Dienstag, 4- Oktober 1952 Nr. 233 Svübaussave 182. Jahrgang WelwrtsKaWoilserenz Wang 1933 in London gebend ist, soweit an diese gegenwärtig überhaupt Abrüstungsprobleme her angebracht werden sollten. 1 Genf, 3. Oft. (TU.) Der vom Völkerbundsrat eingesetzte Ausschuh zur Beratung über die Einberufung der weltwirtschaftskonferen; trat am Montag unter dem Vorsitz des englischen Auhenministers Simon zusammen. Dem Ausschuh gehören die Vertreter von Deutschland, Italien, Belgien, den vereinigten Staaten, Norwegen, Japan und Frankreich an. Der Ausschuß beschloß nach mehrstündigen Verhandlungen, die IDeltroirt- fchaftskonferenz zu einem möglichst frühen Zeitpunkt Anfang hes nächsten Jahres nach London einzuberufen. Es wurde vereinbart, dah während der auherordentlichen Völkerbundsversammlung im November der Ratsausschuh erneut zusammentreten soll, um den Zeitpunkt festzusehen. Ferner hat der Engere Ausschuh den Großen beratenden Sachverständigenausschuh zum 31. Oktober nach Genf einberufen, der das gesamte Programm der kommenden Weltwirtschaftskonferenz ausarbeiten sowie die gesamten sachlichen Vorbereitungen treffen soll. Der Ausschuh hat u. a. weiter lassen und ähnliche Organisationen) einen besonderen Zahlungsverkehr ins Leben zu rufen. Ein solches Verfahren, heißt es in dem Erlaß, begegne schwerwiegenden Bedenken. Es handele sich um eine neue Art der Geldschöpfung, die ernste währungspolitische und kreditpolitische Gefahren in sich schließe. Soweit an solchen Verfahren Gemeinden und Gemeindeverbände beteiligt sein sollten, soll diese Beteiligung sofort aufgegeben werden und neue Beteiligungen sollen nicht mehr erfolgen. Genf, 3. Ott. (LU.) Die Genfer Meldung der amtlichen französischen Nachrichtenagentur, nach der Kreise der deutschen Abordnung in Genf friedk;rtiger gestimmt seien als die Reichs re gier ung und sogar eine Grundlage für einen Kompromiß in der Gleichberechtigungsfrage suchten, hat auf deutscher Seite großes Erstaunen erregt. Der Versuch von amtlicher französischer Seite, eine Trennung zwischen der Reichsregierung und der deutschen Abordnung in Genf festzustellen, muß ganz energisch zurückgewiesen werden. Es versteht sich von selbst, dah die Haltung der Reichsregierung auch für die Haltung der deutschen Abordnung in Genf maß- Weitgehende Reform in der englischen Flotte. London, 3. Oft (TU.) Der Marinekorre- spondent des „Daily Telegraph" meldet, daß weitgehende Umänderungen in der Organisation der englischen Flotte geplant sind, die schon ziemlich bald in Kraft treten sollen. Die heimatflotte und die Dlittelmeerftofte sollen in eine Flotte zusammengefaht werden, die sich auf die heimischen Gewässer stützt. 2m Mittelmeer soll nur noch ein Verband verbleiben, der aus leichten Fahrzeugen, Kreuz-ern, Torpedobooten, Unterseebooten und Flugzeugträgern mittlerer Größe besteht. Die Admiralität will dazu übergehen, kleinere Typen für alle Schiffsklassen zu bauen. Da die Durchführung dieser Pläne von der Mitarbeit der Dominions abhängt, so wurde diese Frage während der Ottawaer Konferenz besprochen, wobei die englischen Minister eine unerwartete Bereitwilligkeit der Dominions Kanada, Australien und Neuseeland feststellten, ihre Verpflichtungen in der gemeinsamen Sache des englischen Weltreiches anzuerkennen, so daß mit einer Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°,„ mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Dietzen. Amerika und die Abrüstungsfrage. Was -er amerikanische Delegierte Davis zustande bringen soll Preußen und das Reich. Erklärungen des preußischen Landiagspräsidenien Kerrl beschlossen, außer den zu der weltwirtschaftskonferen; bereits eingeladenen Mitgliedsstaaten des Völkerbundes und den vereinigten Staaten noch folgende Mächte zur Teilnahme an der Londoner Weltwirtschaftskonferenz einju- laden: Afghanistan. Brasilien, Lostarica, die Freie Stabt Danzig, Aegypten, Ecuador, hedschas, Island und Sowjetrußland. Oie deutsch-holländischen Kontingentierungsverhandlungen. Haag. 3. Okt. (WTB.) In der Dormittagssitzung der deutsch-holländischen Kontingentsbesprechungen gab die deutsche Delegation eine eingehende Darstellung der Auffassung und der Pläne der deutschen Regierung, wobei der Nachdruck auf die Notlage der deutschen Landwirtschaft gelegt wurde. Im Anschluß daran traten die Holländer zu einer besonderen Beratung zusammen, um sich über ihre Haltung schlüssig zu werden. Verbot der bargeldlosen Arbeitsgemeinschaften. Berlin, 3. Okt. (CNB.) Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat Dr. Bracht unter dem 27. September einen Erlaß über bargeldlose Arbeitsgemeinschaften her- ausgegeben, der sich gegen die Versuche richtet, durch Schaffung sog. Girogeldes oder dergleichen und unter Mithilfe besonderer, zu diesem Zwecke gebildeter »Arbeitsgemeinschaften" (Ausgleichs- London, 3. Okt. (WTB.) In der „Times" berichtet heute der Washingtoner Korrespondent des Blattes, daß Norman Davis, der in offizieller Mission nach Genf reiste, um,an den Dorbereitungen für die Weltwirtschaftskonferenz Anteil zu nehmen, auch den Auftrag erhalten hat, darauf hinzuweifen, daß der Hoover- s ch e Abrüstungsplan eine Lösung für den jetzigen Stillstand in den Abrüftungsverhanidlungen biete. Davis soll in London eine lange Unterredung mit Sir John Simon gehabt haben, in deren Verlauf vereinbart worden sei, daß der Hoover-Plan als Grundlage für die künftigen Abrüstungserörterungen benutzt werden soll. Der Korrespondent ist der Meinung, daß das Staatsdepartement jetzt bezüglich der Aussichten auf Annahme des Planes optimistischer fei, und zwar hauptsächlich wegen der deutschen Forderung und deshalb, weil geglaubt werde, Europa begreife allmählich, daß Frankreich einige Zugeständnisfe an Deutschland machen müsse und daß die praktischste Lösung eine französische Rüst ungsein schränk ung und nicht eine Aufrüstung Deutschlands wäre. Das Staatsdepartement sei auch durch Berichte über eine Stärkung der Stellung herriots durch den Ruck nach links in Frankreich ermutigt. Der Leitartikel der „Times" vom Freitag über die Notwendigkeit einiger Zugeständnisse in Richtung auf Gleichheit habe viel Interesse hervorgerufen, wenn auch die Regierung, getreu ihrem Standpunkt, daß die Vereinigten Staaten kein direktes Interesse an dem Versailler Vertrag hätten, Zurückhaltung übe. Hendersons Kompromißformel. c o n d o n, 3. Okt. (LNV.) Der Genfer Korrespondent des „Manchester Guardian" meldet: Trotz amtlicher Dementis steht fest, dah Henderson vor seiner Abreise aus Genf h e r r i o t den Entwurf der beabsichtigten Erklärung mitgeteilt hat, die vom Bureau der Abrüstungskonferenz angenommen werden soll. Die Erklärung geht dahin, dah die zukünftige Abrüstungskonvention auf folgenden drei Grundsätzen basiert sein soll: 1. Kein Aufrüsten der augenblicklich durch Friedensverträge beschränkten Mächte. 2. Verminderung der Rüstungen der anderen Mächte. 3. Die formelle Anerkennung der gleichen Rechte für alle Vertragsparteien. Der Korrespondent saht Hendersons Formel dahin auf, dah sie keine Erwähnung des Einschlusses des TeilsV des Versailler V e r t r a g s in die Rüftungskonvention enthalte und anderseits klar die Annahme der Verlragsbestimmun- gen über die qualitative Abrüstung aller Mächte bedeute. Ls könne nicht feftgestellt werden, ob Sir John Simon Hendersons Formel zuge- ftimmt habe. Die britische Delegation lehne die Verantwortung für den Entwurf der Formel ab. Französischer Wink nach London. Paris, 3. Okt. (WTB.) Marineminister Len- g u e s hat gestern bei einer Veranstaltung in Casfe- neul eine politische Rede gehalten, in der er auch auf außenpolitische Fragen zu sprechen kam und beteuerte, daß Frankreich zwar 'ben Fried en wolle, aber den Frieden in Sicherheit gemäß den Grundsätzen der Artikel 8 und 16 «der Völker- bundssaHüNg. Das Ausland sei ebenso an der moralischen Sanierung der Welt, der Beseitigung des Hasses und der Rückkehr zum normalen Leben interessiert, wie Frankreich. Das Ausland wisse, daß Gleichheit der Rüstungen zu Lande automatisch die Gleichheit der Rüstungen zur See nach sich Ziehe, und daß damit alles in Frage gestellt sei. Er unter» schreibe im übrigen herrio'ts Ausspruch, daß Frankreich auf der restlosen Achtung des Versailler Vertrags seine Doktrin und seine Aktion aufbaue. (Sin übles Manöver der Havasagentur. Auf jeden Fall bringe der preußische Staatskommissar den Staatsgerichtshof hierdurch in eine peinliche Lage. Zu den in letzter Zeit viel erörterten Plänen auf V er re ich l i ch u n g Preu- ß e n s erklärte Landtagspräsident Kerrl u. a.: „Es ist nun einmal eine Tatsache, daß vorläufig noch eine Reichsverfassung besteht, deren Innehaltung der Herr Reichspräsident beschworen hat, und daß ebenso in Preußen eine Verfassung vorhanden ist, über deren Beachtung der Landtag und mit ihm das Volk wacht. Wozu also Pläne auf Reichsreform tragisch nehmen, die das Kabinett v. Papen im Schubfach halten muß, weil sie nur durch einen Verfassungsbruch durchführbar wären " — Auf die Frage, wie er Persönlich zu den Plänen auf Derreichlichung Preußens stehe, erklärte Kerrl, daß die nationalsoziali- stische Bewegung feit ihrer Gründung die Beseitigung des Dualismus Preußen — Reich und die Herstellung der dazu notwendigen Personalunion verfolge. Die Verwirklichung des dahin gerichteten Ctrebend sei aber — und das habe er, der Landtagspräsident, auch dem Reichspräsidenten vorgetragen — im Rahmen der vorhandenen Verfassungen und bei der Zusammensetzung der Parlamente nur möglich, wenn ein vom Preußischen Landtag gewählter Mini st erpräsident zum Reichskanzler ernannt werde. Die Verwirklichung der Ziele auf Reichsreform werde erst möglich fein, wenn Der Reichskanzler von Papen selbst den Reichskanzlersessel geräumt habe, weil chm die vertrauenspendende Mehrheit im Reichstag und im Landtag und damit auch im deutschen Volk versagt bleiben werde. erheblichen Verstärkung der Flotten der Dominions in absehbarer Zeit gerechnet werden kann. Endlich sollen noch Aenderungen in der Ausbildung des Osfiziernachwuchses geplant sein. Das Marine-Kadettenkorps von Dartmouth soll abgeschafft werden, die Anwärter sollen von der Schule her in die Marine eintreten können. 