Nr. M Erst« Blatt 182. Jahrgang Mittwoch, 4. Mai (952 Ers cheinl täglich,außer Sonntags und geiertog». Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblälter Heimat im Bild -DieScholle monat$-Bejug$prtl$: Mit 4 Beilagen RM. 1 95 Ohne Illustrierte , 1 80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 225!. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Oiehe». Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen ümd unv Verlag: vrühl'sche Umversttät^vuch. und Steinöruderei H. Lang« in Sietzen. 5chrift»«ttung und Sefchäftzftelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer ois zum Nachmittag vorher. Preis für | mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts. 10 Neichspfennig,- für Ne» Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrist 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Wilk. Lange. Verantwortlich für Dolttik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H. Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil M eingereicht haben. Der Wunsch de» Beichswirtschastsministers Warmbold, zurückzu lrelen, ist hauptsächlich auf Meinungsoer- Professor Dr. Warmbold. ncll&berafungen. Hebet die eingehende einstündige Aussprache zwischen dem Reichskanzler und dem Reichspräsidenten wird amtlich mitgeteilt, daß sich dabei eine völlige Uebcreinffimmung zwischen den Auffassungen des fierrn Reichspräsidenten und denen Dr. Brünings ergeben hat. Alle gegenteiligen Gerüchte werden als in jeder Beziehung unrichtig bezeichnet. Was meint die preffe? Berlin, 4. Mai. (CAB.) Die Morgenblätter beschäftigen sich sehr ausführlich mit dem bevorstehenden Rücktritt des ReichswirtschaftSministerS Warmbold und erörtern die Frage, ob sich aus diesem Rücktritt irgendwelche politische Auswirkungen für die Erhaltung des Gefamtkabinetts ergeben werden Hinsichtlich der Rachfolge für Dr Warmbold wird fast allgemein der Rame des Leipziger Oberbürgermeisters Dr G ö r d e l e r genannt. Die Gründe für den Rücktritt des Wirtschaftsministers sehen die meisten Blätter darin, daß zwischen Dr. Warmbold und den übrigen Ministern, insbesondere dem Arbeitsminister Dr. Stege r- Wald. Meinungsverschiedenheiten über die Pläne zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und zur Arbeitsbeschaffung bestehen. Der .Perliner Lokal-Anzeiger" will wissen, daß außerdem auch noch Disserenzen zwischen Dr Warmbold und dem Finanzminister Dietrich über die Auswirkungen der letzten Rotverordnun- gen auf die Wirtschaft Anlaß für den Rücktritt des Wirtschaftsministers gewesen seien. „Bossische Ztg ". .Berl. Tageblatt" und .Dor- sen-Courier" betonen, ebenso wie die ..Germania", J*afi daS Ausscheiden WarmboldS leine Aen- derung der politischen Linie deS Reichskabi- netls bedeutet. Darüber hinaus unterstreichen die genannten Blätter unter Hinweis aus den g e st - rigen Besuch des Reichskanzlers beim Reichspräsidenten erneut die Tatsache, daß alle Krisengerüchte, die in den letzten Tagen im Zusammenhang mit dem Ramen des Ministers G r o e n e r ausgctaucht sind, völlig gegenstandslos sind. In einem gewissen Gegensatz dazu steht die .DAZ", die meint, daß man den Rücktritt de» Reichswirtschaftsministers keinesfalls als einen einfachen Personenwechsel betrachten und behandeln könne. Die Frage, vor die die gesamte deutsche Politik heute gestellt sei, sei die Frage derLoslösungvonderSozial- demokratie. Rachdem did Weimarer Koalition durch die Riederlage BraunS erledigt sei, sei auch im Reich die Lage gänzlich verändert. s ch i e d e n h e i k e n innerhalb de» Kabine 11 s zurückzuführen, da sich der Reichswirtschafts- miniflcr mit der hauptsächlich vom Reichsarbeits- minifter befürworteten Einführung der 40- Stundenwoche n i ch t einverstanden erklärt. Auch wegen der beabsichtigten Prämienanleihe zur Finanzierung eines Arbeitsbeschaffungsprogramms sollen Meinungsverschiedenheiten entstanden sein. Professor Warmbold hatte heute nachmittag eine längere Unterredung mit dem Reichs- kanzler. Eine Entscheidung in den jur Erörterung stehenden Fragen ist keinesfalls vor morgen zu erwarten. Die „Germania" weist daraus hin, daß über die Lösung der aktuellen Wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen schon seit geraumer Zeit Gegensätze im Reichskabinett bestanden hätten. Es ist ausgeschlossen, sügt das Blatt jedoch hinzu, daß diese partielle Krise des Reichs- wirtschaftsminlsteriums, die lediglich in sachlichen Ressortdifferenzen begründet liegt, weitergeh e n d e politische Folgen haben könnte. Der Rücktritt Warmbolds ist ein isolierter Vorgang, der die innerpolitische Lage in keiner Weife berührt. Weder ist er von ihr hervorgerusen, noch wird er irgendwelche Rückwirkungen auf sie auslösen. Wichtig ist nur, datz diese lokale Krise so schnell als möglich beendet und dem Reichskabinetl seine volle Aktionsfähigkeit wiedergegeben wird. Die Arbeiten des Kabinetts, die uns über wichtige gesetzgeberische Maßnahmen und parlamentarische Entscheidungen sehr schnell noch Lausanne fuhren, vertragen keine An- terbrechung und keine Störung. Diese Tatsachen sind so zwingend, daß sich alle politischen Kombinationen, die an den Rücktritt Warmbolds etwa geknüpft werden sollten, ganz von selbst erledigen. Reichskanzler ör. Brüning beim Reichspräsidenten. Berlin, > Mal. (WIB.) Amtlich. Der Herr Reichspräsident empfing heute den Reichskanzler Dr. Brüning zum Vortrag über die innerpolitische Lage und die gegenwärtigen Kabi- Der Reichsstädtebund fordert Aotgefehe für die Städte. Berlin, 3. Mai. (XU.) In einer Eingabe an den Reichsfinanzminister weist der Reichsstädte- Hund auf die unerträgliche Finanznot der Gemeinden hin und führt folgende Punkte als brin- gend notwendige gesetzliche Maßnahmen zur lebensfähigen Erhaltung der Städte an: 1. Eine grundlegende Reform der gesamten Arbeitslosenfürsorge muß sofort in Angriff genommen werden. 2. Da ihre Durchführung eine gewisse Zeit erfordern wird, muß durch sofort in Kraft tretende Bestimmungen der weitere Zustrom von W o h l f a h r t s e r w e r b s l o sen aus der.Krisenfürforge unterbunden werden. Gleichzeitig müssen die Reichshilfen wesentlich erhöht werden. 3. Die Durchführungsbestimmungen zur kommunalen Umschuldung müssen mit aller Beschleunigung erlassen werden, damit die Hm- schuldungsverHandlungen eingeleitet werden können 4. Darüber hinaus ist durch Reichsrecht ein umfassender Klage-, Vollstreckungs- und Konkursschuh zugunsten der Städte einzuführen. Eine solche Maßnahme würde auch insofern im Interesse der Gläubiger liegen, als durch sie verhindert würde, daß einzelne Gläubiger sich zum Rachteil der anderen ihre Befriedung sichern. 5. Weiter müßten Bestimmungen getroffen werden, durch welche unverschuldet in Zahlungsverzug geratene Städte vor den Rechtsfolgen des Sch-u l dne r verzu g e s geschützt werden, insbesondere davor, daß infolge nicht oder nicht völlig erfolgter Zahlung von Zins- und Tilgungsraten der gesamte an sich langfristig gegebene Schuldbetrag fällig wird. Der Reichsstädtebund weist darauf hin, daß die Lage in den deutschen Städten, besonders in den mittleren und kleinen, nicht ernst genug beurteilt werden kann. Das Berliner Etatsdefizit. Uttftcnügcndc Scdunfl für die Wohlfatzriserwcrbslofcnfliisorge. Berlin, 3. Mai. (ERB.) In der Stadtverordnetenversammlung führte StadtkämmererA s ch heute über den Haushaltsplan 1932 u. a. auS, daß im Frühjahr 1931 daS Berliner Budget mit einem Fehlbetrag von 67 Millionen Mark gefchlofsen habe. Dazu kamen etwa 33 Millionen aus dem Fehlbeträge 1930 und der Kassenhedars der außerordentlichen Verwaltung mit etwa 50 Millionen Mark, so daß wir mit einer Wei tcren Geldbcschassung von 150 Millionen Mark rechnen mußten. Die Gcsamtverschuldung der Stadt sei im Jahre 1931 aus dem Bewag-ErlöS um über 18 0 Millionen Mark vermindert worden. Wesentlich trüber als die unerfreuliche Haushaltslage 1931 aber stellten sich bie Aussichten für das Jahr 1 932 dar. Die von der Arbeitslofenversicherung. der Krisenfürforge und von der Stadt gegenwärtig betreuten Familien betragen 1 112 000 Personen, gleich rund 2 5.8 Prozent der ortsansässigen Berliner Bevölkerung. Der Etat 1932 sieht ein Steueraufkommen von rund 408 Millionen Mark vor. Die Deckung der Steueraussälle sei durch die schwerwiegenden Eingriffe auf der Ausaabenseite des Haushalts gelungen. Richt gelungen aber sei es. Deckung für den Bedarf der W o h l f a h r t s e r- toerbäl of enf ürf orge zu erzielen, die mindestens 166 Millionen erfordern werde. Das im Haushaltsplan 1932 sich ergebende Defizit von 113 Millionen Mark sei der Betrag, der der Stadt zur Erfüllung ihrer Fürsorgepslicht gegenüber den Erwerbslosen fehlt. Derwaltungsreform in Anhalt. Dessau, 3. Mai. (TU.) In der Besprechung der die Regierungskoalition bildenden Par- teien (Nalionalsozialisten, Dcutfdjnationale, Stahl- beim, Deutsche Bolkspartei, Hausbesitzer) herrscht Protest der Bundesregierung gegen die Kolonialpläne Tardieus erwartet, und der Entrüstungssturm über die indirekte Donauföderation, die nach den Plänen der Tributbank in Bafel und des ungarischen Politikers HantoS ausbrach, hat erwiesen, daß man in der Dmausrage in Oesterreich irgendwelche Winkelzüge nicht mehr begreift. Die Verluste, die die Cyristlichsozialen bei den Wahlen erlitten haben, sind eine Art von Antwort. find vielleicht die Antwort auf die — mit Recht oder mit Unrecht — als zweideutig bezeichnete Haltung des christlichsozialen Kanzlers Duresch in der Donaufrage. Die Rationalsozialisten, denen man besonders in den bäuerlichen Kreisen Oesterreichs, lange Zeit hindurch, gerade infolge ihrer unklaren Haltung in religiösen Dingen, ablehnend gegen- 'überstand, haben nun den unzweideutig großen Erfolg errungen, den man in dieser Gröhe nicht erwartet hatte. Richt allein die Klagen, der Rationalsozialismus stände nicht positiv auf christ- katholischer Basis, haben nichts gefruchtet, nein, selbst das Hindernis wurde überwunden, daß Adolf Hitler von Geburt und Abstammung ein Oesterreicher ist. Im gesamtdeutschen Rahmen ist es nämlich in Oesterreich mehr als anderswo ein ungeschriebenes Gesetz, daß kein Prophet in seinem Daterlande gilt, wobei man allerdings hinzufügen muß, daß der, der einmal .draußen im Reich Karriere gemacht" hat, immerhin gewisse Aussichten auf eine Anerkennung in feiner Heimat erhält. Man unterschätze diese psychologischen Momente nicht, sie feien hier nur angeführt, um zu zeigen, wie schwer der nationalsozialistische Auftrieb in Oesterreich zu werten ist. Die Erklärung ist aber letzten Endes ziemlich einfach: erstens sah das österreichische Bürgertum keinen rein nationalen Sammelpunkt mehr. Für die Wirtschaftskrise wurden vor allem die Christlichsozialen verantwortlich gemacht, die ja außerhalb Wiens allein das politische Schicksal bestimmen, und von den Rational- sozialisten erhoffte man die große Wende, das .große Aufräumen", vor allem aber d i e Lösung, den Anschluß an das Reich. Das ist die Hauptsache gewesen, und die Anschlußsrage ist die einzige Erklärung für den Wahlaussall in Oesterreich. 11 nö das Ergebnis? — Leider wird es gerade das Gegenteil dessen zur Folge haben, was daS österreichische Bürgertum bezweckte. Wenn nicht alles trügt, werden sich die Christlichfozialen mit dey Sozialdemokraten an den Verhandlungstisch fetzen, und es gehört feine Prophetengabe dazu, um vorauszusehen, daß es in den österreichischen Ländern, in denen jetzt Parlamentswahlen stattgefunden haben, einschließlich Wiens, das ja als .Land" gilt, zu schwarz-roten Koalitionen kommen wird. Und da Oesterreich ein Zweikammer-System bat, da in der Ersten Kammer, im Bundesrat, die Vertreter der Länderparlamente sitzen, rücken die Rationalsozialisten mit einigen Sitzen auch in diese Kammer ein. womit di e Bundesregierung ihre Mehrheit verliert, so daß auch sie wahrscheinlich zu einer Koalition mit den Sozialdemokraten kommen wird. Heber- flüssig. 'zu betonen, daß die Sozialdemokraten ihre Koalitionshilfe nur zu politischen Konjunkturpreisen verkaufen werden. Das sind trübe Aussichten, aber wie dem auch sein mag, es gärt beute in Oesterreich, die Gemüter sind so erhitzt, daß die Bundesregierung, mag sie gestaltet fein wie sie will, Front machen muß gegen die französischen Kolonialpläne. 3n Paris, in Genf und auch in Berlin wird man hieraus die Folgerungen ziehen müssen: Eine österreichische Regierung, die nicht bedingungslos für den Anschluß an das Reich eintritt, hat nicht mehr die Mehrheit des österreichischen Deutschtums hinter sich! Die Gültigkeit der Reichspräsidentenwahl. Das Urteil des Wahlprüfungsgerichts beim Reichstag. Einmütigkeit darüber, daß für Anhalt ein M i n i st c r genüge und daß ein entsprechender Antrag aufAcndcrung der Verfassung im Landtag unverzüglich vorzulegen sei. Auf Vorschlag der Nationalsozialisten wurde die Bestellung des Regierungsrats a. D. Rechtsanwalt und Notar Freyberg aus Quedlinburg einstimmig gebilligt. Falls die Sozialdemokraten auf der Beibehaltung beider Ministerposten bestehen sollten, so würden die bürgerlichen Fraktionen auch denzweiten Mi, n i st e r aus ihrer Mitte stellen. Die NSDAP. zur Llebernahme -er Verantwortung bereit. -rick fordert Auflösung des Reichstags. München, 3. Mai. (SU.) Unter der lieber» schrift: „Was nun?" schreibt im „Völkischen Beobachter" der nationalsozialistische Führer Dr. Fr i d, die RSDAP. sei entschlossen, in die Länderregierungen einzutreten. Sn Bayern. Württemberg. Anhalt und Hamburg werde sich überall unter maßgebender nationalsozialistischer Beteiligung eine Regierung bilden D a n 3 i g , .3. 2Tlai. (OB.) Der hohe Kommissar des Völkerbundes, Graf Gravina, hat dem Generalkommissar der Republik Polen in Danzig. Minister Dr. p a p e e , auf dessen schriftliche Bitte um Darlegung seines Standpunktes in der Angelegenheit des vom „Daily Expreß" und anderen englischen Blättern veröffentlichten Telegramms über putsch plane in Danzig ebenfalls schriftlich geantwortet. Graf Gravina erklärt in seiner Antwort, daß er dem Berichterstatter des „Daily Expreß", Greenwall, seine „ganze Empörung wegen seiner sensationellen Berichterstattung zum Ausdruck gebracht habe", daß Greenwall indessen erklärt hätte, dahdcrdeutschc Wortlaut mit den Originalen nicht überein st imme, und daß er keine Informationen von dem hohen Kommissar oder dessen Bureau erhalten hätte. Denn der Korrespondent des „Daily Expreß" im Zusammenhang mit der Tätigkeit des Grafen Gravina behauptet, daß die deutsche Uebersehung mit dem ursprünglichen Text feines Berichts nicht übereinstimme, so ist demgegenüber festzustellen, daß es auch in der deutschen Uebersehung nur heißt. „Die maßgebend st e Persönlichkeit an Ort und Stelle, kein pole oder Danziger." Obwohl der englische Text noch nicht vorliegt, besteht kein Anlaß, an der richtigen Uebertragiing dieser eindeutigen Auslassung zu zweifeln. Der Wahlterror im Mmelland. Neuer deutscher Lchritt in Litauen. Berlin, 3. Mai. (CAB.) Der deutsche Gesandte in Kowno hat in einer Unter» rebung mit dem litauischen Außen- minister Zaunius noch einmal die Auf- Beamte und Politik. Darmstadt, 3. Mai. (WTB.) Der Finanzausschuß des Hessischen Landtages setzte die Etatsberatung bei Kapitel 19 (Staatspräsident) weiter fort. Auf die Frage eines Vertreters der nationalsozialistischen Fraktion, welche Stellung die hessische Regierung zur Frage der parteipolitischen Betätigung der Beamten einnehme, erklärte Staatspräsident Dr. Adelung: Das hessische Gesamtministerium wird sich demnächst mit der Frage befassen, welche Maßnahmen wegen der Auswüchse in der politischen Betätigung der Beamten zu ergreifen sind. Es treten heute Auffassungen über die Pflichten der Beamten im politischen Leben in Erscheinung, die mit der Würde des Beamten und feiner beruflichen Betätigung nicht mehr in Einklang zu bringen sind, und aufhören müssen, soll nicht das Beamtentum selbst erheblichen Schaden erleiden. Wir müssen bei aller Freiheit der politischen Meinungsäußerung fordern, daß diese Meinungsäußerungen in den unbedingt gebotenen Formen vor sich gehen. Die Betätigung von Beamten, wie sie gegenwärtig in vielen Fällen in Erscheinung tritt, kann nicht geduldet werden. Wenn die Mitgliedschaft zu einer Partei allein schon ein solches Verhalten zur Folge hat, dann mühte die Regierung in ihren Maßnahmen weitergreifen. Es ist bekannt, daß noch kein hessischer Beamter nur wegen seiner Zugehörigkeit zu einer politischen Partei gemaßregelt worden ist. Bei der Polizei allerdings ist die Zugehörigkeit zur Rationalsozialistischen oder