Nr. 78 Erstes Blatt Montag, 4. April 1952 182. Jahrgang GietzenerAiijeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vvch- und Stemörudcrei R. Lange in Sietzen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20"/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.TKyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlöffe unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Siehe«. Postscheckkonto: Sranffurt am Main 11686. Der Wahlkampf beginnt. Aufmarsch zum zweiten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl. Kardorff im Wahlfeldzug für Hindenburg. Düsseldorf, 3. April. (CAD.) Der Dussel- dorfer Hindenburg-Ausschuß eröffnete den Wahlkampf zum zweiten Gang der Reichspräsidentenwahl am Sonntagabend- mit einer Kundgebung im Kaisersaal der Tonhalle, in dqr der Vizepräsident des Reichstags, v. K o r d o r f f, sprach. Von Kardorff würdigte einleitend die politische Wirksamkeit des Reichspräsidenten v. Hindenburg, der immer bewiesen habe, daß ervollkommenun- parteiisch das gesamte deutsche Volk vertrete. Die Geschichte beweise, das; man nicht einen Kanzler stürzen könne, wenn man keinen besseren an kine Stelle sehen könne. Es gebe aber keinen anderen Kanzler, kein neues Ministerium, kein neues Programm und keine neue Mehrheit. Die jetzige Steuergesetzgebung in den Vereinigten Staaten beweise erneut, daß die Krise eine Weltkrise sei, die natürlich Deutschland nach dem verlorenen Kriegam schwer st en tre ffe. Der Kanzler habe also mit einem Wcltschicksal zu kämpfen, mit dem Hugenberg und Hitler bestimmt nicht besser fertig werden könnten. „Ihnen am Rhein sage ich", so erklärte v. Kardorff, „wenn heute die Franzosen noch am Rhein st ä n d e n , dann wäre die Reparationsfrage überhaupt nicht mehr zu lösen und der Rhein für immer verlöre n." Sehr scharf setzte v. Kardorff sich mit der Agitation der Rationalsozialisten auseinander. Wünschenswert ki eine wirkliche nationale Einigkeit, ober nicht eine sogenannte nationale Front, die verkappter Ausdruck des Bürgerkrieges sei. Die Wunden einer blutigen Auseinandersetzung in Deutschland würden sich nie wieder schließen. „Reichspräsident v. Hindenburg ist", so schloß der Redner, „dasangesehen st e Staatsoberhaupt, das die Erde trägt. Er verkörpert in sich alle großen Eigenschaften des deutschen Volkes, nicht zuletzt eine tiefe, nach außen hin zur Schau getragene Religiosität. Als ein Charakter von antiker Gröhe wird er in der Weltgeschichte zu den Großen und Größten zählen. Er ist das Symbol der deutschen Einheit. Wir werden gemeinsam gerettet werden vder gemeinsam untergehen. Riemals ist das Reich verloren, wenn ihr einig seid und treu." — Die Veranstaltung fand mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland, den Reichspräsidenten v. Hindenburg und dem Deutschlandlied ihren Abschluß. Stegerwald spricht in Vreslau. Breslau, 3. April. (WTB.) Sn einer Kundgebung der Zenrrumspartei sprach Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald über die bevor- stehencrr Rcichspräsidentenwahl. Er führte u. o. aus: 'Es ist blutiger politischer Dilettantismus, zu behaupten, daß die unbefriedigenden gegenwärtigen deutschen Verhältnisse lediglich auf ein falsches politisches System zurückzuführen seien. Ist es etwa eine Fo'ge der verfehlten deutschen Politik, daß dieDereinigtenStaaten von Amerika im letzten Jahr in ihrem Staatshaushalt ein größeres Defizit aufzuweisen hatten, als der ganze deutsche Staatshaushalt überhaupt beträgt? Ist es eine Folge der angeblich verfehlten deutschen Politik, daß Amerika heute acht Millionen Arbeitslose hat, daß England, Italien, die Tschechoslowakei, Polen usw. relativ eine gleich große Arbeitslosigkeit aufzuweisen haben wie Deutschland? Ist es eine Folge des angeblich falschen politischen Systems der letzten 13 Iahre, daß es der Landwirtschaft in Amerika, in Italien, auf dem Balkan in Ungarn, in Polen uw. noch unvergleichlich schlechter geht als in Deutschland? Kein Mensch hat etwas dagegen, daß die Ration alsozialisten auf legalem Wege die Verfassung zu ändern suchen. Das ist das gute Recht eines jeden Staatsbürgers und jeder politischen Partei. Der Streit geht aber um etwas anderes. Die Rationalsozialisten sagen, sie wollen auf legalem Wege zur Macht kommen. Roch kein Rationalsozialist aber hat ausgesprochen, daß. wenn man an der Macht sei. man von der Macht auch legal Gebrauch machen werde. Im Gegenteil: Man will die Diktatur, man will, wie in Italien, neben der Staatsarmce eine Parteiarmee schaffen und mit dieser dem übrigen deutschen Volk den politisch dilettantenhasten nationalsozialistischen Willen aufzwingen. Die Reichspräsidentenwahl vom 13. März d. I. hat eine Weser- und Main-Linie klar herausgestellt. Glaubt man, daß der Westen und der Süden eine nationalsozialistische Diktatur ruhig hinnehmen würde? Glaubt man, daß die Gewerkschaften und die Arbeiter in den Werkstätten sich mit einem solchen Regime abfinden würden? All das, was wir im letzten Iahrzehnt erlebt haben, würde eine Kleinigkeit sein im Vergleich zu dem, was uns bei einem Hitler-Regime in den nächsten Iahren noch bevorstehen würde. Am 10. April kommt es darauf an, daß Hindenburg mit überwältigender Mehrheit gewählt wird und daß aus den Köpfen der breitesten Schichten des deutschen Volkes die nationalsozialistischen politischen Phantastereien gründlich herausgebracht werden. Ie- nachdrücklicher das geschieht, um so schneller erfolgt die deutsche Gesundung. Wir haben 1932 noch a l s ein sehr schweres Iahr vor uns. Lind in diesem Iahre gilt es nicht, das deutsche Volk auseinander-, sondern cs zusammenzureißen und damit wieder feste Grundlagen für die deutsche Zukunft zu schaffen. Hindenburg ist heute wie kein Zweiter das Symbol der deutschen Einheit. Er hat in seinem arbeitsreichen Leben den Rachwcis erbracht, daß er in schweren Stunden Gemeinschaften der verschiedensten Art zusammenzuhalten versteht, und darum muß er am 10. April mit überwältigender Mehrheit wieder Reichspräsident werden. Ein Aufruf von Beamtenverbänden. Berlin, 2. April. (WTB.) In den Spitzen» organisationen der parteipolitisch neutralen Beamtenschaft. im Deutschen Deamtenbund, war es nach dem Wahlausfall nach dem 13. März zu lebhaften Auseinandersetzungen über die Frage gekommen, ob der Bund als solcher eine Wahlparole für Hindenburg ausgeben sollte. Rachdem aus Gründen der sahungsmäßig geforderten Reutralität von einem solchen Beschluß Ab st and genommen wurde, tritt jetzt eine größere Anzahl von Fachverbänden des Deutschen Bcamtenbundcs zu einem gemeinsamen Aufruf zur Wahl Hindenburgs vor die Oeffcntlichkcit. Dieser