Ur.209 Krtthausgabe 182. Jahrgang Dienstag, 6. September 1952 Erschein» tägltd), außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die DUuftTterte (Siebener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monat,-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM 1.95 Ohne Jllusttierte . 1.80 Zustellgebühr. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschliisse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger ftieften- poftfchecttonto: firanlfurt am Blain 11686. MetzemrAnzeiger General-Anzeiger für Gberhessen Pnxf und Verlag: vrühl'sche Umver7,rai§-Vuch- und Steinöruderei R. Lange in Gietzei. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchnl^traße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Re- klamean-,eigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzvorschrift 20u , mehr. Thefredakteur Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.TKyriot; für den übrigen Ted Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Sieben Oie neue Wirtschastöverordnung. VielseitigeMaßnahmen zurBelebung der Wirtschafi und zu vermehrter Arbeitsbeschaffung durch Anreiz der privatwsttschastlichen Initiative und steuerliche Entlastung. Das Ziel. Berlin, 5. Sept. (WTB.) Amtlich wird miLg^teilt: Alle seicherigen Bemühungen zur Be- kämpsung der Arbeitslosigkeit haben leinen durchgreifenden Erfolg gehabt. Die Reichsregierung muhte sich daher zu weitgreifenden und einschneidenden Mahnahmen entschließen. Diesem Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit soll di« Verordnung vom 4. September 1932 dienen. Reben einer Erweiterung des Programms für öffenttiche Arbeiten müssen wirksame Mahregeln zur Belebung der Privatwirtschaft treten. Die Regierung trifft diese Maßnahmen, weil sie überzeugt ist, dah die Privatwirtschaft noch immer den besten Weg für ein« rationelle Befriedigung der wirtschaftlichen Bedürfnisse der Menschen darstellt und daß es deshalb darauf ankommt, die in ihr schlummernden Kräfte zu wecken. Damit die zu ergreifenden Schritte im späteren Berlauf nicht zu wirtschaftlichen Rückschlägen führen, muh alles vermieden werden, was die Stabilität der Währung irgendwie beeinträchtigen könnte. Die wirtschaftlichen Bestimmungen der Verordnung sind in enger Zusammen arbeit mit der Reichsbank ausgearbeitet worden. Die Lebenshaltung und die Konsumkraft der breiten Schichten der Bevölkerung find infolge der Deflation tief gesunken. Diese Entwicklung läht sich wirksam nur bekämpfen durch eine grundlegende Besserung der Lage des Arbeitsmarktes. Die Verordnung gewährt deshalb der wirtschaft nur dort Erleichterungen, wo eine unmittelbare Belebung der Produktion und damit des Arbeitsmarktes mit Sicherheit zu erwarten ist. hieraus erwächst der Privatwirtschaft die Verpflichtung, alles zu tun, um zunächst den Produktionsapparat für die zu erwartenden Ausgaben inftandzu- f e h e n. Vermehrung der öffentlichen Arbeiten. Bei der jetzigen Wirtschaftslage gilt es, den nach Erreichung des Tiefstandes der Krise zu erwartenden natürlichen Aufschwung der Wirtschaft vorzubereiten. Hierzu dient zunächst das umfassende Programm für die D o r. nähme öfs-entlicher Arbeiten. Es kann auf einen Gesamtaufwand für solche Zwecke von nahezu 0,75 Milliarden Mark in den nächsten Mo- natcn gerechnet werden. Die Einsetzung dieser Mittel wird eine unmittelbar wirksam werdende Rachfrage nach wichtigen Produktionsmitteln Hervorrufen und da» mit einen weit über den Kreis der beteiligten Wirtscha tszweige hinausreichenden belebenden Ein fluh auf die gesamte Wirt- s ch a f t ausüben. Oie Beschäftigungsprämie. Diesem von den öffentlichen Aufträgen ausgehenden Antrieb der Volkswirtschaft wird nun auf breiter Grundlage ein für diePrivat- wirtschast bestimmter Antrieb hinzu- gefügt. Die Deschäftigungsprämie, zu der sich die Regierung trotz mancher Bedenken entschlossen hat, wird insbesondere den kleineren und mittleren Betrieben, die verhält» nismähig zahlreiche Arbeiter beschäftigen, zugute kommen. Sie bietet einen ft arten Antrieb auf erweiterte Einführung der Kurzarbeit. Sie wird weiter eine billigere Kostenberechnung ermöglichen, damit Preissteigerungen vorbeugen und die Verbreiterung des Absatzes fördern. Die Beschäftigungsprämie bedeutet endlich eine sehr fühlbare Entlastung aller öffentlichen Haushalte, besonders der Haushalte der Gemeinden von den Kosten der Krisen- und Wohlfahrtsunterstützung. Oie Steuererleichterungen. Die Bcfdjäftigungsprämie allein würde sich nicht ausreichend auswirken können, solange die Unternehmer mit ständig steigenden Verlusten arbeiten müssen. Die vorgesehenen Steuererleichterungen, die sich nicht auf Einkommen- und Vermögenssteuern, sondern aus- schließlich auf unmittelbar auf der Produktion ruhende Steuern beziehen, sollen die Voraussetzungen dafür schassen helfen, den Umfang der Produktion zu erhöhen und die Arbeitsgelegenheiten dadurch zu ver- ...ehren. Die Beseitigung der Beförderungs- [teuer für ein Jahr wird sich in voller Höhe in zusätzlichen Aufträgen der Reichs- bahn auswirken. Die Milderung der Umsatzsteuer wird nur deshalb gewährt, weil diese Steuer nur diejenigen trifft, die Umsätze machen und dadurch die Erzeugung fördern. Die Herabsetzung der Grundsteuer — neben der Bereitstellung von bis zu 50 Millionen Mark als Zuschuß zu Reparaturen fürdenHaus- besitz — soll in erster Reihe dazu dienen, die finanziellen Voraussetzungen für die Wiederherstellung der seit Fahren stark vernachlässigten städtischen und ländlichen Gebäude zu schaffen. Die R u ck - Vergütung auf Gewerbesteuern endlich bedeutet eine stark wirksame Entlastung der Produktion. Die für ein Jahr gewährten Steuererleichterungen find ein Vorgriff auf die Steuererträge künftiger Jahre. Dieser Vorgriff ist unbedenklich. Die in Betracht kommenden auf eine Reihe von Jahren verteilten Beträge sind, gemessen am Umfange des Reichshaus- hattes, verhältnismäßig unbedeutend. Ferner ist damit zu rechnen, dah die Steuereingänge nach Ueberwindung der IDirt- f d) a f t 5 f r i f e reichlicher fliehen werden, und dah dann die geplante Reform der öffentlichen Verwaltung sich in einer wesentlichen Senkung der Ausgaben ausgewirkt haben wird. Oie Gieuerguischeine. Von der Privatwirtschaft wird erwartet, daß sie durch Vergebung von Reparaturausträgen, Durchführung privater und öffentlicher Arbeiten und sonstige zusätzliche Produktion die Arbeits- Möglichkeiten bald und erheblich steigert. Dazu bedarf sie in den meisten Fällen neuer zusätzlicher Kredite. Die Unterlage hierfür bieten die Steuergutscheine. Diese werden deshalb zum Lombard bei der Reichsbank zugelassen. Sie werden darüber hinaus aber auch als Unterlage für zusätzlichen Diskontkredit bei den Danken und bei der Reichsbank dienen. Ferner werden sie an den Börsen gehandelt werden. Das Wirtschaftsprogramm kommt in erster Linie den mittleren und kleineren Betrieben zugute, weil sie am frühesten und stärksten an der Belebung der Wirtschaft beteiligt sein werden. Der Hilfe für den gewerb- lichen Mittelstand dienen auch die Bestimmungen der Verordnung, nach denen erhebliche Beträge für langfristige Kredite an mittlere und kleinere Betriebe sowie für gewerbliche Kreditgenosfen- I schäften und Konsumgenossenschaften, Die das | Depositengeschäft betre.ben, zur Verfügung gestellt werden. Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft. Für die Landwirtschaft wird die Rot- Verordnung in doppelter Hinsicht erleichternd wirken. Der unmittelbaren Entlastung dient die Ausgabe von Sieuergutscheinen in Höhe von 40 Prozent des Steuerbetruges bei der Grundsteuer und die Aufhebung der Umsatzsteuer für pasteurisierte Milch. Mittelbar wird sich das ganze Wirischaftsprogramm durch Schaffung von Kaufkraft belebend auf die landwirtschaftlichen Warenmärkte auswirken. Darüber hinaus hat die Re'chsregierung grund- fählich die Anwendung von Kontingenten zur Entlastung des deutschen Marktes von übermäßiger landwirtschastlicher Einfuhr beschlossen. Zur Durchführung dieser Kontingentierung, die mit größter Beschleunigung erfolgen soll, wird mit den hauptbeteiligten Ländern in Verbindung getreten werden. Ferner wird auf eine fühlbare Ermäßigung der Zinslasten Hingearbeitet. Dies gilt nicht nur für den Personal-, sondern auch für den Realkredit. Diese Maßnahmen müssen fchneU in Gang kommen, da gegenwärtig 60 Prozent des Kleinbesitzes, 70 Prozent des Mittelbesihes und 80 Prozent des Großbesihes ihre Zinsen nicht mehr aus dem Detriebsrein- ertrag zahlen können, sie vielmehr aus der Substanz leisten. Di« in der Verordnung zusammengefaßten Maßnahmen [teilen den Anfang einer umfassenden, a u f Verminderung der Arbeitslos igkeit gerichteten Wirtschaftspolitik dar. Sie werden in gerechter und insbesondere die sozialen Gesichtspunkte sorgfältig berücksichtigender Weise durchgeführt werden. Sie bedürfen deshalb zahlreicher Durchführungsbestimmungen, bei deren Beratung den beteiligten Kreisen, namentlich Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Gelegenheit zur Mitarbeit gegeben wird. Das System der Sieuerguischeine. Zu den einzelnen Abschnitten der Verordnung ist folgendes zu bemerken: Wie in der Einleitung ausgeführt, ist für die Wirtschaft eine Entlastung, und zwar insbesondere auf der Produktionsstule, unbedingt geboten. Run ist aber eine sofortige Herabsetzung von Steuern bei den noch immer sinkenden Einnahmen und bei dem gegenwärtigen Stande der Arbeitslosigkeit nicht möglich, da die öffentlichen Kassen einen sofortigen, toet- teren erheblichen Ausfall nicht vertragen würden. Auf der anderen Seite würde aber der Wirtschaft auch nicht gedient sein, wenn ihr lediglich für die Zukunft Steuersenkungen in Aussicht gestellt würden, ohne ihr s o f o r t greifbare und verwertbare Unterlagen für ihren Geschäftsbetrieb in die Hand zu geben. Dieser Ausgleich zwischen den Interessen der öffentlichen Hand und denen der Wirtschaft ist durch das System der Steuergutfcheine gefunden worden. Solche Steuergutfcheine erhält jeder, der in der Zeit von 1.Oktober 1 932 b i s zum 1. Oktober 1 933 gewisse Steuern zahlt. Sie können in den Jahren 1 9 3 4 bis 1939 in einem noch näher zu erläuternden Umfang für Reichs steuern in Zahlung gegeben werden. Gleichzeitig bieten sie aber m i t sofortigerWirkung— und darin liegt das Entscheidende — geeignete Ä r e b i t u n t erlagen für neue Geschäfte. Der Staat erleidet also im Augenblick keine Einbuße, versieht aber die Wirtschaft mit einem wertvollen Kreditinstrument, das geeignet ist, bis jetzt aus Illi- quiditätsangst zurückgehaltene Geschäfte, darunter auch die Desriedigung aufgestautem Erhaltungsbedarf, zur Durchführung zu bringen. Steuergutfcheine sollen in Höhe von 40 Prozent in der Zeit vom 1. Oktober 1932 bis 30 September 1933 fällig gewordener und entrichteter Umsatzsteuer, Gewerbesteuer unb ©runöfteuer gegeben werden. Wer also in der fraglichen Zeit 1000 Mk. Umsatzsteuer. 