Si"* -bei dos 8 °m "ärkteneL 'Verblieben dreije noch 7nö,3 b-s2 Morl V6'5 30, bl) 24 b'-26. Kühe, 191 Der Auftrieb ^"erkauft. W (minus 133) '°b'gem Tefchöf men um 1 Vs 32 b's 37, d) 26 Mtwb von 168 S w 90 Vley QteWv 20 bis 25. e.ld) bei lebhaftem Iferung der Preise W5 300 Pfund Schweine von 120 betrug. Neben der aP*9en Befesljgung rmgerung der $r. allgemeine bessere 21u|lricb von 4612 geräumt Schweine '0 bis 54, t) 48 bis f schwedischen Leranlassung der Msellschasl werden, ine Anzahl an der iternalional Match England, Amerika (reich Mille August it der Leitung >>er en und dem sag. »Rekonstrullivn der enaue Zeitpunkt der irmarken. Don mmer Tiehen wird ch der Dervrdnung Dechsclsteuermarken im § 6 der Aus- Dech/e/fteuergefetz fafyfctftcuennarten "H meljr zur Sri- ittoenbet toexteR- )t Md am\. bcp- avoaLleuervllich' ab, wird Ersah flc« S zum 28. Februar >nunler Einreichung wird. Aach dem Anträge sind von iloljen. ndbörse. raust- Sie en Neuyorker Börse kehr fast ahne ffm- ,fUrfe blieben zwar i auch Erhöhungen ein, doch hielt M engsten Grenzen uf die mangelhaite f die unsichere M' 1 blieb das ®el*a(l urje bröckelten wr- yarben gingen von es sehr Pi“- e£ leicht erhöht. nflfr nspfandbnese noch j;en Anleihen .’nes Prazentes ?"' Schuhgebietsan^he rf GatdNe'he Phönix lv,va. 3.057 'S ' saugui1 6,32» 5L95 12.465 SrW —■ Tys 52.05 12.485 3,083 - 'S ä 14.69 0,902 4.21 53.14 2i.-a 15.2 82 01 34.13 62.6'8 1,121 0,32t 6.70 U,M 78,77 75,22 |4,65 0,898 ,209 58-32 21.8 16.8 81-85 ^.08 81.92 1,119 ,325 6,693 13-39 56,16 78,59 14,61 16." 169-2 ftS 75-05 81,67 78,91 14.Z 16.50 169-8 S 2-51 !!: 34,07 ßr. 183 (Erftes Blatt 182. Jahrgang Samstag, 6. August 1932 * (Er| djetnt täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Schalle monats:Be$ngsprei$: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne IlluftrieNe , 1.80 Zustellgebühr .. . - 25 Auch bei Nichterscheinen van einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. 8ernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siesten. Postscheckkonto: firanffurt am Blain 11686. GiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'sche Univer^llttr-Vuch und Zleindruckerei R. Lange in Siesten. Schristleitung und Geschäftsstelle: Zchulltraste 7. Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer dir zum Nachmittag vorher. Preis für | mm hohe für Anzeigen van 27 mm Breite örtlich 8, auswärt» 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20", mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantworilich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Oer Burgfriede. Die Reichsregierung hat zur Beruhigung der burdj den Wahlkampf und seine unerfreulichen Begleiterscheinungen über Gebühr erhitzten Gemüter einen zehntägigen Burgfrieden verordnet. Man hoffte damit die schon aus natürlichen Gründen erwartete innerpolitische Entspannung beschleunigen und vertiefen zu können und zugleich eine Atmosphäre zu schassen, in der nach Zusammentritt des neuen Reichstags eine Annäherung der für eine gemeinsame Arbeit in Betracht kommenden Parteien zu Wege gebracht werden könne. Aber leider hat sich schon in den ersten Tagen dieses sog. Burgfriedens herausgestellt, daß das Rezept, das das Reichskabinett den überreizten Nerven des deutschen Volkes verschrieben hat, zu schwach do- fiert war und daß die energische Hand des umsichtigen Arztes zu weit schärferen Medikamenten greifen mutz, wenn rechtzeitig einer sich gefährlich ausbreitenden Terrorseuchc Einhalt geboten werden soll. Zusammenhänge und Hintergründe der beschämenden Vorgänge, die sich kurz nach der Reichs- tagswahl hauptsächlich in Ostpreußen, aber auch an anderen Orten des Reiches abgespielt haben, licaen im Augenblick für die Defsentlichkeit noch nicht klar zu Tage. Das Ergebnis der polizeilichen Ermittelungen ist vorerst nur in wenigen Fällen und auch da nur dürftig und lückenhaft mitgeteilt worden, in anderen Fällen ist die Untersuchung noch nicht abgeschlossen. Aber cs hat leider den Anschein, als ob die zahlreichen schweren Delikte dieser letzten Tage nicht alle, wie man hätte annehmen sollen, aus das Konto der Kommunisten gehen, es scheint sich vielmehr zu bestätigen, daß diesmal daran auch Elemente der radikalen Rechten beteiligt sind. Die kommunistischen Bluttaten, denen in den letzten Monaten eine große Zahl junger SA.-Männer zum Opfer gefallen sind, haben in nationalsozialistischen fireifen begreiflicherweise eine starke Erregung und gerechte Empörung ausgelöst. Man versteht auch, daß sich der entschiedene Wille durchbricht, zur Abwehr der kommunistischen Mord'-etze die eigenen Kräfte einzusetzen, wenn es den zu allein berufenen staatlichen Organen nicht gelingen sollte, Leben und Eigentum ordnungsliebender Staatsbürger zu schützen. Aber die Grenzen gerechtsertigec Abwehr in allen Fällen strikt innezuhalten, ist in einer mit Zündstoff geladenen, aufs äußerste gespannten und ner» nöfen Atmosphäre doppelt schwer, und es ist begreiflich, daß auch bei den Nationalsozialisten nicht alle jungen Leute, die heute in ihren Reihen stehen, jederzeit fest in der Hand der Führer bleiben und sich zu Methoden des politischen Kampfes hinreißen lassen, die die Führung nicht verantworten kann und will, schon weil durch solche Vorgänge, wie sie sich in Königsberg und an anderen Orten abgespielt haben, der gegnerischen Agitation Wasser auf ihre Mühlen geleitet wird und s:e eigene, auf lieber« nähme der Verantwortung im Staate abzielende Politik durchkreuzt wird. Aber die Linke, die die Vorfälle der letzten Tage, die weder zu billigen sind noch beschönigt werden sollen, propagandistisch auszuschlachten trachtet, solle doch nicht so schnell vergessen, daß wie man in den Wald hineinruft, cs auch wieder herausschallt. Die Anhänger der nationalsozialistischen Bewegung haben namentlich in Preußen unter der Alleinherrschaft Brauns und Severings mehr als ein Jahrzehnt hindurch für ihr politisches Glaubensbekenntnis unerhörte Opfer und Leiden auf sich nehmen müssen, sie sind oft durch Schikanen und Ausnahmebestimmungen bis aufs Blut gereizt worden, was man sich in diesem ersten Jahrzehnt der jungen deutschen Republik an politischer Unduldsamkeit, an unkluger und überheblicher Bevormundung gegenüber politisch Andersgläubigen geleistet hat, kann nicht von heute auf morgen vergessen werden, wie es offenbar diejenigen erwarten, die damals gerade die lautesten Nufer im Streite waren. Sa sind die psychologischen Hintergründe für die Ereignisse der letzten Tage nicht so schwer zu begreifen, wenn sie sie auch nicht entschuldigen können. Denn nachdem sowohl im Seid) wie in Preußen gegenüber der national- sozialistischen Bewegung ein neuer Kurs einge- Ichlagen ist, dessen Träger jede verletzende Sonder- Heilung des Nationalsozialismus ablehnen, vielmehr ihn zur Teilnahme an der Verantwortung für die Staatsgeschäfte heranzuziehen bestrebt sind, erwächst den nationalsozialistischen Führern in noch höherem Matze als vorher die Pflicht, ihre Anhänger in schärfster Disziplin zu halten und Elemente, die entgegen den Anordnungen Hitlers sich zur Anwendung illegaler Kampsmethoben verleiten lassen, rücksichtÄlos auszumerzen. Eine solche klare Haltung und rigorose Reinigung der Partei hat allerdings zur selbstverständlichen Voraussetzung, daß auch die Staatsgewalt ihre Pflicht tut und mit äußerster Energie alles baran setzt, um die gefährlich bedrohte öffentliche Sicherheit wiederherzustellen. Es kann unmöglich Damit getan sein, einen Burgfrieden zu verkünden, Denn man nicht fest entschlossen ist, ihm unbedingt inb überall Geltung zu verschaffen. Es kann unmöglich bei der berühmten „letzten Warnung" des bevollmächtigten preußischen Innenministers Dr. 8 rächt bleiben, wenn sich trotzdem täglich Bom- "enattentate, Schießereien und Ausschreitungen wiederholen. Von allen Seiten kommt der Ruf der politischen Organisationen nach Selbsthilfe und Be- -oaffnung ihrer Anhänger, ein bedenkliches Zeichen, avie nahe wir schon mit einem Fuße an der Schwelle les Bürgerkrieges stehen, wenn nicht endlich die Gtaatsgeroalt, die über ausreichende Machtmittel werfügt, alle Rücksicht fallen läßt und ohne Ansehen 2er Partei mit äußerster Strenge das öffentliche leben von den (Elementen säubert, die nicht gewillt fmd, auf die Anwendung blutigen Terrors im politischen Kamps zu verzichten. Es kann unmöglich aeiter bet Warnungen ober der Androhung von Llm Wahlrechtsreform und Oberhaus. Welche verfaffungsrechtlichen Reformen plant das Reichskabinett zunächst? Don unserer Berliner Redaktion. Deutschland steht, welches Gesicht die kommende Regierung auch tragen möge, vor einer grundlegenden Reform feines gesamten Verfassungs» baues. Die von der Reichsregierung über die kommissarisch eingesetzte Preuhenregierung vorgenommene Derwaltungsreform hat nur dann einen Sinn, wenn sie nicht nur zu einem Umbau der Verwaltungsbehörden, sondern zu einer Erneuerung der Derf af sungsf ormen selber führt. Der Reichskanzler von Popen hat in einem Gespräch mit einem amerikanischen Journalisten zwei Kernprobleme der Derfassungserneu- erung herausgestellt. Einmal sprach er davon, daß, bestünde das Dorkriegs Wahlrecht noch, er sich kurz entschlossen in seinem westfälischen Wahlkreis als Zentrumsmann hätte aufstellen lassen, und daß er sicher fei, von den Wählern seiner Heimat auch gewählt worden zu sein. Zum anderen hat der Reichskanzler den Ausbau einer Zweiten Kammer, gewissermaßen eines „Oberhauses", angekündigt. Wahlrechtsreform und Oberhaus, das werden also neben den anderen Plänen der Reichsregierung zwei Hauptziele der kommenden verfassungsrechtlichen Reugestaltung des Reiches fein. Die Forderungen selbst sind nicht neu. Vertreter aller Parteien haben sie bisher schon erhoben, und es sind in jüngster Zeit besonders die Verfechter einer gemäßigten Demokratie gewesen, die in der Verwirklichung eines neuen Wahlrechts und einer zweiten Kammer das letzte und stärkste Bollwerk gegen die Parteidiktatur erkannt haben. Die Herauftunst der Massenparteien hat, so begrüßenswert es an sich auch ist, daß der umständliche Parteiapparat und die Zahl der Parteien eingeschränkt wurde, die Macht der freien und unabhängigen politischen Persönlichkeit gebrochen. Die im allgemeinen von einer kleinen Gruppe einflußreicher Parteibeamten aufgestellten Kandidatenlisten nehmen auf die Wllnscl ;e und Forderungen der Wähler ebenso wenig Rücksicht, wie sie es ermöglichen, daß ein Mann, der nicht bedingungslos „linientreu" ist, in den Reichstag gelangt. Dos Listenwahlsystem sollte jeder Wählerstimme ein gleiches und volles Recht verbürgen. In Wahrheit aber hat dieses System die Einzelstimme entwertet und die P arte i m a s ch i n e ausschlaggebend gemacht. Die meisten Wähler wissen nicht einmal den