Aufruf ist u. a. unterzeichnet vom Reichs verband der P o st - und Telegraphenbeamten, vom Verband preußischer Polizcibeamter, vom Beamten- Zentralverbond. Den der Gewerkschaft der Eis e n- bahnfahrbeamten, den Organisationen der Gendarmeriebeamten, der Weichen- st e l l e r, der Arbeitsgemeinschaft der Polizeibeamtenverbände und anderen Organisationen. — In dem Aufruf heißt es: „Es geht für die Beamtenschaft um ihre Rechte, die sie in jahrelangem Ringen sich erkämpfen mußte. Lernt aus den Vorgängen in Braunschweig, wo man den Polizeibeamten das Koolitionsrecht rücksichtslos und ohne jeden stichhaltigen Grund genommen hat." Weiter heißt es in dem Aufruf: „Hindenburg ist nicht Repräsentant einer Partei, er ist der Repräsentant des deutschen Volkes. Er ist der Kandidat aller deutschen Staatsbürger und Volksgenossen, die den inneren Frieden in Deutschland wollen. Die beispiellose Hingabe Hindenburgs für das Wohl des ganzen deutschen Volkes verpflichte vor allem die Veamtenschaft. die in einem besonderen Treueverhältnis zum Staat stehe, und nicht einer Partei verpflichtet sei. am 10. April durch die Stimmabgabe für Hindenburg ihre staatsbürgerliche Pflicht in gleicher Hingabe zu erfüllen.“ Hitlers Wahlfeldzug in Sachsen. In Dresden. Dresden, 3.April. (TU.) Die Nationalsozia- listen begannen nach Ablauf des Osterfriedens in allen Teilen des Reiches am Sonntag den Kampf um die Reichspräsidentenwahl mit großen Kundgebungen. In Dresden, Leipzig, Ehern- nitz und Plauen sprach der nationalsozialistische Führer Hitler. In Dresden sagte Hitler vor etwa 50 000 Menschen u. o. folgendes: seine Gegner hätten in den 13 Iahren ihrer Herrschaft nichts aufzuweisen vermocht, auf das sie stolz sein könnten. Deshalb könnten sie nur noch durch die Verleumdung des Nationalsozialismus für sich werben. Die Parteiherrschaft, die sich 1918 an die Stelle der Herrschaft der Monarchen gesetzt habe, habe nicht ein einziges Mal das deutsche Volk zur Einmütigkeit zusammenfassen können. Wie könne man da einer Bewegung, die dreizehneinhalb Millionen Menschen unter einem politischen Gedanken vereinigt habe, den Vorwurf machen, sie zersplittere Deutschland? Man habe gesagt, daß der Nationalsozialismus Chaos und Bürgerkrieg bedeute und Friede und Ordnung gefährdet. Wo" sei bisher etwas von Friede und Ordnung zu sehen gewesen? Hunderte von Toten und zehntausende von Verletzten habe der Nationalsozialismus geopfert. Man habe gesagt, der Nationalsozialismus bedeute Verschärfung der Klassengegensätze. In Wirklichkeit habe der Nationalsozialismus zum ersten Male seit langem Bürger, Arbeiter, Bauern, Handwerker, Kaufleute und Beamte zusammengefaßt. Man habe gesagt, Nationalsozialismus bedeute Inflation. Dies könne schon deshalb nicht sein, weil die Spezialisten der Inflation im an - deren Lager säßen. Die Angst dieser Leute vor dem Nationalsozialismus sei deshalb so groß, weil dieser seit jeher Sühne für das durch die Inflation begangene Verbrechen fordere. Der Vorwurf, der Nationalsozialismus werde die Wirtschaft zer- st ö r e n , sei deshalb nicht stichhaltig, weil die herrschenden Klassen seit 13 Iahren an dieser Zerstörung der Wirtschaft g e a r b e i t e t hätten. Der Nationalsozialismus habe den Kampf gegen das System, das alles Unheil in den letzten Jahren verschuldet habe, auf seine Fahne geschrieben. Hitler schloß mit den Worten: Man könne Nationalsozialisten töten, man könne auch ihn töten, aber kapitulieren werden weder er noch seine Bewegung. Der Kampf, den der Nationalsozialismus geführt habe, werde weitergehen bis zum Sieg. Ln Leipzig. In Leipzig sprach zunächst Prinz August Wilhelm von Preußen, der Hitler den „Führer des kommenden Deutschland" nannte. Dann ergriff Adolf Hitler das Wort, der u. a. ausführte: Die regierenden Parteien wagen heute nicht, die Aufmerksamkeit des Volkes auf das hinzulenken, was das Ergebnis ihres Schaffens sein sollte. Im Gegenteil, sie wagen zu hoffen, daß die Ration sich mit ihren Gegnern beschäftigt. Llnsere Gegner sagen, wir würden der Bürgerkrieg fein. In einem Deutschland, in dem wir herrschen, wird es keinen Bürgerkrieg geben. (Brausender Beif.) Sie sagen: Wir seien das Chaos. In einem Deutschland, das unsere Fahne trägt, werden vollste Disziplin und Ordnung Gesetz des Lebens sein. Es werden Haussuchungen bei uns durch» gesührt. Aber haben Sie je gehört, daß man einen Inflattonsverbrecher verhaftet hätte oder daß man bei ihm Haussuchung hielt, um über die inneren Gründe feines Handelns sich klar zu werden. Rein, sie lügen heute, wenn sie sich aufspielen, als Wahrer "der Interessen der Ratton. Sie . wissen, daß die Stunde kommt, in der auch über diese Verbrecher zu Gericht gesessen wird. Daß ich heute hier Herkommen und Sie bitten mußte, sich einzufinden, ist das Ergebnis der Unter- ueüdung und des Llnrechts. Sie brauchen mir nur den Rundfunk zur Verfügung zu stellen. Ich würde schon sprechen können. Ich weih aber auch, warum sie mir das verweigern: weil sie Angst und Furcht besitzen vor der Wahrheit. Sie glauben wohl, daß sie am Ende uns doch treffen können. Abcrr sie werden sich täuschen. Sie können mich knebeln, sie können unsere Zeitungen verbieten, können Flugblätter beschlagnahmen und unsere Plakate herunterreihen oder Redeverbote ausspre- chen, sie können mir den Rundfunk versagen alles können sie tun. Sie können Hunderte, sie können Tausende von uns töten, auch mich; aber kapitulieren: Riemals! Ich kämpfe in einem vder in zehn Iahren, bis Deutschlands Feinde im Innern am Boden liegen. Goebbels spricht in Frankfurt. Frankfurt a. M., 4. April. (Lpd.) Die Rattonalsozialisten eröffneten den Wahlkampf nach dem Oster-Burgfrieden mit einer stark besuchten Massenversammlung in der Festhalle. Als Redner sprach der Reichspropagandaleiter Dr. Goebbels, der u. a. ausführte, daß mit dem Iahre 1932 in Deutschland eine Machtentwicklung eingesetzt habe, die am 13. März ihren ersten drastischen Ausdruck gefunden habe, die am 10. April weiter anwachsen und am 2 4. April ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen werde. Träger dieser Entwicklung sei der Rattonalsozialismus. Die Meinung, daß auf das rasche Ansteigen ein ebenso schneller Verfall eintreten werde, sei irrig, da der Rattonalsozia-» lismus nicht aus den augenblicklichen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen geboren sei. Er sei weltanschaulich begründet, auch werde er deshalb nicht so schnell absteigen, weil sich eben die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse nicht ändern liehen, ohne daß man dem Rattonalsozialismus die Macht gebe. Wenn die