M.156 Erstes Blatt 182. Jahrgang Mittwoch, 6. Zull 1YZ2 Erschein» tägltd), nutzer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Die Illustrierte Giehener Familienblätter Heimat im Bild ■ Die Scholle Monatr-Bezugspreir: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , - 25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. HernsprechanschlUsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: Zronlsurt am Blain 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'lche Univer^lttr-Vvch. und Stetnöruderei K Lange in Siesten. Zchristlettung und Geschäftrftelle: Zchnlstraste 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für No- klamcanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20” „ mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Gange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Oer Osten und wir. Außenpolitische Umschau. Don Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Verlin. Noch läuft die Lausanner Konferenz und noch läuft auch die Abrüstungskonferenz in Genf. Erst in einigen Tagen wird es möglich sein, den vorläufigen Ausgang dieser Zusammenkünfte abschlie- hend zu besprechen. Inzwischen geht aber auch im Osten allerlei vor, das unsere Aufmerksamkeit erfordert. Polen hat mit besonderer Aufmerksamkeit die Lausanner Verhandlungen verfolgt, obwohl sein Anteil an den deutschen Tributen sehr gering ist: die bekannte halbe Million Mark pro Jahr, die wie er- innerlich ohne jeden Sinn in die Poungplanab- machung (unter Zustimmung der deutschen Negierung) eingefügt worden ist. An den interalliierten Schulden ist Polen direkt nicht beteiligt. Seine Verbindlichkeiten gegenüber den Vereinigten Staaten betragen 178,5 Millionen Dollar, was einen Zinsen- und Tilgungsdienst von rund 75 Millionen Zloty ausmacht. Sein Interesse an den internationalen Zusammenkünften geht in anderer Richtung. Da ift einmal das Donauproblem, genauer gesagt, der Wunsch Polens, an einem Plan zur Sanierung des Südostens auch beteiligt zu sein. Und da ist weiter die Lagerung der internationalen Beziehungen überhaupt, speziell zwischen Deutschland und Frankreich. Es steht nämlich die Erneuerung des französisch - polnischen Militärbündnisses zur Diskussion. Kein Mensch freilich weiß, ob es, das jetzt abläuft, nicht inzwischen von den Generalstäben erneuert worden ist. Das fortgesetzte Mißtrauen aber, das in der Warschauer Presse zu Wort kommt,' ob das Bündnis weiter Bestand habe, läßt mindestens darauf schließen, daß in Paris nicht unerhebliche Einflüsse dagegen am Werk sind. Aus radikalen Kreisen wird Herriot vorgehal- ten, daß diese Vertragsbeziehung Frankreich sehr belaste und daß dieses System der Sonderbündnisse einer Idee allgemeiner internationaler Verständi- gung durchaus widerspräche. Nun kommt hinzu, daß, wie bekannt, die Zahlung der zweiten Rate der Anleihe für die Gdinger Bahn aus Frankreich nicht gekommen ist. Der französische Sparer hat kein Vertrauen zu der Wirtschaftslage Polens, noch weniger zu seiner innerpolitischen Situation, von der ja überhaupt niemand weiß, wohin sie sich entwickelt. So bedeutsam das auch ist, wir glauben nicht, daß die Warschauer Sorge berechtigt ist. Für Frankreich ist der Vertrag mit Polen geradezu ein Symbol für d i e sog. Ordnung von Versailles und ein Eckstein in feinen internationalen Beziehungen. Immerhin: in der jetzigen Konstellation steht für Frankreich die polnische Beziehung nicht im Vordergrund. Kein Zweifel, daß Polen deshalb die Bemühungen nicht unterläßt, das bekannte O ft p a k t f y ft e m, das Moskau angeregt hat, zum Abschluß zu bringen. Es ist bereit zu einem solchen Nichtangriffspakt mit Rußland, um dadurch seine Friedlichkeit zu beweisen und noch mehr, um damit einer französischen Politik in die Hände zu arbeiten, die eine gemeinsame feste Beziehung Frankreichs zu Polen und zu Rußland hervorbringen möchte. Das Hindernis ist nach wie vor Rumänien und sein Widerspruch gegen einen Pakt, in dem sich Rußland fein Recht auf Bessarabien irgendwie vorbehalten würde. Ist so die Linie Polens nach Osten hin leidlich klar, so ist das der Fall auch nach Westen. Das Verhältnis zu Deutschland bleibt nach wie vor durch die Wirtschaftsbeziehungen trotz ihrer Milderung im sog. Warschauer Abkommen gespannt. Das ist noch mehr der Fall mit einer Politik Polens gegen Danzig, in der Plan und Absicht sein muh. Eins reiht sich an das andere: der Handels- und wirtschaftspolitische Streit, sowie die von Polen provozierten Zwischenspiele beim Besuch der englischen und danach der deutschen Flotte. Verfolgt man das eine Weile, so kann man nur zu dem Schluß kommen, daß von Polen absichtlich eine provokatorische Po 1 i ° t i k betrieben wird, eine Politik, die Danzig wirtschaftlich die Gurgel zuschnüren will. Daß auch nur das geringste Eingehen auf Revisionsgedanken, wie sie etwa in diesen Wochen bezüglich des Korridors Graf Coudenhove wieder ausgesprochen hat, auf das schärfste zurückgewiesen wird, ist ebenso selbst- verständlich wie immer wieder, daß nichtamtliche polnische Stimmen laut werden, die d i e „Befreiung" O st preußens und dabei auch gleich Lettlands im bekannten großerpolnischen Sinne fordern. Wir streifen nur die augenblickliche Beruhigung derMemeler Fragen, in der der bekannte Kownoer Kurs sich eine Niederlage nach der anderen geholt hat, und blicken auf d i e Beziehungen zu Rußland. Darin haben die letzten Wochen einen wichtigen Einschnitt und Fortschritt gebracht. Ein Zolltarif ab kommen zwischen Deutschland und der Sowjetunion ist zustande gekommen aus dem Wunsche Sowjetrußlands, daß entsprechend der stark gewachsenen Ausfuhr Deutschlands nach Ruß- land auch eine Möglichkeit russischer Ausfuhr nach Deutschland gegeben werde. Es hantelt sich bei die- fen Tarifermäßigungen für russische Waren um ausgesprochen russische Produkte, und das ist so abgewogen, daß der deutschen Produktion kein Schaden entsteht. Ferner tarn der Vertrag zustande, daß Rußland den Rechnungsverkehr mit Deutschland 9«mäß den oft ausgesprochenen Wünschen der deutschen Industriellen in Mark statt in fremden Valuten fakturiere. Abgeschlossen wurde das durch ein sog. Rahmenabkommen, in dem gleichfalls eine Reihe von Wünschen ter deutschen Industriellen m Bezug auf Finanzierung, Zinsberechnung, Die Franzosen bleiben ablehnend. Noch keine Einigung über den englischen Vermittlungsvorschlag. Herrioi bei Macdonald. Versteifung der Lage. Lausanne. 5. Juli. (IBIB.) Nach Informationen au» zuverlässiger französischer Quelle hat herriot nach seiner Rückkehr von dem letzten Besuch bei rNacdonald erklärt, die Summe, um die es sich bei dem gegenwärtig behandelten Vorschlag handele. sei minder entscheidend. Dagegen müsse er es unbedingt ablehnen, übet die politischen Bedingungen zu verhandeln. die von deutscher Seite gestellt würden. L» dürfte sich dabei im wesentlichen um Dünsche in bezug auf die Abrüstungsfrage handeln, da die Frage des Teiles 8 des Versailler Vertrags ein- schließlich des Artikels 231 in einem direkten logischen Zusammenhang mit der Lndregelung der Reparationen steht. Die Erklärungen, die herriot zunächst Macdonald und dann französischen Pressevertretern abgegeben hat, zeigt eine beträchtliche Jntransigen; auf französischer Seite. Darauf ist eine erhebliche Versteifung eingetreten, deren Herbeiführung durch herriot sich vielleicht dadurch erklärt, daß er zu der Ueberjeugung gekommen ist, auf dem Gebiete der Zahlen mit den französischen Forderungen nicht weiterzukommen. Ls werden deshalb noch fadenscheinigere Gründe als bisher herbeigeholt, um das zwischen Ulacbonalb und den deutschen Delegierten besprochene Kompromiß als unannehmbar bzw. in einzelnen Teilen i n - b i » f u t a b et zu bezeichnen. 2Uit einer schnellen Lösung ist deshalb, unvorhergesehene Ereignisse Vorbehalten, kaum zu rechnen. Die pariser Lesart. 1 Ablehnung des Kompromisses, aber Wcitcrvcrhandcln. Paris, 6. Juli. (ERB. Funkspruch. Eigene Meldung.) Die gesamte Morgenpresse gibt den Inhalt des englischen Vermittlungsvorschlages wieder, über dessen Einzelheiten der Havas-Vertreter in Lausanne folgendes verbreitet: Deutschland erkläre sich bereit, als Restzahlung für die Reparationen 2,6 Milliarden Gold- mart z u zahlen und zwar in Form von zwei ungeschützten Teilen. Der erste Teil umfasse eine Milliarde Goldmark und würde in Form von Bonds bestehen, die noch einem vollkommenen Moratorium von drei Jahren zum Kurse von 90 Proz. ihrer Nominalwerte in Umlauf gebracht würden. Wenn nach weiteren drei Jahren festgestellt werte, daß diese Bonds von den Märkten in normaler Weise ausgenommen worden seieir, werte man eine zweite Tranche auslegen und zwar mit 1,6 Milliarden Goldmark, die zu 95 Proz. ihres Nominalwertes ausgegeben würden. Außerdem wurde in dem Abkommen vorgesehen, daß diejenigen Bonds, die 13 Jahre nach Auflegung der zweite n Tranche nicht untergebracht werden könnten, annulliert werten müßten. Allgemein wird dieser Bermittlungsvorschlag, ter fälschlicherweise einseitig als deutscher Vorschlag bezeichnet wird, ab gelehnt und zum Teil in scharfen Worten gegen die angeblich deutscherseits gestellten politischen Bedingungen polemisiert. Ater kein Blatt empfiehlt den Abbruch ter Verhandlungen, sondern im Gegenteil, alle lassen durchblicken, daß es nottoenbig sei, weiter zu verhandeln, um eine Der- ständigungsbasis zu suchen. Wäre dies nicht der Fall, dann würden, wie die Blätter erklären, nicht die drei Abkommensentwürfe veröffentlicht, die Macdonald gestern den Delegationen habe zugehen lassen. Das erste Dokument enthält ten Entwurf ter Regelung ter Reparationen zwischen Deutschland und seinen Gläubigern a u f Grund des Vorschlages der Gläubiger vom 2. Juli, wobei die Summe ter Pauschalzahlung offen gelassen sei. Das zweite Dokument sei der Entwurf eines Oentleman-agree- ment der Gläubiger Deutschlands, wonach die Reparationsregelung erst nach Ratisizierung in Kraft trete, die die Mächte erst vorzunehmen sich verpflichteten, wenn siebeiAmerikaeine befriedigende Regelung ihrer eige- nen Schulden erlangt hätten. Das dritte Dokument sei ein Abkommen zwischen Frankreich und England und habe die Anpassung Eine Wahlrede Brünings. Wuppertal, 6. Juli. (TL1.) In einer großen Kundgebung in der Elberfelder Stadthalle sprach Reichskanzler a. D. Dr. Brüning. Er führte u. a. aus, mit Klarheit müsse feftgeftellt werten, daß diesmal die Rechte für alles, waS von Lausanne komme, die Verantwortung zu tragen habe. 3n Hinblick auf d ie kommende große Mehrheit der Sozialisten aller Schattierungen im Reichstag, die als Rationalsozialisten, Sozialisten und Kommunisten mindestens in der Theorie in vielen Dingen verbunden seien, müsse man sich darüber klar werden, daß selbst eine nur bprozentige Verwirklichung der Forderungen einer solchen sozialistischen Mehrheit sowohl der Wirtschaft wie dem Mittelstand den schwersten Stoß versetzen würde. Betont werden müsse auch, daß ter alte Reichstag trotz Rotverordnungen nicht versagt habe und daß auch der Reichstag das Kabinett nicht gestürzt habe und auch nicht gestürzt haben würde, mindestens solange nicht, des englisch-französischen Schuldenabkommens an das Lausanner Abkommen zum Gegenstand. Die Nationalsozialisten und Lausanne. München, 6. Juli. (CNB. Funkspruch. Eigene Meldung.) In einem Artikel „Das Ringen in Gau- fannc" schreibt die nationalsozialistische Parteikorrespondenz unter anderem: Wir vermögen nicht zu glauben, daß die deutsche Regierung wirk- lich ihren anfänglichen Standpunkt der Möglichkeit irgendwelcher weiterer Tributzahlung verlassen hätte. Jedenfalls stände die weitaus überwiegende Mehr- beit des deutschen Volkes ' einem solchen Schritt durchaus ablehnend gegenüber. Das deutsche Volk muß und darf wohl erwarten, daß diejenigen, die sich in so schwerer Stunde die Kraft zutrauten, Deutschlands Interessen in Lausanne zu vertreten, auch die entsprechende Stärke aufbringen. Sie können dabei gewiß fein, mit der Ablehnung irgendwelcher Zahlungsversprechungen nur das zu tun, was Macdonald und Mussolini mit frischen Worten noch abseits der aufreibenden wochenlangen Verhandlungen in Lausanne alsdaseinzigrichtige bezeichnet haben. 