Nr. 261 Erstes Blatt 182. Jahrgang Samstag, 5. November 1932 Erlchelnt täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Zronifnrt am Main 11686. GietzenerAiWger General-Anzeiger für Oberhessen Drifd und Verlag: vrühl'sche Univerfitä1§-Vuch- und Zteindruckerel H. Lange in Giehen. 5chriftleitnng und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°, mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dc.H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für denAn- zeigenteil i.V.TH.Kümmel sämtlich in Gießen. Oie Aufgabe des 6. November. Wer in der letzten Woche die Tagespresse aller Schattierungen durchblätterte, mußte eine ungewöhnliche Gereiztheit und nervöse Erregung bemerken, die in krassem Mißverhältnis steht zu der geringen Anteilnahme, die die große Masse Oes Volkes am Wahlkampf genommen hat. Wie ein dunkler Schatten legt sich die Undurchsichtigkeit der politischen Lage über das Land, das heute vor allem Ruhe und politische Stabilität braucht, wo erste Ansätze einer wirtschaftlichen Belebung spürbar sind und sich überall der ernste Wille regt, mit ganzer Kraft sich in die Speichen zu werfen, um den Wagen der deutschen Volkswirtschaft aus der Talsohle der Wirtschaftskrisis wieder bergan zu schieben. Der Wahlkampf war kein guter Dienst am wirtschaftlichen Wiederaufbau. Wenn auch die gesunden Instinkte des Volkes manche politische Infektion erfolgreich abgewehrt haben, blieben doch genug ungünstige Einwirkungen, die von der Politik her den Anlauf der Wirtschaft erschwert haben. Auch unter diesem Gesichtspunkt bedarf die landläufige Beurteilung der Aussichten des Papenschen Wirtschaftsprogramms einer Korrektur. Denn so schlecht ein Wahlkampf sich als Anreiz zur Wirtschaftsbelebung eignet, so wenig sind auch politische Wahlversammlungen die geeignete Plattform zur objektiven Lektüre des Wirtschaftsbarometers. Wir könnten gewiß weiter fein, wenn während des Wahlkampfes allerseits beachtet wäre, daß jede wirtschaftliche Gesundung, mögen ihre ersten Anzeichen auch noch so geringfügig fein, doch uns allen, der Gesamtheit des Volkes zugute kommt, daß es also ebenso kurzsichtig wie verantwortungslos war, dissse ersten Spuren einer Wirtschaftsbe- lebung, die doch nun einmal nicht wegzuleugnen sind, aus durchsichtigen taktischen Gründen zu zerreden und zu bagatellisieren. Aber auch auf die wirtschaftlichen Maßnahmen der Reichsregierung selber ist der Wahlkampf naturgemäß nicht ohne Einfluß geblieben. Es ist manches abgebogen, verwässert und in der Schwebe gelassen worden, was unter anderen Umständen zielsicherer und gradliniger hätte durchgeführt werden können. Wir möchten hoffen, daß nach Beendigung des Wahlkampfes die großen wirtschaftlichen Aufgaben aus der politischen Atmosphäre herausgehoben und künftig allerseits die rein sachliche Behandlung erfahren werden, die sie verdienen. Auch für die Verfassungs- und Verwaltungsreform, die das Kabinett Papen mit Mut und Entschlossenheit angepackt hat, nachdem alle seine Vorgänger sich darauf beschränkt hatten, Entwürfe und Denkschriften zu Aktenbergen aufzutürmen, war der Wahlkampf nicht die rechte Begleitmusik. Seit Jahr und Tag stand es für alle einsichtigen Kenner der Materie, gleichgültig welcher parteipolitischen Richtung, fest, daß die Weimarer Verfassung nur ein Notbau war, der tiefgreifender Änderungen bedürfte, um dem deutschen Volke ein auch für die Dauer wohnliches Heim bieten zu können. Daß eine engere Verbindung zwischen Preußen und dem Reich das dringendste Erfordernis dieses Verfassungsumbaus fein müßte, wenn eine starke und einheitliche Gesamtpolitik unter Vermeidung unnötiger Verwaltungskosten gewährleistet sein sollte, haben auch Männer gern und willig zugegeben, die seit der Inangriffnahme dieses schwierigen Problems durch das Kabinett Papen, zu ihm in schärfste Kampfstellung gegangen sind. Einig sind jedoch alle diese Gegner der Papenschen Verfassungsreform nur in ihrer Abneigung gegen den Kanzler, während sachlich jeder etwas anderes wünscht. Aber diese gleiche Lage war es ja gewesen, die bisher schon jeden Versuch einer Reform hat scheitern lassen. Stets hatte sich schon in den Vorbesprechungen ergeben, daß weder unter den Parteien noch zwischen Reich und Ländern eine Einigung zu erzielen war. Man hat dem Kanzler oorgeworfen, daß er die ohnehin gespannte inner- politische Lage Deutschlands durch das Aufwerfen des Verfassungsproblems nur noch schwieriger und verwickelter gestaltet habe. Die Kritiker vergaßen aber, daß einschneidende Reformen stets nur in Zeiten großer wirtschaftlicher Not durchaesetzt werden konnten, wenn der Zwang zur Selbstbesinnung und Umkehr dem Volk und seinen Führern auf den Nägeln brennt. Wenn nun unser hessischer Landsmann Held, der sich in München erstaunlich akklimatisiert hat, als geschäftsfichrender Ministerpräsident eines Kabinetts der Bar wischen Volkspartei, mit schmetternden Fanfaren ^egen die Reichsregieruna zu Felde zieht, so sollte man das nicht so ' tragisch nehmen. Haden wir denn so schnell vergessen, daß fierr Held stets den bayerischen Löwen zum Brüllen reizte, wenn es feiner Partei und dem befreundeten Zentrum zweckmäßig erschien, nach Berlin hin mit der Faust zu drohen? Und was ist heute im Wahlkampf populärer und einträglicher, als auf das Kabinett Papen zu schimpfen? Dabei wollen wir dem stimmgewaltigen Wahrer bayerischer Eigen- rechte gerne bescheinigen, daß für ihn auch schwere sachliche Bedenken gegen eine Reform mitgespro- chen haben, die sich ausschließlich auf den reichlich strapazierten Artikel 48 gründen. Daß diese begreiflichen Bedenken jedoch, statt in vertraulichen Besprechungen zwischen Berlin und München erörtert zu werden, vom Rednerpult der Wahlversammlungen ins Land hinaus geschmettert wurden, gibt der Sache den fatalen parteipolitischen Anstrich, den Herr Held in seiner Rolle als nur geschäftssührender Ministerpräsident doppelt hätte vermeiden sollen. So ist in den letzten Tagen manches zusammen- gelommen, was den Sinn dieses Wahlkampfes verwischen und den Anschein erwecken könnte, als ob die Front der Parteien, die zum Kampf gegen das paul-Doncour erläutert in Genf den Abrüstungs- und Sicherheitsplan Frankreichs. Genf, 4. Stob. (TU.) Das Büro der Abrüstungskonferenz hörte heute in einer Sondersitzung vor überfülltem Saale die große Erklärung des französischen Kriegsministers Paul-Bon- c du r über den neuen französischen Abrüstungsund Sichcrheitsplan an. Paul-Boncour sprach eine Stunde lang frei mit großem, retorischen Aufwand. Er führte u. a. folgendes aus: Frankreichs Plan über die Aeuregelung der Sicher- heits- und Abrüstungsfrage darzulegen, der heute „der französische Plan" genannt wird, gibt die tiefliegenden Wünsche des französischen Volkes wieder, das sein Vertrauen zum Völkerbund damit erneuert und feine Politik des Friedens bestätigt. Der Plan hat bereits nach den Darlegungen Herriots die Zustimmung der großen Mehrheit der Kammer gefunden. Die Lösung muß jedoch jetzt gemeinsam von allen Völkern gefunden werden, um künftig endgültig die Wiederholung von Katastrophen unmöglich zu machen. Die französische Regierung hat diesen Plan in enger Zus ammen- arbeit mit anderen Regierungen ausgearbeitet. Die Hauptaufgabe der Abrüstungskonferenz ist jetzt, die bestehenden Schwierigkeiten sowohl allgemeinen politischen Charakters, als auch hinsichtlich der besonderen Regelung der Abrüstungs- und Sicherheitsfragen zu überwinden. Die großen Rationen der Erde sind jetzt auf der Abrüstungskonferenz, frei von allen Bindungen, entschlossen, diese Fragen zu lösen. Der französische Plan sieht zwei Kreise von neuen vertraglichen Vereinbarungen vor. Der erste Kre.s plant eine allgemeine, alle Völker umfassende Verpflichtung, die im wesentlichen auf den Briand- Kellogg-Vertrag aufgebaut ist. Der Redner wies hierbei auf die Erklärung Stimsons hin, nach der der Kellogg-Vertrag logisch weiter in der R'chtung ausgebaut werden müsse, daß in Zukunft der an greifende Staat außerhalb des Rechts de Janeiro ausgedehnt, wo sich ein größerer Zuspruch von Fahrgästen zeigte. Bei der letzten Fahrt wurden 18 Passagiere von Rio de Janeiro bzw. Pernambuco aus über den Ozean befördert. Das große Interesse der amerikanischen Geschäftswelt an dem regelmäßigen Luftschiffverkehr zeigt sich durch die wachlende Zahl der angelieferten Postsendungen. Für die letzte Fahrt lagen 30 Anmeldungen von Fahrgästen vor, die jedoch nicht alle berücksichtigt werden konnten. Gronau in Rom. Der deutsche Weltflieger Wolfgang v. Gronau ist, einem Funkspruch zufolge, in Rom e i n getroffen. Damit haben die Flieger die letzte Etappe ihres Weltfluges erreicht. Der nächste Tagesflug bringt sie in die Heimat. Heber die Absicht des Weiterfluges hat sich der Flieger noch nicht geäußert. — Die Wasserung Gronaus, der in Athen