Regierung feststellen wolle, ob die Opposition etwas leisten könne, so brauche sie ihr ja nur den Platz zu räumen und ihr die Macht zu geben. Der Rationalsozialismus wolle die Macht. Wenn gesagt werde, die Rationalsozialisten wollen nur Minister werden, so gebe er darauf die Antwort: nicht nur. aber auch. Das Rur-Minister-werden hätten wir einfacher haben können. Die Rationalsozialisten seien nicht verwundert über die Einstellung der übrigen Mitglieder der Harzburger Front, doch würden sie auf ihrem Standpunkt beharren: das Ziel sei nicht geändert worden, es müsse weiter angegriffen werden. Eine Erklärung des ehemaligen Kronprinzen. Berlin, 2. April. (TU.) Der ehemalige Kronprinz erläßt folgende Kundgebung: „Wahlenthal t u n g im zweiten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl ist unvereinbar mit dem Gedanken der Harzburger Front. Da ich eine geschlossene nationale Front für unbedingt notwendig halte, werde ich im zweiten Wahlgang Adolf Hitler wählen. Schloß Oels, den 1. April 1932. gez.: Wilhelm, Kronprinz." So sieht der Stimmzettel zum 2. Wahlgang aus. Neichspräsickentcnwahl Srotittr roablflang. Paul von hlnckenhurg Äeid)»präfibtnt, (3 ; §4 :s S ® ° $ * u . - m einer alten Wiener Posse» von Hans Mller. Msil von Ralvb Benahkn. Stadttheater |r Gießen -5MD ' ^Dienstag, 5. At-ni, äff/ 20 bis 22.30 Ubr S25. Vorstellung int Tienstag'Aboun. Lvntifrnvreüe. - Morgen gM's ilm des Jahres 26/3 c I -120 Silben i -160 Silben KÄS” für Anfänger -80 Silben le»,Ha® "‘"‘“Ä enabteilung^l UNS gut'. chlager-Lverette 16 Silbern fnach nieder Südsee ^eltBewnnderung Publikum als eine Lichspielkunst ge. I,pn Bildern die Ge- ^schen zwei jun- urnau.den eintra- } entrissen hat,und um auf derSüdsee- ’ohmesier, die de- nsebenrassen gehö- s ergreif end.Liebes- tandardwerken der esuch niemand ver- zschrift! dem li.AprU.ro 19 Dir, ge 43, einen .ehrgang ■zschrift für Damen und SStfÄ lg re Ps mit s. 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April 1932 Landnöten. Es ist wirklich» so, als ob auf allen Seiten ein neuer Generalangriff auf das G re nz l and de u ts ch t um in Vorbcreitung wäre: Aus Prag hören wir von Deutschen- Verfolgungen, die sich zunächst „nur“ gegen die Nationalsozialisten richten, aber doch die Tendenz zur Verallgemeinerung zeigen, und deshalb alle Deutschen angehen, in Warschau sind neue Tücken ausgeheckt worden gegen alles, was noch an Deutschen in den bis zum Kriege deutschen Gebieten sitzt. Das Dirschauer Gymnasium wird rücksichtslos geschlossen, mehr als 30 000 deutsche Kinder werden gezwungen, in polnische Schulen zu gehen: der Knebel, der Danzig abdrosseln soll, wird wieder schärfer angezogen, und die Absicht, ganz Ostpreußen bei der ersten Gelegenheit zu überschwemmen, wird kaum noch verhehlt. Am schlimmsten aber sieht es im Augenblick in Litauen aus. das geradezu zu einem europäischen Staatsloboratorium geworden ist. um der Welt zu zeigen, was alles trotz verbriefter Verträge Deutsche sich heute gefallen lassen müssen. Das Direktorium Simaitis scheint entschlossen zu sein, die kurze Frist, die ihm bis zur Neuwahl zur Verfügung gestellt ist. rücksichtslos auszu- nutzen, gewiß nicht in der Hoffnung, die deutsche Mehrheit im Landtag sprengen zu können, aber sicher in der Erwartung, daß diese störrischen Deutschen doch allmählich mürbe werden und die Zersehungsarbeiten größere Erfolge haben. Dazu soll die stärkste Memelpartei, die L a n d - wirtschaftsparlei, in die Luft gesprengt werden, dazu sollen die verkappten Litauerfreunde politisch möglichst gestützt werden, dazu sind jetzt wieder zwanzig reichsdeutsche Lehrer ausgewiescn. Die formelle Handhabe dazu ist gegeben, sachlich aber sind diese deutschen Lehrer nötig, weil deutscher Nachwuchs in Memel noch nicht vorhanden ist. ihr Verschwinden also sehr schädliche Folgen für die deutsche Schulbildung haben muß. Aber das ist ja gerade der Zweck der ilcbung. Inzwischen sitzen d i e Großmächte, die ja allmählich in ihrem Verhältnis zu Litauen eine lächerliche Figur machen, und sehen dieser Politik der Nadelstiche zu, obwohl sie noch vor wenigen Wochen in Kowno vor jeder weiteren Verschärfung der Lage gewarnt haben. Aber die litauische Regierung weiß offenbar, was sie den Signatarmächten bieten darf, sie geht über solche Ratschläge im Vertrauen auf den mächtigen französischen Schutz zur Tagesordnung über, ilnt) Deutschland wieder kann sich unmittelbar nicht elvschalten, weil es nicht zu den Unterzeichnern des Memelvertrags gehört, ilm so notwendiger aber ist doch, daß nun endlich einmal etwas geschieht. Kein Zweifel, daß die Litauer den Memelvertrag bewußt gebrochen hoben. Dazu braucht man eigentlich eine Vc- slätigung durch den Haager Gerichtshof nicht. Wenn sie aber diesen Vertrag gebrochen haben, dann ist auch die Voraussetzung hinfällig, unter der die Großmächte das Memelgebiet den Litauern überlieferten, dann mußte die logische Folge sein, daß Deutschland den Anspruch auf Rückgabe des Memellandes anmeldete. Denn schließlich muß es doch einmal ein Ende haben, daß die Deutschen nur die Rolle des europäischen Prügelknaben spielen dürfen. Im Versassungsausschuß des Oesterreichischen Nationalrates wurde kürzlich ein Antrag eingc- pracht, nach dem die Frau nicht mehr, wie bisher, automatisch die Staatsbürgerschaft des Mannes bei der Eheschließung erwirbt und sie auch nach der Scheidung nicht verliert, sondern Erwerb und Verlust der Staatsbürgerschaft bei Verehelichung und Scheidung von einer freien Willenserklärung der Frau abhängig gemacht werden soll, wie dies z. D. in Dänemark gilt. Dieser Vorgang lenkt erneut die Aufmerksamkeit auf den Stand dieser Angelegenheit im allgemeinen und besonders in Deutschland. Der Erwerb und Verlust der Staatsbürgerschaft der Frau muß naturgemäß international geregelt werden. Zurzeit besteht eine große Mannigfaltigkeit: während vor dem Weltkriege das Prinzip der gleichen Staatsangehörigkeit der Eheleute fast allgemein galt, sind im Laufe der letzten Jahre verschiedene Länder andere Wege gegangen, die der freien Persönlichkeit der Frau und ihrem nationalen Empfinden Rechnung tragen. Das Prinzip der gleichen Staatsangehörigkeit von Mann und Frau vertritt neben Deutschland noch England: gar keinen Einfluß hot die Eheschließung in dieser Hinsicht in Rußland. Andere Länder, wie die Vereinigten Staaten, Frankreich und Belgien, auch Schweden und Finnland, tragen unter gewissen Einschränkungen den Wünschen der Frauen Rechnung. Die Haager Konferenz im Frühjahr 1930 hat kein wesentliches Ergebnis für diese Frage gebracht: sie hat sich darauf beschränkt, den Staaten