Nr. 4 Erster Matt 182. Jahrgang Mittwoch, 6. Januar 1952 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monatr-Vezugsprelr: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehe». Postscheckkonto: Sranffnrt am Main 11686. MetzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'sche Unwerfitüls-Vuch- und Ztetndruckerel H. Lange in Gießen. Zchriftlettnng und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorschrift 20°, mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot: für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Ma; Filler, sämtlich in Gießen. Vor der Tributkonferenz von Lausanne. Einigung der Bankiers aus Verlängerung des Stillhalteabkommens um ein Jahr? Besprechung in Paris. — Frankreich wünscht Verschiebung der Tributkonserenz aus den 25. Januar und bietet Moratorium bis 1934 an. Paris, 6. Jan. (IBIB. Funkspruch.) havas bestätigt, daß eine Unterredung des deutschen Botschafters mit Laval und Jtandin der Vorbereitung der Reparationskonseren; galt. Nachdem man sich, wie die Agentur behauptet, i n Berlin a u f d i e Verlängerung der eingefrorenen Kredite um ein Jahr geeinigt Hube, stehe dem Zusammentritt der Reparationskonseren; nichts mehr im Wege. Aber der 18. Januar scheine der fran;ösischen Regierung wegen der am 12. Januar beginnenden Par- lomentssitzung zu nahe ;u liegen. Da Laval persönlich an der Wiederaufnahme der Parla- mentsarbeilen teil;uuehmen wünsche, werde er Vorschlägen, die Einberufung der Rcparationskonferen; um einige läge, vielleicht bis ; um 25. I a - tuuar ; u verschieben. Die fran;ösische Regierung fei grundsätzlich geneigt, Deutschland ein Moratorium, jedoch nicht über den 1. Juli 1 934 hinaus, zu gewähren, unter der Bedingung, dah die ungeschützten Young- Annuitäten von Deutschland weitergezahlt würden, wobei Deutschland wie beim tzoovermoratorium die Möglichkeit hätte, über diese Summen in Form verbürgter Anleihen an die Reichsbahn zu verfügen. Die Schweiz als Gastland. Bundespräsident Motta wird dicHonfcrenz in Lausanne begrüßen. Bern, 5. Jan. (1DIB.) Mil der Rote vom 4. Januar 1932 haben die in Bern akkreditierten Missionschefs der an der Reparationskonferenz be- Staatspräsident Adelung bei. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Hervorzuheben ist noch die einmütige Meinung der Konserenz, dah das deutsche Volk keine Veranlassung zu weiteren Reparationszahlungen hat. Die Sozialdemokraten Hessens sind der Lleberzeugung, dah die Kriegsschäden hinreichend gedeckt sind. Diese Tleberzeugung der internationalen Welt recht deutlich und klar zum Ausdruck zu bringen, erachtet die Konferenz als ein dringendes Gebot der Stunde. Begründete Skepsis in Berlin. Zwar wachsende Unsicherheit aber noch keine Erkenntnis. Berlin, 6. Jan. (ERD.) Berliner Blätter beschäftigen sich mit den Anregungen der Depesche de Toulouse. Die „Germania" warnt davor, in den jüngsten französischen Pressestimmen zu der Reparationsfrage bereits die Einleitung zu einem bevor st ehenden Umfall der französischen Regierung zu sehen. Die Tatsache aber, dah die. mutigen Feststellungen der südfranzösischen Provinzzeitung einen so starken Sturm in der Pariser Presse erregen konnten, sei ein Beweis für die st e i g e n d e U n s i ch e rhei t, in der man sich heute in Frankreich gegenüber dem politischen Schuldenproblem befinde. Die durch Frankreichs Hartnäckigkeit verschuldete amerikanische Haltung in der Schuldenfrage werfe die grohe Frage auf, was mit den eigenen Schulden werden solle. — Das ,,D. T." meint mit Bezug auf den „Temp s", in dieser Stunde kritischster Zuspitzung von der „W ahrung derPrinzipien" zu reden, heiße den politischen Bureau- kratismus ad absurdum führen. Dah Deutschland, wenn es der Reparationen ledig wäre, „alle übrigen politischen Ansprüche" anmelden würde, sei eine matte Ausflucht. Wolle man unter diesem Gesichtswinkel handeln, so würde es n i e zu einer Derständigung kommen. — Der „T a g" nennt den Artikel der Depesche de Toulouse „nur einen Entlastungsvorstoß für die deutsche Linke". Die mahgebenden Kreise in Frankreich hielten zäh an ihrer alten These fest: Rettung des Poung planes um jeden Preis, eine möglichst kurzfristige Dehelsslösung, die die Weiterzahlung des ungeschützten Kreditanteils und dessen Rückerstattung an die so zu überschuldende Reichsbahn vorsehe. Die anderwärts wachsende Einsicht über die wirtschaftliche Schädlichkeit der Tribute sei jedenfalls in Frankreich noch nicht verbreitet, zumal man ja dort in den Tributen vor allem ein politischesDruckmittel sehe. Ein englisch-skandinavisches Mris-aftsbimdnis? Gemeinsame Besprechungen der nordischen Mächte und der Vertragspartner des Osloer Abkommens. - Enge Fühlungnahme mit England. leiliglen Staaten dem Bundesrat mil- geteilt, dah ihre Regierungen wünschen, d i e Heparatlonsfonferen; in Lausanne abha11 en zu können. Der Bundesrat hat beschlossen, diesem Wunsche stattzugeben. Lr hat das politische Departement beauftragt, den Gesandtschaften von diesem Enlschluh Kenntnis zu geben. Der Bundespräsident wird zur Lr- ossnungssitzung zur Begrünung der Delegationen der an der Konferenz beteiligten Staaten anwesend sein. Die Konferenz wird dem vernehmen nach ihre Sitzungen im Schlohhotel in Ouchy am Genfer See abhalten. Dort tagte 1923 , die Friedenskonferenz der Weflmächle und der Türkei. Wan rechnet mit etwa 300 Delegierten und zahlreichen Preffeverlrelern. Zum Generalsekretär der Konferenz wird voraussichtlich der Sekretär des englischen Kabinetts Sir Waurice hankey bestellt werden. Hanken hat bereits auf früheren internationalen Konferenzen, so in London und im Haag ähnliche Posten bekleidet Die an der Tributkonserenz teilnehmenden Regierungen haben sich mit der Wahl hankeys einverstanden erklärt. Der „Temps" moralisiert. Heftige Polemik gegen den Vorschlag die Reparationen zn streichen. Paris 5 Jan. (WTB) Zu dem Vorschlag der .Löpeche de Toulouse", die Reparationszahlungen ,;u streichen, äußert sich der „Temp s" im ablehnenden Sinne. Das Blatt fragt: Würde eine Annullierung der Reparationszahlungen die Annullierung der amerikanischen Gläubigeransprüche zur Folge haben? Wie die kürzlichen Beschlüsse dos Washingtoner Kongreßes gezeigt hätten, würde eine Schuldenannullierung durch Amerika gegenwärtig nicht freiwillig zugestanden werden. Sie könnte sich nur aus Dem eindeutigen Willen der europäischen Schuldnerstaaten ergeben. Eine Streichung der Reparationsschulden würde jede kommer- j z i e l l e Unmoral sanktionieren, die vielleicht das bestimmende Element der jetzigen Krise fei. Es stehe nicht so sehr das Interesse Frankreichs auf dem Spiel, das das in feinem Budget entstehende Loch ausfüllen könnte, sondern vielmehr das Interesse Europas und besonders Deutschlands. Ein Sieg Deutschlands in der Iributfrage würde Deutschland nur ermutigen, neue Forderungen oorzubringen. Die Annullierung der deutschen Zahlungen würde ein Verbrechen gegen die Achtung derVer- t träge darstcllen, die als die Grundlage der westlichen Zivilisation angesehen werden müßten. Der Poungplan sei weder ein Diktat noch I ein Tribut. In normalen Zeiten fei feine A n - mcndung nur gerecht. Es müsse außerdem als ein Symbol nichr der Unterdrückung des deutschen Volkes, sondern der Ehrfurcht, die . man der Zivilisation schuldig sei, erhalten !?> bleiben. Oie hessische Sozialdemokratie gegen weitere Tributzahlungen. Frankfurt a.M., 5.Jan. (WSR.) Am - 2. Januar tagten die hessischen Landespartei- * Instanzen der Sozialdemokratischen Partei in Frankfurt, um ' zu den aktuellen Tagesfragen Stellung zu nehmen. Der Konferenz wohnte auch Kopenhagen, 5. Jan. (121.) Die skandinavischen Außenminister werden Wittwoch hier währungs- und handelspolitische Fragen erörtern. Die Annahme der Londoner „Financial Times", daß dieser Kopenhagener Besprechung sofort eine englisch - skandinavische Währungskonferenz in London folgen werde, wird an maßgebender dänischer Stelle als unzutreffend bezeichnet. Zunächst steht aber fest, dah die Außenminister der zum Osloer Abkommen gehörenden Staaten, also Dänemark, Schweden, Norwegen, Holland, Belgien und die Schwei; unmittelbar vor den großen polnischen Konferen;en oder während dieser konseren;en gemeinsame Besprechungen ;ollpotitischer Art abhalten werden. Die Stockholmer Abendpresse vertritt den Standpunkt, daß die Kopenhagener Besprechung ein Wirtschaftsbündnis ; wifchen England und Skandinavien vorbereiten soll. Angeblich soll eine gemeinsame Währungsfront zwischen England und den nordischen Ländern gebildet werden. Diese Annahme fußt auf der Tatfache, daß sowohl England als auch die drei skandinavischen Länder den Goldstandard in ungefähr gleichem Waße verlasfen haben. Außerdem sei England der wichtig st e Ausfuhrabnehmer der drei Nordländer. Anderseits ist die wirtschaftliche Struktur der skandinavischen Länder recht verschieden, so daß bisher alle Pläne zur Wiedererrichtung der Wünzunion bisher gescheitert sind. Die Wirtschastsdepression meldet sich auch in Frankreich. Rückgang des Außenhandels. — Wachsende Erwerbslosigkeit. — Preiszusammenbruch und Bankenkrisis. — Oeffentliche Gelder sür Arbeitsbeschaffung. Von unserem Pariser D-Korrespondenten. Die Zeiten haben sich geändert — und mit ihnen die Verhältnisse in Frankreich. Cs ist längst nicht mehr alles so herrlich, wie e£ noch vor Jahresfrist der Fall war. Zwar haben sich die Goldvorräte der Dank von Frankreich gehäuft, aber was nützt das Gold in französischen Tresoren, wenn andere Völker französische Waren nicht mehr tau« f e n können, wenn sich die Fremden außerstande sehen, französische Bäder oder die französische Hauptstadt zu besuchen? Alles klagt über schlechte Zeiten: die Wirtschaft, der Handel, die Verkehrs- Unternehmungen, das Gastwirtsgewerbe, die Fremdenindustrie und nicht zuletzt die Masse der Arbeitnehmer, aus der sich immer größere Gruppen von Erwerbslosen herausschälen, während die Zahl der Kurzarbeiter bereits ein Drittel aller Lohn- und Gehaltsem pfänger umfaßt. Das klingt unglaublich, galt doch Frankreich bisher als die Insel der Glücklichen, die auf das beste gegen äußere Feinde gewappnet und gegen ein llcbergreifcn der Weltwirtschaftskrise gesichert sei. Die Verfechter dieser These müssen sich mit dem Timlernen beeilen. Frankreichs Industrie ist in einen Schrumpfungsprozeß eingelreten, dessen Umfang sich am besten an Hand von Ziffern aus der Eisenindustrie ermessen läßt. Rur fünfzig Prozent der Leistungsfähigkeit der Betriebe ist ausgenutzt und wäre es noch nicht, wenn nicht der Staat ständig Aufträge vergeben würde. Die Kohlenwirtschaft leidet unter schlechtem Absatz, die Textilindustrie hat sich emp- findlichen Produktionsbeschränkungen unterwerfen muffen. Bei der Automobilindustrie wie überhaupt in allen anderen Wirtschaftszweigen sieht es nicht besser aus. Die Ausfuhr ist in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres um zehn Milliarden Franken oder dreißig Prozent, die Einfuhr um sieben Milliarden oder fünfzehn Prozent zurückgegangen. Hand in Hand damit geht ein erheblicher Preiszusammenbruch und eine Verminderung der Gewinnquoten sowie eine Unterbetoer- tung der Aktien. Vorsichtige Sparer — und welcher Franzose ist in Gelddingcn nicht besonders vorsichtig und ängstlich — lösen schon feit dem Frühjahr ihre Konten auf. Die Danken helfen sich zunächst noch mit der Zurückziehung ihrer Auslandguthaben, sollen aber amPfund- st u rz insgesamt nicht weniger als z w ö l f M i l- liarben Franken verloren haben. Pessimisten rechnen mit einer Dankenkrise Anfang dieses Jahres und mit einem allgemeinen Schalterschluß. Ob sie Recht haben werden, ist abzuwarten. Die Regierung macht jedenfalls mächtige Anstrengungen, um das Abrutschen der Wirtschaft aufzuhalten. Während die französische Presse erneut Deutschland mit dem Vorwurf bearbeitet, dah es öffentliche Mittel für 'Bauten aller Art ausgewvr- fen habe, macht die französische Regierung jetzt einen Milliardenkredit nach dem anderen zur Durchführung von Arbeitsbeschaffungsprogrammen und zur Abdeckung der Defizite bei den Eisenbahnen und Schiffahrtsgesellschaften flüssig. Deutsche Methoden gelangen also zur Anwendung, dazu noch in ganz anderem Umfang, um die Zahl der Erwerbslosen nicht größer werden zu lassen. Rur die Erkenntnis, daß auch im Zusammenleben der Völker eine Hand die andere wäscht, daß sich dasjenige Volk schädigt, das dem Rachbarvolk Schaden zufügt, ist den Franzosen noch nicht aufgegangen. Auch sie werden wohl oder übel heftige Spritzer der Weltwirtschaftskrise noch abbekommen, wenn es auch unbestreitbar ist. dah sic noch gewaltigeRcserven hinter sich haben, um sich gegen eine Depression, wie sie in Deutschland herrscht, bewahren zu können. England zeigt den Indern den Union Iack. Vorbereitungen zum neuen Ungchorjamlcils-Fcld'ug. Bombay, 5 Jan. (TU.) Das englische Militär in Indien entwickelt angesichts der gespannten Lage eine verschärfte Tätigkeit, um Ausschreitungen von vornherein zu verhindern. Da- Flaggschiff „Effingham" setzte in Chittagong eine Abteilung Matrosen und ein Schiffsgeschütz an Land. Es folgte ein Marsch durch d i e Straßen der Stadt, an dem auch Mannschaften der englisch-indischen Armee und Polizei teilnahmen. Ein schottisches Bataillon setzte sich am Dienstagabend von Poona nach Shola - p u r in Marsch, um von dort aus einen großen Marsch durch die am dichtesten bevölkerten Gebiete auszuführen und die englische Flagge zu zeigen. Der neue Präsident des Allindischen Kongresses Dr. Ansari, der Rachfolger Patels und Prafads, ist nach fünf Stunden Amts- zeit ebenfalls verhaftet worden. In Bombay wurden 10 000 Kongrehfreiwillige in die Listen eingetragen. Für den Fall, dah jeden Tag ein Kriegsrat verhaftet werden sollte, sind bereits 60 „Kriegsräte" gebildet worden, so dah die Kriegsräte mindestens für zwei Monate reichen. Propaganda für die Boykottierung der britischen Schiffahrt und der britischen Versicherungen, sowie die Verhinderung der Goldausfuhr und die ungesetzliche Erzeugung von Salz sind in den Richtlinien des Ausschusses vorgesehen. Der Kongreh hat zwei Krankenhäuser mit 450 Betten zur Aufnahme von Opfern des Feldzuges eingerichtet, damit feine Anhänger nicht auf die Pflege der Regicrungslrankenhäuser angewiesen sind. Die Polizei hat jede Ansammlung von sieben oder mehr Personen in den Straßen für drei Tage verboten. Jetzt machen Schulknaben den Versuch, zum Streik aufzurufen und verkünden unter Trommelschlag den Streik, der eine Woche dauern soll. Sechs Kinder sind in Gewahrsam genommen worden. Wie erinnerlich, begannen die Unruhen vom letzten April ebenfalls mit Kundgebungen von Kindern. Unter dem Schuh der Polizei wurde die britische Flagge auf b e m Gebäude deS AllindischenKongressesfeierlichge- h i ß t, was die Inbesitznahme des Gebäudes durch die Regierung anzeigen soll. Vier Kongreßführer wurden verhaftet. Die Zahl der in Bombay verhafteten Personen beträgt zur Zeit 40, darunter neun Frauen. Die Lage hat sich infolge der Einführung der Polizeistunde etwas entspannt. Die Polizei steht in Alarmbereitschaft. Der Christusorden für den König von Italien. Acußcrlichc Besiegelung der Aussöhnung zwischen Vatikan und Quirinal. R o m, 5. Jan. (TU.) Der König von Italien empsing am Dienstag den päpstlichen Run- tius, der ihm die Kette zum Christus- o r d e n überreichte, mit dem der Papst den König ausgezeichnet hat. Die Insignien des Christusordens werden dem Kronprinzen in den nächsten Tagen übergeben werden. Der Christusorden ist 1317 von Papst Johann XXII. gegründet worden, einige Jahre nach der Aushebung des Ordens der Tempelherren. die 1312 erfolgte. Die Satzungen des Christusordens wurden 1878 von Papst Pius IX. erneuert, der den Orden zur höchsten Auszeichnung des Heiligen Stuhls erhöhte. Seit 1878 ist der Christusorden bisher nur 14 mal an Fürstlichkeiten und hohe Persönlichkeiten verliehen worden. Seit 1920 wurden damit ausgezeichnet: Prinz Johann Schönburg-Hartenstein (Oesterreich). Fürst Ruspoli-Rom, Prinz Felix von Bourbon-Luxemburg, ferner der Brasilianer Vilva della Epitacio. und im Jahre 1928 der Präsident der Republik Peru. Leguia. Die römische Presse beleuchtet die außergewöhnliche Bedeutung dieser Auszeichnung, von der man bereits anläßlich des Abschlusses der Lateran-Verträge gesprochen hatte, und erinnerte daran, daß Leo XIII. Bismarck als einzigen Deutschen im Jahre 1887 diese Auszeichnung zuteil werden ließ. Anlaß dazu war der zwischen Deutschland und Spanien entstandene Streit um die Korolinen-Jnseln. zu dessen Schlichtung Bismarck den päpstlichen Schiedsspruch vorgeschlagen und auch zugestanden erhalten hatte. Obwohl der Schiedsspruch Deutschland weniger günstig war als Spanien. schrieb Bismarck damals an Leo XIII. einen Brief, in dem er die souveräne Stellung des Papstes durch die Anrede Sire