gestartet mar, erfolgte im Flughafen von Ostia bei Rom. Zum Empfang ber deutschen Besatzung hatte sich der italienische Luftfahrtminister Balbo mit zahlreichen höheren Offizieren eingefunben, ferner der deutsche Geschäftsträger, Botschaftsrat S m e n d, und viele Angehörige der deutschen Kolonie. Die Begrüßung zwischen Baldo und v. Gronau gestaltete sich äußerst herzlich. Bei einem kleinen Imbiß brachte der italienische Minister einen warmen Trinkspruch auf Gronau, den er „unseren Meister" nannte, und auf die deutsche Luftfahrt aus. Anschließend begab er sich mit der deutschen Besatzung nach Rom, um sie Mussolini persönlich vorzustellen. — Wie Gronau berichtet, war ber Flug nach Rom eine der schönsten Etappen des Flugunternehmens, das auf etwa 300 Stunden reiner Flugzeit und 45 000 Km. Flugstrecke geschätzt werden darf. Eine „kalte Ueberraschung" für Llly Beinhorn. Deutsche Studenten der Universität Sydney (Australien), die Elly B e i n h o r n für ihre Flug- Desuche ihren Dank besonders sinnvoll abstatten wollten, haben einen originellen Einfall verwirklicht. Von allen australischen Flugplätzen, die Elly Beinhorn berührte, hat jeder der Studenten eine seltene Blume besorgt. An der älniverfität Sidney wurden sie dann in einem riesigen Cisblock eingefroren. Dieses eisige, sechs Zentner schwere Bukett wurde auf einem Dampfer der Rhenania-Ossag nach Deutschland geschafft und traf dieser Tage im Rhenania-Ossag Haus ein, wo es von Elly Beinhorn dankbar bewundert wurde. Schon beginnt sich die eisige Hülle zu lösen und bald wird Elly Beinhorn die kostbaren Blumen und den ebenfalls „eingefrorenen" geschriebenen Brief in Empfang nehmen können. In große Verlegenheit gerieten übrigens die Zollbeamten, die diese merkwürdige Sendung erst mit 900 Mk. verzollen wollten, sich aber dann doch mit 15 Mark begnügten. Mißglückter Fallschirmabsprung vom Berliner Funkturm. Der 35jährige Erfinder Willi Warburg aus Hannover sprang mit einem Fallschirm eigener Erfindung von der ober st en Plattform des Berliner Funkturms in die Tiefe. Der Fallschirm entfaltete sich jedoch nicht, und Warburg fiel auf die Rasenfläche am Fuße des Funkturms. Er hat schwere Verletzungen davongetragen und wurde sofort ins Krankenhaus Westend übergeführt. Wie verlautet, hat Warburg den Absprung durchgeführt, ohne bei den zuständigen Stellen eine Erlaubnis hierfür einzuholen. Der Kanal Weihes Meer—Ostsee fertiggestellt. Wie aus Moskau amtlich mitgeteilt wird, ist der Dau des vor etwa einem Iahr begonnenen Kanals, der das Weiße Meer mit der Ostsee verbindet, in diesen Taigen fertig- gestellt worden. Die Länge der neuen Wasserstraße beträgt 226 Kilometer. In der amtlichen Mitteilung wird hervorgehoben, daß sein Dau „in einer sagenhaft kurzen Zeit", nämlich genau genommen in 300 Tagen, vollendet werden konnte, während am Panama-Kanal, der nut 82 Kilometer lang ist, neun Iahre gebaut worden sei. Da der Wasserspiegel der in das Kanalsystem einbezogenen Flüsse einander angeglichen werden, Dämme und Schleusen errichtet und umfangreiche Erdarbeiten gemacht werden mußten, wird die Leistung der Sowjet-Intzenieure besonders hervorgehoben. Der Kanal umfaßt neunzehn Schleusen, der Damm bei Dubrowo ist 3,5 Kilometer lang. Der Kanal führt vom Hafen Soroki am Weißen Meer über den Fluß Wyga, den Wygsee, den Fluß Teleksinka, den Onega- See, den Fluß Swir und über den Ladoga-See sowie die Newa nach der Ostsee. Aus der proviuzialhaupifiadi. Gießen, den 5. November 1932. Reformationsfest. Der 300jährige Todestag des Königs Gustav Adolf von Schweden fällt in diesem Iahre mit dem Reformationsfest zusammen. Diese Te- ziehung ist rein äußerer Llrt, aber es ist eine merkwürdige Fügung, daß der Schweöenkönig die Güter verteidigt hat, auf die der evangelische Christ am Reformationsfeste sich besinnt. Der deutsche Protestantismus war im Iahre 1630 auf das schwerste bedroht, durch den beispiellosen Siegeszug Gustav Adolfs ist sein Untergang verhindert worden. Selten hat der Kriegsruhm so sehr die Fahne eines Heeres umflattert, als das in den Iahren 1630 bis 1632 mit dem schwedischen Heere der Fall war. Als ein Wunder erschienen das Heer und sein Führer den damals Lebenden. Alte Dibelworte bezog man auf den König, so das Wort des Propheten Iesaia: „Von Mitternacht kommt ein Rauch, und ist kein Einsamer mehr in seinen Gezeiten." Man nannte den König den „Löwen aus Mitternacht", und der Schrecken flog vor ihm her bis nach Wien, der Königsstadt der Habsburger. Iedes mannhafte und zukunftsfrohe Volk verlangt nach Helden, zu denen es in schweren Tagen aufschauen kann. Gustav Adolf ist der Held der Evangelischen und nicht nur derer, die in der Zeit des großen Krieges lebten. Aber er war nicht nur ein Kriegsheld, er war auch eine seine Zeitgenossen religiös und sittlich weit überragende Persönlichkeit. In seltener Weise und in reiner Ausprägung ist in dem nordischen Könige das Christentum, das in Martin Luther lebte, zur Geltung gekommen. Don seinem Gottvertrauen und feiner Demut zeugen viele seiner Worte. Dor der Schlacht bei Dreitenfeld sprach er: „Wir haben einen mächtigen Feind vor uns, aber auf unserer Seite ist die gute Sach?. Wir streiten nicht für zeitliche Güter, sondern für Gottes ^yte, für unseren Glauben." Martin Luther hat das deutsche Volk zur Treue im Dexufe und zur Gewissenhaftigkeit den Nebenmenschen gegenüber erzogen. Diese Willensrichtung tritt rein und klar in einem Briese zutage, den der König am 4. Dezember 1630 zu Gollnow in Pommern an seinen Kanzler Oxenstiem richtete. Damals schrieb er: „Da der Schlachtenausgang um unserer Sünden willen ungewiß ist und ungewiß auch des Menschen Lebenslänge, so ermahne ich Euch und bitte um Christi willen, daß Ihr, wenn nicht alles nach Wunsch ginge, den Mut nicht sinken, Euch mein Andenken und der Meinen Wohlfahrt auf das beste befohlen sein laßt und gegen mich und die Meinen so handelt, wie Ihr wünscht, daß Gott gegen Euch und die Euern handeln möge und wie ich gegen Euch handeln werde, wenn Gott mich am Leben läßt. Ich habe nun zwanzig Iahre lang mit vieler Beschwerde, doch Gott sei Dank auch mit vieler Ehre unser Vaterland und alle seine Bewohner geliebt, geehrt und für ihre Ehre, Leib, Gut und gute Tage nichts geachtet. Ich habe auch in der Welt keinen anderen Schah gesucht als den, die Pflicht des Amtes zu erfüllen, das mir Gott gegeben hat." In dem Manne, der im Kriegs- und Lagerleben groß geworden war, war ein Gemütsleben von großer Innigkeit. Als er nach Deutschland in den Krieg zog, rief er seinen Reichstag nach Stockholm und nahm von seinen Getreuen rührenden Abschied. Er rief Gott zum Zeugen an, daß er diesen Krieg nicht aus Kriegslüsten beginne, der Kaiser zwinge ihn und die Not der Glaubensgenossen. Der König dachte an die Möglichkeit seines nahen Todes, befahl Gott feine Seele und gab der Hoffnung Ausdruck, „daß wir nach diesem elenden und mühsamen Leben bei Gott uns wiederfinden mögen im himmlischen und unvergänglichen Leben". Den Bürgern wünschte er, daß sich ihre Hütten in Steinhäuser, ihre kleinen Boote in große Schiffe wandeln, daß ihnen Del und Korn nie ausgehen möchten. Den Bauern wünschte er, daß ihre Wiesen grünten, ihre Scheuern allezeit gefüllt seien und ihre Aecker tausendfältige Frucht trügen. Kurz vor seinem Tode traf er mit feiner Gattin in Erfurt zusammen, er nahm von ihr Abschied mit den Worten: „Gott sei mit dir, er wird dein Schutz sein. Wir werden uns Wiedersehen, wenn nicht in diesem vergänglichen Leben, dann sonst in der ewigen Seligkeit." Herzenssache war dem Könige auch, wenn er in feinem Heere auf christliche Ordnung hielt. Man glaubt Luther mit seiner unvergleichlichen Erklärung der zehn Gebote zu hören, wenn man vernimmt, daß der König seinen Soldaten das Fluchen, Schwören, Lügen und Trügen verbot, daß er im Standquartier, im Feldlager, auch auf dem Marsche Gottesdienste und Betstunden veranstalten ließ und Raub. Diebstahl, auch sonstigen Frevel nicht duldete. Vollends ie.n Tod lat diesem nordischen Helden, den die Deutschen lieben wie einen der Ihren, die Gloriole auf das Haupt gesetzt. Gustav Adolf war nichts weniger als ein Feind der katholischen Kirche. Wohin er kam, so in Mainz, hat er den katholischen Gottesdienst und die katholische Religionsübung in keiner Weise gehemmt. So kam es, daß der Papst eine Trauermesse hielt, als er von dem Tode des Königs hörte. In Rom wußte man genau, daß allein Gustav Adolf den Habsburgischen Plänen, die auch dem Papste Gefahr brachten, widerstanden hatte. H. B. QeskG Stumpen näheee bri )hrem.2ugaecen}ifindl2< Allen $e«ka- Freunden Qexka ETUI cnlaz dLaMru Spenden für die Winiernoihilfe. Für das Hilfswerk der Gießener Winter- nothilfe find neuerdings folgende weitere S p e n- den angemeldet worden: Don der Gießener Bankenvereinigung für die Dauer der winterlichen Hilfe insgesamt 900 Mk., von der Firma Mühlenbetrieb Eduard Klinket 10 Doppelzentner Weizenmehl, vom Kaufhaus G. W. Schneider anläßlich des 25jährigen Inhaberjubiläums 120 Meter Kleiderstoff und eine Anzahl Damenkleider. 