nr. 287 KeühauSsabe 182. Jahrgang Dienstag. 6. Dezember 1952 Lrichernl tägltd),autz« Sopniags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat m Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis: «mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüfse unterSammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten- Anzeiger Siehe«. Postscheckkonto: Zrontfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vri'S vnd Verlag: vrühl'sche Univerfitälr-Vuch- vnd Stetnöruderei R. Lange in Gletzen. Zchristlektung und Geschäftsstelle: Zchulllra^e 7. Annahme von Anze.gen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Ne- Klameanzeigxn von 70 mra Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° . mehr. Chefredakteur- Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für denAn- zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Siegen. WiewirdsichderNeichstagzumneuenKabineiistellen? Roch keine Entscheidung der Parteien -Oie Regierung wünscht Vertagung der parlaments- beschlüffe bis nach Weihnachten. Berlin. 5. Dez. (TU.) wie die TU. erfährt, haben die Beratungen der Reichslagsfraktion der NSDAP„ der auch Hitler beiwohnte und in er zu ausführlichen Darlegungen das wort ergriff, eine endgültige Entscheidung noch nicht gebracht. Die Stellungnahme der Reichslagssraklion der NSDAP, gegenüber dem Wunsch der Regierung, die Entscheidungen des Reichstages bis nach Weihnachten zu vertagen, wird von gewissen Voraussetzungen abhängig gemacht. Bei diesen Voraussetzungen spielt, wie verlautet, auch die Frage der A m n e st l e eine Rolle. 3n Kreisen der Reichsregierung nimmt man an, datz es gelingen wird, die Mehrheit dafür zu gewinnen. datz sich der Reichstag nach feiner Konstituierung am morgigen Dienstag und nach der Wahl des Präsidiums am Dienstag oder Mittwoch b i s zum Dienstag kommender Woche vertagt, um dann die Erklärung der neuen Rcichsregierung entgegenzunehmen. Die Ausarbeitung der Regierungserklärung erfordere naturgemäß einige Zeit. Ls soll nach diesem plan dann gleich in die Aussprache eingetreten werden, wobei die erste Rebnergarnitur zur Bekanntgabe der Haltung der Parteien zu Worte kommen soll, bann solle ble weitere Aussprache unb die Beschlüsse bes Reichstages auf Anfang Januar vertagt werden. Am Montag waren Gerüchte im Umlauf, die von erneuten Verhandlungen zwischen Nationalsozialisten und Zentrum über die Neugestaltung in p reutzen wissen wollten. Solche Verhandlungen werden jedoch zweifellos erst bann ernstlich in Frage kommen, wenn bie Haltung der Parteien gegenüber bem neuen Kabinett Schleicher fesisteht. Dabei ist anzunehmen, baß die von ben Parteiführern bem Reichspräsidenten gegebene Versicherung, ber durch bie Rotoerorbnung beseitigte Dualismus Preußen-Reich solle nicht wieber in Erscheinung treten, von ben Parteien inne- gehalten wirb, so baß bie Wahl eines Ministerpräsidenten in Preußen nicht den Charakter einer Aktion gegen bie Reichsregierung annehmen würbe. Ls wäre bann Sache einer Vereinbarung zwischen Reichvregierung unb Parteien, in welcherForm eine neue parlamentarische Preußenregierung unter Aufhebung bes Postens bes Reichskommissars personell in bas Reichskabinett einju- bauen wäre. Die GPO. fordert sofortige Regierungserklärung. Mißtrauensvotum gegen das ncueKabinctt Berlin, 5. Dez. (DDZ.) lieber die Fraktions- sihung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion wird von der Fraktion u. a. folgendes mitgeteilt: Die sozialdemokratische Reichstagsfrakion be-- schloß, für die Wahl des Reichstagspräsidenten wieder Paul Lobe vorzuschlagen. Die sozialdemokratische Fraktion wird verlangen, daß der Reichstag sofort nach seiner Kon st i - tuierung die Erklärung der neuen Regierung entgegennimmt und daß sich daran eine Aussprache über die wichtigsten politischen, wirtschaftlichen und sozialpolitischen Fragen anschließt. Die Fraktion wird sofort einen Mißtrauensantrag gegen die Regierung von Schleicher einbringen, da die Zusammensetzung des neuen Kabinetts keine Gewähr dafür biete, daß sich dessen Politik wesentlich von der des früheren Kabinetts unterscheiden wird. Als besonders vordringlich wird die Sozialdemokratie die schnellste Erledigung einer Reihe von ihr eingebrachte Anträge und Gesetzentwürfe fordern. Dazu gehören die Gewährung einer zusätzlichen Winterhilfe für alle Unterstützungsempfänger und Hilfsbedürf tigen, sowie der Erlaß einer Amnestie für politische Vergehen und Vergehen aus sozialer Rüt. Ferner verlangt die Fraktion die Aufhebung der Terror- Rotverordnung und der Sondergerichte, die Wiedererhöhung der sozialpolitischen Leistungen auf den Stand vor Erlaß der Rot- verordnung vom 14.3unt 1932, die Beschaffung von Arbeit und eine großzügige Durchführung des Siedlungswerks. Oie Oeutschnaiionalen unb bas Kabinett Schleicher. Berlin, 5. Dez. (TU.) 3n einem „Heber- gang oder Endlösung?" überschriebenen Artikel nimmt der Pressechef der DRDP., Brosius, in den Parteiamtlichen Mitteilungen zum Kabinett Schleicher u. a. wie folgt Stellung: Die nächsten Tage werden zeigen, wie sich das neue Kabinett einem Reichstag gegenüber verhalten wird, der ihm die Gefolgschaft versagt. Ist das Kabinett Schleicher, das sich aus fast den gleichen Persönlichkeiten — mit den gleichen Gegensätzen — zusammensetzt, wie das frühere Kabinett, stark genug, um eine Endlösung darzustellen? Wenn nicht, wird es den Heber- gang bilden auf dem Wege rückwärts zum Parlamentarismus ober auf Wege zu Hitler oder au f dem Wege z u einer Staatsführung, die das vollendet, was die Regierung Papen nicht durchzusetzen vermochte? Von dem Weg, den das neue Kabinett geht, wird es abhängen, wie sich die DRVP. zu ihm stellt. Die drei sachlichen Forderungen der Deutschnationalen sind: 1. Der Weg vom Parlamentarismus von Weimar zum autoritären Staat muß entschlossen weitergegangen werden. 2. Der Dualismus zwischen Reich und Preußen darf nicht wiederkommen, auch nicht auf dem Wege einer Einigung zwischen Nationalsozialisten und Zentrum in Preußen. 3. Der Reubau der Wirtschaft muß nach neuheitlichern Plan und unter Ausschaltung aller sozialisti schen Experimente durchgeführt werden. In den Anfängen schon liegt Erfolg oder Mißerfolg des neuen Reichskanzlers begründet. Silier vor der ReichMssrakiion der ASDAp. Kein Kompromiß. —Das Wahlergebnis in Thüringen. Berlin, 5. Dez. (TU.) Ueber die erste Sitzung der nationalsozialistischen Reichstagsfraktion gibt die Reichspressestelle der NSDAP, nachstehenden Bericht aus: „In Anwesenheit Adolf Hitlers t£at am Montag ab ent» die Reichstagsfraktion der NSDAP, zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen. Der Fraktions- vorfttzende Dr. Frick eröffnete die Sitzung mit einer Begrüßungsansprache, in der er feststellte, daß die Fraktion zusammengekommen sei, um zu bekunden, daß sie geschlossener und einiger denn je hinter ihrem Führer stehe und in den Kampf eintrete. Dann nahm Adolf Hitler das Wort und legte in mehr als einstündigen Ausführungen nach einem Rückblick auf die letzten politischen Ereignisse die Richtlinien fest, die für die Haltung der Reichstagsfraktion der NSDAP, i m kommenden Kampfe maßgebend sein werden. Ausgehend von den immer gleichbleibenden weltanschaulichen Zielen und der großen nationalen Aufgabe der Bewegung, von der Millionen Deutscher die Erfüllung ihres Sehnens nach einer besseren deutschen Zukunft erwarten, gab er seiner durch nichts zu erschütternden Ueberzeugung Ausdruck, daß Energie und eiserne Zähigkeit der nationalsoziali st i schen Idee den Sieg sichern werde. Niemals habe eine große Bewegung gesiegt, wenn sie d e n W e g d e s Kompromisses eingeschlagen habe. Je mehr die Ereignisse zur Entscheidung drängten, umso mehr Opfer erfordere der Kampf. Entscheidend sei allein, wer in diesem Kampf das letzte Aufgebot und das letzte Bataillon auf die Walstatt bringe. Es fei nicht wahr, daß die NSDAP, in Thüringen eine Niederlage erlit - ten habe. Wenn man schon diese Gemeindewahl als politischen Maßstab nehmen wolle, dann stelle er fest, daß die NSDAP, insgesamt in Thüringen prozentual im Berhältnis zu den anderen Parteien nicht zurückge- gangen sei, sondern sogar gegenüber der letzten Reichstagswahl im Verhältnis etwas gewonnen habe. In zahlreichen Gemeinden fei sogar die Stimmenzahl der letzten Reichstagswahl überschritten worden. Keine Sekunde werde die nationallsozialistft'che Bewegung in ihrem Kampfeswillen und in ihrer Kamp'sesentschlofienheit e r» lahmen. Sie habe den längeren Atem und werde daher auch den letzten Sieg erringen. Nachdem Adolf Hitler sodann die politischen Richtlinien für die Reichstagsfraktion im einzelnen bekannt gegeben hatte, schloß der Fraktionsvorsitzende Dr. Frick die Sitzung, indem er dem Führer namens der gesamten Fraktion das Gelöbnis unerschütterlicher und unverbrüchlicher Gefolgs- treue in die Hand ab legte. Der Landgemeindetag hinter dem Arbeitsbeschaffungsplan Gerekes. Leipzig, 5. Dez. (TH.) Der Vorstand des Deutschen Landgemeindetages trat in Leipzig zusammen, um wirtschaftliche und Politische Tagesfragen zu besprechen. Der Präsident Landrat a. D. Dr. Gereke war durch die Kabinettssihung in Berlin am Erscheinen verhindert. Die Versammelten brachten zum Ausdruck, daß es besonders erfreulich sei, daß dieser Mann, der seit zehn Iah- ren Führer des Verbandes preußischer Landgemeinden und Kämpfer für die Landgemeinden ge- wesen sei, nun das Amt des Reichskommissars erhalten habe mit Sitz und Stimme im Kabinett. Der Deutsche Landgemeindetag st ehe hinter diesem seinem Führer, wenn er die hauptsächlichsten Grundsätze seines Planes auch als Reichskommissar sesthalte. Heber die Gerekeschen Grundsätze führte Ministerialrat Schellen aus: Im Gegensatz zu den Maßnahmen der Reichsregierung Papen soll die Arbeitsbeschaffung nicht von der Seite des Erzeugers, sondern von der des Verbrauchers her versucht werden. Es müssen öffentliche Aufträge an Privatunternehmen begeben werden. Unter allen Hmständen müssen die Finanzierungspläne, wie sie der Regierung Papen noch vorgeschwebt haben, verhindert werden. Auch die Gemeinden müssen die Steuergutscheine „a Fonds perdu“ erhalten. Heber die Einführung des Steuervereinheitlichungsgesetzes wurde eine Entschließung angenommen, die dahin geht: „Der Landgemeindetag fordert, daß die für den 1. April 1933 vorgesehene allgemeine Durchführung des Steuervereinheitlichungs - Gesetzes solange zurückgestellt wird, bis eine auf beständige wirtschaftliche Verhältnisse begründete neue Einheitsbewertung vorliegt. Die auf den 1. Ianuar 1931 festgestellten Einheitswerte weisen unter sich eine starke Hnterschied- lichkeit auf und sind durch die wirtschaftliche Entwicklung überholt. Ihre Verwendung als Be- steuerungsgrundlage würden dem Grundsatz einer gleichmäßigen und gerechten Besteuerung widersprechen und der Erhebung der Realsteuer große Schwierigkeiten bereiten. Schließlich nahm die Versammlung noch scharf gegen das Gutachten der Reichsanftalt über die Mitwirkung der Gemeinden bei der Bedürftigkeitsprüfung in der Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge Stellung. Die vier kommunalen Spihenverbände werden ein gemeinsames Gegengutachten erstatten, das wahrscheinlich im Ianuar bekanntgegeben werden kann. Sie letzten Wahlergebnisse ans Thüringen Sondershausen (Kreisrat): RSDAP. 