«ui IffleS?' Hebe ^otet nur*^ Üch tbdr *Die fi* ■ Sie frn? '"eine »Dien.- "“*« mir bir WÄ mit 1 bin i(QJen 'mmt; 5 Mtter Msache ° M ist ?• '"einer ft? '6'9 linb^q^A * *-aj* kn "nb S »* L«--- to.Sfek>?£ ’?***,£ »torfai ta : ^e bog, um in ln der keine Ge. fe l "°ch einmal W bedrohen könnte. ' öte hellerleuchtete Kannte es aus. ihr igt u ) W-MW tonnerstag.7.^an. abends 8 Mr °- Weihnaibtstticr tap Stadttheater Gießen- üi‘»ÄÄ on bly , is-»ö4®5& 5lbon,liu‘ 3°"b?z8'.von . lang ZMo". Ml- Ut.5 Erstes blatt 182. Jahrgang Dienstag, 5. Januar 1952 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vnck vnd verloo: vrühl'sche Univeistläls-Vuch- und Steinöruderei R. Lange in Gietzen. Zchriftleitung und Sefchaftzstelle: SchulNraße 7. Annahme von Anzeige« für die Tageonummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für | mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20" , mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange, verantwortlich für‘Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.Tdyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich, außer öonntags und feiertags. Beilagen: Die Illustrierte CwRener Familienblätter Heimat >m Bild • Die Scholle Monats-Vezugrpreir: Mit 4 Beilagen RM. 1 95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsvrechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Giehen. Postscheckkonto: firawfftirt am Main 11686. WM "z>; Sie Lage in Indien spitzt sich zu. Gandhi im Gefängnis. Ein Appell an vas amerikanische'-voll. Bombay 4.Fan. (TU.) Gandhi wurde in der Nacht zum Montag aus der Terrasse seines Wohnhauses in Bombay aus dem Bett heraus von sechs Polizeioffizieren verhaftet und nach dem ‘Zerardagefängnis bei Puna gebracht. Auch der Präsident des Allindischen Kongresses, Dollabhai Patel, wurde verhaftet und in dasselbe Gefängnis gebracht. Die Verfügung, mit der Gandhis Verhaftung erfolgte, bestimmt, daß er lediglich gefangengehalten, jedoch nicht vor Gericht ge st eilt werden soll. Gandhi sollte ursprünglich auf der Eisenbahnfahrt von Bombay nach Ahmedabad verhaftet werden. Da er einer Bots chaft an das englische Volk sagt er, daß er es liebe, wie seine eigenen Volksgenossen. Er habe nichts Gehässiges oder Böses gegen das englische Volk getan, hoffentlich werde es auch in Zukunft nicht notwendig sein. Er habe dem englischen Volke gegenüber so gehandelt, wie er es auch seinen eigenen Volksgenossen gegenüber getan hätte. In einer weiteren Botschaft wendet er sich an die Großmut des amerikanischen Volkes und bittet, im Interesse der Menschlichkeit, in I n - dien einzuschreiten. Gegenmaßnahmen des Vizekönigs. Delhi, 4.Ian. (TU.) Der Vizekönia hat vier Verordnungen erlassen, um die Ungehorsam- bewegung zu bekämpfen. Die erste gibt der Regierung und ihren Vertretern außerordentliche Vollmachten für die Aufrechterhaltung der gesetzlichen Ordnung, die zweite richtet sich gegen Anstifter ungesetzlicher Handlungen, die dritte gegen gesetzwidrige Vereinigungen, die vierte bezieht sich auf den Schutz von Leben und Eigentum. Die Regierung veröffentlicht eine Erklärung, in der sie dem Natio- nalkongreß oorwirft, den Pakt von Delhi zu verletzen. Es bestand dauernd die Drohung m i t z i v i l e m U n g e h o r s a m. Für die Regierung gab es daher nur einen Weg: Maßnahmen gegen den Feldzug des zivilen Ungehorsams, der allen verfassungsmäßigen Grundsätzen zuwiderläuft und jede Form einer Regierung unmöglich machen würde. Der Fortschritt Indiens hängt von der A u f- rechterhaltung Der Autorität der Regierung und der Einhaltung der Gesetze ab. Die Regierung würde sich eine Pflichtvcrsäumnis zuschulden kommen lassen, wenn sie cs irgendeinem Organismus erlauben würde, sich ihre Befugnisse anzumaßen. Nach den neuen Verordnungen der Regierung werden auch Streikposten und alle Vereinigungen, die dem öffentlichen Frieden eine Gefahr bringen können, für ungesetzlich erklärt. Die Notstandsverordnung, die bisher nur für die vereinigten Provinzen und die Nordwcstgrcnze in Kraft waren, werden auf ganz Indien ausgedehnt. Die örtlichen Beamten erhalten weit- gehende Vollmachten zur Verhaftung von verdächtigen Personen. Die Polizei hat Dokumente in den verschiedenen Gebäuden des Kongresses beschlagnahmt. Die Bureaus und Versammlungsräume der Kongreßpartei liegen verödet. Man erwartet noch weitere Verhaftungen. — In Kalkutta wurde die Polizei verstärkt. Die Europäer wurden aufgefor- ! dert, die Polizei zu unterstützen. jedoch diese Reise, die er zusammen mit mehreren Kongreßführern ausführen wollte, im letzten Augenblick verschoben hatte, erfolgte die Festnahme in seiner Wohnung. Gandhi und der Präsident des Kongresses, Vallabhai Patel, sind im Gefängnis in Puna ein getroffe". Bei den Behörden der Stadt herrscht ziemliche Nervosität, da der Kraftwagen mit Gandhi nicht pünktlich eintraf. Polizeioffiziere fuhren auf die Landstraße hinaus und ahen dann nach längerem Warten, kurz nach der Morgendämmerung, das Automobil mit Gandhi herankommen, das sie bis zum Gefängnis begleiteten. Es hatte vier Stunden Verspätung. Gandhi clbst ist guten Mutes, da Montag sein Schweigetag ist, so konnte er den Gefängniswärter, als er ihn wiedererkannte, nur mit einem reundlichen Lächeln begrüßen. Er befindet sich in demselben Raume, in dem er schon früher gefangen- । ehalten war. Er hat sein Spinnrad, ein paar Zücher und ein paar Kochtöpfe mitgebracht. In Der Allindische Kongreß aufgelöst. London. 4.San. (TU.) Die Kvngreh- führerinBvmbay haben anläßlich der Ver- haftung Gandhis einen T r a u e r f e i e r t a g erklärt, der in ganz Indien bis nach Burma von den Nationalisten mit Ausnahme der Mohammedaner streng befolgt wird. 3n Delhi und in anderen Städten fühlt man besonders stark die Spannung in ganz Indien. Die Läden und eine große Zahl von Spinnereien find geschlossen. Es haben auch schon einige P rote st demon st rationen stattgefunden. Bisher ist es aber noch zu keiner Störung der öffentlichen Ordnung gekommen. Der Ausschuß des Allindischen Kongresses ist im Anschluß an die Verhaftung Gandhis fürungesehlicher- klärt worden. Dieser von Gandhi eingesetzte Ausschuß umsahte die Führerderindischen revolutionären Bewegung. Die Verhaftung zahlreicher weiterer Kongreßführer wird erwartet. Voraussichtlich wird die Regierung alles Eigentum des Kongresses einschlieh- lich der Gebäude beschlagnahmen und den Kongreßmitgliedern alle Eisenbahn- und Post- vergünstigungen entziehen. Die englischen Polizisten in allen indischen Städten sind im Besitz von Haftbefehlen, die sie zur Verhaftung eines jeden Kongreßmitgliedes ermächtigen. Iawarhal Rehru, der frühere Präsident des Allindischen Kongresses und jetziger Führer der extremen Kongreßmitglieder, ist zu zwei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 500 Rupien verurteilt worden. Der Boykott britischer Waren beginnt. Ahmedabad, 4..Ian. (WTB. Funkspruch.) Die hiesigen Daumwollfabriken haben wegen der Verhaftung Gandhis beschlossen, keinerlei britische Waren mehr zu kaufen. Die Fabrikbesitzer planen ferner, die nach England gegebenen Bestellungen auf Maschinen rückgängig zu machen. Auch der Gemeinderat der Stadt erwägt den Boykott britischer Waren und Firmen. Die meisten größeren Kongreßausschüsse in den Provinzen haben ihre verschiedenen Un - terausschüsse durch Diktatoren erseht, die befugt sind, für den Fall ihrer Verhaftung selbständig ihre Rachsolger zu ernennen. Ueberdies haben die kleineren Ausschüsse in den verschiedenen Orten Anweisungen erhalten, ihreigenesAktionsprogramm aufzunehmen, ohne auf Weisungen der Zentralausschüsse zu warten. In Cawnpur sind sieben, in Lucknow vier Kongreßführer verhaftet worden. Nach her Pause. Die kurz bemessene Frist der politischen Weihnachtsserien ist vorüber, der Burgfriede^ am Sonntag abgelaufen. Die Reichsregie- runa hat eine Verlängerung nicht vorgenommen, weil sie glaubte, mit den allgemeinen Bestimmungen über Uniform- und Abzeichenverbot alle innerpolitischen Spannungen überwinden zu können. Wir wollen hoffen, daß dieser Optimismus gerechtfertigt ist. Denkbar aber ist er nur, wenn der Wille zum Handeln daneben steht und die Geheimwühler merken, daß ihre Revolutionsspielereien doch unter Umständen auch lebensgefährlich sind. Dr. Brüning ist ebenfalls nach Derlinzurückgekehrt und findet ein selbst für feine Verhältnisse außerordentlich reiches Arbeitsprogramm vor. Wir haben ihm gewiß den kurzen Reujahrsurlaub nicht mißgönnt. Er hat ihn, an seinen Arbeitsleistungen gemessen, sicherlich verdient. Immerhin darf nebenbei doch einmal die Frage aufgeworfen werden, ob es in solchen kritischen Zeitläuften gerade nützlich ist, wenn sämtliche politischen Minister ien gleichzeitig verwaist sind und ausgerechnet der Reichspostminister als Vertreter des Kabinetts am Reujahrstage sprechen muh. Wichtiger als das aber ist schließlich der Inhalt der Ansprache gewesen, die R e i ch s Präsident von Hindenburg an das Diplomatische Korps gehalten hat. Ausgehend von den tief einschneidenden Maßnahmen, die das deutsche Volk auf fich nehmen muhte, hat der Reichspräsident das Zusammenwirken aller Länder gefordert, um die Gesundung von Wirtschaft und Finanzen in der ganzen Welt zu erhöhen. Mit ebensolchem Rachdruck hat das Reichsoberhaupt verlangt, dah die Erwartungen des deutschen Volkes in der Frage der Abrüstung nicht nochmals enttäuscht werden dürfen. Dieser Satz und die Erinnerung an die ruhmvolle Tradition von Tannenberg, die Herr vo i Hindenburg in seiner Reu- jahrsbotschast an d. deutsche Volk aufleben lieh, gibt der politischen Arbeit des deutschen Volkes in diesem Jahre feine Rote. Hindenburg hat wieder als oer Ekkehard unserer Ration gehandelt, schlicht und würdig das gesagt, was Dol^ks- e m p f l n d e n ist. Wenn das Echo aus Paris auf die Rede des Reichspräsidenten von der gewohnten Un° sreundlichkeit erfüllt war, so hat das nicht überrascht. Alle Welt weih, dah Frankreich sich starr an die Buchstaben von Diktaten und überlebten Verträgen klammern möchte, um seine Hegemonie in Europa ausrecht zu erhalten. Damit wächst aber auch Frankreich allmählich in seine Isolierung hinein, die auf die Dauer nicht zu seinem Vorteil sein kann. Der deutsche Standpunkt für die kommenden Konferenzen ist klar genug, er mühte aber noch schärfer herausgestellt werden. Richt mit Unrecht verlangen große Blätter vom Reichskanzler und von der Reichsregierung, daß sie in dieser Hinsicht zur rechten Zeit offener sprechen als bisher. Die schweren wirtschaftlichen Lasten, die auf unserem Volke ruhen, können doch nur getragen werden, wenn im Lande das Gefühl vorhanden ist, dah seine Führung entschlossen ist, den Kamps um die Befreiung von unerträglichen Fesseln mit Heistern Herzen und klarer Entschlossenheit fortzusetzen. Die Vorbereitungen für die eigentliche Reparationskonferenz werden wohl noch einige Tage liegenbleiben, bis Ende der Woche der Finanzminister Dietrich eingetroffen ist. Inzwischen wird die Regierung ihre letzten Beschlüsse fassen müssen s ü t d i e Ratstagung, die am 25. Januar in Genf beginnt — das Schicksal Ehinas ist ja gerade für uns von ungeheuerlicher Aktualität — wie auch für die Abrüstungskonferenz, die jetzt doch wohl kaum mehr verschoben werden kann. Die Franzosen versuchen zwar, die Einberufung der Reparationskonferenz auf Ende Januar hinauszuschieben, um dadurch die zeitliche Ueberschneidung der beiden Konferenzen zu verstärken. Inwieweit sie dabei das englische Spiel spielen, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls ist Deutschland bei diesen ganzen taktischen Intrigen im Vorfelde zunächst unbeteiligter Zuschauer. Wir müssen sehen, dah wir inzwischen mit den Stillhalteverhandlungen der Bankiers weiterkommen, die aber auch wieder irgendwie an die Reparationskonferenz gebunden sind. Die deutsche Regierung legt nach wie vor entscheidendes Gewicht darauf, den Druck der kurzfristigen Kredite loszuwerden und durch die Aufstellung eines langfristigen Rückzahlungsprogramms die Gefahren eines neuen Runs zu verringern. Die Bankiers aber schielen bereits nach Lausanne, weil ihnen in der ganzen austenpolitischen Konstellation nicht wohl ist. Sie wollen sich jedenfalls nur sehr ungern binden, solange sie nicht wissen, wie politisch die Entwickelung weitergeht. Das ist aber im Augenblick noch gar nicht zu übeyjehen. Frankreich hat zwar den Erfolg, dah es jetzt wieder die Engländer eng an seiner Seite hat, aber es steht doch auch vor der Gefahr, dah am 1. Juli bei der allgemein anerkannten Zahlungsunfähigkeit Deutschlands die Gelder aus Deutschland Wegfällen, während die Rückzahlungen von Frankrei d) an Amerika weitergehen müssen: und diese Gefahr ist um so größer, je halsstarriger Frankreich jedes Entgegeickommen in der Abrüstung ablehnt. Die Fäden laufen also vorderhand noch so durcheinander, dah für den Kanzler jetzt schon starke Rerven dazu gehören, um nicht die Ueber- sicht zu verlieren, bevor der eigentliche Kamps beginnt. Es ist wahrscheinlich, dast die Reichsregierung bet ©inberuf ung des Reichstages, die von den Kommunisten verlangt wird und am 12. Januar dem Aeltestenrat zur Deschluhsas- ung unterliegt, aus austenpolitischen Gründen widerspricht. Sie wird darlegen, dah in einer Zeit wichtiger internationaler Entscheidungen kein Raum für innerpolitische Kämpfe vorhanden fein kann, dah die Regierung vielmehr in ungeschmälerter Autorität ihren Gang zu den außenpolitischen Konferenzen antreten müsse. Inzwischen werden die