Nr. 55 Erster Matt 182. Jahrgang Samstag, 5. März 1932 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Postscheckkonto: zronttnri am Main N888. Dni(f und Verlag: vrühl'sche UniversitülL-vuch- unö Stemöniderei H. Lange in Sietzen. SchrMieitnng und Seschäftrstelle: Stdnlstratze 7. Annahme von Anzetaen für die "Tagesnnmmer bis zum 9lad)mittag vorher, pretr für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanteigen von 70 mm Breite 35 Rcichspfennig, Platzvorschrist 20*,. mehr, ilbefrebaktear Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Tohhk Dr. 0 tfT Li 3© 6trt. Sd /Wien /^o o o ’M, —------o Lom. -----5cJlly CIOTL C in? & Q wolkenlos. aneiter. onaib bedeckt.® woixig. • bedeckt eüegtfc * Schnee a Graupeln, e Nebel K GfWitier.(§)Wino$tilie.-0-. sei» -eichte' Ost nissiger Südsüdwest ’S stürmischer Nordwesl Oie Pfeile fliegen mit dem Winde Pie neiden Stationen stenenden Za!» -en geben die Temperatur an. Die Limen verbinden Orte mit gieidtcot iuf Meeresniveau umgerechneten UHtdrucK Wettervoraussage. Immer noch bewirkt nächtliches Aufklaren Strahlungsfröste, Die nach Ort und Lage verschiedene Werte annehmen. Auch in der kommenden Nacht werden die Temperaturen noch unter Null zurückgehen. Da aber durch die Störung über Island jetzt die britischen Inseln in den Bereich ozeanischer Luft gelangen, ist anzunehmen, dah auch über Deutschland allmählich maritime Luft Platz ergreift, die zu langsamer Milderung führen wird. Aussichten für Sonntag. Nachtfrost, einsetzende Milderung, neblig-wolkig, zeitweise auch aufheiternd, trocken. Aussichtenfür Montag: Weiterer Temperaturanstieg, wechselnd wolkiges Wetter, Neigung zu vereinzelten Niederschlägen. Lufttemperaturen am 4. März: mittags 5,1 Grad Celsius, abends 0,6 Grad; am 5. März: morgens minus 6,2 Grad. Maximum 5,3 Grad, Minimum minus 7,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 4. März: abends minus 0,4 Grad; am 5. März: morgens minus 0,4 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 6/4 Stunden Amtliche wintersportnachrichlen. Vogelsberg, Hoherodskopf: Klar, minus 5 Grad, Schneedecke durchbrochen und verharscht, Sportmöglichkeit nur stellenweise im Walde. Schwarzwald, Feldberg: Bewölkt, minu» 2 Grad, 30 cm Schnee, gekörnt, Sportmöglichkeit gut. Alpen, Garmisch - Partenkirchen: Klar, minus 2 Grad, 10 cm Schnee, verharscht, Sportmöglichkeit gut Ä U Die-»"' W '9bs. löst I Leriin «. “MtÜiibler Otti ?T und töZ 8*9® Schorn. Vchiasraum ein. >eim Tanten. nes fttüfimagen- Hort iFrankreich) 1 bW. 2 Jahren, ir seines Wagens nn eine bren» . Licht zu haben. :?plo|ion. Die Binder des Straft* icn herumslanden, Nachbarn gelang es Zwei Kinder slav dos Krankenhaus, in Nachbar liegen ieder. E.eeeelN »M* ^caorwert*10* ‘©^ Ä« 3*"“ sSS .... Iachtfros' ntaS' .Math z^oolirg- 8^ hlägerr- . r mtttafl3 5' rfltn5 ,3 ®* "io o« )««« L„»! «« rab »5- iskopl- M b ctr« «Ss«? Aus der provinzialhauvistadt. Gießen, den 5. März 1932. schöne E>onntags-(Segenwärtigkeii. Don Reinhold Braun. Dein Sonntag fei voll knospe und Blüte! Dann wirst du mit Früchten gesegnet fein. „Au» tiefen Bronnen". Das Leben unserer Tage verlangt von uns starken Gegenwartssinn. Das Sichere. Geleishaste ver- gangener Zeit wird eine immer fernere Sage ... Nur die Grundhaft.Gegenwärtigen werden Meister des Lebens bleiben. Aber dazu gehört auch ein gut und brav gelebtes Stück Sonntaaskunst, und die oefteht zu allererst in der grundhasten Gegenwärtigkeit. Der Alltag will, daß wir ihm dienen, der Sonntag. daß wir uns von ihm dienen lassen! Dazu wird von ihm das Stillehalten, das schöne Bereit- fein unserer Seele gefordert. Arg schnitt es mir ins fier3, als an einem Sonn- lagabenb einer meiner Jungen, noch ein Kind, sagte: „Wer mag heute wieder totgeschlagen oder verwundet worden sein!" Er meinte damit den Kampf politifcher Gegner. Oft es nicht etwas sehr Trauriges, wenn eines Kindes Seele solches an dem Tage empfindet, der dazu bestimmt ist, Frieden zu schenken, Freude und Aufatmen? Man kann über diese Tatsache nicht ernst genug Nachdenken ... Man vergegenwärtig« sich einmal die Zahl der Todesopfer und der Schwerverwundeten an den Sonntagen deS letzten IahreS! Wieviel hoffnungsreiches Leben muhte zu Grabe getragen werden, wieviel« erlitten schweren Schaden, vielleicht für immer! Wohin sind wir als deutscheS Dolk mit unseren Sonntagen gekommen? DaS ist mehr als eine Frage! DaS ist Ruf inS Gewissen der Ration! Wenn wir unfern lieben deutschen Sonntag nicht mehr heilig zu halten verstehen, so muh daS als ein Zeichen deS Verfalls angesprochen werden. DaS ist ein hartes Wort, ist aber die Wahrheit! Unb bem Sonntagsschreiber will eS schwer über die Lippen! Wenn wir unfern Feiertagen ihren Sinn nehmen, nehmen wir unserm Leben überhaupt seinen Sinn und rauben unkerm Dasein einen Teil seines Wertes. Oeffnc deine goldnen Tore. Tag, der du die Ruhe bist! Zeig' du unS di« ewigen Verge, da der Seele Heimat ist! So lautet eines meiner Frühgedichte an den Sonntag... Mutet daö nicht heute an wie ein Wort: „QIuS dem Märchen vom Sonntage?" 11 nb geht e- unS nicht ebenso, wenn wir bie Donn- tagSbildcr unseres Ludwig Richter anfchauen! Fürwahr, wohin sind wir gekommen! Zertrümmerung des Sonntag- ist einS mit Zertrümmerung deS Herzstückes unserer deutschen Kultur! 'egen der Wille zum Sonntag und seiner H eit ist Ausdruck deS wahren Kulturwillens ur. «Sienigen zur Kraft, zu der Hoh.it deZ freien, fröhlich-bereiten Gemütes und deS edelbefchwing- ten Geistes. Rur wenn solcherweise wieder SonntogS-Ge- gentoärligleit gelebt wird, erhebt fich "da- Leben von selbst auf die Ebene feiner wahrhaften Würde! Steigerung, Vertiefung unserer deutschen Feier- tagSgegenwärtigkeit bedeutet Kraftgewinn für die schweren AlltagS-Ausgaben. Rur wenn wahre, schöne Menschlichkeit wieder Zierde und Ziel unseres deutschen Sonntags wird, wenn die Seele wieder herrscht und nicht mehr die Faust, wenn Liebe sich wieder frei entfallen und bewegen kann und nicht mehr Haß und Roheit blindlings wüten dürfen, dann erst haben wir wirklich den Weg zu einem neuen .Bergauf" betreten! Rur ein echte- Sonntagsvolk kann ein echte- Wertvoll sein! Rur wo frohe, lebendige Sonntags-Gegenwärtigkeit waltet, wird die Zukunft nicht der Quellen entbehren! Ein Wort zur Zeit. Don (Stobtbauraf Gravert, Vorsitzendem des Oderhefsischen Kunftvereins. Der Oberhessische Kunstverein, Sitz Gichen, hat seinen Jahresbeitrag für 1932 auf 4 Mk. herab- gefetzt, einmal, um den veränderten Verhältnissen zu folgen und ferner, um den KreiS feiner Freunde nicht nur zu erhalten, sondern noch zu erweitern. Gerade in einer so schweren Zeit wie der heutigen, in der auch die Zusammenbringung von Ausstellungen auf erhöhte Schwierigkeiten stöbt und in der ein Kunstverein ganz besonders bestrebt sein muh, Abwechselung und Anregung zu bringen, bedarf er nicht nur der Treue seiner alten Mitglieder, sondern einer noch breiteren Dosis von Freunden und Anhängern. Das wiederholt geäußerte anerkennende Interesse auch von Richtmttgtiedern gibt dem Vorstand immer wieder den Anstoß, alle Wege zu betreten, die Aussicht bieten, die Liebe zu Kunst und Künstler in immer weitere Kreise zu tragen. Dadurch will er daran mithelsen, bah das oft gebrauchte Wort „Kunst tut not" nicht nur in die Ohren, sondern in möglichst viele Herzen bringt. Denn so leistet ein Kunstverein Dienst am Volke in bester Form. Diese Aufgabe kann er aber nur erfüllen, wenn ihm von seinen alten Mitgliedern die Treue Sehalten wird und neue Freunde nicht auf den intrittsbetrag. sondern auf den inneren Wert der geleisteten Arbeit sehen. Aber noch einS: Richt nur „Kunst tut not", sondern noch schwerer: „Kunst hat Rot!" Die wenigsten wissen darum; b.e wenigsten kennen die äußere und innere Rot unserer Künstler. Denn wo bleibt der Kampf, der Wettbewerb, wenn die Aufgaben fehlen. Als 1911 die Aus- schreibung für daS Dismarckdenkmal bei Bingerbrück alS Reichsehrenmal erlassen wurde, gingen fast 400 Entwürfe ein. Und heute?! 2500 Entwürfe für das Reichsehrenmal bei Berka. Sollten nicht diese Zahlen genügend sprechen?! Wievicle Maler, Bildhauer und Architekten haben hier nach Ideen gesucht und wie wenige von ihnen werden bei dieser Zahl der Mitbewerber Aussicht auf Erfolg haben. Doch jedem Helsen kann man nur, wenn jeder hilft. Denn heute schafft nicht einer alles, aber viele etwas. Wir brauchen die Kunst und die Kunst braucht uns. Deshalb bleibt nur einS: Treue um Treue! Bornotizen. — Tageskalender für Samstag Deutscher Pfadfmderbund Horst Gießen: 20 Uhr, Reue Aula Bündifcher Lingabend. - Artillerte- verein: 20.30 Uhr, ..Hessischer Hof . Monats- Derfammlung. — 1. Rcichskurzfchrif tgesellschaf t: .Stadt Cid)“. Verein-abend. — Kurzschrift-Verein von 1861: Lase Ebel. Dereinsabend. —- L chttpielhau- Bahnhofstraße: „Primanerehre"; 22.45 Uhr, . Strafbare Ehen". - Astoria-Licht- fpiele: . Dandltenlied". ^agcsfalcnbcr litr Sonntag. Stadttheater 15 45 bis 18 00 Uhr. ..Wilhelm Teil" orstinstit.) s 1792D Sch.Gart.m.Obstb., a.get..RäheBeetli.- Str.z.verv.Schr.A. u. "1427 a. d. G. A. MUM am Hegestrauch. auf bad Brudi zu vcrv. Aäberes foicc Bahnbofitr. 56 n. Schöner, kleinerer Garten im „Nizza" oder Am diaorungöberg zu pachten gesucht. Schrift!. Angeb. erbeten unter 17<»6D an den Gieß. Anz. Garten mit Häuschen bald zu vachten gesucht. 2dir. Ang. m. Prs. u. 01426 a. d. G. A. Garten ob. geeiqn. 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Die Beerdigung findet Sonntag, den 6. März, nachmittags 3 Uhr statt, 1812D Samstag abend 8.30 Uhr 1700V Cafe Amend Steuer- u führerscheinfreies 3i A Triumpl-Horrad neuwertig, Modell 1931,wenig gefahr., sehr prerswert. Opel, (ließen Frankfurter Str. 52 Dixi 3 15, in gutem Zustande, preiswert zu verkaufen. [01396 H.Höbeler.Gieffen, Wiesecker Weg 44 Kinderl. Familie s. tüchtiges 01348 LNSdchen im Altern. 18-25I., das sich für Gast- wirtsch. eign. Hausstand kann spät, bei Heirat übern, werd. Näber. S. Heimes, Neustadt 37. Melitta Gräf, geb. Möller Fritz Gräf, Bank Vorsteher Werner Gräf. Odenwälder ilkWlMiWW Montag. 7. März, 8 Uhr i78jD Hotel Köhler. Saus Südviertel, b. gröh. Anzahl, zu kaufen ges. Genaue Angab. unt. 01438 a. den GiehenerAnz. ZTleiner Garten i. d. Eichgärt., Nah- runasb. od. ö. Nähe zu kauf. ges. Schr. Ang. m. Preis unt. 01414 a. d. G. A. Wissenscnaftliche Werke öonaergeoiet ue, BrühPschen Druckerei AllmiiiWen perfekt im Kochen u. Haushalt, mit best. Zeugn. od. 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April eine ordentliche Professur für Staate- und Der- waltung-recht an der Universität Kiel. Dei den Beratungen der ReichSverfaf» sung in Weimar gingen die Ansichten über die Gestaltung der Präsidentschaft nicht unerheblich auseinander. Zunächst vertrat eine Dichtung die Auffaffung, dah man an die Spitze des Staates nicht einen einzelnen Mann stellen solle, der der Platzhalter der Monarchie werden könne, sondern dast man nach dem Dorbilde der Schweiz ein Kollegium zur obersten Stelle des Deiches machen möchte Diese Dichtung konnte sich indessen nicht durchsetzen Die Mehrheit war mit Decht der Meinung, dah ein so geschossenes Direktorialshstem sich vielleicht in kleineren Ländern, wie in der Schweiz, bewähren könne, dah aber in Deutschland nur ein Ein-Mann- S Hst em die notwendige Zusammenfassung des Volkes zur Staatseinheit verwirklichen könne. Dieser Gedanke, dah in der Präsidentschaft d i e überparteiliche Einheit der Ration stark zum Ausdruck kommen müsse, beherrschte *mch die nächste Frage, ob der Reichspräsident nur das Organ eines parlamentari - schen Syst^.nS oder nicht vielmehr der selbständige Degenspielergegcnüber der Dertretung des Dolkes im Reichstage werden solle So schieden sich die Befürworter eines entschiedenen Parlamentarismus von den Anhängern einer starken Präsidentschaft. Für die Beurteilung dieses Gegensatzes war es kennzeichnend, dah sich unter den Anhängern der starken Präsidentschaft auch entschiedene Der- treter der Demokratie wie Friedrich Daumann befanden, und dah auch Preuh sich Anträgen, die den Präsidenten nur zu einem Ausführungsorgan parlamentarischen Willens machen wollten, widersetzte. Das Ergebnis war ein K ompro- m i h Dieser hat aber für die Entwicklung doch soviel Raum gelasseiz, dah die Möglichkeit einer präsidialen Führerschaft nicht verschlossen ist. Zu- tresfend hat Reichspräsident v.Hinden- • 6 u r g bei seiner Vereidigung den Gedanken jum Ausdruck gebracht, dah im deutschen Volks- staot die Derkörperung der Dolks- fouveränität nicht bloß durch den Reichstag, sondern ebenso durch den Reichspräsidenten erfolgt. Beide leiten ihre hohen Befugnisse vom Dolke ab und derjenige von ihnen wird die stärkste politische Kraft entfalten können, der in feinem Willen am lebendigsten den Willen der nationalen Dolks- gemeinfchaft aufgehen läht. Die Selbst ändigk ei t des Reichspräsidenten gegenüber dem Reichstage ist von der Verfassung zunächst dadurch gewährleistet. dah seine Wahl nicht wie in Frankreich eine mittelbare Wahl durch das Parlament und den Senat, sondern die unmittelbare V o l k s w a h l ist. Damit kommt deutlich zum Ausdruck dah der Reichspräsident seine Befugnisse nicht vom Parlament, sondern sie unmittelbar demWillen desVolkes entnimmt. Die DolkSwahl ist deshalb ein Kern- gedanke unseres ganzen volksstaatlichen Systems. Wenn häufig in Verkennung grundlegender Gedanken der Weimarer Verfassung angenommen worden ist. dah der Parlamentarismus in ihr das alles beherrschende Motiv fei, fv ist ein solches Fehlurteil vor allem aus einer schiefen Betrachtung der präsidialen Stellung her- vorgegangen. 