3m Zusammenhang hiermit wird erwogen, den Offiziernachwuchs wieder auf Segelschiffen auszubilden. Die Gründe für die Konzentrierung der Flotte seien darin zu suchen, dah Englands Seemacht im vergleich zu anderen Marinen verhältnismäßig schwächer geworden sei. Vor zehn Jahren habe England Wert auf die Erhaltung seiner Stellung im Stillen Ozean legen müssen, fjeute habe es außerdem dringende Verpflichtungen im Mittelmeer, im Kanal und in der Nordsee, denen die jetzige Verteilung der Flotte nicht genügend Rechnung trage. England besitze keine „Westentaschen-Panzerkreuzer", schwergepanzerte Kreuzer und große Torpedobootzerstörer, wie andere Nationen, und es sei durch die Verträge an deren Bau verhindert. Seine Kreuzer und Zerstörerflotte reiche nicht zum Schutze von Geleitzügen und des Handels auf den Meeren aus. Gietzeim Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: vrühl'lche Univeisstttt§-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Stehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. Lrschernr tägltd), außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats Bezugspreis: Mil 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt om Main 11686. München, 3. Okt. (TU.) 3n einer Unterredung mit dem Hauptschriftleiter des nationalsozialistischen Zeitungsdienstes äußerte sich der Präsident des Preußischen Landtages, Kerrl, über das gegenwärtige Verhältnis zwischen der preußischen Volksvertretung und der kommissarischen preußischen Regierung. 3m Zusammenhang mit seinem Vortrag beim Reichspräsidenten erklärte der Landtagspräsident u. a.: Praktisch ist allerdings insofern noch kein Erfolg eingetreten, als die kommissarische Regierung ihr Verfahren noch nicht geändert, sondern eher verschärft hat. Dies hat mich nicht enttäuscht, weil ich als selbstverständlich annehme, daß der Herr Reichspräsident Zeit zur üebeilegung und Nachprüfung der von mir vorgetragenen Auffassung braucht. Meine — und ich darf sagen — die Auffassung der Mehrheit des Landtages geht dahin, daß die kommissarische preußische Regierung insofern allein dem Reichspräsidenten verantwortlich sein mag, als ihre Maßnahmen die Wiederherstellung von Ruhe und Sicherheit betreffen, daß sie aber im übrigen unbedingt die Rechte des preußischen Volkes und des durch seinen willen gewählten Landtags, wie sie in der preußischen Landesverfassung niedergelegt sind, achten und beobachten muß. Sie bleibt, ob sie das anerkennt oder nicht, dem Landtag v e r a n t w o r t l i ch, hat die von ihm gefaßten Beschlüsse und verfassungsmäßig zu- standegekommenen Gesetze durchzuführen, und die Minister haben, sobald ihr Erscheinen von dem Landtag oder den Ausschüssen verlangt wird, diesem Verlangen Folge zu leisten. 3ch werde keine Mühe scheuen, die Beachtung dieser verfassungsmäßigen Rechte des Landtags, die Rechte des Volkes sind, mit allen Mitteln durchzusehen. 3n der Ernennung der Beamten, die gleichzeitig Vertreter Preußens im Reichsrat sind, sieht Landtagspräsident Kerrl eine Bestätigung dafür, daß die kommissarische Regierung gar nicht daran denke, sich auf die Wiederherstellung von Ruhe und Sicherheit zu beschränken, sondern auf andere gewisse Ziele hinsteuere. Oer Wahlaufruf der Deutschen Bolkspariei. Berlin, 1. Oft. (CNB.) Die Parteileitung der Deutschen Volkspartei erläßt einen Aufruf zu den Reichstagswahlen, in dem es heißt: „Laßt den Männern der Regierung, laßt den Beauftragten Hindenburgs erst einmal die Möglichkeit zur Arbeit. Vernichtet nicht durch den Machtdünkel von solchen Parteien, die nur gemeinsam zerstören, niemals gemeinsam arbeiten können, die letzten Hoffnungen auf Ruhe und Ordnung. Nationalsozialisten, vorher die ärgsten Feinde des Parlaments und der Parteien — heute sind sie im Bunde mit den Marxisten und Kommunisten die „Hüter" des Weimarer Parlamentarismus! Die Deutsche Dolkspartei hat ftüh genug gewarnt! Man wollte uns nicht hören! Wir forderten die Reform der Verfassung, ein Oberhaussachkundigerunderfahre- ner Männer. Wir forderten Autorität für den Reichspräsidenten gegenüber dem Partei- Parlament, Befreiung der Unmündigen von der Parteipolitik! Wir fordern die freie Wirtschaft, damit sie zeigen kann: „Freiheit, nicht Zwangsstaat schafft Arbeit und Brot!" Wir wollen Schutz unserer Jugend, Erhaltung christlicher und deutscher Kultur, Wahrung unseres W e h r w i l le n s! Dies alles find auch eure Ziele, sind die Ziele Hindenburgs! Wem wollt ihr folgen: Dem Propheten derMafsen, der sich voll Anmaßung einer göttlichen Sendung rühmt, der die Uebeltäter von Beuthen als seine Kameraden begrüßte, deren Ehre auch seine Ehre sei, dem Manne, der vor dem greisen Feldmarschall seiner 43 Jahre sich brüstet, der die Diktatur seiner Partei und alle Macht für sich fordert? Oder dem großen ernsten Manne, dessen göttlicher Auftrag durch die Geschichte erwiesen ist! Dem Heros unseres Volkes, der die Verkörperung des deutschen Gewissens ist, der unser Halt, unsere feste Stütze bleibt, wo alles ringsum wankt. Nicht Brüning, Hitler, Breitscheid oder Thälmann, sondern allein Hindenburg!" Oer Weg der Bayerischen Dolkspartei. München, 3. Okt. (TU.) 3n der Sitzung des Landesausschusses der Bayerischen Volkspartei am Montag hielt der Parteivorsitzende Staatsrat Schäffer eine Mede über die weitere Politik der DVP. und über die Haltung der Partei im kommenden Wahlkampf. Staatsrat Schäffer führte u. a. aus: Die Notverordnungspolitik des Reiches, die auf einen unerträglich gewordenen Mißbrauch des Artikels 48 der Reichsverfassung beruht, birgt die Gefahr einer Erschütterung des Rechtslebcns iit sich. Darum muh es Pflicht jeder Reichsregierung und jeder staatstreuen politischen Richtung in Deutschland sein, die Arbeitsfähigkeit der gesetzgebenden öffentlichen Körperschaft im Reich möglichst rasch her- zustellen. Die DVP. ist bereit, ihre Stimme jeder Regierung zur Verfügung zu stelleir, die Aussicht hätte, mit einer Mehrheit im Deutschen Reichstag zusammenarbeiten zu kön en. Die Partei begrüßt eine deutsche Außenpolitik, die mit wirklicher äußerer und innerer Stärke, aber auch mit Klugheit um die deutsche Freiheit und Gleichberechtigung ringt. Eine Außenpolitik, die Lautstärke mit ihrer Stärke verwechselt, und die allzusehr militärisch betont ist, kann dem deutschen Volke keine Erfolge und Fortschritte bringen. Die Partei tritt nach wie vor für die Reform der Reichsverfafsung ein. Das Derfassungsziel der DVP. ist gleichzeitig ein Kampf gegen den Zentralismus. Schon der Weg der Verfassungsreform muh föderativ sein und unter maßgebender Mitbestimmung der deutschen Länder und der Vertretung der deutschen Länder im Reichsrat begangen werden. Die Partei wendet sich gegen jegliche Absicht, die Reichsreform unter Zuhilfenahme des Artikels 48 durchführen zu wollen. Dem Mißbrauch mit dem Artikel 48 mutz ein für allemal ein Ende bereitet werden, entweder durch ein Ausführungsdekret zum Artikel 48, das einfacher Mehrheit bedarf, oder durch eine Aen - derung des Artikels 48 derart, dah dieser Versassungsparagraph künftighin nur im Einvernehmen von Reichspräsident und R e i ch s r a t gehandhabt werden darf. Ganz offen lehnt die DVP. vas Spiel der ewigen Reichstagsauflösungen ab. Eine neuerliche Reichstagsauflösung muß als offener Verfassungsbruch betrachtet werden. Am 6. November geht es erst recht darum, Dayerns Stimme im Geschehen der deutschen Politik laut unö deutlich zur Geltung zu bringen. Eröffnung der Deutschen Lustsport. Ausstellung in Berlin. Großer Z-luatag in Tempelhos. - Vorführung eines großen Luftangriffs. Die d e u t f ch e Lufts Portausstellung Berlin 1 932 (D e la), die zum erstenmal in diesem Umfang die Entwicklungsgeschichte der Lust« schiffahrt zeigt, rourtie in Gegenwart von etwa 1000 Ehrengästen eröffnet. Es waren Vertreter fast sämtlicher Reichs, und Staatsbehörden, der Wissenschaft und Wirtschaft, sowie zahlreiche Vertreter des diplomatischen Korps erschienen. Außerdem die bekanntesten Pioniere auf dem Gebiete der Luftschiffahrt. Oberbürgermeister Dr. S a h m betonte in seiner Begrüßungsansprache, daß Ausstellungen sich heute nicht nur darauf beschränken dürften zu zeigen, was geleistet worden fet, sie müßten sich vielmehr bewußt in den Rahmen der Kräfte eingliedern, die gewillt und entschlossen seien, Herr zu werden über die entscheidenden Aufgaben der Gegenwart und Zukunft unseres Volkes. Der Vorsitzende des geschäftsführenden Präsidiums der Dela, Staatsminister a. D. Dominicas er- klärte u. a.: die Frage, ob man es in der heutigen wirtschaftlichen Notzeit verantworten könne, zugun- sten des Flugsportes eine solche Ausstellung aus- zubauen, könne unbedenklich bejaht werden. Der Flugsport könne von sich sagen, daß er ein Pionier der Wissenschaft, der Wirtschaft und des Verkehrs gewesen sei. Der deutsche Luftsport lebe zur Zeit unter ganz besonderen Bedingungen. Er leide nicht nur unter den Auswirkungen der allgemeinen Bot, sondern sei darüber hinaus durch ganz besondere Beschränkungen belastet. Am heuigen Tage zieme eS sich, wieder einmal mit aller Offenheit darauf binzuweisen, daß noch heute daS Pariser Luftfahrtabkommen von 1926 bestehe, das den deutschen Behörden die materielle Unterstützung des Motorflugsports untersage. 