25 Jahre Kaufhaus Schneider. 2lm heutiger! Samstag, 5. November, kann der Inhaber des Kaufhauses Schneider, Markstraße 30, Kaufmann S. Meherfeld, auf die 25. Wiederkehr des Tages seiner Geschäftsübernahme zurückblicken. 2ln dem Viertel» jahrhundert der Entwicklung des Kaufhauses unter seiner Leitung hat die Wertgeltung des Unternehmens in Stadt und Land nur gewonnen und konnte insbesondere auch da» Der» trauensverhältrris zwischen der Firma und ihrer Kundschaft erhalten werden. Aus Anlaß des Jubiläums hat Herr Meherfeld in anerkennenswerter sozialer Gesinnung auch an di« Unterstützung der Gießener Winternothilfe gedacht, der er zur Hilfeleistung an bedürftige Familien 120 Meter Kleiderstoff und eine Serie fertiger Kleider überwies. Daten für Samstag, 5. November. 1414: Konzil zu Konstanz (bis 22. April 1418); — 1494: der Ächter Hans Sachs in Nürnberg geboren; — 1757: Schlacht bei Roßbach; — 1879: der englische Physiker Farnes Clerc Maxwell in Cambridge gestorben. Gießener ^ochennccrktprctse. * Gießen, 5. Nov. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Süßrahmbutter 130, Landbutter 120, Kochbutter 100, Matte 30 bis 35, Wirsing, grün 6 bis 8, Weißkraut 4 bis 6, Rotkraut 7 bis 8, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8, Spinat 15, Unterkohlrabi 5 bis 6, Rosenkohl 20 bis 25, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 25 bis 30, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kürbis 5 bis 6, Kartoffeln, neue 3, Pfirsiche 35 bis 50, Aepfel 15 bis 30, Birnen 10 bis 20, Dörrobst 30 bis 35, Honig 40 bis 45, junge Hähne 70 bis 80, Suppenhühner 60 bis 80, Gänse 65 bis 75, Enten 80 bis 90, Nüsse 35; das Stück: Käse 5 bis 10, Tauben 50 bis 60, Eier, ausländische 11 bis 14, inländische 14, Blumenkohl 30 bis 60, Endivien 10 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 10, Rettich 8 bis 10, Sellerie 10 bis 35; das Bund: Radieschen 10 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 2,30 bis 2,50, Weißkraut 2,20 bis 2,50, Rotkraut 5, Wirsing, grün 4 bis 4,50, Aepfel 12 bis 25 Mark. Pornotizen. — Tageskalender f ü r Samstag: Stadttheater, 15.45 bis 17.45 Uhr, „Der 18. Oktober«. — „Einhorn", 10 bis 13, 16 bis 19 Uhr, Kunstausstellung des Münchener Künstlerbundes „Isar". — Gießener Rädfahrerverein von 1885, 20 Uhr, Cafe Leib, Winterfest. — OSC., 20 Uhr, „Schützenhaus", Stiftungsfest und Siegesfeier. — 1. Reichskurzschriftgesellschast, „Stadt Lich", Der- einsabend. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das schöne Abenteuer". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Die Geheimnisse des Zirkus Jordan" und „Die Herrgottsschniher von Oberammergau". — Tageskalender f ü r Sonntag: Stadttheater, 18.30 bis 20.30 Uhr, „Freie Bahn dem Tüchtigen". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplah, 11 bis 13 Uhr, Ausstellung. — „Einhorn", 10 bis 13, 16 bis 19 Uhr, Kunstausstellung des Münchener Künstlerbundes „Isar". — Sängerkranz Gießen, 17 Uhr, Neue Aula, Konzert: „Die Schöpfung", zum Gedächtnis 3. Haydns. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, 11.15 Uhr, „3m Lande der Dolomiten"; ab 15 Uhr „Das schöne Abenteuer". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Die Geheimnisse des Zirkus 3or- dan" und „Die Herrgottsschnitzer von Oberammergau". — Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Zum letztenmal gelangt morgen das Lustspiel „Freie Dahn dem Tüchtigen" von August Hinrichs unter der Spielleitung von Karl H e h s e r zur Aufführung. Fremdenvorstellung. Ermäßigte Preise. — Tie letzte erfolgreiche Erstaufführung des „Stückes, das gemacht werden soll" von Luigi Pirandello „Sechs Personen suchen einen Autor" wird am Dienstag, 8. November, als 6. Dorstellung im Dienstag-Abonnement unter der Spielleitung von Peter F a s f o t t erstmalig wiederholt. — Der Goethe-Bund bittet uns, nochmals auf den am nächsten Montag in der Neuen Aula stattfindenden Dichterabend hinzuweisen. Hans C a r o s s a, so schreibt man uns, einer der bedeutendsten Prosaisten der Gegenwart, wird aus unveröffentlichten Werken vorlesen. Der Dichter ist ein ausgezeichneter Mittler seiner Werke und dürfte nur selten am Bortragstisch kennen zu lernen sein. Daher werden die hiesigen Literaturfreunde es begrüßen, wenn der Goethe-Bund die Gelegenheit des persönlichen Erlebens dieses Dichters an seinem ersten Dichterabend gibt. (Siehe heutige Anzeige.) * ' Das ö ffentliche Anschlägen von Druckschriften durfte, wie das Polizeiamt Gießen mitteilt, bisher nach Artikel 48 des Hess. Gesetzes über die Presse nur an solchen Stellen erfolgen, die vom Polizeiamt als hierzu geeignet bezeichnet worden waren. Es besteht Deranlas- sung, darauf hinzuweisen, daß auch nach Aufhebung dieser Gesetzesbestimmung, die im Regierungsblatt veröffentlicht w'rd, das Anbringen von Anschlagtafeln, Anschlagwänden oder Anschlagkasten usw. der baupolizeilichen Genehmigung des Städtischen Hochbauamts bedarf. Selbstverständlich bleibt nach wie vor das Be- Helft der Winterhilfe! Die R o l in vielen Gießener Familien ist g r o ß. Hilfe ist dringend am Platze. Geld - und ft l e i- derspenden durch die Mnkernothilfe können viel Llend lindern. Zeder Helse nach besten Kräften! Jnbesondere bei Geburtstagen, Verlobungen oder Hochzeiten denke man in der eigenen Freude auch daran, seinen notleidenden Mitmenschen das Leben leichter zu machen. Selbst kleine Gaben werden dankbar angenommen, wer mit Geld helfen will, kann seine Spende an nachstehenden Stellen abgeben: Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers, Gießen. Pfeiffersche Buchhandlung, Gießen. Germania-Drogerie, ftarl Seibel, Gießen, Frankfurter Straße. Hans Noll, Ludwigsplah-Drogerie, Gießen. Wilhelm Benner, Schuhmarenhandlung, Gießen, Marktstrahe. Verkehrs- und Verschönerungsverein e. v., Gießen. Oberhessische Volkszeitung, Gießen. Handels- und Gewerbebank, Gießen. Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft, Gießen. Dresdner Bank, Gießen. Commerz- und Privat-Bank, Gießen. Dezirkssparkasse Gießen. Bankgeschäft Herz & Co., Gießen. Volksbank e- G. m. b. h., Gießen. Jeder sei Helfer! malen und Bekleben von Baulichkeiten jeder Art, wie Häusern, Denkmälern, Mauern, Zäunen, Straßen, Laternen.Wegweisern usw. durch Unbefugte verboten. Die Polizei hat Weisung. gegen Zuwiderhandlungen, die in den meisten Fällen als Sachbeschädigung nicht nur mit Geld-, sondern auch mit Gefängnisstrafe geahndet werden, itnnachsichtlich vorzugehen. ** Biehmärkte in Gießen. Am nächsten Lienstag findet hier Rindvieh-(Rutzvieh-)Markt statt, dem am Mittwoch Schweinemarkt folgen wird. ** Kurzschluß. Die Feuerwehr wurde gestern abend alarmiert und nach dem Hause Ludwigstraße 39 gerufen. Durch Kurzschluß war ein kleiner Brand entstanden, der jedoch beim Eintreffen der Feuerwehr bereits gelöscht war. ■** Studentenschaft und Goethei» Bund. Wie der Borstand der Gießener Studentenschaft uns mitteilt, sind Bestrebungen im Gange, die kulturellen und gemeinnützigen Ausgaben ihrer Organisation mit denen des Goethe- Buntes zu verbinden. Unter Aus.chUtung gegenseitig schädigender Konkurrenz und durch Der- rneidung eines unnützen Nebeneinander wollen beide 3nstitute sich gegenseitig helfen, das Geistesleben unserer Universität zu befruchten und den durch die wirtschaftlichen Verhältnisse schwer bedrängten Studierenden der Landesuniversität dadurch die Möglichkeit verschaffen, an den kulturell bedeutsamen Veranstaltungen des Goethe- Bundes in größerem Rahmen Anteil nehmen zu können. 