Kommunistischen Partei verboten. Der Vertreter der RSDAP. war mit dieser Antwort des Staatspräsidenten nicht einverstanden und beantragte, der Ausschuß solle beschließen, die Regierung zu ersuchen, unverzüglich klar und eindeutig ihre Stellungnahme über die Zugehörigkeit hessischer Beamten zur RSDAP. und zu ihrer Betätigung für diese bekannt zu geben. Der Antrag wurde mit 7 Stimmen der Rationalsozialisten und des Zentrums bei 5 Stimmenthaltungen angenommen. Die Westhilfe des Reichs. Sm weiteren Verlaufe der Aussprache über Kapitel 19 kommt Staatspräsident Dr. Adelung auf die mit der R e i ch s w e st h i l f e zu- sammenhängenden Fragen zu sprechen. Folgende von einem Vertreter der Zentrumspartei beantragte Entschließung wurde einstimmig angenommen. Der Finanzausschuß nimmt mit Bedauern davon Kenntnis, daß die vorn Reich sur die Westhilse zur Verfügung gestellten Mittel im Rechnungsjahr 1932 noch weiter be- schränkt werden sollen. Der Finanzausschuß lassen, wenn es den bürgerlichen Koalitionspartnern mit der Bekämpfung des Marxismus wirklich ernst sei. Schwieriger lägen d i e Dinge in Preußen. Preußens Schicksal sei deutsches Schicksal. Es mühte zu unhaltbaren Zuständen führen, wenn das Zentrum in Preußen mit den Rationalsozialisten zusammen eine Regierung bilden würde, im Reiche aber nach wie vor von Gnaden der Sozialdemokraten regieren wollte. Rur gleichgerichtete Regierungen im Reiche und in Preußen gewährleisteten eine fruchtbare Zusammenarbeit. Dazu bedürfe es zunächst der Auflösung des Reichstages. Deutschland gehe schweren Zeiten entgegen. Vom reinen Parteistandpunkte aus bestehe für die RSDAP. gewiß kein Anlaß, gerade in diesem Zeitpunkte durch ihren Eintritt in die, Regierungen in Preußen und dem Reiche die bisherigen Systemträger irgendwie zu entlasten. Entschließe sie sich trotzdem zur Llebernahme der Verantwortung, so könne das nicht geschehen mit von vornherein unzulänglichen Mitteln, sondern nur gestützt auf eine Machtstellung, die der Gröhe und Schwere der -Aufgabe entspreche. merlsamkeit der litauischen Regierung auf die Vorgänge gelenkt, die nach Auffassung Deutschlands einen Verstoh gegen das Memel- ft a t u t bedeuten und abgestellt werden müssen. Bereits bei den Wahlen für den memelländischen Landtag im Sahre 1930 hat ein ähnliches Verhalten der Litauer zu einer Beschwerde beim Völkerbund geführt und bann seine Erledigung in einem Schriftwechsel zwischen dem damaligen deutschen Auhenminister Dr. Curtius und dem litauischen Außenminister Zaunius gefunden. Zaunius hatte seinerzeit namens der litauischen Regierung eindeutige Zusicherungen für eine, unbeeinflußte Abstimmung und Wahlpropaganda gegeben. Damals wurden die bereits rein grohlitauisch zusammengesetzten Wahlkreiskommissionen und Wahlvor stände entsprechend dem Stärkeverhältnis der Parteien u m g e b i I d e t, so daß auch die deutschen Parteien auf Grund einer überwiegenden Mehrheit genügende Vertretung bekamen. Auf diesen Schriftwechsel ist in den verschiedenen deutschen Roten an Litauen und Signatarmächte Bezug genommen worden. Sm übrigen scheinen die verschiedenen Schritte Deutschlands wie auch die der Signatarmächte insofern einen gewissen Erfolg gehabt zu haben, als in den letzten Sagen keine Ausschreitungen mehr gegen die Wahlpropaganda der Memeldeutschen vorgekommen sind. Es wird jedoch unbedingt notwendig fein, auch für den Rest des Wahlkampfes schärf st e Aufmerksamkeit auf die Entwicklung der Dinge im Memel- land zu richten. Von unbekannter litauischer Seite sollen z. D. 50 000 gefälschte Stirn m- zettel der Memelländischen Volkspartei an die Wähler verschickt worden sein, um dadurch offenbar das Wahlergebnis im litauischen Sinne zu beeinflussen. ist der Auffassung, daß eine weitere Beschränkung dieser Mittel für das Land untragbar ist und bittet die hessische Regierung, alles zu tun, um die wirtschaftlichen Snteressen des Landes zu wahren. Snsbesondere möge die Regierung auch auf baldige restlose Auszahlung der für 1930 und 1931 bereitgestellten Mittel hinwirken. Ein nationalsozialistischer Antrag ersucht die Regierung, bis zur endgültigen Verabschiedung des Staatsvoranschlages für 1932 Beförderungen, Ernennungen und Versetzungen von Beamten aus politischen Gründen nicht vorzunehmen. Der Antrag wurde mit 9 gegen 3 Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Der volksparteiliche Antrag, die Stelle eines Ministerialrats (Bornemann) auf den Sn- Haber zu bewilligen und die seitherige Sn- Haberstelle eines Legationsrates (Dr. Heinemann) dafür auszutauschen, wurde mit 5 gegen 5 Stimmen bei zwei Enthaltungen abgelehnt. Für den Antrag stimmten nur die Rationalsozialisten. Der volksparteiliche Antrag, den Dispositionsfonds und den Fonds zur Förderung von Kultur und Wissenschaft von 50 000 auf 40 000 Ulf. herabzusetzen, wurde mit 5 gegen 2 Stimmen bei 5 Stimmenthaltungen abgelehnt. Der kommunistische Antrag, das gesamte Kapitel 19 zu streichen, wurde mit 5 Stimmen des Zentrums und der Sozialdemokraten gegen die Kommunisten bei Stimmenthaltung der Rationalsozialisten abgelehnt. Mit dem gleichen Stimmverhältnis wurden die übrigen kommunistischen Anträge abgelehnt. Lediglich der kommunistische Antrag, den Betrag von 4 0 0 0 Mk. für Verfassungs feiern zu streichen, wurde mit den Stimmen, der Rationalsozialisten und Kommunisten gegen Zentrum und Sozialdemokraten angenommen. Der nationalsozialistische Antrag, die durchgehende Arbeitszeit für d i e schwerkriegsbeschädigten Staatsdiener cin- zuführen. soweit dies die Erfordernisse des Staates zulassen, wurde nach zusagender Erklärung der Regierungsstellen für erledigt erklärt. Der nationalsozialistische Antrag, daß alle Anträge, die von Schwerkriegsbeschädigten ausgehen, dem Ministerium zur Entscheidung vorgelegt werden, wurde mit 7 Stimmen der Rationalsozialisten und der Kommunisten bei 5 Stimmenthaltungen angenommen. — Das Kapitel selbst wurde schließlich mit 5 gegen 2 Stimmen bei Stimmenthaltung der Rationalsozialisten a n g c n.o m m e n. Das Regierungsorgan. Kapitel 20; Staatsverlag schließt mit einem Ueberschuß von 500 Mark. Es entspann sich eine eingehende Aussprache über das Weitererscheinen des Regierungsorgans »Darm- Berlin, 3. Mai. (DDZ.) Das Wahlprüfungs- gcricht beim Reichstag schloß am Dienstag die Prüfung der Reichspräsidentcnwahl. Es lagen 64 schriftliche Beschwerden vor, die sich aber bei der Nachprüfung durch den Reichswahlleiter fast aus- nahrnslos als unb e re ch t i g t erwiesen hatten. Reichstagsabgeordneter Dr. Frank I I begründete die Beschwerden der National- sozi allsten, daß die Reichspräsidentenwahl durch Polizeimaßnahmen und durch den Rundfunk verfälscht worden sei. Wenn sich Herausstellen sollte, daß tatsächlich öffentliche Mittel für einen der Kandidaten verwandt worden seien, so würde das einen ungeheuerlichen Verstoß gegen alle Gesetze bedeuten. Weiterer Gegenstand der Beschwerde sei, daß man den Rundfunk einseitig in den Dienst der Hindenburg- Propaganda gestellt habe. Wenn hierzu erklärt werde, daß Hindenburg lediglich einen Rechenschaftsbericht abgegeben hätte, so sei dies ein juristischer Dreh. Hindenburg habe nicht einen Rechenschaftsbericht erstattet, sondern eine reine Wahlrede gehalten. Die Versagung des Rundfunks halte die NSDAP, für eine ganz grobe verfafsungs- w i d r i g e U n g e r e ch t i g k e i t. Wenn man die nationalsozialistische Bewegung mit allen Mitteln niederhalten zu müssen glaubte, so hätte man im Wahlkampf wenigstens die besondere Last der N o t - Verordnung von der nationalen Rechten nehmen müssen. Die Beamtenbeeinflussungsversuche seien ein Verstoß gegen die Reichsverfassung. Der Vorsitzende stellte dann durch Befragung des Reichsbeauftragten fest, daß Anträge auf Zur- Verfügung st ellung des Rundfunks für Hitler beim Reichsinnenministerium gestellt, von diesem aber a b g e l e h n t worden sind. Der zweite Vertreter der RSDAP., Rechtsanwalt Dr. F r e i s l e r - Kassel, erklärte, daß durch die Exekutive in allen ausschlaggebenden Ländern die Gesamtpropaganda der Reichspräsidentschaftskandidatur Hitler planmäßig und zielbewußt erschwert und teilweise unmöglich gemacht worden sei. Die Presse der RSDAP. sei einseitig durch staatliche Anordnungen lahmgelegt worden. Abg Stelling als Vertreter des sozialdemo- städter Zeitun g", mit der bekanntlich die Amtliche Pressestelle verbunden ist. Die Rationalsozialisten beantragen, die Herausgabe der Zeitung e i n z u st e l l e n. Der Antrag wurde mit den Stimmen der Rationalsozialisten und Kommunisten gegen Zentrum und Sozialdemokraten angenommen. Die Frage, ob die Zeitung wirklich eingestellt werden soll, ist aber noch offen und von kommunistischer Seite ist bereits für die zweite Lesung der Antrag ange- kündigt. daß im Falle des Weitererscheinens wenigstens den Abgeordneten die Zeitung kostenlos zugestellt werden solle. Das Kapitel wurde mit den fünf Stimmen des Zentrums und der Sozialdemokraten gegen die Kommunisten bei Stimmenthaltung der Rationalsozialisten angenommen. Die Gesandischast in Berlin. Kapitel 21:BertretungbeimReich sieht eine Einnahme von 23 600 Mark und eine Ausgabe von 93 814 Mark vor. "Auf Antrag des christlich-sozialen Abgeordneten Greb legte die Regierung- dem Ausschuß eine Denkschrift über die Tätigkeit, den Personalbestand und die Gehälter der Berliner Vertretung vor. Der kommunistische Antrag, das ganze Kapitel zu. streichen, wurde mit fünf Stimmen gegen die Kommunisten bei Stimmenthaltung der Rationalsozialisten abgelehnt. Der nationalsozialistische Antrag, die Geschäftsstelle in Berlin nur mit einem höheren Beamten zu besehen, wurde für die zweite Lesung zurückgestellt. Der volksparteiliche Antrag auf Streichung des gesamten zur Verfügung gestellten Betrages für Dienstaufwands- entschädigung wurde mit den Stimmen der Koalitionsparteien bei Stimmenthaltung der Rationalsozialisten abgelehnt. Mit dem gleichen Stimmverhältnis wurde das Kapitel selbst genehmigt. Neue Augenoperaiion Macdonalds. Baldwin vertritt den Premierminister. London, 3. Mai. (WTB.) Macdonald wird sich am Donnerstag einer Operation des Grünen Stars am rechten Auge unterziehen. Nach einem heute vormittag veröffentlichten Bulletin ist der Zustand des bereits vor einiger Zeit operierten linken Augen zufriedenstellend und das Allgemeinbefinden ausgezeichnet. Morgen wird Macdonald den Vorsitz in der Sitzung des Kabinetts führen, am Nachmittag vom König in Audienz empfangen werden und am Abend in die Klinik gehen. Er wird sich sechs Wochen lang vollkommene Ruhe auferlegen müssen, aber vor der Lausanner Konf'ereäz wiederher g e st e l l t sein. Sein Entschluß, an dieser teilzunehmen, ist der Hauptgrund dafür, daß er die Operation unverzüglich vornehmen lassen will. Auf die Reise nach Genf muß er natürlich verzichten. Die beunruhigenden Gerüchte, die von der Gefahr einer Erblindung Macdonalds zu berichten wissen, stimmen mit den Tatsachen nicht überein. Es besteht kein Grund, daran zu zweifeln, daß ihm, natürlich bei Anwendung der notwendigen Sorgfalt und Achtsamkeit, seine Augen noch auf lange Jahre hinaus ihren Dienst leisten. Während der Erkrankung Macdonalds übernimmt Baldwin die Vertretung des Ministerpräsidenten. Aus aller Welt. Großfeuer in Düsseldorf. Ein Großfeuer vernichtete in einem Wohnhaus auf dem Hindenburg-Wall das Treppenhaus in den oberen Stockwerken fast völlig. Die Feuerwehr mußte daher die Bewohner des Dachgeschosses über das Dach des Rachbarhauses in Sicherheit bringen. Ein Mann erlitt schwere Brandwunden. Der Brand ist durch 11 nacht - s a m k e i t entstanden. Sn die im Parterre unter der Treppe stehende Mülltonne war glühende Asche geleert worden, die weiterschwelte und so das Treppenhaus in Brand setzte. Das Feuer wurde erst bemerkt, als der Rauch bereits das oberste Geschoß erreicht hatte, und der Aus- gang zum Teil verbrannt war. Bei dem kratischen Parteivorstandes erhob Beschwerde gegen den Terror, der von den Ra - tionalsozialisten ausgeübt worden sei. Dieser Terror habe sich in allen denkbaren Formen geäußert: Arbeiter seien mit Entlassung, Geschäftsleute mit Erpressung, Zeitungen mit Boykott, Dersammlungsbesucher mit Gewalttaten, Redner mit Mord und Totschlag bedroht worden. Besonders sei dieser Terror ausgegangen von den inzwischen aufgelösten SA.- und SS.- Abteilungen und deren Heimen, von denen aus planmäßig lieber fälle organisiert worden seien. Als Reichsbeauftragter verlas Ministerialdirektor Dr. K a i f c n b e r g die Stellungnahme der Reichsregierung, wonach Wahlreden im Rundfunk nicht zuzulassen seien: etwas ganz anderes sei es, wenn der Reichspräsident einen Rechenschaftsbericht gebe. Rach mehrstündiger Beratung verkündete der Vorsitzende des Wahlprüfungsgerichtes Dr. Bell das Urteil: „Die am 10. April 1932 vollzogene Wahl des Generalfeldmarschalls Paul von Hindenburg zum Reichspräsidenten ist g ü l t i g.“ Sn der Begründung teilte der Vorsitzende Dr. Be11 mit, daß das Gericht bei Behandlung der nationalsozialistischen Beschwerden zu folgendem Ergebnis gekommen sei: „Sm Hinblick auf den großen Vorsprung, den bei der jetzigen Wahl der Generalfeldmarschall von Hindenburg vor dem nächsten Wahlbewerber Adolf Hitler erzielt hat, nämlich den Vorsprung von nahezu 6Millionen Stimmen, muß auch dann, wenn die beanstandeten Vorkommnisse in ihrem vollen Umfange bewiesen würden, nach der Heber- zeugung des Wahlprüfungsgerichtes festgestellt werden, daß dadurch das Wahlergebnis nicht in Frage gestellt werden kann." Das Gericht ließ es dahingestellt, ob und in welchem Umfange nationalsozialistische Terrorakte stattgefunden hätten, wie es die Sozialdemokraten behaupteten und erklärte in der Begründung, eine Anfechtung der Wahl Hindenburgs, die auch von den Beschwerdeführern nicht erklärt worden fei, begründete solche Terrorakte nicht. Großfeuer hat eine Frau den Tod gesund en. Sie wurde von den Feuerwehrleuten in ihrer Wohnung erstickt aufgefunden. Opfer der Berge. Aus den bayerischen Bergen werden mehrere schwere Unfälle gemeldet. So stürzte auf dem Untermberg der 22 Sahre alte Beamte Wilhelm Schweiger ab. Schweiger war über den Ostgrat ausgestiegen und dürfte durch den Schnee durchgebrochen fein. Die Leiche wurde geborgen. — Auf dem Predigtstuhl im Hochköniggebiet stürzte der Bahnbeamte Stephan Ziefer aus Bischofs- hofen etwa 14 Meter tief in eine Ciskluft ab. Der Schwerverletzte wurde geborgen, starb aber auf dem Transport. — Der 18jährige Münchener Gerhard Smmy, der zusammen mit einem 17jährigen Freund die Duchstein-Südwand erklettern wollte, stürzte aus 200 Meter Höhe wahrscheinlich durch Ausbrechen eines Schroffenbüschels tödlich ab. Die Ursache des Unglücks dürfte in der völligen Bergunerfahren- heit der beiden jungen Leute zu suchen sein. Beide waren ungenügend ausgerüstet. Es fehlte ihnen auch ein Seil und die übrige Bergausrüstung. Bei Rebel mit dem vZug zusammengestoßen. Bei Hörschel an der Strecke Eisenach — Bebra durchbrach ein Milchkraftwagen mit Anhänger b e i dichtem Nebel d i e geschlossene Eisenbahnschranke. Der ö-Zug Bebra—Frankfurt am Main tötete den Besitzer Weyer und den Mitfahrer Meyer, beide aus Eisenach und zertrümmerte den Kraftwagen. Der O-Zug erlitt zwei Stunden Verspätung. Rathaussturm in Mentone. In Mentone, an der französischen Riviera, kam es zu einem äußerst heftigen Zwischenfall. Die Stadtverwaltung und besonders der Bürgermeister von Mentone hatten während des Wahlkampfes offen Stellung gegen die Kandidatur des Abgeordneten Torres genommen» der aber trotzdem ganz überlegen im er» ft en Wah 1 gang gewählt wurde. Nun versammelten sich mehrere tausend Personen auf dem Marktplatz und nahmen, das Rathaus i in S t u.r m. Die Polizei wurde überrannt. Die Menge drang in sämtliche Büroräume ein, aus denen die noch anwesenden Magistratsbeamten verjagt wurden. Erst nach Eintreffen eines starken Polizeiaufgebots gelang es, die Ruhe wiederherzustellen. Lin britischer Fliegerhauptmann unter Mordverdacht verhaftet. Sn Miami (Florida) ist der britische Fliegerhauptmann William Lancaster unter der Anschuldigung, denamerikanischen Flieger Haden Clark ermordet zu haben, verhaftet worden. Clark war am Morgen des 21. April im Hause der australischen Fliegerin Frau Keith Miller, wo er mit dem Flieger- hauptmann zusammen als Gast weilte, erschossen aufgefunbeft worden. Man hatte zunächst an Selbstmord gedacht. Aber Hauptmann Lancaster soll jetzt gestanden haben, die angeblichen Abschiedsbriefe des Toten gefälscht zu haben. Clark soll der Verlobte der von ihrem Mann geschiedenen Frau Miller gewesen sein. Der Fliegeroffizier hatte Frau Miller auf mehreren ihrer Fernflüge begleitet. AI Lapones Berufung verworfen. Die Revision, die Al Eapone beim Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten gegen seine Verurteilung wegen Steuerhin- terziehung eingelegt hatte, ist heute verworfen worden. Damit ist seine letzte Hoffnung, der Strafe von elf Jahren Gefängnis zu entgehen, zunichte gemacht worden. Er wird wahrscheinlich in einigen Tagen nach einem der Bundesgefängnisse ge> bracht werden. Rückkehr des lehten deutschen Kriegsgefangenen. Nach mehr als 13jähriger Abwesenheit kehrte Alfons Paoli Schwartz, der letzte deutsche Kriegsgefangene, in seine Heimat Kehl a. Rh. zurück. Schwartz war, als vor 13 Jahren dis französischen Trupoen in Kehl einzogen, als Alt- elsässer fe st genommen worden, well er im Weltkriege im deutschen Heere gekämpft hatte. Nach 13jähriger Gefangenschaft auf der Teufelsinsel und in Cayenne betrat Schwartz vor etwa 8 Tagen zum ersten Mate mte. Polens Putschpläne in Danzig. Gravina an den Vertreter Polens. - Oie Berichterstattung des „Daily Expreße. Die Beratungen im Finanzausschuß des Hessischen Landtags. Das Rad Lzsr A urg ho? L 5'fIer erzielt S ö®n nahe»» 2„,.wnden fann.