3m Sportleben gelte daS Wort „Fair p I a y". Man warte in Deutschland schon jahrelang darauf, daß die elementaren Forderungen des Sport- lebens von den anderen Nationen Deutschland gegenüber auf dem Gebiete des Motorflugsports anerkannt würden. Neichsverkehrsminister Freiherr v. Gltz-Rübe nach überbrachte die Grüße deS Reichspräsidenten und sprach folgenden Sröffnungsspruch: 3ch gedenke der Wiedererweckung der deutschen Luftfahrt auS tödlicher Lethargie durch die Hochleistungen der ersten Segelflieger auf der Rhön! Ich gedenke der Opfer an Blut und Gut, welche die deutsche Jugend für den Luftsport und damit für die Erhaltung des Luftfahrtgedankens m einem Jahrzehnt schwerster auhenpoltp'cher Kne- belung und drückendster wirtschaftlicher Rot gebracht hat! Das Baterland wird dieser deutschen Jugend für ihr „Dennoch" ewig Dank wi!,en. Ich danke allen, di« sich um die Abstellung verdient gemacht haben. Der deutschen Luftfahrt wünsche ich Freiheit und Kraft! Ich eröffne bte Deutsch« Luftsportausstellung. Der vom Deutschen Suflfahrtverband auf dem Flugplatz Tempelhof veranstaltete Vela-Flugtag gestaltete sich zu einem vollen Erfolg. 25 000 zahlende Zuschauer hatten sich eingefunben._ Die Flugveranstaltung begann mit einem Geländerennen. Fünf Albatrosflugzeuge führten dabei einen Gruppenflug vor und zeigten wohlgelungene Zormationswcchsel. Einen außerordentlichen Eindruck von den Leistungen des schnellsten europäischen Verkehrsflugzeuges gewann man aus dem Flug des schweizerischen FliegerS Mittel- Holzer. der eine Geschwindigkeit von reichlich 300 Kilometer in der Stunde entwickelte. Den Höhepunkt der Beranstaltung bildete ein Luftangriff auf eia Jndustriewerk, der von 95 Flugzeugen ausgeführt wurde. Mit diesem Luftangriff wurde ein Massenfchauspiel geboten, wie es in Deutschland noch nicht gezeigt wurde, wie es aber in jeder französischen oder englischen Kleinstadt heute zu den üblichen Sonntagsveranstaltungen gehört. Alle 95 Flugzeuge waren gleichzeitig in der Luft. Eine am Südrande des Flughafens gelegene Fabrik war als Angriffsziel ausersehen. Durch die Warnvorrichtung wurde d;e Belegschaft der Fabrik, die in diesem Falle als em kriegswichtiges Werk angesehen wurde, alarmiert, um in die Unterstände abzurücken. Gleichzeitig mit dem Warnsignal erfolgte die Vernebelung des Wer« kes, gegen das nun die Flieger ihre Angriffe richteten. Die Flugzeuge stießen durch die Nebelbank durch und warfen ihre Bomben auf das Werk und bewiesen damit, daß jeder passive Luftschutz unzulänglich ist, wenn er nickt durch militärische Abwehr von der Erde aus, durch Flugzeugabwehrkanonen aus der Luft und durch militärische Flugzeuggefchwader er- 0 werden kann. Der Ernst der Lage, in der sich chland im Kriegsfälle befinden würde, wurde den Zuschauern so aufs deutlichste vor Augen geführt. Der Angriff mußte trotz der passiven Abwehr als voll gelungen betrachtet werden. Das Werk wäre im Ernstfälle restlos zerstört worden. Empfänge bei Hindenburg. Berlin 3. Okt. (TU.) Der Reichspräsi- dent empfing heute vormittag eine Abordnung des Deutschen Reichskriegerbundes „Kyff häuf er" unter Führung des Generals der Artillerie a. D. v. Horn, der ihm die Glückwünsche der im Kyffhäuserbund zusammengeschlossenen deutschen Äriegeroereine überbrachte. Anschließend empfing der Reichspräsident die Bundesführer des St a h l he l m s zur Entgegennahme der Glückwünsche des Stahlhelms. Es folgte eine Abordnung des Deutschen Offizierbundes unter Führung des stellvertretenden Bundespräsidenten Generalleutnant a. D. v. Below, die ihm die Glückwünsche der Offiziere der alten Wehrmacht überbrachte. Die Glückwünsche des Auslandes. Berlin, 3. Okt. (TU.) Dem Reichspräsidenten sind aus Anlaß seines Geburtstages seitens zahlreicher Staatsoberhäupter und Regierungen Glückwünsche zugegangen. So haben u. a. telegraphische Glückwünsche gesandt: Der Kaiser von Japan, die Könige von Bulgarien, Dänemark, England, Italien, Norwegen, Schweden und Siam, der Reichsverweser des Königreichs Ungarn, der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, der österreichische Bundespräsident und die Präsidenten von Finnland und Litauen, sowie der italienische Ministerpräsident Mussolini. Glückwunsch der evangelischen Kirche. Berlin. 3. Okt. (XU.) Dar Präsident deS Deutschen Evangelischen Kirchenausschusses und des Evangtellschen Oberkirchenrates de. AltpreuhischenKirche, D. Dr. Kappler, hat zum gestrigen Sonntag dem Reichspräsidenten das folgende Telegramm gesandt: „Dem hohen Führer deS Reiche«, der in un- erschütterlichem Gvttvertrauen und in rastloser Hingabe alle feine Kraft Im Dienste unseres Vaterlandes opfert, bringen zu Beginn des neuen Lebensjahres die im deutschen evangell - schen Kirchenbund zusammengeschlossenen Landeskirchen, insonderheit auch die evangelische Kirche der Altpreußischen Union als Heimatkirche des Reichspräsidenten, in unwandelbarer Dankbarkeit und Verehrung ihre innigsten Segenswünsche fürbittend dar. Feierliche Abholung der Feldzeichen aus der Reichskanzlei. Berlin, 3. Okt. (WTB. Funkspruch.) Die gestern aus Anlaß des 85. Geburtstages des Reichspräsidenten in demArbeitSzimmer neuntes vmSwis Roman von Hertha Fricke Urheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau (Schluß.) Das DoktorbauS liegt jetzt draußen vor dem Tor des stillen Gartens, und feine Fenster schauen hinunter in ein schönes Tal. Rur der Professor Martinik, der alte Junggeselle, der wohnt in dem großen Haus«, das m dem ummauerten Garten steht, und will dort bleiben. Denn er hat nur «ine Liebe auf der Welt, das ist die Wissenschaft. Aber wenn es Sonntag ist, dann geht er hinüber zu AndresenS in das schöne Heim. Dort spielt er mit dem Bübchen, und Frau Eva-Marie schenkt er Blumen. Dann beneidet er seinen Assistenten und Freund ein ganz klein wenig. Ob in seinem Innern auch so ein süßes kleines Märchen gewohnt hat? Er läßt sich gar so gern von Frau Eva-Marie daS Lied singen: „Wenn ich wüßte, daß ich dich wiederseh' ..." In Port Said lag ein großes, weißeS HauS. Es leuchtete durch die Rächt im gleißenden Mondlicht. Hoch am Himmel hing der alte Mond, 'grob uttb rund und glänzend, und schickte seine Silbcrgrüße in die kohle Wüste hinaus. Braune Kamel« stand«n am Ufer deS Meeres, und weißgekleidete Gestalten nahmen ihnen daS Zaumzeug ab und die bunten Decken. Ueber den Palmen stand das Kreuz des Südens. Aus dem Säulenplah vor dem flachen Hause war «in bambusgeflochtener Liegestuhl. Auf dem lag ein schlanker Fremdling tm Fieber. 'Heben ihm saß einer der braunen Männer, die hier wohnten. Sin WeißeS Tuch schlang sich um seine hohe Stirn, und ein paar gronc. nacht- dunkle Augen schauten zu dem Kranken hinüber. „Geht «S dir besser, Fremdling?' fragte et mit tiefer, weicher Stimme. „Ich glaube nicht, Ramatsarla! Du weißt, bah es mir nicht gut geht! Aber eS tut mir wohl, daß ich bet dir fein und mit dir sprechen kann!" ..Verlanast du nicht heim, Klaub«? Euer Schiff mußte reisen?" 6t nahm dem Malaien eine Schale mit einem kühlen Getränk ab und mischte etwas hinzu. Der Fieberkranke legte sich aus die Seite. „Ach nein, laß das Schiff fahren! Was soll ich zu Hause, Ramatsaria! Unser« Flotte ist tot! Sie liegt auf dem Meeresgrund! Unsere schöne, tapfere, stolz« deutsche Flotte!" „England?" fragte leis« RamatfariaS dunkle Stimme. „Rein, England nicht!" antwortet« der fieberkranke Mann. „England sollte sie nicht haben. So senkt« «in deutscher Held sie hinunter auf den Boden des Meere-! Konnte die deutsch« Flott« nicht r«tten, rettete aber di« Ehr«! Gott sei Dank!" Er atmete tief auf. "Dieh, in welchem Glanz der Stern dort strahlt!" sagte Ramatsaria und zeigte da- leuchtende Sternbild auf dem dunkelblauen Sammet de» tropischen Rachthimmels. Er wollte seinen kranken Gast nicht traurig sein lassen. Klaus Behren- sah hinauf zu dem glänzenden Polarstern, dem Sinnblld der Treu«, der Festigkeit. „Dhruva!" sagte er verloren und dachte an seinen kleinen silbernen Gott auf dem blauen Schrein: „Tausend Jahr« sind eine kurz« Spanne Zeit!" Der braune Mann nickte. „Wer das erkannt«, steht über Zeit und Traurigkeit!" sagte er, bann erzählte er die Geschichte von dem Besiegten, her vor seine- Sieger- Wagen gespannt ist und auf bas Rad sieht und lacht und lacht! „Was lachst du, Sklave!" fragte bet Sieger. „Weil bas Rab sich dreht!" antwortete bet Besiegt«. „Was eben unten war. ist jetzt oben, unb was jetzt oben ist. wirb halb unten fein. Du