Namen ihrer Gewählten. Sie entfdjeiben sich für Parteien, und wo sie überhaupt um die politischen Zusammenhänge wissen, für Weltanschauungen. Gerade bei der Vertretung von Ideen aber kommt es darauf an, durch welche Persönlichkeit diese Idee in politische Wirklichkeit umgesetzt wird. Nur wenn es möglich ist, daß sich ein Führer ohne Rücksichtnahme auf Parteidogmen und Parteimaschine in persönlichem Appell seine Wählerschaft bildet, werden anstelle der parteihörigen Funktionäre freie und selbständige Persönlichkeiten in den Reichstag einziehen. lieber die Formen, unter denen sich die Abkehr von der einseitigen Listenwahl vollziehen soll, hat die Regierung sich noch nicht geäußert. Es muß versucht werden, die Wahl eines Einzelkan- didoten mit dem Sy ft em der Verhältniswahl zu verbinden. Gleichzeitig wird es notwendig sein, die Mitgliederzahl des Reichstags erheblich herabzusetzen. Bei fünf oder sechs großen Parteien leisten 3—400 Abgeordnete, zumal wenn sie sorgfältig ausgewählt sind, das gleiche ober mehr als 6—700, von denen die meisten es sich nie hätten träumen lassen, deutsche Reichstagsabgeorb- nete zu werben. Je kleiner ein Parlament ist, desto arbeitsfähiger dürfte es sich im allgemeinen erweisen. Als Bismarck die Derfassung des norddeutschen Bundes zur Reichsverfassung erweiterte, schuf er im Bundesrat das notwendige Kontrollorgan über den Reichstag. Die Weimarer Derfassung hat geglaubt, auf dem Wege über das Einkammersystem den Dolkswillen stärker zum Ausschlag bringen zu können, als durch eine Aufgabenverteilung der Staatskontrolle und Staatsführung auf zwei Kammern. Der R e i ch s r a t hat sich nur als ein schwacher Ersah für den da- maligen Bundesrat erwiesen. Ehe Brüning kam, bestand tatsächlich in Deutschland die absoluteste P a r l a m e n t s d i k t a t u r , die je ein Staat erlebt hat. Gerade diese Diktatur aber mutzte bei der Eigennützigkeit zu einer Selbstausschaltung des Reichstags führen. Frankreich. England und Amerika, alle drei Staaten einer parlamentarischen Demokratie, sind niemals so weit gegangen, einer Kammer allein die Geschicke des Landes anzuvertrauen. Der französische und amerikanische Senat verfügen nicht nur über ein Deto- recht gegenüber Kammer und Repräsentantenhaus, sie besitzen außerdem stärksten außenpolitischen Einfluß und ergänzen sich in kürzeren Zwischenräu- Der Arbeitsausschuß Oberhessen — Marburg des Hessischen Volksbundes sendet uns folgende Entschließung, die er in seiner testen Sitzung gefaßt hat: Das Oberlahn- und Dillgebiet, bestehend aus den Kreisen Marburg, Biedenkopf, Frankenberg, Kirchhain, Metzlar, Gießen und dem Dillkreis bildet wirtschaftlich und feiner Bevölkerung nach eine Einheit. 3m Mittelpunkt dieser Landschaft zwischen den Zentren Marburg, Dillenburg, Metzlar und Gießen läuft ein Gewirr von Landes-, Provinzial-, Bezirks- und Kreisgrenzen. Der Arbeitsausschuß Oberhessen—Marburg, der den kurhessischen Teil Oberhessens umfaßt, fordert daher, daß die nach Dolkstum und Wirtschaft zusammengehörige Landschaft des Oberlahn - undDillgebiets aus ihrer territorialen Zerrissenheit befreit wird. Insonderheit darf das kurhessische Oberhessen nicht irgendwelchen Kasseler Lokalwünschen zuliebe von der Gesamtlandschaft durch eine unnatürliche ® r e n j e abgetrennt bleiben. Das kurhessische Oberhessen liegt nicht im Weserstromgebiet, sondern in dem des Rheins. Es ist an dem volksstaatlichen Hessen, den nassauischen Rachbargebieten und Wetzlar mindestens ebenso stark interessiert wie an Riederhessen mit seiner Zentrale Kassel. Es muh daher jede Landesgrenze zwischen Frankfurt und Kassel ablehnen, weil diese Grenze immer Oberhessen durchschneiden men als die Parlamente selbst. England, ein so politisch durchgebildetes und maßvolles Dvlk, konnte es sich erlauben, die Befugnisse des Oberhauses zu vermindern, ohne aber damit auf die Instanz des Oberhauses selbst zu verzichten. Auch in Deutschland hätten die Parteien von der Schaffung einer zweiten Kammer nur Gewinn zu ziehen. Den Schöpfern der Weimarer Verfassung mag im Reichswirtschastsrat eine zweite Kammer vorgeschwebt haben. Alle Ansätze, den Reichs- wirtschaftsrat auszubauen, aber sind in den letzten zwölf Jahren unter den Tisch gefallen. Reichsrat und Reichswirtschaftsrat aber sind Ansätze, aus denen eine entschlossene Staatsführung sowohl eine Vertretung der Länder machen kann, wie sie der alte Bundesrat Bismarcks dar- stellte, als auch die llebertragung ftänbifd)- korporativer Verfassungsprinzipien, wie sie der Faschismus verwirklicht hat, herzuleiten vermag. Auf jeden Fall aber braucht das Deutsche Reich neben der autoritären Macht des Reichspräsi- denten, der straffen Führung durch eine persönlich verantwortliche Regierung einen wirklich arbeitsfähigen Reichstag und eine kontrollierende Zweite Kammer, in der, von verschiedenen Seiten herkom- menb unb von verschiebenen Instanzen aus bestimmt, alle biejenigen Persönlichkeiten sitzen, die Sachkunde ebenso auszeichnen wie politische ober wirtschaftliche Bewährung im Leben ber Nation. wird. Die lebensspendende Einheit der Landschaft steht uns höher als kleinliche großstädtische Eifersüchteleien. Der Plan eines Hessen-Kassel muß daher doin oberhessischen wie auch vom gesamtdeutschen Standpunkt abgelehnt werden. Wenn in diesen Tagen der Ruf „Zurück zu Bismarck" erschallt, so muß der Hessische Volksbund dringend davor warnen, den Dualismus Preußen-Reich lediglich durch eine Uebernahme der preußischen Provinzen auf das Reich ablösen zu wollen. Ein solcher Zustand kann den verfassungsrechtlichen Gegensatz zwischen Rord und Süd ebensowenig beseitigen wie der Versuch des Reichsemeuerungs- bundes mit „Ländern alter" südlich und „Ländern neuer Art" nördlich des Mains. Cs gilt vielmehr, die heute in der Hand des Reiches befindlichen preußischen Provinzen zu Reichsländern mit weitestgehender Selbstverwaltung ihrer ureigensten Angelegenheiten und ausgedehnter Reichsauftragsverwaltung emporzuentwickeln. Dann erst bietet sich eine Möglichkeit des Zusammenschlusses der nord- und mitteldeutschen Staaten mit den preußischen Provinzen im Wege des Art. 18 RV. Einem Reiche schließlich, das den norddeutschen Stammes- und Wirtschaftsgebieten die ihnen gebührenden Rechte gibt, können auch die süddeutschen Länder nicht mehr verweigern, was des Reiches ist. Oberhessen und die Reichsreform. OerHessischeVolksbundfüreineBenvattungöeinheitdesObeflahn-undOillgebieiS drakonischen Strafen sein Bewenden haben. Die für die innere Ruhe und Sicherheit Verantwortlichen dürfen auch vor dem Aeußersten nicht zurückschrecken, wenn sie schlimmeres vermeiden wollen. Wir gehen einem Herbst und Winter entgegen, über dessen wirtschaftliche Not wir nur hinwegkommen werden, wenn wir uns äußerste Selbstzucht auferlegen. Das oft gebrauchte Wort von der Schicksalsae- meinschaft des deutschen Volkes darf nicht Lippenbekenntnis bleiben, sondern alle Verantwortungsbewußten müssen daran Mitarbeiten, daß es zur praktischen Tat wird. Das setzt indessen voraus, daß die Reichsregierung, die bisher einen starken und auch von uns gern anerkannten Willen zur Führung gezeigt hat, nicht länger duldet, wie mit ber Staatsautorität Schindluber getrieben wirb, fonbern allen Störern ber öffentlichen Drbnung, von welcher Seite sie auch kommen mögen, in beschleunigtem Verfahren bas Hanbwerk legt. Man wirb auch ben Herrn Reichswehrmini st e r an ben seinerzeit viel beachteten Ausspruch in seiner Rundfunkrede erinnern dürfen, daß die Reichswehr nicht gewillt sei, ihre Aufgabe im Staate mit irgendjemandem zu teilen. Derselbe Grundsatz einer gesunden und ihrer Kraft bewußten Staatsführung sollte auch für die Polizei gelten. Die Bestrebungen in Oldenburg und Braunschweig, na- tionalsozialistische SA.-Männer als Hilfspolizei einzustellen, bekommen ein bedenkliches Gesicht, wenn man die Konsequenzen zu Ende denkt, sobald etwa politisch links orientierte Länderregierungen auf den Gedanken verfallen könnten, Reichsbannerleute ober Anhänger der Eisernen Front zu Hütern ber öffentlichen Sicherheit unb Drbnung zu bestellen, Deshalb sollte ber Staat, ehe diese unb ähnliche Wünsche greifbare Gestalt gewinnen, in aller Deutlichkeit ben Beweis erbringen, baß seine Organe allein berufen, willens unb in ber Sage sink», Ruhe unb Drbnung nach allen Seiten zu sichern. Gelingt es ber Staatsgewalt nicht, ben Burgfrieben durchzufetzen unb barüber hinaus für innerpolitische Entspannung zu sorgen, so ist schwer zu sehen, wie in dieser Atmosphäre fruchtbare Verhandlungen über eine parlamentarische Basis für das Praefi- dialkabinett in dieser oder in einer veränderten Form geführt werden können. Vorerst begnügen sich die dafür in Betracht kommenden Parteien mit selbstbewußten Monologen, die noch zuviel Kampfstimmung aus ben Wochen ber Wahlschlacht atmen, um wirklich ernst genommen zu werben. Aber bie Gefahr bes unheilbaren 2Iuscinanberrebens ist natürlich befonbers groß, wenn täglich Nachrichten von Bombenattentaten, Schießereien unb anberen politischen Ausschreitungen bie Gemüter nicht zur Ruhe kommen lassen und jebe nüchterne Ueberlegung über bie Wege, bie politisch zweckmäßig unb notwenbig sinb, ausschalten. Deshalb sollten alle verantwortungsbewußten Faktoren, Reichsregierung, sowohl wie Parteiführer, sich mit ihrer ganzen Autorität für eine strikte Durchführung bes Burgfriedens einsetzcn. Vielleicht ist es bie Aufgabe bes Reichswehrministers von Schleicher, ber sowohl im Kabinett eine starke Position innehat, als auch in bem Ruf steht, bei ber nationalsozialistischen Partei besonberes Vertrauen zu genießen, barauf hinzuwirken, baß von beiben Seiten bie notwendigen und unaufschiebbaren Maßnahmen nun ohne Zögern und ohne falsche Rücksicht geschehen, damit nicht, nachdem im übereifrigen Betonen des Grundsätzlichen unb Tren- nenben schon viel zu viel Porzellan zerschlagen würbe, ber Scherbenhaufen weiter anwächst, um ben sich schon lachenbe Dritte zum schadenfrohen Grabgesang zu sammeln beginnen. Neue Zwischenfälle in Ostpreußen. Königsberg, 6. Aug. (WTV. Funkspruch.) Der Polizeibericht meldet von heute nacht einen Hebe rfall auf 2 P o l i z e i b e a m t e in Zivil durch Linksradikale, die durch Zuzug aus einer Gastwirtschaft und anliegenden Häusern auf 90 Mann verstärkt wurden, aber durch die bewaffneten Beamten abgewehrt werden konnten. Eine nachts vorgenommene Durchsuchung von 15 Linksradikalen förderte drei Pistolen, 100 Schuh Munition, ein Seitengewehr, einen Dolch, fünf Gummiknüppel und einen Schlagring zutage. Die Waffenbesiher wurden verhaftet. Der Polizeibericht bezeichnet als aufgeklärte Terrorakt: drei Tankstellenzerstörungen. fünf Brandstiftungen. 