m. 286 (Elftes Blatt 182. Jahrgang Montag, 5. Dezember (952 Erlcheini lügltch, nutz« Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Bienenei Familienblatter Heimat m Dild Die Schalle Monatr-Bezvgspretr: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illusttierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen Don einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt, 8em|pred}anfd>lüffe vnterSammelnummer2251. Anschrift sür Drahtnach« richten Anzeiger Siehe«. Postscheckkonto: Kronkfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dnt(f vnd Verlag: vrühl'sche UniversttSis-vvch- und Zleindruckerei B. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7. Annahme von Auze.gen für die Tagesnummer bis zum Nachmitlag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig; Platzvorschrift 20“ , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein undfürdenAn- zeigenteil i. D.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen. Soll die Abrüstungsdebatte vertagt werden? Paris, 5. Dez. (WTB. Funkspruch.) „Echo de Paris" meldet, Norman Davis habe ursprünglich Frankreich gedrängt, Deutschland sofort die Gleichberechtigung zu bewilligen, wogegen die Abrüstung der Großmächte um zwei oder drei Jahre hinausge- fchoben werden sollte, damit in der Zwischenzeit das Sicherheitsproblem erörtert werden könne. Der Widerstand Herriots habe jedoch Norman Davis zu folgendem Kompromißoorfchlag Deranlaßt: In einem Vorabkommen die bisher erzielten Konferenzergebnisse zu registrieren und alsdann für drei Jahre die eigentlichen Konferenzarbeiten einer ständigen A b r ü st u n g s k o m m i s s i o n zu übertragen und ihr auch die Behandlung des Sicher- heits. und Gleichberechtigungs Problems zu überlassen. Erst wenn diese Kommission die chr gestellten Aufgaben erfüllt habe, wäre eine neue allgemeine Konferenz einzuberufen. Herriot stehe diesem Vorschlag nicht von vornherein ablehnend gegenüber. Er habe aber um kurze Bedenkfrist gebeten und berells zum Ausdruck gebracht, daß auf jeden Fall eine derartige Maßnahme von einer sehr stark wirksamen internationalen Kontrolle über die gegenwärtigen Rüstungen der verschiedenen Nationen begleitet fein müßte. „Daily Telegraph" meldet, Herriot sehe keinen Grund dafür, daß die Abrüstungskonferenz nicht in der bisherigen Weife programmäßig weiter arbeiten solle, ohne Rücksicht auf die Hal- tuna Deutschlands. „Daily Telegraph" behauptet, so sehr eine Vertagung auch zu bedauern wäre, würde es doch keine solche Beunruhigung der öffentlichen Meinung Hervorrufen, wie dies noch vor einigen Wochen der Fall gewesen wäre. Es würde völlig in den Schatten gestellt werden durch die dringende Frage der Kriegsschulden und den zunHmenden Ernst der allgemeinen Wirtschaftslage. Gchuldenermaßigung im Verhältnis zur Abrüstung. Ein neuer amerikanischer Vorschlag. Washington, 4. Dez. (WTB.) Der frühere Staatssekretär im Wilsonschen Kabinett Colby tritt mit einem neuen Vorschlag zur Lösung des Kriegsschuldenproblems an die Oesfentlichkeit. Er schlägt vor, daß die Schuldnerstaaten Jahres- zahlungen zur Tilgung ihrer Schulden leisten, deren Ausmaß sich in Proportionen zu den Ausgaben befindet, die die betreffenden Staaten im Llahre 1932 für Heeres- und Marinezwecke auswenden. Außerdem befürwortet er eine Finanzoperation, an der sämtliche Schuldnerstaaten nicht nur, sondern auch Deutschland beteiligt sein sollen. — Colby, so meldet „Rewyork Herald", habe empfohlen, sämtliche Schulden solle man zu einem gemeinsamen Fonds zusammenfassen und Obligationen mit 50- jähriger Laufzeit von einem internationalen Organismus, etwa dem Völkerbund, ausgeben lassen. Jeder Staat würde an diesem Fonds durch einen seinem Heeresbudget entsprechenden Betrag beteiligt sein, was die Amortisierung der Bonds ermöglichen würde. Colby will aber auch, daß di'e Vereinigten Staaten selbst sich an der Schaffung dieses Fonds beteiligen. Sn politischen Kreisen Washingtons ist man übrigens, wie sich immer deutlicher zeigt, der Ansicht, es müsse auf dem Gebiet der Abrüstung ein ganz bedeutsamer Schritt vorwärts getan werden, ehe man sich in Amerika bereit findet, auf ein Programm zur Linderung der Kriegsschulden- lasten einzugehen. Sn diesem Sinne hat sich neuerdings wiederum Senator Watson geäußert. Er übte Kritik an der französischen und der britischen Kriegsschuldennote. Die große Schwäche beider Dokumente sei, daß in ihnen weder von der Abrüstung noch von der Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten die Rede sei. Anmarsch auf Washington zur Eröffnung des Kongresses. Washington, 4. Dez. (WTB.) Während die Parlamentarier beider Häuser sich in Washington zu der morgen beginnenden Tagung des Kongresses versammeln, sind alle Zufahrts st raßen zur Bundeshaupt st adt von starken Polizeiaufgeboten besetzt da sich aus dem Westen größere ZügevonnotleidendenFarmern und aus dem Norden oraanifierte Trupps von Kommunisten teilweise in Rotfrontunisorm der Stadt nähern, um bei der Eröffnung des Kongresses vor dem Kapitol zu demonstrieren. Die Polizei ist mit Tränengas ausgerüstet. Das Militär in der Umgebung Washingtons hat ebenfalls einen Vorrat von Tränengasbomben und Polizeiknüppeln erhalten, um notfalls die Polizei verstärken zu können. Die Tradition, daß am 1. Sitzungstag lediglich die Formalien erledigt werden und der Kongreß sich bann als Ehrung für die verstorbenen Mitglieder vertagt, dürfte diesmal durchbrochen werden, da der Speaker des Repräsentantenhauses Garner sofort den Entwurf zur Aenderung der Prohibitionsvorschriften einbringen und ohne Ausschußberatung durchpeitschen will. Die Erreichung dieses Zieles ist freilich unwahrscheinlich. Sie Eröffnungssitzung des Reichstags. Reibungsloser Verlauf am Dienstag gesichert. — Vertagung nur bis zum 10. Januar wahrscheinlich. B e r l i n, 5. De;. (OB. Funkspruch.) Die Unter- redung zwischen Reichskanzler von Schleicher und dem Reichslagspräsidenten Göring hat jetzt stattgefunden. Die von zuständiger Seite erklärt wird, ist auf Grund dieser Besprechung der reibungslose Ablauf der morgigen Reich s- tagssihung gesichert. Der Reichslag wird sich morgen lediglich konstituieren, weiteres kann über die Verhandlungen des Kanzlers mit dem Reichstagspräsidenten noch nicht gesagt werden, da die Besprechungen noch weiter geführt werden. Ls wäre denkbar, daß Göring auch mit den Parteiführern Fühlung nehmen wird. Reichskanzler von Schleicher ist übrigens jederzeit bereit, die Erklärung der neuen Regierung im Reichstag abzugeben. Ls heißt, daß die Nationalsozialisten die Parole vertreten, nichts zu unternehmen, was die Gegner fördern oder unterstützen könnte. Die Haltung der RSDAP. dürfte näher skizziert werden, nachdem heute nachmittag die neue nationalsozialistische Reichslagsfraktion ihre erste Sitzung vollendet hat, die in Anwesenheit Hitlers im Haufe des Reichstagspräsidenten skattfindel und bei der Hiller, sich, wie üblich, die neue Fraktion oor- slellen lassen wird. In nationalsozialistischen Kreisen verlautet, daß eine kürzere Vertagung des Reichstages bis zum 1 0. Januar durchaus denkbar erscheine unter der Voraussetzung, daß etwa auf dem Gebiete der politischen A m n e st i e die neue Reichsregierung Entgegenkommen zeige, vor allem gegenüber der durch die Sondergerichte auf Grund der Terrorverordnung geschaffenen Lage. Line längere Vertagung hält man nicht für wahrscheinlich. Jn der kommunistischen Fraktion wird bekanntgegeben, daß die KPD. sofort ein Antragsprogramm einbringen werde, daß außer wißtrauensanträgen gegen das Kabinett von Schleicher vor allem £ erber u n g en für die Erwerbslosen und für die Erzielung einer politischen Amne - st i e enthalten soll. Abschiedsbesuch Herrn von papenS beim Reichspräsidenten. Berlin, 5. Dez. (WTB. Funkspruch.) Reichspräsident voy Hindenburg empfing heute den Reichskanzler vonPapenzur Verabschiedung. Der Reichspräsident überreichte bei dieser Gelegenheit als äußeres Zeichen seines Dankes und seiner Anerkennung dem scheidenden Kanzler sein Bild mit eigenhändiger Unterschrift. Geraer Mitte 2069 1 Mandat (zusammen 16), Haus- und Grundbesitz 3594 2 Mandate. Oer Wahlausgang. Weimar, 4. Dez. (CNB.) Das hervorstechende Merkmal der Thüringer Kommunal- und Kreistagswahlen ist die geringe Wahlbeteiligung, die durchschnittlich nur 60 bis 70 o. H. ausmachte, abgesehen von Gera und einigen anderen Städten, wo sie 80 v. H. und zum Teil noch darüber hinaus erreichte, so auch in Sonneberg, wo Adolf Hitler noch am letzten Samstag sprach. Auf Grund der Stadtratswahlergebnisse aus den zehn größten thüringischen Städten ist festzustellen, daß in den meisten Fällen die Mehrheit der Rechten geblieben ist. In zwei Fällen, nämlich in Gera und Greiz, hat sich die bisherige Linksmehrheit in eine Mehrheit der Rechten verwandelt. Lediglich die Stadt Altenburg zeigt unter den genannten zehn Städten nach wie vor eine Linksmehrheit. Durchweg ist festzustellen, daß sowohl innerhalb der Linken als auch der Rechten die Flügelparteien der Nationalsozialisten bzw. der Kommunisten einen erheblichen Mandatszuwachs gegenüber den früheren Stadtratswahlen zu verzeichnen haben. Dagegen ist im Bergleichzu den Reichstagswahlen vom November 1932 festzustellen, daß die Parteien der bürgerlichen Mitte im Verhältnis zur geringeren Wahlbeteiligung relativ gut abgeschnitten haben Wettere Einzelergebmffe. Gotha: ASDAP.7565 (10 046), 14 Mandate (12), SPD. 1327 (1922), 2 Mandate (3), KPD. 6135 (7473). 