bist jetzt oben, weil du gesiegt hast? Und darum lache ich. weil das Rad sich dreht!" „Darum fei nicht traurig, mein kranker Freund!" tröstete bie sanfte Stimme. „England ist jetzt oben! Lach« nur! Ein Volk, das sich in Hochmut und Dünkel das Herrenvolk der Grde nennt, das mit Falschheit und Geld erobert und nicht nach der Weisheit des Ewigen sieht, das zieht ja selbst mit diesem Hochmut das Gericht herab, zieht alle die bösen Kräfte an, nach ctotgen Gesetzen, die e- vernichten müssen. Meinst du, deutscher Mann, «s macht auf Befehl Gottes bie Völker zu Sklaven, übet die e- durch Lift unb Falschheit gesiegt hat? Es ist ja letzt oben. Frembling, es ist oben! Aber wie sagt Dhruva? Tausend Jahre sind eine kurze Spanne Zeit! Gs währt nicht tausend Jahr«, Freund, cs währt nicht hundert! Auch nicht bie falschen Tiere der Wüste werben Herren der ®rbe sein!" „Warum bist bu so gut zu mir, Ramatsaria?" fragte der kranke Mann getröstet. Da wurden Ramatsarias Augen noch dunkler. „Weil bu einer von benert bist, die England trotzten, Klaube!" Er lieh ihn aus der Schale trinken unb legt« ein feuchtes Tuch auf sein Herz. Eine Welle war es ganz still. Rur bi« Palmen rauschten leise, unb Die Sterne funkelten groß unb hell. „Du sprichst so gut Deutsch wie Englisch!" sagt« Klau- Behrens betounbernb zu Ramat- jaria. „Ich sprech« fünf Sprachen!" antwortete dieser, aber ohne jeden Stolz, so wie man einfach eine Tatsache erwähnt. „Warst bu in Deutschland?" fragte Klaus Behrens. „6« ist möglich, ich weiß es nichts' antwortete der Inder. „Da- mußt du doch wissen!" lächelt« der Kranke. „Ich weiß es nicht!" wiederholte der Mann. „Vielleicht in meinem früheren Leben! Denn mir ift es, als ob ich dich schon lange liebe!" Er legte seine schmal«, braune Hand auf bie Stirn des Deutschen. Die Rächt wurde dunkler und kühler. Ramat- faria lieh feinen kranken Gast in Da« HauS bringen. ^rben!" flüsterte Klaus matt. Er Mit« sich sehr schlecht. lvirst sterben, unb ich werde auch ster- f^unblld) unb ruhig der weise Mgnn. qTh daß eS em« kurze Spänne Kjett lst, bah mir in ein anderes Leben hinein- Azoren werden! Und wenn bu treu warst, wie SVtlk banr ?"st du glücklicher mit Glicht hast, In diesem neuen tD»f ?u,..au^ dein Vaterland sehen, frei unb ohne Ketten! 'S®.1*. ®r Sait« rot« Stecken m ®cn4t. St ffebetie Hättet, und fein Her, totug «iligtt. 3mmtt schneitet und immer mal- ter. Dann war chm, al« hdre er feine Stimmen. Die sangen ein sühes Lied: r ermunen. Hindenburgs aufge ft eilten Fahnen feiner ehemaligen Regimen ter wurden heute mittag von einer Kompanie Der Ber- linet Wachttruppe wieder e^ngeholt. Bei ihrem Kommen erschien der Re i w s p r Ssi dent vor dem Eingang der Reichskanzlei, begrüßt von Hochrufen der in der Wühelmstrahe angesamrnel- tenWenschenmenge. 2lm Fenster der Reichskanzlei standen zahlreiche Offiziere der alten Armee, bei ihnen der Stahlhelmsuhrer Seldte, der gerade mit einer Abordnung beim Reichspräsidenten war. Die menge fang beim Abmarsch der gruppe da- Deutschlandlied. Aus aller Welt. „Graf Zeppelin- wieder daheim. Friedrichshafen, 4. Okt. (WTB. Funkfpruch.) Das Luftschiff „Graf Z e p p e 11 n" ist heute um 6.58 Uhr gelandet. Paris, 4. Oft. (WTB. Funkspruch.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" hat gestern nachmittag im Flughafen von Barcelona kurz Station gemacht. Während der festen Landezeit waren der deutsche Konsul in Barcelona und der Bürgermeister von Barcelona an Bord des Luftschiffes gestiegen. Präsident Macia hatte durch FunkspruH im Namen Kataloniens und der Regierung der Republik eine Botschaft an das Luftschiff gerichtet, das, wie er erklärte, d e r S t ol z D e u t s ch l a nd s und der Ruhm der modernen Zivilisation sei. Er danke dem Luftschiff für seinen Besuch, den er als eine Ehrung für Katalonien In dem Augenblick ansehe, in dem dieses seine Freiheit wieder erhalten habe. Oberst Macia brachte seine Wünsche für den Reichspräsidenten von Hindenburg zum Ausdruck und beendete seine Radioansprache mit einem Hoch auf Deutschland. Das Luftschiff hat auf die Begrüßung geantwortet. * Das Luftschiff begegnete übrigens auf der Heimreise von Südamerika in der Nähe des Roccas- Fellen südlich vom Aequator den auf dem Wege nach Trinidad befindlichen Kreuzer „Karls- r u h e". Das Luftschiff begleitete im Licht der Scheinwerfer den Kreuzer längere Zeit. Beide Schiffe tauschten Signale und Abschiedsgrüße aus und setzten bann ihre Reise weiter fort. Tschechischer Offizier schießt zwei Deutsche nieder. Wie aus Eger gemeldet wirb, geriet dieser Tag« in Falkenau ber tschechische Offizier Zbenek Riva, als er in Begleitung einer Dam« «in Gasthaus verlieh, mit mehreren deutschen Zivilpersonen in tätliche Auseinandersetzungen. Er gab aus seinem Revolver mehrer« Schüsse gegen bie Zivilpersonen ab, von denen der arbeitslose Anion Frank von zwei Lungenschüssen unb der Fleischergehilfe Andreas Heidler von einem Bauchschuh getroffen wurden. Von deutscher Seit« wirb behauptet, bah die tschechische Gesellschaft bie Deutschen unerhört beschimpfte, währenb die Tschechen erklären, sie seien von den Deutschen belästigt worben. Der tschechische Offizier trug eine Kopfverletzung davon. Drei Dampfer an der finnischen Küste unlergegangen. Auf der finnischen Seite des Bottnischen Meerbusens haben sich drei schwere Schiffskatastrophen ereignet. Zuerst strandete der schwedische Dampfer „Start" aus Gotenborg unb wenige Stunden später ganz in der Rähe der griechische Dampfer „Georgios" und der finnische Dampfer „Else". Der finnische Dampfer ist zuerst untergegangen. Die Besatzung konnte unter großen Schwierigkeiten gerettet werden. Dann ist auch der schwedische Dampfer „Start" gesunken. Hm die 30 Schiffbrüchigen auf dem großen griechischen Dampfer „Georgios" befanb man sich In größter Sorge, da die Rettungsboote von ber Brandung weggespült sind und die 8O3-Radio- signal« gänzlich aufhörten. Später glückte es jedoch einem Rettungsboot, an das Wrack heranzukommen und nach großen Mühen 15 Mann der Besatzung zu retten. Diese waren halb erfroren unb so mitgenommen, bah an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Der „Georgios" ist zuletzt untergegangen. Die noch an Bord befindliche Besatzung konnte gerettet werden. Da des hohen Seeganges wegen das Rettungsboot nicht an das Wrack herankommen konnte, muhten die Schiffsbrüchigen ins Meer springen. Wenige Augenblicke, nachdem ber letzte Matrose gerettet war, barst der Dampfer entzwei und versank. — Eigentümlicherweise sind vor mehr als einem halben Jahrhundert, nämlich am 5. Oktober 1876, ebenfalls drei Schiffe — zwei norwegische und «in schwedisches — an genau der gleichen Stelle im Bottnischen Meer untergegangen. Fünf Tote bei einem Bootsunglück im Golf von St. Malo. Ein folgenschweres Bootsunglück, bei dem fünf Perjonen denTodindenWellen fanden, ereignete sich in der Nähe von Aoranches im Golf von St. Malo. Trotz heftigen Sturmes hatten drei Einwohner der Stadt in Begleitung von zwei Frauen eine Segelfahrt unternommen, wobei das Boot kenterte und alle fünf Inf asten ins Meer fielen und ertranken. Schwere Zuchthausstrafen wegen Mißhandlung. Das Gleiwitzer Eonderaericht verhandelte in dreitägiger Sitzung gegen sieben Angeklagte, die am 30. Juli d. I. einen Kaufmann, der der Zentrumspartei angehört, aus politischen Gründen schwer mißhandelt hatten. Das Gericht verurteilt« einen Angeklagten zu zwei Jahren und einen Monat Zuchthaus, einen weiteren zu zwei Jahren Zuchthaus, einen anderen zu zwei Jahren Gefängnis unb drei Angeklagte zu sieben, sechs unb fünf Monaten Gefängnis. Ein An- geflagter wurde freigesprochen. Karl Strecker zu Gefängnis begnadigt. Die auS Potsdam gemeldet wird, ist den Gnadengesuchen des Verbandes deutscher Erzähler und des Schwurgerichte^ für den wegen Brandstiftung verurteilten Schriftste^erKarl Strecker ftattgegeben worden. Die einjährige Zuchthausstraße Streckers wurde in eine Gefängnisstrafe von einem Jahr umgewandelt. Rauschgiftschmuggter verhaftet. Aus Hermeskeil (Hunsrück) wird gemeldet: Im Hochwaldort Pülert stieß ber Oberlanb- jägermeifter von Hermeskeil in einer Gastwirtschaft auf zwei Leute, bie ihm verdächtig schienen. Einer der Beiden macht« sich bald davon, ber zweite wurde jedoch von dem Beamten in dem Augenblick, als er sich zu den vor dem Haus« abgestellten Fahrrädern begeben wollte, festgeh alten. Die älntersuchung des Fahrradgepäckes förderte 84 Ampullen Morphium und etwa eine halbe Million Z l g a r e t t« n p a p ie r zutage. Der junge Mann wurde verhaftet unb dem Amtsgericht zugeführt. Er bestritt, gewußt zu haben, daß sich in den Rucksäcken bie Schmuggelware befunden hat. Bestätigte Todesurteile. Das Reichsgericht in Leipzig bestätigte bie vom Schwurgericht Hamburg gegen den Kraftwagen- sührer Gerhardt und den Kutscher Friedrich Gerner wegen Raubmordes ausgesprochenen Todesurteile. Die beiden Angeklagten batten am 12. August 1931 einen Kaufmann Überfällen, mit einem Hammer erschlagen unb alldem Kontor Geld, Wertgegenstände unb Kleidungsstücke entwendet. — Ferner wurde ein vom Schwurgericht Greifswald erlassenes Tode-urteil gegen den landwirtschaftlichen Arbeiter Wilhelm K n a a ck rechtkräftig bestätigt, ber im August 1931 den Rachtwächter Morack des vom Grafen S t o l l b « r g bewirtschafteten