A u s s ch ü s s e des Reichstages ihre Arbeiten aufnehmen. Das Plenum ist bekanntlich erst für den 23. Februar in Aussicht genommen. An Beratungsstoss wird es ihm nicht fehlen. Reben alten Vorlagen, wie die Strafrechtsreform, stehen neue Gesetze zur Beratung, zu denen ein Rerchs- städtebaugesetz gehört, ferner die Uebemahme der Wasserstraßenverwaltungen auf das Reich, em Entwurf über Zugabewesen, dann die große Sozialversicherungsreform. Auch das Pensionskur- zungsgeseh, das Gesetz über die Rechtsstellung der weiblichen Beamten und das Disziplinarrecht für die Beamten harren ihrer Erledigung durch die Volksvertretung. Das Deichskabinett wieder vollzählig in Berlin. Vorbereitung der Genfer und der Lausanner Konferenz. Berlin, 4. Jan. (TU.) Reichskanzler Dr. Brüning und die übrigen Reichsnnmster, die über Weihnachten und Reujahr von 'Berlin ab- wesend waren, find wieder in der Reichshauptstadt eingetroffen. Das Kabinett wird in den nächsten Wochen mit den deutschen Vertretern für die Tribut- und Abrüstungskonferenz die letzten Vorbereitungen für diese Tagungen durchberaten. Auf der Tributkonferenz in Lausanne wird der Reichskanzler die deutsche Abordnung führen. Ferner werden Reichsfinanzminister Dietrich und voraussichtlich auch Reichswirtschaftsminister Dr. Warm- b o ID Deutschland in Lausanne vertreten. Letzteres ist als bestimmt anzunehmen, da auch auf den beiden Haager Konferenzen die Wirtschaftsminister (Dr. Curtius und Robert Schmidt) anwesend waren. DieAbordnungsürdieAbrüstungs- konferenz in Genf besteht bekanntlich aus dem Kanzler, Reichswehrminister Gröner. Staatssekretär v. Bülow, sowie den Bvt- schastem Rad olnh (Angora) und Graf Wel- czek (Madrid). Falls sich die beiden Konferenzen überschneiden sollten, wird der Reichswehr- Minister den Kanzler in Genf vertreten. Jedoch ist anzunehmen, daß auch der Kanzler wenigstens zeitweise an der Abrüstungskonferenz teilnehmen wird. Es steht auch noch nicht fest, ob Staatssekretär v. B ü l o w , der Deutschland auf derDölkerbundsratssit- z u n g vertritt, an der Lausanner ober der Genfer Konferenz teilnehmen wird. England und die Reparationskonferenz Einflußreiche Finanzkreife für Vertagung der Entscheidung bis zum Sommer *? London, 5. Ian. (ERB. Funkspruch, eigene Meldung.) Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt: Es verlautet, daß der Kabinettsausschuß für das Reparations- Problem morgen zusammentreten wird, um die Grundlagen festzusehen, auf denen Leith-Roß feine Verhandlungen mit dem französischen Schatzam t wieder auf nehmen soll. Während des Wochenendes haben der Premierminister und die anderen Minister des Kabinettsausschusses eine Denkschrift geprüft, die die Anempfehlungen der britischen Schatzamtssachverständigen enthält. Ser Karre- spondent erwähnt dann Gerüchte, wonach „in einem der mächtigsten Kreise der Bankwelt" dafür eingetreten werde, daß man in Lausanne nicht versuche, auch nur eine provisorische Lösung des Reparationsproblems zu erreichen. Die Konferenz sollte sich nach Ansicht der betreffenden Bank vielmehr damit begnügen, die Möglichkeiten zu untersuchen, die der Vaseler Sachverständigenbericht biete und s i ch dann b i s zum Sommer vertagen. Im Sommer würde die Atmosphäre günstiger sür eine umfassende und dauerhafte Regelung sein. Schließlich werde noch erklärt, daß ein dreijähriges Moratorium, von dem jetzt gesprochen werde, weder für das Bedürfnis Deutschlands, noch für das der Finanzmärkts der Welt genüge» würde. Frankreichs Kriegsschäden schon mehr als bezahlt. Deutschland feiner Wiedergutmachung^ Pflicht ledig. Berlin, 4. Jan. (TU.) Heber die wiederaufbaukosten des französischen besetzten Gebietes sind die verschiedensten Mitteilungen verbreitet worden. Bon zuständiger Stelle wird dazu folgendes mitgeteilt: Rach Anlage 14 zum französischen Haushaltsentwurf für 1932 betragen die Gesamt schaden im ehemals besetzten französischen Gebiet 98 Milliarden Papierfranken. Davon müssen abgezogen werden 5,8 Milliarden für Schäden an öffentlichem Eigentum und 12,5 Mill, für Zinszahlungen und Ber- waltungskosten. Rach deutscher Auffassung kommen demnach auf Grund der Lansing-Rote von 1918 für Deutschland als Schuld in Frage 79,6 2TUI- liorden Papierfranken (etwa 13,5 Milliarden Mark). Der französische Arbeitsminister Deligne Hot 1931 in einem Bortrag festgestellt, daß sich der Gesamtaufwand für die Sachschäden im französischen besetzten Gebiet auf 80,1 Milliarden papierfranken beziffert. Do wir nach amerikanischer Aufstellung schon mindestens 34 Milliarden Mark bezahlt haben, van denen Frankreich etwa 18 Milliarden Mark er Hal- t en Hot, fo hat Deutschland demgemäß schon mehr für die Aufbauf chäden bezahlt, als nötig war. Die Neuordnung der Wafferstraßenverwaltung. Berlin, 5. Ian. (ERB.) Unter Vorsitz de» Reichsverkehrsministers Treviranus beginnen die ‘Beratungen mit den Länderregierungen über den völligen Hebergang der Wasserstra- ßenverwaltung aus das Reich. Den "Beratungen liegt der Entwurf eines Reichsgesehes über die Reichswasserstraßenverwaltung zugrunde. Der Gesetzentwurf umsaßt die Verwaltung der Äeichswasserstraßen, die Unterhaltung und den Betrieb, den Ausbau und Reubau, das Seezeichenwesen, das Lotsenwelen auf den mii be* im Zusammenhang stehenden, von Seeschiffen befahrenen Wasserstraßen, -le Beobachtung und Untersuchung der HochwasserverhÄltnisse, die Mitwirkung bei -er Freihaltung des Llebrrschwem- mungsgebieteS, die Leberwachung der Stromdeiche sowie die einheitliche Leitung der Bekämpfung von Hochwasser und Eisgefahren, die Strom- und Schiffahrtspolizei, die Ausübung der Tarifhoheit, die Eichung der Binnenschiffe. Lieber die Ablegung und den Liebergang der jetzigen Verwaltung in die reichseigene Verwaltung soll ein besonderer Staatsvertrag mit den Ländern abgeschlossen werden. Schweres Grubenunglück bei Beuthen. Keine Hoffnung für das Leben von 14 Ser lebten. Benthe«, 5.3an. (TU.) Lus der karstea- Zentrvmsgrube bei Beutheu erfolgte am Montagabend ein heftiger Geblrgvfchlag gegen die 744-Meler-Sohle, die eine Vorrichtungsstrecke und zwei benachbarte Abbaustrecken in Mitleidenschaft zog und einen großen Bruchverursachte, durch den 15 Bergleute abge- schnltten wurden. Die sofort unter Mitwirkung der Bergbehörde einsehende Retlungsarbelt konnte nach kurzer AeU eineuAördereruuverleht bergen. Etwa zwei Stunden später erfolgte ein zweiter Geblrgsfchla g, der die Rettung»- arbeit stark behinderte. Während der ganzen Rächt wurden die Rettungsarbcileu fortgesetzt, sie stellten sich auherordentlich schwierig, da große Gesteinsmassen zu Bruch gegangen find. Um 6 Uhr war es noch nicht möglich gewesen, einen der verschütteten zu erreichen, es besteht keinerlei Verbindung mit ihnen, so daß man in großer Sorge um ihr Schicksal ist. Dar Oberbergamt Breslau tritt dazu mit, dah die Rettungsarbeiten nur sehr langsam vorwärts gehen; da» Gebirge sei noch immer in Bewegung, er muh damit gerechnei '.rden, dah die Bergleute tot sind. Hochwafferkatastwphe bei Kehl. Starkes Ansteigen des Oberrheins. — Oie Kinzig hat ihr Bett überflutet. Oer Oammbruch auf der Strecke Appe..tveier-Kehl (Paris-München). Oas Dorf Auenheim durch das Hochwasser abgeschnitten. J r e i b u r g i. Br., 4. Jan. (WTV.) Der plötzliche Witlerungsumschlag führte, durch Regensälle oer- gröhert, zu einem erheblichen Anschweileu der Schwarzwaldflüsse, Der Oberrhein ist in den letzten 24 Stunden um über einen Meter gestiegen. Die erste Flutwelle hat bereit» kehl erreicht, Am Monlagvormittag wurde die (Ein- wohnerschaft von kehl durch Alarmsignale au» dem Schlaf geweckt. Der Alarm galt einem gefährlichen Dammbrud) auf der Elsenbahnstrecke Appenweier-kehl am alten Bahndamm, Der neue Bahndamm mit der neuen Brücke wird er st nach Beendigung des neuregulierten Sin- zigbettes in Betrieb genommen. Durch die starken Regensälle und die Schneeschmelze wälzte die Kinzig gewaltige Wassermassen mit sich, die nicht nur da» alte Sinzigbett, sondern and) ba# neugeschaffeneFluhbettsÜllten. Inder Röhe von Reumühl wurde der Eisenbahn- dämm in einer Länge von 20 bis 25 Meter unterspült und völlig weggeschafft, so dah nur noch die Schienenstränge stehen und frei in der Luft hängen. Der Rachtschnell- zug, der um 2 Uhr Sehl versäht, konnte die Strecke noch passieren. Die späteren Züge dagegen muhten in Kehl zurückgehalten werden. Der Perfonenverkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. Die Schnellzüge Paris—München und umgekehrt werden über Wintersdorf geleitet. Der Dammbrud) bei Kehl a. d. Kinzig hat eine hochwasserkatastrophe hervor gerufen, die in dem ganzen Gebiet öftlidj des Kehl bis nach Auenheim gröhten Schaden angerichtel hat. 3m Laufe des Abends ergossen sich erneut durch die Bruchstelle des Kinzigdamme» ungeheuere w a s f e r m a s s e n, die das neue Kinzigbett rasch überfluteten. Gegen 10 Uhr drang die Flut i n d a t> Dorf Auenheim ein, da» bald einen Hal- ben Meter unter Wasser stand. Auch da» obere Dorf war in Gefahr, von rückwärts her überflutet zu werden. Auf den drei Gefahrenstelle« wurde von freiwilligen Helfern fieberhaft gearbeitet, um den Fluten einen neuen Abzugsweg zu schaffen, denn innerhalb einer Stunde war da» Wasser um 40 Zentimeter gestiegen. Bald war dasganzeneueDorfvölligab- geschnitten und ragte, wie eine Insel, au» den Stuten. An dem durchbrochenen Bahndamm wird unermüdlich gearbeitet, e» war aber bi» Mitternacht nicht möglich, den Gleisen eine feste Unterlage zu geben, jedoch gelang e», die Einbruchsielle teilweise abzudichten, China fordert Einberufung des Mkerbundsrais. Schwere Anschuldigungen gegen Japans Politik in der Mandschurei. Paris, 4.San. (WLB.) Da« Mitglied btt chinesischen Dölkerbundsdelegation Dr. § o o ist heute nach Genf adgereist. Wie Hava« berichtet, ist er wahrscheinlich beauftragt, im Völ- kerbundssekretariat die dringliche Ginbe- rufungdes Bblkerbundsrate« zu beantragen, damit dieser die durch die Besetzung von Schintschau durch die japanischen Truppen geschaffene neue Lage prüfen könne. Die chinesische Regierung hat Driand eine Denkschrift übermittelt, in der in ungewöhnlich scharfem Tone schwere Vorwürfe gegen Japan erhoben werden. Die japanische Armee habe unter dem Vorwand der Bekämpfung deS Bandenwesens weite Gebiete der Südmandschurei besetzt. Damit liege eine offene Q^er* letzung der HoheitSrech te Chinas und ein Bruch des Internationalen Rechts, des Döl- kerbundSvertrages, stes Kelloggpaktes und des Reunmächtevertrages vor. Durch die fortgesetzte Verstärkung der japanischen Truppen sei eine auherordentlich ernste Lage geschaffen. Der Rat wird ersucht, unverzüglich alle wirksamen Maßnahmen zu ergreifen, um eine weitere Verschärfung der Lage zu verhüten und die Durchführung der RatSentschei- dung vom 10. September zu sichern. In einer Rote an den Generalsekretär de« Völkerbünde« teilt die chinesische Regierung mit, dah die japanischen Truppen durchaus nicht in der Lage seien, die Ruhe und Ordnung in den von ihnen besetzten Gebieten aufrechtzuerhalten. Völlig unrichtig sei, dah die Banden in engen Beziehungen au den chinesischen Truppen ständen. Die japanischen Truppen unterstützten vielmehr die Banden und lieferten ihnen Waffen. Die Kämpfe der letzten Zeit seien ausschliehlich auf Herausforderungen und Angriffe von japanischer Seite zurückzuführen. Schwere Unruhen in Zutschau. Tokio, 4. Ian. (TU.) In Futschau kam es zu schweren Unruhen, wobei ein japanischer Lehrer und seine Frau vomchinesi'chen Pöbel ermordet wurden. Die Chinesen sollen auch japanische Marineoffiziere an- gea rissen haben. Das japanische Marinemini, fteruim hat nach Eintreffen der Nachricht sofort zweiZerttörernachFutschau entsandt. Ein Kreuzer ist bereit» in Futlchau eingetroffen und hat 100 Matrosen an Land gesetzt, um die Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten. Die kommunistischen Gtreikversnche im Ruhreevier gescheitert. Essen, 4. Ian. (WTD.) Die für heute ange- künbigte verstärkte Propaganda der RGO. für einen Streik im Ruhrgebiet scheint nach den bisher vorliegenden Meldungen den beabsichtigten Erfolg nicht gehabt zu haben. Au« dem Präsidialbezirk Recklinghausen wird gemeldet, daß von 54 Zechen nut auf der Schachtanlage Wxsterholt von einer Belegschaft von 730 Mann 519 streiken. In verschiedenen Orten des Bezirks kam eS zu schweren Beh inderun- gen von Arbeitswilligen. Die Polizei schritt überall rasch ein und nahm insgesamt 78 Personen fest. In Bertlich wurden 26Personen, in der Hauptsache kommunistische Funktionäre, festqenommen, die eine verbotene Versammlung abbleiten. In der Versammlung war beschlossen worden, unter allen Umständen die Zeche Westerholt heute früh ftillxulegen. Gin großer Teil der Festgenommenen wird sich vor dem Schnellrichter zu verantworten haben. In Herten hatte man an verschiedenen Stellen Bäume gefällt und quer über dieStrahe gelegt, um dadurch die Aktionsfähigkeit der Polizei zu behindern. In D o t t r o p wurden an verschiedenen Stellen Schaufensterscheiben zertrümmert, Im Dortmunder und Hammer Bezirk ist auf allen Zechen die Arbeit ausgenommen worden. Sn Essen wurden in der vergangenen Rächt und am frühen Morgen mehrere Terrorakte gegen den Stratzenbahnbetrieb verübt. Om Stadtteil Dorbeck wurden an mehreren Stellen Weichen unbrauchbar gemacht. Schienen verkeilt und da« Pflaster aufgerissen. Am Weid- kamp entgleiste ein Straßenbahnwagen. Gegen 6 Llhr wurde in Vordeck ein Stravenbahnzug beschossen und mit