31 Personen seien gestellt und gaben an, der SA. anzugehören. Unter ihnen sind sechs in unterer Führerstellung. — In Rosenberg wurden durch das Fenster in die Wohnung eines Kommunisten drei scharfe Schüsse abgegeben, die jedoch fehl gingen. Ein Motorradfahrer verunglückte in rasender Fahrt. Man fand bei ihm zwei P i - stolen und 53 Schuß Munition. Er wurde verhaftet. — In Alienburg bei Wehlau wurden die Schaufenster eines Kaufhauses zerstört, in Rastenburg wurden zwei Rationalsozialisten auf dem Rachhauseweg beschossen, ohne getroffen zu werden. — Bei Gerdauen wurden 16 Mitglieder der Hitlerjugend durch einen Trupp politischer Gegner überfallen und mih- handelt. — In Ortelsburg wurde heute nacht in die Gastwirtschaft Littwack eine Brandbombe geworfen, die beim Explodieren die Fenster zertrümmerte. Um die gleiche Zeit legten Unbekannte vor dem Finanzamt eine Bombe nieder, die jedoch nicht explodierte. Auch im Reich neue Anschläge. Kiel, 6. August. (WTB. Funkspruch.) Auf bas Kaufhaus ftarftabt in Kiel mürbe heute früh oon unbekannt gebliebenen Tätern ein Bombenanschlag verübt. An einem Ein- abes Warenhauses, ber in ber verkehrsstillen ienstraße liegt, würbe eine Bombe zur Explosion gebracht, bie bas schwere Eisengi11er .3 er ft orte unb eine der großen Schaufensterscheiben einbrückte. Die Explosion war so heftig, daß auch an einer bem' Warenhaus gegenüberliegenben Gastwirtschaft fast sämtliche Fensterscheiben zertrümmert würben. — In B r e s • l a u würbe auf ben Vorsitzenden ber Sozialistischen Arbeiterpartei, Rechtsanwalt Dr. Eckstein, ein Attentatsversuch unternommen. Von einem vorbeifahren-en Auto wurde in das Schlafzimmer Dr. Ecksteins eine Handgranate geworfen. Dr. Eckstein wurde nicht verletzt. Jedoch sind im Zimmer starke Verwustungen angerichtet worden. — In Braunschweig explodierte in der vorwiegend von Arbeitern bewohnten Langenstraße in den frühen Morgenstunden mit scharfem Knall ein Sprengkörper. An etwa 20 Häusern sollen bis in die oberen Stockwerke hinauf viele Fensterscheiben zertrümmert worden sein. In den Parterrewohnungen sollen auch die Fensterkreuze zerstört und Möbel beschädigt sein. Mehrere Bewohner der Straße haben durch Glassplitter leichte Verletzungen davongetra- gen. lieber die Täter verlautet noch nichts. Die Polizei hat drei Verhaftungen vorgenommen. In Mühlheim a. M. ist in der vergangenen Nacht ein Sprengkörper auf ein Fenster der Nebenstelle des Arbeitsamts niedergelegt und zur Explosion gebracht worden. Das Fenster wurde zertrümmert. Das Gebäude wurde nur unerheblich beschädigt. Die Explosion war so stark, daß Teile des Sprengkörpers noch in einem Umkreis von 150 m aufgefunden wurden. Personen sind bei dem Anschlag nicht zu Schaden gekommen. Rosenberg zur innerpolitischen Lage. München, 6.Aug. (CNB. Funkspruch.) Alfred Rosenberg erklärt im „Völkischen Beobachter" unter der Ueberschrift „Die innere Kriegsschuldlüge": Sozialdemokraten und Zentrum seien augenblicklich mit allen Kräften tätig, eine innere Kriegsschutdlüge — ganz nach dem Vorbild der Kriegsentente — zu fabrizieren, die 14 000 nationalsozialistischen Opfer der letzten 1% Jahre gälten jedoch nichts. Früher sei es ganz in Ordnung erschienen, wenn die SA. gemordet wurde und nicht zur Notwehr schritt — nun aber, da hie und da der Geduldsfaden gerissen sei, beschuldige man die nationalsozialistische Bewegung des Massenterrors. Ro- senberg betont zum Schluß, daß jetzt der Zeitpunkt gekommen sei, da „der blutrünstige Klumpen Schwarz und Rot nicht mehr als politische Partei angesehen, sondern als Verbrecherorganisation bewertet" werde und bald ganz legal entsprechend behandelt werde. „Das erwachte Deutschland muß aber die Dolch- stößler vom Zentrum und der Sozialdemokratie aus ihrer politischen Wirksamkeit ausschalten, soll die deutsche Nation nicht wieder einen 19. November 1918 erleben." Die Haltung der Bayrischen Volkspartei. Für Beteiligung der NLDAP. an der Regierung. Bamberg, 6.Aug. (CAB.) Das „Bamberger Volksblatt", das Organ des Vorsitzenden der Reichstagsfraktion der Bayerischen Volkspartei, Prälaten Leicht, nimmt zur Regierungsfrage im Reich wie folgt Stellung: Der Wille des Volkes geht eindeutig dahin, daß die NSDAP. als stärk st e Partei nunmehr den auf sie treffenden Anteil an der Derant- wortung zu übernehmen habe. Das deutsche Volk will nicht haben, daß Hitler die Macht in Deutschland ergreift, sondern daß Hitler endlich im Rahmen der Verfassung die Verantwortung übernimmt. Die Bayerisch^ Volkspartei hat keinerlei Interesse und Sehnsucht, in eine solche Regierung ciiuu- treten. Sie wird aber gegenüber einer solchen Regierung unter der ausdrücklichen Voraussetzung, daß sie auf dem Boden der Verfassung steht, eine durchaus sachliche Haltung einnehmen. Niemand im Lager der Bayerischen Volkspartei hindert Hitler an der Uebernahrne der Verantwortung, im Gegenteil, die konservative Mitte fordert dies auf das drin- d e n d st e. Einern Versuche freilich, die verantwortliche Stellung au Verfassungsexperimenten oder gar zum Verfassungsbruch zu mißbrauchen, würde die Bayerische Volkspartei entschlossensten Widerstand entgegenstellen. Eine Fraktionsgemeinschaft oder gar Vereinigung mit dem Zentrum kommt heute weniger denn je in Frage: denn gerade in diesen Tagen hat die Bayerische Volkspartei eine speziell bayerische Mission zu erfüllen und Aufgaben zu lösen, bei denen sie am stärksten allein sein wird. Aber sie wird mit dem Zentrum enger denn je Waffenbrüderschaft halten und sich nach Möglichkeit über alle zu treffenden Maßnahmen mit dem Zentrum einigen. DerFinanzausschußtagtinGießen Die Frage der Erweiterung der Beiertnärttimken. Darmstadt, 5. Aug. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtages trat in diesen Tagen in Gießen zusammen, um über den Ankauf eines Anwesens für die Veterinärinstitute der Landesuniversität zu beraten. Das der Firma Iean Dern & Co. Inhaber Oskar Gutmann in der Frankfurter Straße gehörige Anwesen soll zur Erweiterung der Deterinärkliniken dienen. Für das Gelände werden als Kaufpreis 150 000 Mark genannt, von denen je ein Drittel sofort, nach 7 Iahren und nach 14 Iahren zu zahlen sind gegen Abtretung jeweils ein Drittel des fraglichen Anwesens. Vom Finanzausschuß wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen: „Der Finanzausschuß erkennt die Lebenswichtigkeit der veterinär-medizinischen Fakultät in Gießen und die Notwendigkeit der Erweiterung an und wünscht, daß die dafür erforderlichen Maßnahmen durchgeführt werden, sobald die Finanzlage des Volksstaates Hessen dies ermöglicht." Von nationalsozialistischer Seite wurde gegen die Vorlage eingewandt, daß in der heutigen Notzeit nicht nachgeholt werden könne, was beim Bau der Kliniken vor 25 Iahren versäumt worden sei, zumal es nicht allein bei dem Erwerb des Geländes bleiben werde, sondern auch die Kliniken selbst erweitert werden müßten. Unter den gegenwärtigen Umständen sei eine Inangriffnahme des Projektes nicht möglich. Im Finanzausschuß wurde ferner darüber Klage geführt, daß die Veterinärinstitute der Landesuniversität durch das staatliche Deterinäruntersuchungsamt (Rotlaufimpfanstalt) geschädigt würden. Amerikas „fliegender" Tank. ♦' J- f < • ! / :< Der neueste amerikanische Kriegstank, der eine Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometer erreichen soll. Bei einem solchen Tempo würden natürlich auch die Flugzeuge, die gefahrltchsten Feinde der Tanks, nichts ausrichten können, da es unmöglich ist, bei einer solchen Geschwindigkeit Bombentreffer zu erzielen. Der Tank zeichnet sich außerdem dadurch aus, daß er fast alle Bodenunebenhelten und sogar hohe 0 Hindernisse wie im Sprung überwindet. Eine Stadt in USA. ? - Nein, Tokio! Blick auf das Zentrum von T o k i o mit den riesigen modernen Gebäuden, bie nach dem Erdbeben von 1923 hier errichtet wurden, und die dieser Stadt im Fernen Osten das Aussehen einer amerikanischen Wolkenkratzerstadt geben. Locarno und Genf. Stresemanns Vermächtnis Band II. Das große Werk „S t r e s e m a n n s V e r m ä ch t- n i s", das im Auftrage der Familie von Konsul Bernhard In Verbindung mit Wolfgang Götz und Paul Wiegler herausgegeben wird, liegt nun in seinem zweiten umfangreichen Teile vor (Verlag Ullstein). Der starke Eindruck, der sich beim Erscheinen des ersten Bandes in der Öffentlichkeit äußerte, wird durch diese Publikation noch vertieft. Daß die Herausgeber es fertig brachten, den Stoff der Strese- rnannschen Tagebücher, seine gelegentlichen Aufzeichnungen, Briese, Aussätze und Reden so zu gruppieren, daß ein übersichtliches und fesselndes Bild der Politik der Jahre 1925 bis 1927 entstand, wird als ein bleibendes Verdienst zu werten sein. Heber „Locarno und Genf" handelt dieser zweite Teil der Erinnerungen. Es sind also in der Hauptsache außenpolitische Probleme, um die sich die Darstellung gruppiert. Ereignisse, die selbstredend auch innerpolitische Rückwirkungen brachten. Hier ist es in erster Linie das Verhältnis Strese- manns zu Dr. Luther, dem Reichskanzler von 1925. Er hatte die Locarno-Politik nicht nur mit- aemacht, sondern daran auch seinen persönlichen Anteil. Im Kampfe um die Durchsetzung dieser Politik ist er einmal bereit gewesen, seinen Außenminister dem Drängen der Deutschnationalen zu opfern. An Stresemanns Weigerung, auf seine Mission zu verzichten, und an der entschlossenen Haltung der Volkspartei, ist dieser Gedanke gescheitert. Der starke Wille des Ministers führte zum Ziele. Als aber Luther 1926 gestürzt wurde, gab er freimütig zu, daß er mit Strefemann in allen großen Fragen immer einig war und daß gelegentliche Differenzen nicht in der Sache, sondern an den verschiedenen Temperamenten der beiden Männer lagen. Es sei vollkommener Unsinn, daß Stresemann auf feinen (Luthers) Sturz hingearbeitet hpbe. Ein anderes Zwischenspiel von historischer Bedeutung fällt in denselben Zeitraum: Die R e i ch s p r ä f i d e n t e n w a y l von 1925. Es ist bekannt, daß Stresemann anfänglich Bedenken gegen die Kandidatur Hindenburg hatte. Er war aber auch nicht bereit, Jarres für Geßler zu opfern. Dann aber haben die außenpolitischen Erklärungen Hindenburgs seine Besorgnisse zerstreut, so daß auch der Parteiführer offen für den Feldmarschall ein- treten konnte. Die Schilderung feiner ersten Vorträge bei dem neuen Reichspräsidenten ist reizvoll, wie so vieles, was in diesem Buche steht. Es ist ein Zufall, daß gerade beim Erscheinen des zweiten Bandes derselbe Herriot in Frankreich der maßgebende Mann geworden ist, der um 1925 dort die Geschicke leitete. Mit ihm und Briand hatte das Ringen um dje Räumung der westlichen Provinzen begonnen, waren die Verhandlungen um den Westpakt im Gange, der mit dem Eintritt in den Völkerbund in mehr ober weniger engem Zusammenhang stand. Briand und Stresemann waren in mancher