11 Mandate (10) Da. 2338 12845), 4 Ml ndcrie 4 DlZP. 191) ( 466) 4M.udat (4 . ® i f e n a ü; ASTAP. 59tiu (799uj, 11 Mandate (1), SPD. 3759 (5431), 6 Mandate (13), KPD. 5751 (6394), 10 Mandate (4), Dn. 2142 (3411), 3 Mandate (0), Stp. 672 (505), 1 Mandat (5), Z. 475 (494), 1 Mandat (0), Bürgerliche 160 (0). Weimar: RSDAP. 7122 (11 003), 11 Mandate (4), SPD. 3347 (5491), 5 Mandate (7), Komm. Opposition 577, 1 Mandat, Kommunisten 2704 (zusammen mit KPD. Opposition 3914), 4 Mandate (2), Handel und Gewerbe 849, 1 Mandat, Dn. 2272 (3768), 3 Mandate (1), Bürgerliche 922, 1 Mandat, Z. 619 (636), 1 Mandat, DVP. 1260 (2100), 2 Mandate (3). Greiz: RSDAP. 7866 (10 261) 13 Mand. (0); SPD. 5644 (6998) 9 Mandate (12); KPD. 2602 (4257) 4 Mandate (3); Komm. Opp. 1272 2 Mandate (2); Berufsständische 2602 4 Mandate; Bürgerliche 1775 3 Mandate (zusammen 20); Prolet. Wirtschaftsverband 38. .Gera: RSDAP. 13 804 (16 577 ) 7 Mandate (0); SPD. 17 142 (18654) 9 Mandate (16); Komm. 6464 (8805 ) 3 Mandate (1); Komm. Opp. 1403 0 Mandate; Bürgerbund 5424 3 Mandate (3); Oie lehien Saboiageprozeffe in USA. zugunsten Deutschlands entschieden. Washington, 3. Dez. (WTB.) Die Wiederaufnahme der gegen die deutsche Reichsregierung angestrengten Sabotageprozesse Black- t o m u n d K i n g s l a n d hat mit einem Erfolg Deutschlands geendet. Die Gemischte Kommission, .die aus zwei Amerikanern und dem Hamburger Oberlandesgerichtspräsidenten Kieselbach besteht, hat heute zugun - st en Deutschlands entschieden. Inder Begründung des Urteils heißt es, daß das von amerikanischer Seite für Wiederaufnahme der Sabotageprozesse vorgebrachte angeblich neue Beweismaterial unzulänglich sei. Es besteht teils aus Fälschungen, denen die amerikanischen Antragsteller zum Opfer gefallen feien, teils sei es unerheblich. Daher erübrige sich ein Wiederaufnahmeverfahren. Die Entscheidung über den Antrag lautet zugunsten Deutschlands und gegen die amerikanische Regierung. Damit sind die beiden größten Fälle angeblicher Sabotage zur Zeit des Weltkrieges endgültig zugunsten Deutschlands entschieden; denn in keinem dieser Fälle ist eine Verantwortung der deutschen Regierung an den angeblichen Sabotageakten in Amerika festgestellt worden. 3m 3ahre 1916 wurden die Munitionslager von Black Tom und die Munitionsfabriken von Kingsland in die Luftgesprengt. Deutsche Agenten wurden beschuldigt, die Tat begangen zu haben, und 1922 eröffnete Amerika den nun schon zehn 3ahre währenden Riesenprozeß um ein Wertobjekt von 50 000 000 Dollar und bezichtigte Deutschland der Sabotage. Da das Beweismaterial völlig unzureichend war, wurde Deutschland von dieser Anklage freigesprochen. Dagegen protestierte die amerikanische Regierung und legte neues Material vor, das von einem angeblich deutschen Agenten namens Hermann beschafft worden sei. Hermann hatte ein amerikanisches Magazin aus dem Fahre 1916 vorgelegt, in das mit Geheimschrift Pläne über die Sprengungen eingezeichnet waren, die angeblich an einen anderen Agenten in Baltimore geliefert werden sollten. Df.rch einen seltenen Glücksfall gelang der deutschen Vertretung der Nachweis, daß die Kon- ftruktionspläne, mit denen Deutschlands Schuld an den Katastrophen festgestellt werden sollte, g e - fälscht waren. Um zu beweisen, baß die Anord- nungen e r st viel später als 1916 in bas Magazin hineingezeichnet wurden benötigte man ein Zweites Exemplar dieser Zeitschrift, bie aber in« zwischen ihr Erscheinen eingestellt hatte, so daß man nur hoffen konnte, ein Heft in Trödlerläden aufzutreiben. Wirklich gelang es einem deutschen Vertreter in einem Antiquariat ein Heft des Magazins aus dem Jahre 1916 zu erwerben. Bei dem Kauf äußerte der Verkäufer seine Verwunderung darüber, baß dieses alte literarisch wertlose Magazin jetzt wieder verlangt würde und fügte hinzu, baß er bereits vor einiger 3 e i t e i n e Nummer bes Jahrgangs verkauft habe. Daraufhin erwarb der Vertreter den ganzen Jahrgang und stellte fest, baß er bis auf ein Heft vo11 stän- b i g war. Dieses fehlende Heft aber war dasjenige, das der amerikanischen Kommission als Beweisstück angeboten worden war. Weitere Untersuchungen ergaben auch, daß das Beweisstück erst einige Wochen vorher in diesem Laden gekauft sein mußte. Es wies genau bie gleichen, durch die Verschnürung entstandenen Einrisse der anderen Exemplare aus und hatte auch den gleichen Staubrand. Ferner ergaben chemische Versuche, daß die Geheimschrift nicht 1916, sondern e rft 1930 hergestellt sein konnte. Auf Grund dieser Tatsachen hat nun die Kommission den Wiederausnahmeantrag abgeiehnt und eine endgültige Freisprechung Deutschlands beantragt. Das Arbeitsbeschaffungs- Programm des Deutschen Etadtetages. Berlin, 3. Dez. (ERB.) Die Vorstände des Deutschen und des Preußischen Städtetages beriefen das kommunale Arbeitsbeschas- sungsprogramm, das nur solche Aufgaben vorsieht, die unbedingt nötig, volkswirtschaftlich bedeutungsvoll und für Industrie und Handwerk sofort nutzbringend sind. Das kommunale Arbeitsbeschaffungsprogramm bringt für die Gemeinden leine neuen Galten und stellt keine finanziellen Forderungen, die nicht im Rahmen des ursprünglich von der Reichsregierung vorgesehenen Wirtschaftsplanes zu erfüllen wären. Es handelt sich darum, einen Teil der Mittel, die über den Weg der Steuergutscheine vom Reich zur Belebung der Wirtschaft zur Verfügung get stellt worden sind, für die Einschaltung der Kommunen in den Wirtschaftsplan in Ansptuch zu nehmen. Das Arbeitsbeschaffungs- Programm will vor allem die Wohlfahrts- erwerbskosen mit Frauen und Kindern erfassen. Die Durchführung des Programms muß unbedingt in den nächsten Wochen noch vor Beginn des Winters einsehen. Die dringend notwendige Entlastung der Gemeinden ist nur durch die organisatorische Vereinheitlichung der Arbeitslosenhilfe denkbar. Die Arbeitslosenunterstützung muß in der Hand der Gemeinden bleiben, bie allein imstande sind, bei sparsamster Wirtschaft den individuellen Bedürfnissen des einzelnen Arbeitslosen gerecht zu werden. Solange die Vereinheitlichung der Arbeitslosenhilfe nicht erfolgt, bleibt nichts anderes übrig, als die Reichshilfe entsprechend den gestiegenen Wohlfahrtslasten erheblich zu erhöhen. Der Deutsche Städtetag lenkt bie Aufmerksamkeit der Regierung auf die besonderen Schwierigkeiten der mittleren und kleineren Städte. Tilgung und Verzinsung der Anleihen und Kredite stellen eine besonders schwere Belastung der Kommunalfinanzen dar. Wenn die Gemeinden von den Kosten der Wohl- sahrtserwerbslosenfürsorge befreit und im Wege eines neuen Finanzausgleiches weiter entlastet sind; wird die pünktliche Erfüllung des kommunalen Schuldendienstes gesichert sein. Cs ist unverständlich, daß das schon im Oktober 1931 durch Reichsnotverordnung angekündigte Gesetz über die Umschuldung ber kurzfristigen kommunalen Kredite bis heute nicht ergangen ist. Es ist Pflicht ber neuen Reichsregierung, diese wichtigsten innerpolitischen Fragen bereits in ihren ersten Beratungen an- zugreifen und zu einer Lösung zu bringen. *• Die Rettorenkonserenz zum Braunschweiger Sochschulkonflikt Halle, 4. Dez. (ERB.) Eine Konferenz de r d e u t s che n H o ch s chu l re k t oren beschäftigte sich hier mit verschiedenen Fragen, wie Studentenwerkjahr. Freiwilliger Arbeitsdienst und Schaffung eines einheitlichen Studentenrechts. Zu dem Hochschulkonflikt in Braunschweig wurde folgende Entschließung gefaßt: Die deutsche Rektorenkonferenz erklärt: „Es liegt den deutschen Hochschulen und ihren Rektoren fern, der studentischen Jugend die Beschäftigung mit den Probl emen des politischen Lebens zu verwehren. Sie erachtet es vielmehr als selbstverständlich, daß Lehrer und Studenten mit heißem Herzen Anteil nehmen am Geschick des deutschen Volkes; dagegen lehnen sie unter Hinweis auf ihre Verantwortung gegenüber Staat und Wissenschaft das Hineintragen derPar- teipolitik in die Hochschule grundsätzlich ab. Deshalb sprechen die in Halle versammelten Rektoren dem Rektor und <3 c i natderTechnischenHochschuleBraun- schweig ihren Dank aus für das mannhafte Eintreten gegenüber dem Eingriff des braunschweigischen Volksbildungsmini st ers in die Freiheit der Wissenschaft und die akademische Selbstverwaltung. Aus dem gleichen Grunde stellen sie sich einmütig hinter das Schreiben. mit dem der Vorsitzende des Verbandes der deutschen Hochschulen den Herrn Reichspräsidenten um Schutz der bedrohten höchsten akademischen Güter angerufen hat." In Braunschweig hatte ber nationalsozialistische öolfsbUbungsminiftcr Ä l a g g e s eine auf Grund einstimmigen Beschlusses von Rektor und Senat der Technischen Hochschule gegen den nationalfojialifti« schen Stubentenbunb getroffene Entscheidung auf« gehoben. Oie Rechtsanwälte fordern Berufssperre. Berlin, 5. Dez. (TU.) Der Deutsche Anwaltsverein hielt am Sonntag eine Kundgebung ab, .ju ber Vertreter ber Rechtsanwaltschaft aus allen Teilen des Reiches erschienen waren. Die Grüße ber Reichsregierung überbrachte Reichsjustiz- mtnifter Dr. G ü r t n e r. In der Abgeordnetenver- fammlung wurde eine Entschließung