200 Mk Grundsteuer und 400 Mk. Gewerbesteuer zahlt bekommt 640 Mk. Steuergutscheine. Ist ein Steuerpflichtiger in dem Zeitpunkt, m dem der Anspruch auf Ausgabe eines Eteuergutscheins entsteht mit Steuern im Rückstand, so kann die Finänzkasse den auszugebenden Steuergutschein zurückbehalten und als Sicherheit i. S. ter Reichsabgabenordnung behandeln. Das wird z. B. dann ch Frage kommen, wenn jemand von 1200 Mk. Umsatzsteuer, die er an sich zu zahlen hat, nur 150 Mk. bezahlt. Derrn die Voraussetzung für die Aushändigung von Steuergutscheinen muh im allgemeinen sein, daß die fälligen Steuern fristgemäß richtig entrichtet werden. Die Steuergutscheine lauten auf den Inhaber. Sie werden in Beträgen von 50, 100, 200, 1000, 10 000 und 20 000 Mk. ausgegeben. Die Steuergutfcheine können von 1934 ab in Höhe von je einem Fünftel für alle Reichs- ft e u e r n, d. h. also für Besitz- und Verkehrs- steuern, wie z. D. Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer. Kapitalverkehrssteuer. Wechselsteuer, weiter aber auch für d i e Zölle und für die Verbrauchssteuern, z. D. Tabaksteuer, Zuckersteuer, Salzsteuer, Biersteuer, Brandweinsteuer usw., in Zahlung gegeben werden. Au s- geschloßen ist nur die Einkommenssteuer. Aber auch ohne die Einkommenssteuer bleibt noch ein ausreichendes Volumen für die Zahlung mit Steuergutscheinen übrig. Selbst wenn man die Steuergutscheine für die Mehr- beschäftigung von Arbeitern in voller Höhe, nämlich 700 Millionen hinzurechnet, so würden jähr- lich nur 450 b i s 500 Millionen Mark Steuergutscheine für Zahlung von 6 bis 6,5 Mi lliarben Mark Reichssteuern zur Verfügung stehen. Ein breiter Markt ist also gesichert. Neben Umsatzsteuer, Grundsteuer und Gewerbesteuer tritt als vierter Maßstab die Beförde - rungsfteuer hinzu, die jetzt im wesentlichen nur noch von der Reichsbahn entrichtet wird. Den Gesamtbetrag der auszugebenden Steuergutscheine für Steuerschulden kann man mit etwas über 1,5 Milliarden Reichsmark annehmen, und zwar auf Grund folgender Berechnung: 1. die Umsatzsteuer wird nicht mehr bringen als 1500 Millionen Reichs- Mill. RM. mark, davon 40 v. H. 600 2. das ®cmerbefteuerauftommen ist anzunehmen mit 600 Millionen Reichsmark, davon 40 v. H. 240 3. die Grundsteuer kann geschätzt werden auf 1280 Millionen Reichsmark, davon 40 v. H. 612 4. die Beförderungsfteuer in voller Höhe 170 zusammen 1522 Was das technische Verfahren anlangt, so werden die Steuergutscheine oonderFinanzkajsedes Finanzamtes, das für die Besteuerung der Steuerpflichtigen zuständig ist, auf Antrag des Steuerpflichtigen ausgegeben. Der Antrag muß bis zum 31. März 1934 gestellt sein. Soweit den Finanzämtern die Erhebung der Gewerbesteuer und der Grundsteuer nicht obliegt — das ist z. B. in Preußen der Fall — haben die für die Erhebung dieser Steuern zuständigen Kassen dem Finanzamt des Steuerpflichtigen am Ende eines jeden Kalenderoierteljahres die Beträge anzuzeigen, für die Steuergutscheine ausgegeben werden können. Um den St«u«rgutscheinen von vornherein einen möglichst hohen Wert zu sichern, sollen sie mit einem Agio versehen werden, das 4 Prozent jährlich beträgt. Selbstverständlia) gilt das Agio nur für die jeweils in einem Jahre in Zahlung zu gebende Tranche eines Steuergutscheins. Wenn also beispielsweise ein Steuergutschein über insgesamt 1000 Mark lautet, so werden im Jahre 1934 die erste Tranche mit 208 Mark, 1935 die zweite Tranche mit 216 Mark usw., 1938 b:e letzte Tranche mit 240 Mark in Zahlung genommen. Wird aber die erste Tranche erst im zweiten Jahr (1935) in Zahlung gegeben, so wird auch sie nur mit 208 Mark in Zahlung genommen. Es besteht also für die Pflichtigen das Interelle, j« «in Fünftel des Gesamtbetrags im jeweiligen Ichr zur Anrechnung zu bringen. Soweit die Steuergutfcheine nicht als Kreditunterlagen verwertet werden, werden sie in den Jahren 1934 bis 1939 zur Steuerzahlung verwendet werden. Sie können auch ganz oder zum Teil veräußert werden. Das kann volkswirtschaftlich wichtig sein, wenn es sich um di« Abzahlung von Inlandschulden handelt, weil dadurch der Gläubiger einen eingefrorenen Kredit frei bekommt und damit seinerseits Kapital für die Durchführung neuer Geschäft« erhält. Die Steuergutfcheine werden an jeder Börse zum Börsen Handel zugelassen. Anschas- fungsgeschäfte von Steuergutscheinen sollen bör - [enums atz steuerfrei sein. Auch Landesstempel und Gemeindestempel oder dergleichen dürfen nicht erhoben werden. Weitere Maßnahmen. Reben der großen Entlastung der Wirtschaft durch die Steuergutfcheine ist noch die Herabsetzung der Steuerverzugszuschläge vorgesehen. Der Zuschlag für Steuerrückstände betrug bisher 1,5 Prozent halbmonatlich, also 36Prozent auf das Jahr berechnet. Vom 16. September ab soll nunmehr der Verzugszuschlag auf 1 Prozent halbmonatlich, also a u f 2 4 Prozent pro Jahr, herabgesetzt werden. Die Erhebung der Verzugszuschläge ist eine Maßnahme, die den notwendigen schnellen Eingang der Steuern fördern soll. Ein Verzicht erschien daher im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht möglich. Die Reichsregierung wird aber, wenn der Eingang der Steuern und die öffentliche Finanzlage es erlauben sollten, eine weitere Senkung in Erwägung ziehen. Weiter ist im Interesse der Entlastung der Milchwirtschaft die Lieferung von Milch im Zwischenhandel von der Umsatzsteuer befreit worden. Bisher war die Steuerpflicht dann gegeben, wenn die Milch während der Beförderung vom Erzeuger »um Verbraucher pasteurisiert wird. Durch die Befreiung soll den im Rahmen des Milchgesehes liegenden Bestrebungen betr. die hygienische Gestaltung der gesamten Milchversorgung Rechnung getragen und damit insbesondere auch der bäuerlichen Veredelungswirt schast geholfen werden. Um den aufgestauten Instandsetzungsbedarf abzubauen, ermächtigt die Verordnung den Reichsfinanzminister, für Instandsetzungsar- beiten an Gebäuden, für die Teilung von Wohnungen und für den Ausbau gewerblicher Räume zu Wohnungen Reichsbeihilfen zu gewähren. Dafür werden im ganzen 50 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Dadurch wird der Real- besih gegen Wertminderung oder Verfall geschützt und vor allem den kleinen und mittleren Betrieben Beschäftigungsgelegenheit gegeben. Um Unterstützungsempfänger wieder zu Lohnempfängern zu machen, hat die Verordnung im Zu[ammenhang mit den Vorschriften^ über den Steuernachlaß eine Deschäftigungsprämie ausgesetzt. Ein Arbeitgeber, der in dem Wirtschaftsplanjahr vom 1. Oktober 1932 bis 30. September 1933 im Durchschnitt eines Kalendervierteljahres mehr Arbeitnehmer beschäftigt als im Durchschnitt der Monate Juni, Juli und August 1932, erhält für jeden Arbeitnehmer, den er über die frühere Destandzahl hinaus einstellt und ein Vierteljahr lang beschäftigt, die Entschädigung von 100Mk. durch Ausstellung eines Steuergutscheines. Das Reich wird für die Gewährung von Befchäftigungsprämien 700 Mill. Mk. bereit- steilen. Für den Arbeitgeber bildet die Prämie einen starken Anreiz zur Vermehrung seinerBelegschaft und zur Steigerung der Produktion. Erhöht er B. die Zahl der 'Beschäftigten um 25 v. H., so erhält er aus dem Steuergutschein 5 bis 6 v. H. der Lohnsumme als Zuschuß. Werden die Mittel für die Beschäftigungsprämien ganz ausgeschöpft, dann haben im Planjahr 1932 3d etwa 1,75 Millionen Arbeiter und Angestellte durch wertschaffende Arbeit Brot verdient. Oie sozialpolitische Ermächtigung. Vereinfachung und Verbilligung der sozialen Einrichtungen. — Mit möglichst geringen Mitteln große Leistungen. 3m zweiten Teil der Verordnung wird die Regierung beauftragt, im Hinblick auf die gegenwärtige Rot des deutschen Volks zur Erhaltung der sozialen Fürsorge und zur Erleichterung iron Wirtschaft und Finanzen die sozialen Einrichtungen zu vereinfachen und zu verbilligen. Die Reichsregierung wird zu diesem Zweck ermächtigt, auf bestimmten Gebieten das soziale Recht in seinen Formen und Grenzen so au gestalten, wie der wirtschaftliche Rötst crno und das soziale Vedürfnis, wie das Gebot de r C i n f achhe i t und Sp a r s a m ke i t es erfordern. Das Misstrauen, dem diese Ermächtigung von vornherein in der Oeffentlichkeit begegnete, ist nicht gerechtfertigt. Für die Richtung in der Sozialpolitik ist der Wille maßgebend, den der Herr Reichspräsident am 30. August in Reudeck kundgegeben hat: „Die Lebenshaltung der deutschen Arbeiterschaft soll gesichert und der soziale Gedanke g e w a h r l bleiben." Die Reichsregierung hält sich an den Grundsatz, daß die Freiheit der Wirtschaft ihre Grenze findet in der sozialen Mission des Staats, insbesondere im Gebot der sozialen Gerechtigkeit. Sie verschließt aber nicht die Augen vor der unaufhörlichen Wechselwirkung zwischen Wirtschaft und Sozialpolitik. Die Reichsregierung wird einen angemessenen Ausgleich zwischen den wirtschaftlichen Möglichkeiten und den sozialen Rotwendigkeiten suchen. Der Tarifvertrag bleibt in seinen begrifflichen Merkmalen unberührt. Damit ist aber vereinbar eine gewisse Bewegungsfreiheit im räumlichen und beruflichen Geltungsbereich, insbesondere mit Rücksicht auf das Schwergewicht der örtlichen Verhältnisse und die besonderen Bedürfnisse eines Gewerbezweigs, oder wegen des Rotstands in einem Betrieb. Der beweglich gestaltete Tarifvertrag kann unter Umftänöen selbst der Erhaltung und Vermehrung der Arbeitsplätze dienstbar gemacht werden. Auch die Arbeitslosenhilfe kann einfacher geregelt werden. Jedenfalls scheint die Dreiteilung der Unterstützung keine durch die Ratur der Dinge auferlegte Rotwendigkeit zu sein. Heber» all wird die Reichsregierung den Spar- oder mindestens den Leistungserfolg suchen. Die gesamte soziale Verwaltung soll einfach, billig und zugleich pfleglich werden; sie soll mit einem geringen Verbrauch von Mitteln und Kräften verhältnismäßig große Leistungen vollbringen. So faßt die Reichsregierung Sinn und Zweck der Ermächtigung auf. Ermäßigung des Tariflohns bei Vermehrung derdelegschast Von dieser Ermächtigung hat die Reichsregierung für das Gebiet des Tarifvertrags sofort Gebrauch gemacht, um Arbeitslose wieder in das Beschäftigungsverhältnis einzureihen und um eine, für einen Betrieb drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden. Die Dollzugsverordnung ermächtigt den Arbeitgeber, wenn er die Zahl feiner Arbeitnehmer vermehrt, d i e Tariflöhne verhältnismäßig zu mindern; sie ermächtigt außerdem den Schlichter, für Betriebe, die besonders gefährdet sind, den Tariflohn innerhalb eines festgesetzten Spielraumes zu ermäßigen. Die erste Maßnahme verfolgt den Zweck, durch eine begrenzte Entlastung des Lohnkontos einen Anreiz zur Vermehrung der Arbeitsplätze und zur Einstellung von Arbeitslosen auszuüben. Voraussetzung ist, daß der Arbeitgeber die Belegschaftsziffer gegenüber ihrem Stand am 15. August oder gegenüber dem Durchschnitt der Monate 3uni, 3uli und August 1932 erhöht. 3e größer diese Vermehrung, um so größer soll auch die Ermäßigung der tariflichen Löhne sein. Die Lohnermähi- gung soll sich jedoch nicht auf die ganze Entlohnung erstrecken, sondern auf die Vergütung für die 31. bis 4 0. Wvchenarbeits- stunde beschränkt sein, einmal, um dem Arbeitnehmer ein gewisses Mindesteinkommen zu garantieren, andererseits, um einen Anreiz zur Verkürzung der Arbeitszeit zu schaffen. 