m. 154 Krühaussabe 182. Jahrgang Montag, 4. Juli 1952 Dmtf und Verlag: vrühl'sche llniv«rxiüts-V»ch. und Stemdruckerel H. lange in Sieben. Lchriftleitnng und SeschäftssteHe: Schulftratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis Zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Rs» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20 \ mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Vlumfchein und für den Anzeigenteil Mar Filter, fämtlich in Gießen. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Erfchernt täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-vezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Zranksurt am Main 11686. Der Gläubigervorschlag steht zur Debatte. Zahlen und Klauseln unmöglich. Lausanne, 3. Juli. (211.) Die vertraulichen Besprechungen zwischen den Gläubigermächten über den gemeinsamen endgültigen Vorschlag an die deutsche Regierung sind am Samstag bis in die Abendstunden fortgesetzt worden. Rach dem Gläubigervorschlag sollen die vier M i l l i a r - den nicht mehr, wie bisher als Mindestsumme, sondern als Höch st summe festgesetzt werden. Die ursprüngliche Bestimmung des Gläubigervorschlags, nach der Deutschland im Falle einer ablehnenden Haltung der amerikanischen Regierung in der Schuldenfrage über das Mindestmaß von 4 Milliarden hinaus eine weitere Zusatz- z a h l u n g zu tragen hatte, ist infolge der kategorischen Ablehnung der Deutschen zurückgezogen worden. Der Gläubigervorschlag sieht dagegen nunmehr vor, dah nach dem Ablauf des dreijährigen Moratoriums Deutschland von der Regierung garantierte Bonds, nicht jedoch Reichsbahnobligationen herauszugeben hat. Jedoch entscheidet zunächst die deutsche Regierung, ob unter Berücksichtigung der gesamten deutschen Wirtschaftslage die Ausgabe dieser Bonds zugunsten der Gläubiger stattfinden kann. Die jährliche Ausgabe der Bonds der deutschen Regierung soll nach dem Vorschlag einen Betrag von einer halben Milliarde nicht überschreiten. Falls hierüber Meinungsverschiedenheiten entstehen, so soll ein Schiedsgericht entscheiden. Als Zinsfuß sieht der Gläubigervorschlag einen Betrag von 5 Prozent plus 1 Prozent Amortisierung für die Bonds vor. Der Gläubigervorschlag sieht ferner vor, daß eine gemeinsame Erklärung von sämtlichen Konferenzmächten sowie ein von den fünf Gläubigermächten zu unterzeichnendes Protokoll angenommen werden solle. Deutscherseits wird der Standpunkt vertreten, daß in der Gesamterklärung der Konferenzmächte keinerlei Hinwe-is auf den Zusammenhang zwischen den interalliierten Schulden und der Tributfrage ausgenommen werden darf. Rach deutscher Auffassung würde allein schon ein derartiger Hinweis den Gläubigervorschlag völlig unannehmbar machen. Ferner wird deutscherseits der Standpunkt vertreten, daß im Falle einer positiven Regelung der Tributfrage die neue Vereinbarung a n Stelle der gesamten bisherigen Be- stimmungen des Versailler Vertrages und des Poungplanes zu treten und die gesamte Tributfrage für Deutschland ein für allemal als endgültig erledigt erklärt wird. — Auf französischer Seite wird an der bisherigen Aufsassung des unlösbaren Zusammenhanges zwischen der interalliierten Schulden- und der Tributfragen festgehalten. Es ist daher jetzt von englischer Seite der Gedanke aufgetaucht, eine „R a t i f i z l e r u n g s k l a u s c l in die Vereinbarung auszunehmen, um auf diese Weise der französischen Regierung die Möglichkeit zu geben, die Ratifizierung der Vereinbarung von der Haltung der amerikanischen Regierung abhängig zu machen. Die deutschen Einwendungen. Lonnlageberaiungcn bei Macdonald. Lausanne, 3. 3uli. 3n einer Inständigen Besprechung, die der Reichskanzler und der Reichsaußenminister am Sonnlag mit Macdonald hatte, wurden die deutschen Einwendungen gegen den Vorschlag der fünf Gläubigermachte ausgiebig besprochen. Diese Vorschläge waren im wesentlichen im verlaufe des späten Abends gestern bei der deutschen Delegation bekannt geworden und sind heute früh von 2Hac- donald formell vorgelegt worden. Die A b l e h n u n g der deutschen Delegation stützt sich vornehmlich auf drei Punkte: 1 - Die höhe der genannten Summe. 2 .Die Frage der Sicherungen, die zugunsten Deutschlands in das gedachte Seffern eingebaut fein sollen, um die Begebung oon Teilen der geforderten Bonds von einem entsprechenden Stand der Wirtschafts- und Finanzlage abhängig zu machen, und 3 . die S i ch e rungsklausel in bezug auf die amerikanjfchenGläubigeran- spräche an die ehemaligen Alliier- t e n. Diese letztere Klausel soll allerdings in bem vorgrschlagenen Abkommen nicht mehr erscheinen, sondern Bestandteil eines Protokolls oder eines ähnlichen zusätzlichen Schriftstückes werden. Wir glauben zu wissen, daßMacdonaldsich den deutschen Argumenten nicht verschlossen hat, die gegen diese und andere Einzelheiten in entschiedener Verfolgung der bisherigen deutschen Haltung vorgekragen worden sind. Anschließend an diesen Besuch sind die fünf am Büro beteiligten Mächte zusammen- getreten und haben den Stand der Dinge weiter beraten. 3m Laufe des Nachmittags fand eine neue Sitzung der Fünf statt, die die deutschen Darlegungen beriet. Kein deutscher Gegenplan. Zurückweisung französischer Störungsversuche. Lausanne, 4. Juli. (TU.) Von maßgebender französischer Seite wurden am Sonntagabend Mitteilungen verbreitet, nach denen die deutschen Vertreter in den Unterredungen mit Macdonald einen neuenPlan zur Regelung der Tributfrage vorgelegt haben sollen, der eine gänzlich neue Regelung Vorschläge und im Widerspruch zu dein Vorschlag der Gläubigermächte steht. Die deutsche Abordnung soll vorgeschlagen haben, im Falle der endgültigen Streichung der Tribute eine ZahlunginHöhe von 2 Milliarden Mark vorzunehmen, die jedoch entgegen der bisherigen deutschen Stellungnahme in zehn Jahresraten von 16 0 RN llionen abgetragen werden solle. Durch diesen neuen Vorschlag sei für die französische Regierung eine vollständig neue Lage geschaffen worden, so daß eine neue Stellungnahme von französischer Seite erforderlich geworden sei. Die Mitteilungen von französischer Seife, nach denen Deutschland als Restzahlung für biedenb- gültige Regelung ber Tribute 10jährige Zahlungen in höhe von 160 Millionen vorgeschlagen hat, föhnen ausbrücklich als vollständig falsch bezeichnet werden. Lin derartiger Vorschlag ist nicht gemacht worben. 3n ben verhanblungen sinb lebiglich v e r s ch i e - bene rechnerische Möglichkeiten erwogen worben. Zu diesen Mitteilungen wird von deutscher Seite folgendes ausdrücklich festgestellt: Lin Plan oder ein Vorschlag ist in der heutigen Unterredung der deutschen Vertreter mit Macdonald weder in mündlicher noch in schriftlicher Form erfolgt. Die deutschen Vertreter haben lediglich zu ben von Macdonald vorgelegten Vorschlägen ber Gläubigermächte ben bekannten Sfanbpuntf vertreten und ins- Leipzig, 2. Juli. In dem Hochverratsprozeß vor dem IV. Strafsenat des Reichsgerichts gegen 24 Angeklagte aus Berlin, Breslau und Thüringen, denen, wie bei Beginn ber Berhanblung am 14. Juni gemeldet, zur Last gelegt wird, durch Beschaffung von Sprengstoffen, Herstellung von Sprengkörpern und Bildung von sog. Sprenggrupepn, ferner durch Ansammlung von Waffen und Munition, die auf den g e w a l t s a m e n Umsturz gerichteten Vorbereitungen der KPD. gefördert zu haben, führte ber Vertreter der Reichsanwaltschaft aus, daß die Hauptverhandlung den Beweis dafür erbracht habe, baß d i e Kommunistische Partei zur Vorbereitung des gewaltsamen Umsturzes und des damit verbundenen Bürgerkrieges von zentraler Stelle aus planmäßig über das Reich nicht nur die Beschaffung von Sprengmunition und Kampfmitteln, sondern auch die Bi l • düng von Sprengtrupps organisiert hat. Diese hatten die Aufgabe, den meist durch Diebstahl erlangten Sprengstoff ficherzustellen.ihre Mitglieder im Gebrauch des Sprengstoffs zu unterweisen sowie selbst Handgranaten, Bomben usw. her- zustellen. Eine Vorstellung von ber ungeheuren Gefahr, die für das Reich und das Leben der Staatsbürger durch die zur Aburteilung stehenden Vorbereitungen ber Angeklagten heraufbeschworen worden fei, vermittelte insbesondere die Tatsache, daß sich in den Händen der Angeklagten 3ÜOPfund Spreng st off befunden hätten, mit denen 2 0 0 0 bis 3 0 0 0 Handgranaten hätten gefüllt werden können. Hiervon seien 110 Pfund beim Berliner Angeklagten Heberbrück und einige 80 Pfund in Der Wahlaufruf der Deutschnahonalen. Berlin, 3. Juli. (TU.) Die Deutschnationale Volkspartei veröffentlicht einen Wahlaufruf, in dem es u. a. heißt: Das Ziel des 31. Juli ist die Erreichung ber absoluten Mehrheit für die nationale Opposition. Das Ziel des 31. Juli ist eine starke und einflußreiche Deutschnationale Volkspartei innerhalb dieser Mehrheit. Sozial ist, wer Arbeit schafft. Wirkliche Sozialpolitik ist nur gegen ben Sozialismus zu machen. Nur die Wiederherstellung der finanziellen Lebensfähiakeit aller Wirtschaftszweige, beginnend mit der Landwirtschaft, kann zu wirklicher dauernder Gesundung der Wirtschaft und damit zur Behebung der Arbeitslosigkeit und der Finanznöte der öffentlichen Hand führen. Ein st arte r Tc i 11 e l ft a n ö, auf gesundem Wohlstand auf« gebaut, ist die beste Gewähr für eine lebensfähige besondere dargelegt, bis z u welcher Grenze und unter welchen Bedingungen die deutsche Regierung sich an der bereits zugesagten positiven Mitarbeit am Wiederaufbau Europas beteiligen können. 