Steinen beworfen. Personen wurden nicht verletzt. Die Zu- gangsstraßen zu einer Zeche waren durch Drahtverhaue gesperrt. Die Polizei nahm insgesamt 80 Personen fest. In der Frühschicht sind nur auf drei Zechen Teile der Belegschaft von der Arbeit ferngeblieben. Auf Monopol-Grillo bei Äajnen streiken von 672 Mann 168 (hier sind die Ausständigen zum größten Teil von den Kommunisten gewaltsam an der Anfahrt behindert worden), Auf Westerholt streiken von 1008 Mann 516 und auf Diergardt von 637 Mann 234. Auf mehreren Zechen wurden Mitglieder der Belegschaft wegen Streikaufforderung fristlos entlassen. In Remscheid wurden 61 Personen wegen Verteilung verbotener Flugblätter und wegen Zusammenrottung vorläufig fest genommen. In sämtlichen Betrieben sind die Belegschaften vollzählig erschienen. In der M i t t a g s s ch i ch t sind die Belegschaften auf allen Zechen de« Ruhrgebietes angefahren mit Ausnahme von Zeche „Diergardt", wo von 425 Mann Belegschaft 187 Mann fehlten. Die kommunistischen Versuche, einen allgemeinen Streik hervorzurusen, können damit als gescheitert angesehen werden. Drei Monate Gefängnis für einen kommunistischen Aeichstagsabgeordneien tn« d» 2an- (WTD.) Dor dem Erweiterten Schöffengericht hatte sich am Montag Reichs» tagSabgemdneter Karl Sattler (Kommunist) wegen Widerstande«, Aufforderung zu Gewalttätigkeiten und Beleidigung zu verantworten. Oie französische Linke fordert eine gwße„Geste"in derMparationsfrage Oas größte radikale Provinzblatt Frankreichs macht für gänzliche Stteichvng der deutschen Reparationen Propaganda. Paris, 4.3an. (ERB.) Die JWpecbe de Toulouse",mit 300 000 Beziehern das gröhte französische Provinzblatt radikaler Färbung, veröffentlicht einen Artikel aus der Feder ihres politische« Direktors Arthur huc, der der französischen Regierung empfiehlt, Deutschland die Schvl- den endgültig und restlos z« erlassen, wir würden, begründet hnc diesen Vorschlag, nicht nur bei einer endgültigen Schuldenstreichung nichts verlieren, sondern zweifellos dadurch gewinnen, dah wir die Forderungen des großen Publikums in Deutschland entwaffnen und damit Hitler sein Wahlsprungdrett nehmen. Deutschland durchschreitet eine Periode unbestreitbarer Rot. Deutschland hat nicht, wie man behauptet, fein Elend organisiert. Die Hitler teute haben die wählermassen davon überzeugt, dah die Reparationen, die nur 12 v. h. der budgetären Reichsansgaben ausmachen, die einzige verabscheunngswürdige Ursache der deutschen Rotlage seien. Rehmt Hitler dieses Argument, und dann werdet ihr ihm drei viertel seiner Anhänger entziehen. Er, huc, habe oft behauptet, dah e» zwei Deutschland gebe, eine», das noch in der Vergangenheit lebe, und ein anderes, bat bemerkt habe, dah Kriege sich nicht bezahlt machen und eine Annäherung Frank- reichsnndDeutfchlands eine Aera des Friedens und der gegenseitigen Prosperität einleiten würde. Dian müsse zugeben, dah das erstere dieser beiden Deutschland Fortschritte mache, während da» letztere, das bessere, im Zurückschreiten begriffen sei. „haben wir um Europa» und unserer selb st willen nicht ein 3nterefse daran, dlebestekarteindas Spiet btt Deutschland zu tun, da» sich weigert, sich in ein Abenteuer zu stürzen? Lebhaftes Echo in der pariser presse. „Verzicht auf Reparationen" das Haupt, thema der Morpenblätter. Paris, S.Ian. (WTV. Funkspruch.) Das Leitmotiv der heutigen Presse bildet die Frage einer endgültigen Streichung der Reparationen durch die französische Regierung. Jener Gedanke, der schon gestern von der „Dspeche de Toulouse" lanciert wurde, ist heute von nahezu allen Blüt» fern aufgegriffen und in den Vordergrund ihrer Betrachtungen gerückt worden» „Republi- q u e* begrüßt ihn freudig, sie sieht in feiner Verwirklichung — wenn jetzt Frankreich sein juristisches und moralisches Recht opfere — die Krönung der Annäherungspolitik. Wir brauchen nur zu wollen, schreibt das Blatt, und wir können die Welt retten. — „23 i c t o i r e* erklärt, die freundschaftliche Revision des VersaiHer Vertrages in allen jenen Teilen, die unausführbar geworden seien, miteinbegriffen die Klausel der restlosen Entwaffnung Deutschlands, fei jene Geste, die erfolgen müsse, um alles in Ordnung zu bringen. ,J) e u d r e* glaubt einen solchen Schritt billigen zu können, wenn er geschieht, um die poli» tische Atmosphäre zu erneuern. Er sei abzulehnen, falls er lediglich dem Interesse der angelsächsischen Gläubiger dienen sollte. — „Volont 6" befaßt sich mit der Wirtschaftslage Deutschlands. Wenn das Blatt'äuch behauptet, daß Deutschland nicht« getan habe, um seinen Bankrott z u vermeiden, ja, wenn sogar die Befürchtung ausgesprochen wird, Deutschland werde auch nach der Streichung der Reparationen andere Forderungen wie beispielsweise die Beseitigung des Danziger Korridor« mit gleicher Vehemenz vertreten, so kommt es dennoch zu dem Schluß, .die Aera der Gigemnaßnabmen sei vorbei. Man könne vielleicht einen Teil der Reparationen retten, käme man zu einer europäischen Verständigung über Minderheitenstatut, Ostgrenze usw. DaS Blatt Herriots verlangt, dem Verzicht auf die Reparationen müsse der Verzicht des amerikanischen Kongresses auf dieKrie gs- schulden, der der privaten Gläubiger auf die eingefrorenen Kredite und schließlich die ZustimmungDeutschland«, unterstützt durch entsprechende Garantien zu einer Politik der Ordnung der Welt im Sinne de« Frieden«, vorangehen. Auch diese Zeitung kommt zur Feststellung, daß die öffentliche Meinung heute eine große Geste erwartet. Die Rechtspresse, wie z. D. „Echo de Paris", steht natürlich anders zu dem Gedanken. Diese« Blatt erklärt u. a., S müsse darauf hin- aewiesen werden, oaß die deutsche Industrie gewaltig ausgerüstet sei und nach Beseitigung der Hemmungen auf den internationalen ONLrkten eine ungeheure Lleberle- genheit habe, wenn die Reparationsschulden von ihr genommen wären. Zudem würde Deutschland nach Beendigung de« Deparationsproblem« unverzüglich den »zweiten Teil seines nationalen Programms" in Angriff nehmen, nämlich d i e nationalen und politischen Forderungen. Er war bei Gelegenheit schwerer Zusammen st öhe zwischen Ruhestörern und der Polizei in den späten Abendstunden des 10. Mai vorigen Jahres bei der Feststellung seiner Personalien selbstmitdenDeamteninKon- flikt geraten, wobei er sich die oben erwähnten Straftaten zu Schulden kommen ließ. Das Gericht sprach den Angeklagten von der Anklage des vorsätzlichen Angriffes frei unb verurteilte ihn wegen der übrigen Straftaten zu drei Monaten und einer Woche Gefängnis sowie zu 25 Wk. Geldstrafe. Auch in Hamburg kein Erfolg. Hamburg, 4. Jan. (WTB.) Die intensive kommunistische Streikpropaganda hat im Hamburger Hafen nur geringen Erfolg gehabt. Die Polizei brauchte nur selten einzugreifen. Im Laufe des Sonntags wurden zwölf Personen fe st genommen, von denen die meisten sogleich wieder entlassen werden konnten. Durchweg handelt es sich um Zettelverteiler. An Bord des Dampfers „11 tanus", auf dem, wie auf einigen anderen Dampfern, versucht wurde, eine Streikbewegung zu entfesseln, wurden zwei Leute wegen Verstoßes gegen die Seemannsordnung verhaftet. Aus aller Wett. Raubüberfall auf eine Zechenkasse. Am Montagmittag drangen zwei Männer in den Kasfenraum des Verwaltungsgebäudes der Zeche Teutoburgia in Herne-Holthausen ein. Während einer der Räuber den Beamten mit der Pistole in Schach hielt, raubte der andere einen Geldbetrag von über 1200 Mark, worauf die Täter flüchteten, Einer von ihnen schwang sich auf einen nach Herne fahrenden Straßenbahnwagen. Als er sich auf die vordere Plattform begab, sah er zu seinem Schrecken einen ihm bekannten Kriminalbeamten. Sofort zog er den Revolver und forderte den Beamten auf, sich ruhig zu verhalten, da er sonst erschossen würde. In dem Wagen befand sich zufällig noch ein zweiter Kriminalbeamter. der nunmehr den Räuber st eilte. Als dieser darauf den Revolver gegen den zweiten Beamten richtete, machte dieser von der Waffe Gebrauch und schoß den Ber- brecher nieder. Eine Kugel drang dem Räuber ins Herz und führte seinen sofortigen Tod herbei. Es handelt sich um einen erheblich vorbestraften Menschen. In einer Aktentasche, die bei dem Toten gefunden wurde, befanden sich d i e auf der Zeche geraubten Gelder. Der zweite Täter konnte bis jetzt noch nicht gefaßt werden. Grohfeuer In Bad Salzig. 3n Bad Salzig (Rhein) hat ein Brand der in der vergangenen Nacht in einer Möbelhandlung ausgebrochen war, vierhäusereingeäschert. Den Bewobnern gelang es nicht, etwas von ihrer Habe in Sicherheit zu bringen. Die Entstehungsursache des Brandes ist noch ungeklärt. Der Magdeburger Rundfunksender außer Betrieb. Montag zerstörte ein heftigerDturmdie Antenne des Magdeburger Rundfunksenders, so dah der Magdeburger Sendebetrieb eingestellt werden muhte. von einem umstürzenden Grabstein erschlage«. Ein tragischer Llnalücksfall ereignete sich auf dem Ausstellungsgelände eines Bildhauers in Bochum. Ein siebenjähriger Schüler betrat mit seinem -wölfjährigen Bruder da« eingefriedet« Gelände. Der Jüngere wurde plötzlich von einem umstürzenden Grabstein zu Boden geworfen und geriet dabei m11 dem Kopf unter den Stein. Der ältere Bruder konnte ihn aus dieser Lage nicht befreien und rief aus der nahe gelegenen elterlichen Wohnung Hilfe herbei. Als Angehörige herbeieilten, war jedoch bei dem Knaben der Tod schon eingetreten. Vie Wetterlage. Ingö 'ir tost: 5 11 'Kirjhi (3- 40 Ufy- >ftWScydlSlormuile darauf bin» rutsche 3nbu. uftet sei und nach m Sinne be« ÄS ‘"■Äste EZ aflt M !05ll n ■5;. ei Vfa*» .r» -sss** .11 I l^a^'nvärts nach eHI*" Ä Schw-' jne/jJ\et Störung usIfl£ arwörmung :S?S etwas Zur (orgt 4. Ä 1 , wi«*? Ä»* »ÄrS Mussolinis Enkelsohn MM M»«r INVENTUR-AUSVERKAUF E 16.: Julie Horn geb. SvertSbusch, 55 Jahre. Marktstrahe 28; 20.: Ludwig Bernhard. ReichS- bahn-Obersekretär, 64 Jahre. Wolfstraße 21. 22.: fenma Kreuder geb. Kohle rmann, 69 Jahre, Schel- lerfttabe 9; 27.: Theodor TeilsuS. ohne Berus. 89 Jahre Westanlage 49; 29.: Zibora Stamm geb. Reih. Witwe. 81 Jahre. Wilhelmstrahe 10; 30.: Karl Falkenheiner, Schriftsetzer. 43 Jahre. Kaiserallee 75; 31.: Maria Kaufsmann, ohne Beruf. 57 Jahre. Dismarckstrahe 45; Paulrne Wigandt geb. Zwesch, 81 Jahre, Löberstraße 5. " Sine Achtzigjährige. Frau Witwe OulieWeth. geb. Goß, wohnhaft Druchstraße 13. begeht am 6. Januar in geistiger Frische ihren 80. (Geburtstag. _ •• Dolkstrauertag 19 32. Der Ausschuß für die Festsetzung eines Volkstrauertoges hat ein» stimmig beschlossen, den Dolkstrauertag zum Sm denken an die im Weltkriege gefallenen Helden auch in diesem Jahre am Sonntag Reminiszere (21. yc» bruar) in ähnlicher Weise zu begehen wie dies in den Vorjahren der Fall gewesen ist. Der Ausschuß setzt sich aus Vertretern der drei Religionsgemein» schäften sowie von großen Körperschaften und Der» bänden zusammen. Den Vorsitz führt der Präsident des Dolksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. D. Die Feier soll wiederum in Gottesdiensten, Lauten der Glocken im ganzen Reiche und Saalseiern bestehen. . . •• Reue Kurse in Einheitskurz» fchrift. Man schreibt uns: Die 1. Reichskurzschrift, gescllschaft Gießen eröffnet Freitag, 8. Januar, in der Pestalozzischule, Nordanlage 18, für Damen und Herren wieder einen Anfängerlehrgang in der amtlichen deutschen Einheitskurzschrift unter Leitung eines staatlich geprüften Lehrers der Stenographie. Das Unterrichtsgeld ist auf 7 Mark herabgesetzt wor- den. Außerdem erhalten Erwerbslose besondere Der- günftigungen. Zur Fortbildung beginnen neue Redeschrift-. Fortbildungs-, Praktiker- und Diktatkurse. (Nähere» in der heutigen Anzeige.) "Spanien imKulturfilm. DaS Land Spanien mit seiner jahrtausendealten 5dultur ist für den Photographen ein Dorado. Das bewies der Film, der am Sonntagvormittag im Lichtspielhaus Bahnhofstraße lief, in jedem seiner Bilder. Das Meer im Golf von Biscaya, und die Berge der Pyrenäen, weltverlorene Dörfer und märchenhafte alte Burgen von überraschendem Umfang, mauerumgürtete Städte (Granada. Toledo, Avila). die während des Mittelalters die Zentren der spanischen Kultur und der Kunst waren, großartige sakrale und profane Bauwerke. Königspaläste und Lustschlösser, sorgfältig photographierte Landschastsbilder brachte der Film in buntem, unterhaltsamem Wechsel und lieh den Besucher in großen Umrissen das Land kennenlernen, dessen Bewohner im Mittelalter eine Weltmacht verkörperten. Mit besonderem Interesse verfolgte man die Bilder aus der .Alhambra" bei Granada, jener maurischen Kalifenburg, dem schönsten Werke arabischer Baukunst, das orientalische Pracht in ihrer ganzen Fülle offenbar werden ließ. Richt weniger interessant waren die Bilder vom spanischen Bolksleben in den verschiedenen Provinzen, die Aufnahmen auS den Großstädten Madrid und Barcelona, von der Weltausstellung und dem zum Abschluß deZ Filmes gezei tenS! erkämpf, den der Zuschauer allerdings nur in Fragmenten kennenlernte. Der Film war seinem Inhalt nach sehr gut, in technischer Hinsicht allerdings nicht immer befriedigend und die musikalische Illustration mamhmal fehl am Platze. Trotzdem verlebten die Besucher eine unterhaltsame Stunde, die viel Wissenswertes vermittelte. •* Weihnachtsfeier der erblindeten Krieger. Die Untergruppe Gießen des Bundes erblindeter Krieger hielt am Sonntagnachmittag im Saale des Katholischen Vereinshauses eine Weihnachtsfeier ab. Don den 43 in der Untergruppe Gießen vereinigten Kriegsblinden hatten sich 