11511 (16 213), 5 (bisher 0 Mandate), Soz. 6751 (7090), 3 (5) Mandate, Komm. 7048 (7567), 3 (1) Mandate, Dn. 1911 (2258), 1 (1) Mandat, Landbund 5193 (3143), 2 (5) Mandate, Hapolitischer Mittelstand 1795 (—), 1 (2) Mandate, DVP. — (—), — (1) Mandat. Gotha (Kreisrat): RSDAP. 17765 (Reichstagswahl am 6. Rovember 22 831), SPD. 3619 (3424), Kommunisten 15 935 (16 563), Deutschnationale 3123 (3942), Deutsche Volkspartei 1190 (885), Landbund 6697 (4290), Rationale Bürger!. 1105. Saalfeld (Landkreis): RSDAP. 10 645 (14 739), 5 (0) Mandate, Soz. 9186 (11 084), 4 (6) Mandate, Komm. 6268 (8303), 3 (1) Mandate, Rationaler Block 1912 (—). 1 (bisher 5 bürgerliche) Mandate, Landbund 4241 (2690), 2 (3) Mandate. Arnstadt (Kreisrat): Rationalsoz. 15 693 (18 821), 6 Mandate; Soz. 9891 (9892), 3 Mandate; Komm. 13 556 (14 081), 3 Mandate; Bürgerliche 6371 (—), 2 Mandate; Komm. Oppos. 2650 (—), 1 Mandat. Meiningen (Kreisrat): Rationalsoz. 16 193 (22 180), 6 (1) Mandate; Soz. 8500 (8941), 3 (6) Mandate; Komm. 7618 (8557), 3 (1) Mandate; Landbund 4130 (2650), 3 (3) Mandate; Dürgerblock 311, 0 Mandate; Dn. 1178 (1987), 0 (5) Mandate; Landgemeindeverband 1117, 0 (1) Mandat; Bürgerliche Liste 564, kein Mandat; DVP. 1251 (919), kein Mandat; Staatspartei 390 (374). kein Mandat. Altenburg (Kreisrat): Rationalsoz. 15 679 (16 902), 6 (0) Mandate; Soz. 20 369 (22 028), 6 (8) Mandate; Komm. 7387 (7894), 2 (1) Mandate; Staatspartei 1652 (494), 0 (1) Mandate; Bürger!. Einheitsliste 5024 (—), 1 (—) Mandat. Eisenach, (Lankckreis): Larrdbund 8120 (5409). 4 (4) Mandate, Zentrum 3633 (4272), 1 (1) Mandat; Soz. 11 201 (12 016), 3 (5) Mandate« Komm. 7353 (9938), 2 (1) Mandate; Komm. Opp. 1053 (—), fein (lein) Mandat; Beamten- und Angestelltenvereinigung 891 (—), fein (kein) Mandat; Bürgerliche Liste 1100 (—). kein (fein) Mandat; Rat.-Soz. 9650 (15 601), 3 (3) Mandate; Wirtschaftspartei 389 (139). kein (kein) Mandat. Hildburghausen, (Kreisrat): RSDAP. 12839 (16 616), 7 Mandate; SPD. 4712 (4631), 2 Mandate; KPD. 3651 (4289) 1 Mandat; Landbund 4795 (3379), DRVP. 1447 (1606); zusammen 3 Mandate. Rudolstadt, (Gemeindewahl): RSDAP. 8102 (11 381), 4 Mandate; SPD. 7670 (8839), 3 Mandate; KPD. 6872 (8344), 3 Mandate; Land-« bunt) 3408 (2772), 2 Mandate; Lifte Bethmann i (Stahlhelm) 2 073 (—). 2 Mandate; Liste Dr. Wiedeburg 1058 (—), 1 Mandat. LmGpiegelderVerlinerpresse Berlin, 5. Dez. (CNB.) Die Thüringer Gemeindewahlen werden in den meisten Blättern als ein politisches Stimmungsbarometer gewertet. Während in einer Reihe von Zeitungen von schweren Verlusten der Nationalsozialisten gesprochen wird, die auch durch den prozentmäßigen Rückgang der Wahlbeteiligung nicht zu erklären seien, bezeichnet der „A n g r i f f" (NSDAP.) die „Nazioerluste" als „Lügen". Die Wahlen hätten gezeigt, daß die NSDAP, nicht nur unerschütterlich dastehe, sondern ihr Stellung gegenüber den anderen Parteien seit der Reichstagswahl vom 6. November bereits wieder erheblich verbessert habe. Das Blatt bringt eine Reihe von Beispielen dafür, daß der prozentuale Rückgang der NSDAP, g e r i n g e r als der der anderen Parteien sei. Die „Voss. Ztg." (dem.) nennt die Wahlen ein Gottesurteil über die Politik der NSDAP. Es zeige, daß die radikale Erregung, die bisweilen das Gefüge unseres Staates zu sprengen drohte, im Abklingen begriffen sei. Der Nimbus der unaufhörlichen Erfolge sei geschwunden. — Der „Germania" (Zentrum) spricht von eindringlichen Lehren dieser Wahl: Ob sie dazu hinreichen werden, die politischen Entscheidungen im Reiche, die mit dem Zusammentritt des Reichstags akut würden, maßgeblid) zu beeinflußen, werde die nächste Zukunft lehren. — Das „B e r l. T a g e b I." meint, die thüringischen Wähler hätten gestern nicht nur über die Verwaltung ihrer Städte und Kreise entschieden, sie hätten auch ein Urteil über die Politik ihrer nationalsozialistischen Landesregierung und über die Politik der NSDAP, im Reiche gefällt. Der Elan sei gebrochen, der nüchterne Alltag für Hitler habe begonnen. Die Scherl-Blätter „Lokalanzeiger" unb „T a g" heben hervor, daß die Linksmehrheit in einer Reihe thüringischer Städte gebrochen worden sei. Für die Deutschnationalen sei zu berücksichtigen, daß sie bis auf Gotha überall bei den kommunalen Wahlen zum ersten Male mit Sonderlisten vorgegangen seien, so daß eine langjährige entgegengesetzte Gewohnheit der Wähler überwunden werden mußte, und daß weiter, wie stets bei lokalen Wahlen, berufliche Sonderlisten ihre altgewohnte Anziehungskraft geäußert hätten. Der Thüringische Landbund, dessen Vertreter im Reichstag sich bekanntlich den Deutsch- nationalen angeschlossen hat, haben ausfallend gut abgeschnitten. Forderungen des GdA. Berlin, 5. Dez. (CNB.) Der Gewerkschaftsbund der Angestellten verbreitet einen offenen Brief an bie Reichsregierung, in bem u. a. folgende Forderungen ausgestellt werden: Wegfall ber Bebürftigkeitsprüfung in der A r - b e i t 5 l o f e n f ü r | o r g e Beseitigung ber Son - berbelaftung ber Angestellten in der Arbeitslosenhilfe, Ausgleichung ber Härten in ber Gewährung der W i n t e r z.u la ge, Zulassung gewerkschaftlicher Ersatzkassen auch in ber Arbeitslosenversicherung. Die Angestelltenoer- sicherung muß 'wieder das Recht zur selbstän- bigen Beitrags- und Leistungspolitik rediglich "aus ben Erfordernissen ber Versicherten erhalten. Mittel der Angestelltenversicherung dürfen nicht zugunsten anderer Versicherungszweige verwendet werben. Der Anspruch auf ein festes Monatsgehalt muß sicher gestellt werden. Weiter wird gefordert: Aufrechterhaltung und Ausbau des Kündigungsschutzes unb aller Schutzbestimmungen im Betriebsräte- unb Schwerbeschädigtengesetz, wirksame Bekämpfung bes Dop- pelvevdienertums, Beseitigung des Provisionsvertreterunwesens, Verbot aller Angestellten- lleberarbeit, Aufhebung ber Lohnkürzungsverordnung, Aushebung aller diktatorischen Eingriffe in die soziale Gesetzgebung. Ueber diese aktuellen Forderungen hinaus spricht der GdA. die Erwartung aus, baß ein großzügiges öffentliches Arbeit^ beschaff ungspro- g r a m m ins Werk gesetzt, die generelle A r - b e i t s 5 e i t verkürzt und auf die handelspolitische Abriegelung endgültig Verzicht geleistet wird. Ein Kreditausweitungs- programm des OHB. Hamburg, 5. Dez. (CNB. Funkspruch.) Der Deutschnationale Handlungsgehilfenoerband hat ein Arbeitsbeschaffungsprogramm aufgestellt, das heute der neuen Reichsregierung überreicht wird. In diesem Programm heißt es u. a., daß eine Kredit- ausweitung imstande sei, die Wiederbelebung der Wirtschaft zu beschleunigen. Der DHV. schlägt zum Zwecke einer solchen Kreditausweitung folgende Maßnahmen vor: 1. Der Reichsbankdiskont ist so lange zu senken, bis wieder in größten Ausmaßen Handelswechsel an die Reichsbank herangebracht werben. 2. Die einmal geschaffenen oteuer gut« scheine sind zum Zwecke ihrer finanziellen Verwertung dauernd in der Nähe des Pari- Standes zu halten. 3. Es ist notwendig, bestimmte Wertpa - piergruppen als Deckung für einen erweiterten Notenumlauf zuzulassen. Der Ankauf solcher Wertpapiere soll weiter die Wirkung haben, den Kauf der fe st verzinslichen Wertpapiere zu heben, d. h. also, zur Herabdrückung des Zinsfußes in Deutschland beizutragen. Solche Wertpapiere sind insbesondere Reichs-, Länder- und Gemeinde-Anleihen sowie Pfandbriefe. Die Einführung solcher Wertpapiere als berechtigte unmittelbare oder mittelbare Anlage von Notenbankmitteln würde sehr bald neue private und öffentliche Emissionen ermöglichen. 4. Für die Uebergangszeit ist das System der Notendeckung durch Finanzwechsel noch fortzusetzen. Oie Berliner Handelskammer zum Regierungswechsel. Berlin, 5. Dez. (END.) Der Präsident der Industrie- und Handelskammer Berlin gab aus Anlaß der Regierungsneubildung eine Er.lärung ab, in der es u. a. heißt: Anzeichen der Belebung unserer Wirtschaft bieten Anlaß, trotz eines gewissen Rückschlags im November nicht ohne Optimismus an die Winterarbeit zu gehen. Die Arbeitslosigkeit hat sich nicht verschärft. Die Produktion der 3n* dustri« ist gestiegen. Der Leihzins hat sich verbilligt. Die Wagengestöiilungen bei der Eisenbahn haben sich ziffernmäßig erhöht. Für die Hebung des inneren Marktes ist das Erforderliche im Ankurbelungsprogramm der Regierung geschehen. Es steht zu erwarten, daß durch Hebung der Kaufkraft auch der Landwirtschaft geholfen wird. Eine lebensfähige Landwirtschaft ist Voraussetzung für jede gesunde Volkswirtschaft. Trotzdem darf keinesfalls der deutsche Export erschwert werden, wie es bei dem hoffentlich erledigten Plane der Kontingentierung der Fall war. Grundlage für jede Besserung ist die Bewahrung einer unerschütterten Währung. Daß die Mark gehalten worden ist, hat das Vertrauen auf eine bessere Zukunft mehr unterstützt als irgendeine andere Erscheinung. — Die angespannte Lage der öffentlichen Finanzen erfordert äußerste Zurückhaltung gegenüber Plänen, die nur mit großem Aufwand ins Werk gesetzt werden können. Rur so läßt sich der Steuerabbau vorbereiten, der eine Voraussetzung für jeden wirtschaftlichen Aufschwung ist. Bei Einschränkung der öffentlichen Ausgaben und zeitgemäßer Umgestaltung der Sozialversicherung erscheint die Zukunft der öffentlichen Finanzen immerhin nicht hoffnungslos. Freilich wird zu einem wirklichen Aufblühen der deutschen Wirtschaft auch eine internationale Verständigung nötig sein. Lassen sich die Probleme der Stabilisierung der internationalen Währungen, der Schuldenregelung und der Befreiung des Warenverkehrs von übermäßigen Hemmungen lösen, dann dürfte nach menschlichem Ermessen der Weg in eine gesunde Zukunft offen sein. AationalsozialistischeZorderungensür den IreiwilliaenAtbeMienst. München, 5. Dez. (TU.) Der Beauftragte der RSDAP. für Arbeitsdienst, Oberst a. D. Hierl, beschäftigt sich im „Völkischen Beobachter" mit der bisherigen Regelung des Freiwilligen Arbeitsdienstes. Das bisherige System habe völlig versagt und jetzt werde der Freiwillige Arbeitsdienst sogar noch abgebaut. Dies bedeute die Bankrotterklärung des bisherigen Systems. Es bestehe die Gefahr, daß der Arbeitsdienstgedanke überhaupt im Volke in Mißkredit komme. Die Neugestaltung sei von Grund auf notwendig. Es wird gefordert: I. Grundsätzlich: I. daß der Freiwillige Arbeitsdienst so umgestaltet wird, daß er die planvolle Vorbereitung und Vorstufe für die Durchführung der allgemeinen Arbeitsdienstpf licht werden und den festen Rahmen für ihre Organisation schaffen kann: 2. daß die Vorarbeiten für die gesetzliche Einführung der allgemeinen gleich e n A r b e i t s d i e n st p f l i ch t für die deutsche Jugend ohne Verzug ausgenommen werden, so daß im Spätherb st 19 3 3 der erste Jahrgang der Arbeitsdienstpflichtigen e ingezogen werden kann: 3. daß Zentral st eilen für Arbeitsbeschaffung mit weitgehendeck*Dol(machten im Reich und in den Ländern geschaffen werden, um eine planvolle, großzügige und volkswirtschaftlich richtige Arbeitsbeschaffung zu ermöglichen. II. Als sofort zu bestätigende öleberga*ngsmaßnahmen: 1. Daß alles getan wird, um die bestehenden geschlossenen Lager als Winterlager durchzuhalten. Deshalb ist die Gewährung einer Winterbeih.lfe unerläßlich. 