3n den Besprechungen am Sonntagabend fei von deutscher Seite der bekannte deutsche Standpunkt vertreten worden, daß jede Klausel über den Zusammenhang zwischen der Tributfrage und der interalliierten Schuldenfrage von ber deutschen Regierung auf das entschlebe n st e a b g e l e t) n t wird, daß irgendwelche zukünftigen Zahlungen nicht als Tributzahlungen sondern nur als Beteiligung Deutschland an dem Wiederaufbau Europas erfolgen könnten, und daß ferner die angeftrebte endgültige Regelung der Tributfrage selbstverständlich d 1 e bisherigen Bestimmungen des Versailler Vertrages über die Reparationen ersehen müßte, wodurch Teil 7 (Reparationen) als erledigt angesehen werden könnte. Bei den französischen Mitteilungen handelt es sich offensichtlich um S t ö r u n g s v e r s u ch e in der Absicht, der deutschen Regierung die Verantwortung für einen erfolglosen Ausgang der Konferenz zuzuschieben. Die französischen Mitteilungen, die am Sonntagabend auch von der gesamten französischen Presse wiedergegeben werden, suchen in der öffentlichen Meinung den Eindruck zu erwecken, daß die französische Regierung bereits weitgehendes Entgegenkommen gezeigt habe, aber die deutsche Regierung durch einen neuen Plan die gesamten bisherigen Derhandlungsgrundlagen umgewor- f e n und damit eine neueLage geschaffen habe. Dieser Störungsversuch muß sofort in seinem wahren Charakter erkannt und an den Pranger gestellt werden. Breslau beschlagnahmt worden. Der Rest von beinahe zwei Zentnern habe noch nicht aufgefunden werden können, wie überhaupt etwa 70 im vorigen Jahr zu fast gleicher Zeit im ganzen Deutschen Reich ausgeführte Sprengstoffdiebstähle noch nicht hätten aufgeklärt werden können. Weiter seien bei dem Angeklagten Ueberbrück allein 2857 Sprengkapseln beschlagnahmt worden. Außerdem sei er im Be - sitz von Hunderten von Glühauf- schlagzündern gewesen. Die bei Dethmann, Tleberbrück und in der Berliner Rationalgalerie gefundenen Handgranaten seien von dem Angeklagten Dörner hergestellt worden. Um sich über die Behandlung und Anwendung des Sprengstoffes zu unterrichten, hätten sich die Angeklagten u. a. mehrere Militär-Pio- nier-Sprengvorschriften verschafft. Besonders wichtig erscheine ferner, daß die H e r- stellung von Sprengkohle zu Sabotagezwecken nachgewiesen sei. Die bei Heber- brück gefundenen 42 Blechhülsen sollten offenbar nicht nur zur Aufbewahrung des Sprengstoffes, sondern vor allem zur Sprengung von Eisenbahnanlagen dienen. Für die Pläne von Attentaten gegen Eisenbahnanlagen sprächen auch die bei Äeberbrück beschlagnahmten erheblichen Vorräte von über 500 Meter Zündschnur und ein zur Auslösung von Sprengungen dienendes Uhrwerk, endlich der Besitz von zwei geheimen militärischen Büchern, die nur führenden Stellen zugänglich seien. — Der Vertreter der Reichsanwaltschaft beantragte für die Angeklagten Zuchthausstrafen von zwei bis zu zwölf Jahren. Wirtschaft, der beste Schutz gegen übertriebene Konzern- und Trustbildungen, gegen die Vorherrschaft einer falschen Gewerkschaftspolitik und gegen die Abhängigkeit vom internationalen Leihkapital. Die Wiederher st ellung des Persönlich- keitswertes in ber Wirtschaft und ihrer vollen Verantwortlichkeit ist die beste Sicherung gegen Korruptionserscheinungen, wie sie einer sozialisierten Wirtschaft eigen find. Deutsche Kultur und christliche Religion sind die Grundlagen des Volkslebens. Wir verlangen den Schutz der christlichen Kirchen durch Unterdrückung der Gottlosenbewegung, wir verlangen aber auch von den Kirchen, daß sie sich zum nationalen Staat bekennen und für ihn kämpfen. In der Volksbildung muß der heutigen Forderung „gleiche Bildung für alle" der Grundsatz gegenübergestellt werden: Jedem die seiner Veranlagung entsprechende Bildung. Demgemäß verlangen mir den Abbau des überspannten Berechtigungswesens. Die Oie Kommunisten rüsten planmäßig zum Bürgerkrieg. Das Ergebnis des Sprengstoffprozeffes vor dem Reichsgericht. Vorbereitungen zum MWagswahlkamps. Schulen müssen auf christlicher Grundlage stehen, weltliche Schulen sind abzulehnen. Ein starker Ausbau der Selbstverwaltung soll die bodenständigen Kräfte des Landes zur Ttitarbeit heranziehen. Die Rechte des Beamtentums müssen gegen Willkür gesichert, seine Reihen oon ungeeigneten Elementen gesäubert werden, die ihre Stellung dem Parteibuch verdanken. Dem übertriebenen Parlamentarismus von Weimar stellen wir den Führergedanken gegenüber. Echtes Führer- tum ist begründet auf der Verantwortlichkeit, die nicht auf die Geführten abgeschoben werden kann. Das republikanische Staatssystem hat in Deutschland vollkommen versagt. Zur deutschnationalen Staatsidee gehört die Erb Monarchie. Nur eine starke Regierung, die sich auf die kämpferischen, lebenswilligen Kräfte des deutschen Volkes stützt, wird die selbstverständlichen außenpolitischen Ziele, die voll- ständige und bedingungslose Streichung der Tribute, die Beseitigung der Kriegsschuldlüge und die Wiederherstellung der deutschen Wehrhoheit erkämpfen und die endgültige Befreiung des deutschen Volkes von den Fesseln von Versailles erreichen. Nicht Reden und Massendemonstrationen, sondern nur nüchterne, von Sachkenntnis getragene Arbeit und ber harte Wille einzelner wird Deutschland aus dem jetzigen Tiefstand emporführen können, lieber einem so erstarkten Deutschen Reich werden die Farben Schwarz-Weiß-Rot wieder Heimatrecht haben. Technisches Wahlabkommen zwischen Volkspartei und Veuffchnationalen. Acht volksparteiliche Kandidaten auf der deutschnationalen Reichsliste. B e rl i n, 2. Juli. (ERB.) Die Reichsleitung der Deutschen Volkspartei teilt mit: „Der Zentralvorstand der Deutschen Volkspartei hat bekanntlich den Beschluß gefaßt, dah in allen Wahlkreisen selbständige Li st en der Deutschen Volkspartei aufgestellt werden, gleichzeitig aber den Parteivorstand ermächtigt, die erforderlichen Schritte zu tun, damit jede für die Deutsche Volkspartei abgegebene Stimme zur Geltung kommt und leine Stimme verlorengeht. Ausgangspunkt solcher Verhandlungen muhte das doppelte Ziel sein: einerseits im Kampf gegen die Weimarer Koalition eine Rechtsmehrheit für das kommende Parlament zu erstreben, anderseits alle Kraft dafür aufzubieten, um innerhalb dieser Rechtsmehrheit den nationalbürgerlichen Anschauungen ein starkes Gegengewicht gegen sozialistische Tendenzen zu verschaffen. Aus diesen Gründen wurden die Verhandlungen mit der Deutschnationalen Volkspartei geführt. Diese Verhandlungen wurden heute mit dem Ab- schluh eines technischen Abkommens positiv beendet. Danach räumt die Deutschnationale Dolkspartei der Deutschen Dolkspartei a u f ihrer Reichsliste ach t Sitze und soviele volksparteiliche Mandate ein, als sie nach der Schlüsselzahl von 60 000 auf Grund ihrer ab- gelieserten Stimmen beanspruchen kann. Irgendwelche politischen Bindungen wurden dabei weder Von der einen noch von der anderen Seite übernommen. Die Selbständigkeit der Deutschen Volkspartei im Wahlkampf und nach der Wahl bleibt unverändert aufrechterhalten. Auch die in den Wahlkreisen oder auf der deutschnationalen Reichsliste gewählten Abgeordneten der Deutschen Volkspartei behalten ihre volle Cntschliehungsfreiheit. Beiden Parteien gemeinsam ist das Ziel der Abwehr sozialistischer Bestrebungen und einer einseitigen Parteidiktatur im Kampf für eine gegen die Weimarer Koalition gerichtete Mehrheit des kommenden Reichstages." Oie Mitteilung der ORDp. Berlin, 2. Juli. (TTl.) (Funkspruch.) Von der Deutschnationalen Pressestelle wird mitgeteilt: Der 31. Juli soll vollenden, was mit dem Sturz Brünings begann und in Preußen bisher nicht gelungen ist: Die endgültige Ausschal- tungdesaltenSystemsausStaatund Verwaltung. Diesen Zielen sind alle minderwichtigen Gesichtspunkte unterzuordnen. Insbesondere muh verhütet werden, daß wieder, wie bei den Preußenwahlen, Hunderttausende von nationalen bürgerlichen Stimmen durch dieBil- dung von Splitterlisten verloren gehen. Offenbar aus diesem Grunde hat auch die Rationalsozialistische Partei der DVP. bereits den Abschluß einer lediglich listentechnischen Vereinbarung angeboten und angeblich eine solche mit der Landvolkpartei schon abgeschlossen. Aehnliche Abmachungen sollen von der Zentrumspartei bzw. der Bayerischen Volkspartei mit der Landvolkpartei und Wirtschaftspartei getroffen sein. Der gleichen Erwägung sind die in der Presse schon erwähnten Verhandlungen der DVP. mit der DRVP. entsprungen, denen die Ankündigung der DVP. vorangegangen war, bei den anberaumten Reichstagswahlen in den Wahlkreisen nochmals mit eigenen Listen vorgehen zu wollen. Die DRVP. hat sich nach Klarstellung des rein „technischen Listencharakters" der Abmachung mit der DVP. dahin verständigt, daß dievolkS- parteilichen Re st stimmen auf die deutschnationale Reichsliste überführt werden. Dafür wird einer Anzahl vvlksparteilicher Kandidaten — entsprechend der Zahl der wirklich überführten volksparteilichen Stimmen — ein Platz auf der deutschnationalen Reichslifte eingeräumt (bis zu acht Plätzen). In den einzel- - neu Wahlkreisen findet nur innerhalb der einzel- nen Partei, nicht von Partei au Partei, eine Listenverbindung statt. Dieser Regelung ist die Klarstellung vorausgegangen, daß für die DDP., die im übrigen selbständig vorgeht, keinerlei Unterstützung von einer Aegierungskoalition in Frage kommt, deren Bildung und Bestand vom Zentrum'und der Sozialdemokratie abhängig ist. Wahlaufruf des Zentrums. Berlin, 2. 3uli. (CRB.) Die „G e r in a - n i a“ veröffentlicht einen Wahlaufruf des Zentrums, in dem es heisst: Das Zentrum hat diese Neuwahlen zum Reichstage nicht gewollt. Sie sind ihm aufgezwungen worden. Run gibt es tein Kapitulieren mehr! Run gibt es für alle die, die in dem Zentrum den Ordnungsblock der Mitte sehen und die wissen, daß ohne ihn das Chaos kommen mutz, nur noch «ine Parole: Alle Kräfte frei gemacht für die Entscheidung! Das Zentrum wird in den kommenden Wochen nicht müd-e werden, in den Städten und draußen auf dem Laude für das zu werben und hir das einzutreten, was immer auch Inhalt seines Programms war: Aufbau, Versöh- nung und eine Politik der Sachlichkeit. Eine Politik, die nicht ins ilnglüd führen soll, verlangt klare Erkenntnisse der Tatsachen, verlangt Wahrheit und Klarheit. liniere Füh- rer, an der Spitze Dr. Heinrich D r ü n i ng , werden in den nächsten Tagen, in den nächsten Wochen im Osten und Westen, im Süden und Rorden des Reiches zu den Massen sprechen und sie werden überall da, wo sie hinkommen, den Demagogen, den Aufwieglern und denen, die persönliche Interessen als Interessen der Volks- gesamtheit ausgeben, die Maske vom Gesicht reihen. Keine Listenveröindung zwischen Gtaaispartei und Zentrum. Berlin, 2. Iuli. ($11.) Bon staatsparteilicher Seite wird mitgeteilt: Die Leitung der Deutschen Staatspartei hatte, um auf jeden Fall für die verfassungstreue Mitte die letzte Stimme bei der bevorstehenden Reichstagswahl mandatö- mäßig auszuschöpfen, Verhandlungen mit dem Zentrum ungebahnt, um eine tech - nische Zweckverbindung auf einer gern ein f amen Reichsliste herzustellen. Der Vorstand der Zentrumspartei hat jedoch jetzt beschlossen, ohne Listenverbindungen U den Wahlkampf zu gehen. Die Deutsche Etaatspartei wird nunmehr alle übrigen praktischen Möglichkeiten