Gutes Schlemmin in Vorpommern ermordet unb in ben Duts- teich geworfen hatte. An feiner Stelle war ursprünglich fein Kumpan, ber auf dem gleichen Gut beschäftigte Arbeiter Fiblikowski, wegen Mordes zum Tode verurteilt, dieser Schuld- <- sprach aber vom Reichsgericht aufgehoben wvr- 1 b?h. Don wild gewordenen Stieren getötet Rach einer Havasmeldung aus Villa Franca de Tira (Spanien) wurden dort zwei Personen von au-gebrochenen Stieren ge t ö - t c t und eine Reihe anderer zum Teil schwer verletzt. Die Stiere befanden sich auf dem Wege zur Stierkampfarena unb rissen sich unterwegs los. Sie konnten erst nach einer wilden Jagd durch die Straßen der Stadt unschädlich gemacht werden. Raubmord auf einen Landbriefträger. Aus Reumarkt (Schlesien) wird gemeldet: 3m Walde bet Grünthal wurde der ßanbbrief* träger Barn erschossen cufgefunben. Dam befanb sich auf dem Dienstweg« und führte Rentengelder mit sich. Wieviel ihm geraubt worden ist. steht noch nicht fest. Di« zuständigen Mordkommissionen haben sofort die Ermittlungen ausgenommen. „Wenn ich wüßte, ich könnte dich Wiedersehn, An jener Küste, wo taufend Palmen stehn. Wo di« Stern« uns so nahe sind, Dunkler Rachen, bring mich hin geschwind." Die Sterne wurden immer größer, tarnen immer näher. Die Palmen rauschten tausendfach — kamen bl« weißen Gestalten, um ihm ben dunklen Rachen zu bringen? — Sie waren da! — Der Kiel rauschte durch die Fluten. — Er fuhr — fuhr — wohin? — Die Küste schimmerte blau unb zart. — Lichte Schleier schwebten. — Da ftanb Renate im weißen Kleid« unb breitete bte Arme aus. — Sie war noch schöner geworden — noch viel, viel schöner! — Heller, heller glänzten die Sterne. Tiefer unb lauter brauste bie Flut — bann würbe e- still. — Als ber Morgen kam, beugte sich der Inder über seinen toten Freund. — Mattsilbern glänzt« noch ein Stern am Himmel. Ramatsaria lächelte voll Güt« unb Wissen unb flüsterte etwas von tausend Jahren, bie nicht lange währen. • Eva-Mari« ging mit ihrem kleinen Sohn in ihrem eigenen sommerlichen Garten. Die Rosen blühten, als könnten sie sich nicht genug tun in Rot unb Duft. Sie ging ihrem Mann entgegen, der aus seiner ernsten Arbeit kam. Er küßte da- Kind und nahm seine Frau in ben Arm. Dann wanderten sie zusammen in den sauberen Wegen und freuten sich. „Klaus DehrenS hat so lange nicht geschrieben!" sagte Heinrich Andresen nachdenklich. „Ich muhte am Sonntag soviel an ihn denken, als du dem Professor fein Lied sangst. DaS von den Palmen am anderen Ufer! Darum träumte ich wohl von KlauS in dieser Rächt!" Der Postbote kam und brachte ein Paket. Es kam vom Rorddeutschen Lloyd. Ein Schiff hatte eS mit von Port Said gebracht. Die junge Frau löste die Hüllen. Ihre schönen Hände zitterten leite. Eine dunkle Ahnung kam in ihr Herz. Sie sprachen dock eben von dem Freund! Da blitzte es silbern unter ihren Händen unb gab «inen leise singenden Ton. Der kleine Dhruva sah sie mit seinen schwarten, glänzenden Augen an und lächelte. Sie standen beide ergriffen und schwiegen. Sie wußten, bah ihr Freund drüben war — bei Renat«. — End«. — Aus der provinzialhauptfladt I Buntes Allerlei Me Gießener MniernoWe rufi zum Selsen aus I nur Mn Ne Gefängnisse gbratt tatJM | schien ihm doch kein lohnender Beruf und er be- I ■ 3m -ef- nbeiL T6, inb die >tn her Jen arl ige 19- W>m iyn- örich jenen rcnca fmm eti* -wer tem unter# oilden l in Me en. wi tr» nd iu ti n. k ührte tpor* jigefl tlm« Glehen, den 4.Oktober 1932. Liebhaberei oder Liebe? •et: nd. •iri» nen. btt dm aufc fest. ide8 ttoa »u. und 'cht ug. inttntt - la- unfien - Der ihr - jy und ß-nd - n?4 rot* M in Losen tun « hü v > 'tl-du n den tte il Ss i hat« pi1 . -er». E senunv drüben em en, olf Nil Bei bas ittr schloß ^umzusatteln". Beschäftigte sich mcht mehr mit Ginbruchsplänen, sondern mit Planen zum . Schutz gegen Einbrecher. Gr konstruierte in der Belle ein diebessicheres Patentschlotz, das dre gewiegtesten Fachleute des Gefängnisses nicht zu öffnen vermochten. Eine amerikanckche Spezial fabrik für Patentschlösser hat die Rechte ander Erfindung dein Einbrecher für eine beträchtliche Summe abgekauft. # eommerinjajc, -----« * 'rnn«n kleinen Töchterchens auf, die sie zu Hause gelassen u Jetzt beginnt siH, der Schleier, der Holsts ^l und feinfühlig bis zum 2l^erst^' - Die Charakteristik, die die privaten Briefe des Baron Holstein geben, zeigen nur etwas anderes, daß die Geschichte von der „Grauen Eminenz , von damo- niscfen Kräften, die, wie Holstein, die politische Enttvicklung des 20. Jahrhunderts stark beein. flutzten, kaum anderes als eine Le g ende Nt- ' Der Zigarrenhändler in der Grohb^enstraße zu Berlin, der dem Herrn Gehermen Bat reden Morgen nicht nur eine Tute mit harren der kaufte, sondern stets auch eine klemeälnterhal. Lung mit dem gutmütigen, ein wenig zugeschrumpften alten Herrn hatte, weih es besser... und nun soll das anders werden. Nichts ist dagegen zu jagen, wenn man schiefstehende, dem Umfallen nahe Denkmäler und Kreuze ausrichtet und völlig verwahrloste Gräber einebnet. Mehr aber ist vom Uebel. Nun jedoch soll dieje Ruhestätte der Toten in einen Park umgewandelt werden, wie em Artikel in Nr. 221 des „Gießener Anzeigers ankundigt. us wird dann bei den „älteren Leuten als Besuchern nicht bleiben. Wer will sunge Pärchen, Kindermädchen üsw. fernhalten? Wie kann dabei ,/der Chara - ter des Friedhofs gewahrt" werden? Wozu die^ Profanation? Neuerdings ist ia gerade über dem Friedhof ein großer, fchönangelegter Platz mit vielen Bänken, wo fcber im Freien Erholung smden kann. (Ls ist keine einzelne Stimme, die sich hier erhebt, wir prechen im Namen vieler Gleichgesinnter. Vertrauensvoll wenden wir uns an die p'etatvolle Einsicht des Stadtparlaments mit der dringenden Bitte. Erhaltet uns den Alten Friedhof fo wie er eben ist, als Friedhof. E« wurde beI<6lt>Hen, mit Ailfe biefet Summe sofort die Kartoffelbeschaffung für die Hilfsbedürftigen in die Wege zu.leiten Weiterbin bestand älebereinftimmung darin, datz g eichen! K a r t o f I e l b e st ä n de »»der. reichen Familien als k 0 st e n l 0 s e Z u l a g e gegeben werden sollen. 3m übrigen wur!^ fest, gelegt, datz das Hilfswerk m der gleichen or- aanisatorischen Form wie im Vorjahre in Tätig. ?eit treten soll d. h. der Werbe- und Sammel- auSschutz, der Verteilungsausschutz und der Finanz? und Kontrollaussckutz werden wieder tätig B? In den Werbe- und SammelauSschutz wurde Ls Vertreter des Iungdeutscher1 Orden« Studien- rat El oh, ferner für die von Dietzen ver zoaene Frau Dr. Koeppe deren Rachsolgerin im^ Vorsitz der Hausfrauenberatung. Frau TB tm- ber gewählt. 3m übrigen behalten die ÄuS- schüsse ihre vorjährige Zusammensetzung. Cs wird erhofft, datz die privaten Besitzer von Lastautos in liebenswürdiger Weise auch in diesem 3ahre ihre Fahrzeuge zur Heranschasfung der Vorräte zur Verfügung stellen werden. Man hofft auf „ rege Unterstützung des Hilfswerks aus allen Levölkerungskreifen. damit der Bot unter unseren hilfsbedürftigen Mitbürgern nach besten Kräften gesteuert werden kann. pariser Angel-Turmer. Wohl in keiner anderen Großstadt gibt es so Piele Angler wie in Paris. Dort sind die Kais an gewissen Stellen dicht mit Leuten beseht die mit stoischer Buhe und -größter Geduld ihre Leinen ins Wasser baumeln la.sen Oft verfam meln sich Mützige um diese Angler und sehen ihnen bei ihrer behaglichen Arbeit zu. Dann fehlt es nicht an spöttischen Bemerkungen und derben Scherzen, denn nur selten wird em .Araus gezogen. Aber das sprichwörtliche Mißgeschick der Pariser Angler ist glänzend widerlegt wor den, und zwar durch ein Llngler-^urnier, daS kürzlich auf der 3nsel St. Louis abgehalten wurde. Die^ grotze Zuschauermenge verfolgte die Mtun- gen der Kämpen mit einer Begeisterung wie ße sonst nur bei großen Sportereignißen aufgebracht wird. Ein deutlicher .,Anbiß rief laute Jubel rufe hervor, während die tatsächliche Bergung Ä!s j!ngen Karpfens ein solches Erstaunen erregte, als wenn es ein Walfisch gewesen wäre. An 'dem Turnier nahmen 250 Bel^rber teil, und eine kleine Armee von Schiedsrichtern war beschäftigt, an jeden zweifellos aus der Seine ge- zoaenen Fisch ein Kärtchen zu heften und ihn Äs die Deute eines der Kämpfer auszuweisen. Der glückliche Gewinner in diesem homerischen Wettkampf war ein Mann, der in 1'/» Stunde 14 Zische fing: allerdings wogen sie eme nur ein halbes Pfund. Einer der Angler, der immerhin eine „Erwähnung" erhielt, hatte als Ergebnis seiner mehrstündigen Anstrengungen nur einen winzigen Stichling aufzuweUen.immerhin ist durch dieses Turnier, dem die Pariser Blatter lebhaste Schilderungen widmen, bewiesen worden, daß es tatsächlich Fische in der Seine gibt, woran schon mancher gezweifelt hat. Die edelmütigen Teilnehmer verzichteten auf ihre schwer erworbene Deute und überließen den ganzen Jang dem Hobel Dieu-KrankenhauS. ftn ich Kinder zu erziehen hatte wurde ich das Körperliche sehr entwickeln, außerdem sie von srühauf zum Umgang mit Menschen anlernen kurz, das Gegenteil von mir. Als galten Mönch" bezeichnet s^> Holstein, wenn er. s h gutmütig, sehr väterlich, der „3ze ^Wage äßet die Erziehung der Kinder und eine Generation später der Enkelkinder gibt. Er andermal, wie jetzt fast alle Herren im Auswa tigen Amt Radfahren lernen, daß er oft altem nach Tempelhof