M.31 Erster Blatt 182. Jahrgang Samstag, 6. Sebruar 1952 Erscheint täglich.außer Sonntags und feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Siegener ftamilienblatlet Heimat m Bild • DieScholle Monat,Vezugrvreir: Mit 4 Beilagen BTl. 1 95 Ohne Illustrierte , 1 80 Zustellgebühr .. . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. 5ernsvrechanschlüfse unter Sammelnumrner 2251. Anschrift für Drahtnachrichten^ Hnjeiger Giehen. poßfchelttonto: üroiljun am Main 11686. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen trvfl vttb üerlM: vrShl'sche UiiiDeifitäts-Beih- und Stelwöniderei K. Lange in Gietzei. S^rtftlettnwg und Geschäftsstelle: 5ch«s*tra^e 7. Annahme von Anjetqen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für | mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Neichspsenntg; für Ne» hlamean;tigen von 70 mra Breite 35 Neichspfennig, Platzvorfchrift 20", mehr. Chefredatteur Dr. JVnebr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Dolitilt Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.Tdyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Mar Filler, sämtlich in Gießen. Zwischen Schanghai und Gens. Don Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Pros, der Geschichte an der Universität Äerlin. Die größte, jcbenfaüs dem Umfana nach aröhte politische Slonferen,! der Geschichte ist am Dienstag in Gens eröffnet worden. Groß aber dach nicht nur nach der Zahl der Teilnehmer, sondern auch noch den Aufgaben! Denn fo zweifelnd und kritisch man den Aussichten dieser Konferenz heute gegen- überstehen muß, sie wird beherrscht von der absoluten Ungewißheit auf allen Seiten was würde, wenn sie vollständig scheitern sollte. Dieser Ernst beherrschte auch die Eröffnungsrede Hendersons. Sie war gewiß nicht zündend und hinreißend, aber sie war ernst, offen, sehr bestimmt' mit der Forderung einer wesentlichen Herabsetzung und Beschränkung der Rüstungen aller Cänber, mit Freimütigkeit gegenüber dem für uns unmöglichen Abrüstungskonoentionsentwurs und mit dem Schluhhinweis, daß „es nur Gleichberech- tigung für jed-'s Volk in der freien Gesellschaft der Volker geben könne, die wir zu bauen begonnen haben“. Mit der letzten Formel ist Deutschlands Grundforderung vom englischen Präsidenten anerkannt und mit feiner Formel über den Können- tionäcntinurj die ('r.ihcit der Monfereni die Deutschland immer auf das Bestimmteste gefordert und betont hat, wie Henderson sagt, „auch jeden anderen Vorschlag oder jeden neuen Entwurf eines Abkommens zu erörtern, der ihm vorgelegt würde“ Der letzte Satz legt der deutschen amtlichen Tätigkeit doch die Erwägung sehr nahe, ob nicht eine etwas aktivere und positivere vorwärts Sehende Tätigkeit zweckmäßig wäre, als die rein auf ie Defensive beschränkte, in sich richtige, aber schwerlich allein ausreichende Haltung, die die deutsche Politik in der Abrüstungsfrage bisher eingenommen hat. Die Situation ist so ernst, bah man nicht mit billigen Scherzen kommen sollte darüber, baß eine Konferenz zur Abrüstung gerabc beginnt, wo im Fernen Osten bie Kanonen bonnem unb eine Stadt in Brand schießen. Wir möchten einen inneren Zusammenhang zwischen dem militärischen Ausbruch des Konflikts im Fernen Osten und der Abrüstungskonferenz nicht an- nehmen, aber sonderbar ist eS doch, daß dieser Konflikt gerade jetzt, nachdem er jahrelang geschwelt hat, zum AuSdruch gekommen ist, als man überall für Genf unb zu der großen Konferenz fich rüstete. 3n feiner Eröffnungsrebe hat Henderson gejagt, daß die großen Katastrophen weniger infolge gewiffcr Launen der handelnden Staatsmänner entstanden feien, als infolge der mangelnden Urteils ähigkeit derjenigen, die gar nichts taten. Hat er mit der zweiten Hälfte dieses Satzes an die Staatsmänner seines Vater- landeS unb Amerikas gedacht, die den fernöstlichen Konflikt sich so haben entwickeln lassen, und jetzt unangenehm vor ernste Situationen gestellt sind? Zu den Kämpfen in der Mandschurei selbst unb ber fortgesetzten Bedrohung von Chardin ist ganz überraschenb die Aktion Japan- auf daS Chinesenviertel von Schanghai gekommen mit dem Bombardement dieser Stadt und der weit- tragenden Verwickelung. die schon dadurch entsteht, daß mit dem Chinesenviertel die bekannten internationalen Aiederlassungen verbunden sind. 3m einzelnen mag Japan Grund zu Beschwerden übet Dorgänge in Schanghai gehabt haben, das der Mittelpunkt der Doykottbewegung ist. Aber in bezug auf die militärischen Maßnahmen (nach- bem das japanische Ultimatum von den chinesischen Behörden in Schanghai angenommen war!), versteht man den japanischen Admiral nicht, und die .Times" hatte wohl recht, wenn sie sagte, daß diese Ereignisse die Zweifel nur steigerten, ob die Regierung in Tokio ihre Befehlshaber genügend zu kontrollieren in der Lage fei. Aber daS kann man bei der Klugheit ber japanischen Regierung noch weniger verstehen. Denn baS weiß jedes Kinb. baß ausgerechnet in Schanghai eine ber allerempfinblichsten Stellen in ber ganzen chinesischen Frage berührt würbe, weil hier bie Verletzung von Interessen der ander e n großen Mächte schlechterdings nicht zu vermeiden ist. Unb darum mußte unb muh die Haltung Japan» al» eine HerauSforbe- t u n g wirken auf (Snglanb unb Amerika, unb als eine Bebrohung be» Friedens in ber Welt überhaupt. China hat barauf in Genf ben Antrag eingebracht, nunmehr bie Artikel 10 unb vor allem 15 in Gang zu sehen. Japan hat formell bagegen Einspruch erhoben, weil Artikel 15 auf leben Konflikt gar nicht angetoenbet werben könne Es bestreitet nach wie vor jebe Dcrletzung chinesischen Gebietes, unb jebe Absicht auf Annexion, es bestreitet überhaupt, bah es sich hier um einen Krieg hanble. Wan fragt sich aber — nach bem, was bisher schon, vor allem hx Schanghai, geschah — wie ein Krieg eigentlich auäfe^n soll. Tatsächlich i ft in Ostasien heute Krieg. Der Böllerbund steht vor einer ganz schweren Aufgabe und Probe, die ihm nicht dadurch erleichtert wird, dah Japan auch vor Drohungen mit dem Austritt nicht zurückschreckt. Die Konsuln in Schanghai sollen als eine Art Völker- bundskommission die Lage studieren und berichten, die Ratsmächte, auch Deutschland, haben dem- entsprechend ihre Vertreter in Schanghai instruiert. Die früher eingesetzte Mandschurei-Kommission ist abgefahren, über Amerika, so dah sie überhaupt erst nach langer Zeit in Aktion treten könnte, und also ein ernsthaftes Mittel des Völkerbundes für seine Aufgabe nicht ist. Bisher Hal der Völkerbund nichts ausrichten können, um Gin französischer Vorstoß in Gens. Ein Memorandum Tardieus sucht die Gicherheitsthese in den Vordergrund zu schieben. Frankreich als Polizist des Völkerbunds in Europa. Genf, 5. Febr. (WIB.) Der französische Delegierte. Kricgsrninister X a r b i c u. bat am Schluß der heutigen Vollversammlung ber Abrustungskon- ferenz dem Präsidenten Henderson ein Memorandum übergeben, worin der Standpunkt der französischen Regierung zu den Ausgaben der Abrüstungskonferenz niedergelegt ist. Das Memoran- dum ist den einzelnen Delegationen ungefähr zur selben Zeit wie der Preste bekanntgegeben worden. Tardieu erklärte u. a, Frankreich stehe auf bem Boden de» ftonoentionsentrourfes. Es möchte aber, wie bie französischen Vorschläge zeigten, noch weiter gehen. ES handele sich darum, daß auf der Abrüstungskonferenz ersprießlich ernsthafte Arbeit geleistet werde. Frankreich habe seinen guten Willen durch Sie T a t bewiesen. Es habe damit gleichzeitig dem Apvell Hendersons, der zur Vorlegung praktischer Anregung. n aufforb: t', entsprochen. DaS französische Memorandum enthält im einzelnen folgende Vorschläge: Internationalisierung der Zivillustfahrt. Die Zivilluftfahrt unb bieDomben- flugzeuge sollen bem Dölkerbund jur Verfügung gestellt werben, weil diese neuartige Kriegswaffe sich gegenüber ber Zivilbevölkerung am grausamsten auSwirke. Die französische Regierung forbert zunächst bie 3 n - tcrnationalificrung ber Zivilluftfahrt. Die Staatsangehörigen ber Signatarmächte ber künftigen Abrüstungskonvention sollen nur solche Flugzeuge Herstellen unb frei ver- wenben bürfen, bie nicht militärisch netto e n b b a r sink) unb beren Größe eine von ber Konferenz festzusehende Ziffer nicht übersteigt. Der Dau unb bie Verwenbung von größeren Luftfahrzeugen soll kontinentalen, interkontinentalen unb interkolonialen Organisationen übertragen werben, bie ihrerseits bem Völker- bunb unterstehen, ber auf biefe» Material ein ständiges Requisitionsrecht besitzen soll. Die militärischen Großflugzeuge sollen allein bem Völkerbund, unb zwar unbeschränkt zur Verfügung stehen. Die bestehenben militärischen Luftfahrten sollen bie freie Der- toenbung ber kleineren Flugzeuge behalten, aber keine Großflugzeuge bauen bürfen. Flugzeuge, beren Gröhe zwischen ber hier noch festzusetzenben Höchstgrenze für Kleinflugzeuge unb ber Mindest- grenze für Großflugzeuge liegt, sollen nur von solchen Staaten gehalten werben bürfen, bie sich verpflichten, sie bem Völkerbunb bei einer gemeinsamen Aktion zur Verhütung ober Bekämpfung bes Kriege» zur Verfügung zu stellen. Sine internationale Polizeitruppe Unter den gleichen Bedingungen wie die Flugzeuge soll das Material ber Land und Seerü ft ungen dem Völkerbund zur Verfügung gestellt werden, nämlich schwere Artillerie, Linienschiffe mit Geschützen von über 203 mm ober mit einer Tonnage von über 10 000 t sowie Unterseeboote, bie eine sestzusetzende Tonnage überschreiten. Ferner wird vorgclchlagen: 1. eine internationale Polizeitrupoe zur Verhütung des Striepes; 2. eine erste Staffel von Exekutionsstreitkräften zur Bekämpfung des Krieges und zur sofortigen Hilfeleistung für einen angegriffenen Staat zu schaffen. Die Polizei- truppe soll ft ä n b i g verfügbar, fein, um in Krifenzeiten bie Gcgenbcn, in benen eine Konfliktgefahr entstauben ist, zu besetzen. Sie soll zu biefem Zweck bas Recht bes freien Durchzuges besitzen Frankreich erklärt sich bereit, mit einer gemischten Brigade, einer leichten Flottenbioision unb einer gemischten Beobachtungs- unb Jagdflieger- gruppe an der Polizeitruppe teilzunehmen. Es würde Aufgabe bes Völkerbundes fein, bas Kommanbo ber internationalen Polizeitruppe zu regeln unb für bie Inspektion zu sorgen. Mit ben Exekutiv st reitkräften, bie ftanbig verfüg- bar fein müssen, muß jebem angegriffenen Staate zu Hilfe geeilt werben. Frankreich erklärt sich bereit, solgenbe Kontingente zu stellen: für einen Konflikt außerhalb Europas eine gemischte Brigade, eine leichte Flottenbivision, eine gemischte Fliegertruppe, sowie Munition unb weitere Gegenstände ber ilanbrüftun- gen ohne Personal; für einen Konflikt in Guropa eine Division aus allen Waffengattungen, eine Flottenbivision, eine gemischte Fliegeraruppe, sowie Munition unb (Begenftänbc ber Landrustungen mit Personal; für einen Konflikt in Europa, wo ber Angreifer eine gemeinsame Grenze mit Frankreich hat, außerbern weitere Streitkräfte. Die Staaten, bie Tanks ober ähnliche Panzerwagen sowie schwere Artillerie besitzen, sollen sich verpflichten, bie bem Söller- bunb zur Verfügung ftehenben Streitkräfte bamit auszustatten. Einschränkung des Luftkrieges. Zum .Schutz der Zivilbevölkerung" schlägt die französische Denkschrist Einschränkungen des Lustkrieges vor, die den KonventionScntwurf ergänzen. Hiernach soll unzulässig sein die Verwendung von Brandbomben oder Bomben mit Giftgasen oder Bazillen, sei es durch Abwurf von Flugzeugen oder durch Land- und SchissSartillerie. Ferner jedes Bombardement durch Flugzeuge oder durch Artillerie außerhalb einer sich an die Landsront anschließenden Zone von noch festzu- Scharfe Spitze gegen Deutschland. Denkbar schlechter Eindruck bei der deutschen Delegation in Genf. Genf, 5. Febr. (CAD.) Da» französische Memorandum hat Wohl bei keiner Delegation irgendeine Ueberraschung hervorgerufen. Es enthält keinen einzigen praktischen Barsch laa für die der Konferenz eigentlich gestellte Aufgabe, nämlich die allgemeine Abrül- ft u n g, sondern eine Reihe von Vorschlägen, die keinen anderen Zweck verfolgen, als die bekannte französische Sicherheitsthese nochmals zu erheben. Die einzige positive Reue- rung in den französischen Vorschlägen sind die Bestimmungen über den Schuh der Zivilbevölkerung beiDombardementS. Wenn das französische Memorandum jetzt die Sicherheitsthese in den Vordergrund der xonse- renzverhandlungen zu rüden versucht, so ist hierzu festzustellen, daß die Ausgabe der Konferenz völlig verkannt wird. Die französischen Vorschläge für die 3ntcrnationalifierung der Luftfahrt sind sowohl hinsichtlich der KriegSflugzeuge als hinsichtlich der zivilen Luftfahrt u n v e r - kennbargegenDeutschland gerichtet, das bei dem gegenwärtigen Zustand ein geographisches Hindernis für den freien Verkehr der Kriegsflugzeuge Frankreichs und seiner östlichen Verbündeten bildet und da» sich gezwungen sieht, eine an technischer Ausstattung und toirt- schaftlichdr Leistungsf^igkeit mustergültige Luftflotte auszubilden. Für Deutschland ist die Frage einer Völker- bundsarmee solange nicht diskutierbar, al» das gegenwärtige flagrante Wihverhält- niS zwischen rücksichtslos entwaffneten und schrankenlos ausgerüsteten Staaten besteht. Unter diesen Umständen würden in einer VölkerbundSarmee bie hoch ausgerüsteten Staaten da» unbedingte Uebergewicht besitzen, und eine Exekution würde nur gegen den Schwachen möglich sein. Wie schon zurzeit deS Genfer Protokolls verfolgt Frankreich auch jetzt das Ziel, a l 6 Mandatar de» Völkerbünde- in Europa nach feinem Gutdünken bie Polizei- gemalt auszuüben. Schon eine erste Prüfung ber technischen Seite ber französischen Vorschläge zeigt, baß cs sich um keinen praktischen Plan handelt, sondern um ein Dokument, das unter dem Vorwand tech nisctzer Ziele im wesentlichen politische Zwecke verfolgt. Die Vorschläge der französischen Regierung sind am Freitagabend mit einem Begleitschreiben Tardieus der deutschen Abordnung über mitt eit worden. Der übereinstimmende Eindruck in deutschen Kreisen geht dahin, daß die Vorschläge für Deutschland unannehmbar sind, solange nicht auf Artikel 53 des Abkommensentwurfes verzichtet wird, der bie Entwaffnungs- be ft Immungen für Deutfdjlanb aufrechterhalten will. diesen Konflikt zu friedlichem Austrag zu bringen. 3etzt zeigen sich in vollem Maße die Mängel des Völkerbundes, sowohl der beabsichtigten Dehnbarkeit der grunblegcnbcn Bestimmungen, mit denen heute eben kein richtiger Ansatz zu gewinnen ist, unb überhaupt des Wesens des Völkerbundes als einer Vereinigung der Siegermächte, in ber jetzt 3apan unb Frankreich fich immer mehr nähern und England isoliert ist, die anderen mehr oder minder danebenstehen und Amerika draußen. Darum sind aber Amerika und England erst recht an dieser Angelegenheit beteiligt; in beiden Ländern steigt daher das 3ntereffc, ja die Aufregung. Am 2. Februar haben darum beide Mächte in Tokio mit einem gemeinsamen Vermittlungsvorfchlag förmlich interveniert, einem Schritt, der selbständig vom Völkerbund gemacht wurde, aber an den die anderen Ratsglieder sich anzuschliehen aufgefordert wurden. Fünf Punkte umfaßt er: sofort Beendigung aller Gewalttätigkeiten beiderseits, neutrale Zonen zum Schuhe der internationalen Riederlassungen, und danach Verhandlungen über friedliche Beilegung zwischen China und 3apan „im Geiste deS Kel- logg-Paktes und der Völkerbundsresolution vom 10. Dezember". China hat diese Vorschläge sofort angenommen. 3apan die ersten vier mit Vorbehalten. die die Annahme wirkungslos machen, und mit glatter Ablehnung deS fünften Punktes — „da dieser Punkt die mandschurische Frage berühre“. Die Kriegshandlungen finb tocitcrgegan- gen, verletzen und berühren auch amerikanische 3nteressen und Menschen. 