Nr. 79 (Elftes Blatt 182. Jahrgang Dienstag. 5. April 1952 Erscheint täglich.außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanfchlüsfe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Sranffurt am Main 11686. GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: Vrühl'fche Univerfitäls-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. Zchriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm kföhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Ncichspfennig, Platzvorschrift 20 °/0 mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Berantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Or.H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. id! r Ihnen gerne r, Küchen ioos kaufsräun16* Empiresabn' :rscbrank, Ba' chkonmioden. »rohen, Stand- guter Meister’ aus nur ersten t, komp'ett ® gßedi«^11 0201 Der Reichskanzler beginnt den Wahlkampf für Hindenburg. Karlsruhe, 4. April. (ERB.) In der badischen Landeshauptstadt begann Reichskanzler Dr. (Brüning vor 6000 Zuhörern seinen Redefeldzug für Hindenburg. Der Reichskanzler skizzierte die (Bedeutung des zweiten Wahlganges, dabei anknüpfend an seinen Versuch. die Verlängerung der (Amtsdauer des Reichspräsidenten auf parlamentarischem Wege zu erreichen. Der Grund für diese (Bemühungen sei gewesen, daß sich die Reichsregierung klar darüber war, was besonders in außenpolitischer Hinsicht geschehen würde. Wenn wir, fuhr Dr. Brüning fort, im Januar oder Februar in einer kurzen Reichstagsperiode die Amtszeit des Reichspräsidenten verlängert hätten, würde das für uns nicht nur außenpolitisch eine Stärkung bedeutet haben, sondern es kam noch etwas hinzu. Solange wir die politische Stabilität in Deutschland nicht sichern können, solange wird es durch die immer wieder auftretenden politischen Unruhen keine Erholung der wirtschaft geben und wird die Ankurbelung der wirtschaft auf sich warten lassen. Das Z i e l der RSDAP., die höchste Macht im Staate — den Reichspräsidentenposten — zu erhalten, sei parteipolitisch gesehen, berechtigt, aber vom vaterländischen Standpunkt aus verwerflich, wenn man sich in den Parlamenten der Länder vor der Mitarbeit drücke. Hitler habe vor dem ersten Wahlgang einem amerikanischen Korrespondenten ein Interview gewährt, in dem er mit der starken, absoluten Mehrheit schon im ersten Wahlgang rechnete; dabei habe er auch ausgesührt, daß es nicht seine Absicht sei, die Rotverordnungen sofort aufzuheben. Im Gegenteil, er müsse wohl neue Olo t- Verordnungen machen Der Kanzler ging dann näher auf ine P r o- pagandaderRSDAP. ein, die, wie er sich ausdrückte, in Wirklichkeit ein vollendetes System nämlich das System rücksichtslosester und verantwortungslosester Demagogie sei. Traurig nur^daß aus der Rot, die auf Hunderttausenden und Millionen unserer Volksgenossen laste, viel zu viele auf derartige Versprechungen noch hereingefallen seien Wenn auch Hitler für den Fall seiner Reichspräsidentschaft sozusagen sein Alibi schon vorher gegeben habe, so bleibe doch das eine bestehen, daß der (Nationalsozialismus etwas erstrebe, was in diesem Iahre historischer Entscheidung für das Schicksal des deutschen Volks d a s Allergefährlichste sei, denn die großen Dinge, die langsam herangereift sind m der Außenpolitik und die wir zum Teil bewußt herbeiführen konnten diese Dinge sind nur dann zu vollem Er f o lg p bringen, wenn cs gelingt das System der vergangenen zwei Iahre, d a s S y st e m d e r jetzigen Regierung durchzuhalten, niemals dem Volk demagogische Versprechungen zu machen, sondern die Wahrheit zu sagen. (Stürm. Beifall.) Der Kanzler fuhr fort: Eines hat die Reichsregierung für sich: sie Hot dem In. und Ausland bewiesen, daß sie selbst in solchen Krisenzeiten, selbst bei sechs Millionen Arbeitslosen dos Volk ruhig über den schwersten aller Winter hat hin- überbringen können. (Lebhafte Zustimmung.) Das ist eine Leistung, die dem deutschen Volke in der Welt ein Prestige unter Führung des jetzigen Reichspraslden- ten geschaffen hat, das kein anderes in der Caqe gewesen wäre oder in der Zukunst in der Lage sein wird zu schaffen. Ohne D er - trauenhat eine Regierung keinenKred»t und alles, was wir heute in Deutschland roitf- schaftUch gerettet haben, in dem Augenblick, wo alles zusammenzustürzen drohte, dos ist nicht ausaebout auf Prioatkredit, sondern einzig und allein auf die Tatsache, daß diese Regierung es verstanden hak, in der ungeheuren Rot den Etat von Reich, Ländern und Gemeinden zu sichern und dadurch allein diedeutschewährung stabil zu erhalten. (Beifall.) Wenn wir etwa den Sirenenklängen gefolgt wären und hätten ein Feder-Geld geschaffen oder die Reichsmark an das englische Pfund im Herbst angehängt, dann würden wir allerdings f ü r ö en Augenblick an einigen schweren Maßnahmen vorbeigekommen fein, in einer späteren Stunde hätten wir an Opfern und Entbehrungen aber das mehrfache dem deutschen Volke auf erlegen müssen, und ein Volk, das einmal weiß, was am Ende einer nichtstabilen Währung steht, sollte Leuten, die sich überhaupt weigern, einmal öffentlich zu erklären, was sie alles tun würden, wenn sie an die Macht tarnen, von vornherein den Laufpaß geben. (Stürmische Zustimmung.) Reichspräsident v. Hindenburg muh am nächsten Sonntag einen starken Stimmenzuwachs haben (Stürmische Bravorufe), damit in den Auseinandersetzungen und Verhandlungen der nächsten Wochen eine Reichsregierung dasteht, die sagen kann: Hinter unserem Rein, hinter unserer Forderung steht nicht nur die Mehrheit, sondern die übergroßeMehr- heit des deutschen Volkes. Und ich habe die feste Ueberzeugung, daß es gelingen wird, bei hingehendster Aufopferung dieses Ziel voll zu erreichen Es kommt darauf an, Aufklärung darüber zu schaffen, daß wir nicht nur Deutschland retten können vor dem Untergang, sondern daß jetzt dieMvnate kommen werden, wo wir darüber hinaus die Grundlagen außenpolitischer Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichberechtigung endgültig erreichen können. Wenn ich mich für Hindenburg einsetze, so tue ich es nicht nur aus Gründen sachlicher Politik, sondern weil sich alles in mir aufbüumt gegen die Gemeinheit der Agitation, die gegen diese verehrungswürdige historische Person gerichtet wird. (Stürmischer Beifall.) Ich denke dabei auch a n d i e Ehredes deutschen Volkes und fühle mich verpflichtet, den Kampf um diese Ehre durch- zukämpfcn. (Erneuter stürmischer Beifall.) Es muß der Augenblick kommen, früher oder später, wo sich das deutsche Volk schämen wird, daß es überhaupt einen Kamps um die Reichr- präsidentschast in diesem Augenblick hat geben können. Hindenburg ist nicht zu ersehen. Es bleibt im Leben des Feldmarschalls eine Tragik, daß man ihn immer dann geholt hat, wenn Rot und Schwierigkeiten aufs äußer sie gestiegen waren. Wir werden nicht zulassen, nachdem der Feldmarschall im Jahre 1925 gebeten und gedrängt worden ist, sich nochmals zur Versagung zu stellen und eine schwere Verantwortung'zu übernehmen, daß jetzt dieselben Leute kommen und diesen Staatsmann, der mutig, klar und zielsicher diese schwere Verantwortung getragen hat. in den Staub ziehen. Es geht nicht nur um politische, sondern um menschliche Entscheidungen, um Enischeidungen für Deutschlands Ehre und Zukunft. Sie sind verantwortlich dafür, daß der Feldmarschall am kommenden Sonntag mit einer gewaltigen Mehrheit gewählt wird, da er für das Ausland und Inland der sicherste Garant einer harten, zielklaren für die Zukunft glaubensge stärkten Politik ist und daß nur dann die Dinge schnell geregelt und schnell erreicht werden können, die wir uns alle gesetzt haben, wenn ein Mann an der Spitze steht, der in seiner Vergangenheit, in seinem Charakter und in feiner monumentalen Persönlichkeit nicht nur einen Eindruck ohnegleichen auf die Welt macht, sondern darüber hinaus eine Verehrung ohnegleichen genießt. Graf Westarp tritt für Hindenburg ein. Frankfurt a.d.O., 5. April. (TU.) Am Montagabend sprach G r a f W e st a r p auf einer Kundgebung des Hindenburg-Ausschusses- Graf Westarp besprach eingangs die außenpolitische Lage. Sowohl in der Abrüstungsfrage, als auch in der Tributfrage, so sagte er u. a. weiter, wolle Deutschland jetzt seine Rechtsansprüche durchsetzen. Tribute würden wir nicht mehr zahlen, da unsere Ersayverpflich- tungen längst erfüllt seien. Brüning, der im Auslande großes Vertrauen genieße, sei entschlossen. ein doppeltes „Olein“ aus- zusprechen. Er könne aber nur Erfolg haben, wenn das deutsche Volk geschlossen hinter ihm stände. Deshalb sei es wichtig, daß Hindenburg eine möglichst große Anzahl von Stimmen bekomme. Zu billigen sei es. wenn die Rationalsozialisten den Freiheitswillen der Ration aufrufen, aber mit starken Worten allein sei wenig zu machen, sondern das Volk müsse zu neuen Opfern bereit sein. Im Osten brenne die Grenze. Der Pole warte nur darauf. baB er Oberschlesien. Ostpreußen und Danzig an sich reißen könne. Hindenburg und Groener hatten deutlich zu verstehen gegeben, daß das deutsche Volk gewillt fei, einem Einfall der Polen mitaktivemWider standzubegegnen. Auch eine etwaige Wiederbesehung des Ruhr gebietes könnten wir nur mit Erfolg ab wehren, wenn das deutsche Volk g e s ch l o s - s e n sei. Um die deutsche außenpolitische Stellung zu stärken und um innerpolitische Erschütterungen zu vermeiden, habe sich Hindenburg wieder zur Verfügung gestellt. Hindenburg sei tatsächlich ein überparteilicher Kandidat, was man von Hitler nicht behaupten könne. Hindenburg ließe sich von keiner Partei Vorschriften machen. Zentner beim Reichspräsidenten. Berlin, 4. April. (WTB.) Reichspräsident v. Hindenburg empfing heute eine von dem Dundesvorsitzenden Generalmajor a. D- Vogel. Kassel, geführte Abordnung des Deutschen Rentnerbundes, welche über die 01 o t l a g e der deutschen Rentner berichtete und dem Reichspräsidenten die Wünsche des Rentner- bundes nach einer besonderen von der allgemeinen Fürsorge unabhängigen Versorgung der notleidenden Rentner, den Erlaß eines Rentnerver- sorgungsgesehes und bis dahin Milderung der den Rentnerstand besonders belastenden Rot- Verordnungen vortrug Der Reichspräsident gab seiner Teilnahme an der schwierigen Lage der deutschen Rentner und seinem Verständnis für die vorgetragenen Wünsche Ausdruck und erklärte, er werde im Benehmen mit der Reichsregierung die ihm vorgetragenen grundsätzlichen Forderungen des Deutschen Rentner- bundes zum Gegenstand einer erneuten Prüfung machen. Hitlers Programm. Ausführliche Erklärung des nationalsozialistischen Präsidentschaftskandidaten. München, 4. April. (TU.) Unter der lieber» schrift „TI ein Programm" veröffentlicht die NSK. längere Ausführungen Adolf Hitlers. Einleitend meist Hitler auf den wirtschaftlichen Niedergang hin, ferner auf die parteipolitische Zersplitterung und die Hnterwühlung der Kultur und betont, wenn Deutschland heute in Not und Jammer bar- niederliege, bann seien jene Parteien dafür verantwortlich, die im Jahre 1918 die Alleinherrschaft an sich gerissen hätten. Die Sozialdemokratie habe ihre sozialen Versprechungen nicht gehalten. Das Zentrum habe seine christlichen Ideale geopfert und die Mittelparteien hätten den Mittelstand im Stich gelassen. Demgegenüber entwickelte bann Hitler fein Programm. Er sieht als größte Aufgabe eines deutschen Staatsmannes für bie Zukunft die Zusammenfassung des vorhandenen soziatisti - schen und nationalen Elements unseres Volkes zu einer neuen deutschen Volksgemeinschaft an. Diese Zukunft der neuen deutschen Volksgemeinschaft sei nur dann gewährleistet, wenn sie von einem wirklich nationalen Leben erfüllt sei. Hitler betont weiter, daß er die Zukunft unseres Volkes auf das schwerste bedroht halte und daß es notwendig sei, daß ein Volk zur Beseitigung der Widerstände des Lebens planmäßig gehärtet werde. Es sei weiterhin notwendig aufrichtig bie Wahrheit zu sagen und man dürfe nicht aus Angst vor der Unwissenheit oder der Mißgunst des Volkes, oder der Unpopularität darauf verzichten, bie Dinge fo barzustellen, wie sie tatsächlich seien. Der einzige dauerhafte Garant unserer wirtschaftlichen Zukunft bestehe in unserem eigenen Grund und Boden und in unserer A r» b e i t s f r a f t und unseren Fähigkeiten. Hitler wendet sich dann gegen bie Einfuhr aus dem Auslande und bezeichnet die Erhaltung und Förderung eines gefunden Bauerntums, als den wichtigsten Schutz gegen soziale Erkrankungen, wie auch gegen das rassige Verkommen unseres Volkes. Er setzt sich für die Erhaltung eines b r e i t e n ■ 5DZ i t-t el- ft a n b e s als Voraussetzung für die Aufrechterhaltung des Eigentums ein und bebt hervor, der Kampf gegen den Bolschewismus als We11gefahr, sei praktisch ein Kampf für den reich gegliederten organisch aufgebauten Volksstaat. In einem wahrhaften gefunden Dolkskörper habe das Kapital der Wirtschaft zu dienen und die Wirt- sck-ast dem Volke. Hitler sieht in dem einseitigen Ueb er wuchern unseres Zins- und Leihkapitals eine langsame aber sichere Erdrosselung der Wirtschaft und in der einseitigen Betonung des Nur-wirtschast- lichen eine allmähliche Erdrosselung des Volkes. Er sei Sozialist, weil es ihm unverständlich erscheine, eine Maschine mit Sorgfalt zu pflegen, aber den edelsten Vertreter der Arbeit, den Menschen selbst, verkommen zu lassen. Ferner hebt Hitler hervor, es sei die höchste Aufgabe, den beiden Lebensgefährten Mann und Frau die Bildung der Familie zu ermöglichen. Der Staat habe in sich und in feinen Gesetzen alle Begriffe von Treu und Glauben, von Recht und Moral zu verkörpern, bie er selbst von feinen Bürgern forbere. Vier Hitler-Reden in Groß-Berlin. Berlin, 4. April. (TU. Funkspruch.) Rachdem Hitler am Sonntag in vier Städten in Sachsen gesprochen hat, traf er am Montag in Berlin ein, um gleichfalls in vier Versammlungen das Wort zu nehmen. Hm 17 Hhr sand inLu st garten eine große nationalsozialistische Kundgebung statt. Eine riesige Menschenmenge füllte den weiten Platz zwischen Schloß, Dom und Museum. Drei Flugzeuge mit den nationalsozialistischen Wimpeln kreuzten über der Okrfamm- lung. Rachdem der Berliner Gauführer Dr. Goebbels eine kurze Ansprache gehalten hatte, erschien Hitler mit größerem Gefolge unter dem Iubel der Menge auf der Schloßrampe. Er erklärte u. a., die Linksparteien hätten 14 Iahre lang Bewährungsfrist gehabt, sie könnten aber nichts aufweisen, was für sie spreche. Solange es ein Deutschland gebe, habe es noch nie eine solche Massenbewegung wie die nationalsozialistische gegeben. Die Gegner behaupteten, daß die Rationalsozialisten die deutsche Frau entrechten wollten. Die Gegner sollten die Antwort haben. Die Rationalsozialisten dächten nicht daran, die Frau aus der gemeinsamen Arbeit herauszuheben, aber darüber hinaus sei es ihr Ziel, dafür zu sorgen, daß das deutsche Mädchen in Zukunft leichter und eher den Mann finde, dem sie sich anvertrauen könne, der für beide arbeite, lebe und eine Zukunft schaffe. Männer und Frauen sollten hineingeführt werden in ein neues Reich, in dem das tägliche Brot gesichert sei. Cs gebe für beide Geschlechter nur ein Recht und eine Pflicht: Für die Ration und die Gemeinschaft aller gemeinsam zu kämpfen und gemeinsam zu leben. Die nationalsozialistische Bewegung werde, wenn nötig, zehn Iahre weiterkämpfen, bis die Gegner endgültig am Boden lägen. — Die Ansprache wurde mit stürmischen Heilrusen ausgenommen. Hitlers Abfahrt vollzog sich unter starken Kundgebungen. Als weitere große Kundgebung veranstaltete bie NSDAP. imSportpalaft einen Massenaufmarsch. Wegen des großen Anbranges mußten auch bie Nebenräume bes Sportpalastes freigegeben werben. Die etwa 20 000 Teilnehmer überboten sich in Begeifterungstunbgebungen für Hitler, ber fast eine Stunde lang sprach. Das größte, so erklärte er u. a., sei nicht bas Preußen nach ber Schlacht bei Leuthen, fonbern das Preußen nach ber Schlacht bei Kunersbors gewesen. Der Nationalsozialismus sei ber härtesten Probe unterzogen worben und sei ba- burch reif geworben, Deutschland von dem zu befreien, was es heute bedrücke. Eher sollen die Sterne ihren Weg ändern und die Sonne ihren Platz wechseln, als baß biese Bewegung ihre Aufgabe aus den Augen verlieren bürfe. Um 21.30 Uhr war eine weitere Kunbgebung der NSDAP, im Saalbau Friedrichshain angesetzt, ber bereits eine Stunde vor Beginn wegen UeberfüUung polizeilich geschlossen war, so daß die Teilnehmer in den angrenzenden Räumen Platz nehmen mußten, wo ihnen durch Lautsprecher bie Ausführungen bes Rebners vermittelt wurden. Zunächst sprach ber ehemalige KPD. -Führer Ehn, ber erklärte, der große Erfolg Hitlers bestehe darin, daß er es verstanden habe, dos Volk aufzurütteln, ihm den Glauben an sich selbst zu gebep und ihm zu zeigen, wie es aus eigener Kraft den Weg in bie Freiheit finden könne. Hitler führte u. a. aus: Wenn ihm bas Schicksal 13 Jahre lang Macht verliehen hätte, bann würben seine Leistungen für ihn sprechen. Heute spreche für ihn bie Tatsache, daß cs ihm, dem unbekannten Manne, in kurzer Zeit gelungen fei, die größte Bewegung zu schaffen. Auch in P o t s d a m fand eine große nationalsozialistische Kundgebung mit einer Rede Hitlers statt. Hitler, der beim Betreten des Stadions von Hitlerjugend mit Blumen empfangen wurde, erklärte: Ich stehe heute auf einem uns (Rationalsozialisten heiligen 'Boden. Hier erstand einst Brandenburg und aus Brandenburg wurde Preu- hon, damit aus Preußen Deutschland werden konnte. Von diesem Boden aus begann zum erstenmal der Versuch, den Staat zum Diener des Volkes und den Bürger zum Diener des Staates zu machen. Hier ist das erwachsen, was dem deutschen Volk durch zwei Jahrhunderte fast ein ruhmvolles