angenommen, in ber mit Rücksicht auf bie Notlage ber deutschen Anwaltschaft und die Ueberfüllung des Berufes eine sofortige grundsätzliche Sperre der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft zu« nächst auf die Dauer von drei Jahren mit anschließender Beschränkung des Zugangs zur Anwaltschaft (numerus clausus der Rechtsanwälte) gefordert wird. Diese Maßnahmen sollen so lange aufrechterhalten bleiben, bis sich durch eine Beschränkung der Zulassung zum juristischen Vorberei- tungsdienst und durch die Einführung der Wartezeit ein dem Bedarf entsprechender Zugang von An- rbärtern entwickelt. Das Vorgehen der Schweiz gegen die Kommunisten. Bern, 3.Dez. (ERB.) Der Erlaß des Bundes- rates über den Ausschluß der Kommunisten aus dem Staatsdienst wird von der bürgerlichen Presse der Schweiz allgemein gebilligt. Es wird darauf verwiesen, daß die Kommunistische Parte-i der Schweiz offen zum Aufruhr ge- hetzt und sich als Feind des Staates erklärt habe. Das führende Sozialistenblatt der Schweiz, das Züricher „Volksrecht", erklärt, man möge zu den Kommunisten stehen wie man wolle, man könne aber diese Verfemung dieser Partei nicht gutheißen. Der kommunistische Baseler „Vorwärts" druckt den Bundesratsbeschluß unter der Ueber- fchrift „Wütende Reaktion gegen die Kommunisten im Bundesdienst" kommentarlos au. — Durch den Erlaß des Bundesrates werden nach Schätzungen etwa 200 Beamte betroffen, die hauptsächlich im Betriebe der Bundesbahnen sowie der Post und Zollverwaltung angchören. Streikbewegung in Spanien. Madrid, 3. Dez. (TU.) Die Streikbeweg mg in Spanien nimmt weitere Ausdehnung an. An mehreren Stellen der Provinz Cordoba haben die Landarbeiter die Arbeit niedergelegt. 3n den Dörfern der Umgebung Sevillas herrscht starke Beunruhigung. In der Stadt Sevilla wurden zahlreiche Ueberfälle auf Ladengeschäfte verübt. In Cadiz wurden im Zusammenhang mit dem Streik Bäckerläden geplündert und es kam zu Zusammen- stöhen mit der Polizei, zu deren Unterstützung zwei Infanterie-Kompanien herangezogen wurden. In der Provinz Saragossa hat der S t r e i k der Zuckerrübenarbeiter großen Umfang angenommen Für Montag wird ein Streik der Metallarbeiter in Valencia und der Belegschaften der Hochöfen in Oviedo befürchtet. Aus Felguera, wo der Versuch gemacht wird, den Generalstreik auszurusen werden zahlreiche Spreng st offexplosionen gemeldet, bei denen u. a. Hochspannungsleitungen zerstört wurden. Starke Polizeikräfte sind zum Schutze gegen weitere Ausschreitungen zusammengezogen wor-. Den. Oer japanische Vormarsch in der Nordwest-Mandschurei. Paris, 5. Dez. (WTB. Funkspruch.) Der Korrespondent des „Petit Parisien" in Schanghai meldet, die japanischen Truppen setzten chren Vormarsch in der Rordwest-Mandschurei fort. Sie hätten die Khingan-Berge überschritten und rückten trotzSchneeundgroßerKälte (30 Grad unter Null) auf Hai la r vor. Ein Bomben- flugzeuggeschwader habe bereits Khingan überflogen und das Hauptquartier des Generals Su ping wen zusammengeschossen. Supingwen und sein Stab hätten Khingan unter Mitnahme ihrer Kostbarkeiten auf Kamelen und Pferden verlassen. Sie würden von japanischen Flug,zeugen verfolgt. Die Japaner hätten vorgestern 150 Kilometer vor Hailar gestanden, dessen Einnahme unmittelbar beoo»zustehen scheine. Aus aller Welt. Der Diebstahl im Säckinger Jribolinmünffer aufgeklärt. Der große Einbruchsdieb stahl im Frido! in Münster Säckingen (Baden), wo im Ok- I toter d. I. kirchliche Gegenstände im Taxwert von * 6m kriegsverraisprozeß vor dem Reichsgericht. Verrat des ersten deutschen Gasangriffs bei Langemarck. Leipzig, 3. Dez. (WTB. Funkspruch.) Dem 4. Strafsenat des Reichsgerichts wurde gestern vormittag der 42jährige Kraftfahrer August Jäger aus Erfurt zur Aburteilung oorgeführt, der am 29. Dezember vorigen Jahres auf der Straße verhaftet worde-n war. Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, in der Nacht vom 14. April 1915 in der Stellung vor Langemarck übergelaufen zu sein und den Franzosen den ersten an diesem Frontabschnitt geplanten deutschen Gasangriff verraten zu haben. Jäger wurde in dieser Nacht von einer französischen Patrouille gefangen genommen. Er bestreitet sehr entschieden, irgendwelche verräterischen Aussagen gemacht zu haben. Es sei lediglich ein Gaspäckchen bei ihm gefunden worden, von dem er angegeben habe, daß dies dem deutschen Soldaten gegen Gasgerüche diene. Gegen Jäger, der November 1919 aus der Gesängenichoft nach Deutschland zurückkehrte, war bereits ein Verfahren wegen Kriegsverrat singeleitet worden, das jedoch eingestellt wurde, da man Jäger damals nicht überführen konnte. Zehn Jahre 'später, im Juli 1930 erichien eine französische militärische Veröffentlichung über den ersten deutschen Gasangriff, in welchem der Verfasser ausführte, „daß ein deutscher Ueberläufer, August Jäger, vom 234er Reserve-Infanterieregiment sich den französischen Jägern ergeben habe und unverzügl.ch vernommen worden sei". Der Artikel behauptete weiter, daß Jäger alle Einzelheiten des geplanten Gasangriffs, wie den Einbau der Gasflaschen, die Stellung der Geschütze usw. dem Dolmetscher mitgeteilt habe. In dem Tagebuch eines französischen Ober ft en, der später gefangen wurde, war angeführt, daß in der Nacht zum 14. April ein Gefangener des 2 3 4er Regiments verraten habe, daß die deutschen Soldaten kurz vorher in Roulers Unterricht im Gasangriff erhalten hatten, und daß ein Gasangriff im Abschnitt Langemarck—Poelkapelle geplant sei. Schon damals kam Jäger in Verdacht: denn er war der einzige in Gefangenschaft aeratene Angehörige vom Regiment 234 bei diesem Angriff. Sein später gefangengenommener Kompanieführer hatte ihn kurz vorher als einen feigen Deserteur bezeichnet. Jäger war vorher Kraftwagenführer bei der Brigade und soll dort wegen seiner zu engen Beziehungen zur Zivilbevölkerung abgelöst worden sein. Bei seinen Kameraden war Jäger, der sich wiederholt im Schützengraben krank gemeldet hatte, nicht beliebt. * In der Verhandlung wurden in Gegenwart des I Dolmetschers die Aufzeichnungen in dem in deutsche | Hände gefallenen Tagebuch eines französischen Obersten, sowie die militärpolitischen Ausführungen des Generals F e r r y in der „Revue des Victoirs" verlesen. In beiden Fällen ist der Name des deutschen Ueberläufers, der den bevorstehenden Gasangriff verraten hat, m i t AugustJägerundgenauerRegiments- bezeichnung angegeben. Der Vorsitzende wies den Angeklagten darauf hin, daß nurerber Ueberläufer gewesen sein könne, jumal er nach den einwandfreien Feststellungen der einzige gewesen sei, der vom Regiment in der Nacht vom 13. zum 14. April abhanden gekommen sei. Der Angeklagte bestritt, irgendwelche verräterischen Angaben gemacht zu haben. Der Sachverständige des Reichswehrministe- riums erklärte, die Gegner seien durch den Verrat gewarnt worden. Sie hatten bestimmte vorbereitende Abwehrmcvhnahmen treffen können. So sei die Besatzung in den ersten Gräben verringert worden, um größere Verluste zu vermeiden: Umgruppierungen in den Streitkräften seien borgenornmen und die Aachbarab- schnitte gleichfalls über die bevorstehende Gefahr verständigt worden. Ferner wurden die im Graben liegenden Leute gewarnt und über ihr Verhalten im Falle eines deutschen Gasangriffes belehrt. Damit wurde die Ueberraschung und Schreckwirkung eines solchen Uebersalles wesentlich herabgemindert. Bedeutungsvoll sei auch, daß der Ueberläufer nach den französischen Aufzeichnungen erklärt haben soll, daß die Gasflaschen in den er st en Gräben einge- b a u t worden seien. Dadurch habe sich die Aufspürung der Gasbatterien für die Gegner erleichtert. Die feindlichen Batterien brauchten nur das Feuer auf diese Gräben zu legen, um die deutschen Vorbereitungen zu durchkreuzen. Ohne einen Verrat wären die deutschen Verluste wahrscheinlich geringer gewesen. Am Schluß der Beweisaufnahme beantragte die Verteidigung eine neue Beweiserhebung. Cs hatte sich nämlich herausgestellt, daß neben dem BIA.2 3.4 einige Iägerbat a i l l one gelegen haben, und daher eine Ramensverwechselung mit dem Angeklagten Jäger vorliegen könne. Das Reichsgericht beschloß, den Oberreichsanwalt zu beauftragen, die Kriegstagebücher der deutschen Iä- gerbataillone, die von Anfang April bis zum 22. April 1915 bei Langemarck der 11. französischen Division unter General Ferrh gegenübergelegen haben, herbeizuschaffen. Rach einigen Zeugenvernehmungen wurde darauf der Prozeß auf den 9. Dezember vertagt. etwa einer Million Mark gestohlen worden waren, hat nunmehr durch Festnahme einiger T ä - t.e r seine Aufklärung gefunden. Es verschwanden damals u. a. ein kostbares Meßgewand des SyL Fridolin, ein mit Edelsteinen besetztes Messer, das von der Königin Agnes Hejchenkte Agnetenkreuz, das sog. Hilariuskästchen, eine silberne Kassette und eine Anzahl anderer kostbarer alter Kunstgegenstände. Landjäger verhafteten nun einen 36 Jahre alten Russen namens Iwan Federoclow, zuletzt wohnhaft in Odessa. Er behauptete er gehöre zu einer internationalen Verbrecherbande, die den Diebstahl in Säckingen ausgeführt.habe. Die gestohlenen Wertsachen seien nach Antwerpen und verschiedenen französischen Städten verkauft worden. Mit Hilfe der Polizei dieser Länder gelang es, die Wertsachen zum größten Teil wieder