Orotf und Verlag: vrLHI'lcht Univ-rxlüwvuch, und LI-mdruck-r-I H. Lange in Sietzen. Lchriftiettung und Scichaf.sft-lle: rchulftratze r. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer "bis Zum Nachmittag vorher. Preis für | mm höhe für Anzeigen von 27 mm ®reite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 2(P a mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle monatS'Beingspteis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernfprechanschlüsse onterSammeInummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn. poftscheclionto: Frankfurt am Main 11686. ür.182 Erstes vlaü^d |82.Jahrgang Zreitag, 5. August 1932 GiGnerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Landnöten. Gegen Ende der neunziger Jahre prägte der Dichter Langbehn, dessen Werke in den letzten Jahren eine Auferstehung erlebten und noch ebenso zeitgemäß sind wie vor rund 35 Jahren, den Begriff des „A e m b r a n d t d e u t sch e n". In einer Zeit, die den Machtanspruch des Wilhelminischen Staates geistig keineswegs rechtfertigte, in der sich eine flache Part pour l’art- Äunft ausbreitete und die äußere Form den Inhalt überflüssig zu machen schien, versuchte Langbehn mit dem Begriff des Rembrandt- deutschen den in der Kultur und der Mystik seines Bolkes wurzelnden Menschen, der aus dem Dunkel der tiefsten und geheimsten Bindungen an das Ewige seine Kraft zieht und selbst in den hellsten Werken des Tages noch den Schimmer seiner Tiefe und Herkunft bekundet, zu zeigen. Man könnte versucht sein, Langbehns Wort zu variieren und angesichts der geistigen Oede und kulturellen Verflachung der heutigen Massen vom „Hollywo od - deutschen" zu sprechen. Denn während echte Kultur und Kunst aus dem Volkscharakter erblüht und zu einer Vollendung gelangt, die für alle Völker der Erde gültig ist oder ihnen zumindest Ehrfurcht vor dem Werke abzwingt, hat der von Hollywood her diktatorisch bestimmte Film innerhalb der letzten zehn Jahre versucht, losgelöst von aller volkhaften Verwurzelung allgemeingültige Belanglosigkeiten zu zeigen, die den Zivilisationspöbel von San Franzisko ebenso wie den von Kalkutta, Kapstadt, Montevideo. London oder Hamburg für ein paar Stunden von der inneren Leere und Trostlosigkeit seines Daseins ablenken. Wer sich oom Tonfilm, der die Schauspieler immerhin zwang, in der Sprache ihres Volkes zu sprechen, eine Hebung des Filmniveaus versprochen hatte, wurde bitter enttäuscht. Das Filmgeschehen ooll,zog sich allabendlich vor vielen hunderttausend Zuschauern ganz und gar am Rande der Zeit. Don den bewegenden Fragen der Gegenwart, von den Nöten eines gedemütigten Volkes, von dem unerbittlichen Ablauf großer und überzeitlicher Schicksale war in den meisten Filmen nicht eine Spur enthalten. Dabei waren die wenige Filme, die, ganz gleich, ob ernsten oder heiteren Inhaltes, wirkliche Kunst verkörperten, ein nicht minder gutes Geschäft als der seichte Operettenkitsch und jene öden Militärschwänke, die den deutichen Soldaten in einer Verfassung zeigten, in der er nicht drei Tage des Weltkrieges ausgehalten hätte. Jetzt aber scheint man sich auch in Deutschland auf seine kulturelle Verpflichtung besonnen zu haben. Die Ufa, Deutschlands größtes Filnrunternehmen, das die geschäftliche Macht besitzt, der Mehrzahl der anderen Filmunternehmen ihre Linie vorzuschreiben, hat auf ihrer soeben beendeten Generalversammlung ein neues Programm verkündet, in dem es wörtlich heißt: „Wir wollen im Film Menschen sehen, die posittoe und klare Ziele verfolgen, die aus charakterlicher Veranlagung den Kamps mit ihrer Umwelt aufnehmen, und die national oder in rein menschlicher Form um ein erstrebenswertes Ziel innerlich ringen und weder durch konstruierte Zufälligkeiten noch durch krumme Wege ihr Ziel erreichten. Ob das in Gestalt eines ernsten Dramas, eines heiteren musikalischen Lustspiels geschieht, ist gleich. Auf alle Fälle muß es im Zusammenhang mit der gesamten Strömung der Gegenwart stehen." Man kann nur wünschen, daß es bei diesen schönen Worten nicht bleibt, sondern daß der Tonfilm in Zukunft tatsächlich jene Ausgestaltung erfährt, die ihn zu einem Bestandteil der deutschen Kultur macht. Das Volk in seiner überwiegenden Zahl ist längst der „konstruierten Zufälligkeiten" und der „krummen Wege" überdrüssig. Es will sich im Kino weder langweilen noch gruseln. Es will weder moralische Erbauungen vorgesetzt bekommen, noch ein halbseidenes Laster genießen. Es genügt, an die blutvollen Dramen Shakespeares zu erinnern, die zu ihrer Zeit eine ähnliche Aufgabe erfüllten, wie sie heute der Tonfilm hat. um zu ermessen, daß der Film nichts anderes zeigen soll, als das Leben in seiner ganzen blutvollen Wirklichkeit. Denn nicht an Verstand und wissenschaftlicher Kenntnis fehlt es heute, auch nicht an Gefühl und Tiefe des Gemütes, sondern an der Fähigkeit zu unmittelbarem Erleben, aus dem allein die Kraft 3um Bekenntnis zu absoluten Werten erwächst. Es darf nicht verschwiegen werden, daß die Kulturkrisis, die sich im Tonfilm widerspiegelt, langst auch so ziemlich alle übrigen Zweige der Kunst ergriffen Hai. Es fehlt die Fähigkeit zur Dememschaftsbildung, es sind erst wieder Ansätze zu jenen Kunstgemeinden vorhanden, die es in Zeiten echter Kultur stets gegeben hat und die ein Kunstwerk nicht nur um seiner selbst willen „genießen , sondern denen es eine Offenbarung der göttlichen Kräfte in einer diesseitigen Gestalt bedeutet. Wenn der Tonfllm wie auch das Theater dazu beitragen werden, an Stelle des »Massen - Publikums" innerlich mitfühlende und mitschaftende Kunstgemeinden zu bilden, dann wird der Tonfilm auch wieder, wie jede Kunst, eine Aufgabe erfüllen, die über das rein Kulturelle hinausreicht, weil sie volksbildend ist. In den letzten Wochen ist in Südamerika ein alter Streit neu entbrannt, der Streit z w i - schen den Staaten Bolivien undPa. raguah, um das Gran Ehaco - Gebiet. der in seinen Anfängen bis in die Geburtsstunde der Selbständigkeit der südamerika- nischen Republiken zurückgreift. Der ursprüngliche Grund dieser neuen Zwistigkeiten liegt in den Klärung der Krönten nach dem Wahlkampf. Nationalsozialismus und Kabinett papen.-Welcher wirtschaftspolitische Kurs bestimmt die Zukunft? Don unserer Berliner Redaktion. Berlin, 5. August. Die Katze ist nun aus dem -sack. In einer offiziellen nationalsozialistischen Korrespondenz hat der Abgeordnete K u b e den Siampf gegen Papen, Bracht und Gayl eröffnet. Ob es tatktisch zweckmäßig war, die Kampfziele schon im Anfangsstadium der Verhandlungen ju enthüllen, wird man erst im wei- teren Verlauf der Entwicklung beurteilen können. Jedenfalls steht nunmehr auch für die Oesfentlich- feit fest, daß die Partei die Entfernung des Kanzlers und des Reichsinnenministers fordert und daß sie andererseits den General Schleicher als den einzigen Mann in der gegenwärtigen Regierung betrachtet, der nicht zu ihren Gegnern zu zählen ist. Bisher nahm man an, daß das Zentrum gerade in Papen den Stein des Anstoßes bei der Bildung einer parlamentarischen Grundlage für die Reichsregierung erblicken werde. Es könnte zu einem Umschwung der Stimmung führen, wenn nunmehr die Nationalsozialisten die Herren Papen und Bracht als „getarnte Zentrumsmänner" bekämpfen. Das könnte beim Zentrum die moralische Verpflichtung auslösen, sich in stärkerem Maße schützend vor die Angegriffenen zu stellen als das wohl ursprünglich beabsichtigt worden war. So ist es also im Augenblick noch sehr schwer, die Kräfteverhältnisse und die Machtpositionen richtig einzuschätzen, die in dem nunmehr wohl sicher entbrennenden und für das deutsche Schicksal entscheidenden politischen Ringkampf zwischen der Gruppe Schleicher und der Gruppe Papen den Ausschlag geben werden. Nachdem die Dinge durch parteipolitiiche Kundgebungen in das Licht der Oeffentlichkeit geruckt wurden, erscheint ein Kompromiß kaum noch möglich. Man wird also, um ZU den kommenden Ereignissen Stellung nehmen zu können, nach den Hintergründen dieser Gegensätze und dieses Kampfes suchen müssen. Sie liegen, wie wir die Dinge glauben sehen zu müssen, in erster Linie auf sozialpolitischem und wirtschaftspolitischem Gebiet. Gerade zu diesem Zeitpunkt beginnt ausgerechnet die „Deutsche Allgemeine Zeitung" mit der Veröffentlichung einer Aufsahreihe, die den -Sohn des verstorbenen Jndustrielönigs Stinnes, Edmund H. Stinnes, zum Verfasser hat. Dieser Rachkomme des letzten großen Wirtschaftsindividualisten prophezeit eine neue Götterdäm- merung, wenn sich Die Menschheit nicht auf Grund geänderter Voraussetzungen von der Freiwirtfchaft zur Planwirtschaft nach Ablösung des Stimmzettelparlamentarismus durch „Sammlung des Volkswillens in einer mit außerordentlicher Macht ausgestatteten Zentralgewalt" zu finden vermöge. Es ist höchst bezeichnend. daß sich eine Zeitung der Jndustriekreise, wenn auch unter Vorbehalt, entschließen konnte, solchen staatssozialistischenGedanken- gäng-en Raum zu geben. Es sind etwa die staatssozialistischen Gedankengänge, die in den Plänen der Gruppe um Schleicher nach Erfüllung drängen. Auf der andern Seite steht die konservative W i r t s ch a f t s a u f f a s s u n g, die in den adligen und landwirtschaftlichen