einos solchen Versuches prüfen. Sie ist aber fest entschlossen, unter allen Umständen den Wahlkampf mit ganzer Kraft zu führen, da jedes Mittel angewandt werden muh, um die Kräfte der Reaktion und Diktatur nicht zum Siege gelangen zu lassen. Massendemonstrationen in München. Hitler spricht nach einemAusmarsch der LA. München, 3. Iuli. (WTB.) Soweit sich bisher übersehen läßt, haben sich die Aufmärsche der nationalsozialistischen SA. und SS. und der Eisernen Front in München reibungslos vollzogen. Die nationalsozialistischen Gruppen sammelten sich in den östlichen Stadtteilen Münchens, während die Eiserne Froitt ihre Verbände im Süden um den Kaiser- Ludwig-Platz zusammenzog. Punkt 10 Uhr setzten sich die Züge, zu denen auf beiden Seiten Tausende auf geboten sind, in Bewegung. Gleichzeitig setzte aber Regen ein, der die Stimmung der die Marschstraßen umsäumenden Menschenmassen sichtlich herabminderte. Die Massenaufmärsche blieben bis gegen die Mittagsstunde von politischen Gegnern völlig unbehelligt. Die innere Stadt zeigt bisher vollständig das gewohnte Bild. Wie die Polizeidirektion über den Verlauf der Aufmärsche mitteilt, versuchten nur an einer Stelle einige hundert Kommuni st en durch Schreien und sonstigen Unfug den Zug der Rationalsozialisten zu stören. Um Tätlichkeiten zu verhüten, muhten Polizeikräfte eingesetzt werden, die unter Anwendung des Gummiknüppels die kommunistischen Ansammlungen zerstreuten. Zn dem in unmittelbarer Nähe des Stadions errichteten Riesenzelt, das Platz für 30 000 Zuhörer bietet, sprach Adolf Hitler im Anschluß an den DerReichskriegertag in Dortmund Dortmund, 2.Juli. (TU.) Dortmund hat sich aus Anlaß des 4. Deutschen Reichskriegertages, zu dem an hunderttausend ehemalige Soldaten aus allen Teilen des Reiches erwartet werden, reichen Festschmuck angelegt. Auf den Straßen und Plätzen herrscht bewegtes Treiben. Uebera-ll sieht man ehemalige Krieger. Als die Reichswehr in einem Sonderzug eintraf, hatte die Polizei Mühe, die Ordnung aufrechtzuerhalten. Von der Menge freudig begrüßt, zogen die Soldaten mit klingendem Spiel zum alten Rathaus, wo sie die alten Fahnen der westfäli - schen Regimenter einbrachten. Das historische Festspiel „Barbarossas Traum", das nach, mittags in der Kampfbahn ,Rote Erde" zur Auf- sührung gelangte, hatte ebenfals eine ungeheure Menschenmenge angelockt. Den Höhepunkt des Festspiels bildete das Erscheinen des Alten Fritz, der unter dem Jubel der Tausenden die Parade der langen Kerls abnahm. Zum Schluß kamen die Abordnung en der abgetretenen Länder: Elsaß-Lothringen, Oberschlesien, Danzig und Nord-Schleswig. Beim Erscheinen dieses Festwagens erhob sich die Menge und verharrte Minuten- lang in tiefem Schweigen. Das Schauspiel fand seinen Ausklang mit dem Gesang des Deutschlandliedes. Wahrend der Aufführung wurde ein zwei Meter hoher Lautsprecher vom Wind von dem Dach der Tribüne hinabg eworfen. Unter der Zuschauermenge entstand große Erregung, jedoch wurde zum Glück niemand verletzt. Ferner mußte ein Flugzeug, das während der £ yführung über dem Stadion kreuzte, in der Nähe notlanden. Das Flugzeug wurde so schwer beschädigt, daß es ab monti ert werden mußte. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Ein Aufruf des Präsidenten von Horn. In der Zeitschrift „Kyffhäuser" veröffentlicht der Präsident des Kysfhäuserbundes General a. D. von Horn einen Aufruf, in dem es u. a. heißt: 3n dieser Stunde kameradschaftlicher Verbundenheit richtet der Gesamtvorstand des Deutschen Reichskriegerbundes im Ramen seiner drei Millionen Mitglieder an alle, die deutsch denken und vaterländisch fühlen, den Appell, sich immer enger in dem Bekenntnis zum Deutschtum zusammenzuschließen und über alle Rot und Kümmernisse hinweg den Blick freizuhalten für die Rotwendigkeit deutschen Lebens und deutscher Zukunft. Aus den Wurzeln der deutschen Volksgemeinschaft, die wir Ehre, Treue, Pflicht und Freiheit nennen, muß die deutsche Ration ihren neuen Auftrieb beginnen. Rie war es notwendiger als heute, daß die deutsche I u g e n d sich wieder hineinlebt in das heilige Erbgut der Vorfahren. Dazu aber ist es notwendig, daß der Geist unseres Volkes sich freudig bekennt zum deutschen Vorbilde und zur deutschen Treue. Wir müssen die Zersetzung der Volksseele niederkämp- f«n und uns von der Verblendung internationaler Strömungen abkehren. Rur so können wir in dieser Zeit des sich übersteigernden Rational- bewußtseins uns als deutsche Ration behaupten. Aufmarsch der SS. und SA. über die politische Lage. Hitler führte u. a. aus: Die Gegner der Nationalsozialisten wollten in der Bewegung nichts anderes sehen als nur den Ausdruck der heutigen Not. Die Bewegung sei aber in erster Linie derseeliichen N o t des deutschen Volkes entsprungen. Sie sei der Ausdruck der Ideale, die dem deutschen Volke vorschweben. Die Nationalsozialisten wollten keinen Stand oder Beruf retten, sondern die deutsche Nation. Wenn man sage, die Nationalsozialisten hätten nicht das Recht, Sieg oder Macht zu beanspruchen, so würde darüber nicht die Politik der Bayerischen Volkspartei entscheiden. Die nationalsozialistische Bewegung sei entschlossen, denWiederausbau Deutschlands durchzuführen, auch wirtschaftlich, und zwar in dem Sinne, daß das Kapital der Wirtschaft dem Volk dienstbar sein müsse. Die Arbeiterschaft müsse dem wiedererwachten Deutschland gewonnen werden, das Fundament aber für den Wiederaufbau müsse der Bauer sein. Wenn man auf gegnerischer Seite sage, es müsse abgerechnet werden mit dem Regiment Papen, so kümmere das ihn nicht. Ihn interessierten nur jene, die vorher das Regiment geführt hätten, vom 9. November 1918 bis in die Gegenwart. Hessen und die Reichsreform. Gründung eines Ausschusses Hessen-Rheinfrunken. In Gießen traten Vertreter des Landesarbeitsausschusses des Hessischen Volksbundes und der Verfasser des Reichsreformentwurfs, des sog. Frankfurter Entwurfs, Direktor Weitzel (Frankfurt a. M.), zur Gründung eines Ausschusses Hessen- Rheinfranken zusammen. Zweck des Ausschusses soll dieSchaffung eines Landes Hessen-Rheinfranken nach Artikel 18 der Reichsverfassung sein. Der Ausschuß soll sich zunächst aus Mitgliedern des Hessischen Dolksbundes und Anhängern des Franksurter Entwurfs, sodann aus weiteren Kreisen der Bevölkerung des in Betracht kommenden Gebiets ergänzen. Der Hessische Volksbund erstrebt dieDereinigungvon Hessen, Hessen - Rassa u, und Wetz- l a r. Der Frankfurter Entwurf greift weiter aus und bezieht das Gebiet von Trier - Koblenz, Birkenfeld, Pfalz, Saargebiet und das westliche llnterfranken in das zu bildende Land mit ein. Unter völliger Wahrung der Selbständigkeit beider Richtungen bezweckt der Ausschuß ihren Zusammenschluß zu gemeinsamer Arbeit. An der Spitze des Ausschusses stehen Geheimrat Prof. Dr. Sommer (Gießen), Direktor Weitzel (Frankfurt a. M.) und der Geschäftsführer Decker vom Hessischen Volksbund. Einberufung des Landtagsplenums zum Oonnerstag. WHP. Darmstadt, 2. Juli. Der Direktor des Landtagsamtes hat im Einverständnis mit dem Staatspräsidenten das Plenum des Landtages gemäß Artikel 22 der Verfassung auf Donnerstag, den 7. I u l i, 12 Uhr, zur konstituierenden Sitzung eingeladen. Auf der Tagesordnung steht: WahldesPräsidenten und des übrigen Bureaus. Feststellung der Geschäftsordnung. Wahl desAelt,stenrates. Wahl der Ausschüsse und der übrigen Kommissionen. Die Fraktionen sind zu einer Vorbesprechung über die Tagesordnung auf 10 Uhr gebeten. Der Mörder des deutschen Sportlers in Myslowih wieder auf freiem Fuß. Der polnische Leutnant, der am Mittwoch den deutschen Sportsmann W i n k e l st e i n im Myslowitzer Stadionbad erschossen hat, ist nach Abschluß der Untersuchung durch das Militärgericht freigelasscn und seinem Regiment wieder zugeteilt worden, da der Staatsanwalt des Militärgerichts auf Grund der Untersuchungen erklärt, daß der Offizier i n R o t w e h r geschossen habe. Die Zeugenaussagen stehen i n krassem Widerspruch zu dieser Feststellung des Staatsanwalts. Rotwehr kann schon deshalb nicht vorliegen, weil der Offizier die Bluttat nicht während der Auseinandersetzung mit Win- i kelstein begangen hat, sondern sich seinen Revol- I ver erst aus der Ankleide st eile desBa- d e s holte und dann den tödlichen Schuß auf den Deutschen abgab. Aus aller Wett. „Graf Zeppelin" über London. „Graf Zeppelin" traf Samstag kurz vor 18 Uhr dem Lauf der Themse folgend über London ein und kreuzte von vielen Flugzeugen begleitet, langsam über der Stadt. Das Wetter war ausgezeichnet, obwohl das Luftschiff gegen einen ziemlich starken Gegenwind zu kämpfen hatte. Auf den Straßen und Plätzen sowie auf vielen Dächern hatten sich tausende von Menschen angesammelt, die das Luftschiff bestaunten und ihm zuwinkten. Der „Graf Zeppelin" nahm direkten Dars die Frau eifersüchtig fein? Von Marlene Dietrich. Im allgemeinen hält man Eifersucht für einen der schlimmsten Fehler der Frau und denkt, daß eine eifersüchtige Gattin die Ursache für eine völlige Zerrüttung der Ehe sein kann. Ich glaube aber, daß diese Ansicht wirklichkeitsfremde Theorie ist, und daß es in der Praxis ganz an - d e r s aussieht. Wenn ich den großen Kreis meiner Bekannten und Freunde daraufhin prüfe, muß ich jedenfalls feststellen, daß gerade die Frauen die glücklichsten sind, deren Liebe durch einen Schuß Eifersucht gewürzt ist. Die sogenannte bequeme Gattin, die sich um das Tun und Lassen ihres Mannes nicht kümmert, sondern ihm völlig freie Hand läßt, verliert bald jeden Kontakt mit ihm, und eine gegenseitige Entfremdung ist meistens die Folge. Selbstverständlich gibt es für die Aeußerungen der Eifersucht Grenzen. Eine Frau darf nicht so weit gehen, ihrem Manne gegenüber ein pikiertes Gesicht aufzusetzen, wenn er eine Herrenpartie macht, seinen Skat spielt, in seinen Verein geht, oder dergleichen. Sie sollte ihm aber durchaus, in taktvoller und freundlicher Weise, zeigen, daß sie auf seine Gegenwart Wert legt und ein Recht auf dieselbe hat. Denn wenn der Ehegatte ein eigenes, völlig unabhängiges Leben führen will, warum hat er dann geheiratet? Wie unsere Gesellschaftsordnung aufgebaut ist, kann es auf keinem Gebiete Rechte geben, aus deren Wahrnehmung nicht zwangsläufig Pflichten erwachsen würden. Oft wird es zwar anfangs vorkommen, daß der Mann diesbezügliche Andeutungen der Frau als „Einschränkung