das Studium der Frage zu empfehlen, ob es möglich wäre, den Grundsatz der Gleichheit der Geschlechter in Fragen der Rationalität zugrunde zu legen, so daß die Nationalität der Ehefrau ohne ihre Zustimmung weder von der Eheschließung noch von einem Wechsel der Nationalität des Ehemannes berührt wird. Dies entspricht der Forderung, die von den internationalen Frauenorganisationen an die Konferenz gerichtet wurde: der Bund Deutscher Frauenvereine vertritt denselben Standpunkt und hat letzthin erneut von der deutschen Reichsregierung einen Gesetzentwurf gefordert, nach dem jede Frau das Recht besitzt, unter gleichen Voraussetzungen wie der Mann ihre Staatsangehörigkeit zu bestimmen. Ein Antrag der Deutschen Volkspartei im Reichstag fordert einen Gesetzentwurf, der den deutschen Frauen bei der Heirat mit einem Ausländer ihre Staatsangehörigkeit sichert, falls sie durch diese Eheschließung staatenlos würden, und solange sie ihren Wohnsitz in Deutschland behalten: der ferner die deutschen Frauen davor schützen soll, daß Aenderungen in der Staatsangehörigkeit des Ehemannes nach der Eheschließung gegen ihren Willen auf die zurückwir- ken. — Es wäre erwünscht, daß der Reichstag einmal die Zeit fände, sich mit dieser, durchaus nicht nebensächlichen Frage, die von nationalpolitischer Bedeutung ist, zu beschäftigen. * Auch in Frankreich machen sich jetzt die ersten Anzeichen der Arbeitslosigkeit bemerkbar, aber Frankreich ist reich. Es hat noch ungeheure Geldmittel zur Verfügung, um ein Arbeitsbeschaffungsprogramm größten Stils anzukurbeln. Die nötigen Vorbereitungen dazu find von der Regierung schon gemacht. Das wichtigste Projekt, das sich darunter befindet, ist der „Canal des deux mers", der Ge- danke eines großen Schiffahrtsweges von Bordeaux nach Marseille quer durch Frankreich hindurch, der unmittelbaren Verbindung also des Atlantischen Ozeans mit dem Mittelmeer. Etwas Aehnliches existiert schon in dem Canal du Midi, der aber jetzt schon 250 Jahre alt ist und nur für 200-TonnenSchiffe ausreicht. Was Frankreich ober jetzt bauen will, ist eine Wasserstraße, die für die größten Schiffe des Handels und der Marine ohne Schwierigkeiten befahrbar fein soll und in vierundzwanzig Stunden von Bordeaux ins Mittclmeer führt. Dos würde, in Zahlen ausgesprochen, bedeuten, daß die Fahrstraße von Hamburg nach Marseille, die über Gibraltar beinahe 4400 Kilometer beträgt, auf weniger als 2500 Kilometer schrumpft, mit einem Zeitgewinn von fast drei Tagen. Das ist bei den Kosten der Mammutschiffe, auch wenn man ziemlich hohe Kanolgebühren zugrundelegt, immerhin eine wesentliche Ersparnis. Es wäre also denkbar, daß die von den Ingenieuren aufgestellten Rentabilitätsberechnungen, die mit einer Benutzung von etwa hundert Millionen Tonnen im Jahre rechnen — gegen 400 000 im Canal du Midi — annähernd zutreffend sind und daß deswegen eine Verzinsung des auf zwei Milliarden berechneten Baukapitals erreicht wird, wenn der Kanal nach der vorgesehenen Bauzeit von sieben Jahren fertig ist. Aber diese unmittelbare Verzinsung ist für Frankreich nicht einmal dos Ausschlaggebende, man darf nicht übersehen, daß die Entwilklungsmöglichkeiten der Landwirtschaft im Süden durch die Verbesserung der Wasserverhältnisse wesentlich gesteigert werden und daß auch sonst der Kanal befruchtend auf eine bisher etwas stiefmütterlich bchandeUc Gegend einwirkt. Dazu die Hauptsache: Frankreich macht sich dadurch auch militärisch unabhängig von der Straße von Gibraltar. Es muß heute zwei Flotten unterhalten, die zusammenkommen können nur, wenn sic die Durchfahrt unter den Kanonen von Gibraltar erzwingen. Ist der Kanal fertig, dann ist die Verschiebung der Schlachtschiffe eine rein innersranzösische Angelegenheit, also unter Umständen eine unmittelbare Bedrohung Englands, das dann gezwungen wäre, feine Streitkräfte im Ozean wie im Mittelmeer zu erhöhen, weil es mit dem überraschenden Einsatz der beiden französischen Flotten an einer Stelle rechnen muß Aehnüche Erwägungen also, wie sie für Deutschland bei dem Bau des Nords ft see - Kanals maßgebend waren. Und dieser militärische Gesichtspunkt wird wohl auch für die französische Regierung ausschlaggebend sein, wenn sic dos ganze Projekt in Angriff nimmt, weil dadurch die Schlagkraft Frankreichs auch zur See mehr als verdoppelt wird. Italiens vierte Küste. Oie wirtschaftliche Entwicklung Tripolitaniens. Don unserem römischen (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Tripolis, März 1932. Don hohen Fahnenstangen wehen unter den Adlern der Legionen italienische Farben. Zum sech- ftenmal hat die Messe von Tripolis ihre Tore geöffnet. Durch farbenprächtiges Spalier lydischer Truppen vollzieht sich die Auffahrt der Gäste: ausländische Konsuln, Dcrtreter des italienischen Senats, der Kammer der Faschistischen Partei, dann der Gouverneur. Marschall Badoglio Marchese del Sabotino. Seine wuchtige Gestalt scheint sich unter dem hohen Fe- derbusch noch zu reden. An den Aermeln der Uniform heben sich sieben Abzeichen für 'Beförderung im Kriege ab. auf dem braunen Kolvnial- rod liegt die Halskette des Ordens der Heiligen Annunziata, die den Träger zum Detter des Königs erhebt. Salutschüsse künden dem Dolk, daß der Korporationsminister D o t t a i tm Namen Diktor Emanuels III. den Beginn der Messe erklärt. Cs herrscht das bunte Treiben amtlicher Eröffnungen, wie sie mit besonderem Glanz in den Kolonien gefeiert werden: dieses Gepränge soll in den Gemütern der Einheimischen die Macht der Beherrscher Widerspiegeln. Aus den hellen Dara- kanen, dem allen Arabern, Berbern und Beduinen gemeinsam langen Umwurf, reden sich Hände aller Schattierungen von braun bis schwarz zum römischen Gruß. Don den hohen Säulen der Ausstellungshalle Roms blickt die Wölfin auf das Getriebe, als wollte sie die Araber daran erinnern, daß sie hier alte Heimatrechte hat: da die Araber in den Jahren 643/44 aus Aegypten in Tripoli» tanien einfielen und die Berber unterwarfen, waren ihnen die Römer längst vorausgegangen. Rom trat das Erbe Karthagos an. das wiederum die Phönizier abgelöst hatte. Unter den Römern erreichte Tripolitanien die höchste Blüte, bis mit dem Derfall des Reiches die Van- bakn 455 auch an den afrikanischen Gestaden leichtes Spiel hatten. Aber ihre Herrschaft war von nicht langer Dauer, innere Aufstände leiteten zur Festsetzung der Byzantiner und zum Niedergang des Landes über, das den Arabern ohne erheblichen Widerstand zur Beute fiel. Die folgenden zwölfeinhalb Jahrhunderte standen im Zeichen der Kämpfe zwischen den verschiedenen Araber- und Derberstämmen, in die sich zeitweise die Normannen und die Spanier und zum Schluß die Türken cinschalteten. Jetzt herrschen hier wieder die Söhne des alten Rom, dessen ein» drucksvolle Spuren sie in Sabratha und in Leptis Magna freigelegt haben zum Deweis einer übernommenen Mission. Nach dem ersten Versuch im Jahre 1927 erhielt die „Fiera di Tripoli" 1928 feste Gestalt, und als sie das Ihre zur Festigung der gegenseitigen wirt- schaftlichen Beziehungen zwischen Italien und seinen Kolonien beigetragen hatte, wurde ihr internationaler, in der Zielrichtung interafrikanischer Charakter gegeben. Zunächst hat Tripolis allerdings wenig Aussicht, eine Bedeutung als interafrikanifcher Markt zu erringen. Die Karte und die politische Lage Afrikas sprechen dagegen, im übrigen sind die wich- v. O.