2. Daß die jungen Menschen, die im Freiwilligen Arbeitsdienst sich bewährt uni) einen neuen Lebensinhalt gefunden haben, beim Ablauf der Förderung nach 20 oder 40 Wochen nicht mehr auf die Straße gesetzt und der früheren Verelendung preisgegeben werden. 3. Daß die im Freiwilligen Arbeitsdienst bewährten Führer, von deren Werk der Wert der ganzen Einrichtung abhängt, durch Gewährung einer der Rotlage unseres Volkes ange- pahten, aber aus:ömml.chen Besoldung dem Arbeitsdienst erhalten bleiben. Die Möglichkeit, ein ausreichendes 'Aus ommen im Arbeitsdienst zu finden, muß auch für verheiratete Führer geschaffen werden. Hindenburgs Stimme auf Schattplatten. Der Herr Reichspräsident hat seine am 4.Oktober d. 3. gehaltene Dankansprache 3 u - gunsten der hindenburgspende für den Schallplatten handel freigegeben. Diese Ansprache zusammen mit Hindenburgs letzter Silvesterkundgebung ist jetzt als Schallplatte zum Preise von 2,50 Mark in allen einschlägigen Geschäften erhältlich. Bisher war die Stimme des Herrn Reichspräsidenten der Schall- plattenindustrle nicht zugänglich gewesen. Heimkehr der deutschen Anden-Expedition. Dieser Tage kebrt die deutsche Anden-Expedition nach längerer Forschungsreise nach Deutschland zurück. Die Teilnehmer unter Leitung i von Oberregierungsrat Borchert (Bremen) werden mit dem Dampfer in Hamburg eintreffen. Die • Expedition setzt sich aus Wissenschaftlern und Bergsteigern 3u;ammen, die in glücklicher Zusammenarbeit weite Gebiete der Anden erforschten. Die Forschungsreise wurile namentlich durch die Unterstützung des Deutsch-Oesterreich schen Alpenoereins und der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft ermöglicht. Minter im Allgäu. Wie aus Kempten gemeldet wird, ist in den Allgäuer Bergen Schnee gefallen: in den letzten Tagen schneite es auch im Tal. Im Nebelhorngebiet herrschte schon lebhafter Wintersportbetrieb. Zwei Frauen auf offener Straße niedergeschossen. ^Jn einer der letzten Rächte wurden die 46» jährige Ehefrau Emma Sommerfeld und ihre 25jährige Tochter Helene auf der von Bahnhof Wuhlheide nach Biesdorf (in der Rühe von Berlin) führenden Landstraße von einem etwa 50jährigen offenbar ortsunlundigen Manne nach einer Straße gefragt. Als die Frau ihm den Weg gewiesen hatte, ging er beiden in etwa zehn Meter Abstand voraus. Plötzlich blieb der Ülnbekannte stehen, zog ohne Anlaß eine Pistole und gab etwa sechs Schüsse auf die beiden Frauen ab. Von drei Schüssen schwer getroffen, stürzte Frau Sommerfeld zu Boden, während Ein Giellverireiungsgeseh für den Reichspräsidenten. Berlin, 5. Dez. (TU.) Die nationalsozialistische Reichstags, raktion hat beschlossen, einen Jnitiativgesetzentwurf einzubringen, der de Stellvertretung des Reichspräsidenten regeln soll. Die Einleitungsformel weist darauf hin, daß das Gesetz mit der für Der- fassungsänderungen erforderlichen Zweidrittelmehrheit verabschiedet werden muh. Der Wortlaut des Gesetzes ist: Artikel 51 der Reichsverfassung erhält folgende Fassung: 1. Der Reichspräsident wird im Falle seiner Verhinderung durch den Präsidenten des Reichsgerichts, vertreten. 2. Das gleiche gilt für den Fall einer vorzeitigen Erledigung der Präsidentschaft bis zur Durchführung der Reuwahl. Dolkspariei und Christlich-Soziale bilden eine Reichsiagssraktion. Berlin, 6. Dez. (VDZ.) Die Reichstagsgruppen der Deutschen Volkspartei und des Volksdienstes hiiben sich, wie das Rachrichtenbüro des VDZ. meldet, zu einer „Fraktion der technischen Arbeitsgemein» schäft"^zusammengeschlossen. Die politische Selbständigkeit der beiden Gruppen bleibt durch die Biloung dieser technischen Fraktion völlig unberührt. Die neue Fraktion hat 17 Mitglieder, nämlich 11 Dolksparteiler, fünf Ehristlich--Soziale und einen Hannoveraner. ihre Tochter mit einem Schulterstreifschuß davonkam. Auf die Hilseruie der Tochter flüchtete der llnbetannte in den an die Landstraße grenzenden Wald. Da die Straße an und für sich einsam ist, konnte der Täter ungehindert entkommen. Frau Sommerfeld hat neben zwei leichteren Verletzungen einen schweren Lungenschuh davongetragen, so daß sie sofort operiert werden mußte. Heber den Täter und über den Grund zu seiner Tat sind noch keine Einzelheiten bekannt geworden. Jur Rückkehr des Kreuzers „Karlsruhe". Der Kreuzer „Karlsruhe" wird am kommenden Donnerstag von feiner einjährigen Auslandsreise nach seinem Heimathafen Kiel zurückkehren. Voraussichtlich wird der Kreuzer bereits am Dienstagabend vor der Kieler Förde ein* treffen, aber vorläufig nicht in den Hafen einlaufen, sondern an der Strander-Ducht vor Anker gehen. Am Donnerstagvormittag werden sich der Ehef der Marineleitung, Admiral R a e d e r, und der Inspekteur des Dildungswesens, Konteradmiral Schultze, an Bord begeben. Anschließend an die Besichtigung wird der Kreuzer dann in den Kieler Hafen einlaufen. Der klein-parlwiher Giftmord vor dem Schwurgericht. Vor dem Schwurgericht in Görlitz nahm der mit großer Spannung erwartete Prozeß gegen den des fünffachen Giftmordes angeklagten Schuhmacher 9 u ft aus Kicin-Partwitz seinen Anfang. BaLd nach Eröffnung der Verhandlung widerrief der Angeklagte sein Geständnis und behauptete, daß in allen fünf Fällen die Verstorbenen Selbstmord verübt hätten urtb daß er hierüber bisher im Interesse der Toten selbst geschwiegen habe. Der Angeklagte gab ferner an, in der Wirtschaft seines Schwagers Groba in Klein-Partwitz Hube Groba ihm vergiftete Leberwurst gegeben, die er jedoch nicht gegeßen habe. Einige Tage später habe seine Frau auf dem Felde plötzlich nach dem Genuß von Kaffee Brechreiz bekommen. Am nächsten Tage wurden auch er, feine Tochter und sein Schwiegervater nach dem Frühstück krank. Auf dem Schinkenbrot, das Groba auf das Feld gebracht habe, habe sich ein weißgraues Pulver befunden, das er jedoch nicht als Gift betrachtet habe. Selbst Groba habe von den vergifteten Eßwaren gegessen und sei gleichfalls wie seine Frau und sein Kind erkrankt. An dem Gift starben nacheinander Christian Groba, sein Söhnchen, sein Schwieger- oater Türke und schließlich die Ehefrau Grobas. Das Gift müße Groba selbst in das Essen getan haben. Seine Angabe in der Dorunteisuchung, daß er das Gift in das Eßen gemischt habe, erklärte Just jetzt für unrichtig, fand jedoch keine bestimmte Erklärung für seine Aucfage bei der ersten Vernehmung. Mit dem Arsen, das er gekauft habe, hätte er sich selbst das Leben nehmen wollen. Das habe er aber nicht mehr gebraucht, weil fein Schwager Groba, dessentwegen er aus dem Le'en scheiden wollte, inzwischen an Vergiftung gestorben sei. Der japanische Torpedoboolszersiörer „Sawarabi" gesunken. Der 900 Tonnen große japanische Torpedobootszerstörer „Sawarabi" ist in einem Sturm in der Rähe von Futschau gesunken. Die Zahl der Toten steht noch nicht fest. Den bisherigen Meldungen zufolge sind von der Besatzung 14 Mann gerettet worrden. Die japanische Amiralität hat zwei in Maca'o liegende Kreuzer angewiesen, sich mit höchster Geschwindigkeit an die älnfallstells zu begeben. Der Zerstörer war bei einem Sturm von seinem An?' llah bei der Insel Formosa auf die hohe See hinausgetrieben. Furchtbarer Anfall. — Mit Glas die kehle durchschnitten. Der 43jährige Hans Steffens in Hamburg transportierte auf feinem Fahrrad ein großes Glas- transparent. An der Alster stieß er mit einem Anhänger eines Kohlenlastzuges zusammen. Steffens muß hierbei mit dem Kopf durch das Glastranspa- rent gestoßen sein: ihm wurde die Kehle glatt durchschnitten. Er ist auf dem Transport ins Kran- kenhaus gestorben. Sich selbst mit einem Kopierstift die Augen ausgestochen. Der ehemalige Fremdenlegionär Bernhard Mehring aus Elberfeld, der von mehreren Staatsanwaltschaften gesucht und in Minden fest genommen wurde, hat sich als Untersuchung^gefangener im Mindener Gefängnis selbst geblendet, indem er sich einen Kopierstift in beide Augen bohrte. Die Verletzungen Mehrings sind so schwer, daß er beide Augen verlieren wird. Fünf Arbeiter beim Reinigen eines Brunnens getötet In Transdanubien wurden, einer Meldung aus Budapest zufolge, fünf Arbeiter bei der Reinigung eines Brunnens von den ausströmenden Gasen eines in den Brunnen hineinmontierten Benzinmotors getötet. Ihre Leichen konnten geborgen werden. Doppelmord im afrikanischen Busch. In Nairobi (Kenya, Britisch-Ostafrika) wurde der 20jährige Williams Roß, Sohn eines englischen Majors, wegen Ermordung feiner Braut und eines anderen Mädchens im Dschungel von Kenya zum Tode verurteilt. Beide Mädchen waren nach einer Wagenfahrt mit Roß spurlos verschwunden. Später wurden ihre Leichen aufgefunden. 3m kleinen Kutter über den Ozean. Ein mit drei jungen Deutschen besetzter kleiner Kutter ist in Sao Luiz de Maranhao an der Nord käste von Brasilien gelandet. Die drei hatten ihre Fahrt am 28.. Juli d. I. in Hamburg angetreten. Revierförster bei Gleiwih ermordet. Der Revierförster Mendel aus Kupferhammer wurde im Revier Brzezinka bei Gleiwitz ermordet aufgsfunden. Sein Hund lag erschossen neben ibm. Von den Tätern fehlt vorläufig jede Spur. Sämtliche Anzugtaschen des Försters waren leer. £>b der Tod durch Schuß oder Hieb eingetreten ift, konnte bei der vorläufigen Untersuchung noch nicht einwandfrei festgestellt werden. Revierförster Mendel hatte sich allein zu einem Streifgang vom Hause entfernt. Etwa eine Stunde später wurden mehrere Schüsse gehört. Aus aller Well. Blick auf Wien. Von Wilhelm Hausensteln. Es ist nicht anders: die Landwege hier außen im Norart, der noch die Züge dörflicher Vergangenheit tragt, heißen „Eroicagasse" und „Beethovengang". Der erste Anstieg des Geländes draußen vor Wien, zum Berg hinauf, ist mit diesen Namen getauft und geweiht, und Augen/ Schläfen, Stirn empfangen mit dem säßen Atem der Herbstluft andächtig das Wehen der Erinnerung, die in diesen Namen lebendig ist. Die Erde der ab geernteten Felder, der Erdboden des Pfades zur Seite der steigenden Straße ist hell und liebenswürdig. Nußbäume begleiten den Spaziergang ein gutes Stäck hinauf: hinter uns heißt es Nußdorf. Nußbäume, oktoberlich duftende Nußbäume; dazwischen Heckenrosenbüsche, ob auch ohne Blüten: so ist der Weg gesäumt und so ist er gleichsam schon heimatlich vertrauliches Ebenbild einer Landschaft am oberen Rhein ... Auch die Weinberge fehlen nicht. Sie kommen weit herab gegen Süden unb Südwesten, bis an den Rand der menschlichen SieblunIen. Die Straße schlägt einen großen schönen Bogen: sie streift den Rand des Laubwaldes: man ist oben. Die Terrasse mit Dach, Balustrade, Holzpfeilern, Logenbogen und Schnitzwerk umfaßt den Ausblick, rahmt die Welt zum Bilde. Es ist Nachmittag. Der Kaffee geht angenehm in die Nase. Es ist lau; der Mantel liegt locker über ben von einer zarten Kühle nur leise erschauernden Schultern. Der Duft der guten österreichischen Zigarette mengt sich mit dem herben Geruch der ab- fterbenben Blätter. ..Wien drunten, draußen, nahe noch unb doch schon Ml'ch entrückt, vergeht schon fast im Nebel, ber die Wabe der Dämmerung meldet, lieber der Stadt erscheint, beinahe unverbunden, senkrecht