herbeizuschaffen. Komplizen des Russen, ein Franzose und ein Belgier, wurden von der Polizei ihres Landes fe ft genommen. Außerdem wurden noch zwei auf dem Hochwald wohnende Personen verhaftet. Weitere Verhaftungen in Deutschland und im Auslande stehen bevor. vier Tote bei einem Flugzeugabsturz. Ein schweres Flugzeugunglück, das vier Todesopfer forderte, ereignete sich in der Nähe der amerikanischen Stadt Detroit. Als das Flugzeug den Eriesee passierte, stürzte es plötzlich ab und die vier Insassen, zwei Männer und zwei Frauen, die Schwestern waren, ertranken. vier Fischer ertrunken. Bei einem starken Südweststurm vor der Dront- heimer Küste sind, wie aus Oslo gemeldet wird, vier Fischer umgekommen^ außerdem wird ein Motorboot mit drei Mann vermißt. Im Hochgebirge hat der Sturm großen Schaden an- gerichtet. Die Telephon- und Telegraphen-Der- bindungen zwischen Oslo und Bergen sind unterbrochen. Aus ver Provinzialbauptsta-L Oer Tag -es heiligen Nikolaus. Don Peter Wannund. Wenn die trüben Tage des Jahres kommen, bk uns nicht so recht gefallen wollen, bann erscheinen die guten Geister, die milden Heiligen, die Träger der vorweihnachtlichen, adoentl.chen Stimmung. Zuerst kam, schon am 11. November, Sankt Martin und brachte die Martinsgans. Am 4. Dezember nahte Sankt Barbara, poetisch und sanft, wie es einer Frau ansteht: an ihrem Tage muß man die winterlich kahlen Zweige von einem Apfel- ober Kirschbaum schneiden unb sie ins Wasser stellen, um bann schon Enbe Januar ober Anfang Februar die ersten Blütenwunder des kommenden Frühlings vorwegzunehmen Ihr folgt zwei Tage später der Heilige Nikolas, der gute Freund aller Kinder, die stille Hoffnung langer, dunkler Wintertage. Glauben sie heute noch an ihn, haben wir einmal an ihn geglaubt? Es muß wohl so gewesen sein, denn wir standen in den frühen Dämmeistuirden am Fenster und spähten in die fallende Dunkelheit, unb bisweilen war es wirklich so, als sähe man irgend- wo einen hellen Schein, ein silbernes Blitzen über den Himmel ziehen: das kam von dem Schimmel des Heiligen, ben Ruprecht aus dem Wolkenstall gezogen hatte. Denn biefer Nikolaus ober Ruprecht war mit mannigfachen Eigenschaften begabt. Er schwang die Rute unb verteilte Gaben: er schalt unb erkannte an, er zeigte sich bärbeißig, brummig, gutmütig unb freundlich — die schaffende Phantasie des Volkes und der Glaube der Kinder haben in ihm eine Gestalt geschaffen, die lebendiger unb gegenwärtiger ist als viele Menschen, die die Dichter ersannen. Woher stammt er, wer ist er gewesen? Die ge- schichtliche Persönlichkeit, von der unser heutiger Nikolaus seinen Ausgang genommen hat, war eine ganz andere Fiaur als die, zu der sie geworben ist. Im vierten Jahrhundert n. Ehr. lebte in Patara ber Heilige Nikolaus, ber später Bischof von Myra würbe. Sein Todestag, ber 6. Dezember, trägt seinen Namen. Er war ein früher Franziskus, ein Wohltäter unb Freund der Armen, denen er sein ganzes ansehnliches Vermögen vermacht haben soll. Eine Sage erzählt, er habe drei armen Schwestern einen Gelbbeutel burchs offene Fenster geworfen, damit sie sich eine Aussteuer beschaffen könnten: baher offenbar ber Kinder glaube, er werbe es auch an diesem 6. Dezember nicht an sich fehlen lassen, wenn man ihm Behälter ans offene Fenster stelle. Man hat ihn mit Fischen unb Broten abgeb Übet, denn er rettete seine Vaterstabt von einer Hungersnot unb war auch der Patron ber Fischer. Nach seinem Tode wurde er in Myra beigesetzt, aber sein Leichnam begann eine unheimliche Wanderung. Er wurde von italienischen Kaufleuten gestcchlen und nach Bari gebracht, wo er in der Kirche des Heiligen Stephan die letzte Ruhe gefunden hohen soll: aber das scheint doch nicht ber Fall gewesen zu sein, sonst könnte man es sich nicht erklären, daß zahlreiche seiner Haare, Kleider, Knochen als Reliquien in alle Wett verstreut worden sind auch die berühmte höllische Sieiligtumsfammlung des Kardinals Albrecht enthielt Stücke von ihm. Deutschland und Rußland haben seine Verehrung besonders gepflegt, überall, wo es Nikolai-Kirchen und nach ihm genannte Straßen und Gassen gibt, lebte einmal die Erinnerung an den Bischof von Myra — wer denkt heute noch daran, daß eine solche Kirche mit dem Sankt Nikolaus oder Ruprecht so nahe verbunden sei? In ber griechisch-russischen Kirche ist Nikolaus ober Ruprecht Hauptgestalt bes Gottesdienstes geworden, daher die vielen Kirchen in Rußland, daher der Name des letzten Zarengeschlechts und des mit ihm verwandten olden- burgifchen Fürstenhauses. Nach Rußland deuten auch die historischen NI- kolausverse, die Brentano in die Volksliedersammlung „Des Knaben Wunderhorn" aufgenom- Deiner Hände Werk Nomon von Klothilde von StegmanmEtein. Copyright by Martin Feuchtwcmger, Halle (Saale) 32 Fortsetzung Nachdruck verboten. Run mußte Hiltrud trotz ihrer trüben Gedanken lächeln. „Aber Minister Failwoth, wo bleibt Ihre praktische Ueberlegung? Die Stellung möchte ich sehen, bie_ so gut bezahlt ist, daß sie mir erlauben würde, gleich meine liebe Mutter mitzunehmen und drüben zu ernähren. Ach nein, so etwas passiert vielleicht nur der Prinzessin in unserem deutschen Märchen." »Auch in Amerika geschehen manchmal Märchen, Miß von Stubben", versetzte Archibald mit eigentümlicher Betonung und empfahl sich etwas plötzlich. Hiltrud sah ihm erstaunt nach. Was hatte er denn, so auf einmal das Gespräch abzubrechen? Archibald rannte mit langen Schritten durch ZHc Straßen. Er achtete nicht auf die herrliche Frühlingslandschaft, er sah nicht die blütenüberschütteten Bäume unter sich, den leuchtend blauen, südlichen Himmel — er sah vor sich ein zartes, stolzes Mädchen gesicht mit leuchtend blauen 2lugen und lichtem Haar, hörte eine biegsame, ruhige Stimme, sah einen leidgezeichneten blassen Mädchenmund — und dachte bei sich, wie schön es sein müßte, die Linien dieses Leides vergehen zu sehen und diesem jungen, tapferen Menschen als Lebenskamerad zur Seite zu stehen. Er wollte bald mit ihr sprechen — sie war sicher vernünftig genug, die Chance anzunehmen, die er ihr als Besitzer einer großen, gutgehenden Fabrik und eines stattlichen Vermögens bot. Sorgen würde sie an seiner Seite niemals haben, und auch ihre Mutter sollte ihm willkommen fein. Unb schließlich kannte Archibald sich selbst genug, um zu wissen, daß er einem jungen Mädchen nicht unsympathisch zu sein brauchte — es gab brüben in Chikago genügen!) hübsche Mädels, die sich um ihn bemühten, ohne daß er Steigung verspürte, seine Selbständigkeit aufzugeben. Die erste, um derentwillen er es tun würde, war diese lunge. tapfere Deutsche in Mister Mosers Office. Siebenundzwanzig st es Kapitel. Olaf Erikson hatte einige Monate im Ausland verbracht unb hatte keine beutfchen Zeitungen rneyr gelesen. Auch zu ber Familie vom Bremer- schloß hatte er keinerlei Verbindungen mehr. Unb — denn so sehr er sich auch muhte. Hiltrub zu vergessen, es gelang ihm nicht. Immer wieder drängte sich ihr Bild vor seine Seele, und er dachte ihrer in Sehnsucht, Trauer unb Sorge. Was mochte aus ihr geworden fein an der Seite dieses Ivarsen, von dessen Charakter er nur das Allerschlimmste erwartete? — Kamen diese trüben und sehnsüchtigen Gedanken über ihn, bann vergrub er sich tiefer in seine Arbeit: sie war das einzige, was ihn zeitweise vergessen ließ. Run kam er auf ber Durchreise, von Englanb nach dem Düben, wo er in Rom Geschäfte für die väterliche Firma einzuleiten hatte, auch nach Deutschland. Zum ersten Male, daß er wieder deutsche Zeitungen las. Er saß beim Mittagessen in einem Hotel Unter den Linden in Berlin, als ihm aus einer Seite der Qiame Ivarsen entgegensprang. Er stutzte, sah schärfer hin unb las folgende Rotiz: „Tie Verhandlungen, die vor dem Gericht in B. gegen den Hochstapler Baron Arel Ivarsen geführt werden sollten, sind durch eine tragische Wendung in letzter Stunde vereitelt worden. Man wird sich noch an die sensationelle Verhaftung Ivarsens erinnern, der Patente einer hochangesehenen deutschen Firma, des Bremerwerks, stehlen unb ins Ausland bringen wollte. Seine Verhaftung gelang gerade noch, ehe er sein verbrecherisches Vorhaben ausführen konnte. Vergangene Rächt gelang es Ivarsen, mit Unterstützung einiger Helfershelfer, aus dem Gefängnis zu entkommen. Beim Ueberfteigen der Gefängnismauer aber wurde er von dem Posten gesichtet, unb als er auf Anruf weiter» lief, angeschossen unb starb noch in der gleichen Rächt." Die Gäste am Rebentische wunderten sich, baß ein eleganter Herr, ber eben erst fein Essen bestellt hatte, in aller Hast es bezahlte, ohne bie Speisen auch nur ungerührt zu haben, unb mit einem gänzlich verstörten Gesicht aus dem Speisesaale lies. Kurt Bremer sah über Briefe unb Abrechnungen gebeugt da, als ihm plötzlich Olaf Erik- son gemeldet wurde. „Ich lasse bitten!