3n diesem Sinne wird die Studentenschaft aus dem Programm, des Goethe-Bundes einen sehr großen Teil ihren Kommilitonen vermitteln. Hierbei wird besonders darauf hingewiesen, daß die Eintrittserleichterungen nur Studierenden zugute kommen. Die Ausgabe der vergünstigten Eintrittskarten findet ausschließlich im Bureau des Allgemeinen Studentenausschusses statt. Näheres geht aus der heutigen Anzeige hervor, in der der erste Dichterabend Hans Carossas angekündigt wird. Wettervoraussage Während im nördlichen Teil des Reiches durch die skandinavische Störung mildes Wetter vorherrscht, werden in Süddeutschland die Temperaturen durch Hochdruckeinfluß bestimmt. Der gestern abend über England und dem Kanal erkennbare Wirbel rückt südwärts nach Frankreich und der Biskaya weiter. Gleichzeitig hat sich über den britischen Inseln erneuter Hochdruck aufgebaut. Die Wettergestaltung dürfte später wohl durch den hohen Druck beeinflußt werden, jedoch wird vorerst einerseits das skandinavische Fallgebiet, anderseits das Biskayatief störend einwirken, so daß vorübergehend stärkere Bewölkung und gelegentlich vereinzelte Niederschläge nicht ausgeschlossen sind. Aussichten fürSonntag: Nach anfänglich stärkerer Bewölkung und Dunstbildung mit vereinzelten Niederschlägen später wieder aufheiternd. Aussichten für Montag: Nachtfrostgefahr, lokale Frühnebelbildung, sonst Aufklaren. Lufttemperaturen am 4. November: mittags 10,8 Grad Celsius, abends 6,6 Grad; am 5. November: morgens 3,5 Grad. Maximum 11,6 Grad, Minimum 2,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 4. November: abends 8,8 Grad; am 5. Novemb.r: morgens 4,8 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 4% Stunden. | Reparaturen,komplette Anlagen HW 1/1 Mje^^umnoterleilungswasseristhad/ IKALTI Hartes, also kalkhaltiges Wasser ist zum Wäschewaschen ungeeignet. Schon wenige Gramm Kalk in 100 Liter Wasser vernichten über V* Pfund Seife! Das muß jede Hausfrau wissen! Geben Sie jedesmal vor Bereifung der Waschlauge einige Handvoll Henko Bleich-Soda in das Wasser. Dadurch wird es weich wie das schönste Regenwasser, und das Waschmittel wird voll ausgenutzt. — Auch zum Einweichen der Wäsche gibt es nichts Vorteilhafteres als die seit 50 Jahren bewährte ■ ., .. . ...... ...... .... ., . ...... ... | Hpfllrn Henkels IBasch-und Bleich-Soda macht hartes Nasser weich I _______:_______;_________________________________________"______________________________ Nehmen Sie zum Aufwaschen, Spülen und Reinigen Henkels 3 Bekanntmachung. In inner Handelsregister Abteilung A wurde eingetragen Am 25. Oktober 1932 a) die Firma Friedrich W. Schmidt in Gießen. Inhaber ist der Kaufmann Friedrich Wilhelm Schmidt in Gießen: b) bei der Firma I. H. Fuhr zu Gießen: Die Pro Iura des Ludwig Fuhr in Gießen ist erloschen. Am 28. Oktober 1932 bei der Firma Max Biringer Nachs. Inh. Friedrich Holzheimer in Gießen: Die Firma ist erloschen. Am 31. Oktober 1932 a) bei der Firma Georg Avvel in Gießen: Geschäft nebst Firma ist auf den Kaufmann Fritz Schmidt in Gießen übergegangen. Die Uebernahrne der seither im Betriebe des Geschäits begründeten Forderungen und Verbindlichkeiten ist ausgeschlossen worden. Die Uebernahme der Firma ist mit Wirkung vom 1. August 1932 erfolgt. Die Firma ist geändert in: Georg Appel, Inh. tirnti Schi ldt. Die Prokuren des Hermann Siersleben, Fritz Schmidt, Friedrich Hirsch und Heinrich Zlppel in Gießen mid erloschen. Die Zweigniederlassung Wetzlar ist erloschen; b) bei der Firma Koch & Eichenauer in Gießen- Die Gesamtprotura des Louis Kreiling und Wilhelm Hornung in Gießen ist erloschen. 7789 D Gießen, den 1. November 1932. _________Hessisches Amtsgericht.________ Betr.. Konkursverfahren über das Sber-- mögen der Offenen Handelsgesellschaft von Münchow'sche Univer- sitäts-Buchdruckerei Otto Kindt, Gießen. Besch tust! Nach Genehmigung der Schlußvertei lung und Abhaltung des Schlußtermins wird das Konkursverfahren aufgehoben. Gießen, den 1. November 1932. __________Hess. Amtsgericht. 7790 D Kataloge und Prospekte liefen die Brühl'scne Druckerei brauchen Blut und feste Knochen. Beides geben ihnen giftfreier Kalksaft Znsatznahnina, Feiehe- lebertran, PUanzensäite, Wurmmittel usw. om-s Kräuterhaus Jung für flesnndheiispflege in der Schnlstraße. Aufforderung. Folgende Einlagebücher der Bezirks- svarkasfe Gießen sind abhanden gekommen: Reichsmark-Svarbuch Nr. 7514 lautend auf Namen Elsbeth Jäger, Gießen, Reichsmark-Svarbul., 9h:. 2185 lautend auf Namen Dhnna Jäger, Gießen, Aufwertungs-Sparbuch Nr. 24863 lautend am Namen Friedr. Hofmann, Heuchelheim, Aufwertungs-Sparbuch Nr. 32783 lautend auf Namen Erna Keilig, Gießen, Aufwertungs-Sparbuch 9ir 33385 lautend auf Namen Robert Frank, Lollar, Aufwertungs-Sparbuch 9tr. 57385 lautend auf Namen Karl Hahn, Trohe, Aufwert.-Svarb. 9ir. 63550 lautend auf Namen Wieprecht v. Kropff, Gießen, Aufwert.-Sparb. 9cr. 63551 lautend auf Namen Marie v. Kropff, Gießen, , Aufwert.-Svarb. Nr. 63552 lautend aur Namen Marianne v. Lkromr, Gieyen, Aufwert.-Svarb. Nr. 63553 lautend auf Warnen Karl-Udo v. Miopn, Gießen, Berwahrungsschein zu Devot 9hc. 871, lautend auf Namen Ludw. Grolz 1 Erben, Täublingen. Die.Inhaber der genannten Sparbücher, bzw. des Depotscheines werden hiermit aufgefordert, ihre Ansprüche an diese binnen drei 9Jtonaten, vom Erscheinen dieser Bekanntmachung an bei uns geltend zu machen, anderenfalls die Kraftloserklärung erfolgen wird, i /92D Gießen, den 4. November 1932. Ter Vorstand der Bezirksfvarkasse Gießen. Zach eis. ® Alle Kinder Eich. Hartholz 5 Ztr. v. Wg. 5 dRJt Anmachholz per Wagen 6 XJt Hansväne v. Wagen 3,50 ÄJl frei ans HauS. Für Erwerbslose Hartholz ä Zentner 60 Pf. ab Hof. Speisezimmer echt Eiche Lieferung frei Haus 7705 a Büfett m.nußbaum Mitteltüreu.nußbaum abgerund. Eck.,1 Kredenz, 1 echtEiche Ausziehtisch,4Lederstühle Betten-Bär, Gießen 285- 3ul. Wellhöfer, Tel. 2313. Marburger Str. 24. 6519Ü MM hochprozentig, anerkannt beste Sorte, liefert billigst C. Rübsamen. 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Der nächste Viehmarkt in Gießen findet statt' Dienstag, den 8. November 1932, Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt; Mittwoch, den 9. November 1932, Schweinemarkt. Auftriebszeit für den Rindviehmarkt: von 8 bis 9 Uhr vormittags: für den SÄweinemarkt 814 bis 9/z Uhr vormittags. Auf dem Rindviehmarkt wird sämtliches Vieh gegen Maul- und Klauenseuche schutzgeimpft. 7784 C Gießen, den 5. November 1932. Bürgermeisterei Gießen. I. V. Dr. Rosenberg._______ Montag, ^.November, ab 2 Llhr, versteigere ich im Löwen,Neuen- weg 28, im Auftrage,wegen Aufgabe des Geschäfts: 2 Ladentheken, eine m. Marmor und Glasaufsatz, 2,50 Meter lang, 2 Regale, 1 Marktstand, 1 zweirädrigen Drückkarren, 1 Dezimalwaage (150 Kilo), 1 Küchenwaage, 1 Käseschneidmaschine, 1 Oelbebälter, Wurst- und Fleisch- platten, Käseglocken, 1 Schaufenster- gestell m. Glasplatten, 1 Sofa, 1 Eisschrank, 200 Flaschen Markenweine U. v. a. 7832V Versteigerung bestimmt. Ludwig Kavtnietz Auktionator und Taxator O Neuenweg 28 Mittwoch, den 9. November, abends 8 V- Uhr im Klub- Lokal „Bayr. Hof" flanpl-Versammlimg Neuwahl des Vorstandes. Um Besuch aller Mitglied, bitt. 78i2v der Vorstand hlschnalionale Samstagabend Bahnhof. Q K T.V.v.1846 Schneelaufriege. Zusammenkunft all. Schiläufer d. Vereins, auch Slnfäng., erforderl. z. Bespr. d. Wintervlans am To iincro tag, ly.No- vember, 20 *zi Uhr, im Vorstandszimm. 06495Der Lanfwart. Volkspartei Ortsgruppe Men. Am Wahltag W a h 1 b ti r o im Hotel Viktoria. Hier ab 20 Uhr Bekanntgabe der Wahlresultate. Auf felefon. Anruf 3838 hin für gehunfähige Parteifreunde Auto- sahrgelegenheitzu chren Wahllokalen 7806P Der Vorstand. Genüg. M und Vogel- znchl- verein GieQen u. lkng.ro e.V. Samstag, 5. 11. 32 abends 8*/3 Uhr im Pfälzerhof Monatsversammlung Stadttheater Gießen. 782SÖ Sonntag, 6. Nov., 18.30-20.30 Uhr Außer Abonnem. Fremdenvorstell. Ermäßigte Preise. Zum letzten Male! Freie Balm dem Tüchtigen! Lustspiel in 3 Akten von Aug. Hinrichs. Dienstag, 8. 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November: 9 Uhr Marschmusik durch die Straßen der Stadt, Pferde-, Rindvieh-, Schweine- und Krämermarkt, Volksbelustigung Donnerstag, den 10. November: Ab 9 Uhr bis abends Krä'mermarkt, Volksbelustigung - 9 30 Uhr Abmarsch mit Musik vom Marktplatz aus zum Frühschoppen — 9.30 -11.30 Uhr Frühschoppen i Wirtszelt auf d. Markt Donnerstag: 14 Uhr Ziehung der Gallusmarkt-Verlosung in der Turnhalle Don Gießen und den umliegenden Ortschaften werden am 9. und 10. November 1932 Sonntagskarten nach Grünberg ausgegeben GeMGe Bürsermeiftevet Gründers: Ov. LNildnev Oie Bedeutung -es Gattusmark.es Roch hat man hier den vorjährigen Gallusmarkt, der aus Anlaß des 450jährigen Bestehens als Jubiläumsmarkt besonders festlich begangen wurde, in sehr guter Erinnerung, und schon wiederum gilt es für Grünberg, die letzten Vorbereitungen für den diesjährigen, am 9. und 10. November stattsindenden Gallusmarkt treffen. Ein Markt von einem solchen ehrwürdigen Alter ist nicht zu vergleichen mit den gewöhnlichen Märkten, wie sie an manchen Orten bestehen oder sogar erst in der Scheinblütezeit der Rachkriegsjahre eingerichtet worden sind, von deren Existenz meist nur die nächste Umgebung Kenntnis hat: nein, er ist eine jahrhundertalte Einrichtung, die weit und breit im Hessenlande und darüber hinaus bekannt ist. Seine Anziehungskraft hat sich noch jedes Jahr bewährt und ihn zu einem Stelldichein des vorderen Vogelsberges, der Rabenau, der nördlichen Wetterau, des Busecker Tales, ja sogar des Ebsdorfer Grundes werden lassen. Gallusmarkt in Grünberg, das heißt, den Schwerpunkt des oberhessischen Wirtschaftslebens für zwei Tage in diese beschaulsich-fleihige Kleinstadt verlegen, heißt für ein halbes Hundert Dörfer und Städte ein einziges -Ziel haben, wohin zu pilgern man sich das ganze Jahr über gerüstet