38 ein- gefunden, um zusammen mit den Kameraden in Gemeinschaft mit den Angehörigen einige unterhalt» same Stunden zu verleben. Mitglieder der Kapelle des hiesigen Reichswehrbataillons hatten sich für die musikalische Veranstaltung der Feier in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt, und der Bauer- sche Gesangverein wartete zur besonderen Freude der Blinden mit einigen prächtigen Liederoorträgen auf, die, wie auch die Darbietungen der Musikkapelle, lebhaften Beifall sanden. Musik leitete die Feier ein. Nach einem Prolog von Frl. Gertrud S ch u f f e l s Aus Oer provinzialhauptstadt. Gießen, den 5. Januar 1932. Drei Könige. Die Heiligen drei Könige, die dem Stern folgten, der sie zur Krippe führte, haben für uns Lebende von heute eine Bedeutung gewonnen, an der man in früheren, besseren Zeiten vielleicht achtlos vorübergegangen war. Diese drei fühlten in sich jenen übermächtigen Drang, wie er unS mehr oder weniger häufig einmal befällt, wenn sich Widernis und Trübsal wie ein düsterer Schatten um uns legen. Wenn wir zweifelnd und verzweifelt nach Halten suchen, die uns wie ein lichter Stern den Glauben an uns selbst und an ein sinnvolles Walten über unS wiedergeben sollen. Wenn uns eine Sehnsucht nach wärmender Innerlichkeit packt und schüttelt, nachdem uns im Dasein die Kälte des bitteren Existenzkampfes frösteln machte, so daß wir den Kahn statt zu steuern treiben ließen. Der Stern, der die drei Könige zu dem Kind führte, in dem eine uralte Menschheitssehnsucht Fleisch geworden war, versinnbildlicht jene vorurteilslose Gläubigkeit, die im blinden Vertrauen auf die schicksalbedingte und schickfalbestimmte Sendung einer überragenden Persönlichkeit sich selbst etn- und untergeordnet empfindet unter eine Gesetzmäßigkeit, die auf den Fundamenten einer ethischen Weltanschauung lagert. Das sind jene efcernen Gesetze, die „dort droben unveränderlich hangen", seitdem aus dem EhaoS sich ein zweckvoller Ablauf aller DaseinSformen erhob. Die Heiligen drei Könige legten von den Schätzen ihrer Länder Gold, Weihrauch und Myrrhen dem Reugeborenen zu Füßen. Das will bedeuten, daß aller Reichtum der Welt nichts besagt gegen die Immateriellen Werte, die wir gewinnen können, wenn wir unser Tun und Lassen unter den Stern der Erkenntnis stellen, daß nur daS wohigetan sein kann, was um einer Sache selbst willen den Einsatz unserer Kräfte erfordert hatte. Das soziale Denken und Fühlen und Handeln muh richtungweisend in jeder Lebensäußerung sein. Erst dann fällt der lichte Strahl jenes Gestirns verklärend auf sie herab, der mit d-»m Ehriftentum seinen Sieges- zug über die Welt antrat. In dem unbewußten Gesühl, daß in der Krippe der Künder neuer LebenSgesetze erwacht war, wie sie daS Heidentum noch nicht zur Anerkennung hatte bringen können, fielen die Beherrscher volkreicher Gebiete auf die Knie und drückten damit ihre innere Befriedigung über das vorerst nur geahnte Geheimnis eines geläuterten Lebenszweckes aus. Das ist der opferbereite Dienst an der Allgemeinheit, der keine Schwanken zwischen Hoch und Riedrig kennt, der in dem Nächsten den Bruder sieht und der alles zu geben bereit ist. um in dem anderen sich selbst zu ehren. Vielleicht ist das der zeitgegebene Sinn der Heiligen drei Könige und des Sterns, der sie sicher durch unbekannte Länder geleitete, um ihnen in einem unscheinbaren Kinde ein neues Ziel, einen neuen Inbegriff von ihrem Menschsein zu vermitteln, daß wir trotz aller Dunkelheit, in der das Morgen gehüllt ist, voll Vertrauen zu dem guten Stern aufblicken, der bis jetzt unser Volk aus noch schlimmeren Riederungen jeweils wieder zu Höhen emporsteigen ließ, die auch die schwerste Rot nicht zu einem nutzlosen Opfer hatte werden lassen. Das soll der Leitstern fein, dessen Führung wir uns gläubig in den kommenden Wochen und Monaten anvertrauen wollen. Gießener Wochcnmarttpreisc. 'Gießen, 5. Jan. Ts kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Kochbutter von 80 Pfennig pro Pfund an, Butter 90 bis 110, Maite 25 bis 30, Käse (zehn Stück) 50 bis 120, Wirsing 7 bis 8. Weißkraut 5 bis 6, Rotkraut 7 bis 8, Gelbe Rüben 8 bis 10. Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 biS 20, Unter-Kohlrabi 5 bis 6, Grünkohl 10 bis 12, Rosenkohl 15 bis 20, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 50 bis 60, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 30 biS 60, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Kartoffeln 4, Aepfel 8 bis 10, Dirnen 8 bis 10, Dörrobst 30 bis 35, Honig 40 bis 50, Rüsse 35 bis 40, Enten Musiolinis Tochter Edda Gräfin C i a n o mit ihrem neugeborenen ersten Söhnchen Fabricio (Eonftando, das in Schanghai, wo Graf Galeazzo Eiano bas Amt des italienischen Geschäftsträgers bei der chinesischen Regierung bekleidet, das Licht der Welt erblickte. begrüßte der 1. Vorsitzende, Herr Kranz, die Mitglieder, deren Angehörigen und die Vertreter der Behörden. Er dankte sodann allen, die zur Vorbereitung der Feier begetragen hatten, insbesondere den Gießener Geschäftsleuten und den Bürgern, die durch Waren- und Geldspenden die Voraussetzung schufen, den Blinden durch praktische Geschenke eine Freude bereiten zu können. Jeder der erblindeten Strieger erhielt ein stattliches Paket, auch den Kindern der Kriegsblinden wurde ein kleines praktisches Geschenk zuteil. Jrn Anschluß daran hielt Oberregierungsrat R i tz e l als Vertreter des Provinzialdirek. tors und gleichzeitig im Namen der übrigen Bchör- denvertreter eine kurze Ansprache, in der er hervor- hob daß die Blinden nicht des Mitleids, sondern de» Mitgefühls sicher fein sollten, das ihnen jeder der Sehenden, der ein fühlendes Herz in der Brust trage, entgegenbringe. Herr Kühn sprach für die erblindeten Kameraden und dankte dem Vorstand für die den Blinden vermittelte Freude. Nach einem gemeinsamen Lied, gesanglichen Darbietungen des Bauerschen Gesangvereins und einer Kaffeepause folgte die Bescherung für die Kriegsblinden und deren Kinder. Musik und Liederoorträge beschlossen die Veranstaltung, die geeignet gewesen sein durfte, die Blinden einige frohe Stunden in kameradschaftlicher Gemeinsamkeit erleben zu lassen. SriefTaften her Hehaffion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) Frau Lh. Fr. Die Notlage, in die Sie später geraten sind, berechtigt Sie nicht, den früher durch Ihre Unterschrift abgeschlossenen Kaufvertrag ruck- gängig zu machen. Der Ankauf des Staubsaugers bei dem fremden Reisenden erfolgte innerhalb Ihres häuslichen Wirkungskreises, d. h. in Ausübung der sog. Schlüsselgewalt (8 1357 Bürgerlichen Gesetzbuchs), und deshalb gilt das Rechtsgeschäft als im Namen des Mannes vorgenommen. Durch das Unterschreiben des Bestellzettels wird der Kaufoer« trag endgültig, es fei denn, daß auf feiten des Bei stellers Zwang, Irrtum oder Betrug vorliegt. I. y. 3. Nennen Sie uns Ihren Namen, und St« werden genauen Bescheid erhalten. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bl» 12.30 Mut. 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag geschlossen Für unverlangt elngefanble Manuskripte ohne -eigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. 80 bis 100, junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80. Gänse 80 bis 90; Tauben. daS Stück 50 bis 60, Eier 11 bis 13, Blumenkohl 20 bis 60, Endivien 8 bis 10, Ober-Kohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 10. Rettich 10 bi« 15. Sellerie 10 bis 40; Kartoffeln, der Zentner 3 biS 3.50. Weißkraut 3.00 bis 3.50. Wirsing 4.00 bis 5.00. Rotkraut 4,00 bis 5,00 Mark. Oie Inventur-AuSverkäufe. Mit dem heutigen Tage beginnt für unsere Hausfrauen die außerordentllch günstige Kaufgelegenheit in den Inventur-Ausverkäufen. Die Geschäftswelt hat umfangreiche Vorkehrungen getroffen, um den Wünschen des Publikums nach jeder Richtung hin Rechnung tragen zu können. Nicht nur in der Bereitstellung von Warenbeständen, sondern auch in der Festsetzung der Verkaufsoreise wird von der Geschäftswelt den Zeitverhältnissen entsprochen: der Kaufmann will mit seinen Beständen möglichst ganz aufräumen, um neue Saisonware hereinnehmen zu können, der Käufer trachtet danach, für die knappen Geldmittel nicht nur gute, sondern auch möglichst viel an Ware zu erhalten. Auf dieser Grundlage wer. den sich die diesjährigen Inventur-Ausverkäufe ab- wickeln. Daß unsere Geschäftswelt vorteilhafte Angebote zu machen hat, beweisen wiederum die Ankündigungen in unseren Anzeigenspalten. Nunmehr ist es Sache des kaufenden Publikums, von den günstigen Kaufgelegenheiten Gebrauch zu machen. Unsere Hausfrauen werden gut daran tun, in den Beständen ihres Haushaltes nach Ergänzungen, die in der Zeit der Inventur-Ausverkäufe auf billige Weife oorgenommen werden können, Umschau zu halten. Bei dieser Nachprüfung werden sich mancherlei Notwendigkeiten zu Erneuerungen ergeben, an die man bisher vielleicht nickt gedacht hat, deren Zweckdienlichkeit aber gerade jetzt bei den günstigen Kaufgelegenheiten zutage tritt. Die Ausnutzung der Inventur-Ausverkäufe bietet aber nicht nur dem Käufer Vorteile und verschafft dem Geschäftsmann die Möglichkeit des dringend erwünschten Waren- Umsatzes, sondern es werden auf diesem Wege auch für die Fabrikanten wieder Absatzmöglichkeiten er- schlossen und dadurch Arbeit geschaffen, die einen gewichtigen Anteil an der Wiederbelebung unserer Wirtschaft barfteUt. Wer also jetzt kauft, trägt auch dazu bei, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und den । Weg zu einer Besserung unserer wirtschaftlichen Der- j hältnissc frei zu machen. Darum: Helft durch Kaufen! Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Stadttheater Gießen: „LumpacivagabunduS", 20 bis 22 30 Uhr — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Reserve hat Ruh'". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, 13. Vorstellung im Dienstag-Abonnement. Erste Wiederholung der mit großem Erfolg aufgenommenen Silvesteraufführung der Zauberposse „Lumpaci- vagabunbus" von Restroy. Ende 22.30 Ahr. — Mittwoch, 6. Januar, 19.30 Uhr, als 13. Vorstellung im Mittwochabonnement, Wiederholung der beiden Märchenaufführungen „Die Puppenfee" und „Die Wunderlampe". Ende gegen 22 Uhr. — Gerhart Hauptmanns Traumdichtung „HanneleS Himmelfahrt" wird am Freitag als 13. Vorstellung im Freitagabonnement wiederholt. Spieldauer von 20 bis 22 Uhr. Weitere Berücksichtigung von Grnteschäden bei der Einziehung von Landessteuern. Der hessische Finanzminister teilt mit: Bisher konnten Emteschäden bei der Erhebung der staatlichen Grundsteuer für 1931 nur berücksichtigt werden, wenn der Ausfall an der Gesamternte mindestens 30 v. H. betrug. Run- mehr hat der hessische Finanzminister beschlossen, schon bei einem Gesamternteschaden von nur 20 v H. eine Steuerermäßigung zuzubilligen. Welche Gemeinden für den Steuererlaß in Frage kommen, ist dem Landesfinanzamt zwecks An- Weisung der Finanzämter bereits mitgeteilt worden. Darüber hinaus werden Maßnahmen vorbereitet, die eine Berücksichtiguna von Schäden ermöglichen sollen, welche die auf Viehzucht an- gewiHenen Landwirte durch den außergewöhnlichen Rückgang der Diehpreise erleiden. •• Sterbes älle in Gießen. In der Zett vom 16. biS 31. Dezember verstärken in Gießen: INVENTUR-AUSVERKAUF 56 A Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Dr. E. Schüz, Oberforstmeister Gießen (Wilhelmstraße 56), den 5. Januar 1932. abzusehen. 36D im 77. Lebensjahr. Treis a. d. L., Hagen i. W., Gießen, den 4. Januar 1932. 041 £1 Wer Heuchelheim, Wetzlar, den 4. Januar 1932. 83 D Inventur - Ausverkauf vom 6. bis 21. Januar 20&b.,, 101b„, Reste enorm billig! 1 Post. Herr.-Oberhemden JunterEinkaufi 1 Post. seid. Unterwäsche J Robert Müller / Gleisen Kurz-, Weiß- u. Wollwaren Bahnhofstraße 56 100 D Trotz den zeitgemäßen niedrigsten Preisen auf alle Winter war en 20% Rabatt auf alleanderen Artikel 10% Rabatt Heute morgen 2*/2Uhr entschlief sanft nach schwerem Leiden meine liebe, gute Frau, unsre treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Tochter, Schwiegertochter, Schwester, Schwägerin und Tante Die Beisetzung findet Donnerstag, den 7. Januar, nachmittags 2% Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. — Von Blumenspenden und Beileidsbesuchen bittet man Die G. B. Alemannia I. A.: Hans Gundel F. V. Unterfertigte bedauert aufs tiefste das am 1. Januar 1932 in Idar erfolgte Ableben ihres lieben A H. Am 4. Januar, abends 8 Uhr, ist meine liebe Frau, die treubesorgte zweite Mutter meiner Kinder, unsere liebe Schwester. Schwägerin, Nichte und Tante Auf alle Winterwaren Auf alle anderen Artikel Gelegenheitskauf! 1 NeKemvfg^, neu, rnitRöhr.66.50Mk., 1 Nehemvfg., neu, mit Röhren u. Lautsprecher 107.50 Mk. et Neuenweg 3811. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 6. Januar, nachmittags IVa Uhr vom Trauerhause Sandweg 19 aus statt. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Georg Friedrich Kehr, Schreinermeister. Junger Herr sucht ruh. rnod., sonniges Zimmer evtl, mit Pension. Schrift!. Angeb. mit Preisangabe u. 044 an den Gieh. Anz. ■■ Rat ■■ AuskünstetnRechlö-, Siras-,Kamil.-Ange- leaenvetten, Gesuche, Beriräge. Beobachtungen. Ueberwachg. und Ermittlungen vreistv^ streng dtskr. u. an all. Orten ert. u. erledigt Detektiv- Boreaa-n. Auskunftei Inh.K.Gerz,Bad-Nau- heim. Kurstr. 17. ti8 Goetbebund ladet z. Werner Beumelburg- Abend 11. 1., 8 Uhr abds. Neue Aula ein. i9d Karten bei Challier gegenVorzeigen der Mitglieds-Karte. D.O.B. zu halbem Preise.