3apan erfreut sich Frankreichs Unterstützung. Denn dieses wird den Konflikt gern für seine Politik auf der Abrüstungskonferenz im Sinne der Sanktionstheone benutzen Auf der anderen Seite stehen Amerika undEng- land, die über mehr als diesen Vermittlungs- Vorschlag noch nicht hinausgekommen sind. 3etzt rächt sich nicht nur die Völ kerbundspolitik, sondern auch eine amerllanische Politik, die den Kelloggpakt machte und jahrelang von ihm redete, aber schlechterdings nichts tat und bisher nichts tut, ihn wirksam ^u machen So kann man sich nicht wundern, dah nun 3apan. an sich dem Kräfteverhältnis nach Amerika durchaus unterlegen, die Situation glaubte so nutzen zu können, wie es das tut. England wieder, namentlich seine Diplomatie, hängt immer noch im Dorstellungskreise de» englisch-japanischen Bündnisses, das 20 3ahre gegolten hat. und möchte dieses mächtige Japan ja nicht verstimmen Wie könnte England im Kriege mit 3apan dann 3n- bien ober Australien wirklich schützen, solange es nicht unbedingt der amerikanischen llntcr- stützung sicher wäre? Man hat nicht den Ein- bnid. daß Macdonald und sein Kabinett heute bereits genau wissen, was sie eigentlich im Fernen Osten tun wollen oder sollen. Das weiß man bei Rußland, bas unter keinen Umstanden ben bewaffneten Konflikt will unb solange mir irgenbmöglich stille halt. Aber wie lange kann es bas wirklich tun, ganz abgesehen vom Prestige, ba boch jeden Tag mit Aktionen gegen Chardin unb in der Rorbmanbfchurei große russische Interessen berührt werden können? Mit der Politik, bie es beute treibt, kann Japan zum Totengräber des Völkerbundes werden und damit auch bie Abrüstungskonferenz schwer treffen. Es spielt ein gefährliches Spiel, von bem man heute schon sagen kann, daß es fich dabei übernimmt. Zn Genf werden Stimfon und Litwinow, also die Vertreter gerade von zwei nicht 3um Völkerbund gehörenden Mächten, wohl miteinander in Berührung kommen, um Interessen im Fernen Osten zu erörtern, bie ihnen merkwürbig gemeinsam finb. Und in Genf finb wohl alle Unterzeichner bes fiel- loggpattes, jebenfalls alle Unterzeichner bes Neun- Machte-Dertrages von Washington versammell. Aber wirb für Fühlungnahme unb Verhandlungen Zeit (ein, ehe biefer Konflikt 311 einer ganz großen Gefahr wird? Uns scheint, baß dieser Gesichtspunkt auch die Haltung Deutschlands bestimmen muß unb zugleich bie unserer öffentlichen Meinung. Zu unbedingter Parteinahme für bie eine ober anbere Seite haben mir keine Veranlassung. Der eine mirb bas Lebensrecht Japans, eines Volkes ohne Roum im brängenbften Sinne bes Wortes anerkennen, ber andere bas Ringen ber Chinesen um Freiheit unb Sclbftänbigfeit ihres Staates. Was uns aber berührt ist (abgesehen von ber Bebrohung ber mühsam wieder eingebauten deutschen Handelsinteressen draußen) die unheimliche unb unberechenbare Gc fahr, bie aus bem japanischen Vorgehen droht Das braucht nicht gleich bis zu Weltkrieg unb Weltbrand zu führen, oowohl ja schließlich vieles möglich ist in ber ganzen Weltspannung, bie sehr schnell auch in ber Ferne ausfliegenbe Funken weiterleitet. Unter allen Umständen aber wird, was Europa und uns zunächst angeht, bie Abrüstung- unb bie Tributfrage burch biefen Konflikt unb feine Folgen burchkreuzt unb überschnitten. Unter allen Umftänben werben in biefe Fragen Interessen von außerhalb hereingetragen, werden jene abgebogen, umgebogen, verändert unb beeinflußt. Noch mehr, es wird bas Schwergewicht der Mächte, die Europa dazu braucht, namentlich Englands und noch viel mehr Amerikas unter allen Umständen oer- schoben, anders bestimmt, für uns noch weniger verwendbar und berechenbar als es ohnedies schon war. Wir lehnen durchaus bie Meinung ab, daß diese fernöstliche Verwickelung, bie England, Amerika unb Rußland hereinzieht, Europa unb uns entlaste. Das Gegenteil ist ber Fall! Die Situation wirb verwickelter, sie wirb schwieriger unb wie oft haben mir bann erfahren, baß baraus bie Neigung ber anberen folgt, bie Verständigung auf unferm Rücken zu suchen. Man tage nicht, das sei ganz weit hinten in Ostasien. Die Weltzusammenhänge sind so stark, daß dergleichen bis in bie innersten europäischen Auseinandersetzungen hereintoirkt. Die deutsche Politik wird es in den nächsten Wochen spüren, sie spürt es heute schon! Und die Unruhe schließlich kann niemand, der diese Zusannnen- hänge erkennt und sich über das CQlab der Spannungen in der Welt und namentlich in Europa klar ist, unterbrüden, bie Unruhe, bah eben etwas Unberechenbare» mit diesem japanischen Vorstohe auSgelöst wurde, unberechenbar wie 1894, als 3apan in ähnlicher Weise den Krieg gegen China begann, und mit Folgen heute, die noch bedeutungsvoller, noch gefährlicher werden können, als damals. setzendem Ausmaß. Ausgenommen von dieser Schutzbestimmung soll lediglich dasjenige Gelände sein das als Luftfahrtstü tzPunkt oder zur Aufstellung weittragender Geschütze dient. An den Küsten soll mit Ausnahme dö. Luftfahrtstützpunkte und der Artilleriebatterien jedes Luftbombardement gleichfalls hinter einer noch festzusehenden Zone verboten sein. Organisationsbedingungen des Friedens. 3m fünften Abschnitt heißt es über die Organisationsbedingungen des Friedens: Die französische Regierung ist sich bewußt, daß die vorstehend gemachten Vorschläge politischeMahnahmen bedingen, die allein ihre Auswirkungen ermöglichen und sichern. Sie betont nochmals, daß nicht durch empirische und technische Verfahren eine wesentliche Herabsetzung der Rüstungen herbeigeführt werden kann- Man muh den Plan ändern und von nun an in der gemeinsamen Aktion die Sicherheit erstreben. Die gegenwärtige Konferenz liefert die beste Gelegenheit, endgültig zwischen einem mit Exekutivgewalt ausgestatteten Völkerbund und einem Völkerbund zu wählen, der durch unnachgiebige Souveränitäten gelähmt ist. Frankreich hat seine Wahl getroffen. Die Maßnahmen, ohne die die obigen Vorschläge unwirksam und selbst undenkbar werden, setzen u. a. voraus: die obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit, die Begriffsbestimmung des Angreifers, Garantien hinsichtlich der raschen Entscheidung über die Verwendung der Streitkräfte und eine internationale Kontrolle der Regelung der Rüstungen. Die französische Regierung hat in ihrem Memorandum vom 15. Juli 1931 genaue Angaben über die Entwicklung der französischen Rüstungen und über die Herabsetzungen geliefert, die sie bereits freiwillig vorgenommen hat. Diese Herabsetzungen, die Frankreich durch das auf der bestehenden Ordnung begründete politische Statut ermöglicht wurden, sind bas älnterpfand seiner Entschlossenheit, wenn die gegenseitige Hilfeleistung an die Stelle der Isolierung getreten sein wird, neue Herabsetzungen anzustreben. Schärfste Knük in der Berliner presse. Oer Völkerbund als Machtfakior der französischen Politik für Verewigung von Versailles. Berlin, 6. Febr. (TLl.) Der französische Vorstoß gegen die Abrüstung wird von den Berliner Blättern eingehend besprochen. Die „Germania" weist darauf hin, daß die französische Regie auf der Abrüstungskonferenz vorzüglich sei und betont, die von Frankreich geforderten Machtbefugnisse könne nur ein Völkerbund besitzen, dessen Mitglieder in jeder Beziehung gleichberechtigt seien und der nicht unter dem Einfluß einer einzelnen Mächtegruppe stehe. Dem heutigen Völkerbund fehlten diese Eigenschaften. — Die „D A Z." bezeichnet das französische Schriftstück als eine Denkschrift gegen d i e Abrüstung und sagt, wohl noch niemals seien auf ein Stück Papier soviel ebenso gewöhnliche wie dreiste Unwahrheiten gedruckt worden. Frankreich habe einen neuen Weltrekord aufgestellt. — 3n der „Vossischen Zeitung" wird hervorgehoben, daß die französischen Vorschläge schon deshalb für Deutschland nicht annehmbar seien, weil sie einen Teil der Kriegsmittel, die für Deutschland verboten seien, bei den Einzelstoaten beließen, und weil keine Rede davon fei. daß Deutschland a u f dem Fuß der Gleichberechtigung an den Vorbereitungen für die Völker- oundsarmee beteiligt sein solle. — Der „Lokal- anzeiger" schreibt, das ganze System Frankreichs laufe darauf hinaus, daß der Völkerbund weiter ein Machtfaktor der französischen Politik sein solle und daß dieser Machtfaktor zur Aufrechterhaltung des Diktats von Versailles unter Einsatz militärischer Mittel mit einem Schein des Rechts für Frankreich verwandt werden solle. — Rach der „Börse n z e i t u n g" bezweckt Frankreichs «Sicherheitsprogramm" nichts weiter als die Riederhaltung Deutschlands und die Stabilisierung von Versailles. Deutschlands Rein sei ihm sicher. — Die „Deutsche Zei - t u n g“ bezeichnet Frankreichs phantastische Vorschläge als eine Ablenkung von der Abrüstung. Man wisse nicht, ob man den offenen Hohn auf die Abrüstung oder die älnverfroren» heit dieser Vorschläge mehr bewundern solle, die offensichtlich die Verhandlungen in Genf auf ein überhaupt nicht zur Erörterung stehendes Gebiet lenken sollten. — Der „Börsen-Cou- r i e r“ spricht von einem unmöglichen Sicherheitsvorschlag. — Der „Vorwärts" allein vertritt die Auffassung, daß es klug gewesen sei, den Gedanken einer Völkerbundsarmee in Genf in die Debatte zu werfen und behauptet, gerade Deutschland, das militärisch schwach sei, müsse einen starken Völkerbund roollen. Daß dieser starke Völkerbund nicht einer Macht oder einer Mächtegruppe, sondern allen gleichmäßig dienen müsse, verstehe sich von selbst. Senator Borah gegen die französische Oenkschrist. Washington, 6. Febr. (WTD. Funkspruch. Reuter.) Senator Borah lehnt die gestern veröffentlichte Denkschrift Tardieus über die Reuorganisierung der Welt ab und sieht darin den Versuch, Europa in eine Zw angsjacke zu stecken, um den Versailler Vertrag und die anderen Verträge gewaltsam aufrechtzuerhalten. Borah erklärt Wetter, es sei erfreulich, daß ein solcher Vorschlag nicht die Unterstützung einer nennenswerten Zahl von Regierungen finden werde. MeWiisnng-ZM tonbenlo lern eingenommen China seht den Widerstand fort. Schanghai, 6.Febr. (2BIB.) Die Japaner haben die Wusung-Forls eingenommen. Die Einnahme erfolgte durchdieersk kürzlich gelandete japanische Brigade, die 3000 Blann zählt, und 800 japanische Marinesoldaten. Die Besetzung der Forts wurde so schnell durchgeführt. daß die Schiffahrt durch die militärischen Operationen nicht gestört wurde. Japanische Kriegsschiffe und Flugzeuge haben die Forts von wusung vollständig zerstört. Der deutsche Dampfer „Hannover", der sich auf der Fahrt nach Manila befand, hat auf der höhe von Dusung den Piloten eines japanischen Flugzeuges aufgenommen, das infolge einer Motorpanne abgestürzt war. Mehrere Bomben sind in die Interna f io n a (e Riederlassung gefallen, wobei verschiedene Personen verletzt wurden. In der französischen Niederlassung wurde von einem Auto aus eine Bombe geworfen, die mehrere Personen verwundete. Man behauptet, daß es sich dabei um ein kommunistisches Attentat handelt. Dangtschingwen. der Leiter der Ranking- regierung. erklärte: wir schicken in größter Eile Verstärkungen und Kriegsmaterial noch Schanghai. Die Politik der chinesischen Regierung, so fügte er hinzu, basiert auf zwei Prin- jlpicn: 1. niemals einen Vertrag zu unterzeichnen. der unsere territoriale Souveränität beeinträchtigt und 2. den wider st and gegen die angreifende japanische Armee sartzu- sehen. Charbin beseht. Chardin, 5. Febr. Nachdem heute morgen bereits die japanische Vorhut in Eharbin e i n g e r ü ck t war, Hal nunmehr auch das Gros der Truppen des Generals ha- seb e die Stadt erreicht. Nach zweistündigen,außer- ordentlich heftigen Kämpfen mit den Chinesen haben die Japaner die Alt- und Neustadt von Charbin be- seht, und verfolgen nunmehr die Armee des Generals T i n g t s ch a u . die sich eilig i n n ö r d l i ch e r Richtung zurückzieht. Charbin, mit 230 000 Einwohnern die größte Stadt der nördlichen Mandschurei, ist der wichtige Eisenbahnknotenpunkt Dairen—Mukden-Charbin und Wladiwostok— Charbin-Tsitsikar. Kommunistische Kundgebungen in USA. R e u h o r k, 5. Febr. (TU.) Am Donnerstag- nachrntttag veranstalteten die Kommunisten in allen größeren Städten der Vereinigten Staaten Kundgebungen. 3nReu- Y o r k zogen mehrere tausend Personen- mit roten Fahnen zumRa t h aus, das von einem starken Polizeiaufgebot beseht war. Die Kommunisten wurden am Eindringen in das Gebäude verbin- ö.cfL 2n Philadelphia muhten 500 Poli- aUten aufgeboten werden, um das Rathaus äu famtien. Auch in Washington wurde ein Ttarfeö Polizeiaufgebot bereitgestellt, um ein Vor- Dringen der Dernonstrctten gegen das Weiße S)au$, das Palais des Präsidenten, zu ver- ■ $ * £ a 9 0 ^uden mehrere kornmu- nistlsche Massenversammlungen statt. An einigen ©teilen wurden Tränenbomben verwendet, um die Menge zu zerstreuen. Erste Sitzung des Beirats für Bausparkassen. Berlin 5. Febr. (CNB.) Der Beirat für Bau° fporfaffen trat am 3. und 4. Februar zu seiner ersten Sitzung zusammen. Zn lebhaftem Meinungsaustausch wurde besonders die Frage erörtert, in- wieweit eine Möglichkeit für Sanierungs- ma »nah men bei Barsparkassen gegeben ist, und wie in den Fällen, in denen die Liquidation ober ber Konkurs ber Bausparkasse unvermeidbar ist eine Derschleuderung ber Bauspar- Huttenhypotheken vermieden werden kann. Der Beirat äußerte sehr starke Beden- ken über die nicht ber Aufsicht des Reichsauf- fichtsamtes für Privatoersicherung unterüegenben fog. Mobiliarzwecksparkassen (insbesondere Automobil- und Möbelzwecksparkassen) unb bat. diese Bebenken dem Reichswirtschaftsminister zu übermitteln. ' Kleine politische Nachrichten. 3m Prozeß wegen der Erschießung des R ationalsozialisten Felgendreher °5nMLrn^t€-n wurden wegen gemeinschaftlichen Totschlags m Tateinheit mit Rauf- handel und versuchten Totschlags die Angeklag- ten Wolf mit zehn 3ahren Zuchthaus a<$)th 2^CrCn Zuchthaus, Zingel mit Ä bestraft (5$ukr mit acht 3ahren Züchter Reichswehrminister hat d i e B e st j m m u n g aufgehoben, wonach R a t i o n a l s o z i a l i. st en nicht als Rekruten in das Heer in die Marine aufgenommen werden dürften (Ehemalige Nationalsozialisten können also nunmehr Rekruten emaestellt werden, müssen aber selbst- verständlich auf jede politische B e t ä t - gung verzichten. ' 11 • r , sächsische Lcndesleitung der Wirt- . chaftspar tei, u. a. der Vorsitzende, der frühere Finanzminister Dr. h. c. W e b e p. der biS- h^rige Leiter der sächsischen Landtagsfraktion der Wirtschaftspartei. Obermeister K a i s e r, und das Vorstandsmitglied Diplomvolkswirt Fussel haben Übertritt » u t Se u 1n « H o n a . len Dolkspartei vollzogen. Wer 500000 Sinlragungcn für ßinbenburg. Verlängerung der Frist um acht Tage. Berlin, 5. Febr. (WTB.) Der Hindenburg- Ausschuß teilt mit, daß die Zahl der Einzeichnungen bisher insgesamt 515 000 beträgt, die von heute allein 164 000. Oberbürgermeister Dr. Lahm erklärte einem Vertreter der „Kölnischen Zeitung", daß das bisherige Ergebnis der Einzeichnungen seinen Erwartungen voll entspreche. Dem von vielen Seiten geäußerten Wunsche um Verlängerung der Einzeichnungsfrist Folge leistend, habe Dr. Sahm sich nun entschlossen, die Frist bis Samstag, den 13. Februar, zu verlängern. Weiterhin führte Dr. Sahm aus, daß die -Mitwirkung der Presse bei der Aktion sich aufs beste bewährt habe. Es habe sich gezeigt, daß er, als er das Rundschreiben an die Zeitungen herausgehen ließ, die S e l b st - losigkeit und Entschlußkraft der deutschen Presse nicht unterschätzt habe. Soweit es sich bisher übersehen lasse, hätten sich 3 5 0 d e u t- sche Zeitungen sofort in den Dienst der Sache gestellt. Zum Schluß gab Dr. Sahm der Hoffnung Ausdruck, daß sich an den weiteren Einzeichnungstagen noch recht viele Deutsche für Hindenburg bekennen möchten. Auch hätten sich noch viele bekannte Persönlichkeiten, deren Ramen alsbald veröffentlicht würden, zur Unterzeichnung des Ausrufes bereit- erklärt. Oie Dozenten der Universität Marburg für Hindenburgs Wiederwahl. Il Marburg, 5.Febr. Die Dozenten ber Phi- lipps-Universität zu Marburg haben einen Aufruf für die Wiederwahl Hindenburgs erlassen, in welchem es u. a. heißt: In tiefer vaterländischer Sorge nehmen die unterzeichneten Hochschullehrer vor ber deutschen Oefsentlichkeit das Wort. Es geht um btt Wahl Hindenburgs. Wie kein anderer Name verkörpert er alles, was groß, ehrwürdig und achtunggebietend ist an unserem Vater- lande. Seine Persönlichkeit, vom Schicksal dem deutschen Volke in der Stunde der größten Not geschenkt, ist die einzige, die uns Deutschen jenseits aller Kritik steht und letzte Ehrfurcht gebietet. Der Generalseldmarschall und Reichspräsident o. Hindenburg ist für die ganze Welt bas Sinn- bild bes unbeirrbaren und unbefieglichen deutschen Lebenswillens. In dieser Stunde, in ber unter seiner Führung bas beutsche Volk ben entscheiben- den Kampf um seine Freiheit ausgenom- men und sich zur Durchführung dieses Kampfes die härtesten Opfer auferlegt hat, darf es nicht geschehen, daß die Wiederwahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten unter den trüben Vorzeichen innerpolitischer Kämpfe vor sich geht. Wir dürfen der Welt in diesem Augenblick nicht das schmähliche Schauspiel bieten, daß die Deutschen sich nicht einmal in diesem größten Namen über alle Parteiungen hinweg.zusamrnen- finden können. Wir dürfen nicht selbst das kostbare Gut an echter Autorität unb Wü*de, bas uns in ihm anvertraut ist, entwerten. Die deutsche Hochschule ist schon einmal in schicksalsschwerer Zeit das Gewissen ber Nation gewesen. Diesem Berufe getreu forbern wir Hochschullehrer, daß bie Volkswahl Hindenburgs jenseits aller Parteigrenzen und Streitigkeiten als ein großer einmütiger Akt des Dankes, des Der- trauens unb der Liebe vollzogen wirb. Dann wirb, dessen sind wir gewiß, Hindenburgs Name über dem Eingangstor zur deutschen Freiheit stehen! — An der Unterzeichnung dieses Aufrufs beteiligten sich mit wenigen Ausnahmen alle Dozenten. Aus aller Well. kommunistische Demonstrationsverfuche In Berlin-Moabit. In Moabit kam es zu kommunistischen Demon- strationsversuchen. Demonstranten, die sich unter bas Publikum gemischt hatten, formierten sich plötzlich zu einem Zug, dessen Teilnehmer Niederrufe auf die Regierung ausbrachten. Die Polizei setzte starke Kräfte ein. Die aufgelösten Züge versuchten sich jedoch immer wieder aufs neue zu formieren. Die Polizeibeamten mußten Schreckschüsse abgeben. Schließlich wurde der Wasserwerfer in Aktion gesetzt. An den Demonstrationen, die sich auch gegen bie „brohenbe Kriegsgefahr im Osten" richteten, nahmen insgesamt etwa 1000 Personen teil. Große Sturmflulverheerungen in der Danziger Bucht. 