“ sagte er erstaunt. Mit aus- geftredten Händen kam Olaf auf Kurt zu: -Sie sind sicherlich erstaunt. lieber Herr Bremer", begann er, „mich so plötzlich hier zu sehen." „Allerdings", gab Kurt zurück: „aber ebenso «roh ist meine Freude. Was führt Sie zu mir, Daron Srikson? Leider finden Sie bei uns vieles verändert vor. Mein lieber Vater —", er sprach nicht weiter, seine Stimme schwankte. „Gerade diese Veränderungen führen mich her, mein lieber Herr Bremer“, war Olafs Antwort. „Ich fühle Ihren Schmerz um den Verstorbenen mit; er war ein Mensch, der allen teuer war, die mit ihm nur flüchtig in Berührung kamen. Ich persönlich habe ihn von ganzem Herzen verehrt. Wie schwer mutz sein Scheiden für Sie gewesen fein." •Unb er drückte Kurt nochmals die Hand. — Dann fuhr er fort: „Was mich heute fo unerwartet %u Ihnen führt, sind aber vor allem bie Rachrichten. die ich heute zum ersten Male während meikies Aufenthaltes in Deutschland in einer deutschen Zeitung gelesen habe." „Sie meinen die Rachricht von dem Tode Ivarsens? Sie wußten also gar nichts von den dramatischen Ereignissen, deren Schauplatz leider unser liebes Dremerwerk geworden ist?“ „Rein! Würden Sie es wohl nicht als Reu- gierbe auffassen, wenn ich Sie bitten darf, mir einmal den Gang der traurigen Ereignisse zu schildern? Ich habe ein besonderes Interesse daran, das Treiben dieses Ivarsen kennenzu- lemen. Wumm, werde ich Ihnen dann erzählen." Seine Stimme unb sein Gesichtsuusdruck waren so teilnahmsvoll, daß Kurt, der immer eine geheime Sympathie für Olaf gehegt hatte, ihm mit freimütiger Offenheit alles schilderte. Mit ernster Miene hörte Olaf zu. Als Kurt geendet hatte, sagte er: „Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen. Herr Bremer, unb ich will Gleiches mit Gleichem vergelten. Ich möchte Ihnen ein Geständnis machen. Aber ich bitte Äe. es vorderhand vertraulich zu behandeln. Ich habe feineneit in dem Seebad W. Ihre Schwester, Fräulein Hiltmd, vor diesem Ivarsen gewarnt — ich hoffte, daß sie meiner Warnung Gehör schenken würde, ich hoffte es um ihrer selbst tt>illen. Aber noch aus einem anderen Grunde hoffte ich es: auch um meiner selbst willen, ■D«rr Bremer — denn ich liebte Ihre Schwester. (Die aber zeigte mir in nicht mißverständlicher daß sie von mir keinerlei Warnung tounfcbte — und daß sie nichts mit mir zu tun haben wollte. So beschloß ich, mich zurückzu- werjen — obwohl dieser Entschluß mir bitter schwer wurde. Dann war ich. ohne es zu wollen, Zeuge eines Gesprächs, das mir bewies, in wie frivoler Weise Axel Ivarsen mit dem Vertrauen eines reinen Mäbchenherzens spielte. — Run gab für "ich keine Rücksicht mehr. Wollte Fräulein Hiltrud nicht auf meine ehrliche Warnung hören — so würde, dachte ich. Iyr Herr Vater weitschauender sein als ein unerfahrenes junges Mädchen. Ich war entschlossen, zu Ihrem Herrn Vater zu reifen — für mich gab es nur eins: Hiltrud vor Kummer und Verrat zu bewahren. Da ereignete sich bei Ihnen die Katastrophe. Ihr lieber Vater starb plötzlich — und die Verlobung Axel Ivarsens mit Ihrer Schwester wurde veröffentlicht, ehe ich imstande gewesen war, einzu- ?reifen. Run war es natürlich zu spät — ich onnte den offiziellen Verlobten Ihrer Schwester nicht mehr angreifen — es blieb mir nur das eine übrig: zu verschwinden und zu hoffen, daß ich zu schwarz gesehen haben ' möchte. Leider hat sich diese Hoffnung nicht erfüllt — im Gegenteil, alles ist noch viel schlimmer gekommen, als -ich gefürchtet habe. Was gäbe ich darum, wenn ich Fräulein Hiltrud vor all diesem Leid hätte bewahren können." Er stand erregt auf und ging im Zimmer auf unb ab. Kurt folgte ihm mit den Blicken — ein Gedanke zuckte durch sein Hirn: „Ich glaube nicht, daß Hiltrud sehr unter der Trennung von Ivarsen litt, wenn auch die häßlichen Begleitumstände chr sehr, sehr weh getan haben. Die Rachricht von seinem Tode wird sie sicherlich erschüttern, weil sie ihr die ganze wirre Vergangenheit noch einmal lebendig machen wird. Dem Toten selbst aber wird sie nicht nachtrauern, dessen bin ich sicher.“ Olaf hielt auf seiner Wanderung durch das Zimmer jäh inne: „Dessen sind Sie sicher? Ja, dann muß ich ja Ihre Worte so verstehen, als hätte sie diesen Ivarsen niemals wirklich —“ „Sie haben recht verstanden", setzte Kurt die stockende Rede fort, „niemals wirklich geliebt. Unb nun, lieber Baron Erikson, werden (Sie eine Frage nicht undelikat finden — eine Frage, die ich als Mann zum Mann an Sie stelle und die zwischen uns beiden bleibt: Wie stehen Sie heute innerlich zu meiner Schwester Hiltrud?" „Genau wie damals!" war Olafs feste Antwort. „Ich liebe sie unerschütterlich — und ich werde nie eine andere lieben. Wüßte ich, daß sie vergessen kann, was hinter ihr liegt — wüßte ich. daß sie für mich würde fühlen lernen können, fo würde ich mich ihr nochmals nähern — aber eine zweite Absage — das läßt mein Stolz nicht su." Da lächelte Kurt Bremer glücklich: Liebe, tap- dachte er, nun kann ich mich einmal in Wahrheit als dein Bruder erweisen. Dann legte er die Hand auf Olafs Arm: „Lieber Baron", sagte er herzlich, „es ist nun schon so bieleä offen und klar zwischen uns beiden besprochen worden, daß ich keine Indiskretion begehe, wenn ich Ihnen noch etwas erzähle." Unb er erzählte von der Unterredung, die er kurz nach ber Festnahme Ivarsens mit Hiltrud gehabt hatte. „Damals gestand sie mir, daß sie sich mit Ivarsen nur verlobt habe aus Trotz gegen einen anderen, den sie wahrhaft geliebt hatte — doch ich habe oft darüber nachgedacht, wer dieser an- bere fein könnte — nun kenne ich ihn — und Sie chn hoffentlich auch." * (Fortsetzung folgt.) Watz oltzus, 1, An{n te; .®»n die obe । r4hUen'um I drtruar bie " NfoflS * JP^t ber f Ämter, bk rtage. ,en wir ein, Wen sein, Mtunben am lnWit, und S ir9enb= ^tzen über schall ge, sprecht war • schwang ,Ur*ö erkannte 'S' gutmütig usie des Boi° -n chm eine egenwartiger ersannen. A«S-. Ier heutiger «, war eine jemorben ist. ■ in Putara I van Myra er, trägt |ei. »nziLkus, ein enen er sein )t haben soll, n Tchweslern in geworfen, lim tonnten; Derbe es auch Men lassen, Fenster steile, en obgeb'übet, inet hunaer-- Fischer. Aach 'ei^egl, ober t Kanberung. iten gestohlen wr Kirche des tfunben habey Fall gewesen ' erklären, daß achen als Reden find auch ammlung des ihm. Deutsch- ehruna besvn- ij-Kirchen und sen gibt, lebte )f non Myra j eine folfa Ruprecht so )WrMchrn chauptgestall iie vielen Sir- letztenZom- andten olden- istorischen Ri- . Bolkslieder- n* ausgenom- i spät - ich irer Schwester nur das eine iffen, daß ich Leider hat im Gegenteil, men, als >4 im, tvenn «Y >id hätte be- Zimmer auf lliden - em glaube nicht. i von 2var« ieitumstände -e Äachricht erschüttern, SÄ essen bin uh i durch das muß Ä e sie diesen i»Ä :6m ®:e 'S [teile und d e Lr ä*"s tu * l, oiebe, tap' Lieb e'mmal h S Sann Lieber schon,D nun w ikts fl$s flt * men hat; hier ist der freundliche Bischof schon ganz die Ruprechtgestalt geworden: Es wird aus den Zeitmigen vernommen, Daß der heilige Sankt Nikolas werde kommen Aus Moskau, wo er gehalten wert Und als Heiliger wird geehrt. Er ist bereits schon auf der Fahrt, u besuchen die Schuljugend zart, u sehen, was die Mägdlein und Knaben n diesem Jahre gelernet haben. 3Ti Beten, Schreiben, Singen und Lesen Und ob sie sind hübsch fromm gewesen. Er hat auch in seinem Sack verschlossen Schone Puppen aus Zucker gegossen. Den Kindern, welche hübsch fromm wären. Will er so.che Sachen verehren. Fabrtt-oSerhandwertsmäßiqerBetrieb? Der Provinzialausschuß hatte sich am ooriaen Samstag wiederum mit der Frage zu befassen, wann c.n Gewerbebetrieb in die Hand Werks rolle der Hessischen Handwerkskammer einzutragen und demg.maß zu den Handwerkskammerbeiträgen her- anzuziehen ist. Diesmal handelte es sich um die der Firma Heinrich Schudt gehörige Görbel Heimer Mühle bei Friedberg. Gegen die beabsichtigte Eintragung in die Handwerksrolle erhob die Firma Beschwerde bei dem Kreisamt Friedberg mit dem Antrag, zu erkennen, daß die Eintragung unzulässig ist. Das Kreisamt kam auf Grund tatsächlicher Feststellungen zu dem Ergebnis, daß es sich bei der Mühle der Firma Schudt nicht um einen Handwerksbetrieb, sondern um einen Industriebetrieb handele und daß alle Merkmale, die für das Borlieaen eines Fabrikbetriebes von Bedeutung seien, hier sämtlich vorliegen würden. So seien insbesondere vorhanden: 1. Arbeitsteilung zwischen der vorwiegend leitenden und kaufmännischen Tätigkeit des Unternehmers und der technischen Tätigkeit der Gehilfen. 2. Arbeitsteilung unter den Gehilfen; 3. erhebliche Arbeiterzahl; 4. Konzentration der Arbeit m der gewerblichen Anlage des Unternehmers; 5. verhältnismäßig große Ausdehnung der Betriebsräume und anderer bestehender Betriebseinrichtungen; 6. umfangreiche Verwendung von Kraft- und Arbeitsmaschinen; 7. großer Umfang der Produktion bzw. Arbeitsleistung. Alle diese Merkmale seien typisch für das Vorliegen eines Industriebetriebs. Gegen diese Entscheidung erhob die Handwerkskammer Klage bei dem Provinzialausschuß. Nach eingehender Beweisaufnahme durch Anhörung des Vorstandes des Gewerbeaufsichtsamts Gießen, der Industrie- und Handelskammer Friedberg, sowie nach Anhorunades Vertreters der Handwerkskammer und des Mühlenbesitzers Schudt erkannte der Provinzialausschuß zu Recht, die Klage der Hessischen Handwerkskammer als unbegründet zurückzuweisen und die Kosten des Verfahrens der Klägerin zur Last zu setzen. Streitwert 2000 Mark. Durch diese Entscheidung ist die Görbelhe>imer Mühle bei Friedberg als Fabrikbetrieb anerkannt und von der Zahlung der Beiträge zur Handwerkskammer befreit. Allerdings besteht für die Handwerkskammer noch die Möglichkeit, Berufung an das Reichswirtschaftsgericht zu verfolgen. Oie 222er am Jahrestag der Schlacht von Lod;. Wie alljährlich, so vereinigten sich auch diesmal am Jahrestage der Schacht, von Lodz — Smi stag, 3. Dezember — die Angehörigen des ehemaligen Reserve-Jnfanterie-Regiments 2.22 in Gießen, als Garnisonort dieser Kriegsformation der 116er, zu einer kameradschaftlichen Wiedersehensfeier. Der Vorsitzende der Vereinigung ehemaliger 222er, Oberleutnant d. L. a. D. Bankdireltor Grießbauer, konnte am Samstagabend bei der Feier im „Andres" eine außerordentlich große Versammlung ehemaliger Kameraden aller Dienstgrade und eine Abordnung der Traditionskompagnie (2. Kompagnie 15. Jns.