__, Ztanätnmatn jnr Ot- lünqnna tul »tdgndcn Xätlgfeitauf bkftlBdfe unterftüNi «mb frab aus Äselbstverständliche auch angewiesen. 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Anz. Karl Werner aktiv 1867 Etagengeschäft Sonneborn Alicenstraße Nr. 16, neben Hessischen Hof VMcht der Ausgeber v. 6ttOta> anqebaten ist es, die ein- BT Der heutigen Ausgabe d. Giehener Anzeigers liegt ein Werbeblatt von dem Kaufhaus „Hansa", Giehen, bei. ,-C» |Stellengesuche| Mädchen ö. Lande, 18 I., f. Stellung. Schriftl. Angebote unter 045 an den Gieh. Ans. Frau Constanze Schüz geb. Helm von ihrem langen, schmerzvollen Leiden erlöst worden. Inventur-Ausverkauf vom 6.—20. Januar Louise Kehr geb. Steinmüller im 51. Lebensjahre. M»INM Morgen, Mittwoch AUsliM- von J. Pfeffer • Gießen • Marktplatz 6 Spezialgeschäft für Damen- und Kinder-Konfektion, Weil» und Seidenstoffe Stadttheater Gießen. !;d Mittwoch, d.ß.Jan. 19.30 bis geg. 22 Uhr 13. Vorstellung. Mittwoch-Abonn. Gewöhnt. Preisei Die Vuvvenfee Ballett in 1 Akt von Fr. Gaul und Hahreiter. Musik v. Jos. Bayer Vorher: Die Wunderlamve Weihnachtsmärchen in 5 Bildern von W. Schmidt. 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J50 97 D Nr. 3 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Dienstag, 5. Januar 1932 Oie Welt an der Jahreswende. VL Lohn Bulls Jahresbilanz. Don unserem ^-Berichterstatter. London, Ende Dezember 1931. Wenn der Silvesterabend vorüber sein wird, dann wird sich ganz England mit dem Gefühle zu Bett legen: das Jahr 1931 war zwar für unsere Art der Lebensführung viel zu aufregend, aber schön war es doch. Sind wir auch weit davon entfernt, sorgenfrei leben zu können, so sehen wir doch immerhin, warum wir Sorgen haben, so wissen wir doch, daß wir kämpfen können. Als das Jahr begann, da war Macdonald immer noch Ministerpräsident. Er machte seine Sache schlecht und recht, aber die Arbeitslosigkeit und die Wirtschastsnot stieg. Als das Frühjahr kam, wuchs die Arbeitslosigkeit und die Wirtschaftsnot weiter. Alle Versuche, die innere Rot zu heben, schlugen fehl. Ungeheure Beträge aus Staatsmitteln wurden aulgewendct, um Arbeit zu schaffen, aber in einem Lande, in dem jeder Fuß- breit Bodens.seit Jahrhunderten die Fürsorge nationalen Reichtums genießt, läßt sich neue Arbeit nur schaffen, wenn man das Geld zum Fenster hinauswirft. Die sozialistische Regierung stand vor einem Fiasko. Die Konservative Partei stand aber den Dingen ebenso ratlos gegenüber wie die Regierung. Nirgendwo zeigte sich ein Anlaß zur Hoffnung. Es war alles grau in grau. Auch die Außenpolitik stagnierte immer mehr. Die Entwicklung der Dinge auf dem Festlande, erst die österreichische, und dann die deutsche Krise erregten schwerste Befürchtungen, ergaben aber keine Möglichkeit zur Einschaltung des englischen Einflusses, abgesehen von dem finanziellen Gebiete: überall war Frankreich. Alle Fragen, wie Reparationen, Kriegsschulden und Währungspolitik, Weltpolitik im allgemeinsten Sinne, wurden immer mehr zu einer Interessensphäre des Quai d'Orsay. Da geschah im Spätsommer das große Wunder der Krisis. Macdonald bildete die Rationalregierung, um das Pfund zu retten, das allgemach zum Asyl für kapitalistische Drückeberger geworden war. Cs glückte ihm nicht. Schon im September mußte die Rationalregierung vor der Wirtschaftswirklichkeit kapitulieren. Die Flagge desGoldstandardswurdenie- d e r g e h o l t und es mag hier daran erinnert werden, daß man diese Erschütterung des Vertrauens auf die Meuterei der Atlantischen Flotte zurückgeführt hat. Run folgten die Ereignisse Schlag auf Schlag. Ein letzter Appell an die Einheit der Partei. Auflösung des Parlaments, ein Appell der Rationalregierung an die Ration. Am Wahltage ein überwältigender Sieg der Rationalregierung, Reubildung des Kabinetts unter Macdonalds Führung, Annahme des Schutzzollprogramms, aber, und das bleibt das Entscheidende, kein Versuch zur Stabilisierung des Pfundes! Was hat das alles zu bedeuten? Die Menschen hier sind nicht imstande, eine Antwort daraus zu geben, die den kritischen Deutschen befriedigt. Die erste Welle der Begeisterung über den nationalen Wahlsieg ist längst verrauscht. Die Wirklichkeit ist in ihre Rechte getreten. Man weiß sehr wohl, daß man im Oktober nicht die Welt, sondern nur sich selbst zurückerobert hat. Was das aber bedeuten will, ist eben mit wenigen Worten nicht klarzumachen. Aber wenn es schon viel ist, wenn ein einzelner Mensch nach einem Jahrzehnt des Mißerfolges feine Selbstsicherheit zurückgewinnt, so gibt es vielleicht einen Anhaltspunkt dafür, was es bedeutet, wenn eine Ration wie das englische Volk nach endlosen Jahren vergeblicher Mühe sich wieder zusammenrafft und eine Politik dec höchsten und besten nationalen Selbstzucht zu treiben beginnt. Wieder einmal hat sich die alte Wahrheit bewährt, daß es den Engländern sehr schlecht gehen muß, wenn sie etwas leisten sollen: sozusagen: Rächt muß es sein, wenn Englands Sterne strahlen. So sieht man denn hier den Gang der Ding« auf dem Kontinent mit dem gleichen unerschütterlichen Gleichmut, mit dem man das Pfund in die weltwirtschaftliche Wüste geschickt hat. Die Baseler Verhandlungen werden gleichsam als der Schritt in eine bessere Zukunft angesehen. Ist es doch zum ersten Mal gelungen, eine Kapitulation vor Frankreich zu vermeiden. So vorsichtig und behutsam die englische Politik auch vorgeht, man darf doch nicht übersehen. daß die Stimmung im Lande eine Fortführung der bisherigen politischen Linie nicht ertragen würde. Rur will man sich keine Blöße geben. Aber John Dult ist eifrig bemüht, wieder einmal politisch zu rechnen. Dabei ist die Währungskrise, ja die Gesamtkrise dieses Volkes von höchstem Werte. Die Illusion ist vorbei, als habe England den Krieg gewonnen und als könne es sich jetzt behaglich und zusrieden auf das Altenteil ererbten Reichtumes zur Ruhe setzen. Die Menschen hier sind wiederkampflustigge- worden. Sie fangen wieder an nachzudenken. Sie spähen nach den schwachen Punkten in der Stellung alter Gegner. Nachdruck verboten! Sonnenaufgang von 8.15 bis 7.45 Uhr. Sonnenuntergang von 15.55 bis 16.40 Uhr. Lichtgestalten des Mondes: Letztes Viertel am 1. um 2 ilfjr, 1. Viertel am 15. um 22 Uhr, Vollmond am 23. um 15 Uhr. Hartnäckig weiter fließt die Zeit, Die Zukunft wird Vergangenheit; Aus einem großen Reservoir Ins andre rieselt Jahr um Jahr. Ganz natürlich läßt der Jahreswechsel die alten unlösbaren Fragen nach dem Sinn und dem Wesen der Zeit wieder erstehen: Ist die Zeit die lebendig gewordene Schöpfung, die uns Alle Leute wissen, daß dieser Gegner Frankreich heißt, aber sie wissen auch, daß sich dieser Gegner zur Zeir in einer fast unangreifbaren Stellung befindet. Wir sagen mit Bedacht, f a st unangrellbar, denn just der Punkt, wo sich Frankreich zur Zeit am sichersten fühlt, nämlich drr der Finanzen und des Geldes, der dünkt klugen Leuten an der Themse der fragwürdigste von allen zu sein. Der Franzose weiß unendlich viel von der Physik des Geldes, aber der Engländer weiß mehr von der Metaphysik des Geldes. Das zeigt der Verlauf der Währungskrise. England hat instinktsicher das einzigste getan, was es zu tun galt: nämlich nichts. Und damit ist Frankreich in die Verteidigungsstellung gedrängt worden. Die Franzosen haben in der Londoner City ihren Kredit verloren in dem Augenblick, als England den seinen zu verlieren schien. Sie sind ausgeschaltet. Das Jahr 1931 schließt in England mit einer ungeheuren nationalen Konzentration. Und da eine englische nationale Konzentration immer einen Gegner braucht, da man sich hierzulande nicht um der Konzentration willen konzentriert, so ist die Entdeckung des alten Erbfeindes von noch nicht zu übersehender Zukunftsbedeutung. Inzwischen wollen wir daher abschließend für das neue Jahr an den alten Wahlspruch der englischen Flotte erinnern: Fürchte Gott, gehorche dem König, und hasse den Franzosen wie den Teufel. immer Reues, noch nie Dagewesenes aus ihrem Mutterschoh erstehen läßt, oder ist sie nur ein dauernder Kreislauf, eine ewige Wiederkehr? Oder vielleicht beides zugleich, ein ständiger Kampf zwischen Reuem und Altem, eine Reu- schöpfung in der Wiederkehr? Der Sternhimmel schemt sich für diese letzte Antwort zu entscheiden, denn bei ihm mag man wirklich im Zweifel sein, was eindrucksvoller ist, die ewige Wiederholung des Fixsternhimmels, der uns Jahr um Jahr dasselbe, sich höchstens im Lauf der Jahrtausende ein wenig ändernde Bild zeigt, oder die zerstreut in ihm auftauchenden Wandelsterne, die trotz ihrer nur geringen Zahl zu immer neuen Stellungen und somit immer neuen Eindrücken Veranlassung geben? Der die 24 Stundenzahlen von Mieter- nacht bi» Mitternacht einet Taget ent- haltende Kreit und die dick punktierte Linie, der togenannle Horizont, sind fesl- stehend zu denken. Der Sternhimmel dreht sich samt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil — gewissermaßen dem beiger der Himmelsuhr — in 23 Stunden und 56 Minuten im Sinne des gebogenen Pfeils einmal um seinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont umrahmt die zu der Stunde, auf die der gerade Pfeil zeigt, um die Monatsmitte sichtbaren Sterne. Unsere Karte zeigt also den Zustand um Mitternacht der Mo• natsmitte. Will man zu einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel samt dem geraden Pfeil so gedreht, daß dieser auf die Beobachtungsstunde zeigt; dadurch werden die tu dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nicht mitzudrehenden Horizont hineingedreht. Für je 5 Tage vor der Monatsmitte ist der gerade Pfeil ’/j Stunde früher, für je 5 Tage nach der Monats- mitte '/’s Stunde später zu stellen. Man vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Stellan- gen ein, wenn er die angedeutete Licht- gestalt zeigt. io, Sonne Mond: D1. Viertel (t) Vollmond d letztes Viertel i/o c/ ♦ o J . § *X) Venus A Mars (fy Jupiter Saturn XvTo; STERNBILDER} GROSZE BUCH-/Q STABEN öSX . % Der Sternhimmel imIanuar. Sterne: Kleine Buchstaben Blicken wir zunächst auf den Firsternhimmel. so wird uns vor allem der schönste Teil des ganzen Sternhimmels, daS riesige Sechseck auffallen, das mit der hoch oben am Himmel stehenden Eapella im Fuhrmann beginnend sich zum Aldebaran im Stier, dann dem Riegel im Orion bis zu seinem tiefsten Punkt, dem mächtig funkelnden SiriuS hinzieht, dem hellsten Fir- stcrn des ganzen Himmels, um dann links übe« den Prokyon und die Hellen ZwillingSsterne wieder zur Capella emporzusteigen. Don Alters her war dieser Tell des Sternhimmels am meisten bevorzugt; an ihn knüpfen die meisten Sternsagen an, er enthäll auch die meiften einzelnen, mit besonderen Ramen benannten Sterne. In dieser Jahreszeit scheidet er sozusagen das Reue vom Alten. Was rechts von ihm steht, wie etwa die Andromeda und der Walsisch. das ist nun baldigem Untergang geweiht. Was link» von ihm steht, nach ihm am Himmel emporsteigt wie der Löwe und späterhin die Jungfrau, auch der Qlrctur im Bootes, das sind die Herren der Zukunft. die bald, die Alten verdrängend, allen Raum in Anspruch nehmen werden. Minder oft genannte Sternbilder stehen über und unter unserem Sechseck. Roch über der Capella. in der Richtung nach der Cassiopeia zu, erblicken wir die Giraffe, eines der Sternbilder, die ebenso wie etwa der Große und der Kleine Bär. bei un8 nie untergeben, sondern immer sichtbar sind. Unter dem Rigel im Orion erscheint, nur sehr kurz« Zelt sichtbar, das vier Sterne zeigende Sternbild des Hasen. Von den Wandelsternen ist die Venus als Abendstern die am meisten auffallende Erscheinung. Schon bald nach Untergang der Sonne wird sie im Westen nach Südwest zu sichtbar und erstrahlt zu Beginn des Monats noch über eineinhalb Stunden, gegen Ende sogar noch übe« zweieinhalb Stunden am Abendhimmel, wo sie ihres hellen Glanzes wegen unmöglich übersehen werden kann. Erheblich schwerer wird es dem Sternfreund der Merkur machen, der zu Beginn des Monats, am besten vom 4. bis 6, am Morgenhimmel zu sehen ist. Als Beherrscher des Abend- und Rachthimmels hingegen erstrahlt der Helle Jupiter im Sternbild des Löwen. Zu Beginn des Monats erscheint er erst am späteren Abendhimmel, kurz vor 20 Uhr. dann immer früher, je weiter der Monat vorrückt, so daß er schließlich längere Zeit mit der DenuS zugleich sichtbar ist. Äü ft ermann. Reform bei der Handwerkskammer. WSR. Darmstadt, 4. Jam In der Presse sind Artikel erschienen, die sich mit der Auf4 lösung der Handwerkskammer-Rebenstelle Darmstadt und der Kündigung de» Vertrages mit dem Syndikus Dr. K o l l b a ch befassen. Die Hessische Handwerkskammer stellt hierzu folgendes fest: Die Geschästsstelle der Handwerkskammer-Nebenstelle Dorrn« st ad t ist auf Grund eines Vollversammlungsbeschlusses mit der Hauptgeschäftsstelle räumlich zusammenzulegen, und zwar unter Personaleinsparungen. Der Vorstand der Handwerkskammer hat hierauf über die möglichen personellen Einsparungen und die entsprechenden Kündigungen Beschluß gefaßt. Die Verlegung der Geschäftsstelle erfolgt dieser Tage« Mit der Zusammenlegung ist das Arbeitsfeld der Handwerkskammer bzw. der Reben- stelle in keiner Weise eingeschränkt worden, vielmehr findet die Betreuung des Handwerks, wie seither weiterhin statt. Starkenburg. WSR. Darmstadt, 4. Jan. Der 41 Jahr» alte Derwaltungsinspektor Sraru Sch oll es, der, wie berichtet, nach Unterschlagung einer größeren Summe flüchtig gegangen war, hat sich in Hamburg völlig mittellos der