hinaiiswandere^ daß zum e r ft en Male „Automobile aus Sans ein getroffen seien, „ein neuer interessanterSindruck imposant, aber unsinnig. Ob Holstein von seiner Augenoperation berichtet oder sich über ! schwer! („Ich nehme Teui Telephon, ^ch kann jetzt I nickt sicker sein daß ich abends, wenn ich m Pan- tosfeln säße plötzlich aus der Wilhelmstratze an- 6W bteibi immer «n Mensch wie hundert andere, im elnfachen.b gedi&r Gesichtskreis, mit all seinen kleinen unbebinat -was gegen das Geheinmisvolle, Mächttge der Erscheinung Don Zulle Schlosser, (?bddottenburg. Es gibt nun einen Welttier sch u Ö t a g (am heutigen 4. Oktober. D. Bed.), und das H schön. Denn dieser Tag kann, wenn er richtig be gangen wird, als ein Aufruf wirken, der sich an alle Gleichgültigen und ^M'^den immer stärker,dringender, inbrünstiger und so eine gesegnete Beunruhigung schafft, rind es wird auch sonst noch viel aus diesem neuen Ge- ben! t agge m aze , seine Kusine unter Führung des städtischen Wohlfahrtsamtes in die Wege zu leiten. Den Vorsitz wird wiederum, wie im Vorjahre. Derwaltungsamtmann K e i h e r vom städtischen Wohlfahrtsamt fuhren. Da aus de7 vorjähAgen Winternotbilfe ein Darbestand LW-LML 1000 Mark) weitere Mittel hinzukamen. stehen dem freiwilligen hilfswerk zur Zeit etwa» über 3000 Mark zur Verfügung. Oie erste deutsche Äiber-Zarm. Zur Erhaltung der letzten Elb-Bieber besteht zwischen Anhalt und Magdeburg eine Kvlonie, öle unter Baturschutz steht. Während diese Anlage nur der Erhaltung eines .,Battlrdenkm<^s gilt, hat man in neuester Zeit au8 praktischen Gründen eine Diber-Farm eingerichtet, die die Bedeutung des Bibers als Pelzlieferanten dar- tun soll, lieber diese erste deutsche Freiland- Diberfarm, die se" dem Spätsommer 1928 mit kanadischen Bibern in DmnieS bn DorkoW m Mecklenburg eingerichtet wurde, berichtet Dr H. W. Frickhinger in der Frankfurter Wochenschrift über die Fortschritte in Wissenschaft und Technik Die Umschau". Der Biber kann nur in einem Gelände mit fliehendem Was^r gedelhembessen Fläche an ben Rändern mit Schilf und Wasserhosen bewachsen ist. Außerdem müssen Weichhol- ,,er wie Pappeln. Weiden, Erlen usw. vorhanden sein da der Biber sich von der Rinde der Stamme und den jungen Blättern nährt und das entrindete Holz zum Bau von Burgen und Dämmen benutzt. Der Wasserstand darf nie so niedria sein daß das Wasser im Winter ganz zufnert denn der Biber hält keinen Winterschlaf und muß daher die Möglichkeit haben, unter der Eisdecke zu sHwimmen. Alle diese Forderungen sind nun aus der Biber- Farm in Dinnies erfüllt. Um den Tieren auch daS für sie wichtigste Holz, die Pappel, zugänglich zu machen, hatte der Züchter zahlreiche dieser ?3äume angepslanzt und um den See herum eine Reihe künstlicher „Burgen erbaut, die teNs aus feffem Aftaerüst teils auch nur mit Schilf umkleideten Holzkisten bestehem 3n.diese mit sicher flnrnfnlt vorbereitete Farm wurden 1928 12 paar W - Ä-dl unv sch-m im sunt 1929 »elgKn ito bie X 3ungtie«. Ser Diberbe,taub ist beute aus 60 Tiere angewachsen, doch konnte das Enfe etoa 203 DiLrn zur Wohnstätte dienen. Jedenfalls ist mit dieser P'vnier-Arbeit gezeigt, daß die Züchtung de« Bibers rn Deutschland möglich ist, und manche sonst brach l^regenden Teich - und Forstgebiete könnten dazu benutzt werden. Oer Giräsling als Erfinder. In einem kalifornischen Gefängnis sitzt ein Sträfling, der es in seiner Karriere als Einbrecher Gaben für die Baseler Mission. Wie wir den Mitteilungen des Oberh^sifchen Mifsionsoereins für Bafel entnehmen wurden im vergossenen Jahre 1931 lm ganzen lö 416,1» Mark an Mifsionsgaben für die Baseler BJhflwn In Qbex Hessen aufgebracht. Don disfer Summe entfallen auf Kollekten bei MifsionsprSdigten und Misslonsiesten und an freiwilligen Gaben 6115,04 Mark, auf die Mifsionsdankesbüchsen 571,28 Mark und auf den Ertrag aus der chalbbatzen-kollekte, die unter den Opfern an erster Stelle steht, 8729,91 Mark. In de chalbbatzenkolleskte steht das Dekanat Gießen in der Gebefreudigkeit an der Spitze aller Dekanate in Oberhessen mit 2296,08 Mark, und zwar ist es hier die Pfarrei Beuern mit 203,10 Mark (das sttrund 20 Pfennig auf den Kopf der Gememdeglisder), die die beste ^urchlchnittsleistung der Dekanatspfarre en des Dekanats Gießen aufweifen kann. Weiter betet- Katen sich an der chalbbatzenkollokte im Dekanat Gießen Allendorf a.d.Lohn mit 99,95 Mark, Allen- darf a.d. Lumda mit 60 Mark, Alten-Bus eck mit 64,10 Mark Gießen mit 346,85 ^a/k, Garbenteich mit 54 60 Mark, Grohen-Buseck mit 135,30 Marr, ®ro6en.ßlnb,n mit l«.9O Bart, «‘clnÄenaX 50 Mark, Kirchberg-Lollar mit 255 Mark, Lew aeftern mit 218,65 Mark, Rodgen-Annerod mit ?07,60 Mark, Steinbach-Albach mit 180 Mavk^Trois a. d. Lumda mit 183,51 Mark^ Watzenbmn-bein- b-ra mit 168,52 Mark und Wieseck mit 20 Mark. Don den übrigen Dekanaten in Oberhessen samme- ten in der Haibbatzenkollekte das Dekanat Biidingen 85.3,59 Ttt., Qrkbb.rg 975^4 Ttf Sd>oü,n 690 Mark jungen 934,21 Mk., Nidda 453^67 Ttt, Als- seid 630,40 Mk., Lauterbach 407,10 Mt, Grmcherg 808,78 Mk. und Nodheim (Kreis Friedberg) 679,34 Mark. e "Hilfsmaßnahmen für woh n u n g S - lose ReichSbeblenstete. Der Reichs arbettSminister hat Destimmunaen erlassen, nach benen für Gewinnung von Wohnungen für woh nungslose Reichsbedienstete (Deambe. Bngestellt^ Arbeiter bed Reiches) durch Teilung größerer Wohnungen Beihilfen gegeben werben. Die Bei Hilfe beträgt grundsätzlich die Hälfte der Umbau» »osten Anträge auf Gewährung derartiger Beihilfen sind an die Lanbesfinamämter du rften. ** Straßensperrung, mitgeteilt vorn Ober hessischen Automobil-Club D. (A-v. D-), Gieße . Wegen Ausführung von Kleinpflasterarbeiten wird die Ortsdurchfahrt Herbste n im W bet vinzialstraße Lauterbach—Selters ab 6. Ott ober für jeglichen Berkebr gesverrt. Umleitung uberRixfeld--- Stockhausen—Altenschlirf bzw Engelrod-Lanzen hain—Zlbeshaufen—Altenschlirf. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Nochmals der Alte Friedhof. In Nr. 222 des „Gießener Anzeigers" fragt ein ehemaliger Mitbürger nach einem Besuch des.Alten Friedhofs, enttäuscht, ihn so verändert zu stnden. Mußte das fein'? Auch mir Einheimische, die w r den Friedhof lieben fo wie er ist, fragen: Mutzte das (ein? Noch ift der Friedhof (einer Bestimmung nicht ganz entzogen. Noch wind mancher Burger auf ihm zur letzten Ruhe gebracht. Mcy iuchen zahlreiche Trauernde in seiner stillen Schönheit, an den Grabern ihrer Lieben, sich ganz in (Erinnerung an sie zu versenken. Nirgends kann man das ungestörter als dort. Kein Straßenlärm dringt bis bah n, keine Gleichgültigen stören die Weihe des Ortes. Ein Friedhof im wahrsten Sinne des Wortes ist er, Der eine ober andere alte Beainte der Wilhelmstratze, wenn er in nebelschweren Aachten spät das Amt verlätzt, noch bie Dlsion des alten, gebückten Geheimrats haben, der mit Zylinder und Regen schirm, immer na^e der Häuserwand, mit kurzen Schritten dahineilt. .Die S/aue Smtn-nz — unter diesem Ramen kennt ihn die Welt. Aber auch die gute und objektive Geschichtsforschung weiß nicht sehr viel über diesen Mann auszusagen auck in ihrem Bild ist der Mann nur ein grauer Schatten, ilnb doch weist die Geschichte diesem Mann eine der großen hrst orrf ch en R o l l e n zu, die das Spiel auf der Weltbühne des ausgefenden 19. und beginnenden 20. 3ahr> Hunderts ttitsch^iden. Die Schwenkung von der Rußland ° Politik Bismarks zur Eng land-Polltlk Wilhelms des Zweiten, "ibinter diesem Vorgang steht im Schatten die Graue Erni- n^n®ÄÄm^'2iat.-ato in feinem Zimmer saßen die fremden Botschafter, , unstHt° bare, enge Fäden knüpften sich zwischen ihm und maßgeblichen Politikern in fast allen europäischen Hauptstädten. Die Macht des Barons Holstern war groß und unsichtbar Sie lag nicht zuletzt in seiner Verborgenheit. Standhaft wies der Geheime Rat mehrere Male die Chance zurück, zum Staatssekretär auszutticken. Denn der Ehrgeiz, der | ihn beseelte, war nicht äußerlicher Art. Bismarck spürte die geheime Macht des Gehirnen ^0.18. Aber selbst in seinen stärksten Augenblicken wagte er es nicht, Holstein zu verdrängen, — kein anderer hat den Mut dazu besessen. Die Traue Gmv- nenz blieb und noch zu seinen Lebzeiten schlang sich um Holstein die Legende- Man malte ihn oft schwarz und selten weih, schob ihm die Verantwortung für die gtoben unb gefährlichen Geschehnisse der Politik zu. Hnb es wurde nicht unterlassen, hinzuzufugen, daß er auf Grund seiner Geheiminformationen Millionensummen an Dörsenspekulati. o n e n verdient" habe, datz er an Berf2lg""25n»"b Duch .Wtlb-ImII." Solftdn fo ätlg». Oie Briefe der „Grauen Eminenz". Legende und Wirklichkeit im Leben des Barons Holstein. 2da von Holhendorff, die ftch mit dem «,t. tprautßb^fther Alfred von Stiilpn a g e l D a r w i h ^verlobte, während Holstein als Saget bie brasilianischen Steppen und Sumpfgegenden burchwanderte. Damals bestand schon die.Äeun - schalt zwischen Fritz von Holstein und 3ba von Stülpnagel, die beinahe ein halbes 3ahrhu^de t dauerte. Holstein kam dann an die Deu^che Bot sch ast nach Washington und erst viel später nach Berlin, in sein historisch^ Wirkungsfeld, das Auswärtige Amt. Stän^g aber hat Hol stein seiner Freundin 3ba von Stulpnagel Briefe geschrieben. Sehr warm und menfchlich stnd diese Briefe, handeln meist von einfachen, menschlichen 9Jt.