-Derichterstatter. tigstcn Karawanenstraßen aus dem Innern Afrikas noch zu türkischen Zeiten nach dem Sudan und den französischen Besitzungen abgeleitet worden. Nach Abschluß der militärischen Unterwerfung Lnbiens — Marschall Badoglio sagte uns, eine militärische Frage gebe es nicht mehr — zeigen sich zwar die ersten kleinen Karawanen auch in Tripolitanien, aber es wird lange dauern, bis sie ins Gewicht fallen. Italien ist als letzte Macht in Afrika erschienen, nachdem die anderen ihre Stellungen bereits ausgebaut hatten. Eine tatsächliche wirtschaftliche Bedeutung hat die Messe daher nur für die italienischen Kolonien, vornehmlich Lybien und das Mutterland. Für die übrigen afrikanischen Länder bleibt sie im wesentlichen eine Schau. In dem kleinen Saal, in dem die Eröffnungsansprachen gehalten wurden, drangen sich die Geladenen. 'Neben General Graf Siciliaui, dem Oberbefehlshaber der Truppen, und anderen Würdenträgern sieht man den greifen Hassuna Pascha, einen Abkömmling der Cararnanli Dynastie, die von 1711 bis 1835 in Tripolis geherrscht hat, bis die Türken sie absetzten. Hassuna Pascha hatte sich schon 1890 bereiterklärt, die Besitzergreifung Iripolitaniens durch die italienischen Truppen zu fordern, falls Italien dort ebenso eine Herrschaft einfesten würde, wie die Franzosen in Tunis. Die Italiener ehren ihren alten Verbündeten jetzt vor allen anderen arabischen Größen. Der Gouverneur richtet in seiner Rede einen ausfallend herzlichen Willkommensgruß an bis Vertreter Frankreichs und spricht von Kameradschaft zwischen Tripolitanien, Tunis und Algier. In der Tat ist Frankreich der bequeme Nachbar: flüchten bewaffnete Ausständige dort über die Grenze, werden sie sofort entwaffnet. Darin arbeitet man stillschweigend Hand in Hand. Anders ist es beispielsweise in Aegypten, wo nicht nur die einheimische Presse bisher immer den Widersachern Italiens Rüdhalt bot. Zwischen den Spitzen der französischen und italienischen Kolonien bestehen gemeinsame Interessen in der Bezwingung des hin und her wandernden Gegners. Tripolitanien kann ferner an den kolonial- wirtschaftlichen Erfahrungen von Tunis und Algier teilhaben. Das ändert aber nichts daran, daß vor der Verständigung der Mutterländer noch die unerfüllten, auf dem Londoner Vertrag beruhenden kolonialen Forderungen Roms stehen, die Italien für den Eintritt in den Weltkrieg entlohnen sollten. Während England seinem ehemaligen Kriegsverbündeten ein Sluck des Iubalandes und einige Oasen an der Ostgrenze Lybiens abtrat, beschränkte sich Frankreich 1919 auf eine bescheidene Grenzberichtigung im Südwesten von Tripolis, die eine unmittelbare Verbindung zwischen Gadamas und Gat gewährleistet. Die Grenzziehung im Süden bei Borku v.nb Tibesti blieb offen. Wenn jetzt verlautet. Frankreich habe als Verständigungsgabe eine Gebietserweiterung im Süden Tripolitaniens und ferner das Mandat über Togo oder Kamerun angeboten, so wird gegen den Wert dieses Köders von italienischer Seite geltend gemacht werden. daß das in Aussicht gestellte Gebiet ohnehin 1 Italien als Rechtsnachfolgerin der Türkei gehört Weindorf am Rhein. Don Peter Bauer Der kleine Bahnhof fitzt ziemlich einsam in der schmalen Hferebcnc, aus der die beiden Schienen- paare der Bahnlinie wie vier Messer einer riesigen Schneidemaschine in der Märzsonne blitzen. Ein Muster von Eintracht und Anpassung aneinander scheint ihre gleichen Zweden dienende Schicksalsverbundenheit. Unb doch ist ihr Gleichlauf nur Schein. Aneinander vorbei geht ihr Weg. Gegensätzlich ist ihr Ziel. Sie sind extremste Antipoden. Feindlich funkeln sie sich gegenseitig an und werden nicht müde, sich die Menschen auf rasend rollenden Rädern einander abzujagen. Grollend und donnernd begegnen sich ihre Züge, in denen das eine Paar Menschen nach Norden, das andere Paar Menschen nach Süden bringt. Daneben läuft friedlich und nach beiden Richtungen offen die mit jungen Bäumen besteckte ilferftrafte einher, die aber von den Dörflern, außer Sonntags, selten begangen wird. Ihre Interessengebiete liegen hinter dem Bahnhof. wo die Gassen und Gäßchen in Kurven und Winkelzügen bergan klimmen. Die wenigsten haben Bürgersteige und dann meist so schmale, daß sich Einzelgänger vor einem durchfahrenden Auto zwar hinaufretten oder auch noch, sich seitlich vorbeischiebend, einander ausweichen,_ aber feine zwei Menschen nebeneinandergehen können. Einmal führt zwischen einer Häuserlücke einer Gasse, die sich mühsam emporschlängelt, eine steile Steinst iege aus der einen Kurve in die nächst höhere hinein, um das lange Hin und Her des Weges abzukürzen. Selten ragt eines der gleichmäßig breit und hoch gewachsenen Giebelhäuser über das zweite Stockwerk und damit über die Dächerflucht seiner Nachbarn beiderseits der Gasse hinaus. Auch die Holztore, die Haus an Haus schließen, unterscheiden sich kaum voneinander, wenn nicht gerade ihr frischer Anstrich sie wie ein neu eingefügtes Glied einer Kette heraus- leuchten läßt. Wenn es nicht eben, von einer Stallung her. nach Dung riecht und nach dem Dunst warmer Kuhleiber, wittert man die Nähe der Weinkeller. Der leichte Schwefelgeruch beizt die Lust vor den Kellerluken. An Gasthäusern ist. trotzdem das Hausgetränk aus eigenem Wingert wohl selten fehlen mag. kein Mangel. Viele Wirtschaften behaupten die Edplätze der Gassen, damit sie nicht übersehen werden können. Oft stehen vor den Eingangstüren kleine, drei- bis fünf- stufige Steintreppen, die verladender einladen, als eine Leiter im trächtigen, fruchlreifen Obst- baum. Die beiden Kirchen, die mit Kreuz und Wetterfahne hinübergrüßen zum Strom und den stolz mit gelassener Kraft ziehenden Schleppzügen und Frachtdanipfern, standen wohl einmal am Ende des Dorfes und auf seinen höchsten Punkten. Heute sind neue Gassen hinter ihnen weiter bergan geklettert und bis unmittelbar