“ weM. ob und in Mische Terro ", « « 6o»iol. rtlarte in der 2-, finden« ^defuhrern nicht ' solche Tmoratte der britische [ter unter der 2n- :ä* - nTTan po*16 ‘ „ svff S'^r •* tUblK *«■ ""t &,« „OOt* »• SeiffjS, r mit mit ÜJ® •trat aui.9' >vvr. । er. *?jp n' von den-»^' 'Nt tooff.M er verlass b'K SStztz den Tod ge, n Fcuenvehrleuten ausgesunden. fle. w werden mehren o stürzte aus dm e Beamte Wilhelm ■ über den Ostgrat den Echnee durch. >urde geborgen. - hköniggebiet stürme eler auS Dischost- eine Si-kiust de geborgen, starb )er 18jährige Wün- ifammen mit einem stein-Südloond er- 200 Meter Aöhe n eines Schroffen- che öeS Unglüti gunersahren» te zu suchen sein. ) ausgerüstet. :il und die übrige itet. iverworseo- 'e.AÄaatk" 'st Mas« *U,nen&n,iU' i i5 ^Meinlich ,n der A, «. $u|ammenge(lo6tn. isenach-Bebra mit Anhänger bei {offene Eisen, j Lebra-Frantsurt gor Weyer und beide aus Eisenach en. Der V-Zug erlitt ing. llentone. fischen Nioiera, kam i Zwischenfall. Die besonders der 2uv während de; Wahl« n die Kondida« r o r r e s genommen ierlegen im er« t mürbe. Nun oer- ) Personen aus dem as Na'bau; >m zerrannt. Die Menge ein, aus denen die istratsbeam en Eintreffen eine; f« gelang es, die Nuh« unter Mdottdacht OOI 5S3-TT übersenden. 344OV Opel Luxus Rad ab RM 95 Frankfurt a. M„ Liebfrauenstraße 1 -3 3547 A lazementSchwemmsteine 2576 D Arbeitslose 2 tr. Babnhofstra&e Telephon Nummer 3403. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiin Ein unverbindlicher Besuch wird Sie den außergewöhnlich. Leistungen dieses größten Spezialhauses Süddeutschlands überzeugen. Bimsdielen Schlackensand leicht und mittel Mauer-Isolierpappe beste Qualität, allerbilliget C. 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'SaMum • AufklLrungsvvrkrkrft. ©eftern abend fand im Cafe Leib ein AusklänmaA- Lichtbildervortrag statt Der Redner des Qfbcnb«; ein 'Beauftragter der Deutschen Radium-AG^ sprach im ersten Teil feines Vortrages über bi c VolkSseuche Strcbd. schilderte an Hand von 3a f>- lenmaierial die Gefährlichkeit der Krankheit. charakterisierte deren verschiedene Erscheinungsformen und erwähnte die Möglichkeiten der Heilung, denn, so betonte er. KrebS sei heilbar, wenn er in feinem Anfangsstadium erkannt und lx'handelt werde. Leider kämen viele Äranfc zu spat zum Arzt, fn da st ihnen ost nicht mehr geholfen werden könne. Aachdern ber Vortragende nach auf die Möglich, feiten der Heilung durch Radium hingewiesen hatte, betonte er ausdrücklich, das, die KrebS- beHandlung in jedem Falle durch den Arzt, ja mögkdjft durch den Spezialarzt erfolgen müsse. 3m zweiten Teile de» Vertrages befastte sich bet Redner mit dem Element Radium. Er schilderte zunächst an Hand von Lichtbildern den kostspieligen Prozeß der Gewinnung des Radiums, daS nur deshalb so teuer fei. weil die Gewinnung auch nur cineS Grammes Radium die Bearbeitung von 20 000 Kilogramm Erbmasse notwendig mache. Er schilderte weiter die speziellen Eigenschaften deS AadiumS. charakterisierte hie Strach- len (Alpha-, Beta» und Gammastrahlen), die von diesem einzigartigen Element auSgehen und die Heilwirkung auSlofen Er ging schliestlich dazu über, die Wirkungen der Radium-Snianation auf tue verschiedenen Organe deS menschlichen Körpers zu erklären, kennzeichnete die besondere Wirkung der Emanation im Blut, das unter dem Einfluß des RadtumS dünnflüssiger und damit gesünder wird, so daß dadurch schon allein einer Reihe non Krankheiten entgegengewirkt sei. Zum Schluß wieS der Redner auf die Trinkkuren bin, erläuterte auch die Anwendung der Radium-Kompressen bei verschiedenen Krankheiten und sprach von den Erfolgen. die bereits erzielt wurden. 3m Lause deS Abends war den Besuchern Gelegenheit gegeben, die in einem Spinthariskop sichtbar gemachten Alphastrahlen des Radiums zu sehen. 3n Ergänzung des Vortrages findet heute, Mittwoch, und am Freitag in der Zeit von 10 bis 19 Uhr im Cafe Leib eine Ausstellung statt, auf die hiermit hingewiesen sei. Wettervoraussage. Der hohe Druck, ber sich von Grönland über Island und südwärts noch den britischen Inseln erstreckt, hat sich noch weiter verstärkt. Gleichzeitig hat das über Zentraleuropa liegende Storungssyslem seinen Einfluß auch nach der Ostsee und den angrenzenden Ländern ausgedehnt. Durch die entstandenen Luft- druckgegensätze gelangen wir in den Bereich von Lültmassen aus nördlicheren Breiten, die weiter zu kühlem Wetter führen. Dabei besteht nachts sogar Gefahr, dast die Temperaturen bis zum Gefrierpunkt und in Bodennähe auch etwas darunter zurückgehen. Wesentliche und verbreitete Niederschläge sind nicht zu erwarten, wenn auch mit dem Auftreten einzelner Schauer gerechnet werden muß. Aussichten für Donnerstag: Kühles, teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter, einzelne Schauer, nachts Temperaturrückgang bis um den Ge- frierpunkt. Lufttemperaturen am 3. Mai: mittags 15,8 Grad Celsius, abends 8,5 Grad: am 4 Mai: morgens 10,1 Grad. Maximum 15,8 Grad, Minimum 5,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 3. Mai: abends 14,4 Grad-, am 4. Mai: morgens 10,2 Grad —- Sonnenscheindauer ß’X Stunden. Vatertag! Der Hirnmelsahrttag — 5. Mai — soll Vatertag fein! Der HimmeUahrttag ist ..ber Tag bei Herrn", ber Tag bes Mannes, ber Tag ber Herrenpartien, an dem die Frauen zu Hauke bleiben. 3n biefem Jahre toll aber dieser hoffentlich recht freundliche Maientag ein Tag Jein, ber bem Manne unb Vater nicht nur bie Freube seiner Herrenpartie bringt, sondern an bem ihn auch bie Freude eines Geschenkes überrafdxn soll. Der Ba tert ag ist neu unb nimmt neben dem inzwischen zum Allgemeingut geworbenen ernsten Muttertag, der am 8. Mai ftattfinbet. weniger ernsthaft aus. denn man ist .miner leicht geneigt, an bie bekannten zwei lustigen Feilen bes Dichterphilosophen Wilhelm Busch zu benfen, die bem Vater getoibmet sind. 2lber doch sollte sich mancher oofon, manche Tochter unb bie Frau erinnern, dast ber Vater es im täglichen Geben nicht leicht hat. daß auch er einmal einer kleinen Anerkennung in ber Form eine- Geschenkes teilhaftig werden sollte, da er doch für die Familie arbeitet unb babei nicht wenige Sorgen hat. Deshalb soll am 5. Mai des Vaters gedacht werben. Gleichzeitig soll aber der Vater- tag auch eine wirtschaftliche Bedeutung erhalten. er soll eine Belebung für die Geschäftswelt bringen, so dast sich diele neue Einrichtung nach zweierlei Richtung gürfftig auswirkt Bon der Landesuniversität. Bon ber Pressestelle ber Universität Diesten wirb mitgeteilt: Herr Dr.-Ing.. Ernst Hamm, der sich für bas Fach ber Geschichte des Städtebaues habilitiert hat. wird Montag. 9 Mai. 20 Ahr. im Hörsaal deS Kunstwissenschaftlichen Instituts. Ludwigstraste 34, über das Thema »Wandlungen im deutschen Städtebau" eine Antrittsvorlesung . halten. "Kraftomnibusfahrten nach bem Schiffenberg. Der tägliche KraftomnibuS- verkehr nach dem Schiffenberg ist feit 1. Mai wie- ber aufgenommen. Damit ist ein bringender Wunsch zahlreicher Mitbürger erfüllt worden. Im heutigen Anzeigenteil macht der Schifsenberg- Wirt noch einmal auf diese bequeme Möglichkeit zum Besuche des Schiffenberges besonders aufmerksam. ", Sternwanderung nach Gießen. Anlästlich der Sternwanderung des Reichsper- bandes Deutscher Gebirgs- und Wandervereine. die am morgigen Himmelfahrttag auS verschiedenen Richtungen her nach dem Schiffenberg statt- finbet, wird auch ein Propagandamarsch durch unsere Stadt veranstaltet. Dieser Marsch wird sich ab 16.30 Uhr durch folgende Strasten bewegen: Schiffenberger 'Weg. Bismarckstraste, Ludwigstraste, Bleichstraste. Südanlage, Bkftanlagc, Bahnhofstraße, KaplanSgasse, Kreuzplatz, Son- nenstrahe. Brandplatz zum Landgraf-Philipp- Plah. wo nach einer Begrüßung der auswärtigen Wanderer durch einen Vertreter der Stadt die Beranftaltung ihren Abschluß finden wird. " $cr fteigerung von Fundgegen- ftänben. Am Freitag, 6 Mai, 14 Uhr, findet im Hofe des Polizeiamts (Landgraf-Philiop Platz) eine Versteigerung abgclieferter, aber nicht abgeholter Fundgegenstände statt. Näheres ist aus ber heutigen Bekanntmachung ersichtlich. **^_2l rbeitsjubiläum. Der Maurer Heinrich Schmitt aus Saasen begeht am Freitag fein 25jähriges Arbeitsjubiläum beim Städtischen Gas- und Wasserwerk. vnd fie kommen, lausende Wb aber Tausende Dienen, Safer und Schmetterlinge. Da summen und &igen die lleißigen Lienen. Wie fernes, zartes lodcngeläute erklingt es 34 öffne das Fenster und schaue zu. Mit welchem Ester und mit welcher Freude die kleinen Bienchen ihre Arbeit verrichten! Da kommen sie angeflogcn setzen sich nieder auf die Blüte, stecken ihr Köpfchen in das Jpnigtdpfdjcn unb saugen den süßen Sasl, nehmen an Blumenstaub mit, was an ihre rauhen Hinterbeinchen geht, verweilen einen Augenblick, und schon tauchen sie in die nächste Blute unter' schwer beladen summen sie zu ihrem Bienenstock, leeren ihre Vorräte in die Fellen aus, streifen den Blutenstaub ab, unb schon finb sie wieder da, beim /ilten Apfelbaum. Unb wie schon ist es, wenn die vornehmen Herren, die Schmetterlinge, erscheinen! Wie sie schweben und sich im Sonnenlichte schaukeln! Fn allen Farben leuchtet ihr buntes Gewand. Dann sitzen sie auf den Blüten, lange und bedächtig. Sie brauchen ja nicht zu arbeiten. Sie leben in den Tag hinein Sie gaukeln so hin und her unb freuen sich ihres Lebens. Ganz oben im Gipfel sitzt ein Buchfink unb schmettert ununterbrochen fein Frühlingslieb. Wahrlich eine schone Musik zu bem Glockenlauten ber Insekten Ts finb bie schönsten Tage für den alten Apfelbaum. z „Cfcerbauraf* Heinemann geisteskrank Aus Olpe wird berichtet: Der durch feine Streiche bekanntgewordcne Ncichsbahn-Oberbaurat" Heinemann ist auf Beschluß des Gerichts oom Kreisarzt auf seinen Geisteszustand untcrfucht worden. Bach dem Befund des Kreisarztes ist Heinemann geisteskrank. Aus diesem Grunde wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt. Er wird nun einer Heil- und Pflegeanstalt überwiesen werden. Gictzcncr ^orfjutmarftpreik- Gießen, 4. Mai. Gs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Kochbutter Pfund 1.00; Süß- rahmbutter 1,30; Canbbuttcr 1,30; Matte 25 bis 30; Wirsing (gelb) 15 bis 20. Wirstng (grün) 25; Weißkraut 10; Rotkraut 12 bis 15, gelbe Rüben 10 bis Y2; rote Rüben 10 bis 12; Spinat 10 bis 15; Spargel 70 bis 1,30; Unter-Kohlrabi 5 bis 8; Feldsalat 80 bis.1,00; Tomaten 50 bis 60; Zwiebeln 18 bis 20; Meerrettich 30 bis 60; Schwarzwurzeln 25 bis 35; Rhabarber 15 bis 18; Kartoffeln 4.5; Aepfel 10 bis 15; Dörrobst 25 bis 30; Honig 40 bis 45; junge Hähne 80 bis SO; Suppenhühner 70 bis 80; Hüffe 35 bis 40; Tauben Stück 50 bis 70; Käle 5 bis 10; ®icr 7 (10 Stück 65); Blumenkohl 30 bis 70; Salat 20 bis 25; Salatgurken 40 bis 60, Lauch 5 bis 10; Rettich (neue) 15 bis 20; Sellerie 10 bis 30; Radieschen Bund 10 bis 15; Kartoffeln Zenter 3,80 bis 4,00; Weißkraut 6,00 bis 6 50; Wirsing (gelb) 12,00 bis 15,00; Wirsing (grün) 20.00 kns 22,00; Rotkraut 8,00 bis 9.00. • Bornotizcn. — TageskalenderfürMittwoch Stadt- theater: 19 bis gegen 24 Uhr, „Faust ", 1. Teil. — Oberhessischer Kunstoerein, Turmhaus am Brand- Platz. 15 bis 17 Uhr, Jubiläums-Ausstellung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: 16 und 20.30' Uhr, Modenschau. — Tageskalender für Donnerstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße. „Kriminalreporter Holm". — Astoria-Lichtspielc, Seltersweg: „Straßen der Weltstadt'". — Wicsecker Lichtspiele: 20.30 Uhr, „Die große Attraktion". — Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute, 19 Uhr, erste Wiederholung der Neuinszenierung des Fntendanlen: „Jaust", eine Tragödie von Goethe. (l.Teil.) Die Aufführung erlebte bei ihrer Erstaufführung einen großen und ernsthaften Erfolg. Die Hauptrollen liegen in den Monden von Fachen Hauer (Faust), Beatrice Doering (Gretchen). Die Nolle des Mephisto »er deufschen Boden, nachdem Me deutschen Bemühungen um seine Freilasiung endlich van Erfolg gekrönt waren. 21m Bahnhof hatten sichTausende oon Menschen eingefunden, die den ehemaligen Kriegsgefangenen begeistert feierten. Nach einer Weibe von Ansprachen trug man . Schwartz im Triumph zu seiner alten Wohnung, wo ihm der Vorsitzende des Kehler Turnvereins von 1845 bie Goldene Ehrennadel der Deutschen u r ü c t" I ch a ft überreichte Schwartz richtete vom Fenster seiner Wohnung Worte des Dankes an die außerordentlich große Menschenmenge, die ihm immer und immer wieder begeisterte Ovationen darbrachte. Ein Mitglied der Neichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener schilderte zum Schluß die rastlosen Bemühungen der Vereinigung und der amtlichen deutschen Stellen um die Freilassung des letzten deutschen Kriegsgefangenen. Aus ber Provinzialhauptstadt. Dießen, den 4. Mai 1932. blüht das fernste, tiefste Tal!^ Die Kinder entdecken den Frühling immer zuerst. Wenn der Soft in den Bäumen steigt, eilen sie zu den alten Weiden am Vach, um sich 'hr Pfeiflein zu schneiden. Der Hollunderstrauch gibt ihnen Rohre für ihre Knallbüchsen, und auf der Wiese, auf grünen Rasenwegen erblüht eine Lieblingsblume der Kleinen, der Löwenzahn, auch Kettenrose genannt. AuS den röhrenförmigen Stengeln werden Pfeifen gemacht, lange Ketten zusammenaestellt und Kränze gewunden. Lind wenn nach kurzer Zeit die aelben Blüten vergangen sind und fleinex helle Federkronen die Stengel schmücken, dann gibt es .Lichter". Man bläst sie aus, und was noch stehenbleibt von den beschwingten Samen, daS wird gezählt und gilt als die Zeit, die rttan noch zu leben hat. W r Erwachsenen werden zum erstenmal stark I an die Frühlingszeit erinnert, wenn die Bäume ihr HochzeitSgewand angezogen haben, wenn es in Gärten und Feldern blüht und duftet und nach Honig riecht. Die Zeit der Baumblüte ist deS Frühlings große Zeit. Kalt und unerbittlich hat der April in diesem 3a&rc fein Zepter geschwungen. ®r ließ es nicht $u. daß die scheuen Knospen der Obstbäume ihre Blüten entfalteten. Run hat aber auch er weichen müffen. Der Mai ist da, und er tut Wunder an ben Bäumen. WaS wäre ein Maitag ohne Baumblüte? Welche Freude, wenn an geschützten Plätzen zuerst Pfirsiche und Aprikosen ihre zarten, purpurnen Blüten erglänzen lassen! Dann leuchtet der buftige Schnee deS Kirschbaumes Zwetschen und Birnen folgen. Zuletzt, aber nicht minder schön, erscheinen die rofenfarbenen Blüten der Apfelbäume. Bor meinem Fenster steht em alter Apfelbaum. Wenn ich vom Schreibtisch aufschaue, sehe ich hinein in feine Blütenpracht. Wie lange ist eÄ her, daß er noch kahl und mürrisch da draußen stand, und die Zweige hilflos vom Früh- lingswind hin- und hergeschaukelt wurden? Dann erkannte man die schwellenden Knospen. Die Sonne kam. Kalter Regen folgte. Ein später Schnee legte sich auf Garten und Baum. Aber immer wieder, wenn es sich aufhellte, traten die Knospen hervor. Langsam, aber stetig wuchsen sie, wurden dicker und runder. Wohl hinderte die Kälte das Erblühen, aber unentwegt schasste der alte Apfelbaum, und die Sonne hals. xlefet haben .sie es erreicht. Die zarten Blättchen cr|d)cincn und die rötlichen Blüten. Nicht aus einmal, sondern in langsamem, aber sicherem Wachsen. Da steht er nun, der alte Kerl, und neigt sich in dem leichten Maienlüstchen. Er feiert sein schönstes Fest, und unzählige Freunde kommen- zu Besuch. Berauschender Duft strömt von den kleinen Bluten aus, lockt und ruft: Kommt zu mir! Hier findet ihr einen gedeckten Tisch! ■msmsAIIc Modelle auch ballonbereift Anerkannte Opel-Fahrrad-Verkaufsstellen JOSEF STEINBACH, GIESSEN, LUDWIGSTR. 