anerkannte, was den eigentlichen Anstoß zu der Verleihung des höchsten päpstlichen Ordens an Bismarck gegeben haben soll. Teilstreiks in Berlin. Berlin, 5. Jan. (CRD.) Unter dem Einfluß der RGO. waren in einigen Berliner Werken Teilstreiks gegen den Lohnabbau auf Grund der Rotverordnung ausgebrochen. Die Bewegung hat indessen keine weitere nennenswerte Ausdehnung erfahren. Immerhin flackerten an einigen Stellen kleine Streiks auf, während in mehreren anderen Betrieben bereits wieder gearbeitet wird. Zwischen Streikagita- toren und Polizeibcamten kam es zu Zusammen- stöhen. Als Polizeibeamte in der Sickingstrabe versuchten, mehrere Zettelantleber festzunehmen, ergriffen diese die Flucht und gaben auf die Beamten mehrere Schüsse ab, die jedoch fehlgingen. Es gelang den Tätern zu entkommen. Zusammenbruch der kommunistischen Streikbewegung im Ruhrgebiet. Essen, 5. Jan. (TU.) Im Bezirk des Essener Polizeipräsidiums ist die Nacht zum Dienstag überall ruhig verlaufen. Nach einer Mitteilung des Polizeipräsidenten von Recklinghausen haben es die Kommunisten für ratsam gehalten, ihre nur von einem verschwindend kleinen Teil der Belegschaft des Ruhrbergbaues befolgte Streikparole am Dienstag früh durch Boten abzublasen. Wohl wurden noch einzelne Polizeibeamte angegriffen, doch blieb die Polizei Herr der Lage. Am Dienstag früh wurde eine Höllenmaschine gefunden, deren Inhalt noch untersucht wird. Im ganzen rheinischwestfälischen Industriegebiet wird nur noch auf der Zeche „Diergardt" gestreikt. Hier sind von 637 Mann Belegschaft 137 nicht zur Arbeit erschienen. Im Bezirk des Polizeipräsidiums Oberhausen ist von der ganzen kommunistischen Unternehmung überhaupt nichts mehr zu spüren. Nach den aus dem ganzen Bezirk vorliegenden Meldungen kann somit von einem völligen Zusammenbruch der kommunistischen Bewegung gesprochen werden. Nach dem völligen Scheitern ihrer Streikhetze bemühen sich die Kommunisten nach Kräften auf andere Weise zu demonstrieren und herauszufordern. Verschiedene junge Leute, die Kränze mit sich führten, bildeten einen Zug um eine Begräbnisfeier v o rz u tä u s ch e n. Die mit großen roten Schleifen umwundenen Kränze und die Art des Aufmarsches verrieten jedoch deutlich die wahre Absicht dieses Kundgeberzuges, so daß die Polizei den Zug auflöste. Infolge des Widerstandes, den sie dabei fand, wurden 19 junge Burschen festgenommen. ten, die aus dem Zusammenhang mit der alten Verwaltung gerissen werde. Der Reichsverkehrsminister betonte, daß die heutige finanzielle Lage dazu zwinge, sich nicht mit vorläufigen Zwischenlösungen aufzuhalten, sondern unverzüglich die endgültige Organisation s f o r m der Reichswasserstraßenverwaltung zu schaffen. Es sei für eine geordnete Verwaltung unumgänglich, daß das Reich die Verfügung über das Personal erhalte. Zur Klärung der grundsätzlichen Frage wird der Reichsverkehrsminister dem- nächst die zuständigen Länderminister zu einer persönlichen Aussprache bitten. Das Zentrum und die politische Zukunft. Oie Voraussetzung für eine Koalition mit der NSDAP. Ausblick auf die Frühjahrswahlen. Keine Partei vo ausjjchilich die absolute Mehrheit. Mainz, 5. Jan. ($11.) 3m „Mainzer Journal", dem Mainzer Zentrumsblatt, veröffentlicht der Vorsitzende der hessischen Zentrumspartei, Rechtsanwalt Dr. B o ck i u s, M. d. R., einen Artikel „3m 3ahre 1932 hinter Brüning". Cs heißt darin: „Soweit es an uns liegt in Deutschland, müssen wir geschlossen auftreten. Das heißt aber nichts anderes, als daß das ganze deutsche Volk sichtbar und offen hinter den verantwortlichen Staatsmann, den Kanzler und Außenminister Brüning zu treten hat. Das ist das Gebot der Schicksalsstunde Deutschlands im Anfang des 3ahres 1932. Deshalb ergäbe sich für uns in Hessen daraus auch die Konsequenz, daß wir von jeder Partei, die mit uns in eine Regierung treten will, verlangen müssen, daß in Deutschland nur eine Außenpolitik gilt, die Außenpolitik der Reichsregierung Brüning, die im Reichsrat unterstützt werden muß. Wir stehen vor Wahlen in Preußen und vor der Reichspräfidentenwahl ebenfalls in diesem Schicksalsjahr. Niemand kennt den Ausgang dieser Wahlen. Soviel jedoch erscheint als sicher: 3n den nächsten 3ahren wird keine Partei die absolute Mehrheit erhalten. Dies haben die Hessenwahlen gezeigt. Es wird im übrigen Deutschen Reich genau so sein, weil der katholische Dolksteil dem Zentrum die Treue hält, wenn auch alle Parteien rechts von ihm zerschlagen werden sollten. Nach allenWahlenwird dasZentrummit- regieren müssen. Mit dem Zentrum kann man jedoch nur verantwortlich regieren und auch wohl auf weite Sicht hinaus nicht ohne Brüning, dem gegenwärtigen Exponenten des Zentrums. Auch die Nationalsozialisten, die danach nicht dazu kommen werden, auf Grund von Wahlen in Deutschland allein zu regieren, müssen sich eventuell einmal entscheiden, vom Regieren sich dauernd fernzuhalten oder völlig verantwortlich zu arbeiten, also umju< lernen, wie es vor ihnen schon so viele andere Parteien tun mußten. Vielleicht könnten sie in der Zukunft einmal als eine Zusammenfassung einer Rechten in einer Verantwortung eine geschichtliche Bedeutung im aufbauenden Sinne erhalten, die sie bis jetzt nicht haben. Das wäre allerdings eine Zeit, wo SS. und SA. neben den gesetzlichen Machtmitteln des Staates aufgehört hätten zu bestehen." Die Reichswasserstraßenverwaltung. Verhandlungen mit den Ländern. B e r l i n, 5. Ian. (WTB ) Die L ä n d e r k o n f e- r e n z über die Reichswasserstraßenverwaltung wurde von Reisverkehrsminister Treoiranus mit einer Rede eingeleitet, in der er nochmals auf die Erwägungen hinwies, die die Reichsregierung veranlaßt haben, den Staatsvertrag von 1921 zum 1. April d. I. zu kündigen und die Entscheidung der Frage, ob rcichseigene Wasser st raßen- behörden geschaffen werden sollen, im positiven Sinne zu treffen. Die Reichsregierung bitte die Länderregierungen, sich nun auch auf den Boden dieser Tatsache zu stellen und sei durchaus bereit, die Durchführung ihres Beschlusses in engster Füh- lungnahme und Abwägung aller praktischen An- regungen zu verfolgen. Insbesondere werde diese Zusammenarbeit bei der Grenzziehung zwi- schen der Wasserstraßenverwaltung des Reiches und der'Länderwasserwirtschaft notwendig und nützlich fein. Die Reichsregierung habe Vorschläge gemacht, in denen sie keine Verfassungsänderung erblicke. Tatsächlich erfolge der Einsatz der beträchtlichen Reichsmittel nur in geringem Maße für Verkehrszwecke, im wesentlichen für d i e allgemeine Durchführung geordneter Vor- flut. Der Minister warnte vor dem gelegentlich aufgetauchten Gedanken einer Parallelorga- n i f a t i o n der Länder zur Wahrung ihrer Sonder- interessen an den Reichswasserftraßen. Namens der Wasserstraßenländer erklärte der preußische Staatssekretär Krüger, es sei zu befürchten, daß durch die geplante Neuregelung im Gesamthaushalt von Reich und Ländern keine Ersparnisse, sondern Mehraufwendungen entständen. Mit Ausnahme der Hansestädte hätten alle Länder gegen die Pläne des Reichsverkehrsministers das Bedenken, daß sie eine organische Reichsoerwaltungs- reform gefährdeten, weil sie wieder eine Sonderoerwaltung schaffen wolk- Erste Todesopfer des Hochwassers. Die überschwemmte Fluhbadeanstalt von Niederwiesa im Zschopautal bei Ehemnitz. G o-s l a r, 5. 3an. (TU.) Das Hochwasser des Krumbaches hat viele Brücken fortgeschwemmt. Der Schaden an den Grundstücken ist noch nicht zu übersehen. Der reißende Dach brachte Holz, Tannen mit Wurzeln und Zweigen au Tal. Der Dahnverkehr nach Goslar ist, da die Schuhmauer des Bahnkörpers bedroht wird, sehr erschwert. Ein Mühlenbesitzer er- Deutschland in Zahlen. Interessante Ergebnisse der Statistik. Von Or. Erwin Krug. Glück und Leid ist Mafsenware. Die persönlichsten Dinge, die Erlebnisse, von denen jeder glaubt, daß nur er sie hat, wiederholen sich tausendfach. Sie können zusammengezählt und zu Statistiken vereinigt werden. Aus den dürren Zahlenkolonnen kann man dann ablesen, wie das Leben des Volkes, das ja aus den Millionen Lebensschicksalen einzelner Menschen besteht, im letzten 3ahr oder im letzten halben 3ahrhundert verlaufen ist. Einen solchen Einblick in das Leben des deutschen Volkes erhält man, wenn man das Statistische 3ahrbuch für das Deutsche Reich durchblättert, das nun zum fünfzigsten Mal erscheint. 65 Millionen Menschen sind im 3ahre 1930 von der Statistik erfaßt worden, etwa 350 000 mehr als im vorangegangenen 3ahr, denn um diese Ziffer ist die deutsche Bevölkerung im Laufe eines 3ahres gestiegen. Von der Wiege bis zum Grabe begleiten wir nun diese 65 Millionen Menschen durch ihr Leben, das selbst dort zum Massenschicksal wird, wo ein seltenes Ereignis vortzefallen zu sein scheint. Nur einmal sind im 3ahre 1929 Vierlinge geboren worden, nämlich vier Mädchen. Doch in jedem 3ahr werden Vierlinge geboren, und die Zahlen Weichen nicht sehr voneinander ab. 3m 3ahre 1929 wurden in 126 Fällen Drillinge geboren, achtunddreißigmal drei Knaben, vierunddreißigmal zwei Knaben und ein Mädchen, fünfundzwanzigmal ein Knabe und zwei Mädchen und neunundzwanzigmal drei Mädchen. Mit großer Regelmäßigkeit kehren diese Drillingsgeburten in ungefähr der gleichen Zahl 3ahr für 3ahr in Deutschland wieder. Dieselbe Vaterfreude, dieselben Sorgen um die plötzlich allzu sehr vergrößerte Familie wiederholen sich. Ob jemand früh oder spät heiratet, scheint sein individuelles Schicksal zu sein. Aber auch dieser Schein trügt, denn das Heiratsalter richtet sich danach, ob jemand eine Familie ernähren kann, und ob dieser Zeitpunkt früh oder spät eintritt, hängt weniger vom Einzelnen als von der Gesamtentwicklung ab. Durchschnittlich ist das Heiratsalter heraufgerückt. Dor zwanzig Jahren heiratete der junge Mann zwischen dem 24. und dem 32. 3ahr, am häufigsten aber mit siebenundzwanzig 3ahren. 3m 3ahre 1929 heirateten die meisten jungen Männer zwischen dem fünsund- zwanzigsten und dem fünfunddreißigsten, ganz besonders häufig aber im einunddreihigsten 3ahr. Demgegenüber will es nichts besagen, daß von tausend jungen Männern von neunzehn 3ahren vor dem Krieg nur einer und jetzt drei zum Standesamt gegangen sind. Das hängt weniger mit wirtschaftlichen Erwägungen als damit zusammen, daß man sich heute schneller vom Elternhaus löst. Bei den jungen Mädchen hat die Heiratslust zu allen Zeiten zum gleichen Termin begonnen, nämlich zum ersten möglichen Termin. Schon mit sechzehn 3ahren mußten damals wie heute anderthalb pro Mille von ihnen unter die Haube gebracht werden. Aber die eigentliche Heiratszeit lag für das junge Mädchen früher zwischen dem einundzwanzigsten und dem dreißigsten 3ahr, unter Bevorzugung des vierundzwan- zigsten 3ahres. Heute hat sich das Heiratsalter um ein 3ahr erhöht, es endet aber trotzdem bei dem dreißigsten 3ahr. Deshalb soll man nicht verzweifeln, denn noch immer finden drei Prozent der ledigen Frauen zwischen dem vierzigsten und dem fünfzigsten 3ahr einen Mann. Daß sich jemand spät verheiratet, ist also selten, aber doch kein Zufall, sondern eine regelmäßig wieder kehrende Tatsache. 5 62 000 Ehen wurden im 3ahre 1930 geschlossen, 28 000 weniger als im vorangegangenen 3ahr. Wer heiratet, braucht eine Wohnung. Zweieinviertel Millionen neue Wohnungen wurden von 1919—1930 in Deutschland gebaut, davon etwa 700 000 Wohnungen in den Großstädten mit mehr als hunderttausend Einwohnern, in Berlin allein hundertfünfzigtausend, und fünf- hundertsünfundsiebzigtausend Wohnungen in den Gemeinden unter zweitausend Einwohnern. 3n den Mittelstädten hat man weit weniger Neubauten errichtet. 3nsgesamt gibt es in Deutschland über sechzehn Millionen Alt- und Neubauwohnungen. 3m 3ahre 1930 wurden dreihundert- zehntausend Wohnungen gebaut, aber es wurde schon gesagt, daß fünshunoertzweiundsechzig- tausend Ehen geschlossen wurden. Die wirtschaftlichen Angaben der amtlichen deutschen Statistik sind in dieser Zeit überhaupt nicht geeignet, viel Freude zu erregen. Dennoch muß man sie studieren, und man wird dabei manches entdecken, was man vorher nicht wußte. Daß von den 15 500 Konkursverfahren des 3ahres 1930 allein siebentausend auf das Handelsgewerbe, und davon wieder fünstausend- fünfhundert auf den Einzelhandel entfielen, daß außerdem die Vergleichsverfahren in einem 3ahr um mehr als zweitausend auf weit über siebentausend gestiegen sind, ist lehrreich genug. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, daß im 3ahre 1930 trotz Lohnabbau dreihundertfünfundvierzig Streiks stattfanden, gegen vierhunderteinunddreißig im 3ahre 1929 und gegen siebenhundertneunundfünfzig im 3ahre 1927, denen sogar eintausendsechshundertvierzehn Streiks im 3ahre 1924 gegenüberstanden. Das Heer der Erwerbslosen drückt auf die Streikstimmung. Alles, was vorgeht, wird in Ziffern erfaßt, ob es sich nun darum handelt, wieviel Aecker mit Weizen oder Roggen bebaut werden, ob der Bestand an Pferden, Rindern, Schweinen oder Schafen festgestellt wird, oder ob man ermittelt, welche Werte die Fischer aus dem Meere ziehen. Gerade das ist übrigens sehr interessant. Unter den 2 362 000 D oppelzent- nern Fischen, die im Nordseegebiet gefangen wurden, gab es im 3ahre 1930 etwa vierzehn» tausendsünshundert Haifische. Nicht weniger als zweihundertfünfundachtzig Doppelzentner Hummer wurden aus der Nordsee geholt, und dazu noch einhunderteinundvierzigtausend Doppelzentner Krabben. Die amtliche Statistik verkündet, daß unter anderen Seetieren auch Delphine in der Nordsee und sogar in der Ostsee gefangen worden sein sollen. Das letzte Wort haben in dieser Beziehung wohl die Naturwissenschaftler zu sprechen. Daß die Wirtschaftskrise die geistige Arbeit nicht lahmgelegt hat, beweist die Tatsache, daß im 3ahre 1930 über 22 000 Neuerscheinungen im Buchh andel zu verzeichnen gewesen sind Der Durchschnittspreis eines Buches war 6,25 Mark. Weit billiger sind freilich die dreitausendzweihundertfünfzig Neuerscheinungen der schönen Literatur, deren Durchschnittspreis dein modern gewordenen Serienpreis genau entspricht: er ist nämlich 2,85 Mark. Am teuersten sind Kunstbücher mit einem Durchschnittspreis von 32,80 Mark. „Zahlen beweisen" — man soll sie nicht als langweilig beiseiteschieben. Als die Königin Aefreiete herrschte. Zu T e l - e l - A m a r n a, der einstigen „Stadt der Sonne", die der ägyptische „Keherkönig" Echnaton geschaffen hat. etwa 300 Kilometer südlich von Kairo, werden jetzt Grabungen von der Aeghptischen Ausgrabungs - Gesellschaft vorgenommen. Bekanntlich haben die deutschen Ausgrabungen vor dem Kriege die Bedeutung dieser Kultstätte erwiesen, und einige der größten Schätze der Berliner Sammlungen stammen von trank in den Fluten, da die Drücke, auf der er mit mehreren Perfoiien stand, von dem Strom fortgerissen wurde. Die übrigen Personen konnten sich retten. Die Leiche wurde inzwischen .geborgen. Der L e e r b a ch bildet am Unterdorf bei Wildemann einen großen See. 3n Goslar selbst haben die Greiswerke schwer unter dem Hochwasser der Gose zu leiden. Das Mauerwerk der Fabrik muhte mit Sandsäcken geschützt werden. Teilweise sind die Dacksteinmauern unterspült. Das Gebäude der Greifwerke ist abgestützt worden. 3n Eilenburg überraschte das Hochwasser die Dewohner des Schützenhauses, die mit Kähnen in Sicherheit gebracht werden muhten. Die Deutsche Zelluloidfabrik und die Kattunmanufaktur mußten die ganze Delegschast wieder heimschicken, weil wegen der Ueberschwemmung nicht gearbeitet werden kann. Die Feuerwehr legt einen Notdamm an, um die Hintere Stadt gegen das Wasser zu schützen, denn an einigen Stellen steht das Wasser schon bis an die Dammkrone, so daß jeden Augenblick mit einer Heber» flutung gerechnet werden muh. lleberflutet find auch die Dörfer Kollau und Kanih, sowie Teile des Dorfes Groitzsch. -Auch in dem höher gelegenen Wedelwitz steht das Wasser bereits in den tiefer gelegenen Häusern. 3n Flöha und Erdmannsdorf in Sachsen sind Damm- brüche eingetreten. Zur Schließung der Durchbruchsstellen wurde die Technische Nothilfe Chemnitz eingesetzt. Infolge der schnellen Schneeschmelze und der Regengüsse der letzten Tage führen die Flüsse im ganzen Kasseler Bezirk Hochwasser. Die Weser ist verschiedentlich über die Ufer getreten und hat die Niederungen kilometerweit überschwemmt. Das ganze Bad Eilsen steht unter Wasser; der Kurpark gleicht einem See. Im ganzen Meißner- gebiet hat das durch die Schneeschmelze hervorgerufene Hochwasser beträchtlichen Schaden angerichtet. Im Dorfe Harmuthsachsen wurde ein Knabe von den hochgehenden Fluten fort- gerissen und ertra nt. Die schnelle Schnee- schmelze auf dem Westerwald und der warme Regen haben ein schnelles Steigen der Lahn und der Dill verursacht, die beide Hochwasser führen und an verschiedenen Stellen bereits aus den Ufern getreten find. Die beiden Wehre bei Limburg sind schon nahezu überflutet. Der starke Sturm, der gleichzeitig mit dem Regen einfetzte, hat in den Wäldern des Westerwaldes großen Schaden angerichtet. Die Erhöhung der Umsatzsteuer. iE. Det ehe°^ dl wrf, Ls*’* per W'”‘ üllyn 1** Meine polii Bi 6» *’ |l nntag, dm Jude", wegen De Iss der Derö Litot Dr. Zech Klung der M E in der er s e Lchlin sei ein ü« fejantifaW# nnnn der Soziald« mictung. zursu KMn leinen ent jeogen Sonntag tou । entgegen Aachnc ijarsahrens gegen ß temer Dokuments, l Mutiger Stelle, M lergefjL 0 $11 “ nnt) den 1 fes: Die Phasenpauschalierung vorerst nur bei der Textilindustrie. Berlin, 5. 