3n keinem Fall soll die Lohnermäßigung über die Hälfte der Vergütung für die 30. bis 40. Stunde hinausgehen, so daß also der Arbeitnehmer von dem bisherigen Gesamtlohn höchstens 12,5 v. H. einbühen kann. Diese Höchstgrenze wird aber erst bei einer Vermehrung der Belegsch af t um ein volles «Viertel- erreicht und« Meibt bei einer werier- gehenden Vermehrung der Belegschaft unverändert. Die Einbuße trifft stets nur den einzelnen Arbeitnehmer, während die gesamte Lohnsumme des Betriebes sich nicht nur nicht vermindert, sondern infolge der Reueinstellungen anwächst. Die Hundertsätze für die Vermehrung der Belegschaft und die Ermäßigung der Löhne sind derartig bemessen, daß stets eine Vermehrung der gesamten Lohnsumme und damit eine Stärkung der allgemeinen Konsumkraft Eintreten muß. Die Verordnung gibt dem Arbeitgeber eine solche gesetzliche Ermächtigung zur Ermäßigung der tariflichen Lohnsätze, ohne daß hierzu eine Aenderung des Arbeitsvertrages erforderlich wäre. Der Arbeitgeber, der von der Berechtigung Gebrauch machen will, hat dies der Belegschaft durch Au shang im Betrieb bekannt- z u g e b e n und darf dairn ohne weiteres von dem Beginn der nächsten Lohnwoche an, für Angestellte vom Beginn der nächsten Monatshälfte an, die Lohn- und Gehaltsermäßigung eintreten lassen. Selbstverständlich ist diese Berechtigung aber nurfür Fälle gedacht, in denen tatsächlich eine echte Vermehrung de ^Arbeitsgelegenheit stattfindet. Wo es sich lediglich um Verschiebung der Arbeit zwischen mehreren Betrieben handelt oder aus sonstigen Gründen der Zweck der Verordnung nicht erreicht wird, hat der Schlichter dem Arbeitgeber die Berechtigung zu entziehen. Wenn auch nach dem großen Geltungsbereich der Maßnahme eine dauernde Ueberwachung aller Betriebe kaum möglich sein wird, darf doch angenommen werden, daß die beteiligten Kreise schon von sich aus auf etwaige Mißbräuche aufmerksam machen. Fallen die Voraussetzungen für die Lohnermäßigung weg oder ändern sie sich, so treten die entsprechenden Auswirkungen auf die Lohnermäßigungen ohne weiteres ein. Die Verordnung findet auf Saisonbetriebe grundsätzlich keine Anwendung. Rur wo der Arbeitgeber über den saisonmähig bedingten Stand hinaus seine Arbeitskräfte vermehrt, soll ihm der Schlichter gleichfalls zu entsprechenden Lohnermäßigungen ermächtigen können. Für landwirtschaftliche Betriebe, bei denen die Arbeiterzisfer je nach den Jahreszeiten regelmäßig wechselt, und bei denen deshalb von einem bestimmten Stichtag nicht ausgegangen werden kann, soll für die Feststellung der Arbeitsplätze jeweils von dem entsprechenden Monat des Vorjahres ausgegangen wenden. Auch sonst bedingen die Verhältnisse der Landwirtschaft bestimmte Abweichungen von der allgemeinen Regelung. Insbesondere werden die Sachbezüge bei -der Kürzung außer Ansatz bleiben müssen. Die Verordnung berücksichtigt sie aber insofern, als sie bei überwiegenden Sachbezügen größere Abzüge vom Barlohn zuläßt. Der zweite Abschnitt der Vollzugsverordnung trägt Sorge um die Aufrechterhaltung besonders notleidender Betriebe. Der Schlichter wird ermächtigt, in Fällen, in denen die Weiterführung oder Wiedereröffnung eines Be- Das Ende der Gorillas. Ein Bericht von Anton E. Zifchka. Man jagt den Gorilla nicht aus Sport, nicht um sich zu schützen. Man jagt heute den Gorilla, we^ sein Fleisch die Lieblingsspeise fast aller Reger am Kongo ist, weil sein Fleisch ihnen Erj atz für Menschenfleisch ist, weil es jenen eigenartigen Geschmack besitzen soll, der alle Kanni- baten krank vor Gier macht. Seit Jahrtausenden liegt diese Gier den Menschen im Innern Afrikas im Blut. Jahrtausende hindurch befriedigten sie sie, indem sie Feinde und Gefangene fraßen, Reisende mordeten ... Seit ein Paar Jahrzehnten aber ist das Reh der weißen Herrn so dicht geworden, die Furcht vor Entdeckung so groß, daß Kannibalismus nicht mehr vorkommt ... Seither wird der Go- rilla gejagt ... Tausende Quadratkilometer rings um den Kongo und seine Rebenflüsse sind heute noch ebenso Urwald wie vor hundert Iahren. OTber heute treibt der Hunger nach Rohstoffen, nach Gummi und seltenen Erden, nach Farbhölzern und Oelfrüchten Menschen in diese Wälder, heute müssen Weiße in dem ewig halbdunklen Urwald am Kongo leben. Feucht, sumpfig, heiß ist es hier. Fieber liegt in der Luft. Kaum leben noch Tiere hier. Alles, was Luft und Licht und Trockenheit liebt, ist am Kongo nicht zu finden. Im Innern, weit weg von den Siedlungen, wohnen die Gorillas in kleinen Herden. Ro° maden ... Die Riesen dieser Wälder ... und dabei die lebensuntüchtigsten der Menschenafsen. Man bekommt keine Träger, man bekommt keine Arbeiter, wenn man nicht Affenfleisch verspricht ... Gorillafleisch ... Die Tiere sind selten geworden, mit Speeren und Pfeilen sind die Kolosse schwer zu erlangen. So muß der Weihe helfen. Cs ist keine Iagd ... es ist ein Morden. Die Gorillas bauen Rester in den Baumgabeln, Rester aus Blättern und Zweigen. In diesen muldenartigen Unterschlupfen schlafen die Weibchen und Die Jungen. Der Mann bleibk unten am Baumstamm lehnen und hält Wache ... Er ist doppelt so groß wie das Weibchen, ein Muskelungetüm von Riesenmaßen. Mein Begleiter Drussaux erlegte einen, der 240 Kilo wog, aufgerichtet 2,30 Meter hoch war, Schultern von 1,10 Meter Breite hatte. Unwiderstehliche Kräfte birgt dieser Riesenleib. Trotzdem flieht der Gorilla immer, er ist wenig widerstandsfähig. Die Reger beschleichen eine Familie, tagelang oft, sie sind bei dieser Jagd unermüdlich. Drei Monate mußte ich ihnen den „Killer" machen, die flüchtenden Affen schießen. Täglich müssen die schwarzen Arbeiter ihr Fleisch haben. Sie streiken wie die Arbeiter der Küste ... 'Lange sind die Zeiten vorbei, da Glasperlen und das Wort des Weißen sie in die Wälder trieb. Drei Monate in der feuchten Glut des Kongo machen aus jedem Menschen ein Wrack. Und gerade am Ende dieser furchtbaren Urwaldzeit hatten wir das Erlebnis mit dem R'Pungu ... wie der Gorilla in der Eingeborenensprache heißt. Der Gorilla flieht, er ist ein Riese, aber er kämpft nicht ... Die Jagd hat nichts von der Gefahr der Löwenjagd oder der Jagd auf Fluh- pferbe ... Man wird daher leichtsinnig ... Die Männer von Kwanaa hatten eine Familie gestellt, ein- Weibchen mit drei Jungen, die drei oder vier Jahre alt sein mochten. Die Gorillas bleiben länger bei der Mutter als Menschen- rlntCr' ost bis zum fünften oder sechsten Jahr gesaugt ... Ein fast grauer, riesiger Mann toar bei ihnen. Aus irgendeinem Grund glaubte biefer Gorilla, daß jede Flucht ausgeschlossen lei, aus irgendeinem unbegreiflichen Grund fehlte ihn Brussaux beim ersten Schuh ... dröhnenden, schreckeinflöhenden Gebrull hebt sich der Affe auf die Beine und trommelt mit den Fäusten auf feine Brust. Cs Hingt wie das dumpfe Anschlägen von Baum- stammen, klingt wie das Brausen eines Orkans. Rascher, immer rascher schlägt er seine Brust Seine Kopfhaare sind gesträubt, neigen sich über die Stirn. Funkelnde Augen und ein Gesicht wie in menschlicher Wut verzerrt ... Aufrecht gehend kommt der Affe näher ... Die Reger laufen, flüchten vor dem teuflisch aussehenden Tier. Der Affe ist langsam, torkelnd bricht er durch das Unterholz. Da knallt es zweimal, und er sinkt in sich zusammen ... Wie ein Sack, dem die Luft ausgeht. Alle urweltartige Kraft ist ganz plötzlich verschwunden. Mit ihren kurzen Messern fallen die Reger über das Tier her, wenige Stunden später ist nur noch der Kopf da. Die Köpf-e der Gorillas gelten als Fetisch. Später wurden dann die Jungen gefangen. Aber wie fast alle Gorillas, sind sie jeder Krankheit ausgeliefert und halten den Transport nicht aus, kein ungewohntes Klima und Futter. mebs durch die Bezahlung der Tariflöhne gefährdet ist, Abschläge vom Tariflohn zuzulassen. Dabei ist aber nur an Umstände gedacht, die einem bestimmten einzelnen Betrieb eigentümlich sind und außerhalb seines Einflusses liegen, während eine bei einer größeren Anzahl von Betrieben vorhan- bene Notlage durch Aenderung des Tarifvertrags selbst zu berücksichtigen ist. Ueberhaupt wird der Schlichter bei der Bewilligung dieser Sonderausnahme mit größter Vorsicht verfahren und die von den Beteiligten selbst geschaffene tarifliche Regelung soweit als möglich aufrechterhallen müssen. Ueber 20 v. H. der tariflichen Löhne darf die Lohnermäßigung in keinem Falle gehen. Die Verordnung tritt am 15. September 1932 in Kraft. Das Lohnminderungsrecht, das auf der Vermehrung der Belegschaft beruht, fällt mit dem Schluß des Monats März 1933 weg. Finanzhilfe für die Gemeinden. Weitererhebung der ermäßigten Bürgersteuer. — Fortfall des Frauenzufchlags. Die Gemeinden erhalten nach der Verordnung des Reichspräsidenten vom 14. Juni 1932 zur Erleichterung ihrer Wohlfahrtslasten vom Reich einen Betrag von 672 Millionen Mark, ohne daß die Länder eine Einwirkung darauf haben. Die Länder sollen aber 10 Prozent der Wohlfahrtsbeihilfe, die auf ihre Dezirks^ü.iorgeverbände entfallen, einem Ausgleichs stock zuführen können, der zugunsten solcher Gemeinden zu verwenden ist, die durch den Aufwand zur Arbeitslosenhilfe besonders belastet sind. Die neue Verordnung ermächtigt die Länder, dem Ausgleichsstock in Zukunft 2 0 Prozent der Wohlfahrtsbeihilfe zuzuführen, weil der Kreis der in besonderer Rotlage befindlichen Gemeinden wächst und ohne schwere Gefährdung der Gesamtinteressen hier eine besondere Hilfe dringend geboten ist. Die Bürgersteuer 19 32 war an sich nur bis zum Juni d. I. zu zahlen. Die Gemeinden haben die Verlängerung der Bürgersteuer vom Juli bis Dezember 1932, gefordert. Die Reichsregierung hat dieser Forderung in ihrer Juninotverordnung nicht stattgegeben. Inzwischen sind aber die Wohlfahrtslasten der Gemeinden zum Teil weiter erheblich angewachsen. Nur um sie zur Weiterzahlung in den Stand zu setzen, werden die Gemeinden, die die Bürgersteuer für das Rechnungsjahr 1931 erhoben haben, ermächtigt, sie im letzten Viertel des Kalenderjahres 1932, d. h. vom Oktober bis Dezember, auf der Grundlage der bisherigen Vorschriften in HöhederHälste des Steuersatzes weiter zu erheben, mit dem sie für 1931 erhoben wurden. Hierbei sollen jedoch folgende zwei wesentliche Erleichterungen eintreten: a) Bekanntlich war bisher für die Ehefrau ein Zuschlag von 50 o.H. zu zahlen. Ein solcher Zuschlag ist jedenfalls dann ungerechtfertigt, wenn die Bürgersteuer, die ja etwas ganz anderes als die Einkommensteuer sein soll, nach dem Einkommen gestaffelt, ist. Daher soll der Zuschlag für die Ehefrau in Zukunft roegfallen. b) Die jetzigen Bürgersteuersätze fußen noch a u f dem Einkommen des Jahres 1 930. Seitdem find die Einkommen zum großen Teil erheblich zurückgegangen. Mit Rücksicht hierauf sollen die Steuerbeträge um 25 o.H. gesenkt werden. Diese beiden Ermäßigungen wirken sich wie folgt aus: Wer als Lediger bisher 3X6-18 RM. zu zahlen hatte, zahlt für die Monate Oktober bis Dezember noch 6,75 RM. Wer als Verheirateter bisher 3X9-27 RM. zu zahlen hatte, zahlt für die Monate Oktober bis Dezember ebenfalls nur noch 6,75 RM. Bereits durch die Rotverordnung vom 6. Oktober 1931 ist die Weitererhebung der Bürger steuer auch für 1 9 33 vorgeschrieben. Die neue Verordnung läßt aber auch für diese wesentliche Erleichterungen eintreten. Es soll einmal der Zuschlag für die Ehefrau (wie auch schon