3e mehr beim Versagen der Parteien der Sinsluh des Parlaments zu- rückge gangen ist. um so mehr hat sich auch in der Staatspraxis zeigen müssen, welche grobe Bedeutung dem vom Dolke gewählten Reichspräsidenten für das staatspolitische Schicksal der Ration zukommt Die Rotwendigkeit, die Dielheit des Dolkes zu einer Staatseinheit zusammenzufassen, beherrscht sowohl die Wahlen zum Reichstag wie die Präsidentenwahlen. Das Wahlrecht der Römische Groteske. Don Dr. Gustav W (iberkin, Rom Gemeinhin glaubt man. dah ganz Italien unter dem Schatten des Liktorenbündels stehe, des Beiles Schneide jeden Racken ohne Unterschied der Person und die Rute anderes bedrohe, dah vor dem harten Gesetz alle gleich seien und die berühmte faschistische Zucht keine Ausnahmen kenne. Das ist ein Irrtum. Manchenorts, auf gewissen Strahen zum Beispiel regiert noch das alte System des seligen Maleritaliens, und gewisse Schichten der Bevölkerung erfreuen sich noch der mit Recht so beliebten liberalen Behandlung. wie die Radfahrer, die eine Clique für sich bilden, und sich regieren, wie sie wollen. Es kann auch fein, dah der neue Herakles, der auch fein Dutzend Aufgaben zu erledigen hat. zwei noch nicht lösen konnte. Es gelang ihm zwar, die lernäische Schlange der Maffia zu erledigen, dem nemeischen Löwen der bureaukratifchen Der- lotterung das Fell über die Ohren zu ziehen und so manchen Augiasstall auszumisten, ganz zu schweigen von der Entschlossenheit, mit der er den roten Stier bei den Hörnern packte, aber der grimmen Singvogeljäger ist er noch nicht Herr geworden. Und die stählernen Höllenhunde mit ihren vier Armen und ihren vier Beinen gehen einfach über feine Kraft. Die Radfahrer sind stärker als Mussolini. Grotesk, ist aber so. Wer es nicht glaubt, der fahre einmal, wenn er mit dem "Leben spielen will, im Auto abends durch Rom oder gar auf einer der Ausfallstraßen. Für ferne Derkehrsintereffenten genügt es. wenn sie die römischen Zeitungen lesen. Seit nämlich auch die Redakteure ein Auto haben, ist das P/oblem, das vorher mit der selbstverständlichen Schuld der ..Mörder vom Dolante" spielend gelöst wurde, huf dem Papier, zu einem öffentlichen geworden, und jetzt ist sich aus einmal alles darüber einig, dah die Radfahrer einen feindlichen Fremdkörper im autonomen Stadtstaat Rom bilden. Wenn es nach den Gesetzen ginge, so wäre Italien schon immer das befttegierte Land der Welt gewesen, und auch das Straßenverkehrs- gesetz kann nur mit vorzüglicher Hochachtung genannt werden. Aber wer lieft es schon? Wer Präsidentenwahl ist hierfür aber geeigneter als das Verhältniswahlsystem der Reichstagswahlen das zwar den Ansprüchen der Gerechtigkeit in gröhtmöglichem Mähe entspricht, aber mit der dadurch herbeigeführten Zersplitterung der Stimmen die Möglichkeit der MchrheitS- und Einheitsbildung im Reichstage erheblich abgcfchwächt hat. Bei den Präfidentenwahlen dagegen wird durch die Einführung eines zweiten Wahlganges, bei dem die relative Mehrheit entscheidet, die nottoenbige WillenSbildung auf jeden Fall ermöglicht. wenn im ersten Wahlgang nicht schon einer der Kandidaten die absolute Mehrheit, alfo mehr als die Hälfte der überhaupt abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen konnte. Die Zweiheit, Volksvertretung und Präsidentschaft, ist als Spitzenstellung in unserem Staatswesen nur dadurch möglich, dah über ihr der Wille des Dolkes als letzte maßgebende Einheit gedacht ist. Diese Einheit ist in ihrer Durchsetzung gefährdet, falls Reichspräsident und Reichstag sich nicht mehr auf einer einheitlichen Linie zusammen- finden könnten. Ist die« der Fall, so geht die Entscheidung wieder unmittelbar an daS Volk zurück. Das kann einmal dadurch geschehen, dah der Reichspräsident einen Volksentscheid über ein Gesetz herbeiführt oder sogar den Reichstag auflöst und so dem Volke Gelegenheit gibt, in Reuwahlen über den Konslikt zu entscheiden. Der Appell anS Volk kann aber auch vorn Reichstag ousgehen. Sr ist, allerdings nur mit , Mehrheit berechtigt, vor Ablauf der Amtsfrist eine Volksabstimmung darüber herbei- zuführen. ob der Reichspräsident in seinem Amte bleiben soll. Die starke politische Stellung des volkserwähl- te'n Reichspräsidenten kommt in seinen zahlreichen Befugnissen und Zuständigkeiten, die ihm die Verfassung übertragen hat, deutlich zum Ausdruck Diese Besugnisse gehen über diejenigen hinaus, die nach der Bismarckschen Verfassung beim Kaiser lagen, der allerdings durch seine preuhilche Hausmacht im Rücken praktisch eine stärkere Stellung gegenüber den Parteien hatte. Viefach wird freilich eingewendet, dah alle diese Zuständigkeiten des Reichspräsidenten durch die notwendige Gegenzeichnung der parlamentarischen Minister stark abgeschwächt feien. Das ist nur insoweit richtig. alS die vom Reichspräsidenten ernannte Regierung sich gegen den Dillen des Reichstages auf die Dauer nicht behaupten kann. Da der Dolkswille stetS in der 11 c b c r c i n ft i m m u n g zwischen Reichspräsident und Reichstag dargestellt werden soll, wird der Reichspräsident allerdings bei all seinen Anordnungen auf den Willen deS Reichstages Rücksicht nehmen müssen. Diese Rücksicht bedeutet aber nicht eine zwangsläufige Unterwerfung. Wenn die Uebercinftimmung in keiner anderen Weise herdeizuführen ist. bleibt, wie gesagt, dem Reichspräsidenten der verfassungsmäßige Weg, d a S Volk selbst entscheiden zu lallen. Der Reichskanzler und die Reichsminister bleiben aber stets vom Vertrauen des Reichspräsidenten abhängig denn der Reichspräsident ist in der Lage, jederzeit den Kanzler oder den Reich-minister zu entlassen, der die von ihm für notwendig gehaltene Politik feinerfeit» nicht glaubt fortsehen zu können. Ss zeigt sich deshalb auch in der Stellung des Kanzlers und der Reichsminister jene doppelte Beziehung, die bereits al- das Eharakteristische in der obersten Gewalrenverteilung gekennzeichnet worden ist. Die Reichsregierung bedarf zwar zu ihrer Amtsführung da- Vertrauen deS Parlaments, fie ist aber ebenso von der Fortdauer des ihr bei der Ernennung geschenkten Vertrauen- des Reichspräsidenten abhängig. Es liegt auf der Hand, dah wenn sich die Parteien im Reichstage zur Bildung einer starken Mehrheit zufammen- finden, hierdurch das Bedürfnis des Volkes auf Schaffung einheitlicher Staatsmacht bereits im weiten Umfange erfüllt wird, so dah es dann dem Reichspräsidenten möglich ist, selber stärker in der politischen Führung zurück^utreten. Andererseits ist es geradezu die Pflicht des Präsidenten, bei einem Versagen der parlamentarischen Einheitsbildung seinerseits in einer stärkeren Einwirkung auf das politische Geschehen hervorzu- treten. Wie ein Amerikaner Deutschland sieht. Mit offenen Auaen durch deutsches Land im Rotwinter 1931-32.- 3m ».sächsischen Sibirien". — Flucht in die Religion irn ehemaligen Hauptquartier von Max Hölz. Don H. R. Knickerbocker. Copyright 1932 by Rowohlt-Verlag, Berlin. 5 er durch seine ausschluhreichen Ruhlandbücher auch bei uns bekannte amerikanische Journalist H. R. K n i ck e r b o d c r hat im Auftrag der „Rew Bork Evening Post" Deutschland im Auto bereift, um einen „Blick hinter die Fafsade zu tun. Seine ungeschminkten Berichte, mit deren Veröffentlichung wir heute beginnen, geben ein erschütterndes Bild deutscher Rot unter der Geihel der Arbeitslosigkeit, aber auch nicht alltägliche Streiflichter zur politischen und wirtschaftlichen Lage Deutschlands. Falkenstein in Sachsen. . . Gebete entsteigen dem Hinterzimmer der Textilfabrik. Es ist Mittag, die Arbeiter beten um Hilfe. Don den Betfälen an zehn, zwölf verschiedenen Enden Falkensteins steigen Gebete aus. Es ist Abend die Arbeitslosen deS „roten“ Falkensteins liegen auf den Knien. Das „rote" Falkenstein hat Marr verlassen und sich zu Gott gewandt. Diese Gemeinde von 15 000 Seelen ist jetzt, in dem „härtesten Winter seit hundert Jahren" wahrscheinlich nicht der einzige überzeugende Beweis für das allgemeine Elend in Deutschland. Aus jeden Fall aber hatte mir der Leiter des Berlin-Reuköllner Arbeitsamtes gesagt. dah Falkenstein, soviel er wisse, von allen Städten in Deutschland den höchsten Prozentsatz an Arbeitslosigkeit und Elend aufweise. Hier an Ort und Stelle hat man wirklich den Eindruck, dah Deutschland in feiner ganzen unruhigen Rachkriegs- gefchichte keinen ergreifenderen Beweis für die allgemeine Verwirrung liefern kann als diese „Flucht in die Religion" in dem ehemals revolutionären Falkenstein. Das Elend und die Verwirrung sind hier besonders kräh und vielleicht nicht typisch, aber bei dem schwierigen Unternehmen, die wahre Der- faffung und den wirklichen Geisteszustand eines Volkes von 60 Millionen Menschen zu erkennen, können die Extreme einem dazu verhelfen, sich cin_ Bild vom ganzen zu machen. Dankieraus- fchülle, welche die „Flucht von der Mark" untersuchen, sind noch nicht nach Falkenstein gekommen, aber die „Flucht in die Religion" ist vielleicht als Wirtschaftsindikator nicht weniger beachtenswert. Alle Deutschen und viele Ausländer kennen das bergige Wintersportland, das „Sächsische Schweiz" heiht. Rur wenige Deutsche, die nicht dort wohnen, und anscheinend kein Ausländer weih etwas vom „sächsischen Sibirien", der Gegend derTextil- und Spitzenfabriken, der Armut und der Gebete. Der Rame ist keine phantasiereiche Erfindung. Dieses traurige Gebiet von ungefähr 1300 Quadratkilometer umsaßt etliche Gemeinden von der Art Falkensteins und hat eine Gesamtbevölkerung von 100 000 Menschen, aber Falkenstein kann besondere Beachtung beanspruchen. Hier setzte im Jahre 1920 die Bevölkerung, in der einen Hand die rote Flagge, in der anderen die Brandfackel, eine kommunistische Regierung ein und äscherte die Villen der reichen Bürger ein. In Falkenstein organisierte Max Hölz, der bekannte rote Insurgent, den kommunistischen läht es auf sich anwenden? Vielleicht die Autofahrer, unter Umständen, wenn es ihm paht, sogar ein Fußgänger, nie aber ein Radler. Sie sind die eigentlichen Herren von Rom. sie heihen Velozipedisten, aber man nennt sie Delozi- pedaster, wie man Politikaster lagt, doch geruhen sie darauf zu pfeifen. Das ist übrigens ihre einzige Tugend, wenn sie einem dicht auf dem Fell sitzen, denn eine Glocke kennen sie nur vom Hörensagen. Der Herr Gouverneur, der nicht nur ein Fürst, sondern auch ein äußerst liebenswürdiger Mann ist, hat ihnen schon oft erklärt, dah fie außerdem eine Laterne, eine Bremse und womöglich auch einen Rückstrahler haben müßten, aber fie haben das nicht gehört. Don Zeit zu Zeit wird es ihnen schwarz auf weiß, amtlich und gedruckt eingeschärft. Sie haben es nicht gelesen. Sie kennen nut ein einziges Gesetz: il commodo suo, was auf Deutsch besagt- jeder sein eigener Gesetzgeber. Ein Menschenalter lang kam die Bahn ans Meer nicht vom Fleck, bis Mussolini tarn und befahl: am 1. August fährt fie! Am I. August fuhr sie. Wer im Wagen nach Rettuno fuhr, erlebte jedesmal das Dergnügen, seine Gummi vor Freude Platzen zu sehen. Bis der Duce selber sich ans Steuer setzte — da glättete sich die Straße wie Wogen unter Oel. Es bleibt uns nur übrig, ihn zu bitten, gelegentlich einmal an einem regnerischen Abend von dem beliebtesten Ausflugsort. von Frascati nach Rom heimzusahren. Er würde den Kopf schütteln über den Diktator. der sich eine solche Freiheit, ein derartiges Dolksregime gefallen läßt Die Straße, die altehrwürdige Via Tuscolana befindet sich bereits bei der Annäherung an Rom in Eruption, nach dem alten Stadtzoll geht sie in Dauerrevolution über. Denn fie erfreut sich noch der fo beliebten vorsaschistifchen Behandlungsmethode. nach deren Regeln immer wieder auf- und zugemacht wird, je nachdem, ob Wasserrohre. Gasleitungen oder Kabel zu verlegen sind. Auf einmal läßt sich das nicht machen. Rach römischer Pslastersitte bleiben jedesmal Rinnen und Schluchten oder Buckel und Höhenzüge zurück, die man die kleinen Alpenninen zu nennen pflegt. Die Beleuchtung ist fo, wie fie von den Menschen, denen untere herzliche Zuneigung gehört. den Liebespärchen, bevorzugt wird Das ist der Boden, den der Delozipedaster braucht, hier reift er zur edelsten Blüte heran. Das fliegt lautlos wie Pfeile kreuz und quer, unsichtbar, aber wirkam, das prallt gegen die Fenster und hockt unerwartet auf dem Kühler, das triumphiert mit trillerndem Hohn und keift entwaffnend, wenn ein Kotflügel den Kentauren gestreift zu haben den Anschein haben könnte. Das schießt aus den Seitenstraßen, das prescht rechts vor und biegt urplötzlich vor den Scheinwerfern, die gerne ihre Pflicht tun möchten, aber nicht dürfen, über die Fahrbahn. Das schlängelt sich durch die verzwicktesten Stauungen, daß man nicht weih, was mehr zu bewundern wäre, der Mut oder die Geschicklichkeit. Man sagt, wer in Rom Autofahren gelernt hat, der vergißt es auch in der Hölle nicht. Doch ungleich erfahrener noch find die Radler. Für fie gibt es keine Gesetzesfallen, keine Rechtsecken, kein Paragraphengestrüpp. Sie tun alles, was verboten ist, sie dürfen alles. In Regierungsblättern kann man lesen. daß diejenigen unter ihnen, die mit gutem Beispiel vorangehen sollten, die Schlimmsten sind. Wie etwa die rad- fahrenden Beamten, die Telegraphenboten, die Soldaten, die Polizisten. Der Königliche Automobilklub berichtet: Sein Gewährsmann habe einen nächtlichen rad- fahrenden Wächter der Derkehrsordnung gefragt, warum er keine Laterne führe, und folgende Antwort bekommen Das Amt gibt uns keine, und daß wir selber eine laufen, wird doch niemand verlangen? Oder ein uniformierter Soldat: Die Laterne wurde mir gestohlen und mein Hauptmann hat gefügt, ich solle ohne fahren! Unbegreiflich, aber es ist fo. Unter den Augen der Verkehrsregler. am Hellen Tage, im Mittelpunkt der Stadt, pfeifen die Radler auf alle Dorschriften, deren Richtbeachtung einem Automobilisten teuer zu stehen tarne. Es ist unmöglich, hier zu übertreiben. Man sieht mit Möbelstücken. Kindern, Erwachsenen überladene Radler im Gewühl, sie haben nicht nur alle Hände und Schutzbleche voll Gepäck, sondern auch den Kopf. Der Wann mit dem Morgenbrot, der Zeitungsträger, der Aus.