Männern des Kabinetts, also in Papen, Gayl, Warm- bold und Braun ihre natürlichen Repräsentanten findet. Die Kräfte, auf die sich Schleicher stützen kann, sind die Reichswehr und einflußreiche Kreise der nationalsozialistischen Bewegung, zu denen vielleicht Hilfstruppen vom christ'ichfozia- len Flügel des Zentrums stoßen könnten. Den Ausschlag in dem Kampf wird aber Hindenburg geben. Riemand vermag heute zu sagen, wohin sich die Entscheidung des Staatsoberhauptes und seiner besonderen Ratgeber wenden wird. Koalitionsgespräche. München, 5. Aug. (ERD. Funkspruch.) Der gestrige Leitartikel des „Völkischen Beobachter" wird heute vom „Bayrischen Kurier" Qufgcgriffen, der ihn in einem längeren Aufsatz, betitelt „Rationalsozialistischer Koalitions-Fühler" beantwortet. Darin heißt es, Zentrum und Bayerische Dolkspartei hätten keine Ursache, heute von Koalitionen zu sprechen. „Wir wollen nur feststellen" — so schreibt das Blatt - „daß offenbar Der Rationalsozialismus ganz gern bereit wäre, sich mit Zentrum und Bayerischer Dolkspartei zusammenzutun. wenn diese Parteien so naiv wären, Herrn Hitler die Steigbügelhalter zu machen. And fcftftcllcn wollen wir noch etwas anderes: Der Vorschlag Rosenbergs beweist klar und eindeutig, daß die Rational- fozialisten eine heillose Angst vor der sachlichen Arbeit haben. Die Arbeitsministerien, in Denen wirklich für Das Volk praktische Arbeit geleistet werben muß, die sollen Die „Schwarzen" haben. Mit Den politischen Ministerien, welche die Verfügung über Die staatlichen Machtmittel bedingen, wollen Die Hitlerleute sich selber beglücken." der Terror-Notverordnung, zum Vorhaben der Regierung Vor Erlaß Berliner Pressestimmen Berlin, 5. Aug. (ENB.) Berliner Blätter bc- schästigen sich mit Den geplanten Maßnahmen der Regierung zur Bekämpfung Des politischen Terrors. Die „D A Z." weist auf Die Tragweite Der von ocr Regierung zu treffenden Entscheidungen hin. Sollte binnen der von der Regierung gesetzten letzten Frist keine Besserung eintreten, müsse d i e Todesstrafe für unrechtmäßige Anwendung und Hand- habung tödlich wirkender Waffen verhängt werden. Nur so könne dem umsichgreifenden Bürgerkrieg Einhalt geboten werden. Don den Bestimmungen müßten alle für dieses Treiben mitverantwortlichen Streife, ohne Rücksicht auf ihre politische Richtung, gleichmäßig betroffen werden. Nur durch einheitliche beschleunigte Aktionen könne die Staatsgewalt ihr schwer in Frage gestelltes Ansehen, den Schutz der friedlichen Bürger und die Staatsordnung retten. Anders als mit drakonischen Maßnahmen könne jetzt nicht mehr durchgegriffen werden. „Germania" und „B. T." drücken ihre Verwunderung über die zögernde Haltung des Reichskabinetts aus. Die große Oeffentlichkeit, so meint bas letztgenannte Blatt, fei der Meinung, daß die Geschehnisse dieser Woche der Regierung sofortiges Handeln zur Pflicht mache. Die „V o s fisch e Z t g." bekennt, kein Freund von Sonbergerich- ten und Ausnahmeregeln zu sein, glaubt aber die Feststellung nicht unterdrücken zu können, daß die Reichsregierung sich selbst gegenüber erheblich geduldiger sei als gegenüber der früheren preußischen Regierung. Der „V o r ro ä r t s" warnt davor, Bestimmungen zu schaffen, die sich lediglich gegen links auswirken, und betont, daß es sich nicht um ein kriminalistisches, sondern um ein politisches Problem handele. Könne die Regierung von der NSDAP, keine sofortige grundlegende Aenderung ihres Verhaltens erzwingen, so müsse sie im Staats- interesse den Kampf gegen sie aufnehmen. Dej „B ö r s e n - E o u r i e r" weist auf die Notwendigkeit hin, daß das geplante „äußerste Mittel" nur dann gerechtfertigt fei, wenn es von einer Macht angewendet werde, die versichert, daß sie keine Parteien kenne und vor der die politische Farbe Des Gewalttäters vollkommen gleichgültig sei. „Berliner Lokalanzeiger" und „Tag" wissen^oon neuen Erklärungen der Parteileitung der NSDAP, zu berichten, in denen Die politischen Ausschreitungen aufs schärfste mißbilligt werben. Auch wolle Die Parteileitung sich bemühen, die Angehörigen Der SA.-Formationen von solchen Greueltaten unbedingt abzuhalten. Auf dieser Linie hätten sich Besprechungen bewegt. Die der Beauflagte der NSDAP., Hauptmann Göring, mit Mitgliedern der Reichsregierung gestern hatte und in denen er, wie die genannten Scherl-Blätter berichten, entsprechende Zusagen der Parteileitung überbracht habe. Dr. Bracht Witt durchqreifen. v e r l i n , 5. Aug. (WTv. Funkspruch.) Amtlich. Angesichts der ständigen politischen Ausschreitungen macht Reichskommissar Dr. Bracht erneut darauf aufmerksam, daß er alle Maßnahmen ergreifen wird, die geeignet sind, Leben und Sicherheit zu schützen und daß er unterschiedslos gegen alle Schuldigen rücksichtslos oorgehen wird, ganz gleich, ob sie im rechten oder linken politischen Lager stehen. Heber die Ausschreitungen in Schleswig-Holstein hat der Kieler Regierungspräsident einen eingehenden Bericht an das preußische Innenministerium gesandt. Der Regierungspräsident sieht als Ursache dieser Ausschreitungen einerseits die Verhetzung durch die kommunistischen Führer und anderseits die Tatsache, daß zweifellos eine Reihe jüngerer S A.- und S S.-Le ute sich nicht in der Hand ihrer F ührer befinden. Bombenanschlag auf die Heichsbanknebenftelle Lötzen. Löhen, 5. Aug. (2DTB. Funkspruch.) In Der Nacht zum Freitag, gegen 1.10 Uhr, wurde auf die hiesige Reichsbank-Rebenstelle ein Bombenanschlag verübt, vor der hauptsront, hinden- burgstraße, wurde an den Pfeilern, die einen Balkon tragen, eineBombeniedergelegtundzuc Entzündung gebracht. Der Sprengkörper explodierte mit lauter Detonation. Der untere Teil des eisernen Pfeilers wurde beschädigt, die Scheiben des großen Fensters oom Sassen- raum zertrümmert und durch Splitter in Der Betondecke des Kassenraumes und des Balkons weitere Beschädigungen angerichtet, wenige Augenblicke nach der Explosion eilten Passanten und Polizei herbei, die jedoch in den Zugangstraßen keine verdächtigen Personen gesehen hatten. Die Po- ungeklärten Besihverhältnissen im Ehaco Boreal und in der Tatsache, daß man es damals versäumt hat, sich in diesem unwirtlichen Landstrich Der Mühe einer genaueren Grenzfestset. z u n g zu unterziehen. Die Bezeichnung „Grüne Grenze" läßt bei uns allzu leicht die Vermutung aufkommen, daß es sich um ein schmales Hochgebirge handelt, das die Staaten Dolivia und Paraguay voneinander trennt und daß man bei der Grenzfestsetzung hier einfach die Grenze auf den Kamm des Gebirges verlegt hat. Diese An- nähme ist irrig und gibt von den ganzen Kärnp. fen ein vollkommen falsches Bild. Der Gran Ehaco ist doppelt so groß wie Deutschland und liegt zwischen Bolivien, Paraguay und Argentinien. Dieses Gebiet war bis vor kurzem noch so gut wie unerforscht, doch hat man nach seiner Erschließung mit allen Mitteln versucht, hier Kolonisten anzuseyen, um dieses Gebiet, das von einzelnen Forschern als besonders fruchtbar, von anderen wieder nur zum Teil fruchtbar erllärt wird, wirtschaftlich auszubeuten. Dieser Landstrich der jetzigen Kämpfe ist aber nicht das eigentliche Streitobjekt Boliviens, Denn Die HintergrünDe dieser neuen südamerikanischen Eruptionen sind die Gelüste Boliviens, endlich einmal einen ordnungsmäßigen Zu- gan gentwede r zum Stillen oder zum Atlantischen Ozean zu bekommen. Dis zum Anfang Der achtziger Jahre besaß Bolivien noch den Hafen Antofagasta an der pazifischen Küste und war mit diesem Zugang zum Meere zufrieden gestellt, bis es schließlich im Kriege zwischen Chile, Peru und Bolivien damit vom Meere vollständig abgeschnitten wurde. Auf Der Suche nach einem neuen Ausgang für Bolivien zum Meer ist man jetzt darauf verfallen, über die Südspihe Paraguays zumRio de la Plata vorzuprellen, um auf diese Weise Den Schiffahrtsweg nach Buenos Aires unD Damit zum Atlantischen Ozean freizubekommen. Es ist ver- stänDlich, Daß Diese Absicht Boliviens auf den heftigstenWiderstandvonParaguay stieß, das Den Ehaco als sein rechtmäßiges Eigentum betrachtet und nicht im geringsten gewillt ist, diesen Landstrich der Rachbarrepublik gutwillig zu überlassen. Daran konnten verschiedene Abkommen, die im Lause der Jahre zwischen beiden Ländern über Den Verlauf der Grenze abgeschlossen wurden, nichts ändern. Der Kamps nahm vielmehr immer schärfere Formen an, bis jetzt schließlich Die große Erplosion erfolgte. Die eigentlichen Hintergründe dieses Konfliktes durften aber in der Tatsache liegen, daß Bolivien in Den letzten Jahren immer mehr unter den Einfluß des nordamerikanischen Kapitals gekommen ist und daß man es in diesen Kreisen nicht ungern sieht, wenn der Vorposten Bolivien selbständig in Südamerika Hnrutje stiftet, um dadurch den Plänen Washingtons entsprechende Vorarbeit zu leisten. Der Vorschlag der Vereinigten Staaten, zwischen Bolivien und Paraguay einen Nichtangriffspakt schließen zu lassen, kann danach kaum ernsthaft gemeint sein, er ist auch nicht ausgeführt worden. Bolivien fühlt sich in dem ganzen Streitfall als Der Stärkere. hofft es Doch, daß Die narDamerikanischen Hintermänner Dafür Sorge tragen tocrDen, Den von langer Hand vorbereiteten Zwischenfall zu ihren Gunsten zu regeln. Ob