Symbol war: Das unbesiegte deutsche Heer und schließlich ist auf diesem harten Boden der Blut und die Zähigkeit geboren worden, in einer Sache, an die man glaubt, dem Schicksal die Stirn zu bieten. Ich habe mit sieben Mann den Mut gefaßt, gegen das heutige System mich zu empören und werde nicht jetzt, wo ich clfeinhalb Millionen hinter mir habe, plötzlich verzagen. Ich werde heute und. wenn nötig, auch in zehn Jahren kämpfen, bis der Gegner am Boden liegt. Richtigstellungen der RSDAp. Berlin, 4. April. (111.) Die Reichsleitung der NSDAP, veröffentlicht eine längere Erklärung, die sich mit den in den letzten tragen von Gegnern der NSDAP. ausgestellten Behauptungen befaßt. In der Erklärung wird zuerst behauptet, daß die Gegner der NSDAP, insoweit eine Arbeitsteilung vorgenommen hätten, als der offiziöse Sahin- Ausschuß den Biedermann spiele und die Verantwortung für ungeheuerliche Verleumdungen Adolf Hitlers ablehnc (erinnert wird an den Fall des in Ostpreußen verbreiteten Propagandablattes, in dem Hitler Verrat an O st p r c u ß c n vorgeworfen wurde), während die anderen Teile der Gegner der NSDAP, ungeniert verleumdeten. Die Erklärung wendet sich dann im einzelnen zunächst gegen die von der „Welt am Montag" ver- öffentlichte gefälschte Rechnung des „Hotel Kaiserhof" (die Direktion des Kaiserhofcs hatte bereits von sich aus die von dem Blatt in Faksimile gebrachte Rechnung für gefälscht erklärt). Weiter wird es als eine Lüge be^ichnet, daß die NSDAP, mit dem Hause Hohenzol- lern ein Geheimabkommen geschlossen und von dieser Seite finanzielle Unterstützungen erhalten habe. Wahr sei, daß f einerlei Verhandlungen weder in den letzten Wochen noch früher mit dem Hause Doorn oder auch mit einer oder mehreren Mittelspersonen des Hauses Hohenzollern und der NSDAP, oder deren Beauftragten stattfanden. In Süd- und Westdeutschland mache man die Nationalsozialisten zu einer „einseitig überpreußi- schen", im preußischen Norden zu einer „unpreußi- fchen süddeutschen föderalistischen" Organisation. In Unternehmer- und Haus- und Grundbesitzerkrcisen hetze man gegen sie als „a n a r ch i st i s ch - b o l - schewistische M i e t e r p a r t e i", in unbemittelten, durch die Poungnot ausgesaugten Volksschichten verbreitet man die Lüge, „Hitler ist der be- zahlte Mann des Groß- und Schwer- kapital s". In einer weiteren Erklärung wendet sich die NSDAP, gegen mehrere Broschüren, die das maßgebende Mitglied des Reichsbanners und der SPD., Dr. Helmuth Klotz, herausgegeben habe und die in großen Mengen unentgeltlich als Drucksache verschickt würden. Der Inhalt dieser Schriften „strotze von Lügen, Verleumdungen, Verdächtigungen und Der-rehungen". Dorsch tritt erneut für Hindenburg ein. Was ist unter Hindenburgs Präsidentschaft für die Landwirtschaft geschehen? Der Landtagsabgeordnete Dorsch-Wölfersheim wendet sich mit folgender Erklärung an seine Berufsgenosfen: „Der Bundesvorstand des Reichslandbundes hat die Bauern aufgefordert, Hitler gegen Hindenburg zu wählen. Wie verträgt sich das mit der parteipolitischen Neutralität des Reichslandbundes, die er im Munde führt, aber nie hält? Wer gibt der Leitung des Reichslandbundes mit ihrer kostspieligen Zentrale das Recht, gegen Hindenburg, den Sieger von Tannenberg, anzugehen, unter dessen Präsidentschaft Großes für die Landwirtschaft und besonders für den deutschen Ost e n geschehen ist? Wer gibt dem Vorstand des. Reichslandbundes das Recht, gegen Hindenburg zu kämpfen, ohne dessen Eingreifen im Weltkrieg Deutschland vielleicht nur noch ein Begriff wäre? Warum gibt der Reichslandbund, der scheinbar nur auf der fetten Weide der Opposition bestehen und leben kann, nicht der Wahrheit die Ehre und sagt, was Hindenburg, Brüning, Schiele und Schlange für die Landwirtschaft getan haben? Wir haben Getreidezölle in einer Höhe, bah heute Roggen und Weizen in Deutschland im P r e i s e stehen, vermehr als doppelt so hoch ist wie derWelt- Marktpreis für Getreide. Warum sagt der Reichslandbund den Bauern nicht, daß unter dem System Brüning-Schiele-Schlange Zölle auf ein geführtes Vieh und Fleisch einge- führt wurden, die es verhindert haben, daß die Schweine- und Viehpreise nicht noch mehr zurück- gegangen sind, wie es jetzt der Fall ist. Kostet doch z. B. der Zentner Schweinefleisch in unserem Nachbarland Dänemark 20 Mark, während bei uns der Preis für Schweinefleisch etwa 40 Mark pro Zentner beträgt. -Unter dem jetzigen System wurde der B u 11 e r - -oll Gesetz. Der Zoll fiel leider bei der letzten Reichstagssitzung, weil die Oppositionsparteien ausrückten. Unter dem jetzigen System ist die Million Zentner Gefrierfleischeinfuhr verschwunden und anderes mehr. Unter dem jetzigen System sind d i e M i n d e st - sätz e aller R e i ch s st eue r n, Vermögenssteuer, Umsatzsteuer, Einkommensteuer so erhöht worden, daß 90 Prozent aller Landwirte keineReichssteuernzahlen, son- dern nur Landes- und Gemeindesteuern. Und das System Hindenburg-Drüning-Schiele- Schlange soll gestürzt werden und an seine Stelle soll das System des Köpferollens und der einseitigen Parteidiktatur gesetzt werden, ein System, dem sich freie deutsche Menschen nicht fügen werden. Darum, deutsche Dauern, steht am Wahltag zu Deutschlands Retter Hindenburg. Die Aolkskonservalive Vereinigung impreußen-Wahlkampf Berlin, 4. April. (ERB.) Die Bolkskonser- vative Vereinigung kann, wie es in einer parteiamtlichen Mitteilung heißt, bei dem bewegten Kampf gegen die zur Zeit herrschende Preußen- Koalition nur die Wahl von Persönlich - 1 feiten unterstützen und ihren Mitgliedern empfehlen, die ihr gesinnungs mäßig n a h e st e h e n. Die Volkskonservative Vereinigung macht deshalb darauf aufmerksam, daß Graf Westarp in den Wahlkreisen Berlin und Potsdam 11 kandidieren und gleichzeitig die von Landvolk und Wirtschaftspartei gebildete gemeinsame Landesliste „Nationale Front deutscher Stände" führen wird. Ferner kandidiert das Mitglied der Dolks- konservativen Bereinigung Pfarrer Dr. B e i d t, Frankfurt a. M., als Spitzenkandidat auf der Liste des Christlich-Sozialen Volks- dienstes im Wahlkreis Hessen-Nas» s a u sowie in den Wahlkreisen Köln-Aachen und Koblenz-Trier. Gleichzeitig führt Pfarrer Beidt die L a n d e s l i st e des Christlich- Sozialen Dolksdienstes. Lin Vorschlag Dingeldeys zur Sammlung der Äechlen für den Wahlkampf in Preußen. Berlin, 4. April. (CNB.) Der Führer der DVP. Dingeldey erläßt einen „Offenen Brief" an den deutschnationalen Parteiführer Hugenberg, in dem es u. a. heißt: Sie haben unterm 30. März eine öffentliche Aufforderung an d i e bürgerlichen Parteien rechts vom Zentrum gerichtet, bei den kommenden preußischen Wahlen I h r eR e st- stimmen der Deutschnationalen Partei zuzufsihren für die Gegenleistung, auf der Landesliste der Deutschnationalen Partei einige Sitze zu erlangen, deren Inhaber dann alsHospitanten verdeutsch- nationalen Fraktion beitreten sollen. Ich will auf die begleitenden Bemerkungen, mit denen Sie Ihren Vorschlag begründet haben, im Interesse der Sache heute nicht mehr eingehen. Ich entnehme aber zu meiner Genugtuung der Tatsache Ihres Vorschlages, daß auch Sie entgegen der bisherigen Taktik erkannt haben, daß eine Zusammenfassung der nationalen Kräfte des V ü r g e rtums im Kampfe um Preußen und das Reich angesichts der drängenden Gefahren sozialistischer Bewegungen die Forderung des Tages ist. Es geht ein starkes Sehnen durch das nationale Bürgertum in allen seinen Teilen, die großen staatspolitischen Gesichtspunkte in diesem Augenblick in den Vordergrund zu stellen. Dabei muh das historische Recht und die politische Grundanschauung aller an dieser Zusammenarbeit beteiligten Parteien geachtet werden. Zur Erreichung des Gesamtzieles aller bürgerlichen Kreise aber kann nicht die Rücksicht auf die eigenen Parteiinteressen entscheidend sein, sondern die Tleberlegung: Welcher Weg kann unter Wahrung völligerGleichberechtigung und unter Verzicht du f jedes verletzende Prestigebedürfnis die Erfassung aller nationalen bürgerlichen Stimmen sicher stellen? Ich mache folgenden Vorschlag: 1. Die DNVP. und die DVP. erklären sich bereit, an folgender Abmachung teilzunehmen: Die in Betracht kommenden Parteien stellen in den Wahlkreisen eigene Listen auf. Die Wahlkreislisten werden in den Wahlkreisen untereinander verbunden, die Rest- stimmen gehen auf eine gemeinschaftliche preußische Landesliste. 2. Für die Aufstellung der gemeinschaftlichen Landesliste kann unter Verzicht auf kleinliche Parteivorteile fein anderer Ausgangspunft gesunden werden, als das Stärkeverhaltnis, wie es sich nach dem Ergebnis der Reichstagswahlen vom September 1 9 3 0 darstellt. 3. Für den Fall Ihres Einverständnisses, er- fläre ich mich bereit, sofort eine Zusammenkunft der Führeraller inFragekom- menden bürgerlichen Gruppen einzuberufen. Meine Freunde würden sich für ein solches Zusammenwirken auf breiter Front unter Verzicht auf parteipolitische Geltungs- b e d ü r f n i f s e gern bereitstellen. Dagegen sind wir der Meinung, daß Wahlabmachungen auf anderer Grundlage, die nur einen Teil des nationalen Bürgertums erfassen, einen Erfolg in dem erstrebten Sinne nicht verbürgen können. Absage derOeuischnattonalen. Berlin, 4. April. (TU.) Auf den Vorschlag Dingeldeys hat der deutschnationale Abgeordnete Schmidt, Hannover, in einem seiner persönlichen Verantwortung entspringenden Schreiben geantwortet, da Dr. Hugenberg bereits nach Süd- deutschland abgereist ist. Schmidt (Hannover) weist darauf hin. daß die zwischen Zentrum und DNVP. stehenden Gruppen durch ihre in den letzten Jahren betriebene Politik nachweisbar so viel Widerspruch und Ablehnung selb st in eigenen Reihen erfahren hätten, daß die früheren Starkeverhältnisse nichtmehraismachtpolitisch erMah- st a b dienen könnten, und verzeichnet weiter, daß die DVP. das Angebot Hugenbergs parteiamtlich als „indiskutabel" ab gelehnt habe. Dieser schroffen Absage seien die Absagen der DVP. an die kleinen Gruppen der Mitte gefolgt. Herr Dingeldey habe seine neueste Einstellung zu einem Zeitpunkt befanntgegeben, der, wie er selbst wisse, es rein technisch unmöglich mache, die etwa in Betracht kommenden Gruppen für ernsthafte Verhandlungen zusammenzufassen. „Unter diesen Umständen wird Ihr nach Ihrer bisherigen Haltung überraschender Brief von vielen als ein Versuch auf gefaßt werden, sich in letzter Stunde der Verantwortung für die Ablehnung des deutschnativnalen Sammlungsvorschlages zu entziehen.“ Es sei im übrigen anzunehmen, daß Dr. Hugenberg noch persönlich zu dem Brief Stellung nehmen werde. Das Ergebnis des Tarbieu-Besnchs Oie amtliche Mitteilung. Keinebritrsch-französischeVorvcrständigung 1BIB. London, 4. April. (Realer.) Die Besprechungen mit den französischen Ministern wurden den ganzen Tag über forlgeführt. Sie wurden nur durch ein Frühstück unterbrochen, das die britischen Minister Tardieu und Flandin in Downing Street gaben. Die französischen Gäste wurden empfangen von Macdonald, Sir John Simon, dem Schahkanzler Neville Chamberlain, Sir R. Vansittarl, Anterstaatssekretar im Ministerium des Aeußern und dem Finanzberaler der Regierung L e i t h - R o tz, der kürzlich eine Untersuchung über die Lage Mittel- und Osteuropas an- gestellt hatte. Heber die Besprechung wurde folgendes Communiquö veröffentlicht: „Bei den Erörterungen handelte es sich in bet Hauptsache um die wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten, denen sich die Donau st aaten gegenübersehen. Die Minister der beiden Länder waren der Ansicht, daß die Probleme, die sie untersuchten, nur durch eine allgemeine Heber- einkunst internationalen Charakters gelöst werden könnten, und daß zu diesem Zweck enge und herzliche Zusammenarbeit zwischen den vier Mächten, die Mittwoch zusammenkreten, erforderlich sei. Angesichts des bevorstehenden Zusammentritts dieser Konferenz versuchten sie nicht, zu irgendwelchen Schlußfolgerungen zu kommen, sie sind jedoch überzeugt, daß dieser Meinungsaustausch die Arbeiten der Konferenz e r - leichtern wird. Die englische und die französische Regierung teilen die Hoffnung, daß es sich als möglich erweisen möge, eilige gemeinsame Maßnahmen zu verabreden, die den legitimen Interessen der dritten Partei Rechnung fragen, die ferner eine wirtschaftliche 21 n - Näherung zwischen den Donau ff aaten ermöglichen und die fchlietzlich die Schaffung von Bedingungen erleichtern werden, die dazu angetan sind, das Gleichgewicht und die Stabilität dieses Teiles Europas wiederherzuflellen." Mcdonald fetzt große Hoffnung auf die Viermächtelonferenz. Tardieu wieder nach Paris zurückgekehrt. London, 4. April. (WTB) Macdonald hat Pressevertretern erklärt, daß die Konferenz mit den französischen Ministern nicht eine Exekutivkonferenz irgendwelcher Art gewesen sei. Die Besprechungen seien insofern von Wichtigkeit für die Diermächle-Konserenz gewesen, als über dem einen oder anderen sehr bedeutenden Punkt ein Meinungsaustausch ftattgefunben habe, ohne den die bevorstehende Konferenz vielleicht aufgehalten worden wäre. Wir sind entschlossen, bei der Vier- mächte-Konferenz unbedingt auf den Ab- schluß eines Abkommens hinzuarbei- t e n. Wir sind vollkommen überzeugt, daß eine Uebereinfunft möglich ist, die alle Interessen umfaßt. Ich hoffe, daß die Viermächte. Konferenz als das eine Große die Schaffung wirklichen Vertrauens zwischen den vier Mächten bringen wird, so daß wir in Eintracht und vom besten Willen beseelt, daran gehen können, ein Problem nach dem anderen in Angriff zu nehmen. Ergänzend erfährt Reuter, daß der Premierminister der Ansicht sei, die Lage in Europa dränge mit aller Macht zu einem Hebereinfommen und beide Regierungschefs seien gewillt, eine solche Uebereinfunft durchzusehen. Reuter erklärt, jedermann sei überrascht gewesen, daß es gelang, schon in einem Sage alles zu erledigen. Man hoffe, diese neue Methode werde sich durchsetzen und weitere Konferenzen solcher Art zwischen den anderen interessierten Mächten nach sich ziehen. Tardieu erklärte nach seiner Rückkehr zum Hyde-Park-Hotel: Ich freue mich sehr, daß diese lange Unterredung objektiv und herzlich verlief. Ich kann sagen, daß ich niemals einen besseren Eindruck von dem Geist einer solchen Besprechung hatte als heute. Tardieu nahm an einem inoffiziellen Diner im Hause des Luftsahrtministers Lord London- derrh teil. Im Anschluß daran hat er London wieder verlassen. Befriedigung in Paris. Die Londoner Besprechungen im Spiegel der französischen Presse. Paris, 5. April. (WTB. Funkspruch.) Fast die gesamte Presse äußert sich befriedigt über den Verlaus der französisch-englischen Besprechungen in London. In einer Meldung der Agentur Havas aus London heißt es, beide Regierungen hätten sich über die für die finanziellen Schwierigkeiten der Donaustaaten in Frage kommenden Hilfsmittel geeinigt. Dieses Problem habe den einzigen Gegenstand der Beratungen gebildet. Irgendein fester Beschluß sei wegen Abwesenheit der Vertreter von Deutschland und Italien nicht gefaßt worden. Von Bülow und Grandi würden also nicht vor vollendete Tatsachen gestellt sein. Als wichtig sei festzustellen, daß Frankreich und England sich über d i e Methode geeinigt hätten. Ihrer Ansicht nach werde der Zusammenbruch der Donaustaaten nur durch eine gemeinsame solidarische 'Anstrengung durch jede Nation selbst und die finan- Zielle Unterstützung der vier Großmächte vermieden werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sei es ratsam, daß die fünf Donaumächte gemeinsam Bestimmungen für einen engeren wirtschaftlichen Zusammenschluß festlegten und hier scheine es keinen anderen Weg zu geben, als Kombinationen auf der Grundlage des Vorzugszollsystems. In jedem Falle werde die Wiederherstellung des Vertrauens der Finanzmärkte in die Zahlungsfähig- feit der Donauländer nicht ohne Kontrolle über ihr Budget und ihre Währung erfolgen können. Staatssekretär Stimson kommt nach Europa. Paris, 4. April. (WTB.) Rach der „Chi- cago Tribüne" wird Staatssekretär S t i m s o n sich am kommenden Freitag nach Europa ein- schissen, um an der Abrüstungskonferenz teilzunehmen. Man rechnet damit, daß Stimfon nicht länger als zwei Wochen in Genf bleibt. Sollte er über das Schulden- und Reparationsproblem mit den Delegierten anderer Mächte verhandeln, so dürfte er über daS Ergebnis dieser Besprechungen nichts verlauten lassen. „New Pork Herald" läßt sich aus Genf melden, daß Staatssekretär Stimson wahrschein- lich vermeiden werde, die Frage der Reparationen und Kriegsschulden und der Donauföderation anzuschneiden. Es sei nicht unmöglich, daß Stimson mit einem amerikanischen Abrüstungsplan aufwarten werde. Das Attentat auf den Botschaftsrat Twardowski. Beginn des Prozesses in Moskau. Moskau, 4. April. (WTB.) Gegen Stern und W a ss i l j e w , die am 5. März ein Attentat auf den deutschen Botschaftsrat v. Twardow- s k i verübt hatten, begann die Verhandlung vor dem Kriegskollegium des Obersten Gerichtshofes. Stern und Wassiljew sind des vollendeten Terroraktes angeklagt, der sich g e g e n d e n d e u t s ch e n Botschafter v. Dirksen richtete, bei dem aber Botschaftsrat v. Twardowski verwundet wurde. Die Anklage vertritt der Volkskommissar für Justiz K r y l e n k o. Die Verteidigung haben die Moskauer Anwälte Brande und Kassna- t s ch e j e w übernommen. Im Saale sind die Mitglieder der deutschen Botschaft anwesend, ander Spitze Botschafter v. Dirksen, sowie Mitglieder an- derer diplomatischer Missionen, darunter auch Polens. Die Anklageschrift stellt die Tat als das Ergebnis einer Verschwörung der Terror! st en- gruppe dar, die in engem Zusammenhang mit polnischen