Ur. 185 Srühausgabe 182. Jahrgang Samstag, 6. August 1932 Lrschelnt täglich, außer Sonntags und Feiertags, veilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat ,m Bild - Die Scholle Monatr-Vezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: Zrantfurt am Main 11686. Lietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: vrühl'sche Univer^lütr-Vuch- und Stcinöruderei K Lange in Siehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchusstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfcnnig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 201 , mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. Italienische Flottenmanöver. VerbindungzwischcnMutterlandundAsrika ioU gesichert werden. Rom, 5. 21 ug. (TU.) 21m Freitag haben die, großen italienischen Flottenmanöver begonnen, an denen rund 100 Schiffe und Fahrzeuge der Kriegsmarine und 23 (Staffeln von Marineflugzeugen teilnehmen. Die Hebungen verfolgen den Zweck, die besten Möglichkeiten für das Geleit von Truppen und Lebensmitteltransporten zu erproben. Ferner sollen das Zusammenwirken zwischen derFlotte und den Marinefliegern, der Äachrich- tendienst und die Küstenverteidigung geübt werden. Bei den Hauptmanövern stützt sich die Partei A, die zur Hauptsache aus dem ersten Geschwader besteht, auf die italienische Küste vom Sporn bis zum Absatz des Stiefels und auf die westliche Hälfte von Sizilien. Partei B, zu der das 2. Geschwader gehört, operiert von den Küsten Tripolitaniens und der Cyrenoika sowie vom Golf von Taranto aus. B hat die Aufgabe, Trans - portevonderasrikanischenKüftenach dem Golf von Taranto zu geleiten, A soll diese Transporte abfangen. Der strategische Grundgedanke hierbei ist, in einem Kriege d i c Verbindung zwischen dem Mutterland und der afrikanischen Kolonie sicherzustellen und ferner die Verpflegung Italiens auf dem Seewege zu ermöglichen. — Es verdient hervorgehoben zu werden, daß diesem Gedanken ein anderer sehr ähnlich ist, die Vernichtung feindlicher Truppentransporte aus Afrika, die z. B. bei einem Kriege Frankreichs mit einer anderen Macht von allergrößter Bedeutung sind. Der Streit um den Gran Ehaco. Eilt Amazoncnbataitton von Paraguay zieht ins Feld. London, 5. Aug. (211.) Aach einer Meldung des »Daily Herold" aus Buenos Aires, haben die Frauen der Stadt San Jose in Paraguay das erste Amazonen-Batail- l o n gebildet. Die Amazonen bewaffnen sich mit langen Buschmessern. Die Werbung für die Ausstellung der 2linazonen.DataiIlone geht vom „Bund der Mädchen" aus. Sie haben geschworen, keinen Puder, keine Schminke und keine sonstigen kosmetischen Mittel mehr zu gebrauchen, ehe der Gran Chaco nicht wieder in den Händen Paraguays ist. Das Eingreifen Englands, Frankreichs, Deutschlands, Italiens und der Vereinigten Staaten hat in der Hauptstadt Boliviens starke Empörung hervorgerufen. Die bolivianische Presse erklärt, daß die Annahme des Schiedsgerichts- Vorschlags einer Aufgabe der Hoheits- rechte gleichkäme. Cs sind Maßnahmen zur Regelung der Ernährung für die Bevölkerung getroffen worden. In Argentinien hofft man, daß der Krieg noch vermieden werden könne. Oie Beisetzung Or. Geipets. Wien. 5. Aug (TH.) Freitagvormittag sand die feierliche Beisetzung des ehemaligen Bundeskanzlers Dr. Seipel unter Teilnahme des Bundespräsidenten, der österreichischen Regierung, des päpstlichen 2kuntius, hoher geistlicher Vertreter Deutschlands und des Auslandes sowie einer ungeheuren Menschenmenge statt. Die erste Einsegnung der Leiche Seipels im ehemaligen Militärkasino, in dem das Sekretariat der Christlich-Sozialen Partei untergebracht ist, nahm in Gegenwart der Regierungsmitglieder, des bayerischen Ministerpräsidenten Held, des deutschen Gesandten Dr. Rieth, Reichskanzlers a. D. Dr. Wirth für die Deutsche Zentrumspartei, des ungarischen Wohlfohrtsministers und Mitglieder des Diplomatischen Korps Weihbischof Dr. K a m p r a t h vor. Der Sarg wurde dann i n den Stephansdom übergeführt, wo der Apostolische Auntius Dr. S i b i l i a ein Requiem las. Danach wurde der Sarg durch die Straßen der inneren Stadt, die schwarz beflaggt sind, im Trauerzug zum Parlament gebracht. Den Leichenzug eröffneten zwei Regimenter Infanterie, es folgten dann die Christlich-So- guuen Frauen- und Männervereine. Heimwehr-, Frontkämpfer- und Frcihe töbund-Formationen in it)rcn Uniformen, verschiedene Iugendgruppen und sonstige Vereine und Organisationen, alle mit Sahnen und Standarten. Hinter dem Sarg schrltten der Bundespräsident und die Regierungsmitglieder. Vor dem Parlament feierte zuerst Bundes- Präsident Miklas Seipel als großen Oester- Staatsmann von europäischem Format. Auch jene, die ihn aus Heberzeugung oder aus Leidenschaft bekämpft hätten, senkten heute in eMer Ritterlichkeit den Degen vor dem großen Toten, der persönlich im Leben niemals ihr Feind, aber doch oftmals ihr schärfster Gegner gewesen sei. Bundeskanzler Dr. Dollfuß wies besonders darauf hin. daß Seipel das niemals wieder erreichbare Ideal eines österreichischen Bundeskanzlers darstelle. 2lls Obmann des Christ- ^Myialen Klubs dankte Bundeskanzler a. D. Dr. Bu resch Seipel für die Führung der Partei. Darauf setzte sich der Leichenzug z u m Zentralfriedhof in Bewegung. Hnterwegs er- toiefen spalierbildende Truppen, Polizei und Zi- vilverbände die letzte Ehrenbezeugung. Km die Hilfspolizei der Länder. Besprechung im Reichsinnenministerium.—Vorübergehende Maßnahmen werden in Kürze wieder aufgehoben. Berlin, 5. Aug. (TU.) Amtlich wird mitge- teilt: Beim Reichsmini st erdesJnnern fand heule eine Besprechung mit den Ministerpräsidenten von Oldenburg, Mecklenburg-Schwerin und dem Innenminister von Braunschweig über die in der Presse erörterte A u s st e l l u n g von Hilfspolizei statt. Die Besprechung ergab, daß es sich in den Ländern im wesentlichen um U e b erleg u n g e n handelt, wie die Ruhe und Sicherheit im Bedarfsfälle aufrechterhalten werden könne. Soweit schon Schritte zur Verstärkung der Polizei getan sind, handelt es sich um vorübergehende Maßnahmen, die in kürze wieder aufgehoben werden. Zu der Besprechung verlautet ergänzend, daß der Reichsinnenminister die Pläne der Reichsregierung zur Bekämpfung des Terrors dargelegt hat. Man geht nicht fehl in der Annahme, daß nach Ansicht der Reichsregierung die bisher beschlossenen bzw. in Vorbereitung befindlichen Maßnahmen ausreichen werden; grundsätzlich sind Heberlegungen der Länder, wie die Ruhe und Sicherheit im Bedarfsfalls aufrechterhalten werden kann, selbstverständlich berechtigt. Gleichwohl dürfen die Länderministerien in Mecklenburg-Schwerin und in Braunschweig in ihren Heberlegungen die bisher getroffenen und die neuen für dem Notfall geplanten Maßnahmen der Reichsregierung berücksichtigen, so daß die Aufstellung von Hilfspolizei in diesen Ländern zunächst wenigstens unterbleiben dürfte. Die Verstärkung der Polizei in Oldenburg wird, wie aus der amtlichen Mitteilung hervorgeht, in Kürze wieder aufgehoben werden. Der Reichsinnenministcr steht auf dem Standpunkt, daß Organisation und Ergänzung der Polizei zwar zu den Befugnissen der Länder gehören, daß das Reichsinnenministerium^jedoch dazu berechtigt und verpflichtet sei, den Ersah der Landespolizei daraufhin zu überwachen, daß keine ungeeigneten Elemente eine Verminderung der polizeilichen Schlagkraft herbeizuführen imstande sind. Aur auf dem Weg über die o r d - nungsmäßige Prüfung des Anwärters und der Ausbildung auf den zu - ständigen Polizeischulen darf die Ergänzung der Landespolizeiformationen erfolgen. Cs hat sich außerdem ergeben, daß eine frühere soldatische Ausbildung nicht das mindeste mit einer Ausbildung für Polizeizwecke gemein hat. Allerdings steht auch der Reichsinnenminister auf dem Standpunkt, daß aus Ersparnisgründen in besonders bedrohten Gebieten ein örtlich beschränkter und zur Hnter- stützung der Polizei bereitstehender Selb st schütz der ordnungsliebenden Bevölkerung ausgestellt werden kann. Dadurch soll verhindert werden, daß bei örtlichen Hnruhen Landespolizei von außerhalb herangezogen werden muß. Der alte Selbstschuhgedanke des Bürgertums würde also seine Wiederauferstehung feiern. Oie Polizei in Oldenburg. Oldenburg. 5. Aug. (CAB.) Das olden- burgische Innenministerium hat eine neue Verfügung über das Dien st alter vonPolizei- Offizieren erlassen, durch deren Bestimmungen Oberst Wantke, der Organisator und langjährige Kommandeur der oldenburgischen Polizei, und Major v. Hellen genötigt sind, in den Ruhestand zu treten. Ministerpräsident Roevcr hielt gestern einen Appell der Ordnungspolizei und der Gendarmerie ab. bei dem er vor allem seinen Dank an Oberst ' Wantke aussprach. 3m übrigen betonte der Ministerpräsident, die politische Gesinnung des einzelnen sei ihm gleichgültig. Polizei und Reichswehr hätten nichts mit Parteipolitik zu tun. Die Frage der Aeube- sehung der freiwcrdenden Stellen ist noch nicht entschieden. Sozialdemokraten und Kommunisten fordern Auslösung der SA. "Berlin, 5. 