-$pont Wirtschast Hendrix (A a ch e n), der gut veranlagte westdeutsche Sprinter, ist nach Krefeld übergesiedelt uno den „Preußen" beigetreten. Dekula um Bruchteile eines Prozentes freund» licher, während anderseits 2T-Farben, Metallgesellschaft und Rütgerswerke etwas nachgaben. Bon lokalen Werten lagen PH. Holzmann gegen den niedrigen Berliner Schlußkurs um 1.5 Prozent fester An den übrigen Marktgebieten blieben die letzten Kurse ottue behauptet. 3m Verlaufe blieb die Haltung sehr st i l l, und die Kurse erfuhren keine nennenswerte Veränderung. Später kamen noch Schuckert mit plus 1,75 Prozent höher zur Rotiz. während IG.-Farben um weitere 0,25 Prozent zurückgingcn. 21m Rentenmark t war ebenfalls nur wenig Geschäft. Deutsche Anleihen lagen eher etwas freundlicher, späte Aeichsschuldbuchforderungen blieben auf dem ermäßigten Stand von 63,5 Prozent unverändert. Festverzinsliche Werte und Auslandrenten hatten kaum Geschäft. Reubesih 6,50, Altbefitz 53,25, Schutzgebietsanleihe 5,25. 4prozentige Türken Bagdad Serie I 4,20, Bu- derus 39,75. Gelsenkirchen 38, Harpcner 73. Stahlen 20. Rheinstahl 64,50. Mannesmann 52,25, oa,2% 31 • Sekula 112,25, Licht und o?« Kemberg 52. 3G.-Farben 95.50 bis 95,25, Gesfurel 71, Holzmann 59, Lahmeyer 11625 Bayern München trägt demnächst zwei Spiele im Westen aus. Die „Bayern" spielen am 30. Oktober gegen Schalke und am 1. November (Allerheiligen) gegen Fortuna Düsseldorf. Die Corinthians die bekannte englische Amateur-Fußballmannschaft, bestehen am 26. Oktober 50 Fahre. Kurze Sporinotizen. Süddeutschlands Elf für das Pokalspiel gegen Mitteldeutschland am kommenden Sonntag in Leipzig spielt in folgender Aufstellung: Jakob; Eichhammer, Eckl; Hildebrandt, Tiefel, Gras; Fischer, Strauß, Dollweiler, Münstermann, Merz. brachten in etwa 30 000 Mannschaften rund 700 000 Spiele zur Durchführung, ein Beweis dafür, daß der Fußballsport nicht allein durch einige Spitzen- mannschafken getragen wird. Süddeutschland ist immer noch der größte Unteroerband des DFB. Mit 2635 (2451) Vereinen und 321 490 (307 766) Mitgliedern steht es an der Spitze vor dem Westdeutschen Spielverband. OSB.-Wahlversammlung in Köln. Anläßlich der Wahlversammlung in Köln hatte die DSD. am Sainstng die Presse geladen, wobei der Vorsitzende der DSD. einige Ausführungen zu den wichtigsten Tagungspunkten machte. Ritter von Halt ging zuerst auf die Olympischen Spiele ein. Mit dem Abschneiden unserer Athleten könnte man eigentlich zufrieden sein, denn von den 77 Teilnehmern wären schließlich 66 unter den ersten Sechs plaziert gewesen. Zum „Fall R u r m i" erklärte von Halt, daß man nicht anders habe handeln können und daß auch andere Länder mit einem Start Rurmis nicht einverstanden gewesen seien. Mit einer Verlegung der Geschäftsstelle des DSD. nach Derlin sei nicht zu rechnen. Rach von Halt sprach Reichstrainer Waitzer einige Worte und erklärte, daß Deutschland in seinen Hoffnungen auf Los Arweles zu optimistisch gewesen sei. Rach Erledigung der üblichen Präliminarien und Absendung eines Glückwunschtelegramms an den Reichspräsidenten v. Hindenburg wurde in die Tagesordnung der 80. Wahlversammlung der Deutschen Sportbehörde eingetreten. 2lls wichtigste Ergebnisse der Diskussionen sind zu erwähnen: Jahresberichte und Kassenbericht wurden einstimmig angenommen und Vorstand und Ausschüssen 'Entlastung erteilt. Dei den Reuwahlen wurde Dr. v. H a l t per Akklamation »um 1. Vorsitzenden gewählt. Eine längere Diskussion entstand um die Besetzung des Sportwarts. Dusch (Köln) lehnte die Annahme des Postens ab, worauf sich Ritter von Halt bereiterklärte, Der deutsche Flicgermeister Engel und sein Landsmann Steffes nahmen in Nantes zusammen mit dem Engländer Cozens an einem Radrennen teil, wobei Engel im Gesamtergebnis Sieger blieb. das Amt wieder zu übernehmen. Stellvertretende Vorsitzende sind Dusch (Köln) unZ> Hellwig (Weimar). Beisitzer Krause (Berlin), Stein- hoff (Rorddeutschland) und Flierl (Süd- deutschland), Spielwart ist Burmeister (Rorddeutschland) und 3ugend-Ausfchuh-Dorsitze7i-er Prof. Steffen (Lübeck)- Als Frauen-Ausschuß- Vorsitzender wurde Dr.Bergmann (Berlin) Siefeier siegt über Or. Gullmann. Auf der H e r b st f l u g s ch a u im Hamburger Flughafen kam es zu einem erneuten Zusammentreffen der Kunstflieger F i e s e l e r und Dr. G u l l - mann (Leipzig). Dr. Gullmann hatte im Inter- nationalen Züricher Turnier den Kasseler schlagen können. Diesmal siegte durch das bessere Kürprogramm F i e s e l e r und holle sich damit den Kyriazi- Pokal, der für den neuerlichen Wettkampf ausgesetzt war. Oer Mord an dem Offenbacher Brotkutscher. WSR. Frankfurt a. M., 3. Oh. 3n der Mordsache Wagner hat die Polizei jetzt einwandfrei ermittelt, daß die Tat zwischen 19 20 unö 19.30 ilfjr verübt wurde. Die Sektion hat ergeben. daß noch ein fünfter Schuß in den Rücken des Wagner abgefeuert wurde. Es hat sich jetzt herausgestellt, daß Höch st wahrscheinlich ein einzelner Täter, der einen Sportanzug und Sportmütze trug, in Frage kommt. Dieser Tater ist nämlich auch von einem neuen Zeugen gesehen worden, und zwar in dem Moment, als er von dem Wagen absprang, die.Pferde antrieb und dann querfeldein in Rich- tung Offenbach lief. Unter dem geraubten Geld befindet sich auch ein 100-Rentenmark- s ch e in . Da diese Scheine heute selten sind, bittet die Polizei darauf zu achten, wer einen solchen Schein wechseln läßt. Die geraubte Tasche ist noch nicht gefunden worden. Oer llebergang des Kreises Wehlar zu Hessen-Nassau. Wetzlar, 3. Oft. (WSN.) Am Samstagmittag weilten der Vizepräsident des Oberpräsidiums in Gaffel Dr. Schunk, sowie Vizepräsident C o m - m e r von der Regierung in Wiesbaden nebst einigen Vertretern ihrer Behörden in Wetzlar, um den formellen Uebergang des Kreises Wetzlar zur Pro- oinz Hessen-Nassau zu vollziehen. Es wurden im Kreishaus, bei der Kreisverwoltung und auch im Dienstzimmer des Bürgermeisters von Wetzlar freundliche Roden gewechselt, in denen von feiten des Kreises und der Stadt Wetzlar bedauert wurde, daß man nach 117jähriger Zugehörigkeit von der Rheinprovinz scheiden müsse; anderseits wurde die Hoffnung ausgesprochen, daß die Sorgen und Wünsche Wetzlars in Wiesbaden und Kassel die gleiche Berücksichtigung finden möchten, wie in Koblenz und Düsseldorf. Don der neuen Regierung wurde dies gerne zugesagt und versichert, daß man sich freue, eine Stadt, deren Namen in der Welt einen so guten Klang habe, nunmehr im Verband der Provinz Hessen-Nassau willkommen M heißen. Die Anwesenheit der Regie- ruimsoertreter brachte zugleich eine große lieber- raschung. Vizepräsident Dr. Schunk teilte als Be- fchluß des Oberpräsidiums mit, daß die bisherigen nassauischen Gemeinden sich künftighin der Aemter- Verfassung zu unterwerfen haben. Bisher bestand dort die nassauische Gemeindeverfassung. Für die neuen Gemeinden werden in Verfolg dieses Beschlusses zwei neue Aemter ins Leben gerufen mit dem Sitj in Rodheim a. d. Lieber für die ehemaligen Gemeinden des Kreises Biedenkopf und mit dem Sitz in Brandoberndorf für die ehemaligen Gemeinden des Kreises Usingen. Beide Aemter werden von den bereits bestehenden Nachbarämtern in Ehringshausen und in Schwabach in Personalunion mitoerwaltet, Eine Personal- Vermehrung bei den betreffenden Aemtern wird nicht erfolgen. Diese Regelung gibt den nassauischen Bürgermeistern erhebliche Befugnlsie und erregte demzufolge bereits am ersten Tag scharfe Kritik. Wie Dr. Schunk noch mitteilte, ist die endgültige Entscheidung über die künftige Verwaltungsform in die Hände des neu zu wählenden Kreistags gelegt — ein besonderes Entgegenkommen; denn die Regierung unterstellt damit die Möglichkeit, in einem Regierungsbezirk mit nassauischer Gemeindeoerfassung unter Umständen einen Kreis zu haben, der nach rheinischen Verwaltungsgrundsätzen verwaltet wird, ein Novum in der modernen Verwaltungsgeschichte. von der Frage abhängig zu machen, ob wir mit diesem oder jenem Lande freundschaftlich stehen. Für Deutschland ist nur einheitliche Regelung allen Staaten gegenüber denkbar. Ein Kompromiß mit einem einzelnen Staat würde dadurch sofort illusorisch gemacht werden, daß dann alle anderen Länder die gleichen Bedingungen für sich in Anspruch nehmen würden. Don unterrichteter Seite wird in diesem Zusammenhänge erllärt, daß die Frage der Devisenregelung mit den augenblicklich im Gange befindlichen Kontingentsverhandlungen Deuftchlands nichts zu tun habe. Die deutsche Kommission, die zur Zeit im Haag weilt, wird morgen zu weiteren Derhandlungen nach Rom abreisen. * * Arbeiterein st ellungen. In der letzten Zeit haben u. a. folgende Werke Neueinstellungen von Arbeitern vorgenommen: Die Spinnerei, Weberei und Ausrüstung der Webstoff AG., M.-Gladbach, hat die Belegschaft um etwa die Hälfte erhöht. In einzelnen Abteilungen wird mit zwei bzw drei Schichten gearbeitet. Weitere Einstellungen sind in den nächsten Tagen zu erwarten. Die Vereinigte Rumpus-Wevke AG., M.-Gladbach, stellte 160 Kräfte neu ein, die alle vollbeschäftigt werden. Das Eisen- und Stahlwerk Hoesch hat in verschiedenen Dort- murober Betrieben 250 Arbeiter wieder eingestellt. Ferner werden dis Vereinigten Stahlwerke auf dem Werk Huesten am 10.10. 