23er- steift sich Frankreich darauf, der Welt noch weiterhin das Vertrauen in Deutschland, das zur Gesundung der Weltwirtschaft nötig ist, vorzuenthalten, so möge es dies tun. Das Risiko, das Frankreich hiermit übernimmt, ist sicher nicht geringer als das Deutschlands, aus dem einfach nichts mehr herauszuholen ist. * wie die außenpolitischen Verhandlungen noch nicht beendet worden seien. Das Zentrum werde allen die Hand bieten, die bereit seien, staatspolitische Verantwortung zu tragen. Datei müsse aber stets bedacht teerten, daß ter nationale Freiheitsgedanke nach außen nur aus dem bürgerlichen Freiheitsgedanken nach innen aufleben könne. Wahlaufruf des Christlich- sozialen Volksdienstes. Berlin, 5. Juli. Der Christlich-soziale Volksdienst erläßt einen Ausruf zur Reichstagsteahl, in dem es u. a. heißt: Wieder einmal ist die deutsche Schicksalsfrage gestellt: Werden die Kräfte ter Erneuerung und Gesundung ausreichen, um die tödlich scheinende Krise zu überwinden? In dieser Stunde größter vaterländischer Rot geht unser Ruf an alle Evangelischen Deutschlands, die Kräfte lebendigen evangelischen Glaubens zu mobilisieren und geschlossen einzusehen zur Rettung von Volk und Staat. Kämpft mit uns Der Wahlkampf in Deuischland. Kreditfristen und dergl. in eine allgemeine Ordnung gebracht werden. Damit sind mühsame und lange betriebene Verhandlungen zu einem Abschluß gekommen, ter den deutsch-russischen Wirtschaftsverkehr in neue und festere Formen gießt. Dementsprechend kommen nun neue russische Bestellungen in Gang, die mit etwa 50 Prozent der Auftragssumme des vorigen Jahres angenommen werden. Bei ter deutschen Arbeitslosigkeit ist die dadurch bewirkte Beschäftigung bestimmter Industriezweige natür.ii) nur zu begrüßen. Vielleicht ist ; icht allgemein bekannt, welche Bedeutung ter deutsch- russische Wirtschaftsverkehr für die deutsche Wirtschaft hat. Im Jahre 1931 ist dieser Handel für Deutschland zunehmend aktiv geworden. Qlu8 Rußland ist in diesem Jahre im ganzen etwa für 920 Millionen Mark in Deutschland bestellt worden, ileter die Zollgrenze sind 1931 aus Deutschland nach Rußland für 850 Millionen Mk. Waren gegangen, während Deutschland aus Rußland nur für 300 Millionen Mark bezogen hat. Der Sowjetauhenhantel ist also auf Deutschland durchaus passiv, wie ja die russische Handelsbilanz im ganzen passiv ist (1931 mit 293 Mill. Rubel, 1930 mit nur 22 Mill. Rubel). Im ersten Vierteljahr 1932 ist Rußland überhaupt an die erste Stelle in ter Reihe der Länder gerückt nach denen die deutsche Ausfuhr geht. Das deutsche Gesamtobligo im russischen Geschäft wird augenblicklich auf etwa 1,2 Milliarden Reichsmark veranschlagt, wovon im laufenden Jahr etwa 500 Millionen fällig werten. Schwierigkeiten aus ter Passivität seines Außenhandels bestehen zwar für Rußland, sind ater für das deutsch-russische Wirtschaftsgeschäft nicht von entscheidender Bedeutung. Gewiß sind auch die Schwierigkeiten ter Finanzierung aus unserer Seite und ter Weiterbegebung der russischen Wechsel nicht gering. Ater innerhalb dieser beiden Probleme geht das Ausfuhrgeschäft Deutschlands doch voran, das sonst so vielen und wachsenden Erschwerungen unterliegt. Die Tatsache also, daß Deutschland 1931 im Gesamtumsatz des russischen Außenhandels und in ter Ausfuhr nach Rußland weitaus an erster Stelle steht, muß immer im Auge behalten werten, wenn man über Rußland und die Beziehungen £u ihm nachdenkt. Dazu ist in bezug auf die innere Lage Rußlands zu sagen, daß sie ohne Zweifel wie immer im Frühjahr und während der Aussaat recht gespannt, daß aber von katastrophaler Zuspitzung nichts zu bemerken ist. Die Schwenkung Stalins in den letzten Wochen, die man als eine neue „Rep" bezeichnete, hat wieder bewiesen, wie groß die Fähigkeit der Sowjetregierung zum Manövrieren ist und daß sie — kommt es zu Schwierigkeiten — innen- und außenpolitische Manövriermöglichkeiten hat, die sie einsetzen kann, während man andererseits nach wie vor nirgends Kräfte sieht, die der Sowjetregierung im Innern aktiv entgegentreten könnten. Run haben die deutsch-russischen Beziehungen ja immer unter dem Zwiespalt gestanden: gute politische und enge wirtschaftliche Beziehungen zur Sowjetunion und daneben die bekannte Tätigkeit der Komintern. Gerate weil wir diese Frage früher im Gegensatz zu vielen anderen Meinungen in Deutschland sehr realistisch und nüchtern betrachteten und sie nie überschätzt haben, nehmen wir jetzt die neuen Richtlinien ter Komintern für Deutschland recht ernst. Im Juni hat Thälmann noch einmal die ganze Haltung ter KPD. verteidigt, also als ten Hauptfeind nach wie vor die Sozialdemokratie genannt. Demgegenüber forderte die offizielle Parteizeitung „P r a w d a" Anfang Juni wie die neuen Richtlinien der Komintern eine Schwenkung in derPoli t i k derKPD. in dem Sinne einer Einheitsfront zwischen deutschen Sozialdemokraten, Kommunisten und parteilosen Arbeitern im Kampf gegen den „deutschen Faschismus". Die Komintern hat dazu im einzelnen Anweisungen gegeben: durch Propaganda in den Betrieben nach dem Muster ter „unterirdischen" illegalen Agitation der russischen Kommunisten vor ter bolschewistischen Revolution, durch die bekannte Zellen- b i l d u n g und Zellenarbeit und auch durch das Mittel des Massenstreiks soll die proletarische Einheitsfront vorbereitet werden und mit ihr eine Offensive, eine neue revolutionäre Bewegung. zu der die KPD. von der Defensive übergehen solle. Cs bedarf keines Wortes, warum gerate in der jetzigen Situation Deutschlands diese Haltung, und in gewissem Sinne Schwenkung durchaus ernst genommen werten muh und daher die deutsche Politik in den deutsch- russischen Beziehungen vor Aufgaben stellt, die übrigens durchaus nicht neu sind. Denn mit dieser Zwiespältigkeit hat jede Regierung Deutschlands und jeder deutsch Botschafter in Moskau feit dem Rapallovertrag zu kämpfen gehabt. Sie sind unvermeidlich, aber sie können nach unserer Lieber- zeugung, von der als richtig bewährten Linie nicht ablenken. Der letzte Zug im Bilde: das offizielle Rußland betreibt nach wie vor Friedenspolitik im Fernen O st en sowohl wie inGenf und zwar so daß gar kein Zweifel an der Lima und an der Absicht ist. Der Fünfjahresplan, seine jetzige Situation und die Vorbereitung des neuen Fünfjahresplans zwingen die Sowjetregierung zu einer Friedenspolitik und sie haben zugleich einen Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise hergestellt, ter, so sonderbar es klingt und so merkwürdig es bei dem allgemeinen Auseinanderfallen der weltwirtschaftlichen Beziehungen ist, aerate dieses nach unbedingter wirtschaftlicher „Autarkie" ftretente Rußland in enger Verbindung mit ten Bemühungen auf internationale Zusammenarbeit hält. Wir wissen nicht, ob die heutige Reichsregierung eine bestimmte Konzeption der deutschen Ostpolitik hat. Dom Reichskanzler wird behauptet, daß er für eine selbst militärische Verbindung mit Frankreich gegen Sowjetruh land sei. Zunächst ist das ja noch nicht das, was wir eine Konzeption deutscher Ostpolitik nennen. Denn offensichtlich haben die, die diese Gedanken seit Jahren in Deutschland betreiben. niemals bis zum Ente durchgedacht, tote sich ein solches Programm zu den deutsch -polnischen Beziehungen verhalten müßte. Schon hier stößt das auf unüberwindliche Schwieg rigkeiten. Von den dahinterliegenden allgemeinen Schwierigkeiten sei gar nicht gesprochen. Kein Mensch wird glauben, daß die Idee, Deutschland gewissermaßen zum Landsknecht einer französischen Rußland-Feindschaft zu machen (von ter bei Frankreich in so ausgesprochener Weise übrigens gar nicht die Rede ist) im deutschen Volke auf Zustimmung stoßen würde. Lind schließlich mahnt die eten unterstrichene Tatsache der Wirtschaftsbeziehungen. eines deutschen Risikos von über eine Milliarde Mark in Rußland, auch daran, zu überlegen, was auf dem Spiele stünde, wenn versucht würde, ein solches Anti- Rußland-Programm in Angriff zu nehmen. Lin- fererseits bedarf es keiner Ausführung, daß wir dergleichen Programme sowohl für undurchführbar als für Deutschland nachteilig und schädlich ansehen 1 Bertram lebt! Zur Auffindung der deutschen Australienflieger. Don E>. Otun. im Volksdienst gegen die Krise des Staates, mit einer Staats- und Wirtschastsauffassung, die aus lebendigem evangelischen Glauben kommt! Arbeitet mit uns an der Schaffung einer wirklichen, Gott sich verantwortlich wissenden Obrigkeit, die den Mut zu starker Führung hat und die gleichzeitig die freudige Mitarbeit und Mitverantwortung des Volkes an seinem Staate weckt und sichert. Der Volksdienst wendet sich gegen die Verachtung des Staates durch den marxistischen Linksradikalismus wie gegen seine Vergötzung durch den Faschismus. Beide sind Totengräber eines wahren und gesunden Staates. Der Volksdienst kämpft gegen die Versuche, in Deutschland eine Partei- oder Klassendiktatur aufzurichten. Er tritt für die gleichberechtigte Eingliederung aller schassenden Stände in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft ein. Der Volksdienst will in dieser Feit schwerster Krise gegen alle Versuche, die Lasten einseitig auf die Schultern der Schwachen abzuwälzen, die Solidarität des ganzen Volkes bei der Üeberwindung der Wirtschaftsnot zur ©eltung bringen. Der Hauptstoß seines Kampfes richtet sich gegen die Arbeitslosigkeit, die bekämpft werden muß nach außen durch die Wiederherstellung des internationalen Vertrauens, nach innen durch eine gesunde Wirtschafts- und Steuerpolitik im Sinne der Erhaltung und Stärkung des Bauerntums und des gewerblichen Mittelstandes, durch ein weitausschauendes Arbeitsbeschaffungsprogramm, das durch eine Volksanleihe zu finanzieren ist und durch eine großzügige Siedlungspolitik in Verbindung mit dem so- fertigen Ausbau des Arbeitsdienstes. So wichtig wie die Bekämpfung der Wirtschaftskrise ist uns der Kampf gegen das Vordringen des Bolschewismus im geistigen und sittlichen Leben unseres Volkes. Aber gerade hier müßte der Kampf mit äußeren Machtmitteln versagen, wenn nicht gleichzeitig die Erneuerung unseres Volkes aus den Kräften bes Glaubens einsetzen würde. Alle Mobilisierung der Kräfte im Innern muß in der Gegenwart letzten Endes dem großen Ziele gelten, dem deutschen Volke nach außen wieder Gleichberechtigung und Freiheit auf allen Gebieten zu erkämpfen. So arbeitet der Volksdienst mit zielklarer und unbeirrbarer Entschlossenheit an der Mobilisierung und an dem Einsatz des evangelischen Oeffenttichkeitswillens. Die preußische Verwaltungsreform. Die Regierung Otto Braun hat viele Iahre -Zeit gehabt, eine Verwaltungsreform in Preußen in Angriff zu nehmen. Sie hat die kostbare Zeit ungenutztvorüber st reichenlassen und erst im Winter des vorigen Jahres den schüchternen Versuch gemacht, ihren Verwaltungsapparat einer Durchorganisierung zu unterziehen. Aus freiwilligen Stücken hat sie allerdings diesen Schritt nicht unternommen. Sie ist vielmehr durch die Finanzlage gezwungen to tfr b e n, auf dem Rotverordnungswege gewisse Verwaltungsvereinfachungen vorzunehmen. Dieser Verordnung fehlte jedoch der große Schwung, man begnügte sich im wesentlichen damit, einige Oberförstereien und ähnliche Einrichtungen der Auflösung zu überantworten. Inzwischen hat nun das Zentrum von sich aus den Versuch gemacht, der Verwaltungsreform einen ganz bestimmten Auftrieb zu geben. Es forderte die Auflösung eines Ministeriums, ohne sich etwas klarer auszudrücken. Es konnte sich aber dabei nur um das Handelsministerium drehen, bestimmt nicht um das Wohlfahrtsmini» st e r i u m, weil hier der Zentrumsminister H i r t- s i e f e r sitzt, während Handel und Gewerbe durch den Staatsparteiler Schreiber betreut werden. Auch diese Aktion ist zunächst versackt. Es soll jetzt zunächst erst einmal die Regierungsneubildung in Preußen abgewartet werden, die vorläufig noch in weiter Ferne liegt. Damit ist auch die Verwaltungsreform auf unbestimmte Zeit vertagt. Das ist außerordentlich bedauerlich, weil es längst feststeht, daß man gewisse Ministerien einziehen kann, ohne dadurch irgendwelchen Schaden anzurichten. Die Aufgaben des Wohlfahrtsministeriums könnte man sehr gut auf das Innen- und das Finanzministerium verteilen, während Handels- und Finanzministerium zusammengelegt werden können. Vielleicht ließen sich sogar aus dem Ernährungsministerium ganze Abteilungen herausnehmen und der Rest in einer Es ist kein Zufall und mehr als nur Gottvertrauen, daß es gerade die Eltern des verschollenen deutschen Fliegers Hans Bertram waren, die bis zum letzten Augenblick nicht glauben wollten, daß ihr Sohn auf dem Flug von Batavia nach Australien jenem Fliegerschicksal zum Opfer gefallen sein sollte, das in den letzten fahren Dutzende seiner Kollegen, die ähnlich gefahrvolle Flüge unternommen hatten, getroffen hatte. Hans Bertrarns Eltern kann- ten ihren Jungen und sie wußten, daß er zu jenen seltenen Menschen gehörte, die den Glauben an sich selbst und an den Schutz eines Höheren niemals verlieren könnten. Zwei Jahre alt war Hans Bertram, als er sich zum erstenmale, im wahrsten Sinne des Wortes, auf seine eigenen Füße stellte, und zum Bahnhof seines Heimatortes pilgerte, um ZU „verreise n", und dieser Drang zur Selbständigkeit, dieser Wunsch, nur auf sich selbst gestellt in die Ferne zu ziehen, hat ihn niemals