3an. (DDZ.) Wie von unterrichteter Stelle mitgeteilt wird, ist mit dem Erlaß einer Novelle zu den Durchführungsbestimmungen der Umsatzsteuer wegen der erhöhten Umsatzsteuer noch im Lause des 3anuar zu rechnen. Voraussichtlich werden in der gleichen Zeit auch die Durchführungsbestimmungen zur Ausgleichssteuer erlassen werden, wobei es sich umdieumsahfteuerlicheErfafsungder Einfuhr handelt. Dagegen dürfte noch geraume Zeit vergehen, eh« die von allen beteiligten Gewerbekreisen gewünschte und in der Reichsnotverordnung auch vorgesehene Phasenpauschalierung bei der Umsatzsteuer wirksam werden kann. Es schwer ben in dieser Angelegenheit vorerst Verhandlungen zwischen dem Reichsfinanzministerium und der Textilindustrie. Man hat sich diesen einen für die Phasenpauschalierung in Frage kommenden Gewerbezweig ausgewählt, um erst einmal an ihm in der Praxis die Wirkung der Phasenpauschalierung beobachten zu können. Der früheste Termin für die Einführung der Phasnchauschalierung bei den Waren der Tertilindustrie werde aber dennoch nur der 1.April d. 3. sein können, da die Erörterungen außerordentlich kompliziert und zeitraubend seien. dort, darunter auch die weltberühmte Büste der Königin Refretete, der Gattin des Ketzerkönigs. Bei den neuesten Grabungen sind nun allerlei interessante Entdeckungen aus der Umwelt dieser Herrscherin gemacht worden, über die der Leiter der Arbeiten, 3. D. S. Pendel- burh im „Daily Telegraph" berichtet. Zunächst wurde jener große Teil der Stadt freigelegt, der unter dem Namen „Nord-Vorstadt" bekannt ist. Dieser Stadtteil war gerade im Entstehen, als Amarna von dem Nachfolger Echnatons, dem bekannten Tutanchamon, nach dem Zusammenbruch der von Echnaton geschaffenen religiösen Reformbewegung verlassen wurde. Große Gebiete sind von dicken Mauern umgeben, aber vollständig unbebaut. 3n einem Fall zeigte sich, daß das Haus und die innere Ausschmückung zwar vollendet war, aber der Besitzer dort niemals gewohnt hatte. Vor der Hauspforte lag ein großer Türsturz, in den augenscheinlich Namen und Titel des Eigentümers eingemeißelk werden sollten, aber zur großen Enttäuschung der Ausgräber war die 3nschrift nicht angebracht. Von den Romern, die dieses Gelände später als Friedhof benutzten, ist viel zerstört worden; es wurden jedoch aus dieser Epoche schöne Gläser und Keramiken gefunden. Außerordentlich mühsam war die Arbeit an einem schon früher ausgegrabenen Palast, von dessen Torweg die Wandmalereien herabgefallen sind und nun aus winzigen Stücken zusammengesetzt werden müssen. Der Saal, von dem der Pharao auf feine Hofbeamten herniederblickte und Geschenke verteilte, hatte zwei große Türen im Norden und Süden, an denen Bilder des Königs und der königlichen Familie angebracht waren. Westlich von der Nordmauer des Vorweges liegt ein großes Gebäude, das später errichtet wurde. Hier fand man zahlreiche Weinkrüge, deren Siegel den Namen der Königin Nefretete und einige die 3nschrift „Schloß des Aton" trugen. Danach scheint es, daß die Königin an der Verehrung des Aton, der Sonnenscheibe, festhielt, als der Pharao Echnaton auf das Drängen der Priester- fchaft dem alten Glauben wieder Zugeständnisse machte; sie wurde daraufhin vom Hofe verbannt und zog sich nach dem Nordende der Stadt zurück, wo sie das „Schloß des Aton" als die letzte Zuflucht der Gottheit erbaute. Viele Einzelfunde wurden gemacht, darunter vier schwere, schön ziselierte Dronzeringe, zwei bronzene Zangen, zahlreiche schöne Skarabäen und Stücke eines Holzkastens, die mit kostbaren 3ntarsien in farbigem Elfenbein belegt waren. f 2n Metz ist dei Friedrich Schmidt Ie.i uni) her franjo| jungen. Schmidt, ! Reg deutscher! 8 in Metz geboren ir^nzöftschen J [ili r L Seine Anw je erläge wurde der hmt. die ihn dar stricht' festnahm. 2er Anhaltis gegen 1Z Stimmen ti a g der Deutschm an Die Äegierung- Schvierigkei ten-stoß sicht, eine bürgerlich durchsetzen können, den Äuischlag Aus Lhiki Dir verzweifelte xri zur Folge 2 ch ulleh rer j "ehr bekomm pcherdem jetzt na J»rf€n werden, h plaat gebeter mu ermöglichen, nicht we Aulengeschlo £ mehr st Mttrgehalter auf! »^'mvonChikago - Wchmmte Zeit , * Stabt den Lehr stch z. Z. au w _ Dorflraa kÄA bci Lils- Magodir abgeh k,,Aer fielen/ war wegen g"'s geschix batte sich sx j uchteDattos s^'S'halte, in i W, ni$i nur jh I^ler und Met KK' BÄ1-: fMrtn lost 'Mb 0. [horswtv nambo^e^ our: @ ©' 'Oslo, i werden, wobei es sich Ter Anhaltis che Landtag nahm mit 19 geraume Zeit vergehen, verzweifelte Finanzlage der Stadt Chikago Bibern jetzt noch einem Gehaltsabbau unteren werden, haben in einer Eingabe den Aus aller Welt Chikago In Geldnöten. t geht. {n Metz ist der zu Besuch weilende Student JSr.'D rich Schmidt aus Frankfurt a. M. verhaf- rr und der französischen Militärbehörde Angeführt ariden. Schmidt, dessen Bater früher in Mitz deutscher Kaserneninspektor war. tt AWem icrung dornst nur ilivduftrie. zur Folge gehabt, das; rund 14 000 ichu11ehrer seit April kein Gehalt rft in Rietz geboren und wurde deshalb in der ir >rz ös i sch e n Rekrutierungsliste ge• rüirt. Seine Anwesenheit in Metz während der Hochwasser, Ä“" » - "»««Kn rn, 6'7 ÄUoÖtn Uf(n> flh iI( bei Limburg sind $er ,l,ürf< Sturm, der ;n emsehie, hat jn den 5 großen Schaden an« >3.) Die ton unterrich- ird. ist mit dem Erlaß :chfiihrungsbeslimmungen tt erhöhten Umsatzsteuer 3anuar zu rechnen. R der gleichen Zeit auch > ■ t"**!"** 7" nmungen zur Aus-' rlage wurde der französischen Gendarmerie be- a werden, wobei es sich wn, die ihn daraufhin wegen „Fahnen- icheErfassungder N'-cht" festnahm. ’M 7;d.wurd° i-^ontn »Dauern ,7 Werden iW.bie^fkt -U-N biÄÄ kg fr". denn^etL fr an £ 1'"'gen 'bl'ck mit2frm. M. Ue2 ?°Kr. nb Ka^> M i41« & )as dvher Oie Krisis der Diktatur in Güdslawien. Ein zweites Kabinett Ziwkowitsch. Jelgrab, 5. Jan. (ÖIB.) Der König hat « Rücktrittsgesuch des Sabinetls an- gtiitmen und den znrückgelrelenen Minislerpräsl- ettr ziwk 0 witsch mit der Neubildung Kabinett, beauftragt. Da» neue Kabinett xfl mehrere Veränderungen auf. General Ziwk 0- »ilsch Hal da» Mlnisterpräsidiurn beibe- ■I. e, aber da» Innenministerium, das t dt Errichtung der Diktatur erhalten hatte, an ehemaligen Vizekanzler Srskitsch abgegeben. >t Unterrichtsminister 7Naxim 0 witsch über- rin da» Justizministerium, während der Justiz- lii'ler K 0 stitsch Unterrichtsminister wurde. Da» schöt! Lntisaschistischen Liga und sei ein Dertrauens- rxin der Sozialdemokratie innerhalb der ReichS- :•$ iung, zurückzog. Daraus zog auch Dr. Zthl in seinen Straf antrag zurück - das Verfahren Sonntag wurde eingestellt. Entgegen Nachrichten über eine Einstellung des Sesahrens gegen Dr. Beft, den Verfasser des Box- | jrrun 17 Stimmen einen Miß trauen San- eichsnottorordnung auch iitigbcr Deutschnationalen gegen die Regierung iiifjalierung bei am Vie Regierungsneubildung dürfte auf größte werden kann. ® /Hüv< 366i'ürigfeiten stoßen. Die Rechte wird ihre Ab- fieil vorerst Bcchand- W-. eine bürgerliche Regierung zu bilden, nicht Finanzministerium und ^ä>sehen können, da die Kommunisten Man Hai sich diesen »tn AuSschlag geben. uschalieruna in Frage 1 ausgeMähll, um erst Irazis die Wirkung ; beobachten zu kön- >imin für die 6in|üy I{ lierung bei den Daren ie aber dennoch nur der _____, nen, da die Erörterungen fOlr^ c bekommen haben. Diese Lehrer, die -ziertundzeitrau« ..... « Preisschilder und Preisverzeichnisse französischen nerveux, den heute üblichen Sinn annahm. ferne ft er 1931/32 immatrikulierten Studie- Don Gießen Die renden verteilt wie folgt: sich auf die einzelnen Fächer W.»S. 1931/32 6.»S. 1931 Stu» Stu» Stu» Studenten dentinnen deuten benttnnen Dr. K. W. Oie Giudierenden der Landes.llniversitäi. der Pressestelle Der LandeS-Hniversität wird uns mitgeteilt: Gesamtzahl der im Winter- gut sichtbar in den Läden und Schaufenstern oder an Verkaufsständen angebracht ist. Wer Frischfleisch (Rindfleisch. Schweinefleisch, Kalbfleisch und Hammelfleisch) im Kleinhandel absetzt, ohne eS sichtbar auszustellen, ist verpflichtet. für die nicht ausgestellten Waren ein den vorstehenden Vorschriften genügendes Preisverzeichnis anzubringen. In den Schaufenstern ausgestellte Fleischftücke, deren Preise höher sind als die im Preisverzeichnis angegebenen Preise für dieselbe Sorte oder die ün Preisverzeichnis nicht enthalten sind, müssen unter genauer Angabe der Fleischsorte und deS geforderten Preises mit einem Preisschild besonders gekennzeichnet werden. Auf den Preisschildern und Preisverzeichnissen ist der Preis des Fleisches für ein ganze» Pfund anzugeben. 3m gestrigen AmtsverkündigungSblatt veröffentlicht das KreiSamt Gießen die Verordnung de» ReichskommiffarS für Preisüberwachung über PreiSf childer und Preisverzeichnisse, die am 1. Januar 1932 in Kraft getreten ist. Das Kreisamt fordert die Anbringung der Preisschilder in den Läden und Schaufenstern an gut sichtbarer Stelle. In der Verordnung wird bestimmt: Brot und Kleingebäck. CtDer Brot oder Kleingebäck in Läden, Schaufenstern, Schaukästen, auf dem Wochenmarkt, in der Markthalle oder im Straßenhandel sichtbar ausstellt oder anpreist, ist verpflichtet, die Waren mit Preisschildern zu versehen, aus denen ihr genauer Verkaufspreis ersichtlich ist. Die Anbringung eine» Preisschildes ist nicht erforderlich, wenn die Ware zweifelsfrei bezeichnet in ein Preisverzeichnis ausgenommen ist, das gut sichtbar in Läden und Schaufenstern ober an DerkaufSständen angebracht ist. Wer Brot ober Kleingebäck im Kleinhandel absetzt, ohne sie sichtbar auSzustellen, ist verpflichtet, für die nicht ausgestellten Waren ein den vorstehenden Vorschriften genügende- Preisverzeichnis anzubringen. Aus den Preisschildern und Preisverzeichnissen ist das Gewicht der verschiedenen Arten von Brot und Kleingebäck anzugeben. Für Kleingebäck sind als Zahleneinheit höchstens 10 Stück in dem sich daraus ergebenden Gewicht und Preis an» zugeben. Kleingebäck im Sinne dieser Vorschriften sind Schrippen, Brötchen. Knüppel. Semmeln, Rundstücke und einfache Hörnchen, ohne Rücksicht Darauf, ob diese Bezeichnungen ober andere ortsübliche gewählt werden. Frischfleisch. Wer Frischfleisch (Rindfleisch, Schweinefleisch, Kalbfleisch und Hammelfleisch) in Länden, Schaufenstern, auf dem Wochen markt oder in der Markthalle sichtbar ausstellt ober anpreist, ist verpflichtet, die Ware mit Preisschildern zu versehen, aus denen ihr genauer Verkaufspreis ersichtlich ist. Die Anbringung eines Preisschildes ist nicht erforderlich, wenn die Ware zweifelsfrei bezeichnet in ein Preisverzeichnis aufgenommen ist, daS Aus Der provinzialhaupisiadt. Gießen, den 6.Januar 1932. Aus dem Wörterbuch unserer Krankheiten. In buntem Wechsel fanden sich einst Deutsch, Latein und Griechisch zusammen, um unsere heute Seltenden Krankbeitsbezeichnungen zu schassen. Aller- ings haben sich, besonders seit der Zeit des Humanismus, Latein und Griechisch gerade hier recht breitgemacht und manches deutsche Wort aus unserer Sprache verbrannt; B. hat schon in sehr früher Zeit das lateinische Wort febris, unser „F i e b e r", der ursprünglichen deutschen Bezeichnung „Ritten-' völlig den Garaus gemacht. Gut deutsch tft dagegen unser „Schnupfen" übrigens gleichen Stammes mit „Schnauze" und „schnauben", ebenso das „G e • schwür", das von „schwären" ,herkommt-, bei Lessing hieß es noch „Geschwür", bis sich die Nebenform Geschwür durchsetzte und nur das Hauptwort Schwär blieb. Die „Grippe" stammt zwar in dieser Form aus dem Französischen, ist aber aus dem gotischen greipan, unserem „greifen", „anpacken" zu erklären. Die_H nfluenza" dagegen ist rein lateinisch und bedeutet lediglich Ansteckung. Wie jedes gesunde Lebewesen gegen einen ein- gedrungenen Fremdkörper kämost, so ringt auch die Sprache mit dem Fremdwort. Kann sie es nicht loswerden, so rückt sie so lange daran herum, bis es wie ein deutsches Wort klingt ober aussieht. (Ein Beispiel dafür ist das griechische Wort „Katarr h", das .Herabfluß" bedeutet. Es kam durch die Aerzte des 17. Jahrhunderts in Umlauf und verdrängte den einheimischen Namen „dampfe". Und was machte das Volk daraus? Den „Kater", der seit etwa 1850 — wenn auch mit etwas anderem Sinne — zu unserem Sprachgut gehört und nach altgermanischer Weise den Ton auf der ersten Silbe trägt, so daß die Endsilbe verkümmerte. Eine einfache Uebertragung au» Farbe-Erscheinun- gen lieat im „Scharlach" vor, einem Worte per- fischen Ursprungs, sowie in der „R 0 f c“ und den „TIafern"; bei letzteren ist die Maserung des Holzes auf das Bild der Kinderkrankheit angewandt worden. Zu mißverständlichen Erklärungen hot der „S t a r", die bekannte Augenkrankheit, Anlaß gegeben; sie hat nicht» mit dem Bogel zu tun, sondern hängt mit unserem „starren" zusammen. Auch die Mythologie spielt in unsere Krankheiten hinein! So ist beim „Alpdrücken" nicht an die Alpen zu denken, die einem etwa als Bergeslast auf der Brust liegen, sondern an den altgermaniscben Glauben: ein böser Albe ober Elfe ängstigt Den Schlafenben. Der griechische Traum- unb Schlum- mergott Morpheus hat bem „M 0 rphium" ben Nomen gegeben. Währenb ferner die „R u h r" ein gutes beut- sches Wort ist unb weiter nichts als „eilige Be- roegung" bedeutet (damit verwandt z. B. „Aufruhr"), flammt die Bezeichnung für die asiatische Brechruhr, die „Ch 0 lcr a", die zuerst 1831 in Europa auftrat, aus dem Griechischen. Das Wort bedeutet eigentlich „Gallensucht" und findet sich teilweise in „Melancholie" «wörtlich Schwarzgallig, keit") wieder. Wie Ruhr ist auch „Gicht" ein deut- sches Wort; es kommt von „gehen", da die Krankheit in den Gliedern „umgeht". Früher sagte man dafür „Fluß" ober „S1 ickfluß" im Sinne von „ersticken- ber Fluß". Die griechische Uebersetzung bes Begriff» ergibt unseren „Rheumatismus". Einen interessanten Bebeutungswanbel schließlich hat „n e r d ö s" durchgemacht. Das zugrunde lie- gende lateinische Wort heißt eigentlich nur „Sehne" und bezeichnet erst viel später unsere Nerven. Noch Lessing verwendet das Wort daher im Sinne von „kraftvoll", währenb es feit ben dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts, wohl unter dem Einfluß des ■“ Bekämpfung der Schnakenplage. Das Polizeiamt Gießen teilt mit: Die Grundstückseigentümer werden nochmals auf Die Bekanntmachung DeS KreiSamlS Gießen im Amts- verkünDigungsblatt Nr. 85 vom 8. Dezember 1931 hingewiesen, wonach jeder Grundstückseigentümer verpflichtet ist, in Den Monaten Dezember bis Februar Die auf seinem Grundstück befindlichen, den Schnaken zur Brut dienenden «Gewässer (Wasscr.ümpel), Regenfässer, Bassins, Wasserlachen. Iauchegruben. Abortgruben usw. mit einem zur Der:ilgung der Brut geeigneten Mittel (Sa- Prol, P roleum usw.) zu übergießen. Richtbefolgung hc.. Bestrafung zur Folge. ee Dien stjubiläum bei Der Reichsbahn. Am 1. Januar feierte der Reichsbahn- fefretär Heinrich Hammel beim hiesigen Bahnhof sein 25. Dienstjubiläum. •• Polizeipersonalie. Ernannt wurde der Polizeihauptwachtmeister auf Probe Rudolf Frehmann zu Gießen unter Berufung in daS DeomtenverhältniS zum Polizeihauptwachtmeister mit Wirkung vom 1. Januar 1932 ab. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch: Stadtthealer Gießen: „Die Puppenfee", vorher „Die Wunderlampe", 19.30 bis 22 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Reserve hat Ruh." — AuS Dem StaDttheaterbureau wird unS geschrieben: Heute, 19.30 älhr, Wittwoch- AbonnementSvorstellung, »Die Wunderlampe" und »Die Puppenfee", Weihnachtsmärchen und Ballett m der Besetzung der Erstaufführung. Ende gegen 22 Mbr. — Die nächste Wiederholung der Traum- Dichtung ,Hanneies Himmelfahrt" von Gerhart Hauptmann ist am Freitag, 8. Januar, im Freitag- Abonnement. Beginn 20 Uhr, Ende 22 ilbr. — „Wilhelm Teil", Schauspiel von Friedrich von Schiller, gelangt am SamStag, 9. Januar, 15.45 älyralS Schülervorsteilung zur Aufführung. Ende — D. H. D. Morgen, Donnerstag, abend im D.H.B.