3m ganzen Danziger Küstengebiet wütet eine Sturmflut. Sämtliche Vordünen sind von der Brandung überspült. Zwischen Weichselmünde und Heubude wurde die sonst weit von der See abliegende Strandpromenade von den Fluten in 80 Meter Länge durchbrochen. Die Wellen drangen in die tiefergelegenen Ländereien. 3n den Ostseebädern Brösen und Glettkau wurden die S e e st e g : in etwa acht Meter Lange von den Wellen fortgerissen. 3n Zoppot ist seit 1913 der größte Schaden am 400 Meter langen Seesteg, der bekanntlich die größte Schiffsbrücke der ganzen Ostsee ist, zu verzeichnen. ANe Motorbootanlegestellen und große Teile des unteren Laufsteges sind fortgerissen worden. Der große Wellenbrecher am Seesft.-g, der aus 40 Weter langen Pfählen besteht, wurde schwer mitgenommen. Die Pfähle sind zum Teil fortgeris. sen. Die Gaslatemen und Bänke wurden weggeschwemmt. Das Dach eines Hauses wurde vom Sturm a b g e d e ck t. Auf der Halbinsel Hela sind weite Strecken überflutet. Bei Kußfeld drang dieSeebis an dasEisenbahngleis. Der Bahnverkehr zwischen Gdingen und Hela ist unterbrochen. Die Insel Reunion vom Wirbelwind verwüstet. Die 3nsel Reunion im Osten Madagaskars ist von einem schweren Wirbelsturm vollkommen verwüstet worden. Der Verlust an Menschenleben soll gering sein. Bergsturz In den hohen lauern. Zwischen Gastein und Mallnitz in den Hohen Tauern ist einTeildesAnkoaelgipfels abgestürzt. Das den Alpenbesuchern wohl- bekannte charakteristische Horn des Ankogel ist dadurch verschwunden. Durch den Gesteinssturz ist niemand zuschaden gekommen. Trauerfeier für eine deutsche Lebensretterin im Haag. 3n der Kapelle des Städtischen Krankenhauses im Haag fand eine ergreifende Trauerfeier für öad bei dem gemeldeten Großfeuer in einem E a f ö ums Leben gekommene 18jährige deutsche Dienstmädchen Helene K o 11 m a n n aus Oberhausen statt. Der Gottesdienst wurde von dem deutschen Pfarrer Heinemann geleitet. Der deutsche Gesandte Graf Zech legte einen Kranz an der Bahre nieder und gab dem tiefen Mitgefühl aller Anwesenden mit dem tragischen Los des jungen Mädchens, das, selbst schon außer Gefahr, in unübertrefflichem Pflichteifer sich noch einmal in die Flammen gewagt hatte, um andere zu retten, und dabei den Tod fand, beredten Ausdruck. Die sterbliche Hülle Helene Kottmanns wurde sodann in einem Leichenauto nach Oberhausen übergeführt. Paris in Erwartung eines Goldmacher- Experiments. Paris lebt in Erwartung eines großen Gold- macher-Experiments. Der Mann, der angeblich bie fabelhafte Kunst, Golb zu machen, versteht, ist bies- mal ein polnischer Ingenieur unb Chemiker namens Dunikowski. Seine Anhänger unb befonbers seine Geldgeber glauben fest an ihn. Sie erklären, wenn er seine Kunst noch nicht im großen ausgeübt habe, so sei bies barauf zurückzuführen, baß ihm Zweifel gekommen seien, ob seine Interessen in ben von ihm abgeschlossenen Verträgen genügenb ge- wahrt seien. Dunikowski hat es bisher abgelehnt, vor Sachverstänbigen unb vor dem Untersuchung^ richter zu experimentieren. Er behauptete, man höbe »hm weder bas erforderliche Material zur Verfügung aestellt, noch die nötigen Garantien für die Wahrung fernes Geheimnisses gegeben. Diese Schwierigkeiten sollen jetzt aus dem Wege geräumt sein, denn Duni- kowski will nun in einem Laboratorium der Stadt Paris unter Ausschluß ber Oeffentlichkeit einem klei- nen Kreise von Sachverständigen in Anwesenheit des Untersuchungsrichters seine geheimnisvollen Künste veranscl-aulichen. Vielleicht kann dem golb- Hungrigsten Lande ber Welt auf bem Wege über Herrn Dunikowski geholfen werben. Schwerer Autounfall. Bei einer Uebungsfa-Hrt von Staats- anwälten unb Richtern auf einem Wagen des Polizeiinstitutes für Technik unb Verkehr geriet der mit 6 Personen voll besetzte Wagen zwischen Rathenow und Nauen (Proo. Bran- benburg) ins Schleubern, überschlug sich unb blieb vollkommen zertrümmert liegen. Sämtliche sechs Insassen stürzten auf bas Chausseepfla- fter. Der Staatsanwaltschaftsrat Seltner würbe auf ber Stelle getötet. Die anberen Insassen trugen Verletzungen bavon. Oie Weiierlaae 10 JBl (Aberdeei al Mo -----0- 5676. [0744 zum weiteren Ausbau unserer Außenorganisation gesucht die den ernsten Willen haben, sich eine einträgliche Dauer-Existenz zu gründen. Die vornehme Tätigkeit verbürgt durch ihre Eigenart volle ideelle und pekuniäre Befriedigung. Auch nicht gereiste Damen, nicht unter 25 Jahren, werden kostenlos und gewissenhaft eingearbeitet. Verlangt wird: Arbeitsfreudigkeit, gute Erscheinung, seriöses, sprechsicheres Auftreten. Schriftliche Angebote unter 0727 an den Gießener Anzeiger erbeten._______ Wir suchen zu Ostern zwei kaufmännische Lehrlinge möglichst mit höherer Schulbildung. Bewerbungen mit Lebenslauf an [1039D rllnn <& Sloos A.G. ,Heuchelheim. V Wintermäntel für Damen. 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SchladUkreazer „Marylaod“- chinesische NationalmanDschait Fastnachtdienstag: 1048 D TreHponkt aller 1900 er im Franktnrtar Ho! Frankfurt am Main Pferde-Märkte 8. Februar, 7. Märx, 11. April, 9. Mai, f>. Juni, 4. Juli 1932 Durchschnittlich Auftrieb 700 Pferde all Rassen, auch Schlachtpterdei größte Auswahl und beste Gelegenheit für Kauf oder Tausdi. Ein Besuch dieser Märkte ist xu 7(01 N rJ -krallt' -er zra> ss ist erst Über die f« der 2lrt A alletöinS“ diese ZrtlM führend. Stellung W gerade nur Zielen diem negativem auf der M feit 5fi Ö1 Lrs. Olut machen 2^ Maste H ; ausgleichende solche L-ktur nicht vorhaw L durchs lich eine, ver spielen könnte Ohnmacht ve hat die > Zeitungen a Äann der ben ia Dich das genaue) nehmen Hal ohne Ende. Deutsche nc gebildete S> weil er die einen AröM dürfrnis des sisches lachli gering.. Das und lasMap^ die sranzöst! Grenze d'es ■ und auch he natürlich keil Deutsche;urr Mehr wie Mehr wie j ist heute un als der Jr den man sich Gerade ai tischen Höchst heutiger Kla Instrument ! genügt ein m Ministerium: funktioniert Helbstverstän schieden: abt überall d heutigen Lrn eine außerge terstreichung cherung belr Elend schuld die unbedin lichstem Di tionssumme sich die Ä deutschen ' standen. Lc gruenz mit rungsauffas Welches, gierung ist, es hier wci Gieß Crgel Dar der t minö aussc ^achs geiDi Ausschnitt oi Zeitalters ve 'n Wusikerp oder minder «chs musik ..Wrend s lis-schule in bedeutsame ü Wisten an i 5 Thürin ^rrungenscha Jf e«gen gen b'emeister r ^urde er zu 8 ?ori^r »nnle. ^N'ger bas iS^? inl "egenden 3 ^wachsen lF®6«aIn ^Nlschreibus ,Mnen ui JJ dem dar Äsa Ä1 6,'i, Aer Spiess. Kri 7'eit iny Sn r Ä Ä J eS tel m rr is h- m, m i r A IM ter ) Kim fit. 2D ig. 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Sebruar 1952 ■—1— • ■ ■■■ —■ —• — - —— " * ■ ■ -■ - ....... « । ■ ■ ~ ' Frankreich und die Frage der Reparationen. Don \* ll. französische Zeitungen. Es ist erstaunlich, wie unzulänglich der Deutsche über die französische Prelle unterrichtet ist. Aach der Art ihrer Zitierung in deutschen Zeitungen allerdings kann er sie nur schlecht kennen. D.nn diese Zitierung ist mangelhast und sehr oft irreführend. Je nach ihrer eignen politischen Einstellung bedienen sich die deutschen Zeitungen gerade nur derjenigen Zitate, welche ihren eignen Zielen dienlich sind, sei eS in positivem, sei eS in negativem Sinn. Wa« dabei herauSlommt, liegt auf der Hand. 3n jedem Fall eine Unzulänglich- feit. 3n Frankreich selbst ist es natürlich nicht anders. Aur wenige Blätter — hier wie dort — machen eine rühmliche Ausnahme. Aber die breite Masse deS Volkes lieft diese Blätter nicht. Die auSgleichende und heilsame Wirkung, welche eine solche Lektüre haben könnte, ist also so gut wie nicht vorhanden. Gerade dasjenige Instrument, daS durch gewissenhafte tägliche Kleinarbeit wirklich eine verbindende und überbrückende Stolle spielen könnte, bleibt aus beiden Seiten zu halber Ohnmacht verurteilt. 11 nb wer - hier wie dort — hat die Zeit und die Fähigkeit, die fremden Leitungen aufmerksam au studieren? Aur der Xtann der Presse selbst. Wer eben diesem schreiben ja Richtung und Tendenz seines BlatteS auf ba3 genaueste vor. wovon er offiziell Aotiz zu nehmen hat unb wovon nicht. Circulus vitiosus ohne Gnbc. Weit eher natürlich lieft ber gebildete Deutsche noch ein französische- Blatt alS ber gebildete Franzose ein deutsche«. Schon beshalb. weil er die fremde Sprache besser beherrscht und einen flrö";eren Dildunzshorizont besitzt. Da- Bedürfnis de- Franzosen, sich über Aichtsranzö- fische- sachlich zu unterrichtetr. ist erschreckend gehn], DaS Wort eines ungewöhnlich gebildeten und koSrn p:litischen französisch.n P li i e »daß die sranzösisiche Einsicht da au,hört, wo die Grenze des Auslandes beginnt", ist nur zu wahr und auch heute nod) in vollster Geltung. ES ist natürlich fein Grund vorhanden, daß es ihm der Deutsche rum darin gleichtue. Ganz im GegenteilI Mehr wie je ist gerade heute Wilsen Macht. Mehr wie je auch ist eS Wasfe. Diese Wasse ist heute unentbehrlicher denn je. Um so mehr, alS der Franzose der geriebenste Dialektiker ist, den man fid't denken kann. Gerade angesichts der augenblicklichen politischen Hochspannung wird es wieder mit unzweideutiger Klaubett ersichtlich, welche- gefährliche Instrument d.'e fran-öische Presse darstellt. ES genügt ein moi1. d’ orarc, eine Parole, vom Außenministerium: und die journalistische Maschinerie funktioniert mi.i der Präzision eine- Uhrwerks. Selbstverständlich sind die Aüancierungen verschieden: aber bür Grundlinien bleiben überall bie gleichen. Wenn gerabe in ber heutigen Lage auch bie deutsche Presse einmal eine austergewöhizliche Einheitlichkeit in der Unterstreichung des (Standpunktes ber deutschen Regierung bekundet: so ist daran da- ungeheure Elend schuld, da- in Deutschland herrscht, unb die unbedingte Gewißheit, daß — selbst bei ehrlichstem Wollen - eine Zahlung der Stebara- tionslummen nicht möglich ist. Lange nicht haben sich die Meinungen der französischen und der deutschen Presse fo unvereinbar gegenüberge- ftanben. Lange nicht haben sie eine solche Kongruenz mit der Hast'ung der jeweiligen Regie« rungSausfassung au^gettiefen. Welches die Auffassung der französischen Regierung ist, weiß man bei uns so gut, wie man es hier weiß. Interessant und aufschlußreich ist eS für den geübten Fachmann, zu verfolgen, wie die verschiedenen sranzösischcn Zeitungen diese Auffassung spiegeln. Fangen wir mit der ausgesprochen deutschfeindlichen Presse an, unb zitieren wir alS erstes Blatt die berühmte unb berüchtigte .Ac tion f r a n t a i l e“. baS von Leon Daudet und EharleS M a u r r a - her au-gegebene Organ ber französischen Royalisten: also ber Feinde deS republikanischen System- unb ber Parteigänger ber Dourbonendynastie. Diese Zeitung ist — von ihrem Standpunkt auS gesehen -- hervorragend gut geleitet, in einem vorzüglichen Französisch geschrieben unb in ihren kulturellen, gciflcSgc- schichllichen unb künstlerischen Aus ätzen ost von einem erstaunlich hohen Aiveau. Leon Daudet unb EharleS MaurraS sinb Schriftsteller großen Formate-, geborene Handhaber unb oft Reu- schöpfer beS Wortes. Dem Volk, ber Masse jedoch, ist ihre Sprache, sei sie noch io lebenbig. noch so drastisch, noch so pamvhtetistisch (Daudet- Spezialität) nicht zugänglich. Bor allem natürlich de-wegen, well die royalistische Idee keinerlei Boden in Frankreich hat und ihre Vertreter noch nicht über einen einzigen Abgeordneten im Parlament verfügen. Dieser .Action francaife“ ist schlechthin alle«, wo- man da- deutsche Prinzip, bie beutsche Idee, bie deutsche Mission nennen könnte, rote- Tuch Richt die einzelne deutsche Individuallcistung auf geistigem Gebiet: sondern die volk-mäßige, allo in erhöhtem Sinn politische Gesamtleistung. Sie verlangt den Rhein alS Grence und erkennt die Koordination von Deutschland unb Frankreich niemals an. Augenblicklich verlangt fit als Sanktion gegen bie Zahlungsverweigerung bie Aeu- besehung von Main; unb behauptet außerdem, baß ber chauvinistische Kriegsminister Maginot, ber vor kurzem an Typhus gestorben ist. von Deutschland ermordet worden fei: man habe ihn durch Typhu-b z Nen, welch man in f ii e Auste n mischte, Uvtgiftei, sowie man auch seinerzeit den (mit Recht) verhaßten CLu>ation«jcncral Mangin habe beseitigen lallen. Die Probe genügt Das im Riveau niedrigste Hetzblatt ist der „Ami du Peuple", das für 15 Centimes, d h für 2,5 Pf-, verkauft wird. ES gehört zum Coty-Konzern — unb erfreut sich schon wegen seines Dumping- bei ber übrigen Presse einebegreiflichen Halle-. E- erübrigt sich, biefe Zeitung einer Kritik zu unterziehen. Sie wirb viel gelesen — aber sie hat keine eigentliche Wirkung. Sie ist zu plump Der „Figaro", ebenfalls Coty gehörig, ist — auf gehobenem, sozialem Aiveau — ihr Gegenstück, sofern es sich um Dinge ber politischen Gesinnung handelt Der gute Aame, den diese Zeitung vor dreißig Jahren hatte, ist besudelt worden durch einen Chauvinismus, der Ekel erregt Ein geistig kultivierter Franzose kompromittiert sich heute, wenn er sich aus diesem Blatt unterrichtet. Eine andere, im Grunde deutschfeindliche Zeitung ist der „3ntranf igeant". Es ist nötig, ihn von Zeit zu Zeit zu lesen. Denn er spiegelt die Meinung eines gewissen bourgeoisen Durchschnitts, der nicht außer Rechnung zu lassen ist. Das (langweilige) „Journal desDebatS" bemüht sich, ein hohes politisches Aiveau aufrecht zu erhalten. Es ist oft ausfällig, aber es kennt Beherrschung und hat seine besondere, etwas akademische Aote. Die großen Boulevardblätter „M a t i n", „3 o um al", „Petit Parisien" (oft offiziös) sind nicht alS deutschfeindlich zu bezeichnen. Es hat Zeiten gegeben, wo sie deutschfreundlich waren und den Gedanken der Annäherung kräftig unterstützten. Daß sie im Augenblick der Parole der Regierung folgen, versteht sich von selbst. Gehässigkeiten aber liegen ihnen fern. Ebenso dem vielgelesenen Mittag-dlatt „Pari s- M i d i" und dem Wendblatt „P a r i s - S o i r", welches früher prodcutsch war. 1 Die größte und wichtigste Pariser Zeitung Gießener Konzeriverein. Crgcl-ÄDinen Günther Ramin. War der vorjährige Orgelabenb Günther R a - mins ausschließlich Werken 3ohann Sebastian Bachs gewidmet gewesen, fo wurde diesmal ein Ausschnitt aus dem Orgelstpafsen des Dachschen Zeitalters vermittelt. Man tonnte somit Einblicke in Musikerpersönlichkeiten gewinnen, bie mehr ober minder von Einfluß au? Johann Sebastian BachS musikalische Entwicklung geworden sind. Während seine- Aufenthaltes auf der Michae- liS-Schule in Lüneburg erhielt der junge Dach bedeutsame Anregungen durch den borligen Organisten an ber Johannis-Kirche Georg Böhm. Aus Thüringen ftammenb, hatte sich biefer die Errungenschaften nordischer Or^elmeifter ebenfo zu eigen gemacht, wie bie ber französischen Klaviermeister. Insbesondere in seine n Choralpartiten wurde er zum Vorbild für den hingen Johann Sebastian: eine Tatsache, auf die |d)on gelegentlich des vorjährigen Konzertes verw'iesen werden konnte. Georg BöhmS Choralparliten wollen weniger das zu Grunde liegende Choralthema subjektiv intensivieren, als day er auS dem vorliegenden Thema neue musikalische Gebilde herauswachsen läßt. ES gelingt ihm meisterhaft, ander Choralmelodie durch Verzierungen, melodische Umschreibungen neues thematisches lÜaterial zu gewinnen und in einer Weise durchzuführen, die sich dem damaligen Klaviersah stark annäbert (in jener Zeit waren die Grenzen zwischen Klavier- unb Orgelsatz noch verhältnismäßig fliefjeub). So konnten wir in der von Günther Ramin bargebotenen Partita „Ach, wie flüchtig, ach, wie nichtig" eine Reihe von überaus reizvollen musikalischen Stimmungsbildern kennenlernen, die in ihrer Spielfreudigkeit zwar fast an die Grenzen des kirchlichen Drgelfpicls führen, dafür aber durch musikalische Feinheiten entschädigen. Nicht minder wegweisend für Joh. Seb. Bach wurde Joh Pachelbel. Während