2Iug. (TH.) Die sozialdemokratische Fraktion hat im Preußischen Landtag einen Antrag eingebracht, in dem unter Hinweis auf eine außerordentlich starke Zunahme der Gewalttaten und Hebergriffe d i e Auflösung der SA. gefordert wird. Der Reichskommissar solle in einem Landtags» beschluh ersucht werden, seinen Einfluß bei der Reichsregierung dahin geltend zu machen, die nationalsozialistische SA. sofort aufzulösen, die SA.-Heime sofort zu schließen, sowie die stark bedrohte persönliche Freiheit führender Republikaner und der Arbeiterbewegung, wie auch die Einrichtungen dieser Organisationen mit allem Aachdruck zu schützen. Die kommunistische Fraktion verlangt gleichfalls in einem Antrag, in dem den Aationalsozialisten Mordüberfälle, Brandstiftungen und Bombenattentate vorgeworfen werden, die Auflösung der SA. und S S. sowie aller sonstigen militärischen Fvrmafio» nen. Weitere sozialdemokratische und kommunistische Anträge verlangen die Aufhebung der A o t v e r d r b n u n g übet d i e Absetzung der geschäftsführenden preußischen Regierung und die Einsetzung des Reichskommissars. Die Kommunisten haben ferner Anträge cingebracht. dem Landtagspräsidenten Kerrl das allerschärfste Mißtrauen auszusprechen, die Aotverordnung zur Sicherung des inneren Friedens und alle bestehenden Zeitungsverbote aufzuheben. Eine furchtbare Statistik. In sechs Wochen 72 Todesopfer politischer Ausschreitungen. Berlin, 5. Aug. (CAB.) Der Bevollmächtigte des Reichskommissars für Preußen Dr. Bracht hat auf Grund der Berichte der einzelnen Regierungspräsidenten eine Statistik der politischen Heberfälle und Ausschreitungen auf- Berlin, 5. August. (XU.) Die Entscheidung über die Inkraftsetzung der von der Reichs- rcgierung beschlossenen Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrors wird frühe ft ens am Samstag erfolgen. Einmal ist die entsprechende Aotverordnung bisher noch nicht fertiggestellt, des weiteren muß noch die Zustimmung des Reichspräsidenten eingeholt werden und schließlich sieht man in Re- gierungskreisen noch die Hoffnung, daß die Ankündigung der beabsichtigten Maßnahmen die radikalen Elemente zur Besinnung bringen wird, so daß die Aotverordnung noch vermieden werden könne. Mit dem Auftrage, die politischen Borfälle und Terrorakte in Ostpreußen zu untersuchen, ist der Oberregierungsrat im preußischen Innenministerium Dr. Diels nach Königsberg ent- fandt worden. Ein zeitgemäßer Erlaß. Der Königsberger Gcneralstaatsanwalt fordert schwere Ltrafen für unbefugtes Waffentragcn. Königsberg. 5. Aug. (WTB.) Der General- ftaatsanroalt hat den ostpreußischen Staatsanwälten folgende Anweisung erlassen: Trotz wiederholten Verbots des IDaffenfragens, trotz eindringlichster Warnung auch von höchsten Regierungsstellen werden immer wieder junge teufe im Besitz von Schußwaffen, Dolchen und dergleichen getroffen. Wohin diefe Zustände führen, haben die Ereigniffe der letzten Zeit zur Genüge gezeigt. Jedermann weiß heute, daß das Mit- fichführen von Schußwaffen, Dolchen und dergleichen verboten ist. Der in dieser Zeit dieses B e r - bot übertriff, tuf dies nur in der Absicht, bei sich bietender Gelegenheit vonseiner Waffe Gebrauch zu machen. Der Schuh der Bevölkerung ist aber Sache der Polizei, nicht des einzelnen Bürgers, vor allem nicht der radaulustigen Elemente. Gegen diese rücksichtslos e i n ; u s ch r e i t e n , ist das Gebot der Stunde. Ich ersuche daher die mir unterstellten Staatsanwaltschaften, diese Gesichtspunkte bei Gericht nachdrücklich zur Geltung zu bringen und gegen die Täter, je nach Lage der Fälle empfindliche Strafen zu beantragen. Gelinde Geld- ff r a f en können in der jetzigen Zeit nicht als ausreichende Sühneange^ehen werden. Aeue'Keberfälle und Anschläge in Ostpreußen. Königsberg, 5. Aug. (TH.) In der Aacht wurde auf die Wohnung des Ortsgruppenleiters der ASDAP. in Freystadt ein Anschlag verübt. Ein großer Stein wurde durch dos Fenster geschleudert. Als der Ortsgruppenleiter zwei Schreckschüsse abgab, flüchteten die Täter. — In der Aacht zum Freitag hatten sich in der Komnickstrahe in 61- b i n g zahlreiche Kommunisten angesammelt. Als die beiden Aationalsozialisten Kaufmann Schmidt und Kutscher Grün vorüberkamen, wurden sie angegriffen und mit Messern niedergestochen. Eie erlitten lebensgefährliche Verletzungen am Kopf und Rücken. In der gleichen Aacht wurde ein Sprengstoffanschlag auf eine Mitgliederversammlung der ASDAP. in Juch au (Kreis Lyck) verübt. 3m Saale der Gastwirtschaft Geydasch fand eine Besprechung der ASDAP. statt, an der 19 Personen teilnahmen. Hm 22.15 Hhr erfolgte eine Detonation, bei der d i e Fensterscheiben des Saales in Trümmer gingen. Personen wurden nicht verletzt. Aach dem vorläufigen Befund scheint der Anschlag so ausgeführt zu fein, daß der Sprengkörper an einen zehn Meter von dem Gebäude gestellt, die die Zeit vom 1.3uni bis 20.3uli und sämtliche preußischen Gebietsteile außer Berlin umsasscn. Aach dieser Aufstellung sind in der angegebenen Zeit insgesamt 3 2 2 politische Hcbcrfällc erfolgt, die 7 2 Todesopfer gefordert haben. 497 Personen wurden dabei schwer verletzt. Auf Grund der polizeilichen Ermittlungen waren in 203 Fällen davon die Angreifer Kommunisten, in 75 Fällen Nationalsozialisten, in 21 Fällen Reichsbanncrlculc. 3n 23 Fällen konnte die Schuldfrage durch die polizeilichen Ermittlungen nicht geklärt werden. Für diese Statistik lagen u. a. auch die Berichte der Regierungspräsidenten vor dem 15. Juli zugrunde, also vor dem Regimwechsel in Preußen. entfernten Zaun niedergelegt morgen ist, da der Zaun zertrümmert und ein Betonpfeiler zerrissen worden sind. Heber die Täter ist noch nichts bekannt. Es steht fest, daß sich ein Kraft- wagen nach dem Anschlag aus das nationalsozialistische Lokal in schneller Fahrt entfernte. Die die Hntersuchung führenden Stellen vermuten, daß von den Insassen des gleichen Kraftwagens auch der Anschlag auf die Reichsbankneben stelle in Lötzen verübt worden sei. 3n Iohannisburg wurde gegen das Kaufhaus S ch e imann von bisher unbekannten Tätern ein Anschlag verübt. Auf der Hofseite des Kaufhauses war ein 40 Zentimeter langes und 80 Millimeter starkes mit Sprengstoff gefülltes Gasrohr in ein Fenster gelegt und zur Explosion gebracht worden. Zerstört wurden fast alle Fensterscheiben im Hof. Vorn wurde eine Schaufensterscheibe eingedrückt. Die Anlage des Anschlages läßt darauf schließen, daß die Täter mit den örtlichen Verhältnissen vertraut sind. Die Polizei hat 500 Mark ausgesetzt für denjenigen, Der über die Täter Angaben machen kann. Oberpräsident Siehr in den Ruhestand verseht. Berlin, 5. Aug. (TH.) Beim Oberpräsidenten von Ostpreußen, Dr. Siehr, ist ein Telegramm des Reichskommissors für das Land Preußen mit folgendem Wortlaut eingetroffen: „Entsprechend Ihrem Antrag hat das Preußische Staatsministerium heute beschlossen, Sie zum 1. Oktober 1932 in denRuhe- stand z u versehen und bis dahin zu beurlauben.“ Gleichzeitig wurde an den Vizepräsidenten Steinhaf, f ein Telegramm gerichtet, daß er bis aus weiteres von seinen Geschäften beurlaubt und Wiederverwendung in Aussicht genommen sei. Mit der einstweiligen Stellvertretung von Oberpräsident Dr. Siehr ist Oberregierungsrat 21 g r i c d [ a beauftragt worden. Kommunistische Umtriebe in München. München, 5.August. (TU.) Der Polizeibericht meldet: Die Kommunisten hatten für Donnerstagabend Demonstrationen im Westen und Osten der Stadt anberaumt. Die geplanten Aufmärsche konnten aber nicht zur Entfaltung kommen, da die Polizei vor den Demonstranten am Platze war. Bei der Räumung der Straße in Westend mußte verschiedentlich vom Gummiknüppel Gebrauch gemacht werden. Um 22 und 24 Uhr führte die Polizei Säuberungsaktionen in Giesing durch, wobei 14 Kommunisten festgenommen wurden, die es offensichtlich auf Zusammenstöße mit Andersgesinnten abgesehen hatten. Dabei wurden Pi st ölen, Schlagwassen und Dolche beschlagnahmt. Weiterhin wurde in Westend ein heimkehrender Nationalsozialist von etwa zehn Kommunisten tätlich angegrif- f e n. Beim Einschreiten der Polizei wurde von einem der Beteiligten eine Armeepistole weggewvr- fen. 3m übrigen gelang es den verstärkt eingesetzten Polizeistreifen wiederholt, unberechtigt wasfensüh- rende Personen festzunehmen. Oie Deutsche Studentenschaft an den Reichsinnenminister. Berlin, 5. Aug. (TH.) Die DeutscheStu- dentenschast, deren Kreisleiter III (Aieder- sachsen), Axel Schaffeld, in der Aacht nach der Reichstagswahl von Kommunisten ermordet worden ist, fordert in einem Schreiben an den Reichsinnenminister die schärfsten Maßnahmen zur Beseitigung des kommunistischen Terrors und zwar standrechtliche Aburteilung aller kommunistischen Terroristen, tatsächliche Auflösung des Roten Frontkämpferbundes und seiner sämtlichen Ae- benverbände, sowie schärfstes Vorgehen gegen die intellektuellen Hr Heber der Mordtaten. Noch keine Terror-Notverordnung. Oie Negierung hofft sie vermeiden zu können. Kanada dielet England Zollvvrzngsbehandlnng an Ein wichtiger Schritt auf -er Reichskonferenz von Ottawa. Ottawa, 5. Aug. (TU.) Die kanadische Regierung unterbreitete Baldwin tiyre Vorschläge zur Förderung des