hat, heißt für Grünberg selbst, das große Fe st des Jahres feiern, das nach der zu einem Worte gewordenen Antwort eines Grünberger Schulbübleins mit zu den „hohen christlichen Festtagen" zu rechnen ist. Vielleicht ist dies nur eine Sage, dann aber gewiß von jemand erdacht, der die große Bedeutung kennt, welche die Märkte für Landstädkchen haben, die sonst gegenüber den größeren Städten etwas zurücktreten und nur durch solch ein Ereignis mit einem Male der Mittelpunkt einer Welt werden. Und ein solch wichtiges Ereignis ist dieser Gallusmarkt. Das weiß man in Grünberg und schon lange vorher scheint die Stadt von jener Unruhe erfaßt zu sein, die den großen Festen vorauszugchen pflegt. Besonders die Grünberger Geschäftswelt trifft eifrig Vorbereitungen, um für den Markt gerüstet zu sein und den Marktbesuchern mit allem dienen zu können. Gerade für sie sind die Markttage in wirtschaftlicher Hinsicht von großer Bedeutung. Hauptsächlich Gastwirtschaften, Mötzge- reien und Bäckereien müssen an den beiden vorhergehenden Tagen mit Hochbetrieb arbeiten, um Vorräte zu beschaffen und neben ihrem eigenen Personal müssen sie an den Markttagen noch Hilfskräfte einstellen, um allen Anforderungen genügen zu können. Interessant ist ein Gang am Dienstagabend dem Vorabend des Marktes, durch die Stadt, da erblickt der Beschauer in den Mehgerläden kunstvoll gelagerte Berge von Fleisch- und Wurstwaren („alles e Griewe") und bei den Bäckern in großer Menge die als Marktstück so beliebten Eierweck. Diese großen Vorbereitungen sind nötig, um die Wünsche der Lausende — nach vorsichtigen Schätzungen oft 12 000 bis 15 000 Besucher — befriedigen -zu können, für die der Gallusmarkt das große Fest des Jahres bedeutet. Das ist ein unaufhörliches Zuströmen von Menschen vom frühen Morgen an, zu Fuß, mit Rad, Auto oder mit der Bahn kommen sie herbei. Läßt doch die Dahn außer den verstärkt fahrenden fahrplanmäßigen Zügen noch Extrazüge zur Bewältigung des Massenverkehrs laufen, sie hat sogar in entgegenkommender Weise für dieses Jahr die Benutzung von Sonntagsrückfahrkarten an den beiden Markttagen eingeführt. Unaufhörlich ergießt sich ein Menschenstrom durch die Straßen der Stadt, in den Geschäften drängt sich die Menge der Käufer und der Markt auf der Käswiese ist bis in die späten Abendstunden stets mit einer dichten Menschenmenge bevölkert. Für viele freilich geht es um sehr reale Dinge, die sie ihre Schritte zum Markte lenken läßt. Hier geht es um das rote Vogelsberger Rind, pm Pferde, um das grunzende. Ferkel oder um Winterkleidung und warme Schuhe. Diese Dinge bringen den Landmann nach beendeter Herbstarbeit zum Gallusmarkt, ihr Absatz oder Ankauf wird hier vorgenommen und nach glücklich be- endetem Geschäft ergibt sich alles andere von selbst. Daneben sind jedoch viele andere, besonders die Jugend, die einmal den Marktrummel miterleben wollen. Dazu bietet ja gerade der Gallusmarkt mit seinen vielen Schaubuden undden Vergnügungen aller Art gute Gelegenheit. Das ist der Tag, an dem selbst der sonst zurückhaltende Landmann es sich auch einmal was kosten läßt. Lockerer als sonst sitzt das Geld in der Lasche und mit den das Gewissen beschwichtigenden Worten „s eas nur emol Gall- mährt" wird es leichter als sonst ausgegeben. Es wird gut gegessen, dazu manches Glas in lustiger Runde mit Freunden und Bekannten geleert, alte Freundschaften werden erneuert und neue geschlossen, die Jugend huldigt eifrig dem Tanze, wozu an mehreren Plätzen Gelegenheit geboten ist, ganz abgesehen von Len vielen Vergnügungen, welche Die Schaubuden, Karussells, allerlei Künstler, Sänger und Musikbanden bieten. Wer selbst einmal das Leben und Treiben auf dem Marktplätze, in den Straßen, Läden und Gasthäusern der Stadt und auf dem Markte vor der Stadt beobachtet hat, der wird verstehen, was gerade dieser Markt für Grünberg bedeutet und warum er sich bei den Bewohnern der Umgegend einer solchen Beliebtheit erfreut, dem ist auch ferner begreiflich, daß die Stadtverwaltung und die Markttommission alles tun, um ihren „Gallrnarkt" in seiner Bedeutung zu erhalten und weiter auszubauen suchen. Wenngleich der eigentliche Markt heute nicht mehr -die Beschickung aufzuweisen hat wie in früheren Jahrzehnten, eine Erscheinung, die ja bei allen Jahrmärkten zu beobachten ist, so ist der Gallusmarkt wohl neben dem Ortenberger „Kalten Markt" doch der größte Markt in Oberhessen. Eine Vorbedingung dazu ist auch in der günstigen Lage Grünbergs gegeben, da es durch seine Bahnverbindungen der wirtschaftliche Mittelpunkt im Berührungsgebiet der drei oberhefsischen Kreise Gießen, Alsfeld und Schotten ist. So war beispielsweise der vorjährige Schweinemarkt mit über 1 0 0 0 Ferkeln befahren und der Krämermarkt wies annähernd 15 0 Stände auf, beides stattliche Zahlen in der heutigen Zeit, wo die modernen Verkehrsmittel. vor allem das Auto, eine leichte und bequeme Belieferung selbst der kleinsten Dörfer mit allen möglichen Dingen gestatten. Der Verlauf des diesjährigen Gallusmarktes spielt sich in folgender Weise ab: Am Sonntagabend ist unter Mitwirkung der Grün erger Vereine ein Heimatabend in der Turnhalle vorgesehen. Dienstagabend findet nach einem Platzkonzert der Feuerwehrkapelle auf dem Marktplatz und einer Ansprache des Bürgermeisters auf dem Rathause die Hissung der Marktfahne in den Stadtfarben (blau-weißrot) statt. Dieser alte Brauch besagt, daß die Stadt drei Tage unter Marktrecht steht, ü. a. bedeutet dies, daß auf dem Markte den Anordnungen des Marktmeisters und seiner Gehilfen, deren Amtswürde durch das Tragen eines langen Säbels gekennzeichnet ist, Folge zu leisten ist, ferner, daß die Polizei st unde für die Dauer des Marktes aufgehoben ist. Ter Mittwoch, der Hauptmarkttag, bringt am Morgen Pferde-, Rindvieh- und Schweinemarkt, außerdem ist an diesein Tage und auch am Donnerstag Krämermarkt und Volksbelustigung. Auf ein ganz besonderes Ereignis des diesjährigen Gallusmarktes sei noch hingewiesen. Der Marktkommission ist es gelungen, den Frankfurter Rundfunk für den Grünberger Gallusmarkt zu interessieren. So sollen besonders wirkungsvolle Szenen von dem Leben und Treiben auf den: Markte auf Schallplatten ausgenommen werden, die in einem geplanten großen hessischen Heimatabend, den der Rundfunk zu Beginn des nächsten Jahres durchzuführen gedenkt, sich sicherlich wirkungsvoll einfügen werden. Erwähnt sei auch, daß die Stadt während der Markttage, wie dies schon seit einigen Jahren üblich ist, reichen Flaggen- und Wimpelschmuck tragen wird. Selbstverständlich fehlt auch nicht die alljährlich übliche Gallusmarkt-Lotterie, deren Lose in diesem Jahre zu einem viel billigeren Preise zu haben sind und bei der die Ziehung am Sonntag danach erfolgt, an welchem Tage auch als Ausklang des Marktes auf dem Juxplatze die Abschiedsvorstellungen gegeben werden. K. W. Krastpost Sonderfahrten zum Gallusmarkt. Die Reichspost läßt zum Grünberger Gallusmarkt am Mittwoch, 9. November, mit großen Personenkraftwagen nachstehende Sonderfahrten ausführen: Preis Ab Weitershain 8.45 10.00 0,80 Bernsfeld 8.52 10.07 0,70 Atzenhain 9.06 10.21 0,40 Lehnheim 9.16 10.31 0,25 An Grünberg 9.26 10.41 Ab L a u b a ch 11.40 12.45 0,70 Wetterfeld 11.52 12.57 0,50 Kreuz (b. Münster) 12.00 13.05 0,40 An Grünberg 12.10 13.15 Zur Rückfahrt halten die Wagen in Grünberg auf dem Marktplatz in der Stadt. Die Rückfahrt wird jeweils nach Bedarf angetreten. Außer auf vorstehenden Strecken werden nach Bedarf auf der Strecke Ulrichstein — Mücke und zurück Mehrfahrten mit Bahnanschluß eingelegt. Wahlkampf-Ausklang in Gießen. Christlich-sozialer Dolksdienst. Man berichtet uns: Am Donnerstag fand im Saale des Vereinshauses Mestanlage eine sehr gut besuchte erweiterte Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Gießen des Christlich-sozialen Dolks- dienstes statt. Prof. Koch und Postassistent Rorth sprachen über: „Die Aufgabe der evan- gelischen Christenheit für unser Volk bei der bevorstehenden Reichstagswahl." Professor Koch führte u. a. aus, bei aller Unklarheit der politischen Verhältnisse und bei aller Verwirrung der Begriffe sei es doch so weit gekommen, daß etwa zwei Drittel aller Parteien in irgendeiner Form das Christentum für sich in Anspruch nehmen. Das geht jedoch neben einer noch nie so stark wie heute hervorgetretenen öffentlichen Christentumsseindschaft her. Als stärkste Ausbreitung dieser Tendenzen könne man auf der einen Seite die Gottlosenbewegung, auf der anderen Seite den Tannenbergbund anführen. Demgegenüber sei erfreulicherweise ein Erwachen von ehrlichem christlichem Delennermut auf Seiten der heutigen Reichsregierung sestzustellen. Doch könne man hier das Bedenken haben, daß es sich z. T. um ein nur traditionelles Christentum handele, sonst hätte die Regierung nicht in sozialwirtschaftlicher