seiner Wirksamkeit in Eisenach unb später in Erfurt trat btefer in persönliche Beziehung zu der Familie Bach ('So übernahm er die Patenstelle bei einer Schwc ster Joh. Sebastians und unterrichtete dessen ältesten Bruder.) Pachelbel wurde uim Vermittler des ssib- deutschen wie auch des südlichen Orgelftils. Die damals herrschende Form der Toccata, die alle Er« rungenschaften ber Orgelfunft, glanzvolles Laufwerk, breite Akkordfolgen, imitatorische Technik in bravouröser Anwenbung brachte, sand durch ihn Festigung, Straffung durch Aereinheitlichung des zfufbaus. Hierbei soll nicht unerwähnt bleiben, daß er durch seine Charalbearbeitungen ganz besonderen Einfluß auf den Stil Joh. Sebastian Bachs gewann Bon Arnstadt aus war Bach yi Fuß nach Lübeck gewandert, um den größten Meister des Orgelspiels ber Hell, den „dafigen berühmten Organisten an ber Marienkirche, Dietrich Buxtehude, zu behorchen". Es ist ja bekannt, daß Bach durch die Künstlerschaft dieses Meisters so gefesselt wurde, daß er feinen Urlaub erheblich überschritt. Der Lübecker Aufenthalt war für ihn überaus fruchtbringend hier konnte er das technische Rüstzeug für seine spätere Wirksamkeit gewinnen und weitestgehende Forderung für sein künftiges Schassen erfahren. Buxtehude war durchaus eine romantische Musiker- natur, erfüllt von einer Stärke des Gefühls unb einem Streben ins Unenbliche, die in der Geistigkeit ihres Schaffens über das hinausführte, was da- Instrument als Klangmaterial bot. Die Passacaglia in D-Moll ist von starker fub- jektiver Wärme erfüllt. Das Kontrapunktische dieser großen Folge von Variationen über dem ständig wicderkehrenden Grundbah wird durch ihn erfüllt von einem Zug zum Ueberlinnlichen, Symbolischen. Das Werk gliedert sich in verschiedene Gruppen, die nur durch kurze Ueberleitungcn miteinander verbunden sind, und die in ihrer überaus großen Ausdruckskraft einer dunklen Grund- ftimmung Raum geben, die sich im zweiten Teile aullichtet. ES würde zu weit führen, fo verlockend es auch wäre, hier zu untersuchen, wie weit sich der Einfluß der Vorbilder im einzelnen bei Joh. Sebastian Dach nachweisen läßt. Sicher aber steht fest, daß wir in Dach den Vollender der von den verschiedensten Seiten zusammenlausenden Etll- c le mente zu sehen haben, indem er durch die Größe seines musikalischen Ichs überkommene Formen mit neuen geistigen Werten erfüllt. Das bestätigte sich sowohl bei der Toccata und Fuge m b-Dur, ine mit ihrer Fuge sicherlich vor der Zett der leipziger Wirksamkeit anzusctzen ist: da- gegen entstammt das bl-Moll-Präludium mit Fuge der Leipziger Periode. Daß die einzelnen Werke sich so ticsgehend aus- wirken konnten, da- muh man Günther Harn i n danken. Man kann sich nicht genug darüber verwundern, mit welch hoher Genialität er jede- Werk anfaht, jedem Stilcharakter das Seine gibt. Wo es gilt, baut er großzügig auf. läßt die Ar. chitektur de- Werkes in lichter Klarheit erleben, so bei der gewaltigen Toccata in FvShir und der gegensätzlichen Thematik der darauf folgenden Fuge: so m dem feinen Gewebe des kl-Moll- Präludiums. so in dem Herauswachsen der bt-Moll-Fuge au« sinnender Entrücktheit. Dei Döhm« Choral-Partita rollte Ramin jedes einzelne Bild in seiner intimen Individualität auf; bei Pachelbel lieft « danach wie vor der .T e m p -". ein Blatt großen Stiles, dellen tägliche Lektüre für jeden politisch ernsthaft interdherten Menschen unerläßlich ist Stil und Haltung entsprechen den diplomatischen Derlehrsformen. bei deutlicher Betonung des nationalen und kapitalistischen Elementes. Der ..Temps" vertritt unbedingt b i e herrschende französische Ordnung Er ist konservativ, gemeffcn und distanziert L-nksstehende Zeitungen wie ..P o p u l a i t e“, „Oeuvre", „O u o t i o i e n“ und „Öre nou- belle“, welche oft von der deutschen Presse wegen ihrer verständni-vollen Ha.tung deutschen Problemen gegenüber zitiert wurden (und werden). haben nicht die ausschlaggebende Bedeutung, die man ihnen bei uns zuzuschreiben geneigt ist Sie sind als Gegengewichte gegen die chauvinistischen Blätter natürlich unentbehrlich. Eine Zeitung wie die .,D i c t o i r e“ Gustav Hervc«. welche die radikale Revision de« Versailler Vertrage- verlangt, die Rückgabe des Korridors und die Allianz PariS-Dersin fordert, wird nicht ernst genommen, weil Herv6 kein moralische- Vertrauen genießt. Er hat zu oft die Fahne gewechselt, als daß man sich auf ihn verlassen könnte In Deutschland wird man klug tun, zu bedenken, daß eine Schwalbe, zumal wenn sie einmal ein Geier war, noch keinen Sommer macht. Was läßt sich nun — zusammensassend — über die Haltung der sranzösischen Presse — die ä tout pnx chauvinistische ausgenommen — bet deut chcn Ab.ch mng w. ic er R parat onszahlun« gen gegenüber lagen? Zwei Dinge Der französische Standpunkt, daß ein Vertrag wie der Voungplan n.chl e.nfeihg du.ckr den Partner Deutlchland gcl-nbigt werden könne, wird unbedingt vcr.e.dlgt, aber eine hetzerische, auf- peitschende Sprache w.rd bis zum heutigen Tage wenigstens nicht geführt Die auslchlag- gcb.nbe Zeitung, der ..T e in p s". bewahrt fogat eine auffallend ruh ge Haltung, was zu der Hoffnung berechtigt, daß bei d^n Regierungsstellen mehr Einsicht vorhanden ist. als man nach außen jugeben zu dürfen glaubt Die entm.dlung der nächsten Wochen wird uns darüber Auf>chluß geben, was in den Kulissen gespielt wird- Seit langem hat über der gesamten europäischen Politik nicht ein solche« Dunkel gelastet, wie gerade nun Und seit langem nicht konnte man — sei man noch so geübt in dieser Kunst — zwischen den Zeilen der Presse so wenig von den wirklichen Vorgängen herauSlesen. well die Behandluna der schwersten außenpolitischen Probleme sowohl in Frankreich al« auch in Deutschland, erst recht aber in Amerika, ganz durch innenpolitische Rücksichtnahmen de st im in t wird: nämlich durch bie bevorstehenden Wahlen in diesen Ländern. Schlimm genug aber unabänderlich In England hat man — im Augenblick höchster Rot — gerade umgekehrt ver- fobren. Die Vamnwoll-Kalaslrophe im Sudan. politische Eindrücke von einer Weltreise. Don Or. Paul Rohrbach. Kairo. 10. Januar 1932. Seit Jahren ist England bemüht, mit Aegypten ein Abkommen zu schließen, da« der bei KriegSausoruch gegebenen Zusage, bie ägyptische Selbständigkeit zu erhöhen, irgendwie entspricht, und da- doch kein selbständiges, sondern ein in das englische imperiale System dauernd eingeordnetes Aegypten schasst. England hat sich bereit erklärt, Jeine Garnisonen aus Kairo unb Alexandrien zurückzuziehen und seine mttitärische Position auf die Suezkanal- Zone, ja sogar auf das östliche User des Kanal«, einzuschränken. E« tocre auch damit einverstanden. daß ber Oberbefehlshaber der ägyptischen Armee kein englischer General mehr ist (in der Uniform eine- ägyptischen MarschallsI). und daß die Kontrolle über das Verkehrswesen, die es jetzt aus- übt, ganz an Aegypten zurückfällt — wenn Aegypten dafür zwei Bedingungen erfüllt: er. stens einen englisch-ägyptischenDünd- niSvertrag, durch den die ägyptische auswärtige Politik den englischen Interessen bauern!) an- gepaßt wird, unb zweitens — vollen äghp - tischenVerzicht auf den Sudan. An dieser letzteren Forderung ist das Abkommen, das die Regierung des Königs Fuad sonst wohl geneigt gewesen wäre, abzuschliehen, bisher gescheitert. Man kennt die Geschichte des Sudan. Die weiten Gebiete nilaufwärts vom ersten und zweiten Katarakt bis an den Ausfluß de« All aus dem Viktoria-See, wurden in den 60er und 70er Jahren von Aegypten aus okkupiert und in eine ziemlich willkürliche, aber einträgliche Autzung genommen. Khartum wurde die Hauptstadt des Sudan: in der südlichsten, der sogenannten Aegua- torialprovinz. war der deutsche Arzt Dr. S )niher, bekannt unter dem Aamen E m i n P a s ch a , lange Jahre Gouverneur. Aach der Besetzung Aegyptens durch die Engländer brach im Sudan ber Ausstand de« Mahdi au«, der die ägt)p- tische Herrschaft hinwegsegte. Der Versuch, den Mahdt mit einer ägyptischen Armee unter dem Befehl eines Engländers. Hick« Pascha, unschädlich zu machen, führte zu einer vernichtenden Niederlage. Auch General G o r d o n « tragifches Schicksal in dem von den Mahdisten eingeschloffe- nen Chartum ist bekannt. Wiedereroberer bo8 Sudan wurde Kitchener, ebensall« mit dem ägyptischen Paschatitel und an der Spitze ägyptischer Truppen. Auch die gesamten Kosten des Unternehmen« wurden von Aegypten getragen. Die Definition de- englisch-ägyptischen Verhältnisses im Sudan lautete damals auf ein .Kondominium' d. h. einen gemeinschaftlichen Besitz. E« sollten auch beide Flaggen. die englische und die ägyptische, nebeneinander auf den öffentlichen Gebäuden und bei offiziellen Gelegenheiten im Sudan wehen. Don diesem Stand der Dinge hat England die Aegypter konsequent zurückgedrängt und sich im Sudan zur faktisch allein maßgebenden Autorität gemacht. Das geschah von da an, wo man sicher zu fein glaubte, daß der Sudan eine große, für Englands Bedürfnisse unschätzbare Zukunft a l - Produktionsgebiet für Baumwolle besitzen würde. Durch die Sudanbaumwolle gedachte England von der Versorgung durch die Vereinigten Staaten unabhängig zu werden. Vorbedingung für die Daumwotte^ultur im Sudan war die Erbauung eine« gewaltigen Aildamme« zur Regulierung der Bewässerung in der sogenannten Dschefire. oberhalb ChartumS, im Winkel zwischen dem blauen und dem weißen All. Einige Jahre lang ging alle« aufs beste. Da« Sudan Cotton Plantation Syndicate" in London wurde gegründet und bekam eine hohe, von der englischen Regierung garantierte Anleche zur Erbauung de« Dammes und der Dewässerungs- werke. Der Boden schien sehr geeignet, bie Baumwolle gedieh gut, die Anbaufläche toud).v Da plötzlich geschah etwa« völlig Unerwartete« Es zeigte sich, daß unter der Schicht fruchtbarer Erde, die die Baumwolle trug, eine salzige Bodenschicht liegt, unb daß deren schädliche Thematische sich organisch entwickeln und gewann dem Werk besondere Reize durch die Wirkung des Echospiels ab. Buxtehudes Passacaglia erstand in ihrer Gegensätzlichkeit mit ausdrucksstarker Kraft der Impression. Als ein besonderes Moment ber Größe Raminfchen Orgelspiels wird man immer wieder feststellen müssen, daß es ihm gelingt, die scheinbar über dem Persönlichen stehende Orgelmusik jedem Einzelnen so zu eigen zu machen und ihn so daran teilhaben zu lassen, al« wäre e« fein ureigenste« Erlebnis. Händels Orgelstil weist ein völlig anderes Wesen auf. In ihm schwingt südliche Gelichtetheit mit. Er kennt nicht die schwere, symbolgebundene Polyphonie des Aordens: er kämpft nicht mit grübelnden, inneren Spannungen, bei ihm bricht die Freude am Klang und Musizieren durch. Sein Orgelkonzert in si-Dur steht dem Concerto grosso überaus nahe. 3m Sinne de« Konzert- begriffe« bietet et klangliche, musikalische und technische Möglichkeiten auf. um das Soloinstru- ment dem Stre.chkörper gegenüberzustellen. Man muhte immer wieder erstaunen über bie unermeßlichen Feinheiten, die Günther Ramin dem Solopart gab; wie er immer wieder neue musikalische Werte ans Licht zog und ihnen immer wieder neue Bedeutsamkeit zu verleihen vermochte. Dabei wurde das Collegium musicum der Universität unter der Leitung von Dr. Stefan Teme-vary zu einem wesentlichen halsenden Faktor. Dr. H. Eine neue britische Südpolar-Expediiion Ein Versuch, die noch vorhandenen Geheimnisse des Südpolarkreises zu enthüllen, wird demnächst von einer britischen Expedition unternommen werden Der Führer dieses Unternehmens ist der 24jährige Polarforscher H. G. Watkins, der die britische Luftweg-Erpedition von 1930 31 in Grönland geleitet hat, unter feinen Gefährten befindet sich der ebenfalls noch jugendliche Courtauld. der im Mai vorigen Jahres unter dramatischen Umständen nach seiner einsamen Ueberwinterung in Grönland gerettet wurde. Die Hauptaufgabe der neuen Expedition soll darin bestehen, herauszufinden, was auf der mehr als 2000 Kilometer langen Strecke zwischen den beiden gefrorenen Südpolar-Meeren liegt. ..Wir hoffen, zu entdecken", erflärt Watkins, „wieweit die Gebirge vom Victoria-Land reichen, und festzustellen, ob das Roß-Meer mit dem Wcddel-Mcer zusammenhängt oder nicht, ob die Antarktis in zwei große Kontinente zerfällt. Der Südpolarkreis besteht aus einer ungefähr kreisrunden üandmafse mit dem Pol um Mittelpunkt. Auf den entgegengesetzten Seiten diese« Kontinents sind zwei große Zugänge, daS Roß- Meer und daS Weddel-Meer. Scott, 6 b adle t o n und Amundsen wählten da« Roß- Meer zur Basis für ihre Angriffe auf den Südpol. Aachdem dieser erreicht war, ging Shack- leton nach dem Weddel-Meer, um von dort au« den Kontinent zu durchqueren Aber fein Schiff wurde vom Ei« zermalmt, und er war nicht imstande, auf dem Kontinent zu landen. Die deutsche Ekpedition unter Fi 1 chner versuchte, eine Basi« an der Eisbarriere am Eingang de« Weddel- Meeres zu errichten, konnte aber ihre Ausgabe nicht erfüllen. Wir haben nun geplant, einen Weg von dem Eingang deS Weddel-Meeres zu erzwingen und feine West-Küste kartographisch auszunehmen. Dann soll die Reise über den Südpolar-Kontinent folgen." Von den Teilnehmern werden auf diesem noch völlig unerforschten Gebiet geographische, geologische, magnetische und meteorologische Arbeiten durchgeführt werden. Belagerung eines Trappers. 3m hohen Horben Kanada« machte man verzweifelte Anstrengungen, um einen wahnsinnigen Trapper zu verhaften, dem die kanadische berittene Polizei feit einiger Zeit auf ber Spur war.Lllbcrt 3ohnson, ein einsam lebenber Trapper, hatte am letzten Tage bes vorigen Jahre« seinen ersten Zusammenstoß mit ber Polizei, wobei er einen Schutzmann verwundete. Daraufhin wurde eine Patrouille gegen ihn ausgesandt die ihn in einer festen Erdverfchanzung antraf. Hier wurde er 15 Stunden belagert: man feuerte 700 Schüsse gegen ihn ab unb nertoenbete 30 Pfund Dynamit in Bomben, um ihn ..auszuräuchern". Es gelang ihm bann, aus biefer Verschanzung an der Mündung deS Rattenflusses, 140 Kilometer von Aklavik entfernt, zu entkommen, und fetzte sich nun an einer Stelle fest, die 50 Kilometer am Rattenfluß auswärts lag. Hier wurde er von bem Schutzmann Millen und drei Kameraden angegriffen. 3ohnson feuerte, als die Patrouille nahte, darauf gaben auch die Schutzleute Feuer unb glaubten, ihn getroffen zu haben. Als er nach zwei Stunden kein Lebenszeichen gab, ging Millen an die Schanze heran, wurde aber mit einem Schuß empfangen, der ihn sofort tötete. Daraufhin wurde mit Hundeschlitten Verstärkung aus Allavik geholt. Auch verschiedene Freiwillige schlossen sich der Jagd an. unb fo gelang e« schließlich, den Trapper zu überwältigen, der sich al« ein Geisteskranker erwie«. Salz« Lurch die fortgesetzte Bewässerung gelöst und nach oben gezogen werden. Der Llmschlag ist so plötzlich gekommen, dah die vorletzte Ernte nodj normal war und zu keinen Besorgnissen Anlatz gab, während die letzte von 1931 schon eine völlige Fehlernte gewesen ist. Salzausblühungen bedecken weit und breit die Felder, und di« Daumwollpflanzen haben sich nicht entwickeln können. Bei der Sudanregierang und beim Syndikat ist man ratlos. Bei den Aegyptera herrscht be- greisliche Schadenfreude. Da keine Aussicht zu fein scheint, Len Schaden zu bessern, so hat für England ohne Frage eine Wertverminderung des Sudans stattgefunden. Aber man wird kaum an- nehmen dürfen, datz darum Aegypten im Sudan schon Aussicht auf englische Rachgiebigkeit hätte. England ist auch in bezug auf den Zugang zum Sudan nicht abhängig von Aegypten. Der Handel von Cbartum und dem ganzen oberen Rilgebiet geht schon jetzt nicht über Aegypten, sondern er geht von Derber, das unterhalb von Chartum am Ail liegt, nach dem modern ausgebauten Hafen Port Sudan am Roten Meer: eine Eisenbahnstrecke von wenigen Hundert Kilometern. Port Sudan war auch das Tor für den großen Baumwolle-E^port aus der Dschcsire nach den Spinnereien von Manchester. DoS eigentlich wertvolle Stück des Sudan liegt zwischen Ehcrrtum und Faschoda, und von dieser Region ist wiederum die Dschesire das Kernstück. Der blaue Ril oder Bahr el-Asrak, der sie östlich begrenzt, kommt aus dem großen Tana-See im Herzen Abessiniens. Auch hier sollte mit englischen Mitteln ein großer Damm gebaut werden, um durch die Regulierung des Seeabflusfes dos Dcwässerungsareal in der Dschesire noch zu vergrößern, ^leberraschenüerweise tauchte aber, als der Plan sich verdichten wollte, eine Konzession der abessinischen Regierung an Amerikaner auf und zugleich ein amerikanischer Protest, verschärft durch Mitteilungen an die abessinische Adresse, daß die unausbleibliche Folge eines englischen Dammes am Tana- Se? eine englische Garnison zu seinem Schuh sein werde. So unterblieb die Ausführung des Planes, der bautechnisch einer der großartigsten der Welt zu werden versprach. Man form sich denken, warum gerade das Baurn- Wvlle-Land Amerika sich für den Tana- See interessierte. Jetzt ist diese Sorge der Amerikaner gegenstandslos geworden. Mrs Staatsangehörigkeit. Zeitunqsschau. Sn einem Aussatz von W. Weiß in der Ratio- nalsoziali stischen Parteikorrespon- Lenz heißt es u. a.: Adolf Hitler ist auf deutschem Boden hundert Meter von der bayerischen Grenze im österreichischen Braunau geboren. Er hat den Krieg vier Jahre lang in vorderster Front in einem bayerischem Infanterieregiment mitge- kämpft. Damals frag ihn niemand ob er auch die bayerische Staatsangehörigkeit besitzt. Auch Adolf Hitler hotte damals keine Zeit, sich darum zu kümmern. Die Ehre, seine Verbundenheit mit dem deutschen Vaterland als Soldat, als Frontkämpfer täglich von neuem unter Beweis stellen zu können, galt ihm höher wie ein von irgendeiner Behörde gestempeltes formales Ausweispapier. Vielleicht war er der Meinung, daß der deutsche Soldatendienst eine Verpflichtung auf Gegenseitigkeit von selbst in sich schließt. Eine Verpflichtung für den Staat nämlich, für den es Ehrensache fein müßte, die Männer, die für ihn Blut und Leben im Kriege einsetzten, zu den ersten Bürgern des Staates zu ernennen. Es gibt kein vornehmeres und ehrenvolleres Staatsbürgerrecht wie den Dienst am Von Geld und Liebe. Vornan von Grete von Saß. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle 3. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Ihre hellen Augen lachten zu ihm auf. Er drückte ihr schnell einen Kutz auf die Wange. Sie hielt ganz still. Aber hinterher sagte sie: »Pfui!' und rieb sich die Stelle, die seine warmen Lippen berührt. „Nachher bekomme ich einen mitten auf den Mund, Lina — nicht wahr?" »Wollen mal sehen", sagte sie lachend und lief ihm voraus. Die Hand auf die Klinke der Wasch- haustür legend, blieb sie stehen, sah zu ihm auf und flüsterte: »Das gnädige Fräulein is drin!" Er schob seine Mühe ins Genick, kraute sich hinterm Ohr. Lina öffnete die Tür. Eva Tönnies stand über einen Zuber geneigt und spülte Wäsche. Das Licht der elektrischen Birne fiel über ihr blondes Haar und lieh es silbrig schimmern. Ihr weißer, zarter Racken und die schlanken, wohl- geformten Arme leuchteten in dem matten Licht. Wie schön sie war! Friedrich Schadow empfaick) ihre Schönheit wie eine Offenbarung. Sein Blick sog sich förmlich fest an ihr. Eva sah auf. Lleberrascht traf ihr Blick den seinen. Gr vergah den Grutz, sagte: »Lina hat mich gebeten, die Wäsche auf den Boden zu tragen." »Ach, davon wußte ich gar nichts! Lind Sie wollen uns helfen? Das ist sehr freundlich von Ihnen —" Sine Helle Röte stieg in ihr zartes Gesicht. Sie ließ ihre Arbeit ruhen, trocknete sich ihre entblößten Arme ab. Es war doch sehr peinlich, daß die Lina den jungen Schadow um diesen Dienst gebeten hatte. Eva sah zu chr hin. Lina war damit beschäftigt, die Wasche in den Korb zu packen. »Ich bin mit dem Spülen fertig, Lina. Vielleicht kann man diese Wäsche auch noch heute auf die Leine bringen?" »Ra, wenn ich die alle aufhängen soll, wird es wohl Rächt werden." »Ich helfe Ihnen, Lina." »Muh es denn heute sein?" murrte Lina. »Morgen is ja auch noch 'n Tag!" Es vsrchrvß sie, daß Fräulein TönnieS mit- kommen wollte auf den Boden. Die störte sie nur. »Ich will schon zusehen, allein damit fertig zu werden", sagte sie und legte einen Arm voll Wäsche auf den Korb. Dann kommandierte sie: »So! Fertig - ab!" Friedrich Schadow hatte seinen Rock abgelegt. Er hob nun mit Schwung den schweren Korb Staate mit der Waffe in der Hand. Dah der Staat in dieser Gesinnung seiner Dankbarkeit für die, die ihn verteidigten, Ausdruck geben würde, war eine Illusion, wie so manche andere auch, der sich ehemalige deutsche Frontsoldaten hingegeben hatten. Der bayerische Staat dachte nicht daran, dem bayerischen Frontkämpfer Adolf Hitler die Staatsangehörigkeit zu verleihen. Obwohl das einschlägige Gesetz von 1913 bestimmt, dah »Ausländer" durch einjährigen Dienst ttn deutschen Heere auf die deutsche Staatsangehörigkeit Anspruch haben. Adolf Hitler hat nicht ein Jahr, sondern vier Jahre in der bayerischen Armee Dienst getan, und zwar an der Front! Oder will jemand Hitler zum Dorwurf machen, dah er nicht selbst ausdrücklich um etwas nachsuchte, was er als mindestes Zeichen des »Vaterlandsdankes" erwarten durfte, und was ihm von selbst zu verleihen der Staat nicht übers Herz brachte? Die »Leipziger Reuesten Rach richten" schreiben zum gleichen Thema u. a.: »Die politische Kinderstube Deutschland hat ihr Fest! Was kümmert sie der Kanonendonner in Ostasien! Was der Uebcrgang Englands vom Freihandel zum Schutzzoll! Was die Abrüstungskonferenz, Die dem französischen Liebermilitarismus dazu dienen soll, Deutschland neue Ketten anzulegen! Das alles sind für die deutsche Republik Reben- dinge. Hohe Politik für die deutsche Republik ist die kleine Schiebung, die der weiland thüringische Innenminister Dr. Frick im Sommer 1930 versuchte und die — im Sande verlief, weil der, dem sie nützen sollte, klug genug war, nicht darauf einzugehen. Frick wollte seinem Herrn und Meister Adolf Hitler die deutsche Staatsangehörigkeit verschaffen, indem er ihn zum Gendarmeriekommissar für das thüringische Städtchen Hildburghausen ernannte. Lieber diesen Plan ist seinerzeit allerlei gemunkelt worden. Er war aber schließlich über anderen, nicht ganz unwichtigen Ereignissen in Vergessenheit geraten. Dah die beteiligten Beamten gerade jetzt das dringende Bedürfnis verspüren, ihr Schweigen zu brechen, ist natürlich — reiner Zufall! Wer da von Absicht sprechen wollte, würde einen Sturm sittlicher Entrüstung gegen sich aufbringen. Reiner Zufall ist es natürlich auch, dah die »Frankfurter Zeitung" den Stein ins Rollen gebracht hat. Von Hitlers Berater Frick kann man weder in dieser noch in anderen Fragen behaupten, dah er eine glückliche Hand und einen freien Blick gehabt habe. Mit um so gröherer Befriedigung darf man zur Kenntnis nehmen, dah Hitler den Weg, den ihm sein Berater zu gehen empfohlen hatte, diesmal von vornherein abgelehnt hat. Er hat wohl das richtige Gefühl gehabt, dieser Weg sei seiner ebensowenig würdig wie der deutschen Republik. Hitler war schon 1930 der Führer einer Millionenpartei, die — man mag zu ihr stehen, wie man will — für die inner- politische Entwicklung an erster Stelle kam. Er konnte sich in die deutsche Staatsangehörigkeit unmöglich über die Hintertreppe einschleichen. Hitler ist, wie er selbst in Leipzig vor dem Reichsgericht bekundet hat, staatenlos. Er ist nicht Oesterreicher, er ist nicht Reichsdeutscher. Lind hat doch vier Jahre lang im reichsdeutschen Heere Frontdienst getan, ist verwundet, ist für bewiesene Tapferkeit mit dem E. K. I. ausgezeichnet worden! Wer sich mit Einsatz seines Lebens an der Verteidigung der deutschen Heimat beteiligt hat, für den war es sonst selbstverständlich, daß er sich damit ein Anrecht auf die deutsche Staatsangehörigkeit erworben hatte. Soll nun für Hitler eine Ausnahme gelten? Das ist doch widersinnig. Wem der Widersinn noch nicht genügt, der erinnere sich gefälligst, was die deutsche Republik und besonders ihr gröhtes Land Preußen inzwischen alles auf seine Schulter. Eva staunte. Was der Mann I für Kräfte hatte! Lind während er über den Hof ging, lauschte sie seinem festen Schritt noch lange. Dann fiel ihr Blick auf seinen Rock, der aus emem Berg trockener Wäsche lag. Sie dachte: die Lina hätte ihn mitnehmen sollen. Wenn Schadow nachher über den kalten Hof zurückgeht, wird er sich erkälten. Sie nahm den Rock, an dem noch die Wärme feines Körpers haftete, an sich. Dann schaltete sie das Licht aus, verschloß die Waschküche und ging über den Hos zum Hause hin. Langsam stieg sie die vier Stockwerke zum Boden hinauf. Der Dorraum des Bodens lag in Dunkelheit. Sie tastete sich mühsam vorwärts, fand aber die Tür nicht. Aergerlich dachte sie: Wag will ich denn? Ihm den Rock nachtragen? War das nicht dumm von mir? — Natürlich war eS das. Sie sagte es sich und tastete dennoch weiter. Ein Flüstern drang zu ihr. Sie blieb stehen, lauschte hinein in die Dunkelheit. Ein Lachen — leise, geheimnisvoll jagte sie von der Tür zurück. In der Dunkelheit stieß sie gegen einen Gegenstand, der polternd zur Erde fiel. Eine Tür wurde geöffnet. Licht fiel in den Gang. «Wer ist denn da?" Friedrich Schadow fragte es, trat in den Dorraum. »Ach, Sie, gnädiges Fräulein!" Er richtete die Leiter auf. Eda stand unschlüssig dabei. »Ich wollte helfen!" sagte sie. Lina rief von der Tür her: »Richt nötig, gnädiges Fräulein — die Wasche hängt bis auf ein paar Stücke: damit werde ich allein fertig!" Eva wandte sich zum Gehen. »Dorficht!" mahnte Friedrich und trat neben sie. »Daß Sie nicht stürzen!" Seine Stimme klang unsicher. Er ließ das Licht seiner Taschenlampe aufflammen. Dann legte er stützend die Hand unter EvaS Ellbogen. Ein Schauer rieselte durch sie hin. Einen Moment schlossen sich ihre Augen — öffneten sich wieder Ihre Finger hatten sich in den Rock verkrampft, der noch über ihrem Arm lag. Sie reichte ihn Schadow. Dabei trafen sich ihre Augen, hafteten für den Bruchteil einer Sekunde ineinander. Eva fühlte, wie alles Blut zu ihrem Herzen strömte ... Herrgott, bin ich denn wahnsinnig!, dachte Eva Tönnies. Es kann doch nicht Liebe fein, das auf einmal wie ein Rausch — nein, wie ein Schmerz über mich gekommen ist? Sie dachte daran, wie Friedrich Schadow sie angesehen hatte im Halbdunkel des Treppenhauses. So ernst — so seltsam ernst. Lind aus seinem Gesicht war alle Farbe gewichen. Sie sah es vor sich, sah die ernsten Augen. Ihr Herz schlug rasend: sie hatte die Hand darauf gepreßt, und ihre Augen starrten in die Dunkel- hett ihres Zimmers, in das sie sich geflüchtet bereitwilligst eingebürgert Hai. Leute mit vier Jahren Frontdienst ©fernem Kreuz I. Klasse und mehrfacher Verwuv^ ng werden dabei nicht so leicht betroffen toc-^n! Immer vorausgesetzt, daß Hitler seine Einbürgerung ernstlich erstrebt hat. Ist das bisher nicht geschehen, so sollte es geschehen, gerade jetzt. Es wäre die beste Antwort auf den Feldzug, der in der deutschen Presse — dieweil wir so gar keine anderen Sorgen haben! — jetzt mit besonderer Hingebung gegen Hitler geführt wird. Der Führer der zweitstärksten, vielleicht schon der stärksten Partei kann auf die Dauer nicht staatenlos bleiben. Mag sein, daß Hitlers Staatenlosigkeit für die nationalsozialistische Agitation bisher sehr ergiebig gewesen ist: das hat aber seine Grenzen. Lind daß es Lagen gibt, in denen sie den Gegnern mehr nützen als der eigenen Partei, wird Hitler inzwischen wohl eingesehen haben. Lim ähnliche Lagen für die Zukunft zu vermeiden, sollte Hitler seine Einbürgerung offen fordern. Wir können es uns nicht denken, daß heute noch irgendein deutscher Einzelstaat dem Führer der RSDAP. die Einbürgerung durch einen Einspruch unmöglich machen wird. Adolf Hitler wird bei seinem Gesuch alle anständigen Deutschen auf seiner Seite haben, ohne Rücksicht auf ihre Pcirteistellung. Richt weil es sich um Hitler handelt, sondern weil es sich um einen deutschen Frontkämpfer handelt, der vier Jahre lang redlich und mit Auszeichnung seine Pflicht und mehr als feine Pflicht getan hat. Der Flughafen Gießen im Jahre 1931. Erfolgreiche Zliegerausbildung — Reger Sportflugbeirieb. — Erhöhte Frequenz der Verkehrsfliegerei. — Weiterer Ausbau der Jlughafeneinrichtung. Während der Flughafen Gießen in den ersten Jahren feines Bestehens fast ausschlietzlich von Verkehrsflugzeugen angeflogen wurde, ist gerade in den letzten Jahren ein erfreulicher Aufschwung des Verkehrs mit Sp o r t f l u g - zeugen festzustellen. Mit einem stärkeren Einsetzen des Sportfluges konnte auch in den ersten Jahren nicht gerechnet werden, weil auf dem Flugplatz in Gießen eine Flugzeughalle fehlte. Erst mit dem Dau einer Halle, die Raum für 8 bis 10 Sportflugzeuge bot, war die weitere Doraussetzung geschaffen, um einen erhöhten Flugbetrieb mit Sportflugzeugen zu ermöglichen. 2m übrigen konnte der Flugplatz Gießen infolge seines weiträumigen, auf allen Seiten offenen Anschwebegeländes, der ebenen und guten Grasnarbe, der weitläufigen Entwässerungsanlagen und infolge seiner technischen und räumlichen Einrichtungen als ideales Fluggelände angesprochen werden. Die Erwartungen, die die Leitung des Flugplatzes durch den Dau der Halle erhoffte, haben sich in erfreulichem Maße erfüllt. Der S p o r t f I u g hat in den letzten Jahren in Deutschland eine besonders günstige Auf- wärtsbewegung gezeigt. Insbesondere ist die Ausbildungstätigkeit von den im Deutschen Luftfahrt-Verband zusammengefchlossenen Luftfahrtvereinen in besonders hohem Maße gefördert worden. Es lag deshalb der Gedanke nahe, auch in der Universitätsstadt Gießen eine Möglichkeit zum Erlernen des Fliegens zu schaffen und eine Flugüb ung S ft eile einzurichten, um dadurch den Flugplatz besser aus- zunuhen und seine Bedeutung zu erhöhen. Die Ausführung dieses Gedankens erschien zunächst nicht leicht, weil für die Einrichtung einer Flugübungsstelle Mittel nicht zur Verfügung standen und weil bei der allgemein schlechten wirtschaftlichen Lage auch nicht damit zu rechnen war, Zuschüsse zur Errichtung und zum Betrieb der Llebungsstelle von irgendeiner Seite zu erhalten. Der Gedanke konnte nut dann in die Tat um» gesetzt werden, wenn eS gelang, eine von Zuschüssen unabhängige Flugübungsstelle zu schaffen. Es wurden Verhandlungen mit dem Fluglehrer Maier eingeleitet, der bisher auf dem Flugplatz Mainz-Wiesbaden eine Flugübungsstelle unterhielt. Die Verhandlungen kamen bald zu einem günstigen Abschluß, die Liebersiedlung des Betriebes von Mainz-Wiesbaden erfolgte im Mai, die FlugübungSstelle de- Vereins für Luftfahrt in Gießen e.D. war damit geschaffen und wurde behördlicherseits genehmigt. Der Flugübungsstelle Gießen stehen 4 Flugzeuge zur Verfügung. Auch die Fliegergruppe Friedberg „Polytechnikum" hatte im Mai auf einem Flugzeug in Gießen den Schulbetrieb—bLL.onnen, im August folgte ihr die F l u g ü b u n g s st e l l e des Wetzlarer Vereins für Luftfahrt e. V. mit ebenfalls einem Flugzeug, so daß auf dem Flugplatz Gießen drei F l u g - übungs stellen mit insgesamt sechs Flug- zeugen beheimatet sind. Der Llmstand, daß auf einem Flugplatz drei Flugübungsstellen Vorhang den sind, dürfte einzigartig dastehen. Daß infolge/* dessen reger Sportflugbetrieb auf dem Flugplatz Gießen einsetzte, ergibt sich von selbst. Täglich, werktags wie Sonntags, fanden Schul- unb Llebungsflüge statt, die immer eine große Zahl von Zuschauern auf den Platz lockten. Reben den eigentlichen Schulflügen wurde eine große Zahl von Llebungsflügen ausgeführt, die manches Sehenswerte boten. Insbesondere sind hierbei die R ü ck e n f I ü g e des Flugzeugführers Moog zu erwähnen, der es zu Rückenflü- gen bis zu einer Dauer von f a st 30 Minuten brachte. Für die Ausmaße des Flugbetriebes sprechen am augenscheinlichsten hie nachfolgenden Zahlen. Während des Jahves 1931 wurden folgende Flüge vom Flugplatz Gießen aus ausgeführt: Schulflüge 1848, Llebungsflüge 639, Platzflüge 148, Rundflüge 306, Lbeberland- flüge 310, Prüfungsslüge 66, Kunstflüge 31, insgesamt 3318. * Die Zahl der Flugschüler betrug im Jahre 1931 bei der Flugübungsstelle. Gießen 11 Flugschüler, Flugübungsstelle Friedberg 6 Flugschüler, Flugübungsstelle Wetzlar 4 Flugschüler, insgesamt 21 Flugschüler. Don diesen 21 Schülern haben 8 die vorgeschriebenen Prüfungen abgelegt und den Flugzc/ugführerschein erworben. Besonders muß hervo'tgehoben werden, daß bei dem Schulbetrieb nicht ein einziger Unfall vorgekommen ist, es sind weder die geringsten Persor/en-, noch Sachschäden entstanden, ein Beweis, mit welcher Gewissenhaftigkeit die Ausbildung durch die Fluglehrer erfolgt. Gleichzeitig mit der Flugüburigsstelle ist von Mainz-Wiesbaden auch Me Sudwestdeutsche Sportf'/legerdereinigung nach Gießen überp/efiebdt; sie steht in engster Fühlungncrhme mit dem Der- ein für Luftfahrt in Gießen, e. D. Die Sportfliegervereinigung hat im Laufe des Jahres 1931 41 Flugtage veranstaltet, davon fünf größere Flugtage in Holland. In der Provinz Oberhessen allein wurden neun Flugtage veranstaltet, Rur jetzt niemanden mehr sehen — mit niemandem mehr sprechen müssen! Aber sie war erst wenige Minuten in ihrem Zimmer, als Doktor Fahrenkrug kam. Die Mutter ließ sie bitten. Es blieb ihr weiter nichts übrig, als ins Wohnzimmer zu gehen. Doktor Fahrenkrug war sichtlich erfreut, alS sie das Zimmer betrat. Er fragte nach ihrem Ergehen und Netz seinen scharfen Arztblick für einen Augenblick auf ihrem Gesicht ruhen, als müsse er sich davon überzeugen, daß es ihr wirklich gut ging. Sie lachte und dachte: Wie gut, dah auch Aerzte uns nur in die Augen, nicht aber in die Seele sehen können! ES kam keine rechte Llnterhaltung zwischen den Tönnies' und ihrem Gast auf. Der Geheimrat war merkwürdig still. Zuweilen versank er ganz in seine Gedanken. Ebenso Eva. Frau Ottilie hatte Mühe, die Llnterhaltung in Fluß zu erhalten. Alle atmeten erleichtert auf, als Doktor Fahrenkrug sich endlich verabschiedete. Beim Abschied erkundigte sich Eva nach dem Ergehen seiner Kinder. Er dankte für ihre Rachfrage. Sein hageres, fahles Gesicht hellte sich auf. »Sie haben sie lange nicht gesehen, gnädiges Fräulein?" »Ja, leider, Doktor!" Run erzählte er: »Die haben sich in letzter Zeit gut herausgemacht. Rita ist nun bald mit der Schule fertig — nächstes Jahr schicke ich sie in ein Schweizer Mädchenpensionat. Sie freut sich daraus. Rosemietz möchte auch am liebsten, daß ich sie in ein Pensionat steckte. Aber ich kann mich noch nicht dazu entschließen. Das Mädel ist erst zehn Jahre alt. Lind gebe ich eS fort, so bleibt der Heinz ganz allein. Das wäre zu traurig für daS Bürschchen. Lind für mich auch!" fügte er hinzu. Eva sah Fahrenkrugs Kinder vor sich und dachte: Ob ich ihnen wohl etwas fein könnte? Fünfzehn Jahre alt ist Fahrenkrugs Aelteste, Rosemietz zehn und Heinz sechs Jahre alt. Kluge Kinder sind es. Richt ganz leicht lenksam, wie der Doktor ihr einmal selbst gestanden hatte. Diesen Kindern Mutter werden? Eine herrliche Aufgabe, gewiß: aber die rechte Liebe müßte man dazu haben. .Bitte, Doktor Fahrenkrug, schicken Sie mir doch morgen nachmittag Ihre Kinder her!" Ihre Ditte überraschte alle. .Gern, gnädiges Fräulein, aber ich kann im Moment nicht sagen, ob Rita und Rosemietz morgen nachmittag frei sind. Ich werde morgen früh mit ihrem Fräulein sprechen und gebe Ihnen danach telephonisch Bescheid. Ist'S Ihnen recht so?" Sie bejahte. Lind nun bereitete die Mutter ihr auch noch eine Verlegenheit. »Dva, verzeihe, du hast wohl im Moment nicht | daran gedacht, daß du morgen noch sehr in Anspruch genommen sein toirfc?