62 RICH. BORNEMANN, GIESSEN, SONNENSTR. 5 Opel Blau-Blitz Rad von £750 RM?/ an. Opel Standard Rad .... ab RM 69 BRUMLIK Denken Sie an Stoffe/ denken Sie an L. Bernard Pg. H. Bartholomäus »Gießen Redner: Thema: Gießen, den 4. Mal 1932. 3548 D 02838 Die Einäscherung und Beisetzung findet in der Stille statt. 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Rotverordnung erscheint eine erneute allgemeine Herabsetzung der Löhne und Gehälter nicht ttilgbar und hei der steigenden Bedeutung des Binnenmarktes für die deutsche Wirtschaft auch nicht wünschenswert" x Aehnliche Stimmen sind auch aus Unternehmer- kreisen laut geworden. Theoretisch könnte man freilich den Abbau der Gehälter solange fortsetzen, bis nichts mehr von ihnen übrig bliebe und die Angestellten völlig umsonst arbeiteten. Dann aber wäre auch die Wirtschaft tot Schon heule ist es nicht mehr fraglich, dah die fortschreitende Schrumpfung der Wirtschast durch die scharle Herabsetzung der Löhne und Gehälter mit herbeigeführt woxden ist. Der Hinweis auf die steigende Bedeutung des t Binnenmarktes in der amtlichen Verlautbarung des Reichsarbeitsministeriums zeigt, auf welches Ziel die deutsche Lohn» und Gehaltspolitik jetzt ausgerichtet werden muh. In den letzten Jahren wurde die Ausfuhr um jeden Preis in die Höhe' getrieben Seit Monaten geht aber der Export stark zurück Auch durch noch so niedrige Löhne und Gehälter können die Einsuhrverbote, Zollschranken, Balutaentwertungen, Devisenbeschränkungen usw in den in Frage lopimenben Ländern nicht überwunden werden Exporte, die einer Verschleuderung deutschen Volksvermögens gleichkommen. wie das bei einem großen Teil der Ausfuhr in den letzten Jahren der Fall war, haben bei unserer Kapitalarmut künftig keine Berechtigung. Rechtfertigen konnte solche Aus», fuhr iKapitalverschleuderung) auch bisher nur die Votwendigkeit der Devisenbeschaffung für unentbehrliche Rohstoffe und die Abdeckung privater Auslandschulden. Angesichts unserer Kapitalnot ist eine staatliche Regelung zur Verhinderung solcher Verlustausfuhr erforderlich, wenn die grobe Bedeutung des Binnenmarktes nicht nur theoretisch anerkannt, sondern auch praktisch ausgewertet werden soll. Eine Belebung des Binnenmarktes aber kann unmöglich durch weiteren Lohn- und Gehaltsabbau erfolgen. Bei dem heutigen Stand der Löhne und Gehälter würde ein weiterer Eingriff in die Arbeitseinkommen nur bei gleichzeitigem weitercW Preisabbau zu verantworten sein. Weitere Zurücksetzung der Zahlenwerte unserer Volkswirtschaft wäre aber Fortsetzung der Deflationspolitik, die selbst nach Auftastung der Reichsregierung nicht weiter betrieben werden kann, wenn aus der heutigen Wirtschaftsschrumpsung nicht ein Wirtschaftszusammenbruch werden soll. In der oben erwähnten Verlautbarung des Reichsarbeitsministeriums heistt es weiter: „Berechtigt erscheint ledigilch in einzelnen Berufszweigen die Anpassung der bisher gegenüber dem allgemeinen Lohnstand noch überhöhten Löhne und Gehälter." Bei den heutigen Gehältern der Kaufmanns- gehilfen können wir beim besten Willen nirgends eine Ueberhöhung erblicken. Eine Schematisierung der Gehälter wird aber auch von jedem vernünftigen Arbeitgeber abgelehnt, denn gerade die Arbeitgeber erheben ja die Forderung nach „Auflockerung" und Anpassung der Löhne und Gehälter an die örtlichen Bedürfnisse Wird die Herabsetzung der Tarifgehälter verlangt, die etwas höher liegen als die Sätze in der näheren ober weiteren Umgebung, so wäre es doch das einfachste, wenn die Gehälter zentral für das ganze Reich oder wenigstens für grobe Gebiete einheitlich geregelt würden. Im Durchschnitt sind die tatsächlichen Gehälter der Kaufmannsgehilsen um mindestens 25 Prozent gegenüber ihrem höchsten Stand abgebaut worden durch Kürzung der Tarifgehälter. Abbau der Leistungszulagen. Gratifikationen usw. Vielfach belaufen sich die Kürzungen bis auf 50 Prozent. abgesehen von Einkommensminderungen, die durch Kurzarbeit bei den Angestellten entstanden sind. Die Lebenshaltungskosten sind seit ihrem höchsten Stand indexmähig um 20 Prozent gefallen. Aber selbst bei ihrem weiteren Rückgang würde das Budget der Kaufmannsgehilsen noch immer ungünstiger sein. Die vielen neuen Steuern ufto. «Bürgersteuer. Krisensteuer. Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge usw.) sind im Lebenshaltungsinder nicht enthalten. Sie bringen aber den Angestellten eine starke Belastung. Wird den Arbeitern und Angestellten das Einkommen so weit beschnitten, dah es nur noch zur einfachsten Hungerstillung und dazu ausreicht, daß sie im Winter nicht erfrieren, so mub gefragt werden, warum die Unternehmer die gewaltige Konsumgüterindustrie entwickelt haben, die Erzeugnisse für die gehobenere Lebensführung der breiten Massen herstellt. Die Kon- fumgüterinbuftrie merkt es ebenso wie der Einzelhandel. wenn sich die Kaufkraft - der breiten Massen verschlechtert, der Llbsatz also stockt oder erheblich zurückgeht. Bei Fortsetzung des Lohn- und Gehaltsabbaues kommen alle die Industrien zum Erliegen, welche Waren Herstellen, die über die Deckung des primitivsteii Lebensbedarfs hinausgehen. Die Statistik beweist das sehr deutlich. Das aber führt zur Vernichtung grober volkswirtschaftlicher Werte an den Pro- duktionsftätten sowie der entsprechenden Handelsbetriebe sowie weiter dazu, dah die fixen Selbstkosten deS einzelnen Produkts immer höher werden. Abgesehen von diesen rein volkswirtschaftlichen Erwägungen, die zur Ablehnung weiteren Lohn- und GcchaltsabbaueS führen, kommen für die Kaulmannsgehilsen noch andere wichtige Begründungen hinzu. Die Tarifgehälter der Kauf- mannSgehilfen waren früher nur al» Mindest- gehälter gedacht und waren es auch tatsächlich in erheblichem Umfang Heute aber sind sie günstigstenfalls Höchstgehälter. Ferner sind die Sonderzuwendungen, wie Weihnachts- und Ab- schluhgratifikationen. zumeist in Fortfall gekommen. Man glaubte, den Kaufmannsgehilfen eine so erhebliche Gehaltsschmälerung zumuten f,u können unter Hinweis auf ihr gröbere- Vertändln- für die wirtschaftlich schwierige Lage der Betriebe. Gegen den weiteren Abbau der Kausmannsgehilsen-Gehälter sprechen aber auch die betriebswirtschaftlichen Interessen des Unternehmers Wir meinen zwar nicht, daß Kultur und Bildung an materiellen Besitz gebunden sind, zu berücksichtigen ist aber, dab der kaufmännische Mitarbeiter eines Betriebes eine gewisse materielle Sicherheit braucht, um eine höhere Lebensführung entwickeln zu können Rur bann ist die Gewähr gegeben, dah Spannkraft und Weitblick für geschältliche Erfolge erhalten bleiben. Diese Feststellung wird jeder Unternehmer an sich selbst machen können. Gerade die Unternehmer beklagen heute den Verlust unternehmerischer Initiative und verlangen, wie das kürzlich auf der Tagung Mitteldeutscher Industrieller in Frankfurt a. M. geschah, von der Regierung, dah sie die Bahn für die Unternehmerinitiative frei mache. Wir sind anderer Meinung. Die Unternehmerinitiative mub von der Unternehmer- Persönlichkeit selbst ausgehen. sonst kapituliert der Unternehmer vor dem Staat. ..Unkostensenkung um jeden Preis" ist heute die Parole. Die weitblickenden Arbeitgeber sollten sich hüten, das Kind mit dem Bade auszuschütten und mit den Unkosten das kostbarste Produktionsmittel zu mindern oder zu beseitigen, nämlich den initiativen wägenden und planenden Kaufmannsgeist, der neue Erfolgsmöglichkeiten sucht und findet. Kaufmannsgehilfen, die dauernd unter dem Druck '..vorsorglicher" Kündigung stehen und nicht wissen, wie sie bei ihren gekürzten Bezügen dem Hunger entgehen sollen, vermögen» nicht den TBcitblid zu entwickeln, den eine so durcheinander geratene Dolkswirtschast wie die untere braucht Jeder Klarblickende weih, dab unser heutiges wirtschaftliches Elend nicht eine Krise ist. wie sie der Kapitalismus schon oft erlebt und überwunden hat. sondern dab es sich um ganz tiesgehendc Strukturwand- lungcn in der deutschen Volkswirtschaft und der Weltwirtschaft handelt, die mit den herkömmlichen Mitteln nicht zu überwinden sind. Wir meinen, daß jetzt von den wirklichen Unternehmern ihren kaufmännischen Mitarbeitern gegenüber eine Aera der Beruhigung, der gröberen Wertschätzung ihrer Leistungen für den Betrieb angebahnt werden must- Engste Zusammenarbeit zwilchen Unternehmern und Kausmannsgehilfen. Förderung und Weckung des Geistes der Mitverantwortung für die günstige Entwicklung des Betriebes, freier Spielraum für die Auswirkung der unternehmerischen Fähigkeiten der Kausmannsgehilfen sind die Forderungen der Stunde und der nächsten Zukunft. Im Zusammenhang damit stehl die besondere Belohnung hervorragender Leistungen, die Gewährung von Zuwendungen für besondere Initiative bei der Aufspürung neuer Absatzmöglichkeiten oder Verbesserung und Verbilligung der Produktion, kurz, der Anreiz zur Entwicklung der Impulse, die in jedem tüchtigen Kausmannsgehilfen vorhanden sind- Wenn so eine bessere, auf Vertrauen gegründete Zusammenarbeit zwischen Unternehmer und Kausmannsgehilfen im Betriebe einsetzl, wenn der Albdruck des Abbaues und weiterer Gehaltskürzung von den Kausmannsgehilfen genommen wird, bann wird auch die Arbeitsleistung steigen, werden die geistigen Kräfte frei, die zur ilcbcr- windung der Röte erforderlich find. Mit Kleinmut und Mißgunst werden Schwierigkeiten nicht überwunden. Mögen die deutschen Arbeitgeber erkennen, dah sie es m der Hand haben, jene Arbeits- und Leistungsfreudigkeit ihrer Mitarbeiter zu pflegen, deren wir zur Meisterung der Rot unserer Tage ebenso sehr bebürfen wie die Staatsführung in den großen politischen und wirtschaftlichen Fragen das ihrige tun muß. Die Neuregelung des Ausverkausswesens. Don Dr. rer. pol. Arthur Müller in Gießen. Die Notverordnung des Reichspräsidenten zum Schutz der Wirtschaft vorn 9. März 1932 ist von ganz besonderer Bedeutung für den Einzelhandel Ihrem Inhalt nach unterscheidet sie sich von den bisherigen Notverordnungen dadurch, daß in ihr vorwiegend dringliche Fragen der mittelständischen Wirtschaft behandelt werden, welche die Industrie und Handelskammern in enger Zusammenarbeit mit den Spitzenverbänden der deutschen Wirlschaft bereits seil langer Zeit ernstlich beschäftigt haben. Bor allem verdient der zweite Teil der Notverordnung Beachtung, der sich mit der Neuregelung des Ausoerkaufswefens befaßt. In dieser Beziehung muß feftgefteUt werden, daß ein großer Teil der von den Kammern und Öen "beteiligten Wirtschaftskreisen erhobenen Forderungen erfüllt worden ist. So werden die bisherige unklare Systematik und Terminologie des Wettbewerbsgesetzes durch die neuen Borschriften befeitigt, sowie eine genaue Regelung der Ausverkäufe, ausverkaufsähnliche licranftallungen und Saisonschluß, und Inventurverkäufe geschaffen. Der Rechtsprechung des Reichsgerichts folgend darf das Wort „Ausverkauf" künftig nur dann noch ver wendet werden, wenn es sich um einen Ausverkauf handelt, der feinen Grund in der Aufgabe des gesamten Geschäftsbetriebes, des Geschäftsbetriebs einer Zweigniederlassung oder einer einzelnen Warengattung findet. Hierbei muß ausdriicklich hervor- gehoben werden, daß der Begriff Zweigniederlassung sich mit dem der Filiale nicht deckt. Don einer Zweigniederlassung spricht man nur dann, wenn eine selbständige Geschäftsführung besteht. Handelt es sich dagegen im wesentlichen um den Verkauf der von einem Hauptgeschäft übersandten Waren zu einem von der Zentrale vorgeschriebenen Preise, so liegt eine Filiale und keine Zweignieder laffung im Sinne der Verordnung vor Ausverkäufe für eine Filiale sind also in Zukunft nicht mehr statthaft. Wie bereits früher, ist auch jetzt bei allen Aus- verkaufsankündigungen der Grund für den Ausverkauf anzugeben. Diese Vorschrift gilt auch für solche Ankündigungen, die sich auf ausoerkaufsähnliche Veranstaltungen beziehen. Don einschneidender Bedeutung ist die neue Be- ftimmung, daß nach Beendigung eines Ausverkaufs der Geschäftsinhaber vor Ablauf einer Frist von einem Jahr an dem Ort, an dem der Ausverlauf stattgefunden hat, einen Handel mit den davon betroffenen Warengruppen nicht mehr eröffnen darf Der Eröffnung eines eigenen Handels soll es hierbei gleichstehen, wenn der Geschäftsführer sich zum Zwecke der Umgebung dieser Vorschrift am Geschäft eines anderen beteiligt oder in diesem tätig wird. Ausnahmen kann die höhere Verwaltungsbehörde nach Anhörung der zuständigen Industrie- und Handelskammer zulasten. Von den Kammern war seinerzeit eine Sperrfrist von zwei Jahren beantragt worden, die durch das Gesetz auf ein Jahr verkürzt wurde. Etwa entstehende Bedenken, daß diese Bestimmung Härten mit sich bringen könne, dürften da durch behoben fein, daß die Beteiligung an einem anderen Geschäft und die Tätigkeit als Angestellter in einem anderen Geschäft nur bann verboten sind, wknn sie eine Umgebung bezwecken und ferner dadurch, daß die Möglichkeit von Maßnahmen besteht. Während früher nach § 9 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb Ankündigungen zum Zwecke der Räumung eines bestimmten Warenvorrats aus dem vorhandenen Bestände als Teilausverkaufsanzeigen behandelt wurden, läßt die Verordnung für solche Veranstaltungen die Ankündigung „Ausverkauf" nicht mehr zu. Da jedoch diese Veranstaltungen in Derbraucherkreisen als verkaufsähnlich angesehen werden, muß bei solchen Veranstaltungen in allen Ankündigungen außer der Bezeichnung „Teiloerkauf" auch noch der Grund angegeben werden, der zu der Veranstaltung den Anlaß gegeben hat. (Umzug, Umbau, Brandschaden, Auseinandersetzung.) Bisher bestand die Pflicht zur Anzeige und Einreichung eine« Verzeichnisses nur für Ausverkäufe im alten Sinne, jetzt dagegen sind Anzeige und Verzeichnis sowohl in den drei obenerwähnten Fällen der Ausverkäufe, wie auch bei den Veranstaltungen zum Zwecke der Räumung eines bestimmten Waren- Vorrates aus dem vorhandenen Bestände (Teilver- faufe) einzureichen. Die Anmeldestelle wird von der höheren Verwaltungsbehörde bezeichnet. Mit Rück- sicht auf die schwankende Rechtsprechung des Kam- mergcrichls bezüglich der Frage, wie lange vor Be ginn des Ausverkaufs Anzeige und Verzeichnis ein- zureichen feien, enthält die Verordnung die Vorschrift, daß künftig die höhere Verwaltungsbehörde hierfür eine bestimmte Frist festsetzen kann. Ebenfalls neu ist die Bestimmung, daß, wenn die Veranstaltung nach einer bestimmten Frist nicht beendet ist, eine Erneuerung des Verzeichnisses verlangt werden kann. Mit besonderer Befriedigung muß es begrüßt werden, daß die höhere Vewaltungsbehörde über die Dauer von Ausverkäufen und Sonderoer- anftaltungen Anordnungen erlassen kann. Wenn Ausverkäufe und ausverkaufsähnliche Veranstaltungen ohne einen nach der Verkehrsaufsaffung ausreichenden Grund veranstaltet werden, oder bei denen die zugelassene Dauer überschritten wird, kann die höhere Verwaltungsbehörde diese untersagen. Hierdurch ist eine klare Rechtsgrundlage für das polizeiliche Einschreiten gegeben, dessen Berechtigung früher nach den einzelnen landesrechtlichen Bestimmungen nicht ganz unbestritten war. Wichtige Neuerungen bringt die Verordnung auch für die bisherigen Saison und Inventurausverkäufe. Der oft irreführende Ausdruck „Ausverkauf" ist endlich beseitigt worden. Die Verordnung kennt jetzt nur Saison schluh - und Inventur ver läufe. Weiter haben die Industrie- und Handelskammern künftig darüber zu befinden, für welche Warengruppen diese Saisonschluß, und Inventurverkäufe als üblich anerkannt werden. Ebenso ist ihr Gutachten entscheidend darüber, in welchen 'Warengruppen Saisonschluß- und Inventurverkäufe für eine ordentliche und gesunde Geschäftsentwicklung anerkannt werden müssen, lieber die Zahl, Zeit und Dauer der Saisonschluß, und Inventurverkäufe hat, wie bisher, die höhere Verwaltungsbehörde örtliche Bestimmungen zu treffen. Neu ist die Befugnis, daß über die Art der Ankündigung Vorschriften erlassen werden können. Hierzu ist dringend zu wünschen daß eine einheitliche R-gelung für ein größeres Wirtschaftsgebiet getroffen wird. Bezüglich des sog. Warenvorschubs und -nachschubs hat es sich als notwendig erwiesen, ebenfalls eine Aenderung des geltenden Rechtszustandes vorzunehmen. $as Verbot, das bisher nur für Ausverkäufe galt, wird künftig auch auf die sog. Teiloer- käuse zum Zwecke