seiner persönlichen Freiheit" und als „Eingriff in seine Persönlichkeitsrechte" empfindet, eine Frau mit Fingerspitzengefühl aber wird es immer zu verhindern wissen, daß ein bleibender Stachel im Herzen des Mannes zurückbleibt. Im Gegenteil, nach und nach wird der Gatte dahingehende Aeußerungen trotz äußerlichen Brummens als das empfinden, was sie sind: als Beweise der Liebe. Ich habe es oft erlebt, daß Männer in dem völligen Fehlen jeden Anzeichens von Eifersucht einen Mangel an Liebe erblickten, und ich selbst kann mir tatsächlich nicht vorstellen, daß echte Liebe lupenrein von jeder Eifersucht fein konnte. Wenn ich die Gabe der Allmacht hätte und mir würde die Aufgabe zufallen, ein v o l l - kornrnenesWeib zu schaffen, würde ich unter ihre Tugenden bestimmt ein Gran Eifersucht mischen. Sicher erhöht eine kleine Portion Eifersucht die Anziehungskraft der Frau in stärkerem Maß« und ist für ihre „Ausmachung" wesentlicher als die teuerste Schminke. Denn während Schminke und Puder sehr oft die natürlichen Reize einer Frau verdecken, läßt die Eifersucht die schönste Tugend der Frau, ihre Liebesfähigkeit, um so heller hervortreten. Run darf man die aus Liebe geborene Eifersucht nicht mit einer andern Eigenschaft, die mit echter Liebe nur schwer vereinbar ist, verwechseln, ich meine das Mißtrauen. Mißtrauen ist dem Gegenpol der Liebe, der Gehässigkeit, verschwistert. Mißtrauen verbreitet Unfrieden und beleidigt in seiner Plumpheit. Liebevolle Eifersucht ist zart, und, statt zu verletzen, schmeichelt sie der Eitelkeit des Mannes. In meinem Film „Shanghai Expreß" kommt der typische Fall vor, daß das Gewähren völliger Unabhängigkeit und das Fehlen oder richtiger gesagt das Zurückstellen jeder natürlichen Eifersucht das Glück einer Frau und ihres Geliebten zu vernichten droht. Zwei verwandte Raturen, beide stolz, unabhängig, jeder durch die Stärke des anderen erschreckt, treffen sich. Keiner will sich dem anderen unterwerfen. Die Frau verlangt völlige Freiheit für beide Teile. Rach außen hin zeigt sie nicht die leiseste Eifersucht. Infolgedessen verstärkt sich bei dem Manne immer mehr die Ansicht, daß sie ihn nicht liebt. Als die Entfremdung zwischen beiden auf ihrem Höhepunkt angelangt ist, begreift sie plötzlich, daß er geradezu jemanden braucht, der „seine persönliche Freiheit" einschränkt und sich um ihn kümmert. Ohne Schwanken handelt sie und überzeugt ihn von ihrer Liebe, indem sie deren Rechte wahrnimmt. Wenn ich als Bürgerin eines Staates das Recht habe, an den Wahlen zu seiner Volksvertretung teilzunehmen und ich gehe nicht zur Wahl, so ist das ein Beweis von mangelnder Liebe zum Vaterland. Wenn ich das Recht habe, als Muter die Erziehung eines Kindes zu überwachen und ich überlasse das Kind sich selbst oder anderen, so ist dies ein Zeichen von fehlender Mutterliebe, lind wenn ich das Recht habe, das Lebon eines Mannes mitzuleben, einen Teil seines Denkens und seiner Fürsorge für mich zu verlangen, wenn ich ein Recht auf feine Treue habe, sollte ich nicht wie eine Löwin für ihr Iunges für diese Rechte kämpfen, wenn sie in Gefahr sind? Wäre nicht gleichmütiger Verzicht auch hierbei gleichbedeutend mit mangelnder Liebe? O, ihr Karikaturisten, die ihr in euren Zeichnungen zeigt, wie der arme, zähneknirschende Ehegatte von der eifersüchtigen Gattin an eiserner Kette geführt wird, ihr seid schlechte Freunde der Ehemänner und vor allem: der Ehen. Man kann das Schönste lächerlich machen und das Klügste ad absurdum führen, indem man es bis ins llnschöne und Dumme übertreibt, und Eifersucht darf sicher nicht in Herrschsucht ausarten. Eine taktvoll und mit Maß gezeigte Eifersucht wird nie befehlen, sondern stets nur bitten wollen. Sie wird nicht belauern, bespähen, sondern nur teilnehmen. Dann aber wird sie auch für den Mann keine eiserne Kette, sondern ein dünnes Band sein, das er mehr als Zierde denn als Fessel empfindet. Sie wird in richtiger Mischung mit Hingabe und Aufopferung den festesten Kitt der Che bilden. Allerdings lautet das genaue Rezept für diese Mischung für jede Ehe entsprechend dem Charakter der Beteiligten verschieden. Immer aber wird die Abstufung die folgende sein müssen: Sehr viel Hingabe, viel Aufopferung und ... ein klein wenig Eifersucht. Das Oberhaus speist ... Das englische Oberhaus besteht aus Lords. Und der Lord ist bekanntlich auf dem europäischen Festland das Symbol der Vornehmheit. Einen Lord ohne Bügelfalte in der Hose kann man sich schwer vorstellen, ohne daß das imaginäre Welt- gebäude der Vornehmheit dabei in die Brüche geht. Aber können Sie sich einen Lord tagaus tag» ein bei Bratwurst mit Kartoffelbrei vorstellen? Greues über Greuel! Eine Statistik über den Warenkonsum im Grfrischungsraum des Kurs Über den Piccadillh-Plah, dem Zentrum Londons. Dann flog er in Richtung Drookland, der Londoner Autorennbahn, um den dort anwesenden Herzog von Bork und seine Gemahlin durch Abwerfen eines Rosenstraußes zu ehren. Kurz nach 18 Ahr traf das Luftschiff „Gras Zeppelin" über dem Flugplatz Henworth ein, wo sich bereits Zehm- tausende von begeisterten Menschen versammelt hatten, die mit Sonderzügen, Autobussen und Flugzeugen herbeigeeilt waren, um das deutsche Luftschiff zu begrüßen. 250 Pfadfinder standen unter dem Oberbefehl des früheren Kommandanten des englischen Luftschiffes R 101, Kapitän Meager, bereit, um die Landemanöver durchzu- sühren. Als der „Gras Zeppelin" von der Abendsonne silbern beleuchtet am Horizont auftauchte, winkte die Menge begeistert mit den Taschentüchern und die Zeppelinfahrgäste erwiderten die Grüße von der Gondel aus. Rach nahezu ein» stündigem Aufenthalt auf dem Flugplatz Henworth startete das Luftschiff zu seiner 2 4 st ü n - di gen Rundfahrt über England. Schon wieder zwei Schulbrände. Die Serie der Berliner Schulbrände fand ihre Fortsetzung in einer neuen Brandstiftung, die in dem ehemaligen Kleist - Lyceum im Rord» westen Berlins verübt wurde. In dem Gebäude befindet sich jetzt ein der Stadt Berlin gehöriger Kinderhort. Das Feuer war in der Kochküche in einem Geräteschrank angelegt worden. Eine zweite Brandstiftung wurde im Schrank des Küchenraumes des städtischen Dorotheen - Lyceum s in der Wilhelmshavener Straße entdeckt. Der Schuldiener konnte den Brand rechtzeittg mit bem Handlöschgerät ersticken. Einen Anhalt für die Art der Brandstiftung sowie für die Brandstifter selbst konnte bisher nicht ermittelt werden, wie auch die früheren Fälle derartiger Brandstiftungen nod) vollkommen in Dunkel gehüllt sind. Schwerer Lisenbahnzusammensioß in der Tschechoslowakei. -Zwei Züge einer Rebcnbahn sind bei Deneschau in Südböhmcn zusammenge stoßen. Reun Personen wurden getötet und 30 verletzt, unter ihnen 12 schwer. Das Unglück ereignete sich während eines starken Gewitters, das über dieser Gegend wütete. Schweres Jaltbootunglütf auf dem Oberrhein. Zwischen Laibstadt und Schwaderloch auf schweizerischem Gebiet ereignete sich auf dem Rhein ein schweres Faltbootunglück. Vom Ufer aus sah man mitten im Rhein ein gekentertes Faltboot treiben, an dem sich drei junge Männer festhielten, die langsam in den Fluten versanken. Hilfeleistung mar unmöglich. Auch das Faltboot konnte nicht sichergestellt werden. Man muß annehmen, daß die drei Insassen ertrunken sind. Ihre Identität steht nicht fest. Todesslurz eines Motorradfahrers auf dem Rurburgring. Auf dem Nürburgring ereignete sich ein tödlicher Unfall. Der Godesberger Gründel kam auf seiner Jmperia-Maschine in hoch st er Geschwindigkeit zu Fall und erlitt einen schweren Schä» delbruch. Er starb kurz darauf. Schweres Bergunglück im Oehtal. Am Sicher Kogel ereignete sich ein schweres Bergunglück. Zwei Touristen aus Wien und die Schwester des einen von ihnen stürzten tödlich ab. Raubmord eines Siebzehnjährigen. Im Englischen Garten in München wurde die Leiche des 63 Jahre alten Kaufmanns Broer aus Solingen aufgefunden. Broer war, wie die Vorgefundenen Spuren aufwiesen, nach schwerem K a mp f ermordet und beraubt worden. SHs Mörder wurde der 17 Jahre alte Eisendreherlehrling Schlecht aus München festgenommen. Der Täter hatte seinen mit Blut und Schmutz bedeckten Anzug einem Schneidermeister zur Reinigung übergeben, der in der Tasche eine dem Ermordeten geraubte goldene Uhr fand und darauf hin die Polizei verständigte. Schlecht behauptete, daß er mit dem Fremden, dem er die Stadt gezeigt habe, im Englischen Garten inStreitgekommensei und ihn dabei niedergeschlagen habe. Als er bemerkt habe, daß der Fremde bewußtlos sei, habe er ihm Uhr, Geld und Schmucksachen weggenommen und sei daoongegangen, ohne sich um den Verletzten weiter zu kümmern. englischen Oberhauses hat ergeben, daß die Lieblingsspeise fast aller Peers tagein tagaus in eben dieser Bratwurst mit der Kartoffelbreizugabe besteht. Selbst König Georg und der Prinz von Wales bevorzugen diese, immer vom imaginären Weltbild der Vornehmheit aus gesehen, plebejische Speise. Auch sonst zeichnen sich die Männer, die Englands Politik machen, durch eine konservative Gesinnung aus. Sie lehnen moderne, mit Schokolade und Buttercreme bereitete Kuchen ab und halten sich an jenes Produkt hausfraulicher Dackkunst, das in Süddeutschland als Gugelhupf bezeichnet wird. Wer einmal die Restauranträume des Reichstags besichtigt hat, muß leider zu dem Ergebnis kommen, daß es im Reichstag keine konservativen Politiker gibt. Denn Deutschlands Volksvertreter verschmähen weder die mit höchster Raffinesse zubereiteten Gerichte einer überfeinerten Küche, noch lehnen sie es ab, ihren Gaumen mit köstlicher Schokoladentorte zu letzen. Oer Besorger. Rot macht erfinderisch und die jungen Arbeitslosen haben einen neuen Beruf entdeckt. Es sind nicht die, die vor Hotels, Theatern, Restaurants usw. auf vorfahrende Autos lungern und die Tür aufreihen, um für diese überflüssige und unerwünschte Handreichung einen Groschen zu empfangen. Die Iungen klingeln an den Haustüren und bieten sich zu ehrlicher Arbeit an. Sie wollen den Mülleimer auf den Hof tragen, holen Milch oder machen andere Besorgungen, durch die der Hausfrau Zeit oder Mühe gespart wird. Sie empfangen dafür zehn Pfennig, eine Frühstücks- stulle und dergleichen. Manche Iungen haben schon einen festen Kundenstamm gewonnen und damit einen regelmäßigen Verdienst. Sie klingeln bei ihren Kunden in bestimmter Reihenfolge und an bestimmten Tagen, wissen ganz genau, daß heute der Mülleimer dort geleert werden muß, morgen dort. Beide Teile sind befriedigt, der Iunge braucht nicht zu betteln und der Hausfrau wird manches erleichtert. Aber wie im Geschäftsleben der Großen, so in Geschäften der Knirpse. Eine gute Geschäftsidee spricht sich schnell herum und die Konkurrenz wächst schneller, als man wünscht. Auch dieser Beruf ist schon überfüllt. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 4. 3uli 1932. postbeförderung mit Segelflügen. Während des Rhön-Segelflugwettbewerbs vorn 17. bis 31. 3uli soll täglich eine regelmäßige Postbeförderung mit Segelflugzeugen von der Wasserkuppe nach Gersfeld stattfinden. Mit diesen Segelflügen können gewöhnliche Briese bis 20 Gramm und Postkarten an Empfänger in beliebigen Bestimmungsorten befördert werden. Der außer den gewöhnlichen Gebühren zu entrichtende Zuschlag beträgt 10 Pf. Die Sendungen müssen den Vermerk „M i t S e g e l f l u g" tragen und sind beim Postamt Wasserkuppe bei Gersfeld aufzuliefern, oder diesem Postamt unter freigemachtem Umschlag zu übersenden. Sie erhalten außer dem Aufgabestempel den Abdruck eines Sonderstempels mit der 3nschrift „R Hon-Segelflug- Wettbewerb 1 9 3 2 — M i t Segelflug- zeugbefördert" und dem Bilde eines Segelflugzeugs. Für Sendungen, die außer mit den Segelflügen mit den Luftpostlinien des regelmäßigen Verkehrs befördert werden sollen, ist der Luftpostzuschlag besonders zu entrichten. Solche Sendungen sind mit einem Luftpostklebezettel zu versehen, den die übrigen Segelflugsendungen nicht tragen dürfen. Voraussichtlich werden die Freunde des Segelflugsports und die Philatelisten von der neuartigen Deförderungsgelegenheit regen Gebrauch machen. * * Ehrendoktor der Universität Gießen. Von der Pressestelle der älniversität Gießen wird uns mitgeteilt: Die Theologische Fakultät unserer Hniberfität ernannte den Pfarrer in Bensheim Ernst Wagner ehrenhalber zum Doktor der Theologie. *’ Preisträger im Gießener Duch- druckgewerbe. An dem Feldmühle-Wettbe- werb für Entwürfe zu vorbildlichen Briefbogen und -Hrnschlägen beteiligten sich zwei Berufsangehörige des Gießener Duchdruckgewerbcs mit Erfolg. Der Schriftsetzermeister Werner Köhler von der Münchowschen Druckerei erhielt einen fünften, und der Schriftsetzermeister Karl Scheifele von der Firma W. Ritschkowski einen dritten und einen fünften Preis. Es lagen der 3ury 5901 Arbeiten von 1529 Einsendern, tätig bei 827 Firmen, zur Begutachtung vor. Zum Prcisrich- terkollegium gehörte u. a. der Reichskunstwart Dr. E. R e d s l o b, Berlin. ** Die Nachsendung von Postsendun- g e n. Zu Anträgen auf Nachsendung von Postsendungen sind möglichst die amtlichen Vordrucke zu benutzen, die an den Postschaltern und von den Postzustellern zur Abgabe bereit gehalten werden. Die Verwendung dieser amtlichen Vordrucke gewährleistet die pünktliche Nachsendung der Post und ist daher zum Vorteil der Empfänger. ** 3 n der Lahn ertrunken. Gestern gegen 17.30 Uhr- tummelten sich verschiedene junge Leute in der Lahn etwas oberhalb des Launsbacher Stegs beim Wasserballspiel. Dabei kam der 25 Jahre alte Schreinergeselle Carl P ö tz s ch , Weserstraße 17 hier wohnhaft, der aus Fellingshausen stammen soll, bis etwa tn Brusthöhe in das Wasser. Der junge Mann, der an einem Herzfehler gelitten haben soll, rutschte angeblich in eine tiefe Stelle ab, aus der ihn in beherzt^ Weise seine Braut herauszuholen versuchte. Gleichzeitig sprang ein anderer junger Mann ihm nach, konnte ihn aber nicht in Sicherheit bringen, da der Versinkende sich an den Retter klammerte und diesen ebenfalls mit unter Wasser zog, bis er sich mit Mühe frei machte und dann erschöpft ans Ufer gebracht werden mußte. Pötzsch, der oermullich einen Herzkrampf bekommen hatte, wurde von der Strömung abgetrieben und konnte erst etwa 20 Minuten später geborgen werden. Aerzt- liche Hilfe war rasch zur Stelle, ebenso Mitglieder der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz, die mit dem Sauerstoffapparat etwa 2 Stunden lang Wiederbelebungsversuche anstellten, jedoch ohne den erhofften Erfolg. Die Leiche des bedauernswerten jungen Mannes wurde nach dem Friedhof von Launsbach verbracht. ** Sterbefälle in Gießen. Es verstürben in Gießen vom 11. bis 30. 3uni: 13.: Johanna Kreuter, geb. Weckert, Witwe, 74 Jahre, Ludwig- strahe 30; 15.: Katharina Heß, ohne Beruf, 73 Jahre, Licher Straße; 17.: Anna Adolph, geb. Melior, Witwe, 71 Jahre, Frankfurter Straße 10; 20.: Elisabeths Schäfer, geb. Wenzel, 73 Jahre, Aeuenweg 18; 25.: Emil Dörr, Spengler- und Jnstallationsmeister, 59 Jahre, Großer Steinweg 10; 26.: Johannes Hahn, Arbeiter, 69 Jahre, Wetzsteingasse 31; 29.: Georg Simmermacher, Reichsbahnassistent, 43 Jahre, Duddestraße 4; 30.: Marie Appelt, geb. Horni, 30 Jahre, Ebelstraße 39; Christ an Schönhals, Rentner, 79 Jahre, Rordanlage 35. ** Tagung des Kampfbundes für deutsche Kultur. Man schreibt uns: Vom 9. bis 10. Juli findet in Darmstadt die Westdeutsche Tagung bes Kampsbundes für Deutsche Kultur statt, die unter dem Gedanken der organischen Lebensanschauung steht und einen Ueberblick über das völkische Empfinden einer neuen, werdenden Zeit und zugleich über deren Verbundenheit mit der Urewigkeit unseres Wesens geben will. Das Programm bringt sieben Vorträge über deutsche Weltanschauung in ihren Grundtiefen, und zwar im einzelnen über echte Volkswirtschaft, deutschempfundene Bühnenkunst, deutschbewußte Musikpflege und über bildende Kunst und Architektur. Des Goechejahres wird mit der Aufführung eines Singspiels gedacht, ein Abend alter Musik und ein Konzert junger Tonsetzer, ein Festwiesen-Nachmit- tag mit Jugendchören, alten und neuen Tänzen stad außerdem vorgesehen. Die Gesamtleitung der Tagung hat der westdeutsche Führer des Kampfbundes für deutsche Kultur Dr. Werner Kulz. Nähere Auskünfte find bei Kapellmeister Fritz Cuj 6, Gießen, Wilhelmstraße 8, zu erhalten. ** Zielfahrt zum XI. Deutschen Sängerbundesfest. Der Deuffche Touring-Club, Ortsgruppe Frankfurt a. M, hat zu dem vom 16. bis 25. Juli stattfindenden XI. Deutschen Sän- gerbundesfest eine Zielfahrt ausgeschrieben. Rach den vorläufigen Anmeldungen werden etwa 150 bis 200 Teilnehmer erwartet. Die Kraftwagen werden auch an dem großen Festzug teilnehmen. Limburger Regatta. (Siebener Rudergcsellschafl siegt im Großen Achter. Oluf der Lahn bei Limbprg begann am Sams- tag die größte aller diesjährigen deutschen Resat len, an der sich 34 Vereine mit 180 Booten und 975 Ruderern beteiligten. Die Kämpfe auf der 2000 Meter langen und etwas schwierig zu steuernden Lahnstrecke dauerten den ganzen Tag über und brachten in allen Mannschaftsklassen guten Sport. Die Regatta-Leitung, die schon am ersten Tag ein gewaltiges Maß von Arbeit Au bewältigen hatte, sorgte für einwandfreie Abwicklung des umfangreichen Programms. Bei schönstem Wetter und ausgezeichnetem Besuch wickelten sich auch am Sonntag die Rennen des zweiten Tages der Limburger Regatta ab Den Großen Achter sicherten sich die Senioren der Gießener Rudergesellschaft, vor dem sehr stark fahrenden Kölner RK. 1931. Dieser wiederum blieb im Großen Vierer einwandfreier Sieger über den Franffurter RV. 1865, der sich nur im Doppel-Zweier durch die Gebrüder Sauer durchzusetzen vermochte. Den Zweiten Einer holte sich der ausgezeichnete GRGer I o e d t vor Thomas (Ruhrort). 1900'5 Leichtathleten in Offenbach erfolgreich. Die Spieloereinigung 1900 hatte zu dem am Samstag und Sonntag durchgeführten Sportfest des Ballspielklubs Offenbach entsandt. Im 5000-Meter- Lauf siegte Schaaf, 1900, in 16.02 Min. lieber 800 Meter wurde Peters Zweiter. In der Leistungsklasse III konnte Gugel im Kugelstoßen mit 12,41 Meter den 1. Platz belegen. DT.: 59 Gauiurnfest in Gießen. 400 Turner im Wettkampf - Vie! Ehre für Wilhelm Will. - Das Gauturnfest, ein Spiegel der Breitenarbeit der OT. Das Gauturnfest des Gaues Hessen, das eigentlich kein Fest an sich sein sollte, sondern ein Tag der Arbeit und der Heberschau über die Arbeit im Gau Hessen der DT., war dennoch ein Fest, lind zwar ein Fest der Idee und der Gedanken in der Deutschen Turnerschaft, die ihre Verwirklichung und im Gauturnfest sichtbaren Ausdruck fanden. Auftakt war am Samstag der Begrüßungsabend in der Turnhalle am Oswaldsgarten. Der einleitenden Musik folgte die Begrüßungsansprache des 1. Sprechers der Gießener Turnerschaft. Wilhelm Erle. Er Bogrübte besonders Bürgermeister Seipp, der für die Stadt Gießen erschien und die Turner in den Mauern der Stadt willkommen hieß. Der 1. Gauvertreter, Artur Pfeifst r '.Wetzlar, dankte der Gießener Turnerschaft für die Zurüstung des Festes, er hieß gleichzeitig den zweiten Gauvertreter des Saar-Bließ-Gaues willkommen und forderte dazu auf, den Turnern des Saarlandes durch den Besuch des Mittel- rheinischen Kreisturnfestes schuldigen Dank ab- zust alten. Die Deutsche Turnerschaft habe die Aufgabe, so führte er weiter aus, die junge Generation stark zu machen, für kommende schwere Jabre. Cs sei erfreulich, daß man allenthalben auii) bei den Spitzen der Behörden die Bedeutung der Arbeit der DT. zu schätzen wisse. Aus eigener Kraft solle auch das geleistet werden, was für die Zukunft zu tun sei. Die Idee der L.urnerschaft sei verstanden worden, jetzt müsse sie beherzigt werden. Sodann überreichte der 1. Gcmverlreler dem 1. Sprecher des MTV Gießen, Rektor Georg kling, für feine oft in aller Stille geleistete Arbeit im Dienste der DT. die höchste Auszeichnung, den Ehrenbrief der Deutschen Turnerschaft. Ein brausendes „Gut-Heil" beschloß diesen Teil des Begrüßungsabends. I Rach einer kurzen Pause traten die besten Turner des Gaues Hessen zu den Meisterfchastskämpfen an den Geräten an. Turner, deren Ramen weit über Hessen hinaus den besten Klang haben, traten in den Wettbewerb. Man sah ganz ausgezeichnete Leistungen. Manche Hebung wurde mit spontanem Beifall quittiert. Adoll Ahrens von der Marburger Turngemeinde sicherte sich zwei Meisterschaften (Darren und Reck). Die Meisterschaft am Pferd errang Karl Reuter, und in der Körperschule siegte der Marburger E. Eber- s p ä ch e r. Das Meisterschaftsturnen stellte eindrucksvoll das gesteigerte Können dec Hessenturner unter Beweis. Me Hebungen waren vielen anderen ein großes Vorbild. Die Disziplin, die Kraft und Gewandtheit, die sich in den einzelnen Hebungen äußerte, verdiente