“ Lind zum Doktor gewandt: »Wir haben nämlich große Wäsche." Mit einem Lächeln sagte sie es. „Rein, Mama, daran hab' ich wohl nicht gedacht." Sie wurde dunkelrot, sah Doktor Fahrenkrug mit verlegenem Lächeln an. — »Was machen wir da?" »Da wird nichts c/ndereS übrigbleiben, gnädiges Fräulein, als den Besuch aufzuschieben." „Ja, das tut mir Leid." Der Doktor verabschiedete sich nun. Sie trug ihm Grütze für die Kleinen auf. DaS ließ eine fast begrabene Hoffnung neu in ihm aufleben. Auch dem Geheimrat gab PvaS Interesse für deS Doktors Kinder Hoffnung. Am Ende wird sich doch noch mein Wunsch erfüllen, dachte er. Er ersehnte mehr denn je, die Tochter gut versorgt zu totff en. Als FahrenkragS Frau wäre sie gut. untergebracht. Lim fünf Llhr y-ar man schon aufgestanden. ES gab vor der Reife noch allerhand zu tun. Ottilie instruierte das Mädchen. Kein Ende fand sie damit. Ihrem Manne fing es an peinlich zu werden. „Ich habe (t*> viel Fürsorge gar nicht nötig, Tilli — wünsche sie absolut nicht. Wenn ihr fort seid, will ich meine Rühe haben — weiter nichts", sagte er. Lind dann, forderte er Hans-Achim auf, mit ihm in fein Arbeitszimmer zu kommen. Da saßen sie sich in den großen Ledersesseln gegenüber. Es war gerade/ so, wie an dem schrecklichen Tage, an dem Hans,-Achim den Vater seine Spielschuld eingestand em. »Hans-Achim, ich muh dir, bevor du fortgehst, noch etwas auf die Seele binden." Er lächelte. Das matte Licht der Schreibtischlampe fiel auf sein verbrämtes Gesicht. »Es x^.'ht schon nicht anders, mein Junge. Also: nutz' hte Zeit, in der du täglich, ja, wohl stündlich mit Fräulein Münchrneyer zusammen sein v-irst, gut. Sieh zu, Hans-Achim, die freundschaftlichen Beziehungen, die dich mit ihr verbinden, zu vertiefen. Du begreifst wohl, auf was ich hinaus will?! Ja, natürlich! — Ja, was frag ich da noch?! — Hans-Achim, du brauchst mir nicht zu sagen, daß dein Herz nicht mehr frei ist, auch nicht, daß du Rose Münchrneyer nicht liebst — rch weih das. Das ist leider sehr traurig, denn du. kannst das Mädchen, das du liebst, nicht heiraten. Das wirst du dir nach ernsthafter Er- toägung auch selbst sagen. Was hattest du für fane Zukunft? Was könntest du deiner Frau für dlne Zukunft bieten? — Rein, Achim, tue dir und ihr das nicht an. Bedenke, dah in einem Leben voll Mühsal und Entbehrung das Glück selten ist. Dah in einem solchen auch leicht eine Ehe in die Brüche geht, wenn die Liebe auch noch so heiß ist." (Fortsetzung foIgQ 'Imrff'/itgtrtitrtlitlgtifii kbnyMedrU-, ingwi^me mit bm Tkt« ietzev. e.Cß. Die Lpi'N- n ßaul« des Jahres 1931 öltet, davon fünf gröbere In der Provinz Ober- M Flugtage veranstaltet. ' h°be??ird % w U «?!?* °q i?' KK * S-*8?s morgen noch sehr in 3r- Mir . t .... M: .Mr Hct nämlich ren Lächeln sagte Ile es fja&’ ich Vvhl nicht ge- sch Mot Fahrenkrug /an. - .Das machen deres übrigbleiden i Besuch aufzuschieven H£3fiS!S ab SvaS Interesse für des ersehnte mehr denn Wissen. W§a^gs hergebracht. %*5«" * ■SSani-Mimrt"*^ XU kommen. & 'edersessd" an i Baker feine w M Mt W*. j/W& "" nahirli'i- brauch -» je ®ün^ traurig. IgJ re 1931, ss*. £'Sp$ sssS ?«>»» f.**: • -av-rf. F'a&ii AJy Ä’t' E find hin. er « »Ä?9Ä ” N iu Auckersi«. ^,?uer von faft zg die Ausmahe bei Fl^o. Wfcheinlichsicn hie 1931 ?M FIugblÄ. Neben -?Ä : Kunstslüge 31, ins. Uglchuler betrug j« Zubungsstelle Siehrn 11 melle Fnedberg 6 Hu» l Dehlar 4 Flug'chüln ‘ Don diesen 21 Schülern »rrebeneiPrüfun- den FlM-uaführer'chein ruh hervo^tgehoben wer- bchulbetrieb nicht all dvrgekmmnen iss. es rn Personen«, noch Hoch. Beweis, mit welcher Se« ibildung durch die Flug« Flugäbioigssicsse Ist von davon zwei in Drehen, der letzte diente der Gießener Wlnternothilfe In dankenswerter Weile hatten sich sämtliche Flugzeugführer und Fallschirmabspringer uneigennützig der guten Sache zur Dersügung gestellt Die Einnahmen wurden restlos dem Wohliahrlsamt der Stadt Gießen zur Verfügung gestellt. An dem im Jahre 1931 von dem Aero-Elub von Deutschland veranstalteten Deutschlandflug nahm daS Flugzeug D1866 'Klemm L 26 Ha; von Gießen aus teil. Der Start erfolgte unmittelbar von dem Gießener Flugtag. der Flug verlief ohne die geringste Störung, was um so höher zu bewerten ist. als daS Flugzeug bis zum Tage des Beginns deS Deut^chland- fluges im regelmäßigen Schulbetrieb verwendet wurde. Die Wasch.ne wurde also in keiner Weise zu dem groben Flug besonders hergcrichtet oder umgebaut, waS bei säst allen, am Deutschlandflug teilnehmenden Flugzeugen der Fall war Bei dem vom Deutschen Luslsahrt-Derband ausgeschriebenen ZuvcrlässigkeitSflug 19 31 wurde wiederum daS Flugzeug D 1866 eingesetzt und mit viermaligem Belatzungswechsel geflogen. Buhendem beteiligte sich die Fliegergruppe Friedberg ..Polytechnikum", ebenfalls mit viermaligem Besatzung-Wechsel, aus ihrem Flugzeug an diesem Wettbewerb Leider konnte der Flug an den ersten beiden Tagen infolge dichten Vebels, der die Sicht fast vollständig behinderte. nicht restlos durchgesührt werden, so daß der Flug von Gießen aus nicht hundertprozentig erledigt werden konnte Man kann also mit dem Ergebnis deS Sport- f l u g b e t r i e b e S auf dem Flugplatz Gießen durchaus zufrieden sein und dem neuen Betriebsjahr mit guter» Hoffnung entgegensehen, zumal die sichere Aussicht besteht, dah sich die Zahl der in Gießen beheimateten Flugzeuge im Jahre 1932 noch weiter vergröbern wird. Aber auch im planmäßigen Luftverkehr war die Entwicklung durchaus zufriedenstellend- Die im Jahre 1930 beflogene Strecke Frankfurt a. M —Diehen—Hannover—Hamburg — Lübeck konnte im Jahre 1931 nicht mehr aufrechterhalten werden. Auf Gründ von Vachsragen nach Luftverkehr-Verbindungen nach Süden muhte angenommen werden, dah auf einer nach Süden führenden Strecke die Frequen-gröher fein würde. Diese Annahme hat sich alS richtig ertoiefen. Die Frequenz im Jahre 1931 betrug 175 Prozent der Frequenz deS Jahres 1 9 3 0, waS um so höher zu bewerten ist, als die wirtschaftlichen Verhältnisse im Jahre 1931 im Vergleich zum Vorjahre sich noch wesentlich verschlechtert hatten. Im Jahre 1931 wurde werktäglich an 129 Tagen die Strecke Gießen- Frankfurt a M.—Darmstadt—Mannheim—Karlsruhe Baden-Baden—Freiburg—Konstanz beflogen Anschlüsse waren vorhanden nach Aachen. Amsterdam, Baden-Baden. Basel. Berlin, Bern, Bremen, Darmstadt. Düsseldorf. Effen. Frankfurt a.M, Freiburg. Friedrichshafen. Genf, Halle, Hamburg, Hannover. Karlsruhe. Köln. Konstanz, Leipzig. Mannheim. München. Paris, Saarbrücken. Stuttgart Zürich Die Einrichtung der drei ZlugübungSftellen erforderte einen weitere» Ausbau deS Flughafen«. Die schon bestehende Werkstatt wurde um ungefähr 16 Quadratmeter vergröbert und ihre HolzwSnde und Decke feuerfest verkleidet. Zwischen Flughalle und Werkstatt wurde eine Halle zum Unterstellen von drei Flugs e l d- Tankwagen und zur Lagerung von BetriedS- stofsen und Oden errichtet- Der zwischen dieser Halle, der Flugzeughalle und der Werkstatt hegende Hof wurde befestigt. 11m für die Flugschüler einen Aufenthalts- und Hebet- nachtungsraum zu schassen, wurde eine frühere Schulbaracke erworben und an der Vordostseite deS Platzes aufgestellt In ihr ist noch der H n t e r r i ch t S r a u m für die Flugschüler untergebracht. Die Flugzeughalle, die Werkstatt und das HnterkunstS- und SchulhauS wurden mit elektrischem Licht versehen. Betrachtet man die Entwickelung des Flugplatzes Gießen hinsichtlich seines Verkehrs und seines Ausbaues, so wird man seststellen können, dah seit seiner Gründung trotz immer schlechter werdender wirtschaftlicher Verhältnisse ein st e - t e r Ausschwung zu verzeichnen ist. Dies ist um so erfreulicher, als feit dem Jahre 1930 mit dem Abbau der von der öffentlichen Hand gewährten Z u f ch ü f f e begonnen wurde. Die günstige Entwicklung beweist, dah der Flughasen Giehen mit Vücksicht auf feine günstige Lage, fein vorzügliche- Gelände und feine guten technischen I und räumlichen Einrichtungen noch weiter entwicklungsfähig ist. sji.-ifpott Borussia Fulda in Gießen. vfv. Gießen (Olga) — Boruffla Fulda (Clga). Am Sonntag ist — da- darf man wohl mit Recht Jagen — die beste Mannschaft von Heffen- Hannover in Giehen zu Gast. Die Borussen Kellen, daS steht auch außer allem Zweifel, die fähigste konstanteste und routinierteste Mannschaft deS ganzen Bezirkes. Die Gäste deS Sonntags sind mit dem Vorsprung von 26:6 Punkten die Tabellenführer der Südgruppe vor dem vorjährigen Bezirk-meister SE. 03 Kassel (20:10) und den Marburger Germanen mit 20:12 Punkten. Die meisten Spiele wurden mit hohen Ergebnissen gewonnen, nur drei Spiele gingen verloren und brachten den Borussen dje 6 Derlustpunkte, die in der Tabelle erscheinen. Don den letzten Ergebnissen seien nur einige genannt. Gegen die Kurhessen Marburg blieben die Borussen mit 4:1, gegen den FV. Würzburg (zu Weihnachten) mit 5:3, gegen Germania Marburg mit 5:0 und gegen den Lokalgegner Germania Fulda mit einem zwar knappen, aber auf Grund der belferen Spielweise durchaus verdienten Sieg von 2: 1 Toren, in Front. Das Vorspiel gegen den VfB. Giehen, der nun morgen im Rückspiel der Gegner ist, endete feiner,teil auf dem Platz in Fulda mit 7:1 für die Borussen. Ss ist schon lange Zeit her. dah die Borussen in Giehen auf dem Waldsportplatz zu Gast waren. Sie hinterliehen seinerzeit einen ganz vorzüglichen Eindruck. DaS Spiel, daS die VfBer damals auf eigenem Platze mit 8:1 verloren, war zweifellos daS schönste und interessanteste Spiel der Saison 1930 31, da» in Giehen gezeigt wurde. Die Borussen haben indessen wohl kaum in der Form verloren, haben vielmehr an Spielstärke zweifellos gewonnen, während ihre Technik schon immer vorbildlich war. Im Kombinationsspiel, daS bei aller Feinheit durchaus rationell geführt wurde und geführt wird, liegt die Hauptstärke der Mannschaft. Bei all diesen Eigenschaften stehen der Elf zwei hervorragende Spieler in der Person des schuhgewaltigcn Halbrechten Leugers und des nicht weniger guten Mittelstürmers Kammer zur Verfügung. Läuferreihe und Verteidigung stehen dem Sturm an Können kaum nach. Unter diesen Voraussetzungen haben die DfBer keine Ehance auf Sieg. Dauernde Umstellungen der Mannschaft, der zeitweilige Ausfall von verschiedenen qualifizierten Spielern hat die Mannschaft keine feste 5orm gewinnen lassen. Lei aller Aufopferung des Einzelnen war die Gesamtleistung nie so ganz auS einem Guh und der Mannschaft war manche Viederlage bcschie- den, die durchaus zu verhindern möglich erschien, toeim sich die Mannschaft besser gefunden hätte. Doch ist daran heute nicht- mehr zu ändern. Erfreulich aber ist die Tatsache, dah die Grün- Weihen gegen gute Gegner bisher stets sehr ansprechende Partien geliefert haben. Die Frage nach dem ÄuSgang deS morgigen GrohkampfeS ist mühiL eS kommt weniger auf daS rein zahlen- mäßige Ergebnis an, als auf die Art, in Der sich die VfBer schlagen werden. Dem Auftreten der Borussen sieht man mit großer Spannung ent» §?gen. Man erwartet ein schönes, spannendes Piel. daS zweifellos auch sehr fair au3getragen werden wird, da eS die Dorusfen ja gar nicht nötig haben, ihren Gegner hart anzugeyon. DaS Gleiche sollte für die VfBer Geltung haben. Die Gießener treten in folgender Aufstellung an: Balser Leutheuser Henrichs Fenster Köhler Schmidt Haupt Schneider Därenfänger Wlodarek Fehling Die Ligareseroe hat am Sonntag vor dem Spiel der Liga gegen die Ligareseroe der Spielvereini« gung 1900 anzutreten. Beide Mannschaften dürften sich in ihrem Können annähernd die Waage halten. Die bisherigen Begegnungen verliefen stets sehr spannend und sahen verschiedentlich die VfBer im Vorteil. Das Lokalderby der Reserven dürste leb' hastem Interesse begegnen. Cpielvereinigung 1900 Gießen. Amerika — China. Die Blauweißen begehen heute abend ihren Mas- kenball. Aus diesem Grunde hat man davon abgesehen, am Sonntag Wettspiele zu veranstalten. Die Mannschaften find spielfrei. Ganz ohne Sport wist man aber doch nicht sein und so hat man sich entschlossen, zwei internationale Mannschaften zu verpflichten. Auf dem Sportplatz an der Liebigs« höhe gastiert also morgen die Fußballmannschaft des amerikanischen Panzerkreuzers „Maryland", der im Genfer See zur Beobachtung der Abrüstungskonferenz vor Anker gegangen ist. Die Mannschaft befindet sich aus einer (Europalurnee und wird am Sonntag auf dem 190vcr>Platz mit einer Mann- fchast des Ostens, und zwar mit der Nationalmannschaft von China zusammentrefsen, die in Tschapei bei Schanghai argen eine Mannschaft der internationalen Konzession und selbst gegen die Japaner sicher Sieger blieb. Bemerkenswert ist, daß sich die Mannschaft der Amerikaner saft durchweg nach unseren Begriffen aus wahren Riefen zusammen- setzt, während die Japaner eine körperlich sehr kleine, aber katzenhaft gefchwinde Elf ins Feld stellen. Die Mannschaften spielen in ihren Rationalkostümen. Der Ausgang des Kampfes ist offen. Cs ist wohl kaum zu befürchten, daß der zur Zeit herrschende Karneval einen wescntlickren Einfluß auf die Lei- ftungssähigkeit der Mannichaften ausüben wird, da ja vom Karneval in Deutschland sowieso nicht mehr viel übriggcblieben ist. Gporiabieilung des Turnvereins Lollar Am morgigen Sonntag empfängt die 1. Fußballmannschaft die gleiche deS VfB. Wetter zum Gesellschaftsspiel. 