vor das horizontweite Rebengelände der Wingerte, das wie ein riesiger. terrassenförmig hinaufgestufter Weingarten die Höhe beherrscht. Er ist des Dorfes höchstes Gut und Kleinod, das die Dörfler darum mit dem Wall ihrer Häuser und den Gräben ihrer Gassen und Gäßchen gegen jede, die Ufer oft überschwemmende Hochflut geschützt und gefeit haben. Die braunen Pfähle, die in fast regelmäßiger Entfernung von einander aus einem Weinstück in der gleichen Weise aufragen wie in den Nachbarwingerten. sehen von weitem so kahl und leer aus. daß sie eher dem Tod als dein Leben errichtet scheinen. Selbst in der Nähe gleichen die noch laublosen Reben totem Astwerk, das verkraust und verkrümmt an den Stäben hängt. Erstaunlich, daß in diesen niedrigen, unscheinbaren Gewächsen die Kraft braut und brodelt, die einen ganzen Dusch großer schöner Blätter treibt und ihn mit beerenschweren, handlangen Trauben behängt. Wenn der Abendstern rötlich über den Rebenterrassen zu funkeln beginnt, weckt er Hoffnungen und Wünsche, daß sein tröstliches und verheißendes Licht Segen niederflute und holdes Behüten des Himmels. OaS Flußpferd als Haustier. Don einem jungen Flußpferd, das nach mancherlei Abenteuern in den Berliner Zoologischen Garten kam und dort ein trauriges Ende fand, erzählt ein früherer Derwaltungsbeamter in Afrika in einem Londoner Blatt. „Kommen Sie mal her, Fritz!" Diese deutschen Worte drangen durch die offene Tür meines Bureaus, ald ich Imit meinen gewöhnlichen Arbeiten beschäftigt war. Cs war mein Nachbar von jenseits der Grenze, der deutsche Derwaltungsbeamte Herr von ©lieber, der zu mir sprach: „Wie geht's? Leider muß ich plötzlich abreisen, ich bin nach Berlin berufen. Aber, Herr Resident, ich habe eine große Bitte an Sie, seien Sie doch so gut, und nehmen Sie während der Zeit mein kleines Flußpferd aus. „Fritz, kommen Sie mal her!", und herein watschelte in mein Bureau das seltsamste kleine Geschöpf und blidte forschend um sich. Fritz hatte etwa die Größe eines großen Schweines und sah auch ähnlich aus: fein Rüden war naß und glänzend. Wie mir Herr von ©lieber erklärte, kam er eben von einem Bad im Fluß, und eine der wichtigsten Anweisungen, die er mir gab, war die, daß Fritz wenigstens zweimal täglich schwimmen müsse. Der deutsche Beamte, dessen Verwaltungsgebiet an das meine angrenzle, hoffte, in wenigen Monaten zurück- zukehren, und ich fehle alles daran, um ihm meinen Pflegling gesund und munter wieder überliefern zu können. Ein kleiner Tonnenreifen wurde in ein Halsband verwandelt, und mit Hilfe eines leichten Strides wurde Fritz alltäglich feierlich zum Flußufer geleitet. Im Waller lieh man ihm die Freiheit, soweit das möglich war, und nach einer bestimmten Zeil wurde er wieder an Land gezogen. Er war darüber nicht ungehalten und marschierte nachher wieder vergnügt in fein Heim, hungrig nach der nächsten Mahlzeit. Da er täglich wuchs und immer kräftiger wurde, so hielt ich es für praktisch, ihn zu einer Arbeit zu benutzen, und so wurde er dazu verwendet, das Gartenwasser zu tragen. Zwei gefüllte Kannen wurden an seinem fetten Rüden befestigt, und während sie an ihm her- untcrbaumelten, marschierte er mit festem Schritt daher. Der Gärtner wurde durch diesen eigenartigen Gehilfen zum stolzesten Mann in ganz Afrika. Dann aber unterbrach ein trauriger Vorfall dieses Idyll. Ich besaß damals einen Bull- Terrier, den ich sehr liebte und der kein schwächeres Wesen angriff, weder ein Kind noch ein Tier. Er behandelte Fritz als Baby und tat ihm nichts. Aber eines Tages mußte er wohl durch das Flußpferd gereizt sein, denn er sprang Fritz an die Kehle und suchte sich festzubeißen. Fritz, nicht imstande, den Angreifer abzuschüt- teln, begab sich in den von ihm so geliebten Fluß, den Hund mit sich schleppend: er tauchte ausgiebig, und als er wieder emporkam, war mein geliebter Hund ertrunken. Als von ©lieber zurückkehrte, erkannte ihn Fritz zweifellos und kam nun wieder in die Obhut seines Herrn. Im August 1914 mußten von ©lieber und ich, die besten Freunde von der Welt, einander den Krieg erklären. Ich glaubte manchmal, daß eine ©treiffugel aus den Maschinengewehren, mit denen wir ©tiebers Festung beschossen, zufällig den armen Fritz treffen könnte, aber er entrann glücklich dieser Gefahr, wurde nach Europa verschifft und kam in den Berliner Zoo. Die Nahrung wurde in Deutschland knapper und knapper. Jede Maßnahme erschien notwendig, um die Hungernden von Berlin zu speisen. Fritz wurde getötet und gegessen." Erdölsuche in Süddeutschland. In Nord-Bayern ist jetzt ein wahres „Oel- fieber“ ausgebrochen, und zwar im Zusammenhänge mit den Bestrebungen der amerikanischen Industrie, hier neue Petroleumlager zu finden. Wenngleich sich die Bohrungen bisher als ergebnislos erwiesen haben, so dürfte die Hoffnung auf Erdölfunde in ©üddeutfchland doch nicht unberechtigt fein. Wie Dr. Rudolf Wager in der Frankfurter Wochenschrift „Die Amschau" ausführt. sind es in erster Linie zwei süddeutsche Landstriche, in denen Nachforschungen lohnend sein dürften: das Gebiet nördlich der Alpen und die Rheinebene zwischen Basel und Frankfurt a. M. In Oberschwaben und Oberbayern gibt es eine ganze Anzahl von Anzeichen für das Vorkommen von Petroleum. Schon im Mittelalter war das St- Quirinus - Oel von Tegernsee bekannt, das an der Erdoberfläche austritt, und wurde als Heilmittel verwendet. Auch sonst gibt es kleine Asphattlager. die aus Erdöl entstanden sind- 3m schweizerischen Teil dieses „subalpinen Erdölgebietes" hat man bei Solothurn und Aarau Spuren gefunden. 3n der Rheinebene sind besonders die Erdöle bei Pecheibronn im Elsaß schon seit 1785 bekannt, und die Ausbeutung ist jetzt unter französischer Herrschaft so gesteigert, daß 1926 mehr als 60 000 Tonnen gewonnen wurden. 