Hinsicht versagen formen. Was wir brauchen, sei ein neues, treibendes und drängendes, wieder Urchristentum-gemäßes Christentum. Urchristentum als Aufgabe, das sei der tiesste Sinn und Ruf des „Volksdienstes". Es gebe keine Trennung zwischen Christ und Staatsbürger. Cnkschei- dunngen, die ein Christ treffe, fielen sehr oft anders aus, als wenn sie von einem Richt-Christen getroffen würden. Dem öffentlichen Leben könne heute nur geholfen werden, wenn christlicher Glaube in es hineingetragen würde. Zum Schluß beleuchtete Postassistent Rorth die heutigen außen-, innen- und wirtschaftspolitischen Verhältnisse und ermahnte, am 6. Rovem- ber zusammenzuhalten als solche, die wissen, was sie ihrem Vaterlands schuldig sind. Wahlkundgebung der Eisernen Front. Die Ortsgruppe Gießen der Eisernen Front veranstaltete gestern abend im Cas6 Leib eine Wahlkundgebung. Als erster Redner sprach Wilhelm Eggert vom Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerk schaftsbundes. Er führte u. a. aus: Noch sei das kapitalistische System am Ruder, dessen Vertreter die Meinung vertreten, daß die gegenwärtige Not eine Folge der hohen Lasten der deutschen Wirtschaft sei. Dem müsse entgegengehalten werden, daß die Krise eine Weltwirtschaftskrise und Krise des privatkapitalistischen Systems grundsätzlicher Natur darstellt. Das Ende dieses Zustandes könne vom konjunkturwissenschaftlichen Standpunkt aus nicht abgesehen werden. Die Forcierung der Produktion sei lediglich Belastung des Wirtschasts- Wählt alle! Die wichtigste Forderung des morgigen Wahltags ist, daß sämtliche wahlberechtigten ihr Wahl recht als Wahl pflicht ansehen und trotz der häufigen Folge von Wahlen nicht wahlmüde werden. Entscheidungen von größter Tragweite haben die wahlberechtigten morgen durch den Stimmzettel zu fällen, verantwortungsbewußte Wähler werden sich deshalb vornehmen: Llnbedingt wählen! lebens, wenn der Absatzmarkt nicht gestärkt werden könne. An den vier Millionen Arbeitslosen, die seit zwei Jahren ohne Beschäftigung seien, dürfe keine Regierung vorübergehen. Die Kontingentierungspolitik müsse als Unmöglichkeit angesehen werden. Um Wandel zu schassen, müsse wieder eine arbeitsfähige Mehrheit im Reichstag fein. Der deutsche Arbeiter müsse sich einigen. Die organisierte Arbeiterschaft müsse wissen, um was es gehe. (Beifall.) Sodann sprach Oberregierungsrat Ritzel. Er befaßte sich zunächst mit der Rede des Reichskanzlers, die unmittelbar vor der Versammlung im Rundfunk zu hören war. Der Kanzler habe von nationaler Sammlung gesprochen. Die SPD. lehne es ab, sich nationale Gesinnung bestreiten zu lassen. In der Verfassung stehe, daß die Regierung des Vertrauens des Reichstages bedürfe. Eine autoritäre Regierung, wie die Regierung sie wolle, widerspreche der Verfassung. Hitler habe, so führte der Redner u. a. weiter aus, die Lauen aufgerüttelt, die eines Tages in das Lager des Marxismus abwandern würden. Der Marxismus wolle nicht Klassenkampf, sondern Klassengleichheit. Die autoritäre Regierung sei nicht die Vertretung des Volkes. Der Reichstag sei als Vertretung berufen und die Re- Viele erkälten sich... weil sie sich nicht warm genug anziehen. Deshalb kommen Sie am Gallusmarkt alle zu Rudolf R8mer Sie finden dort in riesiger Auswahl: Ulster, Lodenmäntel und Anzüge für Knaben u. Herren, Damen- u.Mädchen- Mäntel, Pullover, Pullunder, Strickwest., Kleiderstoffe, Hemdenflanelle, Bettbarch ent, Bettücher u.Damaste.so wie W eiß- 7238D waren aller Art, warme Unterkleidung Alles trotz stark gestiegener Baumwollpreise infolge meiner groben Abschlüsse noch zu alten niedrigen Preisen! 8srl!HWMr „Glcbus“ verzinkt nur noch RH. 28.50 franko Nachnahme F.C. Weife Nachf. Grünberg i. H .7189D fillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllio Heizautomat „Fufetrittofen“ der ideale Dauerbrenner, verbindet erstaunliche Vorzüge mit geringem Anschaffungspreis. 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In außenpolitischer und wirtschaftlicher Hinsicht habe er 'bisher nur die Isolierung Deutschlands erreicht. Die innenpolitische Haltung des Reichskanzlers fei nicht genau zu definieren. Bismarck habe dem Volke das allgemeine Wahlrecht zugestanden. Herr von Papen wolle das Gegenteil. Die Vorschläge für die Wahlrechtsreform enthielten viel Ungerechtigkeit und seien unklar gefaßt. Im Etat des Reiches fei trotz aller Rentenkürzungen und neuer Steuern, ein Defizit von einer Milliarde Mark zu vermuten. Viel Rot sei im Land, besonders in den Gemeinden. Allenthalben fehlten die Mittel. An dieser Stelle helfend einzuareifen, wäre für die Regierung eine dankbare Aufgabe gewesen. Dem deutschen Arbeiter helfe nichts anderes, als die Erkenntnis dessen, was ist und was sein muß. Der Kommunismus stelle eine einzige Schädigung des deutschen Arbeiters dar. Hitler könne auch nicht helfen; die Existenz des gegenwärtigen Kabinetts fei feine Schuld, und zur Alleinherrschaft werde er nie gelangen. Im kommenden Wahlkampf dürfe es in den Kreisen der SPD. und der Eisernen Front keine Wahlmüdigkeit geben. Es gelte, um das eigene Schicksal zu kämpfen in der Geschlossenheit der Eisernen Front. (Lebhafter Beifall!) Einbrüche in Pfarrhäusern. * Alsfeld, 5. Nov. In der letzten Nacht wurden in verschiedenen Pfarrhäusern Einbrüche verübt. Im Pfarrhaus zu Ruhlkirchen (Kreis Alsfeld) fielen, nachdem alle Behältnisse durchwühlt worden waren, den Dieben 100 Mark in die Hände. Weitere Einbrüche wunden im katho- lichen umb evangelischen Pfarrhaus zu Alsfeld verübt. In der katholischen Pfarrei erbeuteten die Eindringlinge eine Summe Geldes, im evangelischen Pfarrhaus wurden sie gestört und mußten die Flucht ergreifen. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange. G. A. Sport. Handball im Lahn-Oünsberg-Gau. Die Meisterschaftsspiele bringen kommenden Sonntag in der Bezirksklasse das wichtigste Tref- fen in dem Spiel Allendorf — Dorlar. Die Gäste, die z. Z. zu den besten Mannschaften der Gau- klasse zu rechnen sind, werden alles daransehen, um ehrenvoll abzuschneiden. Ein offener Kampf! Wicseck hat in Lollar sicher nicht viel zu bestellen und wird sich anstrengen müssen, um einigermaßen ehrenvoll abzuschneiden. Londorf sollte in Staufenberg zu sicheren Punkten kommen. Waldgirmes erwartet auf eigenem P^tz die Mannschaft von Wißmar. Das Spiel sieht zwei gleichwertige Mannschaften um die Punkte ringen. Launsbach ist in Rodheim zu Gast. Ein Sieg für die Gäste wird erwartet, aber bestimmt kein zweistelliger, wie im Vorspiel. Garbenheim sollte auf eignem Platz Erda sicher abfertigen. Der 2. Bezirk hat zwei Spiele auf dem Programm. Mainzlar trifft auf eigenem Platz auf die 2. Mannschaft von Lollar, die sie knapp schlagen sollte, während im Spiel Kesselbach — Allertshausen der Sieger im voraus schwer zu bestimmen ist. Der 3. Bezirk sieht im Spiel Hausen—Beuern den offenen Kampf zweier gleichwertiger Mannschaften. Oie neuen Vereinsmeister im Schwimmen. Bei den jetzt abgeschlossenen deutschen Derems- meisterschaften im Schwimmen, an denen sich 170 Vereine beteiligten, ging bei den Herren erstmalig Hellas Magdeburg mit 1260,3 Punkten als Sieger hervor. 3n der Klasse II belegte der 1. Frankfurter Schwimmclub mit 747,6 Punkten den ersten Platz. Bei den Damen qualifizierte sich erwartungsgemäß Nixe Charlottenburg mit 1603,9 Punkten an erster Stelle. Kurze Gporinoiizen. Viel begehrt ist augenblicklich der westdeutsche Schwergewichtler Walter Neusel nach seinem Siege über Larry Gains. Von den vielen Kampfangeboten hat der Bochumer bisher zwei Starts fest zugesagt, und zwar für den 18. No- vember in Berlin und für den 26. November in Frankfurt. Weitere Starts sind in London und Paris vorgesehen. Sachsens Turner haben auf einer Fachwartetagung eine Entschließung gefaßt, nach der sie auf die Verlängerung des Einigungsvertrages mit dem D FB. und der DSD. keinen Wert legen. Henne-Münch en erzielte am Donnerstag in Tat mit seinen 244,399 Stundenkilometer einen absoluten Schnelligkeits-Weltrekord für Motorräder und übertraf den seit zwei Jahren bestehenden Rekord des Engländers Wright. Auch über die englische Meile schuf Henne mit 237,054 Stundenkilometer eine neue Höchstleistung. Ein Rad-Länderkampf Deutschland — Frankreich wird am 20. November in Paris ausgetragen. Deutschland wird vertreten durch die Dauerfahrer S a w a l l und Möller, die Flieger Engel und S t e f f e s und die Straßen- f ahrer S t ü p e l und S i e r o n s k i. SYiclPLan der Frankfurter Theater Opernhaus. Sonntag, 6. Nov„ 17.30 bis nach 22.30 Uhr: Die Meistersinger von Nürnberg. Dienstag, 8. Nov., 19.30 bis nach 22.30 Uhr: Margarethe. Mittwoch, 9. Nov., 20 bis nach 22.30 Uhr: Die Entführung aus dem Serail. Donnerstag, 10. Nov., 19.30 bis gegen 23 Uhr: Tannhäuser. Freitag, 11. Nov., 20 bis nach 22.30 Uhr: Madame Butterfly. Samstag, 12. Nov., 19.30 bis 22.15 Uhr: Cavalleria rusticana. Hierauf: Der Bajazzo. Schauspielhaus. Sonntag, 6. Nov., 11.30 Uhr: Florian Geyer und das Theater. 