für die restliche Dürgersteuer 1932) f o r t f a 11 e n: Ehepaare werden also künftig mit dem gleichen Satz heran- gezogen wie Unverheiratete. Ferner ist der Mangel der bisherigen starren Freigrenze von 500 Mark, die den Familienstand des Steuerpflichtigen und die Lebenshaltungskosten in der einzelnen Gemeinde nicht berücksichtigt, dadurch beseitigt, daß als Freigrenze künftig der Betrag gellen soll, den der Steuerpflichtige nach feinem Familienstand im Falle der Hilfsbedürftigkeit von der Wohnsitzgemeinde nach den Richtsätzen der allgemeinen Fürsorge als Unterstützung erhalten würde. Die Gemeinde-Bier st euerentschädi- flu n g wird für den Rest des Jahres nach einem Maßstab verteilt, der auf der breiteren und daher tauglicheren Grundlage des Aufkommens in der Zeit vom 1. Oktober 1931 bis 30. Juni 1932 (bisher 1. Oktober bis 31. Dezember 1931) errechnet wird. Die Verordnung ermächtigt die Reichsregierung, eine nicht überschreitbare Höchstgrenze für die Dienstbezüge eines Ange st eilten bei Unternehmen oder Körperschaften aufzustellen, die aus öffentlichen Mitteln Kredite, Bürgschaften oder sonstige finanzielle Beihilfen erhalten. Die Einhaltung der in der zweiten Gehaltskürzungsverordnung enthaltenen Höchstgrenze für die Bezüge von Angestellten und Arbeitern bei Gemeinden und anderen Körperschaften sichert die Verordnung durch ein Be- anstandungsoerfahren, dessen Anwendung im wesentlichen in die Hand der obersten Landesfinanzbehörden gelegt ist. Außerdem wird die vorstehend bezeichnete Höchstgrenze auch auf die Alters- und die Hinterbliebenenversorgung der nichtbeamteten Arbeitnehmer bei Ländern, Gemeinden und sonstigen Körperschaften des öffentlichen Recht' ausgedehnt. Aus oder Welt. 10. Bundesversammlung des Deutschen Försterbundes in Kassel. Dieser Tage fand in Kassel die 10. Bundesversammlung des Deutschen Förster- bundes statt. Neben Vertretern der Behörden sowie Landtagsabgeordneten verschiedener Parteien nahm auch der Regierungspräsident Dr. Friede n s b u rg an der Tagung teil, der die Grüße der Staatsregierung überbrachte. Der Bundesvorsitzende Pfalzgraf gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Tagung in jeder Beziehung ein Erfolg sein möchte. Von den Vorträgen ist besonders der des Försters T h a t c aus Lucka-Breitenhain in Thüringen zu erwähnen, der die Reform der deutschen Staatsforstverwaltung behandelte. Der Redner nahm Stellung gegen die Pläne, die auf eine Loslösung der Forst- verwaltung aus der allgemeinen Staatsverwaltung hinzielen. Hiernach soll die Staatsforstverwaltung von der politischen Oberhoheit unabhängig gemacht und in eine selbständige Körperschaft des öffentlichen Rechts verwandelt werden, etwa im gleichen Sinne wie die Reichsbahn. Der Redner betonte, daß die Staatsforstverwaltung gewiß einer Reform bedürfe, aber das dürfe keinesfalls in der Weife geschehen, daß die Forstverwaltung auf privatwirtschaftliche Grundlage umgestellt werde, was nicht ohne erhebliche Eingriffe in das Beamtenrecht geschehen könne. Alle derartigen Bestrebungen würden auf den schärfsten Widerstand der Förster stoßen. In diesem Sinne wurde auch eine Ent- schließung angenommen. In weiteren Vorträgen über „Zeitgemäße Durchforstungsfragen" und „Berufsneigung und Auswahl der Forstdienstan- roärter" sprachen Prof. Deiters von der Forstschule Hann.-Münden und Förster Michel- Hartmannsdorf bei Lübben. Sämtliche Vorträge wurden mit starkem Beifall ausgenommen. Mutter und vier Kinder verbrannt. Wie ein Funkspruch aus Oslo meldet, brannte dieser Tage in der Rähe von Otens- berg ein kleines Haus ab. Eine Frau und ihre vier Kinder im Alter von 1 bis 12 Jahren kamen in den Flammen um. Riesenhafte Körper, Muskelkolosse, die doch dem Kampf nicht mehr gewachsen sind. Immer weiter dringt der Weiße in die Urwälder vor, immer größer werden die Forderungen der Reger. Bald werden die Gorillas auch vom Kongo verschwunden sein. Man kämpft in den bakteriologischen Instituten der ganzen Welt gegen sie. Dort wird unablässig nach Mitteln gesucht, die dem weißen Menschen den Aufenthalt in den nassen, heißen Urwäldern ermöglichen sollen, die bisher allein dem Gorilla gehörten. Man kämpft in den Bureaus der Kolonialverwaltungen gegen sie, denn dort wird die Affenjagd gefördert, um den Kannibalismus auszuschalten. Und man kämpft gegen sie, wo immer ein Tiergarten besteht, denn kein Gorilla wird in die meisten sterben schon auf dem Transport der Gefangenschaft älter als ein bis zwei Jahre: oder in den ersten Monaten der Schaustellung Man braucht immer neue Tiere ... Und dann: der Gorilla ist das stärkste, das größte Tier der Kongowälder. Aber er greift nicht an, wie die anderen Tiere des Urwaldes, er flößt nur ganz selten Furcht ein. Scheu, versteckt, furchtsam lebt der größte der Menschenaffen in dem Halbdunkel der Wälder. Die Reger wollen sein Fleisch. So wird er sehr bald verschwunden sein. Ein Riese, von Zwergen vertrieben. Tonfilm: „Oie Fledermaus". Im neuen Programm des Lichtspielhauses läuft seit gestern die von der Emelka herausgebrachte Tonfilmfassung der alten unverwüstlichen „Fledermaus" von Johann Strauß. Der bemerkenswert starke Besuch der Premidre beweist die noch immer unverminderte Anziehungskraft dieser klassischen Repertoire-Operette. Die in ihren Glanzstücken berühmt gewordene Partitur erstand in alter Frische, unb der Regisseur Carl L a m a c hat in einer von munteren Einfällen und unbeschwerter Faschingslaune getragenen Inszenierung drei Akte geschaffen, ^ren großzügige und silmgerechts Ausstattung und dem alten Stück neuen Antrieb und neue Wirkungsmöglichkeiten geben. Aus dem En- jemble sind die scharmante, kokett-naive Anny O n - ö r a als Adele und der bekannte Berliner Komiker Georg Alexander als Eisenstein an erster Stelle 3U nennen, ferner Oskar Sima, Ivan Petro- D1 2.u nfermann, Betty Werner unb Karl Ettlinger heroorzuheben. — Aus dem Beiprogramm: die Bühnenfchau der drei Daniels, die mit einer Wasserpantomime und anderen Scherzen große Heiterkeit erweckten; eine amüsante und auch technisch interessierende Groteske „Menschen sehen dich an" (aus der Affen-Perfpek- tive); schließlich die Ankündigung zweier Neuio^ feiten: „Emil und die Detektive" und „Peter Voß . Ein Kriegsbeschädigter wandert nach Frankreich. Dieser Tage beginnt der Berliner Kriegsveteran Paul Quer, dem während des Krieges das rechte Bein zerschmettert wurde, einen Fußmarsch nach Frankreich. Er will ein Gelübde erfüllen. das er im Krieg getan hat. Dem Vertreter eines Berliner Blattes erzählte er darüber: In St. Quentin sah er unter wüsten Hausratstrümmern einen blinkenden Gegenstand liegen. In dem Augenblick, als er sich niederbeugte, um ihn aufzuheben, sauste eine Granate über ihn hin und krepierte in seiner Rähe. Wie durch ein Wunder blieb er unverletzt. Als er wieder zu sich kam, hielt er jenen blinkenden Gegenstand krampfhaft in der Hand. Es war ein kleines Gebetbuch, dessen Goldschnitt in der Sonne blitzte. Auf der ersten Seite des Buches stand handschriftlich eingetragen: Suzanne — 16. Mai 1895. Paul Quer behielt das Gebetbuch bei sich. Etwas später wurde ihm durch eine Handgranate das Dein abgerissen, außerdem hatten sich zahlreiche Splitter in seinen Körper gebohrt. Im Lazarett gelobte er sich, das Gebetbuch später nach St. Quentin zurückzubringen. Er konnte das Gelübde bisher nicht erfüllen, weil noch lange nach dem Krxeg immer wieder operative Eingriffe zur Entfernung von Splittern notwendig waren. Später traten andere Krankheiten auf; bei einem Unfall brach er sich auch das linke Dein. Jetzt erst fühlt waftig genug, um den Marsch zu wagen. Gr will, wie er erzählt, vor allem den im Der- hncr Oskar-Helene-Heim untergebrachten Kriegs- kruppeln Mut machen, indem er ihnen beweist, daß man sich, trotz Prothese und Granatsplittern Glledern, einen Marsch von immerhin 1300 Kilometer zumutet. Ein Freund wird ihn mit dem Fahrrad begleiten. Das Gebetbuch will Stadtverwaltung übergeben. Cant fid^ die Eigentumerin nicht ermitteln und erhall er das Buch als Geschenk, jo will er es als Erinnerung an sein Kriegserlebnis behalten. Lieber wäre es ihm natürlich, er könnte die Eigentümerin kennenlernen. Aus der Provinzialhauptstadt Aida" mit Kamelen. bei ind wir als Buben nicht nur durch die Wieseck, ! Sonntagsrückfahrkarten gelten länger spukte. Sobald sich derartiges bemerken läßt, zieht der Chinese aus, und das Haus bleibt fluch- am cS Die in Aussicht genommene Verlängerung der Geltungsdauer der Sonntagsrückfahrkarten ist jetzt mit sofortiger Wirkung vorgenommen worden. Die Rückfahrt, die bisher bis spätestens Montag vormittag 9 Uhr angetreten werden muhte, kann für Reisende nunmehr erfolgen, die den Zielort der Sonntagsrückfahrkarte bis um 12 Uhr oerlajcn. Diese Maßnahme gilt bis auf Widerruf, längstens bis 1. April 1933. beladen, eine Stätte der Fledermäuse und Ratten. Tie Missionare haben auf solche Weise billig und leicht oft wahre Paläste.erhalten. Drehen, den 6. September 1932. Noch einmal Badeerinnerungen ... schehen? Das waren eben solche Stätten, an denen cS i>en. IUeiNfa8<. NL ■ommens in T 3uni 1932 sbich »i Ur b*‘ c; e 1 f1en bei enn °*ftellen, ! Kredite. [h'na"d.'eHe llun9 der m der l$,fl enchaltenen ^gestellten und w anderen Kör- » durch -in «M Anwendung Insten Landes, mnb die vor. u°) auf die Rers- '8 der nchdemie- . Tmeinden und ntl'chen Recht- aus- W her Ire Da antommie und ande moem; em« °nm „sfierende Groteske M Affen-Perfpek- last red}terbaneri n wte , gehen. tf di» SftfAh Bett. mlung der in Achsel, die 10. Bundes- ischen Förster- 'lern der Behörden rfchiedencr Parteien Oent Dr. Frie- l, der die Grütze der !r Bundesvorsitzende g Ausdruck, daß die (Erfolg fein möchte, rs der des Förster, i in Thüringen zu rutschen Staatsforst' dner nahm Stellung !oslösung der Forst- n Siaatsverwaltung iaatsforstverivallung unabhängig gemocht schäft des öffenllichen o im gleichen Sinne er betonte, daß die einer Reform be- 5 in der Weise geig auf prioattnirb werde, was nicht Beamtenrecht gt- Jeftrebunjen wür- mb bet Mitt >c auch eine Ent- \ weiteren Dortrö- ^tungsfragen" und der Forstdienstan- »rs von der Forst' rfter Michel-Hort tliche Borträge nur- jenommen. n verbrannt. M Oslo meldet, a Me von Otens- Sine Frau und,stre bis 12 Jahren kaum. Es spukt im Kernen Osten Aberglauben und Gespensterwesen in China. Don CH. W. Kastler, Harbin. Wie verhält es sich nun aber mit dem Spuken und mit den Gespenstern? Der chinesische Volksmund hat hier vielerlei Erklärungen. Cr fürchtet sich am meisten vor den Handwerkern, wenn der Dau im Gange ist. Die Zimmerleute sind die schlimmsten! Mehrere Male müssen dre Arbeiter mit Geld und mit Speisen traktiert werden. So beim Fundamentlegen, bei der Maueraufführung, beim Richtfest, Tachdecken usw. Wer kärglich und geizig ist bei diesen Gelegenheiten, dem wird beim ganzen Dau das Leben schwergemacht. Wehe aber dem. der einen Arbeiter beim Dau beleidigt. Dem wird auf unerklärliche Weise der Spuk ins Haus gesetzt! Das neue Haus wird bezogen mit viel Gepränge: Musik, Festessen, dem Abfeuern von den in China unvermeidlichen „crackers“ (Feuerrake- ten), die zu Tausenden und zu Hunderttausenden verpulvert werden: mit Hunderten von Widmungen, die aus rotem Papier oder auf roter Seide die neuen Wände zieren. Aber schon nach einigen Wochen wird das Haus geräumt, weil es un- möglich ist, darin zu wohnen vor den Geräuschen, die — besonders nachts — drin vorgehen, oder vor Krankheiten und Todesfällen, die damit zu- sammenhängen. Ich selbst war einmal Zeuge, wie in einem solchen Hause, das uns billig übergeben worden war, während des Gottesdienstes mit lau- tem Gelärm eine Anzahl Götzen von dem Dach- first herunterfielen, die die Zimmerleute aus Rache oben angebracht hatten. Durch trgendetne Mechanik oder durch Luftzug entstand ieden Abe^> an der Docke ein Lärm, der die Bescher vertrieb, denn das Haus war „besessen". Es spukw eben. Auch als wir schon das Haus übernommen hatten, liefen unsere Dienstboten, einer nach dem anderen wen Dis an einem Sonntagmorgen gerade während des Gebetes, das der eingeborene Katechist hielt — die Geschichte mit Krachen und Lärmen ädigter mkreich. Berliner £^9$ hrend des KrA er wieder z° m-''jij), Etwas itbuchoas ne H^Älreiche Äs Je WjjL’W E-Z Dein jrm “j'StS Marsch D.