aufrichtige Bewunderung. Den Abschluß des Degrühungs- abends bildeten die Bodenübungen einer Riege des Tv. Grohen-Linden (der Turner Seth drückte mit unnachahmlicher Eleganz und Sicherheit den Handstand zu wiederholten Malen), sowie die Keulenübungen der Alterstumer des Turnvereins 1846 Gießen, deren Auftreten immer wieder zu der eindrucksvollsten Demonstration des Geistes in der DT. wird. Zestzug und Morgenfeier. Ein prächtiger Sommermorgen sah die Turner unserer Heimat auf dem Weg nach Gießen. Am Bahnhof stand die Gießener Turnerschaft zum Empfang bereit. Die Turner brachten ihre oft ehrwürdigen Fahnen mit. Gemeinsam marschierte man in prächtigem Festzuge zur Dolkshalle. (Schade, daß ihm von Seiten der Gießener Q5e- völkerung nicht mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht wurde.) In der Volkshalle hielt Gaujugendleiter Erich Wagner (Kirchhain) nach einleitendem Choral eine Ansprache, in der er von hoher Warte aus die Ziele der Deutschen Tumerschoft kennzeichnete. Die Turnerschaft bejahe den Weg zu Gott. Man wolle einstehen für ©ott und für das von Gott geschenkte Vaterland in Zeiten der Rot und des Kampfes. Die Turner seien stets bereit, dem Vaterland zu dienen, beizutragen, ein einig Volk von Brudern zu werden. Man diene Gott im Sinne des Kreuzes von Golgatha, im Sinne des eisernen Kreuzes dem Erbe der Gefallenen und im Sinne des Turnerkreuzes der Jugend, dem Volkstum und damit dem Vaterlande. — 3m Verlaufe des Vormittags legte der Gauvorstand an den Gräbern zweier verdienter Turner (Gauvertreter Friedrich Helm und Gauschriftsührer Karl Wenzel) Eichenlaubkränze nieder. Rach der Morgenfeier gruppierten sich die Turner fofbrt zum Emzelwetturnen und bald herrschte in der Volkshalle an den vielen Geräten der lebendigste Turnbetrieb. D ie vielen Kampfrichter hatten ein schweres Amt. In der Sonderklasse der Oberstufe, wie auch in der Oberstufe sah man wieder ausgezeichnete ßeiftun- gen, die Turner der Mittelstufe und die zahlreichen Turner der Hnterstuse waren eifrig bemüht, es den großen Vorbildern gleichzutun. Die Altersturner konnten im Reunkampf ihre Elastizität beweisen. In der Sonderklasse stellte Willi Sinnwell (Bad-Rauheim) den 1. Sieger. 3m Zwölfkampf der Oberstufe errang Heini Keil vom T.-u. Epv. 1860 Marburg den 1. Preis. Zweiter wurde in dieser Gruppe Willi Hartmann vom Tv. 1846 Gießen. 3m Zehnkampf der Oberstufe blieb Rich. Seth (Grohen-Linden) Sieger. Der Zwölfkampf der Mittelstufe sah Rich. Künstler Tgm. Friedberg als den Ersten. An zweiter Stelle folgte Ludwig Herbert Tv. 1846 Gießen. Unter 224 Bewerbern wurde Otto G a st e r st e d t (T.- u. Spv. 1860 Marburg) vor den beiden Gießenern Friedrich Bayer und Karl Schöndorf (beide 1846) erster Sieger. In der Altersklasse I siegte Heinrich Keller (Burgsolms), in der Altersklasse II Heinrich Am end Tv. Krofdorf. Vielbeachtet wurde die Austragung der volkstüiylichen Wettbewerbe auf dem Hniversitätssportplah. Außerordentlich heftige Kämpfe lieferten sich die Turner beim Säbelfechten. Hier siegte Heinz De r l i ch vom T.- u. Spv. Bad-Rauheim vor Ludwig G e r h a r d t (Tv. 1846 Gießen). 3m Florett fechten der Turnerinnen dn*p Luise Kuhn von der Turngemeinde Friedberg vor Else Wirth vom Tv. 1846 Gießen Erste. Am Rachmittag wurde der Reigen der Wett- kämpfe mit der WilhelM'Witt-Staffel fortgefüfjrt. Don den 6 Bezirken des Gaues traten die Mannschaften von 5 Bezirken an. Die Staffel führte über 10 mal 100 Meter. Den Sieg sicherte sich die Mannschaft des 1. Bezirkes (Marburg) und errang damit den künstlerischen, eichenholzgeschnitzten Wilhelm-Will-Schild, der eine prächtige Sieacs- trophäe darstellt. Im weiteren Verlauf des Nachmittags wurde dann in Vereinsriegen geturnt. Der Wett- bewerb sah die beimischen Turnvereine in drei verschiedenen Klassen (Jahnklasse, Götzklasse und Schmuckklasse) im friedlichen Kampf. Schließlich wurde auf dem Platz vor der Volkshalle der Gefallenen des Weltkrieges gedacht. Bei gesenkten Fahnen erklang das Lied „Ich halt' einen Kameraden". Sodann hielt der 1. Gauoertreter Artur Pfeiffer (Wetzlar) eine Ansprache, in der er besonders die vielen und großen Verdienste des Gau-Ehrenoberturnwartes Wilhelm Will gedachte und dessen Arbeit für den Gau Hessen, der durch ihn zum zweitgrößten Gau des Mittelrheinkreises geworden ist, im Einzelnen würdigte. Dem nunmehr aus der aktiven Betätigung scheidenden Führer, der 30 Jahre der Bewegung diente, wurde aus vielen Turnerkehlen ein brausendes „Gut Heil" ausgebracht. Die folgenden Massenfreiübungen wurden sehr exakt geturnt. Den vielen Zuschauern bot sich ein prach- tiges Bild. Die Freiübungen waren eine eindrucks- volle Werbung für die Gedanken der Deutschen Turnerschaft. Die Siegerehrung, dec erhebende Abschluß des Gauturnfestes, bereinigte die Turner und viele Besucher noch einmal in der Volkshalle. Der 1. Gauvertreter sprach den Siegern den Glückwunsch aus forderte die übrigen zu eifriger Arbeit auf und schloß mit einem kräftigen „Gut Heil!" auf die Sieger, in das die Turner, die diesmal den Eichenkranz nicht in Empfang nehmen konnten, rückhaltlos mit einstimmten. Gaufrauenturnwart Paul überreichte sodann dem Bezirksoberturnwart Ein deutscher Arzt erobert Afrika. Gustav NachügalS Heldentaten im Schwarzen Erdteil. Von Paul A. Hofer. IV. Eine bedrohliche „Audienz". 3m Jahre 1856 erschien in Abesche, der Hauptstadt Wadais, der Deutsche Eduard Vogel. Dreizehn Tage nach seiner Ankunft war er tot. Er hatte mit einem Holzstäbchen geschrieben, ftän- big Hühnereier gegessen, was fein anständiger Mensch tut, ungern Besuch empfangen und nur schlecht arabisch gesprochen. Das alles zusammen hatte genügt, um den damaligen König von Wa° dai zu veranlassen, seine Hinrichtung „unter der Hand" anzuordnen. Ob diese Geschichte des einzigen Europäerbesuchs in dem „gastlichen Lande" dem guten Doktor Rachtigal nicht doch ein wenig im Kopf herumgeht, als er endlich von Bomu zu seinem großen Zuge aufbricht? Es sieht nicht so aus. Denn er spricht arabisch, ist äußerst umgänglich, schreibt mit Tinte und nährt sich schon seit Jahr und Tag wie jeder Eingeborene. Sogar rohe Kamelleber wird von ihm nicht verschmäht. Allerdings kann auch er seine Bedenken nicht unterdrücken, als ihm bei seiner Ankunft in Abesche barsch und brutal seine Waffen und Pferde abverlangt werden, und der König Ali sogar die primitivste Anstandspflicht Fremden gegenüber außer Acht läßt. Vor dem Palast wird ihm plötzlich befohlen, er solle P roben seiner Schießkunst zeigen, der König wolle sich das hinter dem Vorhang eines Fensters ansehen. Rachtigal empfindet deutlich, daß ihn nur eines retten kann: Tollkühnheit. Stolz erklärt er, er sei nicht gekommen, um dem Könige etwas vorzuschießen, dreht sich um und geht nach Hause. Bald darauf erscheint ein Bote aus dem Palast mit dem Auftrag, Rachtigal sofort wieder hinzubringen. Weinend nimmt sein Gastgeber von ihm Abschied, er weiß genau, was das bedeutet. Rachtigal hat später einmal selbst erzählt, wie sich die Dinge abspielten: „Diesmal glaubte ich ernstlich, daß meine letzte Stunde gekommen sei. Wehren konnte ich mich nicht, und so machte ich mich fertig, wenigstens anständig zu sterben; denn nichts gilt in diesen Ländern für verächtlicher, als sich im letzten Augenblick feige zu benehmen. Während ich mit diesen Gefühlen durch den Vorhang, der den Vorraum vom Audienzsaal trennte, durchkroch, beobachtete ich verstohlen das Antlitz des Gefürchteten; ich glaubte weniger Grausamkeit als Strenge, verbunden mit einem hohen Grade von Intelligenz, darin zu sehen. Dies gab mir einen Funken von Hoffnung. Hnd nachdem ich auf den Knien liegend, den Kopf tief auf die Erde geneigt, unter Zusammenschlagen der Hände die vorschriftsmäßige Degrüßungsformel gemurmelt hatte, nahm ich allen Mut zusammen und rief: „In meinem Lande kniet man nur vor Gott, nicht vor Menschen!" Zu meinem Erstaunen brach Ali nicht in Zorn aus, sondern antwortete: „So stehe auf und sehe dich zu mir!" Don diesem Augenblick an hatte ich gewonnenes Spiel. Der König fragte mich, woher ich käme. Voll Freude übermittelte ich die Grüße Scheich Omars und wollte mein Empfehlungsschreiben hervorziehen. Er winkte mir aber entschieden mit der Hand ab: „Laß ben Brief nur stecken. Ich allein bin Herr in diesem Lande. Hnd wenn ich dich nicht töte, so tue ich es, weil ich nicht will, nicht aber, weil Scheich Omar darum bittet.“ Fortan stand ich unter Sultan Alis Schutz." Rückkehr in die Zivilisation. Aach einem Drei Vierteljahr bricht Rachtigal wieder auf. In Dar - Für macht er noch für einige Monate Station, aber der Sultan verbietet ihm, sich im Lande selbst umzusehen. Die Bevölkerung ist fanatisch, auf offener Straße, ja vor dem Palast des Königs wird der Deutsche von Eingeborenen attackiert, sie spucken vor ihm aus, verhöhnen ihn, wo sie mir können, und die höchsten Würdenträger machen sogar den Versuch, ihn ermorden zu lassen. Der Doktor ist froh, als er endlich Gelegenheit bekommt, eine Gesandtschaft an den Ril zu begleiten und auf diese Weise dem gastlichen Land den Rücken zu kehren. Im September 1874, sechs Jahre fast nach seinem Abmarsch von Tripolis, trifft er wieder in der zivilisierten Welt ein. Der General-Gouverneur des ägyptischen Sudan schickt ihm zur Begrüßung einen griechischen Arzt entgegen. Der deutsche Doktor ist völlig verwirrt, als ihm der Grieche ein paar herzliche Worte in französischer Sprache sagt, er vermag einfach nicht zu antworten. Hnd ebensowenig bringt das Italienische, das er früher doch gut beherrschte, in fein Bewußtsein ein. Erst als man zum Arabischen übergeht, kann er sich wieder sammeln. Er hat sechs Jahre lang kein Wortineiner anderen Sprache gesprochen. Erst nach Tagen gewöhnt er sich ein wenig an das Französische. Europa ehrt Rachtigal. Barfuß, in zentral-afrikanischer Tracht, die er schon seit Jahren zu tragen gewohnt ist, besteigt er den Dampfer des Vizekönigs von Aegypten, der ihn nach Kairo bringt. Es isteinTri- umphzug ohnegleichen. Aber Rachtigal ist so geschwächt und elend — 24 Breitengrade trennen den. südlichsten Punkt seiner Reise von dem nördlichsten, und von West nach Ost sind es 20 Längengrade — daß er noch bis zum Frühling in Aegypten bleibt, ehe er die Reise nach Deutschland wagt. Rom, Paris und Berlin bereiten ihm gewaltige Huldigungen, aber am tiefsten rührt ihn doch der