-Regt.) unter Führung von Oberleutnant Brandt begrüßen. In seinen Begrüßungsworten gab er seiner Freude darüber AuÄrruck, daß trotz der Not der Zeit so viele alte Kameraden an der diesjährigen Wiedersehensfeier sich beteiligten, er warf weiterhin einen kurzen Rückblick auf die treue Frontkameradschaft der 222er und deren ruhmreiche Waffentaten auf den verschiedensten Kriegsschauplätzen des Weltkrieges; er gedachte dabei, während die Teilnehmer sich oon den Sitzen erhoben hatten und die Musik die Weise vom guten Kameraden spielte, der Gefallenen des Regiments, sowie des vor einiger Zeit 'verstorbenen früheren Regimentskommandeurs Oberstleutnants von Rotsmann, und forderte alle alten Soldaten auf, in treuer und selbstloser Hingabe für Volk und Vaterland es allezeit den verewigten Kameraden gleichzutun. Weiter verlas er ein Schreiben des früheren Armeeführers, Generalfeldmarschalls von Mackensen, in dem der Feldmarschall seine hohe Anerkennung für die militärischen Leistungen und den vortrefflichen soldatischen Geist der 222er zum Ausdruck bringt und betont, daß dieses Regiment in reichem Maße Anteil habe an deutschen Waffentaten, die in der Geschichte des Weltkrieges ihresgleichen suchen. Der Redner forderte die alten Kameraden auf, auch weiterhin in alter, treuer Frontkameradschaft und Einigkeit zusammenzustehen, für Volk und Vaterland nach gutem soldatischem Geiste immer alle Kraft einzusetzen und dem hehren Beispiel des Generalfeldmarschalls und Reichspräsidenten von Hindenburg im Dienste für die Gesamtheit der Nation nachzueifern. Mit begeistert aufgenommenen dreimaligen Hurra-Rufen 'auf den Generalfeldmarschall und mit dem gemeinsamen Gesang des ersten Verses des Deutschlandliedes fand die von bestem Solldatengeiste erfüllte Ansprache ihren Ausklang. Im weiteren Verlaufe des Abends gedachte Bank- direktor Grießbauer noch des ehemaligen Kommandeurs Graf Pfeil, der am 27. November in Liegnitz fein 50. Militärdienstjubiläum begehen konnte. Regimentskamerad Studienrat Dr. Fadel (Wetzlar) hielt einen mit lebhafter Spannung aufgenommenen Lichtbildervortrag über den Aufenthalt der 222er im Verbände der deutschen Südarmee auf dem Kriegsschauplatz in den Karpathen, wobei er in Wort und Bild über zahlreiche eindrucksvolle Feldzugserinnerungen aus diesem schwierigen und für die Truppe entsagungsvollsten Kampfgelände erinnerte. Die interessanten Schilderungen des Redners, die auch oon zahlreichen Bildern über Land und Leute jenes Kriegsgebietes begleitet waren, fanden verdientermaßen lebhaften Beifall. Der wei- tere Verlauf des von vortrefflichem Frontgeist erfüllten kameradschaftlichen Beisammenseins brachte ein Wettschießen am Zimmerfchießstand, flotte musikalische Darbietungen von Mitgliedern der Stahlhelm-Kapelle, gemeinsamen Gesang alter Soldatenlieder, die auf gar manchen Kriegsschauplätzen immer wieder die Herzen der Soldaten in Schwung brachten, frohgestimmte Geselligkeit, die besonders von Kamerad Oelber mann in eifriger Weise bestritten wurde, bei der aber auch Karn. Linker als sympathischer Liedersänger sich um die Unterhaltung der Kameraden bestens bewährte. Die anregenden geselligen Stunden, die alle Teilnehmer in dem schönen Gemeinschaftsgeiste des gemalt gen großen Fronterlebnisses vereinigte, hielten die alten Kämpfer im feldgrauen Rock bis lange nach Mitternacht in schönster Stimmung und bester kameradschaftlicher Geschlossenheit beisammen. Daten für Montag, 5. Dezember. 1757: Sieg Friedrichs des Großen über die Oesterreicher bei Leuthen; — 1791: Wolfgang Amadeus Mozart in Wien gestorben; — 1835: der Dichter Graf August v. Platen in Syrakus gestorben. *&oi* notice n — Aageskalender für Montag. Saal der Christlichen Versammlung: 20.15 Uhr, Vortrag oon Herrn Evangelist Schwefel. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Strich durch die Rechnung". "DerKupferneS onntag brachte gestern bei schönem Wetter unserer Stadt einen starken Besuch oon außerhalb. Schon in den Mittagsstunden herrschte in den Geschäftsstraßen sehr lebhafter Verkehr,-der sich im Verlaufe des Nachmittags außerordentlich steigerte. Soweit man beobachten konnte, ist in zahlreichen Geschäften auch schon ansehnlich gekauft worden. Die Rechsbahn und die Kraftomnibusse hatten Hochbetrieb. " Ein Fünfundachtzigjähriger. Der Rentier Karl L ü d e k i n g , Seltersweg 83, kann am heutigen Montag, 5. Dezember, bei bester Gesundheit seinen 85. Geburtstag feiern. *• Ehrungen im Hessischen Sängerbund. Der Hessische Sängerbund hat wieder eine Reihe verdienter Mitglieder mit besonderen Ehrenzeichen ausgcze chnet. Für 40jährige aktive Sangestätigkeit erhielten H. Leicht („Frohsinn" Lang-Göns), Heinrich Hehler und Aug. Fischer (beibe „Eintracht" Burg-Gemünden), Adolf Hofmann („Eintracht" Hungen), Wilhelm Zörb („Frohsinn" Lang-Göns) und H. Grim (Liederttranz Weitershain) die silberne Ehrennadel des Bundes. Mit der Ehrennadel „Für Verdienst", Auszeichnung für 25jährige Tätigkeit als Vorstandsmitglied, wurden Ludwig Schneider, August Hofmann (beide „Eintracht" Hungen), Wilhelm Zörb („Frohsinn" Lang-Göns). und 3o<. Staubach („ Frohsinn" Gießen) bedacht. Zum Ehrenchormeister wurde unter gleichzeitiger Verleihung der Ehrennadel „Ehrenchormeistcr" Heinrich Schirmer -Mer- Holz (Liederkranz Düdelsheim) ernannt. ** Theater-Ausstellung. Aus dem Büro des Stadttheaters wirb uns geschrieben: Anläßlich des 25jährigen Jubiläums des 'Stadttheaters ist in den Wandelgängen und im Foyer unseres Theaters eine sehenswerte und interessante Ausstellung hergerichtet worden. Diese Theater-Ausstellung bietet einen allgemein interessierenden Ouerschnitt in die künstlerische und technische Arbeitsleistung der Bühne und soll dem Publikum einen kleinen Einblick gewähren in die stete und rastlose Arbeit, die jenseits des Vorhangs geleistet wind. Dem Publikum bietet sich Gelegenheit, Einsicht zu nehmen in all bie Dinge, über die man bei einer Ausführung 'nur leicht geneigt ist hinwegzugehen. Die Ausstellung fand bisher allgemeines Interesse. Die Intendanz hat sich daher entschlossen, diese Ausstellung auch weiterhin allen Theaterbesuchern kostenlos zulänglich zu machen und die ausgestellten Gegen- tände als ein überzeugendes Bild von der viel- eitigen künstlerischen Einzelanbeit eines Theaterbetriebes in der Ausstellung zu belassen. ** Rückständige Zahlungen für Elektrizitätsbezug betrifft eine Bekanntmachung des Städtischen Elektrizitätswerks in unsrem heutigen Anzeigenteil. Säumige Zahler seien besonders darauf hingewiesen. * * (Sin schönes Stück Gießener Handwerkskunst. 3m Tapetenhaus Otto Säubert ist zur Zeit ein schönes Stück handwerklicher Arbeit ausgestellt, hervorgegangen aus der Werkstätte des C -reinermeisters Lenz. Es handelt sich um einen Altar mit Altarrückwand in gotischer Arbeit. Die Arbeit ist in Eichenholz aus- geführt. Die Rückwand zeigt die 4 Evangelisten, in der Spitze ist das Kruzifix angebracht. Der Altar ist bestimmt für die Kirche in Ahaus an der holländischen Grenze. ** Preußisch • Süddeutsche Klassen- lotterte. Die Erneuerung der Lose zu dieser Klasse muß planmäßig spätestens bis zum 7. Dezember 18 IIhr bei Verlust des Anrechts in der zuständigen Lotterie-Einnahme geschehen. Die Beachtung dieser Frist wird zur Vermeidung von Rachteilen dringend empfohlen. ** B i s auf weiteres vertagt. Der für den morgigen Dienstag vor der Großen Strafkammer angesetzte Prozeß wegen Aufruhrs, in dem 37 Einwohner von Reichelsheim und Umgegend als Angeklagte erscheinen, ist, wie wir zuverlässig hören, bis auf weiteres vertagt worden. ♦* 0 effentliche Bücher halte. Im November wunden 1668 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1135, Literaturgeschichte 7, Zeitschriften 25, Gedichte und Dramen 12, Juaendschriften 137, Länder- und Völkerkunde 97, Kulturgeschichte 8, Geschichte und Biographie 108, Kunstgeschichte 15, Naturwissenschaft und Technologie 65, Heer- und Seewesen 4, Gesundheitslehre 2, Religion und Philosophie 18, Äaatswissenschaft 28, Sprachwissenschaft 1, Sport 6 Bände. Landkreis Gießen. i§. S t e i n b a ch. 4. Dez. Beigeordneter R i k o - laus legte kürzlich dieses Amt nieder, so daß am 11.Dezember Reuwahl stattsinden muh. Hierzu sind zwei Wahlvorschläge eingegangen, der erste mit dem Kennwort „Hitlerbewegung" und dem Kandidaten Karl Reu schling IV., Landwirt, der zweite mit dem Kennwort „Bürgerliche Liste" und dem Kandidaten August Keßler, Maurermeister. Wettervoraussage Die Kaltluft an der Rückseite der sich immer weiter abflachenden Skandinavienstörung hat zu Baro- meteranftieg geführt und über Frankreich und Süddeutschland ein Hochdruckgebiet aufgebaut. Unter seinem