der Räumung eines bestimmten Warenvorrats aus dem vorhandenen Bestände An- wendung finden. Einen weiteren großen Fortschritt bedeutet es, daß auch das Unterfagungsrecht der Polizeibehörde neu geregelt worden ist. Bisher war die Rechtsgrundlage für ein (Eingreifen der Polizeibehörden lediglich die Landesgesetzgebung: künftig ist ein Einschreiten der Polizeibehörden auf Grund der Verordnung, mithin des Reichsrechts, möglich. Es können also in Zukunft Ausverkäufe ober ausoer- kaufsähnliche Veranstaltungen untersagt werden, wenn sie die zulässige bzw. zugelasiene Dauer überschreiten. Desgleichen können Ausoerkaufsankündi- gungen, die den eingangs erwähnten drei Fällen widersprechen, verboten werden. Endlich können Der» kaufsocranstaltungen zum Zwecke der Räumung eines bestimmten Warenvorrats aus dem vorhandenen Bestände verboten werden, wenn der angegebene Grund nach der Derkehrsauffassung sie nicht rechtfertigt. Schließlich seien noch einige Worte über die nun- mehr in der Notverordnung verankerte Errichtung von Einigungsämtern in Sachen des unlauteren Wettbewerbs als im engsten Zusammenhänge mit den Ausverkaufsvorschriften stehend getagt. Damit ist endlich eine alte Forderung des Einzelhandels in Erfüllung gegangen. In Zukunft können die obersten Landesbehorden anordnen, daß bei den amtlichen Berufsoertretungen von Handel. Handwerk und In buftrtc (Einigungsämter errichtet werden, die im Falle von Rechtsstreitigkeiten aber Wettbewerbs- Handlungen zum Zwecke einer Aussprache mit dem Gegner angerufen werden konncn Von besonderer Wichtigkeit ist dabei, daß das persönliche Erscheinen der Parteien durch das Einigungsamt angeordnet werden kann und im Falle nnentichuldigten Ausbleibens Ordnungsstrafen in Geld verhängt werden können. Aufgabe der Einigungsamter soll es sein einen gütlichen Ausgleich unter den Parteien zu erstreben. Kommt eine (Einigung nicht zustande, so kann sich bas Etnigungsamt in einem gutachtlichen Spruch zu bem Streitfall äußern 'Halt bas (Einigungsamt ben geltenb gemärten Anspruch von vornherein für unbegrünbet, ober Um- sich selbst nicht sur zuständig, so kann es die (Einleitung von Einigungsverhand- lungen ablehnen. Anderseits kann auch das zuständige ordentliche Gericht auf Antrag den Parteien aufgeben, vor weiteren Verhandlungen das Einigungsamt zur Herbeiführung eines gütlichen Ausgleichs anzugehen. Geschäfisübernahme und Haftung fürGteuerrückstände. Don Steuerinspektor ZreeS, Gießen. Ein Zeichen der Zeitverhältnisse ist her immer in gröberem Umfange vorkommende Eigentumswechsel von Betrieben. Bon den Erwerbern wird hierbei die einschneidende Bestimmung de« § 116 (tz 96 alter Fassung) der Reichsabgabenordnung häufig zu ihrem Schaden übersehen und meist erst entdeckt, wenn es zu spät ist. Rach der angezogenen gesetzlichen Bestimmung haftet der Erwerber neben dem Veräußerer für die laufenden und für die festgesetzten, aber noch nicht entrichteten Steuern. sofern sich die Steuerpflicht auf den Betrieb eines Unternehmend gründet und da- Unternehmen im ganzen veräußert wird. Die gleiche Haftung tritt ein für die Grundsteuer. falls der Steuergegenstand in das Eigentum einer anderen Person übergeht, es fei denn, dah der Steuergegenstand in der Zwangsversteigerung erworben wird Dies gilt auch bei grundstück-gleichen Berechtigungen und bei ®ebäuben. .die in Ausübung eine» Mict°, Pacht- oder fon- ftigen Rechtsverhältnisfes aus fremdem Grund und Boden errichtet worden find, auch wenn sie wesentlicher Bestandteil geworden sind. Die Haftung des Erwerbers eines Unternehmens für die laufenden und für die rückständigen festgesetzten Steuerschulden nach § 116 der Reichsabgabenordnung wird nicht dadurch ausgeschlossen. daß das Etefchäft zwar mit Firma und Kundschaft, aber ohne Aktiven und Passiven veräußert wird Doraussehung für die Rechtsfolgen der Haftung für Steuern, die fbch auf den Betrieb eines Unternehmens gründen, ist. daß ein Unternehmen, im ganzen veräußert wird, hierbei kann die Abrede, daß die Schulden nicht übergehen sollen, die Haftung für die Steuerschulden nicht aus- schliehen. Wird ein Geschäft mit Firma und Äunb- schaft übertragen, so liegt der vorausgesetzte Oall der Veräußerung des Unternehmens im ganzen vor. Die Haftung des Erwerbers eines Unternehmens erlischt auch nicht dckrch eine Weiterver- äuf’erung. Als lausend im Sinne des § 116 der Reichsabgabenordnung gelten z. B. für Umsah- fteuerbeträge nur diejenigen Beträge der Umsatzsteuer, die von den Umsätzen des Kalenderjcchres erhoben werden, in das der Erwerb fällt. Für eine im Zeitpunkt des Erwerbes eines Unternehmens nicht mehr laufende Umsatzsteuer hastet der Erwerber nur dann, wenn sie am Erwerbstage bereits festgesetzt war, da nach dem Zweck des Gesetzes dem Erwerber die Rachforschung nach noch nicht festgesetzten Steuern aus früheren Eteuerabschnitten nicht zugemutet werden kann. Wann eine Veräußerung eines Unternehmens im ganzen vorliegt, ist nach den befonberen Umständen zu beurteilen. Werden zum Beispiel bei einem kleinen Unternehmen die gesamte Ladeneinrichtung sowie die Warenvorräte erworben, so liegt eine Vesamtveräuherung vor, da bei derartigen kleinen Unternehmungen diese Gegenstände im allgemeinen das gesamte Geschäftsvermögen darstellen. Wenn aber die wesentlichen Grundlagen des Unternehmens auf den Erwerber übergehen, so ist die- im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen eine Veräußerung im ganzen. Hierbei spielt es keine Rolle, ob der Uebergang in einem, oder in mehreren Akten erfolgt, Da Der Grundgedanke des § 116 der Reich s- abgabenorönung der ist, daß die Sicherung für die Steuern, die in dem Betrieb al- Hauptgegenstand gegeben ist, nicht dadurch verloren gehen soll, daß der Betrieb in andere Hände übergeht Bei der Entscheidung der 5fage, ob eine Uebergabe im ganzen oorliegt, kann der wirtschaftliche Zweck und schließliche Erfolg nicht außer Betracht bleiben, da. wie überhaupt bei Auslegung der Steuer- gefehe nach §9 (§4 a. F.) der Reichsabgabenordnung ihr Zweck, ihre wirtschaftliche Bedeutung und die Entwicklung der Verhältnisse zu berücksichtigen sind. Es ist in Steuerfachen im allgemeinen nicht nur eine streng juristische, rein bürgerlich-rechtliche, sondern vor allem auch eint wirtschaftliche Betrachtungsweise geboten. Rach einem vorliegenden Urteil des Reich-- sinanzhoses folgt aus dem dem Gesetze zugrundeliegenden Gedanken, dah bei der Veräußerung eines Grundstücks mit Inneneinrichtung die Haftung nach tz 116 der Reichsabgabenordnung Dann gegeben ist, wenn das Grundstück samt Einrichtung offensichtlich ohne grundlegende Aenderun- gen beim Uebergang an einen anderen nicht anders als zu feinem vorbestimmten oder einem gleichartigen Zwecke wirtschaftlich ausgenuht werden konnte, mit dem Grundstück und seiner Einrichtung allo die wesentlichen Grundlagen des Unternehmens selbst auf den Erwerber übergegangen sind. Es macht wirtschaftlich keinen Unterschied, ob jemand das Geschäft, den Betrieb, das Unternehmen erwirbt, oder das Grundstück mit allen Einrichtungen, die zur Fortführung des Betrieb- erforderlich sind. Die Rotwendigkeit dieser Gesetzesauslegung folgt aus der Erwägung, daß es den Beteiligten nicht gestattet sein kann die Haltung des § 116 Der Retchsabgabcmoichnung dadurch auszuschließen daß. sie anstatt Der Veräußerung des Unternehmens im ganzen lediglich die Veräußerung des Grundstückes mit den Darauf be- slnMchen. yur Forksührung eines Betriebes geeigneten Einrichtungen vereinbaren. Rach den Ausführungen deS Reichsfinanzhofes ist hier an Fällen gedacht, in denen der Erwerber, der das Unternehmen fortsühren will, seinen Zweck schon vollständig dadurch erreicht, daß er das Grundstück mit Einrichtung erwirbt, der Erwerb der weiteren» sonst mit einem Betriebe verbundenen Werte, wie Firma, Kundschaft u. dgl. für ihn also bedeutungslos ist. Cs kann in solchen Fällen allerdings zweifelhaft sein, ob tatsächlich der bestehende Betrieb fortgeführt, oder ein neuer Be- trieb begründet worden ist. Einer Veräußerung des Unternehmens im ganzen ist die Verpachtung gleichzuachten. Auch der Rückfall an den Verpächter ist so zu behandeln, als ob der Verpächter das ilntcrnehmen vom Pächter zurückerworben habe. Bei der Weiterverpachtung durch den Verpächter kann aber der zweite Pächter, der nichts vom ersten Pächter übernimmt, für Steuerschulden des ersten Pächters nicht in Anspruch genommen werden. (Urteil des Reichssinanzhofs vom 25. Oktober 1929.) Die Haftung aus § 116 der Reichsabgabenordnung geht jedoch nicht soweit, dah der Erwerber für alle Steuerrückstände des Veräußerers in Anspruch genommen werden kann, sondern nur für Rückstände, bei denen sich diß^Steuerpflicht auf den Betrieb eines Unternehmens gründet. Es' kommen hier insbesondere die Umsatzsteuern und Verbrauchssteuern in Betracht. Richt in Frage kommen z. B. Personalsteucrn (Einkommen-, Vermögenssteuern u. dgl.). Auch bei etwa rückständigen Lohnsteuerbetrügen, für deren Entrichtung der Veräußerer als Arbeitgeber dem Reiche gegenüber haftet, hat der Reichsfinanzhof die Haftung nach § 116 der Reichsabgabenordnung verneint. Rach der Begründung des Urteils ist diese Stellungnahme darin zu suchen, daß die Lohnsteuer nicht das Unternehmen belastet, da sie vom Arbeitnehmer zu tragen ist: durch die Bestimmungen über den Steuerabzug vom Arbeitslohn ist dem Arbeitgeber lediglich die Verpflichtung zur Einbehaltung und Abführung dec Steuerabzugsbeträge auferlegt. Run könnte man allerdings für den Fall, daß der Arbeitgeber Lohnsteuerbeträge einbehalten und im Unternehmen verwendet hat, davon sprechen, daß nunmehr das Unternehmen mit der Verpflichtung zur Abführung der einbe- haltencn Lohnsteuer belastet ist, und unter diesem Gesichtspunkte ließe sich auch eine Haftung des Erwerbers des Unternehmens rechtfertigen. Es ist aber zu bedenken, daß der Arbeitgeber für die Lohnsteuer auch dann haftet, wenn er den Steuerabzug nicht vorgenommen hat, sondern den Arbeitslohn voll ausbezahlt hat. In diesem Falle stecken die betreffenden Beträge nicht im Unternehmen, eine Haftung wäre wirtschaftlich nicht begründet. Eine Begrenzung der Haftung des Erwerbers auf diejenigen rückständigen Lohnsteuern, die vom Veräußerer einbehalten und nicht, abgcführt wurden, dürfte aber nicht angebracht' sein, da hier der Erwerber weder eine klare Uebersicht über die Steuern, für die er haftet, hätte, noch sich diese Uebersicht ohne umständliche Rachprüfüng verschaffen könnte. OerKampfzwischenHandwerk und Handwerkskammer. WSR. Groß-Gerau. 2. Mai. Die Han 6- werkskammer Darmstadt hat, wie berichtet, den. Bezirksverband Groh- Gerau für Handwerk und Gewerbe wegen seines Protestes in der Angelegenheit der Rhein- und Ruhrgelder ausgeschlossen und' seine Beamten angewiesen, jeden Verkehr mit dem Dezirksverband einzustellen. Am Sonntag fand nun in Darmstadt eine gemeinsame Vor- stondssihung der De zirksverbändeDarm- st a d t und Bensheim-Heppenheim statt, in der folgende Entschließung einstimmig gefaßt wurde: „Die Vertreter des Handwerks der Kreise Darmstadt. Bensheim und Heppenheim beharren nach wie vor auf dem Beschluß der Vollversammlung und erwarten, daß der Untersuchung s- ausschuß umgehend zur Untersuchung der An- Gießener Gtadttheater. Gastspiel des Mainzer Stadttheaters: „Der Bogelhändler" von Karl Zeller. Das Bestreben der Theaterleitung, den Spielplan elastisch und vielseitig zu gestalten und.möglichst ollen Wünschen und Geschmacksrichtungen des Publikums Rechnung zu tragen, ließ die (wenn auch nur einmalige) Aufführung einer Operette älteren Stils empfehlenswert erscheinen. Die Wahl war auf den „Vogelhändler" gefallen, und die sehr freundliche Aufnahme des Mainzer Gastspiels schien zu beweisen, daß die Intendanz damit das Richtige getroffen hatte. * Zeller, geboren 1842 zu St. Peter in der Au (Niederösterreich), gestorben in Baden bei Wien, war von Haus aus Jurist und brachte es als Beamter immerhin bis zum k. und k. Ministerialrat im Wiener Unterrichtsministerium. Don seiner amt- lict)en Tätigkeit ist nichts mehr bekannt, doch gilt er noch heute als einer der begabtesten und zu seiner Zeit populärsten Vertreter der älteren Wiener Operette. Er begann als Komponist mit Liedern und Chören, eroberte die Bühne mit der komischen Oper „Joeonda" und hatte dann mit den Operetten „Der Vogelhändler" (1891) und „Der Obersteiger" (1895) feine größten Erfolge, die sich bis in unsere Zeit hinein bewährt haben. * Das Buch zum „Dogelhändler" stammt (noch einer Idee von Bieville) von ' W. W e st und L. H e l d, mit denen Zeller mehrfach und mit Glück zusammengearbeitet hat. Sie haben ein handfestes und wirksames Libretto geschrieben, welches im heiteren Kostüm des rheinpfälzischen Rokoko, in einer gefällig geschürzten Liebes- und Verwechslungs- Handlung aus der ländlichen Sphäre in die Salon- laenene des kurfürstlichen Schlosses einmündet und im kurzen Schlußakt die Verwirrung harmonisch u^nPärchenweise zur allgemeinen Zufriedenheit zu * Die Partitur von Zeller ist so beschaffen, daß man in ihren Haupt« und Schmuckstücken — tnie etwa dem Auftrittslied des Vogelhändlers und dem Nachtigallenwalzer — fast überrascht die volkstümlichen Nummern einer ehemals viel gespielten Programm-Musik freundlich wiedererkennt: also das ist aus dem „Dogelhändler" - so geläufig und vertraut klingt die ganz auf eine sehr sangbare und tanzgerechte, ausgesprochen österreichische Note eingelegenheit zugezogen wird. Zum Abbruch der Beziehungen mit dem Bezirksverband Groß-Gerau verstehen wir nicht, dah die Herren einen derartig folgenschweren Schritt unternommen haben, der das gesamte Handwerk empören muß. Wir erwarten umgehend die Aufhebung des Kriegszustandes mit dem Dezirksverband Groß- Gerau. Die Schärfe dec Resolution des Dezirks- verbandes Groß-Gerau ist sicher lediglich darauf zurückzuführen, daß der Vor st and der Kammer gegen den einstimmigen Willen des Großen Ausschusses sich eingestellt hat. Eine Aburteilung nach dieser oder jener Seite kann erst nach endgültiger Klärung der Angelegenheit erfolgen. Wir protestieren daher aufs schärfste gegen ein derartiges Verfahren, fordern strengste Untersuchung und erwarten das unverzügliche Eingreifen der Regierung. Unerläßlich ist die sofortige Einberufung der Vollversammlung der Hessischen Handwerkskammer, sowie einer außerordentlichen Haupttagung des Hessischen Handwerks« und Gewerbeverbandes." Oie Versetzung des Kreisdirektors Or. Stammler. Man schreibt uns aus Al-sfeld: Ein amtlicher Bericht der hessischen Regierung über die am Samstag, 30. April, bei dem Herrn Staatspräsidenten Dc. Adelung stattaefundene Besprechung mit der aus dem Kreise Alsfeld gewählten Abordnung enthält am Schlüsse die gestellte, licbenswürßjge und melodienfreudige Vertonung noch heute. * Die Aufführung, mit der das Mainzer Stadt- theater unter der Spielleitung von Alfred v. Krebs bei uns gastierte, machte einen frischen und ge« fchlossenen Eindruck: dos Ensemble spielte flüssig zusammen, das Ganze war bei gutem Tempo auf einen angeregt-heiteren Ton gestimmt und brachte die theatralischen Effekte der Operette — zumal in dem ergiebigen Mittelakt — hübsch zur Geltung. Die musikalische Leitung hatte Diktor Urbantschi tsch: er dirigierte mit gesundem Temperament und hatte sein Orchester und die anerkennenswert sauber singenden Chöre strasf in der Hand. Dom einheimischen Regiestab unterstützten Löffler (Bühnenbild) und Keim (Beleuchtung) die Spielleitung aufs veste. * 3m Mittelpunkt des Ensembles stand Friedrich Kempf, der als Adam, Dogelhändler aus Tirol, die in jeder Hinsicht dankbare und ausbaufähige Partie umsichtia und mit Humor betreute; sein naturburschenhaftes und ungekünsteltes Spiel verband sich mit einer geschmeidigen Gesangskultur — besonders im Eingangslied „Grüß Euch Gott alle miteinander" und dem Walzer vom Ahndl und der Nachtigall — zu einer runden und sehr beifällig aufgenommenen Leistung. * 2Ks Kurfürstin Marie gab Elly Spieß eine gesanglich ausgeglichene, darstellerisch recht repräsentative Partie. Herta Greeff. eine gewandte ©oubrettenbeaabung, sang die Briefchristel — „Ich bin die Christel von der Post" — mit munterem Temperament; ihr Spiel und ihre Stimme entfalteten sich übrigens von Akt zu Akt freier und gelöster, das bekannte Walzerduett und di; heitere Schlußszene dürfen besonders hervorgehoben werden. * August Stier gab mit guter Haltung und wohltemperiertem Humor den kurfürstlichen Wald- und Wildmeister Baron Webs; die derbkomischen Poin- ten brachte das Professoren-Duett der Herren Erich Keddy und Alfred von Krebs, das alsbald wiederholt werden mußte, und die von Anny Pe- t e r s-drastisch ausstaffierte Baronin Adelaide; während Hans Schnabel, wesentlich seriöser und gedämpfter, um die nicht sehr operettenmäßig geratene Figur des Grafen Stanislaus kavaliermäßig bemüht war. • Das Haus war gut besetzt; es gab viel Beifall, Wiederholungen und Blumen. hth. Bemerkung! „Diese Auffassung fand auch die Billigung der Herren der Deputation." 