Empfang in seiner Vaterstadt Stendal. Eine unübersehbare Menschenmenge erwartet ihn am Bahnhof, alle Häuser haben geflaggt, einBlumen- regen aus den Fenstern überschüttet ihn, und die Krone bildet nach dem großen Bankett ein herrlicher Fackelzug. Offizielle Ehrungen folgen. Belgien bittet ihn. an der Organisierung des Kongo-Staates mitzu- wirken, die Gesellschaft für Erdkunde ernennt ihn zu ihrem Präsidenten, die „Afrikanische Gesellschaft" zu ihrem Vorstand, zu allen Kongressen wird er geladen. Er kann sich vor lauter Verpflichtungen kaum retten, aber trotzdem findet er noch die Zeit, ein umfangreiches dreibändiges Werk über die Reise zu schreiben, das erst den Beweis erbringt, wie gründlich und tiefschürfend er gearbeitet hat. Es ist schon eine säst übertriebene Genauigkeit in der Aufzeichnung der geringsten Details, aber gerade sie bringt die Afrika- Forschung um ein ungeahntes Stück vorwärts. Ethnologische, geographische, mineralogische, botanische, zoologische, kulturhistorische und meteorologische Zusammenhänge werden mit einem Schlage klar. Es ist fast unbegreiflich, daß dieser Mann niemals Raturwissenschaften studiert haben soll, daß er ein simpler, kleiner Arzt war, als er an diese tolle Reise ging. Der koloniale Gedanke erwacht. Rachtigals Fahrt ist der eigentliche Anstoß dazu, daß man anfängt, auch in Deu tsch - land kolonialpolitisch zu denken. Ihr ist es zu verdanken, daß Bismarck seine hartnäckige Ablehnung jeder kolonialen Erwerbung fallen läßt. Vorerst aber will man sich Rachtigal profunde Kenntnisse des Orients diplomatisch zunutze machen. 1882 wird er zum deutschen Generalkonsul in Tunis ernannt Wieder steht der Mann auf feinem Posten. Freilich — feine Gesundheit ist untergraben, er ist jetzt 48 Jahre alt, und die Entbehrungen und Röte in der Wildnis Zentralafrikas formten nicht spurlos vorübergehen. Aber seine Energie, fein Lebensmut find ungebrochen. Seine Konsularberichte werden vom Auswärtigen Amt als Musterarbeiten an sämtliche deutschen Gesandtschaften geschickt. Hnd neben seiner amtlichen Tätigkeit setzt er unermüdlich die Arbeit an der literarischen Auswertung seiner Reise fort. Da erreicht ihn überraschend im Frühling des Jahres 1884 der Auftrag nach Westafrika zu gehen und das Land im Ramen des Deutschen Reiches in Besitz zu nehmen. (Forts, folgt.) Martin Textor, Marburg, den Wilhelm-Will- Schild und verlas die dazugehörige Llrkunde. Während der Siegerehrung sah man die Besten der einzelnen Stufen auf der Bühne, an bevorzugter Stelle aber den Zwölfkampfsieger der Oberstufe Heini Keil vom Turn- und Sportverein Marburg. Konzert und Tanz hielt die Turner noch geraume Zeit beisammen. Das Fest in seiner Gesamtheit war der lebendige Ausdruck des Geistes in der Deutschen Turnerschaft, ein Geist, der immer wieder neue Kraft gibt, an Deutschlands Zukunft zu glauben, angesichts dieser Fülle der jugendlichen, der tätigen geistigen, ethischen und körperlichen Energie, die hier in vorbildlicher Einheit zusammenfloh. Die Ergebnisse des Wettkampfes folgen morgen. Oie Meisterschaften der Leichtathleten. Die Wettbewerbe des Samstags. Die Leichtathletik-Meisterschaften der Männer in Hannover brachten verschiedene Lleberraschun- gen. So wurde Dr. P e l h e r im 400-Meter-Lauf schon im Borlauf ousgeschaltet. Meister in den Läufen wurden über 100 Meter 2 onath ganz überlegen in 10,6 Sekunden, über 400 Meter Mehner in 47,8 Sekunden und über 10 000 Meter der Turnermeister Syring in der neuen deutschen Rekordzeit von 31:21,2. Syring hielt den bisherigen Rekord mit 31:26,8 selbst. 3m Steinstohen wurde Turnermeister Lignau von D e b u s entthront und im Hammerwerfen mutzte Mang, Regensburg, den Titel an Grimm, Paderborn, abtreten. 3m Stabhochsprung mutzte sich Wegner, Halle, von dem Turner Müller, Kuchen, geschlagen bekennen, der 4,05 Meter übersprang. Das Kugelstoßen fiel mit 15,86 Meter wiederum an H i r s ch f e l d, der Dreisprung an den vorjährigen Meister Drechsel und der Marathonlauf gab Brauch, Berlin, Gelegenheit zu einem überlegenen Siege in 2:41:34,8, während das als Rahmenwettbewerb gedachte 50-Kilometer-Gehen in 4:36:14,2 der Erfurter H ä h n e l auf sein Konto brachte. Die Ergebnisse des Sonntags. Den Zehnkampfmeister dieses 3ahres stellte mit 7865,455 Punkten der Berliner Eberle vor Huber (Wünsdorf). Die 110-Meter-Hürden gingen an Wegener (TSV. Schöneberg) in 14,8 Sek. Mit gleicher Zeit wurde Welsche r (EintrcvHt, Frankfurt a. M.) Zweiter. 3m 200-Vketer-Lauf konnte sich ebenfalls wieder 3 o n a t h die Meisterschaft mit 21,2 Sekunden vor Dorchmeyer (Bochum) sichern. Heber 800 Meter stellte Dr. P e l tz e r den Sieger. Seine Zeit: 1:54,4 Min. äleber 5000 Meter sah man Syring (Wittenberg) erfolgreich, der die Strecke in 15:06 Min. zurücklegte. 3m Hochsprung siegte B o r n h ö f t (Limbach) mit 1,93 Meter, im Weitsprung Köche r m a n n (Hamburg) mit 7,32 Meter und im Schleuderballwerfen Reymann (Wünsdorf) 63,30 Meter. 3m Diskuswerfen siegte erwartungs- gemätz H i r s ch f e l d (Allenstein) mit 46,08 Meter vor Kilo (W e h l a r) mit 45,46 Meter. W e i - mann (Leipzig) holte sich die Meisterschaft im Speerwurf mit 67,23 Meter. Einen neuen deutschen Rekord stellte R o t t b r o ck (Köln) im 400- Meter-Hürdenlauf auf (54,4 Sek.), äleber 1500 Meter sah man Wichmann (Charlottenburg) in Front, der die Strecke in 4:01,8 Mim bewältigte. Die 4xl00-Weter-Stafsel ging an die Frankfurter Eintracht (Eldracher, Mehner, HIlährlein, Geerlingi mit 41,9 Sek. 3n der 4x400-Meter- Staffel siegte Polizei - Berlin in 3:20 Min. Deutsche Schwimmer - Meisterschaften. Die Entscheidungen am Samstag. Die Deutschen Meisterschaften der Schwimmer und Leichtathleten beanspruchten am Wochenende das Hauptinteresse im Sportbetriebe. 3n den Kraulstrecken über 100 und 400 Meter setzten sich die Kölner Derichs in 1:03,5 und Deiters in 5:17.2 durch, und im Rückenschwimmen feierte Altmeister Küppers über 100 Meter in 1:12,1 gleich einen sicheren Sieg. Doppelmeister wurde Esser- Wünsdorf, der einmal das Kunstspringen mit 151,68 Punkten vor Mahraun und Viebahn gewann und dann auch die Mehrkampfmeisterschaft mit Erfolg verteidigte. 3n den Etaffelkämpfen siegte über 4 X 200 Kraul Poseidon Köln in 10:05,1, und über 4 X 200 Meter Brust Göppingen 04 in 12:09,1 gegen Hellas Magdeburg. Die Charlotte: l ur^er Rixen verteidigten ihre Meisterschaften über u X 200 Meter Brust und in der 3 X 200-Meter-Lagenstaffel in 10:05,6 bzw. 6:07,2. Die 4 X 100-Meter-Kraul- staffel für Vereine ohne Winterbad wurde eine Deute von Braunschweig 0 2. Rekorde am zweiten Tage. Am Sonntag wurden die deutschen Schwimm- Meisterfchaften fortgesetzt und beendet. Es hatten sich 5000 Zuschauer eingcfunden, die zwei neue deutsche Rekorde zu sehen bekamen, für die Raymond Deiters- Köln im 1500°Meter°Kraul- schwimmen in 21:35,8 und die 3 mal 100 Meter Kraulstaffel von Nixe Charlottenburg in 3:57,4 verantwortlich zeichneten. Don den Meistern des vergangenen Jahres konnten nur wenige ihre Titel verteidigen. Bei den Herren gelang dies nur Riebschläger- Zeitz im Turmspringen vor Neumann-Spandau -und den Staffeln von Poseidon Köln in der 4X100-MeterlKraulstaffel und dem Freiberger SSE. in der 4 mal 200-Meter- Bruststaffel für Vereine ohne Winterbad. Bei den Damen konnte nur Frl. Jordan im Kunstspringen und Frl. S u ch a r d t im 200-Meter°Brustschwim° men ihre vorjährigen Siege wiederholen. Eine große Ueberraschung gab es im 200-Meter-Brustschwim- men mit dem Siege des Hamburgers S i e t a s, der den Meister des Vorjahres, Wittenberg-Berlin, auf den zweiten Platz verwies und sich damit auch für die Teilnahme am Olympia qualifizierte. Deiters entschied auch das 200-Meter-Kraulfchwimmen. Bei den Damen gab es eine neue Meisterin im 100- Meter-Kraulschwimmen durch die Rekordhalterin Frl. S a l b e r t. Buhh Sieger in den Oiamon-Scullsd Am Samstag wurde die traditionelle Henley- Regatta vor einer grotzen Zuschauermenge mit den Entscheidungsrennen abgeschlossen. 3m Einer-Rennen um dieDiamond-Scullssiegte zum ersten Male seit Bestehen dieses Wettbewerbes ein deutscher Ruderer. 3m Cntscheidungslauf war B u h tz seinem Klubkollegen Doetzelen klar überlegen und gewann leicht in 9:15 Minuten. 3m Entscheidungslauf um den Stewards- Herausforderungs-Dierer ohne Steuermann wurde der deutsche Vierer vom Berliner RC. vom Thames RC. London überraschend in 8:09 Minuten geschlagen. Oie Sieger von Wimbledon. Beim Tennisturnier zu Wimbledon, den inoffiziellen Weltmeisterschaften, wurden am Samstag in Anwesenheit des Königs und der Königin von England die Entscheidungen zum Austrag gebracht. Weltmeister wurde der Amerikaner Vines, der im Endspiel den Engländer Austin sicher schlug. Bei den Damen hat am Vormittag die Amerikanerin Helen Mills Moody die Weltmeisterschaft im Kampf gegen ihre Landsmännin Helen Jacobs gewonnen. Im Herren-Doppel siegten die Franzosen Borotra-Brug- non über die Engländer Perry-Hughes, im Damendoppel Sigart-Metaxa (Belgien bzw. England) über die Amerikanerinnen Ryan-Jacobs und schließlich siegten im Gemischten Doppel Ryan (Amerika)- Maier Spanien) über Sigart (Belgien)-Hopmann (Australien). Kurze Sporinoiizen. Der Olympia-Achter der Renngemeinschaft Mannheim/Franksurt befand sich bei der Mannheimer Regatta in ausgezeichneter Form und gewann im Ersten Achter mit drei Längen gegen Mainz-Kastel. DieZagd im Juli. Solange Getreidefelder wogen, soweit das Auge reicht, ist der Juli meist jagdlich eine ruhige Zeit. Dor allem das Rehwild hat in den Feldern seinen Einstand genommen, und gerade die alten Böcke führen hier ein heimliches Dasein, treten nur auf die Kleefelder, die eingestreut sind, oder auf die Feldraine kurz und unregelmäßig aus und sind nicht leicht zu bejagen. Auch Rotwild und Sauen ziehen gelegentlich die Stille des Feldes dem Rückwechsel in den Wald nach nächtlicher Aesung vor. Der Hirsch fegt fein neues Geweih. Vorher wird kein Weidmann ihn bejagen, auch wenn das Gesetz es — wie in Hessen — gestatten sollte. Zum erstenmal wird es sich jetzt in Hessen auswirken, datz der Schrotschuh auf unser Edelwild verboten ist. Denn seither wurde alljährlich gar manches Stück bei nächtlichem Ansitz am Feldrand zu Holze geschossen, oder kümmerte lange dahin. Die Alttiere führen ihre Kälber und sind vor älnruhe im Revier zu schützen. Der Damhirsch tritt in die Feiste. Sauen haben gute Zeit. Vor allem der milchige reifende Haser hat es ihnen angetan. Der Ansitz am morgendlichen Rückwechsel verspricht noch am meisten Erfolg, wenn nicht etwa Suhlen im Walde geeignete Ansitzplähe abgeben. Gegen Ende des Monats befällt das R e tz- wild die Unruhe. Die Brunst beginnt. Wer nun Zeit und Gelegenheit hat, viel in seinem Revier zu fein, wird feinen Röhstand so gut kennen lernen, wie selten zuvor. Zu allen Tageszeiten sind suchende oder treibende Böcke zu beobachten, darunter mitunter ganz unbekannte, die von der Liebe zum Auswechseln aus ihrem heimatlichen Revier veranlaßt wurden. Häufig sind es nicht die schlechtesten. 