äufer der Weinhandlung ist mit einem ungeheuerlichen Korb ausgerüstet, breit wie ein Auto, zwängt sich aber zwischen Randstein und den vor der Konterputsch, der da» Ziel hatte, die Umsturzbestrebungen des reaktionären Wolfgang Kapp zu vereiteln. Vier Wochen lang herrschten die Roten in Sachsen, bis baverische Reichswehr das Land überschwemmte. Hölz wurde zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt, fein Falt wurde eine causc cclthre. Rach feiner Amnestierung ging er nach Rußland. Im Jahre 1932 hat die Bevölkerung hier in der einen Hand die Bibel und in der anderen den ArbeitslofenauSweis. Die meisten der wiederaufgebauten Dillen stehen zum Verkauf. Einige von ihren Besitzern leben jetzt von öffentlichen Almofen. Die Hälfte der Spitzen- und Textilfabriken ist geschlollen. Die andere Hälfte arbeitet nur an drei Tagen in der Woche. Don den 15 000 Einwohnern find 7500 arbeitslos ober von Arbeitslosen abhängig und leben auf Gemeindekosten. Don der anderen Hälfte der Bevölkerung sind 2500 noch beschäftigt und leben mit ihren Familien von einem Wocheneinkommen, daS im Durchschnitt zwei biS vier Mark über der Unterstützung liegt. Max Hölz ist nicht vergessen, doch feine früheren Genossen schicken jetzt ihre Kinder in die Sonn- tagsschule. „Die Religion", hat Lenin erklärt, .ist Opium für das Dolf', aber in Falkenstein ist ee mit den .Arbeiterräten" vorbei. Heute hat eS Dei- fäle. Wir kamen an einem Samstagabend bei Schneewetter an. Das Hotel war geöffnet, aber wir waren die einzigen Gäste. In dem ganzen Haufe war nicht ein Schlafzimmer geheizt. In den kalten Straßen draußen waren einige schwach erleuchtete Läden zu sehen, die noch nicht geschlossen waren, aber sie hatten keine Kunden. Auch oic Bierlokale waren offen; überall waren fünf bis sechs Leute, die den ganzen Abend über bei dem kleinsten Glas Bier saßen, das eS gab. Die Det- fälc waren offen, Hunderte beteten. Im trüben Licht des SonntagmorgenS bewegten sich Reihen grauer Gestalten durch die Straßen. Sie marschierten zu dem „Bethaus der Dettler- hemdgemeinde", zur „Evangel. Dibelgemeinde", zur „Unveränderten Augsburger Gemeinschaft" zu den „Reuen Aposteln", den „Adventisten", zur „Provinzial-Kirchengemeinde". zu den .Bibei- auelegcrn", den „Evangelischen Bibelgläubigen", zu der regulären lutherischen Kirche und zu den Methodisten. Manche von diesen Kirchen existierten schon, ehe die Wirtschaftskrise der RachkriegSzeit das Jenseits den Falkensteinern um so viel verlockender erscheinen ließ alS da« Diesseits. Die meisten jedoch entstanden in den letzten schweren Jahren. Wir schlossen uns den Methodisten an, die auf dem Weg zur „Zionskirche" waren. Vs war kalt. Schnee und Regen schlug Den Brüdern der Gemeinde ins Gesicht. Es war neun Uhr morgen«, der Tag hätte sich trefflich zum Schlafen geeignet. Aber Falkenstein ist, wie in feiner Revolution, auch in feiner Religion radikal. Die Frommen stehen früh auf. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. Fünfhundert lauschten den Worten des Predigers: „Was ist mit einer Welt, in der ihr euch nicht kleiden könnt, obwohl Millionen Ballen Baumwolle und hunderttausende Tonnen Wolle vernichtet werden?" Die Gemeinde faßte nach ihren eigenen fadenscheinigen Jacken „Wa« ist mit einer Welt, in der ihr hungert, während Millionen Tonnen Getreide vernichtet werden?" Die Gemeinde schluckte. „Es ist an dem", beantwortete er seine Fragen, „die Welt hat Gott vergessen." Die Gemeinde nickte. „Wie lange wird das währen? Wir wissen es nicht", rief er. Die Gemeinde stöhnte leise auf. „Wenn schon im Reichstag gesagt wird, daß wir unmittelbar vor dem völligen Zusammenbruch stehen, dann muß das etwas bedeuten." Die Gemeinde schauderte. -2iber", schloß der Prediger, „daS gilt nicht nur für Deutschland. In der ganzen Welt ist e« so, und Gott strast uns alle." „Die Franzosen nicht", murrte ein Mann mit finsterem Gesicht neben mir. Um elf Uhr begann die Sonntagsschule, und die Kirche füllte sich mit fünfbun&ert Kindern. Sie waren nicht in Lumpen gekleidet, sie sahen gut aus. Don außen merkt man Falkenstein fein Elend überhaupt nicht an. Die Straßen find sauber. 5>ic Arbeitslosen achten auf nettes Aussehen, wenn sie aus dem Haus gehen. Kein Dolk Derkehrsampel haltenden Wagen durch, auch wenn nur ein Halder Meter Zwischenraum blieb, rechts oder lints, das spielt keine Rolle. Der Herr mit dem Teegebäck fährt freihändig, raucht seine Zigarette und lacht alle Mädel an. Er kann da«, er ist unbehindert, denn der Korb, eine wahre Bahre, schwankt auf feinem Kopf. Hohe Belohnung demjenigen, der einen vor- fchriftsrnähig ausgerüsteten Radfeh er sichtet! Das steht in der Zeitung, es soll scherzhaft klingen, aber es wirkt nur grotesk, denn es ist zu wahr. Rach der Statistik find die Fahrräder an den Unfällen mit 80 Prozent beteiligt, trotzdem werden sie als „harmlose Derkehrsmittel" nicht ernst genommen. Da scheint eine kleine Verwechslung mit dem vorzuliegen, was auf ihnen sitzt. Wenn die Zeichen nicht trügen, dann bricht allerdings jetzt die Götterdämmerung herein. Allzuviele Römer fragen sich: Quousque tandem? — Wie lange noch? Büchertisch. W i t t ich - Kalender auf das Jahr 1 932. Herausgegeben von der L. E. Wittichfck^n Hofbuchdruckerei Darmstadt. Mit 6 Abbildungen. Tert, Entwurf und Satzgestaltung: 5>r. H. Dräu - ning - «Oktavio 32S. 8". Pappband. 5,00 Mark. (611). — Im Zeichen des Goethejahres läßt der Kalender die Tage Goethes in Darmstadt (feit 17Z2), das aus feinem Leben gar nicht weggedacht werden kann, in Auszügen aus Briefen des Dichters und feiner Zeitgenossen lebendig werden Glücklich verbunden sind damit auch die Beziehungen der L. E. Wittichschen Hofbuchdruckerei zu Goethe. Außer vier kleineren vorweimarifchen Schriften druckte diese Offizin 1773 die Erstausgabe des Götz von Berlichingen und die von Ioh. Heinr. Merck besorgte Ossian-Ausgabe, zu der Goethe die Titelvignette radierte. 1748 hatte sie eine sympathische Torbegegnung mit Goethe, al« Goethes Großonkel, der Darmstädter Oberftlieutnant Fr. ®|>rn. von Hoffmann fein Glückwünschkarmen zum 20. August 1748, dem „höchst vergnügten Goede- und Textorischen Hochzeitsfest" bei ihr drucken ließ» — Ausstattung, 5>rud und Illustration des hübschen Bändchens machen einen vornehmen und gediegenen Eindruck. der Welt legt mehr Gewicht auf „ Fassade" als die Deutschen. Doch wir folgten einer Gruppe sauber gekleideter Kinder in ihre Wohnung. Sie traten in ein Haus, das der lutherischen Kirche gegenüberlag. Die Front des Gebäudes hatte nichts Ungewöhnliches, deutete mit nichts auf Armut hin. Wir gingen den Kindern durch eiskalte Flure nach, die feucht waren und nach nasser schmutziger Wäsche rochen. Mit unserem Führer vom Falkensteiner Arbeitsamt, der die Familie kannte, traten wir ein. Das Haupt des Haushaltes, ein Bauarbeiter, sah in der Küche, dem einzigen geheizten der drei Räume, und lieh die Augen nicht von dem Topf auf dem Feuer. Das war, wie seine Frau mit einiger Bitterkeit erklärte, nun schon seit zwei wahren - so lange hatte er keine Arbeit - seine einzige Beschäftigung. Es gibt in Deutschland fünf Millionen Arbeitslose, aber ihre Frauen sind nicht arbeitslos und haben auch keinen Acht- Stundentag. Am schwersten arbeiten hier die Frauen der Arbeitslosen und Tag für Tag müssen sie sechzehn Stunden lang, um aus der Unterstützung herauszuholen, was herauszuholen ist, sparen, zusammenkratzen, stopfen und waschen. Die Sitte ist hart wie Eisen: in Deutschland verlangt sie, dah der Mann keine Hausarbeit tut. Wenn er beschäftigungslos ist brütet er vor sich hin. Die Frau rackert sich ab. Der Topf enthielt Essen für den Mann, die Frau und die fünf Kinder. Die Mahlzeit bestand aus Teigstücken, mit denen so etwas ähnliches wie eine Teigsuppe gekocht wurde. Das war alles für das sonntägliche Mittagessen. Die Familie, die wir nach der Sonntagschule aufsuchten, empfängt für acht Personen eine Unterstützung von 23 Mark in der Woche. Drei Mark fünfzehn, erzählte die Mutter, verschlinge die, übrigens besonders verbilligte Miete, weitere orei Mark fünfzehn feien für die Beheizung nötig, vier Mark zwanzig für Bekleidung und andere Rotwendigkeiten, zur Ernährung von acht Personen blieben also wöchentlich zwölf Mark sechzig übrig. Zu den Rahrungsmitteln, die für diese Geldsumme zu erwerben sind, kommen an jedem der sechs Wochentage drei Portionen Suppe, die gratis von der Volksküche zur Verfügung gestellt werden, einem aus privaten Mitteln unterhaltenen Wohlfahrtsunternehmen, das täglich vierhundert Portionen Suppe verteilt, teils umsonst, teils zu zehn, und teils zu zwanzig Pfennigen den Teller, je nach den Verhältnissen der Empfänger. Aus der anderen Seite des Flurs wohnte die Familie eines anderen Arbeitslosen, welche mein Bild von der Lage der Stellunglosen um noch einige traurige Züge vermehrte. Eines der sechs Kinder war tuberkulös, muhte aber nichts desto- weniger zusammen mit den anderen sieben Familienmitgliedern in dem einzigen Schlafraum schlafen. Das Interessanteste war jedoch, dah die Mutter im selbstverständlichsten Ton der Welt davon sprach, dah diese sechs alles seien, was von neunzehn Kindern übriggeblieben wäre Dreizehn waren im frühesten Alter gestorben. Aber auch Falkenstein lebt nicht nur von Teig- suppe und Trübseligkeit. 3m „Anzeiger und Tageblatt" standen vier groh aufgemachte Inserate von Lokalen, in denen am Sonntagnachmittag getanzt wurde. Trotz der Frömmigkeit die in der Stadt herrscht, gibt es keinerlei gesetzlichen Zwang zur Sonntagsheiligung. Es wäre auch überflüssig. In dem großen, mit Papiergirlanden geschmückten Bierlokal drehten sich sechs Paare feierlich zur Degräbnismusik der aus vier Mann bestehenden Kapelle. Die vier Musikanten waren niedergedrückt, weil nicht mehr als sechs Paare tanzten: die Tanzenden waren schon von sich aus niedergedrückt. Sie gingen zu ihren Tischen zurück und starrten düster in die Diergläser. Sechs Paare tanzten am Sonntagnachmittag iip Wirtshaus, aber zu der Abendandacht in der Zionskirche begaben sich achthundert Männer und Frauen. Mehr Menschen als da waren, hätte die Kirche nicht fassen können. Von acht bis zehn Uhr erzählte die Gemeinde, einer nach dem anderen. wie der Glaube ihnen über ein, zwei, drei Jahre der Arbeitslosigkeit hinweggeholfen hätte. Trotzdem sind diese Gläubigen immer noch stellungslos. Das einst rote, jetzt fromme Falkenstein ist vielleicht nicht mehr als eine Episode, aber an chm war mehr noch als an allen anderen Phänomenen im Reich zu erkennen, welche Bedeutung der Arbeitslosigkeit als dem wichtigsten Problem Deutschlands zukommt. Aus der PiwinuotbuuptnaOi Gieh en, den 5.März 1932. Fahrpreisermäßigung der Krastposten. Das Postamt Gießen teilt mü; Bei den vom Postamt Gießen betriebenen Krastpostlinien wird al 6. März der bisher gültige Fahrgeldsatz durchweg auf 8 Rpf. und bei größeren Strecken bis zu 7 Rpf je Kilometer ermäßigt. Für die Arbeiter- und Schülerwochenkarten, die bisher schon mit einer Ermäßigung bis zu 50 v. S). des Regelfahrgeldsatzes ausgegeben wurden, werden die neuen Fahrpreise nach dem Satze von 4 u. U. 3 Rpf. für 1 Kilometer be- Achnet So z. B ermäßigt sich der Fahrpreis von Gießen Neustädter Tor nach Krofdorf und Launs- bach von 40 auf 35 Rpf , von Gießen Bahnhof nach Hochelheim und Rechtenbach von 100 auf 80 Rpf., nach Hörnheim von 90 auf 75 Rpf., nach Lützel- linden von 60 auf 50 Rpf., nach Klein-Linden öon 30 auf 25 Rpf., von Gießen Selterstor nach Steinberg von 50 auf 45 Rpf., nach Holzheim von 100 auf 90 Rpf. Die Preise sind trog schlechter Ergeb- niste aller Linien herabgesetzt worden in der Annahme, daß dadurch bessere Benutzung der Kraftwagen und höhere Einnahmen erreicht würden. Sollten diese Erwartungen sich nicht erfüllen, so könnte den Belangen der Einwohner nicht mehr in dem Maße Rechnung getragen werden, wie seither. Nationalsozialistische Kundgebung. Am Donnerstagabend fand im dichtgefüllten Saale des Cafs Leib eine Kundgebung der NSDAP zur Reichspräsidentenwahl statt. Neichstagsabgeordneter Pfarrer a. D. Münchmeyer legte in etwa 2% = stündiger Rede den Standpunkt der NSDAP, zu dieser Wahl dar. Er betonte einleitend, die NSDAP, sei nicht in den Reichstag gegangen, um dort wieder mitzuarbeiten, sie lehne vielmehr ihre Mitwirkung ab, da „dort oben nur noch mit Verfassungsbruch gearbeitet" werde und auch die Regierung verfassungswidrig handele, da im Reichstag noch nie über die Bertrauensfrage abgestimmt worden sei. Der Redner bemängelte weiter, daß Brüning die NSDAP, nicht ihrer Stärke entsprechend an der Regierung beteiligt habe, um dem Willen des Volkes Rechnung zu tragen. Was künftig in Deutschland sein werde, hänge von der Wahl am 13. März ab. Ec beschäftigte sich weiter mit dem bekannten Erlaß des Neichswehrminffters G r o e n e r über den Oer Reichspräsident nimmt die Parade des Berliner Wachtregiments ab. % L; V vs'H- v r. ■ MM < W.W- 5 Berlin, 4. März. (WTB.) Der Herr Reichspräsident Generalfeldmarfchall v. Hindenburg besichtigte heute mittag 12.30 Uhv auf dem Moabiter Exerzierplatz, wie alljährlich, die Wachtruppe Berlin Der Chef der Heeresleitung, General der Infanterie Freiherr o. Hammer st ein-Equord und die unmittelbaren Vorgesetzten der Wachtruppe waren bei der Besichtigung anwesend. Nach Abnahme des Vorbeimarsches nahm der Herr Reichspräsident im Offizierheim der Wachtruppe am gemeinsamen Mittagessen teil. Die Berliner Wachtruppe, die sich aus Kompanien aller deutschen (Baue zusammensetzt, bestand aus sechs Kompanien Infanterie, drei Ma- Ichinengewehr-Kompaiuen, einer Mmenwerser-Kom- panie und einer Batterie. Punkt 12.30 Uhr erschien Generalfeldmarfchall v Hindenburg in Begleitung feines Adjutanten Oberst v. Hindenburg auf dem Platz. Der Kommandeur der Berliner Wachtruppe, Oberst v. Tiedemann, erstattete den Rapport, worauf der Generalfeldmarfchall unter den Klängen des Präsentiermarsches und des Deutschlandliedes die Truppe, die mit aufgepflanztem Bajonett präsentierte, abschritt Im Anschluß hieran nahm der Generalfeldmarfchall den Vorbeimarsch ab. Im Anschluß an die Parade überreichte ein kleines Mädchen im Auftrage der Wachtruppe dem Reichspräsidenten einen Maiglöckchenstrauß. Eintritt von Nationalsozialisten in die Reichswehr und erklärte, dieser Erlaß trage nur den gegebenen Verhältnissen Rechnung da der größte Teil der Reichswehr mit den Nationalsozialisten sympathisiere. An der Außenpolitik des Kabinetts Brüning und des verstorbenen Außenministers Stresemann übte der Redner scharfe Kritik, wobei er erklärte, auf der Abrüstungskonferenz in Genf habe Brüning eine . pazifistische Fastenpredigt" gehalten, sogar der „Lausestaat" Litauen habe sich erdreistet, in der Memelfrage Deutschland einen Schlag i"s Gesicht zu versetzen Der Redner betonte, mit Pht^jen sei dem deutschen Volke nicht zu helfen, es müßten Taten geschehen. Er erörterte weiterhin die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des verflossenen Jahres seit der Bankenkrise und die Bedrängnis der deutschen Wirtschaft bis zum heutigen Tage, ebenso besprach er die Reparationsfrage und die Stellungnahme seiner Partei, die allein imstande sein werde, eine grundlegende Aenderung herbeizuführen. Zur Reichspräsidentenwahl erklärte er, es fei nicht eine Sekunde ein Zweifel darüber gewesen, dah Hitler der Kandidat der NSDAP sein mürbe; man habe nur zur rechten Zeit schweigen müssen, um zur rechten Zeit reden zu können. Das Volk fordere jetzt fein Recht. Er bezeichnete Hitler als ein Universalgenie und als einen gottbegnadeten Menschen, der gar nichts für sich wolle, sondern alles nur zum Besten feines Volkes tue. Eine Verlängerung der Präsidentschaft Hindenburgs oder feint Wiederwahl lehnte der Redner ab, da Hindenburg, der doch nur feinen Wählern von 1925 verpflichtet gewesen sei, diese enttäuscht habe. Nach dem jetzigen Stand der Dinge könne Hindenburg von der NSDAP, nicht gewählt werden, wenn er sich aber von Brüning und dem bisherigen System trenne, dann lasse sich über dies und jenes sprechen Wer die bisherige Politik fortgesetzt wissen wolle, könne Hindenburg wählen, wer aber eine Aenderung wünsche müsse sich für den Vertreter des kommenden Systems entscheiden Der Redner betonte dann die Gefahren einer kommunistischen Präsidentschaft, die den Bolschewismus in Deutschland zur Folge haben werde, lehnte die Kandidatur Duesterberg als Spaltung ab und erklärte sie als eine unnütze Zählkandidatur, um schließlich seinen Zuhörern die Kandidatur Hitler nachdrücklich zu empfehlen. Er gab der Meinung Ausdruck, daß gar kein Zweifel darüber bestehe, daß Hitler schon im ersten Wahlgang zum Reichspräsidenten gewählt werde, denn der NSDAP, werde es gelingen, schon bei der ersten Wahl die absolute Mehrheit zu erreichen. Wenn Hitler Reichspräsident sei, werde durch Ernennung der entsprechenden Minister, Auflösung des Reichstags und die Uebernahme der Kommandogewalt über die Reichswehr und die Polizei die Aenderung in Deutschland in die Wege geleitet werden Zum Schlüsse polemisierte der Redner noch kurz gegen den hessischen Innenminister L e u s ch n e r, von dem ebenso wie von allen bisherigen Machthabern Rechenschaft gefordert werde Die Rede wurde von der Versammlung mit starkem Beifall ausgenommen Gießener Wochenmarktpreisc. Gießen, 5. März. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt Süßrahmbutter 130 Pf., Landbutter HO. Kochbutter 90, Matte 25 bis 30, Wirsing 10 bis 20 (pro Zentner 12 bis 15 Mk.), Weißkraut 10 bis 12 (pro Zentner. 6 bis 6,50 Mk.), Rotkraut 10 bis 15 (pro Zentner 8 bis 10 Mk.), Kartoffeln 4 (pro Zentner 3 bis 3,50 Mk.), gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 25 bis 30, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 25 bis 35, Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 50 bis 70, Zwiebeln 18 bis 20, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 35. Dörrobst 25 bis 30. Aepfel 8 bis 15. Dirnen 10 bis 12, Rüsse 35 bis 40, Honig 40 bis 50, Suppenhühner 80 bis 90, junge Hähne 90 bis 100 Pfennig pro Pfund: Tauben 60 bis 70, Eier 8, Salat 25 bis 30, Blumenkohl 30 bis 70, Oberkohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 10. Rettich 10 b s 15. Sellerie 10 bis 40. Endivien 15 bis 30. Käse 5 bis 10 Pf. pro Stück. ^eum ireuiiM. , Berlin, 5. März. (WTB. 5unt|piuu;./ jawohl von der Tendenz der gestrigen Neuyorker Börse keine Anregung ausgehen konnte und es auch sonst an besonderen Momenten fehlte, zeigte die heutige Wochenschlußborse zu Beginn eine gewisse Beruhigung Die Umsatztätigkeit war sogar für einen Samstag ziemlich lebhaft, betoränfte sich aber auf die Hauptwerte Auch daß am Rentenmarkt die kleine Nachfrage, die schon in den letzten Tagen zu beobachten war, heute in Erwartung einer Diskontermäßigung anhielt, machte einen guten Eindruck. War so die Allgemeinheit eher freundlicher, so gingen Die Kursveränderungen doch nur in Einzelfällen über Bruchteile eines Prozentes hinaus In Farben-, Reichsbant- und Elektrowerten wurden verschiedentlich Wochenschlußdeckungen vor- gcnommen. Bankaktien lagen wenig verändert. Schiffahrtswerte konnten bis zu 1 Prozent anziehen. Montane lagen behauptet, da der Krupp-Abschluß trotz seines beinahe 11 Millionen betragenden Verlustes nicht überraschte. Rhein. Braunkohlen konnten sogar 2 Prozent gewinnen. Am Elektromarkt zeichneten sich Hamburger Elektrizitätswerke durch eine 2proacntige Steigerung aus, wobei die Beendigung Des Lichtstreiks kurssteigernd wirkte. Auch Schubert & Salzer holten zirka 4 Prozent ihres gestrigen Verlustes ein und gingen damit noch über den gestern erzielten Versteigerungskurs hinaus. Svenska lagen auf Dividendehoffnungen eine Mark gebessert. Auch für Contigummi erhielt sich das Interesse, so daß ein zirka 2prozentiger Gewinn erzielt wurde Der Rentenmarkt tendierte überwiegend freundlicher. Von deutschen Anleihen konnte sich die Altbesitzamoihe weiter erholen, auch Gold- pfanbbriefe waren meist etwas gebessert. Reichs- fchuldbuchsorderungen lagen unverändert. Nur In- waren weiter ziemlich schwach .naniagt. Im Verlause machte sich aber hier, ebenso wie an den Aktienmärkten, Ordermangel bemerkbar, so daß die Kurse auf Grund der Umsatzlosigkeit abbröckelten. Am Geldmarkt blieben die Sätze heute u n - verändert. Frankfurt schwächer. Frankfurt a. M., 5. März. (WTB. Draht- Meldung.) Die Wochenschluhbörse lag zu Beginn recht widerstandsfähig, doch herrschte bei der Spekulation stärkste Zurückhaltung, wobei der schwer zu beurteilende Ausgang der Reichspräsidentenwahl Veranlassung gab. Das Geschäft hielt sich wiederum in sehr engen Grenzen. zumal keine Anregungen vorlagen. Später wurde die Haltung, vom Montanmarkt ausgehend. an dem der Kruppabschluh ungünstig ausgenommen wurde, allgemein schwächer. Auch das plötzliche Angebot in Gesfürelaktien trug zu der rückläufigen Bewegung bei. Gegen die gestrige Abendbörse ergaben sich überwiegend Kursverluste, wobei bei der Enge des Marktes schon kleinstes Angebot genügte, um Kursverluste von 1 bis 2 Prozent herbeizuführen. Von Montanaktien lagen besonders Rheinstahl und Mannesmann im Angebot. Am Elektromarkt konnte die Mehrzahl der Kurse bei Beginn zunächst um etwa 1 Prozent anziehen, doch verursachte das Überraschende Angebot in Gesfürelaktien später neues Rachgeben der Kurse, wobei das Riveau der Abendbörse noch um etwa 1 Prozent unterschritten wurde. Von Chemie- aktien gaben IG.-Farben 1 Prozent nach, während Scheldeanstalt im Verlaufe nach ruhiger Eröffnung sich um 1 Prozent erholen konnten. Für 2G.-Chemie-Basel hörte man unveränderte Kurse. Schiffahrtswerte blieben unter Schwankungen etwa I behauptet. Don Bankaktien lagen Reichsbank, zunächst 1 Prozent höher, dann aber gleichfalls wieder schwächer. Die übrigen Bankwerte blieben ziemlich unverändert. Etwas fester lagen noch Contigummi, die etwa 1 Prozent gewannen. Am Dentenmarkt war Altbesitzanleihe 0,5 Prozent höher, von fremden Werten blieben Türken und Mexikaner gut behauptet. Am Pfandbriefmarkt gaben Goldpfandbriefe etwa 0,25 Prozent nach. Liquidationspfand.briefe blieben knapp behauptet. 3m Verlaufe bröckelten die Kurse infolge der GeschäftsstiUe weiter leicht ab. Am Geldmarkt blieb Tagesgeld mit 7,5 Prozent unverändert. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. ZU. Banknoten 4 März 5. Mär, Amtliche Notierung Amtliche Notierung Srie Gelb Srie Helsingfor» . 6,523 6,537 6,543 6,557 Wien 49,95 50,05 49,95 50,05 Prag 12,465 56,94 12,485 12,465 12,485 57.06 Budapeg . 57,06 56,94 Sofia . 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland 169,63 169,97 169,43 169,77 Oslo 79,92 80,08 80,32 80,48 Kopenhagen. 81,02 81,18 81,32 81,48 Stockholm 80,97 81,13 81,17 81,33 London Buenos Aires 14,71 14,75 14,77 14,81 1,068 1,072 1,073 1,077 Neuyork 4,209 4,217 4,209 4,217 Brüssel 58,59 58.71 58,58 58,70 Italien 21,82 21,86 21780—1 21,84 Parts 16,56 16,60 16,56 16.60 Schweiz 81,32 81,48 81,32 81.48 Gönnten 32,57 32,63 82,18 32,47 32.53 Danzig 82,08 82,02 82,18 Javan 1,359 1,381 1,369 1.371 Rio de Jan.. 0,249 0,251 0,248 0,252 Jugoslawien, etilabon 7,443 7,457 7,443 7,457 l’,39 '3.41 , 13,44 13,46 Reichsbankdiskont 7 v. k) Lombardzinsfuß 8 o t)* Berlin, 4. März Geld Brief Amerikanische Noten...... 4,20 " . 4,22 Belgische Noten ....... 58,43 58,67 Dänische Nölen ...... 80,84 81,16 Englische Noten . ...... 14,67 14,73 Französische Noten ..... 16,52 16,58 Holländische Noten ....... 169,26 169,94 Italienische Noten .... 22,11 22,19 Norwegische Noten 79,74 80,06 Deuts ch-Oeslerretch, 1 100 Schwing Rumänische Noten 2,49 2,51 Schwedische Noten . . ...... 80.79 Schweizer Noten. ....... 81,14 81,46 Spanische Noten ....... 32,43 32,57 Ungarische Noten ...... Rundfunkprogramm. Sonntag, den 6. März. 7: Von Hamburg: Hafenkonzert. 8.15: Kassel: Morgenfeier. Veranstaltet von der Evangelischen Landeskirche in Hessen-Kassel. 10.20: Stunde des Chorgesangs. Heitere Gesänge aus alter Zeit. 11.10: Zoologischer Garten: Hörbericht aus der Hunde-Ausstellung. 11.30: Don Leipzig: Forscher berichten. Mit dem U-Boot „Rautilus" im Rord- polarmeer. Prof. Dr. Sverdrup, Bergen. 12: Von Berlin. Großes Schauspielhaus: Mittagskonzert des Orchesters Äja Lioschakoff. 14.10: Stunde des Landes. 15: Von Leipzig: Fußball- Länderspiel Deutschland — Schweiz. 16 45: Aus Glotterbad im Schwarzwald: Äachmittagskon ert des Musikkorps des Ausbildungsbataillons se8 Infanterie-Regiments 14, Donaueschingen. 8: ..Das Hörspiel als Kunstform", Vortrag von Dr. Erich Franzen, Berlin. 18.25: Dreißig bunte Minuten. Leitung. Falke-Leonhard. 18.55: Das Lachen. — Eine Stunde mit Schallplat'en von Alfred Auerbach. 19.25: K"-lsruhe: Ha d- Harmonika-Konzert. 20: Mysterie maten für V o- line und Orgel. Von Fr. von Biber (164 bis 1704). 20.50: Unterhaltungskonzert. 22.10: s wird weiter geb aut . ." Das Zeppelinluftsch ,n feiner Entwicklung zum Weltverkehrsmittel. Vormontage von Paul Enderling. 23.25 bis 24: Tanzmusik des Tanzensembles der Stuttgarter Philharmoniker. Montag, den 7. März. 7.20: Frühkonzert aus Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert. 13.05: Von Köln: Mittags- konzert. 17: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.40: „4000 Kilometer an deutschen Grenzen" Vortrag von Dr Erich Lotichius. 19.05: Englischer Sprachunterricht. 19.35: Looping ned) vorn". Erlebnisbericht von Vera von Vissing. 20.05: Großer Saal des Saalbaues, Frankfurt a. TU. 8. Montagskonzert. 22.05: Goethe- Belletristik. 22.15: Zeitbericht. Frankreichs Regierung vor den Wahlen". ^irthlifhr Itofhrifhfen. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 6. März Lätare. Stadtkirche 9.30 Uhr: Pfarrer Mahr; 11: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde, Pfarrer Mahr; 14: Pfarrer Becker, Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden der Markusgemeinde: 18: Pfarrer Becker. Beichte und heiliges Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde. — Johanneskirche. 9.30: Pfarrer Ausfeld: 11 Kinderkirche für die Iohannesgemeinde, Pfarrer Ausfeld: 14: Pfarrer Lic Waas. Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden der Petrusgemeinde, 18: Pfarrer Bechtols- heimer: 20: Missionsstunde, Pfarrer Groh. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30 Pfarrer Lenz; 11: Kinderkirche für die Luthergemeinde, Pfarrer Lenz. — Elisabeth-Kleinkinderschule 9.45: Pfarrer Lic. Waas-, 11: Kinderkirche für die Petrusgemeinde, Pfarrer Lic Waas. — konfirmandenfaal (Ciebig- straße 56). 14 Taubstummengottesdienst. Beichte und heiliges Abendmahl. Pfarrer Bechtolsheimer — Klein-Linden 9: Hauptgottesd'enst, anschl. Beichte und Abendmahl für die älteren Verheirateten: 11: Kindergottesdienst. — wieseck 9 45; 11: Kinder- kirche, 19.30: Passionsandacht — Kirchberg 10; 13.30 Lollar - Alien Buseck 10; 19.30: Passions- andacht; 13: Trohe — Hausen-Garbenleich 10: (Bar» benteid), Feier des hl Abendmahl: 13: Hausen — Watzenborn Steinberg 13: Hauptgottesdienst; 14: Kinderkirche. — Grüningen 10 Hauptgottesdienst. — Cid). 9 45: Beichte: 10 Stiftspfarrer Draudt, heiliges Abendmahl: 12.45: Kindergottesdienst: 14: Stiftsdechant Kahn katholische Gemeinden. Samstag, den 5 März. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, den 6. März. 4. Fastensonntag. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe, Kommunion der Männer: 8 Kommunion: 9: Hochamt mit Predigt: 11: Messe mit Predigt: 17.30: Christenlehre und Andacht. — (Brünberg. 9.45 Messe mit Predigt. — Hungen. 17.30: Vortrag und Andacht. — Laubach. 10. Hochamt mit Predigt: 14.30 Christenlehre und Andacht — Cid). 7 30: Hochamt mit Predigt: 20: Vortrag und Andacht. — Riddo 8.30. Hochamt mit Predigt. — Scholten. 10.30: Hochamt mit. Predigt. Lonntanedientt d.Aente u-Avotbeken am 6. B 32 Dr. Schaffer. Dr. Steinreich. Hirschapotheke. Zahnarzt: Dr. Haubach. Ö Wir zeigen: Die Frühjaars-Neuheilen 1932 Stoffe - Mäntel - Kostüme Prüfen Sie, bitte, unverbindlich Gebr. Imheuser Marktplatz Hindenburg-Wahll Wahlspenden auf das Konto Hindenburg-Wahl bei 1.) Konto-Nr. 1275 bei der Handeisund Gewerbe-Bank Gießen (Post- tcheckkonto Frankfurt a. M. 2105i 2? Commerz-und Privatbank Gießen (Postscheckk. Frankfurt a.M. 18890 Hindenburg-Ausschuß 17*0 tOrOberhessen und GleSen 15 biß 16.45 Ubr: '«rv Fußball-Länderkampf Deutschland: Schweiz Itovio-Übertragung im Die Verlobung meine; Tochter Fee mit Herrn Gerichtsassessor Dr. jur. Hans-Reinhard Koch gebe Ich bekannt Kläre Stockhausen geb. Hoffmann Darmstadt Pnnz-Christlans-Weg 23 5. Mä Meine Verlobung mit Fräulein Fee Stockhausen Tochter des verstorbenen Hofrats Herrn Otto Stockhausen und seiner Frau Gemahlin, b*ehre ich mich anzuzeigen Hans-Reinhard Koch Meinl, Fischtorplatz 13 Gießen, Os anlage 51 1932 1755 D £öroen • fleuenroea 28 SeMkve-MMWmbMnle 6le6en Mittlere Reife 1412 C Gesellen- bzw. Meisterprüfung Sernesterdeginn: 18. April KyJhSuier-Technikumk SM Franken*lusen.Kyltfc. trHriU Ult o«o-, Lendine»eh.-,Auto- H e. Floriaef bee, Flurb»lri»b. Stahlbee, Eiaan- ■ niwrMu Für Kaufleute einaem. techn. Kuree ■ Stott Warfen! Lina Stock Heinrich Äube Verlobte Gießen Dilhelmshof-Serdfeld Kaiserallee 60 Gießen 01479 Nationalsozialismus Handwerk, Handel und Gewerbe Versammlung r Montag, 7. März, abends 8'/, Uhr im „Cafe Leib“ Redner: Pg. Bareis Eintritt 50 Pfennig. Erwerbslose und Kriegsbeschädigte 20 Pfennig. Kartenvorverkauf: Restaurant Soldan und Buchladen Seltersweg 50. Stott Warten! 014 <3 N. S. D. Ä. P. (Ortsgruppe Gießen) Otto Schleuning Gretel Schleuning, geb. Merbach zeigen ihre Vermahlung an * Aanau am Main ' Gießen Hochstäbter Landstraße 55 Robheimer Straße 34 6. März 1932 ..... Hindenburg der Mann deriat, ohne viele Worte, oder Hitler...? Kundgebung am 8. März, 20 Uhr, im CaföLeib Redner: Ministerialrat v. Keudell-Berlin Studienrat Dr.Geohardt-Gießen Eintritt Mk 0.50 Erweroslose Mk. 0.20. Kartenvorverkauf: Ferbersche Buchhandlung, Seltersweg. und Papierhandlung Schneide & Wagner, Neuen Bäue Hindenbu g-Ausschuß IB1D für Oberhessen und Gießen CFrüh jabrakur für 659' | Nervenkranke und Nervös h.rscnöpfte Spaslalkeraistalt uefhele le Tannas hei Frankfun a. M. - P ospekte durch | San-Rat ür. N. Sdralze-Kihleru,WW TELE FUN KEN KA0IO XFFAXAT mH AUTO-SKAI* 1533 Die AUTO-SKALA trögt ouf ouswechselboren Schildern die Nomen der Rundfunksenderi Telefunken- Fernempfänger mit Auto-Skolo werden gern unverbindlich vorgeführt bei: Radio- Ruhl Gießen, Plockstraße 12 Handels-Hochschule Königsberg i. Pr. laiov Semesterbeginn 15. April 1932. Vorlesun «Verzeichnis und Prüfungsordnungen kostenlos.