„h wird S «SS«* rlich. e Die Badeerinnerungen aus Alt-Gießen von F. ®. in Nr. 206 des „Gießener Anzeiger" haben sicherlich manchen alten Gießener Bub erfreut. Das Baden in liefen und weniger tiefen Gewässern, wie Lahn und Wieseck muh wohl zum Lebenselement des Gießener gehören (ob übrigens „Gießer oder „Gießener" richtig ist, mag ein in Siegen wohnhafter, in solchen Fragen sehr angesehener Gewahrs- mann entscheiden!), denn woher käme sonst der schöne Name: „Gießer Schlammbeißer ? Es gab auch noch weniger tiefe Badegelegenheiten als die Wieseck, nämlich den Schoo r grab en und die Klingelbach, welch letztere zu damaliger Zeit noch offen durch die Wiesen floß, die die Stelle der jetzigen Goethe- und Bleichstraße einnahmen. Da, wo jetzt die Bleichstraße ist,, wurde dazumal noch gebleicht, auf „Bogels Bleiche". Mit welcher Wonne i _ f - cn.. ( x;« flD können. Man war mit Recht Begierig zu erfahren, welchen Umständen e« zuzuschrciben ist. daß gerade in diesem Dors soviele Leute steinalt wcr- ben. Ein Berichterstatter hat das Dorf ausgesucht, um die Lebensweise der Alten zu erforschen, beziehungsweise das Rezept dafür zu erhalten, wie man 100 Jahre alt wird. Sie erklärten zunächst voll Stolz, daß ihr Klima besonders gesund sei. Da brauchten sie nur ein wenig nachzuhelfen durch geregelte Lebensweise: mit der Sonne zu Dett, mit dem ersten Hahnenschrei wieder aus, wenig Essen, kein rohes Fleisch, keinen Alkohol und vor allem — keine Politik- Ilm Politik kümmern sich die Alten von Cellio prinzipiell nicht. Sie erklären die Redensart für unwahr, daß Politik den Charakter verderbe, sie verderbe die Freude Leben und ohne Freude am Leben könne niemand 100 Jahre aushalten. Der Prunk früherer Opern-Aufsührungen, denen erotische Tiere auf die Dühne gebracht wurden wird erneuert durch eine Darstellung von Derdis Oper „Aida", die als Denesizvorstellung für arbeitslose Musiker in dem Stadion von Co- lombes in der Rähe von Parfs stattfand. Dre Rol- len wurden von Mitgliedern der Pariser Oper gesungen, und außerdem wirkte ein Orchester von 120 Musikern mit. Dei dem großen Auszug war die Teilnahme von Kamelen und anderen exotischen Tieren vorgesehen, die aus dem Zoologischen Garten von Vinccnne« herbeigeführt wurden. Aber während die 5000 Zuschauer ungeduldig auf dieses Schauspiel warteten, gaben sich die Wärter vergebens Mühe, den Zug der Tiere zu ordnen. Die Kamele und Pferde ließen sich durch reiche Zuckergaben dazu bewegen, ein gesittetes Benehmen zu zeigen, aber der Clesant Pierre blieb unerbittlich und mußte schließlich, anstatt in dem Stadion zum Glanze der Oper beantragen, m eine Garage eingesperrt werden. Die zahlreich versammelten Kameraleute, die sich in nächster -Nähe ausgestellt hatten, wurden von den Tieren während des Aufzuges umringt und konnten nur flüchten, indem sie unter den hochbeinigen Wüstenschiffen durchkrochen. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) 3n jedem Lande „spukt es", äleberall gibt es, wie sich die Leute erzählen, Gespenster und böse Geister, die die Menschheit quälen und verfolgen. Mit solchen Sachen machen die Europäer in Asien am ersten Bekanntschaft. Tie Türen Chinas waren dem Auslände verschlossen und sind es eigent- lich heute noch. Mit Kriegsschiff en und Kanonen haben sich die ausländischen Machte einige Dertragshäsen gesichert, wo ihre Leute sich niederlassen konnten. Außer diesen fremden Koi^ zessionen ist keinem Ausländer gestattet, sich irgendwo in China niederzulassen. Missionare, die eine besondere Vergünstigungsklausel in den Verträgen haben, Zoll-, Post- und Zivilbeamte, die ebenfalls unter eine besondere Riederlassungs- rubrik kommen, dürfen sich im ganzen Lande ansiedeln. Ratürlich werden, wo man nur kann, auch ihrer Niederlassung Schwierigkeiten m den Weg gelegt. Wo es aber unvermeidlich ist, Da sucht man die „fremden Teufe l" an solche Orte zu bannen, an denen es unheimlich ist, und wo die Geister spulen, Damit denkt man die Un- gewünschten bald wieder loszuwerden. So haben die Städte in China Mauern und Tore: Süden, Osten und Westen sind glückbringende Regionen. Darum siedelt sich auch jedermann dort an. Handel und Wandel, Lust und Freude blühen hier. Die Nordecke in jeder Stadt ist aber eine öde Gegend. Dort treiben sich die Aussätzigen, Bettler, Banditen, Schweine und wilden Hunde herum. Auch werden Kinderleichen und verunglückte Heimatlose dort einfach hingeworfen oder — im besten Falle — verscharrt. Solche Orte werden den Ausländern zur Ansiedlung angewiesen. 3n anderen Teilen der Stadt wird ihnen die Ansiedlung mit tausendfachen Intrigen erschwert. Nun kommt es aber doch vor daß Ausländer, und besonders Missiv- nare, in den besten Stadtteilen die feinsten und vornehmsten Häuser besitzen. Wie ist das ge- Obstverwertung - Einmachzeit. Gebieterisch verlangt die heutige Zeit auch von der Hausfrau äußerste Sparsamkeit. Infolgedessen muh auch alles Ob't verwertet werden und möglichst konserviert, „eingemacht" und dadurch vor dem Verderben geschützt werden. Das Verderben der Lebensmittel ist abhängig von ihrer chemischen Zusammensetzung einerseits und von ihrem Gehalt an Pilzen und Bakterien andererseits. Da die letzteren nur bei Gegenwart von Cuftfauerftoff in einer gewissen Feuchtigkeitsmenge und bei bestimmter Wärme leben können, gilt es. sie durch Entziehung dieser Lebensbedingungen zu vernichten. Das geschieht beim Obsteinmachen im allgemeinen auf zweierlei Weise: einmal, wie beim sogenannten Einwecken, dadurch, daß man durch Hitze die vorhandenen Bakterien abtötet und die so zubereiteten Früchte unter lüft- und keimsicheren Verschluß hält. Hierbei ist neben einwandfreien Gesäßen vor allem Sauberkeit vonnöten. Nicht nur die Gläser und Gummiringe müssen sauber sein, sondern auch die Hände der Hausfrau und alle Geräte, die ie etwa beim Cinwecken sonst noch gebraucht. Weiterhin darf beim Einwecken nut frisches, äußeres und vollreifes Obst verwendet werden, damit Mißerfolge ausbleiben. Das Gleiche gilt für die zweite Art der Früchtekonservierung, nämlich das Einmachen mit Zucker oder Essig. Dei diesem Verfahren werden die Pilze und Bakterien, mit denen jedes Obst in wechselnder Menge behaftet ist, zwar nicht ab- getötet, aber cs werden ihre Lebens- und Wachstumsbedingungen doch in sehr hohem Grade verschlechtert. Dabei darf man allerdings mcht zu sparsam sein und eine etwa zu dünne Zuckeroder Essiglösung verwenden. Im allgemeinen soll man eine Lösung Herstellen, in der je 10 Gramm Zucker oder je vier Teile Essig auf je 100 Teile Wasser kommen. Um den Luftabschluß, der durch die verschiedensten Verschlüsse erfolgen kann noch weiter zu sichern, muh soviel Zucker- oder Essig- lösung genommen werden, daß diese ein wenig über dem Eingemachten steht. Ein Zusatz von Desinfektionsmitteln, wie etwa Salizylsäure oder dergleichen, ist in gesundheitlicher Beziehung nicht harmlos und bei sorgfältigem Einkochen auch entbehrlich. Wenn trotzdem der Inhalt eines Weckglases oder eines Gefäßes mit eingemachten Früchten schlecht geworden, gegoren oder mit Schimmelpilzen bedeckt ist, dann schütte man im Interesse der Gesundheit das ganze lieber fort, als daß man versucht, durch irgendwelche Kunstgriffe Verdorbenes retten zu wollen. Amtsgericht Gießen. Bekanntlich ist die Liebigstraße zwischen Oud- wigstraße und Frankfurter Straße für Motorräder gesperrt und es ist diese Sperrung auch durch Warnungstafeln erkenntlich gemacht. Dessen ungeachtet hat ein auswärtiger Motorradfahrer diesen Straßenteil in zwei Fällen befahren Gegen die ihm zugegangenen Strafbefehle hat er Einspruch eingelegt. In Erkenntnis ferner ®r- folglosigkeit nahm er ihn in der Verhandlung wieder zurück. Das gleiche tat ,ein aus Dieburg stammender Viehhändler, der. ohne die hierzu erforderliche Erlaubnis zu besitzen, mit seinem Lieferwagen einen Transport Marktvieh vom Gießener Nuh- vichmarkt nach Dieburg (eine Strecke von über 50 Kilometer) beförderte. Die Behauptung, er habe die Genehmigung bereits bei dem zuständigen Kreisamt Dieburg beantragt, schützte ihn nicht vor Strafe, weil cr eben den Wagen vor der Erteilung der Konzession nicht hätte be- herunterkam. Nachher hörte der Spuk vollständig ^Diele Häuser sind — nach der Dolkstheorie — wahrhaftig von bösen Geistern bewohnt. DaS ist in China ein unbegrenztes, unendliches Gebiet Die Bewohner werden krank — irgendein geheimnisvolles Leiden — sie sterben eines dosen TodeS. Oder es gehen böse Geister darin um, dre von den Leuten gesehen werden. Oder der H u h s i e n, „der vergötterte Fuchs", treibt sein Wesen dann. Dabei leiden am meisten die jungen Mädchen und Frauen, die angeblich besonders in seiner Gewalt sind. Heber das Sputen und Treiben des Huhsien gibt es in der chinesischen klassischen und Bolks- literatur Tausende von Büchern, die nur von Spuk- und Gespenstergeschichten handeln. Der beinahe kanonisch gewordene Roman „Liau tsai handelt nur von solchen Geschichten. Ieder Chinese hat ihn gelesen ober ihn in der Teestube vom Geschichtenerzähler gehört. Eine interessante Begebenheit hat sich kürzlich zugetragen, die vielleicht die Axt an die VOurzel des Spuks legt und diesen uralten Götterbaum — wenn nicht zum Fallen — so doch ins Wanken bringt. Die Sache ist folgende: In der Stadt Fuchiatien wohnt, weit bekannt und viel besprochen, der chinesische Krösus Li (die Pflaume). Er ist nicht einsam, obwohl er feine verwandte Seele bei sich hat. Der einzige Sohn hat sich weit weg als Großkaufmann etabliert und denkt nicht nach Hause. Die Tochter, die noch seine einzige Hoffnung war, wurde vom ausländischen Wind angehaucht. Anstatt nach altem Stil sich blind verhmraten zu lassen, verliebte sie sich in einen Schauspieler. Da der erzürnte Vater seinen Segen dazu nicht gab, war sie eine« ‘Jlütrc-* gens verschwunden. Darüber wurde der alte Mann krank. Fünf Iahre siechte er dahin, umgeben von einem Heer von Dienern: Köchen, Mundschenken, Barbieren, Portier-, Pfeifen- und Opiumanzündcrn, Kulis, Boys, Sekretären und Verwaltern. Die Tochter aber kam schließlich zur Besinnung. Ter Liebesrausch verflog, und sie dachte darüber nach, wie sie die Gunst deS Vaters und damit die Aussicht auf das Erbe wiedergewinnen könnte. Auf gütlichem Wege war nichts zu erreichen. Der alte, gute Li verlangte wohl sehnlich nach seiner Tochter, -aber sein Gefolge hielt alle diese Gefühle verborgen. So oft die Tochter ansing, war die Antwort der „Verwalter": „Unmöglich!" Da erinnerte sich die Tochter an den Roman „Liau tsai" und siehe da: es fängt im Hause des reichen Mannes an zu spuken. Man sicht Gestalten herumgehen in langen, schwarzen Lcichenhemden, mit leuchtenden Ge sich - ternundHänden. Auch an den Fenstern erscheinen solche Leuchtsrahen. Dabei totrb ge* schrien und gelärmt. Irde Nacht wiederholt sich das. Immer toller wird es. Der alte Herr Li sinkt aus einer Ohnmacht in die andere. Das Heer von Verwaltern, Köchen, Boys und Kulis ist in einigen Tagen verschwunden. Nur noch ein alter Diener, der die geringsten Dienste versah, blieb. Die Tochter wird gerufen: Alles fei verziehen, sie soll alles erben. „Komm beim — rote Blume td. i. der Name der Tochter), komm beim , schreit der Vater in seinen letzten Wehen. Die Tochter hat erreicht, was sie wollte. 