3n den letzten Tagen deS Monats springt der Dock in unserer Gegend auch häufig schon gut aufs Dlatt. Erfreulich ist auch hier, datz jetzt der Schrotschühe sich der Gefahr der Bestrafung und der Beschlagnahme von Wild und Waffe ausseht. Denn jedem erfahrenen 3äger ist es wohl bekannt, dah gerade der Brunstbock sich durch eine besonders hohe Lebensenergie auszeichnet und daher sehr viel häufiger zu Holz geschossen wird, als zu anderer Zeit. Die Hasen aus dem ersten Sah sind schon so groß geworden, daß sie sich ebenfalls an der Hasenhochzeit beteiligen. Die Aussichten auf ein gutes Hasenjahr scheinen nicht schlecht zu sein. Man achte nur immer wieder auf Hunde und vor allem auf Katzen, die in den Feldern he rum strolchen und gar manchem Junghäschen den Garaus machen. Das Gesetz gibt ja jetzt dem 3äger viel bessere Handhabe, sich der ständig wachsenden Katzenplage mit der Flinte zu erwehren. Bei Gang durch die Felder wird man auch öfters einmal eine Kette Rebhühner oder ein Gesperr junger Fasanen über den Feldweg laufen sehen. Die normalen Gelege sind ausgefallen und nur Rachbruten sind noch im Gang. Durch vierbeiniges und gefiedertes Raubzeug droht den Jungtieren manche Gefahr. Vor allem sei dabei der Krähen und Elstern gedacht, an denen man nie mit Patronen sparen darf. Die 3ungenten im Schilf des Teiches oder Flusses sind meist schon so groß, daß am 16. 3uli bereits die 3agö eröffnet wird. Entenjagd macht nur Spatz mit einem guten, wasserfreudigen Hund, der brav stöbert und sicher bringt. Rur der passionierte Wasserhund bringt auch den Mausererpel, der nicht abstreichen kann und sich überall zu drücken versucht, vor das Rohr. Sind die Schofe schon flugfähig, dann verspricht auch der Ansitz auf Gersten- oder Haferfeldern oft Erfolg. Denn abends oder morgens werden manche Aecker in der Dämmerung von Enten regelmätzig aufgesucht. Der Dachs sticht überall eifrig im Waldboden und spürt sich nach Gewitterregen auf den Feldwegen, wo er Regenwürmer auflas. Da er in wegen, wo er Regenwürmer auflieft. Da er in Hessen schon schutzbar ist, kann durch gelegentlichen Abschutz bei Begegnungen bei der Frühoder Abendpirsch dafür gesorgt werden, dah die Bestand, der bei uns noch gut ist, nicht überhand nimmt. Das sollte man vor allem auch dort tun, wo man mit dem Hochkommen von Fasanen rechnet. Schließlich sei noch darauf hingewiefen, dah jetzt auch alle Wildtaubenarten in Hessen eine Schonzeit haben, die mit dem 15. 3uli abläuft. Die 3agd auf Tauben ist häufig ganz ergiebig, wenn das Korn auf Hausen steht. Wünschenswert wäre es, dabei, wenn möglich, die Alttauben zu schonen, da viele von ihnen eine zweite Brut machen. Wenigstens bei der Ringeltaube lassen sich alt und jung am Gefieder leicht unterscheiden, älnd schließlich schmecken auch bei den Wildtauben die jungen besser als ein alter Tauber. Hubertus. Buntes Allerlei. Oie Stimme hinter Micky Maus. Die Unzähligen, di« sich an den luftigen Tönen erfreuen, die die kornische Micky Maus im Film von sich gibt, ahnen nicht, datz eine lebendige Menschenstimme hinter diesen musikalischen Leistungen des kleinen Filmkomikers steht. Der Mann, der der MauS ihre Lautgebung verleiht, ist der italienische Graf Mazzaglia' Cutelli, der mit Hilfe seiner Kehle imstande ist, mehr als 2000 verschiedene Lcwtwirkungen hervorzubringen. Der Gras, der ein überaus geschickter Tierstimmen- Rachahmer ist, kam vor etwa zehn 3ahren nach Hollywood, aber seine rechte Verwendung fand er erst mit dem Siegeslauf des Tonfilms. Seitdem ist er eine viel gesuchte und hoch bezahlte Berühmtheit in den Filmateliers geworden und stattet nicht nur Micky Maus seit ihrem allerersten Auftreten mit einer bunten Tonfülle aus, sondern vollbringt auch zahllose andere Leistungen. So rührt von ihm u. a. der „Bulldoggen- Chor" in dem Film ..Liebesparade" und das Konzert eines Ochsenfrosches in dem Film „Verurteilt" her. Der Graf, der sich gegenwärtig in London aufhält, sagte: „3ch habe viele 3ahre damit verbracht, um die Leute, die von jeder Art Hund oder Katze und von vielen hundert andern Tieren erzeugt werden, auf das Genaueste nachzuahmen. 3ch habe auch viele andere Toneffekte in zahlreichen Filmen hervorgebracht, und sogar die Stimme des schreienden Babys Abraham Lincoln in dem Film gleichen Ramens ist di« meine!" Oer bibelfeste Lloyd George. Der frühere englische Premierminister Lloyd George hatte einen Vortrag angekündigt unter dem Titel: Wenn Christus heute auf die Welt käme. Es war aber falsch, anzunehmen, daß Lloyd George sich entschlossen habe, unter die Sektenprediger zu gehen. Er hielt einen durchaus p o l i- tischenVortragmitbiblischerLlnter- m a I u n g. Er sagte, Maria und Joseph wäre es heute unmöglich, nach Aegypten zu fliehen. Die Flucht würde scheitern am Visumzwang, an der Einreiseerlaubnis wegen Arbeitslosigkeit im Zimmcrmannsgewerbe und an dem mangelnden Mindestbetrag, den Joseph beim Lleberschreiten der Gren^ vorweisen müßte. Wie neckisch. Es wird die Welt freuen, zu erfahren, daß der alte Herr seinen Humor nicht verloren hat. JnDeutsch- land aber schmeckt der Humor Lloyd Georges bittersüß wie Wermuthswein. Die Einsicht eines Staatsmannes ist wenig wert, wenn sie zu spät kommt. Lloyd George als Mitschöpfer der Friedensverträge hat die Giftsaat ausgestreut, die unsere Kultur heute zu ersticken droht, und die er jetzt glossiert. Lloyd George wäre uns wertvoller, sein Humor reiner im Geschmack, wenn er anstatt der Einsicht, die er heute zeigt, als Staatsmann mehr Voraussicht bewiesen hätte. Wirtschaft. Verstärkte Anspannung derReichsbank. Berlin, 2. Juli. (WTB.) Rach dem Ausweis der Reichsbank vom 30.Juni hat sich in der älltimo-Woche die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombard und Effekten um 391,2 Millionen auf 3728,1 Millionen Mark erhöht. Im einzelnen haben di« Bestände an Handelswechseln und -Schecks um 231,8 Millionen auf 3100,4 Millionen Mark, die Bestände an Reichsschatzwechseln um 0,6 Millionen auf 2 Millionen Mark und die Lombardbestände um 158,8 Millionen auf 261,3 Millionen Mark zugenommen. An Reichsbanknoten und Renten- bankscheinen zusammen sind 281,6 Millionen Mark in den Verkehr abgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknvten um 267,3 Millionen auf 3984,2 Millionen Mark, derjenige an Rentenbankscheinen um 14,3 Millionen auf 411,6 Millionen Mark erhöht. Dementsprechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 15,5 Millionen Mark ermäßigt. Die fremden Gelder zeigen mit 472,7 Millionen eine Zunahme um 72,3 Millionen Mk. Die Bestände an Gold und deckungs- fähi gen Devisen haben sich um 0,5 Millionen auf 961,9 Millionen Mark erhöht. 3m einzelnen haben die Goldbestände um 8,8 Millionen auf 832,2 Millionen Mark zugenommen und die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 8,3 Millionen auf 129,7 Millionen Mark angenommen. Die Deckung der Roten durch Gold und deckungsfähige Devisen betrug am Ultimo 24sl v. H., gegen 25,9 v. H. am 23. Juni d. I. * * Noch keine Festsetzung der Stickst o f f p r e i«s e. Das Stickstoff-Syndikat teilt mit: Wir sind zurzeit noch nicht in der Lage, die für das neue Düngejahr 1932-33 geltenden Stickstoff* preife bekanntzugeben. Die Lieferung unserer Stickstofferzeugnisse erfolgt bis auf weiteres zu den für den vergangenen Monat Juni gültigen Preisen und allgemeinen Bedingungen mit der Zusage, daß der Unterschied zwischen dem berechneten und dem neuen, noch festzusetzenden Preise nach dessen Bekanntgabe vergütet wird. * D ie Indexziffer der Großhandelspreise. Die vom Statistischen Reichsamt für den 29. Juni berechnete Großhandelsindexziffer ist auf 95,9 Prozent, gegenüber der Vorwoche um 0,3 Prozent gesunken. Die Indexziffern der Hauptgruppen lauten: Agrarstoffe 92,0 (minus 0,4 Prozent), Kolonialwaren 84,8 (minus 0,5 Prozent), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 86,9 (minus 0,1 Prozent) und industrielle Fertigwaren 117,2 (minus 0,3 Prozent). Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. M., 2. Juli. Bei durchweg unveränderten Preisen trat in der abgelaufenen Woche keine Aenderung der Situation ein. Der Absatz hielt sich trotz zurückgehender Produktion in engen Grenzen. Es notierten in Pfennig per Stück ab loco Frankfurt a. M.: Rumänen 5,75 bis 6; Bulgaren 6,25 bis 6,50; Jugoslawen 6 bis 6,25; Russen 5,50 bis 6; Holländer 6 bis 8; Dänen 5,50 bis 7; Flandern 7 bis 7,25; deutsche Landeier 7 bis 7,50; deutsche Frischeier 6,50 bis 8,50. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Dte hinter Den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe Der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o. H, Lombardzinsfutz 6 v. H. ian, ui -j.. -5er vranl'ur a. Tltrlln Schluß» fur4 Schiußk. Abend- bärff Schluß- kurS Swlußk. Mittag. b«rle Schluß« furd Schluß,. Abend- börfr Schluß- lurS Schiußk. Mittag» bör e Datum 1.7. 2.7. 1.7. 2.7. Datum 1.7. 2.7 1.7. 2.7. 6% Deustche Reichsameihe v. 192< 50 10 51 52.25 Hamvurg-Amenka Pate. Hamburg-Südam. Dampfschiff 1 10.9 10.75 11 10-75 7% Deutsche Reich«anleihe d.1929 58,5 — 58.75 59 . 0 32 6%% Doung-Anleihc von 1930 60.75 60.75 60 9 60 9 Hansa Dampfschiff Norddeutscher Lloyd . 0 — — — 19.5 Deutsche Anl.-Ablöl.-Schuld mit 38,9 . 6 11,13 11,13 11,25 11 AuSlos.-Rechten...... 39,5 38,75 39.65 A.G. für Verkehrswesen Akt. 27 27 28.25 DeSgi. ohne Auölos.-Rechte . 3,7 3.9 3.75 3,95 Berliner Handelsgesellschaft 8 88.5 88.5 88,5 88.5 8% Hell. Bolliftaal von 1929 Commerz- und Privat-Bank . 7 16 16 16 16 trückzahlb. 102%) 46 — 45 —— Darmstädter und Nationalban 8 18.25 18,5 18.5 18.5 CberbcHcn Provinz-Anleihe mit Deutsche Bank und Auslos.-Rechten 15 36 —- — Dirconto-Gesellschast. . . 6 30 30 30 30 Deutsche Komm.