Bürgern stand. Mit Ausnahme der bis zum Jahre 1928 zurückreichenden Anfänge dieser Zusammenhänge und mit Ausnahme der Protokolle über ein Verfahren gegen die Polin L u b a r s k a , die wegen des Attentats gegen einen höheren Sowjetbeamten seinerzeit erschossen worden ist, wurden aus der Anklageschrift alle Stellen f o r t g e I a f f e n, die die Beziehungen zum Ausland betreffen. Während der Angeklagte Wassiljew alle Ausführungen der Anklageschrift über Zusammenhänge des Angeklagten Stern und der Terroristengruppe Wassiljew sowie eine Verbindung dieser Terroristengruppe mit polnischen Agenten bestätigt, erklärte der Angeklagte Stern, das Attentat sei seine persönliche Tat gewesen, und er habe aus keiner Verabredung heraus gehandelt und keinerlei Hilfe gehabt. Stern versucht in der Voruntersuchung abgegebene Erklärungen zu widerrufen. Die Auswahl des ausländischen Vertreters, der ein Opfer des Anschlags werden sollte, sei planlos erfolgt; ebenso die Auswahl des Opfers unter den Vertretern der deutschen Botschaft. Es sei auch Zufall gewesen, daß die Kugel getroffen habe. Der Angeklagte muh aber zugeben, daß der Gedanke eines Attentats auf den deutschen Botschafter schon im Dezember von ihm gefaßt worden sei, daß er weiterhin das Attentat die ganze Zeit durch Beobachtung der Botschaft vorbereitete. Ende der Militärdiktatur in Südflawien. Marinkowitsch bildet das neue Kabinett. Belgrad, 4. April. (TU.) Ministerpräsident General Z i w k o w i t s ch hat dem König Alexander auf Schloß Dedinjew bei Belgrad den Gesamt rück tritt der Regierung unterbreitet. Der Könia hat den Rücktritt angenommen. Ziwkowitsch erklärte, daß er sich aus dem politischen Leben zurückziehe. Er habe am 26. Januar 1928 in einem Auaenblick höchster Gefahr für den Staat a 1 s neutrale Persönlichkeit die Regierung und damit die Pflicht übernommen, die Verhältnisse in Südflawien wieder zu normalisieren. Es sei seine Aufgabe gewesen, die Staatsautorität zu stärken, die Glieder der Nation einander zu nähern, die Verwaltung zu verbessern die Gesetzgebung zu vereinheitlichen und die politischen Leidenschaften zu beschwichtigen. Außerdem habe er die Wahlen durch- zuführen und damit die Verabschiedung des Staatshaushaltes und einer Anzahl dringlicher Gesetze zu ermöglichen gehabt. Das neue politische Leben verlange im Geiste der neuen Verfassung d i e Bildung neuer Organisationen der Parteien, durch die tue Nation in die Lage versetzt werde, am politischen Leben teilzunehmen und ihren Anteil an der Verantwortung zu tragen. Der Rücktritt hat, obwohl er schon feit Dezember erwartet wurde, in politischen Kreisen insofern Tleberraschung hcrvorgerufen. als er fast unmittelbar nach ernsten Kundgebungen an der Belgrader UniDerfität erfolgt ist. An Stelle des Generals Ziwkowitsch, der wiederum zum Kommandanten der Garde ernannt werden dürfte, ist Minister des Aeußern Dr. Marinkowitsch zum Ministerpräsidenten ernannt worden. Schiedsspruch iniBerlinerBaugewerbe Berlin, 4. April. (CNB. Eigene Meldung.) Im Lohnkonslikt im Berliner Baugewerbe wurde vom Schlichtungsausschuß ein Schiedsspruch gefällt, der eine zehnprozentige Lohnkürzung vorsieht, und zwar sollen die Bauarbeiterlöhne von 1,25 auf 1,12 RM. gesenkt werden. Das Abkommen soll bis zum 2. Mörz 1933 gelten. Da es sich bei diesem Schiedsspruch um den ersten in der neuen Lohnbewegung handelt, ist ihm eine ausführliche schriftliche Begründung beigegeben, die die Fragen beantwortet, weshalb in diesem besonde- r e n Fall eine Lohnverminderung erfolgt sei. „Der Schlichtungsausschuß wird nach wie vor denen ent- gegentreten, die immer noch glauben, die kranke Wirtschaft nur von der Lohnseite her sanieren zu können, und die das Arbeitsentgelt unter das Existenzminimum drücken wollen. Die Kammer konnte aber nicht die Verantwortung dafür übernehmen, daß die Bauarbeiterlöhne in Berlin i 'n einer Höhe aufrechterhalten werden, für die d i e ökonomischen Voraussetzungen nicht mehr gegeben sind. Ein Bauarbeiterlohn von 1,25 RM. für die Stunde ist unter den heutigen Verhältnissen nicht mehr tragbar. Die vorgeschlagene Lohnverminderung wird zwar keine wesent. liche Veränderung des Baumarktes bringen, wenn auch heute schon die geringste Verbilligung der Bauarbeiten zu einer Vermehrung der Beschäftigungsmöglichkeiten füh- ren kann. Die Schlichtungskammer mußte sich unter den gegebenen Verhältnissen darauf beschränken, die Bauarbeiterlöhne dem allgemeinen Ber, Huer Lohnniveau a n z u p g s j en." Mietgesuche"] Knaben-Mäntel Kletter-Westen Windjacken 3.90 2616 A I. A.: Kurt Wolf 2647 D Ärztticft ßoautacAtet 2641 D Leistungsf. Hambg. Firma sucht selbständ. VormiötllNllkN ! Gr.4-Zii.*Wtbi|. m. Bad, Balkon u. allem Zubehör sof. zu vernüeten. unD Nlh.Schnbertitr.2IL GIESSEN Größte Spezialabteilung für Knaben u. Jünglinge Unübertroffen bei starken Kopfschmerzen, Rheuma, Muskel- und Nervenschmerzen O Kaufen Sie Herbin-Stodin in der Apotheke und Sie werden angenehm überrascht sein! H. O. Albert Weber Magdeburg Mo- GelegeiHieltsMe! 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Lebensjahre zu sich. Im Namen der trauernden Hinterbliebenem Josefine Rühl, geb. Jung. Lollar und Frankfurt a. M, den 4. April 1932. Gott der Herr rief heute abend unseren lieben Vater und Großvater Auf Wunsch des Verstorbenen findet die Beerdigung in aller Stille statt Herbin-Stodin OIMfTW IC PUEKVl? SHENAC UXHIUM 20idbi. 1,05 lOlabi 0.60 ♦ 3er alle d€err Eines Sonntags im Jahre 1880 saß ich bei Kränztet vor einerTasse Kaffee und hatte mir ausnahmsweise eine Schachtel importierter, leider sehr teurer Orient-Cigaretten geleistet. Wie ich so nachdenklich in den blauen Rauch sah, kam ich auf die Idee, die mir zum Lebenswerk werden sollte: eine ebenso gute echte Orient• Cigarette zu schaffen, die aber für alle Raucher erschwinglich sein sollte. Damals, vor 50 Jahren, habe ich - ehrlich gesagt- nie geahnt, wie berühmt diese meine Cigarette werden würde, der ich den Namen gab: ohne X rund j. W MMWMWMM Vornan von 3- Schneider-Foerfil. Urheber-Rechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau. 19. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Sie verurteilte ihn schon, ehe sie noch Ge- wihhcit hatte. ..Wie soll ich es machen, das; ich erfahre, ob es sein Kind ist?" quälte sie sich. Ihn so geradewegs darum fragen, das durfte sie nicht. Sie muhte ihn ganz ahnungslos lassen, dann verriet er sich am ersten. Nach zweieinhalb Stunden tauchten die ersten Felder, welche zu Nccklinhausen gehörten, vor ihnen auf. Der Fluh glänzte zwischen den Erlen und schob seine Wellen und Weilchen rasch durch die Wiesen hin. Auf Groh-Steinach ist es feudal! Aber hier ist es schön! Ganz wunderschön! jubelte cs in Suse. Sie verspürte eine ungeheure Freude, als der Wagen nun nach dem Gutshofe einbog. der gleich darauf, in hellste Mittagssonne gebadet, vor ihrem Blick lag. Drüben auf den Aeckern gingen die Pferde in langsamem Trott und schlugen die Furchen um. „Dieter!" — Sie sprang im Wagen auf und schrie es in ihrem Sehnsuchtstaumel hinüber, olles vergessend. was ihr das Herz schwer gemacht hatte. Erschrocken über ihre eigene Stimme lieh sie sich wieder zurückgleiten und atmete auf. als sie sah. dah er sie nicht gehört hatte. Er durfte sie nicht so früh schon bemerken, sonst hatte er Zeit, darüber nachzudenken, wie er sich ihr gegenüber verhalten muhte. Die Uhr vorne am Führersitz zeigte fünf Minuten auf elf. Da muhte er ohnedies bald Schluh machen und zum Mittagstisch herüberkommen. Sie zitterte förmlich bei dem Gedanken, was er tun würde. Der Chauffeur lenkte den Wagen in den Hof, und Suse gab ihm Bescheid, wo er ihn reinigen und unterbringen konnte. ..Zuerst aber gehen Sie in die Küche und lassen sich ein tüchtiges Mittagsbrot geben!" sagte sie ermunternd. ..Ich lasse Sie schon wissen, wenn ich zurückfahren will." Heberall, wo sich ihre Stimme vernehmen lieh, kam das Personal herbei, sie zu bcgrühen. Man hatte die Jüngste oufwachsen und vom Kinde zum Weibe heranblühen sehen, und jeder war ihr zugetan. Wie ausgestorben lag das Gut, seit sie weggegangen war. Sie brachte alles mit, was die Menschen gerne hatten: Jugend, Lachen und 'Sonne. Für fetzen wühle ste ekwaS zu sagen, dem einen ein Scherzwort, dem anderen eine Frage, sogar der Holbnarr. der die Pferdeställe zu reinigen hatte, bekam ein Lächeln geschenkt. Dann lief sie in ihr Giebelzimmer und wusch sich den Staub von Gesicht und Händen. Als sie sich das Haar zurecht machte, hörte sie unten einen Schritt über den Kies gehen. Sie kannte Dieters Gewohnheit, immer durch den Obstgarten zu gehen und dann erst den Weg nach dem Hof zu nehmen. ..Dieter!" Cs rih ihn herum, als habe ihn eine Kugel gestreift. Beide Arme streckte er nach ihr hinauf. In diesem Augenblicke vergah sie. weshalb sie eigentlich gekommen war. ..Ich bin um zwölf Uhr unten am Fluh!" rief sie gedämpft hinab. Er nickte, zum Zeichen, dah er sie verstanden hatte und umfahte sie mit einem Blick, der ihr das Blut in die Wangen trieb. Drei Wochen hatten sie sich nicht mehr geküht. Sie lief nach dem Eßzimmer hinunter und fand ihr Gedeck bereits an seinem Platz. Herrgott, wie schön's doch daheim war! — Wie wunderschön! Als die schwarze Standuhr zehn Minuten auf zwölf zeigte, faltete sie die Serviette zusammen, und schlich sich durch eine Seitentüre aus dem Hause. Es brauchte niemand zu wissen, wohin sie ging. Sie hatte kaum den Fuh zwischen die Erlen gesetzt, als zwei Arme sie an eine Brust rissen. Ihr Mund brannte und in den Ohren surrte ihr Blut und Malnows Stimme: „Drei Wochen hast du mich warten lassen, Geliebtes! Drei ganze Wochen! Keine Zeile, kein Anruf, nichts! Ich habe die letzten Nächte kaum mehr ein Auge zugetan. Iedcr Bissen, den ich zu mir nahm, hat mich gewürgt, Und keine Möglichkeit, wie ich dir Nachricht zukommen lassen könnte. Hast du nicht bedacht, wie du mich quälst, wenn du dich so lange in Schweigen hüllst?" Sie lag, die Lider geschlossen, an seiner Schulter und lieh seine Küsse über sich hingehen. „Ich habe gedacht, du wirst dich schon amüsieren", sagte sie mit Betonung. „Du wirst doch noch auher mir jemanden haben, den du liebst!" Seine Arme gaben sie unvermutet frei, dah sie beinahe fiel. „Suse!" — „Bin ich wirklich das Einzige auf der Welt, das dir etwas gilt?" forschte sie hartnäckig. „Weiht du das nicht?" Er legte den Arm aufs neue um ihre Hüsten und zog sie wiederum an sich. „Meine Mutter ist tot! Sonst habe ich niemand mcchr? Es gibt also keinen einzigen Menschen, mit dem du mich teilen mühtest." „Gradnitz hat sich geirrt!" dachte sie und war beschämt vor ihrem eigenen Inneren, das ihn bereits schuldig gesprochen hatte, Und aus diesem Schuldgefühl heraus gab sie ihm aus übervollem Herzen. Sie sah auf einem Baumstumpf und hatte seinen Kopf im Schohe liegen, fühlte, wie knochig seine Wangen geworden waren und prehte die Lippen darauf. „Du wirst wieder schlafen! — 2a, mein Lieber? Und wieder essen, nicht wahr mein Dieter?" Ihre Hände fuhren kosend sein Gesicht entlang, fühlten sich plötzlich gefaht und mit Küssen bedeckt. „Ich war am Verrücktwerden!" gestand er in halber Beschämung. „Bis in meine Träume hinein habe ich mich gequält, wer der andere sein könnte, um dessentwillen du mich vergessen hast!" „Also, soviel hältst du auf mich!" schmollte sie und strich sein Haar etwas unsanft nach hinten zurück. Wenn er erst meine Gedanken hätte lesen können, dachte sie kleinmütig. Trotzdem blieb ein leiser Nest des Mihtrauens. Gradnitz' Worte hatten zu tief Wurzel in ihr gefaht. „Bist du nie von Necklinhausen weg gewesen?" forschte sie. „Ich meine, Sonntags! — Da hast du dich doch frei machen können. Cs gibt ja jetzt nicht mehr so viel zu tun." „Ich war immer hier!" beschied er ohne Zögern. „Immer?" Er sah auf und besann sich etwas: „Einmal war ich in München, geschäfteholber." Sie glaubte, wie dabei ein schwaches Rot in seine Wangen stieg. „Aber das war nur für einige Stunden. Abends war ich dann wieder zurück." „Hast du Bekannte in München?" Sie kam sich vor wie ein Inquisator. Aber sie fand sonst keine Ruhe. „Niemand", sagte er gleichmütig. „Wie lange bleibst du übrigens noch fort, Suse? — Ich verkomme förmlich von diesem Warten bis zu deiner Rückkehr. Sonst war ich am Morgen immer frisch, wie nach einem Bade, und jetzt bin ich halb zerschlagen. Ich quäle mich Tag und Nacht!" „Weshalb denn?" fragte sie ärgerlich. „Ich tu's doch auch nicht!" „Du liebst mich vielleicht nicht in dem Mähe, wie ich dich!" „Erlaube!" fuhr sie ihm ins Wort. „Ich möchte bezweifeln, ob deine Liebe überhaupt an die meine heranreicht!" „Kind!" Er nahm ihre fahrigen Hände in die seinen und lehnte den Kopf gegen ihre Brust. „Zu Weihnachten halte lch um dich an. es dir recht?" Sie erwiderte nicht gleich und schickte den Blick nach dem Gezweig der Erlen, das über chnen zitterte. „Die Mama hot mir gesagt, dah dos Gut an Lenore und mich fällt. Solange also meine Schwester nicht heiratet, bist du hier unumschränkter Herrscher." Ein dunkles Rot jagte in sein Gesicht. Sie fühlte, wie feine Finger die ihren prehten und zuckte vor Schmerz zusammen. „Ich bin jetzt nicht mehr so arm wie früher, Suse? — Meine Mutter hat mir etwas Vermögen hinterlassen. Ich kann ein kleineres Objekt pachten und hoffe, dah du mit mir in das Heim kommst, das ich dir bieten kann. Ich werde es dir so schön und sorglos als möglich zu machen suchen!" „Du bist ja verrückt!" lachte sie nervös. „ilnb auf Recklinhausen lassen wir dann einen anderen sitzen, der möglicherweise das Ganze hinunterwirtschaftet." „Deine Mutter —" unterbrach er sie. „Wird Herrin auf Groh-Steinoch. — Ich bitte dich, dah du das vorläufig noch als dein und mein Geheimnis betrachtest, bis es offiziell ist. — Wenn es mir einmal ginge, wie Lenore — dah du mich betrügen würdest, Dieter!" sprang sie unvermittelt auf ein anderes Thema über. Er lächelte, weil er ihrem Gedankengange nicht zu folgen vermochte. „Darüber kannst du unbesorgt sein, mein Liebes! Dos wirst du nicht erleben!" „Rur angenommen!" versteifte sie sich, und sah mit flimmernden Augen zu ihm auf. „Ich würde es nicht machen, wie Lenore! Darauf kannst du dich verlassen!" „Nicht?" scherzte er. „Was würdest du dann tun?“ ..Dich einfach fallen lassen, mein Lieber!" rief sie. „Gleich am nächsten Tage heirate ich einen anderen, und wenn es ein Landstreicher wäre." „Du wirst keinen Landstreicher zum Manne nehmen müssen", tröstete er. „Wie lange bleibst du?" „Ich denke um 15 älhr wegzufahren. Die Mama ängstigt sich sonst." Er sah nach seiner Uhr und lehnte den Kopf noch einmal gegen ihre Brust. „Küsse mich, bah ich nicht verschmachte bis zum nächstenmal, mein Liebes", bat er. Lind als sie nicht willfahrte, hob er ihr Gesicht: es trug einen müden Ausdruck. „Du quälst dich mit etwas! Willst du mir nicht sagen, was es ist, Suse?" lFortsetzung folgt.) Geld in Massen zum richtigen Preis' ■ 1.351 I w 1 2.581 ■ breit, mod.Faroc Wovia® ______________________________________________________2646 A auch für Sie 2644 D durch die Klassenlotterie! Die Ziehung der ersten Klasse beginnt wieder am 22. April Lose RM?5. 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Ihre Fäden reichten bis nach Birma und Holländis ch - Indien hinüber: ihre Anhänger waren selbst unter den einheimischen Beamten zu suchen, die jedenfalls z. T. von der Kolonialpresse der direkten Mitschuld bezichtigt wurden. Wenn sie auch nicht zu den Waffen gegriffen hatten, so hatten sie doch die Propaganda geduldet! Für alle Einsichtigen war es also klar, dah hier Moskau seine Hand im Spiele hatte. Der Rachweis. daß das so war, fiel der Polizei, Wohl verstanden der französischen politischen Polizei, nicht schwer, denn es wurden kommunistische Druckschriften in so großen Mengen vorgefunden, dah man zunächst die Funde nicht einmal bekannt zu geben wagte. Dazu kam dann die Organisation, allgemeine Aussprache über den Staatsvoran- chlag 1932 einleiten. Den Mitgliedern des Aus- schusses ist der Entwurf des Etats am Samstag zugegangen. Wir entnehmen der beigefügten Denkschrift de sFinanzministeriums o,e folgenden Angaben: Ziel des Voranschlags war, das Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben wiederherzustellen. Er schließt für d e n 0 r d e n t l i ch e n H a u s h a l t in Einnahme und Ausgabe mit 108 542 555 Mark ab. Gegen- ai9?r baden sich die Ausgabeziffern um 29,8 Millionen Mark vermindert. Das Jahr 1929, in dem die neue Befoldungsordnung sich erstmalig ?? 