Polizei gestellt. Cr gab an, daß er zum Rachteil des Oberversicherungsamts Darmstadt mehrere 1000 Mark unterschlagen habe. Wiedersehen mit einer Löwin. L>on Dr. Gustav W. Eberlein, Rom. Sicherlich habe ich schon öfters Gelegenheit gehabt, die alte Erfahrung zu bestätigen, daß junge Frauen zuweilen seltsame Wünsche hegen. Mal möchten sie unter die Räuber fallen, mal sollen es grasgrüne Schuhe sein. Zehn Minuten lang in die berühmten rollenden Augen des Duce sehen, jawohl, das müssen sie. Dann ist es eine Halskette aus Seeigeln oder ein Kajak, wie ihn der Mahatma trägt. Diesmal war es ein Löwe. Ich möchte einmal, sagte sie mit übernatürlich glänzenden Augen, ich möchte einmal einen jungen Löwen in den Armen halten! Warum nicht, Graziella, du sollst ihn haben. Aber du mußt hübsch stillhalten während der kleinen Halsoperation, ja? Als die Mandeln heraus waren, und die Mimosen auf dem Tische nach Italien dufteten, bot ich ihr, froh darüber, daß sie den törichten Wunsch vergessen hatte, das erste Glas Wein. Boxbeutel aus dem Iuliusjpital. Sie trank und sagte: Ich möchte einmal einen jungen Löwen in den Armen hallen! Wie das möglich sei? Das sei meine Sache. Ich habe es versprochen. Graziella, ich habe eine Freundin — Aach —! Ja. Eine Filmschauspielerin. Iannings kennt sie auch — er ist einmal, drunten kn Rom, schreckensbleich vor ihr ausgerissen. Einen jungen Komparsen hat. sie getötet. Das muß ja eine temperamentvolle Dame fein. Wie heißt sie denn? Miß Europa. Wenn ich nicht irre, tritt sie gegenwärtig in Würzburg auf. Im Zirkus. Vielleicht hat sie inzwischen ein Baby bekommen ... • Wir gingen zu dritt, Strolch war auch dabei, nach Würzburg unter die große Brücke, wo der Mann mit den hundert Löwen seine Zelle aufgeschlagen hatte. Er sei jetzt in seinem Bureau, hieß es, Wagen 119. Ich flieg in den Wagen 119 und sagte ihm, daß meine Frau einen jungen Löwen auf die Arme nehmen müsse. Kapitän Schneider kniff die Augen zusammen, blinzelte die Frau, stichflammte den Foxterrier an. Der Satan da bringe ja seine ganze Menagerie außer Rand und Band. Hunden sei der Eintritt verboten. Ich will sehen, ob er eifersüchtig wird! sagte die junge Frau. Er ging mit. Der Kapitän brummte. Mir plnmperte etwas unter der linken Brusttasche. Mit einem Satz war der Foxl in der Manege und wollte einen Rundgalopp beginnen, da schlug ihm der Raubtiergeruch entgegen. Er hockte in plötzlich ausbrechendem Grauen, in unsagbar atavistischer Angst hin und zitterte. Sei nicht feig, mahnte Graziella und zog ihn vorwärts. Die drückende Leere des Riesenzeltes wurde durch einen Vorhang abgeschnitten, wir standen plötzlich vor seltsam zu- sammengeklumpten Tiermassen, ich dachte unwillkürlich an das Jüngste Gericht Michelangelos in der Sixtina, wo die Leiber gleich Blasen aufsteigen, wie Romain Rolland Jagt. Der Hund stierte die erwachenden gelben Knäuel an, sein Fell sträubte sich und dann — dann geschah etwas Unerwartetes, etwas unsagbar Komisches, etwas Menschliches: er drehte sich einfach um. So, jetzt sah er die Gefahr nicht mehr, jetzt war sie nicht mehr da. Graziella konnte sich einen Löwen aussuchen. Wenn möglich, bitte, einen recht berühmten, einen mit Vergangenheit, ja? Ach da war ja tatsächlich meine Freundin aus Rom,' Miß Europa! In der ,.Quo-vadis“=(Fporf)e hatten wir uns kennengelernt. Sie faßte ihre Rolle etwas zu ernst aus, schlug Nero in die Flucht und riß sich einen Zuschauer aus der Arena. Erinnern Sie sich nicht? Sie bekam ein halbes Dutzend Revolverkugeln in den Leib, Kapitän Schneider sechs Monate Gefängnis und meine Zeitung einen Artikel von mir. Nun waren wir also alle wieder beifammerf. Reizend. Eine Kugel steckte ihr noch im Rücken, und ein Baby hatte sie auch. Im Berliner Lunapark geboren, vom Direktor der Lufthansa getauft, als gerade Köhl und Hüneseld den Ozean überflogen hatten. . . • , Hübsches Baby, historisches Baby, kriminell berühmtes Baby. Graziella war zufrieden und bediente sich. Strolch jaulte wie verrückt vor Eifersucht, versuchte es ihr aus den Armen zu reißen, im Freien mußte die Erfüllung des fellsamen Wunsches vc» sich gehen. Achtzehn Pfund wog der Säugling. * Moderne Frauen und Löwen sind viel auf Reisen. Wir fuhren einmal in Nizza aneinander vorbei, in Prag sahen mir uns von weitern, in Innsbruck hatten wir uns beinahe getroffen, und in Rom kam es wirklich dazu. Es sind gegenwärtig drei deutsche Zirkusse in der Tiberstadt, Busch, Schneider und Hagenbeck. Die Zeitungen behaupten, alle Löwen hätten sich ausgerechnet hier ein Stelldichein gegeben, die gefürd)t;tften Dschungeln könnten froh sein, wenn sie ein so wohlassortiertes Lager brüllender Bestien hätten. Wir gingen in den Wagen 119. Kapitän Schneider, als ihm Graziella den Wiedersehenswunsch- vortrug, verfärbte sich etwas. Es seien inzwischen drei Jahre vergangen, das Baby wiege keine 18 Pfund mehr ... Mit einem Heinezitat — von dem Hündchen still und klein — erklärte Graziella beruhigend, sie wolle es nur streicheln. Miß Europa ist etwas gereifter an die Stätte ihres Filmabenteuers zurückgekehrt. Sie hat, ich will nicht ungalant fein, einige interessante Weisheitsfalten im Gesicht. Der Wärter, grob, wie diese Leute sind, hält sie für ramponiert. Die Kugel steckt noch immer im Rücken. Und das herzige Baby von Würzburg — nun, man konnte es immerhin schon interviewen. Zur Vorsicht stellte sich Kapitän Schneider mit einer eisernen Stange daneben, einer Gabel zwie- gezackt. Er wolle nicht in Versuchung kommen, seine sechs Monate, für die er Bewährungsfrist erhalten habe, tatsächlich abzusitzen. Die Tiere seien hungrig. Interessant. Warum denn, kleine Europa? Gibt's hier keine schmackhaften Happen? Roßkoteletts? Schwer aufzutreiben! Alle verfügbaren Kräfte der Zirkusbesatzung streifen tagaus, lagern in der Campagna herum, aber Pferde sind selten. Ins Wasser gefallene und ertrunkene Kühe gäbe es auch nicht, weil es so wenig Wasser gebe. Die von den Autos geschlachteten Schafe verschwinden auf den regulären Märkten. Ach ja, man habe seine liebe Not. Und dazu die Konkurrenz! Wie die Reise gewesen sei? Hm, hindernisreich. Die italienischen Bahnhöfe haben keine Rampen, man muß die Käfige in die Wagen hineinheben. Wackelige- Sache, das. Und die Wagen sind so klein, man braucht infolgedessen seine sechs bis sieben Sonderzüge. Und der Besuch? Miß Europa drehte sich bei dieser Frage auf die Seite und war nicht mehr da. Fräulein Tochter warf schnippisch die Lippen auf: Sie sehen ja, niemand in der Tierschau! Verdammte Konkurrenz! Mit hundert Löwen auf dem Rücken herumzufahren, sei keine Kleinigkeit, behauptet der Herr Direktor. Heute habe man ihm die Bude gesperrt, weil er zu nahe am Vatikan sei. Und nun noch diese sibirische Kälte! Ja, wenn es damit getan wäre, daß man einen Löwen auf den Arm nimmt ... In diesem Augenblick kam der Rellameflieger und berichtete, daß er keine Flugblätter abwerfen dürfe. Die Polizei erlaube es nicht. Pechvogel, der er ist, war er samt seinem Flugzeug drei Wochen lang beschlagnahmt, weil sie glaubten, er fei der Mann gewesen, der die antifaschistischen Zettel über Rom ausschüttete. Ja, ja, meine Dame, man brüllt nicht ungestraft unter Palmen! Ich möchte jetzt ein Glas Wein haben, sagte Ära« ziella. Boxbeutel aus dem Iuliusspital ... Zeitschriften. — .Die Kunst" (Verlag F. Druckmann 21G. München) legt ein Januarheft vor, das sich durch eine besondere Mannigfaltigkeit seines Inhalts auszeichnet. -- Lieber „Wert und Unwert" heutiger Kunstausstellungen schreibt Georg Jak. Wolf, der Mitarbeiter an der im Münchener Glaspalast vernichteten Romantiker-Ausstellung. Aus dem zeitgenössischen Kunstschaffen wird das Werk des Bildhauers Josef Dernard gewürdigt. Einige seiner typischen Schöpfungen sind in schönen, ganz- feittgen Abbildungen zu sehen. Aus dem Bereich dec Malerei sehen wir Bildnisse des Russen Sorin. Der Maler Birkle zeigt Oberschlesien mit feinen weiten Schutt- und Kohlenhügeln; mit einer geistvollen Plauderei über die Romantik unserer fachlichen Zeit sind Bilder von Reyl-Hanisch ynd Franz Sedlacek verbunden. Ein Doppelwohnhaus. Räume jeder Art, Wintergärten und charakteristische Beispiele aus der neuen Wohnhaus-Archi- teftur. Entwürfe für Dekorationsstoffe, Beleuchtungskörper ufw. bestreiten den zweiten Teil des Heftes. — Die Haltung des Völkerbundes im Man- dschureikonflikt untersucht Prosessor A. Mendelssohn-Bartholdy im Dezemberheft der Europäischen Gespräche (Derlin-Grunewald, Verlagsbuchhandlung Dr. Walther Rothschild) im Rahmen seiner Aufsatzreihe „Gleiches Recht für Alle". - - Umgeben vom Ring der Kleinen Entente und ausgeliesert dem polit.schon Jnteressen- spiel Frankreichs und Italiens, ringt Ungarn um seine innere Form und mag, wenn sie im Sinne der Bestrebungen des Legitimismus gelöst wird, den Kem für eine politische Reugestaltung im Donau decken bilden. Lieber dieses brennende Problem enthält das Heft einen aufschlußreichen Artikel des ungarischen Journalisten Arpad Török unter dem Titel „Ungarn. Habsburg und Frankreich". In einem letzten Artikel behandelt der Züricher Historiker Alfred Stern in „Abrüstungsfragen im Jahre 1831“ ein taktisch und budgetär bestimmtes Spiel zwischen den damaligen fünf Großmächten, das angesichts der kommenden Abrüstungskonferenz ein aktuelles Interesse gewinnt. Oberheffen. Landkreis Gicften. !D L o l l a r, 4. Ian. Zu dem von der K r i e g e r - k a m e r a d s ch a f t „H a s s i a" eingesetzten freiwilligen A r b e i tsd i e n st sind auch drei Mit- glieder der „Hassia"-Jugendgruppe Lollar, nämlich Rudolf Ewald, Heinrich Hettche und Friedrich Zink, cingerückt. Die hiesigen Teilnehmer wurden einem Arbeitskommando im oberen Vogelsberg zugeteilt und erhalten in ihrem Standort Ber- mutshai'n von „Hafsia"-Mitgliedern freie Unterkunft und Verpflegung. * Treis a. d. L d a., 4. Ian. Die hiesigen G e ° werbetreibenden hielten gemeinsam mit Vertretern der Landwirtschaft im Gasthaus Amend eine Versammlung ab, in der unter der Leitung von Herrn Schweinehändler Euler (Treis) über die gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnisse und die immer mehr steigenden Steuerlasten gesprochen wurde. Herr Euler hielt zuerst einen kurzen Vortrag über die wirtschaftlichen Verhältnisse und betonte dabei, daß dem Ausspracheabend keinerlei politischer Charakter eigen sei, sondern der Abend lediglich dem freien Meinungsaustausch gelten solle. Im weiteren Verlaufe der Versammlung sprach das Steuerausschuß-Mitglied Konrad Amend üoer den Haushaltsplan der Gemeinde und erörterte das Für und Wider der neuen Steuern. Dem lehrreichen Vortrag schloß sich eine rege Aussprache an, in der man sich besonders mit der auf den dreifachen Satz erhöhten B ü r ger- teuer beschäftigte. Gleichzeitig nahm man zu dem ünfprozentigen Zuschlag für rück- tändige Steuern Stellung und forderte den Erlaß dieses Zuschlages und die Zurückzahlung evtl, schon gezahlter Beträge. Nachdem noch über die Verteilung der Winternothilfegaben gesprochen war, wurden die Herren Euler (für die Gewerbetreibenden) und Heinrich Berg Höfer (für die Landwirte) beauftragt, einen Antrag auf Stundung der Bürge rst euer, Erlaß des Zuschlags für rückständige Steuern und Rückerstattung bereits gezahlter Zuschläge an die Gemeindeverwaltung zu richten. Zum Schluß wurde angeregt, Versammlungen dieser Art öfters abzuhalten. Kreis Lauterbach. * Lauterbach, 4.Zan. Die Bautätigkeit in unserer Stadt ging im Jahre 1931 — gegenüber den Jahren 1930 und 1929 — wesent - l i ch zurück. Erbaut (begonnen und vollendet) wurde lediglich ein einziges Wohnhaus in der Alexander-Stöpler-Straße, gegenüber 12 bis 15 Häusern in den Vorjahren. Von den im Jahre 1930 begonnenen Bauten wurden ein Einfamilienwohnhaus in der Bahnhofstraße, ein Wohnhaus in der Straße „Am Kreppelstein", eine Autogarage im Högerichsweg und der Aufbau von Stockwerken an zwei Wohnhäusern fertiggestellt. Gebaut wurden im Jahre 1931 außerdem ein Stallgebäude hinter einem Wohnhaus in der Bleichstraße, eine Lagerhalle der Blechwarenfabrik Ritsch: ferner wurde ein Backofen gebaut, eine Fassadenänderung und Renovierung der Apotheke am Markt ausgeführt, ein Bureauanbau errichte^, im Auftrag der Stadt eine Transformatorenstation erstellt und eine Erweiterung des Wasserwerkes ausgeführt. Als Notstandsarbeit ist die Verlegung der Kanalisation in der Straße „Am Kreppelstein" im Gange. Kreis Wetzlar. O Hochelheim, 4.Jan. Eine Einwohner» Versammlung unter dem Vorsitz des Gemeindevorstehers Jung beschäftigte sich dieser Tage mit einer Anzahl kommunaler Fragen der Gemeinde. Nachdem man sich über die Winternothilfe und die P a ch t p r e i s e ausgesprochen hatte, beschäftigte man sich mit der Elektrizitätsversorgung. Der Vorsteher, wie auch der Gemeinderat und die Gemeindeversammlung erklärten übereln- stimmend, daß der von der Preußen-Elektra vorgelegte Vertragsentwurf nicht in Betracht kommen könne, da er die unbedingt notwendige Preisverbilligung nicht bringe. Allgemein wurde als dringend notwendig bezeichnet, daß die Gemeinden, deren Versorgungsverträge jetzt ablaufen, nicht allein mit der Preußen-Elektra verhandeln, sondern gemeinsam vorgehen. Zum Schlüsse wurde noch über die Ver - waltungskosten der Aemter gesprochen und dabei gefordert, daß die Anrechnung der Dienstjahre auf das Besoldungsalter nachgeprüft und eine andere Eingruppierung der Beamten vorgenommen werde. Zum Jmentm'Jiusverfamf 0.65 R5 A In unserem INVENTURAUSVERKAUF vom 6. bis 20. 