verlassen. Wer Bertram vor seinem ersten deutsch- chinesischen Freund,schaftsflug, den er im vorigen Jahr unternahm, gegenübersaß und ihn von seinen Plänen sachlich und nüchtern erzählen hörte, der hatte den Eindruck: Hier sitzt ein Mann, der weiß, was er will. Der sich selbst ebenso kennt, wie seine Maschine und die Welt, die er durchfliegen will. Einer, für den Schwierigkeiten nur dazu da sind, um überwunden zu werden. Ein Flieger, der aus jenem gleichen Holze geschnitzt ist wie die großen Pioniere, die der Menschheit die ferne Welt erschlossen. Und als die Nachricht eintraf, daß Bertrarns Flugzeug im Golfvon Bengalen in schweren Sturm geraten und gekentert war, da schien es fast selbstverständlich, daß der Flieger im letzten Augenblick, als feine Maschine gerade zu ver- kleinen Sonderbehorde zusammenfassen. Es wird wohl doch nichts anderes übrig bleiben, als vom Reiche her endlich eine große Verwaltungsreform in Angriff zu nehmen, die sich dann aber auch ganz gründlich in den Ländern und darüber hinaus auch in den Gemeinden auswirkt. Hessen und die Reichsreform. Das Fuldaer Land und das Rhein- Mainische Wirtschaftsgebiet. Vom Arbeitsausschuß Oberhessen — Fuldagau im Hessischen Dolksbund wird uns geschrieben: „Maßgebende Fuldaer Instanzen haben in letzter Zeit wiederholt die Zugehörigkeit des Fuldaer Landes zum Rhein-Mainischen Wirtschaftsgebiet betont. Wenn man in Kasseler und Hers- felder Kreisen hierin eine Spitze gegen Rieder- hessen gesehen haben will, so möge man bedenken, daß die Stellungnahme des Fuldaer Landes durch Hessen—Kassel veranlaßt worden ist, das sich nicht einem gemeinsamen Hessen—Rheinfranken einfügen, sondern im Zeitalter der Flurbereinigung der deutschen Landkarte einen neuen Kleinstaat schaffen will, für den es auch das Fuldaer Land und die oberhessischen Kreise Alsfeld und Lauterbach in Anspruch nimmt. Das Fuldaer Land und der nordöstliche Vogelsberg gehören, wie erneut betont wird, zum Rhein- Mainischen Wirtschaftsgebiet. Sie werden, wenn Kassel auf seinem Standpunkt beharrt und von der Gesamtlandschalt sich selbst ausschließt, nicht ihm folgen, sondern sich dem Grohland Hessen—Rheinfranken anschließen, wohin sie Volkstum, Geschichte und Wirtschaft ziehen. Wenn aber Kassel die Landesgrenze zwischen Hersfeld und Hünfeld als lästig und hinderlich empfindet, so ist dies ein Beweis dafür, daß diese Grenze unnatürlich ist, daß die niederhessische Landschaft ebenso Glied eines Reichslandes Hessen—Rheinfranken werden muß, wie der Duchengau und der nordöstliche Vogelsberg. Kassels Stellung wird dadurch nicht beeinträchtigt werden. Wie am Riederrhein Köln und Düsseldorf nebeneinander bestehen, so werden auch in Hessen-Rheinfranken Frankfurt und Kassel nebeneinander bestehen können. Wir sehen sinken drohte, von einem Dampf er gerettet werden konnte. Einen anderen hätte dieser tra- gische Abschluß eines mit größter Energie und voller Hoffnungen in Angriff genommenen Flugunter, nehmens von diesem Ausmaß mürbe gemacht. Ein anderer hätte resigniert und wäre nicht sofort wieder an die Vorbereitung eines neuen Fluges gegangen, dem noch größere Ziele gesteckt waren. Aber Bertram war eben fein „anderer". Kaum war er nach feiner wunderbaren Rettung wieder in die Heimat zurückgekehrt, da setzte er bereits wieder alle Hebel in Bewegung, um die Mittel für seinen neuen Flug, der ihn nach dem Fernen Osten — und vielleicht um die ganze Welt — führen sollte, zu beschaffen. Das Unwahrscheinliche gelang. Die fug- geftioe Kraft, die von Bertram ausging, brachte es Zuwege, daß trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten, trotz aller Depression alles Nötige für den neuen Flug in verhältnismäßig kurzer Zeit vorbereitet werden konnte. Und bald konnte Bertram wie- der von seinen neuen Plänen erzählen, und niemand, der nicht wußte, daß ihn erst vor wenigen Monaten ein Dampfer aus Todesnot aufgelefen hatte, wäre auf den Gedanken gekommen, er unterhielte sich mit einem Menschen, der die Schwierigkeiten des geplanten Unternehmens mit dem Einsatz seines Lebens am eigenen Leibe schon kennengelernt hatte. Noch liegen nur kurze Mitteilungen über die neue wunderbare Rettung von Bertram und seinem Monteur Klaußmann vor, aber schon diese kurzen Berichte lassen erkennen, welche fast über- menschliche Energie und Ausdauer die beiden Flieger entwickelt haben. Und wir alle wünschen, daß ein dritter Flug Hans Bertram recht bald auch jenen äußerlichen Erfolg beschert, der ihm bisher versagt blieb. keinen Grund, der dafür spräche, in unseren Rotzeiten einen gesonderten, kostspieligen Derwal- tungsapparat für Hessen-Kassel aufzuziehen." Das Ergebnis der Londoner Gtillhaliekonferenz. Die Verhandlungen der Londoner Stillhaltekonfe- renz sollen sich im großen und ganzen r e i b u n g s- 1 °*5 vollzogen haben, was bei der unbestreitbar großen Verschiedenheit der Interessen und For- berungen der einzelnen Gruppen wohl nur dadurch möglich geworden ist, daß man die Verhandlungen unter Offenlassung grundsätzlicher prägen mehr auf das technische Gleis geschoben hat. Das Schlußkommunlquö soll, wie von gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird, tatsächlich alle Punkte, die zur Beratung standen, enthalten. Wenn das Kommunique auf ziffernmäßige Einzel- hegten nicht eingeht, so dürfte sich dies aus dem Bestreben erklären, die Beratungen, die nun innerhalb der Gläubigerausfchüsse der einzelnen L ä n d er auf Grund der Empfehlungen ihrer Londoner Delegierten stattfinden werden, in keiner Weise zu präjubizieren. ZnrKündignng des deutsch-schwedischen Handelsvertrags. In unterrichteten Kreisen wird betont, baß es sich del der Lösung von dem jetzigen deutsch-schwedischen Handelsvertrag nicht um eine einseitige Kündigung, sondern um eine gütliche Vereinbarung handelt, die von beiden Seiten getragen wird. Der Vertrag stammt aus dem Jahre 1926 und ist deshalb in einer Reihe von Positionen Überholt. Kündbar war der Vertrag halbjähr, lich zum ersten Male zum 1. Januar 1933. Be- zeichnenderweise ist aber vereinbart worden, daß die Kündigung sich auf den 15. Februar beziehen soll. Das hat feinen Grund darin, daß im Januar der schwedische Reichstag Zusammentritt und daß man hofft, bis dahin bereits einen neuen Vertrag vorlegen zu können, so daß weder jetzt noch sur spater mit einem Zollkrieg zu rechnen ist. Die Lösung von dem Vertrag geht auf das Drängen der land- und forstwirtschaftlichen Kreise in beiden Säubern zurück. Abschwächung der innerpoliiischen Krisis. Auch in Frankreich ein Preiskommissar. Paris, 5.Juli. (TU.) Die innenpolitische Lage hat sich wesentlich geklärt. Man betont, baß di« Schwierigkeiten, die im Zusammenhang mit bem Finanzprogramm ber Regierung aufgetreten waren, durch bie Ausführungen Herriots im Finanzausschuß und anschließend baran vor der radikalsozia- listischen Kammerfraktion wesentlich abgemildert worden sind. Wenn auch im Schoße des Finanzausschusses selbst keine vollkommene Einigung erzielt worben ist, so darf man boch wenigstens damit rechnen, daß sich bie rabikalsozialiftischen Mitglieder bei der zweiten Lesung des Programms im Sinne Herriots aussprechen werben. Die Sozialisten werben ihre enbgültige Haltung erst am Mittwoch fest leg en. Haushaltsminister Palmade hat sich noch einmal mit bem Finanzausschuß in Der- binbung gesetzt, um gewisse Abänderungen am Finanzprogramm oorzunehmen, die geeignet sind, bie Zustimmung ber Regierung unb des Ausschusses Zu finden. Die große öffentliche Aussprache in ber Kammer wird voraussichtlich am Montag ftattfin- den. Es soll die Absicht bestehen, einen Preis« kontra! lkommissar bei der Ministerpräsi- ^"hchaft einzusetzen, der die Bewegung der Einzelpreise überwachen unb gesetzgeberische, verwaltungstechnische und Strafmaßnahmen vorzuschlagen hätte, um die Lebensteuerung zu bekämpfen und Mißbräuche abzustellen. Außerdem sollen die Beamtenvertretungen aufgefordert werden, Vorschläge zu machen. Aus aller Welt. 3n(ernalionalet Eleklrizitälskongreß in pari». 3n der Zeit vom 4. bis 15. Iuli findet in Paris ein Internationaler Elektrizitätskongretz statt sur Erinnerung an die erste Elektrische Ausstellung, welche vor 50 Iahren ,im Pariser Industriepalast veranstaltet wurde. Zu den wenigen noch lebenden Personen, welche an dieser AussteUung beteiligt waren, gehört Exc. Dr. Oscar v. Miller, der als Delegierter der bayerischen Staatsregierung die Ausstellung seinerzeit besuchte und an dem damaligen Elektrotechniker-Kongreß teilnahm. Exc. v. MiNer wird KU der Iubelfeier nach Paris reisen und auf Wunsch der französischen Regierung einen Bericht über die Geschichte der Elektrotechnik erstatten, wie sie in den verschiedenen staatlichen und privaten Museen, die der Technik und Raturwissenschaft dienen, zur Darstellung kommt. Unwetterkatastrophe im schlesischen fireife Rimptsch. 3m Kreise Nimptsch ging ein Unwetter nieder, das auf weiten Strecken binnen kurzem d i e gesamte Ernte restlos vernichtete. Im Kreise fiel eine Viertelstunde lang Hagel in Taubenei- große. Das Gebiet zeigt ein Bild der Verwüstung. Die Telefondrähte sind zum Teil zerrissen. In Grünhartau ist auf der einen Straßenseite kaum ein Fenster ganz geblieben. Noch gegen Abend lagen die Eiskörner bis zu 15 Zentimeter hoch. Wettervoraussage. Während der Tiefdruckkern zwischen Island und den britischen Inseln seither seine Lage kaum verändert hat, ist jetzt eine beginnende Vorwärtsbewegung in östlicher Richtung zu erkennen. An bem südlichen Teil ber Störung ist etwas kühlere ßuft bis nach Frankreich unb Holland oorgebrungen, in deren Begleitung Nieberschläge erfolgen. Sie wird uns zunächst Abkühlung bringen, ferner vereinzelte Nieberschläge, bie zum Teil auch von Gewittern begleitet sein werben. Mit bem von Westen beginnenden Luftbruckanstieg wirb aber bie Wetterbeeinflus- suna nur vorübergehenb fein. Aussichten für Donnerstag: Noch einzelne, zum Teil gewitterartige Nieberschläge, bewölkt mit Aufheiterung, etwas kühlere westliche Winde. Aussichten für Freitag: Wechselnd bewölkt mit Aufheiterung, meist trocken, tagsüber wieder wärmer. Lufttemperaturen. Am 6. Juli: mittags 26,8 Grad, abends 21,0 Grad; am 7. Juli: morgens 18,6 Grad, Maximum 29,2 Grad, Minimum 14,8 Grad Celsius. Niederschläge 0,5 mm. Sonnenscheindauer 15 Stunden. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe. Am 6. Juli: abends 28,4 Grad; am 7. Juli: morgens 21,0 Grad Celsius. Kaiser von fremden Gnaden.. Zum 100. Geburtstage Maximilians von Mexiko. Von Gerhard Duncker. Maximilian von Mexiko — spricht man diesen ycamen aus, dann fällt einem unwillkürlich der Titel eines verschollenen Jugendbuches ein: „Kaiser Max, der letzte Ritter". Ein kleiner Irrtum! Denn mit diesem letzten Ritter ist nicht jener scheue Mann gemeint, dessen Leben im Juni 1867 durch eine mexikanische Kugel beendet wurde — sondern der deutsche Kaiser, ber um bie Wenbe bes IC Jahr- hunders Habsburg in Mitteleuropa zum Aufstieg verhalf. Aber seltsamerweise schwingt in diesem Wort vom letzten Ritter eine Nuance mit, die auch auf jenen Mann zutriff, dessen Jubiläum wir heute feiern. Falls ein Name sich in Bildern und Vorstellungen auflösen läßt, so verbindet sich für uns mit bem Begriff.