daran der Völkerbund etwas ändern kann? Die Herren in Genf werden im Laufe Der Zeit auch hier wie im Fernen Osten sich Darin fügen müssen, Daß schließlich Die angreifende Partei doch ihr Ziel durchsetzt und Das schwächere Land „Mit Hilfe des Völkerbundes" unterliegt. Die Lage in Brasilien. Die Bundesregierung im Kampf gegen die Ncvolntronäre von Lao Paulo. Bremen, 4. Aug. (LU.) Das brasilianische Konsulat in Bremen erhielt von der brasilianischen Regierung ein Telegramm, das die Lage des Landes klarlegt. Darin wird u. a. gesagt: AlleStaaten unter st ühenent- schieden die vorläufige Regierung und arbeiten mit allen Kräften an Der Unterdrückung des Militäraufstandes in SaoPaulo, der sich die Regierung des Staates gezwungenermaßen angeschlossen hat. Die Bundestruppen haben das Aufstandsge- biet erfolgreich umzingelt. Die Bundesregierung bemüht sich weiter, Die revolutionäre Bewegung mit den geringsten Menschenopfern und Materialschäden zu unlerDrüden. Die finanzielle Lage hat Durch Den Ausstand einen starken Stoß erlitten, doch hofft die Bundesregierung, binnen kurzem zu siegen. Sie ist fest entschlossen, mit ihrem wirtschaftlichen Programm zur finanziellen Festigung des Bundes und der Bundesstaaten fortzusahren. Die Bundesregierung versichert ihren guten Willen hinsichtlich der wirtschaftlichen Rettung des StaatesSaoPaulo, der infolge Der Wirren schwer gelitten hat. Ter Ausstand wurde In erster Linie hervorgerufen durch Militärperfonen die ihre Disziplin vergaßen und durch Politiker' die eine Machtstellung anstrebten. lizei nimmt daher an. daß die Bombe mit Z e k t - Zündung versehen war. Oie Vorfälle in Königsberg. Königsberg, 5. Aug. (WTB. Funkspruch.) Wie die Polizeibehörde mitteilt, ist der am 1. August beabsichtigte Anschlag gegen das Gewerkschaftshaus aufgeklärt worden. Die Akten gehen heute der Staatsanwaltschaft zu. Es sind acht Täter, die angaben, SA.°Leute vom 12. Sturm zu sein; unter ihnen befindet sich auch der Sturmführer. Auch eine vollendete und vier versuchte Brandstiftungen am 1. August in Königs- berg°Calthof haben ihre Aufklärung gefunden. Die Akten gehen ebenfalls der Staatsanwaltschaft zu. Festgenommen sind 13 Täter, die angeben, ebenfalls dem Sturm der 12. SA. anzugehören. In der vergangenen Aacht wurden mehrere Stra- ftenviertel durch die Polizei planmäßig beobachtet. Hierbei erfolgte ein Lleberfall von etwa 40Personen auf zweiDeamte in vil. Es wurden insgesamt fünf Personen festgenommen, die sämtliche im Besitz von Waffen waren. Oer „Völkische Beobachter" verlangt Notwehrrecht für die SA. München, 5. Aug. (CAB. Funkspruch.) Der „Völkische Beobachter" fordert Standrecht gegen die ..roten Mordhorden" und Aotwehrrecht für die SA. Die verzweifelten Ausbrüche des Bolkszorns, heißt es, gegen die geistigen Urheber der roten Mordhehe sollten den zur Zeit verantwortlichen Trägern der Staats- gewLlt klar zum Bewußtsein gebracht haben, daß man mit »paritätischer" Behandlung in Ausnahmezeiten nicht mehr durch- kommt. Es müsse einmal festgestellt werden, daß es ein Unterschied sei, ob sich Waffen in den Händen von Nationalsozialisten oder in den Händen marxistischer Verbrecher befänden. Es käme aus die Gesinnung und nicht auf den Tatbestand an. Angesichts des Versagens einer schon rein zahlenmäßig nicht ausreichenden Polizei müsse die Bewaffnung der „anständigen Elemente" verlangt werden. Allein im letzten Monat, so heißt es dann, habe die ASDAP. 28 Tote und etwa 200 Verletzte zu beklagen. Sozialdemokratische Beschwerde bei Or. Bracht. D e r l i n, 5. Aug. (LU., Funkspruch.) Die Vorsitzenden der SPD. Otto We l s und Hans Vogel führten, wie der „Vorwärts" berichtet, am Donnerstag bei Dr. Bracht schärfste Beschwerden über den nationalsozialistischen Terror in Ostpreußen, Schleswig-Holstein und anderen preußischen Landesteilen. Sie betonten das Recht der Notwehr im Sinne des Gesetzes und die Notwendigkeit für die republikanische Bevölkerung zu Mitteln des Selbstschutzes zu greifen, wenn der Schuh des Staates versage. Der stellvertretende Reichs- kommissar habe bekannt, daß er die Gefahr sehe und erklärt, er sei bemüht, ihrer Herr zu werden. Mord in einem Chemnitzer Caf6. Chemnitz, 5. August. (WTB. Funkspruch.) 3m Cafs Herold, das als Verkehrslokal der NSDAP, gilt, wurde heute nacht «der 31jährige Dentist Krebeck von einem unbekannten Täter durch einen Kopfschuß so schwer verletzt, daß er kurz nach der Einlieferung in das Krankenhaus ft a r b. — Wie dazu amtlich mitgeteilt wird, wurden die Gäste in dem betreffenden Caf6 von zwei unbekannten Personen, die vorher gemütlich chr Bier getrunken hatten, plötzlich mit vorgehaltenem Revolver aufgefordert, die Hände hochzuheben. 3n dem darauffolgen, den Handgemenge erhielt der Dentist von einem der beiden Unbekannten einen Schuß in den Kopf. Die Täter, von denen einer durch einen Wurf mit einem Bierglas verletzt wurde, konnten zunächst entkommen; später aber wurde der Verletzte aufgegriffen und fest genommen. Die Ermittlungen über die Parteizugehörigkeit der Täter haben noch nicht zu einem Ergebnis geführt. Aufregende Verbrecherjagd in Stettin. Aus aller Welt. Haftbefehl gegen Heinrich Lklar;. 3m Mai 1926 wurde Heinrich Sklarz wegen vollendeten und versuchten Betruges, wegen Untreue und Erpressung zu einem 3ahr sechs Monaten Gefängnis, 50 000 Mark Geldstrafe und drei Jah- ren Ehrverlust verurteilt. Sklarz hat die Strafe aber bisher nicht verbüßt, obwohl ihm das Schöffengericht Berlin-Mitte keine' Bewährungsfrist zugebilligt hatte. 3n den letzten Jahren hatten die Nationalsozialisten und Deutschnationalen verschiedentlich Anfragen an die Regierung im Preußischen Landtag gerichtet, warum Heinrich Sklarz seine Strafe nicht abzusitzen brauche. Wie die Telegraphen-Union erfährt, ist nunmehr Heinrich Sklarz nach sechs Fahren zum Strafantritt aufgefordert worden. Da er sich nicht freiwillig gestellt hat, ist jetzt Haftbefehl zwecks Verbüßung seiner Strafe erlassen worden. Internationale Warenhausdlebe beim Saison-Schluh-Verkauf in Berlin. Mit Beginn des Berliner Saison-Schlußverkaufes ist eine große Zahl internationalerWaren- hausdiebe in Berlin eingetroffen, die sofort ihre Tätigkeit ausgenommen haben. Der Kriminalpolizei ist es bisher gelungen, 15 Personen festzu- nehmen. Es hat sich herausgestellt, daß diese eigens zum Berliner Schlußverkauf aus anderen europäischen Hauptstädten, wie Warschau, Budapest, Prag, Stockholm und selbst aus Helsingfors nach Berlin gekommen sind. Der Streifendienst der Kriminalinspektion war schon vom ersten Tage des Saison-Verkaufes an verstärkt worden, da man aus der Erfahrung der vergangenen 3ahre wußte, was 311 erwarten war. Die Anklage gegen den Aeuyorker Bürgermeister Jimmy Walker. Nach einer Meldung aus Albany (New Verseh) hat der Richter Seaburh an den Gouverneur Franklin Roosevelt eine Erklärung gerichtet, in der er die Verteidigungsargumente des Bürgermeisters von Neuhork, Jimmy Walker, gegen die Anklagen, daß er Bestechungsgelder angenommen habe, zurückweist und ihn in allen Punkten für schuldig erklärt. Die Anklagen gegen Walker waren im Zusammenhang mit einer Omnibuskonzesfion erhoben worden. Eine Kommission hatte im vergangenen Jahre ausgedehnte Untersuchungen über die Tätigkeit der Beamten in Neuhork Cith angestellt, von denen viele weit größere Bankkonten besahen, als ihre Einkünfte rechtfertigten. Besondere Aufmerksamkeit schenkt man einer Reise Walkers nach Europa und der Frage, wie sie finanziert wurde. Verschärfung der Streiklage im belgischen Bergbau. Der Ausschuß der belgischen Bergarbeiter in Brüssel hat die Einberufung eines außerordentlichen Kongresses der Bergarbeiter beschlossen und gegen die Verwendung von Militär in den Kohlengruben protestiert. Dem bevorstehenden Kongreß kommt um so größere Bedeutung zu, als die Bergarbeiter im Zentralrevier des Bergbaugebietes ebenso wie diejenigen in der Borinage und im Becken von Charleroi die Vorschläge des Arbeitsministers zur Schlichtung des Konflikts im Bergbau abgelehnt haben. Während in der limburgischen Kohlenindustrie allenthalben die Arbeit wieder ausgenommen wird, beschlossen die Bergarbeiter im Zentralrevier, den Streik fortzusehen und die Verbände der anderen Arbeitnehmer aufzufordern, in einen Solidaritätsstreik einzutreten. Außerdem richteten sie eine Aufforderung an die Eisenbahner, die Beförderung der vom Militär geförderten Kohle zu verweigern. Die Bergarbeiter in der Borinage haben sich ebenfalls für eine Fortsetzung des Streiks ausgesprochen. Neue Unwetterkatastrophe an der Mosel. Nach einem Funkspruch aus Derncastel ging über dem Gebiet der Mittelmosel wiederum ein furchtbares Unwetter nieder, das ähnlichen Schaden anrichtete, wie die Unwetter- katastrophe vor einigen Wochen. In kürzester Zeit waren Weinberge und Felder überschwemmt. Rebstöcke und Weinbergspfähle wurden von den Wassermassen mitgerissen und die Berge ihrer Schieferbedeckung entblößt. Die Weinernte ist streckenweise bis zur Hälfte vernichtet. Der Schaden läßt sich noch nicht annähernd übersehen. — Die Reichsbahndirektion Trier teilt mit, daß die Strecke Wengerohr— Berncastel—Eues bei Lieser-Mülheim von Erd- und Wassermassen überschwemmt worden sei, so daß der Zugverkehr unterbrochen wurde. Das Gleis konnte jedoch bald wieder freigelegt werden. Zur Auflösung des Kreises Biedenkopf. Klagen aus dem südlichen Teil des Kreises. 