englisch-kanadischen Handels, die besonders auf die Ausschaltung der russischen Konkurrenz hinarbeiten. Kanada bietet für etwa 150 bis 200 Artikel eine Dorzugsbehandlung bei gleichzeitiger Revision der hohen Zollsätze an. Don dem Angebot werden hauptsächlich Eisen und Stahl, Anthrazit, Chemikalien, Laue, Lederwaren ufw. betroffen, während für Textilien die Zugeständnisse wesentlich geringer sind und sich hauptsächlich auf Luxusartikel erstrecken. Kanada schätzt, daß durch diese Maßnahmen die Einfuhr englischer Waren nach Kanada um rund 300 bis 4 0 0 Millionen Mark gesteigert werden kann, und zwar meistens auf Kosten Amerikas. Kanada verlangt von England vor allem verstärkten Schutz gegen die russische Konkurrenz. Die englische Regierung wird die Vorschläge einer eingehenden Nachprüfung unterziehen. Das Zollvorzugsangebot wird in der englischen Öffentlichkeit naturgemäß lebhaft erörtert. Man sieht mit Spannung der Antwort entgegen, die von der englischen Delegation am Montag erteilt werden soll. Die Schätzungen über die Wertsteige- rvng des englischen Handels mit Kanada, die man sich von dem Angebot Kanadas erhofft, gehen sehr auseinander. Einige Blätter veranschlagen sie auf 20 Millionen Pfund, andere rechnen mit größerer Nüchternheit nur mit 8 bis 10 Millionen. „Morning Post" hält für den wesentlichsten Punkt die Verdrängung Rußlands vom englischen Markt. „Daily Telegraph" meint, die Vorteile des Vorschlages für England seien offenbar, zu rosig gehalten. Offenbar sei es zu optimistisch, damit zu rechnen, daß Großbritannien unter dem neuen Vorzugszollsystem die Möglichkeit habe, den größten Teil der kanadischen Eisen- und Stahleinfuhr an sich zu reißen, die im letzten Depressionsjahr rund 40 Millionen Pfund betrug, und an der Großbritannien nur mit 10 v. H. beteiligt war. Es fei für Großbritannien so gut wie unmöglich, die gesamte Eisen- und Stahleinfuhr aus den Vereinigten Staaten für sich zu sichern. Dagegen sprächen nicht nur wirtschaftsgeographische Momente, sondern auch die Tatsache, daß die Entwicklung der kanadischen Industrie in engster Anlehnung an die amerikanische Technik erfolgt sei. Oie Ausführungsbestimmungen für den freiwilligen Arbeitsdienst. D e r l i n, 4. Aug. (TU. Amtl.) Tlnterm 2. August sind die Ausführungsvorschriften des Reichs- arbcitsministers zur Verordnung über den Freiwilligen Arbeitsdienst vom 16. Juli 1932 veröffentlicht worden. Den Vorschriften kommt besondere Dedeutung für die Praxis zu, weil die Verordnung vom 16. Juli 1932 im wesentlichen programmatischen Charakter trägt imd in erster Linie die allgemeinen Grundsätze für die Neuregelung gebracht hat. Die wichtigsten Bestimmungen sind folgende: Als Förderung wird fürdenArbeits- dien st willigen ein Betrag von höch- stens 2 Reichsmark wochentäglich bis zur Dauer von 20 Wochen innerhalb eines Zeitraumes von zwei Jahren gewährt. Bei volkswirtschaftlich wertvollen Arbeiten kann die Förderungsdauer bis zu 40 Wochen verlängert werden. Während der Förderung erhält der Arbeitsdienstwillige weder versicherungsmäßig Arbeitslosenunterstützung, noch Krisenunterstützung. Die Förderungszeit wird auf die Un - terstützungsdauer in der Arbeitslosenversicherung und in der Krisenfürsorge nicht mehr angerechnet. Die Arbeiten im Freiwilligen Arbeitsdienst müssen gemeinnützig sein. Eine Arbeit, die unmitteEar nur einem beschränkten Personenkreis zugute kommt, gilt aber auch als gemeinnützig, wenn die Allgemeinheit ein wesentliches Interesse an der Ausführung hat. Soweit eine Arbeit als Notstandsarbeit durchgeführt werden kann, darf sie nicht vom Freiwilligen Arbeitsdienst gefördert werden. Beim Ausscheiden aus dem Freiwilligen Arbeitsdienst ist dem Arbeitsdienstwilligen auf Antrag eine Bescheinigung über Art und Dauer dieser Beschäftigung auszustellen. Die Leitung und Durchführung des gesamten Freiwilligen Arbeitsdienstes liegt in derHand des Reichskommissars. Zu seinen Aufgaben gehört u. a. auch, für die Auswahl und Schulung von Führern zu sorgen. Der Reichskommissar und die Bezirkskommissare haben Personen, Vereinigungen und Einrichtungen, die besondere Erfahrung im Freiwilligen Arbeitsdienst haben, zur beratenden Mitwirkung heranzuziehen und mit allen beteiligten Behörden zusammenzuarbeiten. Ob eine Arbeit im Freiwilligen Arbeitsdienst ausgeführt werden kann, bestimmen die Dezirkskommissare. Die Vorsitzenden der Arbeitsämter entscheiden über die Forderung des einzelnen Arbeitsdienstwilligen. Sie handeln hierbei a l s Beauftragte des Dezirkskommissars. Die Arbeitsdienstwilligen sind gegen Krankheit und Unfall versichert. Aus der Krankenversicherung erhalten sie Krankenpflege für ihre Person, gegebenenfalls Krankenhauspflege. Arbeitsdienstwillige, die vor ihrem Eintritt in den Freiwilligen Arbeitsdienst pflichtversichert waren, haben Anspruch auch auf Familienkrankenpflege. Von der Entrichtung des Arzneikostenbeitrages und der Krankenscheingebühr sind die Arbeitsdienstwilligen befreit. Die Krankenkassenbeiträge werden aus Mitteln des Freiwilligen Arbeitsdienstes bestritten. Erhebliche Verbesserungen bringt die Neuregelung 'bei der Unfallversicherung. Diese ist auch auf Unfälle bei Sport und bei Dienstleistungen im Arbeitslager ausgedehnt worden. In allen Fällen, in denen das Reich, die Länder und Gemeinden als Träger der Arbeit selbst Träger der Unfallversicherung sind, tritt an die Stelle der verschiedenen Berufsgenossenschaften, die bisher je nach der Art der Arbeit zuständig waren, eine einzige Berufsgenossenschaft oder deren Zweiganstalt. Als solche ist die Zweiganstalt der Tiesbauberufsgenossen- schaft bestimmt. Die Vergütung beträgt wochentäglich zwei Reichspfennige für den Arbeitsdienst- willigen und fällt dem Träger der Arbeit zur Last. Für Arbeitsdienstwillige, die vorher in der Arbeitslosenversicherung, in der Krisenfürsorge oder als Wohlsahrtserwerbslose in der öffentlichen Fürsorge unterstützt worden sind, ist Vorsorge getroffen, daß ihre Anwartschaften in der Invaliden-, Angestellten- und knappschaftlichen Pensionsversicherung aufrechterhalten werden. Wie bisher, unterliegen die Arbeitsdienstwilligen auch den Bestimmungen der Arbeitsschutz- gesehe. Arbeitsdienstwillige, die bei volkswirtschaftlich wertvollen Arbeiten beschäftigt werden, können verzinsliche Gutschriften für Siedlungszwecke im Reichsschuldbuch in Höhe von 1,50 Mark wochentäglich erhalten. Die Ausführungsvorschriften treten am 1. August 1932 in Kraft. Die Gestattung des Taris- und Schlichtungswesen. Berlin, 5. Aug. (TU.) Die Nachricht eines Berliner Abendblattes, daß das Neichsarbeits- ministerium damit beschäftigt sei, sehr weit reichende Maßnahmen auf dem Gebiete des Schlichtungswesens oorzubereiten, und daß die Absichten auf eine wesentliche Einschränkung der staatlichen Schlichtungstätigkeit und eine teilweise BrechungdesTarisrechts hinauslaufen, wird von zuständiger Stelle i n A b - rede gestellt. In dieser Beziehung sind gesetzliche Maßnahmen weder in Vorbereitung nochbeabsichtigt. Die Verbindlichkeitserklärung von Schiedsspüchen soll nicht aufgehoben werden, wohl aber soll dieses Instrument vorsichtiger und möglichst nur in solchen Fällen angewen - d e t werden, wo es zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit erforderlich erscheint. Aus aller Well. Das 18. Todesopfer der Altonaer Unruhen. Im Altonaer Krankenhaus ist dieser Tage der 72- jährige Pensionär Emil Fühler aus Hamburg g e ° st o r b e n, der bei den Altonaer Unruhen am 17. Juli eine schwere Schußverletzung erlitten hatte. Damit hat sich die Zahl der Todesopfer auf 18 erhöht. Zahlreiche Fleischvergiftungen. In dem Dorf Schönau bei Münstereifel (Rheinprovinz) war ein Kalb geschlachtet worden, von dessen Fleisch, ohne daftes beschaut worden war, zahlreich« Einwohner aßen. Bald darauf erkrankten diese Personen unter Vergiftungserscheinungen zum Teil lebensgefährlich. Eine Frau ist inzwischen gestorben. Nach polizeilicher Feststellung hatte ein Landwirt das neun Tage alte Kalb not» geschlachtet, weil es angeblich Gliedwasser gehabt hat. Das Fleisch hatte er zu billigen Preisen nur an Verwandte und Bekannte verkauft. Nach ärztlicher Feststellung liegt bei den Erkrankten Paratyphus vor. Zwei Personen schweben noch in Lebensgefahr. Erfolg deutscher Bergsteiger in den Eordilleren. Die eine der beiden vom Deutschen und Oester- reichischen Alpenverein im April d. 2. in fremde Gebiete entsandte Expedition hat das von ihr gesteckte Ziel erreicht. Beim Hauptausschuß des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins in Innsbruck traf ein Telegramm aus Südamerika «in, in dem der Leiter der Expedition, der dritte Vorsitzende des Alpenvereins, Regierungsrat Dr. Philipp Borchers -München, mitteilt, daß es der Expedition gelungen ist, den 6750 Meter hohen Hauptgipfel Huascan in der Cordillera Dlanca zu bezwingen. An der Ersteigung des Gipfels nahmen außer Dr. Borchers noch teil H ö r 1 i n - Stuttgart, Hein-Linz, Schneider-Hall in Tirol sowie der Arzt der Expedition, Dr. Bern ar d aus Hall in Tirol. Aus dem Telegramm, das etwas verstümmelt