-Heirn Dortrag über „Die Macht der Presse". (Siehe heutige Anzeige.) Jrifeargeroerbe. Friseure (Barbiere, Haarschneider usw.) sind verpflichtet, in ihren Läden unb Schaufenstern ober in ihren außerhalb ber Löben definbiichen Schau- kästen gut sichtbar Preisverzeichnisse anzubringen, aus denen die Preise für Die folgenden Leistungen ersichtlich sind: bei Herren: Rasieren, Frisieren, Rasieren unb Frisieren, Haarschneiben, Kopfwäschen einschi.. Frisieren, Haarschneiben einschl. Kopfwäsche unb Frisieren, Schampunieren; bei Damen: Frisieren, Haarschneiben, Kopfwäsche für langes unb kurzes Haar, Dauerwelle, Wasserwelle. Schluhoorschristen. Die obersten Lanbesbehörden weisen die Polizei- beworben an, bie Vorschriften im Einzelfall burch polizeiliche Verfügung anjuorbnen unb erforderlichenfalls burch bie ihnen nach Landesrecht zustehenden Zwangsmittel durchzufetzen. Die polizeilichen Derfüoungen können im ocrwaltungsgericht- lichen Verfahren angefochten werden. Soweit dos Landesrecht zunächst eine Beschwerde im Verwal- tunasverfahren vorsieht, bleibt dies unberührt. Das Verfahren unb bie Zuständigkeit ber Behörben richten sich nach Lanbesrecht. Die obersten Landesbehörben wellen die Polizei ferner an, dem Reichskommissar für Preisüberwachung unmittelbar Nachricht zu geben, wenn infolge hartnäckiger unb böswilliger Zuwiderhanblung gegen bie Vorschriften in dieser Verorbnung bie Untersagung ber Fortführung von Betrieben, ober bie Schließung von Betriebs- unb Geschäftsräumen angezeigt erscheint. Theologie 235 5 223 4 Rechtswissenschaft 329 8 327 9 Medizin 440 45 420 41 Veterinärmedizin 203 1 199 — Mathematik 134 11 147 12 Raturwissensch. 149 21 150 22 Chemie 48 — 50 1 Forstwissenschaft 49 — 66 _ Pharmazie 1 — 2 — Landwirtschaft 55 — 51 — Philosophie 46 10 56 10 Reuere Philologie 274 66 275 74 Klaff. Philologie 51 1 54 2 Geschichte 3 1 3 2 Staatswissensch. 100 4 108 4 Summa: 2117 173 2131 181 Die Wetterlage. Daten für Mittwoch, 6. Januar. Sonnenaufgang 8.31 Uhr, «Sonnenuntergang 16.31 Uhr. — Tlonbaufgang 7.49 Uhr, Tlonbuntergaug 14.10 Uhr. 1412: bie Jungfrau von Orleans, Jeonne d'Arc, in Domremn geboren; — 1812: der Altertumsforscher Heinrich Schliemann in Neuduckow geboren. Kind für einige Stunden am Tage in guten Händen zu wissen. Man beachte die heutige An- deifle. Die Maul- und Klauenseuche in Oberhessen. In Eberstadt (Kreis Gießen) wurde die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt. Die Ortschaft Eberstadt ist Sperrbezirk, das Beobachtungsgcbiet besteht aus der Gemarkung Eberstadt. Weiter ist Die «Seuche auf bet Reumühle (Gemarkung Muschenheim) amtlich fest- gestellt worden. Der Sperrbezirk besteht hier ander Reumühle, da- DeobachtungSgebiet umsaßt Die Gemarkung Muschenheim. In Okarben (KreiS Friedberg) ist Die Maul- unD Klauenseuche erloschen. Die «Schutzmaßnahmen sind aufgehoben worden. Jftre .Anzeigen werden durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werßen wenn Sie sie frühzeitig genug aufgeben •• Kurse In ber Einheitskurzschrift, Der Kurzschriftverein von 1861 eröffnet am Don- nerstag, 7. Januar, in der Goctheschule (Wcstanlage) wieder einen Anfänger-Lchrgong in ber Einhens- kurzschrift unter Leitung eines staatlich geprüften Kurzschristlehrer». Es kann ber Jugend nicht oft genua ans Herz gelegt werden, sich beizeiten die Kurzschrift bis zur völligen Beherrschung anzueignen. Wer die Kurzschrift bereits erlernt hat. versäume die Fortbildung nicht, wozu die gleichzeitig beginnenden Fortbiidungs-, Redeschrift- und Diktatkurse Des Kurz, schriftvereins von 1861 Gelegenheit bieten. Nähere» ist aus der heutigen Anzeige zu ersehen. ee Das Frobel-Seminar hat sich entschlossen — so schreibt man uns —. den Beitrag für den Besuch seiner Kindergärten in der Gartenstraße 30, Drabenstrahe 11 und Walltvrstraße 59 aut 5 Mark pro Monat herabzusetzen. um auf diese Weis« noch manchen Eltern die Möglichkeit zu geben, ihr KinD in einen Kindergarten schicken zu können. Da di« Kindergärten vormittags und nachmittags geöffnet sind, bedeutet es für manch« Mutter ein« Entlastung und Beruhigung, iyr ilüfmochc» Nordwal G votxtoios o c»mi» Dtdtot • wenig. • Deuten • ntgtN *$<»«<€ atriueem eheDcl X wit'rr^)Wind5lill€ SdW lekhtf» On £ «tis-gc $M$ucwest q stürmöthe» Nordwal 6ie Ment nicgcn mit dem winde DU ooeen SfetiontB Menenden Zafr- len geben die Temperatui an. Oie Urnen verbinden Orte mii gjtKÄ« Jknstag W netresnrvtdD amocrecMcicn Uuftdrw Mhmaschine gut arb., 30 Mk. 077 Asterweg 44. WB sw &%• leti«®;,, f r l C o U ** y ine ausgehe Mgd'eb union um die Polckk- *rs«i SrcWlssc m setzte ein. 65» InderE wende, steht - wirtschastspo hängt die °st «isesperreA Frankreich t österreichischen streckt und - gebenen Zei! schlucken, w gang in ott ren Kaiserre Zwecke das « Zweisel mch stärker denn im^onau den Gedanke neue auflebei Lo wie nia man es ja a Sturz der Ac fische Äiitiati Ende des 3oi in der ungarif eines Tran geworden ist, die auch in 1 auch Ungarn zu fühlen beko sen wirtfchastl E gcht natu te einen K >en in Sa kann. Es ist dessen Ausgab Deutschland Di genüber einer österreichisch u Hantos war n Der Plan, dei so aus: Eine floaten erschei da es da in eil blickt. Torun tsterreichi Union versu hielte, in Pa und Tudapes Doch im 3o eine Konse zusammenbei ungarischen; im Oesterreic ferenz verschiß Älii Vornan von Copyright by 9 Fottlestung .Dirgit hob ksnem ernsten vie Augen. »Gerade dai Hans Cav! unbeschwerte ' ennc, zu eine. Ht sind die es eine , totoera 6inn M finden 1 Der Konsul . "Denn es s, Nte anderes Ichweren 2 bnu mu6t S®l eine sch Jjjg Erwählj Ätz"! bit9 gebe $5nuU9k en des km Hefen «S«l ÜySe kauten, ^ «Uei Ä a i^s?S;, 4®s Nu8",!ä ^rebenjen ),{n^ran| siegel, i cn15 Sessel,' t 1 LerveM - e,tcfe SWÄSR?80» MbadjÄj'S- Anzuq 7» Xer’‘«omj nM0M„ö,rJ! '.iri "' »fei ; ’ SlurflatbX'j^ '* * JQ0Ä«ll»m0|J; sä?* *■* ?°SX9Jn|1Mbont NSE Ja! ^klKitten, 2^'^BroIK ’^opfe, 24 @a(erie!ei[teri Jen, in -Griecki. Englisch )r. phiL Hielt er« ngeb.u. eh.Anz. ophonplatten, 87 Flakons, 23 'Beut® er- 2 Wer (SJultan), i o Äinitations-Tchll!! 'leder-handtaschen, 1 Lass. Mn, ^Vollzieher in Gießen, rgfc 331, Telephon 3239. tuet in irb ilie Särditl. ni Preis d.G.A. Milli OrdenUlchi EuirilTinm. Domerstag, bt 14. Januar 19! abends 830 nür im Vereinsse: lPMellni Tagebordnui l.Tätigleiiöber: ö. Vorstände?. her äubiihv: 2. Wt.be;.,. itand.u.d.M 3. Neuwahlen 4.Vereinsnb;e!: 5. Verschiedene? Der Yonrtai üiii I iiswfirdl6keiti» | ileidunS | i6 jedem ein Ein' । , I intel les tatsächlichen । J ld Kleiderstoffen verkauft „it Bar^l*- [| ei* . | .Rabatt! ■ 1(H* Nr. 4 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) LmKampfumdenheimischenMarkt französischen Mgeordneten Margaine und Pezet haben in der Pariser Kammer die Aufgabe erhalten. in der Oeffentlichkeit für den Gedanken einer österreichisch-ungarischen Zollunion als Vorläufe- rin einer Donauföderation zu werben. Paris hat eS verstanden. Rumänien und P o l e n durch Abschluß des Nichtangriffspaktes mit Moskau nach Osten hin zu entlasten, und diese Staaten sollen dann mithelsen, den Plan der Donauföderation zu verwirklichen, indem fie ihre ganzen Kräfte gen Westen wenden. Der innere Grund dieser sicherlich größten Aktion der Nachkriegszeit in Europa ist, darüber kann kein Zweifel herrschen, die Einkre isung Deutschlands mit dem Hintergedanken, Italien gründlich „übers Ohr zu hauen". In Rom ist man natürlich inzwischen keineswegs untätig gewesen, und niemals hat der Gedanke einer Balkan- f öd e r a t i o n mehr Anklang in Rom gesunden als heute. Die Konferenzen von Athen und Konstantinopel. die Forträumung der jahrhundertealten Gegensätze zwischen Griechenland und der Türkei, sowie der erste, schüchterne aber durchaus glückhafte Versuch, die Minderheitenfrage am Balkan zu lösen und eine Zollunion aller Balkanstaaten zustande zu bringen, das alles hat den Weg freigelegt, um so etwas wie einen Zusammenschluß der Länder im klassischen politischen Wetterwinkel Europas seiner Vollendung näherzubringen. Die Türkei, die heute an Europa nicht mehr interessiert ist, wird dabei der n a - türlicheMittler, und es kommt jetzt daraus Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Budapest, Dezember 1931. Als die Pläne DriandS von' einem P a n - europa der verewigten Friedensdiktate an ihren eigenen Stacheln zu Tode gekommen waren, glaubte Mitteleuropa den Weg frei für einewirtschaftSpolitischeDe- f r i e d u n g des Kontinents. Aber die Art, in der eine ausgehehte Meute unter französischer Füh- rung die deutsch - österreichische Zollunion untergrub, ließ die starren Gegensätze, die Politiker mit rosaroter Drille bereits verschwunden glaubten, stärker denn je hervortreten. Paris hatte sich aber nicht damit zufrieden gegeben, das Zollunionsprojekt zu vereiteln. Man erinnert sich, wie die überstürzten französischen Abzüge eine vernichtende Finanzkrise in Oesterreich — als Vorspiel für die folgenden entsprechenden Ereignisse in Deutschland — hervorriefen. Ein Trommelfeuer auf die österreichischen Finanzen setzte ein, Erpressungen am laufenden Band waren an der Tagesordnung, und heute, an der Jahreswende, steht Wien inmitten von währungs- und wirtschaftspolitischen Gefahren aller Art. verhängt die österreichische Rationalbank eine Ausreisesperre als Zeichen höchster valutarischer Rot. Frankreich hat inzwischen seine Hände nach den österreichischen Bundesbahnen ausgestreckt und macht auch Miene, au einem gegebenen Zeitpunkt die österreichische Post zu schlucken, während der Goldfranken längst Eingang in die heimische Industrie des früheren Kaiserreiches gefunden hat. Zu welchem Zwecke das alles geschieht, darüber ist heute ein Zweifel nicht mehr möglich. Frankreich betreibt stärker denn je den Gedanken einer Zollunion imDonauraum, und es will auf diese Weise an, ob die Donauföderation oder der Balkanbund eher zustande kommt. Geschieht das letztere, so wird die österreichisch-ungarische Zollunion ge en- standslos und schicot sich zu ihrem eigenen Verderben zwischen Deutschland und den europäischen Südosten. Ersteht jedoch die Dvnausöderation eher, dann wird es schwer halten, S ü d s l a w i c n und Rumänien für den Dalkanbund zu gewinnen. Wirtschaftlich, geopolitisch sind beide Staaten an den Balkan gebunden. Aber die Militärkredite kommen aus Paris. Man befindet sich also zwischen zwei Feuern, und es hat ein wirtschaftspolitischer Wettlauf zwischen der Moldau und dem Bosporus eingesetzt, ein Wettlauf, der über europäisches Schicksal im allgemeinen und über das Schicksal Deutschlands im besonderen entscheiden dürste Rußland spielt inzwischen auf eigene Rech» nung. Es schließt mit Frankreich, Polen und Rumänien Freundschaftspakte, sendet jedoch leitende Staatsmänner nach Angora, um das schon lange bestehende Bündnis mit der Türkei zu erhärten. Es streckt leine Fühler sowohl in die Richtung einer Donausöderation wie auch in die eines Dal- kanbundes aus. Es seht aufbeideFelder. um in jedem Falle gewinnen zu können. Wo Deutschlands und Oesterreichs Interessen liegen, das ist zu klar, als daß es noch im besonderen ausgesührt werden muß. Eine wirtschaftliche und polit.sche Befriedung Europas, vor allem des Kontinents, kann nur vertikal, niemals horizontal erfolgen. Deutschland hat seinen vor- gezeichneten Weg nach dem Südosten zu nehmen, und der Südosten muß sich, wenn er der wirtschaftlichen Vernunft folgt, nach dem Rord- westen wenden. Eine Donausöderation versperrt natürliche Ventile, auf ihrem Wege liegen die Leichen Oesterreichs und Ungarns. Unionsträume zwischen Moldau und Bosporus Don unserem ä. 3.-Berichterstatter. den Gedanken der Donauföderativn auf- neue auf leben lassen. So wie man Oesterreich zu Leibe rückte, so hat man es ja auch mit Ungarn gemacht. Der Sturz der Regierung B e t h l e n ist auf französische Initiative hin erfolgt, und wenn jetzt, zu Ende des Jahres, die bereits seit längerer Zeit in der ungarischen Oeffentlichkeit behandelte Frage eines Transfermoratoriums spruchreif geworden ist, so offenbart das die Währungsnot, die auch in Budapest herrscht, beweist daS, daß auch Ungarn die Macht des französischen GoldeS au fühlen bekommen hat. Hand in Hand mit diesen wirtschaftlichen und finanziellen Vorbereitungen geht natürlich die politische Intrige. Es gibt heute einen Ungarn, den man alS politischen Reisenden in Sachen Dvnausöderation ansprechen kann. Es ist kein anderer als Herr H a n t o S, dessen Aufgabe es ist, in Italien, Frankreich und Deutschland vorzufühlen, wie man sich dort gegenüber einer Zollunion der Rachsolgestaaten der österreichisch ungar schen Monarchie verhielte Herr Hantos war natürlich auch in Prag und in Wien. Der Plan, der hier erwogen wird, sieht ungefähr so aus? Eine Zollunion zwischen den Rachfolge- ftaaten erscheint gegenwärtig Italien untragbar, da es da in eine Stärkung der Kleinen Entente erblickt. Darum will man vorerst es mit einer österreichisch - ungarischen Zollunion versuchen, wobei Wien die Aufgabe erhielte, in Paris das politische Terrain zu klären und Budapest entsprechend in Rom wirken soll. Roch im Januar will man überdies in Brünn eine Konferenz der Rachfolgestaaten zusammenberufen. Der Präsident der österreichisch- ungarischen Handelskammer, Alfred Gergely, hat im Oesterreichischen Club in Wien über diese Konferenz verschiedene Einzelheiten mitgeteilt, und die V. i I. H. Thomas (X), der Minister für die Dominions und frühere Führer der Eisenbahnergewerk« schäften, eröffnet mit dem Ablassen eines Expreßzugs den großen englischen Werbefeldzug für den Kauf einheimischer Waren. Der Zug trägt die Aufschrift: „Kauft englische Waren!" und soll alle größeren Orte Englands berühren. Zch hab dir verzieh«! Roman von (SlotilOe von Stegmann-Stein. Copyright by Martin Feuchtwange r, Halle. 9 Fortsetzung Nachdruck verboten Birgit hob ihren Kopf und sah dem Vater mit einem ernsten und doch strahlenden Lächeln in die Augen. „Gerade das ist es ja, lieber Vater, was mich an Hans Egon so bezaubert hat. Seine fröhliche, unbeschwerte Art hat mich selbst, seitdem ich ihn kenne, zu einem anderen Menschen gemacht. Vielleicht sind die Frauen aus der Familie Sibelius etwas zu schwerblütig für das Leben, vielleicht ist es eine gütige Fügung, daß leichter und schwerer Sinn jetzt durch die Liebe ihren Ausgleich finden sollen?" Der Konsul unterdrückte einen Seufzer. „Wenn es so steht, meine Birgit, so bleibt mir Nichts anderes übrig, als mich zu fügen, ich tue es schweren Herzens. Jedoch, es ist dein Leben, und du mußt es nach deinem Willen leben. Du nimmst eine schwere Verantwortung auf dich, für deinen Erwählten, wie auch für dich selbst. Roch erscheint dir die Zukunft als ein strahlender Elücksgarten — aber eine Birgit Sibelius mutz auch in Sturm und Hagelfchlag den einmal beschrittenen Weg in Treue zu Ende gehen. Der Segen deiner Eltern ist mit dir. Solange noch ein Atemzug in meiner Brust ist, hast du an mir einen Berater und Beschützer. Aber merke, immer wird es der Weg der Pflicht fein, den ich dir weifen werde, und sollte dieser Weg auch dornenvoll sich gestalten. Ich werde also Graf Rauenstein freute abend noch mitteilen, daß ich ihm dein Jawort gebe.