2 Pluspunkten geben. Gießen sowohl als Großen-Linden hatten Aussicht, in diesem Kampf um den fehlenden Punkt der „Glücklichere" zu sein. Da betraf den vorletzten Kämpen der Großen-Lindener ein Mißgeschick. Sein unerwartetes Versagen, das nur 9 Punkte ein« brachte und auch durch die glänzende Leistung S e t h's (30 P.) nicht mehr ausgeglichen werden konnte, verschaffte Tv. 1846 Gießen mit 483 P. einen glatten Sieg. Tv. Großen-Linden konnte, da auch die Marburger einen empfindlichen Versager am Reck hatten, wenigstens noch den zweiten Platz mit 466* P. behaupten, gefolgt von Marburg mit 461 Punkten. Die Ergebnisse in Zahlen. An den einzelnen Geräten wurden folgende Punktzahlen erreicht: Pferd: Großen-Linden 1311, Gießen 1281, Marburg 1261; Barren: Gießen 1481, Großen-Linden 1461, Marburg 145; Freiübung: Marburg 58, Großen-Linden 54, Gießen 53; Reck: Gießen 153, Großen-Linden 1341, Marburg 1311. Die besten Einzelleistungen zeigten: R. Seth, Tv. Großen-Linden, 88 P.; K. Reuter, Tv. 1846 Gießen, 81 P.; K. S ch i/k , Tv. 1846 Gießen, 791 P.; W. Fink, T. u. Sp. Marburg und Fritz Wei« te r s h e u s, Tv. Großen-Linden, 76 P. Die übrigen Gießener erreichten: W. Hartmann, 701 P.; A. Burkart, 68 P.; H. Herbert, 671 P.; L. Herbert, 631 P.; die übrigen Großen-Lm- bener: A. Leun, 691 P.; H. Jung, 66 P.; K. Seipp, 601 P.; K. Keßler, 521 Punkte. Unter lebhaftem Beifall nahm der Leiter des hochwertigen Kampfes, Ehren-Gauoberturnwart Will, die Siegeroerkündigung vor. Er dankte dem Kampfgericht für die einwandfreie Wertung und gerechten Entscheidungen sowie dem Großen-Lindener Publikum für sein ruhiges, echt turnerisches Verhalten und überreichte der siegreichen Gießener Mannschaft den schlichten Siegespreis. * Das vor dem Geräteturnen aus Anlaß des 40. Stiftungsfestes durchgeführte Handballtreffen zwischen Tv. Großen-Linden I und Tv. Dutenhofen l endete 11:5 für den Platzverein. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Ahr. Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt eingesandte 21T a n u f t r i p f c ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäfts st ekle zu richten. L.J,• y ■- •• : QP5£?