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Alle Waren entstammen meinem regulären Sortiment, für Ausverkaufszwecke hergestellte Schlager führe ich nicht Bitte benutzen Sie tu den Käufen möglichst den Vormittag JNH.GEORGFALKEN5TEIN/GIE56EN/4ELTERSWEG18 ha Inventur- Ausverkauf Beginn am 6. Januar 1932 Ware raus! Die Zeit verlangt Radikalmaßnahmen Diese Maßnahmen bestehen bei uns in rücksichtslosen Preisherabsetzungen in allen Abteilungen ohne Rücksicht auf den regulären Wert. Ausnahmslos gewähren wir auf alle nicht mit Rotstift gezeichneten Waren 10 /o Rabatt Auf Damen-u. Kindermäntel 20-50% Rabatt Einige Beispiele Solid. Kleidertweed 70 cm breit, der _ dankoare Kleider- LU stotf.......120, 92, MÜS Indanthren-Druck für Schürzen und - Kleider, hübsche /| Muster........... Kopfkissen Kunstseide mm bestickt, QQ 80/80............. OQj) Woll-Nate 70 cm breit, reine - ää Wolle, In moder- 1 Ql] nen Farben..... I ■ V Bettuchbieber 150 cm breit, mm schwere Ware 175,145, UU^ Hohlsaum-Bettuch haltb. 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Januar 1932 Dieses Mal sind die Preise in ganz besonderem Maße so rücksichtslos herabgesetzt, daß unsere Angebote der Inbegriff aller Billigkeit sein werden. Wer uns besucht, wird volle Befriedigung finden. Nicht nur Einzelposten, sondern das ganze Lager ist einer ganz außergewöhnlichen Preisherabsetzung unterworfen. Unsere Preise zeigen Ihnen unsere Leistungsfähigkeit. Fertig-Kleidung aus besten Stoffen bei Vorzüglicherverarbeitung und Paßform Herren-Anzüge M A00 29.- 35.- IS, Herren-Anzüge A KOO 55.- 65.- 75.- bis 95.- 43 Blaue Anzüge Af"00 39.- 48.- 65.- 75.- OÖ Sport-Anzüge JA50 25.- 35.- | N Smoking u. 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Regierung, Reichswehr, Reichsbahn und Forscher gründeten eine Gesellschaft für Lundesorschung. - 70 Hundezuchtvereine mit 100000 Mitgliedern. Hunde-Geburtsscheine sind amtliche Urkunden! — 600 Hunde der Reichsbahn, 2700 Blindenhunde. Don Richard Tlieburg. Die Hot unserer Zeit macht auch vor dem Hund nicht Halt. Beweis. innerhalb eines Jahres ist die Zahl der in Berlin lebenden Hundr von etwa 240 000 auf 180 000 gefallen. Die Hundefeinde freuen sich, daß sie das Gebell nicht mehr zu hören brauchen^ aber es ist doch sehr bedauerlich, daß viele Menschen nun sogar auf den bescheidenen LuxuS verzichten müssen, einen vierbeinigen Freund in ihrem Hause zu beherbergen. Auch die Tierhändler fl-agen darüber, dah der Mensch neuerdings wenig vom Hund wissen will. Auch sie haben schlechte Ce chä t ze te.i; vbSchäechund, ob Schoßhund, das Publikum will nur noch so niedrige Preise bezahlen, dah die Züchter mit Verlust verkaufen müf.en. Eine niedliche französische Bulldogge tummelt sich frei im Laden eines Tierhändlers', sie ist ungewöhnlich klein, wirklich eine Rarität. „3$r normaler Wert ist 1000 Mark', sagt der Händler, „doch würde ich sie heute für 300 Mark verkaufen, aber niemand will sie haben. Auch bei den Hunderassen gibt es Moden. So find jetzt besonders langhaarige Hunde modern, etwa die Scotch-Terrier, für die man mindestens 150 bis 200 Mark bezahlen muh: aber manchmal kommen Kunden, die mir für einen Rassehund 25 Mark bieten! Doggen sind fast ganz aus dem Stadtbild verschwunden, und die früher so beliebten Möpse sind beinahe ausgestorben." Aber die Hundefreunde und die Züchter liehen sich durch die schlechten Zeiten nicht entmutigen. Vor einiger Zeit sind sie im Berliner , mo- logischen Institut der Universität zusammengetom- men, und haben dort eine Gesellschaft für Hundeforschung gegründet, dcren Vorsitzender der bekannte Dire.tor des Berlirer Zoologischen Gartens, Geheimrat Prof. Heck, geworden ist. Wenn die Hunde nicht so gleichgültig gegen menschliches Tun wären, so mühten sie sich über die Wichtigkeit freuen, mit der man ihre Angelegenheiten behandelt. Zur Gründungsversammlung der neuen Gesellschaft erschienen Vertreter des Reichsarbeitsministeriums, des Reichswehrministeriums. mehrerer preußischer Mi.nsterien, des württembergischen Innenministeriums, der Reichsbahn, der Polizei, zahlreicher Universitä- ten, Tierärztlicher Hochschulen, vieler Verbände und eine ganze Anzahl von Forschern. In den Mitgliedslisten der Gesellschaft steht an erster Stelle das Reichswehrministerium. Richt aus sportlichen Gründen sind die Behörden der For- schungsgesell^chast beigetreten. Der Hund spielt eine große Rolle » b>.i verschiedensten Zweigen des menschlichen Lebens, und wenn man durch Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Praktikern seine Leistungen steigern kann, so lohnt es in der Tat die Anstrengung. Das grohe Volk der Hunde, das mitten unter uns lebt, besteht zam grohen. Teil aus Plebejern, die einer Laune der Ratur, einer zufälligen Begegnung ihrer Eltebn das Dasein verdanken Man liebt auch diese „Köter", aber wahre Achtung genießen doch nur die Aristokraten der Hundewelt, die entweder aus einer Hundeschau von Fachleuten ausgezeichnet worden sind oder von solchen edlen Hunden abstammen Die Familienverhältnisse eines vornehmen Hundes sind bekannt, der stolze Waldmann hat einen Stammbaum, und sein Besitzer hat Urkunden darüber, welches Blut in den Adern feines Schützlings fließt. Zahlreiche Hundezuchtverbände sorgen durch die Anlage von Stammbüchern für die Reinhaltung der Rassen Außerdem gibt es seit 1879 in Berlin eine Zentralstelle, das deutsche Hundestammbuch, dem etwa 70 Vereine und Verbände mit 100 000 Mitgliedern angeschlossen sind. Diese Stelle gibt jährlich ein Buch heraus, in dem alle Ramen der neueingetragenen Hunde verzeichnet stehen Es ist sozusagen der jährlich erscheinende Hunde-Gothn Diesem Institut gehören 7600 Züchter an, und jeder von ihnen hat das ausschließliche Recht auf den ihm geschützten „Markennamen", den alle Hunde seiner Zucht als Familiennamen führen Auch für die Rufnamen der Hunde gibt es genaue Regeln Rüden müssen männliche, Hündinnen weibliche Ramen bekommen, deren Anfangsbuchstaben des Alphabets weiterrücken: so werden z. B. die Rüden des ersten Wurfs Aar, Abt, 'XA-*t genannt die Hündinnen Ameise. An sei Anna, und bi: Rn men des zweiten Wur,s beginnen „«....i mit uem Buchstaben B. Der Züchter ruft zwar den Hund gewöhnlich mit irgendeinem anderen Ramen: doch ist im offiziellen Verkehr, etwa auf Ausstellungen, nur der eingetragene Ramen gültig. Er steht auf einem Stammbuchblatt, auf dem sich die Photographie, die Beschreibung und die Ahnentafel des Hundes auf Urkundenpapier befindet. Sozusagen ein Hundepah! Die Ahnentafeln gelten juristisch als Urkunden, und ihr Mißbrauch wird stras- rechtlich verfolgt. Spätestens ein halbes Jahr nach einem Wurf, nachdem sich die Farbe und die Behaarungsart der jungen Hunde nicht mehr ändert, werden die Ramen der jungen Aristokraten dem Stammbuch mitgeteilt, zugleich mit den Anschriften der neuen Besitzer, die nun selbst eine Stammbuchkarte für ihren Hund erhalten. So werden Matrikeln über jeden Rassehund geführt, damit er nicht namenlos in der Welt herumläuft. Freilich beruht daS ganze Verfahren auf Treu und Glauben, Fälschungen sind nicht ganz ausgeschlossen. Man hat sich bisher vergeblich bemüht, die Hunde durch Brandmarken zu kennzeichnen, sie werden durch den Haarwuchs schnell unkenntlich. Das Hundestammbuch dient der Reinhaltung der bestehenden Rassen. Von Zeit zu Zeit tauchen nun neue Arten aus, die der Gesellschaft für Hundcforschung manche Gelegenheit zu Studien bieten werden. Wie entsteht eine neue Hunderasse? Da gab es z. B. in der Mitte des vorigen Jahrhunderts in der Stadt Leonberg einen Stadtrat Essig, der einen Reufundländer mit einer Fleischerhündin kreuzte — und so entstand der „Leonberger". Die Stadt entwickelte sich zum Mittelpunkt einer Hundezucht, aber die Bürger mußten lange kämpfen, bevor ihre „Zuchtbcfohlenen" als eigene Rasse anerkannt wurden. Sehr befamü wurde der Harne des Schinders und Abdeckers Dobermann in Apolda, der mit den von ihm eingefangenen herrenlosen Hunden Kreuzungsversuche anstellte. Cs gelang ihm, aus der Ehe eines Schäferhundes und eines glatthaarigen Pinschers die neue; nach ihm benannte Rasse zu züchten, die durch Stärke, Intelligenz und Draufgängertum | bald allgemeine Anerkennung fand und als Kriegs- und Polizeihund sehr geschäht wird. Freilich muß der Dobermann in mühseliger Arbeit an Puppen und an gut wattierten Menschen dressiert werden, bevor er imstande ist, den rechten Arm eines Verbrechers festzuhalten, ohne ihm an Kopf oder Hals zu springen. Der gut erzogene Dobermann muß einen Menschen zu Fall bringen können, indem er ihm auf den Rücken springt, und er darf sich weder vor dem Knall von Schüssen noch vor Stockhieben fürchten. Ob et auch die Spuren eines Menschen eindeutig verfolgen kann? Run, diese Fähigkeit der Hunde ist in den letzten Jahren oft bezweifelt worden, und auch diese Frage muß von den Hundesorschern noch beantwortet werden. Der Dobermann ist ein nützliches Tier, das sich auch sehr im Dahnschutz bewährt und zur Aufdeckung von Diebstählen unb Ohijinbung von verstecktem Diebesgut beigetragen hat. Roch jetzt sind 600 Spürhunde beim Dahnschutz tätig, und ihre Heldentaten kann man gelegentlich im offiziellen Rachrichtenblatt der Reichsbahngesellfchaft nachlesen. Wichtiger als die Verwendung der Hunde im Dahnschutz ist ein anderes Betätigungsfeld, das man den vierbeinigen Menschenfreunden erschlossen hat. Rach dem Krieg erwies es sich bald als notwendig, den Kriegsblinden Begleiter zu geben, auf die sie sich verlassen können. Es gibt nun eine Deutsche Arbeitsgemeinschaft zur Beschaffung von Führerhunden, der der Reichsdeutsche Blindenverband und der Deutsche Verein für Sanitätshunde in Oldenburg angehören. Dieser Verein hat sich zuerst mit der Ausbildung von Suchhunden für Kriegszwecke beschäftigt und damit Weltruf erlangt. Rach dem Krieg regelte das Preußische Kriegsministerium die Versorgung der Kriegsblinden mit Hunden: im März 1920 waren bereits 870 und Mitte des Jahres 1930 etwa 1500 Kriegsblinde sowie 1200 andere Blinde mit den treuen Tieren ausgestattet. 3m April 1925 gründete der Reichsdeutsche Blindenverband in Breslau eine eigene Spürhundschule, und im folgenden Jahr der Verein für deutsche Schäferhunde in Potsdam eine Dressuranstalt. Die Ausbildung dauert zwei Monate und kostet 400 bis 500 Mk., die aber zum Teil von Vereinen und Behörden getragen werden. Die Besitzer der Blindenhunde sind — wie wäre das in Deutschland anders möglich — wiederum in einem Verband zusammengeschlossen, der 1000 Mitglieder zählt. Fuhrhunde wurden von Deutschland aus in alle Länder der Welt verkauft und verrichten jetzt überall ihre nützliche Arbeit. Damit sind freilich die hervorragenden Leistungen des Hundes nur gestreift, und unerwähnt mußte bleiben, was er als Wächter, auf der Jagd oder als Zugtier leistet. Die Welt des HundeS ist abwechslungsreicher, als man gewöhnlich annimmt, und es ist sehr zu begrüßen, daß sich jetzt eine große Organisation von Fachleuten mit der Erforschung dieser zum Teil noch unbekannten Welt in unserer Mitte besassen wird. Oberheffen. SiadiraiS-Sihung in Buhbach. pb. Butzbach, 4. Ian. Bürgermeister Dr. Jansen führte in der heutigen Sitzung deS Stadtrates zunächst die neugewählten Stadtratsmitglieder in ihr Amt ein. Als zweiter Punkt folgte die Wahl der unbesoldeten Beigeordneten. Im ersten Wahlgang schlug Stadtratsmitglied Seippel das Stadtratsmitglied Ioutz vor, Linkmann (Soz.) schlug Wittig (Soz.) vor, Oppenheimer (Korn.) schlug Speer (Korn.) vor, Prof.Weide war für Wiederwahl der bisherigen beiden Beigeordneten P l o ch und Wittig. Das Ergebnis war folgendes: Ioutz 11, Wittig 6, Ploch 1, Speer 1 Stimme. Ioutz ist somit zum ersten Beigeordneten gewählt. Als zweiter Beigeordneter wurde Wittig (Soz.), Speer (Kom.) und Dr. Schmidt (Rat.-Soz.), ehern. Bürgermeister von Gelnhausen, vorgeschlagen Es erhielten Wittig 8. Speer 1. Dr. Schmidt 9 Stimmen, weiter wurde ein weißer Stimmzettel abgegeben. Es erfolgte Stichwahl da keine absolute Mehrheit für einen der Vorgeschlagenen vorhanden war. In dieser erhielt Dr. Schmidt 10. Wittig 7 und Speer 1 Stimme. Dr. Schmidt wurde somit zum zweiten Beigeordneten gewählt. Hieraus erfolgte die Wahl der UrkundSper- fonen, wobei We ickhardt (Rat.