3m Zusammenhang mit den übrigen Ausführungen über die Linker redung muh dieser Schlußsatz den Eindruck erwecken, als ob die Mitglieder der Abordnung sich auch mit der gegen Herrn Kreisdirektor Dc. Stammler verfügten Maßregelung einverstanden erklärt und gewissermaßen die Auffassung der Regierung im Falle Dr. Stammler als richtig anerkannt hätten. Dies entspricht aber in keiner Weise den Tatsachen. Die amtliche Auslassung läßt die eingehend begründeten Darlegungen der Abordnung zu dem vorliegenden Falle vollständig unerwähnt. Richtig ist, daß lediglich die allgemein e n Ausführungen des Herrn Staatspräsidenten über die persönliche politische Betätigung von Beamten unter besonderer Hervorhebung einiger schwerwiegender Beispiele die Billigung der Mitglieder der Abordnung gefunden haben. Die hier geschilderten Fälle lassen sich aber in keiner Weise mit der Angelegenheit des Herrn Kreisdirektors Dr. Stammler vergleichen. Die Abordnung steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß die gegen Herrn Kreisdirektor Dr. Stammler verfügte Maßnahme eine unangebrachte Härte bedeutet, und daß dem Verlangen des weitaus größten Teiles der Bevölkerung des Kreises nach Rücknahme dieser Maßnahme im Interesse der Gerechtigkeit unbedingt Rechnung getragen werden müßte. Liebe auf -en ersten Blick. Don Lothar Sachs. An der Ostsee haben wir uns kennengelernt. Es war — sozusagen — in dieser poesielosen Zeit eine Liebe auf den ersten Blick. Ja, so was gibt’s noch. Jeden Tag treffen wir uns zur selben Stunde — meine neue Freundin und ich. Dann wandern wir Hand in Hand durch den weißschimmernden Dünensand wie zwei Verzauberte. Marion heißt sie und ist ein ebenso reizendes wie anspruchsvolles Person- chen. Während sie sich im Strandkorb rekelt, muß ich im Schweiße meines Angesichts unsere „Burg" bauen. Aber was tut man nicht alles, wenn man verliebt ist. Sie spricht nur gebrochen und fehlerhaft deutsch, ich weiß aber trotzdem ganz genau, was sie will. Und das muß geschehen. In dem Punkt versteht sie keinen Spaß. Widerspruch duldet sie nicht. In solchen Fällen vergißt sie sogar ihre gute Kinderstube. Da stampft sie auf, schmollt, bittet bettelt, bis sie ihren Kopf durchgesetzt hat. Haben Sie eine Ahnung, wie mich meine Freundin piesackt! Ich habe überhaupt nichts mehr zu sagen. So weit ist es schon gekommen. Geschenke nimmt sie wohlwollend und freundlich, so zahlreich wie möglich, entgegen, aber mit einer gewissen Selbstverständlichkeit. Den Wert des Geldes kennt sie nicht. Jeder Wunsch ist Befehl. Ihre Mutter, eine sehr schöne Frau, duldet unsere zarten Beziehungen, ich möchte beinahe vermuten, sie begünstigt und fördert sie. Sie sieht es auf jeden Fall nicht ungern, daß ich mich so hingebungsvoll ihrer Tochter widme. Der Grund ist mir inzwischen infolge eingehender Beobachtungen völlig klar geworden. Sie hat dadurch besser Gelegenheit, sich ungestört und ausschließlich dem Flirt zu widmen, ohne dauernd durch familiäre Verpflichtungen und Rücksichtnahme auf ihre Tochter von dem Hauptzweck ihrer Reise, dem Amüsement, abgelenkt zu werden. Man kann also mit dem besten Willen nicht behaupten, daß der erzieherische Einfluß der Mutter auf die Tochter einen wesentlichen Faktor im Leben Marions bildet. Marion legt offenbar auch keinen besonderen Wert darauf, ist vielmehr zu sehr mit sich selbst und ihren eigenen Verehrern beschäftigt, als daß sie diesen Dingen eine allzu große Bedeutung beimessen würde Sie scheint im übrigen das große Herz ihrer Mutter S-rbt zu haben. Sie kokettiert, wie ich immer wieder stellen kann, mit allen Männern, läßt sich von em ansprechen, Schmeicheleien sagen, Bonbonnieren schenken. Sie ist mit allen nett, um es mit feinem zu verderben. Zerspringen könnte man vor Eifersucht, wenn es nicht so zwecklos wäre. Bei diesem ersten Sportfest gibt auf alle Fälle noch zu großen Hoffnungen für die weitere Saison Anlaß. Spielvereinigung 1900 Gießen. Am Sonntag weilte die 1. Elf von Dreihausen zu einem Rückspiel bei 1900s Ligareserve. 1900s Reserven gewannen nach einem interessanten Spiel knapp aber verdient mit 1:0 (1:0), denn sie waren meistenteils tonangebend. Der einzige Treffer fiel gleich zu Beginn durch den Gießener Halblinken. . 1900s 3., 4. und 5. Mannschaft kämpften vormittags gegen Lollars 1., 2. und 3. Mannschaft. Ueberraschen tonnte dabei der Sieg der 3. (Lehr-) Mannschaft, aber auch ebenso die Niederlagen der 4. und 5. Elf. Die Lehrmannschaft spielte zunächst gegen den Wind, ließ sich aber in dieser Periode nur einen Treffer gefallen, denn die Schlußleute waren auf dem Posten. Nach dem Seitenwechsel und erfolgter Umstellung klappte es besser. 1900 hatte jetzt bedeutend mehr vom Spiel. Schack sorgte für die beiden Treffer und damit für den 2:l«Sieg. Bei der 4. Mannschaft wollte es nie richtig klappen. Die eifrigen Gäste siegten 8:4 verdient. In der 5. Mannschaft fehlte der Mittelläufer, und das nahm der Mannschaft den Halt, Keiner hielt Platz. 1900 verlor nach ausgeglichenen Leistungen 2:1. Tanzturnier um die Meisterschaft des Main-Gaues.— Das Tanzturnier, das der Tanzklub „Rot-Weiß" im Oktober v. I. veranstaltete, war für den Verein ein großer Erfolg: das Tanzturnier, das am Der- gangenen Samstag stattfand, war nicht weniger eindrucksvoll. Tanzpaare aus Köln, Kassel, Frankfurt, Bad-Nauheim und Bad-Homburg waren erschienen und verhalfen durch ihre außerordentlichen geschliffenen tänzerischen Leistungen der Veranstaltung zu besonderer Bedeutung. Auch der Tanzklub Gießen hatte seine besten Tanzpaare zu den Wettbewerben gemeldet und konnte durch seine Teilnehmer allein zwei 1. Preise erringen. Herr Hartmann- Emersen, der Gauleiter des Maingaues im Reichsverband zur Pflege des Gesellschaftstanzes, hielt einleitend eine Ansprache, in der er kurz den Sinn der Veranstaltung kennzeichnete, die weniger ein glänzendes Fest sein wolle, denn sportliche Veranstaltung, deren Rahmen eben anderer Art sei, als der, den man gemeinhin mit sportlichen Veranstaltungen in Verbindung bringe. Es gelte den Gesellschaftstanz zu pflegen, zu kulti- vieren und ihm zu der Bedeutung zu helfen, die ihm gebührt. Der Abend bewies in feinem Verlauf, daß ernsthafte Arbeit geleistet wurde. Die klar bemessene Bewegung, zu beobachten, tzem beschwingten Rhyth- mus, dem tänzerischen Elan und der Disziplin der Haltung zu folgen, der Uebersetzung musikalischer rhythmischer Werte in die schreitende, schwingende Bewegung des Tanzes bei aller individueller Ge- ftaltung durch die unmittelbar Beteiligten, nachzu- , gehen, war für die Zuschauer nicht nur ein schönes ästhetisches Erlebnis, sondern auch nachahmenswertes Beispiel. Besonders in der Sonder, und ^-Klasse sah man Außerordentliches. Getanzt wurde in drei Klassen. Punkt- und Schiedsgericht hatten kein leich- tes Amt. Die Namen der Preisträger (Herren je-, weils zuerst genannt) seien nachstehend wieder- gegeben: Sonder-und ^-Klasse: 1. und Gaumeister des Maingaues Fernand-Geurts (Bad-Nauheim); 2. Jacoby-Gabler (Köln); 3. Paraschivescu-Salz- mann (Bad-Nauheim). 6 . Klasse : 1. Kobel-Schupp (Gießen): 2. Labe- renz-Wehrum (Liehen); 3. Heinzelmann-Sch iscr (Bad-Nauheim). w L-Klasse: 1. Noll-Driesch (Gießen); 2. Bram- mer-Baroneß von Maucler (Bad-Nauheim); 3. Seipp und Frau (Gießen); 4. Feith-Lauenstein (Bad Homburg). Der Tanzklub „Rot-Weiß" Gießen dürfte mit den Erfolgen, die seine Mitglieder auf diesem Turnier erringen könnten, zufrieden sein. Das Turnier nahm einen in jeder Hinsicht befriedigenden Verlauf. Die Jazz-Symphoniker der Kapelle Seitz trugen nicht unwesentlich zum Gelingen bei. Unlängst komme ich dazu, wie sie — man stelle sich vor — gerade auf dem Schoß eines Herrn sitzt und sich ohne Sträuben einen Kuß geben läßt. Als ob das die selbstverständlichste Sache von der Welt wäre! Ich bin empört, aber sie rührt sich nicht vom Fleck und lacht mir noch keck ins Gesicht ... Eins weiß ich: In meinem ganzen Leben hat mich noch kein weibliches Wesen so tyrannisiert und unter dem Pantoffel gehabt ... wie meine drei Jahre alte Freundin Marion. Neues vom Nil. Ein großartiger Plan-zur Errichtung eine- Staudammes in Ostafrika mit einem Kostenaufwand von 200 Millionen Mack, der eine völlige Reuregulierung dec Rilsluten bringt, wird jetzt von der ägyptischen Regierung näher erwogen. Die Möglichkeit und Durchführbarkeit dieser gewaltigen Bewässerungsanlage ist durch Zft>r- schungen der letzten 3ahre erwiesen worden, die zum großen Teil im Flugzeug vorgenommen wurden. Man sucht gegenwärtig nach den geeigneten Felsfundamenten für den Damm, und wenn diese gefunden sind, will man mit den Arbeiten beginnen. Es soll ein Staudamm quer durch den Albert-See bei Pakwach errichtet werden, und durch die Stauung der Gewässer dieses Sees wird es möglich, einen regelmäßigen Zufluß zu den Ril-Quellen zu erhalten und so den Wasserstand des Rils zu kontrollieren. Der Damm muh breit genug fein, um Eisenbahnen und Kraftwagen zu tragen, denn er soll eine neue nördliche Verbindung zwischen, dem Kongo-System und den Kenja- und Tlganda-Eisenbahnen bringen, um so einen Teil des Handels nach der Ostküste zu leiten, der jetzt nördlich nach Aegypten geht. Sodann soll das große Sudd-Gebiet am oberen Ril, das gegenwärtig eine sumpfige Wüste darstellt, beseitigt werden. Diel kostbares Wasser wird in diesen Sümpfen festgehalten, und eine Entwässerung würde ein riesiges Reuland fruchtbar machen. Wenn das Sudd-Gebiet, das durch Flieger genau erforscht worden ist, beseitigt werden könnte, dann würde alles Wasser aus dem Albert-See. das in den Weißen Ril flieht, für die Bevölkerung des Sudans und Aegyptens ausgenutzt werden körmen. Daher besteht ein Teil des riesigen Lln- temehmens darin, einen breiten und tiefen Kanal durch die Sudd-Sümpse zu legen, der das ganze Wasser des Weihen Rils in den Hauptstrom leiten würde. Gegenwärtig werden mindestens zwei Drittel des Wassers von den Sümpfen zurück- gehalten. SJixfpoit Große Erfolge des Männer-Turnvereins Gießen. Mer 1. und zehn 2. Siege. Bei bestem Wetter kam am Samstag und Sonntag als erstes Sportfest in der diesjährigen Saison das der Turngemeinde Frankfurt-Rödelheim zur Durchführung. Die traditionellen Wett« kämpfe hatten -wiederum eine gute Beteiligung aufzuweisen; die erzielten Leistungen waren sehr gut. Auch die Farben des Mtv. Gießen waren bei dieser Veranstaltung würdig vertreten, könnten doch die nach dort entsandten Turnerinnen und Turner insgesamt 18 Siege — hiervon vier 1. und zehn 2. — erringen. Als einzige 3ugend- turnerin wirkte K. Körner mit und erzielte im Hochsprung mit 1,30 Meter den 2. Sieg, und im Weitsprung mit 4,00 Meter den 3. Sieg'. 3n der Turnerinnen ° Oberstufe wartete Frl. Bickelhäupt wieder mit einer fabelhaften Leistung auf. Ihre alte vor zwei Jahren aufgestellte Mittelrhein-Kreis-Höchstleistung verbesserte sie auf 1,535 Meter und überbot mit dieser Leistung sogar die bei den vorjährigen Deutschen Meisterschaften (DT. und DSB.) erzielte Höhe. 2. bzw. 3. Siegerin wurden Frl. Schäfer bzw. Frl. Fuchs, beide von der Tgs. Frankfurt- Sachsenhausen, während Frl. Espach vom Mtv. Gießen mit der auch noch recht ansehnlichen Leistung von 1,40 Meter nur den 4. Platz,be- legen konnte. Frl. Röhmig konnte mit 4,53 Meter im Weitsprung nur 4. werden. 3m 100-Meter-Endlauf der Turnerinnen konnte Frl. Bickelhaupt mit 13,4 Sekunden hinter Frl. Brückner, Mainz (Kreis- meifterin 1929'30) 2. werden; außerdem wurde sie im Dreikampf (100 Meter, Kugelstoßen, Weitsprung) mit 53 Punkten 2. Siegerin. Die 4xl00°Meter-Turnerinnen-Staffel konnte.in der altbewährten Aufstellung Frl. Espach, Amen d, Röhmig, Bickelhaupt einen glatten 1. Sieg erringen, vor Tv. 1817 Mainz, Tv. Bad Homburg und Tgm. Ffm.-Bockenheim. Sehr schöne Erfolge erzielten auch die Turner, doch merkte man bei diesen besonders, daß noch nicht genügend geübt werden konnte. Richt weniger wie in sieben Konkurrenzen lagen die Männerturner in den Vorkämpfen glatt an 1. Stelle, um bann, vom Pech verfolgt, in der Entscheidung auch jeweils siebenmal nur.2. zu werden. Den Reigen der 2. Siege eröffnete A. Decker, der brustbreit hinter Dörflinger, Offenbach, beim 100-Meter-Lauf 2. wurde. Für dem 50-Meter-Zwischenlauf hatten sich Fernau — der die beste aller Dorlaufzeiten erzielt hatte — und Ploch qualifiziert. Während Ploch in den Endlauf kam, mußte Fernau durch Leichtsinn im Zwischenlauf ausscheiden. E- Ploch errang so im Endlauf über 50 Meter einen 3. Sieg und konnte außerdem noch im 800-Meter-Lauf nach überlegenem Lauf als 1. durchs Ziel gehen. O. L i-n d e n st r u t h wurde im Weitsprung mit 6,07 Meter 2. hinter Beyer („Dorwärts" Bockenheim), der 6,09 Meter erzielte; ferner konnte er im Dreikamvf (Oberstufe) den 5. Sieg und im Schleuderbauwurf mit 48,55 Meter einen 4. Platz erringen. 3m 100- Meter-Lauf (Oberstufe) errang R. Fernau mit nur handbreit hinter Simon („Dorwärts" Docken- Heim) in der guten Zeit von 11,4 Sek. einen ehrenvollen 2. Sieg. L. Malkomesius konnte sich im 60-Meter-Hürdenlaufen (worin er erstmals startete) nach siegreichen Dorläufen für die Entscheidung qualifizieren. Auch er wurde nach einem Brust-an-Drustrennen hinter P. Garbe (Tgs. Ffm.-Sachsenhausen) nur 2. Sieger in 10,2 Sekunden. Sehr gut hielt sich auch F. Petry, der im Dreikampf überlegener 2. wurde; im Hochsprung (1,59 Meter) reichte es nur für den 4. Platz. Die 4xl00-Meter°Staffel (S e h b, Kirchheimer, Malkomesius, Linden- struth) brachte es, nachdem sie unter neun Mannschaften die beste Dorlaufzeit erzielt hatte, eben'o wie die Schwedenstaffel (Fernau, Sehb, Linden st ruth, Malkomesius) jeweils nur zu einem 2. Sieg. Den größten Erfolg konnten die um den 4X100 - Meter - Staffel - Wanderpreis lausenden Männerturner Ploch. Decker, Seyb, Fernau erringen, konnten sie doch nach schönem Lauf vor der hervorragenden Staffel des Turnvereins „Dorwärts" Dockenheim, wie vor Tv. Dad Homburg und Tgm. Ffm.-Dockenheim als l. durchs Ziel gehen und somit erstmals den wertvollen Dismarck-Wanderpreis nach Gießen bringen. Auf diese großen Erfolge kann der Mtv. stolz sein und das gute Abschneiden der Mtv.er Wen,.. ’ beschwingten Rhoch, ^nd der Di^tplin ber Ziehung musitalischer jreitenbe, schwingendk ller individueller T«, e Beteiligten, nachzu. nicht nur ein schöne, uch nachahmenswerte; 'der. und A-SfaHe sah °nzl wurde in drei richt hatten kein leich- 'eisträger (Herren je-. I nachstehend wiedcr- e1. und Baumeister rts (Sab'flauljtm); Kiroschiaesru-Safz- ) (Tiehrn); 2. Habt- ßrlWlmE-Lch.'z: ) ((Bitten); 2. Brom- ib.DWIm); 3. ctirp üauenstein sBad Hom- Gießen dürste mit den r aus diesem Turnier in. Dar Turnier nahm । digenden »erlauf. Die i Leig trugen nicht un- y>ren ebener A fiel ^PftenÄen. ^schaii ^hi/LAn J ber k Wil( 'rcn aus hL fester b^eu, !n^SBr vom ^anni^?"0 bainij IJriÄJ "^°l'Veiß- war für x.. ? -amaM Frankfurt & »schienen ?ranf,Q'tung L 'Tonzklub A£ den Lettbewerden ° ^»lnehm« allein der Tauleiter de, 8« Pflege bf5 b e"le Ansprache in ^Eung kennzeichn h'5 N f,in wolle Rohmen eben m°!,S7''nhm mii 1 ^rbmdung bring«. 