3n einigen Tagen soll sie ins Vaterhaus zuruckgehen und das Erbe übernehmen. _ Da plötzlich ändert sich alles. Em Freund be« Sohnes bringt dem Vater Grüße. Er hort u. sieht, was sich alles in dem Hause zuträat. Schnell informiert er die Polizei. In derselben Nacht sind im Hause eine Anzahl Polizisten. Das Geräusch beginnt. Es lärmt, es schreit, es ächzt und stöhnt. Da, horch — ein Pfiff — und im Nu hat d ie Polizei die Gespenster am Kragen. Die Masken fallen und siehe da: es sind eine Anzahl gedungene Bettler unter Anführung eines Dieners der Tochter. In einigen Augenblicken sitzen diese .Sputgeister" hinter den Polizeigittern. Die Tochter aber zog es vor, zu verschwinden und das Erbe nicht anzutreten. Diese Begebenheit sollte wohl dazu beitragen, die Furcht vor Spukgeistem und Gespenstern zu vermindern. Die Eriahrung aber lehrt, daß gerade der Chinese, falls et nicht Christ aewvrden ist, kaum vom Aberglauben geheilt werden kann. alljährlich die staatliche Prüfung für Wohlfahrtspslegerinnen statt, der sich 31 Schülerinnen unterzogen, und zwar elf Schülerinnen für Gesundheitsfürsorge, 16 für Iugendwohl- fahrtspflege und vier für Wirtschafts- und De- rufäfürforge. Das Ergebnis war recht befriedigend: es haben alle Schülerinnen, die überwiegende Mehrzahl mit gut, einige mit sehr gut, bestanden. Die Schülerinnen gehen für ein Iahr in die praktisch soziale Arbeit, um sich durch ihre Bewährung als Wohlfahrtspflegerinnen die staatliche Anerkennung zu erwerben und damit ihre Berufsausbildung abzuschliehen. Erfreulicherweise ist cs der Wohlfahrtsschule bisher gelungen, fast alle aus dem Schulbezirk stammenden Schülerinnen mit staatlicher Anerkennung in Stellen der öffentlichen oder Privaten Fürsorge unterzubringen. Aus aller Welt. Oie Hundertjährigen. In dem piemontesischen Alpendorf Cellio leben fünf Personen, die das hundertste Iaht schon überschritten haben, mehrere Personen stehen im 99. Lebensjahr, sie sind gesund und hofsen, ebenfalls ihr Iahrhundert überleben zu andern auch durch die Klingelbach und den noch beträchtlich sumpfigeren Schoorgraben „gebadet, teils barfuß, teils in den damals gebräuchlichen „Kanonenstieseln". Noch fchmutziger war aber, soweit das überhaupt möglich war, ein Gräbchen, das sich aus der Kaufmannschen Lampenfabrik in der Alicenstraße in die Wieseck ergoß. Eines Bades, bei dem ein unerhoffter Schah zutage gefördert wurde, sei hier gedacht. Es war ein regnerischer Sommertag. Trotzdem Hatte sich eine ganze Anzahl Badegäste in der Rüb- saMenschen Badeanstalt am späteren Vormittag eingesunden, meistens Studenten, aber auch einige ältere Bürger. Ein Student flieg die Treppe deS „PserdestalleS" hinab ins Wasser. Als er den Fuß ins Wasser tauchte, stieß er auf etwas Hartes Er faßte danach und hob es empor. Solange es im Wasser war, ging’« leicht, aber übers Wasser wollte es sich nicht heben lassen. Der Finder rief andere Studenten zu Hilfe. Mit vereinten Kräften wurde — ein Fäßchen aus der kühlen Flut gehoben, da«, nicht wie man zuerst annahm, mit Wasser, sondern mit wirklichem und wahrhaftigem Gerstensast, mehr als 30 Liter, gefüllt war. Nachdem Rödel Diergläser und andere Trink- aefäßc, auch Kaffeetassen, herbeigeholt hatte, erhob sich ein fröhliches Zechen in Badehosen und Dadelaken. das auch durch den einsehenden Regen nicht gestört wurde und bis nach 1 Uhr dauerte, wodurch manches Kolleg und Seminar versäumt wurde und nach welchem sich dann die „Herren Eltern" wunderten, daß der Herr Sohn in- so ungewöhnlich heiterer Stimmung am Mittag- . essen teilnahm. Während deS Zechgelages fuhr ein Kahn mit mehreren Mann die Lahn in der Gegend der Pulvermühle ab. Die Männer stießen mit langen Stangen ins Wasser, als ob sie etwas suchten. Wir haben sie ruhig suchen lassen. Hatten wir doch inzwischen Kunde erhalten, daß von der Lahnbrücke, die damals erweitert wurde und ohne Brüstung war, ein Faß Bier von einem Dierwagen herabgerollt und in die Lahn gefallen sei. Herrn Dichter, dem Besitzer der Brauerei, machten wir auf einer „Bierkarte" die Mitteilung, daß das vermißte Objekt leer in der Badeanstalt zum Abholen bereitstände, womit die Bitte verbunden war, „uns noch öfter eine derartige Gabe auf dem gleichen W ge zukommen zu lassen". E. S. Gießener Reichswehr rückt zur tierb ft Übung aus. 21 m morgigen Mittwoch wird das hiesige Reichswehrbataillon (die drei Schütze. ikompanien und die Mafchinengewehrkompanie) in feldmarschmäßiger Ausrüstung nach cheiligenstadt (Eichsseld) zur cherbstübung abtransportiert. Der 2!bmarsch aus den Kasernen nach dem Bahnhof erfolgt um 6.25 Uhr, die Abfahrt von Gießen um 9.32 Uhr. Das Bataillon nimmt während der Zeit vom 8. bis 12. September an der Regimentsubung des 15. Infanterie-Regiments und in den lagen vom 13. bis einschließlich 15. September gemeinsam mit dem 14. Infanterie-Regiment an der Brigadeubung teil. Die Hebungen finden — wir berichteten schon einmal darüber — in der Gegend zwischen Heiligen- ftabt und Langensalza statt. ** „Max und Moritz" im Stadttheater. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: „Max und Moritz" kommen! Aber, sie kommen nicht allem. Sondern all die alten vertrauten Figuren: Witwe Bolte, Schneider Böck, Lehrer Sampel usw. werden mitkommen. Sechs lustige Bubenstreiche werden ausgeführt, die Scheib ach nach den Szenen von Wilhelm Busch bearbeitet hat. Kein Kino, kein Puppentheater, sondern wirkliche, lebendige schauspieler, mit eigenen Kostümen, eigenen Dekorationen werden einen überaus luftigen Nachmittag bescheren. Die ganze luftige Gesellschaft hat das Stadt- theater für Mittwoch, den 7. September eingeladen. Die Vorstellung beginnt um 16 Uhr. ** Photographische Lehrgänge für Lehrpersonen. Gegenwärtig findet im Naturkundesaal der vberrealschule ein Photolehrgang für Lehrer an Volks- und höheren Schulen statt. Die Eröffnung fand am gestrigen Montagnachmittag statt. Im Auftrag des Hessischen Landesamts für Kultus und Bildungswesen begrüßte Oberstudien- direktor Dr. Roller von der hiesigen Oberreal- schule die rund 150 anwesenden Lehrer und teilte mit, daß nur ein Teil der Meldungen Berückfichti- qun'g habe finden können. Die Kurse hätten den Zweck, die Teilnehmer in die Photographie einzu- führen, um das Photographieren für den Unterricht nutzbar machen zu können. Der Kursleiter Profeffor Th lern (Halle) besprach die Einrichtung der Lehrgänge, die zwei Abteilungen mit je 32 Teilnehmern umfasse und hielt anschließend zwei längere Vorträge. Die örtliche Vertrauensperson für die Lehrgänge, die sich auf sechs Nachmittage bzw. Abende erstrecken, ist Professor Hey mann von der -hiesigen Oberrealschule. Briefkasten der Redaktion. K. Anonyme Anfragen können keine Berücksichtigung finden. geführt haben, hat die Stabt nunmehr die Kündigungen für rund 130 Arbeiter ausgesprvchen. Der größte Teil der Kündigungen entfällt auf die Belegschaft der Gartenverwaltung. Neuer Kursus an der Wohlfahrisschule Frankfurt. WSN. Frankfurt a. M-, 5- Sept. Die Wohlfahrisschule für Hessen-Nassau und Hellen in Frankfurt a. M-. die die einzige interkonfessionelle und von osfentlichcn Trägern unterhaltene Ausbildungsanstalt für Wohlfahrtspflege in Hessen-Nassau und Hessen ist, eröffnet am 3 Oktober einen neuen Kurs, in den noch einige Schülerinnen ausgenommen werden können. Auskunft erteilt die Wohlfahrtsschule für Hessen- Nassau und Hessen. Frankfurt a. M-, Unterweg 4. Ende Iuli sand an der Wohlfahrtsschule tote nutzen dürfen. __ In der Frühe deS 10. Mat I. 2. stteß etn zum Gießener Viehmarkt fahrender Diehtrans- poattvagen, der von der Südanlage her kam, mit einem aus der Richtung Hauptpostamt kommenden und die Bahnhofstraße hinabfahrenden Post- cuto an der Kreuzung von Westaylage und Bahnhofstraße zusammen. Der Führer des Transport- toegend versuchte noch vor dem Postautv dte Straßenkreuzung zu überqueren: es gelang icdoch nicht. Er riß seinen Lastwagen nach rechts, fiertet so auf den Bürgersteig und zertrümmerte dte Eingangstür der Barmer Ersatzkrankenkalle. Beiden Fahrzeugleitern gingen Strafbeschle zu unter der Beschuldigung, daß sie e« an der notigen Vorsicht hätten fehlen la'fen und thre Geschwtn- digkeit nicht so eingerichtet hätten, daß ste als Führer in der Lage blieben, ihre Fahrzeuge auf die kürzeste Entfernung zum Stehen ju bringen. Der Poftwagenttihrer hat seine Strafe hmgenom- nrn der Lenker des Viehtransportwagens da- gegen Einspruch eingelegt, über den verhandelt wurde. Die Zeugenaussagen stimmten hin'tchtltch der Frage, ob und von wem Signale (Hupen- zeichen) gegeben worden sind, wie das in solchen Fällen öfters beobachtet werden kann, nicht überein. Zwecks evtl. Ladung von Sachverstandtgen zur Klärung der Schuldfrage wurde dte Der» Handlung vertagt. , , _ 3m DereinShaus eines hiesigen kaufmännischen Verbandes werden von Zeit zu Zett abends musikalische Proben der sogen. Musikergilde abgehalten, wie angegeben wurde sogar bis lange nach Mitternacht. Auf Beschwerde der Machbar- schäft erfolgte polizeiliche Anzeige. Das Gericht wird versuchen, eine den 3nteressen beider Rach- barn Rechnung tragende gütliche Derstandtgung herbeizuführen. Auch in diesem Falle erfolgte deshalb vorerst Vertagung. Einäscherung des verstorbenen Staatsministers a. O. v. Ewald. WSN T a r m st a d t. 5. Sept. Unter außer- ordentlich zahlreicher Beteiligung fanb heute mit- taa im hiesigen Krematorium die Einäscherung des verstorbnen Staatsministers a. D. Exzellenz ©arl v. Ewald statt. Zu der Trauerfeter die tm einfachsten Rahmen gehalten war, hatten sich StaaZpräsident Dr. Ädelung der frühere Grohherzog Ernst Ludwig mtt seinem ältesten Sohn und die Spitzen der staatlichen und stadtt- fd;en Verwaltung cingesundem Die Gedenkrede auf den um Hessen außerordentlich verdienten Staatsmann und Iuristen hielt Stadtpfarrer D o - geL Arbeiterkündigungen bei der Stadt Frankfurt. WSN. Frankfurt a. M., 5. Sept. Da kne Verhandlungen über eine Kürzung der 2lrbeits- zeit bei der Stadt Frankfurt zu feinem Ergebnis G.Ji.