Beziehung, in der Kunst der Verhandlungsführung, in der Beeinflussung der öffentlichen Meinung usw., verwandte Naturen. Ihr Streben war aber auf verschiedene Ziele gerichtet. Briand trug im Hintergrund sein paneuropäisches Programm, das seinem Lande die Hegemonie über Europa sichern sollte. Stresemann ging in alle internationalen Gespräche mit dem realen Ziel, erst einmal das Rheinland von den fremden Truppen zu befreien. Wie einfach und deutsch Stresemann seine Aufgabe betrachtete, zeigt am besten ein Bries an den Kronprinzen vom 7. September 1925, in dem es heißt: „Wir müssen den Würger erst vom Halse haben. Deshalb wird die deutsche Politik, wie Metternich 1808 von Oesterreich sagte, „in dieser Beziehung zunächst darin bestehen müssen, zu Finassieren und den großen Entscheidungen auszuweichen"." Bekanntlich haben diese Sätze in den letzten Wochen einen heftigen Sturm in Frankreich entfacht. Besonders P o i n c a r e sah sich veranlaßt, aus Gründen der inneren Parteipolitik (bei den Wahlen) auf das angebliche „Doppelspiel" des früheren deutschen Außenministers hinzuweisen. Er schrieb noch kürzlich in der „Illustration" folgende Sätze, die uns aber fein schlechtes Bild von dem deutschen Politiker Stresemann zu geben scheinen: „Nichts ist interessanter und belehrender als die Lektüre dieser Schriftstücke. Stresemann erscheint darin im wahren Licht. Er war nicht der Staatsmann, der Deutschland mit Frankreich vereinen wollte. Im Geiste Bismarcks erzogen, hat er dessen Gedankengänge niemals außer Acht gelassen. Er fühlte jedoch die Unmöglichkeit, alle gesteckten Ziele auf einmal zu erreichen, und deshalb bereitete er die Zukunft methodisch vor. Wenn wir seine Briefe an den Kronprinzen aufmerksam lesen, so stellen wir fest, daß er sich selbst rühmt, keine europäische, sondern eine deu t s ch e Politik zu machen. Er hat mit großer Geschicklichkeit die Aufgaben erfüllt, die er als seine patriotische Pflicht ansah, und niemand wird ihm hieraus einen Vorwurf machen können. Diejenigen Franzosen aber, die sich ihn als einen Freund vorstellten, haben sich geirrt. Weder über Elsah-Lothringen, noch über Danzig und den Korridor oder in der Rolle, die Deutschland im Völkerbund spielte, hat er Frankreich irgendwelche Zugeständ- n i s s e gemacht. Er hatte nicht das aufbrausende Wesen der deutschen Nationalisten und wandte auch nicht die Methoden und die Sprache eines Hitler an, aber er zeigte doch, daß das gemäßigte und vernünftigste Deutschland die gleichen Ziele hat wie die anderen und daß wir uns über die Absichten unserer Nachbarn keinerlei Illusionen hingeben dürfen. Die (Erinnerungen Strese- manns lehren uns, bie Augen offen zu Es mag zutreffen, baß bie Auszüge, bie in Frankreich aus bem zweiten Band erschienen sind, unvollständig waren und deshalb kein klares Bild zu geben vermochten. Trotzdem will uns scheinen, baß bie Welt weiß, daß in den Zielen der Außenpolitik, in den Lebensfragen des deutschen Volkes, niemals ein Unterschied zwischen den verantwortlichen Männern und zwischen den deutschen Parteien bestand ober besteht. Unterschiebe mögen im taktischen Vor- M * von lvorde^ br sLlO.Gebur gegennehmen. Ne bürg übersandte i gehen, in ber Auswahl des Augenblicks ober der außenpolitischen Methoben vorhanben fein, aber niemals in ber Sache. Jrn übrigen ist es interessant, aus ben Notizen bes beutschen Staatsmannes zu ersehen, baß er bem Ausland klarzumachen versuchte, daß eine deursche Regierung ein- chließlich ber Rechten (bamals bie Deutschnationalen) gerabe für ben Bestaub internationaler Abmachungen bie beste Gewähr bieten, müsse. Meine politische Nachrichten. Reichskanzler v. Pap en hat auf seinem Ur- laubssitz Wallerfangen ben Präsidenten der Regierungskommission des Saargebiets, den Engländer Knox, und den Verkehrskommisfar des Saargebiets, ben Finnländer Dr. von Ehrn- r o t t h, zum Frühstück empfangen. Für die Ortsarmen von Wallerfangen hat Herr v. Papen eine größere Summe gestiftet. • Der Reichsverband deutscher Hausfrauenvereine e. 23. protestiert in einem Schreiben gegen den Gedanken einer Verteuerung der Margarine und betont u. a., baß bie hilfsbedürftige Bevölkerung mit ber Einführung einer Margarinefteuer gezwungen werbe, ihren Fettverbrauch noch stärker einzuschränken. Dadurch werde aber die schon jetzt gefährdete Gesundheit weitester Volkskreise geradezu untergraben. * In Berlin haben mit holländischen unb däni- schen Regierungsvertretern Besprechungen über eine Neuregelung ber Butterei.n fuhr nach Deutfchlanb stattgefunden. Die deutschen Vorschläge sehen für die Einfuhr ein Gesamtkontingent vor, an dem alle buttereinführenden Länder beteiligt sind. Das jeweilige Teilkontingent, das auf die ver- fchiedenen Länder entfällt, soll nach einem Verteilungsschlüssel errechnet werden, der von den Ländern selbst aufzustellen wäre. Diese Vorschläge sind von den auslänoischen Unterhändlern zunächst a b g e- lehnt worden, doch liegt die Entscheidung natürlich bei ihren Regierungen. * In ben nächsten Tagen wirb bie Verordnung über bie Erhöhung ber Spiritusbei- mischungsquote veröffentlicht werben. Die Verorbnung soll zum 1. Oktober b. I- in Krast treten. Für bie Erhöhung bei: Spiritusber- mischungsquote, bie von sechs auf zehn Prozent vorgesehen ist, müssen aber noch verschiebens Dorbebingungen erfüllt werben, bie in ber Ver- orbnung genauer bezeichnet sind. Aus aller Welt. Professor Carl Banhers 75. Geburtstag. Der in Hessen weithin bekannte Maler Professor Carl Noah B a n tz e r vollendit am 6. August sein 75. Lebensjahr. Er ist 1857 in Ziegenhain in ber Schwalm geboren, studierte in Berlin, Dresden und Paris unb wurde mit seinen Bildern — die bekanntesten sind das „Abendmahl", der „Hochzeitsschmaus" und der „Dauerntanz" — ein getreuer Schilderer seiner hessischen Heimat und insbesondere der Schwälmer Bauernschaft: auch eine Anzahl feinsinniger Porträts stammen von seiner Hand. Als Lehrer wirkte Bantzer als Professor an der Dresdener Kunstakademie in Kassel und in der hessischen Malerkolonie Willingshausen. Die Universität Marburg verlieh Bantzer die Würde eines Ehrendoktors. Zwei Arbeiter vom Zug überfahren. Auf bem Bahnhof Wuppertal-Steinbeck wurden zwei Maurer, die die Außenkante des Bahnsteigs ausbefferten, von der Lokomotive des Eilzugs Köln— Wuppertal erfaßt und bis zur Unkenntlichkeit zermalmt. Feuerkampf mit entflohenen Sträflingen in USA. Aus dem Gefangenenlager in Finebluff (Arkansas) entflohen sieben Sträflinge, nachdem sie einen Wärter niedergeschlagen unb sich mit Waffen versehen hatten. Polizeikräfte suchten bie umliegenden Wälder ab. Beim Zusammentreffen mit den Flüchtlingen kam es zu einem Feuerkampf, bei dem drei Gefangene getötet und zwei verwundet wurden. Explosion in einer Ölraffinerie. — 10 verletzte. Im Kompresforgedäude der Deutschen Erdölraffinerie in Misburg (Hannover) explodierte beim Reinigen ein Benzin-Gaskompressor. Durch Stichflammen erlitten 10 Werkangehörige Verlegungen ; zwei mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Lebensgefahr besteht jedoch nicht. Der Berliner Schulbrandstifter endlich gefaßt. Die unheimliche Reihe von Bränden in Berliner Schulen, Kirchen unb Kinderhorten, die Wochen hindurch die Berliner Bevölkerung beunruhigte, hat jetzt ihre Aufklärung gesunden. Als Täter wurde ein 21 Iahre alter früherer Kraftwagenführer aus dem Osten Berlins verhaftet. Er wurde überrascht, als er in einen Kinderhort einbrechen wollte. Nach stundenlangem Kreuzverhöre hat er ein umfangreiches Geständnis über seine Brandstiftungen abgelegt. Er war arbeitslos unb durch seine Notlage und infolge zerrütteter Familienverhältnisse schwer nervenkrank geworden. Um sich zu entspannen (!), wurde er, wie er erklärte, Drand-- stifter. Zum erstenmal sei er auf diese Idee gekommen, als er in einer Schule habe stehlen wollen. Seine Absicht sei nicht gewesen, große Baulichkeiten in Brand zu setzen: es habe ihn schon befriedigt, wenn er kleinere Brände entfacht habe: In seinem Besitz fand man zahlreiche Schlüssel, die aus verschiedenen Schulen stammen. Die Zahl der von ihm angelegten Vrände beträgt2 6. In allen Fällen würbe nur wenig Sachschaden angerichtet. Schweres Autounglück. — 2 Tote, 5 verletzte. Auf der Straße zwischen Münster am Stein und Bad Kreuznach ereignete sich ein schweres A u t o u n g I üd. Der Lieferwagen des Viktoria- Stiftes in Finkenbach (Nordpfalz) wollte Marktbesucher aus der Umgebung, besonders aus Finkenbach unb Hallgarten in ber Nordpfalz, auf ben Markt nach Dab Kreuznach bringen. Hinter Münster am Stein, auf Kreuznacher Gemarkung, ist ber Wagen vermutlich gegen einen Baum gerannt. Dabei würben ein Mann unb eine Frau auf ber Stelle getötet unb fünf weitere Personen mehr ober weniger schwer verletzt. Schwer verletzt wurden eine Frau Stellwagen aus Hallgarten. Leichtere Verletzungen erlitten eine Frau Klein unb eine Frau I o st aus Hallgarten, eine Frau Mecks aus Finkenbach und ein Iunge namens Heinrich D o h a u e r aus Kreuznach. Die Verletzten wurden ins Diakoyissenhaus in Kreuznach übergeführt. Die Kreuznacher Polizei ist noch an der 1 Unfallstelle mit ben Ermittlungen beschäftigt, iok ,0er $n Don 0 le den : - Wörter gibt ei • uns anllingen las * Charakter einer ' liensschen Aeise 1 als er .über ® | wandelte". Ist es nicht, a Worte in die Zl als sprächen wir , mit ihm: .Es liec und Schöne willig und diese Anlage Tag für Tag, S ist das seligste a „Des Fremdling Wie ein Urtoo ber geschriebenen uns an. Es trägt i I ^omantif an fid), ■ von alter öeitfäabi Gekünsteltheit, wie \ [ wesen breit macht. ( । Aehutsamleit schwin | tiefen Erleben, die Herzens. I Und bei allem 2 Schritt einer zu u F finden wir das a Selbständige unsei nehmung. das p> in dem Worte er 'chast einer schön- Haven wir uns se Gestrüpp und bi lange nicht schritt vber heiligen Gru stodtstrahen,... A Fremdlings- ^us^Lebensz -chld eines Ortes M 5im 'm F ZK-.!« ,^adt verlieh und waren S ■ SJ« 3U üben" firf lotst feines 7 0. Geburtstag gegennebmen. ReichspräsN b u r g übersandte ihm ein Handschreiben. Der Der- Aus der Provinzialhauptstadt Welt. ?5.®ebuttelag. Ist es nicht, als träten wir selber bei dem zur Auswirkung schassen. Hn. Lleberraschungen in Los Angeles fiodistratzen.... __ 10 Veriehle. nie. 1 Zum Einweichen der Wäsche, zum Weichmachen des Wassers: H e n ko, Henkels Wasch- und Bleich-Soda, Persil « Persil rWie 1 wird's Wetter? Der erste lote der „Jllobc" geborgen. Wie die Marinestation der Ostsee mitteilt, fbugo K u n^tz s ch, konnte dieser Tage anläßlich s viele Ehrungen ent- ident von Htnden - ird die Verordnung c Spiritusbei. mtlicht werden. Die ober 6.3. in Kraft 9 der SpirituSbei.- i aus zehn Prozent r noch verschiedene er ^'gen ist',°ber Äffe t°nd £rNd). Gießen, den 6. August 1932. „Oer Kremdlings-Reisetritt.