“ % _ Birgit beugte sich über die Hand des Vaters, Tränen des Glücks stürzten ihr aus den Augen. Der erste Schnee war über Rächt gefallen. Auf dem Kirchhof von Sankt Marien lagen dicke, weiße Hauben, die Rosetten .an der Rathausfasfade leuchteten wie schneeige Rosen aus der dicken Umhüllung. Aus dem Marktplatz fuhren schon die ersten Schlitten des Landadels vor, der nun zu einer Sitzung im Kreistag gekommen tont. Die ganze Stadt war wie weiß verzaubert. Die alten Giebel schienen sich unter der Last des dicken Schnees noch tiefer zu neigen, an den Bürgersteigen häuften sich die rafch zusammengefegten weihen Mauern, hinter benen die Kinder mit lautem Jauchzen die ersten Schneeballfchlachten begannen. Vor dem Hause des Konsuls Sibelius hielt ein kleiner hellblauer Schlitten, der das Entzücken der Sttahenjugend hervorrief. Es war der berühmte Rauensteinfche Damenfchlitten, den Hans- Egon zum ersten Male feit dem Tode der Mutter aus der Remise hatte ziehen lassen. Der Schlitten hatte die Form eines großen Schwans, der auf schlankem Halse stolz feinen Kopf mit silbernem Schnabel trug. Die Pelzdecken im Innern des Schlittens lagen achtlos hingeworfen auf dem schmalen Sitz, auf dem nur zwei Personen Platz hatten. Der Schimmel vor dem Schlitten wieherte lustig in die klare, kalte Winterluft und schüttelte sich von Zeit zu Zeit, daß die Schellen an Hals und Rücken fröhlich aufklangen. Hans Egon war zwei Stufen auf einmal hinaufgeeilt in das Haus der Sibelius' und hatte sich bei Birgit melden lassen. Aber auf der obersten Treppenstufe des Hauses kam sie ihm schon entgegen. Hans Egon mußte sich gestehen, daß sie wirklich reizend aussah. Sie trug einen hellgrauen Fehmantel, aus dem ihr jetzt rosig angehauchtes Gesicht unter der kleinen silber- grauen Pelzkappe wie eine Frühlingsblüte hervorschimmerte. Mit einem Iubellaut eilte sie bei Hans Egons Anblick die Treppen hinunter, daß die kleinen, grauen Pelzschuhchen klapperten. Er fing fie lachend in feinen Armen auf und drückte einen heißen Kuß auf ihre frischen jungen Lippen. „Soll ich meine kleine Schneekönigin hinaus- tragen auf meinen Armen in die weiße Wunderwelt?" Und er machte Miene, Birgit auf feinen Armen durch die Halle zur Tür zu tragen. Sie wehrte errötend und lachend ab: „Um Gottes willen, Hans Egon, wenn das unsere jungen Leute im Kontor sehen! — was sollen sie denn denken?" „Was sie denken sollen? Daß ich dich in Wahrheit auf Händen trage, meine süße Schneerose. Aber" — er lieh sie sanft und behutsam aus seinen Armen gleiten — „keine Angst, ein Rauenstein weiß, was er der Oeffentlichkeit schuldig ist; wir müssen uns genau so würdevoll benehmen, wie es unsere Urahne gemacht hat, wenn sie m diesem Schlitten zur Stadt gefahren ist." Birgit glaubte sich im Märchen, als der Schlitten, von Hans Egon gelenkt, lautlos durch die Sttahen glitt. Selig lachend nickte fie den Bekannten zu, die dem phantastifchen Gefährt nachblickten. Als die verschneite Stadt hinter ihnen lag, breitete sich das makellose Weiß der stillen tointer- lichen Ebene vor ihnen aus. Dicke weihe Trauben von duftigem Schnee hingen an den letzten Büscheln der Ebereschen. Bei jedem Windstoß stäubte es silberweiß über die Allee, durch die der Schlitten sauste. Lustig tlingelten die Schellen am Halse des Schimmels und vermischten sich mit dem silberhellen Lachen, das immer toieber aus Birgits Munde ertönte, wenn ein übermütiges Scherzwort ihres Verlobten an ihr Ohr klang. Warm und weih sah sie, eingekuschelt in ihren Pelz und in ein großes braunes Bärenfell, an- geschmiegt an die Seite des Geliebten, der sich ab und zu zu ihr herniederbeugte, um mit einem leichten Kuh ihre glühende Wange zu streifen. „Hätte ich nur die Hände ein wenig frei", sagte Hans Egon, „dann würde ich mich nicht begnügen mit diesem sanften, zagen Kusse, bann würde ich dich in meine Arme nehmen und dich küssen, so, wie es mein Herz verlangt. Aber warte nur, in einer Viertelstunde sind wir im Schlosse Tannenaue, dann hole ich nach, was ich mir hier versagen muh. Hoffentlich wird mein gestrenger Herr Bruder uns auch einmal ein paar Augenblicke alleinlaffen.“ Birgit fragte ängstlich: „Wie ist eigentlich dein Bruder? Rach deinen Schilderungen fürchte ich mich fast ein wenig vor ihm." Hans Egon zuckte leichtsinnig mit den Achseln: „Ach was, fürchten? Ein etwas steifleinener Tugendbold ist er, weiter nichts. Hat nichts anderes im Kopse wie Milchwirtfchaft, Ackerbau und Getreide-Vermahlen. Frauen fieht er überhaupt nicht an. Ich wette, er hat im ganzen Leben noch kein zärtliches Wort mit einem weiblichen Wesen getauscht. Der richtige Hagestolz, wie er im Buche steht." „Merkwürdig", sagte Birgit sinnend, „zwei Brüder und zwei Welten." „Das ist nicht so verwunderlich, wie es dir scheint. Wir haben wohl denselben Vater, aber nicht dieselbe Mutter. Und Bruder Friedrich konnte sich mit meiner fröhlichen Mutter, die lebte und leben lieh, niemals verstehen. Uebrigens war er mein Vormund und hat als solcher immer verfucht, mich zu feiner schweren Lebensauffassung zu bekehren. Aber Gott fei Dank, das ist ihm nicht gelungen.“ „Wie wird er mich nur da empfangen?" meinte Birgit zaghaft. „Hätten wir nicht doch lieber mit unserem ersten Besuch warten sollen, bis Vater aus Schweden zurückgekommen und uns hätte begleiten können? Du hast mich mit unserem heutigen Ziel der Schlittenfahrt ein wenig überrumpelt." „Bereust du es?" flüsterte er heih. „Ist nicht dieser Tag wie geschaffen zu einer winterlichen Drautfahrl? Geniehe den Tag! Laß alle Bedenken fort! Man muh die Feste feiern, wie sie fallen!" Sie sah ihn mit drolligem Ernst an: „Ich sehe schon, ich werde immer die Besiegte sein.“ „Eine echte Frau wünscht sich auch nichts anderes, und ich glaube, wenige Frauen sind heutzutage so echt weiblich in höchstem Sinne wie du, meine sühe Birgit. Aber schau, da leuchten schon die Türme von Schloß Tannenaue." Er drückte einen Kuß auf ihre Lippen: Mittwoch, 6. Zannar 1952 Oberbeffen. Landkreis Gictzcn. U Großen-Linden, 5. Ian. Der Gesangverein „Germania" hielt am Sonntag seine Hauptversammlung ab. Der 1. Vorsitzende W. Wenzel erstattete den Jahresbericht. Die vom Dercinsrechner H. D o p s vorgetragene Rechnungsablage wies an Einnahmen 945 Mk.. an Ausgaben 1160,10 Mk. auf. Die Mehrausgabe von 215,10 Mk. wurde aus dem Vereinsvermögen gedeckt. Der Verein zählt zur Zeit 307 Mitglieder (230 zahlende und 77 Ehrenmitglieder). Die fatzungsgemäh ausfcheidenden Vorstandsmitglieder L. Faber. H. Bernhard und L. L u h wurden wiedergcwählt. < E b e r ft a b t. 5. Ian. Am Silvestertage 1931 würbe ber Veteran von 1870 71 Ioh. Weil zu Grabe getragen. Der Verstorbene war 84 Jahre alt. Er war Mitbegründer unb langjähriger Vor- fitzenber bes hiesigen Kriegervereins unb batte verschiebens Ehrenämter in ber Gemeinbe inne. Der Greis war eine allgemein geschätzte unb geachtete Persönlichkeit. — Am gleichen Tage konnte ber letzte Veteran von 1870 71 in unserem Dorfe, Herr Phil. G ö r l a ch l., in voller geistiger unb körperlicher Frische seinen 84. Geburtstag feiern. Dem Jubilar wurden zahlreiche Glückwünsche zuteil. Der 84jährige gab seinem verstorbenen Kameraden das letzte Geleit. — Im Jahre 1931 sind in unserer Gemeinde nurLeuteimAlter von und über 80 Jahren gestorben. Cs waren folgenbe Personen: A. E. Bu ß (80 I.), Gg. G ö r la ch I. (80 I.), Ioh. Weil (84 3.), Ioh. Görlach I. (81 I.) unb Elise Eich (85 3.). Zur Zeit leben noch fünf Personen in unserer Gemeinde, die über 80 3ahre alt finb. Es sinb bies: Heinr. Buß I., Anna Elise Buß unb Phil. Görlach mit je 83 Jahren, Elise Alles unb Anna Elise Vorbach mit je 80 Jahren. OO Muschenheim, 5. Jan. Am letzten Tage bes alten Jahres zog Lehrer Karl Lehr (seither in Gammelsbach) hier ein. Beide Lehrerstellen unserer Schule sind nunmehr wieder endgültig besetzt. Man hofft, daß damit der in letzter Zeit häufige Lehrerwechsel ein Ende gefunden habe. Lehrer Lehr ist für die 2. Klaffe innerhalb kurzer Zeit schon der 6. Lehrer. ch L i ch, 4. Jan. Der hiesige Kriegerverein hielt bei Kamerad Ludwia Vogt seine Hauptversammlung ab. Die schon lange bestehende Kasse zur Unterstützung bedürftiger und kranker Kameraden ist genötigt, ihre Unterstützungssätze herabzu- setzen, es sollen in Zukunft nur 25 Mark pro Jahr und Mitglied gewährt werden. Ferner beschloß man, am Sonntag, 17. Januar, in der Turnhalle ein Militärkonzert zu veranstalten. Es soll von der Gießener Militärkapelle unter Leitung von Obermusikmeister Krauße ausgeführt werden. Der Verein zählt heute rund 140 Mitglieder und wird von Stadtrechner Häuser als erstem Vorsitzenden geleitet —/— Lich, 5. 3an. Der Volksbildung s- verein veranstaltete am Sonntagabend im hiesigen Gemeindesaal einen sehr gut besuchten V o r- tragsabend zum Besten der Licher Winterhilfe. Architekt Spahr, ein gebürtiger Licher, führte die Zuhörer im Geiste nach Ekuador, wohin der Redner im Jahre 1925 in seiner Eigenschaft al- Architekt berufen wurde. Auf Grund seiner Eindrücke während seines mehrjährigen Aufenthaltes schilderte er Land und Leute jenes Staates, der ungefähr die Größe Deutschlands hat, aber nur 2,5 Millionen Menschen als Einwohner zählt. Die Geschichte des alten 3nkareiches, die Besitzergreifung des Landes durch «Spanien, die Selbständigmachung im 3ahre 1830, ber ungeheure Reichtum des Landes an Bodenschätzen, Waldungen und Früchten, die landschaftlichen Schönheiten, ber Panamakanal u. a. m. erstanden in Wort unb schönen Bildern „Willkommen, mein Lieb, auf Rauensteinschem Grund." • 3n dem großen Kamin der Halle des Schlosses loderte ein großes Buchenfeuer. Zart und schmal und etwas ängstlich stand Birgit Sibelius untefl dem hochgewölbten Portal. Hans Egon sah sich suchend um. Da tonte aus dem halben Dämmer, den die Geweihlichterkrone nur mäßig erhellte, eine dunkle Männerstimme an Birgits aufhorchendes Ohr. „Darf ich Sie begrüßen, Schwägerin?“ Birgit unterdrückte mühsam einen Ausruf. Diese Stimme kannte sie — schon einmal hatte sie dieselbe vernommen, und im nächsten Augenblick wußte sie auch, wo! Sie reichte Graf Friedrich, der vor ihr stand, so herzlich unb impulsiv die Hand, daß Hans Egon erstaunt unb mit leisem Mißmut nähertrat: „Kennt ihr euch benn?“ fragte er. Das freudige Leuchten, das im ersten unbewachten Augenblick über die ernsten Züge des Grafen Friedrich geglitten war, erlosch. „Wir kennen uns", sagte er leise und schwer. Er ließ Birgits Hand fallen und trat mit einer ungeschickten Bewegung zurück. Ehe Birgit noch etwas erklären und ehe Hans Egon fragen konnte, kam jetzt hinter dem Grafen Friedrich Mamsell Stülpnagel hervor, strahlend unter ihrer weihen Haube. Ihre frisch gestärkte Schürze knitterte, als sie sich jetzt vor Birgit Sibelius verneigte. Hans Egon wollte mit einem kurzen Ricken an der alten treuen Dienerin vorüber. Da trat Gras Friedrich wieder hervor unb sagte mit gepreßter Stimme zu feinem Drüber: „Willst du beincr Braut nicht unsere alte treue Fielen vorstellen?" Aber Birgit kam ihrem Verlobten zuvor. Mit lieblichem Lächeln reichte fie ber Braven bie Hand: „Ich freue mich, Mamsell, Sie kennenzulernen, und ich sehe es Ihrem Gesicht an, daß wir beide bestimmt gut Freund miteinander sein werden.“ Strahlend erwiderte Mamsell Stülpnagel den herzlichen Händedruck. Birgit Sibelius hatte schon in ber ersten Stunde ihr Herz gewonnen. „Führen Sie das gnädige Fräulein hinaus in das Gastzimmer, Mamsell!" gebot Graf Friedrich. Er wandte sich steif an Birgit: „Wir dürfen Sie wohl in einer Viertelstunde unten zu einem kleinen Imbiß erwarten!?“ Birgit nickte etwas befangen und folgte der Wirtschafterin in das obere Stockwerk. Lächelnd, mit einem Schlager auf den Lippen, sah Hans Egon der zierlichen Gestalt nach, bie eben um die Biegung bet großen Treppe verschwand. „Run", wandte er sich herausfordernd an den Grasen Friedrich, „sage selbst, habe ich nicht einen guten Griff getan?“ (Fortsetzung folgte vor den Zuhörern. Reicher Beifall wurde dem Vortragenden zuteil. Der Reinertrag für die Winterhilfe betrug 27,30 Mk. .Wrcte Büdingen t) Borsdorf, 5.3an. Bei der gestern hier abgehaltenen Holzversteigerung des Forstamts Ridda aus den Distrikten des Harbwaldes wurden verhältnismäßig hohe Preise erzielt; besonders war das Brennholz gegenüber den Preisen in anderen Distrikten gut bezahlt. Es kostete je 1 Raummeter Buchenscheit 9 Mk., Buchenknüppel 7 Mr., Buchenstocke 6 Mk., und Buchenstammreisig 2 Mark. Preußen. Maingau. WSN. Frankfurt a.M., 5.Ian. Der bekannte Frankfurter Gerichtsarzt Dr. Roth, der seit einiger Zeit pensioniert ist, stürzte gestern ausdemdrit- ten Stock seiner Wohnung in der Park- straße auf die Straße und war sofort tot. Ob ein Unglücksfall oder Freitod vorliegt, ist noch nicht festgcstellt. Roth ist durch sein Auftreten als Gerichtsarzt in fast allen großen Prozessen sehr bekannt geworden. Hessische Kieiniier-Aussiellung. Landesverbands-Ausstellung der hessischen Kaninchenzüchter. § Daubringen, 4. 3an. 3n Anwesenheit der Vertreter des Landesverbandes hessischer Kaninchenzüchter und der Provinzial- und Kreisdelegierten, sowie einer Anzahl Gäste und Mitglieder verschiedener Kleintierzuchtvereine fand am Samstag die Eröffnung der Landesausstellung der Hessischen Kaninchenzüchter statt, die in den Sälen der Gastwirtschaften von Ludw. Schäfer und „Zum blauen Hecht" untergebracht war. Als Preisrichter waren tätig für Kaninchen: der Landesverbands- Vorsitzende Ludwig Steinbrecher, Darmstadt, Wilhelm Ullrich, Gießen, und Streb, Offenbach a. M., für Geflügel: Heinrich Meyer, Wieseck. Die Ausstellung wies rund 500 Einzelnummern auf. Die Vorarbeiten zur Durchführung der Schau lagen beim hiesigen Kleintierzucht- verein, dessen Vorsitzender Wilhelm O p p e r als Ausstellungsleiter sich besondere Verdienste erworben hat. Eine stattliche Reihe von Ehrenpreisen stand zur Verfügung. Der Besuch der Ausstellung kann im allgemeinen als sehr gut bezeichnet werden. Auszug aus der Prämiierungsliste Abteilung I: Kaninchen. Aus der umfangreichen Prämiierungsliste geben wir nachstehend die Ramen der preisgekrönten Züchter in Oberhessen wieder. Es wurden ausgezeichnet: Weihe Kaninchen: Ehrenpreise: Georg Glitsch,Alsfeld; K. Hollricher, Giehen. I. Preise: K. Hollricher, Giehen; 2. Preise: L. Ha^mann, Lauterbach; H. Weicker, Altenburg; Gg. Glitsch, Alsfeld; Hch. Seipel, Maar; Gg. Schellhaas, Giehen; Walter Ruhl, Homberg; 3. Preise: Karl Welz, Butzbach; W. SchneevoK, Vilbel. Großchinchilla: Ehrenpreis: Hch. Kaufmann, Gießen; (2 Preise); Gg. Schelchaas, Gie- hen. 1. Preise: Fr. Helm, Homb rg; Hch. Kaufmann, Giehen. 2. Preis: 3oh. Merle, Alsfeld. Blaue Wiener: Ehrenpreis: W. Wenzel, Griedel; 1. Preise: W. Wenzel, Griedel; 3. Möller, Vilbel; 2. Preise: G. Schellhaas, Giehen; W. Wenzel, Griedel; O. Lehr, Daubringen; A. Weiker, Leusel; F. Gomre, Lauterbach; W. Wenzel, Griedel; 3. Preise: H. Schiebelhutt, Lauterbach; W. Pittich, Altenburg. WeiheWiener: 1. Preise: Schwach II. und Huscher, Lauterbach; A. Weiker, Leusel; Hch. Dahmer, Alsfeld; A. Hedrich, Lauterbach; K. Kirchner,Giehen; Hch. Schmitt, Lauterbach; P. Dickel, Lauterbach; K. Bender, Griedel; 2. Preise: A. Hedrich, Lauterbach; Hch. Schmitt, Lauterbach; ^'bopach II. und Huscher, Lauter h (2 Preise); Krömelbein, Lauterbach; K. Dender, Griedel; 3reife: K. Kirchner, Giehen; F. Gomre, Lauterbach. Hasenkaninchen: 2. Preis: Harder und Hebbel,Butzbach; 3. Preise: Otto Martini, Leihgestern (2 Preise); Harder und Hebbel, Butzbach. Kleinchinchilla: Ehrenpreis: 3. Berg- höfer, Gießen; 1. Preis: Hch. Dietrich, Klein- Karben; 2. Preise: Hch. Dietrich, Klein-Karben; A. Hedrich, Lauterbach; 3. Preise: Berghöfer, Giehen; A. Hedrich, Lauterbach. Kleinsilber (gelb): 2. Preise: K. Opper, Daubringen (2 Preise); Fr. Susfner, Ober-Rosbach; 3. Preis: A. Rinker, Grohen-Linden. Kleinsilber, braun: Ehrenpreis: 2. und 3. Preise^ P. Zimmermann, Grohen-Linden. Holländer: 3. Preis: Hch. Becker, Giehen. Schwarz loh: Ehrenpreis: Fr. Eckhardt, Heldenbergen; 1. Preise: H. Köhler, Lauterbach; W. Sommerlad, Grohen-Linden; Fr. Eckhardt, Heldenbergen; 2. Preise: Hch. Wahl, Laubach; L. Renker, Lauterbach; Hch. Köhler, Lauterbach (3 Preise); W. Sommerlad, Grohen-Linden; 3. Preise: Hch Wahl, Laubach; H. Köhler, Lauterbach; W. Sommerlad, Grohen-Linden. R u s s e n: 2. Preis: A. Rinker, Grohen-Linden. Hermelin: Ehrenpreise: W. Fuchs. Daubringen (2 Preise); 2. Preise: O. Steih, Giehen; P. Pfeffer, Bad-Rauheim; Hch. Fuchs,Daubringen; 3. Preise: 3. Volz, Heuchelheim, O. Steih, Giehen; W. Fuchs, Daubringen; P. Pfeffer, Bad- Rauheim; W. Opper, Hch. Preis und Hch. Fuchs, Daubringen; 3. Volz, Heuchelheim; O. Steih, Giehen; W. Fuchs, Daubringen. Angora: 2. Preise: O. Lehr, Daubringen; Fr. Ruß, Ostheim; 3. Preise: Hch. Reff, Heldenbergen; K. Hartmann, Laubach. Rex (Rutria): Erster Preis: Dr. Erb, Giehen. Rex (weih): 2. Preise: Hch. Fuhr, Alsfeld; Fr. Eckhardt, Heldenbergen. Rex (schwarz): 1. Preis: Fr. Eckhardt, Heldenbergen. Rex (blau): Ehrenpreis: K. Schüler, Griedel; 2. Preis: Lehrer Steffan, Maar; 3. Preis: Hch. Fuhr, Alsfeld. Rex (Chin.): Ehrenpreis: Riedesel Freiherr zu Eisenbach, Lauterbach; 1. Preis: Fr. Eckhardt, Heldenbergen; 2. Preis: R. Wagner, Griedel; 3. Preis: R. Wagner, Griedel. B l a u f u ch s: 2. und 3. Preis: G. Klingelhöffer, Alsfeld. Abteilung II: Geflügel. 3apanische Höckergänse: 2. und 3.Pr.: Hch. Hofmann, Daubringen. Khati-Campbell-Enten: 2.Preis: G. Walter, Butzbach; 3. Preise: Hch. 3örg, Klein- Karben; G. Watter, Butzbach. Laufenten, weih: 2. und 3.Preis: Fr. Decker, Rieder-Weisel. Hühner: Drahma: Ehren- und 2.PreiS: PH. Hasser, Rieder-Weisel. Kämpfer, indische: 1., 2., 3.Preis: Dr. Erb, Giehen. 3taliener, schwarz: 2.Preis: Rud.Wagner, Griedel; 3. Preis: L. Klingelhöfer, Daubringen. 3taliener, gelb: 3.Preis: E. Dender, Griedel. 3taliencr, silberhalsig: Ehrenpreis: Hch. Pausch, Griedel; 2. und 3. Preis: Hch. Wagenbach, Daubringen. Rheinländer, schwarz: 1. und 2.Preis: Ernst Jung, Holzheim; 3. PreiS: Hch. Pausch, Griedel. \ Plymouth RockS: Ehrenpreis: G. Luh VI., Leihgestern. Wyandottes, rebhuhnfarbig: 1. Preis: Ernst Dender, Griedel; 2. Preis: E. Walther, Daubringen; 3. Preise: E. Dender, Griedel; E. Walther, Daubringen. Reichshühner: 3.Preis: H. Rühl, Griedel. Barnevelder: 3. Preis: Fr. W. Albach, Daubringen. Dominikaner: 2. und 3.Preis: A.Dauer, Leihgestern. Kräienköppe: 2. und 3.Preis: G.H.Ho- thum, Butzbach. Hamburger, schwarz: Ehrenpreis: R. Müller, Holzheim; 1. Preis: A. Bernhardt, Griedel; 3. Preis: R. Müller, Holzheim; A. Bernhardt, Griedel. Zwerge, Drahma, hell: Ehren- und 2.Pr.: K. Schmidt, Klein-Karben. Langshan, schwarz: Ehren- und 2.Preis: W Sommerlad, Grohen-Linden. Rhodeländer: 3.Preis: W.Walther XL, Daubringen. WyandotteS, schwarz: Ehrenpreis: L. Kreiling, Sieben; I. Preis: Ludw. Grölz, Daubringen. 