'J.Wald-Girmes, 4. Aug. Im letzten Frühjahr wurde, wie erinnerlich sein dürfte, von Biedenkopf aus Propaganda dafür gemacht, daß der Kreis Biedenkopf als ein geschichtlich gewordenes Ganzes unbedingt bestehen bleiben müsse. Im Süden des Kreises ist man aber anderer Meinung. Die Bewohner der zehn Dörfer in dem südlichen Zipfel, die man 1866 dem Kreise Gießen abgenommen und künstlich dem Kreise Biedenkopf angehängt hat, haben sich niemals als Hinterländer gefühlt. Die meisten in den Dörfern werden zu Grabe getragen, ohne jemals ihre Kreisstadt Biedenkopf gesehen zu haben, lind wer sie aus dem Süden geschäftlich sehen muß, der weiß, mit welchen Umständen er die 40 bis 50 Kilometer weite Wegstrecke oder die 65 bis 75 Kilometer Bahnfahrt über Gieße n—M a r- burg zurücklegt. Geographisch und wirtschaftlich gehören die Dörfer nach Gießen bzw. drei (Hermannstein, Raunheim und Waldgirmes) nach Wetzlar. Seit 1905 sind die drei Dörfer dem Amtsgericht Wetzlar zugeteilt, sie gehören dorthin zum Steuer-, Finanz- und neuerdings zum Katasteramt. In der amtlichen Schlachtviehbeschau ist der Kreistierarzt von Wetzlar zuständig, während in R e n t e n s a ch e n der Kreisarzt in Biedenkopf maßgebend ist. Cs ist vorgekommen, daß Invaliden ihre Arbeitsfähigkeit wieder anmeldeten, Arbeitslohn und Invalidengelder über ein halbes Jahr zusammen einstrichen, weil sie sich die weite Reise nach Biedenkopf „nicht getrauten", und die Dinge ruhig schliefen, bis im nächsten Jahre der Herr Kreisarzt gelegentlich der 3mpfung nach dem Rechten sah. Run kommt für die südlichen Dörfer des Kreises Biedenkopf die sehr überraschende Nachricht, daß der Kreis Biedenkopf als Ganzes dem Dillkreis mit dem V e r w a l t u n g s s i tz Dillenburg zugeteilt wird. Dabei kommt der Süden des Kreises aus dem Regen indieTraufe. Wenn dann ein Ziegenböckchen im Biebertal oder in seinem Hinterland angekört werden muß, haben die drei Herren der Kör- kommission von Dillenburg gerade so weit, wie die von Biedenkopf, und die Bevölkerung.muh den umständlichen und kostspielen Weg über Gießen und Wetzlar zur Kreisstadt Dillenburg machen. Gerade so gut, wie man nach der Revolution Teile von Thüringen (Koburg u. a.) Bayern zugeteilt hat, so sollte man doch jetzt auch endlich bei der großen Veränderung der Preuhenkarte den südlichen Teil vorn Kreis Biedenkopf wieder an Gießen, bzw. drei Gemeinden nach Wetzlar angliedern. • Wie aus der gestern bereits veröffentlichten amtlichen Mitteilung heroorgeht, kommen neun Orte des südlichen Teils des bisherigen Kreises Biedenkopf zum neuen Kreis Wetzlar, womit die Wünsche der Bevölkerung dieser Orte ihre Erfüllung finden dürften. Ein Toter, mehrere Verletzte. Stettiner Reichsbankbeamte beobachteten dieser Tage einen Mann, der mehrere Kassenboten von Stettiner Firmen, die Geld abgehoben hatten, auf der Straße verfolgte. Als ein Polizeibeamter den Mann festnahm, um feine Personalien festzustellen, riß dieser sich los und gab einen Schuß auf den Beamten ab, der einen Fußgänger schwer verletzte. Der Verbrecher flüchtete in die benachbarte Ortskrankenkasse, von wo aus er über den Hof in eine andere Straße gelangte. Dort hielt er eine Kraftdroschke an und zwang den Chauffeur mit dem Revolver, ihn zum Bahnhof zu fahren. Inzwischen nahm das Ueber- fallkommando in einem Kraftwagen die Verfolgung der Kraftdroschke auf, wobei es den Verbrecher beschoß. Dieser erwiderte das Feuer und verletzte einen Polizeibeamten schwer. Erst als der Verbrecher mehrmals getroffen war, hielt der Chauffeur an. Zur großen Ueberraschung der Polizeibeamten fand man in der Kraftdroschke noch eine Dame aus Sellin, die zum Dampfschiffbollwerk fahren wollte, als der Verbrecher die Droschke anhielt. Wahrscheinlich, um sich das Reisegeld zu beschaffen, hat der Verbrecher während der Fahrt von der Dame mit dem Revolver die Herausgabe von 2 0 0 Markerzwungen. Glücklicherweise blieb die Dame bei der Schreckensfahrt unverletzt. Gleich nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus ist der Verbrecher seinen Verletzungen erlegen. Auch bei der endgültigen Festnahme des Verbrechers spielten sich aufregende Szenen ab. Der Chauffeur, den der Verbrecher durch Bedrohung mit dem Revolver in seine Gewalt gebracht hatte, hielt, als er einem Fuhrwerk aus- weichen mußte, plötzlich an und flüchtete in ein benachbartes Geschäft. Der Verbrecher blieb zunächst im Wagen, beschoß die herankommenden Verfolger und verletzte dabei noch mehrere Fußgänger. Er flüchtete dann auf einen Hof, erkletterte dort eine Mauer und konnte erst nach abermaligem Feuergefecht überwältigt werden. Bei dem Täter handelt es sich um den früher in Garsten in Oesterreich wohnhaften 32jährigen Nikolaus S t a r 0 ch. — Das Ueber- fallkommando hatte während der Verfolgung auf vem Paradeplatz einen Radfahrer überfahren; anch dieser wurde schwer verletzt. Aus der proviuzialhaupifiadt. Gießen, den 5. August 1932. OaS Gebot der Stunde. Das Gebot jeder Stunde kann nur die Forderung sein: Ruhe sie! Es gibt naturgemäß Stunden, die ein gesteigertes Maß von Einsatz fordern, und andere wieder sind schon durch eine kleinere Leistung so erfüllt, wie es ihr Zweck und Ziel heischten. Aber trotzdem bleibt immer und in einem vorbestimmten Umfang jede Minute kostbar, weil sie von keiner Ewigkeit zurückgegeben werden kann. Sie ist mit ihrem Ablauf unwiederbringlich dahin, und noch so viele Vorwürfe oder Vorsätze können dem Versäumten nachträglich keine bessernde Hand angedeihen lassen. Langes Nachtrauern und Entschlußlosig- keit haben deshalb nicht nur keinen Wert, sie nehmen vielmehr den neuen Minuten und Stunden die Kraft, sie zu nutzen. Denn jede Stunde hat einen anderen inneren Gehalt, der vielleicht nur ihr allein innewohnte. Man spricht dann in neuerer Ausdrucksweise unter Umständen von der „Chance des Lebens", die möglicherweise das „Große Los" war, das die Götter in jedem Dasein nicht allzu häufig zweimal auf dieselbe Nummer fallen lassen. Wie auch das Gebot einer Stunde empfunden werden mag, im Leben eines Volkes und des einzelnen, das Handeln wird in jedem Falle einem langen Hin und Her vorzuziehen fein. Denn ..Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen", selbst wenn „morgen auch noch ein Tag ist". Rasche Entschlüsse, die in einer Form das Wesentliche anpacken, das sich als solches erkennen läßt, biegen meist dem Ungeheuer die gefährliche Spitze ab, die durch Zau» dem zu einem schleichenden Liebel werden kann, an dem dann ewig herumgedoktert wird, dessen Krankheitserscheinungen vielleicht auch äußerlich 3um Verschwinden gebracht werden, das aber im Mark oder im Blut weiterfrißt und einen Kräfteschwund zur Folge haben muß. Wie der Arzt manchmal mit einem sofortigen Eingriff Über Leben und Tod in günstigem Sinne den entscheidenden Schritt tut. Die folgende Stunde hätte ihm diese Entscheidung vielleicht schon aus der Hand entwunden. Das Gebot einer Stunde wird auf den ersten Blick nicht einmal immer als das empfunden, als was es sich in seinem Enderfolg herausschält. In dieser Hinsicht gibt es eine Menge Sprichwörter, die den Begriff des „blinden Huhns, das ein Korn gefunden hat" nach den verschiedensten Richtungen hin ausdeuten. Damit soll nicht gesagt sein, daß der Verlaß auf den Zufall das einzige Kom fein müßte, aus dem sich ein fruchtbringendes Etwas entwickeln dürfte. Die größten Erfindungen sind zwar Zufallsprodukte in ihrem Endresultat, aber ohne eine mehr oder weniger lange Reihe vorhergegangener Experimente undenkbar. Die Ordnung aller Dinge im All ist Naturgesetz. Das Gebot der Stunde soll in der Regel die Probe auf ein Exempel machen. Wer in allen Sätteln gerecht und in allen Wassern gewaschen ist, wird in maßgebenden Augenblicken nicht eine Sekunde Atembeklemmungen verspüren. „Frisch gewagt ist halb gewonnen" ist ein Wahlspruch, der sich die Sporen im Laufe der Weltgeschichte millionenfach verdient hat. „Nur dem Mutigen gehört die Welt", dec den Mut zu sich selbst Denn das Gebot der Stunde wird immer den Einsatz der Persönlichkeit fordern. Kig. Vom Nutzen der Wälder. Wer im Sommer im Schatten des Waldes Kühlung und Erholung sucht, empfindet gefühlsmäßig, wie wichtig es ist, daß wir in unserem Lande genügend Wälder mit altern, gesundem Baumbestand haben. Der Waldbesitzer ist sich dagegen des Nutzens seines Waldbesitzes nicht immer genügend bewußt. Große alte Kulturländer sind teilweise deswegen zugrunde gegangen, weil man die Wälder abgeholzt und dadurch die Wasserreservoire vernichtet hat, die das nahrungbringende Kulturland im Sommer vor Dürre, im Frühjahr vor Ueberschwemmung schützten. Die Entwaldung der Berge hat dort die Ebenen unfruchtbar gemacht, und man muß heute mit großer Mühe und hohen Kosten neue Wälder anlegen, um allmählich das verödete Land wieder der Ackerkultur zu erschließen. Der Ertrag des neu angelegten Waldes kommt freilich meist erst späteren Generationen zugute. Darum sträuben sich die privaten Landbesitzer oft gegen die Aufforstung, und