-fport Zwei unerwartete Fußball-Ergebniffe. 1S00 verliert - BsB. gewinnt. . . Spieloereinigung 1900 — Frohnhausen 1:3 (0:2). Die Mannschaft der Spieloereinigung 1900 durfte dieses Spiel unter keinen Umständen verlieren. Allerdings wird auch kein Spiel gegen eine Mannschaft des Hinterlandes zu gewinnen sein, wenn eine derartige Zerfahrenheit an den Tag gelegt wird, wie das eben am Sonntag der Fall war. Wenn die Mannschaft weiterhin s o spielt, dann ist sie auf dem besten Wege, allen Renornrnös verlustig zu gehen. Nach dem eindrucksvollen Spiel gegen Wetzlar mar1 man auf ein derartiges Resultat nicht vorbereitet. Ein weiteres kommt hinzu: es ließe sich gegen das Ergebnis nichts sagen, wenn der Sieger etwas Außerordentliches gezeigt hätte. Das war aber nicht der Fall. Um so blamabler ist der Punktverlust für die Blauweißen. Lediglich Eifer und Energie ließ den Gästen das Spiel gewinnen. Das Verhängnis stellte sich schon reichlich frühzeitig ein. Schlarb ließ sich schon in der 10. Minute einen Ball aus unmittelbarer Nähe durch die Beine hindurch in das leere Tor schieben. Die Blauweißen spielten fortwährend überlegen. Arnold schoß aus aussichtsreicher Position am Tor vorbei. Die Verteidigung der Gäste arbeitete aufopfernd. Im Deckungsspiel vernachlässigte aber der Sturm der 1900er den ausgezeichneten rechten Verteidiger von Frohnhausen vollständig. Er hatte immer wieder Gelegenheit zu klären. Trotzdem kamen die Gäste kaum aus ihrer Hälfte heraus. Lippert jagte einen Eckball mit dem Kopf hart an die Latte, so daß das Leder in das Feld zurücksprang. Das war ausgesprochenes Pech! Es war also wieder nichts. Chanen wurden in Masse verpaßt. Unruhig wurden die Blauweißen, als die Gäste die Verteidigung überrannten, Schlarb überraschten und damit zum Halbzeitergebnis 2:0 erhöhten. Ein Aufatmen ging durch die Zuschauer, als Arnold eine Flanke von links ausgezeichnet zum Tor verwandelte. Man hoffte auf neuen Auftrieb, der aber leider ausblieb. Dagegen brachte Frohnhausen auf dem linken Flügel einen sehr schönen Angriff durch. Ein schräger Ball, vom Linksaußen der Gäste aus ziemlicher Entfernung geschossen, sah den Torwart der 1900er nicht auf dem Posten. Das bedeutete das dritte Tor und den sicheren Sieg für Frohnhausen. Unproduktive Kombination, Unentschlossenheit des blauweißen Sturmes charakterisierten das restliche Spiel, während die Gäste eifrig und nicht ungeschickt bemüht waren, das Ergebnis zu halten. Es gelang ihnen und damit nahmen sie den Blauweißen auf eigenem Platze die ersten beiden Punkte ab. Der Kampf wurde sehr fair ausgetragen. Der Schiedsrichter war in seinen Entscheidungen sicher. VfB. Liga — Wetzlarer Sportverein Liga 2:1 (2:0). Die Ligamannschast des VfB. trat die Fahrt zum ersten Verbandsspiel dieser Saison mit recht gemischten Gefühlen an. Mußte man doch auf so bewährte Kräfte verzichten. Die Aussichten standen säst auf Null. Die Grün-Weißen hatten sich aber trotzdem etwas vorgenommen. Daß die Bedenken, die man in spielerischer Hinsicht gegen das Spiel in Wetzlar mit geschwächter Mannschaft hatte, berechtigt waren, zeigte das Spiel und dessen Verlauf. Die Grün-Weißen lieferten einen heroischen Kampf, vielleicht den schwersten der Spielserie. Sie wuchsen über sich hinaus. Die VfBer errangen einen 2:1- Sieg auf Wetzlarer Boden gegen eine Mannschaft, die in diesem Jahre mehr als fit ist. Um so wertvoller sind die Punkte. VfB. trat mit Balser: Leuthäuser, Kreß I.: Haupt, Knaus, Lehrmund: Schmidt, Hetzel, Seibel, Fehling und Ritter an. Die Mannschaft kämpfte bis zum äußersten. Das Schlußdreieck hatte einen großen Tag. Balser war gut in Form. Leuthäuser war der beste Spieler auf dem Platz: ihm stand Kreß I. nicht viel nach. Beide haben das Spiel durch ihr Können und ihre Aufopferung gewonnen. Die Läuferreihe war ihrer Aufgabe gerecht. Der Sturm hatte ebenfalls einen guten Tag, doch waren die Aktionen nicht so einheitlich wie beim Gegner. — Wetzlar hatte seine zur Zeit stärkste Mannschaft zur Stelle. Das Spiel sah zuerst mit einigen Ausnahmen die Wetzlarer in Front. Dom Anpfiff ab spielten sie auf Sieg. Nach einigen Vorlagen aus der Läuferreihe bekam auch der VfB.-Sturm Drang nach vorne. Eine solche Vorlage zum Tor des Gegners wurde vom Torwart verpaßt und Seibel konnte im energischen Nachsetzen den Schuß ins leere Tor lenken. Nach 7 Minuten Spiel stand die Partie 1:0 für VfB. Die Wetzlarer legten nun mächtig los und kamen immer wieder an den Strafraum der Grün- Weißen. Die Verteidigung jedoch klärte vorbildlich. Bei einem Gedränge im Wetzlarer Strafraum machte Benner II. „Hand". Der Elfmeter wurde von Ritter glatt verwandelt. Das Spiel wurde nun bis zum Ende der 1. Spielhälfte zumeist ausgeglichen durchgeführt. Beide Gegner kamen oft in gefährliche Nähe der Tore. Balser hielt ausgezeichnet. VfB. hätte das Resultat mehrfach verbessern können. Die 2. Spielhälfte begann in unvermindertem Tempo. Wetzlar drängte die Grün-Weißen sehr stark zurück. Mit viel Geschick löste die VfB.- Deckung die schwere Aufgabe. Trotzdem hatte VfB. während dieser Periode einige greifbare Torgelegenheiten, die in der Aufregung jedoch verpaßt wurden. Gegen Mitte der 2. Halbzeit ließen die Kräfte der Wetzlarer nach und VfB. kam wieder auf. Der Kampf wurde nunmehr sehr hart und oft durch Strafstöße unterbrochen geführt. Vier Minuten vor Schluß gab der Schiedsrichter einen Handelfmeter für Wetzlar, der verwandelt wurde. — Die ersten beiden Punkte für VfB.! Der Schiedsrichter Dörr leitete gerecht. III. Bezirks-Tenm'siurm'er des Gießener Tennis-Klubs 1922. Infolge des verregneten Freitags mußten die Sätze in den einzelnen Konkurrenzen gekürzt werden. In Klasse A war entscheidend der Gewinn von zwei Sätzen mit je sechs Spielen, in Klasse B mit einem Sah mit neun Spielen. Dank der Energie der Turnierleitung konnten sämtliche Spiele ausgetragen werden, obwohl die Schlußrunden ungekürzt gespielt wurden. Im Herren-Doppel gelangten Henke (Frankfurt), Tüscher (Kassel), Claß (Darmstadt) und Gosewich (Frankfurt) in die Vorschlußrunde. Rur Claß hatte einen schweren Kampf mit feinem Klubkameraden Kleinlogel zu bestehen, den er in schöner Form 6:5, 1:6, 6:1 gewann. Die anderen gewannen ihre Spiele glatt. Die Schlußrunde bestritten Henke und Claß. Henke schlug Tüscher, der schlecht disponiert war, 6:5, 6:3, und Claß kam ohne Spiel in die Schlußrunde, da Gosewich abreisen mußte. Leider war Claß nicht in der Form, die er gegen Kleinlogel gezeigt hatte, während Henke fast fehlerfrei spielte. Henke gewann 6:0, 6:0, wenn auch nicht so mühelos, wie das Ergebnis es erscheinen läßt. Das Herren- Doppel gewannen Tüscher-Claß gegen Werner- Kleinlogel nach hartem Kampf 8:6, 6:4. In diesem Spiel glänzte Kleinlogel mit seinen Flug- und Schmetterbällen, während Tüscher-Claß durch Sicherheit und genaues Spiel sich die entscheidenden Punkte holen konnten. Im Damen-Einzel waren drei Frankfurterinnen, Frau Richter, Frl. Leseldt und Frl. Zint, sowie Frl. Binder (Wiesbaden) die vier Letzten. Frau Richter schlug in der Schlußrunde Frl. Lefeldt nach einem harten Dreisätzekampf und Frl. Binder Frl. Zint zwar in zwei Sähen, aber ebenfalls nach Kampf. Den Sieg errang Frau Richter, eine Schwester unserer langjährigen deutschen Meisterin, Frau Friedleben, mit 6:1, 7:5. Das gemischte Doppel brachte schöne Kämpfe. Frl. Zint-Kleinlogel benötigten drei Sätze, um die Wiesbadener Kombination Frl. Hennerich- von Knoop auszuschalten. Tlnd ebenso konnten Frl. Lefeldt-Henke Frau Richter-Gosewich in drei Sätzen schlagen. Die Schlußrunde erwies die ^leberlegenheit des Paares Zint-Kleinlogel, die mit 6:1, 7:5 über Frl. Lefeldt-Henke Sieger blieben. (Bei der Wiedergabe der Ergebnisse muhten wir uns auf den Abdruck lediglich der Ergebnisse der 2., der Vorschlußrunde und des Endspiels beschränken. Soweit bei den Spielern der B-Klasse die Ortsnamen fehlen, handelt es sich um Mit- glieder des Gießener Tennisklubs.) Oie Ergebnisse des Turniers. Klaffe A. Herren-Einzel: 2. Runde: Tüscher (Kassel) — Weber (Höchst) 6 2, 6:2; Claß (Darmstadt) — Kleinlogel (Darmstadt) 6:5, 1:6, 6:1; Go- sewich (Frankfurt) — Donahl (Frankfurt) 6:1, 6:2. Henke kam kampflos über die 2. Runde. Vorschlußrunde- Henke — Tüscher 6:5, 6:3; Claß kam durch Abreise von Gosewich in das Endspiel. Endspiel: Henke — Claß 6:0, 6:0. Damen-Einzel: 2. Runde: Lefeld (Frankfurt — Helmke (Fulda) 6:1, 5:6, 6:3; Richter-Weihermann — Fischer (Höchst) 6 3, 6:1; Zint (Frankfurt) — Weckesse^ (Marburg) 6 3, 5:6, 6:0; Din- der (Wiesbaden) — Berg (Gießen) 61, 6:2. Vorschlußrunde Richter-Weihermann — Lefeld 3:6, 6:2, 6:1; Binder — Zint 6:4, 6:5. Endspiel Richter-Weihermann — Binder 61, 7:5. Herren-Doppel - 2. Runde: Werner- Kleinlogel (Darmstadt) kamen ohne Spiel in die 3. Runde. Hörrmann-Weber (Höchst) — Collin- Müller (Darmstadt) 6 2, 3:6, 6:1; Tüscher-Claß (Kassel—Darmstadt) — Sigwart-v. Knoop (Frankfurt) 6:2, 6:3; Henke-Gosewich (Frankfurt) — von Grolmann-Fischer (Gießen) 6:3, 6:1. Vorschlußrunde- Werner-Kleinlogel — Hörrmann-Weber 6 3, 6:5. Tüscher-Claß — Henke-Gosewich 6:2, 0:6, 6:2. Endspiel: Tüscher-Claß — Werner-Klein- Icgel 8:6, 6:4. Gemischtes Doppel : 2. Runde: Frl. Zint- Kleinlogel (Frankfurt—Darmstadt) kamen ohne Spiel in die Vorschlußrunde; Hrnnerich-v. Knoop (Wiesbaden— Frankfurt) — Helmke-Lier (Fulda- Wetzlar) 6:2, 6:2; Dinder-Sigwart (Wiesbaden- Frankfurt) — Berg-von Grolmann (Gießen) 6:3, 6:4; Lefeld-Henke (Frankfurt) — Richter-Gosewich (Frankfurt) 6:2, 3:6, 6:3. Vorschlußrunde: Zint- Kleinlogel — Hennerich-von Knoop 6:2, 3:6, 6:3; Lefeld-Henke — Binder-Sigwart 6:3, zurückgezogen. Endspiel: Zint-Kleinlogel — Lefeld-Henke 6:1, 7:5. klaffe B. Herren-Einzel: 2. Runde: Hoffmann — Engisch 7:5, 6:3; List (Frankfurt) — Meesmann 9:3; Klein (Mainz) — Hildebrandt 9:6; Müller — Köttgen 9:6. Vorschlußrunde: Hoffmann — List 9 7; Müller — Klein 9:3. Endspiel: Hoffmann — Müller 6-1, 3:6, 6:4. Damen-Einzel • 2. Runde: Schwab (Höchst) — Kuhlmann 9 4; Fink — Poppert 9:5; Röhner (Höchst) — Stückrath 9:6; Jungblut (Frankfurt) — Koch (Frankfurt) 9:8. Vorschlußrunde: Schwab — Fink 9:0; Rößner — Jungblut 9:4. Endspiel: Schwab — Rößner 6:3, 7:5. Herren - Doppel: 2. Runde: Gebr. Hildebrandt — Bock-Poppert 9:7; Cngisch-Meesmann — Köttgen-Würz 9:6; Endspiel: Engisch-Mees» mann — Gebr. Hildebrandt 6:0, 6:2. Gemischtes Doppel: 2. Runde: Fr. von Stockhausen-Meesmami — Iungv.ut Köttgen 9:1; Falk-Klein — von Schenck-Hildebrandt. (Sieger Falk-Klein ohne Spiel.) Röhner-Weber (Höchst) — Kuhlmann-Cngifch 9:1; Schwab-Pfaff (Höchst- Franifurt) ohne Spier in der Vorschlußrunde. Vorschlußrunde: von Stockhausen-Meesmann — Falk-Klein 9:6; Röhner-Weber — Schwab-Pfaff 9:4. Endspiel: Röhner-Weber — v. Stockhausen- Meesmann 6:1, 6:1. Motorradrennen auf dem Nürburgring. Mit dem großen Herbstrennen des DMV. wurde am Sonntag auch die Motorsportfaison auf dem Nürburgring abgeschlossen. Auf der 2 Kilometer langen Betonschieise lieferten sich die Teilnehmer erbitterte Kämpfe, bei denen Stürze glücklicherweise glimpflicher Natur nicht ausblieben. Im Hauptrennen übernahm, nachdem Sönius-Köln und der BMW.