3n den Spalten der Gebirge auf beiden Seiten der Rhein- ebene deuten zahlreiche kleine Asphatt-Dorkommen auf Erdöl im Untergrunö. Freilich sind noch viele Fragen durch die Wissenschaft zu klären, bevor das süddeutsche Erdölgebiet neben die norb- und mitteldeutschen Gebiete als Petrvleum- lieferant wird treten können. und von den Franzosen unberechtigterweise beseht worden sei, während Togo und Kamerun nicht von jemand vergeben werden könne, dem sie nicht nur nicht gehören, sondern der sie sogar sowieso wird wieder abgeben müssen. Aus der Rede des jungen Korporationsministers Bottai interessiert am meisten die Feststellung, das; der Handel Tripolita niens trotz der Krise seine Aufwärtsbewegung langsam fortgesetzt hat. Der Minister kann der Kolonie aber einen leichten Dorwurf vom italienischen Standpunkt nicht ersparen! Die statistischen Daten zeigen, das) in der Belieferung der Kolonie I t a- lien an Gebiet verloren hat. Im Jahre 1929 hatte Italien noch 65 v. H. der Gesamteinfuhr bestritten, im Jahre darauf erreichte es nur noch 60 v. H. In dem Augenblick, in dem, so sagte die faschistische Exzellenz, sogar durch das britische Riesenreich das Kampfgeschrei des Handelskrieges „Buy british" erschallt, könne die moralische Pflicht nicht vergessen werden, die nationale Erzeugung zu fördern. Man sieht, es gibt häusliche Sorgen... Die steigenden landwirtschaftlichen Möglichkeiten Tripolitaniens, das in jedem Artikel und jeder Rede unvermeidlich mit dem Schlagwort: „la quarta sponda“ (b i c vierte K ü st e) bezeichnet wird, haben schon vorzeitige Besorgnisse in den heimatlichen Gestaden ausgclöst und besonders Sizilien fürchtete den Wettbewerb der kolonialen Frühgemüse. Inzwischen hat es sich herausgcstellt, daß Tripolitanien mit seinen Frühkartoffeln und Tomaten zu einer Zeit auf den Markt kommt, zu der Italien noch gar nicht daran denken kann, und daß cs mit diesen Erzeugnissen sich mit Erfolg auf den europäischen Märkten durchzusehen beginnt. Die tripolitanische Tomate, die bisher nur die Konkurrenz des Liebesapfels von den Kanarischen Inseln zu fürchten hatte, mutz sich in Zukunft aber auch gegen die ägyptische Tomate zu behaupten wissen, die infolge der Krise die Stelle der Daumwollsträucher eingenommen hat. Im ganzen merkt man, daß die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, denen die bereits in höherer landwirtschaftlicher Kultur stehenden Rachbarkolo- nien ausgesetzt sind, in Tripolis weniger fühlbar werden, einmal weil die tripolitanische Wirtschaft überhaupt erst in diesen Jahren anfängt sich langsam auszubreiten, nicht zuletzt aber auch, weil die Regierung der Kolonie rechtzeitig einer überstürzten Entwickelung vorgebeugt hat. Die Messe ist im kleinen ein Spiegel der verschiedenen Wege, die bisher beschritten wurden und der Hoffnungen, die noch offenstehen. Es will scheinen, als würde ihr Erfolg größer sein, wenn sie mehr Gewicht auf den industriellen Teil legen würde. In diesem Zusammenhang kann man nur bedauern, daß Deutschland den Weg- nicht nach Tripolis gefunden hat. Deutsche Sachlichkeit mühte in der Lage sein, der aufstrebenden Kolonialwirtschaft und den Einheimischen praktische Gcbrauchsgegenstände zu bieten, an denen der deutsche Markt reich ist und die in Tripolis zum großen Teile fehlen. Erleichtert würde die deutsche Beteiligung durch die Tatsache, daß die Messe von Tripolis nicht nur eine Musterschau ist, sondern daß die Ausstellungsgegenstände, die zu herabgesetzten Zollsähenein geführt werden können, von den Kolonisten und Einheimischen durchweg gekauft werden, falls sie was taugen. Ein Rücktransport wäre daher überflüssig. Die Ausstellungsleitung dürfte eine deutsche Beteiligung um so mehr begrüßen, als jeder Wettbewerb fördert und so manche italienische Firma noch nicht verstanden hat, worum es geht. Ein Gang durch das weite, bequem und geschmackvoll angelegte Gebiet der Ausstellüng genügt, um den Ausstieg zu ermessen, der in zäher Arbeit von Jahren erzielt wurde. Don ausländischen Kolonialmächten sind Belgien und Frankreich mit einer Propagandaschau vertreten. In dem französischen Pavillon stockt der Fuß des deutschen Beschauers da, wo Togo und Kamerun unter der Trikolore erscheinen. Am Freitag und Samstag, dem arabischen und jüdischen Feiertag, füllt sich die Fiera besonders mit Einheimischen und wird so Mittlerin zwischen europäischer und afrikanischer Kultur. 9J4.-$pOr kombinierten Mannschaft von Gießen und Wetzlar gegen die Polizei Butzbach blieben die Polizisten auf ihrem eigenen Platz mit 11:3 Toren siegreich. DieTischtennisabteilung der Spielvereinigung 1 900 schlug in einem Klubkampf die Mannschaft von „Rot-Weitz" Friedberg mit 11:7 Punkten. • Weitere Opferspielergebnisse in Hessen-Hannover. Städtemannschaft Kassel — Borussia Fulda 3:2 (2:1); Germania Fulda/ Horas — Kassel B 3:3 (2:2); Göttingen 05 - SC. Grone 3:1 (2:1). Westdeutsche Waldlauf Meisterschaft. Als erster Landesverband der Deutschen Sportbehörde trug am Sonntag der Westdeutsche Spiel- Verband seine Meisterschaft in Duisburg aus. Die Strecke der Meisterklasse bestand aus einer Rundstrecke von 5 Kilometer, die zweimal zu durchlaufen war. Hier siegte der erst kürzlich von der Deutschen Turnerschaft zur DSV. übergetretene Hammer (Kelm) in 31:58 vor Ballig (Odenkirchen) und O b e l o d e (Wissen). Die Mannschaftsmeisterschaft gewann der VfB. Remscheid mit 31 Punkten * 21m Waldlauf des Westdeutschen Spielverban- des beteiligten sich in der Seniorenklasse (11,8 Kilometer) auch einige Leichtathleten der S P i e l - Vereinigung 190 0, allerdings ohne besondere Erfolge zu erzielen. Gerhardt kam auf dem 6.Platz ein und Schaaf passierte als 11. das Ziel. Peters folgt in größerem Abstand. Die süddeutschen Endspiele. Weitere Entscheidungen. Je mehr es den Entscheidungen in den süddeutschen Fußballkämpfen zugeht, desto mehr fallen die schon traditionell gewordenen Ueberraschungen in die Waagschale. Ein Lied kann an diesem Sonntag davon in der Abteilung R o r d w e st der suddeutschen Endspiele der SV. Waldhof singen, der mit einem l:1-Ergebnis gegen den VfL. Neckarau seine Aussichten auf den zweiten Platz schwinden sah. Dies ist um so mehr der Fall, da sein Rivale der FSV. Frankfurt mit einem überraschenden 2:0« Sieg gegen Eintracht Frankfurt zwei wertvolle Punkte einheimste. Da auch Wormatia Worms auf eigenem Platze den FK. Pirmasens mit 3:0 (1:0) abfertigte, liegt jetzt die Entscheidung um den zwei« ten Platz zwischen Wormatia Worms und FSV. 05 in Saarbrücken vom FV. Saarbrücken 5:2 geschlagen wurde, ist für die ersten Tabellenplätze ohne Belang. In der Abteilung Südost ist nunmehr die SpDg. Furth mit ihrer 3:0«Niederlage durch München 1860 endgültig aus dem Rennen um dis ersten Plätze geworfen worden. Der Endkampf geht jetzt zwischen dem 1. FC. Nürnberg, Bayern München und dem Karlsruher FV. ein. Der „Club" triumphierte mit einem 5:1 ° Ergebnis über den KFV. Pforzheim fertigte Rastatt 7:0 ab. Die Pokalkämpfe. In den vier Bezirken stehen nunmehr die Pokalsieger fest, nachdem Main-Hessen als erster Bezirk bereits vor acht Tagen Union Niederrad als ersten Pokalmeister melden konnte. Im Bezirk Rhein-Saar gewann Amicitia Viernheim, holte sich mit einem 6:1-Sieg gegen die Saarbrücker Sportfreunde den Titel. Sehr knapp fiel die Entscheidung im Bayern- Bezirk aus, wo Teutonia München Wacker München 4:2 schlug. Die Entscheidung im Bezirk Württemberg-Baden fiel zugunsten der