schwebend $*nf aufrechter Geist, die schlanke, die erstaunlich schlanke Pyramide des Stephansturms. . $ro!f des Auges vergeht, während sie versucht, ~en Adel auszulösen. Das Schauen widmet sich dem Näheren: den kleinen Häusern, die an diesem mäßigen unb milden Berg heraufgestreut sind: dem kleinen grünen Kirchturm von Grinzing; dem Blaßlila unb bleichen Rosa und ber Sandfarbe ber tlemen Dillen. Das Auge schaut die zarten Flecken an, die im Grünen unb in ber werdenden Bräune "m.dersihen; es spielt mit der Oberfläche — aber es. spielt lnmg, unb so hilft es dem Gemüt auf jenen d" Dinge zu kommen, ber weder dem Begriff noch dem Wort faßlich ist. 8 lE>irb?cr über ber großen «tobt. Er ist aus Rauchgrau unb dichtem Violett gemischt. Er lagert über ber still trauernden Unendlichkeit der Stadt und greift über die Donau, die weit draußen, am Rande der menschlichen Behausungen, vorüberfließt. Es ist gerade möglich, sie zu erkennen; mattblickend scheint sie stillzüstehn zwischen der Stadt unb einer öden deltahasten Ebene, die im Trüben vergeht ... Jenseits der Donau verbindet sich ber Nebel mit dem Rauch, ber den Schloten ber Industrie von Floridsdorf entsteigt. Floridsdorf —so heißt es dort drüben. Die Kamine stehen dicht beisammen, aber der Vorort hat einen Namen, der einem schmelzenden Gedicht zur Ueber- schrist gereichen könnte. Die Welt da draußen ist schwermütig, aber auch süß: sie ist weit, aber auch intim; ist.sie einigermaßen fremd unb von der Härte menschlicher Not berührt, so ist sie doch in ihrem Herzen zu Hause. So stellt die Welt sich dar, wo sie eine Seele hat. Zur Rechten, ein wenig gesenkt, schimmert mit mattem Ockergelb bas Cobenzl. Weithin webt sich von dort hinaus ber Wienerwald, noch grün, schon r rot unb rostig. Dort drüben ist ber Himmel lichtblau und ahnungsweise vergoldet und mit soymgen Wolken langzügig gestreift oder wollig mit ihnen gefleckt. Dort wirkt die Sonne. Dort ist der heften,... Es ist merkwürdig, zu denken, daß dort im Westen Deutschland liegt. Ein wenig zwischen den Akazien des Kahlenbergs spazierengehen und bann wieder zu Tale. Es muß doch einen Weg geben, ber geradehin zum Grin- zmger Kirchlein führt? Es gibt ihn. Steinig geht er zwischen den Rebhängen hinab. Gibt es etwas Schöneres, als zwischen herbstlichen Rebäckern, auf Stein- roegen, zwischen den Rebhängen hinab, zwischen an- gemauerten Weinbergböschungen zu Tale zu gehen. Grinzing ist ein Ort, so reizend wie eine dörfliche Vorstadt auf dem Theater der Biedermeierzeit; klar und freundlich; geputzt unb behaglich. Unter bem ausgestreckten Kiefernwebel biege ich ein, in ben Wirtshof, Kastanien stehen ordentlich in Reihen. Die Tische sind säuberlich mit Hellen Tüchern belegt. Der Erdboden ist gekehrt. Der Baumgarten harrt leer. Eine Lampe wird im Freien entzündet — nur eine, auf meine Bitte, denn so ist es gut. Die Dinge am Raab des Gartens vergehen im Halbdunkel, und es ist nicht nötig, hineinzuleuchten. Die Kellnerin bringt ben fußen Neuen; ich esse Walnüsse, Kastanien und ^Schwarzbrot dazu wie es sein muß — wie es daheim am vberrhein, im Badischen unb auf der an= Aren Seite drüben, in dem so oft aus brüderlichem »erlangen aufgesuchten Elsaß, von den Vorvätern her die feste Sitte gewesen ist, als wir Kinder waren; und Gott gebe, daß es noch heute so bleibt. Denn es ist eines ber reinsten Rechte ber Menschen, aus ben Jahreszeiten zu loben: dankbar ihnen abzu- nehmen, was sie bringen. Im Herbst gibt bas Jahr den Süßen, den Traubenmost, und Walnüsse und Kastanien. Ist es nicht einfältig, von der Weihnacht Spargel zu verlangen und Erdbeeren vor Allerheiligen? Das Glas geht zu Munde; er segnet die Jahreszeit, wie er von ihr gesegnet wird. Im heimlichen Spiegel des Nachdenkens erscheint, schon märchenhaft entfernt, der Leopoldsberg mit den zwei barocken Kirchtürmen, wie er rechts droben über meinem Anstieg stand; und die Stabt Wien mit ber Ste-- phanspyramide, bie fein aus bem Nebel sticht; unb der matte Glanz der gewundenen Donau. Der Abend ist mild; die Luft ist weich und zärtlich; als ob es Frühjahr werden wollte, probiert eine Amsel noch einmal ihre Stimme — zaghaft, abwesend, und die wenigen Tone sticken sich silbrig in das Traumbild der Erinnerung an den Blick vom Kahlenberg auf die schöne Stabt Wien, über ber die Schwere des Nebels schläft. Oer Morgenkoller. Wenn ein sonst friedliebender, gutmütiger und Yosttcher Mensch in der Früh ein Muster der Grobheit und Widerwärtigkeit ist, wenn er sich am Telephon mit „Zum Teufel, wer ist denn da schon wieder?!" meldet, wenn er Türen knallt mrb auf teilnahmsvolle Fragen nur mit gereiztem Knurren antwortet, wenn er seine ehelichen Kröche mit Vorliebe auf die Frühstückszeit verlegt, kurz, wenn er sichtlich mit sich und aller Welt im Hader steht — dann können Sie getrost die Diag- nose stellen: Morgen-Koller. Oder, wenn man es feiner und medizinischer ausdrücken will: Mor* gen-Reurose. Ernsthaft, so etwas gibt es wirklich. Rervöse, geistig stark arbeitende Menschen leiden oft daran und sie können für diesen unerfreulichen Zustand ebenso wenig wie für Kopfschmerzen oder eine . Nkkst sind es allerdings ge- rate Manner, die an diesen Zuständen leiden, Frauen mit Morgenkoller sind eine Seltenheit, öleberhaupt scheint ja das Erwachen, die Rückkehr aus dem Schlaf in den Wachzustand für den Mann jeden Morgen so eine Art schmerzlicher Geburt zu sein. Rur ungern befreundet er sich wieder nut dem bewußten Leben. Wenn er nicht gerade den Morgenkoller hat, so wandert.er doch meist noch lange mit zugekniffenen Augen und gesträubten Haaren umher. Menschen mit Morgenkoller kurieren zu wollen, ist etn aussichtsloses Unterfangen. Eher besänftigt man den Löwen, der in seiner Höhle auf gestört wurde, als einen unausgeschlafenen, reiz- baren morgendlichen Wüterich. Schweigen und I sanfte Ergebenheit sind die einzigen Mittel, um | ernstere Folgen zu verhindern. Andererseits aber hüte man sich, in den Ton des Jrrenwärters voll allzu großer, überlegener Rachgiebigkeit zu verfallen. Man übe einfach Geduld. Roch eine Möglichkeit dec Heilung des Mor-- genkollers gibt es, das ist, wenn die von ihm Befallenen eines Tages plötzlich zu Frühaufstehern werden. Wer unaufgefordert beim ersten Hahnenschrei aus den Federn springt und spazieren gehen will, hat das Recht auf Morgenkoller verloren. Er ist auch meist geheilt. — 2lber ich möchte ganz bescheiden und für mich feststellen, daß ich den Morgenkoller als das kleinere Hebel dem Frühaufsteher bei weitem vor- ziehe. L. Das sicherste Museum der Welt. Seit Bestehen des Britischen Museums tn London, in dem unschätzbare Kostbarkeiten aufbewahrt werden, ist in dem riesigen Gebäude- komplex noch nie ein Diebstahl vorgekommen, noch nie ein Brand ausgebrochen. Diese Tatsache ist nun keineswegs auf besonders geschickte Sicherheitsmaßnahmen zurückzuführen, denn das Bewachungssystem ist noch immer das gleiche wie vor der Erfindung der Glühbirne, der elektrischen Alarmanlage und der Selenzelle. Die nächtliche Kontrolle im Britischen Museum wird von Wächtern ausgeführt, die mit Oellämpchen ausgerüstet sind. Diese Oellämvchen werden den Wächtern vor Beginn des Dienstes von einem Inspektor ausgehändigt und nach Schluß der Dienstgange wieder eingefammelt So bestimmt €f die Dienstordnung, die noch aus dem Mittel- alter zu stammen scheint. Ebenso ehrwürdig ist das öleberwachungssystem selbst. Die Inspektoren verstecken sich nachts in Alkoven und Seitengän- ZEN. um die Wächter plötzlich zu überraschen. Die Museumsverwaltung ist der Ansicht, daß öleberwachungssystem sicherer und zuver- lassmer sm als alle modernen Signalanlagen, i^ach ^6lischer Auffassung führen die Wächter ihre nächtlichen Rundgänge mit immer angespann- ten Rerven und wacher Aufmerksamkeit aus, ?a ne dauernd befürchten müssen, von einem Inspektor überrascht zu werden. Immerhin hat sich die Leitung des Britischen Museums zu einem Zugeständnis an die heutige Zeit veranlaßt ge- Jepen: die Petroleumlampen verschwinden jetzt und werden durch elektrische Taschenlampen ersetzt. Erst durch die Mitteilung dieser aufsehenerregenden Reuerung ist die Oeffentlichkeit mit £>€m überalterten öleberwachungssystem vertrackt gemacht worden. -S'-S rK: dar er?ye-n :rL s«tä; T •»Saroatabi- !$e Tzrpedv, *■«< ?.nken. * ®en ti. Jön der (Be- "vrrdrn, ®-. l" «41«. , Wa Cr, ■ iu begeben rmn„^Meinem 1 °uf die hohe 1 die Kehle 1 *n Hamburg "großes Glaz. mi‘ einem Än- “g- StGns 1 ^ostranspa« e Kehle glatt Mt ins Kran. die äugen -rnhard Meh. brtren Ctaats- "den festge- ■nteriud)una:ge< .ielbst ge. 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War sie doch vielfach die Keimzelle, aus der sich die großen klassijck>en Werke unserer Meister entw.ckelt haben. Bon diesem (Gesichtspunkte aus darf das Schülerorchester der Oberrealschul« besondere Beachtung und Pflege beanspruchen. Man muß dem Herrn Studienrat Dr. Hillenbra^nd dankbar sein, daß er den jungen Leuten schon seit einer Reihe von Zähren Lust und Liede zur edle-n musica eil gepflanzt hat. Wie bildend und zugleich unterhaltend war wiederum das, was am Sonntag bei dem Elternabend der Oberrealschule von dem Schülerorch^ster geboten wurde! Beethoven stand im Mittelpunkte des Abends- Nach herzlichen Worten der Begrüßung durch Herrn Oberstudiendirektor Dr. Roller erklang das Adagio aus dem Sextett, in das sich die jungen Spieler mit Bcge.sterung eingelebt hatten, um'es mit Wärme und Dynamik zum Ausdruck zu bringen. Nach einem frischen, duftigen Menuett folgte eine Ansprache, die sich vorzugsweise über Beethovens Jugendzeit erstreckte. Man wurde daran erinnert, wie der Fünfjährige unter drakonischer L.'itung feines Vaters zum Klavierüben gezwungen, ja des'Nachts aus dem Bett geholt wurde. Schon frühzeitig mußte er dem Geltungs- und Geldbedürfnis des Gestrengen die jugendlichen Freuden opfern. Unter vielen Entsagungen gelangte er zur Selbstan- dig?eit und erzwang sich endlich die Anerkennung imb das Staunen der Mitwelt, bis im vorgerückten Mannesalter die tiefe Tragt der Taubheit sich über den Künstler senkte, nicht um ihn zu erlahmen, sondern um ihn zu den höchsten Offenbarungen einer überirdischen M^sik zu befähigen. Das Violinkonzert, die letzten Qua Jette, die Neunte, die dlisss solemnis bleiben für alle Zeiten Höhepunkte menschlicher Intuition. Nach einem gutsprech.'nden Rondino und gefälligem Gesang folgte das Flötentrio, das naturgemäß selten auf einem Musikprogramm Erwähnung findet. Ein schönes Gedicht leitete zu dem ersten Satz des E-Moll-Quartetts über, das infolge der Diese' der Empfindung und der Technik große Anforderungen an die Spieler stellte. Sie sind ihnen gerecht geworden. Ein Ron^o und der Türkische Marsch bildeten den flotten Abschluß des musikalischen Teiles. Die Theateraufführung unter der geschickten Regie des Herrn Bruck hat die Besucher dann mit einem allerliebsten kleinen Kasperle bekanntgemacht und zauberte unter Benutzung überraschender Lichtcfsekte Körners Detter aus Bremen als prachtvoll gelungenes Unterhaltungsstückchen vor die Blicke der be- ge-isterten Zuschauer. Man muß wünschen, daß diese Elternabende, an denen auch frühere Schüler aktiv Anteil nehmen, we terbcstehen als wertvolles Bindeglied zwischen E'ternhaus und Schule, als Ansporn zur sorg'ichen Pflege der edlen Kunst. Den Herrn Oberstudiendirektor Dr. Roller und Studienrat Dr. Hil- e n b r a n b, sowie Herrn Bruck gebührt besonderer Dank. M"ge die Wiederholung am nächsten Sonntag g'eiche Begeisterung wecken, wie die Premiere! Daten für Dienstag, 6. Dezember. 