sie sind, wenn sie sich in einer wirtschaftlichen Notlage be- finden, nur allzu leicht geneigt, die ihnen gehörenden Walder vorzeitig abzuholzen. Der Staat muß ihnen gegenüber ost die Interessen der Allgemeinheit wahrnehmen und dafür sorgen, daß der Wald erhalten bleibt und daß geeignete, heute brachliegende oder unfruchtbare Boden- gebiete ausgeforstet werden. Denn je mehr Wald in einem ackerbautreibenden Lande vorhanden ist, desto besser entwickelt sich die Bodenkultur. Die Wälder geben dem Kulturlande Schuh gegen die den Boden austrocknenden und verwehenden Winde. Sie sammeln in ihrem Wurzelwerk das aus den Niederschlägen stammende Wasser und geben es dann in der trockenen Sommerzeit an die tieferliegenden Aecker wieder ab. Sie schützen diese aber auch in den regenreichen Jahreszeiten vor Ueberschwemmungen. Die ganze Landwirtschaft eines Landes ist also daran interessiert, daß die Wälder erhalten bleiben und daß überall, wo es möglich ist, neue angepflanzt werden. Der Nutzen der Wälder ist gewiß nicht für jedermann leicht zu erkennen. Aber Erfahrung und Geschichte lehren die Menschen, wie unentbehrlich ihnen der Wald ist. Wenn man von den ungeheuren Wasterkatastrophen liest, die alljährlich in so dichtbevölkerten alten Kulturländern wie China und Indien viele Tausende von Menschenleben vernichten, so fragt man nach den Ursachen dieses periodisch eintretenden und mit großer Dürre abwechselnden Wasserüberflusses. Die Abholzung der großen Wälder in den Quellgebieten der Flüsse ist darum schuld, daß diese zu bestimmten Jahreszeiten so ungeheure Uebeschwemmungen Hervorrufen. Wer den Wald vernichtet, beraubt die menschlichen Siedlungen des Wasserschutzes, den ihnen die Natur gegeben hat. Wenn der einzelne Waldbesitzer die Bedeutung des Waldes für die Bodenkultur nicht genügend kennt oder wenn er kurzsichtig und egoistisch handelt, so muß ihn der Staat daran verhindern, den Eigennutz über das Allgemeininteresse zu stellen. Bornotizen. — Tageskalender für Freitag. VHC.: Monatsoersammlung bei Hopfeld. — VfB.: 20.30 Uhr, Vereinsheim, Monats- und Spielerversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: .Kreuzer Emden". -- Der Kaninchenzucht-Verein @ i e- ßen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Rasfezucht zu fördern, veranstaltet am kommenden Sonntag im Cafe Ebel eine Werbeschau, mit der gleichzeitig eine Prämiierung stattfinden wird. Auch Züchter, die nicht dem Vereine angeschlossen sind, können ihre Tiere zur Bewertung mitbringen. Näheres ist aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich. ** Goldenes Doktors ubiläum. Geheimrat Prof. Dr. König konnte gestern sein goldenes Doktorjubiläum feiern. Die Universität Berlin (an der er 1882 promovierte) erneuerte aus diesem Anlaß sein Diplom. Prof. Dr. Äös;g war Schüler von Helmholtz, dem Altmeister der deutschen Experimentalphysik, er arbeitete in Heidelberg, habilitierte sich in Leipzig, wirkte dann als Dozent des Physikalischen Vereins in Frankfurt, später als Ordinarius in Greifswald und wurde im Jahre 1905 als Nachfolger Paul Dru- des Leiter des Physikalischen Instituts unserer Landesuniversität. 1911/12 war er Rektor der Alma mater Ludoviciana. Fast ein Vierteljahr- Hundert hat er als Universitätslehrer und angesehener Bürger in Gießen verbracht. Neben seiner Lehrtätigkeit widmete er sich mancher gemeinnützigen Arbeit. Der Jubilar steht im 73. Lebensjahr. Gießener Reichswehr zum Turnier in Siegen. Gestern abend wurden auf dem hiesigen Bahnhof 30 Mann der Maschinengewehrkompanie, drei schwere Maschinengewehre und die notwendige Anzahl Pferde nach Siegen verladen. Die Gießener Reichswehr wird mit diesen Mannschaften in Siegen an einem Reit- und Fahrtournier teilnehmen und dabei neben reitsportlichen Wettkämpfen auch eine große Fahrübung bestreiten. ** Fundsachen. Das Verzeichnis über die im Monat Juli 1932 gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur des Polizeiamts, Landgraf-Philipp-Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufge-. fordert ihre etwaigen Rechte innerhalb zwei Monaten oeim Fundbureau während der Dienststunden geltend zu machen. Oberheffen. Kreis Friedberg. * Bad-Nauheim. 4. Aug. Das Verkehrsamt des Hessischen Staatsbades Bad-Nauheim teilt mit, daß der Gesamt- besuchdesDadesim Jahre 1932 16 679 Gäste betrug. Unter den Gästen befanden sich 2844 Ausländer. Am 4. August verzeichnete das Bad 3026 Gäste. Die Sängerfahrten nach dem Sängersest. WSN. Frankfurt a. M., 4. August. Die im Anschluß an das 11. Deutsche Sängerbundesfest stattgefundenen Sängerfahrten in den Taunus, Spessart, Odenwald, die Pfalz, an den Rhein, die Mosel, die Nahe, durch den herrlichen Schwarzwald bis an den schönen Bodensee, und die Fahrt nach Oberbayern bis zu unseren Salzburger Sangesfreunden, sind beendet! lieber 8000 Teilnehmer konnte der Ausschuß teilweise mit der Bahn, teils mit Kraftwagen der Reichspost in die herrlichsten Gegenden des deutschen Vaterlandes schicken. Ueberall, in Hessen, Baden, Württemberg, Bayern und in Salzburg sanden die Teilnehmer herzliche Aufnahme, und bei allen Reisen wurden die Sänger von Stadtverwaltungen und Derkehrsverbänden herzlichst begrüßt. Die Teilnehmer dankten mit dem Sängergruß, und viel zu schnell mußte von den gastlichen Städten geschieden werden. Der Dank für die glückliche Durchführung der Fahrten gebührt an erster Stelle der Reichsbahn-Direktion, der Oberpostdirektion Frankfurt a. M., all den Stadtverwaltungen, den Derkehrsoereinen und den unermüdlichen Führern. Mit herzlichem Dank schieden die einzelnen Gruppen von der Reiseleitung. Jedenfalls haben die veranstalteten Sängerfahrten mit dazu beigetragen, unseren fremden Sängerfreundcv herrliche Teile unteres schönen Vaterlandes zu zeigen und das deutsche Lied auch außerhalb der Feststadt erklingen zu lassen. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 6. August. Vorabend 7.30 Uhr; morgens 8.30; abends 8.15 und 8.55 Uhr, S.Jl.-fpor t Was brachte hie „13. Rhön"? Lehren und Erkenntnisse des 13. Rhön-Segelslug-weltbewerbs. bezeichnend für den Geist, der unsere Segelflieger beherrscht, ist die Tatsache, daß trotz der schweren Unfälle, von denen der diesjährige Rhön-Segelslug-Wettbewerb betroffen wurde, nicht weniger als insgesamt 523 — teilweise äußerst bemerkenswerte — Flüge stattfanden. Die Zeit der Sensationen für den Segelslug ist freilich vorbei, eine Feststellung, die Professor Dr. G e o r g i i, der Direktor des Forschungsinstitutes der Rhön-Rossilten-Gesellschaft, der „Tatet deS Segelflieger", schon vor mehreren Monaten in weiser Voraussicht machte. Die heutige Segelfliegerei steht weniger im Zeichen einzig dastehender Höchstleistungen, als in dem der theoretische» und praktischen Auswertung jener, kaum mehr zu überbietenden Rekorde, die von den Pionieren des Segelflugs geschafsen wurden. Lin kleines Beispiel möge diese Auffassung verdeutlichen. Dor wenigen Jahren noch galt ein 50-Kilometet-Streckenlaus als eine f a st sensationell anmutende Spitzenleistung, und nur die ausgesprochenen „Meister" wagten sich an die Bewältigung solcher Aufgaben heran. Heute ist der gleiche Flug fast zur Alltäglichkeit geworden, und im Laufe des nunmehr abgeschlossenen Wettbewerbs haben sich vielleicht zwei Dutzend Segelflieger in erfolgreichen Fernslügen bewährt. Ein 100-Kilorneter- Streckenslug muh allerdings auch heute noch als Spitzenleistung aufgefaßt werden, und gar Flüge von 300 und noch mehr Kilometern Länge können wir getrost als Rekordleistungen verbuchen. Immerhin steht es außer Frage, daß die Durch- fchnittsleistungen in jeder Beziehung gestiegen sind, und die Forderung nach einer Verschärfung der Bedingungen für die Zulassung, wie sie jetzt schon für das nächste Jahr von verschiedenen Seiten gefordert wird, wäre schon aus diesem Grunde durchaus am Platze. Das auch die Segelfluggeräte einer strengeren Kontrolle a l s bisher unterworfen werden, mußte bereits bei Gelegenheit des Todessturzes von Rüdiger gefordert werden. Dieser Unfall — das hat die Rach. Prüfung einwandfrei ergeben — war auf eine rein technische Unzulänglichkeit zurückzuführen, während der Todessturz von Günter Groenhoff auf diese Weise allein nicht erklärt werden kann. Vielmehr scheint es, als wenn der erfolgreiche Meisterslieger das Opfer einer verhängnisvollen Verquickung von unglücklichen Zwischenfällen wurde. Als eigentliche Sieger aus dem diesjährigen Wettbewerb gingen nach der Entscheidung des Preisgerichts die Piloten Wolf H i r t h -Grunau und Mayer -Stettin hervor, dessen Wolkenflüge das ganz besondere Interesse der Fachwelt fanden. Weitere Preisträger waren Deutschmann -Breslau, Pernthaler -Dessau, Peters -Aachen, H a ° k e n j o s - Stuttgart, D i 11 m a r - Wasserkuppe u. a. Erfreulicherweise standen so viele Prämien und Sonderpreise zur Verfügung, daß kein Flieger leer auszugehen brauchte, der überhaupt einen Wettbewerbsslug ausgeführt hatte. GAG in poffau • Die Ruderer der GRG. haben bereits gestern um 4 Uhr die Reise nach Passau angetreten. Im Mittelpunkt des Interesses steht für Gießen das Abschneiden des Achters der GRG., der in der Besetzung Weidig, Flimm, Strauch, Hartmann, Reuroth, Köhler, Georgi, Goetz, Steuer Loh beteiligt fein wird. Die Gießener treffen auf schärfste deutsche Konkurrenz. Es wäre schon als ein großer Erfolg zu bewerten, wenn sie sich einen zweiten oder dritten Platz sichern könnten. Neben dem Achter wurde auch der Doppelzweier mit T i m p e und Iödt gemeldet. Eine weitere Meldung wurde auch für den Ersten Vierer abgegeben, es steht indessen nicht fest, ob das Boot an den Stark gehen wird. Die Gießener Ruderer sind von besten Wünschen begleitet. 