1 batte seine Abschlußziffer noch um 33,4 Mill. Mk. hoher, und das Jahr 1926 mit Öen alten Desoldungssähen weist ebenfalls noch einen mit 18,2 Mill. Mk. immer noch erheblich höheren Ausgabesatz auf. Zu den starken Einsparungen hat neben der allgemeinen Tendenz, die Ausgaben des Staates zu senken, auch die Verminderung der Einnahmeseite den Anstoß gegeben. Auch die Staatseinnahmen sind von den Hnsicherheits- faktoren der Konjunkturschwankungen weitest gehend beeinflußt. Während das F 0 r st k 0 p i - tel im Jahre 1927 noch einen Heberschuß von 2.6, im Jahre 1930 noch einen von 2,3 Millionen lieferte, bringt bei den von 17,90 Mk. im Jahre 1927 auf 12,29 Mk. pro1 Festmeter gefallenen Holzpreisen der Waldbesih Hessens nur noch eine vorschlagsmähige Einnahme von 777 000 Mk. Hessen ist dabei immer noch günstiger daran als manche anderen Länder, deren Waldungen Zu- schuhbetriebe statt Einnahmequellen geworden sind. Ebenso sind die Einnahmen aus den Domänen und den Kameralgütern zurückgegangen. Dad-Rauheim, das im Vorjahre noch mit einer Ablieferung von 430 000 Mk. eingesetzt war, kann dieses Jahr ebenso wie die Weinbaudomäne nichts abliefern. Stark zurückgegangen sind auch die Einnahmen aus den Londes steuern. Zusammen mit dem zu erwartenden Rückgang aus der Wirtschaftslage bringt die gesetzlich angeordnete Herabsetzung der Sondergebäude st euer einen Ausfall von 5,4 Mill. Mk., die Grund - und Gebäudesteuer von 0,5 und die indirekten Abgaben von 1,1 Mill. Wk. Die Anteile aus den Reichs- steuerüberweisungen verminderten sich um rund 10 Millionen, d. i. nahezu ein Drittel des Ansatzes im letzten Voranschlagsjahr, trotzdem die Erhöhung der Hmsatzsteuer von 0,85 auf 2 Prozent darin berücksichtigt ist. Aus dieser Situation ist es verständlich, daß neue Ausgaben in dem Etatsentwurf und eine Vermehrung des Personalbestandes ausgeschlossen waren. Die bereits im Vorjahre um 25 Prozent gesenkten sachlichen Ausgaben sind nach Möglichkeit entsprechend der allgemeinen Preis- und Lohnsenkung um weitere 10 Prozent gekürzt worden. Der Hauptteil der Einsparungen entfällt aus die persön 1 ichen K 0 sten . die um 15,3 Mill. Mk. herabgesetzt wurden. Sie betragen jetzt nur noch 70,8 Mill. Mk. Aus dem Gebiete der Schulen sind 100 Stellen bei den Volksschulen und 60 bei den Fortbildungsschulen e i n g e s p a r t worden. Diese Maßnahme hat sich durch die freiwilligen Pensionierungen über 62 Jahre alter Lehrkräfte ohne Härte für die Junglehrerschast durchführen lassen. Beim höheren Schulwesen wurden Einsparungen durch weitere Zusammenlegung von Klassen und durch andere Organisation der Aufbauschulen erzielt. Die Gehälterder weiblichen Lehr- k r ä f t e sind entsprechend der Regelung in den meisten anderen Ländern um 10 Prozent herabgesetzt worden. Auch die ZuschüssefürHni- v e r s i t ä t und Technische Hochschule sind außerordentlich vermindert worden. Das Landes- Sie rote Fahne über Französisch-Mochina Kommunismus und Nationalismus unten den Annamiten. Von unserem Pariser —Berichterstatter. Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Nachrichten über Unruhen in Französisch - Jndochina ist man in Frankreich gewohnt. Wenn da pb und zu einmal ein paar Fremdenlegionäre ihr Leben lassen mußten, ja, daß auch die französischen Bataillone eingesetzt werden mußten, weil es einige Aufstände Legeben hatte — das alles schien wenig beunruhigend. Schließlich waren diese Vorgänge alle mit der wirtschaftlichen R 0 t 1 age zu erklären und die Hauptsache war doch, daß die Behörden die Ruhe und Ordnung wieder Herstellen und dann aufrechterhalten konnten. Erst als mit- geteilt wurde, daß der Kolonialminister Rcy - raut) sich persönlich nach Jndochina begeben würde, begann man aufzuhorchen, — und nun, das läßt sich nicht länger verheimlichen, verfolgt man die Dinge dort unten mit aufrichtiger Sorge. Warum mit einemmal diese Unruhe? Run, das laßt sich sehr einfach erklären: Die energischen polizeilichen Rachforschungen der Behörden haben em weitverzweigtes kommunistisches Komplott aufgedeckt, das auf syste- t h e a t e r erhält nur noch den Betrag, der an Kosten dem Staate verbleiben würde, wenn das Theater geschlossen würde. Auf dem Gebiete der Justizverwaltung sind im Interesse der Gemeinden Amtsgerichte nicht aufgehoben worden, jedoch erfolgten Stelleneinsparungen. Die Gesamtzahl der höheren Justizbeamten ist in Hessen bereits geringer als in Friedenszeit. Eine Aufhebung von Kreisämtern erfolgte nicht. In sehr erheblichem Maße wurde bei den Ministerien eilige* spart, bei denen insbesondere bei den höheren und mittleren Beamten die Zahl der Stellen gegenüber dem Stellenplan nunmehr um 2 0 Pr 0 - z e n t vermindert worden ist. Gießener Giadttheater. March cn freilich nicht viel zu erzählen, denn die Ge- ; schichte ist ja aus den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm längst allen Großen und Kleinen gut bekannt, und die Handlung folgt natürlich hier in großen Zügen getreu, obwohl mit allerlei Ausschmückungen und theatralischem Zierrat, dem in allen Märchenbüchern zu lesenden Text. Im Desenbinderhäuschen, wo Hänsel und Gretel I wohnen, hebt es an, und im wilden Wald, vor dem Pfefferkuchenhäuschen, erlebt die Märchen- Handlung ihren Höhepunkt und ihren allgemein mit Jubel und Befriedigung aufgenommenen Abschluß. Die Szenen mit der greulichen alten S Knusperhexe waren denn auch in jeder Hinsicht der Clou des Rachmittags. Hier konnte man wieder einmal merken, daß Kinder noch immer das dankbarste und begeisterungsfähigste Publikum im Theater bilden. Ihnen sind noch die Grenzen zwischen Märchen und Leben, zwischen Phantasie und Wirklichkeit schwankend und fließend: und der Spielraum erweiterte . sich auch, je dramatischer es wurde, um so intensiver über die Dorhanggrenze ins Parkett hinein: der Dialog sprang über in den Zuschauerraum, j und die ganze kleine Gesellschaft spielte mit ohrenbetäubender Begeisterung und vortrefflichen Zwischenrufen aus dem Stegreif mit. 21m schönsten war es, als die Knusperhexe mit Hchwung in den Backofen befördert wurde, womit in der dramatischen Handlung ein Punkt erreicht war, welcher gewissermaßen der Peripetie in der klassischen Tragödie entspricht und auch mindestens die gleichen Wirkungen im Zuschauergemüt her- vorbrachte. * Es wurde hübsch und mit lebendiger Hingabe gespielt. Die kleine Erika Graf war die Gretel, sie verstand es mit Natürlichkeit und unter allgemeiner Anteilnahme ihre Märchenrolle geläufig und ungezwungen zu verkörpern: auch fang und tanzte sie sehr niedlich mit ihrem Bruder Hänsel, der von Gerda Graf frisch und bubenhaft dargestellt wurde. Eine besondere Sensation bildete die Knusper- hexe von Fritz Graf: ein überaus scheusäliges Weib mit erschreckender Nase und wahrhaft diabolischer Geschwätzigkeit: eine Figur von fataler Echtheit, umgeben von der rastlosen Aufmerksamkeit, den Beifallsstürmen und Heiterkeitsausbrüchen der jugendlichen Zuhörerschaft. Fiffi Graf war ein feenhaft weißgekleideter Schutzengel, der mit himmlisch-beruhigenden und tröstlichen Worten und Gebärden über die Szene schwebte. Peter Paul Schmidt und Luise W a g I e r gaben die Desenbindersleute, Vater und Mutter, bieder und treuherzig, wie sie im Märchenbuch stehen. Es war ein großer Erfolg — davon haben wir schon gesprochen — und ein bedeutendes Erlebnis für viele kleine Leute. Hnö die Knusperhexe wird, wie wir vermuten, heute nacht in manchen Kinderträumen märchenhaft nachspukend ihr Wesen getrieben haben. hth. Oer Nerzpelz und die feite Gans. „Lächeln im Gerichtssaal" — so heißt eine luftige Plauderei, die der bekannte Journalist Christian Bouchholtz zu flotten Zeichnungen von Monika L e p s i u s geschrieben hat. Wir entnehmen ihr einige hübsche Erlebnisse: das Ganze finden die Leser im Aprilheft von Delhagen und Klasings Monatsheften. Zunächst: eine Ehegeschichte. Ein Bettler ist angeklagt, einen teuren Nerzpelz gestohlen zu haben. Das bestohlene Ehepaar ist entrüstet zur Stelle. Der Bettler stellt die Sache so dar: Er fei ganz harmlos die Treppe hinaufgestiegen, da habe sich plötzlich eine Tür geöffnet, ein Damenpelz sei ihm ins Gesicht geflogen, die Tür wieder zu, und — entzückt von solchem Himmelssegen — sei er zum nächsten Trödler gegangen und habe den Pelz für 60 Mk. verkauft. die stramm nach Moskauer Muster aufgebaut war. Sie bestand in der Errichtung von Zellen in allen Notstandsgebieten, die wieder durch mehrere Zentralen organisatorisch zu- sammengefaßt wurden. An deren Spitze standen berüchtigte Propagandisten Moskaus, die anscheinend ihre Weisungen aus Holländisch-Jndien erhielten, wo sich ja seit langem ein von Chinesen geleitetes kommunistisches Zentrum befindet, das die holländischen Behörden bisher nicht zerstören konnten — weil es einfach nicht auszufinden ist. Bisher haben die Franzosen dieser Propaganda gegenüber so ziemlich d i e Nerven behalten: sie sagten sich, nicht zu Hnrecht, daß ihr System in Jndochina ja ziemlich sicher war: Einmal verwalten sie das Land nicht direkt, sondern auf dem Hinwege über die einheimischen, dem Namen nach selbständigen Regierungen, die Königreiche stehen ja nur unter ihrem .Prote k t 0 r a t“. Dann aber ist Jndochina e i n A g rarland. in dem die alten, feit Hrväter- zeiten hergebrachten Wirtschaftsformen fast unberührt von aller modernen Technik fortbestehen, ebenso wie die Sitten der Bevölkerung. Weshalb, so sagten sich die Franzosen, sollten die Leute allo unzufrieden sein? Hnö wo sollte die kommunistische Propaganda, die überall in der Welt sich auf das Jndustrieproletariat stützt, hier ansetzen? Bei der Landbevölkerung etwa? Hnö doch ist diese französische Rechnung falsch. Denn die französische Oberverwaltung war eben doch spürbar und wurde den Einheimischen immer verhaßter. Die Methode, die einheimische Intelligenz in Frankreich erziehen zu lassen, hat nicht verfangen. In Paris hat sie nut das „Gift" des Rationalismus und den Wunsch nach europäischen Reformen eingesogen und fühlt sich nun zurückgesetzt, sobald sie wieder in der Heimat ist. Die französischen Beamten werden besser bezahlt, avancieren schneller, kommen zu wirklich maßgeblichen Stellen, die Annamiten aber 4. D. können nur in die Dienste ihres Königs treten, der beinahe altorientalisch, unter stärkstem Einfluß der einheimischen, am Alken hängenden Priesterkaste, regiert. Der kann natürlich nichts mit jugendlichen Brauseköpfen anfangen. Hnd dann das Beispiel Indiens und Chinas, der beiden Völker, denen sich die Bewohner Jndochinas fo nahe verwandt fühlen. Wenn China seine nationale Freiheit zurückgewann und Indien dank Gandhi dicht davor steht, sollen da Annam und Kam» bodja das nicht auch erreichen können?! Der junge König in Annam, so sagt man, ist zumindest Patriot und leiht zum Kummer der Franzosen sein Ohr Leuten, die ihn in solchen Gedanken noch bestärken. Sollte da der Adel, die Priesterschast und die Kaufmannschaft weniger patriotisch fein? 1913 bereits flammte das Fanal der Freiheit auf — es ist in der Zwischenzeit nicht erloschen. Aber, da man nicht offen konspirieren darf, tut man es im geheimen und fördert zumindest alles, was seinerseits die Befreiung vermeintlich zu fördern vermag. So kommt es, daß die einheimischen Behörden die Ausbreitung der kommunistischen Propaganda unter den Reis- und Gummibauern — vielleicht absichtlich nicht gesehen haben. Der Dauer hatte doch ein Recht, unzufrieden zu sein! Waren für Gummi die Preise in den letzten Jahren immer schlechter geworden, so hat das vorige Jahr Reispreise gebracht, bei denen selbst der Aermste und Bescheidenste nicht mehr vegetieren kann— ein Vorgang, dessen Gründe der Europäer vielleicht, die primitive Bevölkerung Jndochinas aber überhaupt nicht versteht. Das waren alles „Machenschaften der Franzosen", des „Kapitalismus", wie die Kommunisten sagten. Die Strafe der „Götter", wie die nationalistische jüngere Priesterschaft behauptete. Kein Wunder, dah die Agitatoren, die die Abschaffung der Steuern und des Pachtzinses — alle Bauern in Jndochina sind Pächter — forderten, freudig begrüßt wurden. Die Rot war eben so groß, daß man sich selbst dem Teufel verschrieben hätte... Run haben zwar die energischen Polizeiaktionen die kommunistischen Rester zerstört. Wo die De- Ratürlich lacht der ganze Gerichtssaal über soviel lügnerische Hnverfrorenheit. Es stellt sich hernach aber heraus. Das Ehepaar befand sich in großem Zank, die Ehefrau quälte ihren Gatten, sie wolle einen neuen Pelz haben, der alte sei ihr zu schlecht, um keinen Preis ziehe sie ihn mehr an. Da ging dem Ehemann die Galle über. Er packte den Pelz, lief zur Tür und warf ihn zur Wohnung hinaus über das Treppengeländer — gerade dem Bettler ins Gesicht. Hier lachte das Gericht erst recht, schallend, mitsamt dem Staatsanwalt, der den Freispruch des Bettlers erwirkte. Zum Schluß noch ein transzendentales Lächeln. Da stand eine Art Dr. Mabuse, ein Dolksschul- lehrer, vor Gericht, genannt „Prophet von Burg" Hellseher in der Inflationszeit. Von ihm wurde behauptet, er erwerbe sich Reichtümer durch Betrug. In einem Fall wird ihm vorgeworfen, er habe sich für eine Seance mit einer fetten Gans bezahlen lassen. Der Vorsitzende: „Wir alle können uns in diesen Zeiten keinen fetten Gänsebraten leisten." Das brachte das bisher sehr demütige Lehrerlein zum Aufbrausen: „Glauben Sie denn, die Geisterwelt lasse sich durch eine magere Gans bestechen, wenn die als Bezahlung gedacht wäre? Für einen solchen armseligen Vogel spukt kein Geist!" — Er hatte Recht. Zeitschriften. — Da^ Aprilheft der „Kun st" (Verlag F. Druckmann AG. München) gibt mit her neuen Matthäikirche in Düsseldorf, ein folgerichtiges Beispiel modernen Kirchenbaues, ein Kunstwerk, das in allen Teilen wohl abgewogen ist. Die Bedeutung der modernen Medaille, ist im Bilde guter neuer Schöpfungen bargelegt. Photographien, die eine persönliche und durchgeistigte Auffassung erfordern und so im Sinne der bildenden Kunst künstlerisch genannt werden müssen, zeigen uns die nächsten Seiten. Im Zusammenhang mit einer reichen Dilderfolge wird das Wesen der deutschen Neuromantik in der Malerei der Gegenwart zu deuten versucht. In einer illustrierten Besprechung zeitgemäßer Gärten wird gesagt, dah die in der neuzeitlichen Gartengestaltung oft geübte Häufung von Terrassen, Treppen, Pergolen und Lauben die Pflanze als eigentliche lebendige Htform der Gartenkunst in die zweite Linie zu verdrängen droht. — Schließlich bietet das Heft praktische Anregungen für das Einfamilienhaus, und für die Beschaffung eines den künstlerischen Erfordernissen unserer Zeit entsprechenden Hausrates. völkerung zu den Waffen gegriffen hatte, hat man, wenn auch unter schweren Verlusten, die Revolten Niederschlagen können — aber man täuscht sich in Paris nicht darüber, daß es damit nicht getan ist. Die Rot muß sich weiter steigern, da dieses Jahr eine furchtbare Mißernte eingetreten ist, die ganze Provinzen der Hungersnot auszuliefern droht. Wird da nicht die foinmuniftifcbe Aktion neuen Boden finden? Jedenfalls hat die französische Kolonie bereits energisch verlangt, daß die Besatzung verstärkt wurde. Die neun Bataillone. mit denen Frankreich eine Bevölkerung von säst 20 Millionen im Zaum hält, reichen sicher nicht aus, wenn sich die Dinge weiter verschärfen, was man mit Sicherheit erwarten muß. Dann ist man mit dem Generalgouverneur Pas- q u i c r nicht einverstanden, dör die Dinge auf die leichte Schulter nimmt. Soll es hier wieder zu einem der großen Kolonialskandale kommen, an denen die französische Geschichte so reich ist ? Man versteht es jedenfalls, wenn sich Mr. Rcynaud nach Jndochina begeben hat. um an Ort und Stelle nachzuprüsen. wie die Lage ist. Wird er die Heberzeugung gewinnen, daß die Kolonie ernsthaft vom roten Gift angefressen ist, oder daß gar in absehbarer Zeit die rote Fahne auch über diesem Lande wehen wird? Eine Frage, deren Beantwortung sür Frankreichs Stellung in Ostasien von größter Bedeutung sein wird! Aus der Provmzialhauptttadt. Gießen, den 5. April 1932. Verlorener kleiner Trost. Wo bist bu, fremder Freund?--Abendlicher kleiner Trost, ich habe dich verloren. Pünktlich, Tag für Tag, Monat für Monat, um 20.15 Uhr biege ich um die Ecke einer kleinen Straße. Und bin unter deinem Fenster. Das sagte zuerst nichts. Fremdes unpersönliches Fenster an einer langen Straße. Bis zum Dezember. Da war die Gardine aufgezogen, ein fremder Mann stand am offenen Fenster, rauchte eine Zigarette und sah mich zufällig und abwesend an. Wiederholung am nächsten Abend. Und nun wurde aus dem Zufall Absicht. Es ist oft ein wenig betrübend, Abend für Abend von dem warmen Zuhause, dem roten Lampenschimmer, dem beglückenden Alleinsein für zwei Stunden Abschied nehmen zu müssen. Manchmal regnet es. unfreundlich spiegelt feuchter Asphalt. Nebel verhängt die Laternen, Kälte springt hart entgegen. Aber auf dem Wege fand sich ein Trost. Fremder Freund am Fenster, lädjelnb grüßend, aber immer stumm. Einmal, sehnsüchtiger, frühlingshafter Abend, war dein Fenster wieder geöffnet. Um die Ecke biegend, sah ich dein lächelndes Gesicht, sang eine Geige aus deinem Zimmer. Grammophon auf dem Fenstersims „Leise flehen meine Lieder". — Sachliche Romantik? Halb Gefühl, halb Lächeln? Tröstliche kleine Musik. Vor mir noch ein langer Weg, vor mir zwei Stunden Pflicht. Jedoch, ich lächle. Und nun ist mein Trost im Abend verloren Drei, vier Tage sind vergangen. Dunkel liegt das ienfter, Gardinen feindlich zugezogen. Stein Licht, kein Lächeln. Bist du krank, verreist, für immer fort? ... Alles ist unbekannt. Heute, Lichtschein. Ob .. ? Fremder Mann steht am Fenster, ja, auch er raucht und sieht über mich hinweg auf die Straße. Nun ist der Weg wieder lang, vor mir zwei Stunden Pflicht. Jedoch, ich lächle nicht. Wo bist du, fremder Freund? S. 0. M. Mehrfache Stimmabgabe ist strafbar. Rach Öen Vorschriften des Wahlgesetzes ist der Wohnsitz des Wählers für Öie Aufnahme in die Wählerliste ober Wählerkartei maßgebend. Personen, die mehrere Wohnsitze haben, werden daher auch in mehrere Listen oder Karteien aufgenommen. Dieser Hmstand berechtigt sie aber keineswegs, mehrfach ihre Stimme abzugeben. Vielmehr hat jeder Wähler ohne Rücksicht darauf, in wieviel Verzeichnissen von Stimmberechtigten er verzeichnet steht, nur eine Stimme. Jede mehrfache Stimmabgabe durch ein und „Tabu" - ein $ilm. Dieser Film ist die letzte Hinterlassenschaft des vor einiger Zeit verstorbenen, hochbegabten deutschen Regisseurs F. W. Murnau. Die Handlung spielt auf der Insel Bora-Bora in der Südsee. Hier sind sämtliche Aufnahmen gedreht worden. Insulaner, wundervoll ebenmäßig gewachsene Menschen (dazu ein paar Mischlinge und Chinesen) spielen die großen und die kleinen Rollen. Aber man kann kaum sagen, daß sie eine Rolle spielen: sie sind einfach da, sie leben ihr heiteres primitives und paradiesisches Leben inmitten einer großartigen Natur, umgeben von Palmen und rauschendem Meer, und alle ihre Gebärden, ihre Handlung und Körperhaltung sind von einer anmutigen und ausdrucksstarken Schlichtheit und Unmittelbarkeit, die des gesprochenen oder geschriebenen Wortes kaum bedarf, um sich verständlich zu machen. Eine melodiöse, ein wenig melancholische Musik ist die einzige, manchmal laut- malerische Begleitung, die sich ganz zwangslos in die harmonische Verbundenheit von Mensch und Landschaft einfügt. Die Handlung vereinigt in sich die Schlichtheit des Volksliedes und die dramatische Wucht der Ballade: sie beschreibt das Schicksal, Glück und Ende eines schönen und jungen Liebespaares. Das Mädchen ist vom Gesetz des Stammes dazu auserfehen, den Göttern geweiht zu werden: das macht sie „tabu“, unberüf)rbar, und trennt sie für immer von ihrem Geliebten. Zwar gelingt den Liebenden die Flucht, aber vom Paradies ihrer Kindheit werden sie verschlagen in die fremde und von unbegreiflidjen Gesetzen regierte Welt der europäischen Zivilisation. Ein Geschick, dem sie ahn- mächtig gegenüberstehen, läßt ihr kurzes Glück der Gemeinsamkeit in Trennung und Tod enden. — Murnaus Regie hat Menichen und Landschaft in ihrem reinen Zusammenklang erfaßt und in prachtvollen Bildern wiedergegeben. Dabei wirken Natur und Handlung mit gleicher Eindringlichkeit: die Aufnahmetechnik arbeitet mit durchaus film- gerechten Mitteln. Und weder in den Einzelszenen noch in den Massenauftritten wird irgendein europäischer Einfluß im peinlichen oder auch nur störenden Sinne spürbar. Alles geschieh! ganz zwanglos und ungestellt, ganz naiv, im Rhyihmus eines einfachen und naturnahen Lebens: Bilder von Spiel und Tanz, von Fischfang und Seefahrt scheinen wie .zufällig und ohne ästhetische Absicht aufgenommer.. Das Perlenmotio und öie Taucher-Szenen sind regiemäßig besonders gelungen. — Man sollte sich diesen Film ansehen: er ist in seiner Eigenart und Schönheit kaum mit einem andern Werk seiner Gattung zu vergleichen. —r— dieselbe Person stellt sich als Wahlfälschung dar, die nach § 10 StGB, mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft wird. Daneben kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden. Voranschlagsberaiung des Gießener Kreistages. DerKreistagdesKreisesGießen wird am kommenden Samstag, 9. April, 14 Uhr, im Sitzungssaals des Regierungsgebäudes in Gießen in einer öffentlichen Sitzung zufammentreten. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: 1 Dienstemweisung von Kreistagsmitgliedern. 2. Prüfung und Begutachtung der Rechnung der Kreiskasse und des Verwaltungsberichts des Kreis- ausschufses für 1930. 3. Feststellung des Voranschlags des Kreises Gießen für 1932 und in Verbindung damit Beschlußfassung über die Ausschlagssätze für die Kreisumlagen und die Kreis-Sondergebäudesteuer für 1932 Rj. 4. Erhebung einer Kreis-Hundesteuer 1932. 5. Verschiedenes. Außerordentliche Mitgliederversammlung der AGOAp. Die NSDAP., Ortsgruppe Gießen, hielt am Samstag — wie uns berichtet wird — eine außerordentliche Mitgliederversammlung im vollbesetzten Saale des Cafä Leib ab. Dr. Hardt begrüßte die Versammlung, stellte ein stetes Wachsen des Mitgliederbestandes in der Stadt Gießen fest und sprach seine Befriedigung über den regen Besuch der Mitgliederversammlung aus. Sodann sprach Dr. Blank in längeren Aus- führungen über die Lehren aus dem ersten Wahlgang zur Reichspräsidentenwahl. Er stellte fest, daß das Wahlergebnis vom 13. März 1932 bewiesen habe, hinter wem das nationale Deutschland stehe. Die NSDAP, habe seit September 1930 sich in ihren Wählermossen nahezu verdoppelt, und die Bewegung könne auf diesen nidjt wegzuleugnenden Erfolg zusammen mit ihrem Führer stolz fein. Sie sei aber weit davon entfernt, auf ihren Lorbeeren auszuruhen, vielmehr sei der Kampf für das deutsche Volk und dessen Zukunft schon am 14. März 1932 getreu dem Vorbild des Führers fortgesetzt worden. Der nationalsozialistischen Bewegung und deren Führer fei zwar die Rundfunk-Propaganda unmög- lich gemacht worden, während der Kandidat von beinahe 16 Parteien und Verbänden, sowie auch der vornehmste Vertreter dieser Parteien über dieses beste Werbemittel verfügen konnten. Der Kampf der sogenannten Hindenburgsront sei entgegen der vorangegangenen Ankündigung ost weit entfernt von der Ritterlichkeit gewesen, während die nationalsozialistische Bewegung gemäß der Anordnung ihres obersten Führers stets die Ehrfurcht vor der Person Hindenburgs betont hätte. Noch nie seien so viele Unwahrheiten und Entstellungen in Wort und Schrift über die Ziele der nationalsozialistischen Bewegung verbreitet worden. Es sei nicht wahr, daß die Nationalsozialisten den Bürgerkrieg anstrebten, vielmehr bürge Hitler dafür, daß in dem neuen Deutschland niemals Bürgerkriegstimmung entstehen könne, weil der neue Staat als feine wichtigste Grundlage die soziale Gerechtigkeit betrachte. Ebenso unsinnig sei das Gerede von Inflation, Arbeiterentrechtung, Beamtenentrechtung, Beseitigung ober Kürzung der Sozialrenten und Pensionen, sowie der Entfernung der Frauen aus den Berufen und Betrieben. Zum Schluß feuerte Dr. Blank die Mitglieder der Partei an, alles zu tun, was in ihren Kräften stehe und dem Beispiel des Führers folgend alle verfügbare Zeit in den Dienst der Bewegung und damit des deutschen Volkes zu stellen. Der 10. April 1932 fft ein weiterer Markstein auf dem Wege zum Siege und besonders der stimmende Akkord für den 24. April, der Preußens Schicksal in neue Wege leite. Nach Dr. Blank sprach Dr Hardt über den Weg, den die Propaganda zu gehen habe. Er wies vor allem darauf hin, daß die Propaganda von Mund zu Munh die Propagandaart sei, die noch nicht genügend angewandt worden wäre. Zum Schluß sprach Barthelomäus zusammenfassend einige begeisternde Worte, die die absolute Zuversicht für den kommenden Sieg der nationalsozialistischen Idee in unserem deutschen Vaterland zum Ausdruck brachten. Ein Abiiurienien-Zubiläum nach 50Zahren in Gießen. Man berichtet uns: Am 20. März d. 3. waren zur Feier ihres 50jährigen Abiturien- ten-3ubiläums in Gießen zusammen- gekommcn: Oberstudiendirektor i. *2L Prof. Fr. Henk - Gonsenheim, zuletzt Direktor des Realgymnasiums in Gießen; Sanitätsrat Dr. K. Heß, Kurarzt und leitenoer Arzt des Elisabeth-Hauses in Bad-Nauheim; Sanitätsrat Dr. A. Koch, ärztlicher Direktor der Heilanstalten vom Roten Kreuz in Hohenlychen, Kreis Templin; Oberstudienrat i. R. Prof. Fr. Schmitt-Mainz; Präsident i. R. der Oberrechnungskammer und des Derwaltungsgerichtshofes K. S ü f f e r t, Darmstadt; Forstmeister i.R. R. Wigand- Marburg; Sanitätsrat Dr. O. Wigand- Fronhausen; aus alter Anhänglichkeit feierte Sanitätsrat Dr. Fr. Schliephake -Gießen mit. Durch Krankheit entschuldigt fehlte Professor Dr. med. W. von Grolman - Wiesbaden, unentschuldigt fehlte Privatlehrer L. Flett- Kolonie Eden bei Oranienburg. Verstorben waren schon vor der ersten Zusammenkunft, die vor zehn Jahren stattgefunden hatte, Dr. med. O. C m - me rich , Sanatoriumsbesitzer in Baden-Baden, Dr. R. Kräuter, praktischer Arzt in Nidda, Landgerichtsrat Dr. H. Marx- Mainz und Oberlandesgerichtsrat L. W e l ck e r - Naumburg. Nach einem Bummel durch die Stadt, bei dem natürlich auch das „alte Pennal" am Brandplatz, in dessen Sexta die Mehrzahl der Besucher Ostern 1873 eingetreten war, nicht vergessen wurde, wurde man in liebenswürdigster Weise im neuen Gymnasium, aus dessen Oberprima man am Geburtstag des alten Kaisers Wilhelm am 22. März 1882 mit dem Zeugnis der Reife und „den besten Wünschen für die fernere Zukunft" entlassen worden war, von dem jetzigen Direktor, Herrn Oberstudiendirektor A l t e n d o r f empfangen und geführt; er hatte es sich nicht nehmen lassen, die Akten aus dem letzten Schuljahr der Besucher hervorzusuchen und vorzulegen, wofür ihm herzlichst gedankt sei. Welche Fülle von Erinnerungen knüpfte sich an so manchen Schulraum! Zum Schluß verweilte man noch vor dem in der Aula angebrachten Marmor-Relief des trotz seiner Strenge von allen hochverehrten damaligen Direktors, des Geheimen Oberschulrates Prof. Dr. Hermann Schiller, und man schied dann auS dem Haus, das so viel für das Leben der jetzigen Gäste mitgegeben hat; „non scholae, sed vitae discimusr Zum 300Zahreslag der Schlacht amiech. Feldmarschall Graf Tilly König G u ft a d Adolf von Schweden. Zeitgenössische Darstellung der Schlacht am Lech (5. Avril 1632), in der Gustav Adolf den Kaiserlichen unter Tilly eine entscheidende Niederlage beibrachte. Tilly selbst wurde schwer verwundet und starb auf der Flucht am 30. April 1632. Das Gustav-Adolf-Zahr -1932. Don (Selma Lagerlöf. Es mag wenig ratsam erscheinen, schon jetzt, während der ersten Monate etwas über das Jahr 1932 vorauszusagen. Einer Sache aber kann man sicher sein, nämlich daß es ein G u st a v - A d o l f- 3 a h r werden wird, denn seit des großen Königs Tod sind 300 3ahre verflossen. Während des ganzen 3ahres werden seinetwegen also Trauerfeiern stottfinden, man wird sein Leben und Wirken erörtern, Verse werden gedichtet und Hymnen gesungen werden. Es wird gepredigt, geredet und geschrieben werden, alles zu seinen Ehren, alte Kindheitsgeschichten werden wieder wachgerufen: wir werden im Gefolge von Helden in Koller und Spitzenkragen durch Deutschland ziehen, über Lützens Schlachtfeld wird wieder das blutbcspritzte Pferd mit dem leeren Sattel sprengen, und die Dankbarkeit geretteter Protestanten wird unsere Herzen erwärmen. All dies können wir erwarten; aber wie cs auch werden mag. so bedrückt es uns doch ein wenig. Nicht etwa, weil wir Gustav Adolf nicht liebten und seine Taten nicht bewunderten, sondern weil wir fürchten, den rechten Enthusiasmus dennoch nicht aufbringen zu können. Vielleicht sind es nur wir Aelteren, die so fühlen, vielleicht sogar nur die von uns, die das Gustav-Adolf-3ahr 1894, die Dreihundertjahrfeier der Geburt des großen Königs, miterlebten. Damals war ich zu Beginn des 3ahres erfüllt von Begeisterung und Verehrung, aber nach allem Feiern und Preisen, nach allen Gottesdiensten und Theatervorstellungen jenes 3ahres fühlte ich mich seltsam müde und lau, arm und leer geworden. Seitdem scheint es mir, als sei es nicht recht, unsere großen Männer auf so mechanische Weise zu feiern, nur weil eine gewisse Anzahl von 3ahren seit ihrer Geburt ober ihrem Tod verflossen ist. Was nützte es damals, im 3ahre 1894. den Helden, der in einer Zeit größter Not wie ein gottgesandter Retter erschien, zu feiern? Wir lebten ja ruhig, zufrieden, gesichert. Wir konnten nicht nachempfinden, wie Menschen, die sowohl vor geistigem wie körperlichem Zusammenbruch standen, gefürchtet und gelitten hatten. Wir konnten uns nicht vorstellen, wie wunderbar cs gewesen sein muhte, als der Befreier kam, konnten uns nicht vorstellen, daß ein schwedischer König den Glanz eines vom Himmel Gesandten erhielt, daß die Geretteten ihn von einem Glorienschein umgeben schauten, seine Hände küßten und zu Seiten seines WegeS niederknieten. Doch jetzt, im 3ahre 1932? Mir scheint, diesmal ist alles anders. 3ch glaube, dies ist ein 3ahr. in dem die Menschheit in Ratlosigkeit und Verzweiflung nach einem Trostesschimmer sucht, ein 3ahr. in dem die Menschen ohne äleberdruß und Übersättigung wieder willig sind, den schönen alten Geschichten zu lauschen: vom Heiland, der sich mitten im tiefsten Elend offenbarte, vom Licht, das für alle leuchtete, die in tiefer Finsternis wanderten. 3cht ist es wieder Zeit von 3sais Sohn zu erzählen, der die 3sraeliten aus der Gewalt der Philister errettet, vom Bauernmädchen aus Domremy, das die Franzosen wieder zu Herren im eigenen Lande machte, von Gustav Adolf, dem Echwedenkönig, der Deutschlands Protestanten vom würgenden Griff des Kaisers und der Liga befreite. Was kann nnh. Sä ke und Hoffnung verleihen, als die Erscheinungen solcher wundersamen Menschen? Meist sind sie aus geringem Stande, in großer Armut aufgewachsen; einzig der eigene Genius und das eigene brennende Herz gibt ihnen die Kraft zu ihrem Tun. Don geringer Herkunft war der Schwedenkönig allerdings nicht, aber wie machtlos und ungefährlich muhte ein Herrscher über eineinhalb Millionen Menschen im armen Norden all den mächtigen Feinden erscheinen, mit denen er es aufzunehmen sich unterfing. Machtlos und ungefährlich, gewih. und doch auf besondere Weise erwählt und vorbereitet für sein Befreiungswerk. Da war 'das Gedenken an seinen Großvater, der auch ein Befreier gewesen war und der sich dies zu seiner höchsten Ehre rechnete. Da war die strenge Zucht, die Gewöhnung an ernste Arbeit, die er von seinem Vater gelernt, da war das ganze herrliche Vätererbe an durchdringendem Geist, an Feldherrn- begabung, an Herrschernatur, an glänzenden gesellschaftlichen Gaben, an körperlicher Kraft und Schönheit. Da war der Mut, die Lust, große Taten zu wagen, der Glaube an die eigene Kraft, Mitleid mit den Unterdrückten und der brennende Wunsch, Gottes Willen zu tun. Da war auch der grohe Staatsmann, der ihm zur Seite stand und die klugen Heerführer. Da war sein Volk, dem die Abenteurerlust im alten Wikingerblut pochte. Da waren die harten Unglücksjahre zu Beginn seiner Regierung, die ihm Lebenserfahrung, Ausdauer, Stärke und Weisheit gaben. Da war endlich der Erfolg, der ihn demütig, mild und verträglich machte. 3e mehr man schaut und forscht und sieht, wie alles für ein grohes Ziel zurechtgelegt war, desto mehr kann man seine Zeitgenossen verstehen, die in ihm nicht einen gewöhnlichen Menschen, sondern einen von jenen sahen, die mit Gottes besonderer Gnade ausgerüstet und berufen sind, fein Werk zu tun. ilnö für uns Heutige? Für uns. die wir inmitten der Angst und Not der Gegenwart stehen? Was immer unser Glaube fein mag, so verleiht cs uns Zuversicht und Trost, zu wissen, daß es Menschen wie unseren großen König gegeben hat, und daß solche Menschen noch heute kommen können. Das entfacht unser Hoffon, das gibt uns Kraft auszuhalten. 3mmer find den Menschen Retter erschienen. Sie sind früher gekommen und fie werden, sie müssen auch in unserer Zeit kommen. Es sand dann, wie auch vor 10 3ahren, ein Ausflug nach dem Schiffenberg statt, der die ehemaligen Schüler während der Pennälerzeit so manches liebe Mal zu — nicht immer ganz erlaubtem — fröhlichem Tun versammelt gesehen hatte; noch ein Stündchen im Cafe Schwarz am Bahnhof und man trennte sich mit dem Gelöbnis. von jetzt an alle 3ahre Husammenzukommen, um die schönen Kindheits- und 3ugenderinnerun- gen weiterhin zu pflegen. Dr. K. Vornottzen — TageskalenderfürDienstag. Stadt- theater: „Morgen geht's uns gut", 20 bis 22.30 Uhr. — NSDAP.: 20.30 Uhr, Cafe Leib, öffentliche Kundgebung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Tabu". — Aus dem Stadttheaterdureau wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, erste Wiederholung des Operettensensationserfolges „Morgen geht's uns gut“. Hans Müller schrieb den Text nach Motiven einer alten Wiener Posse, die ihre Zugkraft auch in dieser neuen Fassung bewährt. Ralph Benatzky komponierte die Musik. Die Gießener Ausführung wird getragen von Heinrich Hub als Spielleiter und Hauptdarsteller, wirksam unterstützt von seiner Partnerin Eva Herms als Gast. Die musikalische Leitung bat Walter Moehl, die gesamte tänzerische Leitung Ewald D ä u l k e, dessen Tanzgruppe die Girls angeboren. 3m Rahmen der Vorstellung, bei der Publikum, Kapelle, Theater- personal, ja sogar die Kulissen selber in die Handlung eingreifen, findet eine Frühjahrsmoden- schau statt» Innerhalb der Modenschau führt die Tanzgruppe D ä u l k e Modetänze vor; Ewald und Anni Däulke bringen ein Tanz-Solo. Ein reichhaltiger und vergnüglicher Abend! 25. Vorstellung im Dienstag-Abonnement zu Operettenpreisen. Ende nach 22.30 Uhr. — Morgen, Mittwoch, 20 Uhr, zum letztenmal „Candida", daS Kammerspiel von Bernard Shaw unter der Spielleitung von Peter Fassott. 3n den Hauptrollen Frau Maria Koch, Peter Fassott und Karl Druck. Gietzener Wochenmarktpreise. * Gießen, 5. April. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 130 Pf.. Landbutter 120, Kochbutter 90, Matte 25 bis 30, Wirsing (gelb) 15 bis 20 (pro Ztr. 12 bis 15 Mk.), Wirsing (grün) 25 (pro Zentner 20 bis 22 Mk.). Weißkraut 10 (pro Zentner 6 bis 6,50 Mk.), Rotkraut 12 bis 15 (pro Zentner 8 bis 9 Mk.), Kartoffeln 4,5 (pro Zentner 3,80 bis 4 Mk.), gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 25 bis 30, Unterkohlrabi 5 bis 6, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 25 bis 30, Tomaten 50 bis 60, Zwiebeln 20 bis 22, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Feldsalat 100, Aepfel 8 bis 15. Nüsse 35 bis 40, Dörrobst 25 bis 30, junge Hähne 80 bis 90, Honig 40 bis 45. Suppenhühner 70 bis 80 Pfennig pro Pfund; Tauben 60 bis 70, Eiev 7, Blumenkohl 30 bis 70, Endivien 15 bis 30, Salat 25 bis 30, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 40, Käse 5 bis 10 Pf. pro Stück; Radieschen 15 bis 20 Pfennig pro Bund. ** Die Stimmergebnisse im ersten Wahlgang der Reichspräsidenten- w a h l werden in einem soeben vom Landesstatistischen Amt herausgegebenen Heft in interessanter Bearbeitung geschildert. Zwei anschauliche Karten stellen die Verteilung derjenigen Gemeinden dar, in denen die Anhänger von Hindenburg bzw. H i t l e r die Mehrheit der gültigen Stimmen erhielten. Don den 942 Wahlgemeinden Hessens hatten nämlich 490 eine absolute Mehrheit für Hitler und 284 eine solche für von Hindenburg. Während es sich bei den Gemeinden mit Hitler-Mehrheit meist um solche unter 1000 Einwohner in agrarischen Bezirken handelt, sind die Gemeinden mit Hindenburg-Mehrheit hauptsächlich größere Landgemeinden in Bezirken mit industriell tätiger Bevölkerung und vor allem auch die kleineren, mittleren und größeren Städte. Dis ausführliche Darlegung der gemeindeweisen Ergebnisse ermöglicht es in Verbindung mit der kürzlich erschienenen Drucksache über die Landtagswählen, die in der Zwischenzeit eingetretenen Verschiebungen in der innerpolitischen Kräftegruppierung von Gemeinde zu Gemeinde an Haiü> objektiver Unterlagen zu untersuchen. ** Die steuerliche Bedeutung des Besserungsscheines. Wir lesen in den von dem Wirtschaftsprüfer und Bücherrevisor Herrn. Will zu Gießen herausgegebenen „Aktuellen Steuerfragen" (Rundschreiben Nr. ij folgendes: 3m Urteil vom 23. 