1834: Adolf Freiherr von Lützow, Führer der Freischar 1812/13, in Berlin geftorb'-n; — 1849: Generalfeldmarschall August von Mackensen in Haulüpnitz geboren; — 1864: der Schriftsteller Rudolf Stratz in Heidelberg geboren. ivornonzcn. — Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Die Erstaufführung des Schauspiels: „Der Dieb" von Henry Bernstein findet heute abend 20 Uhr unter Karl Heysers Spielleitung als 10. Vorstellung im Dienstag-Abonnement statt. Gewöhnliche Preise. Ende 22 Uhr. Mitwirtende: Damen: Berger, Flemming; Herren: Eggemann, Hauer, Heck, Heyser, Kühne. Die Vorbereitungen zur Erstaufführung des Jrontstückes: „Die endlose Straße" am 9. Dezember sind im Gange. Es wird nochmals auf die Operettenvolksvorstellung am Montag, 12. Dezember, hirgewiesen. Zu kleinen Operettenpreisen von 50 Pf. bis zu 2,50 Mk. wird die Operette: „Die Toni aus Wien" zur Aufführung gelangen. — D i e kirch en musikalische Darbie- tu n g des russischen Chors, die auf Mittwoch, 7. Dezember, angesetzt war, muß verlegt werden. Sie findet nunmehr am 10. Dezember, 20 Uhr, in der Stadtkirche statt. Der Chor besteht aus fünf Damen und zehn Herren und wird russische Kirchen- melodien vortragen. Der evangelische Prediger O r • loff hält dabei eine Ansprache. (Siehe heutige Anzeige.) * * Die Wärmestube der Freiwilligen Sanitätskolonne wird beim Eintritt kalter Witterung im Kolonnendepot wieder geöffnet sein und täglich von 10 bis 18 Ahr zur Verfügung stehen. ** E i n Ausbildungskursus _ jur ersten Hilfeleistung bei Anglücks- fällen wird von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz vom nächsten Montag ab in dem Depot der Kolonne, Sonnenstrahe 2, veranstaltet werden. Interessenten seien auf die heutige Anzeige besonders hingewiesen. ** Fünfziger - Vereinigung 1883- 1 9 33. Man berichtet uns: Zahlreich hatten sich am Samstag die Alterskameraden des Ickhr- ganges 1883 zur Gründung einer Fünfziger-Vereinigung im Saale des Alterskollegen Lamm — „Ium Rebstock", Westanlage — eingesunden. Fri- seur-Obermeister Götz legte in seiner Eröffnungsansprache Ziel und Zweck einer Fünfziger-Vereinigung dar und begrüßte die Erschienenen. Die Wahl des Vorstandes hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Oberreallehrer Appel, 2. Vorsitzender: Friseur-Obermeister Götz; 1. Schriftführer Bill, 2. Schriftführer Heil; 1. Kassierer Zimmermann, 2. Kassierer Bouffier; Pressewart Stephan; Beisitzer: Studt, Gut- Heins, Roth, Senlenberger, Guchardt, Schlüter, Hugo Henkel, Goß, Otto Faber, Bechtold, Weith. Dergnügungsausschuß: Vorsitzender: Cebauer; Beisitzer: Ludwig Keil, Jäggle, Ludwig Schmidt, Karl Faber, Hoog, Magnus Becker, Luft, Hirschmann, Hexamer, Julius Henkel, Konstantin Kranz, Josef Dapper, Ludwig Drnde. Rach Erledigung des geschäftlichen Teils begrüßte der neugewähste erste Vorsitzende Appel in einer Ansprache unter dem Leitwort: „Reue Kameraden, Gute Freunde" die Alterskameraden, ermahnte zur Einigkeit und wirklicher Freunschast ohne Standes- unterschied. Der nun folgende gesellige Teil nahm unter gemeinschaftlichen Gesang von Liedern und bei Gesapgsvorträgen des Alterskameraden H e x a m e r einen schönen Verlauf. * Das Geheimnis der U-Deutsch - l a n b. In einer Frühvorstellung wurde am Sonntag im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ein interessanter Film gezeigt, der bie Besucher in Deutsch'ands schwere Zeit während des Krieges zurückführle. Dem Film ging ein Vortrag voraus. Kapttänleutnant Freiherr von R o t s m a n n, der den Film ausgenommen hat, schilderte den Bau des U-Bootes, dcrs in 140 Tagen hergcstellt wurde, um für Deutschland trotz der Blockade bie Verbindung mit dem damals (1916) noch neutralen Amerika aufzunehmen, auf dcm Tauschwege Material (hauptsächlich Nickel und Rohgummi), bas für bie Kriegführung sehr notwendig war, ecnzuhandeln und nach Deutschland zu bringen. Der Vortragende sprach von der ersten Fahrt der U-Deutschland, von der Landung im Hafen von Baltimore, von den verzweifelten Anstrengungen der Feindbundmächte, die des Schiffes habhaft werden wollten, und von der kühnen Fahrt des U-Bootes zurück nach Deutschland. In weiteren $eff in Packungen ober Tüten von 1 Pfund erbittet in dieser Woche die Piunb.penbe der Frauen-AZinierhilfe Die Zustellung der Psundpakete wird auf Wunsch der Hausfrauen von den Lebensmittelgeschäften aus direkt an die SammelfteUe erfolgen. Annahme: Alte Klinik, parterre, rechts, Montags, Mittwochs und Freitags, von 9 bis 12 Uhr. Worten und in Bildern erfuhr man dann vom Umbau der U-Deutschland zum U-Kreuzer, von den Fahrten des Schiffes auf einer 105 Tage langen Fcrnunternehmung, von den weiteren Fahrten und den Gefechten, bie das Schiff mit bewaffneten Handelsschiffen und Seglern zu bestehen hatte, n cht zuletzt aber hörte man auch von i>en Heldentaten und den Strapazen der Mannschaften beim harten Dienst in der heißen Luft des Unterseebootes. Die Bilder, es handelte sich um Originalaufnahmen, die unter den schwierigsten Umständen gemacht wurden — gaben interessante Szenen von der ersten Ausfahrt und" von den Gefechten wieder, ferner Einzelheiten vom Leben an Bord und vieles andere mehr. Vortrag und Film wurden m t großer Aufmerksamkeit verfolgt. Der Redner fand dankbaren Beifall. ** Aus der Gießener Bücyerhalte. Aus dem Zugang neu erworbener, z. T. gestifteter Werke sind folgende a s Auswahl zu nennen: Romane: W. TeePing: Hauptmann Sorrell und sein Sohn; Hans Franck: Die richtige Mutter; Herbert Blank Karsthar's: Die Bauern marschieren; Erwin Guido Kolbenheyer: Weihnachts- geschichterr; Reps, Die Persönlichkeit; Sinclair Lewis: Sam Dodsworth; Gustav Renker: Die Lawine von Foldum; Toni Rorhmund: Geld? Ein Ctottgerroman; Rudolf Stratz: Die um Bismarck; Ernst Zahn: Der Fährmann Adrian Risch. Poesie und Poetik: Hans Carossa: Gedichte; Albert Daur: Der Weg zur Dichtung (Lesen als schöpferisches Empfangen). Lebensbeschreibungen: Julie Braun-Vo- gclstein: Heinrich Braun und sein Schicksal; Ernst von Eisenhart-Rothe und Erich Marc.s: Paul von Hindenburg als Mensch, Staatsmann und Feldherr; Gertrud Freudinger: Stiefkinder des Schicksals (Helfer der Menschheit); Bruno und Kläre Röthig: Aus einer sächsischen Kantorei. Reisen: Paul Bauer: Im Kampf um den Himalaja; Ernst Klippel: Als Beduine zu den Teu- felsanbetern; Ernst Löhndorff: Afrika weint (Tagebuch eines Legionärs); Paul Rohrbach: Erwachendes Asien; Gustav Stratil-Sauer: Fahrt und Fessel (Mit dem Motorrad von Leipzig nach Afghanistan). Geschichte: Herbert Blank: Soldaten; E. Dwinger: Wir rufen Deutschland (Armee hinter Stacheldraht, Bd. 3); Jenseits der Großmächte (Herausg. v. K. Haushofer: Ergänzung zu Kjellen: Die Großmächte). Staat, Volk und Wirtschaft: R. Lohe: Volkstod (Abnahme der Bevölkerung); Adolf Pohlmann: Die Grundbegriffe der Volkswirtschaft; Georg Sinner: Gefährdetes Europa (Schlote rauchen im LIrwald). Naturwissenschaft und Technik: Bernhard Bavink: Ergebnisse und Probleme der Raturwissenschaften (4. Ausl. 1930); Wulf Bley: Deutsche Lufthansa; Friedrich Danne- mann: Aus der Werkstatt großer Forscher; Hermann Diels: Antike Technik; Ludwig Heck: Lebende Bilder aus dem Reiche der Tiere; Ludwig Klein: Untere Unträuter; Waldblumen und Farngewächse. Welt- und Lebenskunde: Otto Eberhard: Das Buch der Eltern (Evangelische Erziehung); Peter Lippert, S. I.: Dom Gesetz und von der Liebe (Rundfunkvorträge über die zehn Gebote); Ludwig Reeg: Vom Raum des Lebens; Alois Riehl: Führende Denker und Forscher; Julie Schlosser: Die unbekannten Brüder (Tierschutz). Kunstgeschichte; Ein Jahrtausend künstlerischer Kultur am Mittelrhein. Einweihung der Friedberger Feuerwehrschule. WSR. Friedberg, 5.Dez. Gestern nachmittag fand unter Teilnahme der Feuerwehrverbände und Behörden die Einweihung der Feuerwehrschule statt. Der Landesver- bandsvorsihende der freiwilligen Feuerwehren Hessens, K n a u p p, betonte, daß mit der Einrichtung einer Feuerwehrsachschule in Friedberg endlich ein langgehegter Wunsch seine Erfüllung gesunden habe. Dor allem gebühre den Förderern dieses Planes Dank für ihre Vorarbeit. Weiter sprach Oberregierungsrat R e u l i n g von der Brandversicherungskammer. Er hob hervor, daß diese Schule die Aufgabe habe, die Schüler unter möglichster Beschränkung der Theorie besonders mit der Praxis moderner Feuerwehrtechnik und Brandbekämpfung vertraut zu machen. Regierungsrat Dr. Meyer überbrachte die Glückwünsche der Kreisbehörde und gab seiner Freude über die Wahl Friedbergs als Schulort Ausdruck. Bürgermeister Dr. S e h d dankte in seiner Rede den Förderern des Planes für die Wahl Friedbergs als Schulort. Ramens der Stadtverwaltung hieß er die Kursusteilnehmer herzlich willkommen. Zum Schluß ergriff nochmals Landesverbandsvorsihender Knaupp dos Wort zu längeren Darlegungen über die Ziele und Ausgaben der neugegrü.iuciei Feuerwehrfachschule in Friedberg. Es gelte, Führer her- anzu bilden, die in Theorie und Praxis mit den neuesten Errungenschaften der modernen Brandbekämpfung und Feuerwehrtechnik, mit der Handhabung aller Kampfgeräte bis in alle Einzelheiten vertraut seien. 600 Prozent Bürgersteuer inOffenbach WSR. Offenbach a. M., 5. Dez. Rachdem der Stadtrat in seiner Sitzung vom 22. September den Antrag des Oberbürgermeisters auf Erhebung der Bürgersteuer 1933 in Höhe von 300 Prozent ablehnte, der Reichsfinanzminister die Inanspruchnahme lder Reichshilse für die Wohlfahrtserwerbslosen von der Erhebung der Bürgersteuer nzindestens in Höhe von 500 Prozent abhängig gemacht hat, hat der Oberbürgermeister durch Derwaltungsbeschluß vom 28. Rovember die Erhebung der Bürger steuer 1 9 33 in Offenbach a. M. in Uebcreinftlmmung mit den für die benachbarten Städte gefundenen Sähen auf insgesamt 6 0 0 Prozent an geordnet. Diese Anordnung ist vom hessischen Minister des Innern unterm 3. Dezember gebilligt und zugleich festgesetzt worden, daß die Erhebung i n 1 2 Fälligkeitsterminen, jeweils am 10. der Monate Januar bis Dezember 1933, zu erfolgen hat. Zwei glückliche Gemeinden. WSR. Biedenkopf, 5. Dez. Zwei Gemeinden des Kreises Dillenburg, und zwar Driedorf und Mademühlen, erheben beide keine Steuern außer der einfachen Bicrsteuer bzw. der einfachen Bürgersteüer. Die Gemeinden haben durch den reichen Waldbesitz immer noch eine gute Einnahme- quelle, so daß es ihnen erspart bleibt, die Einwohner mit Steuern zu belasten. $ünf Jahre Zuchthaus für einen Fahrraddieb. Darmstadt, 5. Dez. (WSN.) Die Große Strafkammer Darmstadt verurteilte den Metzger Hugo K o h l m a n n , der wegen Fahrraddieb- stähle vorbestraft ist, wegen Rückfalldieb» stahls in 17 Fällen — Fahrraddiebstählen — zu5Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehrverlust und Stellung unter dauernde Polizeiaufsicht. 