3 Goldmedaillen für USA. an einem Taa. l I fiinfs: Andersson, der das Diskuswerfen für Amerika gewann. — In der Mitte: Saling, der Sieger im llO-Meter-Hürdenlauf. Auch der zweite und dritte Platz dieses Wettbewerbs wurde von Vertretern der USA. belegt. — Rechts: Miller, der den Stabhochsprung mit einer neuen olympischen Höchstleistung gewann, nachdem sein favorisierter Landsmann Graber frühzeitig ausgeschieden war OerGauHeffenbeimTnererKreisturnfefi Das 35. Mittelrheinische Kreistumfest vom 5. bis 8. August in Trier wird sich zu einem großen turnsportlichen Ereignis und zugleich zu einer machtvollen vaterländischen Kundgebung an der Westmark des Reiches gestalten. Man darf allein mit annähernd 4000 Turnern und Turnerinnen rechnen, die aktiv beteiligt sind; allein die Mehrkämpfe weifen über 2500 Meldungen auf. Dazu kommen Taufende von Festbesuchem. Obwohl unser Heimatgau Hessen von den 23 Gauen des großen mittelrheinischen Kreises am weitesten von der Feststadt entfernt liegt (es sind für manche Vereine des Hessengaues über 300 Kilometer nach Trier), ist er verhältnismäßig gut an den Wettkämpfen beteiligt. Die Zahl der Hessentumer- und -Turnerinnen, die auf den verschiedensten turnerischen Gebieten im Mehr- oder Einzelkampf mit den Besten des Kreises ihre Kräfte und ihr Können messen wollen, erreicht mit den noch erfolgten Rachmeldungen nahezu die 100. Am besten sind die Mehrkämpfe der Turner und Turnerinnen besetzt. Der Zwölfkampf der Männer sieht fünf Hessen- Turner unter den 150 Teilnehmern, von ihnen werden Sinnwell, Tv. 1860 Dad- Rauheim, and K. Reuter, Tv. 1846 Gießen, bestimmt ein Wort mitzureden haben und unter den ersten in der Siegerliste zu finden sein. Auch die 6 H e s s e n t u r n e r, die am nur aus Geräteübungen bestehenden 1 0 - K a m p f beteiligt sind, werden sich von den etwa 90 Mitbewerbern nicht auf die letzten Plätze drängen lassen. R. Seht, Tv. Großen-Linden, und QI. Eckhardt, Tv. Ridda, vor allem werden die Farben des Heimatgaues würdig vertreten. Don den 800 Turnern, die sich im 1 2 - K a m p f der Unterstufe um den Eichenkranz bewerben, stellt 30 unser H e s s e n g a u. Hier wollen und werden u. a. auch eine Reihe von Landvereinen ihr Können unter Beweis stellen, wie Tv. Treis a. d. L., Tv. Großen-Linden, Tv. Lang- Göns, Tv. Krofdorf, Tv. Her mannst e i n. Unter den 400 Turnern, die zum volkstümlichen Fünfkampf an treten, befinden sich etwa 10 Hessenturner 25 Turnerinnen des hessengaues sind an den Jrauen-IDeHfämpfen beteiligt, drei Turner an den Mehrkämpfen der Alten. Gering ist die Beteiligung des Heimatgaus an den volkstümlichen Kreismeister- f ch a f t e n , zu denen nur etwa zehn Meldungen aus den folgenden Vereinen vorliegen: Mtv. Gießen, T.» u. Spv. D u h b ach, T.- u. Spv. Marburg. T.» u. Spv. Münchholzhausen, Tv. Wetzlar. Unter den gemeldeten Turnerinnen ist Life Lickelhaupt vom Mtv. Gießen, die im 100-Meter-Laus, in den 80-Meter-Hürden und im Hochsprung starten wird, an erster Stelle zu nennen. Zu den 14. Kreismeisterschaften im Schwimmen haben nur Tv. Wetzlar und Tv. 1860 Bad-Rauheim zusammen sechs Teilnehmer gemeldet, während die Kreismeisterschaften im Fechten vom Hessengau mit sechs Turnern und drei Turnerinnen aus vier Vereinen (Tv. 1846 Gießen, Tv. Grünberg. Tv. Wetzlar, T.» u. Spv. Marburg) beschickt werden. Zwei Vereine des Gaues, Tv. 1846 Gießen und Tv. Großen-Linden, beteiligen sich am 3er- einsriegenturnen: beide haben als Ge- rät den Barren gewählt. Außerdem stellt der Gau eine Gauriege, die unvorbereitete Freiübungen vorführen wird. An den Spielen im Faustball ist die Turnerinnen-Fünf des Mw. Gießen beteiligt In stattlicher Zahl stellt der Hessengau auch erprobte Kampfrichter und Riegensührer mit Ehren- Gauoberturnwart Will an der Spitze. Ein Sonderzug, der auch von Richtturnern be- nutzt werden kann, bringt morgen früh die Hessenturner und die sie begleitenden Festbesucher nach der Feststadt an der Mosel. Kurze Sportnotizen. DerZweite in der „I o u r",Stapel (Berlin), konnte bei einem 80-scm-Einzelfahren in Brüssel mit zwei Runden Rückstand nur Elfter werden. Sieger wurde Schepers (Belgien) von Pslissier und di Pacco. Wirtschaft. Oie Deutsche Reichsbahn im Juni. Berlin, 4. Aug. (WTB.) Im Güterverkehr der Deutschen Reichsbahn stand im Monat Juni einer leichten Belebung jahreszeitlich beeinflußter Gütertransporte, ein nicht unbeträchtlicher Abfall im Versand von Baustoffen, Jndustrie- kohlen und künstlichen Düngemitteln gegenüber. Der Personenverkehr blieb im Juni bedeutend hinter dem des Vormonats zurück, obgleich die Reichsbahn verschiedene Maßnahmen zur Belebung des Personenverkehrs getroffen hatte. Der Verkehr wurde insbesondere durch die Verschlechterung der Einkommensverhältnisse beeinträchtigt. Die Betriebseinnahmen beliefen sich im Juni auf insgesamt 245,42 (Vormonat 243,36) Millionen Mark, die Gesamtausgaben auf 322,67 (312,57) Millionen Mark. Die Gesamteinnahme- ausfälle in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 1932 betragen gegenüber 1931 im Personen- und Gepäckverkehr 129,6 Millionen Mark, im Güterverkehr 367,6 Millionen Mark und bei den Gesamteinnahmen 530 Millionen Mark- * * Di e Rückzahlung der Anleihe der Deutschen Bank. In der ausländischen Presse sind über die am 1. September fällige Rückzahlung der Anleihe der Deutschen Bank und Discontgesellschaft Rachrichten im Umlauf, in denen von der Möglichkeit gesprochen wird, daß die Anleihe nicht zurückgezahlt werden könne. Don zuständiger Stelle wird dazu erklärt, daß die Deutsche Dank und Disconto-Gesellschaft jederzeit in der Lage ist, den Betrag von 100 Millionen Reichsmark in deutscher Währung zurückzuzahlen. Lediglich infolge der Devisenbestimmungen kann die Zahlung zur Zeit nicht in fremder Währung erfolgen. * Verhandlungen im Rasierklingen-Konflikt. Am Mittwoch wurden zwischen der Industrie- und Handelskammer zu Solingen und der Deutschen Edelstahlwerke QI®., Krefeld, die Verhandlungen wegen der Herstellung von Rasierklingen durch die Edelstaylwerke fortgesetzt, mit dem ernsthaften Versuch, den beiderseitigen Interessen gerecht au werden. Die Deutsche Edelstahlwerke AG. erklärte sich bereit, bis zum endgültigen Qlbschluh der Verhandlungen, die Ende September wieder ausgenommen werden sollen, weder Klingen herzustellen, noch Derkaufsmaßnahmen einzuleiten. * In der Generalversammlung der Portland-Zementwerke Dyckeryoff- Wicking AG., Mainz-Amöneburg, wurden die Regularien erledigt und die alte Verwaltung für die Jahre 1930 und 1931, sowie die neue Verwaltung für das Jahr 1931 entlastet. Gegen die Entlastung der alten Verwaltung gab die Opposition Protest zu Protokoll. * Die NSU ^Bereinigte Fahrzeugwerke A G., Neckarsulm, schließen das Jahr 1931 mit einem Gesamtoerlust von 5 940 837 Mark ab, der mit 1533 617 Mark auf ein Entwertungskonto überwiesen und mit 4 407 220 Mark oorgetragen werden soll. Die Abschreibungen und Rückstellungen betragen vd. 3 934 000 Mark. Eine endgültige Sanierung soll der Zukunft überlassen bleiben. * Starke Beschickung der Berliner Funkausstellung. Die Zahl der Aussteller auf der „Großen Deutschen Funkausstellung Berlin 1932" ist fast ebenso stark wie im Vorjahre. Anfragen aus allen europäischen und außereuropäischen Staaten lassen auch auf einen starken Auslandsbesuch schließen. Berlin abgeschwächt, später etwas befestigt. Berlin, 5. August. (WTB. Funkspruch.) Die heutige Börse eröffnete in uneinheitlicher Haltung. Das Publikum zeigte zwar hier und da wieder Interesse und bevorzugte — wie schon seit Tagen — die Tarifwerte zu Anlagekäufen, die Spekulation, die von gestern Ware übrig hatte, war aber zu Realisationen geneigt, zumal die Neuyorker Börse gegen Schluß des Verkehrs und die heutigen europäischen Auslandsbörsen ebenfalls kleine Bes- serungserfcheinungen zeigten. Die Nachrichten aus der deutschen Industrie lauten sehr verschieden. So ist in der Eisenindustrie ein neuer Absatzschwund eingetreten, während die Ruhrkohlensörderung eine Erhöhung erfahren hat. Der weitere Derkehrsrück- gang, der sich aus dem Iunibericht der deutschen Reichsbahn ersehen läßt, verstimmte etwas. Nicht Öt will man wohl auch die Maßnahmen der >rung gegen die Terrorakten abwarten, die in Form einer Notverordnung heute abend zur Veröffentlichung kommen dürften. Jedenfalls mar die heutige Börse zu Beginn mit Ausnahme von wenigen Spezialgebieten, nicht so fest, wie man vormittags erwartet hatte. IG. Farben lagen im Angebot und sollen gegen Bekula getauscht worden sein. HEW. zeichneten sich auf Dividendenhoffnungen mit plus 1,9 o. H. durch besondere Festigkeit aus, während Berger nach den Steigerungen der letzten Tage 2 v. H. einb'jßten. Auch Montanpapiere