3uli 1931 — III A 997/30 — seht sich der Reichsfinanzhof mit der steuerlichen Bedeutung der sog. Desserungsscheine, die vielfach bei Abschluß eines Vergleichs ausgestellt werden, auseinander. Ein, Steuerpflichtiger hatte bei der Einheitsbewertung geltend gemacht, daß die durch diesen Besserungsschein den Gläubigern in Aussicht gestellten Zahlungen als Schulden von seinem Betriebsvermögen abgezogen werden müßten. Der RFH. hat jedoch diese Abzugssähig keit verneint, indem er sagt, daß der Eintritt der Zahlungsverpflichtuim aus dem Besserungsschein — die Gläubiger sollten erst in drei Fahren bei Besserung der allgemeinen Lage des Schuldners eine weitere Zahlung erhalten — an dem für die Einheitsbewertung in Frage kommenden Stichtage noch vollkommen ungewiß gewesen sei. Aus diesem Grunde hat er einen Abzug der Schulden aus dem Besserungsschein nicht zugelassen. ** Wärmstube geschlossen. Nachdem nunmehr die Frühlingswitterung die Wärmestu e überflüssig gemacht hat, konnte diese wohltätige Einrichtung der hiesigen Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz wieder geschlossen werden. 3n der Zeit vom 11. Dezember 1931 bis 31. März 1932 war die Wärmestube von 4342 Personen besucht. Die außerordentlich große Anzahl der Besucher kennzeichnet am beften, wie sehr die Sanitätskolonne mit der Schaffung der Wärmestube einem lebhaften Bedürfnis entgegengekommen ist. ** Militärkonzert im Cas6 Leib. Die Militärkonzerte des Musikkorps unseres Dätail- lons, die von Zeit zu Zeit unter der Leitung von Obermusikmeister K r a u ß e veranstaltet werden, erfreuen sich einer ständig wachsenden Beliebtheit. Nachdem das Orchester unter der Leitung seines Dirigenten vor kurzem nachwies, daß es auch der ernstesten Form musikalischer 3nterpretation, der symphonischen Musik, gewachsen ist, hörte man am Sonntagabend im Casö Leib wieder eine Auslese aus der Fülle der guten Unterhaltungsmusik. Es war sorgfältigste Auswahl getroffen, und das Programm wies Namen von bestem Klang auf. Beethoven (Ouvertüre zu „Ggmont") und Wagner (Pilgerchor und Lied an den Abendstern) waren vertreten und fanden verständnisvolle Wiedergabe. Von Grieg hörte man die bekannte „2. Peer- Gynt-Suite", in der besonders wieder „Soweigs Lied" gefiel und die Zuhörer zu lebhaftem Beifall veranlaßte, der für die Kapelle die Aufforderung zur gern gegebenen Wiederholung bedeutete. Lorhings Ouvertüre zu „Undine", die man nicht allzu häufig hört, wurde freundlich ausgenommen. 3n einer Komposition von Deriot hatte Korpsführer W a n i t z e k wieder Gelegenheit, die universelle Beherrschung seiner Violine darzutun. Eine Fantasie zu Verdis Oper „Aida"; die Ouvertüre zu „Ein Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien" und ein flotter Walzer von Blon brachten viel Stimmung in das Haus. Zwei Stücke für Streichinstrumente, vor allem die Mandolinen-Polka (Komposition für originelle Imitation der Mandoline), lösten viel Beifall aus und das Orchester mußte sich auch hier !u einer Wiederholung bequemen. Ein reizvolles Zotpourri bekannter Leharscher Opcretten-Melo- ■ien beschloß den genußreichen Abend. ** „Drachengold und Opium" betitelte sich der Film, der am Sonntag im Lichtspielhaus Bahnhofstraße gezeigt wurde. Der Filmstreifen führte in die Mandschurei, hatte dabei aber nicht (die vielleicht von manchem erwartete) aktuelle Bedeutung, sondern war mehr als wissenschaftliches Forschungsergebnis zu betrachten, neben dem nur ganz flüchtig politische Gedanken gestreift wurden. Die Zuschauer begleiteten den Dresdner Asienforschcr Dr.Walther Stützner auf seiner Reise in die Nordmandschurei, auf einer Reise, die insbesondere der Erforschung bet SJL-'fpoti len- Arosa 95,55 Punkte. 2:1 konnte der Landwirt und Schneidermeister von hier auf eine 40jährige eingcsunden. Zu einer kurzen eindrucksvollen Abschiedsfeier versammelten sich in den Direktionsräumen der Standard-Dapolin-Gesellschaft die Vertreter der Behörden, des ADAC. und der Presse, sowie aller maßgebenden deutschen Automobilfabriken. Geheimrat Direktor Breme dankte insbesondere den an der Deutschlandfahrt aktiv Beteiligten, gab den Platz seiner Bestimmung. Für die beiden Turnvereine sprachen Heinrich Reuschling und Lehrer Rau: sie dankten der Gemeinde für die Heberlassung des Platzes. Die Sportplatzanlage (100 Meter lang, 60 Meter breit) wurde in frei- das in die Tiefe der deutschen Seele hineinarcife und das große, einige deutsche Volk schaffe.. Vicht von äuhercm Reichtum hänge die Gröhe eines Volkes ab, sondern von dem. was es ini sich trage, von seiner Kultur. Vamcns des Hessischen Sängerbundes hictz Ministerialdirektor Dr. Siegcrt, Darmstadt, die Versammlung wiNkommcn. Sein Gruß galt besonders den Sangesbrüdern aus Oesterreich, von der Saar, aus den abgetretenen Gebieten und aus dem wirklichen Ausland, die einen heroischen Kampf für die Erhaltung der deutschen Kultur führen. Zum Schluh der Eröffnungsfeier gab Hniversi- tätSprofessor Dr. Polheim. Graz, einen Ausschnitt auS dem Leben und Wirken GoetheS« Oie geschäftlichen Beratungen. Hieraus wurde in die geschäftlichen Beratungen eingctrcten. Die Tagung hat auch die endgültige Entscheidung über die Abhaltung des 11. Sängerbundcsfcstcs im 3uli in Frankfurt a. OH. zu treffen. Dieser Punkt wurde auf allgemeine Anregung als erster Punkt der Tagesordnung beraten. Vach eingehenden Referaten des Frankfurter Oberbürgermeisters Dr. L a n d - mann, sowie der Vorsitzenden der Fest-, Konzert- und MusikauSschüsse wurde zuerst ein Antrag des Sächsischen Sängerbundes gegen zwei Stimmen angenommen, zur Ersparnis größerer Unkosten für die beteiligten Sänger das Jeft von vier aus drei läge zu beschränken. Sodann wurde einstimmig der Abhaltung des Sangerbundesfeste» in Frankfurt a. 2H. im Juli 1933 zugestimmt. Wie aus dem Bericht des Vorsitzenden des Frankfurter Festausschusses hervorgeht, beträgt die Teilnehmerzahl am Sängerbundesfest bis zur Stunde 26 500. Es wird aber mit einer Teilnehmerzahl von 30 000 bis 40 000 Sängern gerechnet. Am Sonntagabend veranstaltete die Mainzer Sängerschaft au Ehren der fremden Gäste eine Begrüßungsfeier im großen Saale der Stadthalle. Sängertag des Deutschen Sängerbundes in Minz OaS Krankfurier Sängerbundessest findet statt. — Beschränkung aus drei Tage. 40000 Gänger werden erwartet. bitten und Gebräuche, der Form de« religiösen ..ulteS der Solonen galt, die in der nördlichen ! Mandschurei unter primitivsten Verhältnissen, :E>ee in uneingeschränktester Freiheit leben. Vach prächtigen Bildern von der Reise auf dem Vonni- sluh, die auf einer Dschunke unternommen wurde, ti|rte der Film durch die Steppen der nördlichen .lTandschurei unmittelbar in die Dörfer der So- )»en und zeigte die Menschen in ihrer teils sehr tzönen Kleidung aus Rehfellen: mit der Kamera '■»Igte man den Jägern auf die Rehjagd, eine ^«isterbeschwörung durch Schamanenpriester und 'Priesterinnen war in sehr guten Bildern fest- ; chatten und vermittelte einen Eindruck von der 4wrm der religiösen Vorstellungen dieses aus- Erbenden Raturvolkes. Vicht weniger interessant xren die Bilder von den Opiumfeldern, und ins- donbere auch die Darstellung der Goldgewin- u.ng im Gebiet des Amurstromes, die mit den ?i Wachsten Mitteln betrieben wird. Autschlußreich iMren die Aufnahmen aus den Wirischaftsgebieten Landes. In künstlerischer Hinsicht war der Hm ausgezeichnet, die Bilder selbst dürsten aber illrichzeitig als Kulturdokumente zu betrachten rn, deren Wert erst dann voll erfaßt werden j>-rt>, wenn das Volk der Solonen völlig der Bkrgangenbeit angehört. Wer den Vortrag des Alienforschers zu hören und den Film zu sehen L'klegenheit hatte, dürfte im Rahmen des Mög- iayen ein recht anschauliches Bild vom Charakter JiiefeÄ umstrittenen Landes und von seinen Mengen gewonnen haben. *• Oefsentliche Bücherhalle. 3m 3ohre 1531 sind von der Oeffentlichen Dücherhalle ins- Hamt 17 698 Bände ausgeliehen worden (1930: 15496; 1929: 14 517). Auswahl aus dem Zu- 1 an g neu erworbener (zum Teil gestifteter) Werke: Romane: H. Carossa: Der Arzt Dion; 14- Dreiser: Eine amerikanische Tragödie; F. F. NDinger: Die zwölf Räubir; H. Hansjakob: ^Äpräs'id -ÄS?« olche für h ,UI Ssä jRWHt hmchtsäch! m Nrh Ein! u-!b bot Em auch unögtoberenStädte. Die 1 der gmeindeweisen Er. 3 ^wmdung mit bei Aache über die Landtags- MM't mgetretenenLer- ^"'Ihen Krästegruppie« Gemeinde an Hand objef. ltersuchen. 4e Bedeutung des Dir lesen in den von und Bucherrevisor Henn, wausgegebenen.Aktuellen hreiben Ar. q folgendes: di 1931 - IIIA 997/30 - anjhof mit der steuerlichen jesserungsscheine, die viel. ies Bergleichs ausgestellt Ein Steuerpflichtiger hatte- iing geltend gemacht, daß unosschein den Gläubigern Ölungen als Schulden fon Am Montag weilte eine Kombination der 1. und 2 Mannschaft der Spielvereinigung Leihgestern xum 3ugendopferspiel in Lich, um gegen eine Mannschaft van Lich - Muschenheirn anzutreten. Leider fand das Spiel nicht den erwarteten Qk- ßach. Es waren nur wenige Zuschauer da. Leih- gzestern zeigte das technisch bessere Spiel und gewann verdient. Die 3ugcnd hatte die 2. 3ugend Ber Spielvereinigung 1900 Gießen auf dem eigenen Platz in Leihgestern zu Gast und verlor erwartungsgemäß mit 1:3 Toren, während die «Schüler über die Schüler von 1900 Gießen mit !2:1 Toren Sieger blieben. Überraschung im Zranlfurter Lolatberby. Eintracht von FSV. 2:0 (2:0) geschlagen. Bei schönem Zrühlingswetter tarnen 20 000 Zu- kbauer in5 Frankfurter Stadion, die eine Heber- mschung erlebten. Der FSB. Frankfurt kam über )cn Mainmeister zu einem unerwarteten Sieg, Jer auf Grund des guten Spieles in der ersten Halbzeit Berechtigung hatte, später aber nicht nehr. 3mmerhin verdiente sich die Mannschaft !>cn Erfolg durch ihren großen Fleiß und ihre luge Taktik. Bei Sportverein war die gesamte Mannschaft gut auf dem Posten, auch der für Armbruster eingestellte Ersatzmann auf dem rechten Flügel, Stadler, hielt sich gut, während Eintracht einen recht blasierten Eindruck machte, )er 3nternationale Stubb in der Verteidigung hatte sogar einen schwachen Tag. Die Born- kimet waren zu Anbeginn überlegen und erretten in den ersten 20 Minuten durch Süß auf Vorlage von Heldmann und Stadler zwei Treffer. 3n der letzten Viertelstunde vor der Pause fand Ich Eintracht besser, aber der Sturm richtete nchts aus, der gefährliche Chmer war zu gut Die (Spiele des Zugendopsertages. Gießen — Wetzlar 4:1 (2:0). Das Spiel der beiden Städtemannschaften auf tarn Waldsportplatz bereitete den nicht allzu zahlreichen Zuschauern zunächst eine kleine Enttäuschung. Beide Mannschaften spielten anfangs et- D»is lustlos, strengten sich nicht besonders an, geigten auch im Feldspiel nicht- Besonderes und ga- öan sich beide reichlich zerfahren. Außerdem störte tä. daß die Gießener keine 11 Mann aufbrachten UTitb die ganze erste Halbzeit mit 10 Mann zu bett reiten gezwungen waren. Das verschaffte den Giften ein kleines Hebergewicht im Feldspiel, aber li e konnten trotzdem nicht zu Erfolgen kommen. Dagegen vermochte Rullmann (VfB.) nach tur- jem, vorausgegangenem Geplänkel einen Pracht- 'chuh in die linke obere Ecke unhaltbar ein- zuisenden. Die Anstrengungen der Wetzlarer um ixn Ausgleich waren vergebens. 3hr Sturm der- miochte keine Chance auszunühen. Die Gießener vergaben ih der Folge zwar auch verschiedene glänzende Chancen, in der 35. Minute gelang es alber Fehling auf eine ansprechende Vorlage von Äullmann das zweite Tor zu erzielen. Mit 2:0 für Gießen wurden die Seiten gewechselt. Rpch Wt Pause traten die Gießener komplett an und lebten nun den Gästen schwer zu. Die Hiesigen Ipielten meist überlegen. Die Wetzlarer wurden olt in ihrer Hälfte eingeschnürt und es gelangen ihnen nur noch einige etwas unbeholfene Durchbrüche. Bald nach dem Anstoß brachte ihnen eine reichlich unklare Entscheidung des Schiedsrichters dos einzige wohl verdiente und vergönnte Tor. Das Spiel gestaltete sich nun auch etwas dramatischer, da die Wetzlarer hofften, Ausgleich und vielleicht den Siegestreffer zu erringen. Auf beiden Seiten wurden jetzt auch bessere Leistungen gxgetgt und das Publikum nahm lebhafteren Anteil. Seipel erhöhte aus bedrängter Lage durch einen entschlossenen Schuh auf 3:1 und bald darauf fiel auch das vierte Tor für Gießen. Der Ball rollte schräg in das Tor und auch der Verteidiger, der dem Tormann zu Hilfe eilte, konnte ws Hnheil nicht mehr abwenden. Die Wetzlarer nmußten sich geschlagen bekennen. 3n der Giehe- mer Mannschaft war die Läuferreihe der beste Mannschaftsteil. Der Sturm lieh sich gut an. Die Verteidigung arbeitete sehr sicher. Müller im Tor tiear auch jederzeit Herr der Lage. Der Sturm hätte mach 'Besseres leisten können, wenn die Zusam- menarbeit reibungsloser und vor allem rascher wonstatten gegangen wäre. Die Wetzlarer waren eifrig, aber technisch nicht so gut wie die Gieße- iner. 3hr Kombinationsspiel war zu ungenau, um I wirkungsvoll sein zu können. Außerdem spielten tte Gäste zu hoch. Der Schiedsrichter war nicht : Mfmerksam genug. Spielvereinigung 4926 Leihgestern. Llch-Muschenhelm — Leihgestern 2:5. pLÄ m ? Dl 380 Ä8 9 X ?°lenlch J bis ß, Btotcbeln S ,b.'d 30, feat3butJei?J18 22, bis 15 25 bis u ^benhühn^ SJ bis go, ^ben 60 b?z b!6 SS*I- 1 bis in tjL-x bis 3Ö Der steinerne Mann von Hasle; H. Lersch: Hammerschläge; G. Rendel: Der Dienenmann; F Werfel: Die Geschwister von Veapel. Erd- und Völkerkunde: L. Arrions: Am Herdfeuer der Schwarzen; F. Danse: Das Deduinenbuch: C. Koch: Das Lied des Landes (Aus Kamerun): L. Kahl-Larsen: Die Arktisfahrt des ...Graf Zeppelin"; H. Queling: Sechs 3ungcn tippeln nach 3ndien; Elisabeth Gräfin von Schlitz: Aus tropischen Wäldern und Welten. Kulturgeschichte: C. Woolleh: Ur- und Sintflut (Ausgrabungen in Chaldea). Lebensbeschreibungen: Hermine Hamel. Die Geschichte meiner Jugend; E. Müller-Münster: Die seltsamen Lebensschicksale der Clisabety Red und des Edmund Montgomery 1833—1907: Axel Munthe: Das Duch von San Michele; Albert Schweitzer: Aus meinem Leben und Denken; Clara Sheridan: 3d), meine Kinder und die Großmächte der Welt. Staat und Wirtschaft: Die geistige Struktur der politischen Parteien: 1. F. Dessauer: Zentrum, 2. P. Luna: Vativnolso»ialismus, 3. v. Frehtag-Loringhofen: Deutschnationale Volkspartei, 4. S. Mark: Sozialdemokratie; Alexander Graf Dtenbock-Fermor: Deutschland von unten (Reife durch die proletarische Provinz). Handel: P. Gerstner: Kaufmännische Duchhaltung und Bilanz. Kunst: 3. Kapp: Opernbuch. Vaturwissenschaft undTech- n i k: A. S. Eddington: Das Weltbild der Physik und ein Versuch feiner philosophischen Deutung; HanS Günther: 3n hundert Jahren (Die künftige Energieversorgung der Welt); V. Mendel: 3ns Zauberreich des Films (3ugendschrift); F. ©tarnet: Gleitflug und Gleitflugzeuge; G- Venzmer: Tierische Gifte und giftige Tiere. Zeitschriften: Hessische Dlätter für Volkskunde 3g. 1930; Kunst und Künstler 1929/30; Daheim, Gartenlaube, Kosmos. Philosophie und Leben, Hmschau, Volk und Scholle, sämtlich 1931. ssg£s EN SW gMt .Aida > «"«en' M Mlztt - und E el Stimmung '" allem eichinstrumen^ -£ Dogv a Men viel Landoline». W Lester muhte R tzW churen h 'erVartetcl ,^aff ”**w»k* WSV. Mainz, 3. April. Vachdem bereits am 1. und 2. 21pril Verhandlungen der verschiedenen Ausschüsse vorausgegangen waren, wurde der 25. (außerordentliche) und der 26. (ordentliche)Sänge rtag des Deutschen Sängerbundes Sonntagvormittag im Rheingoldsaal der Stadthalle eröffnet. Der Mainzer Männergefangverein , Frauenlob" brachte nach dem Sängeraruß den Chor .Die Vacht am Rhein" von Hugo Kaun zum Vortrag. Der Komponist des Liedes ist gestern plötzlich gestorben, und die Versammlung ehrte fein Andenken durch Erheben von den Sitzen. Der Vorsitzende des Deutschen Sängerbundes. Geheimrat Dr. Hammerschmidt (Münchens, gab in seinen B^grüßungsworten der Hoffnung Ausdruck, daß die Aufwärtsentwicklung des Deutschen Sängerbundes zur Wiederstarkung des deutschen Vaterlandes beitragen möge. Er dankte besonders der hessischen Regierung und der Stadt Mainz für das rege 3ntercsse, das sie der Pflege des deutschen Liedes stets gewidmet haben. Heffenö Grüße. Die Grüße und Wünsche des hessischen Staatspräsidenten und Kultusministers Dr. Adelung überbrachte Oberschulrat Hass inner (Darmstadt), der betonte, daß der Volksstaat auch in Zeiten der Vot die Aufgaben der Kultur mit besonderer Liebe anfassen müsse. Das deutsche Lied habe seine Kraft besonders in Votzeiten bewiesen. Wenn vor 3ahren die deutsche Einheit in harter Arbeit errungen worden sei, so dürfe man sagen, daß sie erfungen und erturnt worden sei. Der Redner faßte feine Ausführungen in drei Wünsche Zusammen, daß der Deutsche Sängerbund und seine Vereine mit ihrer Arbeit auf immerbar fest williger, uneigennütziger Arbeit von den Mitgliedern der beiden Vereine geschaffen. Mit der Eröffnung und Hebergabe des Sportplatzes ist ein langgehegter Wunsch der turnenden und spielenden 3ugend in Erfüllung gegangen. -o- Großen - Linden, 4. April. 