ist, geht hervor, daß die Expedition bei den letzten 400 Metern große Schwierigkeiten zu bewältigen hatte. Es lag knietiefer Bruchharsch und außerdem waren schwierige Eisbrüche zu überwinden. Die Cxpeditionsteilnehmer befinden sich, wie das Telegramm weiter mitteilt, alle wohl. *• Tagung der deutschen Haus- und Grunöbesiher in Hamburg. Die diesjährige Verbandstagung der Deutschen Haus - und Grundbesitzer- Vereine im Hamburg hat begonnen. Heber 1000 Mitglieder aus dem gesamten Reich sind «ingetroffen: gleichzeitig feiert der Hamburger Grunde.gentümerverein sein hundertjäh. riges Jubiläum. Die Delegierten wurden vom Sena!t im Rathaus empfangen. Auf der Tagung soll in erster Linie zur Frage der Arbeitsbeschaffung Stellung genommen werden. Schweres Unwetter in Polen. — 11 Tote, 18 Schwer- verlehte. Warschau und Umgebung wurden in den letzten Tagen von einem außerordentlich heftigen Gewitter, das besonders im Bezirk Lukow wütete, heimgesucht. Durch Blitzschläge fanden hier fünf Menschen den Tod und weitere 12 haben zum Teil sehr schwere Verletzungen davongetragen. So schlug in dem Orte Gron- zowka der Blitz in eine Gruppe von 8 Kindern ein, von denen eines sofort getötet, die übriger» sieben schwer verletzt wurden. In der Nähe der Ortschaft Powursk (Wolhynien) wurde eine von einer Hebung heimkehrende Abteilung polnischer Soldaten von einem ungemein starken Gewitter überrascht. Durch einen Blitzschlag wurden sechs Soldaten auf der Stelle getötet und weiter« sechs schwer verletzt. Verkehrsunglück bei Belfort Zwei Tote, fünf Schweroerlehke. Ein schweres Verkehrsunglück ereignete sich in einer kleinen Ortschaft in der Nähe von Belfort. Der Führer eines Kraftwagens, der sich abends auf der Heimfahrt befand, sah sich plötzlich zwei Radfahrern gegenüber, die ihm auf der falschen Straßenseite ohne Lampen entgegenkamen. Um einen Zusammenstoß zu vermeiden, rieß er das Steuer herum, konnte es aber nicht verhindern, daß sein Wagen in eine Gruppe von etwa zehn Ortseinwohnern raste, die vor der Tür ihres Hauses faßen. Zwei von ihnen, eine ältere Frau und ein Kind, wurden auf der Stelle getötet, fünf andere erlitten fo schwere Verletzungen, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Bei einigen der Verunglückten hat man ihres hohen Alters wegen jede Hoffnung aufgegeben. Verheerende lleberschwemmung in China. 200 lote. „Times" meldet aus Hongkong: In Kanton kam es infolge starker Wolkenbrüche zu großen Ueberschwemmungen. Schätzungsweise sind 2 0 0 Personen ertrunken, darunter 80 Insassen eines Altersheims. Ein französisches Skrakosphärenflugzeug. Ein eben fertiggestelltes Stratosphärenflugzeug der Firma Farman ist dieser Tage auf dem Flugplatz Tonssus-le-noble vorgeführt worden. Der Apparat sieht nicht anders aus, als ein gewöhnliches Flugzeug, nur ist die Kabine, in der der Pilot und ein Ingenieur Platz finden, hermetisch abgedichtet. Der Motor ist mit Kompressoren versehen, von denen der erste bei einer Höhe von 5000 Metern eingeschaltet werden kann. Mit drei Kompressoren könnte das Flugzeug theoretisch 15 0 00 Meter Höhe erreichen. Die Apparatur weist nicht weniger als 15 Thermometer und 15 Manometer auf, um das Funktionieren der Kompressoren und Kühler zu kontrollieren. Merkwürdiger Unfall. Ein Bäckermeister in Schwerin wurde von einem argen Mißgeschick betroffen. Er hatte den Hund eines Bekannten mit ins Schlafzimmer genommen und dem Tier für die Nacht ein Lager hergerichtet. Der Hund wurde durch das laute Schnarchen des Bäckermeisters so aufgeregt, daß er ihm einen Teil der Nase a b b i ß und noch weitere erhebliche Diß- verletzungen beibrachte. Riesige Betrügereien einer französischen Transportfirma. Einem Millionenbetrug sind die Pariser Behörden auf die Spur gekommen. Die großen französischen Eisenbahngesellschaften haben die Gepflogenheit, den konzessionierten Transportgesellschaften bei Worentransporten gewisse Tarifnachlässe, teilweise bis zu 25 Prozent, zu gewähren. Dies hat, wie „Matin" berichtet, eine Pariser Transportfirma ausgenuht, um sich bedeutende Gew innedurch falsche Deklarationen und unrichtige Gewichtsangaben zu verschaffen. Es soll sich dabei um mehrere Millionen Franken handeln. Kunst und Wissenschaft. Reichs-Goelhe-Gedächtniswoche in Frankfurt. Das deutsche Goethe-Gedenkjahr findet seinen Abschluß in der Goethe-Gedächtnis- Woche in Franksurt, vom 21. bis 28. August, mit einer Reihe bedeutsamer Festveranstaltungen. Den Höhepunkt erreicht die Gedächtniswoche am 28. August, dem Geburtstag Goethes; nach einer Kranzniederlegung iin Geburtszimmer Goethes wird der G o e t h e p r e i s der Stadt Frankfurt feierlich übergeben; der Preis fällt in diesem Jahre an Gerhart Hauptmann. Es folgt eine Gedächtnisfeier auf dem Dömerbekg mit Ansprachen von Vertretern der Reichsregierung, der Stadt Frankfurt und der deutschen Dichter. Die Bayreuther Festspiele 1933. Die Vorarbeiten für die Festspiele 1933 sind im Bayreuther Festspielhaus jetzt zu vorläufigem Abschluß gebracht worden. In gemeinsamer Arbeit haben Frau Winifred Wagner, Generalintendant Tietjen und Professor Pree- torius alle Dekorations- und Kostümpläne für die Neuinszenierung des „Nibelungenrings" und der „Meistersinger von Nürnberg" durchgeführt; die Entwürfe und Modelle sind fertiggeftellt. Professor Preetorius übernimmt nunmehr die Ausführungsarbeiten in den Ateliers des Festspielhauses, damit die Herstellung sämtlicher Dekorationen und Kostüme bis zum Winter beendet ist. Professor Adelbert Niemeyer t- Im 66. Lebensjahre ist der Professor an der Münchner Staatsschule für angewandte Kunst, Geh.- Rat Adelbert Niemeyer gestorben. Niemeyer kam von der Akademie in Düsseldorf nach München, wo er 40 Jahre wirkte, Landschaftliches und Figürliches malte und seinerzeit Mitbegründer der Münchner Sezession war. Er hat auch auf großen Ausstellungen, u. a. in München, Brüssel und Paris, ausgestellt. Greta Garbo will die Stockholmer 6reuger-villa ersteigern. „Dagens Nnheter" zufolge beabsichtigt die Filmschauspielerin Greta Garbo die Villa des verstorbenen Zündholzkönigs Ivar K r e u g e r in den Stockholmer Schären zu kaufen, die in den nächsten Tagen zur Versteigerung gelangt. Greta Garbo wird, der schwedischen Zeitung zufolge, in Schweden ein eigenes großes Filmatelier eröffnen. Der Erbauer des Nilstaudammes bei Affuan f. Nach einer Meldung aus Kairo ist der Ingenieur Sir William Willcocks, der den Plan f'lr den Nilstaudamm bei Assuan entwarf und ausführte, an Lungenentzündung und Dysenterie gestorben. Der Entdecker des Rübenzuckers. Zu Andreas Sigismund Marggrafs hundertfünfzigstem Todestage: 7. August 1932. Don Dr. Franz Kittler. Eines der wichtigsten unter den Erzeugnissen, die Deutschland auf eigenem Boden gewinnt, ist der Rübenzucker. Wir verwenden ihn als Nahrungs- und Genuhmittel zugleich, dient er doch ebensowohl dem Aufbau unseres Körpers, wie dazu, viele Speisen schmackhaft zu machen. Aus unserem Dasein läßt er sich kaum mehr wegdenken. Unbegreiflich erscheint es uns, wie man einst ohne ihn überhaupt zurechtkommen konnte. Wenn wir uns in die Art und Weise vertiefen, wie die Menschheit ihren Zuckerbedarf deckte, ehe Andreas Sigismund M a r g g r a f den Rübenzucker entdeckte, kommen wir zu der Erkenntnis, daß es damit ziemlich schlimm bestellt war. Insbesondere in den nordischen Ländern, wo der Körper zur Herstellung seines Wärmegleichgewichts einer erhöhten Zufuhr gewisser Stoffe, darunter auch des Zuckers bedarf, muh man ihn sehr entbehrt haben. Das geht auch daraus hervor, daß immer wieder Versuche gemacht wurden, diesen wertvollen Wärmespender aus den verschiedenartigsten Pflanzen zu gewinnen, die auf heimatlicher Erde wuchsen. Irgendwelche durchschlagenden Erfolge hat man bei Liesen Versuchen nicht erzielt. Deshalb behalf man sich nach wie vor in der Hauptsache mit dem Honig. Etwa mit dem 16. Jahrhundert beginnt die Einfuhr des Rohrzuckers aus Westindien und aus anderen Ländern nach Europa. Dieser Zucker war aber außerordentlich teuer. Nur sehr wohlhabende Leute konnten ihn sich leisten. Niemals stellte er ein allgemein gebrauchtes Nahrungsmittel dar. Seine Rolle war die eines Luxusgebrauchs. Die Begründung einer einheimischen Rübenzuckerfabrikation stellt aber auch in wirtschaftlicher Hinsicht einen nicht zu unterschätzenden Erfolg dar. Der Mann aber, dem wir den Rübenzucker verdanken, Andreas Sigismund M a r g g r a f, ist nicht nur durch die Entdeckung des Zuckergehaltes der Runkelrübe berühmt geworden. In ihm sehen wir einen Chemiker, der auf den mannigfachsten Gebieten arbeitete und sich dabei von den starren Regeln der Schulwissenschaft frei zu machen verstand, was wesentlich dazu beitrug, ihn Neues finden zu lassen. Marggraf ist am 3. März 1709 in Berlin als Sohn eines Apothekers geboren. Er wollte sich gleichfalls der pharmazeutischen Wissenschaft widmen, studierte aber Medizin und Mineralogie. Don auswärtigen Universitäten kehrte er 1735 nach Berlin zurück, wo er zuerst bei seinem Vater arbeitete. Bereits 1738 ernannte ihn die Preußische Akademie der Wissenschaften zu ihrem Mitglied, 1754 zum Direktor ihrer physikalischen Klasse. Im chemischen Laboratorium der Akademie der Wissenschaften hat Marggraf bis in sein hohes Alter gearbeitet, bis Krankheit ihn an jeder weiteren Tätigkeit hinderte. Es ist unmöglich, alles aufzuzählen, was er bei seinen Untersuchungen entdeckte. Durch ihn wurde der Beweis geführt, daß Alaunerde, (Bittererbe und Kalkerde, die viele für den gleichen Stoff hielten, ganz verschiedene Dinge sind. Die analytische Ehern i e förderte er beträchtlich. Sein größtes Verdienst aber war die ®nt- öedung des Zuckergehalts der Runkelrübe. Das Bedürfnis nach zuckerhaltigen Speisen veranlaßte die Chemiker, nach neuen Zuckerquellen zu suchen. Viel kam dabei nicht heraus. 