2. Preis: L. Kreiling, Giehen; 3. Preis: W. Walther, L. Grölz, beide Daubringen. Whandot- tes, rebhuhnfarbig: 3.Preis: E.Bender, Griedel. Wyandottes, gestreift: 1. und 2. Preis: L. Kreiling, Gießen. EnglischeKämpfer: Ehren-, 1. und2.Pr.l W. Sommerlad, Grohen-Linden. Bantam, schwarz: 3.Preis: Hch.Hofmann, Daubringen. Millefleurs: 2. und 3.Preis: L.Schäfer, Daubringen. Tauben: Starenhälse, schwarz: 3.Preis: Hch.Pfalzgraf, Homberg. Koburger Lerche: 3. Preis: K. Doller III., Gombach. Kröpfer, Hess., schwarz: 2. und 3. Preis: Gg. Wien, Klein- Karben. Kröpfer, Elster, schwarz: Ehren- und 3.Preis: K. Schmidt, Klein-Karben. Kröpfer, Hess., blau: 2.Preis: Heinz Henkel, Daubringen; 3.Preis: H. Fischer, Rendel. Kröpfer, Hess., fahl: 3.Preis: H.Henkel, Daubringen. Tümmler, El st er, schwarz: 2. Preis: W. Sommerlad, Grohen-Linden. Kröpfer, weihblatt: 1. und 3.Preis: Derselbe. Produkte: 1.Preis: F. Gomre, Lauterbach. Jugendgruppe Daubringen: A. Kaninchen, Angora: Ehren- und 2. Preis: H. Henkel, Daubringen. Hermelin: 1.Preis: A. Geißler; 3. Preis: W. Kleinhenn. B. Geflügel: Wels um er: 2. Preis: K. Grölz. Rhodelan- der: 3.Preis: H.Henkel. Italiener, rebhuhnfarbig: 3. Preis: W. Kleinhenn. M iJJ efleurs: 1.Preise: H.Henkel, Willi SchlienbeckekT'Drieftauben: Ehren- und 2. Preise: L. Gilbert, QL Geißler. Brieftauben, gehämmert: 1. Preis: L.Gilbert. Brieftauben, blau: 3.Preis: A. Geißler. Äüchertisch. — Deutscher Reichspost-Kalender 1932. Herausgegeben mit Unterstützung deS Reickspostministeriums. (Konkordia-Verlag, Leipzig C 1, Goethestr. 6. Preis 4 Mk. — 601.) — Der Deutsche Reichspost-Kalender bringt eine Fülle von interessantem Stoff. Er unterrichtet in leicht faßlicher Form über die vielseitige Tätigkeit der Reichspost, über ihre Volks- und weltwirtschaftliche Bedeutung, über die Technik und nicht zuletzt über die Menschen, die tn und mit dieser großen Verkehrsverwaltung leben und arbeiten. Die Aufmachung des Kalenders ist wieder hervorragend, die Bilder und Zeichnungen wirkungsvoll, die erläuternden Texte knapp und klar. — Deutscher Handwerks - Kalender Jahrgang 1932. Herausgeber Reichsverband des deutschen Handwerks, Hannover, Verleger Konkordia- Verlag, Leipzig. Pr.4Mk. (605) — Der Kalender will dem Handwerk Freunde zufüyren und für gute und gediegene Handwerksarbeit werben. Diesen Zielen dient das lehrreiche Bildmaterial, das eingehenden Aufschluß über die Tätigkeit im Handwerk gibt und zeigt, wie der Meister in den einzelnen Handwerkszweigen arbeitet. Man kann dem neuzeitlichen Werbemittel für das gesamte Handwerk nur Erfolg wünschen in der Zuführung neuer Freunde für den Berufsstand, aber auch in der Gewinnung neuer Kunden für den Absatz handwerklicher Erzeugnisse. Aus den Mhandlungssälen des Landgerichts ßtfil euch ncA baS Yarlo ab l'ianaUn bet unenig&Utdjcn Lrvril F.nb bann. .numane* SlnifUailjug au$. bei drr ßanbarbe-t feine (eüien 5dfeiiitcfl LILLk 43mVMfcLImlD r,?IJuökin euch nnch da» YarU, ab Monaten bet tmrntgeMich-u Lrveil sind darnach u>!b ncw'.f, * Lo s.ehr bet „Humane* Slrasvullzng aus. bei der Landarbeit feine lehren sjfc.n'jfcdr £ time fplat ferner Zusinroman l ? .eines I (Br g fXth hin nirn Mr.i« ‘ lomnxflrtMe war. bccctl reffm^t auBgcfüfitt, bafe ^56e- Ich bin nach Nicht bah'nter M.wen. sich tulnierk Da. nennt kick tn einem >‘e aui?if;'enicn Sear.ilen pexnkt darauf ietn. SPobl^rnn ^Dr »ui jütlora-'" eine fiele«, ri!» man sie im OUabe. ^fpflete* halten taBn T" ■ ■ MtM 12cHmun r 'vage! nach 67 auf m'pr-L'tnt ?"—• «- MM OK uD MB a» Ihn 3nv entur-Mu^auP N mirb die E Stadt in ^ständegeräumti . DrNLS t-rr. Cviclplun bet Pariser ffliirn. Bui (Sin moderner Ter 2c;c$r h-hejchctdungr'xre-, mit der grau siü> b?9 DeuieideS bt» Llcossosiz die LvSf'rch'. 1 ..ullnct ,tch. oy-'be einem br(onbr „G’cdjf erlcna!, ein fr ferungtoohoenbig nie nur bie tzustünre, den bUicnigen, die fein x! fchwrreri. Hiermit i . ^#ei enb igie SoBg-ifica I>e » md grober —.P- nch s falt Dorbcreitet Du neue,le Nummer wat nun . « w» einem gtcbenlben Engländern gewidmet, unb ba t> S Naterwi .. .."^.^enbeine guftüa«f schon vor den englischen Wahlen jja|»irmcngcit»3l Spezialhaus Gießen, Seliersweg 12 0u» bem Briefe eine« tv« st deutschen Znch 1 hau » 1 nsassen: „Ta» meine Hoffnung aal Freilassung sich vereitelte, stieg mit so in den tz-u-s. bnh 'ch versuchte, mich selbst zu entleiben. .—5 «mai« 5*4- 1 «en enafbuHjun» £ef>t ifl ei ..erb ]o trrr tag noch aufeen hin gto'ge Neklome Über den fclrafBr.Öjug gemacht n>itb. unb t)in:ci Jicfem H-Heul stedl da» Äespenst ..Elend' In btt- -.«titet Art. £0 mochte ich Sie einmal auf folgen- 2cS aufmetljam machen. Der neu» G> 11 a 1 • oollzun feil ja dahin wirken, den Gefangenen wieder aeifha unb sittlich «1 h/fx» onb ibn wieder folint als verfasset de» ifireeal er, von politischer» unb Heros abgesehen, m noch linfö Freunde hat. a.inz pcrfönliäe Tendenz, Viel Suipolcon», wie man - - we. 6ieeon»«beUa9eatn$re«a8 WM «W "«« WL wtnmmgtn Hm-MNM- -Kitfmmmgm S”1”1”“ KmbmIKldmg (loüptn, . . rt.U flinh .—■ — • met Lwvefti« • Kampfes um sie charo Fah'rriche Sccmte sich, d.e Oeffenl.'ichkci» di» Humanität auf*’jiiäi ve- L-jangene, bet Bie P tün lönnU, ist Ba;u nicht Und doch ist der L r 1 c j leit enorm unb nicht b:sd sichen Scheu und Scham, di. gen lassen. Ban 'lebt 3ulen Pier, cuf da» man schrelbei' bogen verschlucken mehr, al, Lu da die Hkfütraurlet b > sich ungchrmmt übe? ihn un» bi» Frage der Amnestie cuf^c Nccht an dieser Stelle auch i cercumL Sl.indicr neue Ein forme0 und bie seelischen Difl, Holzversteigerungen des Graf zu Solms-Laubachfchen Forflamls. Montag, den 11. d.M.» 10^ Ahr, in der Turnhalle zu Freienseen aus den Distrikten Ziegenberg, Tränkbach, Kreuzfeener- berg, Weidenau, Jmfenhau, Wetterauerberg, Hoherain der Försterei Glashütte, rm Scheiter: 550 Buche, 3,5 Eiche (rund 2 m lg.), 7 Fichte (rund); Ast- u. Stamm- knüpvel: 200 Buche I., 140 II. (abständig.), 27 Eiche, 25 Radel- u. Weichholz; Stöcke: 14 Buche; Reiferknüppel: 79 Buche. Ruh- hol;. 3 Fichtenabschnitte 5—12 m lg. 30 bis 34 cm (D o. R. - 2,15 fm aus Weidenau. Kohlreiser aus Ziegenberg u. Tränkbach. Auskunft erteilt Förster Krautwurst, Glashütte. Telephon: Laubach 69. Dienstag, den 12.d.M., 10^4 Uhr, in der Turnhalle zu Freienseen aus den Distrikten Peterswald, Rasserwald, Baum- kircherwald, Schornbera, Mushau, Wintersberg. Frfr. Thomasbiegel der Försterei Oberjeen. rm Scheiter: 500 Buche I., 54IL, 40 Esche, 40 Ahorn, 6 Kirschb., 2 Fichte; Knüppel: 300 Buche L, 20 II. (abstg.), 23 Esche, 28 Ahorn, 18 Eiche u. Kirschb.; Stöcke: 50 Buche, 4 Ahorn; Stammreisknüppel: 7 Buche (grün), 40 abständig, 4 Esche; Astreisknüppel: 100 Buche, 6 Esche. — Blau unterstrichene Nummern werden nicht ausgeboten. Kohlreiser und Lesholz flächenweise. Auskunft erteilen Förster Schreiner, Altenhain, u. Hilfsförster Flick, Freienseen. 127V HMi Pfund 0.35 130 D Pfund 0.45 Heb. Kalbfleisch Jedes Quantum trockenes liefert pro Ztr. 1.80 frei Keller. «« H. Schäffner LedUtenderg. Vvg 40. 1500 Mk. geg. nute Sicherheit ges. Schr. Angebote unter 079 an den Gießener Anzeiger. WerWotbckm. briefb. zu 500 RM. zu hoben Zinsen? Schr.Anfr.unt.088 an den Gieß. Anz. Unsere Preise sind teilweise bis zu Schuhhaus beginnt am Donnerstag, dem 7. Januar Wir waren noch nie so billig! 50‘Iq ermäßigt Meyer Gießen, Bahnhofstraße 30 Auf Ueberschuhe und Winterschuhe... 20O--an Seefische zum Koch, von 40 Ps. an Schollen Psd.kO-' Rotzungen „ 90 Icb.tlnrUfcn „110 4 leb. 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Herren-Socken wollplattiert, grau 0.75 reine Wolle, grau und kamelhaar- Sweater-AnzOge.fürWbis I3jähr., reine Wo le..................7.50 Herren-Pullover... 6.50, 4.50, 3.50 Herren-Westen... 9,50, 5.53,4.50 Herren-Unterzeuge ■leerterte Blnlrtttakartei: Bnndeamltgliedar haben bis zu iwel Plltxen freien Eintritt treten Einlösung des Gutscheines Nr. 5 aus dem roten Gutschein heft, Verbandsmitglieder zu 90 Pfg. Seg. Einlösung Nr. 5 aus dem grün. Gutbcheinheft desGoethe- undes in derMusikalienhandhing Challier. Nichtmitglieder: zu 250 und 2 Mk. bei Chai Her und Abendkasse. Studenten- karten: zu 1 Mk. geg. Ausweis bei Sekretär Ritter, Univ.-Geb. Reserve hat Ruh w mit einer Bombenbe*»etzang TT] Gießener Konzertverein Sonntag. 10 Januar 1932,17 Uhr.Universitätsaula Fünftes Konzert Edith Lorand Violine Am Flügel: Carl Lothar Mikulicz Werke von Bach. Franck. Händel, Mozart, Sarasate und Vieuxtemps. Der Bechstein-Konzertflügel ist vom Pianohaus Schönau, Seltersweg. Eintrittskarten 2, 3 u. 4 RM. bei Ernst Challier und abends an der Kasse. Studentenkarten 1 RM. nur im Vorverkaut bei Herrn Sekretär Ritter und im neuen Studentenhaus >zo Die zweite Rate des Abonnements ist abzuholen. Gesangverein Heiterkeit Donnerstag, den 7. Januar, Singstunde Im Realgymnasium. — Die 1t. Vergnügungs- Karte auf den 9. Januar festgr-legte Unterhaltung findet nicht statt. Samstag, den 23. Januar, 24 , Uhr ordentliche General-Versammlung im Vereinslokal. T agesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Kassenbericht. 3. Ersatzwahl des Vorstandes. 4. Anträge. 5. Konzert 1932. 6. Verschiedenes. Anträge sind bis zum 13. Januar an den Vorstand schriftlich einzureichen. Stundenplan Zeit Montag Dienstag Mlilwoch Donnerst. Freitag 19-20 Uhr Diktat 60-100 Ansänger — Diktat 60-100 Anfänger 1914-21 „ — praltiker u. höh. Diktat — — 20-21 , Diktat ^ort- Diktat Fort- 120 u. höh. bilbung 120 u.höh. bildung 21-22 r Kedeschrist — — Redeschrift — Aus einem sehr günstigen Gelegenheits-Einkauf Zum Ausnahme- Preis von..,.Mk, biete ich ca. 100 cm breit, kunstseid. Crepe-Maroc, prima fehler- freie Kleiderware, garant. färb' u.waschecht, in vieien Farben an 114 A J. Pfeffer • Marktplatz 6 Sie sind erstaunt über die Billigkeit in unserem Inventur- Ausverkauf 80 cm br. weißen Krettonne.......................m 0.22 80 cm br. weißen Mako-Battist, hochwert. Qual.......m 0.58 Gerstenkorn-Handtücher......................m 0.18, 0.15 Gerstenkorn-Handtücher, hochwert. Qual.............m 0.48 Gläsertücher, rot und blau kariert..............Stück 0.25 Grubenhandtücher...........................Stück 0.28 130 cm br. weiß gestreiften Damast................m 0.75 130 cm br. weiß geblümten Damast.................m 1.10 80 cm br. weißen Flockköper, hochwert. Qual........m 0.54 80 cm br. 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Betz. uQb Frau Schulstraße 090 Nr. 4 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Mittwoch, 6. Zanuar 1952 Aus Natur und Technik. Neues vom Fernsehen. Äon Max Fischer. (Nachdruck verboten!) In einer Sitzung des Elektrotechnischen Vereins sprach kürzlich in Berlin Postrat Dr. B a n n e i tz über die Ergebnisse der Fernsehoersuche des Reichs- postzentrolamts. In außerordentlich klarer und leicht, verständlicher Art zeigte der Vortragende, wie die Bilder, die wir mit dem Auge gleichzeitig in ihrer ganzen Fläche übersehen, zum Fernsehen in eine große Zahl einzelner Punkte zerlegt werden müssen, die zeilenweise durch einen Lichtstrahl abgetastet und nacheinander übermittelt werden; wie dann diese Bild O Nipkows&ie Lochscheibe Punkte beim Empfänger wieder zu einem Bild zu- sammengesetzt werden, so daß der Beschauer sie, obwohl sie nacheinander erscheinen, infolge der Trägheit seines Auges gleichzeitig zu sehen glaubt uiü) so ein Bild sieht, das in Wirklichkeit gar nicht vorhanden ist. Er erläuterte dies durch ein Lichtbild, indem er einen Lichtstrahl durch das erste Loch einer schraube und die Braunsche Röhre. Bei der Spiegel schraube fällt ein Lichtstrahl aus etwa hundert in Form einer doppelten Wendeltreppe aufeinander getürmte schmale Spiegelstreifen und wird in diesen entsprechend dem Fortschreiten der Drehung als wandernder Bildpunkt sichtbar. Die Braunsche Rohre ist ein kegelförmiges Glasgefäß das seinen matten Boden dem Beschauer zukehrt. Don der Spitze aus geht ein Kathodenstrahl durch das Innere der Röhre und wird aus dem Boden sichtbar. Dieser Strahl wird durch je ein Äonbenfator platten paar in waagerechter und senkrechter Richtung fortgesetzt so verbogen, daß der auf dem Boden entstehende Lichtpunkt zeilenweise über die Bildfläche huscht. Die Ladung der Kondensatoren wird durch eine Ripkowsche Scheibe gesteuert. Die Fernsicht auf der Empfängerseite wird beim Fernsehen dadurch vorgetäuscht, daß der Beschauer etwa durch die Löcher einer Ripkowschen Lochscheibe in eine Lichtquelle sieht, die in ihrer Helligkeit dauernd schwankt, also beispielsweise bei 10 000 Bild- punkten und 25maüger Wiedergabe in der Sekunde 250 OOOmal in der Sekunde, bei 30 000 Bildpunkten also Xmillionenmal in der Sekunde. Das ist nicht etwa ein Schreibfehler, sondern es ist tatsächlich so, daß die Lichtquelle ihre Helligkeit ^«millionenmal in der Sekunde verändern muß, und zwar ganz genau ensiprechend den Helligkeiten der Punkte des ursprünglichen Bildes. So wenig Trägheit haben nur Glimmlampen also Lampen ohne Glühfaden, in denen nur Gase leuchten; diese Glimmlampen waren bisher leider nicht sehr hell. Run ist es aber neuerdings gelungen, eine Glimmlampe zu schaffen, die die hundertfache Helligkeit der bisherigen Fern- fehlampen hat; dies ist wohl einer der größten Fortschritte, die in letzter Zeit auf dem Gebiete des Fern- sehens gemacht worden sind; mit dieser Lampe kann man nun tatsächlich Helle, ganz hellgelb leuchtende Fernsichten erzeugen. Wenn man die Entwicklung des Fernsehens in den letzten paar Jahren verfolgt hat, so ist man immer wieder erstaunt, in wie kurzer Zeit geradezu ungeheure Fortschritte erzielt worden sind. Man kann heute schon in recht befriedigender Weife fernsehen; bei 30 000 Bildpunkten und 25 Bildern in der Sekunde kann man schon Bilder mit ziemlichen Feinheiten, vielleicht schon ganze Bühnenbilder senden. Das Fernsehen wäre eigentlich schon jetzt verwendungsreif, wenn wir schon die Funkwellen hätten, denen man eine so große Zahl von Bild- punkten in der Sekunde aufpacken kann; nur daran hängt es noch. Es ist aber kein Zweifel, daß es aud) damit nun vorwärts gehen wird, so daß wir hoffen dürfen, schon in wenigen Jahren einen Fernseher ebenso selbstverständlich im Funkladen kaufen zu können, wie heute einen Funkempfänger oder einen Lautsprecher. Dann werden wir im Fernsehen über überkurze Wellen in unseren Wohnungen die Ereignisse sich abspielen sehen, zu denen uns der Rundfunk bisheriger Art die Töne und Geräusche genau so liefern wird, wie sie sich jetzt im Tonfilm zu einem Gesamteindruck vereinigen. Ist schon unser jetziger Rundfunk ein großes, großes technisches Wunder, so grenzt der Heimtonfilm geradezu an I Hexerei, und doch geht auch bei ihm alles wie überall I mit durchaus natürlichen Dingen zu. Erstes Erlebnis der Technik. Ein Dichter, ein Schauspieler und ein Maler erzählen ... Oberteil der Lochscheibe heraus- geschnitten. Man sieht den Hellen Streifen über dem mittleren Loch und den dunkeln darunter, weil das mittlere Loch um das links schraffierte Stück zu hoch sitzt. zunächst stillstehenden Ripkowschen Lochscheibe auf die weihe Wand fallen ließ. Dann wurde die Scheibe in Umdrehung versetzt, und zwar zunächst ganz langsam: Dabei wanderte dann ein Punkt über die erste Zeile, noch deutlich als Punkt erkennbar, dann über die zweite usw. Mit dem Schnellerwerden der Umdrehung ging der Eindruck des Punktes mehr und mehr verloren; nach einiger Zeit sah man bann die ganze erste Zeile hell, bann bie zweite usw., bis schließlich bei weiterer Zunahme ber Umbrehungs- geschwinbigkeit bie ganze Bilbfläche hell zu sein Sind bagegen bie Löcher sechseckig, so überbecken sie sich trotz- bem, unb es gibt keine ober nur ganz schwache Streifen auf ber Fernsicht. schien, obwohl ja auch bann immer nur ein einziger heller' Punkt zeilenweise barüberhin huschte. Der Vortragende zeigte hieraus an Hanb ber Beispiele bie auch schon auf ber letzten Funkausstellung zu sehen waren, baß bie Zerlegung bes Bilbes in 1200 Punkte unb eine 12%maligc Ucbermittlung bes Bilbes in ber Sekunbe, auf bie man sich beschrankt hotte, um Fernsichten auf unseren Runbsunkwellen ohne Störung benachbarter Wellen geben zu können, nicht genügt baß man vielmehr auf 10 000 bis 30 000 Bilbpünkte unb eine 25malige Uebcrmittlung in ber Sekunbe geben muß, wenn man wirklich gute Fernsichten erzielen will. Die Uebermittlung ist bann allcrbings nur mit Ueberkurzwellen möglich; es wirb daher bie Aufgabe ber nächsten Zukunft fein, einen Ueberkurzwellenrunbfunk für bie Zwecke bes Fernsehens zu schaffen. Mit ben erforberlichen Versuchen ist man beschäftigt. 