Einfluß bleibt das Wetter zunächst trocken und kalt. Es treten weiterhin totale Nebenbildungen auf, die sich aber zeitweise auflösen, so daß nachts infolge der Ausstrahlung Frost auftritt. Die Aus- Wirkungen des hohen Druckes scheinen sich aber nicht auf längere Zett hin auszudehnen, denn im Westen ist bereits das Herannahen neuer Störungen zu erkennen. Aussichten für Dienstag: Lokale Nebel- und Dunstbildungen, sonst bewölkt und aufklarend, trocken, Nachtfrost. Lufttemperaturen am 4. Dezember: mittags 6,6 Grad Eelsius, abends 1,3 Grad; am 5. Dezember: morgens 1,1 Grad. Maximum 7 Grad, Minimum minus 0,5 Grad. Wirtschaft. Berlin geschästellos und schwächer. Berlin, 5. Dez. (WTB. Funkspruch.) Nachdem man noch im heutigen Dormittagsverkehr auf Grund verschiedener Momente wirtschaftlicher Natur, wie befriedigenden Gelsenabschlu^i Gerüchte von einer zu erwartenden Harpener-Dimdende, höherer Stick- stcffabsatz hn November usw., mit einem freundlichen Börsenoerlauf gerechnet hatte, war die Tendenz schon zur Börseneröffnung ziemlich unsicher. Zu den ersten Kursen ergaben sich überwiegend Rückgänge bis zu 0,50 v. H. Obwohl das gestrige Wahlergebnis in Thüringen dazu angetan ist, mit einer weiteren innerpolitischen Beruhigung zu rechnen, wird der morgige Reichstaas- beginn doch als störendes Moment empfunden. Vor allem verstimmten aber inzwischen dementierte Gerüchte, die von dem Plan einer neuen Zwangsanleihe bzw. einer Erhöhung der Ver - mögen s ft euer wissen wollten. Auch die anhaltende Pfundschwäche löste bei der Spekulation Abgabeneigung aus, zumal eine starke Zurückhaltung des Publikums festzustellen war. Man zeigte nur noch für einige Speziolwerte, wie Baynaktien, Contigummi, BEW., Dessauer Gas, Dortmunder Union usw. Interesse. Ein 5pro- zentvger Gewinn der Maximilianshütte gegen ihre letzte Notiz vom 2. d. M. wurde bei einem Umsatz von 3 Mille erzielt. Rückgängig waren anderseits Charlottenburger Wasser, Buderus, Felten, HEW. und Ehadeaitien, doch gingen auch hier die Verluste nicht über 2 o. H. hinaus. Lediglich Siemens büßten 3 v. H. ein. Auch im Verlaufe änderte sich an den Aktienmärkten an der Geschäftslosigkeit nichts, die Kurse bröckelten weiter ab, wobei man beobachten konnte, daß die Börse einen Rück- tausch von Aktien in Rentenwerte vornahm. Deswegen war die Tendenz des Anlage- mar k t e s auch wohl ausaesprochen freundlich. Das Geschäft war hier, besonders im Verlaufe, unter Führung von Altbesitzanleihe allgemein lebhafter. Diese sowie die Reichsschuldbuchforderungen und ditz Reichsbahnvorzugsaktien besserten sich durchschnittlich bis zu 0,50 o. H. Bei den Jndustrieobliga- tionen überwogen Gewinne bis zu 0,25 v. H. Von Auslandsrenten neigten Bosnier etwas zur Schwäche, die 5prozentigen Tehuantepek erschienen mit MinusMinus-Zeichen. Am Geldmarkt war die Situation unverändert. Tagesgeld war an der unteren Grenze mit 4,39 v. H. erhältlich, Monatsgeld blieb 5 bis 7 v. H. Nach Privatdiskonten .herrschte weiter Nachfrage, und auch Reichswechfel und Reichsschatzanweisungen blieben bei kleinem Geschäft gefragt. Frankfurt abgeschwächt. Frankfurt a. M., 5. Dez. (WTB. Drahtmeldung.) Die Börse eröffnete die neue Woche bei kleinen Umsätzen zunächst nur wenig verändert, da einige Käufe der Kundschaft vorlagen und auch Hoffnungen auf eine Reichstagsoertagung bis Mitte Januar anregten. Bei der Kulisse und der Spekulation bestand etwas Realisationsneigung, so daß die ersten Kurse meist kleine Rückgänge von zirka 0,25 bis 0,5 v. H. aufwiesen. Nach Feststellung der ersten Notierungen erfuhr die Börse eine deutliche Abschwächung, wobei Gerüchte, die von der Einführung einer Vermögensabgabe durch die neue Regierung wissen wollten, verstimmten. Hinzu kam noch, daß in JG.-Aktien größere Abgaben erfolgten, was auch die übrigen Werte ungünstig beeinflußte. Spezialwerte, wie Licht & Kraft (minus 2,25 v. H.), Reichsbank, Harpener, Mannesmann, Lahmeyer und Kunstseideattien, waren bis zu 1,75 v. H. gedrückt. IG. fetzten zunächst mit 97,25 o. H. nur wenig verändert ein, waren aber später um 1,25 v. H. abgeschwächt. Kursrückgänge oon 0,5 bis 1 v. H. hatten ferner Buderus, Gelsenkirchen, Rheinstahl, Phönix, Deutsche Erdöl, Gessürel, Schuckert, Holzmann und Schiffahrtsaktien. Gut behauptet blieben Stahlverein, Scheideanstalt, Rheinische Elektro Mannheim. Leicht befestigt waren noch Gebr. Junghans und Conti-Linoleum Zürich. Am Anleihemarkt war die Attbesitzanleihe etwas gefragt und zunächst um 0,90 o. H. fester, später zog sie auf 58,25 o.H. an. Späte Reichsschuldbuchforderungen lagen mit 72,65 v. H. um 0,5 v. H. hoher, Neubesitz und Schutzgebiete eröffneten unverändert. Von variabel gehandetten Jn- dustrieobligationen setzten Stahlverein und Mittel- stahl gut behauptet ein. Von Auslandrenten gewannen Eisenbahn-Bosnier 0,90 o. H , Ungarische Goldrenten blieben gut gehalten, während Mazedonier 0,13 v. H. nachgaben. Am Pfandbriefmarkt lag kleines Angebot vor, so daß die Kurse überwiegend um 0,25 bis 0,50 v. H abbröckelten. Reichsaltbesitz und Reichsschuldbuchforderungen konnten ihre Höchstkurse später nicht behaupten. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 5. Dez. Auftrieb: 1390 Rinder (283 Ochsen, 125 Bullen, 505 Kühe, 410 Färsen), 670 Kälber, 143 Schafe, 4792 Schweine, darunter 180 Memelländer. Es kosteten: Ochsen, vollfloischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts, jüngere, 27 bis 30, ältere 23 bis 26, sonstige 20 bis 22 Mark; Bullen, jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 24 bis 27, sonstige voll fleischige oder ausgemästete 20 bis 23 Mark; Kühe, jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 23 bis 25, sonstige oollsleisch ge oder ausgemästete 20 bis 22, fleischige 17 bis 19, gering genährte 12 bis 16 Mark; Färsen, vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 28 bis 30, vollfleischige 24 bis 27, fleischige 20 bis 23 Mark; Kälber, beste Mast- und Saugkälber 30 bis 33, mittlere Mast- und Saugkälber 26 bis 29. geringe Kälber 19 bis 25 Mark; Schweine, oollsleisch.ge, oon etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 37 bis 40, von etwa 200 bis 240 Pfund 36 bis 40, von etwa 160 bis 200 Pfund 35 bis 39, fleischige von etwa 120 bis 160 Pfund 32 bis 35 Mark. — Marktverkauf: Rinder schleppend, Ueberstand, Kälber und Schafe schleppend, geräumt, Schweine schleppend, geringer Ueb erstand. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 5. Dez. (WTB. Drahtmeldung.) An der Frankfurter Getreidebörse war das Geschäft außerordentlich still bei weiter nachgebenden Preisen. Das Angebot war nicht groß, doch bestand infolge des schlepvenden Weizenrnchl- §ejd)äfts kaum Saufneigung. Am Futtermitlelrnarkt röckelten die Preise gleichfalls leicht ab, und auch Sommergerste war erstmals etwas schwächer. Es wurden notiert: Weizen 204 bis 205, Roggen 162,50; Sommergerste für Brauzwecke 180 bis 185; Hafer (inländischer) 134 bis 137,50; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 28,85 bis 29,50; niederrheinisches 28,85 bis 29,25; Roggenmehl 23 bis 24,25 Weizen- kleie 8 bis 7,90 Roggenkleie 8,50; Sojaschrot 10,85 bis 11; Palmkuchen 8,75 bis 9; Erdnußkuchen 12,75 bis 12,60; Heu 4,60 bis 4,80; Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt, 2,25 bis 2,50; Weizen- und Rvggenftroh, gebündelt, 2,25 bis 2,50; Treber, getrocknet, 10,65; Jnduftriekartoffeln, hiesiger Gegend, per 50 Kilogramm bei Waggonbezug 1,75 Mark. — Tendenz ruhig. Sie genieren sichSochnichi etroa® anzubieten,weil sie nur 3% Pfg kostet ? Das wäre, mit Verlaub gesagt, töricht. Jst OBERST doch eigentlich eine 5 Pfg-Zigarette, die zum Unterschied von vielen billigen G-ilarken ein hohes Geschmacks - cNiveau hat-genau so wie früher, als sie noch 5 Pfennig kostete. OBERST die 31/3 Pfg -Zigarette beider nach teurerdiarkenJlrt ___________sich jtlilde mit A ROMA paart. WALDORF ASTORIA G-M-ß-H dezirksschöffengericht Gießen. @ ’, « fr « n, 30. TIdd. Sämtliche drei Sachen, die in der heutigen Sitzung zur Verhandlung ft unten, hatten einen starken politischen Ein- schlag. 3n der ersten Sache wurden zwei Angeklagte te chuld gt, den hessischen Innenminister betet» i' gt zu haben. 3m Laufe der Verhandlung stellte sich heraus, daß die Sache noch weiterer Auf- tfärung bedurfte. Das Gericht kam daher zu ke.nent Urteil, sondern setzte den Termin zum Zwecke weiterer Ermitllungen ab. 3n der zweiten Sache, die ein Vergehen gegen das Depublikschutzgesetz zum Gegenstand hatte, stellte der Verteidiger des Angeklagten weitere Veweisanträge in Aussicht. Mit Rücksicht darauf wurde der Termin ohne weitere Verhandlung vertagt. 3n der dritten Sache handelte es sich um Körperverletzung aus politischen Beweggründen. 