5>ic Gäste fuib für Lollar ein schwerer Gegner. Da jene in der 2. Bezirksliga an zweiter Stelle der Tabelle stehen und guten Fuß- Geschichten aus aller Welt. (Vachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Vra it.aub in Vul aricn. (web) Sofia. Eine recht häufige Erscheinung im ländlichen Leben Bulgarien- ist der Brautraub — bester getagt der Madchenrauv. d e Entführung der liebten. Meist handelt es fich um Falle .einseitiger" Liebe: der junge Bauer, der vergeblich um die ©unft einer Dvrfschönen wirbt oder der den Eltern der Erkorenen nicht erwünscht ist, greift zur Selbsthilfe und versucht, die Verwandtschaft vor ein „fait accompji* zu stellen, bei welchem aus Gründen der Familienehrc der Pope eben das letzte Wort sprechen muß. Gewöhnlich nimmt der Entführer dabei die Hilfe seiner Freunde in Anspruch. die den Rückzug decken müssen und das oft in der kriegerischen Bedeutung des Wortes, denn die Familienangehörigen des MädchenS. vor ollem Vater und Bruder, sind gleich bei der Hand, um einen Anschlag auf da- Mädchen abju- vehren. Sin .Schulbeispiel' des MädchenraubeS bat sich kürzlich in einem Dorfe des Sofioter Kreises ab- gesp elt. Der junge Dauer Safchofs fand bei der von ihm als künftigen Gattin ausersehenen Vaina keine Gegenliebe. Anstatt sich damit abzusinden, beschloß Safchofs. die schöne Vaina mit Gewalt umzustimmen. Seine Freunde waren gleich bereit. bei der Entführung mitzuwirken — das Dorsleben ist in Bulgarien arm an Abwechslungen und ein Mädchenraub ist mal wa- anderes Am Sonntag standen Burschen und Mädchen im bunten Feiertagsgewand auf dem Dorfplah. bummelten auf und nieder, schäkerten, und bald bildeten sich die langen Ketten der .Horo"-Tänze, der bulgarischen Vundtänze in bunter Reihe zum Klange der Zigcunersidel und des Dudelsacks. Vaina war unter den Tanzenden. Plötzlich kamen in eiliger Fahrt zwei Wagen die Dorsstraße entlang; Pserdegetrappel. Gewehrschüsse, wilde- Geschrei. Die Tanzenden stoben auseinander und ehe man sich'- versah, hatten ein paar kräftige Bauernjungen die Vaina erfaßt, auf einen Wagen geworfen und unter Schüssen und Triumphgeheul rasten die Entführer mit der geraubten Braut von bannen in der Richtung zum nächsten Dorf, wo schon die stille Hochzeit vorbereitet war. Die Dorfjugend, die Angehörigen und Freunde der geraubten Vaina erholten sich schnell von dem Schrecken. Im Vu waren einige Wagen angespannt und bemannt, und die Verfolgung begann. Sie wurde nach den Grundsätzen der Strategie auf zwei Aufmarfchstraßen durchgeführt: während eine Gruppe die Mädchenräuber verfolgte, schlug die andere einen kürzeren Weg ein und legte sich in den Hinterhalt kurz vor dem Eingang zum nächsten Dvrse. Dort ereilte das Schicksal die Väu- berfuhre. Don zwei Seiten in- Feuer genommen, blieb den Entführern nach einem kurzen Kugelwechsel nicht- übrig, al« die Braut zurückzugeben — zum Glück, bevor die Heirat flaltgcfunben hatte. Das Ergebnis: drei Verwundete, ein er» schollenes Wagenpferd und mehrmonatige Ge- fängni-strafen für die Entführer wegen Mädchen» raube«. Waö kostet ein Rausch? (t) Bukarest Diese Frage versucht man zur Zeil in Bessarabien zu losen, wo die gütige Mutter Natur den Bauern eine Weinernte bcschicdcn bat, wie feit Jahren nicht, und wo der Wein beute in de- Worte» verwegenster Bedeutung JnUig wie Wasser' geworden ist. Ihn en gre* zu verkaufen und obzutransoortieren lohnt sich nicht mehr, weil di» Erzeugcrkosten viel hoher als die Verkaufspreise sind, die sich j>ro Liter um 2 Pfennig herum bewegen, größere Feuersbrünste, bei denen der Wein nach berühmtem Borbild al» Loschmittel Verwendung finden könnte, haben sich in letzter Zeit auch nicht ereignet, also bleibt den Bauern gar nicht» anderes übrig, al» „das Zeug selbst zu laufen*. — Nur ein paar findige Wirte sind auf einen ausgezeichneten Gedanken gekommen, dessen Verwirklichung ihnen wenigsten» einen Teil der Spesen wieder einbringen soll Nämlich: bei Rckordernten in früherer Zett brauchte man in den verschiedenen Kneipen nur ein kleine» „Angtreeh* zu zahlen und konnte dann in der Kneipe sich vorn (xaß abzapfen, soviel man Lust hatte und soviel im Magen Platz sand. Der „Austritt- war frei, nur der „(Eintritt" in die Kneipe mußte immer wieder mit der gleichen, kleinen Gebühr beglichen werden. Heute läßt sich dies Bersahren leider nicht mehr durchführen, denn der Bargeldmangel ist erschreckend groß, infolgedessen haben die besagten findigen Wirte in der «tadt öarata Plakate an Ihren Bodegas ausgehängt mit der Aufschrift: „(Ein Rausch 15 Lei!* Mit anderen Worten: wer 15 Lei oder 37 Ps. bezahlt, darf sich in dieser Bodega bis zur Unkenntlichkeit beschlauchen, selbst wenn er drei Tage dazu gebrauchen sollte! Sehr erfteulich — nur. auch ich bin im vergangenen Jahre in diesem oarata gewesen und kenne den Wein dort gut! ... 15 Liter zu 1 Lei braucht man dort bestimmt nicht, um jenen Zu stand zu erreichen, den Sudermann einmal so schon „Windstille der Seele* genannt hat! Entweder hat aber der Gehalt de» Weines dort abgenommen, ober die Sorgen der Saratenser sind großer geworden, ober die Wirte haben gepanscht ober sie wollen sich aus Kosten ihrer Mitbürger unzulässig bereichern! Denn selbst ein Falstaff müßte in Sarata auch heute noch nach fünf Litern unter den Tisch sinken, salls er es nicht vorziehen sollte, Sarata link» liegen zu lassen und gleich ins eigentliche bessarabi» sche Weinzentrum, nach Akkerman weiterzupilgern, wo „ein Rausch* zur Zeit schon um zehn Lei ober zehn Liter Akkermancr Auslese zu haben ist. Jeden- falls — übermorgen fahre ich hin und seh' mir bi» Sache an Ort und Stelle genau an. Denn die Zeiten sind schwer und billige Räusche sind immer noch besser als gar keine ... ball spielen. Lollar tritt diesmal komplett an und dürfte bemüht fein, ein günstiges Ergebni- zu erzielen, allerdings muß die Mannschaft besseres zeigen, als am Vorsonntag. Die 2. Mannschaft tritt in starker Aufstellung der Ligareserve von Wetter gegenüber und wird ebenfalls einen schweren Stand haben. Die 3. Mannfchaft (Lehr- mannschaft) tritt gegen eine aus jugendlichen und aktiven Spielern zusammengeftcllic Mannschaft von Butzbach gegenüber und eS wird aller Anstrengungen bedürfen, die Schlappe deS Dorsonntags auszuwehen. Die 2. Handballmannschaft spielt gegen Ruttershausen I und wird alles daransetzen müssen, wenn ein ehrenvolles Ergebnis erzielt werden soll. Handball im Gau Hessen (O.T.) Mtd. 1. Igd. — Tb. Hausen 1. Am Sonntagnachmittag trägt die erste 3u- gendmannschaft deS Gießener Männer-Turnvereins wieder nach vierzehntägiger Ruhepause auf dem Mtv.-Platze am Schiffenberger Weg ein Handball-Freundschaftsspiel gegen den Turnverein Hausen aus. Die Mtv.-Jugend — die ja bekanntlich^ die Gau-Gruppenmeisterschaft errungen hat. und für die anfangs März stattfindenden Endspiele um die Gaumeisterschaft gewappnet sein will - hat sich mit den Hauscner Turnern einem nicht zu unterschätzenden Gegner verpslich- tet. Die Gäste spielen in ihrem dortigen Bezirk eine bedeutende Rolle. Der AuSgang deS Kampfes ist offen. Handball im DfB. Die j)anbbaUmannfd)aft des VfB. hat sich für den Sonntag vormittag wieder einen Gegner aus dem Streife der Turner verschrieben. Die 1 Mann- schäft des To. Burkhardsfelden ist auf dem Wald- sportplatz zu Gast und dürfte den VfBern einen hartnäckigen Kampf liefern, denn die Gäste verfügen über eine in vielen Wettkämpfen gut eingespielte Mannschaft. Der Ausgang des Spiels ist offen. Die DsBer dürften den Gästen, nach den bisherigen Leistungen zu urteilen, wohl kaum einen leichten Sieg erringen lassen. Handball im Labki'Oünsbera'Gau Io. Staufenberg 11 — To. Wißmar II 2:6 (1:2). Beide Mannschaften waren durch einige Spieler der ersten Mannschaften verstärkt und lieferten fich vor der Pause ein ausgeglichene- Spiel. Vach dem Wechsel kamen die Gäste durch besseres Zu- smnmenspiel stark In Vorteil, während der Gastgeber sehr zerfahren spielte, und errangen einen hohen Sieg. Bezlrksoorkurnerslunde In Kinzenbach. Am morgigen Sonntag sindet in Kinzenbach eine Bezirksvorturnerstunbe bes 1 Bezirks statt. In dieser Llebungssiunde werden hauptsächlich die für daS demnächst in Aydach stattfindende Gaugerätewetturnen bestimmten Hebungen durchgenommen. Tisch-Tenniö. AIL. Gießen — VfL. wehlar. Am morgigen Sonntag findet ein Klubwettkampf deS ATE. (Akadem. Tisch-TenniS-Club) gegen die Tisch-TenniS-Abteilg. deS VfL Wetzlar im ..Schützenhau-" zu Gießen statt. DaS Vorspiel beider Mannschaften endete mit einem 9: v-Dieg des ATE. Die Gießener begegnen einem spielstarken Gegner, der mit dem bekannten Spitzenspieler Avse antritt, was einen spannenden Kampf erwarten läßt Ds werden neben Herrn-Ginzel und -Doppelspielen auch Damen-Einzel und Ge- mifcht-Doppelfpiele au-getragen. Arbeiter-Tuk-n- und Sportbund. In den Spielen um die Meisterschaft des 9. Streife» empfängt Waunßeim die 1. Mannschaft von (Egelsbach. Im Vorspiel trennten sich die Gegner mit einem Unentschieden von 2:2. Wohl hat Naunheim am vergangenen Sonntag in Frankfurt eine Schlappe erlitten, die die Mannschoii etwa» zurück- geroorfen hat. Das kommende Spiel wird nun herüber entscheiden, ob Naunheim noch ein entscheidendes Wort mitzureden hat. Der Ausgang des Spieles ist offen. Gießen I ist zu einem Freundschaftsspiel in Marburg zu Gast. Die aufstrebenden Gastgeber werden alles aufbieten, um den Gasten einen ebenbürtigen Gegner abzugeben. Die Gießener haben jedoch die besseren Aussichten. Vorher: Marburgs II — l. Jugend von Wieseck. Lollar weilt mit zwei Mannschaften in Leun und sollte die Siege mit nach Hause bringen. Aliendorf (Lohn) I hat Heuchelheim I zu Gast. Heuchelheim wird keinen leichten Kampf zu beließen haben. Vorher: Allendors 11 — Heuchelheim II. Gießen III hat auf dem Trieb Daubringen I zum Gegner. Die junge (Elf der Gäste sollte den Platz- besttzern ein gleichwertiges Spiel liefern. In Burkhardsfelden stehen sich Burkhardsfelden I und Watzenborn I im Freundschaftsspiel gegenüber. Sichertshausen I hat Wißmar ! zu Gast. Den Platz- besitzern dürfte der Sieg nur schwer zu nehmen sein. Wmn Cure Männer ihre Lebensversicherung bcrfalkn lassen möchten: helft ihnen, sse in Lratt M haltm! Delft mit, an anderer stelle (o titel ju sparen, dah Cuer Beitrag eingezahlt werden kann! Kur dann seid Zshr und Cure Linder auch in dem schlimmssen Fall geschützt! lÄAMttAftUM- SföfcÄM#- OÄÄO ! 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Diese Reste kommen Montag, Dienstag, Mittwoch auf Extratischen zum Verkauf. l Obwohl wir diese Reste und Abschnitte bereits zu I Verlustpreisen verkaufen, gewähren wir trotzdem hier- I auf noch einmal einen Rabatt von.............. WW / ® Kommen Sie, bitte, gleich Montag früh, es lohnt sich bestimmt! Nr. 31 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefsen) Samstag, b. Februar 1952 vermehrten Steuer Der für die Reform der Arbeitslosenversicherung nach Wirtschaft Bei des Gesamtvereins aussprechen und zugleich irn bat Reichsbankdiskoni 7 o. 6 Lombardzinssuh 8 o h. Zum Heu- non Deu11 che C t ä b t c t a g und die übrigen Organisationen der Kommunen tollten sich auch Bild im Namen des ehemaligen Grosttzerzogs Hesfen mit Namensunterlchrifi überreich sich laufende Zinoeinnahmen schaffen, zugleich 1 bter ZürsorgepUicht durw Wieder- zuführung von Arbeitslosen zu den Arbeit»- statten vermindern und durch deren erneute Tätigten wieder vermehrte Seitragequellcn für sich erschließen An dieser Reform, die durch einen Ausbau der iedt bereite durch die Notverordnung vom 5.Jun 1Q31 gegebenen Möglichleiten zu vollenden wäre, haben auch die Kommunen ein starkes 3nterel|c. da für sie von der Wiederbelebung de» ArbeitSmarkte» nicht nur eine Entlastung in der Sozialfürsorge, sondern auch eine Besserung ihrer F i - erwarten fein wird zinsliche Werte etwas freundlicher Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 211. n a n 8 e n durch r i n g a n g zu dem hier batgelegten i^ebanlengang nachdruck- llch einletjen, damit möglichst beschleunigt eine Umgestaltung durchgesührt wird, die man vielleicht in einigen Monaten unter weit ungünstigeren Bedingungen al» heute doch vornehmen must, weil es auf die Dauer nicht möglich ist. fo gewaltige Summen wie bei der Arbeitslosenhilfe in der bisherigen volkswirtschaftlich unproduktiven Weise zu verwenden. Diese Reform ist ein bedeutfamer Anteil an unlerer gesamten wirtschaftlichen Neugestaltung, die mit der Preissenkungsaklion. dem Lohn- und Gehalts- abbau und der Ermästtgunst de# ZinSniveau# begonnen wurde und die nicht abgeftoppt werden darf durch Hemmungen, die heute noch alS stark angesehen werden, die aber nicht unüberwindlich sind, wenn überall der ernste Wille besteht, da» wirtschaftliche Reformwerk und damit die Sanierung unserer gesamten öffentlichen Finanzen zum Nusten aller DolkSteile baldmöglichst zu vollenden >2 Lollar, 4 Febr Die Gemeinde Lollar . im Jahre 1931 zur Beschäftigung von C r • denz ein. Die Spekulation bekundete starke Zurückhaltung im Hinblick auf die innerpolitische Lage und auf die Schwankungen der legten läge an der Neuyarker Börse. Da auch das Publikum dem Markt wieder fast vollkommen fernblieb, nahm die Kulisse eher Glattslellungen vor, so dast die Kurse bei lehr kleinem Geschäft m e > ter etwas ab bröckelten. Die Rückgänge betrugen jedoch selten mehr als 1 Prozent, und nur die in den letzten lagen starker favorisierten Werte wurden hiervon betroffen, wahrend sonst die Kurse ziemlich gehalten blieben, zumal auch nennenswertes Angebot nicht vorlag Größeres Geschäft entwickelte sich lediglich für Reichsbahnvorzugsaktien, die auf gestriger Basis gesucht waren Der R e n t e n m a r f t lag bei kleinem Umsatz ebenfalls sehr ruhig und ohne besondere Berande rungen. Einiges Interesse erhielt sich für Reichs scknildbuchsorderungen und für Liquidations-Pfandbriefe, von denen besonders Frankfurter Hypothekenbank Liqui. gefragt waren Bon fremden Werten lagen Anatolier erneut fest und % Prozent höher Im Nachmittagsfreiverkehr war die Stimmung sowohl für Aktien, als auch für festver- wirtschaftlich notwendiger Arbeiten aulgewandt, so wäre dem Arbeitsmarkt eine lehr bebeutfamc Entlastung und der getarnten DolkSwirtlchaft eine starke Förderung zuteil geworden. Denn mit vieler Milliarde hätte man eine lehr groste Menge Mentchen wieder zur Arbeit bringen, he wirtschaltlich und steuerlich leistungsfähig machen können, und austerdem hätte die Reichs- anstatt für ArbeitSlofenverficherung felbft infofern wieder Nutzen auS der veränderten Sachlage gezogen, dast alle auf diesem Wege in die Produktion erneut eingeführten Arbeitskräfte wieder Beitragszahlungen an die Arbeit# - lofenverficherung zu leisten gehabt hätten WaS bisher nach diefer Richtung h,n verfäumt wurde, tollte nun unter dem Drucke der steigenden Finanznot möglichst rafch nachgeholt werden Bor einigen Tagen wurde berichtet, dast man in Württemberg den Bau de» Neckar-Kanals als volkSwirtfchafthch notwendige DerbindungSftraste dringend wünsche. Zur Finanzierung diese-- Projekte- wurde die Aufnahme einer Anleihe von 100 Millionen Mark beim Völkerbund al# log Völkerbund»- Anleihe empfohlen. Wir muffen sagen, dast wir für diefen Finanzierungsvorschlag gar kein Verständnis hoben Ganz abgesehen davon, dast der Völkerbund jetzt felbft in Finanz- fchwierigkeiten steckt und deshalb den Bau feine# Palastes ftillcgen muhte, ist nicht zu verstehen, warum man sich wiederum mit 100 Millionen Mark dem Ausland tributpflichtig machen will, während die Möglichkeit der Finanzierung einet volkswirtschaftlich so bedeutsamen Projekte# wie de# Neckar-Kanal# durch die Geldmittel der Arbeitslosenversicherung innerhalb unserer Landesgrenzen gegeben ist. Dabei könnte die Arbeitslosenversicherung. wenn sie einen Teil der von ihr bercitgcftellten Gelder für solche Bauten al# langfristige Anleihen geben würde, tigen Telephonverkehr wieder Realisationsneigung, zumal aus der Politik und der Wirtschaft keinerlei Anregungen Vorlagen. Die Ausland- borscn meldeten eher schwächere Kurse, und nur die deutschen Werte in Amsterdam waren zum Teil noch etwas fester. Da aber das Disagio zwischen den Auslandkursen und der hiesigen Bewertung 20 Prozent betragt, ist ein direkter Einfluß auf die Tendenz in Deutschland gehandelter Werte dersel- ben Gesellschaft nicht unbedingt notwendig. Es herrschte im allgemeinen weiter ziemliche Unsicherheit. Es bestand Überhaupt nur für ganz wenige Papiere Intereste, und das in Publikums keifen zweifelsohne noch vorhandene Anlagebe- durlnis hielt sich offenbar heute starker zuruck. Man diskutierte weiter die englischen Zollmastnah- men, die bei der Besprechung des Finanzetats in Preußen auftretenden Schwierigkeiten, die Rätsel um die Wagemann Reformpläne und die Frage der Bankensanierung. Letztere ist de- kanntlich durch die Reise des Kanzlers nach Genf etwas zurückgestellt, man glaubt aber, dast hierdurch auch gleich andere Absichten verwirklicht werden könnten, die sich auf das Verhältnis der Banken zur Börse erstrecken. Angeblich soll auch in Deutschland nach amerikanischem Vorbild an eine Teilung der Banken in Depositen- und Essektenbanken, ober wie man es sonst nennen will, gedacht fein Tatsache ist jedenfalls, dast die Kurse saft aller Werte heute abgeschwächt lagen. Ein schlechter ReichSbahn-AuSweiS. Berlin, 5. Febr (WDB ) Der Güterverkehr der Deutschen Reichsbahn erreichte im Dezember 1931 einen bisher nicht gekannten Tiefstand. Der Wettbewerb des Lastkraftwagen# machte fich im Fernverkehr in dem bisherigen Umfange fühlbar Der verstärkte Wettbewerb der englifchen Kohle wirkte fich in einer Abnahme des Brennst off verfandeS nach der Schwei z und nach Italien aus. Der Personenverkehr erreichte durch die bekannten tarifa» rischen Erleichterungen zum WeihnachtSfest einen beachtlichen Umfang Die Einnahmen betrugen inSgefamt 263.6 (November 290.1) Mill. Mark Die Einnahmen au# dem Perfonen» und Gepackverkehr blieben im Dezember 1931 gegenüber 1930 um rund 16 v. H zurück. Der Güterverkehr hak im Dezember 1931 stärker al» bisher nachgegeben, und zwar