eröffneten nicht ganz so fest, wie sie gestern geschlossen hatten. Der Rentenmarkt brachte ebenfalls in gewissem Sinne eine Enttäuschung. Nach gut behaupteter Eröffnung bröckelten die Kurse eher ab. Reichsschuldbuchforderungen gaben ihren O.Sprojentigen Anfangsgewinn im Verlaufe wieder her. Deutsche Anleihen waren wenig verändert, Industrieobligationen zogen bis zu 0,5 o. H. an, Reichsbahnoorzugsakticn waren um 0,25 v. H. erholt. Nachdem im Verlaufe die meisten Kurse an Aktienmärkten als Folge der geringen Umsatztätigkeit um Bruchteile eines Prozentes abbröckelten, wurde die Tendenz später, von Bekula ausgehend, wieder ausgesprochen fest. Auch am Montanmarkt nahm das Geschäft an Lebhaftigkeit zu, wobei Gelsenkirchen mit plus 2 v. H. in Führung lagen. Sonst betrugen die Erholungen ziemlich allgemein 1 bis 1,5 v. H. Nur Otaoi gaben einen Teil ihres Anfangsgewinnes wieder her, und Ehadeaktien gelangten verspätet 2,5 Mk. unter gestern zur Notiz. Das Interesse für Ufaaktien hielt an, sie konnten ihre Auswärtsbewegung auf 44 v. H. fortsetzen. Die Erleichterung am Berliner Geldmarkt machte weiter Fortschritte. Tagesgeld war schon mit 5,4 v. H. erhältlich. Für Prioatdiskonten ist im Zusammenhang mit der Erleichterung am Geldmarkt natürlich eher kleine Kaufneigung vorhanden. Frankfurt sehr still und etwas schwächer. Frankfurt, 5. August. (WTB. Drahtmel- dung.) Im heutigen Dormittagsverkehr herrschte zwar schon große Geschäftsstille, doch wurden die weiter befestigten Kurse der Abendbörse gut behauptet, vereinzelt sogar eher etwas fester taxiert, obwohl nach den Steigerungen in Neuyork eine leichte Rückbildung der Tendenz eingetreten ist. Zu Beginn des amtlichen Verkehrs stagnierte das Geschäft fast vollkommen, die Spekulation war wegen des Ausbleibens jeglicher Kundenorders sichtlich verstimmt und zog es vor, die gestern getauften Beträge wieder zu realisieren. Die ersten Kurse neigten daher überwiegend zur Schwäche, doch hielten sich die Verluste im Rahmen von 0,5 bis 1 o. H. Etwas höher setzten noch ein Metallgesellschaft, Lahmeyer und Contigummi, dagegen eröffneten IG., Felten, Schuckert, Holzmann und Schiffahrtsaktien bis zu 1 o. H. schwächer. Don Montanwerten konnten sich Mannesmann und Stahl- verein um Bruchteile eines Prozentes befestigen, Phönix blieben nur knapp gehalten. Von Deutschen Anleihen lagen Altbesitz etwas höher, Neubesitz unverändert. Im Verlaus wurde die Haltung, vom Montan- und Elektromarkt ausgehend, etwas freundlicher, da an den genannten Marktgebieten kleine Kundenorders eingetroffen sein sollen. Besonders fest lagen Gelsenkirchen mit plus 1,5 v. H., die übrigen Montanwerte besserten sich zum Teil um 0,25 bis 0,5 v. H. Am Elektromarkt zogen Siemens 1 d. H. und die übrigen Werte bis zu 0,5 v. H an. Auch IG. lagen etwas freundlicher. Das Geschäft blieb aber weiterhin klein. QIm Rentenmarkt lagen Gold- und Liqui- dationspsandbriefe sowie Kommunalobligationen wenig verändert. Reichsschuldbuck,f Federungen gaben nach behaupteter Eröffnung später etwa 0,5 Prozent nach. Im weiteren Verlaufe konnten sich auch die anfangs abgeschwächten Werte wieder aus das gestrige Abendbörsenniveau erholen. Gelsenkirchen lagen um weitere 1 Prozent höher. Tagesgeld war zu 4 Prozent unverändert und leicht. Wettervoraussage für Samstag und ?onntaa. Der hohe Druck über der Biskaya, welcher bis nach Deutschland oorgreift, entwickelt sich zwar immer weiter und läßt auch bei uns das Barometer langsam anfteigen, aber dennoch ist keine Aenderung der Wetterlage zu beobachten. Die Störunastätigkeit im Norden wirkt beeinflussend auf unseren Witterungscharakter. Mit dem Dor- Überzug der Wirbel wird fortgesetzt teils wärmere, teils kühlere Ozeanluft nach dem Festlande gebracht, deren Einwirkung der Witterung das Gepräge gibt. Da von Island sich ein neuer Wirbel nähert, so muß mit Fortdauer des wohl zwischendurch aufheiternden, aber keineswegs störungsfreien Wetters gerechnet werden. Gewitterbildun- gen und in der Menge fä/wankende Niederschläge treten weiterhin auf. Auch die Temperaturen passen sich der Wechselhaftigkeit an. Aussichten für Samstag: Bewölkt mit Aufheiterung, aber zeitweise auch stärkere Eintrübung, etwas wärmer, noch gewitterartige Niederschläge. TOD DEM TYPHUS-TRÄGER! Würger, Kindesmörder! Die Fliege trägt an ihrem schmutzigen, borstigen Körper die tödlichen Keime des Typhus, der Tausende jährlich dahinrafft! Aufgewachsen an Stätten des Unrats, schleicht sie sich in Ihr Heim und vergiftet Ihre Nahrung mit todbringenden Keimen. FL IT — überall bekannt — ist das beste Mittel, um Fliegen, Mücken, Schnaken und alle lästigen Insekten schnell und sicher zu töten. Achten Sie auf den Flit- Soldaten auf der gelben Kanne mit dem schwarzen Band. Nur In der plombierten Kanne Ist FL IT erhältlich. Tötet Flieg**’ 5t*hrnU<^f Knche*)” i 'Trn«i$cn k flSde 5666V U- in eil ilc 11 de en en in U ii- lc» en 'ie en or en Iso cht e - :r- »e- ch- tnt em >er ei- 19 ;a- un ts r - be. iö- '.xi* )ie nn >r- 10. >cr irr »en b- in- die en. ;nZ> n - in. 1t- aft zr- em nd jene im Läufe r • e i rei in 'N, e - nt n- 'N Dachdruck verboten! 26 Fortsetzung. 5679 D Verein Frohsinn 1864. 5669 D RASSOL findet Samstag, den 6. August, ZK um 11 Uhr statt. 5678 D Um zahlreiche Beteiligung bittet der Vorstand Kamerad 5673 ü C667D - Möbelwerkstätte 5675 d Heinrich Vetter • Wiesenstr.4 g u 5*3 9 anläßlich des 32. Stiftungsfestes Kinderspiele, Preisschießen für Damen und Herren usw. — Tanz — Eintritt freil 1 gr. Fl. Md. 1.65 stets gewesen ist. Gießen, den 5. August 1932. mengen. Verlangen Sie nur echtes Raffst in Originalflaschen u. weisen Sie Nachahmungen zurück. Allein. Hersteller: Engelapotheke (Bieben. Ju haben in allen Apotheken. Die Beerdigung findet am Samstag, dem 6. August, vormittags 11 Uhr, auf dem neuen Friedhof statt. um mit einem Wanderzirkus ärmlichster Art mit* zuziehen, jetzt als hochelegante Dame vor ihm saß und ganz ruhig erklärte, sie könne zweimal- hundevttausend Mark ausgeben? Außerdem schon große Summen bezahlt hatte für die Restschulden ihres Vaters. Sie war nicht verheiratet, wodurch wurde sie so reich? Denn wer die Mittel besaß, di« wertvolle Villa zu erwerben, besaß auch die Mittel, sie zu erhalten. So selten es vorkommt, daß jemand einen Riesentreffer in der Lotterie macht oder irgendeine Spielbank sprengt, mußte Lil Körner doch das eine oder das andere geglückt sein. Oder hatte sie jemand beerbt, eine Person, die sie irgendwo draußen in der Welt kennen gelernt? Er blickte aufs Lils Hände, die ein paar Dinge mit schönen reinen Brillantsteinen schmückten, auch ihre Ohrgehänge waren sehr wertvoll, ihre Kleider entstammten bestimmt einem erstklassigen Atelier. Er versicherte: „Ich hoffe, Ihren Wunsch erfüllen zu können, gleich nachher telephoniere ich Frau Raumann an, bis morgen kann ich Ihnen wahrscheinlich schon Bestimmtes mitteilen, gnädiges Fräulein." Lil nickte. „Ich würde mich sehr freuen, wenn alles nach Wunsch geht. 3m Notfall soll der Kauf nicht scheitern, falls sich der Kaufpreis durch die Möbel ein wenig erhöht." Lil nannte ihre Wiesbadener Adresse, fügte hinzu: ..Zehn Tage bleibe ich noch dort, dann muß ich nach Köln. Von Köln aus nach Amsterdam. Antwerpen, Brüssel und Marseille, Bordeaux und Paris. Darauf nach Straßburg und Berlin. Vor dem Sommer könnte ich leider kaum für länger als ab und zu einen flüchtigen Tag hier bleiben im Vaterhaus. Aber ein Tag im Vatevhause ausgeruht, wird mir das Ausruhen von vielen Tagen anderswo ersetzen." Der Iustizrat war verblüfft. Köln, Amsterdam, Antwerpen. Brüssel und Marseille, Straßburg und Berlin! klang es in ihm nach. Er schüttelte den Kopf. „Aber warum reisen Sie denn so viel herum, gnädiges Fräulein? Das muß Sie doch furchtbar ermüden?" Lil lächelte: „Wenn ich nicht soviel reisen würde, ginge es mir nicht so gut, daß ich Vaters Andenken wieder hätte rein waschen können, und ich dürfte jetzt nicht daran denken, unser liebes schöires Haus wiederzuerwerben." Das Gesicht des Iustizrats glich einem lebendig gewordenen Fragezeichen. Lil drückte ihren Rücken fester gegen die Stuhllehne. Obwohl sie einsah, ihr alter Freund Melchior Stampferl hatte recht, sie durfte auf ihren Beruf stolz sein, war es ihr jetzt doch etwas peinlich, dem Iustizrat zu erzählen, auf welche Weise sie ihr Geld erworben hatte und noch erwarb. Aber schon im nächsten Augenblick schämte sie Kaninchen -Werbeausstellung „ * am 7. August feA im Caf6 Ebel. ----- Geöffnet von 9 bis 19 ühr. e Prämmiierung Rr öffentlich. Eintritt nurltM Es ladet zum Besuche ein Kaninchen - Zuchtverein Gießen. Gießen (Marktstraße 1), Dahme (Mark), Frankfurt a. M., den 4. August 1932. In tiefer Trauert Marie Schmidt, geb. Zimmermann Dr. Otto Schmidt Fritz Schmidt Karl Schmidt Mie Burger, geb. Schmidt Elly Schmidt, geb. Altner Minni Schmidt, geb. Appel Hans Carl Burger. Erste Reichsknrx- schrifigesellscbait e. V„ Gießen. Samstag, 6. August, 8'/, Uhr Vereinsabend in der Stadt Lick. Ausgabe d. Divlome vom Verbands- und Bezirks-Wettschreib. Die Beerdigung unseres lieben Kameraden Otto Schmidt Klein-Auio gebraucht,jedoch gut erhalten, zu kaufen geiucht. 04592 Angebote an Groß-Garage am Aulweg. DieAug.