3m 3ult d. 3. befand sich «ine Reichsbanner- Abteilung auf einem Propagandamarsch zu einer Wahlversammlung. Die Äbte Lung lagerte links und rechts der Strafte, als auf derselben fünf Radfahrer ankamen, von denen einer das Abzeichen der Hitlerkundgebung, die im Sommer dieses 3ahres auf dem Hoherodskopf stattgefunden hatte, trug. Kaum hatten sie die Reichsbannergrupp« durchfahren, als sie von oerschie- . denen Reich s bann erleut en, die abseits links unö rechts der Strafte gelegen hatten, mit dem Ruf: „Da trägt ja auch einer das Hitlerabzeichen!" überfallen und geschlagen wurden. Vier Reichs- bannerteute hatten sich wegen dieses Ueberfalls heute vor Gericht zu verantworten. Die Heber» f al lenen erkannten drei der Angeklagten mit Bestimmtheit als Täter wieder. Zwei dieser Angeklagten erhielten . eine Gefängnis st rase von je 3 Monaten, einer eine Gefängnisstrafe von 6 Wochen, der vierte Angeklagte wurde mangels Beweises freigesprochen. G. A. Gpori. Jahreshauptversammlung des Gießener Radfahrerveiems 1885. Unter zahlreicher Teilnahme der Mitglieder fand am Donnerstag die Jahreshauptversammlung des Gießener Radfahreroereins 1885 statt. Der erste Voifitzende gab zunächst einen ausführlichen Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr. Mit großer Freude stellte er fest, daß der GRB. 1885 immer noch im Gau (Lahngau im BDR.) als erster Verein an der Spitze marschiert. Der im Druck erschienene Kassenbericht des Kassierers bewies, daß der Verein für di« Zukunft finanziell gesichert ist. Konnten doch etwa 75 v. H. aller Einnahmen den aktiven Mannschaften zugute kommen, um an auswärtigen Konkurrenzen tellzunenhmen. Nach dem Bericht des Schriftführers berichtete der Saalfahrwart Keßler. Seinen Ausführungen konnte man entnehmen, daß in sämtlichen Sportarten, sei «s Reigen-, Kunst- oder Wanderfahren oder sei «s 2er-, 3er- oder 6er-Rasen- radball, der Verein Vorzügliches geteiftet hat. Nicht nur bei^Gauoeranstaltungen, sondern auch bei Bun- desoeranstaltungen konnten die 85er Siege erringen. Erwähnt sei hier nur das 49. Bundesfest in Nürnberg, an dem sich der Verein mit 14 Mitgliedern beteiligte und im Korso Gruppe B über 300 km Entfernung einen guten zweiten Platz erringen konnte. Bei derselben Veranstaltung erzielle die 6er» Rasenradballmannschaft einen ehrenvollen Platz gegen den derzeitigen Weltmeister „Wanderlust Frankfurt" mit 0:2 Toren. („Wanderlust Frankfurt" de- findet sich zur Zeit in Italien, wohin sie als Lehr- Mannschaft vom Italienischen Radfahrerbund auf 4 Wochen verpflichtet wurden.) Nach dem Bericht des Straßenfahrwartes erfolgte die Neuwahl des Vorstandes. Diese hatte folgendes Ergebnis: A Kircher, 1. Vorsitzender: W. Werner, 2. Vorsitzender: E. Sommerkorn, Kassierer: E. Hauck, 1. Schriftführer: Gg. Zöll, 2. Schriftführer: K. Keßler, 1. Saalfahrwart: Fr. Keßler, 2. Saalfahrwart: Aug. Deibel, Rennfahr- nxirt; Aug. Winter, Wanderfahrt: 1. Zeugwart Erw. Heß: 2. Zeugwart Rich. Witt mann: H. Weber, Jugendfahrwart: Rod. Gärtner, Kraftfahrwart: Emil Heß, Pressewart: Fr. G o l d- mann, W. Haus, Hch. Hofmann und D. D o n - E iff Beisitzer. Der auf dem Hexbstgautag gefaßte Entschlliß, Schülerabteilungen in den Vereinen einzuführen, wurde von feiten der Mitglieder begrüßt und ein- ftimmig angenommen. H. Weber als Iugendfahr- mart konnte am gleichen Abend 12 Schüteranmel- dungen in Empfang nehmen. Weiter wurde beschlossen, die Manschaften, sei es in Radball oder Kunstfahren, im kommenden Jahr mehr auf auswärtige Konkurrenzen zu entsenden. Zum Schluß dankte der l.Vorsitzende für die im vergangenen Jahr geleistet« Arbeit und gab der Hoffnung Ausdruck, daß das kommende Dereinsjahr ebenso siegreich zum Wohle des Vereins befchieden fein möge. Sneftasten der Redaktion. (Rechlsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) G. fil in 2B. Ihr Anspruch auf den Pachtzins ist noch nicht verjährt, feine Verjährung steht aber unmittelbar mit dem 31. Dezember 1932 bevor. Der Einschreibebrief hat die Verjährung nicht unterbrochen. Beantragen Sie sofort bei Ihrem zuständigen Amtsgericht einen Zahlungsbefehl und sorgen Sie dafür, daß er spätestens am 31. Dezember 1932 dem Schuldner zugestellt wird. Weht warten! (D | Mietgesuche | ZU NIKOLAUS und Haselnüsse Walnüsse.. Erdnüsse... finden Sie bei S & F für wenig Geld manch gute Dinge, die den Kindern Freude machen! Die Ausgabe unserer schönen Weihnachts-Ueber raschung auf das S & F- Sparbuch hat begonnen Flugzeug mit Propeller and Räderantrieb Schokolade SJ“ 40 Schokolade 19 Kranzfeigen..............pid. 30 Mandarinen..............m 33 Weihnachtskonfekt...ptd 75 Nürnberger 68 Basler Lebkuchen.....ptd. 88 Weiße Lebkuchen ...ptd. 1.20 Elisen-Lebkuchen.. .Ptd. 1.40 Lebkuchen ÄS 3 st. 12 Hexenhäuschen.... ...Stuck 20 Geschenk-Beutel on reich gefüllt.............Stück ÜU Nikolaus aus Schoko ade ... Stück von ■WViY w W W m: W S ':<<<:• bi. I 1 W ••• :< ' A'- 8 O G 8560 D Nachruf. Am 3. Dez. d. J. verschied nach langem, schwerem Leiden unser lieber Kollege und Mitarbeiter BerrStenerassistentfieorOFnclis. Wir trauern um einen gewissenhaften, pflichttreuen und vorbildlichen Beamten, dem wir ein ehrendes Gedenken bewahren wollen. Die Beamten und Angestellten des Finanzamts Gießen LA.: Krug, Oberregierungsrat. Die Ortsgruppe Gießen des Bundes Deutscher Reichssteuerbeamten LA.: Lern p, Obersteuersekretär. Gießen, den 5. Dezember 1932. Suche zum 1. Avril 8-7-3immeiro. mitZentralheizung. Schrift!. Ang. unt. 37124 an d. G. A. iü-ZiminÄ 1. Avrll gesucht. Schrift!. Ang. unt. 37 125 an d. G. A. Illlllllllllllllllllllllllllllllllll 1 vollst. Bett 07137 1 Bettstelle, weiß 1 Kinderbett, weiß 1 Sekretär, 1 Regulator, 1 Schreibtisch, 2 Sofas, 3 Ehaiselongues, Michentische, einige Svortanziige W. 46 billigst Brandmasse 3 Vormittags. Qiumiiiniiiiiiiiiiiiiiiiniiiß MsleglMeulMAlllMkt Prima haltbare schöneAevfel, 10 Pfd. NM. 1.5V. Neue hellschalige Walnüsse, große Haselnüsse, 1. Sorte Maronen, Orangen und Feigen. Zitronen 10 Stück 25 Pfennig. 07132 Heinrich Oster, Vrandylah Alleinsteh.Herr sucht tevarat. Schriftliche Angebote u. 07121 ut den Gieß. Anz. Stellenangebote I Hlumenhaus üielz Gießen, 07120 38 Seltersweg 38 suchl Lehrmädchen. | Verkäufe | 3 junge Hunde Münsterland,Hetüe- wachtel,ElternStb.- Tiere,billig abz.o 123 WilbelmBachmann Burkhardsfelden. preiswert zu oerk. O7i3i 91. Guntrum, Bahnhofstr. 31 H. 07126 Gießen (Liebigstraße 101), Schwiebus, Dresden, Berlin, 5. Dezember 1932. Die Trauerfeier findet am Dienstag, dem 6. Dezember, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. Im Namen der Hinterbliebenen in tiefer Trauer: Anna Fuchs, geb Barthold Erna Lenz, geb. Fuchs Hanns Lenz. Bekanntmachung. Die bereits fälligen Stromgelder im Stadt- und Ueberlanbgebiet für den Monat Oktober 1932 können noch bis zum 15. d. 2U. ohne Kosten bezahlt wer i. Bei Nichtzahlung bis zu diesem Termin erfolgt Beitreibung und Stromsperre auf Kosten des Abnehmers. 8557D Gießen, den 3. Dezember 1932. Direktion der Elektrizitätswerke, Ueberlanbanlage und Straßenbahn der Stadt Gießen. S t 0 l t e. Am 3. Dezember wurde uns mein innigstgeliebter, unvergeßlicher Mann, unser herzensguter, bis zuletzt treubesorgter Vater und Schwiegervater, unser lieber Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel Herr Georg Fuchs im Alter von 49 Jahren durch den Tod entrissen. Nikolaus c aus Csbkuchen .... .. StUck von w an IIIIII!I!IIIII!IIIIIIII!IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII«IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIW» BUDERUS kenntlichen VerkaufssteUen. g* -- Kennuicnen ver QUALITÄT^ UUMLIIMIU |r?nanönlift Melih Amsel ÖFEN Winterhoff Vertrauen verdient! Kreuzplatz 10 IllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllUl ! -6ici4^4 Svv Heilkräuter richtig auswählen ist eine besondere Kunst, die nur ein besonders erfahrener Fachmann vornehmen kann. Es gibt ja gerade hier unzählige Sorten, die sich bloß in Kleinigkeiten von einander unterscheiden — aber gerade daraut kommt es an. 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O - s S B,aS<^S(9 sgrf* E -Äff o *-* -& E 2 o e(9» = 5e’CI9 3)" = Sfc| c.= 2(9 m ä» « g M d s» s ^_. eu -z; A ’S® - 2 r- n <5 C a = 6-Z es E HsSgTe^lWS Es Aa E x - S»! tj :a - A 05 AQcy s ä -s e-e ägSS? EQ E e = 2i§ßS®l9 =Si±)S(9S aQ? c55 g -^.'23— 21 g =^.E 3 2 ’S _ SI--MZZ o o HZ Ä £ 2 r. en AS S=s o 15 *p" ss >- C a cP Q B S ^-3 8*» E c ZD -sL-Z Es c E oE5 c B io «e :C E II E-E 19 « •e-X -a es ö S) s « E 5-bs Ä'fiS o c<9 es 5 8 Ec A EL 7-, c V, t-> — X Q> 3 e 8 § 8 c a a A 4# S g« a-s — cSa^ 2 o5J a> n. *E" .5 F7« -^C ■2°E ~Q = esA 3 --. F * 's* ! M„e»E mS(9 L.DZ ilsH c EZ.EZZ 8 es « BZ •s»o=~ — °e Ü c 8 C a> C a>._ A .— p A- o O O G ~ e(9ÖK B c o gQ(9i 8 E.g . c-a^g | S c®~ ' o — e» c g A o .2 ^i:sg8 ®ö }-S § öA(9":o = =3 B®5 5*e: o> 8 - 8 c. (9-eg3 SH ° -HL 3ö a p-e = E 1=1 «* &S“ «3 3 a .p .€•■ 5 (9 5= «* E.Se ä(9§e 5^^ B3=-E E^Z-Z C L 2 E s-es =^® e *- •—- * o (J ,o c ga| 5® so es r> p e-5(9g ■cS (9 §AgSZ «= o 8S) 5.^ä<9 »e*S -- B. A S® C7 8 8 8 = DND 151 3 = « m 35 3 (9 a»' 3 Q® ■ti 3A? 55 p e £ 3 35' © 5’5® 8 ’toe ,!3 o Q :o •E'S 3 in en 3 3 o c 3 c? an c 33 en o Q 3 er. CS in (9 m 3 Q c 8 55 •6-0:3 c (9 ■es. € tfi 3 m ® -e 33 e c 3 an ir. 3 D 67- 3 K 35 s m 3 (9 'S? es 3 Lebensmittel der nahen Dörfer cy 17. tfl doch sonst in Feindeshand gefallen wären. Viel Aengst 53 g? 3 en- in (9.: ■E-; die alte Frau von 3 3 3 (9 A E-LZ- U'. 3 3 B Q 3 c 8 3 e 67 (9 -b- 3 ~o® 3 -E 3 3 in 3 8.8 (9 oe- c 5? S) in in m in ö •ti 3 o 3 ■e •e 3 •E © c (9 >5< in sä 2 c tf. sr 3 O (9 c? cy Ä 3 cy es ö £ e a> •- 35 35 C — 3 C 35 A 3 s «n CS mA ~ -e S-e-E 3 69- 3-8 S m L> o e 3 ■’S? ■Q- o EN *Qto = g»2 3 8 67.-8 ■A® 3 C exA 8 "p in 3 ■3 (9 3 'n i- ■n c - o SV ,r>> =5 ? •-: 3 A 67 -35 a O A . 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