170 Arbeiter neu einstellen. * Vereinbarung über S tärkekar- toffelp reise. 3n einer Verhandlung im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft am 1. Oktober über Stärkekartoffel- Preise haben führende Vertreter der Kartoffelstärkeindustrie zugesagt, daß die Kartoffelstärkefabriken für Lieferungen von Fabrikkartoffeln in den Monaten Rovember und Dezember 1932 und Januar 1933 je Stärkepfundprozent 9 Pf. frei Fabrik ab 3. Oktober zahlen werden, sofern den Fabriken Angebote bis zum 20. Oktober zugehen. Frankfurter Abendbörse still. Frankfurt a. M., 3. Oft. An der Abend- börse herrschte auf Grund der eher schwächeren Auslandbörsen Zurückhaltung. Das Geschäft hielt sich wieder in sehr engen Grenzen, da Orders fehlten. Gegen den Berliner Schluß war die Kursgestaltung nicht ganz einheitlich. Clektro- werte waren unter Führung von Siemens und Der Relchsbankslatus Ultimo September. Berlin, 3. Oft. (WTD. Funkspruch.) Rach dem Ausweis der Reichsbank vom 3 0. September hat sich in der Illttmo-Woche die gesamte Kapitalanlage der Dank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 479,7 Millionen auf 3634,2 Millionen Mark erhöht. 3m einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und -schecks um 312,7 Millionen auf 2991,4 Millionen Mark, die Bestände an Reichsschatzwechseln um 27,5 Millionen auf 38,5 Millionen Mark und die Lombardbestände um 139,5 Millionen auf 242 Millionen Mark zugenommen. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen Zusammen sind 265,8 Millionen Mark in den Verkehr abgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 250 Millionen auf 3754,6 Millionen Mark, derjenige an Rentenbankscheinen um 15,8 Millionen auf 411,8 Millionen Mark erhöht. Dementsprechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 15,3 Millionen ermäßigt. Die fremden Gelder zeigen mit 450,6 Millionen Mark eine Zunahme um 92,7 Millionen Mark. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen haben sich um 1,4 Millionen auf 929,2 Millionen Mark erhöht. 3m einzelnen haben die Goldbestände um 14,7 Millionen auf 796,3 Millionen Mark zugenommen und die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 13,3 Millionen auf 132,9 Millionen Mark abgenommen. Die Deckung der Roten durch Gold und deckungsfähige Devisen betrug am Ultima 24,7 v. H., gegen 26,5 v. H. am 23. September. Abwehrmaßnahmen gegen die italienische Oevisenneuregelung. Die italienische Regierung hat am Samstag eine neue Devisenregelung in Kraft gesetzt, die als gegen Deutschland gerichtet angesehen werden muß. Die Bestimmungen der neuen italienischen Devifenverordnung sind bedeutend ungünstiger für Deutschland als die, die Deutsch- land für feinen Devifenverke.hr mit anderen Cän- öern getroffen hat. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, werden deutscherfeits Gegenmaßnahmen erfolgen. Rach der ganzen devifen- und wirtschaftspolitischen Situation ist es für Deutschland nicht möglich, die Devisenregelung Oie Sport-Wettkämpfe des Grenadiertages. Mit dem 1. Hessischen Grenadiertag waren der- schiedene reit- und wehrsportliche Wettbewerbe verknüpft, die im einzelnen folgende Ergebnisse zeitigten: Patrouillen - Springen: 1. Sieger Patt. Oberfeldwebel Bax 4 15; 2. Sieger: Patt. Unterfeldwebel Wenzel 4 15. Rachri chten-Stasette: 1. Sieger: Stafette Unteroffizier Engel, Rachrichtenzug 1/15. Reiten der ländlichen Reiterver- eine: 1. Preis: Herr Dietz, Reiterverein Butzbach; 2. Herr Rumpf, Reiterverein Butzbach; 3. Herr Schutt, Reiterverein Londorf. 50 / 100 - Meter - Staffel;,!. Sieger: 2. Kompanie. Hindernislauf. 1. Sieger: 2. Kompanie. Preisschießen des Bataillons: 1. Preis. Obergrenadier Betz, 3 15, 67 Ringe; 2. Gefreiter Leyendecker, 1 15, 64; 3. Oberschühe Wendel, 4 15, 62; 4. Feldwebel Bohn, 1/15, 62; 5. Unterfeldwebel Klöppel, 3/15, 61; 6. Obergefreiter Bender, 3/15, 60 Ringe. Preisschieß en de r G r e n a d ie r-Vereinigung. 1. Preis: Feldwebel Bohn, 1/15; 2. Herr ©g. Gümblein (Gießen), 3. Herr Hch. Reuter (Gießen); 4. Herr Speckhardt (Gießen); 5. Obergefreiter Tietz, 1/15; 6. Herr Zorn (Gießens. Preisschießen der Gäste: 1. Preis: Herr Hanke; 2. Herr Wehling, Schühen- gesellfchaft; 3. Herr Hofmeister, Büdingen; 4. Herr Bamberg, 3agdclub; 5. Herr Strack jun., Gießen; 6. Herr Klaus. Handball im Gau Hessen (O.T.) Io. von 1846 I — Turn und Sport Vuhbach I 1:7 (0:4). 3nfolge ungünstiger Umstände — die Soldaten waren in letzter Minute verhindert mitzu- spielen mußte das Spiel von 1846 mit- 10 Mann und mit Ersah durchgeführt werden. Dazu kam die Eigensinnigkeit verschiedener Spieler. Em Verteidiger spielte im Sturm, wo er vollkommen aussiel, und ein Stürmer in der Hintermann- schäft. Daß so keine Einheitlichkeit zustande kam und die Butzbacher, die noch nicht einmal ein gutes Spiel zeigten, zu einem billigen 7:1-Ersolg kamen, ist nicht weiter verwunderlich. Obwohl der Gießener Sturm viele Torgelegenheiten hatte, wurde außer einem Treffer nichts zählbares erreicht. Butzbach konnte durch zum großen Seit haltbare Würfe, die der Ersatzmann der 1846er passieren ließ, siebenmal erfolgreich fein. Oie Punfffämpfe der Gruppe Hessen. Auch in der Gruppe Hessen wurde am Sonntag die erste Serie der Meisterschaftsspiele abgeschlossen. Der letzte Spieltag der Serie brachte insofern noch eine kleine Klärung, als Alemannia- Olympia Worms durch das 2: 2-Unentschieden in Mombach um einen Punkt hinter Wormatia und Wainz 05 zurücksiel. Wormatia gewann gegen Dürstadt erst nach hartem Kampf 6:3 (3:2) und auch Mainz hatte cs in Lorsch nicht leicht, um 11 dem knappen l:0-Sieg zu kommen. Der SV. üesbaden gewann aus eigenem Platze gegen Urberach zwar 2:0, aber sein Sturm zeigte auch diesmal ein schwaches Spiel. Langen brachte Kastel eine 2:0-Riederlage bei. OJB.-Bilanz. Alljährlich um diese Zeit gibt der Deutsche Fuß- bull Bund ein Büchlein heraus: den DFB.-Iahres- bcr'cht. Es ist wie bei jeder Aktiengesellschaft: am Schluß eines Geschäftsjahres wird die Bilanz gezogen, die Gewinn- und Verlustrechnung aufgestellt und em allgemeiner Bericht über den Verlauf des . patres gegeben. Und wenn auch beim Geschäftsbericht des DFB. in diesem Jahre — wie überall — • ber stereotype Passus: „Unter Berücksichtigung der ! flechten wirtschaftlichen Verhältnisse.. / nicht fehlt, 0 er doch im großen und ganzen als sehr er-' reulich anzusprechen. Nicht nur in finanzieller Beziehung, denn daß der DFB. in dieser Hinsicht sehr gut gestellt ist, dürfte allgemein bekannt sein, auch der Bericht über den Entwicklungsgang dieses größten Sportverbandes Deutschlands weiß viel Gutes zu melden. ; Die Mitgliederzahl hat sich weiter auswärts be» mögt: Die Million wurde überschritten, der DFB. . «Rno Ä(£n?Co>nU 1 025 326 Angehörige, die sich auf 8602 (79.19) Vereine verteilen. Den Endspielen um die deutsche Fußball Meisterschaft wohnten 255 000 i Zuschauer bei gegen 240 000 im Vorjahre, aller- dings sind die Einnahmen aus diesen Spielen um etroa 30 000 Mark zurückgegangen. 450 000 Aktive ■ an. Jranffurt a. 2)I. Berlin Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a 2TI. V AL furo Mrf? Datum Datum 1-10- | 3.10. LIO. 3.10. lambutfl-timtruQ Paie. , l lamburg.Südam.Dampfschis,. v 16 >an|a Dampsschsst o Banknoten. 9,751 10,4 7 6,25 3,75 48 46 170 167 169 27,5 18.7 125 125 7,25 3,75 0 7,25 6.75 19 45,5 ii % ehern. 79LD». Relchoanl. v.l»2!> 6K% DoungAnleibe von 1930 . Deutsch '.liil..?(l)M..gd)ulb mlf Auslos..Rechten...... Desai, obnr Ausivl.-Rechte . . 6% etwm iSollMiiat 1989 (rucUablb. 108%)...... Ob erlies sen Provinz-Anleihe rnh Ausios.Rechten...... Deutsche Komm. Sammelabl. Anleide Serie 1 «% ehern. 8% jrranks. Hyp.-Banl (SJplotu.-. 15 unkündbar bl« 1935 6% ehern. 7% firanll. Hhp.Banl 1 6H% ehern. 4ft% ssrants.Hyp.- Bant yiou Piunobrlcse . . . 6H% ehern. 4^%Rheinllche 6% ehern 8% Pr. Lond.-ipiand. brirlanftai Ufanbbrtrfe R. 19 8% ehern. 7% Pr. Land.-Lpi.md. briefmnait Pfandbriefe R. 10 . . 6 . . 8 . . 0 . . 6 . 10 . 6; . 6 . 0 . 8 10 . 6 O 0 i' 0 0 . 7 . I' . ( . o . I I' 1- Kurszettel der Berliner und Kranksurter Börse. - &Cn ^nplcrcn angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. öuoenu...... Deutsche Erdöl . . . Gelsenkirchener . . . Harpener...... Voesch Eisen ,We Bernbau .... Ille Bergbau Genüsse HLodnenverle . . . Mannes mann-Röhren Maniselber Bergbau . vberschles. Kottwerke Bhünli Bergbau. . . Rheini>che Braunkohlen Rbeinstadl..... 4% Ce|tene1d)»dw Doldrente . 4,80% cesterrelchische GUbrrrcntf 4% Ungarische itzoidrenle .... 4% Ungarische Staaiörento v. 1910 4^% bftQl. oon 191H . . . . &% adgesl. Woidmexikaner von 99 4% Türkische Zoilanioibe von 1911 4% Türkische Bagbaodabn-Anleiix Serie l 4% de4gi. Serif 11 . . k>% (Rurndn. vereinh Rente v. 1903 4^96 Üiumgn.veretnh.Rentev.1913 4% Rumänische veretnh. Rente 2W% Anatolier . frankfurter Maschinen . . . . vs Gritzner........... MamkraUwerie Hbchst a. TO.. . 4 Süddeutscher Zucker.....g «.0.®......... Bergmann Slektr. Lieferungtzgesellschast. Licht upd Kraft...... ndten & Oluillfaume. . . . Bosellschast für Elektrische Unternehmungen .... Rheinische Elektrizität . . . Schuckert & 60....... Siemen« & Halile Lahmeyer L Eu....... Schultheis Batzenhofer . . fflu (Mllflemcine Kunstseide, Bemberg. . . Zellstoss Waldhos . ' ' ' ' Zellstoff Aschaffenburg . . 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