1586 entdeckt Barkoletti den Milchzucker. 1660 gibt Glauberein Verfahren an, um Zucker aus verschiedenen Pflanzen, vor allem aus dem weißen Mangold zu gewinnen. Aber auf alle diese Arbeiten ließ sich keine Industrie gründen. Auch Marggraf stellt Zucker aus Birkensaft her und zieht ihn aus Rosinen aus. Aber er erkennt, daß auch damit noch nicht das Richtige gefunden war. Deshalb gibt er den süßen Stoffen, die er aus diesen Pflanzenteilen erhält, noch nicht den Namen „Zucker". Unermüdlich forscht er weiter. Dabei kommt er schließlich ai.f die Runkelrübe, bei der er einen süßen Geschmack festzustellen vermag. Hier scheint also Zucker vorhanden zu sein. Nach längeren Bemühungen gelingt es Marggraf im Jahre 1747 wirklich, diesen aus der Rüber darzustellen. Er arbeitet ein Verfahren aus, nach dem größere Mengen eines ziemlich reinen Zuckers gewonnen werden können, und er sucht sogar dieses Verfahren noch dadurch besonders wirtschaftlich zu gestalten, daß er die ausgepreßten, aber noch zuckerhaltigen Neste der Rüben zur Erzeugung von Spiritus verwendet. Damit war die Möglichkeit zur Begründung einer einheitlichen Zuckerindustrie geschaffen. Marggrafs Schüler Franz Karl Achard war es, der sich, auf den Arbeiten seines Lehrers weiterbauend, dieser Aufgabe widmete. Er ging dabei mit großer Umsicht vor. Die gewöhnlichen Runkelrüben, wie sie damals an das Vieh verfüttert wurden, waren noch ziemlich zuckerarm. Deshalb versuchte Achard sie durch Züchtung mit Zucker anzureichern. Das gelang ihm auch. Ferner verbesserte er die von Marggraf angegebenen Verfahren zum Auspressen des Zuckersaftes aus der (Rübe. Dadurch wurde es möglich, die Ausbeute etwas zu steigern und soviel Zucker zu erhalten, daß man an den Bau von Fabriken gehen konnte. Die erste Fabrik, die Achard errichtete, war nur klein, da ihm keine Geldmittel zur Verfügung standen. Erst mit Beginn des 19. Jahrhunderts konnte Achard eine größere Fabrik erbauen. Jetzt setzte der Kampf gegen den Rübenzucker ein, der mit größter Erbitterung geführt wurde. Auf der einen Seite kämpften die großen Häuser, die den Rohrzucker einführten, auf der anderen Achard, allein und auf sich selbst gestellt. Vielleicht wäre er unterlegen, hätte nicht die von Napoleon angeordnete Kontinentalsperre die Einfuhr des ausländischen Rohrzuckers überhaupt unterbunden. Jetzt erst erkannte man. was man an dem einheimischen Rübenzucker hatte und welche Verdienste sich Marggraf durch seine Entdeckung erworben hatte. Ohne die Arbeit dieses großen Chemikers hätte man jahrelang auf Den Zucker verzichten müssen. So aber stand in ihm ein billiges Nahrungsmittel zur Verfügung, das in unbeschränkten Mengen gewonnen werden konnte und wirtschaftliche Vorteile brachte. Große Zuckerfabriken wurden gebaut. Die deutsch« Zuckerindustrie begann sich zu entwickeln. Als die Kontinentalsperre aufgehoben wurde, war die- Fabrikation bereits so bedeutend geworden, und man hatte den einheimischen Zucker derart schätzen gelernt, daß der eingeleitete Aufschwung sich weiter fortsehte. "schäft. fe"Ä > &** ?äs 7S"» ■f Piele 1qi-> *Ä *te Asior $ree: °stumpläne für gcnnngs- unb durchqefichrt; NNeat. Tro, mjr die Aus, J? Festspiel- * ^ttOTQÜo. ■ lW. br°Iess°l an btt ani>le Kunst, Tth.. ’r.t,en; Niemeyer Jj nadj München, Wes und Fjaül. ^tbegründer der hat auch auf *, Brüssel und >iUa nsteigern. 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Hörbild von Ernst Reb- hut. 20.30 Wiesbaden: Symphonie-Konzert des Städtischen Kurorchesters 21.30: Werther-Fieber. Hörfolge von Johann Peter Konrad. 22.20: Trier: 'Saarkundgebung 23 bis 24: Rachtmusik Mittwoch, 10. August. 7.05: Frühlonzert der Kurkapelle Bad Salzuflen. 12: Mittagskonzert „Deutsche Meister" 13.30: Mittagskonzert. 15.15 bis 16: Stunde der Iugend. 17: Rachmittagskonzert des Rundfunk- Orchesters. 18.25: Eskimodichtung. Einleitung und Uebersehung von Etudien-Assessorin Aenne Schmücker, Breslau. 18.50: „Die Bestimmungen der Rotverordnung vom 14. 6. 1932 auf dem Gebiet der Sozialversicherung und Militärver- sovgung", 2. Dortrag von Ober-RegieruNgsrat Dr. Kümmerlen. 19.20: Rachrichten aus Kunst und Wissenschaft. 19.30: Karlsruhe: Handharmo- nika-Konzert. 20: Deutsch« Ouvertüren und Arien. Gespielt vom Philharmonischen Orchester Stuttgart. 21.10: „Cornelia". Ein« Erzählung um Goethe von Margarethe Susman. 21.30: Konzert. Grete Eweler. 22.45: Rachtkonzert. Donnerstag, 11. August. 7.05: Bad Salzschlirf: Frühkonzert der Kurkapelle. 12: Aus dem Reichstagsgebäud«, Berlin: Derfassungsfeier der Reichsregierung. 13.30: Konzert auf Schallplatten. 15.30 bis 16.30: Stund« der Iugend. 17: Vesper ko nzert des Orchesters des Westdeutschen Rundsunks. 18.25: Stunde des Buches. 18.50: „Mietbeihilfe der Fürsorgeämter an Stell« von Hauszinssteuernachlässen", Vortrag von W. Herrmann. 19.30: Aus dem Werratal. Hörbild von crrnst Rebhut. 20: Frankfurter Opernhaus: Falstaff. Oper (lyrisch« Komödie) in 3 Akten. Musik von Giuseppe Verdi. 22.45: Funkstille Freitag. 12. August. 7.05: Bad Salzschlirf: Frühkonzert. 12: Koblenz: Konzert. 13.30: Mittagskonzert. 17: Rachmittagskonzert. 18.25: „Romain Rolland", Vortrag von Rene Schickele. 18.50: Aerztevortrag — „Von ansteckenden Krankheiten im Kindesalter, ihre Verhütung und Behandlung". 19.30: Warmbronn: „Dichter di« wir kennen sollten". Eine Folg« von Gesprächen von Georg von der Bring. 20.15; Mozart-Konzert des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. 21.30: Wettstreit der Komiker. Bunt« Stunde mit Schallplatten von Herbert Brunar. 22.45 bis 24: Rachtmusik Samstag, 13. August. 7.05: Bad Mergentheim: Frühkonzert des Kur- ovchesters (Philharmonisches Orchester Stuttgart). 10.10: Schulfunk: „Eine halbe Stunde Lokornottv- führer". Leitung: Paul Laven. 12: Konzert auf Schallplatten. 13.30 bis 14.30: Rachmittagökon- zert 15.30 bis 16.30: Stunde der Iugend. 17: Konzert. 18.25: Vortrag von Dr. Gustav Adolf Bohr. 18.53: Stund, der Arbeit. 19.30: Operettenkonzert des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. 20: Konzert für hundert Zithern. 20.40: Schwäbische Anekdoten. Erzählt von Albert Ho- fele. 20.50: Don Berlin: Bunter Abend. 22.45 bis 0.30 Von-Berlin: Tanzmusik. 47jähr^c Justtzoberietretar Gottlieb Fleck, wohnhaft m der Fcuerbachstraße 9, plötzlich aus und stürzte schwer zu Boden. Er erlitt, wie man annimmt, einen Schäde.bruch und muhte durch die Freiwillige Sanitätskolonn« sofort nach der Chirurgischen Klinik gebracht werden. " Motorrad-Anfall. Ein Motorradfahrer aus Dutenhofen, der gestern gegen 18 Ahr die Straße am Cafe Hettler passieren wollte, kam plötzlich mitsamt seinem Motorrad zu Fall und erlitt dabei eine Knieverletzung. Der Soziusfahrer. der Schwager des Lenkers, wurde ebenfalls vom Sih geschleudert und erlitt beim Sturz einen Knöchelbruch. Die beiden Verunglückten wurden durch die hiesige Freiwillige Sanitätskolonne nach der Chirurgischen Klinik gebracht. sie konnten jedoch beide, nachdem ihnen erste Hilfe zuteil geworden war. wieder entlassen werden. '• Autobrand. Gestern nachmittag wurde di« Feuerwehr nach der Frankfurter Straße gerufen. In der Rähe der Schubertstrahe war ein Auto in Brand geraten: das Feuer war jedoch bald gelöscht, so daß die Feuerwehr nicht einzugreifen braucht«. " Kriegsgräber- und Schlachtfeldfahrten 1 9 3 2. Die Ortsgruppe Frankfurt a. M des Bundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge oeranftal- tet am 5. September ihre letzte diesjährige sechstägige Fahrt zu den Kriegsgräbern im Kampfgebiet von Verdun, Nordfrankreich und der Champagne. **BildungderSchöffen-undSchwur- g e r i ch t e. Im heutigen Anzeigenteil wird in einer Bekanntmachung darauf aufmerksam gemacht, daß die als Urliste dienende Wahlkartei vom Montag, 8. August, bis Montag, 15. August, im Stadthaus, Bergstraße, zu jedermanns Einsicht ausliegt. Interessenten seien besonders darauf aufmerksam gemacht. " Hessischer Handwerker- und Gewerbetag in Ingelheim. Die vorjährige Tagung des Hessischen Handwerker- und Gewerbeverbandes fand in Bensheim statt. Damals wurde beschlossen, in Ingelheim zu tagen. Die Tagung findet Samstag 3. und Sonntag 4. September in Ingelheim (Ober- und Rieder- Ingelheim) statt. Eine Vortagung ist am Ecuns- Wird er wieder deusscher Kanu-Meister? Der Berliner Trainer Flemming, letztjähriger Meister im Einer-Kanu, gilt als Favorit auch für