„Maximilian von Mexiko" mancherlei — eine Jugenb der militärischen Erziehung, aber gesättigt durch schöne Reisen und bequeme, gut gepolsterte Abenteuer, von der prunkhasten Kabine eines Schiffes aus gesehen. Weltgeschichtliche Konflikte ziehen vorbei, wie in ein Panorama gepreßt, Konflikte, die einem jungen, träumerischen Mann nicht den Stoff zu Taten lieferten, sondern zu ästhetischem Genuß, zur Freude an ber charaktervollen Buntheit einer unruhigen Epoche. Italien, bie Lombardei, habsburgische Konflikte mit mißtrauischen, nationalistischen italienischen Politikern — mein Gott, wie reizvoll es für einen jungen Fürsten mar, Kämpfe anzuspinnen, Schwierigkeiten zu überwinden, feine Gunst und Gnade auf einem ungefestigten Posten gütig, aber aussichtslos an ein fremdes Volk zu verschenken! Dann politische Miß- erfolge, bann Zurückgezogenheit auf einem Schloß bei Triest, unter Palmen, unter blauem Himmel, nn blauer See, Stubium der Künste und Wifsen- schasten, harmonisches Zusammenleben mit einer |a)onen und geistvollen Frau, der Tochter des Kö- mgs von Belgien... Ja, ein Leben der Ueppigkeit und Freude, ein ^eben fürstlichen, ein wenig dekadenten Genusses e6z das der junge Habsburger bis zu seinem »fiht ft Lebensjahre zu führen vermochte, gestutzt auf bie Krone und bas Recht seiner Vorfahren, | reich mit Gütern gesegnet, gegen bie alle politischen Fehlschlage einer abgebrochenen Karriere nur wenig auszurichten vermochten. Dem Abenteurer, wie Maximilian einer war, oerwanbeln sich alle Mißerfolge bes tatsächlichen Gebens in eine Art höheren Amüsements, bas die Opfer nicht kennt unb nicht achtet, bie fremde Menschen für das Leben dieses Abenteurers bringen müssen. Aber zum Abenteurer echten Geblütes fehlte Maximilian letzten Endes boch em entscheibenber Faktor — bie Kraft, in ber Fülle ber Ereignisse selbst führenb am Steuer zu stehen, Ke von den Begebenheiten gedrängt, gestoßen, ge- sichrt zu werden. Und hier liegt vielleicht bie ein- z'.ge Tragik bieses begabten Monarchen — baß er N'cht Abenteurer genug war, baß er zu verträumt, ZU wenig brutal war, um schließlich als Sieger über bie Geschichte, bie er zu machen half, dazustehen. Das merkwürdige Ereignis, in dessen Verlauf er sem Leben verlor, bestätigt die Unzulänglichkeit Maximilians als wirklicher Abenteurer in vollem Umfang. Zu Beginn der sechziger Iahre setzte in Rord- und Zentralamerika eine Bewegung ein, deren Erschütterungen auch auf Europa Übergriffen. Durch den amerikanischen Sezessionskrieg war in allen Randgebieten der Nordamerika- Nischen Union eine Lage entstanden, die einer fast völligen politischen Anarchie entsprach. Eine Zeit lang sah es so aus, als sollte dieser ganze riesige Staatenkomplex gänzlich zerfallen. Einige europäische Staaten, vor allem England und Frankreich, stellten also im Iahre 1861 die For- oerung. das Vermögen ihrer in Mexiko ansässigen Untertanen sicherzustellen. Benito Iuarez, der demokratische Präsident Mexikos, kam diesen Forderungen in der Konvention von Soledad nach, worauf die meisten Interessenvertreter Europas das Feld räumten. Rur Frankreich blieb zurück um auf Grund eines phantastischen Planes R a - poleons lll. eine Aktion durchzuführen, die einem kolonialen Raubzug sehr ähnlich sah. Ge- vÄretJe in Versailles förderten diese sog. „Wiedergeburt Mexikos" so weit, daß sich in Zentralamerika bald erhebliche Truppen an- Jammelten, die schließlich nach wechselvollen Kämpfen im Iahre 1863 die Macht in Mexiko erobert Hattern Run galt es, zur Festigung der Zustände eine Monarchie einzusehen, deren Drahtzieher niemand anderes als Frankreich war Als Kandidat für diesen höchst zweifelhaften I Posten wurde alsbald Maximilian genannt, als | Vruder Kaiser Franz Iosephs und Abenteurer von Geblüt scheinbar für diese Stellung gut qualifiziert. Anfangs zögerte dieser Mann, die üppige Abgeschlossenheit seines Triester Schlosses aufzugeben, aber der Reiz des Abenteuers und seine ritterliche Sentimentalität bewogen ihn bald, sich Rapoleon zur Verfügung zu stellen. Rachdem in Mexiko die erbärmliche Komödie einer Volksabstimmung zugunsten ber Monarchie in Szene gegangen war, lieh Maximilian sich vom Papst segnen und zog, nachdem er allenthalben ausgiebige Schulden gemacht hatte, um sich eine geldliche Grundlage für seine Hofhaltung zu schaffen, im Iuni 1864 mit feiner Gemahlin in Vkexiko ein. Seine erste Aufgabe sah er darin, den Einfluß Iuarez' radikal auszurotten. So kam es in dem dünn bevölkerten Land zu einem endlosen Guerillakrieg der französischen Schuh- truppen Maximilians gegen die Republikaner, ohne daß es den Monarchisten gelang, den Einfluß der mexikanischen Banden entscheidend zu brechen. VM der Zeit stellte es sich heraus, wie künstlich die Errichtung dieser Monarchie gewesen war, wie es ihr an Grundlagen in ganz Lateinamerika fehlte, welche Rolle Maximilian als ausschließliches Werkzeug der französischen Höflinge auf verlorenem Posten spielen mußte. Bald kam, was kommen mußte — die nordamerikanische Regierung verwahrte sich in aller Schärfe gegen Öen Aufenthalt französischer Truppen in Mexiko. Gestützt auf die Monroe-Doktrin, auf das drohende Wort „Amerika den Amerikanern", stellte sie ultimativ die Forderung ihres Abzuges. Da Frankreich einzusehen begann, daß dieses Geschäft mit Mexiko ein Verlustgeschäft fein mußte, fügte es sich unumwunden den Drohungen der llnion. Marschall Baza ine zog in kurzer Zeit alle französischen Truppen aus Mexiko heraus und überließ Maximilian schutzlos seinem Schicksal. Wäre der Habsburger ein großer Stratege gewesen, so hätte er vielleicht die ihn bedrohenden Gefahren noch abwenden können. Sein Fehler war, in romantischer Pose auf seinem lebensgefährlichen Posten zu verharren und durch seine Frau Schuh beim Papst zu suchen, der auf Grund alter finanzieller Konflikte mit den mexikanischen Republikanern gar nicht daran dachte, einen Finger für Zentralamerika zu rühren. So vollendete sich die Tragödie am 19. Iuni 1867 I in der Garnison Queretaro — der gefangen genommene Maximilian wurde durch die Republikaner^ erschossen, fein Leichnam kam auf dem gleichen Schiff in die Heimat, das ihn pomphaft einst in dieses Abenteuer getragen hatte — während die Kaiserin von Mexiko, enttäuscht und verzweifelt, in Wahnsinn verfiel, aus dem sie erst jm Iahre 1922 der Tod erlöste. Wenn Geister Ohrfeigen ausieilen. Ein Wiener ließ sich überreden, an einer spiritistischen Sitzung teilzunehmen. Arglos setzte er sich- mit an den Tisch, fand alles sehr interessant, geheimnisvoll und überirdisch und — erhielt plötzlich eine Ohrfeige. Das kam ihm gar nicht überirdisch vor, denn er hatte noch nie gehört, daß Geister in dieser Weise züchtigen, noch dazu so. daß die Spuren des Backenstreichs die Abdrücke einer zweifellos vollfleischigen Hand trugen. @r behauptete, nicht der Geist, sondern sein Rachbar, der Klempnermeister Thomas sei cs gewesen. Vor Gericht erklärte Thomas, er habe keineswegs geschlagen, es müsse der Geist gewesen sein. Darauf wurde das Medium als Zeuge vernommen, und die Dame erklärte, es könne schon möglich sein, daß der Klempnermeister seinem Rachbar in der Dunkelheit eine heruntergehauen habe, ohne daß die anderen Teilnehmer der Sitzung etwas bemerkt hätten- Darauf entschied der Richter: Der Geist ist unschuldig und der Klempnermeister zahlt 100 Schilling Geldstrafe. Zeitschriften. — „Philosophie und Leben", hg. von Professor Aug. Messer. Verlag Felix Meiner, Leipzig. 8. Iahrg. 1932. Viertel,. 3 Hefte 1,80 Mark, Einzelheit 75 Pfennig. — DaS Iuli-Heft ist dem Unsterbllchkeitsprvblem gewidmet. Es wird eingeleitet durch die Erörterung des Seelenbegriffs selbst im Anschluß an ein Werk des Wiener Philosophen Reininger. In einem Aussatz über .Metaphysik aus Todesangst" setzt sich der Herausgeber scharf mit einem Buche Grunhuts (Richtung Heidegger!) auseinander. Die.Aussprache" dreht sich hauptsächlich um die .Beweisbarkeit" des Fortlebens. Aus der Provinzialhauptstadt Gießen. den 6.3ull 1932. Musik im HauS. Musik allein ist die Weltsprache und braucht nicht übersetzt -u werden: da S.J.-fpor/ DeuWeLeichtaMk-mdSchwimmeisterschasten spricht Seele zu Seele. Wenn es wahr ist. daß unsere Zeit nur noch Sinn für das Aeuher«, das Technische, daS Matetielle hat. so ist es unsere Pflicht, dach wir uns auf di« inneren ideellen Güter wieder besinnen Denn bier liegen die Wurzeln unserer Kraft! Die Mullk ist 8i« edelste und idealste Kunst! Sie ist der Ausdruck tiefsten seelischen Empfindens. Musikpflea« heißt Seelenpflege! Die Seele des Menschen ist ja das eigentliche Kraftzentrum in der Welt aus dem alles Groche und Schön« hervorgeht. Sie ist die Schöpferin aller Zivilisation und Kultur. Lacht uns darum echt«, wahre, deutsche Hausmusik treiben, damit unsere Seele wieder gesund wird! Was die Hausmusik in dieser Richtung bedeutet, das haben bereits die alten Griechen erkannt. Der größte Philosoph des Altertums, Plato, hat darauf aufmerksam gemacht, dach die Musik für di« Erziehung des Menschen von allergrößter Bedeutung ist. Das Anhören und vielleicht noch mehr das Ausüben einer guten Musik erhebt nicht nur unser Gemüt, sondern macht uns auch innerlich reicher, besser und freier. Bon Schopenhauer, dem großen deutschen Philosophen, stammt das schöne Wort: „Während des Anhörens einer guten Musik fühlt jeder deutlich, was er im ganzen wert ist, oder vielmehr, was er wert sein könnte!" ... Don dieser Warte aus gesehen, ist eS leicht zu verstehen, daß man heute in den maßgebenden pädagcrnischen Kreisen auf die Musikerziehung den albrrgröhten Wert legt, denn: Musik ist nicht Sache ein«r einzelnen Derufsschicht, sondern sie ist Quell der Erhebung und der Freude für alle Dolkskreis«! ... Die jugendlichen Schuler sollen M'-sik erleben! Der Schulmusiklehrer soll auch versuchen, begabte Schüler, wenn die Der- hältniss« des Elternhauses es eben gestatten, zur Erlernung von Plusikinstrumenten, besonders deS Hausinstruments Klavier, anzuregen. Die Schüler sollen auch di« alte deutsche Hausmusik wieder lieben lernen und sie einführen in das Elternhaus. . Laßt uns alle jung und alt, arbeiten an dem Aufbau einer neuen Hausmusik? Pflegt in euren Hausern die deutsche Hausmusik. Wir wollen Musik nicht nur hören, wir wollen sie auch selber ausüben und pflegen! Ltnser neuer Vornan. Wir beginnen in der heutigen Ausgabe deS „Gießener Anzeigers" mit der Deröffentlichung eines neuen großen Romanwerkes, das erst vor kurzem abgeschlossen wurde und ein ausgesprochener und wohlverdienter Publikumserfolg zu werden verspricht. Dieser Roman wird von Fortsetzung zu Fortsetzung „verschlunaen" werden denn er schildert dramatisch und stimmungsvoll zugleich eine wahrhaft ergreifende Geschichte aus dem Leben, die alle Leser, und zumal die Frauen, sofort in ihren Dann schlagen muß. Die Der- sasserin weih genau, worauf es ankommt: sie versteht zu erzählen, zu spannen und die Herzen der Leser höher schlagen zu lassen. Der Roman heißt: „Das verdrehte Mädel" von Anny von panhuys. Damit begegnen unsere Leserinnen und Leser wiederum einer dec bekanntesten und beliebtesten deutschen Unterhaltungsschriftstellerinnen, deren früher im „Gießener Anzeiger" erschienenen Romane, vor allem „Der Dreizehnte", einen ganz ungewöhnlichen Erfolg zu verzeichnen hatten. Auch unser neuer Roman von Annh von Pan- Huhs wird ohne allen Zweifel unseren Lesern außerordentlich gefallen und sich seinen Dorgängern würdig anschliehen, zumal er alle die großen Vorzüge in sich schließt, auf welche die ungeheure Vcliebtheit der Autorin und die riesrge Verbreitung ihrer Werke sich gründet. Der Roman „Das verdrehte Mädel" berichtet von den mancherlei wunderlichen Schicksalen eines jungen, temperamentvollen und liebenswerten Menschenkindes, dessen Lebensweg durch alle Höhen und Tiefen des Daseins führt: wir haben hier eine Liebesgeschichte von ergreifender Ein- dringlichkeit und nie versagender Spannung. Alle Leserinnen und Leser werden die neue Hel- bin der Anny von Panhuys auf ihren abenteuerlichen Fahrten durch die weite und bunte Welt mit lebhaftester Anteilnahme bis zunt glücklichen Ende begleiten. Wir freuen uns, unserem Leserkreise mit diesem wirklich schönen und wertvollen Roman eine täglich aufs neue begrüßte, hochwillkommene Lektüre für die kommenden Wochen bieten zu können. Bornotizen. — TageskalenderfürMittwoch: Ober- hessischer Kunstverein: Turmhaus am Brandplatz 15 bis 17 Uhr Ausstellung. - Zeltmission Oswalds- garten: 16 Uhr Bibelstunde, 20.15 Uhr religiöser Dortrag. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Ein toller Einfall. — Nationalsozialistische Bersamm- I u n g. Morgen, Donnerstag, 20.30 Uhr. findet tm Caf6 Leib eine Versammlung der NSDAP, statt. Herr B a r t h o l o m ä u s - Gießen wird über das Thema „Deflation oder Raub durch ungerechte Steuern am Haus-, Grund- und Bodenbesitz" sprechen. (Siehe heutige Anzeige.) — Eine Prote st Versammlung gegen die jüngste Rotverordnung beruft die Ortsgruppe Gießen des Deutschnationalen Hand- lungsgehilfen-Decbandes in unserem heutigen An- zeigenteil auf morgen abend in das DHD.