20000 Zigaretten aus einem FerwLastzug gestohlen. WSN. Mainz, 5. Dez. Am Freitagabend wurde in der Dagobertstraße ein Lastfernzug abgcftcUt. Während der Führer und sein Begleiter in einer in der Nähe befindlichen Wirtschaft ihr Abendbrot einnahmen, wurde an dem Anhängerwagen dn^ Vorhängeschloß aufgebrochen und 20 000 Zigaretten, Marke Ova, in ^-Mille-Packung entwendet. Verheerendes Großfeuer in einer Odenwald-Gemeinde. TU. Mannheim, 6. Dez. Die Gemeinde Ger - l a ch s h e i m (Odenwald! wurde in der Nacht zum Montag von einem verheerenden Großfeuer heim- gesucht, dem zehn Scheunen und ein Wohn- Haus zum Opfer fielen. Was sollen wir essen? Ausreichende und zweckmäßige Ernährung — trotz geringem Einkommen. Von Geh Medizinalrat Professor Dr. Em;l Abderhalden, Direktor des physiologi.chen Instituts der Universität Halle. Millionen unserer Volksgenossen müssen heute mit so geringen Mitteln haushalten, daß eine ausreichende Ernährung nur möglich ist, wenn die Auswahl der in Betracht kommenden Nahrungsmittel mit größter Zweckmäßigkeit und Sparsamkeit erfolgt. Wie muß eine Ernährungsweise beschaffen fein, die auch bei sehr geringem Einkommen eine wirklich vollwertige (Ernährung gewährleistet? Wir haben uns mit dieser Frage an einen in Deutschland auf dem Gebiet der Ernährungslehre führenden Gelehrten, Geheimrat Abderhalden, gewandt und ihn um eine Stellungnahme zu diesem für weite Volks- i reise entscheidend wicht.gen Problem gebeten. In Deutschland ist der Ernährungszustand weiter Kreise zweifellos gefährdet — schon machen sich mancherlei bedroh.iche Symptome (z. B. Zunahme iber Tuberkulose!) bemerkbar. Die Fortschritte in der Erkenntnis der für eine vollwertige Ernährung er» . orderlichen Nahrungsstofse haben unseren Blick ge- 1 cfyärft. So wissen wir, daß bei unzureichenber Zu- - uhr von Vitaminen Sdjäbigungen des Körpers entstehen, die zunächst nicht ohne weiteres erkennbar sind. Verminberte Widerstandsfähigkeit gegen Infektionen und ihre Auswirkungen machen uns z. B. häufig auf solche Schädigungen aufmerksam. Es gilt also Vorsorge zu treffen, daß ein Absiwken des Gesundheitszchtandes des deutschen Volkes unterbleibt. Unsere Hauptfürsorge gilt der Heranwachsenden Jugend. Erfreulicyerweise hat die vollständige Umstellung weitester Volksk/eise in Bezug auf Kleidung und turnerische und sportliche Betätigung an und für sich den Gesundheitszustand ganz erheblich gehoben. Der Mensch kann sich, wie die Erfahrung bei den verschiedenartigsten Völkern der Welt zeigen, mit ganz verschiedenen Nah- rungsm.tteln vollwertig ernähren. Bei vielen Völ- ’tern überwiegt die Pslanzennahrung, bei anderen fleht die Fleischnahruna im Vordergrund. Wesentlich ist, daß ausreichende Eiweiß zufuhr iftattfinbet, denn kein anderer Nahrungsstoff kann Eiweiß ersetzen. Wir benötigen es als Baustoff. Es gilt z. B. Gewebseiweiß auszubauen und unentbehrliche Produkte (Hormone usw.) zu bilden, die von (bestimmten Zellen bereitet und ausgssandt werden, um den Stoffwechsel zu regeln und andere Funktio- nen des Körpers zu gewährfeisten. Daß sie beim wachsenden Menschen für den Ausbau neuer Ge- websanteile unentbehrlich sind, verficht fich von selbst, aber auch der Erwachsene bildet neue Zellen. Die Größe des Eiweißbedarfs ist noch sehr umstritten. In Unkenntnis der hohen Bedeutung von Eiweiß für den normalen Ablauf des mannigfachen Geschehens in unserem Organismus wird in z. T. fanatischer Weise eine möglichst geringe Eiweiß- zufuhr Propaganda gemacht. Sie darf jedoch unter gewöhnlichen Ernährungsverhältniifsen nicht unter eine bestimmte Größe absinken, soll nicht Schaden entstehen. Wir können wohl unter scharf tontroH'.erlen Ernährungsbedingungen diesen oder jenen Nahrungsstoss auf eine Menge herabdrücken, die bei einer bestimmt zusammengesetzten Nahrung gerade eben ausreicht, niemals dürfen wir jedoch derartig ermittelte Minimalwerte in die Praxis übertragen! Wir nehmen mit unserer Nahrung je nach ihrer Zusammensetzung die einzelnen Nahrungsstoffe in stark wechselnden Mengenverhältnissen auf. Manche Eiweißarten, namentlich der Pflanzenwelt, find minderwertig und nur im Gemisch mit anderen Eiweihstoffen imstande, Wachstum und Erhaltung des Körpergewichts zu gewährleisten. Eine reiche Erfahrung hat ergeben, daß ein erwachsener Mensch mindestens täglich 60—80 Gramm Eiweiß aufnehmen muß, soll er in gutem Ernährungszustände bleiben. Eiweißreiche Nahrungsmittel sind z. B. Fleisch, Eier, Käse. Nahrungsmittel des Pflanzenreiches find zumeist eiweißarm, d. h. wir müssen von ihnen, um eine genügende Eiweißzufuhr zu sichern, entiprethenb große Mengen aufnehmen. Bei richtiger Auswahl der verfügbaren Nahrungsmittel besteht keine Gefahr der Eiweißunterernährung. Ebensowenig ist Vitaminmangel zu befürchten, wenn ihre Hauptträger in ausreichender Menge ausgenommen werden. (Gemüse, Obst, Milch, Butter.) Mineralstoffe führen wir uns mit allen gewöhnlichen Nahrungsmitteln des Tier- und Pflanzenreiches in genügender Menge zu. Bleibt noch die Sicherung einer aus- reichenden Zufuhr an Energie (umgewandelte Sonnenenergie in Kohlehydraten, Fetten, Eiweiß- stoffenl). Am energiereichsten sind die Fette. Ist durch Nahrungsmittel der Pfta-nzen- und der Tierwelt der stoffliche Bedarf des Organismus an Bau- und Betriebsstoffen gedeckt, dann kann der eigentliche Energiebedarf in größerem Umfange mit Vorteil durch Fett gedeckt werden. Es war eine wirkliche Großtat, als es gelang, in Gestalt der Margarine ein billiges Fett zur Verfügung zu stellen. Wenn sie auch nicht der Butter gleich au werten ist, so stellt sie doch ein wertvolles Energiematerial dar. Betrachten wir nunmehr jene Nahrungsmittel, die Deutschland selbst hervorbringen kann, und die unter normalen Verhältnissen in der Preisgestaltung so gehalten werden können, daß auch der Minderbemittelte sich ausreichend ernähren kann. Es sind dies: Brot (Mehlspeisen), Kartoffeln, Gemüse- und Obstarten, ferner Milch (Molkereipro butte), Eier und Fleisch. Ferner ist mit Nachdruck auf Meer- und Süßwasserfische hinzuweisen. Solange ein gesunder Instinkt bei freier Wahl der Nahrungsmittel die Ernährung des Menschen leitet, besteht keine Gefahr der Unterernährung und zwar weder der Menge noch ihrer Art nach. Sobald jedoch Notlagen die Wahl der Nahrungsmittel in bestimmter Richtung lenkt, tritt die Ge» iahr einer unzureichenden Ernährung ein. Hier ei darauf hingewiesen, daß viele Nahrungsmittel, ür sich allein ausgenommen, außerstande sind, den Organismus vollwertig zu ernähren. M ich allein erzeugt mit der Zeit Störung in der Blutbildung. Schwere Störungen ergeben sich ferner, wenn Brot allein den Organismus erhalten soll. Milch und Brot sind wertvollste Nahrungsmittel, wenn sie mit anderen zusammen ausgenommen werden. Nur dann, wenn sie allein dcn Nahrungsbedarf bestreiten ^sollen, versagen sie. Abwechslung in der Wahl der Nahrungsmittel sichert vor dauernder Minderzufuhr des einen ober anderen Nahrungsstoffes. Es gab eine Zeit, in der die tierischen Nahrungsmittel — und unter diesen besonders das Fleisch — überwertet wurden. Die Not der Zeit hat mitgeholsen, hier schwere Sünden der Ernährung ausgumerjen. Früher war ein großer Teil der Bevölkerung über- und einseitig ernährt. Die wichttgsten Nahrungsmittel der Pflanzenwelt wurden vernachlässigt, jetzt sind sie zu ihrem Rechte gekommen. In dieser Hinsicht ist es außerordentlich zu begrüßen, daß die Kleingartenbewegung sich mehr und mehr durchsetzt und immer mehr Familien aus eigener Kraft wert- uolle Zuschüsse zur täglichen Ernährung erhalten. Es ist kein Ruhmesblatt für die führenden Männer in nicht wenigen Städten und Gemeinden, daß die Kleingärtner vielfach in scharfem Kampfe das erobern mußten, was größte Förderung verdient. Auch hier ist aber die Notzeit Lehrmeisterin geworden. Betrachten wir die oben angeführten Nahrungsmittel, bann sehen wir, daß es sich bei ausreichender Vorsorge ermöglichen lassen muß, eine ausreichende Ernährung aller Volksschichten sicherzustellen. Brot, Kartoffeln, Milch, Gemüse und Obstarten stehen reichlich zur Verfügung. Eier, Fleisch und Fische müssen auch verfügbar gemacht werden, wenn es auch nicht notwendig ist, daß Tag für Tag Fleisch ausgenommen wird. Je weniger die Ernährung von theoretischen Erwägungen geleitet wird, und je mehr sie natürlichen Verhältnissen Rechnung trägt, umso gewisser wird sie in normalen Bahnen verlaufen. „Rezepte" Laugen im Gebiete einer normalen Ernährung nichts! Machen wir uns frei von künstlich gezüchteter Furcht vor Vitaminmangel und Jollen wir uns nicht von „Ernährungsresormern" ins Boxhorn jagen! Gewiß hat z. B. eine ab und zu eingelegte 9t o b t oft ihr Gutes, sie kann aber nie und nimmer für die alleinige Ernährung maßgebend sein. In unmittelbarem Zusammenhang mit dem Problem der Ernährung steht die Frage der Kleidung, der W o y n u n g und des Heizmate - r i a l s. Unser Organismus muß zur Aufrechterhaltung der dem Menschen eigenen Körpertemperatur diese ununterbrochen regulieren. Der Guternährte besitzt nun einen Wärme schütz in Gestalt des in seine Haut eingelagerten Fettes, dazu kommen noch warme Unterwäsche, warme Kleidung und im Winter ein gut geheiztes Zimmer. Der Unterernährte dagegen entbehrt des Wärmeschutzes eines Fettpolsters, er verliert infolgedessen mehr Wärme als der Guternährte. Da.zu kommt dann noch mangelhafter Schutz gegen Kälte durch unzureichende Bekleidung, und endlich fehlt dann noch vielfach das warme Zimmer. Die durch die erwähnten Umstande be- dingte vermehrte Wärmeabgabe verlangt aber gesteigerte Nahrungszufuhr! Da diese bei Mangel an Mitteln nicht möglich ist, leidet der Unbemittelte doppelt und dreifach Not. Es gilt also im Interesse der Erhaltung eines aesunden Ernährungszustandes für Wärmeschutz zu sorgen durch Vermittlung billiger Kleidung, Abgabe von ausreichend zur Der- fügung stehendem Heizmaterial — mit diesen Maßnahmen helfen wir dem Organismus Nahrung einsparen. * SJlxfpoit Mainz verliert einen Punkt. T Derbanbsspiele der Gruppe Hessen. Dn der Gruppe Hessen gab es am Sonntag nur vier Spiele, da die Begegnung zwischen Alemannia- Olympia Worms und Urberach dem Regen zum Opfer fiel. Der Tabellenführer Mainz 05 büßte beim SD. Wiesbaden mit einem 2:2 einen wertvollen Punkt ein, Wormatia Worms siegte in Marnbach 3:1 und kam dadurch dem Tabellenführer um einen Punkt näher. Kastel holte den Bürstadter Neuling durch einen 4:0-Sieg ein, während Langen über Lorsch 1:0 gewann und dadurch wahrscheinlich dem Abstieg entgeht. Derbandsspiel-Ergebnisse aus dem Gau Gießen-Wetzlar. 11. Bezirksklasse. Dissenberg — Löhnberg 9:1 (5:0); Ehringshausen — Biskrrchen 9:0 (1:0); Oberbiel — Steindorf 4:2 (1:0); Aßlar — ED. Metzlar II. 5:1 (4:1); Steinberg — Leihgestern 2:4 (1:3); Tutzbach — Daubringen 2:0 (2:0); 1900 Gießen II. — Ettingshausen, E. nicht angetreten; Laubach — Lollar 2:6 (0:3). Gouklasse I. : Allendorf — Weilburg II. ausgefallen; Hirschhausen -- Gräveneck 0:0 (0:0); Merenberg — Holzhausen 2:11 (0:6); Biedershausen — Stockhausen 0:3 (0:0); Löhnberg II. — Ulm 0:5 (0:2); SE. Metzlar II. — Oberndorf 3:2 (3:1); Bauborn — Werdorf 5:3 (0:1); 1900 Gießen III — Wieseck 2:4 (1:1); Biederweisel — Lich 6:0 (2:0); Grünberg — Lllrichstein 1:1 (1:0). Gauklasse 11.: Bermbach — Wirlrelau 3:2 (0:2); Mirbelau II. — Meinbach 3:6 (2:5); Tiefenbach — Htm 11. 