19 bis nach 21.30 Uhr: Die endlose Straße. Montag, 7. Nov., 19 bis nach 24 Uhr: Faust 1. Teil. Dienstag, 8. Nov., 19.30 bis 24 Uhr: Wallenstein^ Mittwoch, 9. Nov., 20 bis gegen 23 Uhr: Der Kaufmann von Venedig. Donnerstag, 10. Nov., 20 bis nach 22.30 Uhr: Florian Geyer. Freitag, 11. Nov., 20 bis nach 22.30 Uhr: Die endlose Straße. Samstag, 12. Nov., 20 bis gegen 22.30 Uhr: Hedda Gabler. Wirtschaft. Berlin freundlich und still. Berlin, 5.Nov. (WTB. Funkspruch.s Nachdem rwch im heutigen Dormittagsverkehr die scheinbar verschärfte Streiklage ein ziemliches Unsicherheitsmoment darstellte, wirkte es zu Beginn der offiziellen Börse beruhigend, daß der Berliner Verkehr teilweise schon wieder ausgenommen worden ist. Die Grundstimmung wurde zusehends freundlicher, zumal aus der Wirtschaft verschiedene günstige Stimmungsberichte Vorlagen, aber auch das festere Neuyork und ein leichter Geld st and lösten bei der Spekulation, die anscheinend vor dem Wahltag ihre Engagements glattgestellt haben will, Deckungen aus. Auch zeigte sich bei den Banken seitens der Kundschaft eher Kaufneigung. Mit wenigen Ausnahmen, die meist auf ein Zufallsangebot von einigen tausend Mark beruhten, eröffneten die Effektenmärkte daher mit Kursbesserungen bis zu 1 v. H. Darüber hinaus waren von Maschinenaktien Berliner Maschinen und Schubert & Salzer bis zu 2 v. H. gebessert. Am Montanmarkt lagen Harpener 1,13 v. H. höher, Westeregeln zogen um 1,75 v. H. an, und am Clektromarkt zeichneten sich Elektrische Lieferungen mit einem l,5prozentigen und Lahrneyer mit einem 2,5prozent. Gewinn aus. Für letztere Werte regte der unverändert 5prozentige Dividendenvorschlag bei RWE. und die voraussichtlich wieder 6prozentige Dividende bei Licht & Kraft an. Auch der Bekulaabschluh, der einen guten Eindruck gemacht hat, wirckte nach. Aus den bekannten Gründen hielt das Interesse für Auto- werte unter Bevorzugung von Daimler an. Ebenso lagen Schisfahrtsaktien bemerkenswert lebhaft. Eine Anfangsabschwächung von 0,88 Prozent bei Dessauer Gas konnte im Verlause wieder eingeholt werden, Julius Berger und Berlin Karlsruher Maschinen blieben jedoch auch im Verlause auf ihrem 1,75 v. Sy niedrigeren Anfangsstand unverändert. Lieberhaupt war es nach den ersten Kursen sehr ruhig, im allgemeinen konnte die Tendenz jedoch trotz ganz kleiner Abweichungen nach oben und unten als behauptet bezeichnet werden. Frankfurt abwartend. Frankfurt a. M., 5. Nov. (WTB. Drahi- meldung.) Der heutige amtliche Wochenschluhver- kehr wies an den Aktienmärkten zunächst eine kleine Befestigung auf, da einige, wenn auch geringfügige Kauforders Vorlagen. Die gestrige Festigkeit in Wallstreet unterstützte die bessere Stimmung. Da weitere Orders nach den ersten Kursen ausblieben, gewann die Llnsicher- heit namentlich durch die bevorstehenden Wahlen und den Derkehrsstreik stimmungsmähig wieder die Oberhand und das Geschäft flaute ab. Die anfänglich erzielten Besserungen gingen meist bis zu 1 Prozent. Iunghans gewannen nach der gestrigen Abschwächung 1,5 Prozent. Bon Spezialwerten setzten IG. behauptet ein, um-dann 1,25 Prozent zu verlieren. Am Elektromarkt blieben, AEG. behauptet, Dekula 0,5 Prozent höher und Gesfürel 0,25 Prozent niedriger. Von Montanwerken setzten Buderus, Gelsenkirchen uiii> Laurahütte bis zu 0,5 Prozent fester ein, Mannesmann und Rheinstahl waren gehalten. Am Schiffahrtsmarkt lagen Hapag 0,25 Prozent höher, von sonstigen Werten gewannen Aku 5/8 Prozent, Contilinoleum Zürich lagen unverändert. Am Rentenmarkt wurden geringe Umsätze getätigt. Die Stimmung war behauptet. Späte Reichsschuldbuchforderungen lagen 0,40 Prozent niedriger. Alt- und Neubesitz waren zunächst behauptet. Von Industrieobligationen lagen Stahlvereinbonds unverändert. Man sprach von Tauschoperationen von Schuldbüchern gegen Altbesitz, wodurch die letzteren bald anzogen. Der Psand- briefmarft war eher fester, Goldpfandbriefe waren weiter gesucht. Liquidationspfandbriese waren nach gestriger Erhöhung etwas rückgängig. Kommunalobligationen lagen ziemlich unverändert. Im Verlaufe bröckelten am Aktienmarkt die Kurse bei immer noch stillem Geschäft weiter ab. Tagesgeld war zu 3,75 Prozent wieder leichter. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, 6. November. 24. Sonntag nach Trinitatis. Reformationsfest. Sladtkirche. 9.30 Uhr: Pfr. Becker; Beichte und hl. Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde; 11.15: Kinderkirche für die Markusgemeinde; Pfr. Becker; 17: Pfr. Müller. — Johanneskirche. 9.30: Pfr. Ausfeld; zugleich Militärgottesdienst; 11: Kinderkirche für die Johannesgemeinde; Pfr. Ausfeld; 17: Pfr. Bechtolsheimer; Beichte und hl. Abendmahl für Lukas- und Johannesgemeinde; 20: Missionsstunde; Pfr. Groh. — Kapelle des Allen Friedhofs. 9.30: Pfr. Lenz; 11: Kinderkirche für die Luther» gemeinde; Pfr. Lenz. — Elisabethkleinkinderschule. 9.45: Pfr. I-ic. Waas; 10.45: Kinderkirche für die Petrusgemeinde; Pfr. I.ie. Waas. — Klein-Linden. 10: Gottesdienst; 11: Kindergottesdienst; 20: Reformations-Abendfeier. — wieseck. 9.45: Chorschule; Kollekte; 11: Kinderkirche. — Alten-Buseck. 10: Kollekte für den Gustao-Adolf-Verein; 13. — Großen- Busen. 10.30: Gottesdienst; 11.30: Beichte und Feier des hl. Abendmahls. — Oppenrod. 8.30: Gottesdienst. — Kirchberg. 10: Kirchberg, Katholische Gemeinden. Samstag, den 5. November!. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, 6. November. 25. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Männer und Jünglinge; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 17.30t Christenlehre und Andacht. Sonntagsdienst d Aerzte u.Avotbeken am 6.11.32 Frau Dr. Marx. Dr. Schäffer. Hirschapotheke. Zahnarzt: Dr. Petsch. «-s?o Es wäre schade um Ihre Hande — wenn Sie sich noch wie zu früheren Zeiten damit abmühten, die Wäsche umständlich vorzuwaschen, statt einzuweichen. Das Einweichen mit Henko ist ein Fortschritt für die Hausfrau und viel besser für das Gewebe. 1 Paket Henko reicht für 4 bis 5 Eimer Wasser. 6906A Viele Ferkei gefoen ein, KUmmern und erkranken an Krampf, Lähme, Steifbeinigheit! Mit „Oftcofan", der M. Brockmann'schen Dieh-Lebertran- Emutfion (Mischfutter) wachsen die Tiere bestimmt gesund auf. „Osteosan" schllyt sicher vor Verlusten. Verblüffende (Erfolge! 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I. die Lifte der Wahlberechtigten für den Wahlbezirk Gießen-Stadt auf dem Sekretariat der Kammer, Lonystraße.7, in der Zeit von 10 bis 12 Uhr und 15 bis 17 Uhr, und für den Wahlbezirk Lich—Hungen auf der Bürgermeisterei Hungen wahrend der üblichen Amts- stunüen zur Einsicht offenliegen. Einwendungen gegen den Inhalt der Liste find innerhalb der zehntägigen Frist bei der unterzeichneten Stamnier schriftlich vorzubringen. 7797V Gießen, am 5. November 1932. Industrie- und Handelskammer Gießen: Ludw. Rinn. ist die beliebte Innenlenker- Limousine, fünfsitzig, 3 Liter = 12/65 PS und 4 Liter - 16/80 PS, die jetzt zum Preise von nur noch rm.79OO. geliefert werden kann. Horch-Filiale Frankfurt a.M. KaiserstraBe 40. ygi? v Handarbeiten sind die schönsten Weihnachtsgeschenke bie Preise meiner Qualitätsware sind der heutigen Zeit entsprechend allerbilligst Die größte Auswahl am Platze bietet Ihnen meine Sp ezial - Han darbeitsabteilung 7831 D Sonnen- Straße 25. 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Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale) „Ich Lenke nicht daran, etwas zu verbieten, Melanie — und ich würde dir dringend raten, k^eses Thema nicht mehr zu berühren. Wenn Kurt einer dieser geschniegelten Nichtstuer wäre, wie sie zu Dutzenden bei euch jetzt auf Bremerschloß herumlaufen, darm wäre deine Sorge vielleicht begründet. Aber so? Da kenne ich meinen Jungen denn doch viel zu gut der wird sich nie zu etwas hinreiben lassen, was ein ordentliches Mädel ins äknglück bringen konnk. Die Erie ist seine Spielgefährtin, solange die beiden denken können, und außerdem ein prachtvolles Mädel I Ich denke gar nicht daran, die Unbefangenheit dieser beiden jungen Menschen zu stören. Für meinen (Zungen lege ich die Hand ins Feuer. Hast du mir sonst noch etwas Erfreulicheres mitzuteilen, Melanie? Sonst entschuldigst du mich wohll — Oder willst du vielleicht mitkommen? Mer die Arbeiten des Bremer- Werks interessieren dich ja leider nicht", fügte et leise seufzend hinzu. Frau Melanie hatte mit steigender Verwunderung die energischen Worte des Gatten angehörig Einen Augenblick war sie unsicher geworden. Er hatte seit einiger Zeit oft einen so energisch abwehrenden Ton, als wäre ihr Einfluß auf ihn geschwunden. älnd da sie wieder eine größere Forderung an ihn hatte für eine Spielschuld, die