-Fahrer Kratz durch Stürze zurückgefallen waren der Mannheimer Steiger die Spitze und wurde sicherer Sieger vor Pätzold-Köln und Löst- Godesberg. Ehiron (Bugatti) siegt im Massarykremren. Das größte Autorennen der Tschechoslowakei, das von dem Mährisch-Schlesischen Autoclub um den Ehrenwanderpreis des Präsidenten Massaryk am Sonntag zum dritten Male auf der Rundstrecke bei Brünn ausgefahren wurde, gewann der Franzose Chiron auf Bugatti vor Fagiloi (Maserati) und seinem Landsmann Nuvolari (Alfa Romeo). Chiron bewältigte auf der 29,124 Kilometer langen ^und- strecke, die 17mal zu durchfahren war, insgesamt 495,108 Kilometer und wiederholte den Sieg des Vorjahres. Im Rennen der kleinen Wagen siegte der Berliner Günther Burgaller (Bugatti) gegen sehr I schwere Konkurrenz. Wirtschaft. * Reue Reichsbahnaufträge auf Grund des Regierungsprogramms. In der Ende d. M. stattfindenden Verwaltungs- ratssihung der Deutschen Reichsbahngesellschaft wird voraussichtlich auch die Frage der zusätzlichen Bestellungen auf Grund der nach dem Regierungsprogramm ausgegebenen Steueranrechnungsscheine erörtert werden. Die Deförderungs- steuer dürfte bei der Reichsbahn unter Berücksichtigung des Verkehrsrückganges in diesem Jahre etwa 190 Millionen Mk. betragen. Die Reichsbahnverwaltung beabsichtigt, in derselben Anzahl, in der sie sich auf Grund der hierfür gewährten Steuerscheine liquide Mittel verschaffen kann, neue, über das bisherige Programm hinausgehende Bestellungen zu vergeben. * Die Umsätze in den Karstadt-Kauf- und Warenhäusern betrugen im zweiten Quartal 1932 (d. h. vorn l..Mai bis 31. Juli) 52 049 377 RM. Jrn 1. Quartal 1932 stellten sich die Umsätze auf 49 256 341 RM. * I n dem Prozeß Adlerwerke gegen Dominique erstattete Professor Kalveran ein Gutachten in dem festgestellt wird, daß die Sanierung der Adlerwerke im Jahre 1928 eine Notwendigkeit gewesen sei. In den Bilanzen von 1925/28 seien zwar Verluste verschleiert, aber keine Gewinne versteckt worden. * Die Papier-, Pappen-, Zellstoff- und Holzstoffindustrie im August. Nach dem Monatsbericht des Zentral-Ausschusfes der Papier-, Pappen-, Zellstoff- und Holzftoffindustrie hat sich die Lage im August nicht gebessert. Die Preise sind bei fehlender Nachfrage größtenteils noch weiter gesunken. Die Betriebswasseroerhältnisse haben sich in letzter Zeit verschlechtert. Frankfurter Abendbörse fest. Frankfurt a. M., 5. Sept. Die Abendbörse blieb auf der ganzen Linie lebhaft und fest. Die Befestigungen hielten sich allerdings in wesentlich engeren Grenzen als im Mittagsverkehr. Gegen den Berliner Schluß traten aber dennoch durchschnittliche Erhöhungen von 0,50 bis 1 Prozent ein. Rur Kunstseideaktien und Schuckert eröffneten zunächst bis 1 Proz. niedriger. Im Verlaufe setzten sich überwiegend weitere Erhöhungen durch. Teilweise ergaben sich auch leichte Rückgänge, doch waren sie nur unbedeutend. Aku, Bemberg und Schuckert holten ihre Anfangsverluste wieder voll aus, und Bemberg lagen sogar noch 1,5 Proz. höher. Von Hypothelenbankaktien zogen Frant- furtcr Hyp.-Tank weitere 4 Proz. bei löprozent. Zuteilung und Meininger Hyp.-Bank bei 20proz. Zuteilung 3 Proz. an. Die Börse schloß in durchaus fester Tendenz. Am Rentenmarkt blieben besondersGold- und Liquidationspfandbriefe, Kommunal-Obli- gationen und Stadtanleihen gesucht, während deutsche Anleihen, Reichsschuldbuchforderungen und Industrie-Obligationen nur behauptet blieben. Lediglich IG.-Farben-Donds konnten sich um 1,5 Prozent erhöhen und erreichten damit den Paristand. Don fremden Werten waren Türken, Mexikaner und Mazedonier weiter gefragt, älngarische Goldrente blieben zu 9,40 Prozent unverändert. Im Freiverkehr zogen bei lebhaften Tlrn- sätzen amerikanische Enka auf 19 Dollar (nach 18 DoUar heute mittag) und amerikanische Bemberg auf 7,50 bis 8 (6,75) Dollar an. Reubesitzanleihe 6,70, Altbesihanleihe 55, Schutzgebietsanleihe 4,85, Zolltürken 4,20. Fortschreitende Entwicklung der nassauischen Pferdezucht. WSR. Michelbach (Rassau), 3. Sept. Hier hielt unter Teilnahme von Landstallmeister Wachs (Dillenburg) und Vertretern der Landwirtschaftskammer Wiesbaden der Rassauische Pferdezuchtverband seine 11. ordentliche Mitgliederversammlung ab. Landwirtschaftsrat Dr. Schneider (Rastäiten) erstattete den Jahresbericht. An ihn knüpfte sich eine eingehende Aussprache über züchterische Fragen und insbesondere über nassauische Zuchtziele. Als Ergebnis dieser Aussprache darf festgestellt werden, daß man als passendes Pferd für die nassauischen Gebirgsgegenden mit leichten Böden das mittelschwere rheinisch-belgische betrachtet. Dieses Pferd wiegt 10 bis 15 Zentner und ist auch zum Reiten geeignet. Ferner wurde ein erfreulicher Aufschwung der Pferdezucht festgestellt. Die Pferdepreise haben im Gegensatz zu den anderen Viehpreisen eine annehmbare Höhe bewahrt. In Verbindung mit der Versammlung fand eine Dauer- zugleistungsprüfung statt. Alle teilnehmenden Pferde erfüllten die gestellten Bedingungen. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchlosienen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o.H, Lombardzinsfuß 6 v. H. Frankfurt a. M. Berlin Schluß, kurs Schlußk. Abendbörse Schluß- lurs Schlußk. Mittag- börse Datum 3.9. 5.9. 3-9. 5.9. 6% Srutidie iHcidjsanlciljt* ».192. 65 65,25 64 — G%e6cm.7%Tt.£Reief(. Volksstaat 1929 6,45 6,7 6,55 6,7 itüdjaljlb. 102%)...... Oberhelsen Provinz-Anleihe mit — — — — Auslos.-Rechten....... Deutsche Komm. Saminelabl. 50 51 —* — Anleihe Serie 1....... 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Banl Gotovie. 15 unkündbar 6t5 1935 6% ehem. 7% Franks. Hyp.-Banl 51,5 53 51 52,25 73 75 — — Goldpie 16 unkündbar bis 1936 5'/;% ehem. 4V2% Franks.Hyp.- — 75 — *— Bank UiQU. Piandbricse . . . 6'/.% ehem. 4'/,% Rheinische 79,25 79,9 — — Hyv.-Banl-Liqu.-Goldpie. . . 6% ehem. 8% Pr. Landespsand» 80 81,9 — —- brtcfanflai Bsandbriese R. 19 6% ehem. 7% Br. Landespsand- 70,5 71,25 69,5 70,5 brtesanstali, Pfandbriefe R. io 70,5 62 — — 4% Oesterretchische Golorenie . 11 12,5 11,13 12,25 4,20% Oesterreichische Silberrentc — 1,4 1,45 1,6 4% Ungarische Goldrcntc .... 8 9,4 8,3 9,35 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 7,75 8,5 7,9 8,8 4V2% besgl. von 1913..... — 8,25 7 8,4 5% abgest. Goldmexilaner von 99 7,13 8,25 7,13 7,75 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihi 3,3 4,2 3,9 4 Serie I........... 3,9 4,2 4 4.13 4% desgl. Serie II....... 5% Suman, ver-Inh. Rente 6.1903 3,95 4,1 3,95 4,1 6,9 7,5 6,8 7 ä 4H%Rumän.veretnh.Rentev.l913 11,75 13 12 12.5 4% Rumänische vereinh. Rente 5,75 6,13 5,4 6 216% Anatolier . . . 18 20,25 17,65 20 Frankfurt a.M. Berlin Schlußkurs Schlußk. Abend- bürsc Echluß- kurs Schlußk. Mittag- börle Datum 3.9. 5.9. 3.9. 5.9. yamvurg-Amerua Pme. . . . u 17,75 20,13 17,75 20,4 Hamburg-Südam. Dampfschiss . 0 36 Hansa Dampsschiss ... . < — — 27 27 Norddeutscher Lloyd .... A.G. für Verkehrswesen Akt. . ( 17,65 21,25 18 20,75 . 0 48,5 48,5 48 48,4 Berliner HandelSgescllschast . 4 91 90,5 91 Commerz, und Privat-Bank . 0 53,5 55 53,5 54,5 Darmstädter und Nationalbank Deutsche Bank und 0 18,5 19,5 Disconto-Gesellschast. . . 0 75 75,5 75 75,5 62,25 134 Dresdner Boni...... £ ) 18,5 132 19,5 134,25 61,75 132 Retchsbank........ 11 A.E.G........... Bergmann........ . 0 42,5 48 43,13 46,9 . 0 — — 23 21,5 Elektr. LieserungSgesellschast. 6 74,5 78,5 75 78 Licht und Krast...... 6 88,75 92 89,75 91,5 Felten & Guilleaume.... Gesellschaft für Elektrische 0 55,25 58,5 54 58,25 Ünternehmungen .... Rheinische Elektrizität . . . 4 75 80 75,65 80 dB 74,5 78,5 73,75 78 Schuckert & (So. ...... 0 80,5 83,5 79,65 83,5 Siemens L Halske..... 9 143,75 148 142,65 147,75 LahmeyerL Co....... 10 97 102 98,75 102,65 Budern.......... Deutsche Erdöl...... 4 38,5 41 38 41,4 c, 79,25 82,25 78,25 80,5 Geisenlirchener...... 8 42,5 44 42 44 Harvcner......... 0 75 80 75,25 79,5 Hoejch Eisen........ h — 38 39,75 Ilie Bergbau....... r . - 136 141,25 Ilse Bergbau Genüsse . . . 95 36,5 97 36,75 Kwcknerwcne ....... 6 39 37,5 Mannesmann-Rühren ... 6 55,75 57,9 55 57 Mansfelder Bergbau .... 0 23,5 28 24,9 27 Oberschlei. Kokswerke . . . 8 43,25 45 Phönix Bergbau...... Rheinische Braunkohlen. . . Rhein stahl........ »'/- 10 6 24,75 186 63,5 29,5 65 25 186,5 62,75 28,25 188,5 64,9 Frankfurt a. M. Berlin Schluß- kurs Schlußk. Abend- börsc Schluß» kurs Schlußk. Mittag- börsc Datum 3.9. 5.9. 39. 5.9. Riebeck Montan...... 7,2 — — — —— Bereinigte Stahlwerke . . . . 0 21 23 20,75 22,75 Otavi Minen....... O 20 — 19,65 19,5 114,5 Kaliwerke Aschersleben . . . 6 115 115 113,5 Kaliwerke Westeregeln . . . 6 121 119 120 Kaliwerke Satzdetfurth . . . 9 185 — 185,5 185,25 I. G. Fmbcn-Induslrte . . . 7 98,25 105 98 103,5 Schcideanstalt....... 10 139 145 — — Goldschmidt........ . 0 32 33,5 31 32,25 43,25 Rütgerswerke....... . 0 41,75 43,75 41 Mctallgescllschaft...... . 0 39,75 41 39 40 Philipp Holzmann..... Zementwerk Heidelberg. . . . 0 56,5 59,25 55,5 59,5 . 4 55 59 — — Cementwerk Karlstadt. . . . . C 42 — — — WoyßLFreytag..... . 0 6 5,9 — 5,4 Schultheis Patzenhoser . . . 0 —- — 61,25 61,4 Aku (Allgemeine Kunstseide) 0 55,5 62 55,9 61,75 Bemberg......... 0 61 73,5 61,75 45,75 73 Zellstoff Waldhos..... 0 45.5 47 47,5 Zellstoff Aschaffenburg . . . 0 30 — 30 31,5 Dessauer GaL....... . 7 — — 94,25 23,75 97,5 Daimler Motoren..... . O 24 24,75 25 Deutsche Linoleum .... . O 51 50,5 54,5 Orcnslein & Koppel .... . O — 36,5 38,65 Leonhard Tietz...... . 6 50 52,5 51,2 52,5 Svenska........ 0 — — Chade.......... 12 173,5 183 176 — Frankfurter Maschinen . . . . 0 - - Gritzner .... . 0 19 23 Mainkraftwerke Höchst a. M.. . 4 - - Süddeutscher Zucker .... 122 124,5 125 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a.2tt. 3-September 5. September Amtliche Notierung Geld | Brie! Amtliche Notierung Geld | Bries Heisings or» . Wien. . . . Prag . . . Budapest. . Sofia . . . Holland . . Oslo.... Kopenhagen. Stockholm London. . . Buenos Aires Neuyork . . Brüssel. . . Italien. . . Paris . . . Schwetz . . Spanien . . Danzig. . . Japan . . . Rio de Ian.. Jugoslawien. Lissabon . . 6,274 51,95 12,465 3,057 169,58 73,23 75,32 74,92 14,61 0,918 4,209 58,34 21,60 16,495 81,49 33,87 81.97 0,959 0,321 6,693 13,31 6,286 52,05 12,485 3,063 169,92 73,37 75,48 75,08 14,65 0,922 4,217 58,46 21,64 16,535 81,65 33,93 82,13 0,961 0,323 6,707 13,33 6,284 51,95 12,465 3,057 169,53 73,28 75,37 74,97 14,63 0,923 4,209 58,335 21,605 16,49 81,41 33,87 81,97 0,959 0,321 6.693 13,31 6,296 52,05 12,485 3,063 169,87 73,42 75,53 75,13 14,67 0,927 4,217 58,455 21,645 16,53 81,57 33,93 82,13 0,961 0,323 6,707 , 13,33 Banfnoletu _______Merlin, 5.September Geld Zrles Amerikanische Noten . . 4,20 58,175 75,20 4,22 58,415 75 5g Belgische Noten......... Dänische Noten......... Englische Noten......... Französische Noten........ 14,59 16,45 169.16 14,66 16,51 169,84 Holländische Noten........ Italienische Noten....... 21,56 21,64 7340 Norwegische Noten........ 73,10 Dcutsch-Oesterretch, i 1OO Schilling Rumänische Noten........ 2 49 2,51 75,10 81,55 33,87 Schwedische Noten........ Schweizer Noten....... . Spanische Noten......... 74,80 81,23 33,73 Ungarische Noten........