-Heim ein. Redner: Gauvorsteher A u e r b a ch (Frankfurt a. M.). Gleichzeitig wird auf das Kinder- und Sommerfest am nächsten Sonntag auf der „Karlsruhe" hingewiesen. (Siehe heutige Anzeige.) — Ein Lichtbildervortrag über Radium findet am Donnerstag und Freitag im Saale des „Bayrischen Hof" statt. (Siehe heutige Anzeige.) ** D i e Gefallenen • Gedächtnisfeier in der Universität am kommenden Sonntag beginnt pünktlich 11.15 Uhr in der Aula. Bei der Feier werden Se. Magnifizenz der Rektor Professor Dr. Va n s e l o w und der Vorsitzende der Gießener Studentenschaft stud. rer. pol. Edler von Graeve Ansorachcn halten. Am Sonntagvormittag von 9 bis 11 Uhr ist Gelegenheit zur Kranzniederlegung am Gefallenen-Ehrenmal im Vorraum der Aula gegeben. Oie Siegerinnen... - E S< l 1 >> L - I * Oben links: Frl. Heublein, Siegerin im Diskuswurf. Mitte: Die Siegerin Kümmel (Magdeburg) im Ziel des 800-Meter-Laufes. Rechts: Frl. Niederhoff, die Siegerin im Hochsprung. — Unten von links nach rechts: Frau Thnmm siegte über 80-Meter-Hürden. Die Rekordstaffel der Berliner „Nixen" (die Damen Mörschel, Halbsguth, Middendorf). Hilde S a l b e r t, die Siegerin über 100-Meter-Kraulen. .... und die Sieger. ............. Oben von links nach recht: Bornhöf ft, der mit 1,93 Meter einen neuen Rekord im Hochsprung aufstellte: Deiters, der Sieger im Kraulen über 200, 400 und 1500 Meter wurde; Jonath, der in Olympia-Form über 100 und 200 Meter lief und Syring, der im 10 000-Meter-Lauf seinen eigenen Rekord verbesserte. — Unten von links nach rechts: Müller-Rottenburg, der Ueberraschungs- sieger im Stabhochsprung: Küppers, Meister im 100-Meter-Rückeyschwimmen: Esser, Sieger im Kunstspringen: Dr. Peltzer, der sich auf der 800-Meter-Strecke allen Rivalen weit überlegen zeigte. Auch Eberle und Wegener fahren nach Amerika. Die deutsche Olympia-Expedition wird nun 83 Köpfe zählen, da nun auch der neue deutsche Zebnkampfmeister Eberle (Berlin) und der Hürdenmeister Wegener (TSV. Schöneberg) die Reise nach Los Angeles mitmachen werden. Die Mittel für Eberle wurden durch einen Akt der Kameradschaft der Leichtathleten untereinander aufgebracht. Als nämlich Eberle nach seinem Sieg von seiner Nichtaufstellung erfuhr und sehr gedrückt war, gaben Dr. Peltzer und die Frankfurter Metz- n e r und G e e r l i n g den Auftakt zu einer Sammlung, indem sie selbst namhafte Beträge zeichneten. Dieser Sammlung traten zahlreiche Athleten bei. Den noch fehlenden Restbetrag stiftete dann ein Berliner Gönner. Auch die Mittel zur Reise Wegeners konnten durch Stiftungen bereitgeftellt werden, die von einigen Gönnern auf der Geschäftsstelle der DT eingegangen sind. Großer preis von Deutschland. Befriedigendes Nennungsergebnis. Zu dem am 17. Juli auf dem Nürburgring stattfindenden Großen Preis von Deutschland für Automobile wurden 44 Meldungen abgegeben. In der Hauptklasse ist die gesamte Elite Der europäischen Rennfahrer vertreten. Hans Stuck, Carrac- ciola, Nuoolari, Chiron, Varzi, Hartmann (Budapest), D r e y f u s und Straight (England) sind die hervorstechendsten Namen. In der kleinen Klasse gehen u. a. Earl Howe, Burggaller, Simons (Berlin), Graf Arco (Zinnberg), Steinweg (München) an den Ablauf, während die kleinste Klasse in Macher (Berlin), Kohlrausch (Eisenach) und Em- merkt) (Prag) ihre besten Fahrer hat. Oaviö-pokalkampf Deutschland — England. Am 8. Juli nimmt der Davis-Pokal-Kampf zwischen der englischen und der deutschen Mannschaft seinen Anfang. Die Engländer, vor allem der Wimbledon-Sieger Austin, befinden sich in so ausgezeichneter Form, daß ihnen der Sieg kaum zu entreißen sein wird. Neben Austin ist der Engländer L e e ein sehr gefürchteter Gegner. Als stärkster deutscher Spieler gilt noch P r e n n. Ihm zur Seite steht der hervorragende deutsche Nachwuchsspieler Gottfried v. (Tramm, auf den man einige Hoffnungen setzt ** Der städtische Haushaltsvoran- schlag für 1932, einschließlich der Voranschläge der Nebenkassen, liegt seit gestern während einer Woche im Stadthaus, Bergstraße, zu jedermanns Einsichtnahme offen. Während dieser Frist können Einwendungen gegen die Voranschläge erhoben werden. Man beachte die heutige Bekanntmachung der Stadtverwaltung. " Straßensperrungen, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Club EV. (A. v. D.), Gießen: Wegen Einweihung des Kriegerehrenmals der Stadt Friedberg wird die Provin- zialstraße F r i e d b e r g - O b e r - W ö I l st a d t vom Homburger Abzweig ab am Sonntag, 10 3uli, von 10.30 bis 13 Ahr für ^glichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Bruchenbrücken, Zlbenstädter Kreuz Rieder-Wöllstadt und umgekehrt. - Die Ortsdurchfahrt Ober» Schmitten im Zuge der Straße Ridda — Schotten wird ab 14. 3uli für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt von Unter* schmitten bzw. Eichelsdorf aus über Ulfa. ** Versendet kein Geld in gewöhnlichen oder eingeschriebenen Briefen! Don der Oberpostdirektion Darmstadt wird mitgeteilt: Immer wieder läßt sich das Publikum dazu verleiten, bares Geld oder Wertsachen in gewöhnlichen oder eingeschriebenen Briefen zu versenden. Es bietet hierdurch ungetreuen Elementen innerhalb und außerhalb der Postbeamtenschaft Anreiz und Gelegenheit, sich auf verhältnismäßig bequem« und leichte Weise Geld zu verschaffen. Den Schaden trägt in der Rege! der Absender; denn wird der Geldinhalt der Briefe entwendet, so erhält er bei gewöhnlichen Briefen überhaupt keinen und bei eingeschriebenen Briefen nur dann Ersatz wenn der ganze Brief, also der Brief mitsamt dem Geldinhalt, in Verlust geraten ist. Wird der Sprechstunden der Nevaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Einschreibebrief dagegen nur seiner Wertinhalts beraubt, so zahlt die Deutsche Reichspost nach den Bestimmungen des Postgesetzes keinen Ersatz. Darum versendet kein Geld in gewöhnlichen oder eingeschriebenen Briefen! •• Volkstümliche Rheinfahrt. Wie schon gemeldet, veranstaltet das Hapag-Reise- bureau Gießen am 17. 3uli eine volkstümliche Rheinfahrt. Das Reisebureau hat es sich wiederum angelegen sein lassen, allen Teilnehmern diesen Tag so angenehm wie möglich zu gestalten. Einer der größten und modernsten Dampfer der Köln-Düsseldorfer Rheindampsschiff- fahrts-Gesellschaft ist für die Fahrt ab Mainz gemietet und zwei Musikkapellen spielen an Bord. Es ist reichlich Zeit zum Besuche des Riederwald- Denkmals, sowie von Rüdesheim und Ahmanns- hausen mit ihren Bauernschänken und Winzerstuben. Auch in Koblenz stehen den Teilnehmern zwei Stunden zur Verfügung, um die Sehenswürdigkeiten dieser Stadt in Augenschein nehmen zu können. Zeder 30. Fahrtteilnehmer erhält einen Gutschein, gültig für ein Mittagessen, jeder 50. Teilnehmer einen Gutschein, gültig für eine Flasche Wein. Rähercs im heutigen Anzeigenteil. ** Deutsche Sänger besuchen d i e Gräber unserer Gefallenen. Im Anschluß an das vom 16. bis 25. Juli in Frankfurt a. M. stattfindende XI. Deutsche Sängerbundesfest fährt eine große Zahl deutscher Sänger nach Frankreich und Flandern, um dort die Ruhestätten unserer gefallenen Volksgenossen zu besuchen. Sänger aus dem Schwarzwald wollen bei dieser Gelegenheit einen großen „Schwarzwald-Tannen-Kranz" auf einem der großen deutschen Sammelfriedhöfe in Frankreich niederlegen. Die Fahrten dauern 4 bis 6 Tage und werden geleitet von der Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Dolksbundes Deutsche Kriegsgräber-Fürsorge (Anschrift: Frankfurt a. TL, Münzgasse 3). An den Fahrten können auch Nicht-Sänger tellnehmen, insbesondere sind die Angehörigen der Gefallenen ein- geloben. •* Di« Altersvereinigung 1879- 1 9 2 9 vereinigte am Dienstagnachmittag auf der Hardt-Terrasse ihre Damen zu einer gesel i en Unterhaltung, die durch musikalische Darbietungen verschönt wurde. Von einer größeren Festlichkeit sah man in Anbetracht der Nöte der Gegenwart nb. Es hatte sich eine Anzahl Alterskameraden eingefunden, die sich noch lebhaft am Tanze beteiligtem Die Veranstaltung nahm einen sehr harmonischen Verlauf. Große Strafkammer Gießen. • Gießen, 5. 3uli. 3m Sommer v. 3. kam eS im Anschluß an eine öffentliche Versammlung der RSDAP. zwischen Mitgliedern dieser Partei und Angehörigen der KPD. in verschiedenen Stadtteilen zu Schlägereien. Wie wir s. Zt. berichteten, kam es gegen 1 Uhr in der Rähe des Parteilokals als einige Rationalsoziallsten auf dem Rachhause- weg begriffen waren, zu einem heftigen Zusammenstoß mit Kommunisten, in dessen Verlaus eS auf beiden Seiten einige Verletzte gab. Wegen gegenseitiger, gemeinschaftlicher Körperverletzung patten sich vor einiger Zeit mehrere Mitglieder der RSDAP. und zwei Anhänger der KPD. vor dem Erweiterten Schöffengericht zu verantworten. Von den Angellagten wurden fünf Rationalsozialisten zu empfindlichen Geldstrafen (bis zu 400 Mark- verurteilt, die übrigen Angellagten wurden freigesprochen, da ihre Verteidigung, sie hätten in Rotwehr gehandelt, nicht zu widerlegen war. 3n der heutigen BerufungsLerhandlung nahmen die Angeklagten ihre Berufungen zurück, worauf auch die Staatsanwaltschaft die ihrerseits eingelegte Berufung zurücknahm, womit das erstinstanzlich« Urteil bestätigt wurde. 50. Hoherodskopffest. n. Schotten, 5. 3uli. Unter zahlreicher Beteiligung von Mitgliedern des Vogelsberger Höhen-Clubs (DHC.) und der Bevölkerung des gesamten Vogelsbergs fand am Sonntag das seit nunmehr 50 3ahr«n eingeführte althergebrachte Hoherodskopffest statt. Der Vorsitzende des Gesamt-VHC., Dr. Bruch- Häuser- Ulrichstein, hielt die Festrede. Er betonte vor allem die landsmännische Heimat- verbundenheit zwischen dem DHC. und der Vogelsbergbevölkerung. Am gleichen Tage wurde di« Karl-Linck-Ruh« im Horst bei Rudingshain «ingeweiht zu Ehren des 70jährigen 2. Vorsitzenden des VHC. und Schriftleiters des „Frischauf". Lehrer i. R. Karl L i nck, der ein Menschenalter in Rudingshain gewirkt und sich große Verdienste um die Hebung des Verkehrs im Vogelsberg erworben hat. Paiernoster-Aufzug für Groß-Garagen Die Raumnot in den amerikanischen Wolkenkratzer- Städten zwingt zu immer neuen Reformen des Auto- Parkwesens. So wurde jetzt in Chikago eine ganz neue Groß-Garage errichtet, die durch Paternoster- Aufzüge den sechsfachen Unterstellraum einer gewöhnlichen Garage bietet. »MMMWMWIWW 5039 Welt über 150000 5038 V Donnerstag, den 7. Jul abends 8.30 Uhr, i. Heim Bubi ftine Bis Du nicht anbei zu trinken bas kleine mit Man man banr besser nid) sich, und C Von Es wird Dichtigkeit Obstgenusse Ue geschri Menschen, i len- Meiste bas den M gemäßen L< N'cht gleich werden. Dj Rohkost oft, basten 6ton L ausschsj w des 2in 9ibt a Ä Fleisä 8>'schko Sollen , fr Vbst c Stz KL Demüse be Z.-d Sfr* unte NI -ich erholen Mensch neue wohl auch ZU In den chuu doheirn gestalten. M ü mancherlei SS"'^ alles kurz, Zeit zu geMi „liegen N Schon bev' ein Program gange, bj ” nimmt äis iestgesetzten tzagesprovia Für den n Med:r mm ledigt. Jede . nichts zu ti und Ferien für den g< Strandbädei ganzen'Tag- daß es dah keinen Schn nicht so gü> mütliche Sti mit guten rien" zu mi Plauder-, Stunden zu einmal ans einmal zu fi der Kunst t der eigenen nur kommt, führen muh entdecken, n Dor lauter das gar nie lich mithin; und Kinder oorausgehen — fomrni n , beim — tarn fein zu lassen daheim — d- Anger und i einzurichten ' und neue hc bringt, und gender sein Sonderzug an den Rhein Sonntag, den 17. Juli 19.32. Gießen—Mainz—Koblenz—Gießen. Sonder salondampfer Mainz —Koblenz. Musikkapelle und Tanz an Bord. Nur diese eine Rheinfahrt Gesamtpreis RM. 10.90. Anzahlung RH. 5.—. Auskunft u. Anmeldung Hapug-Reisebüro, Gießen, Telephon 419/. Jeder 30. Teilnehmer erhält einen Gutschein gültig für ein Mittagessen, jeder 50. 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Thema: Deflation oder Rauh durch ungerechte Steuern am Haus-, Grund- und Bodenbesitz, Unkostenbeitrag 30 Pf. — Mitglieder 10 Pf. — Erwerbslose frei. N.S.D. A.P. Ortsgruppe Giefoen. Eine neue Köche gut und billig aus dem Spezi al-Geschäft für Küchen-Möbel Küchen-Blum • Gießen • Bahnhofskolonnaden Steuerberatung, Interessenvertretung Vermögensverwaltung Organisation Revision Gutachten Wirtschaftssachverständiger Dr. Wilhelm Bachenheimer Diplomkaufmann Gießen, Schillerstr. 17 Telephon 3766 49 70 D Die Geburt eines gefunden Mädchens zelgen an Marie-Iuise Äüttner, geb. Kuhsmann Onv.-Oozent Dr. med. H. E. Suttner Oberarzt der Medizin Ischen llnlv.-Kllnik Gießen, z. Z. llniv.^rauenttintt .......................... 8054 D [Verschiedenes j Sonntag, 10. Juli: Bieber—Hohensolms—Dünsberg— Bieber. 5'/, Stunden. Abfahrt 8.20 Uhr, Sonntagskarte Bieber. 5058V Geschäfts-Drucksachen Rechnungen . Briefblätter Briefumschläge , _ Postkarten bei Bruhl, Schulstraße 7 Geschäftskarten Die greöitmne für Handwerk und Gewerbe des Deutschen Handwerkerbundes in Berlin- Friedenau warnt bei Kreditnahme sich an unbekannte Ber- mittler zu wenden, sondern sich direkt mit dem Deutschen Handwerkerbuud, Bcrliu- Friedenau, Stubenrauchstr. 22, in Verbindung zu setzen. MmD Am Samstag, 9. 7. keine Versammlung. Dafür Teilnahme a. Festabend des Kavallerie-Ver. im Cafö Leib. 6067d Sonntag, 10. 7.. ab 15.30 Uhr; Zusammenkunft mit Familie in d. Liebigs- höbe. Siehe auch Bundesztg. v. 5. 7. Kamerad., erscheint recht zahlreich. 10000M. zur Ablösung einer Aufwert.-Hypothek auf prima Objekt, von pünktlich. Zinszahler gesucht.Schr. Angeb. unter 04091 andenGieh.Anzeig. S/SGeMg. ■ Ml* W Voflel- t zuchl- verein GieDen u. Omg. 1897 e.V. SamStag, 9. d. M abends 8'/, Uhr im Pfalzerhof General-Versammlung Tagesordnung: 1. Ausstellung 1932. 