-Gebührennach- laß für Deutsche aus den Gebieten westlich des polnischen Korridors. Frühjahrs-Pferdemarkl zu Gießen. Am Mittwoch, dem 16. Mär» 1932, vormittags von 7 Vi Uhr ab, findet auf den städtischen Marttanlagen an der Robbeimer Strane Pferdemarkt statt. Mit dem Pferdemarkt ist eine Prämiierung des besten PserdematerialS verbunden, wofür über 2000 RM. zur Verfügung sieben. Der PrämiierungSvlan ist von Herrn Rentner August Schwan in (Sieben erhältlich. Tie Prämienverteilung erfolgt nach Beendigung der Prämiierung. Tie Ziehung der Pferdemarktlotterie mit wertvollen lebenden Gewinnen sowie Einrichlungs- und Gebrauchsgegenstän- bert aller Art findet am 17. März 1932 statt. 1752D (Sieben, den 2. Marz 1932. Tie städtische Pserdemarkt-Deputation. Proipekt anfordern Ingenieur- ^*2 • Schul6 Elg. Lehrwerkstätten Maschinenbau, ... . Elektrotechnik, Uf A I ITT 3 V Automobilbau ww w ■ 111 U I Brenn- und Auhholzversteigerung im Gememdcwald Langsdorf. In den Distrikten HundelS, Rasen» stück, Brennesselberg, Braut und Bräutigam und Vorderwald werden nach vorheriger Zusammenkunft am Wald» eingang der Prooinzialstrahe Langsdorf —Rieder-Bessingen am Freitag, dem 11. März 1932, vormittags 9Uhr, versteigert: Brennholz. Scheiter, rm: Buchen 1. Kl. 173,9; Hainbuchen IG,7; (Lichen 59,9; Fichten 6,3; Kiefern 2,0; Knüvoel, rm: Bucken 47,8; Hain- budjen 31,3; Eicken 52,7; Lärche 18,4; Fickte 3,8; Reisig, rm: Bucken 1. Kl. 24,6; Buchen 3. Kl. 14; Stöcke, rm: Buche 3,8. Ruhholz. Derbstangen Fichte: 1. Kl. “46 St., 2. Kl. - 100 St., 3. Kl. = 175 St.; Reisslängen Fickte: 4. KI — 59 St., 5. Kl. “ 120 St., 7. Kl. - 520 t.; Dcrbktangen Eicken und Eicken: 7 St.; Ruysckeiter Eiche: Irl rm; Nutzknüvvel Lärcke: 3 m lang =• 2rl rm; Nuvreisig Fichte: 30,2 rm. itboD (Sünftige Zahllmgsbediugungen. Langsdorf, den 3. März 1932. Hessische Bürgermeisterei Langödorf: Kneivv. Versteigerung. Montag, den 7. Ptürz 1932, nachm. um 1 Uhr. sollen an Czt und Stelle in Kloster Arnsburg b. Lick zwangsweise gegen Barzahlung versteigert werden: 1 Ausziehtisch, 6 Suckle, 1 -Losa, 1 Bücherschrank, 1 silberner Kandelaber, 1 Flügel, 1 ovaler Tisch, 3 Klubsessel, 1 «ckreiblekretär und 3 Tevviche i??oD Steigliebhabcr sammeln sich bei der W'.rttckaft Tbörner. Lick, am 5. März 1932. Rösch, Stellv. Ger.-Bollz. üt Lick. Finanziell gutgestellter 01443 Gchreinermeister zur Anfertigung eines rentablen Massenartikels gesackt. — Zuschriften unter Nr. 1265 an Anaoaceaweber, •leßea, Pleokatr. We St enntjo Hoerfteig ei nng oer Stadt Men 1932. Aus den Waldungen der Stadt Gießen sollen am 1742C lUonlag, dem 7 IHätj 1932, 9% Ahr beginnend, aus den Abt. 7, 11, 15, 19, 25, 26, 28, 21 und 33 des Fernewaldes und Abl. 91 und 128 des Stadtwaides versteigert werden: 17 rm Buchescheiter 1. u. 2. Klasse, 50,5 „ Eichescheiter 1. u. 2. Klasse, 90,7 „ Kieferscheiter 1. u. 2 Klasse, 43,6 „ Fichtescheiter 1. u. 2. Klosse, 3 „ Ahorn- u. Birkescheiter 1. Klaffe, 9 „ Bucheknüppel, 37,4 „ Eickeknüppel, 10 „ Üicferknuppel, 51,3 „ Fichteknüppel, 5,3 „ Birke- u. Escheknüppel, 430 Wellen Büchereisig 3. Klasse, 2,2 rm Kieferstöcke, 29 „ Eicke- u Fichtenuffscheiter 2. Kl., 17 „ Eiche- u Fichtenustknüppel 1. ÄL, 32 St. Fichtederbstangen 1. u. 2. Klaffe, 3 „ Kieserabschnitte (dürr) = 2,85 Fm. Das Hol; aus den Abteilungen 7, 11, 15 und 19 des Fernewaldes kann nicht vor- gezeigt werden. Vorherige Besichtigung wird daher empfohlen. Zusammenkunft: Kreuzung Häuserweg- Rehschneise (in der Nähe des Waldausgangs an der Lichcr Straße). Eine weitere Lrennholz-Versleigerung findet in diesem Jahr nicht mehr statt. Sämtliche bis jestt stattgefundenen Brennholzoersteigerungen wurden geneh. migt. Die Abfuhrscheine sind alsbald bei der Bürgermeisterei des Wohnorts in Empfang zu nehmen. (Sichen, den 3. März 1932. Bürgermeisterei Gießen: ________3.23.: Dr, Ros« nber g.________ Brennholzverkauf. Wir find nock in der Lage, größere Mengen Brennholz (Bucken-Sckett und -KnüvveU abzugeben. Nähere Auskunft erteilt die unter- zeichnete Stelle. 1806D Romrod, den 4. März 1932. Hessisches Forstamt Göringen. MORA ULTRA 5ELEKTI0NS EMPFÄNGER 3 Röhren /rV/V 5*6 P* >53- • A /UM s*rz ZVZtf **f$*6l O »r ERHÄLTLICH IN ALUN TACN6E5CHÄFR5V Baaerscher Gesangverein e. V. / Gieren Mitglied des Hessischen und des Deutschen Sängerbundes Am Samstag, dem 12.Mlrz 1932, abends um 8 Uhr, in der Neuen Aula der Universität KONZERT Stimmscheine Leitung: Unlversltäts-Musikdirektor Dr. Temesvary. Mitwirkend Frau Lena Stülpnagel, Frankfurt a. M. (Alt), Herr Ernst Schneider. Giefaen (Cello) und der Giebencr Orchesterverein. Mannerchöre von; Rclchardt. Mendelssohn. Schubert und andeien Brahms: Rhapsodie für Altsolo. Männerchor und Orchester Ferner: Haydn. Cello-Konzert mit Orchester sowie Solo-Lieder von Schubert. — Der Bechstein Konzert- Hügel Ist von der Klavierniederlage Schönau. Gieben. gestellt Preise der Plätze: 1. Platz RM. 2.-, 2. Platz RM 1.50und 3. Platz RM. 1. . Mitglieder zahlen auf allen Plätzen gegen Vorzeigung eines Ausweises die Hällte. Es wird empfoh en. die ermäßigten Karten alsbald in Empfang zu nehmen. — Kartenvorvcrkaut: Bei Herrn Ernst Challler,Musikalienhandlung. Neuenweg 10 und abends an der Kasse U77d I Lichtspielhaus »Gießen I Goethebund Gießen M nur Sonntag, den 6. Mflrz, 11.15 Uhr vorm. H XII.Kulturfilm-Veranstaltung IEin Ton-und Sprechfilm derOttaslen-Expedition | Kampf um die Mandschurei I (Die Welt der ge ben Rasse) 1B3C I Gute» Beiprogramm und L'fa-Ton-Woche I Kleine Preise: Mk. 0.60 bis 1.50. Jugendliche zahlen I halbe Preise.Die MltgUeder den Beethebiuiiei erhalten I Karten zu Mk. 050 und 1.00 geg. Einlösung des Gut- I schcins Nr.2 a. d. Gutscheinheft des Goethebundes. ■ für die Reichspräsidentenwahl werden von Montag, dem 7., bis Samstag, dem 12. März 1932 Im Stadthaus, Bergatr. 20, Zimmer Nr. 13, ausgestellt 1636 c Jugendliche Jormfchönheit erlangt scce Figur dutdi das tragen der den phuflologlfditn KJrper- bedürfnlffcn Redinung tragenden Ihalgfia-ßörperformen viele werden |e nadi am BedüifnUTen des flöt per; in vorzügilri danhdedifei Modellen: Qödgurt, gde.halter. Svelm.ede., Frauen- gurt Edelet, Sdelsormer uf®. für jede beliebige GrSß« sofort sachkundig und unverbindlich anprobiert. Für jede ffiaur Maß-Anfertigung. Alleinverkauf: 1T75D Frau Gusiel Schlumberger QrdwigSplah 441 Telephon 4174 Kein Loden Haltestelle der elektrischen Straßenbahn, rote Linie v Neue Mäntel, Kostüme, Kleider neue Stoffe, Seiden neue, zeitgemäße Preise MEYERHOFF & GOSLAR Kreuzplatz 13- 1 - - / • 1784 A Einige gut erhaltene PIANOS G. Koos 01423 Auktionator und Taxator - Gießen • Neustadt 10 Mer-lm» (priooi) erbeten bei empfehlen. 1756 V Der Handel Sonntags verboten. Berta iSander Landgrafenstr. 8 1014241 Telephon 346.» Bekanntmachung. Die bereits fälligen Stromgelder im Stadt- und Ueberlandgebiet für den Monat Januar 1932 können noch bis zum 15. d. M. ohne Kosten bezahlt werden. Bei Nichtzahlung bis zu diesem Termin erfolgt Beitreibung und Stromsperre auf Kosten des Abnehmers. [ msD Gießen, den 3. März 1932. Direktion der Elektrizitätswerke, Ueber- landanlage und Straßenbahn der Stadt Gießen. Stolle. in Eiche und poliert Baldur — Bülow — Fiedler — Neumayer preiswert zu verkaufen Marburfi-L.Dr. Müllers Prifatlehranslallen Schalen.Schttlerheimi.ges.Waldlage.Indiv. Erziehungu.SchulungVI-OI.Prüfungslos. Ebergang a. 3hess. öif.Lehranst, dadurch risikofreieOII-Reifeu.Abitar.Daneben:alle Handelsschulfächer f. kaufin. u. gewerbl. Berufe.BesteEmpf. Prosp.u.Erfolgverz.fr. Bekanntmachung. Mit dem Einbau der Gartenwassermesser wird in Kürze begonnen. Gartenbesitzer und Pächter, deren Gärten Wasseranschluß haben, werden ersucht, die Anmeldung bis zum 19. März d. I. in unserem Verwaltungsgebäude, Zimmer 5, vorzunehmen. Bei Versäumung der Anmeldung zum genannten Termin kann der Messer nur unter erheblichen Mehrkosten gesetzt werden. Die Wassermesserschächte müssen sich bis zu oben genanntem Zeitpunkt in gereinigtem Zustande befinden, andernfalls das Reinigen der Schächte durch uns besonders berechnet wird. [1754D Gießen, am 5. März 1932. Stadt. Gas- und Wasserwerk Gießen. Auslese-Matratzen vatentrahmeu Gtbouevdeiken kaufen Sie am billigsten nur be Rudolf Vlum Stehtftrafrg56X Frankfurt am Main Pferde-Märkte 7. März, 11. April, 9. Mai, ^3» 6. Juni, 4. Juli, 15. August 1932 Durchschnittlich Auftrieb 700 Plerde all. Rassen, auch Schlachtpferde; größte Auswahl und beste Gelegenheit für Kauf oder Tausch. Ein Besuch dieser Märkte ist zu < 4! weiß- u. GrMMkalk. MIa >1JK Solkkaik. 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II über Kapitalherabsetzung in erleichterter Form, Genehmigung des Vertrages mit dem Deutschen Reich über Zurverfügungs- stellung von Mitteln sowie Beschlußfassung über die Auflösung der Reserven und über die Herabsetzung des Grundkapitals in erleichterter Form von RM. 60000000.— auf RM. 25000000.— durch Einziehung von unentgeltlich der Gesellschaft zur Verfügung zu stellenden RM. 35000000.— Aktien zum Zwecke der Deckung von Verlusten und zum Ausgleich von Wertminderungen im Vermögen der Gesellschaft. 2. Genehmigung eines Vertrages mit der Dresdner Bank, durch welchen ihr das gesamte Vermögen der Gesellschaft unter Ausschluß der Liquidation mit der Maßgabe übertragen wird, daß dagegen auf RM. 25000000.— Aktien des herabgesetzten Grundkapitals der Darmstädter und Nationalbank RM. 7500000.— Stammaktien der Dresdner Bank nach Durchführung der Herabsetzung ihres Grundkapitals, also im Umtauschverhältnis von 10:3, gewährt werden, sowie Ermächtigung des Vorstands und Aufsichtsrats der Dresdner Bank, alle zur Durchführung der Beschlüsse erforderlichen Einzelheiten festzusetzen, insbesondere bei dem Umtausch der Aktien gemäß §§ 290, 305, 306, 320 HGB. zu verfahren. 3. Kenntnisnahme von der Fusionsbilanz der Dresdner Bank per 31. 12. 1931. 4. Entlastung der persönlich haftenden Gesellschafter und des Aufsichtsrats. Zur Stimmenabgabe sind diejenigen Kommanditisten berechtigt, welche ihre Aktien oder den von einem Notar oder von einer Effekten-Giro-Bank über die Aktien ausgestellten Hinterlegungsschein spätestens am 19. März d. J. bei einer der nachbezeichneten Stellen deponieren, und zwar 1. bei unseren Hauptniederlassungen in Berlin (Behrenstraße 68—70), Bremen, Darmstadt; 2. bei unseren sämtlichen Filialen und Zweigniederlassungen; 3. in Wuppertal-Barmen bei dem Barmer Bank-Verein Hinsberg, Fischer & Comp., Kommanditgesellschaft auf Aktien, „ Breslau bei dem Bankhause Eichborn & Co., „ Danzig bei der Danziger Bank für Handel und Gewerbe Aktiengesellschaft „ Essen a. d. Ruhr bei dem Bankhause Simon Hirschland, „ Frankfurt a. M. bei der Deutschen Effecten- und Wechsel-Bank, bei dem Bankhause Lincoln Menny Oppenheimer, bdi dem Bankhause Jacob S. H. Stern, bei dem Bankhause Gebrüder Sulzbach, „ Hamburg bei dem Bankhause L. Behrens & Söhne, bei dem Bankhause M. M. Warburg & Co., „ Hannover bei dem Bankhause Ephraim Meyer & Sohn, ,, Karlsruhe bei dem Bankhause Veit L. Homburger, „ Köln bei dem Bankhause A. Levy, bei dem Bankhause Sal. Oppenheim jr. & Cie., „ Leipzig bei der Allgemeinen Deutschen Credit-Anstalt, ,, München bei dem Bankhause Merck, Finck & Co., ,, Nürnberg bei dem Bankhause Anton Kohn, 4. in Amsterdam bei der Amsterdamschen Bank, bei der Internationalen Bank te Amsterdam, Wien bei der Mercurbank. Benin, den 3. März 1932. Darmstädter und Nationalbank Kommanditgesellschaft auf Aktien 1776D Bodenheimer Goldschmidt FICHm& SACHS AG • SCHWEINFURT»M Trotz aller Not der Zeit: Jeder kann ein Kraftfahrzeug besitzen! Einfacher als ein Auto e Sicherer als ein Motorrad e Billiger als jedes an- dere Verkehrsmittel! r%K) JJ Jeder Fahrradhändler führt es unverbindlich vor! SACHS’*^ „« Auktionshaus G.Koos GIESSEN Neustadt 10 Neustadt 10 Ab 1. 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Die QlotDerorDnung vom 5. 3uni 1931 brachte die rechtlichen Grundlagen für die Förderung deS f r c i te il l i g c n Arbeitsdienstes durch die ReichSanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. Der in daS Gesetz für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung neu eingesührtc § 139a verpflichtet die Reichsanstalt, den freiwilligen Arbeitsdienst zu fördern. Sie darf dafür Mittel der ArbeitSlofenvcrfuhe- rung und der Krisenfürsorge einsetzen. Gefördert werden dürfen nur gemeinnützige zusätzliche Arbeiten, die ohne die Forderung auch nicht im Wege der Rotstandsarbeiten be- rcitoestellt werden können, insbesondere Boden- Verbesserungsarbeiten, Herrichtung von Sied- lunaS- und Kleingartenland, örtliche BerkchrS- verocsserungcn und Arbeiten, die der Hebung der BolkSgcsundheit dienen. Träger der Arbeiten Dürfen nur Körperschaften des öffentlichen Rechts oder solche Bereinigungen oder Stiftungen sein, die nach ihrem DeroanDszweck gemeinnützige Ziele verfolgen, ferner Bereinigungen, die Gruppen von Arbeitsdicnstwilligen für solche Arbeiten zusammenfassen. Dagegen können Unternehmungen, die auf Erwerb gerichtet sind, nicht Träger der Arbeiten fein. Die Beschäftigung im freiwilligen Arbeitsdienst begründet kein ArbeilsverhältniS im Sinne des Arbeitsrechts Mithin soll der freiwillige Arbeitsdienst es den Arbeitslosen, insbesondere solchen jugendlichen Alters« ermöglichen, ihre brachliegende Arbeitskraft in fclbftge- wäblter ernsthafter Gemeinschaftsarbeit unter sachkundiger Leitung in nützlichen Arbeiten, die sonst nicht in Angriff genommen würden, zu betätigen, und aus der Arbeit selbst, sowie durch nebenhergehende DildungSmastnahmen körperliche und geistige Schulung zu empfangen. Dem Wesen des freiwilligen Arbeitsdienstes entspricht die uneingeschränkte Freiwilligkeit der Betätigung Ihre Berweige- rung ober Ausgabe kann somit niemals zu vorübergehendem Verlust Der Unterstützung führen. Anderseits darf der freiwillige Arbeitsdienst die Arbeitskraft nicht dem ArbeitSmarkt fernhalten. Deshalb sieht die Verordnung grundsätzlich die Abberufung eines ArbeitSdienslwUligen vor, wenn ihm eine Arbeitsstelle vermittelt werden kann. Beim freiwilligen Arbeitsdienst sind zu unterscheiden die Träger der Arbeiten von den Trägern des Dienstes. Träger der Arbeiten können össentlich-rechtliche Körperschaften, gemeinnützige Genoffenfchaften oder Verbände fein, die die Arbeiten für eigene Rechnung und unter eigener Verantwortung ausführen, Arbeitskleidung und Arbeitsgerät zur Verfügung stellen und für die Aufbringung der Restfinansierung der Arbeit zu sorgen haben. Als Träger des D i e n st e s werden die Vereinigungen