^ Don Reinhold Braun. O leite meinen Gang, Natur, den Fremdlings-Reisetritt... Goethe. Wörter gibt es, die eine ganze Melodie in uns anklingen lassen, die wie Schlüssel zu dem CHarakter einer Menschen sind. Auf der ita- lisntschen Reise prägte Goethe den Ausdruck, aCi er »über Gräber heiliger Vergangenheit lo ondelte". an der Unfallstelle der Matrose Hans- Joachim Oesewih aus Allenstein geborgen worden. Es ist dies das erste Todesopfer, das seit dem Untergänge der „Niobe" geborgen werden konnte. 21. Deutscher Zeuerwehrtag in Karlsruhe. 3n der festlich beflaggten badischen Landeshauptstadt Karlsruhe hat der 21. Deutsche Feuerwehrtag begonnen, zu dem neben verschiedenen ausländischen Vertretungen (Oesterreich, Ungarn, Tschechoslowakei und Schweiz) auch der erste Vorsitzende des Internationalen Verbandes für Feuerlösch- und Rettungswesen, Oberst Porderaux -Paris, erschienen war. In der städtischen Ausstellungshalle erfolgte unter Beteiligung der Reichs- und Staatsbehörden die Eröffnung der trotz der Schwierigkeiten der Zeit ?ut beschickten Feuerwehrfachausstel- u n g der Stadt. Es sprachen u. a. der erste Vorsitzende des Deutschen Feuerwehrverbandes Ecker, München, Staatspräsident Dr. Schmitt, der Vorsitzende des Badischen Landesfeuerwehr. Verbandes Müller, Heidelberg, und Oberbürgermeister Dr. ginter. Zu der Tagung wer- den weit über 10 000 Feuerwehrleute aus allen deutschen Gauen erwartet. Zur Auflösung des Kreises Biedenkopf Oie Auswirkungen für die Stadt Gießen. achrichiey, 11 »-A tzch das Unglüd erfeignet hat und wer eventuell bie Schuld trägt. ^Hiefenbtanb in Chikago. *Eine glelfchkonjervenfabrik im Südwestviertel non Chikago ist durch ein Riesenfeuer zerstört vorden. Das Feuer brach in einem Getreidesilo us und breitete sich, begünstigt durch starken •Sturm, rasch auf die Schlächtereien und Vieh- iöfe der Omaha Packing Plant Company aus. Es lfedrohte auch zeitweilig die benachbarten Gebäude. '!ln der Bekämpfung der Katastrophe nahm die anze verfügbare Feuerwehr der stadt teil Die Zolizei hatte den ganzen gefährdeten Kampier »^gesperrt, konnte aber nicht verhindern, daß sich lausende von Menschen an den^Sperrketten an- jimmelten, um das einzigartige Schauspiel zu behaunen. Am Brandherd selbst, einer relativ kleinen Stelle, arbeiteten Hunderte von Feuerwehrleuten in aualvvller Enge. Immer von neuem stießen sie vor, iinb nur ihrer Aufopferung ist es zu danken, daß r.tn Flammen Einhalt getan werden konnte. Der Getreidesilo, der zuerst Feuer fing, ist völlig f?rftört. Millionen Bushel Getreide sind ein I Q p f e r der Flammen geworden. Oberflächliche Schätzungen beziffern den Schäden auf etwa eine Million Dollar. In den Hürden des Viehhofes sind nehrerc Tausend Stück Grofe- und Kleinvieh verbrannt. Man glaubt, daß feer der schaden etwa fünf Millionen Lollar beträgt. Bei den Löscharbeiten erlitten einige Feuerwehrleute Rauchvergiftungen. Der Lhrenring des Deutschen Handwerks für Obermeister kunhsch, Dresden. Der Ehrenmeister des Sächsischen Handwerks, Bä f-vä-ti ZM LJ? er?' 'hren Fen. e.n. dadurch werbe Jfunöf)eit weitester •• D i e Wegemarkierung nach der Thevdorsruh ist von dem Wegebezeichnungsausschuß des Gießener VHC. in den letzten Tagen fertiggestellt worden. Die Markierung, ein rotes T auf weißem Grund, führt von der Llniversitäts- bibliothek über den Erdkauterweg nach dem Gail, schen Tonwerk, von dort am Stellwerk der Reichs, bahn vorbei zum Walde und dann auf lauschigen Waldwegen zur Theodorsruh. Die Mitwirkung des Gießener VHC. zur Erschließung dieser schö- nen Erholungsgelegenheit im Walde ist mit An. erkennung zu begrüßen. mnte Maler Droses« Dorte in die Zone Goethescher Ehrfurcht ein, illendit am k. August uLr sprächen wir in beglückter Übereinstimmung c ist 1851 in Ziegen- m-Ü ihm: „Es liegt in meiner Natur, das Große i, studierte in Derlin, lind Schöne willig und mit Freuden zu verehren, urde mit seinen>M und diese Anlage an l- herrlichen Gegenständen d das Abendmahl", Zcg für Tag, Stunde ,.ir Stunde auszubilden, der .Douerntanz" -! >It das seligste aller Gefühle. m ^ssilchcn Heimat -Des Frerndlings-Reisetritt" ... välmer Dauernlchasl: Die ein Urwort aus der großen Reisekunst, er Porträts tammer. ber geschriebenen und ungeschriebenen, mutet es r mir»? -Banner als an. Es trägt noch das Leuchten einer holden «r ÄuSmU Ernannt an sich, einer schönen Abgewandiheit , TM(-rfofonic‘S)ib tc»n aller Zeitschablone, allem Larventum, aller it MarbE vrrlch Gekünsteltheit. wie sie sich im allgemeinen Tag- krBnhnttoTÄ tnelen beeil macht. Eine feine, schier ungewohnte ... . , ’ Avhutsamkeck schwingt mit, der innige Wille zum 4 uverjatzrm. fielen Erleben, die Fühligkeit des andächtigen ltal-Tieinbeck wurden ,f)ergeng. itante der Bahnsteig _nnb bei allem Beschreiten des Reuen ist jeder we des Eilzugs Am- schritt einer zu uns selber hin, und im Reuen zur Unkenntlich' |irtben wir das alte ®toig-®ültige. Das köstlich kslbständige unserer Reise- ober Wanderunter- Der Kreis Biedenkopf war bis zum Jahre 1866 ein Bestandteil des Großherzogtumes Hessen. Für Hessen bildete er infolge seiner aus dem Rahmen des übrigen hessischen Staatsgebietes heraussal- lenden Lage einen abgelegenen Teil, ein Hinterland. Daher rührt seine Bezeichnung als ^Hessisches Hinterland". Infolge des Krieges 1866 wurde der Kreis Biedenkopf von dem Groß- Herzogtum Hessen abgetrennt und der neugebildeten preußischen Provinz Hessen-Rassau zuge- teilt. Dasselbe Schicksal hatten zehn andere hes. sische Dörfer, die alle auf der rechten Lahnseite liegen Sie haben jedoch nicht zum Kreise Bie- denkopf, sondern zum Kreise Gießen gehört. Es sind die drei Lahndörfer Hermannstein, Raunheim und Waldgirmes und weiterhin Rodheim a. d. Bieber, Fellingshausen, Krumbach, Frankenbach, Wilsbach. Kön’gsbera und Bieber. Diese zehn Dörfer haben also niemals zum hinterlande gehört. Dementsprechend haben sich ihre 'Bewohner niemals als „Hinterländer" betrachtet und sich gegen diese Bezeichnung mit vollem Rechte gewehrt. Das entspricht vollständig der Lage ihrer Dörfer im äußersten Süden des Kreises Biedenkopf, weit weg von der Hauptstadt ihres Kreises. In ?eographischer und demgemäß auch in wirtschast- icher Beziehung gehören diese Dörfer ohne jeden Zweifel entweder zum Kreise Wetzlar oder zum Kreise Gießen. Nach IDefelar neigen die drei genannten Lahndörfer hermannstein, Naunheim und Waldgirmes, nach Gießen die sieben anderen Dörfer. Die jetzt erfolgte Aufhebung des Kreises Biedenkopf mutzte diese von der Ratur gegebenen Verhältnisse berücksichtigen. Wenn nun alle zehn Dörfer dem Kreise Wetzlar zugeteilt worden sind, so ist das an den alten Verhältnissen gemessen zweifellos ein Fortschritt. Die Dörfer haben jetzt ihre Kreishauptstadt in wesentlich größerer Nähe als seither. Ihre Bewohner können nun Zeit und Geld in beträchtlicher Menge sparen, wenn sie ihre Kreishauptstadt aufsuchen müssen. Trotzdem find durch die Neuordnung der Dinge in Preutzen nur für bie drei Lahndör- fer natürliche Verhältnisse geschaffen worden. Für die sieben anderen Dörfer dagegen trifft dies nicht zu. Sie neigen, wie be- reits hervorgehoben, geographisch und vor allem auch in wirtschaftlicher Beziehung unbedingt nach Gietzen. Eine politische Zuteilung zu dem Kreise Gießen ist jedoch nicht möglich. Denn die sieben Dörfer sind preußisch, Gießen aber ist hessisch. Die preutzisch.hessische Grenze, die mit der Um- und trockenes Wetter bringen, jedoch dürste die Standhaftigkeit zwischendurch und zu Beginn der kommenden Woche durch Ausläufer des neuen is- ländischen Wirbels beeinflußt werden. Aussichten für Sonntag: Morgens dunstig und neblig-wolkig, bann aufheiternd, zunächst trocken, wärmer. Goethe sagte. „Der reist nun auch! Und ich betrachte mit Erstaunen, wie man reisen kann, ohne etwas außer sich gewahr zu werdenl" Der Fremdlings-Reisetritt ... Das will weiter bedeuten: sich fein fügen zu können in Art und Sitte einer Gegend, sich einzuschwingen in ihren Rhythmus. Es ist ein Unterschied, ob man ein Fremdling im Goetheschen Sinne ist oder einer der üblen „Fremden", die sich und ihre Gewohnheit in oft lieblos-drastischer Weise zum Mittelpunkte gegenwärtiger Erscheinung machen. 3a, die vornehme Seele spricht aus dem Worte ... Aber auch das ewige Heimweh ... Gießener Wochenmarktpreisc. ' Gießen, 6. Aug. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 130, Landbutter 120—130, Kochbutter 100, Matte 25 bis 30 Ps. das Pfund: Käse 5-10 Ps. das Stück: Wirsing 8, Weißkraut 7—8, Rotkraut 12, Gelbe Rüben 10—12, Rote Rüben 8—10, Spinat 18—20, Römischkohl 8, Bohnen, grün 12—15, gelb 12 bis 15, Erbsen 18—20, Tomaten 20—30, Zwiebeln 12, Pilze 25, Kartoffeln 3,5 Pf. das Pfund: Kartoffeln 3 Mk. das Zentner: Frühäpfel 20 bis 25, Birnen 15—30, Dörrobst 30—35, Pfirsiche 35—60, Himbeeren 15—20, Stachelbeeren 15—20, Johannisbeeren 12—15, Pflaumen 15 bis 20, Zwetschen 30, Mirabellen 35, Reineclauden 25, Honig 40—45, Junge Hahnen 80—90, Suppenhühner 60— 60 Pf. das Pfund: Tauben 50—60, Eier 8, Blumenkohl 30—60. Salat 8—10, Salatgurken 10—30, Einmachgurken 2—4, Ober- Kohlrabi 8-10, Rettich 10-12 Pf. das Stück: Radieschen 8—10 Pf. das Bd. Bornotizen. — lagesfalenberfürSamstag. Heiterkeit: 20.30 Uhr, Dereinslokal Generalversammlung. — RbZ.: 20.30 Uhr: „Aquarium" Versammlung. — 1 Reichskurzschriftgesellschaft: 20.30 Uhr, „Stabt Lich", Veremsabenb. — Lichtspielhaus, Bahnhof- ftrafee: „Kreuzer Emden". — Tageskalenber für Sonntag. Spiel- Vereinigung 1900: 14.15 Uhr, Sportplatz, Liga-Fufe- ballspiel Eintracht Siegen; ab 16 Uhr: Liebigshähe, Sommerfell. — Heiterkeit: Karlsruhe. Sommerfest. — Kaninchenzuchtoerein: Cafs Ebel, 9 bis 19 Uhr, Kaninchen-Werbeausstellung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „KreuzerEmben" Links: ber Italiener Beccali gewann zur allgemeinen Ueberraschung ben 1500-Meter-Lauf. — In ber Mitte: bie Österreicherin Ellen Preife, gebürtige Berlinerin, würbe Ueberraschungssiegerin im Florettfechten. Die Favoritin Helene Mayer konnte nur Fünfte werben.— Rechts: ber hollänbische Rabfahrer van Egmont würbe Sieger im 1000-Meter-Malsahren. 