2. Verschiedenes. wu weißt doch, ich kann weder besonders singen noch Klavierspielen und leiste auch auf sonst keinem Instrument was Besonderes. Mein bißchen Geigenspiel soll man schon gar nicht für voll nehmen. Aber wenn ich bei intimen Hausfesten so ’n bißchen herumgewurstelt habe als Clown, dann lachten alle wie toll. Du am allermeisten! lind wenn mir nun Lotti Deinert rät, bei der Wohltätigkeitsvorstellung zu zeigen, was ich kann, hat sie recht. Sie sagt, ich würde die Sensation des Abends werden und außerdem zöge die Ankündigung: ,Lil Körner erscheint als Clown' so stark, daß für die Rachfrage gar nicht Plätze genug im Saal sind." Ihre großen, tiefblauen Augen blitzten den Dater an. „Wenn viele Leute kommen, gibt es eine große Einnahme, lind je größer die Einnahme, um so besser für die armen Blinden, für die doch die Darstellung sein soll." Lil Körner war llein und zierlich, ihr Gesicht fein und regelmäßig, die natürlichen Locken ihres Hellen Blondhaares strudelten ein wenig wild um den schmalen Kopf, wenn sie sich, wie jetzt, in Erregung befand und allzu lebhafte Bewegungen machte. Bankier Körner saß an feinem Schreibtisch. Er war ein mittelgroßer Herr mit gutmütigem vollem Gesicht, dem man ansah, er verachte gutes Essen und Trinken nicht. Er war schon ein Sechziger, und Lil, die eigentlich Elisabeth hieß, aber nur Lil genannt wurde, war erst zwanzig Jahre. Eduard Körner hatte spät geheiratet, ein schönes, armes Mädchen, die nach ein paar glück- Doch nachher gar nicht mehr auf der Straße sehen lassen, ohne daß die Leute hinterherlachen, weil sie nicht vergessen können, wie sie als Clown ausgesehen hat. Wenn sie hier im Hause vor wren Freundinnen so'n Blech anstellt oder vor ihrem Dater, ist das ja vielleicht auch nicht so schlimm, aber vor einem großen Saal mit frem- ben Leuten..." Sie schwieg einen Augenblick, schloß: «Ern toll verwöhntes Ding ist sie, ich wünschte, sie kriegte mal einen ordentlichen Rasenstüber." Der Diener Franz, ein älterer Mann, der mit der Köchin verheiratet war, schüttelte den Kopf. „Mir gefällt die Idee mit dem Clownspielen ja auch nicht, aber Ihre Bosheit, Meta, gefällt mir noch viel weniger. Sie können das gnädige Fräulein nicht leiden, das merkt man immer wieder, und dabei haben Sie es doch bei ihr so £“1' ^"../chkchtes, hinterhältiges Frauenzimmer sind Sie! - Metas ein wenig schrägstehende Grauaugen funfelten ihn mit grünlichem Schein an wie Katzenaugen. „Halten Sie gefälligst die Klappe, oller Seife- tretet. Ich kann keine Menschen leiden, die mehr haben als ich." Lil hatte das Auto verschmäht, sie lief gern M Fuß. Vor dem Opernhaus traf sie mit einem schlanken großen Herrn zusammen. Heber sein schmales, kräftig geschnittenes Gesicht flog ein froher Schein. Er faßte mit beiden Händen die lleine Rechte Lils und drückte sie kräftig. „Mädelchen, wo willst du hin? Ich habe gerade -Zeit, darf ich dich ein Stück begleiten." 3hre Augen strahlten. Sie freute sich immer, wenn sie ihren Detter Werner Sturm traf. Er war, obwohl erst achtundzwanzig Jahre alt, schon ein in Frankfurt sehr bekannter und beliebter Arzt. Er hieß eigentlich Baron Sturm, aber er machte von seinem Titel kaum Gebrauch, desto mehr aber achtete seine Mutter, eine Stiefschwester von Bankier Körner, darauf, daß niemand vergaß, der siebenzackigen Krone, die sie sich erheiratet, den nötigen Respekt zu erweisen. Lil freute sich jedes Zusammenseins mit Werner Sturm genau so sehr, wie sie jedem Zusammensein mit seiner Mutter nach Möglichkeit auswich. Lil antwortete dem jungen Arzt: „Natürlich darfst du mich begleiten. Ich will zu Lotti Deinert in Sachsenhausen und ihr eine frohe Rachricht bringen. Dater hat jetzt nichts mehr dagegen, wenn ich als Clown auftrete in der Wohltätigkeitsvorstellung. Sie verspricht sich soviel davon, die Lotti!" Werner Sturm lachte: „Aber Lil, du willst als Clown auftreten? Oeffentlich? Das ist natürlich nur ein Witz?" Lil, die jetzt neben ihm herschritt, saH erstaunt zu ihm auf. (Fortsetzung folgt.)_________ Nr. 156 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Mittwoch, 6. Zull' 1932 Aus dem Reiche der Frau. Serien daheim! Don Margret Halm Ferien daheim — Sie meinen, das wäre nichts Rechtes? Oho! Da müssen wir energisch widersprechen. Man muß es nur verstehen, sich auch tatsächlich daran zu halten, daß bald „Ferien" sind und den ganzen Haushalt darauf einstellen,' dann kann das sogar wunderschön sein. Gewiß hat das Der- reisen manchen Vorzug, zumal, wenn man ein Bad auf sucht mit heilkräftigen Quellen, Gebirgs- oder Seeluft zur Kräftigung des Organismus atmen soll. Sich erholen aber, ausruhen und als gesunder Mensch neue Kräfte sammeln, das kann man sehr wohl auch zu Hause. In den Händen der Hausfrau liegt es, den Ihren daheim zwei ober drei richtige Ferienwochen zu gestalten. Wie zu einer Ferienreise sind auch hierfür mancherlei Vorbereitungen zu treffen. Vor allem ist die Hausarbeit so einzuteilen, daß vor den Ferien große Wäsche, Bügelei, Putzerei und Näherei so erledigt wird, daß man einmal 14 Tage lang auskommt, wenn man nur das unbedingt Nötigste erledigt. Bewußt wird mal in dieser Ferienzeit alles kurz gemacht, um möglichst viel freie Zeit zu gewinnen. Da muß man auch mal etwas „liegen sehen" können. Schon bevor die Ferien beginnen, hat man sich ein Programm gemacht für Ausflüge und Spaziergänge, die man dann aber auch pünktlich unternimmt. Als wäre es Sonntag, verläßt man am festgesetzten Morgen das Haus, im Rucksack den Tagesproviant und kommt vor Abend nicht zurück. Für den nächsten Tag ist badengehen angesetzt. Wieder wird der Haushalt so rasch wie möglich erledigt. Jeder hilft ein bißchen, man hat ja sonst nichts zu tun, und Mutter soll auch entlastet sein und Ferien haben. Und wieder geht es möglichst für den ganzen Tag in eines der Fluß- oder Strandbäder, die es heute überall gibt. Dieses Den- ganzen-Tag-Unterwegssein hat den großen Vorteil, daß es daheim keine Kocherei, kein Geschirr und keinen Schmutz im Zimmer gibt. Ist das Wetter nicht so günstig, tann man auch mal daheim gemütliche Stunden schaffen. Vielleicht hat man sich mit guten Freunden verabredet, gleichzeitig „Ferien" zu machen und verbringt manche gemütliche Plauder-, Kaffee- und Abendstunden gemeinsam. Stunden zum Lesen sind festgesetzt, man kommt einmal ans Briefschreiben, ans „Kramen", kommt einmal zu sich selbst. Besucht auch einmal Stätten der Kunst oder historische Sehenswürdigkeiten in ber eigenen Sterbt, zu welchen man ja bekanntlich nur kommt, wenn man Besuch hat oder Fremde führen muh. Ei, da wird so mancher erst einmal entdecken, wie schön er‘s eigentlich zu Hause hat! Dor lauter Hasten und Jagen im Alltag hat man das gar nicht bemerkt. Nur muß die Mutter wirk- lich mittun: schickt sie in der bekannten Art Mann und Kinder allein oder sagt, sie sollen nur schon vorausgehen, sie will erst alles in Ordnung bringen — kommt nach — erwartet sie bann wieder daheim — kann sich nicht dazu bringen, fünf gerade " sein zu lassen — dann ist es nichts mit den Fen en daheim — bann ist es verfehlt und bringt nur Merger und Verstimmung, was, roenn's die Mutter einzurichten weiß, wahre Erholung, innere Einkehr und neue Harmonie unter den Familienmitgliedern bringt, und in diesem Sinne schöner und nutzbringender sein kann als die teuerste Sommerreise. Bubi will nicht frühstücken. Eine ständige Sorge vieler Mütter. Dis Dubi in die Schule kam, wußte er gar nicht anders, als daß man morgens seine Milch zu trinken und mindestens ein Brötchen dazu in das kleine Mäulchen zu stopfen hatte. Wenn das mit Marmelade schön bestrichen war, so sah man dann davon die Spuren — man frage besser nicht wo. Aber das war eine Sache für sich und Mutti hätte das gern in Kauf genommen, wenn er bloß, nachdem er nun in die Schule kam, sein Brötchen weiter essen wollte. Aber nein — wie auf Kommando hört das auf. Einmal ein Schulkind, wollte er einfach vom Frühstück nichts mehr wissen. „Keine Zeit", ist die liebste Erklärung dafür, daß man ungefrühstückt davonspringt, ilnb wenn man auch vorher noch so lange herumge trödelt hat. Mit knapper Rot gelingt es, die Tasse Milch ihnen einzureden — einzuschütten! Brötchen — unmöglich. Dann aber, nach einer Stunde, wird es ihnen plötzlich flau, und sie wissen nicht warum Passen nicht auf, sind müde, geben schlechte Antwort, versagen bei dem, was sie gut gelernt haben, und was ihnen eigentlich gar keine Mühe macht. Dann gibt es schlechte Boten — Strafarbeit — Tränen, und niemand ahnt den wahren Grund. So ungeheuer wichtig ist es, daß das Schulkinp fein erstes Frühstück richtig zu sich nimmt. Das wird durch die Schulsemmel nicht erseht und auch das Schulfrühstück, das dort verabreicht wird, ist meist kein vollgültiger Ersatz. Die Stunden, die nüchtern verbracht wurden, zehren soviel Kräfte auf, die holen sich nicht nach. Mutti muh alles daransetzen, das Kind zum ersten Frühstück zu bewegen, llnö wenn es das Marmeladebrot nicht tut, so rutscht vielleicht ein Käsebrot besser hinunter. Sehr gut ist es, zum ersten Frühstück Kakao zu geben, so ist schon etwas Kraftspendendes in der Milch enthalten. Man kann es mit Suppen versuchen, mit Brei, was das Kind nun lieber mag, und wenn man auch gerne mit Strenge „von Erziehung wegen" sagen möchte: „Cs wird gegessen!!!", so soll man lieber nicht zu hartnäckig auf seinem Willen bestehen, und wenn das Kind zu etwas anderem mehr neigt, ihm lieber seinen Willen lassen, um das Wichtigste zu erreichen — nämlich, daß es überhaupt zum ersten Frühstück etwas genießt. Stelle deinem Schulkind fein Frühstück nicht irgendwohin, sondern frühstücke mit ihm, das regt seine Eßlust an. Sprich nicht während des Frühstücks mit ihm von der Schule, gar von den Schularbeiten. Denn zweifellos ist es die Schulerregung, die ihm den Appetit verschlägt. So läßt man eben am besten das heikle Thema für die Dauer des Frühstücks aus dem Spiel. Frühstück muh fein. Die Heilwirkungen der Wasserkur. Ein Kapitel für Aerzte und Laien. Don San.-Rai Or. Albert Schalle. Es ist das erstemal, daß ein erfahrener Mediziner, San.-Bat Dr. Schalle, der bekannte und verdiente Kurarzt Bad Wö- rishofens, eine umfassende, wissenschaftlich begründete Darstellung der Kneippschen Heilmethode gibt. Mit Erlaubnis des Verlags Knorr & Hirth, München, entnehmen wir seinem Buch „®ie Kneippkur — die Kur der Erfolge", von dem heute bereits innerhalb kurzer Zeit eine neue erweiterte, illustrierte Ausgabe vorliegt, den folgenden interessanten Abschnitt: Ein rationeller Gebrauch des Wassers ist der ureigenste, natürlichste Heilfaktor, dessen sich die Menschheit feit den ältesten Zeiten bediente. Die Hydrotherapie (Wasserheilkunde) ist aus der Empirie (Erfahrung) hervorgegangen. Auch Kneipp hat fein Wasserheilverfahren durch langjährige Erfahrung und Erprobung, zunächst an sich selbst, entwickelt und nach und nach zu dem großartigen System ausgebaut, das wir heute bewundern. „30 Jahre lang", schreibt er, „habe ich sondiert und jede einzelne Anwendung an mir selbst probiert." „Dreimal sah ich mich veranlaßt, mein Wasserheilverfahren zu ändern, von der Strenge zur Milde, von großer Milde zu noch größerer herabzusteigen... Derjenige wendet das Wasser mit den vorteilhaftesten Wirkungen und sichersten Resultaten an, welcher es in der einfachsten, leichtesten, schuldlosesten Form zu gebrauchen weih." Es entsteht nun die Frage: Wie wirkt dieses Heilmittel? Auf welche Weise bewirkt das Wasser die Heilung der Krankheit? Kneipp gibt als Antwort: durch die drei Eigenschaften des Wassers: auf lösen, ausleiten, kräftigen, und er sagt: „Untere Wasserkur heilt alle überhaupt heilbaren Krankheiten, denn die verschiedenen Wasseran- wendungen zielen darauf ab, die Wurzeln der Krankheiten zu beseitigen, indem sie 1. die Krankheitsstoffe im Blut auf lösen, 2. das Aufgelöste ausscheiden, 3. das gereinigte Blut wieder in die richtige Zirkulation bringen und 4. den geschwächten Organismus kräftigen und abhärten." Damit hat der geniale Begründer die vielseitige, tiefe Totalwirkung seiner Wasserkur in kurzen, inhaltsreichen programmatischen Erklärungen dargelegt. Beachtet möge dabei besonders werden, welchen Rachdruck und Wert er auf die peinlich genaue und milde Art der Anwendungen legt. Das von Gegnern oft so abfällig gebrauchte Wort von der Kneippkur als einer „Roßkur, Gewaltkur" erledigt sich so durch den Ausspruch des Meisters selbst Wenn wir nun in kurzen Zügen die wissenschaftliche Begründung der Heilwirkung der Wasserkur darzulegen versuchen, so ist von vornherein zu betonen, daß die Wirkungen der Wasseranwendungen auf den menschlichen Körper auherordentlich komplizierte, und die obwaltenden physiologischen Vorgänge noch vielfach ungeklärt find, ©an* allgemein beruht die Wirkung darauf, daß wir die verschiedensten Temperaturgrade an die Haut heranbringen, daß wir damit einen Reiz auf die Haut und durch diese auf den ganzen Körper ausüben, der je nach Temperaturunterschied, Dauer der Anwendung und Empfänglichkeit des Körpers verschieden ist. Dieser Reiz ist ein mehrfacher, und zwar 1. ein mechanischer Berührungsreiz, 2. ein