3n einer Versammlung des Obst- und Gartenbauvereins sprach Landwirtschaftsassessor Dr. D e d e r von der hessischen Hauptstelle für Pflanzenschutz (Gießen) über neuzeitliche Schädlingsbekämpfung im Obstbau. Anschließend und im Zusammenhang mit der von der Gemeinde mit eigenem Spritzgerät in Durchführung genommenen Karbolineum-Spritzung von nahezu 2000 Obstbäumen entwickelte sich eine sehr lebhafte Aussprache, in der neben Belehrungen an Ort und Stelle durch Gemarkungsrundgänge insbesondere auch die Votwendigkeit einer ergänzenden Vo- sprasitspritzung gegen Schorf, Obftmabe und andere Raupen kurz nach Abfall der Blütenblätter, aber mit der notwendigen Vorsicht (Kupfer- und ArsenverbindungenI) bei Hntertulturen, allgemein anerkannt wurde. Da Bürgermeister Lang wegen Arbeitsüberhäufung das Amt des Vorsitzenden niederlegte, seht sich der Vorstand nunmehr wie folgt zusammen: 1. Vors. Landwirtschaf ts-Studienrat Dr. Lutz, 2. Dors. Bürgermeister Lang , Rechner Flurschütz H. G e o r g e. Beisitzer Baumwart 3ohs. Faber XIV., Landwirt Hch. Luh IV. und Eisenbahirbeamter i. R. Louis Dern. Mit einem Ausblick auf die in bewährter Zusammenarbeit mit der Gerneindever- wattung durchzuführenden Aufgaben und mit der AufnaAne neuer Mitglieder schloß die Versammlung. D Li ch, 4.April. Zur Freude unserer Einwohner sind in den letzten Tagen die Störche wieder angekommen und haben ihr altes Quartier auf dem Dache der Marienstistskirche wieder bezogen. ± Aus der nördlichen Wetterau, 4. April. Seit Sonntag find die Schwalben wieder zurückgekommen und lassen ihr fröhliches Gezwitscher vernehmen. Trotz des langen Winters sind sie diesmal zehn Tage früher erschienen als im Vorjahr. s. Aus der nördlichen Wetterau, 4. April. Die Aussaat von Gerste und Hafer ist dank der günstigen Witterung allenthalben beendet. 3nfolge der letzten Regenfälle beginnt die Sommerfrucht bereits aufzulaufen. Hier und da beginnt man vereinzelt mit dem Sehen der Frühkartoffeln. Die Winterfrucht steht im allgemeinen gut, während der Klee stark unter den Einwirkungen des Frostes gelitten hat. 3n Den Gärten werden die ersten Aussaaten ins Freiland vorgenommen und die Beerensträucher beginnen auszutreiben. Hoffentlich bringt der April noch ergiebige Aiederschläge, da der Boden nur wenig Winterseuchtigkeit aufspeichern konnte. s. TraiS-Horloff, 4. April. Gestern wurden die Konfirmanden unseres Kirchspiels, zu dem noch die Filialen Htphe und 3nheiden geboten, im ganzen 12 an der Zahl ge- rneinschaftttch konfirmiert. Da die Pfarrstelle immer noch verwaist ist, nahm Pfarrer Ger ich (Bellersheim) die Einsegnung vor. Zur Verschönerung der Feier trugen zwei 2stimmige Chöre der Konfirmanden unter Leitung von Lehrer S i l ß (3nheiden) bei. Begrüßenswert ist die Verwendung künstlerischer Konfirmationsscheine, da diese meist in unfern ländlichen Häutern gerahmt a(8 Wandschmuck dienen. Kreis Alsfeld. 11 Merlau, 4. April. 3n der vergangenen Woche wurde hier wieder mit den Feldbereinigung sarbeiten begonnen. Die Arbeiten werden im Wege der Selbsthilse ausgeführt, so daß die Landwirte Gelegenheit haben, Den Betrag, den sie sonst erlegen müßten, abzuverdienen. — 3n unserer Gemeinde trägt man sich mit der Absicht, einen freiwilligen Arbeitsdienst einzurichten. Man wartet zur Zeit noch die Genehmigung des Ministeriums zur Eröffnung eines SteinbrucheS ab, in dem man die jungen Leute beschäftigen will. Außev- dem wird es notwendig werden, vor der 3nan- griffnahrne der Arbeit im Eteinbruch erst einen Mühlbach abzuleiten, der gerade über die Stein- lager fließt. heim. Beide Mannschaften waren sich meist gleich- wertig, was aus dem Halbzeitstand von 2:2 Overheffen. und dem Stand von 4:4 6ei Ende der regu- I 1 ” lären Spielzeit hervorgeht. 3n der Verlängerung Landkreis Gießen, hatte dann Algenrodt die besseren Kraftreserven. . ~ Bei den Frauen wurde der S t a d t s p o r t - L, W i e s e ck, 4. April. Am Freitag hielt der verein Frankfurt wieder Kreismeister. Sein Gemeinderat eine Sitzung ab, in der er sich 2:2 im Rückspiel gegen den Tv. Mainz 1817 war mitderArbettsbeschaffungfurWohl- allerdings wenig überzeugend. Cs genügte aber f ah r t s erw e rb s los e beschäftigte. Aus dem in Anbetracht des knappen Dorspielsieges von Bericht der Kommission ging hervor, daß Wieseck * - zur Wiedererringung des Meistertitels. zur Zeit 136 Wohlfahrtserwerbslose zu betreuen Ä . hat und die wöchentlichen Ausgaben hierfür 1488 Keine deutsche Kunstturnnege entart betragen. Hm diejenigen Wohlfahrtsemp- tirtrfi fnd fanget, denen noch einige Wochen zur Erlangung nacy Los Angeles. einer neuen Anwartschaft zur Arbeitslosenve» Hnter der Leitung von Staatsminister a. D. sicherung fehlen, wieder in ihre Rechte zu brin- Dominicus trat am Samstag in Berlin der gen, sollen einige notwendige Weaebauarbeiten Hauptausschuß der Deutschen Turnerschaft zu- ausgeführt werden. Auf Grund verschiedener Vor- fammen. 3n einer gemeinsamen Besprechung mit schlüge kam der Gemeinderat zu dem Ergebnis, dem Wirtschafts-Ausschuß wurde eine günstige daß der Steifer Weg zuerst in Angriff genom- wirtschaftliche Lage der DT. festgestellt und den men werden soll, da hierzu die wenigsten Mate- 18 Kassenwarten Entlastung erteilt. Für not- rialkosten erforderlich sind. Ferner soll der Wie- leidende Vereine werden den Kreisen unter den fentoeg nach dem Sportplatz bald als Fußgänger- Bedingungen der Göh-Stiftung 80 000 Mk. zur weg hergerichtet werden. Auch die Zufuhrwege Verfügung gestellt. Die Arbeit Der DT- auf dem an der Marburger Straße sollen hergerichtet toer» Gebiete des freiwilligen Arbeitsdienstes hat große den. Ferner sollen die Regulierung der Wieseck Erfolge gezeitigt. Don der Entsendung einer und, wenn möglich, noch Chaussierungen innerhalb Gerätetumriege zu den Olympischen Spielen soll des Ortes, sowie Herstellung der Wasserleitung Abstand genommen werden, da verschiedene im und Kanalisierung in der verlängerten Graben- Kunstturnen führende Länder, wie die Schweiz und Friedrich-Ebert-Sttaße in Angriff genommen und Jugoslawien in Los Angeles nicht vertreten werden. Heber die Abgabe von 400 Festmeter sind, und die Turner der DT. daher nicht auf Holz an ein Sägewerk soll dem Gemeinderat erst gleichwertige Gegner stoßen. Weiterhin wurde nochmal Dorlage gemacht werden, wenn der Der- beschlossen, einige Wettkämpfer, die Aussichten kausspreis festliegt. Eine Anfrage über die Zah- auf einen der ersten Plätze haben, nach Los An- hing der Beträge für Schulgeld an Die geles zu schicken. Die DT. trägt die Kosten von Stadt Gießen wurde vom Bürgermeister ba- je 10)0 Mk hin beantwortet, daß wegen der Erhöhung des .Stand r)-Oeutschtandfahst- beendet! ÄS.“ Die „Etandard-Deutschlandfahrt", zu der vor gung Mitteilung machen werde. 60 Tagen 18 Wagen aller Stärken gestartet sind, * Burkhardsfelden, 4. April. Am Freiist am Samstag beendet worden. Die letzte tag konnte öei Etappe begann in Braunschweig und führte die PH. M ö b u s , , , Kolonne zum Etartort nach Hamburg zurück. Tätigkeit als Kirchendiener zurück- Zum offiziellen Abschluß der Prüfungsfahrt, die I blicken. Er hat fein Amt stets in aller Gewissen- von der Kolonne nach dem aufgestellten Fahrplan haftigkeit geführt. genau innegehalten wurde, hatten sich vor dem 00 Klein Linden , 4. April. Am Sonntag« Verwaltungsgebäude des Veranstalters, der nachmittag wurde der neue Sportplatz an Standard-Dapolin-Gesellschaft, viele Zuschauer | der kleinen Pfingstweide eingeweiht. 3m Rainen der Gemeinde sprach Beigeordneter Friedrich Schimmel zu der teilnehmenden Einwohnerschaft, zu den Turnern und Sportlern und über- in der deutschen Heimat verwurzelt fein mögen, daß der Deutsche Sängerbund sich immer aufs | engste mit unserem Volke verbunden fühle, und bewacht. Rach dem Wechsel hatte der FSV. seine pah er allezeit in herzlicher Einvernahme mit dem Halbstürmer in die Verteidigung zurückgezogen, Staat zusammenarbeiten möge. so daß die Eintracht trotz drückender Heberlegen- Mit herzlichen Worten äußerte sodann Ober- heit wohl 7:2 Ecken, aber nichts Zählbares I bürgermeister Dr. Ehrhard, Mainz, seine herausholen konnte. Maul, Rürnberg, leitete Freude darüber, daß die Sangesbrüder Mainz das zwar mitunter harte, aber im ganzen doch zu ihrem Tagungsort erwählt hätten. Auch er faire Spiel korrekt. I würdigte die Bedeutung des deutschen Liedes, Studenten bauen einen Tennisplatz. _ j . ... . Schon feit geraumer Zeit trägt man sich beim als auch dem ADAC., der auch an dieser Fahrt 3nstitut für Leibesübungen mit dem Gedanken, durch Hebernahme der Kontrolle an allen Orten einen oder mehrere Tennisplätze auf dem zur Deutschlands maßgeblich beteiligt war. Für den Verfügung stehenden Gelände im Rahmen deS 2IDAC. sprach der Gauvorsitzende W. R o c l l e, Hniversitätssportplatzes herzurichten. 3n diesen Hamburg, der die Bedeutung der 30tägigen Tagen wurde nun die Arbeit in Angriff ge» Rürburgring-Deranstaltung und der 60tägigcn nommen und eine Anzahl junger Studenten sind Fahrt durch Deutschland wirkungsvoll unterstrich, bei der Arbeit, das etwa 700 Quadratmeter I Es kann gesagt werden, daß auch die 60tägige große Stück Land oberhalb der Hauptkampfbahn Fahrt durch Deutschland einen Erfolg zu ver- für den Zweck der Errichtung eines Tennisplatzes zeichnen hat, der trotz der schlechten allgemeinen herzurichten. Es muß die Grasdecke abgeschält I Wirtschaftslage anerkannt wird. Bewiesen wurde, werden, die vielen Unebenheiten ausgeglichen I daß Arbeitswille und Gemeinschaftssinn auch und viel Erde bewegt werden. Der Platz erhält I Zeiten der Depression überwinden können, eine kräftige, hohe Drahtumzäunung. Die Stu- deuten, die sich ivgg Arbeitsdienstes um die Schaffung eines Tennis- getvinnk ÖCtt „Goldenen Ski". ESSSS FWW-DK g^ultt Werdern , Prager zu. Zogg als Einheimischer konnte dank Müielrheinkreis- Meisterschaft der OT. feiner Gelandetenntnis dem alten Rivalen eine Tiffltnorfoihinor ortfiinrc.* knappe Riederlage beibringen. Ausgezeichnet hielt Die Titelverteidiger erfolgreich. fi^£r deutsche Meister Rudi Matt, der einen 3m Mittelrheinkreis der Deutschen Turnerschaft guten dritten Platz belegte und dabei so gute Leute tarnen am Sonntag die Endspiele um dieKreis- wie Gustav Lantschner und 3eten hinter sich lieh, meisterschaft im Handball der Männer Ergebnis: Kombination: 1. David Zogg- und Frauen zum Austrag. 3n beiden Spielen Arosa 99,470 P., 2. Walter Prager-Davos konnten sich die vorjährigen Kreismeister wieder 99,195 P„ 3. Rudi Matt -Aräberg 97,100 P., durchsetzen. Bei den M ä n n e r n siegte in Rüdes- 4. G. L an t s ch n e r - Innsbruck 96,130 P., 5. Scheint der Titelverteidiger Tv. Algenr0bt nach Verlängerung 7:6 über den Tv- Worms-Herrns- zm toexben sezi, baf) bet Emstistder aus bem Dessmingsschein ? :en erst in drei Jahren bei einen Lage des Schuldnerr erhalten - an bem für die Frage kommenden Etichiage wih gewesen sei. Aus die- - en Abzug der Schulden auS nicht zugelaffen. geschlossen. Nachdem switierung dieMmestu.c it, konnte diese wohltätige ien Freiwilligen oamials- rcuj wieder Mlossenwer. om N. Dezember 1931 M die Mrmcstube von M austewrdenllich große An- >mmichnet am besten, wie EmiiderSWung^- Lasten Bedürfnis entgegen* ertimCasiLeib.D^ ÄS S» ^?ubeveranstaliet^ ttt ständig wachsenden »g« 7->md D°gner flHg n Medergabe. rstandn^L 2,W Frühling in -er Wirtschaft? Draußen ist der kalendermäßige Frühling ein- gezogen. Mit ihm verlangen die Sonnenstrahlen ihr Recht. Wenn es nach dem Wetter ginge, würde in Deutschland jeder die Hoffnung haben können, daß endlich auch der auf der Wirtschaft lastende Druck langsam gemildert wird. Frühling in der Wirtschaft also. Kommt er wirklich? Sind wenigstens Aussichten vorhanden, dast er nicht allzulange hinter dem Konkurrenzfrühling der Wcttermacher herhinkt? Wir wollen sehen. Da ist zunächst die erfreuliche Tatsache, dast die A r - bcitslosenkurve nicht weiter steigt. In der ersten Märzhälfte konnten die Plätze der arbeitenden Menschen in der Wirtschaft auf ihrem bisherigen Stande erhalten werden. Saisoneinflüsse machen sich bereits bemerkbar. Immerhin wird man erst aufatmen können, wenn die Arbeitslosigkeit nicht nur stagniert, sondern stärker abnimmt: denn die Unterstützung der über sechs Millionen Erwerbslosen ft eit auf die Dauer für die öffentlichen Etats ungemein schwierige Aufgaben. abgesehen von der seelischen Depression, die auf den dauernd Erwerbslosen lasten must. Ein gewisser Lichtblick könnte die bevorstehende Wiedereröffnung derDörfc sein. Bisher findet ja nur ein Freiverkehr in den Dörsen- räumen statt, der wegen des Verbotes von Kurs- veröffcntlichungen zur Bedeutungslosigkeit verurteilt ist. Oft gehen in den Aktien der größten deutschen Gesellschaften während der 2stündigen Börsenzeit nicht mehr als 3000 bis 6000 Mark um. Dabei beträgt das umlaufende Aktienkapital in diesen Fällen meist Dutzende von Millionen. Das Publikum, oft genug durch verheerende Kursverluste geschädigt, zeigt sich vorerst berechtigterweise im Eingehen von Börsenengage- ments zurückhaltend. Wenn die Regierung jetzt ihre 'Bedenken gegen hie Bekanntgabe von Kursen aufgegeben hat. so mag dies als Zeichen dafür gelten, dast wir nach ihrer Meinung auch auf diesem Gebiet nun endlich wieder zu normalen Verhältnissen zurückkehren können. Allerdings wird sich zeigen, in welchem Maste der allgemeine Schrumpfungsprozeß auch die Börse nach ihrer offiziellen Wiedereröffnung ergriffen hat. Damit ist man bereits am Schlüsse der wenigen günstigen Faktoren angelangt, die gegenwärtig allenfalls als Vorboten eines Wirtschaftsfrühlings aufgeführt werden könnten. Ucberall, wohin man blickt, zeigen sich sonst nach wie vor Abbautendenzen. Wirkungen des großen Bereinigungsprozesses. Schwierigkeiten und Daseinskämpfe früher florierender und angesehener Gesellschaften. Wer hätte z. B. gedacht, daß die H a p ag und der Rorddeutsche Lloyd ihr Kapital jetzt im Verhältnis 10:3 zusammenlegen müßten; daß diese beiden Unternehmen. die bisher stolz auf ihre Selbständigkeit waren und nach dem Kriege eine Aufbauarbeit ungeheuren Ausmaßes fast allein aus eigener Kraft bewerkstelligt haben, sich nun unter die schützenden Fittiche des Staates begeben müssen? Die im Besitz der Hupag-Lloyd- Gruppe befindliche Hamburg - Südamerikanische Dampfschiffahrtsgesellschaft und die Hansa werden ihre Kapitalien ebenfalls zusammenlegen, allerdings voraussichtlich in dem milderen Verhältnis von 2:1. Die Aktionäre anderer Branchen sehen ihr Vermögen ebenfalls schwinden. Rur wenige Fälle der vergangenen Woche mögen hier angeführt sein: Die bekannte Frankfurter Baufirma W a y ß und F r e h t a g legt ihre Aktien im Verhältnis von 12:1 zusammen, die Deutsche Eisenhan- dels - AG. saniert 2:1, Hanomag sogar 30:1 (besonders ungünstig liegendes Auto- und Lotomotivgeschäft!). Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Leider mündet sie dort, wo selbst Kapitalschnitte nicht mehr ausreichen, um die Bi- lanzen dem heutigen Stande anzupassen: in Insolvenzen. Zuletzt beschäftigte sich die Oeffentlich- keit mit der Zahlungseinstellung des Junkers- Konzerns. Kurz vorher hatte die Hausbonk des einst so reichen nachinflationistischen M i- chael - K onzerns ihre Schalter geschlossen. Lieber Verlustabschlüsse regt sich heute schon kein Mensch mehr auf. Roch vor Jahresfrist tat man alles, um möglichst den offenen Ausweis einer Unter- bilanz zu vermeiden. Man löste interne Reserven auf und unternahm alle nur erlaubten Duchungs- kunststücke, um die Bilanzen vor den Augen der Oesfentlichkeit auszugleichen. Heute ist man ehrlicher. Wir brauchen nur auf das Beispiel der Großbanken zu verweisen. Auch bisher rentable Staatsbetriebe scheuen sich nicht mehr, der Wahrheit die Ehre zu geben. Die Preußische Bergwerks» und Hütten - AG. unterbreitet dem Vater Staat als Großaktionär einen Verlust von 1,4 Millionen Mark. Die kürzlich abgehaltenen Generalversammlungen führender Unternehmen brachten durchweg pessimistische Auslassungen über Lage und Aussichten jener Firmen. AEG.. Ilse Bergbau, Der. Stahlwerke. Großbanken: Lleberall dasselbe Bild: Zuletzt erklärte noch die Reichsbahn in ihrem Monatsausweis, daß der Rückgang des Verkehrs anhalte und die Einnahmen um 20 bis 30 Prozent hinter denen der gleichen Dorjahrszeit zurückbleiben. Das ist ein besonders deutliches Symptom der allgemeinen wirtschaftlichen Rot. Bedauerlicherweise werden unserer — unter diesen Umständen besonders wichtigen — Ausfuhr immer neue Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Auch die R u s s e n , die im vergangenen Jahr über eine Milliarde Mark Waren von uns kauften, werden in diesem Jahr bei weitem nicht im gleichen Ausmah als Abnehmer für rtnfcre Erzeugnisse auftreten können. Zuverlässige Schätzungen rechnen mit der Hälfte des lehtjäh» rigen Umsatzes. Wir treiben also unter wenig angenehmen Begleitumständen weiter. In diesem Stadium bed wirtschaftlichen Entwicklung helfen Derständigun- gen in einzelnen Branchen, so begrüßenswert sie auch sein mögen, der Gesamtheit nur wenig. Die Verständigung der deutschen mit der polnischen K a l i i n d u st r i e ist z. B. fast unbemerkt von der Oesfentlichkeit vor sich gegangen. Zwischen der deutschen und französischen Kunstseidein- d u st r i e schweben aussichtsreiche Verhandlungen. Auf anderen Gebieten geraten wiederum bestehende Verträge ins Wanken: so die Internationale Rohstahlgemeinschaft. Sogar in die Reihen der wirtschaftlichen Spihen- organisationen bricht der Krisenorkan ein: Die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels erlebt erbitterte innere Kämpfe. Die Warenhäuser drohen abzuspringen. Wenn der Reichsbankausweis am Oster- dienstag keine neuen Devisenverluste brachte, dann ist das noch lange kein Zeichen für eine Besserung der Lage. Es beruht auf noch geringere Devisenzuteilungen als bisher. Frühling in der Wirtschaft? Vorerst steht nach alledem das Barometer leider noch sehr auf Abwarten! Wirtschaft. Oie Mainz-Wiesbadener Gaögemeinschast. WSN. Wiesbaden, 4. April. Der Technische und der Wirtschaftsausschuß der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung haben heute abend nach längerer Beratung dem Vertrag über den Zusammenschluß der Gaswerke Mainz und Wiesbaden zugestimmt. * Der Stand der Wintersaaten im Deutschen Reich Anfang April. Der Witterungsverlauf während der Wintermonate 1931/32 war durch einen langen und kalten Rachwinter gekennzeichnet, unter dem die jungen Saaten zum Teil gelitten haben. Soweit die Felder eine Beurteilung der Saaten zulassen, lautet die Begutachtung des Saatenstandes durchweg geringer als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres, sowie zu Anfang Dezember 1931. Soweit bereits eine Beurteilung der Wintersaaten möglich war. ergeben sich unter Zugrundelegung der Zahlennoten 2 — gut, 3 — mittel, 4 - gering im Reichsdurchschnitt folgende Begutachtungsnoten: Winterroggen 3,1 (im Dezember 1931: 2,7). Winterweizen 3,2 (2,7), Winter- fpelz 3.1 (2.7), Wintergerste 3,1 (2,6). * Stillegungsanträge im Bezirk Frankfurt a. M. In der Berichtszeit März haben in Frankfurt 13 Stillegungsverhandlungen wegen Auftragsmangels stattgefunden. Davon entfielen auf die Metallindustrie 6, je 2 auf die Leder- und Nahrungsmittelindustrie und je 1 auf die chemische Industrie, Papierindustrie und Elektrizitätserzeugung. * Frankfurter Hypothekenbank. In der Aufsichtsratssitzung des zur Gemeinschaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken gehörenden Instituts wurde beschlossen, der am 30. d. M. stattfindenden Generalversammlung oorzuschlagen, für 1931 eine Dividende von 7 (12) v. H. zu verteilen. Große Zurückhaltung in Frankfurt. Frankfurt a. M., 5. April. (WTD. Drahtmeldung.) Im Zusammenhang mit den meist schwächeren Auslandbörsen taxierte man im vorbörslichen Freiverkehr weiter etwas nachgebende Kurse. Zu Beginn der amtlichen Börse herrschte bei der Spekulation wieder große Zurückhaltung, zumal neue Momente die die Börse hätten anregen können, nicht Vorlagen. Bei sehr kleinen Umsätzen eröffneten 2G.