und Verbände bezeichnet. die Gruppen von Arbeitsdienstwilligen zu- fammenf assen und für die Arbeit zur Verfügung stellen. Es ist selbstverständlich auch möglich, daß Der Träger der Arbeit mit dem Tröger des Dienstes zusammenfällt. Als Tröger des Dienstes kommen alle Bereinigungen in Betracht, die für die ordnungsmäßige Durchführung des freiwilligen Arbeitsdienstes im Rahmen der Verordnung Gewähr bieten, gleichgültig, welche Zwecke fie sonst »erfolgen. Dagegen find von vornherein solche Verbände und Arbeitsgruppen auszufchließen. bei Denen begründete Annahme besteht, daß sie den freiwilligen Arbeitsdienst zu politischen oder staatsfeindlichen Zwecken mißbrauchen werden. Zum freiwilligen Arbeitsdienst Dürfen juge- lallen werden: Empfänger von ArbeitS- lofen- und Krifenunterstützung. Dazu treten (hierfür find bclo.iDerc Reichsmittel zur Verfügung gestellt) arbeitslose Jugendliche unter 21 Jahren, die deshalb keinen Anspruch auf Arbeitslofenunterstühung haben, weil sie auf einen familienrechtlichen Unterhallsanspruch verwiesen werden müssen, oder die daS vorgeschriebene Atter für die Krifenunterstützung noch nicht erreicht haben. Den Bezirks-Für- forgeverbänden steht eS frei, die von ihnen betreuten Arbeitslosen aus Mitteln derWohl- fahrtSpflege in gleicher Weife zu fördern und dadurch die Voraussetzungen zu schaffen, daß WohlfahrtSunter st ützungSemp- fänger zu den Arbeiten des freiwilligen Arbeitsdienstes zugelassen werden können. Die Förderung des freiwilligen Arbeitsdienstes kann bestehen entweder in der Zahlung der individuellen Arbeitslosen- oder Krifenunterstützung bis zur Aussteuerung, oder in Der Festsetzung einer nach Höhe unD Dauer vereinheitlichten Unterstützung, Der sog. Pauschalförderung. Die Paufchalfördcrung, die also k e i n e Entlohnung, sondern nur eine Unter st ühungs- a r t darstellt und die 2 Mk. täglich für Den Ar- beitsdienstwilliaen nicht überschreiten Darf, erfolgt ohne Rücksicht Darauf, in welchem Umfange die individuelle Unterstützung bereits in Anspruch genommen worden ist. Sie kann bis auf die Dauer von 20 Wochen auch für diejenigen Unterstützungsempfänger gewährt werden, Deren individueller Anspruch schon vor Ablauf dieses Zeitraums erschöpst wäre Die Arbeiten, die im freiwilligen Arbeilsdienft ouSgeführt werden fallen, müssen von Dem Präsidenten des LandesarbeitSamts anerkannt werden. Anträge hierfür find bei Dem örtlich zuständigen Arbeitsamt einzureichen, das hierfür besondere Formulare zur Verfügung stellt. Es ist dringend zu empfehlen, daß die Träger der Arbeiten und die Träger des Dienstes vor Der Einreichung derartiger Anträge mit dem zuständigen örtlichen Arbeitsamt persönlich Verbindung aufne jmen. Wenn von vornherein gerade auf diesem Gebiete Die unumgänglich notwendige enge Zusaminenar- beit aller beteiligten Stellen sicher- gestellt ist, steht zu erwarten, daß Die zahlreichen Vorschriften für die Durchführung des freiwilligen Arbeitsdienstes ohne Rachteile für die Beteiligten beachtet werden. Ich nenne hier nur die Anwendung Der Vorschriften Der Sozialversicherung und des Arbeitsschutzes, sowie der Erleichterung der Siedlung für Arbeitsdienstwillige, deren Behandlung im Rahmen dieses kurzen Hinweises zu weit führen würde Das Arbeitsamt Giehen hat bereits vor längerer Zeit die Bürgermeistereien Oberhesscns auf die Vorteile aufmerksam gemacht, die Die Einführung des freiwilligen 21t» beitsDienstes für Die Arbeitslosen und f ür Die Gemeinden im Gefolge haben. Scheinbar sind diese Vorteile noch nicht von allen Gemeindevertretungen recht erkannt, denn anders ist die Zurückhaltung vieler Gemeinden, die unter den allgemeinen Lasten Rot leiden, nicht erklärlich. Es seien deshalb nochmals die Vorteile herausgestettt. Einmal schasst Der freiwillige Ar- beitsdienst für Die unter Der langen Arbeitslofig- Von Geld und Lebe. Dioman von Grete von Goß. Copyright by Martin Feuchtwanger, Hall, 29 Fortteftung ttachdruck oerhoten WährenD Rose ihm Kaffee eingofj, ein Ei schölte unD Brötchen für ihn bestrich, sprach er mit Achim über geschäftliche Dinge. „3a, also Die zweiinalhunDerttausend Mark werben heute von Liebrach eingezahlt werden. Run kommt es Darauf an. sie verständig zu ver- teilen. Wenn man heute glatt auszaytt, wird der Sturm auf unsere Kasse aufhören." „Also so fleht es aus", sagte Rose kopfschüt- telnD. „3a, mein Kind, wir sitzen eben mal fest, aber werden uns schon wieder flottmachen. Rur keine Bange haben! Und einige Zeit sehr vorsichtig mit dem Geld umgehen! Seine Zinsen kann ich Dir nicht mehr in voller Höhe auszahlen: du muht schon zusehen, mit weniger auszukommen ...“ „Das kann ich nicht — kann nicht unsere Lebenshaltung von einem Tage auf den andern umstellen." „Gewiß kannst Du Das — verfuch es nur! Hans-Achim redete ihr auch zu. „Warum fälltest du das nicht können. Rose? Mit ein bißchen gutem Willen geht's schon. Ich bin der Ansicht. Daß Du aus ein Drittel Deiner Einnahmen verzichten kannst." „Ich hab' Dich nicht nach Deiner Ansicht gefragt. mein lieber Achim. Alfo misch dich gefälligst nicht in meine Angelegenheiten." „Sie sind auch Die meinen. Rose. unD ich habe das Format unsere? Lebenshaltung zu beftim- mcn." Sie ging mit einem schnöben Lächeln Darüber hin. „'Also, Papa, ich muß daran festhatten, meine Zinsen ungekürzt zu erhalten. Ferner muß ich Darauf bestehen, daß Du unsere Billa auf meinen Rainen übertreiben läßt. Damit ich eine Sicherheit habe für mein Kapital." Ihr Baker lachte kurz auf. „Wie körne ich dazu? Bin ich etwa verpflichtet. Dir Dein Erbteil auszuzahlen, während ich noch lebe? Du hast mir das Geld abgeluchst ..." Sie zuckte mit Den Achseln. „Henn es. wie Du willst. Das kommt hier nicht in"Betracht. Du hast mir Das Kapital zugeeignet. Ich habe es in Deiner Bank Deponiert ich habe das Recht, dies Depot zu kündigen." „Tu Das! Es fragt sich nur, ob du es ausge- Sahlt bekommst." „Es muß vorhanden fein. Depots dürfen nicht angetastet werden." Der Dater sprang auf, starrte sie an. Die Adern an feinen Schläfen schwollen an. Sein Atem ging keuchend. „Was willst du damit sagen? Rur weiter — Du willst mich Doch bedrohen — nur zu — nur zu!" HanS-Achim hatte sich auch erhoben. Er versuchte, ibn zu beruhigen. „Papa, ich bitte dich! Eine unbedachte Aeuße- rung von Rose, Die wirst Du Doch nicht ernst nehmen. Rose hat bestimmt nicht Daran geDacht, dich zu kränken. Sie wird dich um Verzeihung bitten. Seine Hand glitt über des Vaters Arm. „Verzeih, Papa, nimm nicht schwer, was Rose in ihrer Heftigkeit gesagt...“ Davor brach Des Vaters Zorn zusammen. Aber 'der Schmerz über Roses Lieblosigkeit zuckte in seinem gutmütigen Gesicht. Er wandte sich ab. Wischte sich Die Stirn, Die sich gefeuchtet hatte. Zwischen seinen Brauen ftanD eine Falte. Er mühte sich, seine Haltung zu bewahren. „Ich gehe", sagte er, Hans Achim Die HanD reichend, „wir sehen uns nachmittag in der Bank " .3 a, Papa." Er begleitete ihn bis zur Tür. Dann kehrte er zu Rose zurück. Die lag in ihren Sessel zurückgelehnt und rauchte eine Zigarette Er streifte fie mit mißbilligendem Blick. „Das war roh, was du dir eben geleistet hast. Rose." Sie maß ihn mit einem Blick voll kalter Feindseligkeit. „Verschon mich gefälligst mit Vorwürfen." .Warum sollte ich das? Du hast sie reichlich verdient." „Dafür, daß ich um unsere Eristenz kämpfe, was ja eigentlich Deine Sache wäre. Aber dir scheint unsere Existenz eben nicht wichtig zu fein. Siehst wohl für dich fdjon eine neue winken?" Ihre Augen funkelten. „Bist sicher, daß Du in Hollywood mit offenen Armen ausgenommen wirst .. ." .Laß Dein sinnloses Geschwätz!" herrschte er sie an. .UnD merk dir auch das: Ich werde es nie mehr dulden, daß du mit deinem Vater in Dem Tone sprichst, den Du eben beliebtest, gegen ihn anzuschlagen. Auch verlange ich, daß du dich seinen Wünschen fügst." .Verlangst Du sonst noch etwas?" höhnte fie. „3a, noch etwas! Wart mal ab. Du wirst es gleich erfahren." Er zündete sich eine Zigarette an, machte ein paar hastige Züge: danach sagte er: „3ch verlange von dir, daß Du Deinen Vater um Verzeihung bittest, Rose." .Du bist wohl nicht gescheit? Was fällt Dir eigentlich ein, in diesem Zon mit mir zu reden?" Er lächelte mit blaffen Lippen, zerdrückte feine Zigarette in Der Aschenfchale. Rose bemerkte, daß kett leidenden Mirmcntchcn die Woglichkeit, Den durch die WirtfchaftSnvl erzwungenen Müßiggang abzuschütteln Die stark gerade dieser Gesichtspunkt beachtet werden muß, kann daS Arbeitsamt immer wieder feststellen. Denn eS melden sich andauernd auch folche Unter- ftützungsempfänger zum freiwilligen Arbeitsdienst, die lieber auf Den ihnen zuftehenden höheren in- dividuellen Unterstützungssatz verzichten und Dafür gegen Den niedrigeren Pauschal-Unterstützungssatz von 2 Mk. pro Tag im freiwilligen Arbeitsdienst Mitarbeiten wollen. Das ist nicht verwunderlich, denn einem gefunden Menfchen muh Die unfreiwillige Arbeitslosigkeit auf die Dauer zur körperlichen und seelischen Oual werden, der im freiwilligen^ Arbeitsdienst entgegen« gewirkt werden kann. Don den Gemeinden können durch den freiwilligen ArbeitSDienst solche gemeinnüftige zusätzliche Aufgaben in Angriff genommen werden, deren Erfüllung dem Allgemeinwohl zugute kommt, wie beispielsweise die Herrichtung von Eiedlungsland. oder Die Bereitstellung von Kleingartenland für Arbeitslose, die Durchführung von DeDlanblultit'ierungen, Die Instand- fetzung von Feldwegen, der Ausbau von Waldwegen. Waldrodungsarbeiten. Fluh- und Dachlaufregulierungen, die Herrichtung von Sportplätzen, die Anlage von Freibädern, Die Anpflanzung von Bogelfchutcheckcn, daS Brechen von Steinen für Den Ausbau von Gemeindewegen und DgL Solche Arbeiten heben, auf lange Sicht gesehen, das Dolkseinkominen unD Die Volksgesundheit. Sie können auch Die Quelle bilden für Die Inangriffnahme von Arbeiten, Deren Durchführung Der freien Wirtschaft Vorbehalten bleiben muh. Hierfür ein praktisches Beispiel aus Dem Bezirk Des Arbeitsamts: Die GemeinDe Rinderbügen (.KreiS Bübingen) besitzt einen alten GemeinDesteinbruch, Der Deshalb nicht mehr ausgebeutet werben kann, weil bie Abräumungsarbeiten Mittel beanspruchen, bie zunächst in keinem Verhältnis zu dem Ergebnis stehen würben. Die Arbeitslosen ber Gemeinbe sink) aber in hohem Mähe auf bie Wieberingangfetzung bes Stein - b r u ch e s angewiesen. Aus biefem Grunbe bat auch Der Deutsche 6teinarbcitcrt>crbanb als erster Tröger einer Maßnahme des freiwilligen Arbeitsdienstes in Oberhessen bereits am 4. Rovem- ber 1931 im Wege des freiwilligen Arbeitsdienstes mit den Abräumungsarbeiten begonnen. Der Steinbruch steht jetzt kurz vor feiner Wieder- erschließung, und damit können zahlreiche Arbeitslose wieder produktiver Beschäftigung zugeführt werden. Abgesehen von diesen Vorteilen führt der freiwillige Arbeitsdienst auch noch eine Entlastung der Gemeinde-Wohlfahrts- Etats herbei, wie auS folgendem Beispiel zu erkennen ist: Ein Arbeitsloser. Der 18 Wochen nach Beginn seines Unterstühungsbezuges zum freiwilligen Arbeitsdienst übertritt, kann nach Den Bestimmungen. wenn die Pauschal-Förderung gewährt wird, zunächst 20 Wochen die Förderung aus der Arbeitslosenunterstützung erhalten, d. h. also 18 Wochen über den Zeitpunkt seiner Aussteuerung hinaus. Erfüllt er bie Voraussetzungen Der Krisenunterstühung, so kann er nunmehr im Anschluß für 38 Wochen Krisenunterstühung erhalten. Geht er in feiner 30. Krifenunter- stützungswoche erneut aut 20 Wochen in Den freiwilligen Arbeitsdienst bei einer Pauschalförderung von 12 Mk. in der Woche, so kann er über feine Aussteuerung hinaus noch weitere zwölf Wochen auch als Krisenunterstühungsempfanger im freiwilligen Arbeitsdienst tätig fein. In diesem Falle schiebt sich also um 18 Arbeitslosen- unterstnhungs- plus 12 Krisenunterstühungs-, zusammen 30 Wochen der Zeitpunkt hinaus, an Dem Der Arbeitslose Der Gemeinde als Wohl» fahrtsempfänger zur Last fallen müßte, fall# er nicht inzwischen eine neue Anwartschaft auf Arbeitslosenunterstützung erworben haben sollte Wie gesagt, es ist verwunderlich, daß trotz dieser Vorteile für Den einzelnen und für Die ®e- famtbeit im Bezirk de» Arbeitsamts Giehen erst 81 Gemeinden und Berbände tStein- orbciteroerbanD. Katholifcher Gesellenverein. Iungdeutscher Orden und verschiedene Sportvereinigungen) Den freiwilligen Arbeitsdienst entweder eingeführt haben, oder kurz vor ber Einrichtung stehen AuS Den Kreisen Der Provinz Oberheffen beteiligen bzw werden sich in Kürze am freiwilligen Arbeitsdienst beteiligen: KreiS Alsfeld . Büdingen Friedberg „ Giehen . Lauterbach „ Schotten 18 Gemeinden 21 8 13 5 16 Falls alle eingereichten Maßnahmen im fret- wittigen Arbeitsdienst zur Durchführung kommen, werden in Kürze weit über 100 0 Personen im Bezirk deS Arbeitsamts Gießen im freiwilligen Arbeitsdienst tätig fein. Der Den einzelnen, insbesondere den jugendlichen Arbeitslosen, zur Ordnung führt, das Pflichtbewußtsein hebt und Die Idee Der Volksgemeinschaft stärkt. Besonders anerkannt und hervorgehoben zu werden verdient der Arbeitseifer und Die persönliche Hingabe am gemeinnützigen Werke Der Arbeitsdienstwilligen. Die sich aus allen Berufen jeden Lebensalters zusammenfehen. Dank gebührt auch all Denen, die durch Aufklärungs- und Organisationsarbeit in Oberheffen den freiwilligen Arbeitsdienst gefördert haben. Dem in diesen Rotzeiten lange anhaltender Arbeitslosigkeit eine gar nicht hoch genug einzuschähende ethische und arbeitspadagogische Bedeutung zukommt. ---- i Kunst und Wissenschaft. Deutscher Dichter-Dank im Goethe-Iahr 1932. Der Reichsausschuß für Die Goethe-Feier 1932, der Reichskunftwart, die Deutsche Schillerssisiung und die Notgcmeinschaft des deutschen Schrifttums wenden sich in einem Ausruf an alle Kreise des Lölkes: sie beginnen eine Der Deutschen Schillerstistung und der Notgemeinschast des deutschen Schrifttums dienende Werbung: Deutscher Dichter-Dank im Goethe-Jahr 1932. sie bitten um Zuwen- düngen von Autogrammen, Stichen, Medaillen, Büchern und Erstdrucken der Klassikerzeit, damit Einnahmen zugunsten der Stiftung geschaffen werden können. Es wird ein Stiftungsfonds begründet, und es soll jedermann die Möglichkeit tätiger Mithilfe gegeben werden: zehn Meister deutscher Graphik haben Entwürfe für einen Dichter Dank-Zettel geschaffen, welcher das Denkmal oder das Bildnis der Großen von Weimar trägt und in Bücher eingeklebt werden kann oder als Postkarte, als Lesezeichen und als Bild verwendet werden soll. Das Ergebnis der Sammlung, die sich aus Beiträgen von 10 Pf für jeden Zettel, einer