thermischer (Temperatur-) Reiz, 3. ein chemischer, der aber weniger von Bedeutung ist. Den Hauptangriffspunkt der Reize bildet die Haut, die bekanntlich nicht eine einfache schützende Decke, sondern ein lebenswichtiges Organ dar- stellt, das im Wärmehaushalt, in der Regelung der Körpertemperatur und Regulierung des Gesamtstoffwechsels eine große Rolle spielt. Die Haut ist mit ihren zahlreichen feinen Rervenendigun- gen ein kompliziertes Aufnahme- und Schaltwerk für zahllose biologische Reflexvorgänge. Durch die thermischen und mechanischen Reize auf die Haut werden eine ganze Anzahl von Körperfunktionen in ihrem Ablauf verändert. Durch die Beeinflussung der Organfunktionen, der Zirkulation, der Atmung, des Wärmehaushaltes, des Stoffwechsels, der Drüsenfunktionen, der Blutzusammen- sehung usw. kommt es zu Reaktions- und Ausgleichsvorgängen. welche eine gänzliche „Umstimmung" des Organismus Hervorrufen. In dieser Umstimmung und den sie bewirkenden Ausgleichsund Abwehrvorgängen ist die eigentliche Heilwirkung der Wasserkur zu erblicken. Kaltwasseranwendungen bewirken zunächst eine Verengung der Hautgefäße. während gleichzeitig dem Körper Wärme entzogen wird. Bald tritt eine Gegenwirkung, eine Reaktion ein: die Blutgefäße erweitern sich, die Haut wird rot, ein angenehmes Wärmegefühl breitet sich aus. Diese Reaktion erfolgt um so rascher, je kürzer und je stärker der Kältereiz ist. Wie die anderen physikalischen Heilmethoden (Einwirkung von Licht, Luft, Elektrizität. Massage usw.) will auch die Wafserheilkunde einen Reiz auf die Haut und ihre Organe ausüben, sie dadurch zu einer Reaktion. Gegenwirkung zwingen. Die Herbeiführung einer vollkommenen Reaktion ist demnach ein Hauptziel der Wasserkur. Aus der Art der Reaktion Der Haut ist der Erfolg der Wasseranwendung ersichtlich. Der äußerlich sichtbare und subjektiv vom Patienten wahrnehmbare (Rötung, Erwärmung der Haut) Eintritt der Reaktion ist Vorbedingung für die Bekömmlichkeit der Kaltwasseranwendung. Es ist angesichts der Wichtigkeit der Reaktion von Bedeutung. zu wissen, durch welche Hilfsmittel der Eintritt der Reaktion begünstigt werden kann (z. D. bei blutarmen, schwächlichen Personen). Das erste derartige Hilfsmittel ist die Sorge für genügende vorherige Erwärmung durch Bewegung, Muskelübung, Reiben, Frottieren usw. Der dadurch bewirkte sogenannte mechanische Reiz dient dem Zweck der reaktiven Erwärmung. Außerdem wird durch die Kürze der Anwendung und durch die Intensität der Kältewirkung der Eintritt der Reaktion gefördert. Es ist ein Irrtum. anzunehmen, daß die Reaktion durch lauwarme Prozeduren in schonenderer Weise hervorgerufen werde als durch kalte. Es kommt aber nicht allein auf den Kältegrad des Wassers an, sondern auch auf den Kontrast gegen die vorherige Temperatur der Haut. Je größer dieser Kontrast, desto stärker die Reaktion. Mit dem ihm eigenen Feingefühl für physiologische Vorgänge hat Sebastian Kneipp die heutigen wissenschaftlichen Ergebnisse in seinem Wasserheilverfähren längst vorausgesehen und eingeführt. Die Kaltwasseranwendungen wirken nicht nut auf den Blutkreislauf sondern vor allem auf die Wärmebildung des Blutes ein. auf den Wärmehaushalt und damit auch auf den Stoffwechsel. Wenn man bedenkt, daß das Gebiet der feinen Blutgefäße der Haut (Kapillaren) eigentlich der Ort des Stoffaustausches, das Zweckorgan des ganzen Kreislaufes ist, und daß diese Organe vor allem durch Wafseranwendungen Anreiz zu erhöhter Funktion erfahren, so leuchtet Wohl ein, daß eine rationelle Wasserkur auf den Wärmehaushalt, auf den ganzen Stoffwechsel eine mächtige Einwirkung haben muß. Durch wirksame allgemeine Kaltwasseranwendungen wird der sogenannte respiratorische (Atmungs-)Stoff- wechsel erhöht, die Derbrennungsvorgänge in den Muskeln werden gesteigert. Es ist nachgewiesen. daß nach Kaltwasseranwendungen (ebenso durch heiße Anwendungen) die Ausscheidung von Säuren und Salzen aus dem Blute vermehrt wird. So wirkt die Beeinflussung der Haut im Sinne einer Entsäuerung, Entgiftung des Blutes. Krankheitsstoffe werden aufgelöst und die zur Lösung gebrachten ausgeschieden. Hand in Hand damit geht die Beeinflussung der Dlutzusammen- setzung. Es ist nachgewiesen, daß unter dem Einfluß der Kaltwasserkur der Hömoglobingehalt (Farbstoff gehalt) des Blutes, die Zahl der roten Blutkörperchen wächst. Demerkenswerterweise steigt dabei gleichzeitig auch die Bildung der Abwehrstoffe des Blutes. Die bisherigen Ausführungen dürften genügen, um zu zeigen, daß das Gebiet der rationellen Wasserkur in seiner theoretischen Begründung und praktischen Handhabung kein einfaches, leicht lösliches Problem darstellt, wie so oft von Aerzten und Laien angenommen wird. Der ganze Ernst des tiefen Beobachters, das ganze Rüstzeug der wissenschaftlichen Schulung, das intuitive Verständnis für medizinische Belange und nicht zuletzt die innerste Liebe zur Sache, die ehrliche Begeisterung für das Ideale und Wahre tut not, um dieser Dehandlungsweise feine Kräfte, fein Leben zu widmen, dieser Therapie, die keinen oberflächlichen Schematismus kennt, sondern streng sachlichen Individualismus, Treue im Kleinen fordert. Gesunde Ernährung im Gommer. Don Johanna Kalbfleisch, Gießen. Es wird von ärztlicher Seite so viel über die Wichtigkeit der pflanzlichen Rahrung und des Obstgenusses besonders während der Sommermonate geschrieben: und doch gibt es noch sehr Diele Menschen, die sich nicht dazu bekehren lassen wollen. Meistens muß es ein körperliches Leiden fein, das den Menschen zum ilebergang zu ber nahn> gemäßen Lebensweise zwingt. Man muß ja auch nicht gleich fanatischer Rohköstler oder Vegetarier werden. Vielmehr ist ein krasser liebergang zur Rohkost oft gar nicht gut, er kann sogar zu ernsthaften Störungen führen. Jedenfalls soll man eine ausschließliche Rohkostdiät nur unter Aufsicht des Arztes machen. Es gibt aber viele Möglichkeiten, auch überzeugte Fleischesser nach und nach zum mindesten an Gemischkost zu gewöhnen. Man beginnt beim Mittagessen am besten mit einet Vorspeise aus rohem Obst oder Gemüse. Dazu eignen sich alle Gemüse- und Obstsalate, Kaltschalen und Fruchte- Diätspeisen, von denen einige Rezepte am Schluß folgen werden. Als Beikost zu Fleisch und Kartoffeln gibt man eine Rohkostplatte. Es genügen drei- bis viererlei Gemüse, z. B. Tomate, grüner Salat, Rettig, Gurkensalat Oder: Tomate, Gurke, gelbe Rüben, Kohlrabi. Ober: grünet Salat, Blumenkohl, Tomaten, Gurke, Rabiese. Man richtet auf einer Platte jedes Gemüse getrennt an. Wurzelgemüse werden geraspelt. Blattgemüse und grüne Bohnen klein geschnitten. Tomaten und Gurken in Scheiben geschnitten. Alle Gemüse beträufelt man mit Zitronensaft und Oel unb bestreut sie mit gewiegten Kräutern. In bie Mitte ber Platte stält man ein Schälchen mit Mayonnaise, von ber sich bei Tisch jeher nach Belieben unter bas Gemüse mischen kann. Run sagen viele Hausfrauen: „Es ist mir zu viel Arbeit". Auch bas ist zu wiberlegen. beim bei ben Rohgemüsen spart bie Hausfrau bie Kochzeit, unb an bas Anrichten berfd)iebener Gemüse wirb sie sich gewöhnen unb sehr halb Hebung barin haben. Das Abenbbrot ist auch ohne viel Arbeit, sehr abwechslungsreich zu gestalten. Es empfiehlt sich eine Mischbutter zu bereiten, die auf Brot gestrichen mit verschiedenem Belag sehr gut mundet. Zur Kräuterbutter schmecken sehr gut Tomatenscheiben, Eierscheiben, Radiese und Rettig. Zu Rettigbutter Tomatenscheiben, Gurken, Radiese und Schnittlauch. Ist man an warmes Abendessen gewöhnt und will man Kartoffelreste verwerten, so schmeckt vorzüglich zu Röstkartoffeln Salat und Rührei mit gewiegten Kräutern, oder Rührei mit Tomatenscheiben garniert und mit Schnittlauch bestreut, ober grüne Soße mit gekochten Eihälften, ober Tomatensalat garniert mit gekochten Eivierteln unb Schweizerkäse. Dor allem soll aber bie Früchte-Diatspeise erwähnt werden. Sie kommt als Frühstück ober Abenbbrot in Betracht unb ist bei Kindern wie Erwachsenen sehr beliebt. Sehr wichtig ist auch bei Rohkost die Abwechslung, unb bas ist ja bei unserem Reichtum an Gemüsen unb Obst nicht schwer. Gemischte Früchtekaltschale. V8 Liter alkoholfreier Obst- ober Traubenwein, 15 Gramm Zucker, 2 Eßlöffel Zitronensaft. 100 Gramm zerschnittene Erbbeeren, 100 Gramm zerschnittene Himbeeren. 1 Eßlöffel süßen ober sauren Rahm. Wein. Zucker, Rahm unb Zitronensaft werben gemischt, bie Früchte bazu gegeben unb sofort serviert. Als Beigabe Zwieback. Erbbeer-Kaltschale. 1 Pfunb Erbbeeren wird durch die Fruchtpresse gegeben, 2 Aepfel feingeschnitten, 1 Apfelsine in Scheiben geschnitten, 2 Bananen in Scheiben geschnitten, Saft einer halben Zitrone, 1 Teelöffel Zucker unter das Erbbeermark gemischt unb sofort zu Tisch gegeben. Grüne Soße. 1 Taffenkopf bider saurer Rahm. 1 Tassenkopf Oel, Saft von 1 bis 2 Zitronen, etwas Salz, 3 Eßlöffel gewiegte Kräuter, 2 hartgekochte, gehackte Eier. Alle Zutaten werben gemischt, in eine flache Schüssel gegeben unb gekochte Eihälften barin angerichtet. Mit Ra» bieschen unb Tomatenvierteln garniert. Apfel-Diätspeise. 2 mittlere Aepfel werben mit einem Tuch gut abgerieben, von Stiel und Blüte befreit und mit ber Schale unb bem Kerngehäuse geraspelt. Dann fügt man ben Saft einer halben Zitrone, 2 Eßlöffel biden Rahm ober Milch, 1 Teelöffel Zucker und 1 Eßlöffel Haferfloden, die 12 Stunden in 3 Eßlöffel Wasser geweicht haben, hinzu und bestreut das ganze mit geriebenen Rüssen. Statt ber Hafer» flocken kann man auch ein Butterbrot bazu essen. Diese Diätspeise kann man auch von allen an- beren Früchten bereiten. Apfel-Sellerie-Dorspeise. 1 großer Apfel, eine halbe mittlere Sellerieknolle werben gerieben unb mit bem Saft einer halben Zitrone, 2 Eßlöffel biden Rahm ober Milch gemischt und mit feingeschnittenen Radieschen unb Salatherzen garniert. Kräuter-Butter. Vz Pfunb Butter wirb zu Sahne gerührt, mit 3 Eßlöffel gewiegten Kräutern gemischt unb mit Selleriesalz abge* schmeckt. Rettig-Butter. V? Pfunb Butter zu Sahne gerührt, mit 3 Eßlöffel geriebenem Rettig, 1 Teelöffel Zitronensaft, etwas Kräutersalz unb ganz wenig geriebenem Knoblauch gemischt. Kann man auch aus Süßkirschen eine feste Mnnelade bereiten? Von E Müller, Gewerbeoberlehrerin. Wenn man bisher eine Kirsch-Marmelade kochen wollte, so nahm man dazu immer Sauerkirschen, weil diese besser steif wurden. Süßkirschen ocr- toanbten die Hausfrauen zur Marmeladenbereitung überhaupt nicht, höchstens in Verbindung mit gutgelierenden Johannisbeeren. In den meisten Fällen jedoch erhielt man auch dann nicht mal eine feste Masse, sondern mehr einen dicklichen, zerfliehlichen Sirup, der auch im Geschmack infolge ber manchmal ftunbenlangen Kochzeit keine große Freube bereitete. Das ist nun eigentlich besonbers schade: denn eine aus süßen Kirchen hergestellte Marmelade ist, wenn sie gelingt, viel feiner, viel geschmackvoller und nicht zuletzt billiger als eine Marmelade aus Sauerkirschen. Ich arbeite feit drei Jahren nach einem Rezept, bas mir bamals von einer Bekannten übergeben würbe und für das ich ihr noch heute dankbar bin. Man nimmt dunkle, süße Kirschen, wäscht, entsteint und entstielt sie und wiegt darauf genau 3 Pfivio ab. Run zerschneidet man die Kirschen aufs feinste, nur ein Zerdrücken mit dem Holzstampfer genagt meist nicht: am besten ist es, die Früchte durch die Fleischmaschine zu drehen. Hierauf fugt man V< Liter = Vz Pfund Wasser hinzu unb ferner 3 ,, Pftinb Zucker. Dieses Gemisch von zusammen 7 Pfunb wirb nun unter Rühren §um Kixhen ge- bracht. Rachdem das Kochen grunblich brausend eingesetzt hat, sieht man auf die Uhr unb läßt genau zehn Minuten stark durchkochen — nicht kürzer —; wenn es eine Minute länger dauert, so schadet dies nichts. Hat nun die stark wallende Kochung zehn Minuten angehalten, so rührt man eine Flasche Opekta. welche 86 Pfennig kostet, sowie den Saft einer Zitrone in die kochende Masse, läßt nochmals einen Augenblick — drei bis fünf Sekunden — aufwallen, nimmt den Topf vom Feuer und füllt sofort in bereitgesetzte Gläser. Während es mir bis dahin nie gelungen war, selbst nach 2- bis 3ftünbigem Kochen eine gute Kirsch-Marmelade zu erzielen, ist sie mir nach vorstehendem Rezept jetzt schon drei Jahre hintereinander durchaus geglüdt. Dabei ist der Ge- schmad unvergleichlich fruchtrein, bie Farbe lachend rot — beides infolge der kurzen Kochzeit von zehn Minuten — unb bie Haltbarkeit scheint unbegrenzt, auch ohne Salizyl unb ähnliche Konservierungsmittel, wie einige Gläser, die ich schon feit zwei Jahren habe, beweisen. Interessant ist aber, daß die vorstehende Marmelade viel billiger ist. obwohl ich für Opekta noch 86 Pfennig ausgeben mutz, als meine frühere, langgekochte Marmelade. Früher kauft ich nämlich Mk. 10 Pfund Kirschen zu 