ihr Hans Egon vor ein paar Tagen gebeichtet, so war es ihr fester Vorsatz gewesen, ruhig zu bleiben und ihren Mann nicht zu reizen. Aber Lie herbe Kritik, die ihr Gatte indirekt an ihr und ihrem Sohne Hans Egon geübt, ließ ihr herrisches Temperament überschäumen. »Gut", sagte sie, »mache nur weiter so, sieh zu. wie Kurt seinen vulgären Neigungen nachgibt. Vielleicht bringt er dir auch einmal die Tochter eines deiner Angestellten als Schwiegertochter ins Haus — nun ja, er hat diesen Zug eben im Blut, kein Mensch kann gegen seine Kinderstube an und —" Sie wollte weitersprechen; aber sie fühlte sich Plötzlich an der Hand gefaßt. Das Gesicht ihres Gatten hatte einen erschreckenden Ausdruck von Zorn und Schmerz angenommen. „Tu hast schon mitunter darauf angespielt. Melanie, daß Kurts Mutter aus einfachem Stande gewesen ist. (5ch habe bisher derartige Bemerkungen schweigend hingenommen, weil ich keinen Winfrieden im Hause haben wollte. Aber einmal reißt auch dem ruhigsten Menschen die Geduld. Las eine aber laß dir heute gesagt sein: noch einmal eine solche Anspielung auf die Herkunft meiner ersten Frau — und unsere Wege trennen sich. — Meine unvergeßliche Margarete — an Herzenstakt und seelischer Vornehmheit nahm sie es mit allen Menschen auf. Sie hätte es nicht fertig bekommen, mich in einer mir heiligen Erinnerung so zu kränken, wie du es soeben getan hast." (Fortsetzung folgt.) Am nächsten Tage stand Kommerzienrat Bremer mit dem Betriebsingenieur Moeller in dem Schuppen, in dem Kurt seine Werkstatt hatte. - rotem Kopf und glänzenden Augen sah Kurt m den Mienen des Ingenieurs wie in denen des Vaters ein immer stärkeres Interesse. Jetzt beugte sich Moeller noch einmal über die -Zeichnung, die auf dem Werktisch mit Reißzwecken befestigt war — und neben der eine Tabelle ein Messungsverzeichnis enthielt. Im Hintergrund der Werkstatt stand Erika mit vor Aufregung eisigen Händen. Endlich sagte Moeller: „Ich muß gestehen, Herr Kommerzienrat, daß Ihr Sohn da eine fabelhafte Verbesserung an der Zündung des Motors herausgeknobelt hat. Wenn diese neue Zündung sich in der Praxis so bewährt, wie sie mir hier theoretisch einleuchtet —“ »Sie hat sich schon Lewährtl" sagte Erika aus ihrer Ecke impulsiv, und dann wurde sie rot. Der Kommerzienrat Bremer drehte sich lachend zu ihr um. »Fräulein Ingenieur...!" neckte er und streifte das blühende Mädchen mit einem wohlwollenden Blick. „Woher weiht du denn das?" Erika, immer noch feuerrot, warf einen bilfe- suchenden Blick auf Kurt. Kommerzienrat Bremer lachte gutmütig. »Ach so — weiß schon, ihr habt's schon ausprobiert! Du bist wohl Steuermann gewesen, Erika?" Sie nickte erglühend. „Na, na!" meinte Bremer. „Du brauchst doch nicht rot zu werden — bist ’ne fixe kleine Dirn', nicht so zimperlich wie andere Mädels, machst die Augen auf — das gefällt mir! Nun aber los, Moeller! Wollen uns doch mal das Doot in Fahrt besehen, was unser Filius dg zusammengebraut hat!" ° Er wandte sich der Tür zu. „Naim, wer kommt Denn da?" rief er erstaunt. »Hoher Besuch! Guten Tag, Melanie! Was willst du denn hier an der Stätte der Arbeit?" Aber Frau Melanie ging nicht auf den heiteren Ton des Gatten ein. Sie nickte dem Betriebsingenieur, der sich verneigte, von oben herab zu und übersah Len Gruß von Erika vollkommen. „Ich möchte dich einen Augenblick allein sprechen", sagte.sie betont. „Na also, lieber Moeller" — der Kommerzienrat machte ein gottergebenes Gesicht, er kannte diesen Ton und wußte, daß hinter ihm wieder einmal eine unerquickliche Auseinandersetzung stand —, „dann gehen Sie mal mit den beiden Kücken vor an den Bootssteg — ich komme bald nach!" Melanie warf einen scharfen Blick auf Erika, die unbefangen neben Kurt ging. „Meinst du mit den beiden Kücken auch Liese Erika?" Bremer sah seine Frau verwundert an. „Na, wen denn sonst, Melanie?" Frau Melanie antwortete nicht. Indessen nun der Betriebsingenieur mit den beiden jungen Menschen schon durch den sonnenhellen Hof zum Flusse hinunterging, wo Kurts kleines Motorboot wartete, meinte Bremer gutmütig: »-Na also, Melanie, wo brennt's? Schieß mal los! Muß ja was sehr Wichtiges sein, wenn du uns hier besuchst!" »Etwas sehr Wichtiges allerdings!" wiederholte Frau Melanie. „Es handelt sich darum, daß du drinem Sohn Kurt etwas mehr auf die Finger sehen mußt. Er macht Dummheiten!" »Inwiefern, Melanie? Ich habe noch nicht viel von Dummheiten bei Kurt bemerkt. Im Gegenteil! Ich konstatiere mit Unbehagen, Laß er über seine Jahre hinaus ernst und gesetzt ist." „Du hast keine Augen im Kopfe, Friedrich! Ober ist es vielleicht keine Dummheit, wenn sich dein Sohn, der Erbe vom Dremerwerk, abends mit Töchtern deiner Angestellten herumtreibt? Du bist wirklich blind, Friedrich, schickst diese kleine Schmitt noch mit hinunter zum Doot, anstatt ihr das Betreten der Werkstätten energisch zu verbieten. Was sucht sie hier, wenn nicht die Gelegenheit, eine Liebschaft mit deinem Sohne anxufangen?" Skemec sah seine Frau mit ernstem Gesicht an. „3ft das alles, Melanie, was du mir zu sagen hast? Zu diesem Zweck hättest du dich nicht hierher zu bemühen brauchen. Diese alte Kinderfreundschaft zwischen Kurt und der kleinen Erika ist vollkommen harmlos." »So! Ist es vielleicht auch harmlos, daß die beiden gestern spätabends im Motorboot in der dunklen Nacht zusammen herumfahren? Wer weiß, was sie da treiben!" »Nun hör aber auf, Melanie!" Bremer erwiderte es gegen seine sonstige Gewohnheit ziemlich scharf. »Was die beiden treiben, kann ich dir zufällig genau sagens der Kurt hat eine neue Motorverbesserung herausgeknobelt — und die kleine Erika, die ist ja ein halber Ingenieur, die macht feste mit, weiß genau mit der ganzen Maschinerie Bescheid und hat gestern die sogenannte Probefahrt mitgemacht. — Das ist alles, wenn's dich beruhigt!" „Und du glaubst im Emst, daß nichts anderes zwischen Len beiden ist? Für so naiv hätte ich dich nicht gehalten! Ein Junge von achtzehn Jahren und ein Mädel von sechzehn Jahren zusammen abends im Mondschein, das schickt sich nicht — und ich wünsche, daß du öiefe Dinge verbietest! 3d> habe nicht Lust, hier auf dem Werk einen Skandal zu erleben durch deinen Sohn und diese Person, die nichts anderes will, als den reichen Erben einfangen.“ Mit einem Ruck blieb Olaf Erikson stehen. „Mein gnädiges Fräulein", sagte er eisig, „ich will nie wünschen, daß Sie einmal in die Lage kommen, so ohne den Schatten eines Beweises wegen ganz harmloser Dinge verdächtigt zu werden. So, wie ich Ihren jüngeren Bruder kenne und beurteile, ist er wirklich der Mensch, der eine Freundschaft mit einem jungen Mädchen in aller Reinheit und Sauberkeit aufrechterhalten kann. Bei uns in Schweden jedenfalls findet man gar nichts dabri, wenn junge Menschen kameradschaftlich und harmlos miteinander beisammen sind. Arm oder reich spielt bei uns feine Rolle. Qlber nun gestatten Sie, Aaß ich Sie hinüberbegleite! Ich hätte zwar gvoße Lust, mir einmal die Rückkehr Ihres jungen Bruders anzusehen und über seinen Motor mit ihm zu sprechen — aber ich möchte es vermeiden, daß man auch an unser abendliches Beisammensein hier unfreundliche Folgerungen knüpfen mochte." Hibhud war bkaß geworden. Eine wilde Empörung stieg in ihr auf. Was fiel diesem Menschen ein? Doch nie hatte ein Mann gewagt, in Diesem Ton mit ihr, der reichen Erbin, zu sprechen. Oh, er sollte sich nichts einbilden — noch hatte er sie nicht so sicher, daß er sich diesen anmaßenden Ton gestatten durfte. Sie wußte allein was sie zu tun und zu lassen hatte. Alle Weichheit war aus Hiltruds Empfinden geschwunden. Sie fühlte nichts als die Kränkung, die in Olafs Worten gelegen hatte — die Gleich stellung zwischen ihr und dieser kleinen Angestelltentochter. — Nun, wenn er sie auf eine Stufe mit solch einem kleinen Mädel stellte, sie war nicht gesonnen, sich das gefallen zu lassen. Das sollte er sofort merken, damit ihm ein für ° Die Lust zu derartigen Vergleichen verging. Brüsk blieb sie stehen. „Ihre Schlußfolgerungen, Herr Baron, sind denn doch wohl falsch. Wenn ich etwas tue, so ist es über alle Mißdeutungen erhaben. Da Sie aber so ängstlich zu sein scheinen, bitte ich Sie, mich nicht zu begleiten. Gehen Sie ruhig zurück, Damit Sie die Ankunft meines Bruders und seiner sogenannten Freundin nicht versäumen! Ich finde meinen Weg auch allein — und mir geschieht nichts. Ich weiß mich und meinen Ruf durchaus zu schützen!" Sie neigte kurz den Kopf und ging mit schnellen Schritten davon. Olaf sah ihr nach, bis die zarte, lichte Gestalt um den Brückenweg verschwunden war. Ein Gefühl von Trauer beschlich ihn — und doch zugleich von Erleichterung. INDUSTRIE REKLAME Keinen Tag mehr ohne Mende.... Wünschen Sie einen Europa-Empfänger im wahrsten Sinne des Wortes, dann MENDE 138. 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