'Der Fremdlings-Reisetritt ... ..... Aus Lebenszeit erschrecket man sich das Aulschen ErdöltH' Md eines Ortes, einer mondvollen Waldwiese, Crplobi«tte eirrer Firne im Frührot. Des Wortes ganzer infciior. Durch 6hy 3cuber strömt über mich, wenn ist mich der ’horiae fßerle6un' 8tiurtöe erinnere, da ich in einer weißen Mond- Ponhnus aebradjl wet' ;acht durch das schlafende Jerusalem zum ersten . Male schritt, wie ich durch das Jaffe-Tor die $ mi* flrfafit Stiabt verließ und das ruhende Land in magi- isier enouJH’ j^r Grellheit vor mir ausgebreitet sah. Mir )?n, BrntA ajndef ft,, als fühle ich noch heute nach vielen Jahren Eckchen “ .jn?t 3t«1 cüen Schritt in meinem Innern nach. d) w,6, „ omfHärun; 3a, das waren Schritte des tiefen Erlebens- jetzt alte DaS Wort recht verstehen, heißt auch, wie es e 21 qcL Tor Saethe so wunderbar zu tun wußte: „In einem QU^oem vi c 9ssprache mit den Dingen zu sein", den „Inneren de überrag Si.in zu üben", sich zu prüfen, ob „das Auge irechen umfang- :cht und rein und hell" ist, darauf aus zu sein, e ha/ erVrdntifliftutv. ,6 ;e Falten, die sich ins Gemüt geschlagen und r seine :e -rückt haben, wieder auszutilgen", und ferner Aos UN0 . ’i-tzt wie jener Franzose zu reifen, von dem etcr£ Sn W I -----H--■■ ____________■ ÖOtb flnrte Drand ___ er erflarte. t aufi-tiV Schule ’ pj «nen ^nfl€le9te. n ®ünfter( Sträflingen in USA. Meinung, das prächtige Aus-eigene-Faust tönt in ^ineblu l (21rtan|a5) in dem Worte auf, vielleicht auch die Gnaden- üllinge nachdem sir Ichiaft einer schönen Abseitigkeit. Ach, wie lange n null lich mit Wall» ta-hen wir uns selber keinen Weg gebahnt durch i.*-» ui, umliegenden vsftrüpp und betörende Wildnisi Oder wie L mil -en Dch'- H"ge nicht schritten wir in solcher Bewußtheit r am PI bei dein ub-tr heiligen Grund, wie lange nicht... Immer ‘ ,i n o r m u n b et rar der Trott durch graue, lärmbrandende Groß- iö jroet o e r w u -.«dtstratzen.... Fliegen die Schwalben der Erde nah, dann ist bald schlechtes Wetter da. ■ " Tüchtiger Bezirks-Vertreter Für die uns erwiesene Anteilnahme beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen danken wir herzlich. Frau Anna Brück Alexanderstraße 2. Telefon 5057 5696 D Gießen, Butzbach, August 1932. 5669 D H. Elges, Seilersweg 68 3322 V Lieb: Ferdinand Zimmer, Drogerie 04622 Preisabbau 5698V bei Telefiunkeh Weitgehendst. Entgegenkommen I ZTchung 12-u. 13. August 1952 2 q samt-. Höchst- u Hauptgewinne Mark: 6MlD billigst 57020 Termin anberaumt. 5704 0 Dr. W. 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Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitz der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 23. August 1932 Anzeige zu machen. Hessisches Amtsgericht zu Gießen. „Ich M sagen Monats versammln« Samstag, 6.8.1932 20.30 Uhr, Bosnischer HoL **0 lell. Fräulein suchtWirkungökrcis bei einst Dame od. Herrn f. Pflege und Haushalt bei be- scheidenenAnsprüch. Langjähr.Zeugnisse vorhanden. Off. an K.B.,Bacheracham Rhein (Postl.) mm Auto- Garage zu vermieten. Südanlage 15. Statt jeder besonderen Anzeige. .Herr. Dein Wille geschehe I' (Matth. 6, V. 10.) ' Am Sonntag, dem 31. Juli, verschied nach Wochen schwerster, mit großer Geduld ertragener Krankheit, im Alter von 40 Jahren, mein herzensguter Mann, unser treubesorgter Vater, mein guter Schwiegersohn, unser lieber Bruder, Schwager, Onkel, Neffe und Vetter Christian Emde AutWunsch des Entschlafenen fand die Beisetzungin aller Stille statt. Für die herzliche Anteilnahme während der Krankheit und anläßlich der Beisetzung allen innigsten Dank. Besonderen Dank den barmherzigen Schwestern des St. Joseph- Krankenhauses für ihre aufopfernde Pflege, Herrn Pfarrer Becker für seine trostreichen Worte, den Vorgesetzten, Kollegen und Kriegskameraden iür das letzte Geleit sowie für die ehrenden Nachrufe und Blumenspenden. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frieda Emde, geb. Haupt Frieda und Hedwig Emde Karl Haupt. Gießen (Landgrafenstr. 4II), den 6. August 1932. Flotte Limousine Bauj. 1932 oder 1931 gegen bar zu kaufen gesucht. Dr.W.Sehwan Radio, Seltersw.64 Daselbst 2-4-Sitz. Opel (Cabr.) in tadellos. 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August 1932 vormittags 9 Uhr vor dem unterzeichneten Gerichte, Saal 101, daß durch KI NESSA alle andern Bohnerwachs - Fabrik, übertroffen werden." — So urteilt die Hauswirtschaft!. Beraterin eines großen Hausfrauen-Verbandes. Unzählige Hausfrauen sagen dasselbe üb.diese naß wischbare Parkett- und Lino- leumwichse mit der unerreichten Ausgiebigkeit (5—6 Zimmer). Da sind Sie dock; als tüchtige und sparsame Hausfrauen direkt verpflicht., den Versuch mit einer Dose für nur RM. 1,15 zu machen.— Nur mit einer Dose, denn Sie werden dann ganz von selbst Ihr Parkett und Linoleum nur noch pflegen mit xißV Bohner-Wachs Drogerie Hans Noll, Hoonslrahe 2 Drogerie Carl Seihet Frankl. Str. 39 Med.-Drogerie Haus Hindenburg. Heute Abend Kneive mit Alten Herren-Abend. Vollzäbl. 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Don unserem Ausgangspunkt Grünberg wandern wir in nördlicher Richtung blauen liegenden Kreuzen nach zunächst über Stangenrod an saftigen Wiesengründen vorbei mit hübschen Blicken auf Ulrichstein und den gesamten Vogelsberg, später durch prächtigen Buchenhochwald nach dem hochgelegenen Weitershain (gute Einkehr). Hier treffen wir die blaue Punktmarkierung: Gießen— Rieder-Ohmen, der wir jetzt nach links folgen. Wiederum durch schönen Waldbestand, stundenlang auf einsamen Wegen, gelangen wir über den Hohen Roll durch Geilshausen, wo wir die Lumda überschreiten, nach Bersrod und kreuzen unterwegs gelbe, rote und blaue Dreiecke. Stets durch Wald führen uns die blauen Punkte nach S o m m erkür für 3970 V | Nervenkranke und Nervös-Erschöpfte Spixlalkaramtalt Hofhelm Iib Tannes bei Frankfurt a. M. — Prospekte durch San-Bal Dr. M. SMze-Kahlera, 'Tr K Niederspaj a. Rh. bei Boppard Pension Wirth Volle Pension von 3.25 Mk. an. 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Die Reichs- bahnverwaltung hat sich entschlossen, ab dem heutigen Samstag von Bahnhof Weidenhausen nach Marburg Sonntagsrückfahrkarten zum üblichen ermäßigten Preis auszugeben. Diese Neuerung wird sicherlich allgemein begrüßt werden. Kreis Biedenkopf. »'Hartenrod, 5. Aug. Dom heutigen Samstag ab, werden, wie das Reichsbahnbetriebsamt Giehen mitteilt, Sonntagsrückfahrkar- t e n vom hiesigen Bahnhof aus nach Marburg und nach Herborn ausgegeben. Spiclplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 7. August, 20 bis gegen 23 Uhr: „Die Toni aus Wien". — Montag, 8., 20 bis 23: „3m weihen Röhl". — Dienstag, 9., geschlossen. — Mittwoch, 10., 19.30 bis gegen 22.30: „Die Zauberflöte". — Donnerstag, 11., 19.30 bis gegen 23: „Tannhäuser". — Freitag, 12., geschlossen. — Samstag, 13., 20 bis gegen 23: „Die Toni aus Wien". — Sonntag, 14., 19.30 bis gegen 23: „Carmen". Schauspielhaus. Sonntag. 7. August, 20.30 bis nach 23 Uhr, (Freilichtaufführung auf dem Römerberg): „Egmont". — Montag, 8.. geschlossen. — Dienstag, 9-, 20.30 bis nach 22.30 (Freilichtaufführung im Waldtheatcr des Stadions): „Iphigenie auf Tauris". — Mittwoch, 10., 20.15 bis nach 23.30 (Freilichtaufführung auf dem Römerberg): „Geschichte Gottfriedens von Berli- chingen mit der eisernen Hand (Hrgöh)". — Donnerstag, 11., 20.15 bis nach 23.30, (Freilichtaufführung auf dem Römerberg): „Geschichte Gottfriedens von Derlichingen mit der eisernen Hand (Hrgöh)". — Freitag, 12., 20.30 bis nach 23, (Freilichtaufführung auf dem Römerberg): „Egmont". — Samstag, 13., 10.30 bis nach 14, (geschlossene Vorstellung für Erwerbslose): „Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Aanö (Llrgöh)". 20.30 bis nach 23. (Freilichtaufführung auf dem Römerberg). „Egmont". — Sonntag, 14., 20.15 bis nach 23.30. (Freilichtaufführung auf dem Römerberg): „Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand (Hrgöh)". Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 7. August. 11. Sonntag nach Trinitatis. Stadlkirche. 8 Uhr: Pfarrassistcnt Knell; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Mat- thäusgemeinde: 9.30: Pfr. Becker. — Iohanneskirche. 8: Pfr. Ausfeld: zugleich Christenlehre für die Neu- konfirmierten der Iohanncsgemeinde: 9.30: Pfr. Bechtolsheimer: 20: Missionsstunde im Iohannessaal; Pfr. Groh. — Kapelle des Allen Friedhofs. 9.30: Pfr. Lic. Waas. — Llifabefh-Kleinkinderschule. Fällt aus wegen Umbau. — Konfirmandensaal Liebigsirahe 56. 13: Taubstummengottesdienst: Pfr. Bechtolsheimer. — Klein-Linden. 9: Gottesdienst: anschließend Chri- tenlehre für die weibliche Jugend: 10.15: Kindergottesdienst. — Heuchelheim. 10: Gottesdienst (Kol- lekte): 11.15: Katechismuslehre (weibliche Jugend). — Dieseck. 9.30; 10.45: Christenlehre. — Alten-vuseck. 10. — Trohe. 13. — Kirchberg. 10: Kirchberg: 11: Christenlehre für die konfirmierte weibliche Jugend; 13.30: Lollar. — Hausen-Garbenleich. 10: Garbenteich; 13: Hausen. — Watzenborn-Steinberg. 13.15: hauptgottesdienft. — Grüningen. 9: Hauptgottesdienst. — Lich. 9.15: Beichte; 9.30: Stiftspfarrer Draudt; hl. Abendmahl; Kollekte; 14: Pfr. Henkel- mann; Kollekte. katholische Gemeinden. Samstag, den 6. August. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, den 7. August. 12. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Männer und Jünglinge; 8: Kommunion; 9: hoch- amt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14: An- dacht. — Grünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 17.30: Vortrag und Andacht. — Caubad). 10: Hochamt mit Predigt; 14.30: Christenlehre und Andacht. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt; 20: Dortrag und Andacht. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schollen. 10.30: Hochamt mit Predigt. Mittwoch, den 9. August. Hungen. 