3“ pflegen, zu kW. jn93U Helsen, die ihm ‘ feinem Verlauf, daß de. Die klar bem»ii«n. wie sie - man stelle ichoß einer fierm M i Kuß geben läßt. A- e Sache von der Welt sie rührt sich nicht vom k ins Eesicht ... «M i Leben hat mich noch nnifKrtunnni-rW itine drei Fahr in. nM • inj »-,2 •3S»g L-Sx ntt wA hlirj) den «mm ;«« ” »»d ®« äSUi1 >n un* Ä Serbin* System"st, «nen bringen. der 00®W’0! en 6^' q?;r das gc* i oberen kfeihgt üste barst en die'-" für die ■*. werden ns"ÄeZgen^ Seil d--?L ‘ÄftÄSlP ten Sümpf-" Hessischer Notruf an das Reich. Oie Kommunale Landesbank zur Aot der hessischen Gemeinden. . DSN. D a r m st a d t. 2. Mai. Am Samstag fand hier die Hauptversammlung der Kommunalen Landesbank statt. Die im Referat des Direktors der Kommunalen Landesbank geschil- dcrte Lage der hessischen Kommunen veranlaßte die Hauptversammlung, von der Oesfentlichkcit Hessens und des Reiches festzustellen, daß die schon seit längerer Zeit mit steigender Sorge beobachtete Entwicklung der kommunalen Verhältnisse derart zu- gespitzt ist, daß ein Zusammenbruch der Leislungskrasl der Kommunen in naher Zeit nicht mehr abwendbar erscheint, wenn nicht endlich eine grundlegende. wirkliche Hilfe bringende Aenderung de» Jinan)- und Caffenauegleid)» durch Maßnahmen der Reich«- und Staatsregierung erfolgt. Die Mitteilungen, die in der Sitzung des Finanzausschusses des Hefsilchen Landtags von dem helft- schen Minister des Innern über die Absichten der hessischen Rcyicrung in bezug auf die Linderung der Rot der hesstichen Gemeiuden gemacht wurden, berechtigen nicht zu der Erwartung, daß der Zusammenbruch der Gemeinden aufgehalten werden kann. Die stärkere Dotierung des seither bereits vorhandenen Ausgleichsstockes, dem die Mchreingange aus der erhöhten Umsatzsteuer zugesührl werden sollem bewirkt lediglich ein Gesamtauskommen von 2z» Millionen Mark zugunsten des erwähnten Aus- gleichsftockes, führt aber gleichzeitig gegenüber den Einnahmeerwartungen der hessischen Gemeinden eine weitere Schmälerung des Erträgnisses der Umsatzsteuer herbei. Der nach dem fetzigen Stand auf 26 Millionen Mark zu schätzende Oahrcsauftnanb der Gemeindewol)lsahrtslasten erfahrt im Lause der nächsten Monate ohne Zweifel eine weitere, TliUioncnbeträgc ausmachende Steigerung. Hinzu tritt die durch ein Fünftel der Krisensürsorge verursachte Belastung der (9c meinben mit weiteren 6 Millionen Mark, so daß allein schon durch diesen, auf 3 5 bis 4 0 Millionen Mark zu schätzenden Gesamtauswand für Zwecke der Wohlfahrtspflege die Erfüllung der übrigen Verpflichtungen der hessischen Gemein- den unmöglich gemacht wird. Darunter leiden im besonderen auch die Verpflichtungen, die die (9c- meinben durch den Schuldendienst für ihre in der Vergangenheit aufgcnommcncn lang, und kurz- triftigen Anleihen haben. Bei einem Aufwand von etwa 25 Millionen 2TIarf allein Für den Zinsendiensl sieht die Hauptversammlung mit starker Besorgnis den Zeitpunkt herannahen, zu dem die Gemeinden auf längere Zeit nicht mehr in der Lage sein wer- den, ihren Zinsverpflichtungen gerecht zu werden, ganz abgesehen davon, daß sie an eine plan- mäßige Tilgung, so wie sie die Bestimmungen der hessischen Gemeindeordnung fordern, aus Mangel an Leistungskraft nicht zu denken oer mögen. Den Sozial- und Zinsenlasten der hes- silchen Gemeinden von rund 60 Millionen Mark stehen nach den Feststellungen der hessischen Regierung nur 5U Millionen Mark Einnahmen aus Reichsüberweisungen und eigenen Steuern der Gemeinden gegenüber. Für die Erstellung der sonstigen Ausgaben der Ge- meinben bleiben selbst unter Heranziehung der Einnahmen aus Betrieben und vermögen keine Mittel übrig. Eine geordnete Fortführung der Verwaltung wird damit unmöglich gemacht. Zeitungsnachrichten zufolge soll sogar noch eine weitere Belastung der Wcmcinben durch die Beseiti- gun$ der staatlichen Ersatzleistung aus Anlaß der im Vorjahre durchgesuhrten Realsteuersenkung drohen. Hieraus erwachsen neue, sehr erhebliche Einnahrneaussälle. Der schon' öfter in der Ocssentlichkeit, von der Hauptversammlung der Kommunalen Landesbank und den kommunalen Spitzenverbänden vertretene Standpunkt, daß eine Hilfe allein durch das Reich Rettung von allen Schwierigkeiten zu bringen vermöge, muß besonders stark von den hessischen Gemeinden unterstrichen werden, in denen wirtschaftliche Rot und Erwerbs- losigkeit als Ausfluß des Rhein Ruhr-Kan^pfes und langjähriger Besatzung weit schwerere Wunden geschlagen haben, als in den übrigen Bezirken des Reichs. Sonder Maßnahmen, wie sie in zahlreichen Fällen durch die Reichsregierung zugunsten einzelner notleidender Wirtschaftszweige geleistet wurden, sind zur Rettung der hessischen Gemeinden unbedingt erforberlid). Darüber hinaus erheben die Vertreter der hessischen Städte und Landgemeinden erneut ihre warnende Stimme und verlangen dringend von den verantwortlichen Organen des Reiches, unverzüglich Maßnahmen zu treffen, die einer in ihren Auswirkungen unübersehbaren Entwicklung vorbeugen können. Wenn sich die Nachrichten bestätigen, daß das Reich keinerlei nennenswerte Etatmittel für eine Entlastung der Gemeinden in seinen Haushaltungsplan für 1932 cinzustcllen beabfiefjtigt, bann ist auch der offene Zusammenbruch vieler Gemeinden in Kürze unausbleiblich. Wirtschaft zweiprozentigcn Dividendenkürzung. ternerRhcag, Siemens. Rcichsbank, Schubert & Salzer, Goldschmidt ultt>. Sehr fast lagen Akkumulatoren mit einer Besserung von 4.5 v. H. Dagegen gingen Schultheiß und die Aalitoertc bis zu 3.5 v. H. zurück, während sich Kunstscidewerte um 0.5 bis 1 v. H. abschwächten. Altbesihanleihc lag etwas schwächer, während Aeubesihanleihe stark gefragt wurden und um 0,10 v. H. anzogen. 3m Verlaufe setzte sich allgemein eine weitere Vefesti - flung durch. Farben. Elektropapiere. RWE., Schultheiß und -Kaliwerte waren bis zu 1 v. H. fester. Dessauer Gas waren 1,5 v. H, Lahrneyer weitere 2,25 v. 5). höher. Am Geldmarkt ist noch immer fein Zeichen einer fühlbaren Erleichterung festzusteUen, die Sähe blieben unverändert. Tagesgeld stellte sich auf 5,75 v. H. und darüber. Frankfurt fester. Frankfurt a. M., 4. Mai. (Drahtmeldung.) Der heutige Dörsenbeginn überraschte wiederum durch seine feste Grund st immung, obwohl durchweg ungünstige Momente Vorlagen. Der schwache Schluß der Reuyorter Börse blieb fast unbeachtet, dagegen zeigte man sich vorbörslich gegenüber dem Burbach-Kali-Abschluß mit seiner 9 Millionen betragenden älnterbilanz etwas verstimmt. Auch die Finanzkrise der Stadt Berlin verursachte anfangs etwas Abgabedruck. Gegenüber der Abendbörse war die Kursgestaltung bei Beginn der offiziellen Börse niS)t einheitlich, aber überwiegend fester. Bald nach den ersten Kursen setzte sich eine merkliche Befestigung durch, da vorn Publikum kleine Kauforders Vorgelegen haben, die der Börse gegenüber den ungünstigen Momenten eine kräftige Stühe boten. Die Kulisse schloß sich mit neuen Deckungen und einigen Käufen an. Das Geschäft war aber weiter sehr klein, da die Spekulation infolge der Unterbrechung des Berlin befestigt. Berlin, 4. Mai. (WTB. Funkspruch.) Aach der etwas freundlicheren Frankfurter Abendbörse war die Tendenz heute vormittag nicht klar er- kennbar. Auch an der Vorbörse konnte sich eine bestimmte Tendenz nicht herauSbilden, doch war eher eine leichte Schwächeneigung festzustellen. Eine gewiss» Verstimmung ging von der Nachricht aus, daß ein Berliner Bankier verhaftet wurde und sein Sozius heute vormittag Selbstmord begangen hat. Zu Beginn deS offiziellen Vxrkehrs herrschte aber wider Erwarten doch ein festerer Grundton vor. obwohl die KurSgestaltung nicht ganz einheitlich war. Zunächst hatte über die gestern alarmierenden Meldungen von der Annahme der Dollarstabilificrungsvorlage im amerikanischen Repräsentantenhaus heute eine gewisse Beruhigung Platz gegriffen, da man nicht damit rechnet, daß diese- Gesetz im Senat angenommen werden wird und da ferner die erwartete „Inflations- Hausse'' in Acuyork ausgeblieben ist. Es hat ferner befriedigt, daß der Aest des Rediskontkredites der ReichSbankf. der am 4. 3uni fällig ist, wohl bedingungslos um weitere drei Monate verlängert werden wird, ohne daß Frankreich Einwendungen erheben wird. Auch die Tatsache, daß keine große Kabinettskrise eintreten wird, wirkte beruhigend, und die wahrscheinliche Ersetzung des ReichSwirt- schaftSministerS Dr. War mb old durch eine andere Persönlichkeit — man nennt Dr. Gör- Dolor — machte feinen Eindruck. Der achtpro- zentige Dividendenvorschlag bei Schicfische Gas befriedigte, da man nur mit einer sech-prozentigen Dividende gerechnet hatte. Die Kurse wiesen Besserungen biS zu 2 v. H. gegen gestern auf. so Lahmeyer in Erwartung einer nur 1» bis Börsengeschäftes durch den morgigen Feiertag feine großen Engagements eingehen wollte 3D • eröffnete mit % 88 Proz. zunächst etwas mehrt- ger, lagen aber später um cjtoa 1,25 Proz. höher. Scheideanstalt gewannen 1 Pro; Sehr fest tendierten einige Elektrowerte. msbefondere Siemens und Lahmeyer. die bis zu 2.5 Proz. an- Sogen. Don Montanpapieren gewannen BuderuS 1 Proz., die übrigen Werte biteben behauptet. Kaliaktien wurden durch den Bürbach-Abschluß beeinflußt und verloren bis zu 2 Prozent RcichS- banf lagen 1.75 Proz. freundlicher. Kursbefferun- gen von 0.5 bis 1 Proz. verzeichneten noch u. a. LchiffahrtSaktien, Zellstoff Waldhof und Lüdd. Zucker, während Aku und Schuckert etwa 1 Proz. nachgaben. 3m Verlaufe blieben die Kurse gut behauptet. doch ging die Ilmsatztätigkeit auf ein Minimum zurück. Durch feste Haltung zeichneten sich Kunstfeidcwerle aus. die nach anfänglicher Schwächeneigung später 2 Prozent höher lagen. Deutsche A n le ihen blieben gut behauptet. .Auslandrenten lagen geschäftsloS Goldpfand- briete neigten bei sehr geringem Umsatz etwas zur Schwäche, obwohl man Tauschoperationen gegen Reichsschuldbuchforderungen, die 1 Proz teuer notierten, feftftellte. Liquidation-Pfandbriefe waren gehalten. Dagegen gingen Industrieobligatio- nen überwiegend etwas zurück. Am Geldmarkt war die Lage leicht. Tage-» gelb 4.5 Prozent. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. Hl.. 4 Mai. Es wurden notiert: Weizen 282,50 bis 285 Mk. Roggen 225. Sommergerste für Brauzwecke 195 bis 200. Hafer (inländischer- 185 bis 172.50 Mk. pro Tonne: Weizenmehl tsüddeutsches. Spezial 0. mit Austauschweizen) 40 bi- 40.95. 39.50 bis 40.50. tniederrheinisches mit Austauschweizen) 40 bis 40.70. «Sondermahlung) 39.50 bis 40.50. Voggenmehl 28.25 bis 30. Weizen- und Roggen- kleine 11 Mk. pro Doppelzentner. Tendenz: ruhig. Oberhessen. Landkreis Gießen. X A 11 e n - B u s e ck , 3. Mai Werkmeister Ludwig Feldbujch bei der Firma Andreas Euler in Gießen tonnte am 1. Mai sein 40jäbriges Ur- b e i t s i u b i lä u m begehen. Dein Jubilar, der sich infolge seiner gewissenhaften Pflichterfüllung unö seines freundlichen und bescheidenen Wesens allgemeiner Wertschätzung erfreut, wurden zahlreiche Ehrungen seitens seines Arbeitgebers und der Arbeiterschaft der Firma hergebracht. • *2111 e n b o r f a d Ld a., 4 Mai. 3n der letzten Woche sammelten die Konfirmandinnen für die 91 i e b e r r a m ft a b t e r *21 n ft a 11 e n in unserer Stabt 525 Eier unb für den Gustav Adolf Verein als 3ah* resgabc 43 Mark. — Wie in den Jahren vorher, findet am Himmelfahrt-Rachmittag in ober vor der Kirche ein M i f f i o n s f e st statt. Diesmal wird ein Miffionar aus Hermannsburg sprechen: der Hassen- röber Pofaunenchor unb die 3ugenbi»crcinigung von Klein-Linden werden Mitwirken, auch wirb unsere neue Orgel zu hören sein. xv Leihgestern 3. Mai. Bei ber Einführung ber Ausgaben, bie unserer Gemeinde durch die Beschäftigung ber Erwerbslosen entstehen, ist in dem Artikel „Kommunalpolitischer Not- unb Mahnruf aus bem Kreise Gießen" (Gieß. Anz. vom 2. Mai) ein Druckfehler unterlaufen. Die Öckimtfumny beträgt nicht 3900 Mark, sondern 39 000 Mark jährlich. Mi eie Schotten. -i- Ober-Schmitten. 3. Mai. Dem 1 «jährigen Töchterchen deS Fabrikarbeiter- R. Decher t gelang es heute morgen, vom Bett aus das Feuerzeug auf dem Rachitisch zu erlangen. 3n einem unbewachten Augenblick entzündete eS ein Streichholz, wobei da- Rächt- hemd Feuerfing. Mit fchwerenBrand- wunden am ganzen Körper wurde daS bedauernswerte Kindchen in das Krankenhaus zu Schotten verbracht, wo eS wenige Stunden nach der Einlieferung seinen Verletzungen c r - I a g. Zwei neue Notverordnungen. Kontrolle militärähnlicher Verbände. — Gegen die Gottlosenbewegung. sLehte Rachricht.) Berlin, 4. Mai. (TU. Drahtmeldung.) Der Reichspräsident hat heute zwei Verordnungen unterzeichnet. Mit der ersten werden alle p o 1 i • t i sch e n Verbände, d i e militärähnlich organisiert sind oder sich so betragen, der Kontrolle des Reichsmini ft ers des In- n e r n unter ft eilt. Mit der zweiten find d i c Gottlofcn-Organisationen mit sofortiger Wirkung für das ganze Reich aufgelöst worben. Die erste Verordnung lautet in ihren wesentlichen Sätzen: § 1. Politische Verbände, die militärähnlich organi. fiert sind ober sich so betragen unb ihre Untcroer* bänbe sind verpflichtet, dem Reichsminister des Zn- nern auf Verlangen ihreSatzungenzurPrü- fung oorzulegen. Sie haben ferner bem Reichsminister des Innern jede beabsichtigte Sat- zungsänberung, soweit sie ihre Organisationen ober ihre Tätigkeit betrifft, unverzüglich anzuzeigen. Die Verbänbe finb verpflichtet, unverzüglich ihreSatzungen zu ändern unb jebe Bestimmung in bie «atzung neu aufzunehmen, soweit dies ber Reichsminister des Innern zur Sicherung ber Staatsautorität für erforderlich hält. Dies gilt insbefonberc für Bestimmungen über die Organisation und Tätigkeit der Verbände. § 2. Diejenigen Verbände, die einer Verpflichtung nicht nachkommen ober aber auf Weisung bes Reichsministers des Innern geänderte oder neu aufgenommene Satzungsvorfchlägen zuwiderhandeln, können vom Reichsminister des Innern mit Geltung für das Reichsgebiet a u f g c 1 ö ft werden. Die Verordnung des Reichspräsidenten zur Auflösung der kommunistischen (9ottlofenorganifationen lautet: Die internationalen proletarischen Freibenkerorga- nijationen unb bie ihr Nachgeordneten ober ange- schlossenen kommunistischen Freidenkerorganisationen, insbesondere die Verbände proletarischer Freidenker Deutschlands, einschließlich der proletarischen Frei- benker-Iugend, die Freidenker-Pioniere und die Frauenorganisationen sowie die Kampfgemeinschaften proletarischer Freidenker werden mit ihren dazu gehörenden Einrichtungen einschließlich der Verlags- betrieb für das Reichsgebiet mit f o fertiger Wirkung aufgelöst. Wer an diesen aufgelösten Organisationen sich als Mitglied beteiligt ober den von ber Organisation erstrebten Zweck burch Einführen, Verbreiten ober Feilhalten von Druckschriften weiter verfolgt ober bie Organisationen auf anbere Weise unterstützt ober ben durch die Organisation geschaffenen organisatorischen Zusammen- halt weiter au^rechthält, wird mit Gefängnis nicht unter einem Monat bestraft. Sprechstunden der Nedattion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen. kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Donnerstag, 5. Mai. E h r i st i Himmelfahrt. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pfarrassistent Knell. — 3o- hannesfirdx. 9.30: Pfr. Bechtalsheimer: 11: Kinder kirche für die Lukasgemeinde: Pfr. Bechtalsheimer.— Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30 Pfr. Lenz. — Elisabeth. Kleinkinder schule. 9.43: Pfr. l-ic. Waas. — filein-Cinbcn. 8: (9ottesbicnft. — Schissenberg. In ber alten Klosterkirche um 8 Uhr: Pfr. Steiner (Hausen): Mitwirkung des Jrauenchors Haufen und des Posaunenchors Klein-Linden. — Heuchelheim. 10: Gottesdienst: Kollekte: keine Kate- chismuslehre. — IDiefetf. 9.30. — Alten-vufeck. 13: Gottesdienst. — Kirchberg. 10: Kirchberg: 10: Mainz, lar. — Haufen Garbenteich. 10: Hausen, 13: Garben- teich. — Mahenborn-Steinberg. 13.15: Hauptgottes- bienst: 15.15: Waldseier der Kinderkirche — (örü- ningen. 9.45: Hauptgottesdienft: im Anschluß Beichte und Feier des hl. Abendmahls — £id). 9.30: Missionar Müller: Posaunenchor: Kollekte: 10.45: Kin- bergottesbienft; 15: in ber Meilbach Missionar Müller, Stiftspfarrcr Draubt; Posaunenchor: Kollekte. — Kloster Arnsburg. 11: Gottesbienst, befonbers für Ausflügler: Pfr. Köbbing. Kalholifche Gemeinben. Mittwoch, den 4. Mai. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Donnerstag, 5. Mai. E h r i st i Himmelfahrt. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte: 7: Messe: 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt: 14: Andacht mit Segen. — (Brünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Llch. 10: Hochamt mit Predigt: 14 Mai- andacht und Predigt. — Ridba. 8.30: Hochamt mit Prebigt. Freitag, ben 6. Mai. Gießen. 6.30 Uhr: Segensamt; 20: Maianbacht? — Dich. 6.30: Segensmesse. ?onntap<" ienit p. "er- e' .»volbeke« am 5.3.32 Frl.vr. Gürtler. Dr. W. Klein. Velikanavotbeke. ,'ialinarzr: Dr. Kockerbeck. VD Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter ben Papieren angeführten Ziffern geben bie Hohe ber zuletzt beschlossenen Dioibenbe an. — Reichsbankbiskont 5 v. H, Lombarbzinsfuß 6 v. H. ^ronttun a. Dl. ZJtrttn ed-luf- fur< 1-Uhr- Murn eaiiuj» hl r/ Anfang- «für« Datum- 3.5. 4.5 3.5. 4.5. 6% DcnNche »IMdiMnicibe o.iss: 58 — 58 — Tcutldie tReidiianlclbe v. 1929 68 — 68 — 6$i% 7)oung»flnletbe von 1930 . 52,25 — — — r-utlch.- SlnI..AbIöI..Schuld mü üuiloi.-Rtrfitm....... $e»gt. ohne flu#io|.-Stdite . . . 40.5 40,5 40,4 40 3,8 3,8 3.65 3,75 8% Hei'. Boltttioai von 1929 (rüdjab®. 