2 50 und 5 Pfund Zucker zu 2 — macht zusammen: _ 4,50 gebrauchte noch für Heizung 0.20 zusammen 4,70 unb hatte nach mehrstünbigem, mühseligem Arbeiten etwa 7 Pfund Marmelade. Alles andere war verkocht: Kostenvreis je Pfund Marmelade früher ohne Opekta 0,67 Jetzt kaufe ich Mk. 3 Pfund Kirschen zu 0,75 3Vz Pfund Zucker zu 1,40 1 Flasche Opekta zu 0,86 Feuerung 0,04 macht zusammen: 3,05 unb habe nach zehn Minuten ebenfalls 7 PfunL Marmelade von viel feinerer Qualität: Kostenpreis je Pfund Marmelade jetzt mit Opekta 0.4>/e Das nennt man sparen! Sas Palais des Reichspräsidenten wird umaebant OK W I ■Rw. VN - - - - Mfc * WH ■ Blick in den Hof des Reichsprästdenten-Palais, wo soeben die Umbauarbeiten, die seit langem geplant waren, begonnen wurden. Der Reichspräsident hat in der alten Reichskanzlei Wohnung genommen, ist jedoch vorläufig nach Neudeck abgereist, von wo aus er die Amtsgeschäfte weiter leiten wird. Gustav-A-ols-Ge-enkfeierinMainz Am Montogmorgen tagten diebeidenHau pt- vereine getrennt. Der österreichische Hilfsaus- schuß des Evangelischen Bundes legte klare Rechenschaft über die ausgedehnte, wirksame und dringende, stets wachsende Unterstützungsarbeit an den „Los-oon-Rom"-Gomeinden ab. In der anschließenden Hauptoersammluna des Evangelischen Bundes erstattete der Schriftführer, Pfarrer Dr. B e r g 6 r - Darmstadt einen eingehenden Jahresbericht, der von bedauerlicher Verschärfung dec konfessionellen Lage in Hessen, aber auch von erfreulicher Vertiefung und lebendigem Wachstum der Bundesarbeit zu berichten wußte. Die Zahl der Zweig- vereine ist um 6 gestiegen. Die Mitgliederzahl ist trotz wesentlicher Erhöhung des Bestandes in einzelnen Vereinen infolge der wirtschaftlichen Verhältnisse um ein geringes gefallen. Der Kassenbericht ergab das erfreuliche Bild einer gesunden Entwicklung. Für den hauptoerein und seine Arbeit ist es von besonderer Wichtigkeit, daß eine neue Satzung mit grundlegenden Aenderungen einstimmig angenommen wurde. Eine Reihe verdienstvoller Bundesarbeiter wurde mit der Luthermedaille ausgezeichnet. Der Vorsitzende, Pfarrer B e r ck - Roßdorf, wurde abermals für drei weitere Jahre gewählt. Außer den zahlreichen Vertretern der Hess. Zweigvereine wohnte auch eine Gruppe Gießener Theologiestudenten den Veranstaltungen bei. Gleichzeitig tagte im überfüllten Konfirmandensaale der Christuskirche der Verwaltungsrat des Hess. Hauptoereins der Gustav- Adolf-Stiftung. Nach Gebet und gemeinsamem Gesang eröffnete der Vorsitzende,Freiherr von heyl zu Herrnsheim, mit einem Grußwort. Der Jahresbericht wies erfreuliche Einnahmen für das Liebeswerk nach. Im Laufe der Verhandlung wurde in den Vorstand neugewählt Frau Dekan Lehn- Offenbach, die Vorsitzende des Verbandes der Guftav- Adolf-Frauenvereine. Als Tagungsort für die nächste größere Tagung wurde Friedberg aus- ersehen. Die Versammlung nahm mitJnteresse Kenntnis von üerEhrenpromotion des langj.Geschäftsführers des Hess. Hauptvereins der Gustav-Adolf-Stif- tung, Pfarrer D. W a g n e r - Bensheim, durch die theologische Fakultät der Universität Gießen. 2ln die beiden Hauptversammlungen schloß sich eine öffentliche gemeinsame Mitgliederversammlung, in der Vundesdirektor D. Fahrenhorst programmatische Ausführungen zu der Frage: wie stehen wir zum volkskumsgedanken machte. Was ist Volkstum, so frug der Redner. Es ist nicht vor allem Rasse, sondern Seelentum. Bei aller Freudigkeit an deutscher Sonderart darf nie vergessen werden, daß rassige Reinheit weder wirklich gegeben, noch möglich ist. Gott hat den Deutschen eine besondere Art ihres seelischen Gebend gegeben: das Streben in die Weite, das Dringen in die Tiefe, die Sehnsucht nach der Höhe. In all diesen Eigenschaften liegen zugleich Gefahren, wenn sie nicht als Aufgaben verstanden werden. Richt nur das Blut, auch Erlebnis und ilmtoelt gestalten die Seele. Darum muß über Rasse und Blut ein Reinigendes und Heiligendes stehen. Wir haben es im Evangelium. Evangelium und Volkstum sind die höchsten Werte, wie sie schon vor zehn Jahren das Wartburgprogramm des Evangel. Bundes gekennzeichnet. Während das Reue Testament das Ringen der Einzelseele mit Gott zum Inhalt hat, ist das Thema des Alten Testamentes das Ringen Gottes um ein Volk. Welches Volk dies ist, ist an sich gleichgültig. Die Lehren eines solchen Ringens in Abfall, Sünde und Aufstieg gelten auch für unser Volk. Darin liegt die Aufgabe des Christentums am Volkstum begründet. Die große Versammlung war dem Evangelischen Bunde dankbar für diese klare Beleuchtung einer der brennendsten Zeitfragen. Mit einer Gustav-Adolf- Frauenver- sammlung und einer gemeinsamen Rheinfahrt fand die Tagung ihren Abschluß. Am Abend fanden für die Studierenden des Pädagogischen Institutes Vorträge über die Lage der Schule im Ausland im Reich und in Hessen statt. Die Gedenkfeier in Mainz bedeutete für die Evangelischen dieser Stadt und den Protestantismus Hessens einen wichtigen Markstein. Wirtschaft. Feste Grundstimmung in Frankfurt. Frankfurt a. M., 6. Juli. (WTB. Drahtmeldung.) Zu Beginn der heutigen Börse herrschte zwar eine weiter fe st eGrund st immung vor, doch machte sich bei der Spekulation eine gewisse Ermüdungserscheinung nach den letzttägigen Aufwärtsbewegungen bemerkbar. Die Kurssteigerungen der letzten Tage seien schon für eine Einigung in Lausanne eskomptiert. Der abermaligen Hausse für deutsche Werte an den Auslandbörsen staüd die schwäche Veranlagung der Stahlvereins- werte gegenüber. Während von der Kundschaft noch kleine Kauforders Vorlagen, zeigte die Kulisse eher etwas Realisationsneigung, so daß die ersten Kurse kein einheitliches Bild zeigten. Die Einbußen nach beiden Seiten hielten sich jedoch im Rahmen von etwa 1 Prozent. Mehr rückläufig waren Kali-Salz- detfurth mit minus 2A und Reichsbank mit minus VA Prozent. IG.-Farben eröffneten mit 93 Proz. etwas höher, wogegen die Mehrzahl der Elektroaktien Rückgänge von % bis 1 Prozent aufwiesen. Am Montanmarkt zogen Buderus % Prozent an, Rheinstahl, Gelsenkirchen und Stahlverein büßten dagegen in gleichem Ausmaße ein. Schiffahrtspapiere zogen % bis % Prozent an. Von Spezialwerten lagen Ehadeaktien 1 Prozent höher. Zellstoff Waldhof blieben nur knapp gehalten. Nach den ersten Kursen ergaben sich überwiegend kleine Verluste, doch blieb die Grund st immung freundlich. Der Rentenmarkt bewahrte weiterhin seine recht feste Tendenz. Deutsche Anleihen und Reichsschuldbuchforderungen wurden lebhafter abgesetzt, wobei Besserungen von % bis VA Prozent eintraten. Goldpfandbriefe blieben gesucht und erzielten neue Erhöhungen bis zu 1 Prozent, während Liquidationspfandbriefe nur wenig verändert waren. Im Verlaufe unterlagen die Kurse mehrfachen Schwankungen, nennenswerte Veränderungen traten dabei aber nicht ein. Auch das Geschäft hielt sich weiter in ziemlich engen Grenzen. Deutsche Anleihen und- Reichsschuldbuchforderungen zeigten Rückgänge von Vi bis 1 Prozent. Tagesgeld war mit 4A Prozent unverändert leicht. Berlin weiter zuversichtlich. Berlin, 6. Juli. (WTB. Funkspruch.) Nachdem gestern abend die Kurse weiter anziehen konnten, da man wissen wollte, daß in Lausanne bereits eine Einigung erzielt worden sei, setzte sich heute vormittag zunächst die Aufwärtsbe- wegung weiter fort, obwohl sich die gestrigen Gerüchte nicht bestätigt hatten. Das Geschäft war schon vormittags lebhafter als in der letzten Zeit, und an der Dorbörse blieb man weiter fest gestimmt. Kurz vor Beginn des offiziellen Verkehrs wurden aber Reichsbankanteile stärker angeboten, angeblich aus dem Auslande, und es wurde dadurch eine kleine Unsicherheit in öen Markt getragen. Die Grundstimmung blieb aber zu Beginn des offiziellen Verkehrs doch weiter zuversichtlich, da man angesichts der angestrengten Bemühungen der Engländer, eine Einigung herbeizuführen, mit einer baldigen Lösung rechnen zu können hofft. Die schwache Neu- Yorker Börse- blieb ohne Einfluß auf die Tendenz, dagegen regte die erneute Hausse d e r deut- scheu Bonds dort allgemein an, da man sie als weiteres Zeichen des Vertrauens zu Deutschland ansieht und auch daraus zu erkennen glaubt, daß in Neuyork, wie auch an den anderen Auslandsbörsen mit einer Einigung in Lausanne fest gerechnet wird. Es lagen zu Beginn wieder Kaufanträge des Publikums vor. Wieder sollten Stillhalte- gelber Anlage gesucht haben, und auch die Spekulation schritt zu Meinungskäufen. Das Hauptinteresse konzentrierte sich aber auch heute auf den Markt der festverzinslichen Werte, an dem die Anlagekäufe anhielten. Sehr lebhaft war das Geschäft in Alt- und Neubesitzanleihe, letztere konnten bis auf 5,25 o. H. anziehen. Auch Reichsschuldbuchforderungen waren bis 1,5 v.H. gebessert. Reichsbank eröffneten dann etwas schwächer mit 129,25, auch Soenska, Niederlausitzer Kohlen, Salzdetfurth und Bekula waren bis zu 1,5 v. H. abgeschwächt. Ehade gingen auf eine kleine Derkaufsorder um 3 Mark zurück. Dagegen kann- ten die anderen Werte sich meist um 1- bis ver- einzelt 2 v.H. befestigen. Aschaffenburger Zellstoff besserten sich bei Plus-Plus-Nobiz um über 4 v.H. Die variablen Jndustrieobligationen lagen gleich- falls bis 2,5 o. H. fester. Die Auslandsreisen schossen sich der Aufwärtsbewegung mit kleinen Besse- rungen an. Für die Rheinische Braunkohle kam eine Notiz noch nicht zustande, der Bericht des Aufsichtsrats wurde mit Befriedigung entgegengenommen, die lOprozentige Dividende und die stuf- fige Bilanz verschafften natürlich eine Anregung. Dtaai lagen auf den Derlustabschluß etwas schwa- cher. Später schritt die Spekulation auf dem erhöhten Kursniveau zu Realifationen, so daß sich 0,5- bis vereinzelt Iproz. Rückgänge gegen Anfang ergaben, von denen die Montanwerke überwiegend betroffen wurden. Im weiteren Verlauf konnten sich die Kurse meist wieder erholen, da zu den Kassakursen Nachfrage bestand. Am Geldmarkt war die Situation unverändert zu aestern, Tages- geld blieb 5,75 v. H. an der unteren Grenze, vereinzelt 5,65 o. H., Monatsgeld 6 bis 8 o. H. Für Prioatdiskonten erhielt sich die Nachfrage. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. TL, 6. Juli. Es wurden notiert: Weizen 1, gut, gesund, trocken, bis zu 1 Prozent Auswuchs 257,50 bis 255, Roggen 220, Hafer, in- ländischer 170 bis 180, Weizenmehl, südd. Spezial 0 38,25 bis 39,50, Roggenmehl 28,75 bis 29,25, Wei- Zenkleie 8,80, Roggenkleie 9 bis 9,25 Mark. — Ten- denz ruhig. Schweinemarkt in Gießen. Auf dem heutigen Schweinemarkt in Gießen ftan» den 212 Ferkel zum Verkauf. Es kosteten Ferkel bis 6 Wochen alt 12 bis 15 Mark, 6 bis 8 Wochen alt 15 bis 18 Mark, 8 bis 13 Wochen alt 18 bis 24 Mark. Tendenz gut, geringer Ueberstand. Infolge Herzschlag verschied plötzlich unser lieber Sohn, Bruder und Bräutigam Max Karl Pötzsdi im Alter von 25 Jahren. In tiefer Trauer: Familie Paul Potz sch nebst Angehörigen Lina Wagner, Braut nebst Angehörigen Gießen (Weserstr.17), Schrebitz, Bez.Leipzig, den 6 Juli 1932. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 7. Juli, nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt ___________________________________________________________________________________________________041031 Es hat Gott gefallen, unseren lieben Sohn, Bruder, Neffen und Vetter Fritz Lenz Gießen, den 6. Juli 1932 5066 D Die Beerdigung findet Freitag, den 8. Juli, nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. — Von Beileidsbesuchen wolle man absehen im Alter von 17 Jahren nach geduldig getragenem Leiden zu sich zu nehmen Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Friedrich Lenz, Schreinermeister [ Verkauf" Vauplatze t). 300 qm aufwärts, vreisw. zu verkauf. Jnl.Wellhöfer 15045 o Marburg. Str. 24,Tel.2313 Bauplatz an ausgeb. Straße, nabe Schubertüraße, billig zu verkaufen. Schr. Ang. u. 04099 an denGieß.Anzeig. 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Juli L J. ab eine Woche lang auf hiesiger Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Einwendungen können während dieser Frist daselbst mündlich oder schriftlich vorgebracht werden. 5044V Stangenrod, den 4. Juli 1932. Hess. Bürgermeisterei. ________________K n a u ß._______________ Versteigerung. Freitag, den 8. Juli 1932, nachmittags 3 Uhr, sollen in dem Lager der Firma Stückrath & Bender, G. m. b. h., Möbel- Wetzsteingasse 9/11 Kein Laden Bekanntmachung. Der vom Gemeinderat durchberatene Voranschlag der Gemeinde Londorf für 1932 Rj. liegt vow 8. Juli l. J. ab eine Woche lang auf dem Amtszimmer des Bürgermeisters zur Einsicht der Beteiligten offen, woselbst innerhalb dieser Frist Einwendungen schriftlich oder zu Protokoll vorgebracht werden können. Londorf, den 5. Juli 1932. 5050V Bürgermeisterei Londorf. A u m a n n. 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