-Versarnrn- lung ßndet Betens mö.M. um 20.30 Uhr im Vereinslokal„Aaua- rium" statt. An die Autofahrtn. Braunfels, Anmeld, in der Versammlung, wird erinnert. Näheres in der Bundeszeitg. v. 5. August und in der Versamml. mhD Union Morgen Samstag Vortrag i Bekanntmachung. Der vom Gemeinderat durchberatene Voranschlag für das Rj. 1932 liegt vom 6. L 2H. ab eine Woche lang auf der Bürgermeisterei zur Einsicht offen. 5671D Einwendungen können während dieser Zeit schriftlich oder zu Protokoll oorge- bracht werden. Großen-Linden, den 4. August 1932. Hessische Bürgermeisterei. Lang. Lil erwiderte ernst: „Ich habe bisher kein Engagement hierher annehmen wollen. Unter uns, Herr Iustizrat, da Sie doch mit meinem Vater befreundet waren, ich habe mich vor den Frankfurtern geniert." Der Iustizrat schlug wieder die Hände zusammen. „Dazu haben Sie wahrhaftig keinen Grund, mein gnädiges Fräulein. Im Gegenteil! Was glauben Sie, wie man Sie bewundern und anstaunen würde, wenn Sie hier aufträten. Heutzutage denkt man im allgemeinen doch nicht mehr so rückständig. Und wenn ein paar alte Klatschschwestern versuchen sollten, Ihnen ein paar Federn auszurupfen, so kann Ihnen doch verflixt wenig daran liegen, denn wen interessiert das Gewäsch von ein paar verschrobenen Weibsen. Weltruf ist eine Sache, die bringen altfränkisch oder neidisch denkende Menschen nicht ins Wackeln. Ich bin entzückt und ganz Frankfurt wird mit mir entzückt sein, wenn Sie sich hier zeigen." Lil atmete freier. Das war mit anderen Worten eigentlich dasselbe, was ihr Melchior Stampferl gestern abend gesagt hatte, und doch machte es auf sie einen stärkeren Eindruck. Melchior Stampferl stammte aus ganz kleinen Kreisen, er war früh Clown geworden und hatte kein Urteil, wie man in gutbürgerlichen Kreisen dachte. Der Iustizrat, der aus gutem altfrankfurter Patrizierhause stammte, war ihr doch maßgebender. Lil lächelte. „Im Frühjahr werde ich vielleicht hier auftreten, ich will mich jedenfalls nicht mehr weigern, wenn mir ein Vertrag nach Frankfurt vorgelegt wird." Schon am nächsten Tage telephonierte der Iustizrat nach Wiesbaden an Lil, das Haus samt den Möbeln, die aus dem Besitz ihres Vaters stammten, stände ihr für die genannte Summe sofort zur Verfügung. Schneller war wohl selten ein Kaufvertrag abgeschlossen worden wie dieser. Roch ehe Lil nach Köln reiste, wurde das prachtvolle, große Haus, in dem sie geboren, ihr Eigentum. Sie ging dann eines Tages mit Melchior Stampferl und dem Iustizrat durch die weiten Räume, in ihren Augen glänzten Freudentränen. Jetzt gehörte ihr das Vaterhaus, jetzt besaß sie ein schönes „Ruhdichaus", wenn sie ab und zu nichts hören und nichts sehen mochte von der bunten Welt, in der das Artistenvölkchen lebt und arbeitet. In Frankfurt verbreitete sich die Reuigkeit mit Windeseile, daß Lil Körner das Haus in der Bockenheimer Landstraße erworben hatte, und auch Werner Sturm hörte davon. Celia brachte die Reuigkeit mit in das kleine Haus der Lindenstraße und dazu die andere Neuigkeit, daß Lil Körner der berühmte Clown „Fix" wäre von der Clownsnummer „Fix und Rix", über die man öfter lese. (Fortsetzung folgt.) C ■ u -=£c Lil bestätigte: „Rein, es geht mir nicht schlecht, obwohl ich nid>t reich verheiratet bin; es geht mir sogar so gut, Herr Iustizrat, daß ich mich mit dem Gedanken trage, mein Vaterhaus zu kaufen, wenn die Möglichkeit dazu besteht." Der grauhaarige Iustizrat machte eine lebhafte Bewegung des Erstaunens. „Wirklich? Oh, dann haben Sie Glück, mein gnädiges Fräulein, denn die reiche Witwe Raumann, die es kaufte, will es wieder verkaufen, weil sich ihre Tochter nach Italien verheiratet und sic dorthin übersiedeln möchte. Sie klagte mir gerade vor ein paar Tagen, es wäre sehr schwierig, das große Haus loszuschlagen, und sie wolle doch nur ein Spottgeld dafür. Sie kaufte damals auch einen großen Teil der Möbel mit und Sie könnten wahrscheinlich alles wieder miterwerben. Ich glaube, wenn man der Dame ein leidlich annehmbares Gebot macht, greift sie mit beiden Händen zu. Soll ich mich für Sie gleich mal mit ihr in Verbindung sehen?" Lil nickte lebhaft. „Cs ist ja wunderbar, daß es gerade verkäuflich ist. das liebe Haus. Hoben Sie eine Ahnung, was es kosten soll?" Sie fügte lächelnd hinzu: „Ganz unbeschränkt sind meine Mittel ja auch nicht." Lil sah den Iustizrat an, er brannte darauf, zu erfahren, woher ihre Mittel überhaupt stammen, aber er wagte es nicht, sie geradeheraus danach zu befragen. Lind die Erklärung hatte auch Zeit. Er beantwortete ihre Frage: „grau Raumann, die es ja damals sehr billig gesteigert hot, will nur zwcimolhunderttausend Mark für das Haus haben. Da sie aber keine Käufer dafür findet, weil das Geld sehr knapp ist, bin ich überzeugt, sie gibt es mitsamt den Möbeln, die sie mit- Übernommen, für die Summe her." Er sah sie erwartungsvoll an. Lil lächelte: „Die Summe könnte ich ausgeben, und ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn es Ihnen gelänge, das Haus mitsamt den Möbeln zu kaufen, die aus unserem früheren Haushalt stammen. Durch die Möbel käme erst die richtige Behaglichkeit in das Haus. Ich möchte es recht traulich und heimisch haben, so wie es gewesen, als Vater und ich darin lebten." Der Iustizrat überlegte verwundert, wie es kam, daß Lil Körner, die vor einigen Jahren das Haus der Baronin Sturm verlassen hatte. Spinat, täglich frisch geblättert, 2 Pfd. 55 4,Karotteii, 2 Pfund 15 Rettich, o Stuck 10 5). 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Er meinte —" Der Iustizrat brach kurz ab, murmelte etwas, sah Lil plötzlich an, als hätte er sie bisher noch nicht richtig betrachtet und stieß dann verwundert hervor: „Mir dämmert mit einem Male etwas. Aber das ist doch wohl nicht möglich, das wäre ja ganz unglaublich!" Lil nickte: „Es ist wahr, Herr Iustizrat, das Unglaubliche ist wirklich wahr, Lil Körner und der kleine Fix sind ein und dieselbe Person." Der Iustizrat schlug die Hände zusammen. „Weiß der Himmel, darauf wäre ich von selbst niemals gekommen." Er streckte Lil über den Tisch die Rechte entgegen: „Ich gratuliere Ihnen, gnädiges Fräulein, ich gratuliere Ihnen von ganzem Herzen, denn „Fix und Rix" sind ja zur Zeit, wie ich weiß, die berühmtesten Clowns. Ich habe schon öfter Artikel über das Paar in den Zeitungen gelesen und nun erinnere ich mich auch, einmal gelesen zu haben, Fix wäre eine junge blonde Dame von ausgezeichneter Bildung, die mehrere Sprachen fließend beherrsche, aber so zurückgezogen lebe, daß sich schon ein ganzer Sagenkreis um ihre Person gebildet habe. Es wurde unter anderem behauptet, sie wäre eine waschechte Prinzessin." Lil nahm die Hand des Iustizrats. „Ich freue mich, da Sie anscheinend kein Vorurteil gegen mich haben, weil ich Clown geworden bin.“ — Der Iustizrat wehrte ab: „Ich bitte Sie, nach Ihrer Mitteilung sind Sie, wenn das noch möglich wäre, höchstens in meiner Achtung gestiegen. Einen Heidenrespekt habe ich jetzt sogar vor Ihnen." Er spielte mechanisch mit einem Bleistift. „Es ist eine Leistung, die Sie vollbracht haben. Alle Achtung! Ein verwöhntes Mädel wie Sie verläßt ihre Kreise und zieht mit einem erbärmlichen Wanderzirkus los." Er schaltete ein. „Es kam nämlich heraus, daß Sie mit einem Wanderzirkus, der sein Zelt am Schönhof aus- geschlagen, Frankfurt verließen. Ein verwöhntes Mädel wie Sie", begann er noch einmal, „gerät unter den schlechtesten Aussichten in die Artistenwelt und bringt es darin so überraschend schnell zu etwas ganz Besonderem. Von „Fix und Rix" hat fast jeder gehört, und schon mancher Frankfurter hat gebrummt, wir wären hier rückständig in der Kultur, weil wir uns das famose Paar noch nicht hergeholt, wir wären geizig und die beiden wären uns wohl zu feuer." gebraucht, geg. Barzahlung zu kaufen. Schrift!. Ang. unt. 04596 an d. G. A. | Vermietungen | 6-7-Zimm.-WohDöDg evtl, mit Büro- und Praxisräumen, und M-ZimiD.-lohniig in der Südanlage zu vermieten. 5514D Arch.Ph. Nicolaus. | Mietgesuche | Stimme r möbliert ob. unmöbliert , mit oder ohne Pension ges. Schrift!. Angeb. mit Preisang. u. 04597 an den Gieß. Anz. [Verschiedenes] illlllllllllllilllllllllllllllllllli Heiterkeit. 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Z 3 3 "= =.cy — E »o o E .32 o o CS 5»2 = r-1 <*? 8 z Zs ~ C?C7 E E •c O a 2 -'S' o S? 2 oj 3 s Ci> G Z :3 o» — >O "• O a> O O C7 o — TZ <34 <3 CS E o C -°x k- 'S 5 J- /D 2» V- AZ .eS.- 1 *|Ä-g U*C ® g m E 'S o « c.7? lE_3«S? — s.2 E *° .-Ec SCQo w£L* "■ 2 0 3 — . de en en NN ls u* |C- cn >ic U’ in eit ile ^mittags 215 Uhr 10 GieSen „Liebigshöhe" ftungsfestes ßen für Damen _ Eintritt frei! 5iW^rfamtn* mg f’,,lX c qiHfl »■sfte um ilv"' Braun- StzxS VerlammlunKberes rrmne^ndeszeiy. ud) kränkliche, -bliebeneunb 163D d schnell, doD echtes 1 gr. «H- । Mk. l.SL in Onginchaschin Mds: Sngel- renWotbehen. ie, änü6'<^. ir ZStir/J 2 114« /c* 1W7 5 y. /nX ur Äug- SaB-t-S'«- ig E(£) (0 2 A ID E-(D ZD E o. OS E e 2 E K «■ ,^!E. .X o CSjO o .$$ cs c cs D E- J='E St: c.0 E sa A c ZD 3 za o », «D es = c — c <3 ■ 3.— za za ;O ZsriZii — a. .2*Ä t ID w-2 c-g-^ E “ E “'S- cs_j2 KZ 87- E /= - - . E CZ ~ E* 2L. 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