1:0 (1:0); Stockhausen II. — Leun 1:6 (1:3); Donbaden — Albshausen verlegt; Bechlingen — Berghausen 2:4 (2:2); Büblingshausen H. — DfL. Metzlar 2:5 (0:2); Lollar II. — 1900 Gießen IV. 8:0 (6:0); Krofdorf — Steinbach II. 0:2 (0:1); Bieber — Dutenhofen II. 4:0 (2:0); Muschenheim — Lich II. 4:1 (1:1). Oberrcalschule - Z. Kompanie 4: Z. 2£m Samstag trafen sich auf dem MTB.-Sport- platz die Handballmannschaften der Oberrealschule und der 3. Kompanie des hiesigen Bataillons zu einem Freundschaftsspiel. Bon beiden Seiten wurde der Kampf, der mit 5:4 Toren für die Soldaten eudete, sehr fair durchgeführt. Bei etwas größerer Schußfreudigkeit der Oberrealschüler kannte das Ergebnis auch umgekehrt lauten. Die Handballmannschaft der Oberrealschule hat mit diesem Spiel zum ersten Male in diesem Jahre verloren. Radballturnier auf derQ'ebigshöhe Eine große Veranstaltung des Radklubs „Germania" Gießen. - „Germania" Sieger in der A= und Meisterkiasse. Tereits am Samstagnachmittag um 15 Uhr begannen im Saal der Restauration „Zur Liebigs- höhe" vor einer stattlichen Anzahl lebhaft interessierter Zuschauer die Vorrunden für die Radballspiele, deren Entscheidungen noch am gleichen Abend fallen sollten. Es gab eine Reihe interessantester Begegnungen. Es waren verschiedene ausgezeichnete Mannschasten am Start, Mannschaften, die schon Träger von Weltmeistertiteln waren, die derzeitige Wellineistermannschaft von „Wanderlust" Frankfurt hatte ebenfalls gemeldet. Allerdings erlebte man hier eine kleine Enttäuschung, denn von der 2er-Mann- schaft war nur einer vertreten, der die Weltmeisterschaft im 2er-Radball errungen Halle, während der andere Spieler aus der 6er-Mannschaft stammte, die allerdings in ihrer Kategorie ebenfalls Weltmeister- schaftsmürde errang. Immerhin ergab sich für die Zuschauer und auch die Spieler sechst insofern eine Ucherraschung, als die Mannschaft von „Wanderlust" verlor, und zwar gegen die 2. Drannschafl von Oberrad mit deni Ergebnis von 4:3 Toren für Oberrad. Die Ergebnisse der Vorrundenspiele: I u g e n d k l a ff e : Aßlar I — Germania II 5:2. 8 - Klasse: Kettheim I — Rüsselsheim I 2:6; Kelk- fjeim II — Germania 6:7; Wanderlust II gegen , schwalbe" Siegen I 9:2. Aus diesen ©pielen der b K.asse qualifizierte sich die Vbannschafl von RE. „Opel" Rüsselsheim im epiel gegen Germania Gießen I mit dem Ergebnis von 14:5 Toren für das Endspiel gegen Wanderlust I. In der ^-Klasse ergaben sich in der Vorrunde folgende Resultate: Oberrad I — 1885 Gießen I 4:2; Oberrad II — Wanderlust Frankfurt I 4:3 (mit diesem Ergebnis schied der Weltmeister aus und konnte an den weiteren Spielen nicht mehr teilnehmen!), Germania Gießen — RV. Nied 6:3. Somit hatten sich Oberrad I, Oberrad II und Germania I für die Endrunde qualifiziert. War schon den Spielen der Vorrunden lebhaftes Interesse entgegenaebracht worden, so sah man bei den Entscheidungsspielen am Mend den Saal der Lieblgshöhe fast bis auf den letzten Platz besetzt, während sich inmitten des Spielfeldes heftige Kämpfe um die Ehrenpreise abspielten, die von verschiedenen Seiten für diese Veranstaltung gestiftet worden waren. Musik der Kapelle Daubertshäuser leitete den Abend ein. Den Auftakt der Wettkämpfe bildete das Entscheidungsspiel in der Jugendklasse, daß die 1. Mannschaft des Radklubs Germania Gießen der 1. Jugend des Radfahr- verems Aßlar gegenüber sah. Die Gastgeber erwiesen sich von Ansang an technisch weit überlegen und siegten, mit einem ihren Leistungen entsprechenden Ergebnis von 10:4 Toren. Vorher konnte sich die 1. Jugend der Germanen in einem Freundschaftsspiel auch gegen die B-Mannschaft von „Schwalbe" -siegen mit dem reichlich hohen Ergebnis von 2:14 Toren siegreich behaupten. Einer kurzen Begrüßungsansprache des 1. Vorsitzenden des veranstaltenden Vereins Christian Pfund, der ins- besondere neben den von auswärts erschienenen Sportlern den Vertretern der Stadt, Herrn Stadtrat Bals e r willkommen hieß und dem Feste guten Verlauf wünschte, folgte das Spiel der Zwischenrunde der B Klasse, dessen Ergebnis bereits wieder- gegeben wurde. Mit 14:5 mußten sich die Germanen den besseren, energischen und systemvoller spielenden Gaften beugen. Das Halbzeit-Ergebnis lautete 5:4 für Rüsselsheim. Im weiteren Verlauf des Abends zeigten E. Haas und R. No hl vorn Radklub .^Germania" 2er-Kunstfah7en in hoher Vollendung. 2en beiden Fahrern, die durch ihre Leistungen ein hohes Maß von ernster Trainingsarbeit unter Beweis stellten, wurde lebhaftester Beifall zuteil. Sodann traten Wanderlust II — Rüsselsheim I ,}um Spiele um die Entscheidung in der B Klasse an. Die beiden Rüsselsheimer gingen mit großem Elan los und hatten bereits zur Halbzeit 6 Tore vorgelegt, denen der Gegner nur zwei entgegen^ Segen konnten. Nach der Pause kam aber her Gegner etwas auf, mußte aber trotzdem noch 4 Tore hinnehmen, konnte aber seinerseits doch auf 10:6 verkürzen und damit das Ergebnis erträglicher gestalten. ' 97 Die entscheidenden Spiele der A-filaffe und vkaislerklasse, bie nach Punktsystem ausgell agen wurden, brachten zunächst drei interessante Kämpfe, in denen aber lebe ber drei Mannschaften einmal siegreich wurde. Da nun dadurch ein Sieger noch nicht endgültig feststand und die Wertung der Torergebnisse zunächst von den beiden Mannschaften aus Oberrad nicht anerkannt wurde, die Germanen gleichzeitig aber auf den Preis zu Gunsten der Gäste verzichten wollten (bie Frankfurter den Preis aber erringen wollten), mußten die brei Spiele noch einmal ausgetragen gerben. Obwohl die Mannschaften durchweg schon verschiedene heftige Kämpfe zu bestreiten hallen, sah man doch in den nun folgenden Spielen, bie nach Mitternacht ausgetragen wurden, noch ras- sige Kämpfe. Die 2. von Oberrad setzte sich gegen die vereinseigene 1. Mannschaft mit 8:5 Toren durch. Zu einem heftigen Kampfe kam es dann zwischen der 1. von Oberrad und Germania 1., der mit bem knappen To runter schieb von 7:8 Toren für Germania endete. Im letzten und endlich entscheidenden Spiel traten die Germanen (Baum/ Stammel) gegen die spielstärkere 2. von Oberrad an und blieb hier ebenfalls wenn auch mit knappem Ergebnis, verdiente Sieger. Das Ergebnis lautete 6:7 für Germania. Halbzeit 1:2. 21us den gesamten Kämpfen ergab sich folgende Placierung: A: und Meisterkiasse: 1. Radklub „Germania" Gießen; 2. RFC. 1895 Frankfurt-Oberrad II; 3. RFC. 1895 Frankfurt-Oberrad I. 6-Kl ässe: 1. RV. „Opel" Rüsselsheim; 2. RC. Wanderlust Frankfurt; 3. RC. „Germania" Gießen. Jugendklasse: 1. „Germania" RC. I; 2. RV. Aßlar I. Für den Radklub „Germania" bedeutet die Veranstaltung, abgesehen von dem beachtenswerten -sieg der 1. Mannschaft über maßgebende Frankfurter Vereine, abgesehen auch von den übrigen sportlichen Darbietungen, einen großen ideellen Erfolg. Die Siegerehrung, Verlosung und unterhaltsames Beisammensein beschloßen den ereignisreichen Tag. Büchertisch. — Soldaten. Preußisches Führer, tum von Waterloo bis Dpern (Idee. Geschichte und Gestalt des Offiziers) von Her- bert Blank. Gerhard Stalling Verlag, Oldenburg t O. Leinenband 5,80 Mark. — (3.5) — Dieses Buch will nicht allein den großen preußischen Soldaten der Vergangenheit und ihren Taten ein Denkmal setzen, sorcdern es will bartun, wie die Armee am klarsten die preußische und deutsche Sendung allezeit verkörpert hat, um so zu einem Ausblick in die Zukunft zu kommen. Diese organische Aebersicht über anderthalb Jahrhunderte preußischen Soldatentums hat der Verfasser in einem starken Kranz lebendiger Soldaten-Biogra- phien dargestellt und aktuell gemachll Mit einem Ausblick auf die kommende Armee des neuen Deutschland schließt das Buch, welches Ruhm und Aufgabe prcus-isch-lonse.vativen Führeriums verkündet und gleichzeitig einen Kulturspiegel der vergangenen 150 Jahre bietet. — Georg Grabenhorst: lerne, ber Roman eines jungen Mädchens. Ganzleinen 5,50, kart. 4 Mark. Verlag W. G. Korn, Breslau. — (289) — Der Verfasser des „Fahnenjunker Volkenborn" schenkt uns wieber ein stilles, tiefes Buch: Merve. Die Geschichte eines scheuen, verschlossenen, früh von den dunklen Schwingen bes Schicksals überschatteten, reinen Herzens, bas den Kampf ber erwachenden, ber erwachten Natur mit bem mächtigen Verlangen der Seele in einem langen Jrrgang jugendlicher schwärmerischer Neigung erduldet/ ehe es — scheinbar unterlegen — den Mut zur Ueber- winbung, den Mut zum Ende und zu neuem Anfang findet. — Stiefkinder bes Schicksals, Helfer ber Menschen. Von Gertrud Funbinger. Geh. 3, geb. 4 Mark. I. F. Lehmanns Verlag, Mui> chen. — (278.) — Gertrud Funbinger erzählt oofi ber blinden Betty Hirsch, die die Lehrerin der Kriegsblinden wurde, von dem gelähmten Schrift» steller Fritz Müller-Partenkirchen, sie schildert die Aerzte Dr. Herwig, der in Arosa und Dr. Rolli er, der in Leysin trotz eigener Krankheit Tausende von Hilfesuchenden heilte, sie berichtet von Eugen Suter- meister, dem taubstummen Lehrer seiner Schicksalsgenossen. Die Schilderung des Lebens der gelähmten Margarete Steiff find ebenso interessant wie der Bericht des armlosen Herrmann Unthan, der mit den Füßen* alles zu verrichten gelernt hat. Die Schilderungen münden aus in den Bericht über das Liebeswerk von Bethel, wo Taufende von sog. geistigen Krüppeln versorgt und betreut werden. (Sinaefonöt (i?ür Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion bem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Die Landstraße Steinberg—Grüningen immer noch reparaturbedürftig. Vor kurzem wurden auf der Landstraße zwischen Steinberg und Grüningen einige kurze Stücke mit Sand und Kleinschlag neu eingedeckt. Der Erfolg wird dankbar anerkannt Aber leider ist man wieder bei halber Arbeit geblieben. An der Ausfahrt der Dampfziegelei ist gerade das schlechteste Stück der Strecke unbeachtet geblieben, hier greift die Zerstörung durch die schwerbeladmen Lastwagen immer weiter um sich. An den meisten Landstraßen kann man Flickmaterial für die laufenden Reparaturen an Schlaglöchern liegen sehen, hier hat der Strahen- warter nichts, er muh die Schaden mit zusam- mengekrahtem Schmutz ausfüllen, was natürlich Zeitverschwerrdung ist. Mnb in den nahen Gemeinden Hausen sich die Dasaltklvpfsteine unter den fleißigen Händen der Arbeitslosen zu Bergen an. N. N. Wirtschaft. Entspannung auf dem kaufmännischen Giellenmarkt. Bach den Beobachtungen der Kaufmännischen Stellenvermittlung des Teutschnationalen Hand- lungsgehilfen-Derbandes zeigte, wie man uns von dort schreibt, der Stellen markt für Äauf» mannsgehilfen im B ovember Merkmale einer leichten Befestigung. Die Besserung beruht hauptsächlich auf dem relativ geringeren Zugang von Bewerbern. Trotz des Quartalskündigungstermins, der erfahrungsgemäß immer eine etwas stärkere Belastung mit sich bringt, bleibt der Andrang um 13 v. H. hinter dem des Oktober und sogar 54 v. H. hinter dem des Rovember 1931 zurück. Dabei entfällt ein Teil des Zuganges auf Stellungslose, die wegen der Tlngunst der Zeit ihre Bewerbung schon einmal hatten verfallen lassen und nun, Hoffnung schöpfend, ihre Papiere neu eingereicht