-Farben zunächst 1 Proz. unter dem Abendkurs, wobei die Diskussionen über die Dividende nicht ohne Einfluß blieben. Auch Reichsbank gingen erneut um 1 Proz. zurück. Die Kursgestaltung war bei Beginn jedoch nicht ganz einheitlich, später ergaben sich aber meist kleine Erholungen. Es sollen kleine Kauforders eingetroffen sein, denen sich die Kulisse mit etwas Deckungsneiaung anschloß. Das Geschäft blieb aber gering. Am Montanmarkt konnten Gelsenkirchen 1 und Marisfelder Bergbau 2 Proz. anziehen. Bemerkenswert fest lagen am Elektromarkt Gesfürel mit plus 2 Proz., die übrigen Papiere gewannen etwa ein Prozent. Durch schwache Haltung fielen dagegen weiterhin JG.-Chemie Basel mit minus 2 bis 3 Prozent und am Kunstseidemarkt Dem berg mit minus 2 Proz. auf. Don Auslandaktien gewannen Svenska 4 Mark und Chade 2 Mark. Schifffahrtswerte neigten zur Schwäche, Bankaktien lagen nur knapp gehalten. Im Derlaufe konnten IG. und Reichsbank ihre Anfangsverluste wieder aufholen. Gesfürel, Siemens, und Licht & Kraft lagen um weitere 1 Proz. höher. Das Geschäft stagnierte aber f a st vollkommen. Am Rentenmarkt blieben Reichsbahnvorzugsaktien und Reichsschuldbuchforderungen gut behauptet. Gold- und Liquidationspsandbriefe neigten nach unten bei Rückgängen bis zu 0,5 Proz. Don Deutschen Anleihen gaben Altbesitz 0,63 Proz. nach. Am Geldmarkt blieb Tagesgeld mit 5.75 Prozent unverändert und leicht. Berlin freundlicher. Berlin, 5. April. (WTB. Funkspruch.) Die herrschende Unsicherheit wurde von gestern zu heute durch die Tumulte im Wahlkampf eher noch verstärkt. Außerdem verwies man auf die Tatsache, daß die technischen Dorbereitungen für die Wiederaufnahme der amtlichen Kursfeststellung noch nicht beendet sind, obwohl bereits heute in einer Woche die erste Börse mit offiziellen Kursen stattfinden soll. In einer für heute nachmittag angesetzten Sitzung hofft man jedoch, zum Abschluß zu kommen und die diesbezüglichen Beschlüsse veröffentlichen zu können. Eine Geschästsbelebung war zunächst nicht zu erkennen, zumal die Befürchtungen wegen der bevorstehenden neuen Notverordnung über den Effektenhandel mit dem Auslande noch immer bestehen. Allerdings soll nach Ansicht der Bankkreise eine für morgen zu erwartende Derordnung nicht so scharf gehalten sein, wie man vielfach befürchtete und soll, um das Geschäft nicht völlig abzuwürgen, kein direktes Derbot enthalten. Das Ausland scheint die Lage des Kreuger-Konzerns weiter wenig zuversichtlich zu beurteilen; jedenfalls meldete die Mehrzahl der Auslandsbörsen schwächere Kurse. Eine leichte Erholung der Svenska um etwa 2 Mk. war lediglich auf Deckun-- gen zurückzuführen. Lleberhaupt neigte die Spekulation heute eher zur Glatt st e 11 u n g von Daisseengaaements. Kunstseideaktien verloren auf neue Betriebseinschränkungen bei Bem- berg bis zu 2 Prozent, und einige Clektropapiere sowie Reichsbankanteile büßten mehr als 1 Prozent ein. Demgegenüber setzten Mitteldeutsche Stahlwerte ihre Aufwärtsbewegung um 2 Prozent fort. Jrn Verlaufe wurde es bann, ausgehend vom Montanmarkte, der schon anfangs widerstandsfähig tendierte, allgemein freundlicher. Der endgültige Abschluß der Russenaufträge regte kräftig an, Gelsenkirchen vermochten um 1,50 Prozent anzuziehen. Als recht fest sind außerdem Gesfürel zu erwähnen, die zwei Prozent gewannen. Auch Farben zogen im Verlaufe über den gestrigen Schluß an. Im übrigen waren die Veränderungen nicht sehr groß. Deutsche Anleihen erholt, Altbesitz wieder etwas schwächer, Ausländer geschäftslos, Pfandbriefe allgemein nachgebend. Reichsschuldbuchforderungen blieben behauptet. Am Geldmarkt traten heute keine Veränderungen ein. Banknoten. Devi cnmartt Berlin — Frankfurt a. 2TL 4. April 5. April Amtliche Notierung Amtliche Notierung Meld 1 »rief Geld Aries Srlfingfotl . 7.243 7,257 7,293 7,387 Wien. . , 49,95 50,05 49,95 50,05 Prag . . . 12,465 12,485 12.465 12,485 Budapest . . 56,94 57,06 56.94 57,06 Sofia . . . 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland . . 170,28 170,62 170,28 170,62 OLlo . . . 83,12 83,28 83,12 83,28 Kopenhagen. 87,01 87,19 87,11 87,29 Stockholm 85,41 85,59 85,31 85,49 London. . . 15,83 15,87 15,85 15,89 Buenos Aires 1,068 1,072 1,068 1.072 Neunork 4,209 4,217 4,209 4,217 Brüsfcl. . . 58,84 58,96 58.84 58,96 Italien. . . 21,76 21,80 21,72 21,76 Paris . . . 16,57 16,61 16,57 16,61 Schweiz . . 81,82 81,98 81,67 81,83 Spanien . . 31,92 31,98 31,92 31,98 Dmizig. . . 82,47 82.61 82.47 82,63 Japan . . . 1,389 1,393 1.399 1,401 Rio de Ian.. 0,256 0,251 0,256 0,258 Jugoslawien. 7,413 7,428 7,413 7,427 iiiilabon . . 14,39 14,47 14,39 14,41 Reichsbankdiskont 6 Proz. — Lombardfah 7 Proz. Berlin, 4 April Geld B?ks Amerikanische Noten....... 4,20 4,22 Belgische Noten......... 58,68 58,92 Dänilchc Noten ......... 86,83 87,17 Englische Noten......... 15.79 15,85 Französische Noten........ 16,53 16,59 Holländische Noten........ 169,91 170.59 Italienische Noten........ 22,11 22,19 Norwegische Noten........ 82,93 83.27 Dcutsch-Oeslerreich, 1 100 SchMing Rumänische Noten........ 2,49 2,51 Schwedische Noten........ 85,23 85,57 Schweizer Noten. ........ 81,64 81,96 Spanische Noten......... 31,99 32,11 Ungarische Noten ...... Effektenschiebungen. Lin Frankfurter Bankier vorläufig verhaftet. WSN. Frankfurt a. M., 4. April. Schon seit einiger Zeit ist die Finanz- und Zollfahndungsstelle hinter einer angeblichen Effektenschiebung nach dem Auslande her, bei der es sich um einen ansehnlichen Betrag handeln soll. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen, so daß noch nichts Definitives über die Angelegenheit gesagt werden kann; immerhin hat sich aber der Verdacht inzwischen so verstärkt, daß heute auf Veranlassung des Landesfinanzamts in Kassel der Frankfurter Bankier Im Häuser in Haft genommen wor- den ist. Das Bankgeschäft selbst spielte in Frankfurt nur eine ganz untergeordnete Rolle, seit längerer Zeit war es auch von jeder Betätigung an der Börse ausgeschlossen. Uebrigens befindet sich die Firma Im- Häuser bereits sei geraumer Zeit in Liquidation. Kirche und Schule. Landkreis Gießen. ch Oppenrod, 4. April. In unserer Gemeinde trat diesmal wieder der Fall ein, daß eine Konfirmation überhaupt nicht stattzufinden brauchte da keine Konfirmanden vorhanden waren. Auch im vorigen Jahre mußte die Konfirmation ausgesetzt werden, ebenfalls weil keine Konfirmanden da waren. § B e u c r n, 4. April. Am Weißen Sonntag wurde durch Pfarrer Schmidt die Einsegnung der Konfirmanden vollzogen. Nur ein Knabe und zwei Mädchen wurden konfirmiert; es ist dies die niedrigste Konfirmandenzahl seit Menschengedenken. Die Feier wurde durch Chorvortrag des hiesigen .Kirchengesangvereins, von Musiker S ch o m b e r dirigiert, verschönt. <5 Wirberg , 4. April. Die Konfirmation fand, wie alljährlich, auf dem Wirberg statt. Zwölf Kinder, fünf Knaben und sieben Mädchen, wurden konfirmiert. Auf dem Veitsberg fand keine Konfirmation statt, da auf den Wunsch der Eltern die eine Konfirmandin auf dem Wirberg mitkonfirmiert wurde. Seit mehr als hundert Jahren ist dies das erstemal, daß auf dem Veitsberg keine Konfirmation stattgefunden hat. + Grünberg, 4. April. Am gestrigen Sonntag fand in der hiesigen Stadtkirche die Einsegnung der Konfirmanden statt. Trotzdem außer den Kindern von Grünberg und seinen Filialorten auch noch diejenigen der verwaisten Pfarrei Queckborn-Lauter mitkonfirmiert wurden, war die Zahl der Konfirmanden wohl die kleinste in langen Jahren; sie betrug nur 33. Auf die einzelnen Orte entfallen folgende Zahlen: Grünberg 6 Knaben, 11 Mädchen; Lehnheim 2 Knaben, 2 Mädchen; Stangenrod 1 Knabe, 2 Mädchen; Lumda 3 Knaben, 2 Mädchen; Beltershain 1 Mädchen; Queckborn 1 Knabe, 1 Mädchen; Lauter 1 Knabe. Die Konfirmationshandlung wurde geleitet von Dekan Schmidt. Musikverein und Männergesangverein wirkten bei der Feier mit. Hochschulnachnchten. Als Rachfolger von Professor Dr. H. Heirn- soeth wurde Professor Dr. Hans H e h s e in Breslau auf den Lehrstuhl der Philosophie an der Llniversität Königsberg berufen; Professor Heyse hat die Berufung angenommen. Kunst und Wissenschaft. Der Schauspieler haus Ivahmann f. Der Berliner Schauspieler und Filmdarsteller Hans W a ß m a n n , der vor einigen Tagen einen Schlaganfall erlitten hatte, ist in der Nacht zum Dienstag im Alter von 59 Jahren gestorben. Geheimrat Professor Dr. Wilhelm Ostwald f. Wie aus Leipzig gemeldet wird, ist Geheimrat Professor Dr. Wilhelm O st w a l d, der berühmte Begründer der energetischen Weltanschauung, in der Nacht zum Montag im 79. Lebensjahre g e st o r - den. Ostwald wurde am 2. September 1853 in Riga geboren; 1881 erhielt er eine Professur am dortigen Polytechnikum, von 1887 bis 1906 wirkte er als Professor der physikalischen Chemie in Leipzig, 1909 erhielt er den Nobelpreis für Chemie^ und seit 1911 war er Vorsitzender des Deutschen Monistenbundes. Einer der hervorragendsten Vertreter der physikalischen-Chemie, faßte er die Grundbegriffe des Materialismus, Kraft und Stoff, in dem einen' Begriff der Energie zusammen. Vom Standpunkt dieses „energetischen Monismus" aus entwickelte er eine Ethik, die er auf den „energetischen Imperativ" gründete, sowie ein eigenes System der Kulturphilosophie. Das große Verdienst seiner späteren Zeit waren die Arbeiten zu einer Farbenlehre, welche nach ihm benannt wird. Von seinen zahlreichen Arbeiten nennen wir: „Lehrbuch der allgemeinen Chemie", „Grundriß der allgemeinen Chemie", „Elektrochemie", „Energetische Grundlagen der Kulturwissenschaft", „Die Philosophie der Werte", „Harmonie der Farben", „Die Farbenlehre" und „Die Harmonie der Formen". Bücheriisch. — Willi Drost: Goethe als Zeichner. Ein Beitrag zum Bilde seiner Persönlichkeit. 68 Seiten mit 34 Abbildungen. Preis 1,80 Mark. Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion m.b.H.» Potsdam. — (59.) — In der großen Fülle der Goethe-Iubiläumsliteratur stellt die kleine Schrift des Danziger Kunsthistorikers Dr. Willi Drost eine interessante Arbeit dar, die auch dem Kenner viel Anregung vermittelt und z. T. wenig bekanntes Material beibringt. Der Verfasser kennt sich aus im Lebenswerk Goethes; der Zusammenklang des Literaturkundigen und des klar sehenden und wertenden Kunsthistorikers schafft die wohl begründete Basis für neue Erkenntnis und neues Wissen um Goethe, den Zeichner. Von den realistischen Landschaften des Knaben, aus der Tradition des Barocks führt eine von Drost klar bestimmte Entwicklungslinie zu den Zeichnungen der Italienzeit und den lichtdurchfluteten Landschaften der reifen Mannesjahre. Dabei ist es vielleicht der größte Vorzug Drosts, daß er nicht versucht einseitig die zeichnerische Haltung und Bedeutung Goethes zu überspitzen. Aber wie Goethes Stellung im .zeitgenössischen Kunstschaffen festgelegt wird, ist überzeugend, neu und wertvoll. Ohne die Bilder bis ins Kleinste zu analysieren, weiß Drost mit wenigen Worten das kunstwissenschaftlich Bedeutende herauszustellen, darüber hinaus aber in stilistisch gut ausgewogener, angenehm konzentrierter Darstellung zu schildern, wie auch Goethes Zeichnungen als „Bruchstücke einer großen Konfession" aufzufassen sind. — Das handliche Bändchen ist sorgfältig ausgestattet und gut gedruckt. Aus oder Welt Deutsche Auslandguthaben für den Reiseverkehr. Rach Informationen der „TU." bereitet die Reichsregierung eine Vorlage vor, nach der d i e im Ausland fest gefrorenen deutschen Guthaben in der Weise Verwendung finden sollen,' daß Reisende in die Länder, in denen sich deutsche Guthaben befinden, diese den deutschen Guthaben-Inhabern a b k a u f e n und sie in dem betreffenden Ausland verwenden können, in dem ihnen entsprechende Schecks zur Verfügung gestellt werden. Einzelheiten liegen noch nicht vor. Man denkt jedoch daran, dieReisebureausalsDer- mittler zwischen den Guthabenbesitzern und Reisenden einzuspannen. Durch ein solches Verfahren wird der Reiseverkehr dorthin gelenkt, wo Deutschland festgefrorene Guthaben besitzt und es ergibt sich eine»gewisse Einsparung an deutschen Devisen. Wie verlautet, soll Oesterreich bereits den Vorschlag angenommen haben. Die anderen in Frage kommenden Länder sollen aufgefordert werden, sich an dem Verfahren zu beteiligen. Auf eigenartige Weise ums Leben gekommen. Der 28jährige Arbeiter Dingelbein aus Wiesbaden-Dotzheim ist auf her Steinmühle auf tragische Weise ums Leben gekommen. Als Dingel- dein entgegen den Vorschriften in den Schacht eines Exhaustors hineinschaute, wurde er von dem Luftzug erfaßt und so heftig gegen die Decke geschleudert, daß er an den erlittenen schweren Kopfverletzungen auf dem Transport nach dem Kranken- haus gestorben ist. — Ein Riefen Lenin-Denkmal im Leningrader Hafen. Rach dem Muster des Freiheits-StandbildeS im Hafen von Reuyork will die Sowjetregierung im Leningrader Hasen ein Riesen-Lenin°Denk- mal errichten. Eine Meldung sagt, daß ein internationaler Künstlerwettbe- w e r b zu diesem Zweck ausgeschrieben werden soll. Der leitende Gedanke soll die Verkörperung des Marxismus und der proletarischen Revolution in Lenin als den Besieger des Kapitalismus sein. Die Höhe des Denkmals soll 110 Meter betragen. Zu seinem Dau sind von der Sowjetregierung sechs Millionen Rubel zur Verfügung gestellt werden. Das Recht zur Beteiligung am Wettbewerb haben sowohl Organisationen als auch Privatpersonen. Für den besten Entwurf wird ein Preis von 10 000 Rubel ausgesetzt. Wettervoraussage. Die Störung über dem Kanal hat sich aufgeteilt, ein Kem ist nach Süddeutschland und der Schweiz weitergezogen, der andere bewegt sich über Dänemark und Südschweden fort. Außerdem hat sich das neue Tief über Island nach dem Nordmeer vorgeschoben. In dem Wechselspiel von Luftmassen verschiedener Herkunft und verschiedener Temperaturen entsteht vorerst etwas veränderliches Wetter, wobei mit dem gelegentlichen Auftreten von leichteren Niederschlägen zu rechnen ist. Dabei gehen die Temperaturen im allgemeinen zurück. Obwohl vom Atlantik her hoher Druck nach den britischen Inseln vorgreift, läßt sich seine spätere Wetterwirksamkeit gegenwärtig noch nicht übersehen. Aussichten für Mittwoch : Kühleres, wechselnd wolkiges Wetter mit Aufheiterung, zeitweise etwas Regen. Aussichten für Donnerstag: Teils wolkig, teils aufheiternd, im ganzen trocken, für die Jahreszeit zu kühl. Lufttemperaturen am 4. April: mittags 15,7 Grad Celsius, abends 9,3 Grad; am 5. April: morgens 7,4 Grad. Maximum 17 Grad Minimum 7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 4. April: abends 10,4 Grad; am 5. April: morgens 7,8 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 554 Stunden. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. (Schluß des redaktionellen Teils.) Gegen Kopfschmerzen, Rheuma, Nerven» und Muskelschmerzen bringt die Firma H. O. Albert Weber, Magdeburg, Herbin-Stodin-Tabletten in den Handel, welche die Eigenschaft haben, die Ursache der Schmerzen direkt zu beseitigen. Herbin-Stodin-Tabletten sind in den Apotheken er» hältlich. 468V Herbin-Stodin-Tabletten sind ärztlich empfohlen, vollkommen unschädlich und greifen Magen und Herz nicht an. I APOTHEKEN U.DROGERIEN.DOSE6o<, GEGEN SCHNUPFEN