Reichsmark für die in Mappe vereinigte Reihe zusammensetzt, wird zur Stützung der Schillerstistung und der Rotgenieinschast des Deutschen Schrifttums verwandt werden. Oberheffen. Giehenei- Theaiergastspiel in Heuchelheim. * Heuchelheim, 5. März. Heute zum Wochenende gibt es hier Durch ein Gastspiel seine HanD zitterte. Hans-Achim toanbte sich ihr zu. „Allo Du wünschst zu wissen, was mir einfällt! Mir fällt ein. Daß ich mir Deine offenen und versteckten Bosheiten schon zu lange habe gefallen lassen, Daß Schluß Damit gemacht wer Den muh." In Dem Ton, in Dem er Das sagte, lag etwas, bas Rose erschreckte. Sie sah ihn aus weit geöffneten Augen an. „Weiter fällt mir ein. baß ich als Dein Mann Den Zuschnitt unserer Lebenshaltung zu bestimmen habe." Sie lachte auf. „Da bist Du sehr im Irrtum." „Laß mich gefälligst ausreben. Also von nun an werde ich diesen bestimmen. Weiter, daß ich dir nicht mehr gestatten werde, die Rolle des weiblichen Kunstmäzen zu spielen." Sie wurde um einen Schatten bleicher, ihre Augen funkelten. „WaS soll das heißen? Du willst mir Vorschriften machen über mein Tun und Lassen?" „Das will ich nicht nur, das werde ich unbedingt tun. Und du wirst dich unbedingt nach ihnen richten. Meine erste Forderung ist: Du sorgst dafür, daß Costa heute noch unser Haus verläßt, und zwar auf Rimmerwiedersehen." Sie schüttelte mit dem Kopfe, sagte langsam, aber in überzeugtem Ton: „Du bist wahnsinnig." „Vielleicht bin ich es bis jetzt gewesen — ich glaube es fast. Denn ein Monn mit klarem Verstand läßt in feinem Hause nicht geschehen, was ich ruhig habe geschehen lassen. Aber du darfst davon überzeugt sein, daß ich jetzt völlig klar bin und handeln werde, wie es sich gehört." „Und wie wird das sein?" höhnte sie. .Das Rächstc wird sein, daß ich Deinen geschätzten Freund, falls er nicht vorziehen sollte, freiwillig Das weiche Rest, das Du ihm so fürsorglich bereitet, aufzugeben, an Die frische Lust setzen werde." Eine toilbc Empörung loderte in Rose auf. Die raubte ihr jegliche Besinnung. Sie schrie Hans- Achim an; „Dazu hast du kein Recht! Das Haus gehört nicht Dir. Vergiß nicht, daß ich dich aus Gnade und Barmherzigkeit Darin ausgenommen!" Er trat einen Schritt auf sie zu. Seine Augen funkelten jetzt nicht weniger als Die ihren: fein Gesicht war kalkweiß. Rose spürte erschreckend, daß sie zu weit gegangen. „Verzeih! Rein, daS hätte ich nicht sagen bürfen — es war ja auch nicht so...“ Ihre Lippen bebten. „Rein, es war nicht so", erwiderte er. „Ich will Dir einmal sagen, wie es war. Du hast geglaubt, mich laufen zu können, wie man ein Auto, ein Pferd ober auch einen Brillantschmuck lauft — eben wie irgend etwas, von Dem man sich Pläsier verspricht und bas man beiseite werfen kann, wenn es einem langweilt. In diesem Falle ging bas nun boch nicht so. Ich will Dir auch erklären, warum cs nicht ging ...“ Er kam nicht zu dieser Erklärung, Denn nach einem leisen Klopfen an der Tür trat Der Diener ein, um Den Tisch abzudecken. Hans-Achim verließ das Zimmer und gleich darauf das Haus. Er fühlte sich elend, angeekelt von Dem, was er eben erlebt Mühte sich, die häßliche Szene zu vergessen. Ging seinen Geschäften nach, die sich über Erwarten glatt abtoidclten. Die guten Ergebnisse, Die er erzielt, bedeuteten wieder einen Schritt vorwärts. Er konnte es kaum erwarten, sie seinem Schwiegervater mit- zuteilen. Es war zwei Uhr mittags. Ieht traf er ihn nicht in der Bank. Zwischen zwei und Drei Uhr war die Dank geschlossen. Ihm fiel ein, daß er ja in Der Rahe Der Freisinger Straße sei. Da wollte er schnell mal auf einen Sprung zu Eva hinaufgehen. Er traf fie in Der Küche beschäftigt. „Wärst Du eine halbe Stunde früher gekommen, fo hättest Du mit uns essen können. Schade, nun habe ich nichts mehr. Aber Das Wasser kocht eben, ich brühe uns schnell einen guten starken Kafsee auf. Mit Torte kann ich auch aufwarten. Mama SchaDow hat uns eine Fürst-Pückler-Torte geschickt." Sie sah mit einem frohen Lächeln zu Hans- Achim auf. „Heute ist ein großer Tag für Die Familie SchaDow. FrieDrich ist eben in Der Grohbeeren- straße zu einer wichtigen Besprechung — aber davon erzähle ich Dir später." Sie schüttete Kaffee in die Mühle. „Ich habe nicht viel Zeit, Eva. Ich wollte Dir nur guten Tag sagen." „Ach, ’n halbes StünDchen mußt Du schon für mich übrig haben. Du kommst so selten. Hier, dreh mal!“ Sie schob ihm Die Kaffeemühle zu. „Ich Decke inbeffen Den Tisch." Sie stellte Tassen auf ein Tablett. „Laß stehen, Eva, ich trag's schon herein, wenn ich hiermit fertig bin." .Das Wasser kocht!" rief sie. Und Da war auch Der Kaffee gemahlen. Sie goß ihn auf. In Der ganzen Wohnung verbreitete sich fein starker Dust „Gemütlich ist's bei Dir, Eva", sagte Hans- Achim. Er sah sich in Der Küche um. Wie blitzblank Die war! „Sag mal, das machst Du Dir nun alles allein — Die ganze Wirtschaft?" „3a, selbstverständlich “ „UnD kochen mußt Du doch auch?" „ Freilich, Achim. UnD ich tue es gern. Wenn ich nur recht viel zum Kochen hätte!" (Fortsetzung folgt.) des Gießener Stadttheaters eine kleine CcnfatiDn; „Die tolle Lola" kommt, eine Operette von echtem Schrot und Korn. Ein Stück, dos man nicht wieder vergißt. Schmissige Schlager, entzückende Tänze ... u. a. auch Girls von der Tanzgruppe Ewald Däulke, eine tolle Handlung. .. Kurz: die beste Llnterhaltung, die beste Erholung, die man sich am Wochenende leisten kann. Kadclburg und Redner schrieben den Text, Hugo Hirsch die einprägsame, prickelnde Musik. Die Spielleitung hat Heinrich Hub, der zugleich die männliche Hauptrolle spielt und singt, musikalische Leitung Walter Moehl, der die Musik eigens für seine Jazzkapelle einrichtete, die gesamte tänzerische Leitung hat Gwald Däulke. Beginn 20.45 ilfjr in der Turnhalle. Lanvrreis (Sieben. * Lana-Göns, 4. März, In der gestrigen Generalversammlung des K r i e g e r v e r e i n s bei Gastwirt A. Nern VII. gedachte der Vorsitzende Karl Konrad Nern in seiner Ansprache zunächst der Gefallenen im Weltkriege und der im verflossenen Jahre verstorbenen Kameraden. Die Vorstandswahl ergab die einstimmige Wiederwahl des seitherigen Vorstandes. Dem Rechner Kam. Otto Rudolph wurde Entlastung erteilt. In der anschließenden Aussprache wurde scharfe Kritik am Verbandswesen geübt; besonders der Verbandsbeitrag wurde als zu hoch bezeichnet, außerdem wurde der obligatorische Bezug der Verbandszeitung als Unrecht empfunden. Man forderte Abstellung dieser Verhältnisse. Eine lebhafte Debatte riefen die Aufrufe des Vorsitzenden des Kyffhäuserverbandes General von Horn, sowie des Vorsitzenden des Hassiaverbandes General von Oidtmann hervor. Die Versammlung mißbilligte die Handlungsweise beider Herren und faßte einstimmig folgende Entschließung: „Die ordentliche Generalversammlung des Kriegeroereins Lang-Göns mißbilligt die eigenmächtige Handlungsweise des Vorsitzenden des Hassiaverbandes General v. Oidtmann, sowie des Vorsitzenden des Kyffhäuseroer- bandes General v. Horn bezüglich der Reichspräsidentenwahl.. Satzungsgemäß sind die Kriegeroereine politisch neutral. Diese Neutralität ist jedoch seitens der Verbandsführer verletzt und in die Vereine ist eine politische Auseinandersetzung hineingetragen worden." Kreis Büdingen. WSN. Büdingen, 4. März. Die Zahl der Bewerber um den Posten des Berufsbür- germeisters der Stadt Büdingen hat sich auf 23 erhöht. Darunter sind Gerichtsreferendare, Rechtsanwälte, Volkswirte, Gemeindebeamte, mittlere Beamte und Ingenieure. Sie stammen aus Hessen und Hessen-Nassau. 2lm 9. März findet die Wahl durch den Gemeinderat statt. Kreis -Ilsfeld. -s- Nieder-Gemünden, 4. März. In unserem Orte erkrankte Mitte Februar ein Kind, bei dem man zunächst den Charakter der Krankheit nicht klar erkennen konnte. Vor etwa 8 Tagen stellte sich durch bakteriologische Untersuchung heraus, daß es sich um einen Fall von Paratyphus handelte, der jedoch zum Glück nur leicht war. Das Kind ist mittlerweile wieder nahezu genesen. Die Gesundheitsbehörde traf sofort die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen. Bis jetzt ist der Fall vereinzelt geblieben. Die Arbeit -er Deutschen Turnerschast. Zum-100. Gauturntag des Gaues Hessen.- Wollen und Ziele,Vergangenheit und Gegenwart. In den sieben Jahrzehnten ihres Bestehens hat die Deutsche Turnerschast, der älteste und stärkste deutsche Verband für Leibesübungen, in stetigem Borwärtsstreben einen Mitgliederstand von 1,6 Millionen erreicht. Mit dem zahlenmäßigen Aufstieg hat-die technische Entwicklung gleichen Schritt gehalten, die gekennzeichnet ist durch die Vielseitigkeit der Dctricbsformen. Turnen ist heute nicht nur Hallenturnen oder Freiübungsturnen; es umfaßt auch die großen Arbeitsgebiete des Turn- und Sportspiels, des Volksturnens mit den Aebungen des Laufs, Sprungs und Wurfs, des Fechtens, des Schwimmens, des Ruderns, des Wintersports, des Wanderns und hütet damit das von den Turnvätern Guts- Muths und Jahn und anderen Sinnern der Turnkunst aus der Frühzeit des deutschen Turnens überkommene Erbe und Vermächtnis. Die Deutsche Turnerschaft will in erster Linie den Reichtum ihrer Formenwelt in einer beide Geschlechter und alle Altersklassen erfassenden Dreiten- arbeit dem Volksganzcn dienstbar machen. Daneben hat sie aber auch volles Verständnis für das Verlangen einer gesunden Jugend, die in der Hebung gesteigerte Kraft im Wettkampf an den Leistungen anderer messen zu können. Wenn im Laufe der Jahrzehnte die Arbeit der DT. Millionen und aber Millionen zugute gekommen ist, so wurde damit eine wichtige, volksgesundheitliche Aufgabe erfüllt. Millionen mehr mühten jährlich für Krankenhäuser, Kuranstalten und Heilstätten ausgegeben werden, wenn nicht die DT. und andere Verbände aus sich heraus, ohne allgemeine Mittel in Anspruch zu nehmen, durch zielbewuhte Pflege der Leibesübungen an der Besserung des Gesundheitszustandes weiter Dolks- kreise so stark beteiligt wären. Höher aber noch möchte man die Kulturarbeit der Deutschen Turnerschaft werten. Sie ist ein Verband, der über der Technik die geistige Seite der Leibesübung nie vergessen hat; sie will vor allem volkserzieherisch wirken und alle ihre Mitglieder auch geistig-seelisch erfassen. Diesem Ziele dienen u. a. die großen volkstümlichen Ver- an^alt mgcn, die in erster L-nie darauf Wert legen, vaterländische Begeisterung bei den Teilnehmern zu wecken, das Gemeinschaftsgefühl zu pflegen und den G danken der Volksgemeinschaft, der Verbundenheit mit Volk und Vaterland, zum Siege zu verhelfen. Wenn es der DT. gelungen ist, sich frei von jeder Parteipolitlk zu halten, wenn sie Jahrzehnte hindurch unbeirrt am Ziel deutscher Volkseinheit festhielt, so hat sie damit den Beweis erbracht, daß bei aller Zerrissenheit in unserem Volke es doch noch einen Boden gibt, auf dem sich alle Volksgenossen finden können. Wohl wird das Notjahr 1932 auch viele Vereine der DT. in hartem, schwerem Kampf um den Fortbestand sehen. Aber der der DT- eigene starke Wille wird, wenn al'e zusammenstehen, oas Festhalten an den hohen Zielen uni) das Durchhalten in wirtschaftlichen Nöten gewährleisten und dazu beitragen, daß der Gemeinschaftsgeist, der in den Turnvereinen Glieder aller Volksschichten in Eintracht und Einheit zusammenführt, hinübergerettet wird in eine hoffentlich nicht zu ferne, bessere Zeit. Daß die DT. nicht in ängstlichem Zagen und bänglichem Klagen tatenlos der weiteren Entwicklung entgegensehen, sondern in oft bewährtem Glaubensmut unentwegt ihre vollsverbindende Arbeit in dieser Notzeit weiterführen und den deutschen Volksgedanken hochhalten will, das wird auch die 10 0. große Tagung des hessischen Turnerparlaments bekunden. Die vielen Abgeordneten aus dem Hessenland, die in unserer <5taöt wie immer herzlich willkommen sind, werden in alter Turner- und Gautreue sich von neuem bekennen zu ihrem geliebten Verband und zu dessen Arbeit rm Dienste von Volk und Vaterland. Ein Rückblick. Am 5. Oktober 1862 trat zu Gießen der erste Turntag unseres Hessengaues zusammen. Der Mittelrheinkreis (Offenbach 1859) und die Deutsche Turnerschaft lKoburg 1860) waren zusammengeschlossen, zwei Kre sturntage und das 3. Kreis- turnfest waren in Gießen schon zu Gast gewesen, als der jetzige Gau Hessen als einer der 9 Bezirke des Mittelrheinkreises unter der Bezeichnung „Bezirk Gießen" mit 21 Vereinen und 2047 Mitgliedern gebildet wurde. Nach den ersten 25 Jahren zählt der Gau 27 Vereine mit 2107 Mitgliedern, und auch der innere Ausbau geht nur langsam voran. Die Erfüllung der „höchst gefährlichen Lehre von der Einheit des deutschen Vaterlandes" bedeutete zunächst einen Verlust ideologischer Werbekraft für die Turnerei. Dazu verzögerte sich das innere Zusammenwachsen durch Absplitterungsversuche von Wetzlar her durch einen „Sieg—Dill-Gau", von Marburg her durch den „Oberlahngau" und von Gießen her durch den „Lahn-Wetter-Gau". Ferner brachte die Verwaltung in der Form der „Fest- und Vorortschaft" 20 Jahre lang viel Llnruhe und unnötige Arbeit. Schließlich sehen wir die turnerische Ausbildungsarbeit unter der Oberleitung von Ehr. R ü b s a m e n, dem Schöpfer und langjährigen Organisator der Gießener Jugendfeste, alle Möglichkeiten erschöpfen vom Wanderturnlehrer bis zur Zusammenfassung in zentralen Dor- turnerstunden. 