-Soz.) und L i n k m a n n (Soz.) gewählt wurden. AIS Schriftführer wurden Verwaltungsinspektor Weisel und Obersekretär Buß bestimmt. Die Wahl der Ausschüsse wurde vertagt, ebenso die Wahl deS städtischen Kontrolleurs. Landkreis Gichen. h. Lollar, 4. Ian. Gestern abend führte Missionar Lauk, Frankfurt a.QU., den MissionSfilm Iülau, die Tochter des Gcomanten in zwei Vorstellungen für Schüler und Erwachsene bei sehr guter Beteiligung der Gemeinde in der Kirche zu Kirchberg vor. Der Film behandelt Bilder aus dem chinesischen Frauenleben, er ist ein Kulturfilm ersten Ranges, der nicht nur technisch vollkommen ist, sondern auch interessanten Einblick in das chinesische Dollsieben, seine Hoch^eitssitten und Gebräuche, in die Spielleidenschaft, daS Räuberleben, aber auch auf die stille, selbstver- leugnenbe Arbeit der evangelischen Mission gewährt. Cs ist zu wünschen, daß der belehrende und aufrüttelnde Film, der demnächst auch in Gießen gezeigt wird, recht viele Zuschauer findet. * Watzenborn-Steinberg, 4. Ian. Der Gesangverein „Jugendfreund" in Stein- berg hielt am Samstag feine auherordent- lidjc Generalversammlung ab, in deren Verlauf für 25jährige Mitgliedschaft zu Ehrenmit- gliedern ernannt wurden: Wilh. Schmitt, Wilh. Reineck, Karl Kolrner und Gg. Philipp H Ferner wurden für mindestens 25jährigen treuen Singstundenbesuch die aktiven Sänger: Jakob Sommer, fiarl Brückel, Karl Schneider, Ludw. Harnisch. Gg. Jung und Ludw. Schmitt mit der goldenen Vereinsnadel ausgezeichnet. Einem Antrag, frühere Mitgliedsjahrc bei einem anderen Gesangverein bei der Erlangung der Ehrenmitgliedschaft, die in der Regel nach 25 Jahren erst möglich ist, anzurechnen, wurde zugestimmt, jedoch mit der Klausel, daß im hiesigen Verein mindestens noch volle zehn Jahre Beitrag entrichtet werden muß. Musikalische und gesangliche Darbietungen bereicherten den Abend. s. Utphe, 4. Jan. Altbürgermeister August Schneider konnte dieser Tage in erstaunlicher Rüstigkeit seinen 8 7. Geburtstag begehen. Er ist während drei aufeinanderfolgenden Wahlperioden Bürgermeister gewesen, bis zum Jahre 1919. Während seiner langen Amtszeit wurde die Feldbereinigung in unserer Gemarkung durchgeführt. Schneider ist ferner langjähriges Mitglied des GesamtkirchenvorstandeS des Kirchspiels Trais-Horloff, in welche Körperschaft er vor drei Jahren wiedergewählt wurde. Da er über eine eiserne Gesundheit verfügt, kann man ihn im Sommer fast noch täglich mit Feldarbeiten beschäftigt sehen. Kreis Schotten. □ Laubach, 4.Jan. Die Firma Otto Steller, Kolonialwarenhandlung in Laubach, konnte ihr 5 0. Geschäftsjubiläum begehen. Das Geschäft wird heute noch von dem hochbetagten Gründer selbst geführt. — Im abgelaufenen Jahr wurden in die hiesigen Standesamtsregister 31 Geburten (im Jahre 1930 48), 9 Eheschließungen (12) und 58 Sterbefälle (35) eingetragen. Zch hab dir verziehn! Roman von Elotilde von Stegmann-Stein. Copyright by Martin Feuchtwange r, Halle. 8. Fortsetzung Nachdruck verboten. Die Glocke der alten Marienkirche sandte sechs dunkle Schläge über die winterliche Stadt, als Birgit die Granitstufen zu dem väterlichen Hause emporeilte. Durch den unangenehmen Zwischenfall mit dem Betrunkenen hatte sie sich verspätet. So hatte sich auch ihre Hoffnung, Hans Egon noch einen Augenblick zu sehen, ehe er sich beim Vater an- melden ließ, nicht erfüllt, denn schon beim Hereinkommen erkannte sie an der Kleiderablage den dunklen, weichen, englischen Mantel, den Hans Egon am Rachmittag getragen hatte. Während sie ihren Pelz ablegte, den Trina ihr abnahm, strich Birgit mit einer heimlich zarten Bewegung unmerkbar über den leicht nach Juchten duftenden Herrenmantel. „Du!" flüsterten ihre Lippen lautlos. Unwillkürlich näherte sie sich der Tür, die das Herrenzimmer des Vaters von den übrigen Räumen abtrennte. Mit klapsendem Herzen hörte sie die hellere Stimme Hans Egons und die dunklere des Vaters in einem scheinbar ernsten Gespräch. „Mein Gott!" sagte sie vor sich hin und preßte die gefalteten Hände auf das wild schlagende Herz, „gib, daß sich alles zum Besten wendet." Sie wandte sich rückwärts zur Treppe und ging langsam, immer wieder auf den Stufen wie lauschend verharrend, hinauf in ihr helles Mädchenzimmer. Konsul Jürgen Sibelius und Gras Hans Egon von Rauenstein sahen sich in dem schweren, gediegenen Herrenzimmer gegenüber. Der Konsul faßte Hans Egon noch einmal scharf ins Auge. „Ich kann Ihnen den Vorwurf nicht ersparen. Graf Rauenstein, daß die Art Ihrer Werbung Birgit gegenüber einem kleinen HeberfaH gleicht. Es mußte Ihnen bekannt sein, dah meine Tochter aus einem Hause stammt, in dem die alten Traditionen und Formen in allen Dingen des Lebens unverbrüchlich gewahrt werden. So hätte Ihre Werbung erst bei mir vorgebracht werden müssen, ehe Sie sich dem unerfahrenen, jungen Mädchen näherten." . r. Der schöne, junge Mensch senkte wie schulo- bewuht die Augen, seine Stimme nahm einen warmen, zitternden Klang an. „Sie haben nur zu recht, mich zu tadeln, verehrter Herr Konsul. Aber Sie vergessen die Leidenschaft eines stürmischen Herzens, das nicht nach Konvention und gesellschaftlichen Formen fragt, wenn es um das Lebensglück geht." Der Konsul schritt, in schwere Gedanken versunken. in seinem Zimmer auf und ab. Der An» trag des Grafen Rauenstein war chm nicht so überraschend gekommen, wie er sich soeben den Anschein gegeben hatte. Cs war ihm ein leichtes gewesen, durch gute Bekannte von Birgits Interesse für den jungen Grafen zu erfahren und seine Schlüsse daraus zu ziehen , , .. Er hätte gewünscht, und er hatte es auch seit jenem Ball im Hause der alten Erzellenz von Wildburghausen erwartet, dah Birgit zu ihm sprechen würde. Dah sie ihm mehr offenbaren würde, als sie es getan hatte. Es mochte wohl viel mädchenhafte eocham sie gehemmt haben, denn nur scheu und stockend hatte sie es vermocht, den Besuch des Grafen bei dem Vater anzukündigen. Der Konsul sah den Sprechenden ernst an. „Diese Leidenschaft eines stürmischen Herzens, wie Sie es nennen, Herr Gras, mochte vielleicht angebracht fein bei gewissen anderen Damen. Ilm so peinlicher hätten Sie einer Birgit Sibellus gegenüber Form und Rücksicht beobachten müssen. Ihr Vorleben und Ihr Rus, Graf Rauenstein, geben mir, offen gestanden, nicht die Gewähr für das Lebensglück meiner einzigen Tochter. Wären Sie erst zu mir gekommen statt zu Birgit, ich hätte Ihre Werbung — ich muh es Ihnen leider offen sagen - zurückgewiesen. Wie die Dinge allerdings jetzt liegen, muß Birgits Entscheidung auch ins Gewicht fallen. Sie haben also zu Ihren Gunsten eine gewisse Zwangslage geschaffen, Herr Graf." Harrs Egon unterdrückte mühsam ein triumphierendes Lächeln. Also war sein Kriegsplan doch der richtige gewesen. Laut aber sagte er und blickte dabei dem Konsul freimütig in die ernst blickenden Augen: Ich will mich nicht besser machen, wie ich bin, Herr Konsul. Ich habe das heiße Blut der Rauenstein. das mich vielleicht em wenig stürmisch hin- und hergetrieben hat: aber nun, da ich in Fräulein Birgit die Frau gefunden habe, die ich unbewußt in allen anderen gesucht, nun werde ich auch beweisen, dah ich nicht nur das heihe Blut der Rauenstein, sondern auch ihre Treue geerbt habe. Die Verbindung, auf die Sie vorhin angespielt haben, ist gelöst. Die betreffende Dame wird in den nächsten Tagen die Stadt verlassen. Das Gesicht des Konsuls wurde um einen Schein freundlicher. . Das zu hören, ist mir heb. Und nun, Herr Graf, lassen Sie mir Zeit bis morgen. Ich werde heute noch mit meiner Tochter sprechen." Er erhob sich, so das Zeichen zum Ausbruch gebeiid Hans Egon verbeugte sich tief und ging mit elastischen Schritten lautlos über die weichen Perserteppiche, in denen sein Fuß versank, zur Wieder einmal empfand er es mit schmerzlicher Gewißheit, wie unersetzlich eine Mutter im Leben eines jungen Mädchens war, und Noch dazu einer solchen Mutter, wie Birgit sie besessen hatte. Er trat vor das grohe Oelbild über seinem Schreibtisch, das die engelhaft schöne Erscheinung seiner Gattin, der Rose Sibelius, zeigte. Mit umflorten Augen versenkte er sich in die reinen Züge der ihm allzufrüh Entrissenen. „Wie würdest du entscheiden, wenn du jetzt unter uns weiltest, einzig geliebte Frau?" fragte er stumm das Bild. Die grauen, stillen Augen in dem beseelten Frauenantlitz sahen zu dem Einsamen hernieder, als lebten sie und als wollten sie auf seine stumme Frage antworten, ünb plötzlich, er wußte nicht, woher es kam, schwang es wie körperlich im Raum, wie gehaucht von einer geisterhaften Stimme: jenes Wort, das der alte Domprobst ihnen dereinst am Traualtar auf den Lebensweg gegeben hatte - den herrlichen Spruch aus dem Korintherbriefe: „Unb nun bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen." Ein befreites Aufatmen kam aus der Brust des einsamen Mannes: „Du hast mir wieder einmal den Weg gewiesen, geliebte Frau: wo Liebe ist, da muh auch Segen sein. Birgit ist unser Kind, sie wird die Liebeskraft unserer Herzen besitzen, und diese Liebeskrast wird selbst einen schwankenden Charakter wie den ihres Erwählten stützen können." Er löschte das Licht aus und ging langsamen Schrittes durch die Halle hinaus zu den Wohn- gemä )em und dem kleinen weihen Mädchenzirn- nur. das Birgit von ihrer Mutter übernommen hatte. Birgit hatte ihre Filetarbeit schon zum zehnten Male aus der Hand gelegt und wieder aufgenommen. Ihre Unruhe war von Minute zu Minute gewachsen. Warum rief man sie nicht hinunter? Was hatten die beiden Männer einander so Schwerwiegendes zu sagen, dah sie, Birgit, noch immer nicht dabei sein durfte? Eine beklemmende Angst wollte ihr Herz zu- sammenpressen. Wie, wenn das Glück, das sie schon so nahe berührt hatte, im Lebten Augenblick an dem Widerstand des Vaters zerschellt wäre? Wie, wenn Hans Egon etwas zu beichten gehabt hätte, was ihn für immer von ihr trennen muhte? Hatte sie nicht oft genug im Kreise der jungen Mädchen, mit denen sie verkehrte, flüstern hören von dem geheimnisvollen Leben, das die jungen Männer der Gesellschaft auherhalb dieser Gesellschaft führten? Waren nicht Ramen gefallen von leichtfertigen Mädchen und Frauen? Sie selbst hatte solche Gespräche immer gemieden — sie wollte nichts wissen von einer Welt, die ihr unrein erschien und von dämonischer Düsterheit war. Aber jetzt, in dieser Qual des Wartens, tauchten Erinnerungen aus an Gespräche und geflüsterte Q3em er hingen und erschreckten ihr unschuldiges Mädchengemüt. Sollte es möglich sein, dah ihr schöner, männlicher, stolzer Hans Egon verstrickt war in etwas, was jener Welt angehörte? Und, wie um diese qualvollen Gedanken noch zu verstärken, trat im gleichen Augenblick der Konsul Sibelius ein mit einem Gesicht, dessen ernster Ausdruck ihr einen leichten Aufschrei entlockte. „Vater, du kommst allein?“ Der Vater zog ihren Kops an seine Brust. „Ruhig, mein Liebling, ich werde dir alles erklären." Er nahm auf dem kleinen, buntgeblümten Biedermeier-Sofa Platz und forderte mit einer fünften Gebärde seine Tochter auf, sich zu chm zu setzen. Unterdrückte Erregung vibrierte in seiner Stimme, als er leise begann: „Hier auf diesem Sofa, mein geliebte# Kind, habe ich mit deiner Mutter gesessen und über dich und unsere Hoffnung auf dich gesprochen, noch ehe du das Licht der Welt erblickt hattest. Ich wollte, Gott hätte es so gefügt, daß auch in dieser Stunde deine geliebte Mutter bei uns weilen und du ihr dein Mädchenherz so erschliehen könntest, wie du es selbst dem geliebteften Vater gegenüber nicht vermagst. Wie soll ich es anfangen, dir meine Besorgnisse auszusprechen, ohne deine Seele zu verletzen? Der Mann, den du dir erwählt hast, hat zweifellos glänzende äußere Eigenschaften: er ist schön, jung, elegant, er hat alles, was ein so unschuldiges Mädchenherz, wie das deine, betören kann — aber einen erfahrenen Mann, wie mich, täuscht solche glänzende Außenseite nicht hinweg über gewisse innere Mängel, die er zu besitzen scheint" Birgit hatte während der Worte des Vaters ihr Gesicht an seiner Schulter verborgen. „Was ist es", fragte sie mühsam und leise, „was du an ihm vermißt?" Der Konsul wiegte den Kopf bedächtig hin und her. „Es fällt mir schwer, gerade das zu erklären. Graf Rauenstein ist mir beinah zu schön, zu gewandt, zu leicht geneigt, etwas zu unternehmen. Ich hätte mir für meine einzige Tochter einen Mann gewünscht, der vielleicht weniger äußeren Glanz und dafür mehr inneren Wert aufweisen könnte. Ich fürchte, dah durch diesen Mann eine gewisse Leichtigkeit der Lebensauffassung in unsere Familie hineinkommt — eine Lebensauffassung. die auch letzten Endes deiner schweren und innerlichen Art nicht entspricht." (Fortsetzung folgt.) Restposten u. Einzelpaare ermäßig! Rabatt Rabatt Bahnhofstraße 60 Auf alle übrigen Schuhe trotz billigster Preise I teilweise Itakbls Auf sSmfl. Oberschuhe Schuhe I* Ausverkauf „Inventur- vom 6. bis 16. 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Ser ^^nn.UcH — «-*—* turen, und " SPARE DURCH. ctaNPARP die Marke, zu der die ganze Welt Vertrauen hat. Oll SWS §§§§§ ML §§§§§§ §§§§ §5§5§§§§ §5§§§§§5§§ §§§§§§§§555 §§§§ §§§§§§ §§§§§§§ §§§§§§J §§§§5§§§§§§§§§5§§§§§§§ 5§§§§§§§§5§§§§§§§§§§ §5§§§§§§§§§5$h§§§§§ §§5§5§§5 §§§§§§555 §§§§§§§§§ §§§§§§§§§ §§§§§§§§i §§§§§§§§1 i f Er l L ■ l & geill INVENTUR ■■ AUSVERKAUF §$'§55555555555 WH 2 5§§§§§§§§§§|§§ H W W B WMUß Ie II I ■ Gesetz 5HK§§§§§§§ beginnt morgen unser großer des Kaufhauses ,. '7.Ä:'rL--222L 5 4 ., »«säSSsS Ware «* R,e° 3 »f» iederhatdte $Kh xu ft ß dle oeiegenh«» wtt ®"fe' « S U “ledrise« P»®'i Krätten au««"" versorg®"*na - “““ tun »l0S AU$,ahrUn..=- „. O nusvet»1" de, salso« "W® *" aXar a.ualon OU»t«’Q"fU"?1a Was«« %3 xÄ.-j-isrt—* O gewann «undehat ö’«''rellhaft n e? jeder n|e *® * jet*1 ln t7 Ä“' - ....... Paris, 6Ji 6effätigt, das, a 3ol|d)aflet! der Hotbeteilun Nachdem man \ Belli« au, । gefrotenen einigt W. paralionsfonfet der 18. 3an tung wegen de lamentssihung persönlich o menlsarbeilen li schlagen, die 4« um einige Tage nuar zu ver tung sei gruai Moratoriun 1. Juli 1934 Bedingung, daß Annuitäten gezahlt würd i hoovermoratoriu Summen in Jon Reichsbahn Nie 6ch Hnndespräfid in 8 Lern, 5. 3c 4. Januar 1932 Wsionschess bei - leiliglen Staaten । gtleilt, dah Reparation' abhatten zu schlossen, dies« Er hot das pol Gesandtschasten geben. Der B össnungssihung der an der ko send [ein. Di "ach ihre Sit Vuchy am Ge die Friebenskons kei. Dian rechn Vhlreichen pre lekretär der Sekretär des eng Jan (eg bestell Meren internal unö im Haag äh Zributfonferen) mit ber wah Der Heftige Poi die Rcv L°ris 5. MA de To ^reichen, äußc 7" Sinne. Das Ja1? 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