die diesjährigen Kanumeisterschaften, die am 7. unb 8. August auf dem Main bei Frankfurt zum Austrag gelangen. tag, di« Haupttagung beginnt Sonntagvormittag. Mit der Tagung ist am Samstag ein Rheinischer Abend und am Sonntag «in Winzerfest verbunden, wobei ganz Ingelheim zum Winzerdorf werden soll. Geplant ist auch eine lokale Ausstellung des Handwerks. Sühne für den Einbruch im Palais des Großherzogs. WSN. Darmstadt, 5.August. Dor der Großen Strafkammer des hessischen Landgerichts hatten sich gestern der mehrfach vorbestrafte Packer Willi Funke und der Kraftwagen- führer Karl Will). Moritz, beide aus Halle, zu verantworten. Die beiden wurden aus Halle, wo sie wegen ähnlicher Straftaten ins Zuchthaus geschickt worden waren, hier vorgeführt. Beide hatten in der Nacht zum 8. Oktober in das Großherzogliche Palais in Darmstadt eingebrochen. Sie vermuteten in den Räumen des Vermögensverwalters, des Grafen Hardenberg, reiche Beute, in erster Linie hatten sie es jedoch auf den groß herzoglichen Familienschmuck abgesehen. Bei ihrer Arbeit wurden sie durch den heimkehrenden Grasen überrascht. Sie schlugen ihn zu Boden, machten ihn durch Schläge auf den Kopf bewußtlos und raubten ihm Brieftasche und Schlüssel. Die Verbrecher hätten sich zweifellos nicht gescheut, den Ueberfallenen totzu- schlagen, wenn er den Versuch hätte machen können, die Räuber an ihrem Vorhaben zu hindern. Gras Hardenberg lag hilflos am Boden und erhielt jedesmal einen schweren Schlag auf den Kops, sobald er nur die Augen aufschlug. Da die Ein- brecher die Behältnisse nicht erbrechen konnten, nahmen sie gegen Morgen von ihrem Vorhaben Abstand. Das Verfahren war seinerzeit eingestellt worden, da die Polizei nicht genügend Spuren feststellen konnte. Die Angeklagten schilderten dann im Jahre 1931 einem Komplizen die Vorfälle jener Nacht und sie versuchten, mit dem Dritten nochmals in das Palais einzubrechen, doch ein Wächter mit Hund und neue Sicherungsmaßnahmen vereitelten ihr Vorhaben. Durch diesen Komplizen wurde später die ganze Geschichte der Kriminalpolizei in Hatte verraten. In der Verhandlung leugneten die Angeklagten bis zuletzt, sie wurden jedoch überführt. Das Gericht verurteilte den Angeklagten Moritz zu acht Jahren Zuchtbaus, Funke zu sechs Jahren Zuchthaus. Beiden wurden die Ehrenrechte für fünf Jahre aberkannt. Die Verurteilten wurden unter polizeilicher Bedeckung wieder nach Hatte transportiert. Nächtliche Schießerei in Darmstadt. WSN. Darmstadt, 5. August. Am Freitagmorgen gegen 4 Uhr fielen in der Nähe der Rhcin- und Neckarstraße zahlreiche Schüsse. Das sofort alarmierte Ueberfalltommanbo begann mit den Recherchen, die jedoch bisher noch zu keinem Ergebnis führten. Eine halbe Stunde später wurde auf einen in der Nähe sein Haustor öffnenden Passanten aus einem grauen Auto, das vom Bahnhof kam, zwei Schüsse abgefeuert, worauf die In saß en des Wagens schleunigst davonsuhren. Es sott sich um einen mehrsitzigen grauen Opelwagen mit dem Kennzeichen VS 87 . . ? handeln. Das genaue Kennzeichen konnte jedoch nicht feftgeftellt werden. Die Schüsse wurden auch von einem in der Nähe wohnenden und durch die Detonation alarmierten Polizeibeamten wahrgenommen. Verabschiedung des Wetzlarer Etats. WSR. Wehl ar, 5. Aug. In zweistündiger Beratung verabschiedeten gestern die Stadtverordneten den Wetzlarer Etat für 1932. Cr schließt mit einem Fehlbettag von rund 420 000 Mk. ab. Ein Ausgleich ist nicht möglich, ungefähr in der Höhe des Fehlbettages belaufen sich die Aufwendungen auf dem Wohlsahrtsetat. Aus der Aera Kühn lastet auf dem Haushaltsplan eine enorme Zins- und Tilgungslast, die fast das gesamte städtische Steuerauskommen auszehrt. Ein überspannt gebauter S ch l a ch t h o f steht m i t 52 000 Mark Defizit allein in diesem Iahre zu Buch. Don den Betriebswerken bezieht die Stadt einen Zuschuß von 265 000 Mark, und trotzdem dieses Defiz tl Es wurde von sozialdemokra- ttscher Seite verlangt, daß alle in der Aera Kühn belasteten Beamten und Angestellten rücksichtslos aus der Verwaltung entfernt würden. Sofern dies nach dem Spruch des Disziplinargerichts, das um Beschleunigung der Abwicklung des Falles Kühn gebeten wurde, möglich ist, durfte man zahlreiche Veränderungen bei der städtischen Verwaltung erleben. Aus Dem AmtsverfänSigungsblati. * Das Amtsoerkündigungsblatt Nr. 54 vom 5. August enthält folgendes. Gebührenordnung für die Dienstmänner in der Stadt Gießen. — Dienst- nachrichten. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr Satnslag nachmittag geschloffen Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäfts st eile zu richten Für unoerlangk eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. SJlXfpOTt Die Kußball-Gaison beginnt... Spielvereinigung 1900 empfängt Eintracht Siegen. Die Sommerspielpause ist vorbei. Die Fußball- mannschaften hatten Zeit, sich auszuruhen, sie hatten auch Zeit zu trainieren und ihr technisches Können zu verbessern, hoffentlich ist in dieser Hinsicht auch etwas geschehen. So, daß man hoffen darf, in der neuen Saison guten Fußball zu sehen. Die Sommerspiklpause gab gewissermaßen die moralische Pflicht auf, in friedlicher 'Arbeit, in wohldosiertem Training sich dem Zwang der Wettspiele zu entwöhnen und dabei doch zu gewinnen. Die kommenden Sonntage werden es zeigen. Die Liga der Spielvereinigung 19 0 0 hat sich für den morgigen Sonntag die Liga des Ballspielclubs „Eintracht" Siegen verpflichtet. Man hat damit sicherlich keinen schlechten Gegner vor der Klinge. Der Mannschaft ist die in dem dortigen Gebiet viel gepflegte halbhohe Spielweise, jenes schnelle, etwas auf die Ueberraschung abgestellte' Spiel zu eigen, das die 1900er sehr leicht in Verlegenheit bringen könnte. Jedenfalls steht durchaus nicht fest, daß die Blauweißen gewinnen. Man sollte jedoch erwarten, daß sie sich als technisch überlegen erweisen, in der Kombination einiges voraus haben, durchdachter spielen und dem Gegner mit einer ideenreichen Spielanlage entgegentreten. Die Ehancen auf Sieg sind gleichverteilt. Für die Blauweißen heißt es, auf der Hut sein. Das Publikum nicht zu enttäuschen, muß sich die Mannschaft bei diesem ersten Wettkampf nach der Pause sehr angelegen sein lassen. Die Mannschaft tritt in folgender Aufstellung an: Schlarb II Luft Zeiler Giltsch Langsdorf Schmidt Jäckel Arnold Lippert Göbel Heilmann Das Spiel beginnt sehr zeitig. Und zwar bereits 14.15 Uhr. Aus Anlaß des 32. Stiftungsfestes fin- des iin Anschluß an das Fußballspiel ein Som- nierfest in der „Liebigshöhe" statt. Für allerlei Unterhaltung ist gesorgt. Auf die gestrige Anzeige sei besonders hingewiesen. Die übrigen Mannschaften — mit Ausnahme der 1. Jugend, die noch ein rückständiges Freundschaftsspiel auf eigenem Platze gegen die 1. Jugend von Weilburg austrägt — sind spielfrei. .. undBfS.-Liga fährtnach Zronhausen Las erste Spiel sieht die Grün-Weißen auf fremdem Platze, auf dem Spielfeld .eines Gegners, gegen den die DfDer bisher stets gewinnen konnten, wenn auch die Ergebnisse meist nur sehr knapp ausfielen. Für die VfBer bedeutet das aber keine Garantie, daß sie auch dies Spiel gewinnen werden. Daß weiß ein jeder Spieler selbst sehr gut. Der Ausgang eines Kampfes hängt von allzuvielen Dingen, ob genug von ganz kleinen boshaften oder liebenswürdigen Zufälligkeiten ab. Die Ueberraschung lauert immer irgendwie im Hintergrund. Wenn die VfBer ober mit einem Sieg nach Hause kommen würden, so würde das zum Beginn der Saison einen sehr guten Eindruck machen. Darüber hinaus ist das Spiel bedeutungsvoll, weil der Gastgeber des morgigen Sonntags voraussichtlich Berbandsspielgegner bei den kommenden Punktkämpfen fein wird. Die VfBer werden auf eine eifrige Mannschaft stoßen, deren technisches Können zwar nicht an das der Grün-Weißen heranreichen wird, die ober dagegen viel Energie und Ausdauer einzusehen hat. Für die DsDer — die Mannschaft, die ehemals in der Dezirksliga spielte — bedeuten die nächsten Spiele gegen die Mannschaften der 1. Dezirks- klasse Prestige-Kämpfe. — Die Ligareserve und die 3. Mannschaft empfangen auf dem Waldsport- plah die erste und zweite Mannschaft der Spielvereinigung Leihgestern. Beide Begegnungen sind noch Privatspiele. Die DfBer treten verstärkt an. Die 1. Jugend trifft auf eigenem Platz die 1. Jugend von Herrmannstein (bei Wetzlar), die erste Schülermannschaft spielt in Daubringen gegen die 1. Schüler des Gastgebers. Die beiden Vereine werden während der nächsten Sonntage noch verschiedene Freundschaftsspiele austragcn. Die Derbandsspiele können vorläufig noch nicht beginnen, da man sich noch nicht ganz einig ist über die Einteilung und Zusammenstellung der Vereine zu Gruppen. Cs gibt ver. schiebens Widerstände zu überwinden. Vorläufig ist man am grünen Tisch noch am Verhandeln. Die Vereine streben dringend an, mit solchen Gegnern in Gruppen zusammenzuspielen, die räumlich nicht allzuweit entfernt liegen, damit die Reise-Tlnkosten nicht so sehr hoch werden. Der Bezirksvorstand aber hat das Wort! Olympia 1932. Neue Enttäuschungen für Deutschland. — Aber auch