1863 hielt der Verband sein erstes volkstümliches Wetturnen in Kloster Arnsburg, aber sein erstes „Dezirksturnfest" (seit 1877 Gauturnfest) wagte er erst am 6. Juni 1869 zu Butzbach, äußerlich zwar klein (25 Wetturner), groß aber, wie berichtet wird, an echter Begeisterung, so daß von da ab das alljährliche Gaufest der turnerische und seelische Höhepunkt im Leben des Gaues wurde. So wuchs der Gau zwar nicht an Ausbreitung wohl aber an innerlicher Vertiefung der turnerischen Arbeit besonders in den Städten. Sie haben sich in dem ersten Abschnitt (1862 bis 1887) zu kraftstrotzenden Zellen turnerischen Lebens herausgebildet, die sich nur auf das Land zu ergießen brauchten, um auch zahlenmäßig den Gau von Erfolg zu Erfolg zu führen. Das geschah in den folgenden 25 Jahren (1887 bis 1912). Glänzend bewahrte sich in dieser Erntezeit die Derwaltungsreform von 1882, die anstelle der Vorortschaft einen vom Gauturntag periodisch zu wählenden Gau-Ausschuß von 5 bis 7 Mitgliedern setzte. Ferner wurde zur durchgreifenden Ausbildung der andrängendcn Turner- massen 1893 dem Gauturnwart ein technischer Beirat gegeben, in den u. a. auch der jetzige Gauoberturnwart Wilhelm Will gewählt wurde. Die volkstümliche Gauturnsahrt muhte ab 1911 in die Bezirke aufgeteilt werden; seit 1897 treten Frauen - Abeilungen hinzu, die mit rund 500 Turnerinnen in 15 Vereinen abschließen, und unter dem Einfluß der großen Vorkriegsbewegung der „Jugendpflege" gliederten sich die Vereine Jugend- und Schülerabteilungen an. Aus 27 waren 114 Vereine, aus 2107 Mitgliedern 11 600 geworden. Machtvoll konnte der Gau sein 50jäh- riges Jubiläumsfest 1912 zu Gießen zugleich mit der Weihe des Jahn-Gedenksteines begehen. Dem dritten Zeitabschnitt (1912 bis 1937) geben bis jetzt der Schrumpfungsprozeß während des Weltkriegs und anschließend der mächtige Aufschwung der Leibesübungen überhaupt sein besonderes Gepräge. Dem Zusammenhalt und dem turnerischen Leben des Gaus ist die Gießener Turnerschaft in schwerster Zeit eine außerordentlich wirksame Stütze gewesen dadurch, daß sie 1915 bis 1920 einfache Gauwetturnen ermöglichte, und erfolgreich durchführte und schon 1925 wieder (zum fünften Male) das Mittelrheinische Kreisturnfest übernahm. Bei der wachsenden Begeisterung unserer Nachkriegs,ugend für Turnen, Spiel und Sport spaltete sich der Jahnsche Turnbegriff wieder in seine verschiedenen Detriebssormen auf und führte damit zu einer Strukturveränderung im Aufbau des Gaues. Zu der regionalen Gliederung in sechs Bezirke entwickelte sich unter der Mitarbeit eines Stabes sachfreudiger Gauwarte eine Fachgliederung der Gauturnerschast, die ihren Abschluß noch nicht gefunden hat. Die Bezirke selbst aber wuchsen seit 1882 (Dezirksturnwarte) in immer neue Aufgaben des vielseitigen Turnbetriebs (seit 1911 volkstümliche Dezirksfeste, kurz nach dem Weltkrieg die Bezirksgerätewettkampfe alljährlich im Früh ahr, u. a.) und der Verwaltung (seit 1926 Dezirksvertreter) hinein und sind in ihrer bewährten Gautreue eine wertvolle Stütze der Gauleitung. Der Gau organisiert, ähnlich wie im ersten Zeitabschnitt, aufs neue seine Kräfte, die auf 160 Vereine mit 15 000 Mitgliedern angewachsen sind. Möge sich die angesammelte Kraft wiederum zum Segen des Ganzen auswirken! S.Jl.-'fpott Spielvereinigung 1900 Gießen. Die Liga der Spielvereinigung empfängt am morgigen Sonntag auf eigenem Platze wieder einen Gegner aus dem Dillkreis zum Berbandsjpiel. Die Liga-Mannschaft von Frohnhausen ist zu Gast. Eine jener Mannschaften, die den Gießenern schon immer schwer zu schaffen machte, gegen die die 1900er das Vorspiel (mit 3:1) verloren, eine Mannschaft, der es auch gelang, den Tabellenführer Wallau nicht nur im Vorspiel, sondern auch im Rückspiel beide Punkte abzunehmen. Erst am vergangenen Sonntag wurden sie etwas mehr in den Hintergrund gedrängt und wenn nun am morgigen Sonntag die 1900er das Spiel für sich entscheiden, dann sind sie vom zweiten Platz nicht mehr zu verdrängen. Die Frohnhausener sind schnell, wuchtig, nicht ungeschickt im Spielaufbau, technisch gut durchgebildet, zuweilen etwas hart, in ihrer Spielanlage typisch für die Spielweise der Mannschaften aus dem Dillkreis. Die 1800er werden unter diesen Voraussetzungen sehr vorsichtig sein müssen, wenn sie nicht eine Niederlage hinnehmen wollen, die nach den Ergebnissen gegen Friedberg, gegen Lorsch, nach dem Spiel gegen Wallau wie eine kalte Dusche wirken würde. Die 1900er, in ihrer derzeit guten Form sollten einen knappen, aber sicheren Sieg erringen. Die Mannschaft spielt in der Aufstellung des Vorsonntags. An Stelle von Dr. Adelberger wird wieder Heilmann treten, Langsdorf spielt wieder als Mittelläufer. Die Ligareserve empfängt die I. von Hermannstein, den aussichtsreichen Bewerber der -^-Klasse des Wetzlarer Bezirks. Das Vorspiel wurde durch ein Selbsttor der Hermannsteiner aus deren Platz mit 1:0 von Gießen gewonnen. Der Ausgang des Kampfes ist offen. Die 3. Mannschaft trägt auf eigenem Platz ein Gesellschaftsspiel gegen die 1. Mannschaft von Großen-Buseck aus. Die 4. hat sich in der 2. Mannschaft von Leihgestern einen sehr leistungs- sähigen und gleichzeitig gefährlichen Gegner verschrieben. Die 5. tritt gegen Großen-Buseck 2. an. Iugendspiele. Der morgige Sonntag bringt ein Lokalderby. Die 1. Jugend der Spielvereinigung steht auf eigenem Platz der 1. Jugend des VfB gegenüber. Zwei annähernd gleichstarke Mannschaften kämpfen um den Sieg und um die Punkte. Der Ausgang des Kampfes ist offen. Die 2. Jugend steht, ebenfalls im Verbandsspiel der 3. Jugend gegenüber. Der Vereinszweikampf sieht gleichstarke Mannschaften im Feld. Die 1. Schüler fahren nach Lich, um gegen die Schüler des VfR. Lich ein Freundschaftsspiel' auszutragen. BfB.-Gießen. Der kommende Sonntag wird von der Liga des VfB. dazu benützt, die Kraft einmal mit einem Vertreter der 1. Bezirksklasse zu messen Gegner ist die Liga des Sportvereins Wetzlar. Die Grünweißen haben damit einen kampfkräftigen Gegner vor sich. Die 1900er hatten mit dieser Mannschaft bisher nie leicht, sich zu behaupten, den VfBern wird ein Sieg in Wetzlar auch nicht so ohne weiteres beschieden sein. Schon deshalb nicht, weil die VfBer in der letzten Zeit immer wieder jene Geschlossenheit vermissen ließen, die notwendig ist, um einen Gegner, wie den harten, ausdauernden, schnellen Wetzlarern erfolgreich Widerstand bieten zu können. Vor allem dürfen die Wetzlarer nicht einen Augenblick unterschätzt werden. Die VfBer werden der draufgängerischen Art der Gastgeber alle verfügbaren ideellen und körperlichen Reserven gegenüberstellen müssen. Der Ausgang des Kampfes ist offen, gleichzeitig aber ist das Ergebnis ein vergleichender Maßstab für das, was man von der DfB.-Mannschaft den Vereinen der 1. Bezirksklasse gegenüber für die kommende Saison zu erhoffen hat. Die Gießener fahren mit Balser, Singel, Hetzel; Fehling, Kreß I., Lehrmund, Haupt; Fenster," Seipel (ein neuer Mann!) Leutheuser, Ritter. Interessant wird es fein, zu erfahren, ob der neue Mittelstürmer der Mannschaft der fehlende Führer sein wird. Die 2. und die 3. Mannschaft sind spielfrei. Die 1. Jugend tritt zum fälligen Verbandsspiel auf dem 1900er Platz an Die 2. Jugend hat sich die 1. Jugend von Klein-Linden verschrieben, die erst am vergangenen Sonntag bewiesen hat, daß sie zu spielen versteht. Die 1. Schülermannschaft trägt in Wieseck gegen die 1. Schüler ein Diplomspiel aus. Handball im VfB. Am Sonntagoormittag weilt die 1. Handballmannschaft des Turnvereins Lich auf dem Waldsportplatz zu Gast und tritt der Handballmannschaft des VfB. gegenüber. Die Spielstärke der Licher ist wenig bekannt. Das sollte aber fein Grund für die Platzbesitzer sein, die Turner von vornherein zu unterschätzen. Die VfBer sollte man auf eigenem Platz als Sieger erwarten dürfen. Leichtathletik der Gp.-Bg. 1900. VereinsWaldlaufmeisterfchaflen. Die 1900er führen morgen erstmalig Vereins- Waldlaufmeisterschaften durch. Es wird in zwei aktiven (10 und 5 Kilometer) und zwei Jugend- Klassen (3 und 1,5 Kilometer) gestartet, und zwar wird jeweils nur das Philosophenwald-Rund durchlaufen, wodurch man stets über den Stand der Rennen im Bilde ist. Das Hauptinteresse dürfte sich auf die Äktiven konzentrieren. Lieber 10 Kilometer treten an: Gerhardt, Schaaf, Peters, Reih, Koch, Gust und Deck. Llm den ersten Platz steht ein Duell Gerhardt — Schaaf bevor. Peters wird sich den dritten Platz nicht nehmen lassen. Einen scharfen Kampf wird es auch geben zwischen dem diesjährigen Bataillons-Waldlaufmeister Reitz (3. Komp. J.°R. 15) und Gust. K o ch. Für die 5 Kilometer liegen zehn Meldungen vor. Es dürften Depperling, Wörenkämper, Jung, Kunert und Günther in der Spitze zu finden sein. Für die Deurteilung der Läufe der Jugendklasse liegen keine Anhaltspunkte vor. Tisch-Tennis der Sp.-Vg. 4900. Am morgigen Sonntag trägt 1900s erste Mannschaft ein weiteres Turnier aus. Sie empfängt den Tischtennis-Club „Rot-Weih" Friedberg. Die Gäste verfügen über eine ausgeglichene Mannschaft mit viel Spielerfahrung. Die 1900er haben bisher zwei Turniere siegreich bestritten und gehen auch diesmal nicht ohne Aussichten ins Treffen. Um die Süddeutsche Meisterschaft des Arbeiter-Tum- und Sportbundes. Auf dem Waldsportplatz des DfD. Gießen findet am morgigen Sonntag das D o r - Entscheidungsspiel um die Süddeutsche Verbands-Meisterschaft im Arbeiter-Turn- und Sportbund statt. Die Gegner sind Naunheim I (9. Kreis) und „Kickers" Ludwigshafen (10. Kreis). Zum ersten Male in der Geschichte des 9. Kreises gelang es einem Vertreter des 3. Bezirkes, verdient die Meisterschaft des Kreises zu erringen. Gespannt sieht man nun dem bevorstehenden Treffen entgegen. Naunheim (zum erstenmal die Interessen eines Kreises vertretend) wird in seinem Gegner keinen Neuling auf diesem Gebiete vorfinden. Ludwigshafen war schon vor etlichen Jahren einmal Meister des 10. Kreises und trat bei den Meisterschaftsspielen in Erscheinung. Die Mannschaften spielen in folgender Aufstellung: Naunheim: Becker; Bernhardt, Dockter; Kern, Bernhardt, Bill; Bill, Hartert, Bill, Schäfer, Keusch. Ludwigshafen: Herrmann; Stümpert, Knoch; Lützel, Nunn, Mayer; Fichtel, Drechsler, Bitsch, Lisch, Wilding. Naunheim stellt eine ausgeglichene Mannschaft ins Feld, deren Hauptstärke ein schneller, schuß- freudiger Sturm ist. Die Läuferreihe steht den Stürmern nicht nach, Pflegt energische Zerstörungsarbeit und vergißt auch den Spielaufbau nicht. Die Verteidigung ist manchmal etwas unsicher; der Schlußmann aber wieder sehr gut. Ludwigshafen hat mehr Erfahrung in Meisterschaftsspielen für sich, in der Mannschaft selbst jedoch keine überragenden Kräfte. Nur die Verteidigung und der Schlußmann sollen schwer zu nehmende Hindernisse darstellen. Beide Mannschaften sind sehr eifrig, wenn es sein muh, auch hart. Eine Voraussage über den Sieger aus diesem Treffen ist bei diesen Voraussetzungen nicht möglich. -*• Bundesvorstandssihungder^a-fahrer. Der Bundesvorstand des Radfahrerbundes von 1922 hielt in diesen Tagen in Gambach eine Sitzung ab. Zunächst wurden die radsportlichen Veranstaltungen für das Jahr 1932 festgelegt. Am 5. Mai soll in Gambach ein S a a l s p o r t f e st stattfinden. Zur Vorführung gelangen dabei 4er, 6er und 8er Kunst- und Schulreigen sowie einige Radballspiele. Mit dieser Veranstaltung soll auch die Bundeswanderfahrt des Radfahrerbundes 1922 verbunden werden. Das Meisterschaftsrennen wurde dem Radfahrerverein Anspach übertragen und das Bundesfest organisiert der Radfahrerverein „Teutonia" Wölfersheim. Spielplan der Frankfurter Theater. Schauspielhaus. Sonntag, 6.März, 15 bis 18.30 Uhr: Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand. 20.30 bis,23 Uhr: Jim und Jill. — Montag, 7. März, 20 bis nach 23 Uhr: Torquato Tafso. — Dienstag, 8. März, 20 bis gegen 22.30 Uhr: Caramba! oder Dolores und die Parallelen. — Mittwoch, 9. März, 19 bis nach 23 Uhr: Wallenstein. — Donnerstag, 10. März, und Frei- tag, 11. März, von 20 bis^ gegen 22.30 Uhr: Caramba! oder Dolores und die Parallelen. — Samstag, 12. März, 15 bis 18.30 Uhr: Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand. 20.30 bis gegen 23 Uhr: Caramba! oder Dolores und die Parallelen. — Sonntag, 13. März, 15.30 bis gegen 18.30 Uhr: Der Kaufmann von Venedig. 2Ö bis gegen 22.30 Uhr: Caramba! oder Dolores und die Parallelen. Opernhaus. Sonntag, 6. März, 15 bis 18 Uhr: Im weißen Röhl. 20 bis 22.30 Uhr: Rigoletto. — Montag, 7. März, 19.30 bis 22.30 Uhr: Der Frei-- fchütz. — Dienstag, 8. März, 19.30 bis gegen 23 Uhr: Aida. — Mittwoch, 9. März, 20 bis 23 Uhr: Im weißen Röhl. — Donnerstag, 10. März, 20 bis 22.30 Uhr: Rigoletto. — Freitag, 11. März, 20 bis 23 Uhr: Im weißen Rößl. — Samstag, 12. März, 18.30 bis 23 Uhr: Lohengrin. — Sonntag, 13. März, 15 bis 18 Uhr: Im weißen Rößl. 20 bis 23 Uhr: Im weißen Rößl. Brieftaften der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) Nr. 42 299. Beitragserstattungen der Reichsversicherungsanstalt in Berlin erfolgen auf Grund des § 62 des Angestellten-Dersicherungsgesehes dann, wenn eine Versicherte nach Ablauf der Wartezeit für das Ruhegeld heiratet und binnen drei Jahren nach der Verheiratung aus der versicherungspflichtigen Beschäftigung ausscheidet. Diese Vorschriften gelten auch für Versicherte, die durch Eintritt in eine Schwesternschaft ober religiöse Gemeinschaft aus der Versicherungspflicht ausscheiden und sich nicht freiwillig weiterversichern. Eine gleiche oder ähnliche Bestimmung, wie § 62 des Angestellten-Versicherungsgesehes vorsieht, kennt das Jnvaliden-Verficherungsgesetz nicht. Wenn Sie.die Versicherung Ihrer Ehefrau durch freiwillige Beitragsleistung nicht aufleben lassen (vergl. § 1283 der Reichsversicherungsordnung), sind die für die Zeit von 1912 bis 1. Oktober 1921 geleisteten Invalidenversicherungs- Beiträge verfallen. (Schluß des redaktionellen Teils.) Deutscher, lerne auf einem deutschen Schiff da- Ausland kennen! Mancher verspürt heute mehr denn je die Notwendigkeit, einmal auszuspannen. Eine Seereise bringt unbedingt Erholung. Cs ist möglich, mit einem deutschen Schiff das Mittelmeer und das Nordland zu bereisen, so daß das gesamte Geld, welches aufgewendet wird für Beförderung, Verpflegung und Wohnung, durch die Zahlung an die deutschen Reedereien der deutschen Volkswirtschaft verbleibt. 1772V Im Frühjahr dieses Jahres veranstaltet die Hainburg-Südamerikanlsche Dampfschiffahrts-Gesellschaft in der Zeit vom 18. März bis 13. Juni mit dem modernen M/S. „Monte Rosa" wieder ihre beliebten billigen Mittelmeerreisen. Auslandreisen sollte man nur auf einem deutschen Schiff unternehmen; denn Reisen auf einem beut* schen Schiff sind Reisen auf deutschem Boden! Rekordleistung des Fahrrad-Motors. An der Winterzielfahrt des Deutschen Motorradfahrerverbandes nach Berlin beteiligte sich auch eine Mannschaft von sechs FahMrn auf Fahrrad mit Sachs-Motor. Die Strecke, etwa 1050 Kilometer lang, entsprach etwa der Entfernung zwischen Hamburg und Genua und wurde von sämtlichen sechs Fahrern in 32 Stunden reiner Fahrtzeit ohne Zwischenfälle zurückgelegt. Der Sachs-Mo- tor, ein Kleinmotor der Fichtel & Sachs-Werke, Schweinfurt, von nur 75 ccm, der ins Fahrrad eingebaut wird, hat damit eine Leistung vollbracht, die man bisher nicht für möglich hielt._________________________________ 1774V Senkung des Schulgeldes an de: Kunstgewerbeschule dec Technischen Lehranstalten Offenbach a. M. Das Hessische Kultusministerium hat verfügt, daß die Schulgeldsätze der Kunstgewerbefchule Offenbach a. M. fast um die Hälfte des bisherigen Betrages herabgesetzt wurden. Lieber eine Herabsetzung der Schulgeldsätze der beiden andern Abteilungen der Technischen Lehranstalten Offenbach a. M , der Höheren Bauschule und der Maschinenbauschule schweben noch Verhandlungen. 1788V