gegenüber 1930 u m 2 9,2 v Sy Rach den vorläufigen Ab- fchlustzahlen ergibt fich bei den Gesamteinnahmen gegenüber 1930 ein Rückgang von 7 2 7,7 Mi11. Mark Oie Spareinlagen am Jahreswechsel. Berlin, f Febr (WTB.) Die Spareinlagen bei sämtlichen deutschen Sparkassen betrugen Ende Dezember 9722,23 Mill Mk.. gegenüber 9744.64 Mill. Mk. im November vorigen Zähre# Der BerichtSmonat weift mithin eine Abnahme um 22,44 Mill Mk.. gegenüber einer Abnahme um 191,55 Mill Mk im November auf. 3m einzelnen betrugen die Einzahlungen 594.02 ( 308,72). davon au# Aufwertung 9.01 (1.99) und au« ZinSgutfchristen 165,04 (3,07) Mill. Mk. Die Auszahlungen stellten fich auf 616,43 (572.27 > Mill AN. Die Depofiken-. Giro- und Kontokorrent Einlagen betrugen Ende Dezember 1204.0 (1218.91 Mill. MI Holzversteigerungs - Termine. Montag, 8. Februar. Hessischer- Forstamt Schiffenberg: Zusammenkunst im „Deutschen f)aus“ zu Klein-Linden, 10 Uhr Hessisches Forstamt Gießen: Zusammenkunft in der Willfchen Wirtschaft zu Ircis a. d. Lumda, 9.30 Uhr Bürgermeisterei Nieder-Weisel: Versteigerung im Gemeindewald. Zusammenkunst auf der Straste Butzbach—Hochweisel (an der Waldecke), 10 Uhr. Hessisches Forstamt Grünberg: Zusammenkunft bei Gastwirt Schmitt, Wwe., zu Saasen, 9.15 Uhr. werbslosen zwei neue Strasten, Ebert- und Dergstraste, in eigener Regie ausbauen, die Lumdauser auf etwa 300 Meter befestigen, Graben, Feld- und Waldwege in Ordnung bringen lassen. Wie der Bürgermeister nunmehr in der jungften Gemeinde ratssitzung bekanntgab, erforderten diese Arbeiten einen Aufwand an Arbeitslohn für die Zeit vorn 15 3uni bis 24. Dezember 1931 von 22 586,70 Marl Für Materialbeschaffung, Fuhrlöhne wurden 11910,66 Mark verausgabt — Zum Schutze des heimischen Gewerbes und der Geschäftswelt beschlost der Gemeinderat, für Wanderlager den 100- prozentigen Zuschlag zum korisniastigen Satz zu erheben. — Die Mieten sollen rückwirkend ab 1. Januar 1932 bei Neubauten um 15, bei Altwohnungen um 10 Prozent gesenkt werden • Grasten-Buseck, 4 Febr In der jüngsten Versammlung der Freiwilligen Feuerwehr Grasten Buseck teilte der erste Som Mandant, Beigeordneter und Maurermeister W .’n a r b a d), zunächst mit, dast der Feuerwehr (Bro stcn-Bus.ck der Herbstverbondstag für 1 9 3 2 übertragen wurde Diese Versammlung werde in den lagen vom 9. bis 11 Juli mit dem 25. Iu bilaum der Freiwilligen Feuerwehr verbunden Von den Gründern gehören der Wehr zur Zeit noch 17 Kameraden aktiv an. Ihnen sollen demnächst durch den Kreisfeuerwehr-Inspeklor Dickor# (Gie sten) die entsprechenden Auszeichnungen des hes fischen Innenministeriums überreicht werden. Bei der Generalversammlung der Wehr wurde der seit- herige zweite Kommandant Harbach zum ersten Kommandanten bestimmt. Der übrige Vorstand wurde einstimmig wiedergewahlt. Die Rechnungsablage wies, dank verschiedener Zuwendungen der Gemeinde, einen günstigen Stand der Raffe aus. Die Vereinstätigkeit war im verflossenen Jahre sehr reg. ’ Lich. 4. Febr. Der Rothschc Männer- ch o r hielt seine diesjährige lehr gut besuchte Generalversammlung im ..Holländischen Hol" ab Der Vorsitzende, Jak Schmidt, gedachte in seiner BegrüstungSansprache auch der im verflossenen 3ahre verstorbenen Mitglieder, deren Ehrung in üblicher Weise stattfand. Da» ver- flofknc Jahr stand im Zeichen der 40jährigen Jubiläumsfeier Das brachte der vom Zestfchrift- führer K. Kuhn verfastte Festbericht in Erinnerung. Ein Rückblick auf das verflossene Jahr berechtigt zu der Feststellung, dast der Verein in gefänglicher und mufikalifcher Hinsicht einen erheblichen Aufschwung genommen hat Diesen verdankt der Verein feinem Ehormeister Lehrer Karl Stein- Lich Die von dem Rechner Robert 3 e n f d> ausgestellte Rechnung sand nach Prüfung die Genehmigung der Generalversammlung Bei der Vorstand-Wahl wurde da# Ehren- und seitherige Vorstandsmitglied August Weber- Lich zum Ehrenvorstandsmitglied ernannt. Die ausfcheidenden Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. Austerdem wurden durch Erweiterung deS Vorstände# die beiden Mitglieder Karl A l b a ch und Herrn L e m m e r neugewählt. Der Mitgliederbeitrag wurde von 50 auf 40 Pf pro Monat herabgefetzt Trotz der Vorarbeiten »ut Jubelfeier waren die Singstunden gut be- Oberheffen. Landkreis Wicken. —.— Alten-Buseck, 4 Febr. Dieser Tage fand in der Wirtschaft von Wilhelm Ruhl die diesjährige Generalversammlung des K r i e g c r u n d Schüftenvereins statt Der Vorsitzende Heinrich Freund II. begrustte die Mitglieder und teilte mit, dast der Verein im Vereinsjahr 1931 zwei Mit glieber durch Tod verloren hat. Die Verstorbenen wurden in üblicher Weise geehrt Sodann verlas der Rechner den Rechenschaftsbericht. Danach sind die Vermögensverhaltnisse des Vereins als recht gut zu bezeichnen Dem Rechner wurde Entlastung erteilt Dem seitherigen Vorstand wurde das Der trauen des Vereins ausgesprochen und die Mu glieber durch Zuruf neu gewählt. Für das freiwillig aus dem Verein ausgeschiedene Vorstandsmitglied Karl W cimer, der die Belange der Schutzenah- teilung innerhalb des Gesamtvereins vertrat, wurde Karl schöfer in derselben Eigenschaft einstimmig in den Vorstand gewählt. Das älteste Vereinsmit glieb, Johannes Schwarz aus Trohe, feierte gestern seinen 8 5. Geburtstag. Der Verein liest durch den Vorsitzenden die besten Glückwunsche Eine Betestigung in den gestrigen Nachmittag» liunben führte man auf Deckungen der Tagenspeku lation zurück aber gegen die niedrigeren Kurse von geltem mittag lagen die meisten Werte noch 1 bu- 2 Prozent gedruckt Die einzige Ausnahme bildeten Ehade Attien. die aegen gestern mittag etwa 5 Mk gewannen Svenska waren dagegen im gleichen Ausmaste avgeichwacht Von den übrigen Maikien ist nichts besonderes zu berichten Bankaktien lagen auf verändertem Niveau vernachlässigt Auch in fest verzinslichen Werten war das Geschäft recht flau selbst in den Werten, die in den letzten Tagen etwas bevorzugt waren, zeigte sich eher Realisation» neigung Rur Deutsche Anleihen und Reichsbahn Vorzugsaktien waren relativ behauptet cptclplnn Per iyrantfurtcr Thraker. Frankfurter Schauspielhaus Sonn tag, 7 Februar. 11 Uhr „Der Multurroert bet- Theaters in harter Zeit 15 bi» nach 1*- Uhr „Der Hauptmann von Köpenick". 20 bis 23 Uhr „Jini und Jill' — Montag, N. Februar, 19 bis 23 Uhr * „Wallenstein — Dienstag, 9. Februar, 19.30 bis gegen 22 Uhr. „Alt Frankfurt" 22 30 Uhr: „Die et'ottoogcr — Mittwoch, 10 Februar, 19.30 bi- 23 Uhr: „Die Unüberwindlichen - Donnerstag. 11 Februar. 16 bis 17.30 Uhr „Liebelei". 19 bi» nach 23 Uhr „Wallenstein" — Freitag, 12 Fe bruar, 20 bis 23 Uhr „Jim und Jill" — Sam» tag, 13 Februar, l'< bis nach 23 Uhr „Wallen stein" — Sonntag, 14 Februar, 16 bis gegen 1830 Uhr „Alt Frankfurt". 20 bis 23 Uhr „Jim und Jill". Frankfurter Opern haus Sonntag. 7. Februar, 15 bis 18 Uhr „Im meisten Rostl 20 bi» 23 Uhr „Im meisten Rösti". — Montag. 8. Februar, 20 bi» 23 Uhr „Irn meisten Rostl". — Dienstag, 9 Februar, 19.30 bi» 22.30 Uhr „Dei Zigeunerbaron". — Mittwoch, 10. Februar, 20 bis 23 Uhr: „Im meisten Rostl" — Donnerstag, 11 Fe bruar, 20 bis nach 22 30 Uhr „Macbeth" — Frei tag, 12. Februar, 20 bis 23 Uhr „3m weihen Rösti" Samstag, 13. Februar. 20 bis gegen 22.30 Uhr: „Tosco" — Sonntag, 14. Februar, 15.30 bi» 18.15 Uhr „Undine". 20 bis 23 Uhr „Im weihen Rostl". Berlin unsicher. Berlin, 6. Febr. (WTB Funkspruch.) Wochenschluh zeigte die Spekulation im • VoIksbank Giesten e G. m. b.H. Die dem Verband der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften angeschlossene Kreditgenossenschaft hielt am Mittwoch in Giesten ihre diesjährige Generalversammlung ab, die von icher 200 Mitgliedern besucht war. Rach dem Geschäftsbericht für 1931 hat sich die Zahl der Genossen von 450 auf 475 ei bäht. Der Umsatz betrug 27 Millionen Mark, die Bilanzsumme 828 481 Mark. Trotz der Geldkrise haben sich die Einlagen um 30 000 Mark erhöbt und die Bankverpflichtungen vermindert. Noch erhöhten Abschreibungen auf Effekten, Bankgebäude und Inventar verblieb ein Reingewinn von 14 274 Mark, der zu Ueberroeifungen an die Reserven und einer 8prozcntigen Dividende verwendet wird. Für etwaige Risiken in den Austenständen ift eine Kon tokorrentreserve vorhanden. Die offenen Reserven betragen jetzt 24 000 Mark, die Geschäftsguthaben der Äcnoffen 128 000 Mark, d,e Gesamtbaftfumme 336 000 Mark. Oberst a. D. Kock von Giesten und Landwirt Zimmermann von Lützellinden wurden in den Aufsichtsrat gewählt. • Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen AG.. Dortmund Die Strom- abgabc der Gesellschaft stellte sich im abgclaufenen Jahr auf rund 450 Millionen Kilowattstunden; da# bedeutet gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang des Absatzes um 7.43 D. Sy Die'es Ergebnis rann im Vergleich mit dem durchschnittlich höheren Rückgang anderer Stromerzeugungsgefellfchaften als relativ befriedigend bezeichnet werden, zumal auch auf der älnkostenfeite Einsparungen vorge- nommen werden konnten. Wie WTD-HandelS- dicnft hört, sind über das vorausfichtliche finanzielle Ergebnis Angaben nodj nicht zu machen Die Bilanz werde kaum vor April oder Mai fcrttggeftellt sein. Sronffurt schwankend. Frankfurt o. M., 5. Febr. Nachdem in der gestrigen Schlustftunde des Freioerkehrs plötzlich eine recht schwache Tendenz zum Durchbruch kam, setzte der heutige Schasteroerkehr in ruhiger Ten- DieAinanzsorgen der Kommunen. Es ift kein Geheimnis der Kommunalverwaltungen. dast die städtischen Haushalte für da# Rechnungsjahr 19 31 32. da# am 31. 2HärA zu Ende gebt, mit einem erheblichen Fehlbetrag abfchliesten werden.Selbst solche Städte, wie z. B G i c st c n. die das Rechnungsjahr 1930 31 noch mit dem Ausgleich zwischen Einnahmen und Ausgaben beenden konnten, sehen sich jetzt einer Finairzlage gegenüber, die wenig erfreulich, vielfach sogar katastrophal ist DaS Derwaltungstahr der Reichs-, Staat#- und Kommunal-NotverordnungSdiktatur hat zwar — wobei erfreulicherweifc Giesten nicht mit in Betracht kommt mit mancherlei Sünden einer hemmungslolen AuSgabenwirtfchaft zur Befriedigung aller möglichen Sonderwüntche Schiust gemacht. aber doch nicht verhindern können, dast die öffentlichen Kaffen immer leerer geworden find. Die Urfachen diefes kommunalwirtfchaftlichen KrebSaanges find einerfcit# die rapide angewach- fenen Ausgaben für die WehlfahrtSerwerbSlofen und für den kommunalen Anteil an der Krifen- türforge, anderseits die stark gefchwächte Steuerkraft breiter BcvblkerungSfchichten mit steigenden Ausfällen auf dem ganzen Steuergebiet Infolge- bellen find bei ben ©cmeinben bic ReichSfSeuer- antcile um ein Viertel bi# ein Drittel und zum Teil noch mehr der zu Beginn des Haushall s- jähre# veranschlagten Summen zuräckgegangen. während die Wohlfahrtslaften etwa im gleichen Verhältnis gestiegen find. Die von der ReichS- rcgicrung mit der log Relchshilfe erzwungene Erhöhung dst selbst, verständlich, da die bisherige Gesamlsteuerlast schon so gewaltig geworden ist. dast einfach nicht# mehr herausgeprestt werben kann, im Gegenteil eine Steuererleichterung nur förderlich für die Be- mÜbungen zur DirlfchaftSbelebung wäre Per Leitgedanke einer grundlegenden Finanzreform must fein, nun endlich die kommunalen Fi. nanzen als Fundament c<*r staatlichen IeNen- bildung gründlich zu f a n i e r c n und da. bei gleichzeitig eine Entlastung de# Steuerzahler# anzustreben Dinen praltifchen Weg zur Erreichung diele# Zieles hat der Deutsche Städtetag mit seinem Vorschlag, die gesamte Erwerb#- l osenfürsorge organisatorisch in einer Hand zusammenzufasfen und die Kosten zu 50 Prozent auf da# Reich und zu je 25 Prozent auf die Cänbcr und Gemeinden um- .zulegen, gemacht. Diese# Projekt bringt zwar noch keine Entlastung der Steuerzahler, aber eS hat ben Vorteil für sich, dast die kommunalen Finanzen durch die bisher noch fehlende Inan, spritchnahme der Länder für die Zwecke der Er. werbSlosensürforge und durch die stärkere Heran- ziehung der Reichsfinanzen entlastet werden. Zur viele Städte, darunter auch für Giesten. würde die Verwirklichung diese# Projekte# die Sanierung de# kommunalen Haushalts bedeuten, da die gegenwärtige Defizitwirtfchast in diefen Kommu. neu nur von der übermäßigen Belastung durch bic WoblfahrtSerwerbSlosenfürforge herrührt. Denn nach den Vorfchlägen de# Deutfchen Städte, tage# verfahren wird, ist im Anschluß an bic Minderung der kommunalen DohlfahrlöauSgaben wohl eine Wiederbelebung der heimischen Wirtschaft durch verstärkte# Auftreten der Gemeinde al# Auftraggeber zu erwarten. die Wiedereinfchallung zahlreicher Gewerbebetriebe und Arbeiter in den Produktion#, prozest wird deren SteuerleiftungSfähigkeit ver. stärken und dadurch den kommunalen Finanzen eine Besserung verschaffen, die fich 'chliestlich wieder zum Vorteil her Steuerzahler selbst auswirken wird. Der Hessische S t ä b t c t a g und bet Deutsche Ctäbtctag sollten angesichts der besorgniserregenden Aus- fichten für die Weiterentwicklung bet kommunalen Finanzen ungefaumt unb mit aller Kraft bei den mastgebenden Stellen be# Reiche# ans die Der. wirklichung de# Reformvorfchlages des Deutfchen Städtetages bringen. AIS zweiter Weg einer verheistungsvollen Finanzreform unb Wirtfchaftsbelebung ift bic in unseren Spalten schon mehrfach angeregte produktive Verwendung der Gelo- mittcldcrArbcitslosenverfichcrung anzusehen. Nach einer Mitteilung be# Präsidenten Dr. Svrup von der ReichSanstalt für Arbeitslosenversicherung find im Jahre 1931 von der ReichSanstalt. dem Reiche unb ben Gemeinden 2973 Millionen Mark für die Arbeitslosenhilfe aufgewandt worden. Die ReichSanstalt trug dazu 1436 Millionen Mark, das Reich 801 Millionen Mark und die Gemeinden 736 Millionen Mark bei. Man wird natürlich, schon um die freie Wirtschaft nicht schwer zu schädigen, nicht von heute auf morgen die ganze Finanzkraft der Arbeitslosenhilfe der Reichsanftalt. be# Reiche# und der Gemeinden grundstürzend umstellen können. aber es sollte doch nicht unmöglich sein, wenigstens ein Viertel ober ein Drittel der gewaltigen Geldsumme für produktives Wirken bei der Schaffung von volkswirtschaftlich notwendigen Arbeiten zu verwenden. Hätte man z. D. von den rund 3 Milliarden Mark des VoriahreS nur 1 Milliarde Mark für bic Finanzierung voll#- 5 3cbruor 6. Februar MmtHdx Soiieruna itimihdtt Jloniruni m(ib 2?riel Gilb Zfrid i'rlltnflltXS . öffn . 6.444 49.95 6.456 50.05 6.474 19.95 6.486 50,05 l'lüfl . . 12.465 12.485 12.465 12.485 Kut-aprft . . 56.94 57.06 56.94 57.06 £pha . . . 3.057 3.063 3,057 3.063 t-ollanb . . 169.55 169 89 169 58 169.92 C*lo . . 79.02 79.18 78,92 79.08 Roynbaga. 80.12 80 28 79,92 80.08 ctotfbülm . 81.52 81.68 81,52 81,68 tonten 14.52 14.56 14.51 14.55 IMurno. .Irre# 1.043 1.047 1.043 1.047 Äeuaort . . < 209 4.217 4,209 4.217 fBmilel . . . 58.67 58.79 58,67 58.79 Ilalfkn. . . 21.84 21.83 21.98 22.02 ‘£am . . . 16.56 16 60 16.57 16.61 Schwflz . . 82.09 82.25 82.10 82.26 Spanten . . 33.07 33.13 32.97 33.03 Danng. . . 82.02 82.18 82.02 82.18 Sapan . . I.494 1.496 1.484 1,486 Sttv be Han.. 0,252 0.254 0.252 0,254 3ufloflarotee. 7.463 7.477 7.463 7,497 ttüaboa . . 13.24 13.26 13.24 13,26 Banknoten. Berlin, 5 ^ebr ar »tfb *rlef ämettlani'ä.r Pf. Schleiferei Heyder fließen, Lindenplatz am Wochenmarkt. KurzgefchnttteneS tadol i Achtung! ,„9 0 Achtung! sravneval mit Kavv ensitznng Samstag, den 6. Februar «mGambvinus Inh. Hch. Greilich - Frankfurter Straße ■M Bis 4 Uhr nachts geöffnet! G86B „Liebigshöhe/Jastnachi Morgen Sonntag: MavuevattMMes Konzert mit Elferrats!tzung und Büttenredner nach Meenzer Art Anfang 4.11 Uhr. Abends 8.11 Uhr: Konzert mit Tanz. Rosenmontag, nachmittags 2.61 U6r, das alljährlich beliebte (K Mfudev-Moftirmfeft mit humoristischen Einlagen nebst Grvokoßaden-Nolpttarse Fastnacht-Dienstag, Anfang 6.11 Uhr: Ge-P.es Faschlngstveiben MM in sämtlichen Räumen Für jede Veranstaltung kostet der Eintritt 50 Ps. 1 Die Musik wird ausgefnbrt von der W ötmedftfjen siimmnngs-fifliieoe Seoul Veld. 0713 Restaurant H. Dippel Lichtspielhaus -^*****7\ Gießen \ # \ Sonntag, 7. Febrnar, vormittags 11.15 Uhr 6roße ^estvorslsllung XJ^***’^ Einfühnmgs-Vortrag von Studienrat Dr. König Sankt Elisabeth in unseren Tagen Ein Film zum 700-Jahr-Jubiläum der Landgräfin Elisabeth von Thüringen Dieser Film ist ein Kulturdokument besonderer Art, weil er das Mittelalter unmittelbar in innere Beziehung zur Neuzeit stellt Musikbegleitung Gießener Regimentwkapelle die sich liebenswürdigerweise zur Verfügung stellt Eintrittspreise von M. 0.60 bis M. 1.50 Montag, den 8. Februar, nachm. 2.30 Uhr nochmalige Vorführung zu Volks-Preisen __1014 C ca. 68 cm breit, Meter 1.75 .. 68 „ 1» >1 2.20 „ 68 „ >1 U 2.40 „ 68 1» >» 2.90 „ 68 „ »1 >1 5.90 und höher