6.30 Uhr: Messe. Oberheffen. Landkreis Gießen. * Mainzlar, 5. Aug. Die Herren Ludwig Schwarz III. und Ludwig Kreiling wurden zu Feldgeschworenen der Gemeinde Mainzlar ernannt und verpflichtet. * Saasen, 5. Aug. Der bisherige Polizeidiener Heinrich M e n z II. wurde zum Bürgermeister der Gemeinde Saasen gewählt und auch verpflichtet. chAusdernördlichenWetterau,5. Aug. Rachdem sich die Preise für Schlachtschweine wochenlang auf gleicher Hohe gehalten haben, gingen sie in letzter Zeit sprunghaft in die Höhe. So werden heute für das Psund Lebendgewicht 40 bis 45 Pfennig bezahlt. Dre Preise für Ferkel ab Stall betragen, bis sechs Wochen alt 9 bis 12 Mark, sechs bis acht Wochen alt 12 bis 16 Mark, acht bis zwölf Wochen alt 16 bis 20 Mark. Kälber werden mit 32 bis 34 Pfennig für das Pfund Lebendgewicht gehandelt, und Schlachtrinder gelten je nach Qualität 26 bis 34 Pfennig im Pfund Lebendgewicht. Kreis Schotten. Schotten, 5. August. Auf Veranlassung des hiesigen Kreisgesundheitsamtes in Der- bindung mit dem Kreisschulamt wird Prof. die Binger trinken manchen Schoppen im Nassauischen drüben und die Bingerbrücker besuchen die zahlreichen Weinhäuser in Bingen, versorgen sich dort mit Pfeifentabak und guten Zigarren und sollen sogar dort auf die Freite gehen. Item, alles war in schönster Butter, bis ein neuer Bürgermeister nach Bingen kam, der behauptete, der Landschaft fehle noch etwas: der Fremdenverkehr! Bingen sei eine durchaus internationale Stadt, Hauptknotenpunkt an der europäischen Heerstraße von Basel—Heidelberg—Köln, Wiesbaden—Bingen- Kreuznach—Paris, Holland—Schweiz usw. Außerdem habe er das Problem der Matnlinie gelöst, die hier Nahelinie heißt) — Bingen nämlich liege auf hessischem Gebiet und sein herrlicher Stadtwald auf preußischem Gebiet, was aber die Fremden gar nicht merkten. Bier Punkte gab er als Warhzeichen seiner schönen Stadt an: die über den grauen Dächern ragende Burg Klopp, die weit ins Land sichtbare Rochuskirche, das Nationaldenkmal auf dem Niederwald und das Bismarckdenkmal auf der Elifenhöhe (letzteres vorläufig noch nicht ganz fertig, da die Bausteine noch fehlen). Inmitten dieser vier Punkte nun liegt Bingen, das der selige Humboldt einmal die schönste Stadt in Deutschland (nach Heidelberg) genannt haben soll, dessen Lob als fromme und trinkfeste Stadt aber ein weit größerer — und das ist mehr verbürgt — gesungen hat: Goethe, der durstig-fromme Pilger aus Frank- furt, als er heiteren Sinnes nit feinen Freunden zur Befreiungsfeier der Binger Bevölkerung 1814 hier oben weilte. Sv tief war der Eindruck dieses volkstümlichen Festes, daß Goethe ihn in feinen Erinnerungen festhielt und zum Andenken an feinen Besuch ein Gemälde stiftete, das ihn selbst als mildtätigen heiligen Rochus darstellt — es ist heute noch in einer Seitenkapelle zu sehen! Gute Bilder und schöne alte Stiche aus jener Zeit findet man neben einer bedeutenden Sammlung römischer Al- tertümer im Bingener Heimatmuseum. Wie wäre es denn nun mit einer Rheinfahrt nach Bingen? Unter der Mainzer Brücke durch den schönen Rheingau an all den weinfrohen Orten vorüber von Eltville bis Rüdesheim und dann, ohne auszusteigen, zwischen einer Flotte von Dampfern und Lastkähnen ans rosengeschmückte Ufer der gastlichen Stadt Bingen, wo Ihr freundlich empfangen werdet. Oben aber auf Burg Klopp sitzt am aussichtsreichen Erker — nicht etwa die schönste Jungfrau von Bingen — sondern der tüchtige Bürgermeister, der die Gäste in feinen Burg- {aal geleitet und ihnen eine Vorlesung über die Güte des Singer Weins hält ... mit praktischen Hebungen. Dr. Pitzen, der Leiter des Orthopädischen Instituts zu Gießen, im Laufe des August verschiedene Vorträge über orthopädisches Turnen und Krüppelfürsorge für die Lehrerschaft des Kreises halten. Die Vorträge finden in Schotten, Gedern, Laubach und Ulrichstein statt. Da die schulärztlichen Untersuchungen im Kreise ergaben, daß etwa ein Fünftel aller Schüler Haltungsfehler aufweisen, müssen alle Maßnahmen begrüßt werden, die diese Fehler zu verhüten oder zu beseitigen suchen. Preußen. Kreis Wetzlar. WSN. Wetzlar, 5. Aug. Im hiesigen städtischen Freibad ereignete sich gestern ein Vorfall, Der einiges Aufsehen erregte. Ein etwa 35jähriger Mann erschien an der Eingangskontrolle und verlangte Zutritt mit der Begründung, nach seinem Kinde sehen zu wollen. Er begab sich dann zu zwei etwas abseits badenden, ungefähr zwölf Jahre alten Mädchen, denen er sich unsittlich zu nähern versuchte. Der Mann wurde von der Polizei festgenommen. Es stellte sich heraus, daß es sich um einen evangelischen Pfarrer aus einem Dorfe in der Nähe von Gießen handelt. Wie wir hören, ist der Geistliche bis zur restlosen Klärung der Angelegenheit beurlaubt worden. 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Seitdem die bösen Mäuse den angeblich geizigen Bischof Hatto mausetot gebissen hatten, war es still geworden um den grauen Turm; überhaupt war das eine in jeder Beziehung unangenehme Gegend: der Rhein war eingeengt zwischen heimtückischen reifen, so daß die Reise auf dem Strom nicht ohne Gefahr für den Leib war, nachdem man die Seele glücklich an den gefährlichen Lockungen der Loreley und anderen Rheinnixen vorbei gerettet hatte — der Landweg war aber auch nicht ohne Tücken, denn an dem düsteren Ort, wo die Klemenskirche stand und in den Aesten der hohen Bäume die Leichen der gehängten Raubritter baumelten, hielten sich allerhand Gesindel und Räuber aus dem nahen Soonwald auf — kurz, die gestrengen Bürgermeister hatten viel Mühe, den Fremdenverkehr in diese verrufene Gegend zu locken; außerdem waren die 23er- schönerungsvereine, wie sie damals hießen, furchtbar zurückhaltend mit Zuschüssen — sie legten das Geld lieber in Bacharacher Feuerwein an oder bauten aus den soliden Steinen der zerstörten Burgen „historische Gaststätten" für die Nachwelt. Aber dann kamen eines Tages merkwürdige Leute aus Köln und sogar aus Berlin, meist stämmige, trinkfeste Leute mit großen Schlapphüten und technischem Wissen — man nannte sie Jngeniöre und Geodäten; sie prüften und nahmen Maß, um dem alten Vater Rhein ein neues Gewändlein anzuziehen, das mit der Zeit doch etwas schäbig und von lauter Moos ganz grün ausfah. Dabei benahmen sie sich sehr geräuschvoll, schossen und sprengten, daß die Raben und Turmfalken erschreckt vom Mäuseturm und der verwitterten Ehrenburg aufflatterten. Das Binger Loch wurde erweitert, auf blanken Schienen sauste die erste Bahn heran und das Gespenst Hattos wurde pensioniert; an seine Stelle kam der erste preußische Derkehrsschutzmann, auch Wahrschauer genannt, der all den Schiffen den Weg wies, rheinabwärts zur Krone nach Aßmannshaustn und bergwärts nach Bingen zum „Stolperetf* (bekannte Weinschenke in Bingen). In dieser paradiesischen Gegend nun herrschten drei ganz verschiedene Dolksstämme: die Preußen, die Hessen und die Nassauer, die ganz verschiedene Neigungen hatten: die Preußen tranken Bier und oft sauren Wein, die Hessen lieblichen Wein vom Rochusberg und anderen sonnigen Orten, die Nassauer aber tranken teils ihren dicken vollen Rheingauwein, teils Aeppelwein, soweit sie im Taunus wohnten. Das konnte mit der Zeit nicht gut gehen und so beschloß der hohe Rat in Berlin, als Wächterin über das ganze Land die Germania zu setzen, hoch über dem Rheinstrom im deutschen Niederwald, wo schon Karl der Große mit Vorliebe spazieren ging. Seither herrscht Einigkeit unter den Stämmen, Gasthaus zur Waldlust heft, feit 1860.—Größtes bürge!. Garten- reitaurant am Platze.—Eigene Schweine- metzgerei. eigene Avfelwemkelt. Bürger!. Mittagstisch. Reichh. Abendkarte. Billigste Preise. Aufmerksamste Bedienung. vSlD Iah. Frtti Ba«|. Eck» Hangt» ». Twuitr. Gelnhausen. Don Hede Linelmayer. Die (rite Stadt, die ehemals eine freie Reichsstadt war, hat sich vor einigen Jahren plötzlich als junge Dadestadt entpuppt. Sie hat vor ihren Mauern, die trümmerhaft mit ihren Türmen stehen blieben, neue Häuser angesiedelt, die all- mählich die enge Stadt entfesseln werden; auch gingen ihre Vaumeister in die winkeligen Straften hinein, um dort zeitgemäfte Bauten aufzurichten. Aber das mittelalter, das allerorten noch steht, dominiert auch heute im Stadtbild. Das ist der grofte Vorzug dieser stiften Landschaft. Vom Bahnhof aus gesehen, ruht die Häuserflucht breit hingelagert vor dem letzten Abhang des Vogelsberges, also südlich, und dementsprechend ist der Dergrain übertoalbet von Obstkulturen. Die Tortürme, die von der Kin - - i g an bis in den Berg hinauf die Stadt beherrschen, sind ihre Trümpfe; das imposanteste Bauwerk ist die Marienkirche mit ihrer pittoresken Steinmehkunst. Unweit davon besagt an einem Pfarrhof eine Inschrift, daft in dem Hinterhaus die Deformation formell vollzogen wurde. Dagegen gleicht das GotteshäuSlein, das man heute „Gela-Kapelle" nennt und das auf einem Rasen vor der Stadt steht, fast einer Scheune. Hochgiebelig, mit leeren Fensterbogen primitiver Schweifung, ragt dieses tausendjährige Gebetshaus ohne Glockenturrn aus der Weichen Landschaft. Hier sind die steinigen Wege, die in den Berg hineinführen, immer durch trächtige Obstgärten, die ehemals Weinberge waren, flankiert. Von den Buckeln des Berges aus gibt sich der weite Timblick in die Kinzigebene, aus der sich in der nahen Feme die Spessart- berge aushügeln. Die Kinzig allerdings, die man regulierte, muft ihre Ufer dämme wieder überwachsen und ihre Schotterwege glatt treten lassen. Vorläufig treibt sie holländisch-kanalhaft unö unpoetisch an der Stadt entlang. Rur da, wo sie vor der Stadt ein Eiland bildet, blieb die Idhllik ihrer Ufer erhalten. 3m Dickicht ihrer dusche und Bäume hält sie einen Teil der Unter- ft ab t wie einen Weiler verborgen, dessen Kem die groftte Sehenswürdigkeit, die „Darba- r 0 f f a b u r g" darstellt. Man ahnt sie nicht von auften. Man könnte ogar ihr Eingangstor, das einet Zitadelle fieicht, fast übersehen; wenn man das Tor durch- chreitet, hat man die ganze Burg sofort im ^?uck. Was steht da noch? Ein Totgang, eben dieses Eingangstor mit aufgefundenen Skulpturen und einer kleinen Kreuzgangkonstruktion, darüber das Bruchwerk zweier Obergeschosse und daran angehängt die Säulenreihe eines Seitentraktes. Das ist alles. Aber dieser rote Sandstein ist imposant in seiner mächtigen Zerstücktheit, und noch jetzt empfindet man die Wucht der schweren Burg in diesem Torso. Daumwerk will die Umfassungsmauer sprengen; Vögel haben hier eine Freistatt. Mit dem Kurpark hat die Stadt ©eln- hausen in dieser Wasserburg und ihren Berg- wegen einen der besten Anziehungspunkte. Zwar liegt er ganz am anderen Ende der Stadt und somit weit entfernt von ihren Quellen. Aber mmt wuft die Parks betreuen, wo sie sind. Diesem Park hatte nur noch das Kurhaus gefehlt, um ein richtiger Kurpark zu sein! Ein alter Park, mit alten Bäumen und mit einem ruhevollen verträumten Schwanenweiher, mit Raturholz- brüden, einem Tennisplatz, einer Fontäne, mit Blumenbeeten und wilden Wiesen. Es ist die Eigenart des jungen Bades, daft es naturhaft frisch und unverbildet ist, noch gar nicht modisch frisiert. Die Gäste, die hier vertrauensvoll einkehren, beginnen nicht nur die heilenden Wasser hochzuschätzen, sondern auch die Friedlichkeit des Landes und der Stadt. Do kann die Kur zur wahren Sommerfrische werden. Sleusungevhof „„D Stat.)Ullcket.voge!Sb. (Strecke Gießen-Fulda) Shvisittch. Erholungsheim ^ser^,^n0,§ft£ätt^.e6r empfohlen. Stär- tzud^^benluft. Viel Wald. 80 Betten. 3-2--8}mmet mit flieh.Wasser. 4Mahl- und 3.50 Mebrbettenzimmer Mk 2 50. Km der bw 13 Jahre Mk. 2.—. Ohne jeg- ftche Zuschläge. Aus Wunsch Diätkost Milchkuren möglich. Bad i. Hause. Prosv. aui Verlang, voufrei. Fernruf Mücke 36. Herbstein i.VogeisbergÄ ""DeNoon Tannern und Fichten- walü, 5 Minuten erreichbar 2 Seen für Badegelegenheit. Pension bei 4 Mahl- zetten Mk. 3.50. — Besitzer: L. Statt, Metzgerei und Gastwirtschaft. 5574O M MWk Wei. Original-I^oman von Anny von panhuys. Copyright by Vertag A. Bechthold, Braunschweig. 27. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Werner Sturm äußerte sich nicht viel, er achtete kaum darauf, wie seine Mutter und Celia sich in das Thema vertieften, er muhte nur mit einem Male denken, also Lil war gar nicht verheiratet, wie man geglaubt, und weil sie doch nun, da sie ihr Vaterhaus gekauft, manchmal in Frankfurt wohnen würde, bestand die Möglichkeit eines Zusammentreffens. Er aber fürchtete sich davor. Lil wiederzusehen. Lils Derschlossensein hatte es fertiggebracht, dah er sie matt und matter sah in der Erinnerung. Jetzt aber ward ihr Bild jählings wieder unheimlich lebendig und er sand, es war gut, dah er so dicht vor seiner Hochzeit stand. Celias Liebe muhte ihm helfen, Lils Bild für immer zu töten. Celia liebte ihn. Ihre Küsse waren heiß, ihre Arme schlank, und sie wollte seine Ge? hilfin sein. Das Mädel, das als Clown durch die Welt zog, ging ihn nicht Mehr an als jede Fremde. Zwei Tage darauf begegnete er Lil in der Nähe des Bahnhofs. Er erkannte sie sofort. Sie erschien ihm noch liebreizender als früher und sehr vornehm. Er überlegte, sollte er sie grühen, die heimlich aus dem Haus geflohen, die in einem zurückgelassenen Dries seine Liebe „jämmerlich klein" genannt? ,x Es war, als risse ihn eine starke, unsichtbare Macht zu Lil, trotz allem, was gegen sie sprach. Er bemerkte ihr Erröten, aber ihr Blick traf fremd und kalt den seinen, dann ging sie hastig an ihm vorbei, wie an einem Fremden, den sie in ihrem ganzen Leben niemals vordem gesehen. Ihm war es. als müsse er laut rufen: Lil, meine Lil! Doch da fiel ihm ein, er trug den Ver- lobungsring am Finger. Er blickte sich um und verfolgte die zierliche Gestalt, die an einen der Gepäckabfertigungsschalter trat, wo ein Herr stand, mit dem sie hastig sprach. Werner erkannte den Herrn auf den ersten Blick. Cs war derselbe, der sich vor ein paar Wochen bei ihm hatte melden lassen. „Franz Hirt. London" hatte auf seiner Karte gestanden. Es bedurfte keiner besonderen Schlauheit, um zu wissen, Lil war der Menschenfreund, in dessen Auftrag der Besucher bei ihm gewesen. Lil hatte ihm helfen wollen! Wie sonderbar und unverständlich das war. Dieselbe Lil hatte ihm die große Summe ohne jede Verpflichtung seinerseits geben wollen, die ihn eben gar nicht beachtet, deren Augen unsäglich gleichmütig an ihm vorbeigeglitten. Er wandte den Schritt. Sie brauchte nicht bemerken, daß er ihr gefolgt war. Er wußte jetzt auch, ohne von jemand die Gewißheit dafür erhalten zu haben, der Begleiter Lils war ihr Kollege, mit dem sic zusammen austrat. Von zwiespältigen Gefühlen hin- und hergerissen, ging er nach Hause. Celia war wieder da. Celia war fast den ganzen Tag da und er traf sie meist, wenn er nach Hause kam. Sie begrüßte ihn immer, als wäre er endlose Zeit fortgewesen. Er hatte stets gelächelt, wenn sie ihm stürmisch um den Hals gefallen und ihn bis zur Atemlosigkeit geküßt hatte, heute aber empfand er es unangenehm. Er dachte an Lil, dast sie noch liebreizender geworden, seit er sie nicht gesehen und sann darüber nach, warum sie ihm Gutes hatte erweisen wollen, obwohl sie so rücksichtslos aus seinem Leben gegangen war. Er verließ das Haus bald wieder unter dem Vorwand, einen Patienten besuchen zu müssen. Celias Nähe schien ihm heute unerträglich, und er dachte erschreckt an die nahe, bevorstehende Hochzeit, auf die er sich vor kurzem gefreut hatte. Als er wieder nach Hause zurückkehrte, war Celia gegangen und seine Mutter lag im Bett. Sie klagte: „Heute seht mir das Herz wieder entsetzlich zu, beim Liegen fühle ich mich noch am wohlsten!" Er tröstete sie und sie schlief schließlich ein. Doch diesem Schlaf folgte kein Erwachen. Adele Sturm ging still in dieser Nacht hinüber in die Ewigkeit. 20. Kapitel. Eine böse Ueberraschung! Man hatte die Baronin Sturm begraben und Celia trug Trauergewänder von bezaubernder Einfachheit. Die schwarzen kreppbesehten Kleider, die schleierumwallten Hüte schmeichelten ihrer Schönheit und mancher bewundernder Blick folgte ihr aus der Straste. Sie war im Grunde froh, dast die Baronin gestorben war. Als Werners Braut hatte sie ihr geschmeichelt und in allem nachgegeben, aber sie hatte sich vorgenommen, sobald sie erst Werners Frau geworden, wollte sie dafür sorgen, daß seine Mutter anderswo hinzog. Die kränkliche Frau, die immer einen etwas bevormundenden Ton anschlug, störte sie. Nun hatte der Tod alles vereinfacht. Celia wohnte, seit sie die Villa in Rödelheim verlassen, bei ihrer Tante, Frau von Welp, und beide Damen saßen beim Frühstück, als Meta einen Herrn meldete, der die Gräfin Kurzmann zu sprechen wünschte. „Er must seinen Namen nennen", forderte Celia, „ich habe keine Zeit für Unbekannte." Das Mädchen kehrte gleich darauf zurück. „Er sagt, ich solle nur bestellen. Fritz wäre da, der frühere Chauffeur Fritz, der in München bei Frau Gräfin in Stellung gewesen. Er hätte ein dringendes Anliegen an Frau Gräfin." Delia war nicht so leicht in Verwirrung zu bringen. abLr jetzt verfärbte sie sich. Sie wandte sich mit erkünstelter Nachlässigkeit an Frau von Welp. „Entschuldige einen Augenblick, Tante, der Mann war pflichtgetreu, also werde ich ihn anhören." Sie ging in ihr Wohnzimmer, ganz am Ende des Ganges, dort mustte Meta den Gemeldeten hinbringen. Nachdem Meta die Tür von außen eingeklinkt, sah die Gräfin den Mann, der vor ihr stand, mit bösen, zornigen Augen an, aber sie legte zugleich die Finger auf die Lippen zum Zeichen des Schweigens. Erst überzeugte sie sich, daß Meta draußen nicht mehr in der Nähe war, ehe sie sprach. Hastig warf sie dem bildhübschen, gutgekleideten, ungefähr dreißigjährigen Mann entgegen: „Warum hast du dein Versprechen gebrochen? Du wolltest dich nie mehr vor mir sehen lassen, so war es ausgemacht." Er nickte und seine dunklen Augen sahen sie groß an. „2a, so war es ausgemacht, aber ich habe Pech im Geschäft gehabt, Celia, ich brauche nochmals Geld, eine größere Summe, und dann habe ich gehört, du willst wieder heiraten. Da dachte ich, wenn du erst verheiratet bist, ist's vielleicht schwerer, an dich ranzukommen, also machte ich mich gleich auf. Wie gesagt, ich brauche Geld und nun ich dich wiedersehe. ärgert es mich, dast du heiraten will." Er flüsterte: „Wir haben uns einmal sehr lieb gehabt. Celia, und ich habe dich noch lieb. Heirate mich, so lieb wie ich, kann dich der Doktor gar nicht haben." Celia blickte ihn erschreckt und verächtlich an. „Du bist verrückt", raunte sie, „last den ilnfinn. Ich will dir noch einmal Geld geben, eine größere Summe, aber danach möchte ich nie mehr von dir hören." Kein Wörtchen sprach sie laut. Der Mann redete auch leise, ein Lauscher nebenan hätte nichts verstehen können. Seine Augen funkelten. „Ich finde dich schöner wie damals, als du mich küßtest und deinen Geliebten nanntest, den du mit Geld abfandest, als du ihn satt hattest. Ich dachte auch, ich wäre mit dir fertig, ich kam wirklich nur, um mir Geld von dir zu holen, aber jetzt hast du mir neue Lust nach deinen Küssen gemacht. Celia. Wozu soll ich mit einer bescheidenen Summe zufrieden sein, wenn ich dein ganzes Geld haben kann und dich dazu. Auf den klugen Gedanken verfalle ich allerdings erst jetzt, wo ich dich wiedersehe." Sie raunte: „Reize mich nicht durch Unverschämtheiten, sonst gebe ich dir gar nichts." Er verzog den Mund — vielleicht sollte es ein Lächeln sein — und erwiderte spöttisch: „Richt zu dreist. Frau Gräfin, es gibt Dinge, die Sie dadurch nicht aus der Welt schaffen. Ich bleibe bei meiner Forderung. Ich habe jetzt ein paar Jahre rumgekrebst mit dem gnädigst gespendeten Geld und trotz aller Mühe und Arbeit das Geschäft nicht halten können. Was war dos auch für ein Geschäft? Zwei Taxis und eine kleine Autoreparaturwerkstatt. Ich habe das Herumgequäle bis über die Ohren satt und lasse mich nicht noch einmal wie einen Dummkopf behandeln. Ich will dich heiraten und dabei bleibt es, aber da ich einsehe, hier ist nicht der Ort, uns auszusprechen, gib mir an, wo und wann wir uns treffen können. Aber heute noch." Die Gräfin sah sehr blaß aus. „Was ist nur in dich gefahren? Sei doch vernünftig. Ich schreibe dir einen Scheck und du fährst nach München zurück." Sie legte dem schlanken, schöngewachsenen Monn die Hand auf den Arm. „Quäle mich doch nicht. Stefan, und ruiniere meine Zukunft nicht. Ich gebe dir eine anständige Summe, damit kannst du dir schon helfen." Kaum hatte die Gräfin vorhin das Zimmer verlassen, als Werner Sturm kam und nur von Frau von Welp empfangen wurde. Er hatte Celia um eine Adresse bitten wollen, die sie wustte und die er brauchte. Er hörte, es wäre jemand bei Celia. Frau von Welp erklärte: „Es ist ein früherer Chauffeur Celias, der in 'München bei ihr in Stellung gewesen. Vielleicht ist er in Rot und will Celia um Geld bitten." Werner Sturm meinte: „Hoffentlich bleibt der Mann nicht zu lange, ich habe nicht viel Zeit." Frau von Welp unterhielt den Besucher, so gut sie konnte. Sie erzählte auch: „In dem Haus, das Lil Körner zurückkaufte, hat der frühere Diener Franz, der lange bei Lils Vater gewesen, jetzt eine Art Derwalterstellung inne, hörte ich. Derweil also das verdrehte Mädel als Clown herumreist in der Welt, lebt der alte Schleicher mit seiner Frau, der Köchin, in dem großen Haus, als wäre er selbst der Besitzer." Werner zuckte ein wenig zusammen. Das verdrehte Mädel! Da war die hästliche Benennung wieder, die man Lil gegeben. Seine Mutter hatte sie allerdings zuerst gebraucht, und er hatte dazu geschwiegen. Mit einem Male empfand er Zorn über die abfällige Benennung. Er erwiderte ein wenig betont: „Lil Körner hat bewiesen, sie ist ein gescheites und muttges Mädchen. Sie hat das Wunder fertiggebracht, den Namen ihres Vaters sauber zu machen." lFortsetzung folgt.) yv* M QfaijUi! Lichtspielhaus ■ Gießen Nur noch heute a.morg.Sonntag: Ein Heldenepos der deutschen Marine KREUZER EMDEN Hauptrollen: Werner Futterer, Ren6 Stobrawa, Louis Ralph. Jeder Deutsche muß diesen Film sehen! AB MONTAG: Ein Film, der alle Sorgen d. Alltags vergessen macht, Die Mutter der Kompagnie mit Weiß Ferdi in der Hauptrolle. 5706 C Hochschulef. Musik in Sondershausen iiiiiiiiiiiiIbiiiiwiiiiiim Ausbildung in allen Fächern der Musik Großes Schüler-Orchester 5684 v Staatliche Prüfungen. Prospekte kostenlos Direktor Professor C.A. Corbach Kursus für Krankenpflege u. Massage Ich beabsichtige bei genügender Beteiligung vom 15. August ab einen 6—Swöchlgen Kursus zur Ausbildung i. d. Massage, Heißluftbehandlung, Krankenpflege u. Verbandslehre abzuhalten. — Am Ende des Kursus findet eine Prüfung unter ärztlicher Aufsicht statt, die Gewähr bietet, daß dieTeilnehmer in der Lage sind, ärztliche Verordnungen in Orten auszuführen, wo kein Heilgehilfe oder Masseur vorhanden ist. Anmeldungen werden bis zum 10. August erbeten. Interessenten erfahren alles Nähere bei AugustBues,staatl. gepr. Heilgehilfe I Gießen, Walltorstr. 38 • Fernsprecher 2409 5690 D Für alle Glückwünsche und Geschenke, die uns anläßlich unserer silbernen Hochzeit in so reichem Maße zuteil wurden, sagen wir herzlichsten Dank ULiiiv