21h einfachstes Mittel zur Abtastung bes Bildes beim Sender hat sich die Ripkowsche Lochscheibe auf die Dauer bewährt. Freilich werden die in einer Spirale angeordneten Löcher bei der großen Bild- Punktzahl sehr klein; sie messen nur noch etwa ein Zehntel Millimeter in der Seitenlange. Es i|t na- türlich sehr schwierig, diese Löcher so genau auszu- stonzen daß die zweite Lichtzeile unmittelbar unter ber ersten, die dritte unter der Zweiten usw. so anschließt, daß bei der Wiedergabe keine sichtbaren Trennlinien entstehen. Tatsächlich sind diese Trennlinien immer etwas störend, zumal sie zwischen den verschiedenen Zeilen in verschiedener Brette bald bell unb halb bunkel auftreten. Man hat sich daher neuerdings so geholfen, daß man die Locher nicht mehr quadratisch macht, sondern sechseckig, mit Den Spitzen nach oben und unten, so daß sich bie Bild- -eilen etwas überlappen; dadurch kann man bie Trennlinien zwischen ben Zeilen fast vollkommen zum Derschwinben bringen. Beim Empfänger hat man an Stelle ber Lochscheibe verschiebene andere Mittel zum Zusammen- sctzen bes Bildes verwenbet, so z.B. bie Spiegek- Vorgestern ein Traum, gestern ein Wunder, heute schon eine Selbstverständlichkeit — das ist die Technik. Wie sie die Technik als Wunder erlebten, schildern im nachfolgenden einige hervorragende Zeitgenossen: Der Fremdling aus dem Hochrad. Äon Jakob Schaffner. Es war in der Armenanstalt (Beuggen a. Rh, die in meinem Kindheitsroman „Johannes" den Ramen Demutt trägt. Ich führte dort gegenüber, der Schweizer Grenze seit einigen Zähren als Daterwaise ein bald beschauliches, bald angefochtenes Leben. Ron Technik hatten wir noch nichts gehört, nicht einmal das Wort kannten wir, desto besser waren wir mit dem Heiligen Geist bekannt, und mit den Propheten und den Aposteln verkehrten wir wie mit unseresgleichen. Der Platz lag einsam von Mauern umhegt weitab von der Welt. Oben vorbei fuhr die Eisenbahn; daß das ein Erzeugnis der Technik war, fiel keinem von uns ein zu denken. Eisenbahnen waren schon dagewefen, als wir den ersten (Blick in die Welt taten, und was immer da war, das gilt dem Kind neben Hund und Katze als das Selbstverstandl.che. Auch die Petroleumlampe, die uns zu unseren Andachten und unserer kleinen Arbeitssklaverei leuchtete, war Technik. Die Näh- maschine, der Göpel, die Häckselmaschine, die Pumpe, die Dreschmaschine, die jeden Herbst in unserem Hof surrte, und so vieles andere war Technik, ohne daß wir uns dessen bewußt wurden. Am meisten gab uns schließlich noch die Dreschmaschine zu gucken und zu denken. Da stand sie in ihrer eisernen Massigkeit, stieß aus dem Kamin schwarzen Rauch, zischte, fauchte, surrte und summte stundenlang, daß man von dem Ton ganz krank wurde, und der Dreschkasten ratterte und lärmte; hie und da stieß sie kurze oder lange Wollustschreie aus, und alles in allem mißtraute ich ihr, ich empfand sie als einen Eindringling und glaubte nicht an ihre Gebändigtheit. Die Knechte, die sie bedienten, sahen auch nicht wie ihre Herren aus; sie waren schmutzig, ruppig, unwissend und mußten immer tun, was ihnen befohlen wurde; wenn man genau zusah, so war es die Maschine, die befahl. O ja, ich hatte einen scharfen Blick und ließ mich nicht so leicht hinters Licht führen. Ich war auch ganz dagegen, daß unser Herr Johannes uns die innere Mechanik einer Lokomotive dar- legte. Ich wollte nichts davon wissen. Cs zerstörte mir das Bild, es vernichtete mir die Gestalt, und es bedrohte das Phantasiebild, das ich von der Lokomotive hatte als von einem großen, guten, schnellen, starken Lebewesen, das aus geheimnisvoller eigener Kraft durch die Lande c;lt. Mit einem Ding, das mit Büchsen und Heizröhren, Zylindern und lleberhitzkammern ausgerüstet war, konnte ich nichts mehr machen. Ein Ingenieur steckte gewiß nicht in mir. Aber eines Tages erschien in unserem Hof etwas, das mir wirklich wie eine Erscheinung aus einer anderen Welt und aus einer neuen Zeit vorkam. Ein ehemaliger Zögling des Armenhauses, der es draußen offenbar zu etwas gebracht hatte, war an einem schönen Sonntagmorgen auf einem hohen Rad angerückt, das man, wie es hieß, bestieg und dann ganz schnell durch Treten fortbewegte. Die wenigsten von uns hatten ihn ankommen sehen, die Nachricht ging wie ein Lauffeuer unter uns um. Niemand konnte sich etwas Rechtes darunter vorstellen. Man mu:maßte, stritt, wahrsagte. Aufgeregt kam man in die Predigt, deren Text das sieche Weib war, das der Herr geheilt haben sollte. Derweilen stand drunten irgendwo das sagenhafte Tretrad, und da rechts in der Fensternische sah der Fremdling, schlug die Beine übereinander und hörte mit überaus vornehmem, fortgeschrittenem und ziemlich verwundertem Gesicht die Mär von dem kranken Weib und die Anwendung mit an, die der Herr Dater davon machte. Er trug helle Hosen und einen blauen Rock, dazu eine flatternde Krawatte und braune Schuhe. Ich hätte nicht sagen wollen, daß er dem predigenden und heilenden Wann in Palästina überlegen gewesen wäre, aber die Apostel konnten zweifellos vor ihm einpacken und samt und sonders dos Feld räumen. Nach der Predigt hielt uns bloß die nie versagende eiserne Anstaltszucht davon ab, wie eine wüste Horde über die breite Treppe hinunter schnurstraks nach dem Hof zu rennen. Aber dann sahen wir den wunderbaren Fremdling vom sogenannten Holzschuppen, der ehemaligen Fecht- und Wandelhalle der Deutschritter, her seine blinkende Maschine an der Hand heransühren wie ein phantastisches Märchen» oder Geisterpferd, dem ein großer Zauberer diese Gestalt gegeben hat. (Borne drehte sich ein mannshohes oder noch höheres Rad mit vielen spinnenbeindünnen leuchtenden Speichen und einem ganz schmalen, gebrechlichen Radkranz, den ein dünner Gummireifen umgab. Ein glitzerndes Leben und Weben war in der Bewegung des Rades. Hinten wuselte schnell und atemlos ein ganz kleines Rädchen nach, das durch eine lange gebogene Stange übet das große Rad hinüber mit einem kleinen Sattel und einer Lenkstange verbunden war, beide so hoch oben, daß keiner von uns begriff, wie man da hingelangen konnte. Er aber faßte aufmerksam und ruhig die beiden Metallhörner in der Höhe, setzte den linken Fuß auf einen Dorn in der gebogenen langen Stange, trat einigemal kräftig und zielsicher an, kletterte schnell auf den nächsthöheren Dorn, schwang sich von dort flink in den Sattel, und während wir atemlos dachten: „Jetzt kippt die ganze Geschichte um und er fliegt herunter!", hatte er mit den Füßen die Pedale aufgefangen. Nach kurzem Pendeln brachte er die Maschine in einen gleichmäßigen, stolzen Gang, der mir ungeheuer edel unb siegreich vorkam. Die Herren standen lächelnd da und taten, als sei bas kaum eine Mücke im Bergleich mit dem Reich Gottes, aber ich war ergriffen und tief hingenommen und ärgerte mich über sie. Nachdem der wunderbare Fremdling ein paar Kehren und Kurven durch den Hof ausgeführt hatte, griff er an den runden Strohhut. grüßte überlegen und entschwand durch das obere Tor aus unfern Blicken. Mein erster Kinobesuch. Äon Eonrad Deidt. „Die Billets bis Nummer 10 sind abgelaufen", brüllten zwei geschäftige Männer bei meinem Eintritt in das „vornehmste Kinoetablissement" Tempelhofs. Das war eine Schaubude auf einem Rummelplatz des alten Tempelhofer Feldes. 1912. Ich war 19 Jahre alt und sah zum erstenmnl einen Film. Eintrittspreis: 10 Pfennig, Kinder unb Solbaten 5. Hehler Geruch von Schweiß unb Apfelsinenschalen schlug mir entgegen unb nahm mir fast ben Atem. Die durch Ausruf Hinausgeworfenen drängten zum Ausgang, der gleichzeitig auch der einzige Eingang war. Dann fand ich Platz neben einem einsamen rundlichen Mädchen, das mich keines Blickes würdigte, aber vertrauensvoll ihre Knie gegen die meinen drückte. Nach einer endlosen Pause, die nur das (Brummen des (Ventilators füllte (nie habe ich aufmerksamer diesem Geräusch zugehört», in der Liebespaare verstohlen miteinander flüsterten und (Butterbrot- unb Schokolabenpapier knisterte, würbe es dunkel. Ein Leierkasten fang bie neusten Schlager: „Komm in meine Liebeslaube, in mein Paradies" und „Püppchen, du bist mein Augenstern", bann folgte — Stille. Ein versteckter Apparat begann zu surren, unb plötzlich erschienen auf der primitiven Leinwand herrlich verregnete Bilder. Wie der erste Film, den ich sah, hieß, weiß ich nicht mehr; ich entsinne mich nur einiger, von Gassenjungen umgestürzten Aepfelkiepen und an die tolle Jagd, die nach den jugendlichen Derbrechern begann, ilnö bann ertönte bie Stimme des Ansagers: „Hier, meine Herrschaften, sehen Sie die strafende Gerechtigkeit (zwei (Blaue mit Pickelhauben hatten zwei der Jungen ergriffen), das heißt, die Jungen haben wohl die Strafe verdient, aber die Polizei ist gerecht, sie schützt sie vor der Wut des Pöbels." Ich sah unter dem Eindruck dieses Bildwerkes wie gebannt auf meinem Platze. Das war etwas anderes als Theater, das ich allabendlich bei Reinhardt sah — weniger und doch auch mehr. Hier bewegten sich die Menschen zwar nur auf der Leinwand, und sie schwiegen, aber ihr mimischer Ausdruck war ungleich bedeutungsvoller als auf der Bühne. Ich träumte während der ganzen Pause und vergaß das Mädchen neben mir unb den brummenden Ventilator; zahlte fünf Pfennig nach und blieb, bis Nummer 12 abgelaufen war. und trug ein großes Erlebnis nach Hause, ohne allerdings zu ahnen, daß ich mich selbst wenige Jahre später da oben auf ber Leinwand würde sehen können; Jahre, in denen dec Film zu einer neuen, zukunftsreichen Kunst heranreifte. Es wurde Licht... in der Friedrichstraße. Äon Professor Or. Max Liebermann. Man hat sich daran gewöhnt, und namentlich unsere jüngste Generation nimmt das Wunder de- elektrischen Lichtes beinahe als eine Selbstverständlichkeit hin; als sei die Erfindung eine Kleinigkeit und nicht deS Aufhebens wert. Biel- leicht liegt das auch daran, daß unsere Jugend — wie sie stets betont — keine Zeit zum Nachdenken hat. Das Tempo unserer Zeit macht ja so vieles vergessen. 11ns aber, die wir die Geburt des elektrischen Lichtes miterlebt haben, wird es als bedeutungsvollstes Werk, als eine der größten Erfindungen der Technik in Erinnerung bleiben. Das ist nun schon bald ein halbes Jahrhundert her; ich war damals ein ausgewachsener Dreißiger und beleuchtete die Stätte meiner eigenen Wirksamkeit, mein Atelier, standesgemäß mit Petroleumlampen. Gasbeleuchtung war damals noch das Attribut der Vornehmen, und obgleich ich mir diesen Luxus hätte erlauben können, scheute ich doch die Kosten, aber auch die Primitivität der Anlage und das unbarmherzig-grell- weiße, harte Licht. Da ging wie ein Lauffeuer die Kunde von der Erfindung Edisons durch die Welt, und man wartete gespannt auf die erst Jahre später der Oessentlichkeit übergebene elektrische Glühlampe. Ich sah sie zum erstenmal im Jahre 1882, also drei Jahre nach ihrer Erfindung. An einem Maiabend bummelte ich durch die untere Friedrichstadt Schon von der Zimmerstraße aus sah ich eine riesige Menge an der Kochstraße stehen. Die Kochstraße zwischen Wilhelm- und Friedrichstraße erstrahlte in nie gesehener Lichtstärke. Das „elektrische" Licht —: ging es von Mund zu Mund. Die Menschen, unter ihnen auch ich, starrten diese 20 Straßenlaternen ungläubig und bewundernd an. Cs gab damals natürlich noch keine Metallfadenlampen, sondern nur einfache Kohlenfadenbirnen, aber daß diese dünnen Fäden einen derartigen Lichtschein verbreiteten, daß keine Flamme, also nichts „Brennbares" vorhanden war, das war das Erstaunliche. Gin Helles, weiches, gelbliches Licht überstrahlte die menschenvolle Straße. Ganz Berlin sprach von diesem Erlebnis, und als Siemens & Halske diese Versuchsbeleuchlung im September wieder entfernten, war allgemein Bedauern am Platze. Einige Monate später sah ich das elektrische Licht schon in verschiedenen Lokalen: in der „Ressource", im „Böhmischen Brauhaus", im „Union-Club". Heberall stand man vor dem elektrischen Wunder, starrte und staunte. Fünfzig Jahre sind seither verflossen. Ich habe viele technische Wunder inzwischen erlebt und mehr als einmal Respekt vor dem Genie des Erfinders empfunden. Aber unauslöschlich brennt nach wie vor in meinem Leben das erste elektrische Licht. DieWasserleitungisteingefrom! Lachgemäße Behebung des Frostschadens. (Nachdruck verboten!) Wenn früher eine Wasserleitung eingefroren war, fo war dies eine schlimme Sache, namentlich, wenn sie unter Puh lag, übertapeziert oder angestrichen war. Man mußte dann den Puh heraushauen, um das Rohr mit der Lötlampe erwärmen zu können. Bei tapezierten und ange» strichenen Rohren verbrannten beim Erhitzen die Tapeten und der Anstrich. Wo solche Leitungen durch die Decke oder durch die Wände hindurchgingen, kam man mit der Stichslamme meist überhaupt nicht heran. Da jetzt im Winter das Einfrieren von Wasserleitungen wieder eintreten kann, sei einmal darauf hingewiesen, daß man heutzutage eingefrorene Wasserleitungen elektrisch auftauen kann. Dom sogenannten Punktschweißverfahren her hat man gelernt, daß man mit sehr geringen und ungefährlichen Spannungen, beispielsweise schon mit 2 Volt, aber mit sehr großen Stromstärken starke Wärmewirkungen ausüben kann, die man eben »um Zusammenschweißen von Eisenblechen usw. benutzt. Ganz ähnlich kann man nun zum Auftauen mit Wasserleitungen verfahren, nur verwendet man dabei etwas höhere Spannungen, nämlich etwa 6 bis 8,5 Volt Diese Spannung legt man mit gut anschließenden Rohrschellen an die aufzutauende Leitung an, wobei die Schellen zweckmäßig einen Abstand von 20 Meter voneinander haben, so daß man also immer ein 20 Meter langes Leitungsstück auf einmal eisfrei machen kann. Wan braucht dabei nicht das ganze Rohr freizulegen, sondern nur die Stellen, wo man die beiden Rohrschellen anschließen muh. Bei der Spannung von 6 bis 8,5 Volt ergibt sich eine Stromstärke von 100 bis 200 Ampere. Diese Stromstärke ist notwendig, weil bei geringeren Stromstärken die Erwärmung so langsam ansteigt, daß sie durch Ausstrahlung immer wieder verloren geht. Woher bekommt man nun Ströme so geringer Spannung und fo hoher Stromstärke? Wo in das Haus Wechfelstrom eingeführt ist, ist dies verhältnismäßig einfach. Jeder geschäftstüchtige Installateur hat heutzutage einen kleinen Auftau- Abspanner. Das ist ein Eisenkern mit zwei Wicklungen in einem kleinen Kästchen. Die eine Wicklung, die eine große Windungszahl hat und aus dünnem Draht besteht, wird an das Lichtney angeschlossen, wobei die 6-Ampere-Sicherungen durch solche für 10 Ampere ersetzt werden müssen, da sie sonst durchbrennen. An die zweite Wicklung, die aus dickem Draht besteht und wenige Windungen hat, werden zwei dicke Kabel ange- schlossen, die zu den Rohrschellen führen. Diese beiden Kabel dürfen nicht in Ringen liegen, da es sonst nicht geht. Sehr viel unangenehmer ist die Sache, wenn nur Gleichstrom zur Verfügung steht' Dann muh der erforderliche Strom entweder mit einem von einem Benzinmotor angetriebenen Stromerzeuger erzeugt werden, oder man must mit dein Licht- ström einen Elektromotor treiben, an den der Stromerzeuger angeschlossen ist. Aber heutzutage hat man ja fast überall Wechselstrom, und dabei ist, wie gesagt, das Auftauen einer eingefrorenen Wasserleitung keine schwierige Angelegenheit mehr, vor allen Dingen aber auch keine, durch die die Wohnung verunziert und — verzeihen Sie die harten Worte — verdreckt und verstänkert wird. Wir möchten diesen Aufsatz nicht schliesten, ohne eine eindringliche Warnung auszusprechen.' Versuchen Sie ja nicht etwa zum Auftauen einer eingefrorenen Wasserleitung die elektrische Lichtleitung unmittelbar mit dem Wasserleitungsrohr in Verbindung zu bringen, denn das wäre lebensgefährlich für Sie und andere, ganz abgesehen davon, dast Sie auf diese Weise unter Llmständen Ihr Hays anzünden könnten. Ohne Auftau-Abspanner geht es nicht, und wenn Sie, wie zu vermuten ist, selbst keinen solchen besitzen, so müssen Sie sich schon den Wasserleitungsmann kommen lassen. F. Große Strafkammer Gießen. * Gießen, 5. Jan. Ein inzwischen aus dem Kommunaldienst ausgeschiedener Stadtbaumeister einer Nachbarstadt war durch das hiesige Erweiterte Schöffengericht wegen Verleitung zum Meineid zu 1 Jahr Zuchthaus verurteilt worden, wogegen er Berufung verfolgte. Im vergangenen Jahre war er wegen Verbrechens im Amt zu einer Gesamtstrafe von 7 Monaten Gefängnis verurteilt worden. In dem damaligen Verfahren wurde ein anderer städtischer Beamter als Zeuge vernommen, der den Angeklagten schwer belastete. Der Angeklagte bat daher einen anderen Beamten seines Ressorts, mit diesem Zeugen einmal zu sprechen, damit dieser seine Aussage doch etwas umstelle, da er ihn mit seiner Aussage in eine mißliche Lage gebracht habe, sonst würde er noch härter bestraft. Der angegangene Zeuge blieb aber fest. Die Staatsanwaltschaft hielt auch heute einen schlüssigen Beweis dafür für erbracht, daß der Angeklagte es unternommen hat, durch eine Mittelsperson einen Zeugen zu einer wissentlich falschen Aussage zu verleiten, und beantragte, die Berufung kostenfällig zu verwerfen. Das Gericht hielt einen Schuldbeweis nicht für zweifelsfrei geführt und sprach den Angeklagten mangels ausreichenden Beweises wegen Verleitung zum Meineid frei. Ein inzwischen aus dem Heeresdienst entlassener Gefreiter des hiesigen Bataillons hatte, um den ihm bewilligten Sonntagsurlaub überschreiten und noch einige Tage in Frankfurt verbleiben zu können, eine durch einen angeblichen Unfall erlittene Gehirnerschütterung oorgetäuscht. Das Schöffengericht, das in dem Verhalten des Angeklagten nur eine disziplinarisch zu ahndende Urlaubsüberschreitung erblickte, sprach den Angeklagten frei. Hiergegen verfolgte die Staatsanwaltschaft Berufung, weil der Angeklagte in der Absicht, sich der Erfüllung seiner Verpflichtung zum Dienst teilweise zu entziehen, ein auf Täuschung berechnetes Mittel angewandt habe, und beantragte gegen ihn eine empfindliche Arreststrafe. Unter Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils wurde der Angeklagte zu 3 Tagen Arrest verurteilt. Ein Arbeiter, der in einer öffentlichen Versammlung der NSDAP, als Hauptredner auftrat und dabei abfällige Bemerkungen über die Republik gemacht hatte, war vom Schöffengericht aus objektiven Gründen freigesprochen worden. Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft hin wurde heute das Urteil aufgehoben und der Angeklagte wegen eines Vergehens gegen das Gesetz zum Schutze der Republik zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Wirtschafi. * Frankfurter Maschinenbau-A. -G vorinals Pokorny & Wittekind. Die Gesellschaft, die in ihrer GD. am 31. Oktober 1931 eine bilanzmässige Sanierung durch Zusammenlegung des Stammaktienkapitals im Verhältnis 5:1 beschlossen hatte, hat mit Wirkung vom 1. Januar die Abteilungen Grohmaschinenbau, die die Einzelanfertigung von Kolbenkompressoren und Gebläsen aller Art, sowie von Dampfturbinen umfaßt, stillgelegt. Die Demag AG- Duisburg, und die Gutehoffnungshütte Oberhausen AG.', Sterkrade, haben alle Zeichnungen, Modelle und Patente der stillgelegten Abteilungen erworben und werden die bisher von der Frankfurter Maschinenbau AG. hergestellten Konstruktionen ausführen. Die Abstoßung des Grobmaschinenbaues bedeutet für die Gesellschaft unter den geänderten Wirtschaftsverhältnissen eine fühlbare Entlastung der Linkosten. In Zukunft wird sich die Gesellschaft nur mehr mit ihrem ursprünglichen Fabrikationsprogramm befassen und sich auf den Serienbau normalisierter und typisierter Kompressoren, Prestluftwerkzeuge und Prehlustanlagen konzentrieren. $ranffurf etwas freundlicher. Frankfurt a. M., 5. Jan. Im heutigen telephonischen Freiverkehr war die Haltung wieder eher etwas freundlicher, nachdem gestern Nachmittag eine merkliche Abschwächung Platz gegriffen hatte. Da aber besonders Anregungen nicht vorlagen und auch die Neuyorker Börse wieder in schwächerer Tendenz schloß, konnte man st ä r k st e Zurückhaltung bei der Spekulation beobachten. Die Umsatztätigkeit beschränkte sich^daher nur auf einige wenige Spezialwerte. J.-G.-Farben konnten 1 v. H. und von Elektrowerten Siemens und Schuckert bis zu lj v. H anziehen. Einiges Interesse machte sich von Lokalpapieren für Scheide- anstali geltend, die etwa V. u. Sy höher bewertet wurden. Der übrige Aktienmarkt blieb auf dem gestriegn Niveau gut behauptet. Am festverzinslichen Markt war die Tendenz nicht ganz einheitlich Während Liquidationspfandbriefe auf weitere Anlagekäufe aus Zinsfälligkeiten erneut um Z bis 1 v. Sy anziehen konnten, lag in 8prozentigen Goldpfandbriefen eher Verkaufsmaterial vor, wobei sich Rückgänge bis zu 1 v. Sy ergaben. Im späteren Verkehr gaben auch Liquidationspfandbriefe gegen die höchsten Kurse wieder \ v. H. nach. Reichsaltbesitz und Reichsschuldbuchforderungen konnten ihren gestrigen Kursstand behaupten. Stadtanleihen und Industrie-Obligationen lagen geschäftslos. Tagesgeld war mit 6 v. H. sehr leicht. Freundlicher Grundton in Berlin. Berlin, 6. Jan. ^WTB. Funkspruch.) Im telephonischen Freiverkehr hatte sich in den gestri- ?en Rachmittagsstunden trotz schwächerer Aus- andmeldungen für deutsche Aktien eine Befestigung durchgesetzt, da man hoffen zu können glaubte, daß die Reparationskonferenz doch bald ein tragbares Resultat bringen werde und daß auch die Stillhalteverhandlungen demnächst mit einem befriedigenden Ergebnis enden könnten. Als sich zu Beginn des heutigen Tagesverkehrs der freundliche Grundton erhielt, verwies man auf den stetigen Verlauf der gestrigen Reu- Yorker Börse, speziell auf die stürmischeAuf- wärtsbewegung der Voung- und Dawes-Anleihe in Paris. Obwohl sonst nichts wesentlich neues vorlag, zeigte sich doch auch seitens der Kundschaft Kaufinteresse. Dieses kam in um 1 bis 2 Prozent höheren Kursen zum Ausdruck. Die Llmsahtätigkeft war gegen Mittag sogar ziemlich rege, und die Kurse zogen weiter leicht an. Verhältnismäßig ruhig lagen Bankaktien mit Ausnahme der Reichsbankanteile, die sich überhaupt vom Bankenmarkt in der Tendenz ziemlich frei gemacht haben. Für Schiffahrtswerte bestand dagegen schon mehr Interesse, Hamburg-Süd und Rorddeutscher Lloyd hatten etwas größere ilm- sahtätigkeit und zogen bis zu 2 Prozent an. Am Elektromarkt waren besonders die kleineren Werte, wie Elektrische Lieferungen, Licht und Kraft, Gesfürel und Schuckert bevorzugt, aber auch bei Siemens und AEG. betrugen die Gewinne gegen gestern etwa 2 Prozent. Mit Ausnahme von Salzdetfurth zogen die Kakwerte um 1 Prozent an, auch Kunstseideaktien waren etwa 1 Prozent gebessert. Für Montanpapiere konnte man zunehmendes Interesse bemerken, kursmäßig kam dies allerdings nicht sonderlich zum Ausdruck, da die Veränderungen gegen gestern nur selten über 1 Prozent hinausgingen. Von Spezialwerten lagen Deutsche Erdöl, Rütgers- toerte und Charlottenburger Wasser weiter bevorzugt, während Dessauer Gas nur ihren letzten Stand behaupteten. Auch am Anlagemarkt blieb die Tendenz zuversichtlich. Von deutschen Anleihen war die Altbesitzanleihe behauptet, die Reubesitzanleihe etwa 0,25 Prozent gebessert. Reichsbahnvorzugsaktien gewannen etwa 1 Prozent, auch Farbenbonds waren in diesem Ausmaße gebessert, der Abstand zum Aktienkurs beträgt aber bereits wieder 6 Prozent. Pfandbriefe zogen durchschnittlich um 1 bis 1,5 Prozent an. Schweinemarkt in Gießen. Auf dem heutigen Schweinemarkt in Gießen standen 153 Ferkel zum Verkauf. Es kosteten Ferkel bis 6 Wochen alt 12—15 Mk., 6—8 Wochen alt 15—17 Mk., 8—13 Wochen alt 17—25 Mk. Tendenz gut, geringer Lieberstand. frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 6. Jan. Es wurden notiert: Weizen 232,50, Roggen 217,50, Sommergerste für Brauzwecke 175, Hafer 147,50—155, Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, mit Austauschware 35- 36, Sondermahlung 33,25—34,25, Weizenmehl, niederrh. mit Austauschware 35 bis 35,75, Sondermahlung 33,25 -34, Roggenmehl 30 bis 31, Weizenkleie 8, Roggenkleie 8,75. Tendenz: befestigt. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. ZR. Banknoten 5.Januar 6.3anuar Amtliche Notierung Amtliche Notierung Selb 1 »riet Weif' Briel Helsingfor» . 6,044 6,056 6,044 6,056 Wien 49,95 50,05 49,95 50,05 Prag 12,47 12,49 12,47 12,49 Budapest . . 64,93 65,07 64,93 65.07 Sofia .. . 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland 69,13 169,47 169,13 169,47 Cslü 77,52 77,78 77,17 77,33 Kopenhagen. 73.32 78,48 78,12 78,28 Gtodbolm 80,17 80,33 80,02 80,18 London 14,16 14,20 14,12 14,16 Buenos Aires 1,048 1.052 1,048 1,052 Neunort 4,209 4,217 4,209 4,217 Q) rüffel 58,54 58,66 58,54 58,66 ■Italien 21,33 21,37 21,33 21,37 Paris . . 16,52 16,56 16,52 16,56 Schweiz 82,12 82,28 82,12 82,28 Spanien 35,76 35,84 35,66 35,74 Danzig 82,02 82.18 82,02 82,18 Japan 1,449 1,451 1,449 1,451 Rio oe Jan.. 0,251 0,253 0,251 0,253 Jugoslawien. Uiffabon 7,433 >2.89 7,447 ■ 2,91 7,433 12,89 7,447 12,91 Reichsbankdiskont 7 v. h. Lombardzinsfuß 8 v. h. Scriin, 5. Januar Geld Srie, Amerilantiche Nolen ...... 4,20 4,22 Belgische Nolen ....... 58,38 58,62 Dänische Nolen ....... 78,14 78,46 Englische Noten ........ 14,12 14,18 französische Noten........ 16,48 16,54 Holländische Nolen ....... 168,76 21,26 169,44 Italienische Nolen ...... 21,34 Norwegische Nolen ...... 77,34 77,66 Deutsch-Oesterreich, • 100 Schilling — — Rumänische Noten ...... 2,48 2,50 Schwedische Nolen........ 79,99 .80,31 Schweizer Nolen......... 81,94 82,26 Spanische Nolen ........ 35,63 35.77 Ungarische Nolen ....... Oie gestrigen Devisenmärkte. Berlin, 5.Jan. (WTB.) An den internationalen Devisenmärkten war das englische Pfund heute morgen unverändert zu gestern abend 3,37 gegen den Dollar, im Laufe des Vormittags schwächte es sich aber auf 3,3640 ab, um sich gegen mittag wieder auf 3,37 zu erholen. Gegen den Gulden stellte es sich auf 8,3950, gegen Zürich auf 17,2550, gegen Paris auf 85,80 und ö.jf.'ipor/ Spielvereinigung 1900 Gießen. Die zweite Mannschaft unterlag in Burgsolms 5:0. Wegen der Spielunfähigkeit des Platzes fand das Treffen auf einer benachbarten Wiese statt. 1900 hatte durch Fehlen zwei der Besten nur zehn Spieler zur Stelle und verlor auch noch zeitweise zwei Spieler durch Verletzung, darunter den Torwart. Beim Seitenwechsel führte die forschere Els des Platzvereins bereits 3:0. Die vierte Mannschaft stellte durch einen überzeugenden Sieg die Gruppenmeisterschaft sicher. Von zehn Spielen ging nur eins verloren, das Punktverhältnis ist 18:2. 3m letzten Spiel gab Steinbach den Gegner ab. Die Begegnung sand auf dem vereisten Platz des Gegners statt. 1900 erzielte nacheinander 6 Tore, davon vier in der ersten Spielhälfte. Gegen Spielende erst ließen die Blauweihen etwas leichtsinnig zwei Gegentreffer des Gastgebers zu. Obwohl bei den Gießenern zwei gute Kräfte fehlten, führten sie jederzeit ein überlegenes gutes Kombinationsspiel vor. Endresultat 6:2. Die dritte (Lehr-) Mannschaft war spielfrei. Das vorgesehene Gesellschaftsrückspiel der fünften Mannschaft gegen Lollars II. mußte der schlechten Plahverhältnisse wegen abgesagt werden. Spiel- und Sportverein Bottenhorn. Vom Spiel- und Sportverein Bottenhom werden wir gebeten, berichtigend darauf hinzuweisen, daß das Spiel der 1. Mannschaft von Bottenhom gegen die 1. Mannschaft der Spielvereinigung 1900 nicht deshalb abgebrochen worden sei, weil die Zuschauer sich zu Tätlichkeiten hinreihen ließen (Tätlichkeiten seien überhaupt nicht vor- getommen), sondern weil der Spielführer der 1900er nach seiner Herausstellung durch den Schiedsrichter den Platz nicht verlassen wollte. Handball der Sp.-Bg. 1900. 1900 II — Io. Duienhofen I 3:2. 1900s zweite Garnitur hatte am Sonntag den Id. Dutenhofen, Meister der 6 Klasse (2)1.), als Gast. Die Turner waren mit zehn Mann erschienen, die Spielvereinigungsakteure aber gar nur mit neun. Infolge der unmöglichen BodenDerhältnisse wurde nur je eine Viertelstunde gespielt. Die 1900er waren im Spielaufbau etwas besser und leicht überlegen. Da aber nur drei Stürmer zur Verfügung standen, entstand ein mageres Torergebnis. Die Gäste hatten die beiden Gegentore verdient. Sportabteilung des Turnvereins Lollar Am Sonntag fuhr Lollars erste Handballmannschaft nach Butzbach, um gegen die zweite Mannschaft des Polizei-Sportvereins ein Gesellschaftsspiel auszutragen. Lollar war gezwungen, mit Ersah und außerdem nur mit zehn Mann anzutreten. Durch diese Llrnstände hatte man wenig Hoffnung auf ein günstiges Abschneiden der Lollarer. Aber Lollar erkämpfte auf dem sehr schlüpfrigen Platz einen Achtungserfolg. Die Polizei hatte wohl in der 1. Halbzeit etwas mehr vom Spiel und konnte auch zweimal erfolgreich sein, Lollar erzielte nur einen Treffer. 3n der zweiten Halbzeit spielte Lollar überlegen, konnte aber Butzbachs sehr guten Torhüter nicht überwinden. Mit 2:1 muhte sich.Lollar geschlagen bekennen. Das Spiel wurde sehr fair durch- geführt. Sie neuen deutschen Liskunsilausmeisler 1932. ■ f. 'M- M M Trotz schlechter Eisverhältnisse kamen, wie wir bereits berichteten, auf dem Riessersee bei Garmisch Partenkirchen die diesjährigen deutschen Eislaufmeistcrschaften zum Austrag. Im Bild links: Maier- Lubergo (München) Sieger im Herren-Einzellaufen. — In der Mitte: Frl. Hempel und Herr Weiß (Berlin), Sieger im Paarlaufen. — Rechts: Frl. Michaelis (Berlin), Siegerin im Damen- Einzellaufen. Arbeiter-Turn- und Sporibund. Allendorf (Lahn) I — Rodheim 1 6:2. In Allendorf wurde zwischen dem Plahhesiher und der Mannschaft aus Rodheim ein Freundschaftsspiel ausgetragen. Infolge der schlechten Bodenverhältnisse sah man zu Beginn ein mäßiges Spiel und erst allmählich fanden sich die Spieler besser mit den Bodenverhältnissen ab. Bis zur Pause gelang es Allendorf, drei Tore vorzulegen, dem Rodheim nur ein Tor entgegensetzen konnte. Rach dem Wechsel sah man ein lebhafteres Spiel. Rodheim lag im Angriff, konnte jedoch nichts zählbares erreichen. Allendorf jedoch erzielte durch Durchbrüche drei weitere Tore, denen Rodheim erst kurz vor Schluß ein zweites Tor entgegensetzen konnte. Lollar I — Leun I 5:1. In Lollar war die Mannschaft aus Leun zu Gast. Auch hier sah man zunächst ein mäßiges Spiel. Lollar war den Gästen in Ballbehandlung und Schnelligkeit bedeutend überlegen und konnte zum Schluß den Platz als sicherer Sieger verlassen. Vorher standen sich Lollar Jugend und Leun 2. Mannschaft gegenüber. Auch hier konnte Lollar einen 3:0-Sieg für sich buchen. Marburg 1 — Grünberg I 9:4. In Marburg sah man zwischen den genannten Mannschaften ein flottes Spiel. Die Plahbesiher waren ihren Gästen technisch überlegen und fertigten die Grünberger mit hohem Resultat ab. Die zweiten Mannschaften beider Vereine trennten sich mit einem Llnentschieden von 5:5. Heuchelheim II — Waldgirmes ’ 2:3. In Heuchelheim lieferten sich beide Mannschaften ein flottes, faires Spiel. Die Gäste zeigten sich von ihrer besten Seite und es gelang ihnen, nach eifrigem Spiele einen knappen Sieg zu buchen. Gießen (kombiniert) — Marburg II 7:2. Aus dem Trieb stand einer kombinierten Elf der Plahbesiher die zweite Mannschaft von Marburg gegenüber. Hier gelang es den Gießenern, einen überlegenen Sieg zu landen. Kurze Sportnotizen. Der deutsche Mei st er Barwa erreichte in Davos beim Training zu den Europa-Meisterschaften im Eisschnelläufen über 500 m mit 47 Sek. und über 5000 m mit 8:52 Min. Zeiten, die erheblich besser als die offiziellen deutschen Höchstleistungen sind. Zum V. Frankfurter Sechstagerennen vom 29. Januar dis 4. Februar wurden als erste Mannschaft Schön/Göbel verpflichtet. Die vierfache österreichische Meist e - r i n Fritzi Burger mußte bei den Kämpfen um die Kunstlauf-Meisterschaft in Wien ihren Titel an ihre junge Landsmännin Hilde Holovski abtreten. gegen die Reichsmark auf 14,25. Der Dollar konnte sich nach weiter schwächerem Beginn später leicht erholen. Die Reichsmark war gut behauptet, in Amsterdam blieb sie mit 58,9250 unverändert, in Zürich notierte sie 121,20, in Paris nannte man sie 601 gegen 606 vor einigen Tagen. Der französische Frank, sowie Brüssel tendierten etwas leichter. Die Rorddevisen waren knapp gehalten, Stockholm, das gestern fester lag, schwächte sich heute leicht ab. Am Rachmittag war das Geschäft wieder sehr ruhig, die führenden Devisen wiesen nur ganz geringe Veränderungen gegen den Vormittag auf. Das englische Pfund behauptete sich auf 3,3680 gegen den Dollar, 8,3825 gegen den Gulden, 85,71 gegen Paris, 17,26 gegen Zürich und 14,22 gegen die Reichsmark. Der Dollar hat sich wieder etwas befestigen können, er ging in Amsterdam auf 248,2950 herauf, also über seinen gestrigen Schluhkurs. Die Reichsmark war knapp gehalten mit 58,99 in Amsterdam, 121,20 in Zürich und 23,65 in Reuyork. Die Rord- Devisen tendierten wieder etwas leichter, die übrigen Devisen veränderten sich kaum. Arbeitsgemeinschaft Mainz-Wiesbaden Mainz, 5. Jan. (WSN.) Zur Förderung der wirtschaftlichen und kulturellen Interessen von Mainz und Wiesbaden wurde gestern abend die schon vor einigen Monaten beschlossene Arbeitsgemeinschaft gegründet. Als Mitglieder gehören ihr an mindestens je 25 Vertreter der Wirtschaft und der kulturellen Einrichtungen von Mainz und Wiesbaden. Vorsitzende sind Stadtrat Glück- l i ch (Wiesbaden) und Dr. S t r a t e m e y e r (Mainz). Die Arbeitsgemeinschaft hat den Zweck, die gemeinsamen wirtschaftlichen und kulturellen Interessen beider Städte, insbesondere die Verkehrsregelung, die Gasversorgung, das Schulwesen und die Theaterfrage zu fördern, weiter noch schwebende Fragen, wie z. B. der Bau einer neuen Rheinbrücke, zu besprechen und auch ein Zusammengehen der beiden Stadtverwaltungen vorzubereiten und zu unterstützen. Sprechstunden der Reduktion. 11.30 bis 12JO Uüt. 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag geschloffen Gegen Sodbrennen MagenbeschwerdeiuK I Tabletten 1 nur 0,20 100 grd mm nur 0,25 IkBullrich-Sali B“"