Lichtblicke. Der sechste Tag der Olympischen Spiele in Los Angeles hatte ein umfangreiches Programm. Es gab wieder ausgezeichnete Leistungen und auch einige Ueberraschungen. Leider waren diese, soweit sie sich auf die deutsche Mannschaft bezogen, von wenig erfreulicher Natur. Zu den bisherigen Enttäuschungen gesellten sich zwei neue: auch Helene Mayer und Adolf M e tz n e r hoben versagt. Beide waren indisponiert. Helene M a y e r konnte, nachdem sie vor zwei Tagen die Vorrunde ohne Niederlage überstanden hatte, in der Entscheidung nach drei Niederlagen gegen die Engländerin Adams, die Wienerin Preiß und die Ungarin Bogen (je 4:5) nur Vierte werden. Der Sieg fiel an Frl. Preiß (Oesterreich) vor Erna Bogen (Ungarn) und Miß Guineß (England). Dagegen hielt sich Erwin E a s m i r in der Vorentscheidung des Florettfechtens der Herren ganz hervorragend. Mit 9:1 Siegen kam er in die Endrunde, wo er gute 'Aussichten auf einen der vorderen Plätze hat. Adolf Metzner, der sich in der Vorwoche einen Knochenriß zugezogen hatte und sogar einige Tage im Streckverband liegen mußte, war ebenso wie Helene Mayer vollkommen außer Form. Er gewann zwar seinen Vorlauf, mußte aber schon im Zwischenlauf ausscheiden. Nachdem Nehb-Ra- statt bereits im Vorlauf ausgefallen war, kam nur 'Altmeister Büchner in die 400-Meter-Vorent- scheidung. Sehr tapfer hielt sich der Leipziger -Speerwerfer Weimann, der das Speerwerfen mit einer neuen olympischen Bestleistung von 68,18 Meter eröffnete, später jedoch gegen die finnische Werfergarde ins Hintertreffen geriet. Er rettete jedoch noch einen guten vierten Platz. Das Ergebnis des Speerwerfens war: 1. Matti I Jaervinen-Finnland 72,71 Meter; 2. Sippilä-Finn- | land 69,80 Meter; 3. Penttilä-Finnland 68,70 Meter; 4. Weimann-Deutschland 68,15 Meter; 5. Bart- lett-USA. 64,60 Meter; 6. Ehurchill-USA. 63,24 Meter. Das 8 0 - M e t e r - h ü r d e n l a u f e n der Frauen wurde von Babe D i d r i ck f o n - USA. in der neuen Weltrekordzeit von 11,7 Sekunden vor Hall-USA. und Clark-Kanada gewonnen. Mit einer neuen Weltrekordleistung endete auch der Dreisprung, hier lautete das Ergebnis wie folgt: 1. N a m b u - Japan 15,78 Meter (Weltrekord!; 2. Svenffon-Schweden 15,32 Meter; 3. Ofhima-Japan 15,12 Meter. Ein hervorragendes Rennen mif einem hinreißenden Finish brachte die 1500-Meter-Ent- scheidung. Sieger blieb der Italiener Beccali in 3:51,2 Min. vor (Kornes - England, Edwards - Kanada, Cunningham-USA., Ny-Schweden und hallowell- USA. Die Finnen Larva, Purje und Luomanen versagten vollkommen. Die Söhne Suomis sind in Los Angeles fast ebenso vom Pech verfolgt wie die Deutschen. Am Vormittag wurde das olympische Straßenrennen über 100 Kilometer ausgetragen, hier endeten drei Italiener, nämlich Pavesi, Segato und Olmo in Front. Italien gewann auch den Mannschaftskampf. Die für Deutschland startenden Deutschamerikaner zeigten, daß sie keine Rennpraxis haben, sie endeten im Mittelfeld der 36 Teilnehmer. Das erste Spiel des olympischen Hockeyturniers wurde erwartungsgemäß von Indien gegen Japan ganz überlegen mit 11:1 (4:0) gewonnen. Beim Modernen Fünfkampf haben unsere Teilnehmer nach der dritten Hebung, dem Pistolenschießen, ihre Position bereits roefenf- lich verbessern können. Sie nehmen nun folgende Plätze ein: 6. Miersch, 7. Remer, 18. Raubs. — Das Wetter war am Donnerstag weiterhin sehr schön. Alle Veranstaltungen hatten auch wieder einen sehr starken Besuch. Gießener Flughafen im Monat Luli. Im vergangenen Monat wurden aüf dem Flugplatz Gießen ausgeführt: 26 Verkehrsflüge, 40 Ueberland- flüge, 51 Schulflüge, 98 Uedungsflüge, 13 Platzflüge, 18 Rundflüge, 14 Probeflüge, 7 Werbeflüge, 3 Photoflüge und 20 Prüfungsflüge; insgesamt ergaben sich 290 Flüge. Die auf dem Flugplatz Gießen ansässige Süd« we st deutsche Sportflieger - Verein i. gung veranstaltete wohlgelungene F l u g t a g e in Freising (Bayern), Hof (Bayern), Arnheim (Holland), Hermeskeil, Bergen (Holland), Freiburg i. Br. und in Mierlo (Holland). — Vier Prüfungen wurden für den Zwischenschein A2 und eine Prüfung für den Flugzeugführerschein A2 abgelegt. — Der nächste Sprechabend findet am Mittwoch, 10. August, 20.30 Uhr, in dem Flughafengebäude statt. Wirtschaft. Oie Einreichung von Oevisenanträgen. Berlin, 5. Aug. Wie von amtlicher Stelle mitgeteilt wird, liegt es bei der Einreichung von Devisenanträgen im Interesse der Antragsteller und einer möglichst beschleunigten Erledigung der Gesuche, alle Anträge lediglich an die zuständige Devisenbewirtschaftungsstelle zu richten. Es hat keinen Zweck, Devisenanträge an das Reichswirt- schaftsministerium selbst zu richten und persönlich vorzutragen oder hier Auskünfte in Devisenfragen einzuholen und Beschwerden vorzubringen. Des weiteren wird darauf hingewiesen, daß die Benutzung fremder Pässe zur Devisenbeschaffung, z. D. die Reisepässe nahestehender Personen, verboten ist. Wochenbericht vom frankfurter Effektenmarkt. Die Schwächemotive, die bereits in der vorhergehenden Woche am Effektenmarkt starke Zurückhaltung ausgelöst hatten, kamen im abgelaufenen Berichtsabschnitt in immer wachsendem Maße zum Durchbruch. Die Unsicherheit des Wahlausganges lähmte die Unternehmungslust der Spekulation vollkommen, um so mehr als auch das Publikum der Börse weiterhin fernblieb, wobei naturgemäß die innerpolitische Situation für das Desinteressement der Bankkundschaft in erster Linie maßgebend war. Gegen Schluß der Vorwoche setzte sich dann eine zuversichtlichere Auffassung gegenüber den Wahlen durch. Die Kulisse schritt zu größeren Deckungen und Meinungskäufen, so daß neben zum Teil erheblichen Kurssteigerungen auch eine bemerkenswerte Belebung des Geschäftsganges zu verzeichnen war. Jedenfalls schloß die Börse vor der Wahl recht zuversichtlich und fest. Die neue Woche eröffnete die Börse zunächst bei sehr geringem Geschäft etwas schwächer. Das Ergebnis der Reichstagswahl wurde ruhig ausgenommen. Indessen machte sich aber im Hinblick auf die weitere Entwicklung der innerpolitischen Situation eine gewisse Unsicherheit geltend, was sich besonders im Ausbleiben von Kauforders des Publikums bemerkbar machte. Die Spekulation zog es daher vor, die im Laufe der letzten Woche getätigten Vorkäufe wieder glattzustellen, so daß die erzielten Gewinne der Vorwoche meist verloren gingen. Vorübergehend trat eine leichte Erholung ein. Der weitere Verlauf stand dann wieder im Zeichen stärkster Geschäftslosigkeit. Eine starke Verstimmung ging von den Terrorakten aus. Man übte daher wieder allgemein Zurückhallung. Am letzten Tage des Berichtsabschnitts kam bann wieder eine starke Befestigung zum Durchbruch, wobei die feste Haltung Wallstreets und der bevorstehende Abschluß der internationalen Stickstoffoerhandlungen etwas anregten, so daß gegenüber der Vorwoche Kursbesserungen von 1 bis 2 d. h. überwogen. Die Frankfurter Werte, wie Holzmann, Lahmeyer und Metallgesellschaft, gewannen je 6 bzw. 4 v. h. Am Rentenmarlt stand die Aufwärtsbewegung der Altbesihanleihe, die 3 Prozent anzog, im Vordergrund des Interesses, ebenso Kom- munal-Obligationen, die Gewinne bis zu 4 Prozent aufwiesen. Die Reubesitzanleihe war unter Schwankungen gut behauptet, desgleichen Liquidationspfandbriefe und die Mehrzahl der Staatsund Länder-Anleihen. Goldpfandbriefe zeigten Erhöhungen von etwa 1 Prozent, auch Reichsschuldbuchforderungen setzten ihre Aufwärtsbewegung mit plus 2 bis 3 Prozent fort. Industrie- Obligationen und Stadt-Anleihen lagen nur wenig verändert, jedoch nicht schwächer. Der Auslandsrentenmarkt lag recht still. Türkenanleihen konnten sich weiter erhöhen, dagegen gingen Schweizerische Bundesbahn-Obligationen und einige schweizerische Stadtanleihen erheblich im Kurse zurück. Wochenbericht vom frankfurter Schlachtviehmarkt. Unter dem Zeichen weiter verringerter Auftriebe war die Preisentwicklung weiterhin nach oben gerichtet, die auch während der ganzen Woche anhielt. Vor allem die fortschreitende Besserung am Schweinemarkt, war hierbei das Hauptmoment. Das Geschäft war auf allen Märkten etwas lebhafter, so daß keine Ueberftänbe verblieben. Am Rinbermarkt blieben bie Preise nach ruhigem bis mittelmäßigem hanbel gut behauptet, nur Färsen waren besser beachtet unb 1 bis 2 Mark höher. Ochsen al) 31 bis 35, a2) 27 bis 30, bl) 24 bis 26. Bullen a) 27 bis 30, b) 22 bis 26. Kühe a) 25 bis 28, b) 20 bis 24, c) 14 bis 19. Der Auftrieb von 1373 (minus 257) Stück wurde ausoerkauft. Am Kälbermarkt waren 1466 (minus 133) Tiere aufgetrieben' bie bei mittelmäßigem Geschäft ausoerkauft würben. Die Preise zogen um 1 bis 2 Mark. Kälber b) 38 bis 41, c) 32 bis 37, d) 26 bis 31. Schafe würben bei einem Auftrieb von 168 (minus 11) Stück zu unoeränberten Preijen zwar nur ruhig bis mittelmäßig umgesetzt, jeboch ausverkauft. Schafe al) 26 bis 30, b) 20 bis 25. Am Schweinemarkt setzte sich bei lebhaftem Geschäftsgang eine erhebliche Besserung ber Preise burch, die bei Gattungen von 160 bis zu 300 Pfund zirka 7 Mark und für fleischige Schweine von 120 bis 160 Pfund sogar 10 Mark betrug. Neben der schon lange erwarteten saisonmäßigen Befestigung war vor allem die weitere Verringerung der Beschickung maßgebend, der eine allgemeine bessere Nachfrage gegenüberstand. Der Austrieb von 4612 (gegen 4875) Stück wurde glatt geräumt. Schweine b) 53 bis 55, c) 52 bis 55, d) 50 bis 54, ») 48 bis 52, f) unb g) gestrichen. * Rekonstruktion der schwedischen Zündholzgesellschaft. Auf Veranlassung der Leitung der schwedischen Zündholzgesellschaft werden, einer Blättermeldungg zufolge, eine Anzahl an ber Zünbholzgesellschaft unb der International Match Corp. interessierte Fachleute aus England, Amerika unb wahrscheinlich auch aus Frankreich Mitte August in Stockholm eintreffen, um mit ber Leitung her schwcbischen Zünbholzgesellschaften unb bem sog. Kreugerkomitee über eine etwaige Rekonstruktion ber Gesellschaft zu verhanbeln. Der genaue Zeitpunkt ber Konferenz steht noch nicht fest. * Reue Wechfelsteuermarken. Von der Industrie- und Handelskammer Gießen wird uns folgendes geschrieben: Rach der Verordnung über die Zurückziehung von Wechselsteuermarken vom 21. Juli 1932 dürfen die im § 6 der Ausführungs-Bestimmungen zum Wechselsteuergesetz vom 20. 