102%)...... —— —— Cbetbrifen Drovinz-Anleib« mb Aueloj.-Reckilen....... 32 _ — Deutsche flotnm. SemmelabL Anletbc Serie 1....... 6% jjranff. Hvp.-Bent Golbpfe 15 unkündbar bis 1935 .... 37,75 38,25 —— 75 _ — — 7% Krankl. Pvp.-Bank Sokdvse unkündbar oU 1936 Serie 16 . 74 —- —- 4U% pranff. Hyp^Lank SiaiL- Plandbrlefe......... 77,9 _ _ _ 4K% Rde ursche Hyp.-Bank.Ltqu Goldpse........... 77 _ _ _ 8% Br. LandesosandbitefanKall, Viunkbriese R. 19...... 7% Pr. Lande«pseteinb.RenieD.1913 — — 8,5 — 4% Rumänische vereinh. ReNt» . 4 — 3.8 4 154% I- »nawlier...... — —— — 13,6 strankwn a. M. | Aerlin Echiuß- tur# 1-Uhr- Ä uri Schlup» lur# Slnfong» Aurt Oatam 3.5. 4.5.* 35. 4.5. ycmliurg.i’linenta Batei . . . e 13,5 — 13,25 13.25 Hemburg-Lüdam. Tempsschiss. o Hansa Dampsichiss .....0 — 37.25 — — Norddeutscher Llor,d.....6 14.5 13 0 14 4 S.ffl. für keckcdrlwesen Akt. . . — 31.25 31.4 Berliner Hanvelsgeselllchos« . 8 83,25 — 83 Ccmmcrj. und Br-na^Bank . 7 — 19 —— Tflinfiäbter und Diatwealban! 6 Deutsche Bank unb — — 21,25 — Dt-ronro-SesellichaN... 6 37,5 — 37,5 —— Dreibner Bank ...... 6 — 21.25 — Reichsdank........12 112,25 113,5 111,5 114 a.G.a............7 25 25.4 25,13 24.65 Bergmann.........9 (Eefrr. LioserungrgckeUlchast. io 17 —- — — 53 —— Licht und «rast......10 68,5 68.5 67 67.25 stell en & Guilleaume.... 6)4 Grie.'kschas« für Slekrrisch« — 35,25 — Unternebmungcn . . . . 9 Rheinische ElefMjiüt .... 9 54,5 — 54 54.13 69,5 — 68 70.25 eduVen & .......11 49,75 104 50,5 102 51 Siemens 6 HaMe.....14 — 104 Lahmeyer 41 enor..........0 — —- 37.25 — presch Eisen.........6 — — 27 27.65 älle Bergbau.......10 — — 122.5 — Srockn erwecke........6 Söln-Reuessen.......6*4 — — 23,5 23.9 — — Srannesmann-Rrbren .... 6 Mansselder ©etgben 7 . . . . 0 13.25 _ 36.5 13 36,25 eberschles. Kokswecke .... 8 —— 34.75 34.25 Bbonir Bergbau......*V$ 8tbeutii6e Brannfobken... 10 18 _ 18.25 149 149.5 Rheinstah!.........6 —- 39 38.75 38.75 stranksuri a. St Der! in Schiuß- fur< i«uhr» Rur« Schlußkur« Anfang- Kurs Datum 3.5. 4.5. 3.5. 4.5. •Jitebed IVonion . . . ... 1.1 — — — — vereinigte Sloblwecks . . . . 4 16,25 16 15,75 15.65 Claci TZinrn . . . . flallroerte Alchersleben . . 16'/, —» — 10,25 10.25 . . . 10 83 — 83.5 80.5 Kaliwerke Scftercgeln . . . 10 93 91 93 89.5 Kaliwecke Salldeisunb . . . u 143 141 3. G. starben-klndustrie Verein, ch-m. Industrie ... 15 Frank» 97,13 96.9 96,75 96,9 kurt 0. ...... ■ • . . ■ — — — — Lcheibeansralt.... . . . 10 125 126 — —— Goldschmidt..... . . . . 0 18 17,75 19.5 Rülgerswecke .... . . . . 6 — — 31 - SltiallgrielH-tofl. . . . . . . 6 31 — Bbtlivv Holjmann . . . . . . 9 39 39 38.5 39.5 Zementwrck Heio-iberg lementrorr! Karlstad«. . . . . 7 — —— . ... 1 — — Sayh L streytag . . . . . . v 4 5 — Schulkbel« Bayenhoser . . . 15 — — 60.25 57,75 Aku (ünigemtme Kunstseide) 0 37,5 36.5 37,25 36.5 Bewberg...... . . . 0 37.5 — 38 37.5 Zellkirss Weldbos . . Zellktoss 8Ii±arfenbutfl . . . 12 30 29.5 30 . . . 6 — 27,5 28 27,5 ieiiauer ©c‘ .... . . . . 9 — 86 5 87,5 Daimler Dickeren . . . ... 0 — — 10 10 Deutsch« Staclcum . . . . . 5 28 _ 28 29 Crcnüetn & Koppel . . . . . 0 — 23 24 Leonbard Tietz . . . . . . . 8 — — 55 55 Srensla...... . . . 15 — — 10.5 2 bade....... ..... - — 199 199 ffror.nuütt Biaschinen . ... 0 — — _ Gritzner...... Diainfrastwecke Höchü . ... 0 — —— —- — -5L. . 6 — - — Süddeutscher Zucker . . . . 10 - 96,B 96 — Banknoten. Deoi enmarfl Berlin — Jranffurl a. 2H. 3. mal 4 mal -Umflicht »eld Kollerung Briek Amtliche Notierung Geld Zlriei gUtagtotf . 7.113 51,95 7,127 52,05 7,123 51,95 7,137 52,05 Trag . . . 12.465 12,465 12,465 12,485 Vudaveü . . — — Sofia . . . 3,057 3.063 3,057 3,063 Holland . . 170,83 171,17 170.83 171.17 Oslo.... 77,97 78,13 78,22 78.38 Kopenboge». 84,42 84.58 84,62 84.78 Stockbolm . 77,02 77,18 77,42 77.58 London. . . 15.40 15.44 15.46 15.50 Vuenos Aires 1.003 1,007 1,003 1,007 Reuvock . . 4.209 4,217 4.209 4,217 örülfel . . . 58.94 59,06 58.99 59.11 Iialw- . . . Baris . . . 21.65 21,69 21,63 21,72 16.59 16.63 16,605 16.645 Scf)n>H| e . 81,82 81.93 82.02 82.18 Spanien . . 33.37 33,43 33,57 33.63 Dan,tg. . . 82.42 82.58 82.72 82.88 Japan . . . Rto de 5fan.. 1.379 1,381 1,389 1.391 0,234 0.286 0,289 0.291 nuadloiDU». Küiaboi . . 7.423 7,437 7,423 7,437 14,04 14,06 14,09 14,11 gedi" 3 mai Geld grTel dmenlannei»-r N-ren......... 81,64 81 96 Spanisckr Note». ........ Vugacksch« Note, ........ 33,23 33,37 »MlMRM!" Vornan von Gert Gothberg. Copyright by Martin Feuchtwanger, Hall«. 7. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Gleich darauf stand sie vor ihm. In ihrem einfachen Mantel, schlank, dunkel, unauffällig. Doch er wußte ja nun, wie schön Aenne Ohlen war, wie bezaubernd schön. Seine Arme hoben sich unwillkürlich, doch sie sanken sofort wieder herab, als das Mädchen leise sagte: »Ich möchte fort. Doch zuvor bitte ich noch um das eine: Wenn Sie mich in Begleitung Ihrer Frau Gemahlin oder auch allein im Salon der Madame Endiee oder sonst einmal zufällig treffen sollten, dann bitte ich, mich nicht zu kennen." „Ja--aber, ich..." Groh und, wahr sah sie ihn an. „Ich hoffe, daß ich meine Bolle gut gespielt habe. Wenigstens so, daß der Zweck des Ganzen einigermaßen erreicht wurde." Er führte ihre kleine Rechte an seine heißen Lippe«!. Dann sagte er: „Sie wollen für immer aus meinem Leben verschwinden? Ich soll Sie nicht mehr spielen hören?" In ihren schönen blauen Augen lag stumme Qual. Sie wandte das Gesicht zur Seite, als sie sagte: „Es — ist am besten. Wenigstens für mich. „Kleines liebes Mädel, ich danke Ihnen für alles noch einmal herzlich. Ich möchte aber ernstlich, daß wir uns Wiedersehen." Stolz und abweisend sah sie ihn an. „Ich hätte es mir denken können, daß dieses ganze abenteuerliche Theaterstück noch etwas nach sich ziehen mußte. Wenn es auch schließlich nur Mißachtung von Ihnen ist, weil ich mich zu dieser Rolle hergab." Mit seiner Beherrschung war es vorüber. Er riß das Mädchen an sich, bedeckte den kleinen Mund mit heißen Küssen. „Ich liebe dich. Gehe nicht wieder aus meinem Leben, kleine, schöne, sonnige Aenne! Bald werde ich frei sein. Meine Frau hat mich heute verlassen. Wahrscheinlich kehrt sie nie mehr zurück, ünb wenn, dann habe ich Gründe, die---wozu sprechen, Kind! Ich habe dich so lieb. Geh nicht wieder aus meinem Leben, Ol^nne!“ Aenne lag wie betäubt in seinen Armen. Sie spürte die heißen Küsse, gab sie zurück, und wußte doch, daß es etwas Anrechtes war, was sie jetzt tat, und war doch machtlos gegen das Schicksal. Endlich wand sie sich aus feinen Armen. Tief, tief war der blonde Mädchenkopf gesenkt. „Ich muß fort! Run erst recht muß ich fort." Hastig, angstvoll hatte sie es hervorgestoßen. Dabei strebte sie zur Tür. „Du gehst nicht, Aenne! Jetzt nicht! Du bist mir viel zu teuer, als daß ich dich jetzt gehen ließe. Lege dich ein paar Stunden hier auf das Ruhebett. Gegen halb acht Ußr mag mein Wagen dich zum Geschäft bringen. Der Chauffeur mag eine Straße zuvor halten, damit es nicht auffällt. Doch das nur nebenbei. Ich liebe dich, und du wirst nicht wieder aus meinem Leben gehen. Öder — liebst du bereits einen andern Mann?" „Rein! Ich liebe den Mann, den ich vorhin geküßt habe. Ich habe noch nie einen andern geliebt. Trotzdem muß ich aus Ihrem Leben gehen, weil das andere Sünde ist. Es wäre Mutters Tod, wenn ich..." Aenne schlug beide Hände vor das Gesicht. Sanft nahm er sie ihr wieder herunter, behielt sie in den seinen. „Es ist keine Sünde, Aenne. Bor Gott nicht, denn die Frau, die meinen Ramen vorerst noch trägt, die wird gehen müssen für immer. Ich liebe dich. Rur dich! Ich bin fein Augenblicks- menfd) im Gegenteil, sonst recht schwerblütig. Doch das Band zwischen meiner Frau und mir ist feit langem zerrissen. Was heute geschah, ist eine logische Folge einer zerstörten Ehe, woran du nicht die geringste Schuld trägst, kleine Aenne. Willst du nun noch immer aus meinem Leben gehen?" „Ich - fürchte mich. Sie -- sind heute einsam und verlassen. Aus diesem Grunde - glauben Sie, mich zu lieben. Selbst wenn Sie.frei sein werden, seye ich für mich kein Glück, denn es gibt genug reiche, vornehme, junge, schöne Damen in Ihren Kreisen. Das Abenteuer dieser Rächt wird gar bald vergessen fein, ilnb für mich ist es ja doch das beste, wenn ich an diesen Abend zurückdenke wie an einen schönen Traum." „Ich liebe dich. Bleibe! Ich -- du sollst meine Frau werden, fuße, blonde Aenne. Hörst du? Weil du bist, wie ich mir die Frau ersehnte. Du wirst bleiben, Kind, weil du zu meinem ferneren Leben notwendig bist." Er hatte sie wieder an sich gerissen, und.Aenne fühlte nicht mehr die Kraft in sich, sich gegen diese Liebe zu wehren, weil sie ihr selbst verfallen war. Aenne Ohlen schlief nicht. Mit großen wachen Augen starrte sie ins Dämmerlicht des beginnenden Wintermorgens. Wenn ich doch hier hätte einschlafen können und wäre nie mehr erwacht, dachte sie, und Frostschauer jagten ihr über den Rücken. Leise erhob sie sich. Heber dem Sessel hingen ihre Sachen. Vorsichtig zog fie sich an. Angstvoll blickte sie zur Tür. Alles blieb still. Da wagte sie endlich, die kleine Lampe auf dem Tische einzuschalten. In ihrer Handtasche sand sie zwei Tausendmarkscheine. Da sank Aenne Ohlen in die Knie. „Geld? Dann hat er schlecht von mir gedacht. O mein Gott!" Sie lag eine ganze Weile regungslos auf dem weichen Teppich. Dann aber trieb die Angst sie hoch. Sie mußte fort. Fort, so schnell als möglich. „Doch ich muß ihm mitteilen, daß ich das Geld nicht nehme. Rein, ich nehme nichts. Jetzt nicht mehr." Suchend blickte sie sich um. Dort in der Ecke der kleine Schreibtisch. Sie huschte hinüber. Schnell schrieb sie einige Zeilen und steckte sie nebst dem Geld in ein schmales, graues Kuvert. Sie schrieb darauf: An Herrn Doktor Ansbrück. 11 nb bann legte sie den Brief auffällig auf die Ecke des Tisches. Wie eine Diebin schlich das Mädchen zur Tür. Aus dem langen, dunklen Flur war alles ruhig. Aenne schritt weiter. Ein mattes Licht brannte am Eingang. Würde sie hinaus können? Da erhob sich aus einem Stuhle an der Tür ein Mann. Entsetzt wich Aenne zurück. Der Mann verbeugte sich und legte die Hand an die Mühe. „Der OBagelt ist bereit, gnädige Frau." Aenne vermochte nur schwach mit dem Kopfe zu nicken. Sie ging an dem Manne vorüber, der ehrerbietig dastand und ihr weit die Tür öffnete. Draußen half er ihr in den großen Wagen, der im Strahl der Lampe, die über dem Portal angebracht war, hell aufblihte. Dann fuhr er leise surrend davon. Aenne warf keinen Blick zurück. So sah sie auch nicht den Mann, der an einem Fenster der Billa stand und öem Wagen nachblickte. Ich hole dich ja doch, kleines liebes Mädel. Ich hole dich bestimmt, dachte Doktor Rudolf Ansbrück, und ein weiches Lächeln lag um seinen Mund. In einem Abteil des Schnellzuges Dresden- München saßen ein Herr und eine Dame. Es war sehr warm, trotzdem zog die Dame den kostbaren Pelz enger um sich. Der Mann lehnte schweigend in seiner Eck§. Sein Gesicht wurde von Sekunde zu Sekunde finsterer. Es war fein liebevoller Blick, mit dem er feine Begleiterin maß. Sie legte die Hand auf feinen Arm. „Georges, was nun?" „Weiß ich es? Es ist zum Verzweifeln. Du bist nicht zu gebrauchen, denn du trägst auch hier die Schuld an diesem mißlungenen Werk. Eine ungeheure Verdienstmöglichkeit entgeht mir durch dich. Weiber sollte man bei solch ernsten, weittragenden Dingen eben aus dem Spiele lassen", schloß er roh. Die Frau zuckte zusammen. Ihr feines, puppenhaftes Gesicht war totenblaß. „Georges, das klingt, als ob ich dir nur ein Mittel zum Zweck gewesen sei?" „Was sonst?" „Du hast mir gesagt, daß du mich liebst!" Zitternde Empörung klang durch die Worte. „Das habe ich schon viele Male einer Frau gesagt. Wenn du nun auf diesen Worten herumreiten willst, kannst du mir leid tun. Das Beste ist, du kehrst zu deinem Manne zurück. Ich bin vorerst gezwungen, wegzureisen. Zu verschwinden! Vielleicht ist es dir möglich, noch etwas in der Sache zu tun. Wenn nicht, dann brauchst du auf mein ferneres Wohlgefallen sicherlich nicht zu rechnen, mein liebes Kind. Die Sache ist schiefgegangen durch irgendeine Unvorsichtigkeit deinerseits. lind ich habe Wichtigeres zu tun, als dir jetzt irgendwelche Phrasen zu sagen." Sein hübsches, südländisches Gesicht sah jetzt gründlich verärgert aus. Er empfand eine förmliche Genugtuung, der Frau an seiner Seite endlich zu zeigen, wie er in Wirklichkeit dachte. Und jedes Wort traf die Frau wie ein Schlag. Jetzt erst wurde es ihr klär, was fie cwss Spiel gesetzt, als sie den Liebesschwüren dieses Mannes, der ein ganz gewöhnlicher Abenteurer war, glaubte. Der. jetzt, nachdem ein Unglückseliges Verhängnis ihnen die bereits sichere Deute entrissen, fein wahres Gesicht zeigte. Zu Rudolf Ansbrück zurück! Wenn er inzwischen alles erfahren hatte — was dann? Rein. Was soll er erfahren haben? Cs weiß ja niemand. Daß uns die Tasche abhanden kam. ist ein unglückseliger Zufall. Der gute alte Herr, der im Wartesaal des Bahnhofes neben uns saß. der steht doch sicherlich in keinem Zusammenhang mit all dem. Er hat sicherlich aus Versehen die Tasche dem Dienstmann mit übergeben. Und, vielleicht, nein, wahrscheinlich wird man nach einer Anfrage an die Direktion der Eisenbahn die Tasche wiedererhalten. Rur — ich kann jetzt, selbst nicht, wenn sich die Tasche finden sollte, mit Baron Ilzenescu weiter in die Welt reisen. Ich fürchte mich vor ihm. Er ist ein ganz gewöhnlicher Verbrecher. Und um ihn habe ich Rudolf Ansbrück betrogen! Habe diesen Mann bestohlen, um den mich alle Frauen beneidet haben. War ich denn wahnsinnig?, dachte sie. Lisa Ansbrück stand plötzhch auf. Sie konnte nicht mehr länger hier neben diesem Menschen fitjenbleiben, den ein widriges Geschick an ihre Seite verschlagen. (Fortsetzung folgt.) Bekanntmachung. Betr.: Verpachtung des Wirtschaftsbetriebs auf dem Viehmarktplatz,am Güterbahnhof. Der Wirtschaftsbetrieb auf dem Vieh- Marktplatz, auf dem etwa alle 14 Tage Zucht, und Nutzviehmärkte stattfinden, soll neu verpachtet werden. Die Verpachtungs bedingungen sind im Stadthaus, Bergstraße Nr. 20, Zimmer 12, erhältlich. Bei dieser Stelle sind schriftliche Angebote in verschlossenem Umschlag mit der Aufschrift: „Angebote zur Verpachtung der vieh- marktwirtschaft" spätestens bis zum 14. TTlai 1932 abzugeben. 3374C Gießen, den 30. April 1932. Bürgermeisterei Gießen. I. V: Dr, Rosenberg.______ Holzsubmission. Aus den Waldungen der Gemeinde Odenhaufen kommen folgende Holzsorti- mente zum Verkauf: 35420 a) Aichlenstämme. Klasse la 7 St., 1,24 „ 1b 57 „ 19,91 „ 2a 55 „ 33,12 „ 2b 16 „ 14,86 „ 3a 6 „ 7,85 b) Buchenstämme. Klasse 3 16 St., 10,17 „ 4 12 ., 14,49 Das Holz ist ohne Rinde gemessen. Das Fichtenholz ist geschält. Angebote sind getrennt nach Sortiment und Klassen bis zum Samstag, dem 7. Mai 1932, nachmittags 2 Ahr, auf hiesiger Bürgermeisterei einzureichen. Die Verkaufsbedingungen werden vor dem Termin bekanntgegeben. Odenhausen, den 2. Mai 1932. Bürgermeisterei: Nachtigall. Lichtstarke L\ Sa Jagd- und Reiseöläser in größter Auswahl im optischen Spezial-Geschäft Optiker Magnus Seltersweg 33 3ii7D Bekanntmachung. Am Freitag, dem 6. Mai 1932 14 Uhr, werden auf dem Polizeiamt, Landgraf Philipp'Platz 1 (ihi Hof), abgelieferte und noch nicht abgeholte Fundgegenstände öffentlich gegen Barzahlung versteigert. Gießen, den 3. Mai 1932. 35350 Hessisches Polizeiamt: Wolf. WF P OE DRUCKSACHEN IA DLBrUhl'sche Druckerei i empfehlen wir ganz besonders preiswert: GEG-Dosenwurst: Leber- und Blutwurst......‘/rPfund-Dose 48 A GEG-Zervelatwurst...............Pfund 116 A GEG-Blockwurst................. Pfund 104 A GEG-Bierwurst...................Pfund 88 A GEG-Kochschinken.............Pfund 33 A GEG-Schokolade: \ oll milch.... 100-Gramm-Tafel zu 45, 25 und 20 A Milchnuß.............100-Gramm-Tafel zu 28 A Mokka-Milch..........100-Gramm-Tafel zu 45 A Pralinen........................1 Pfund 80 A GEG-Prodnkte bieten Gewllhr ltzr gute Qualität, bei günstigen Preisen Warenabgabe nur an Mitglieder 3488A Konsumverein GleOen und Umneg.e.G.m.b.H. Solospiel des Erfolgsmenschen Der Ton macht die Musik. Dio individuelle, bekannt schöne Herrenbekleidung von Köhler, Seltersweg 17. gibt unverkennbar eine persönliche Note. Sie kön- non nicht zur Geltung kommen, wenn Sie genau so geigen, wie alle anderen. Je persönlicher, je prägnanter Ihr Anzug und Ihr Mantel ist. desto nachhaltiger ist die Wirkung Ihrer Persönlichkeit. 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