haben. Massenkündigungen - das Kennzeichen der, wie es scheint, ihren Tiefpunkt durchschrittenen Krise — sind nirgendwo beobachtet worden. Das Vermittlungsgeschäft weist gegenüber dem bereits leicht belebten Vormonatsgeschäft wiederum eine geringfügige Besserung auf. Das beachtlichste Zeichen der Entwicklung im Rovember ist, daß der kaufmännische Stellenmarkt sich erstmalig seit langem wieder von der jahreszeitlichen Verschlechterung des allgemeinen Arbcitsmarktes loslösen und seinen eigenen Bedingtheiten folgen konnte. Oie hessische Gchlachisteuer und der Frankfurter Markt. Am 1. Dezember ist auch in Hessen die Schlachtsteuer eingeführt worden. Während nun die andern deutschen Länder, die am 1. Dezember die Schlachtsteuer eingeführt haben, von der Ausgleichssteuer befreit sind, ist das bei Hessen nicht der Fall, da ein Gegenseitigkeitsabkommen bis jetzt noch nicht abgeschlossen worden ist. Die Verhandlungen führten zu keinem Ergebnis, da die preußische Regierung die hessischen Schlachtsteuersätze für zu niedrig hält und daher befürchtet, daß das hessische Fleisch infolge seiner geringeren Belastung dem preußischen zu starke Konkurrenz macht. So ist denn jetzt ein hessisch-preußischer Steuerkrieg ausgebrochen. Die Empfänger der aus Hessen nach Frankfurt eingefühitten Fleisch- und Wurstwaren müssen die eingeführten Maren unter Angabe der Art und des Gewichts innerhalb einer Woche bei der Steuerstelle in Frankfurt laufend anmelden. Das gilt auch für die vielen Schinken und Würste, die gerade jetzt aus Hessen als „Christkindchen" kommen, ebenso für die » Frankfurter" Würstchen aus Reu-Jfenburg. Sehr ernst hat sich die hessische Schlachtsteuer auf den Frankfurter Hauptmant am Montag ausgewirkt. Die Preise gingen infolge der starken Zurückhaltung sehr zurück und lagen zum Schluß weit unter den amtlich notierten Marktpreisen. So wurden Kühe zu 8 Pf. das Pfund verkauft, Kalber zu 16 Pf. Eine Tleberraschung gab cs auf dem Fleischgroßmarkt. Die Großschlächter aus dem Hessischen glaubten, daß sie nach Einführung der Schlachtsteuer in Hessen keine Einfuhrsteuer zahlen muhten, wurden aber bald gewahr, daß das doch der Fall war. Ihr Fleisch war dadurch so stark belastet, daß sie nur mit Per- l u st verkaufen konnten. Die Frankfurter Grohschlächter konnten ihre Ochsen- und Kuhviertel nur dadurch an die hesfischen Einkäufer absetzen, daß sie die Kosten der hessischen Ausgleichssteuer selbst trugen. Frankfurter Abendbörse behauptet. Frankfurt a. M., 5. Dez. Die Abendbörss lag nahezu geschäftslos, und die Berliner Schlußkurse blieben meist nur knapp behauptet. Infolge des morgigen Reichstagsbeginns zeigte sich starke Zurückhaltung. Versionen von einer nur 3- bis 4prozentigen Zwischendividende bei Chade (zuletzt wurden 6 Proz. bezahlt) haben etwas verstimmt, außerdem ging von den meist unveränderten AuS- landbörsen keine Anregung aus. Das Demenll betreffend der Einführung einer Vermögensabgabe blleb ohne Einfluß auf die Kursgestaltung. 2eid)t gebessert eröffneten Reichsbank, Harpener Bergbau und Hapag, wogegen im übrigen die Kurse etwa 0,25 bis 0,50 Proz. unter Berlin gesprachen wurden. Für Chadeaktien nannte man den letzten Kurs (144,50 Mark) Brief, Tlmsätze fanden aber nicht statt. Im Verlaufe stockte das Geschäft fast vollkommen. - Am Rentenmarkt war es bei unveränderten Kursen ebenfalls sehr still. Im weiteren Verlaufe konnten sich die Kurse am Aktienmarkt leicht erhöhen, ohne daß ' nennenswerte Tlmsätze getätigt wurden oder besondere Anregungen Vorgelegen hätten. Im Durchschnitt ergaben sich Besserungen von 0,25 bis 0,50 Prozent. Renten lagen dagegen vernachlässigt. Reubesihanleihe 6,40, Alt besitz anleihe 57,50, Schutzgebietsanleihe 5,60, Reichsbank 128,75, Gelsenkirchen 46, Harpener 81.25, Kali Aschersleben 106.50, Mannesmann 58,25, Phönix Bergbau 31,75, Rheinstahl 69,25, Stahlverein 28,50 bis 28,75, Aku 52,75, Chade 145, Conti Gummi 116, Daimler Motoren 18,50, IG.-Farben 96,13, Gcs- fürel 73, Metallgesellschaft 34. Dütgerswerke 40, Siemens 121, Hapag 17,75. I Kurszettel -er Berliner un- Frankfurter Börse. , Die hinter den Papieren angeführten Ziftern geben die Höhe der zuletzt bejchlosjenen Divib.nde an. - Reichsbankbiskont 4 o. H.. Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt a. Dl. Viertln Jtoniiuri a. JU. Berlin Frankfurt a.M. Berlin Oevisenmarkl Berlin — Frankfurt a Schluß» kur« Gchlußk. Abendbörse Schluß» lur» Schlüße. Mittag, börse Schluß» kurS v-ch'ußk. Abend» borke Schluß» kurs G-blußk. Miitaa» börse Schluß» kurs Schluß! Ab'enk» börs- Schluß» kurs Gchlußk. Millag» 3-Dezember 5-Dezember Odtum | 3.12. 5.12. 3.12. 5.12. Amtliche Rotierung Geld ! Srie Amtliche Rotierung «Seid I 33rle> Datum 3.12. 5.12- 3.12. 5.12. Oatum 3-12. 5.12. 3.12. 5.12. 6% Teurs.sse Reichsanlethe v. 1921 6% ehe m.7% Dt.RelchsanI. v. 1929 5Vt% Doung^AnIeihe von 1930 .. Deutsche Anl..Mlös.^-chuld mti AuSlos.-Rechten ............. Tesgl. ohne Auslos.-Rechte...... 6% ehem. 8% Hess. Bollestaat 1929 (rüchahlh. 102%)............ 90,5 75 56,65 6,45 68,4 55,5 54 79,9 83,75 84,5 78,5 78,5 9,25 6 75 90,25 75 57,5 6,4 68,9 55,5 54 79,65 79,65 83,9 83,9 78,5 78,5 8,75 1,05 5,9 75,25 90,5 75,5 57,4 6,45 68,5 53,65 78 9,3 7 75,13 90,25 75 57,5 6,4 54 78 5,85 Hambuig^tmerSa.Pakel .....ü Hamburg-Südanr. Dampfschiff. 0 Hansa Dampfschiff...........o Norddeutscher Lloyd .........o A.A. für Verkehrswesen Akt. .. o Berliner Handelsgesellschaft.... 4 Commerz- und Privat-Bank ... o Deutsche Bank und DiScont». Gesellschaft................o 18,4 19,13 46 89 53,5 75 61,5 130,75 33,75 74 99,75 56 75 79 77 123 17,75 18,65 46 89 53,5 75 61,5 128,75 52,75 73,5 97.25 54 73 79 76 121 43 80,75 46 81,25 99.75 58,25 31,75 177 69,25 17,65 26,9 18,75 45 89,25 53,5 75 61,75 130 34 75 99 56 74,9 81 77 123,25 115 44,65 81 46,5 81 48 131 100,5 44,65 59,5 22,25 42 17,65 26,5 18,5 45.25 89,5 53,5 75 61,75 128,5 33 74,4 97 54,4 72,5 80 75,5 121 114,25 42,75 80,25 45,75 81 47 98,75 44 58,65 21,5 41,65 Beretnigre Stahlwerke........0 Otavi Minen ...............0 Kaliwerke Aschersleben........6 Kaliwerke Westeregeln........ 6 Kaliwerke Salzdetfurth....... 9 3. G. Farbcn-Jndustrie....... 7 Scheideanslalt...............10 Goldschmidt ................ 0 Rütgerswerke ........ 0 Metallgesellschaft............. 0 Philipp Hohmann........... 0 Zementwerk Heidelberg ......4 Cementwerk Karlstadt......... 0 Wayß & Frey log ............0 Schultheis Patzenhoser....... 0 Sllu l'Mgemeine Kunstseide) ... 0 Bemberg................... 29 16,5 110 115 173 97,5 145-25 29,5 41,9 35 57,5 47 56 — 54,75 61 46,5 28,75 28,75 15,5 106,5 112,5 172 97,25 145 29 40 34 56,25 47 4,6 52,75 57,5 46 28,75 29,13 16 109,25 114,9 173 97,75 29,5 41,9 35,13 57 6 102,9 54,75 59,5 46) 28,5 29 15,25 106 113,5 96 28,75 40 35 56,25 102,25 52,25 58,25 45,75 28.5 Helsingfors.. Wien....... Prag....... Budapest ... Sofia ...... Holland .... Lslo....... Kopenhagen. Swckholm... London..... 5,924 51,95 12,465 3,057 169,33 63,93 69,93 73,72 13,43 0,863 4,209 58,27 21,36 16,45 80,92 34,40 81,77 0,849 0,294 5,634 12,76 5,936 52,05 12,485 3,063 169,67 69,07 70,07 73,87 13,67 0,867 4,217 58,39 21,40 16,49 81,08 34,46 81,93 0,851 0,296 5,646 12,78 Banknoten. 5,914 51,95 12,465 3,057 169,33 68,93 69,63 73,58 13,36 0,858 4,209 58,27 21,36 16,45 80,92 34,40 81,75 0,849 0,294 5,634 12,76 5,926 52,05 12,485 3,063 169,67 69,07 69,77 73,72 13,40 0,862 4,217 58,39 21,40 16,49 81,08 34,46 81,91 0,851 0,296 5,646 12,78 Oberhelsen Vrovtnz.Anleihe mii AuSIos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Eammelab l.An- leihe Settel mit AuSlos.-Rechten 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Bmll Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 6% ehem. 7% Franks. Hyp.-Ban! Goldpse. 16 unkündbar bis 1936 6-bem. 4«/,% Franks. Hyp.^ Bank.Liqu.-Psandbriese ..... 5!4% ehem. 4!4% Rheinische Hhp.-Bank-Ltqu.-Goldpse..... 6% ehem. 8% Pr. Landespfand briesanstalt, Pfandbriefe R. 19 6% ehem. 7% Pr. Landespfand briefankalt. Pfandbriefe R. io 4% Oefterretchische Goldrente... 4,20% Oekerreichtsche Silberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4'/z% desgl. von 1913...... Reichsbank .................i D.E.G......................0 Elektr. Lieferungsgesellfchast ... 5 Licht und Kraft .............6 Felten & Guilleaume ........o Gesellschaft für Elektrische Unter» nehmungen............... 4 Rheinische Elektrizität........6 Schuckert L Co..............0 Siemens & Halske...........9 Lahmeher SCo..............10 Buenos Aires Neuvork.... Brüssel..... I lallen..... Paris..... Schweiz... Spanien.... T anzig.... Japan..... Rio de Jan. Jugoftawien Lissabon... __serliu, S.lOeiembcr Geld Deutsche Erdöl .............4 Gelsenkirchener.............. 0 18L5 46,75 82,25 '01,5 45,75 60 32,13 179,5 71,5 Zellstoff Waldhos ...........q Zellswff Aschaffenburg ....... 0 Dessauer Gas .............. 7 Daimler Motor,- ,.......... 0 Deutsche Linolen n .......... 0 Lrenstein & Koppel........0 Leonhard Tietz .............. « Chade................. 12 Amerikanische Roten.............. Belgische Roten.................. Dänische Roten ................. Englische Roten ................. Französische Roten............... Holländische Roten............... Italienische Roten................ Rorwegische "Roten .............. Deutsch Oesterreich, ä 100 Schilling Rumänische Roten............... Schwedische Roten............... 4,20 58,11 4,22 58,35 6,75 3,6 4 : 10 5,75 6,65 3,6 4 4 5.9 9,75 4.9 21 5,75 5J 3,6 4,05 4,1 — 5 '1 — 3,65 4,05 4,05 9,8 4,9 21 Harpener...................0 19,25 46,25 - 1 43,5 - 18,5 46 43 145 97,5 । i9,13 I 46,4 I 37,5 44,5 । 149,25 l 97,25 19 46 36,5 44 144,5 69,26 13,32 16,41 168,96 21,30 68,76 2,47 73,40 80,74 34,26 69,54 13,38 16,47 169,64 21,38 69,04 2,49 73,70 * 81,06 34,40 Hoesch Eisen—Köln-Neuessen.. 0 Me Bergbau ...............7 OHc Bergbau Genüsse........7 Klocknerwerke ...............0 6% abgek. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie 1 .... 4% deSgl. Serie 11 ............ Mannes mann-Röhren........0 Marisfelder Bergbau.........0 Lberschlef. Kokswerke.........0 Pbönir Bergbau.............0 Mteinische Braunkohlen ......10 Rheinslahl............... 0 B% Hin man. vereinh. Rente v. 1903 4'/i%Rumän.veretnh.Rentev.i913 4% Rumänische vereinh. Rente .. B%% Anatolier............. - 4,9 21,65 31,9 178,5 71,13 32,25 174,5 69,13 isttHncr....................0 Mainlraftwerke Höchst a.M. ... 4 Süddeutscher Zucker ......... 30 140 301 54 138| 30,25 139 ! 30.9 139,25 Schweizer Roten................. Svanische Roten................. Ungarische Roten................ y Ä niiA Ä Sie, -eit fern vor al u pon 2 ve eckhr" m niuiipirM (fji oli eiva fcrJen, Me i Wc unb . Ich iAvnc luWb yO in Aniii Sesahr B ein das Mhängigen cckrl and, M fono Hkjubege- fcran gcgan tot allem u W zur 3e! Urnern ju ichten E freundlichen aus LiM Kurzgel Dirtfchl drang der nischen Syt Konkurrenz Lander un lanbajM. von der Mc immer nun cn Daren Billigt« Advehrma wehr oder Mg angel Bie japa billige und lann dar, n aichuorölM S'.'allst wer Mn natiirt । Mr haltbar viiis im Jl /Wii tam Kapitals. 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