11. 1930 bezeichneten Wechselsteuermarken vom 1. September 1932 ab nicht mehr zur Entrichtung der Wechse^lsteuer verwendet werden. Soweit diese Marken ungebraucht und am 1. September 1932 noch in den Händen von Steuerpflichtigen oder sonst im Verkehr sind, wird Ersah geleistet, wenn dies spätestens bis zum 28. Februar 1933 bei dem Finanzamt Gießen unter Einreichung der Steuermarken beantragt wird. Rach dem 28. Februar 1933 eingehende Anträge sind von der Berücksichtigung ausgeschlossen. frankfurter Abendbörse. Frankfurt a. M., 5. August. Die Haussebewegung zu Beginn ber heutigen Neuyorker Börse blieb auf den Abenbbörsenverkehr fast ohne Einfluß. Die befestigten Mittagskurse blieben zwar gut behauptet, teilweise traten auch Erhöhungen um Bruchteile eines Prozentes ein, boch hielt sich bie Umsatztätigkeit in benfbar engsten Grenzen. Nach wie vor verwies man auf bie mangelhafte Publikumsbeteiligung sowie auf bie unsichere innenpolitische Lage. Im Verlaufe blieb bas Geschäft außerordentlich still unb bie Kurse bröckelten vereinzelt mieber etwas ab. IG. Farben gingen von 89,25 auf 88,90 v. H. zurück. Ain Rentenmarkt war es sehr still. Einzelne ©ol'bpfanbbriefe waren leicht erhöht, während anbererseits Liquibationspfanbbriefe noch etwas zurückgingen. Von deutschen Anleihen zogen Reichsaltbesitz um Bruchteile eines Prozentes an. Altbesitz 49,40. Neubesitz 5,90, Schutzgebietsanleihe 3,25, 6proz. Franks. Hyp. Bank Gold Reihe XIII bis XV 70, Reichsbank 126,40, Phönix 16,65. Kurszettel der Berliner und Frankfutter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben bie Höhe ber zuletzt beschlossenen Divibende an. — Reichsbankdiskont 5 o. H, Lombardzinsfuß 6 v. H. Frankfurt o. 2)7. Berlin Schluß« lurs Schluß!. Abend« börse Schluß« lurs Schluß». Mittagbörse Dalum 4.8. 5.8 4.8. 5.8 6% Scundie Retchsanleihe D. 192. 62 63,65 62,5 63,25 6% ehem.7%Dt.Reichsanl.v.l9L9 68,9 67,25 69.5 68 6>/L% Doung-Anleihe von 1930 . 60 60 60.75 60,75 Deutsche Anl.-Ablöj^Schuld mH Auslos.-Rechten...... 48,9 49,4 48,4 49,4 Desgl. ohne Auslof.-Rechte . . 5,9 5,9 5.85 5,85 6% chem 8%.t>efi. Bolksstaat 1929 lruckzahtb. 102%)...... — .— 51 52 Oberhessen Provinz-Anleihe mit AuSlos.-Rechten...... 45,5 45,5 —- _ Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1...... 45,4 — 45,13 45 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Banl Golopse. 15 unkündbar bis 1935 69,5 70 — — 6% ehem. 7% Franks. Hyp.-Banl Goldvfe 16 unkündbar bis 1936 _ 69 — _ 6’,;% ehem. 4!4% Frankf.Hyp^ Boni ütqu. Psandbriese . . . 79 78,5 — — b'/.% ehem. 4H% Rheinische Hvv.-Bank-Liqu.-Goldpse. . . 80,65 80 — — 6% ehern. 8% Pr. LandeSpsand. briefanftai1 Psandbriese R. 19 68,5 68,5 68 68 6% ehem. 7% Pr. Landespsand- briesanstali. Pfandbriefe R. 10 68,5 68,5 — — 4% Oesterretchische Goldrente . 10,4 10 10 10 4,20% Oesterretchische Silberrentc 1.05 1,05 1,05 1,2 4% Ungarische Goldrente .... 5,9 5,85 5,8 5,8 4% Ungarische StaatSrente v. 1910 6,5 6,25 6,13 6,4 4''r% deSgl. von 1913 . . . . 5% abzest. Goldmexilaner von 99 5,25 5,25 5,4 5,05 4% Türkische Zollanleihe von 1911 3,4 3,4 3,6 3,6 4% türkische Äagdadbahn-Anleihe Serie I . . . 3,35 3,7 3,65 4% deSgl. Serie 11...... 3,45 3,35 3,6 3,45 b%Rumän.vereinh. Rente b.1902 4,3 4,4 4'/2%RumSn.vereinh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente 3,9 8,05 4 8,05 3,9 8 3,95 2'/.% Anatolier...... 17 17,25 17,25 Frankfurt a.M. Berlin Schluß« lurs Schlußl. Abendbörse Schluß« lurs Schlußl. Mittag« börse Datum 4.8. 5 8 4.8. 5.8. yamvurg-Amerna Pare. . . u 13 13,4 13 12.4 Hamburg-Südam. Dampsschiss . 1) 27.5 Hansa Dampsschiss . . . ( — — — 17,75 Norddeutscher Lloyd .... . ( 14,4 13,4 14,25 14,4 A.G. sür Verkehrswesen Akt. . 0 31 30 31 33 Berliner Handelsgesellschaft . 4 89,5 89,5 89,5 89,5 Commerz- unb Privat-Banl . 0 16 16 53,5 53,5 Darmstädter und Nationalban 0 18.5 18,5 Deutsche Bank und __ Disronto-Gejellschast. . . 0 75 75 75 75 Dresdner Bank...... 0 18,25 18,5 61,75 61,75 ReichSbank........ 1! 126 126,4 126 127 A.E.G.. ......... . 0 28,5 28,5 28,75 28,5 Bergmann........ . c — — 20,75 21 Eleltr. LieserungLgesellschaft. 5 59 60 60 60.5 Licht und Straft...... 6 72 71,5 71 72.25 Felten & Guilleaume.... Gesellschasl für Elektrische 0 41,75 41,5 41,5 41,5 Ünlernehmungen .... Rheinische Elektrizität . . . 4 61 61 60,75 60,75 bB — 65,75 65 66 Schlickert & (So....... 0 64,5 65 64,25 65 Siemens & Halske..... 9 122,5 123,5 122,5 123,75 Lahmeyer & (So....... 10 88 88,5 88 88 Buderus......... 4 29 _ 28,65 28,25 72 Deutsche Erdöl...... . 5 71 71,75 71,13 Gelsenkirchener...... . 8 34,25 36,5 34 36,75 Harpener......... 0 50,5 52,25 50,65 52 Hoejch Eisen........ 6 25,4 26,65 Ilse Bergbau....... 10 — — 130 Ilse Bergbau Genüsse . . . 96,5 — 95 95 lUOdnetiDerte....... . 6 22 23 24,25 235 Wannesmann-Rohren . . . . 6 39.5 38.9 40 WanSselder Bergbau .... . 0 _ 12 13 12 Oberschlei. Kokswerke . . . . S _ 31.5 31,5 Phönix Bergbau...... l'A 15 16,65 14,9 16,65 Rheinische Braunkohlen. . . Rheinstahl ........ 10 . 6 168 50 168 50 167.5 50 167,5 50,25 Frankfurt a. M. Berlin Schlußkurs Schlußl. Abend« börse Schluß« kurs Schlußl. Mittagbörse Datum 4 8. 5.8 4.8. 5.8. Rtebecl Montan...... 7,1 — — — — Bereinigte Stahlwerke . . . . 0 12 13,65 12,4 13,4 Otavi Minen....... 0 13,75 14 13.25 14 Kaliwerke Aschersleben . , . 6 93,25 95 94,25 94,75 Kaliwerke Westeregeln . . . 6 104 104 103 104,5 Kaliwerke Salzdetfurth . . . 9 162 162 162,25 162,5 I. G. Farben-Jndustrie . . . 7 89 89,13 88,65 88,75 Scheideanstalt..... . . 10 138,5 139 — — Goldschmidt........ . 0 17 17 16,65 17 Rütgerswerke....... . 0 33,25 33,5 33,5 33,5 Metallgesellschast...... . u 27,75 28,75 28 28,75 Philipp Holzmann..... Zementwerk Heidelberg. . . . 0 39 38,5 39 38,75 . 4 37 38,75 — — Zementwerk Karlstadt. . . . . 0 31 31,75 —— — Wayß & Freytag..... . 0 4 4 — 4,25 Schultheis Potzenhofer . . . Aku (Allgemeine Kunstseide) 0 0 39.5 39,25 56,5 39 56,75 39 Bemberg......... 0 32 33,35 33 33 Zellstoff Waldhos..... 0 27,5 29 27,75 27 Zellstoff Aschaffenburg . . . c 17 18 16,75 17,5 Desfauer GaS....... . 7 — —» 85,75 85,5 Daimler Motoren..... . 0 13,5 15 13,13. 14,75 Deutsche Linoleum .... . 0 33 32,5 32 32,25 Orenstetn & Koppel .... . 0 — 25,5 24,9 Leonhard Tietz...... . 6 44,4 44,5 44,75 44,25 Svenska....... . 0 — —— — Ehade.......... 12 — 167 167,5 166,5 Frankfurter Maschinen . . . . 0 -__ _ Gritzner....... . 0 17,5 17,5 17,25 Mainkrastwerke Höchst a. M.. . 4 47,5 47,5 Süddeutscher Zucker . . . . ► 8 106 106 105,5 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 4. August 5 August Amtliche Notierung Amtliche Notierung (»elh Brief Geld Brief Helsingfor» 6,344 6.356 6.324 6,336 Men. . . . 51,95 52.05 51,95 52,05 Prag . . . 12.465 12,485 12.465 12,485 Budapest. — — Sofia . . 3,057 3.063 3,057 3.063 Holland . 169.63 169.97 169,58 169,92 Oslo. . . Kopenhagen 73,78 73.93 73,33 73.47 79,22 79.38 78,77 78,93 Stockholm 75,62 75,78 75,22 75,38 London. . Buenos Aire 14.75 14,79 14,65 14.69 0,908 0,912 0,898 0,902 Neuyvrl . . 4,209 4,217 4.209 4,217 Brüssel. . . 58,35 58,47 58,32 58.44 Italien. . 21,46 21,50 21,48 21,52 Paris . . 16,48 16,52 16,48 16.52 Schweiz . 81.89 82,05 81,85 82.01 Spanien . 33,97 34,03 34,08 34,13 Danzig. . 81.97 82,13 81,92 82.08 Japan . . 1,149 1,151 1.119 1,121 Rio de Jan. 0,325 0,327 0,325 9,327 Jugoslawien Lissabon . 6,693 6,707 6,693 6,707 13,49 13,51 13,39 13,41 Banknoten. Berlin, 5. August Geld BdT? Amerikanische Noten ....... 4,20 4,22 Belgische Noten......... 58,16 58,40 78,91 Dänische Noten......... 78,59 Englische Noten......... 14,61 14,67 Französische Noten........ 16,44 16,50 Holländische Noten........ 169,21 169,89 Italienische Noten....... 21,44 21,52 Norwegische Noten........ 73,15 73,45 Deutsch-Oesterretch, 4 1OO Schilling Rumänische Noten........ 2,49 2,51 Schwedische Noten........ Schweizer Noten......... 75,05 81,67 75,35 81,99 Spanische Noten......... 33,93 34,07 Ungarische Noten ........