Stuttgarter Kickers, da Germania Brötzingen gegen Mühlburg mit einem Remis von 1:1 einen wertvollen Punkt einbüßte. Die vier Pokalsieger ermitteln jetzt den Pokalsieger des süddeutschen Verbandes. Der Verbands-Pokal- fieger kämpft dann mit den beiden Zweiten der Abteilungen Südost und Nordwest um die dritte süddeutsche Vertreterstelle bei den Endspielen um die deutsche Fußballmeisterschaft. Westdeutschlands Hockey-Damen geschlagen. Holland siegt mit 1:0 (0:0). Westdeutschlands Hockey-Damen trugen an diesem Sonntag in Arnheim ein Spiel gegen eine holländische Auswahl-Mannschaft aus. Mit 1:0 (0:0) mußten sich die deutschen Spielerinnen durch die technisch überlegenen Holländerinnen geschlagen geben. Die westdeutsche Vertretung hatte ihre Stärke in der Derteidigung, die sich überragend schlug. Erst in den Schlußminuten fiel aus einem Gedränge heraus der siegbringende Treffer für die holländische Elf. Geräteturnen in Großen-Linden. To. 1846 Gießen siegt im Mannschaftskampf. Bei dem gestern in Großen-Linden vor zahlreichen Zuschauern stattgefundenen Geräte- Wettkamps, über den noch ausführlicher berichtet werden wird, siegte die Mannschaft des To. 1846 Gießen mit 483 Punkten vor den ebenbürtigen Mannschaften von To. Großen-Linden (466j P.) und T. u.Sp. Marburg (461 P.). Als beste Einzelturner erwiesen sich: R. Seth, Tv. Großen-Lin- den, 88 P.; K. Reuter, Tv. 1846 Gießen, 81 P.; K. Schick, Tv. 1846 Gießen, 79$ P. Neue Staffelrekorde im Schwimmen. Im Düsseldorfer Stadtbad unternahmen einige westdeutsche Vereine offizielle Rekordversuche, bei denen zwei neue deutsche Bestleistungen für Staffeln aufgestellt wurden. „Poseidon" Köln schwamm Rekord über 4 mal 200 Meter Crawl mit 9:48,4. In einer Schwellstaffel (50, 100, 200, 100, 50 Me- ter) stellte „Sparta" Köln mit 5:28,6 Minuten ebenfalls einen neuen deutschen Rekord auf. Kurze Sportnotizen. Der deutsche Rekordmann Syring- Wittenberg ist an Rierenblutungen neu erkrankt. Mit dem Start Syrings in Los Angeles ist kaum noch zu rechnen. * In Paris kam die Fußballelf der Stuttgarter Kickers zu einem glänzenden Erfolg, die Schwaben schlugen C. A Paris mit 6:1 (2:1) Treffern. Der DsR. Mannheim wurde durch einen 8:4- (5:3) Sieg über Schwanheim Handballmeister der Abteilung West. Die Mannheimer nehmen also an der Deutschen Handballmeisterschaft teil und bestreiten mit dem Ost-Meister Sp. Dg. Fürth das Endspiel um die süddeutsche Handballmeisterschaft. * 1. FC. Dürnberg und Eintracht Frankfurt bestreiten das Endspiel um die süddeutsche Hand- ballmeisterschaft der Damen. * Hertha/DSC. und Bayern München lieferten sich in Berlin vor einer großen Zuschauermenge einen packenden Kampf, der mit 4:4 unentschieden endete. Bei der Pause lagen die Bayern, die technisch besser waren, mit 3:2 Treffern in Führung. Wirtschaft. Der Reichsbankstaius Ende März. Berlin, 2. April. Rach dem Ausweis der Reichsbank vom 31. März hat sich in der älltimowoche die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 253,5 Millionen Mark auf 3969,5 Millionen Mark erhöht. Im einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und Schecks um 59,9 Millionen auf 3258,5 Millionen Mark, die Bestände an Reichsschatzwechseln um 38,6 Millionen auf 59,4 Millionen Mark und die Lombardbestände um 155,0 Millionen auf 289,9 Millionen Mark zugenommen. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 232,2 Millionen Mark in den Verkehr abgeflosfen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 225,2 Millionen auf 4231,1 Millionen Mark, derjenige an Rentenbankscheinen um 7,0 Millionen auf 411,4 Millionen Mark erhöht. Dementsprechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 15,7 Millionen Mark ermäßigt. Die fremden Gelder zeigen mit 577,7 Millionen eine Zunahme um 86,2 Millionen Mark. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen haben sich um 1,2 Millionen auf 1020,5 Millionen Mark erhöht. Im einzelnen haben die Goldbestände um 1,6 Millionen auf 878,7 Millionen Mark zugenommen, und die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 0,4 Millionen auf 141,8 Millionen Mark abgenommen. Die Deckung der Roten durch Gold und deckungsfähige Devisen beträgt 24,1 Prozent gegen 25,4 Prozent in der Vorwoche. Wochenbericht öom Frankfurter Schlachtviebmarkt. Die Preise am Frankfurter Schlachtviehmarkt blieben im allgemeinen ziemlich unverändert, vereinzelt konnten sich neue Besserungen durchsetzen. Am Rindermarkt wurde der Auftrieb von 1097 Stück (gegen 1683 in der Vorwoche) nach ruhigem Geschäftsgang ausverkauft. Die Preise für Ochsen und Dullen blieben behauptet, Kühe ließen 1 Mk. nach, Färsen zogen im gleichen Ausmaß an. Am Schafmarkt setzte sich bei Beginn des Marktes für Weidemastfchafe eine Erhöhung um 3 Mark durch, die jedoch später nicht behauptet blieb. Gegen die Vorwoche ergaben sich noch Rach- lässe von etwa 1 Mk. Der Auftrieb von 137 Stück wurde ausverkaust. Die Beschickung des Schweinemarktes war mit 4406 (6779) Stück erheblich geringer. Trotzdem war der Handel schleppend, so daß Ueberstand verblieb. Die Preise konnten sich aber um 1 bis 2 Mk. befestigen. Im einzelnen notierten per Zentner Lebendgewicht in Mk.: Ochsen al) 30—34, a2) 25—29, bl) 20-24. Bullen a) 25-30, b) 20-24. Kühe a) 24-26, b) 20-23, c) 15-19. Färsen a) 30-34, b) 25-29, c) 20-24. Kälber b) 42-46, c) 36-41, d) 32—35. Schafe a) 29 —32, b) 24—28. Schweine b) 40—43, c) 40-43, d) 38-41, e) 36-40; Sauen 32-36. * Die Großhandelsindexziffer. Die vom Statistischen Reichsamt für den 30. März berechnete Großhandelsindexziffer ist mit 99,3 gegenüber der Vorwoche mit 0,2 v. H. leicht zurück- gegangen. Die Indexziffern der Hauptgruppen lauten: Agrarstoffe 95,8 (— 0,1 v. H.), Kolonialwaren 88,8 (+ 0,2 v. H.), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 90,2 (— 0,2), industrielle Fertigwaren 120,1 (— 0,2), Produktionsmittel 119,6 (119,6) und Kon- fumgüter 120,5 (121,0). Frankfurt fast durchweg schwächer! Frankfurt a.M., 4. April. (WTB. Draht- meldung.) Tendenz: schwach. — Die Börse eröffnete zu Beginn der neuen Woche in schwächerer Tendenz. Verstimmend wirkte in erster Linie der unbefriedigende Verlauf der Reuyorker Samstag- börfe. sodann die neue erhebliche, Schwäche der Svenskaaktie. Cs bestand große Zurückhaltung, zumal die neue Woche vor der entscheidenden Wahl der Reichspräsidentschaft steht. Die Spekulation bekundete nur geringe älnternehmungslust und das herauskommende, zum Teil nicht unerhebliche Material fand nur schwer Unterfunft. Gegen die letzten etwas freundlicheren Schlußkurse vom Samstag betrugen die Verluste überwiegend 1 bis 2 Prozent. Eine Ausnahme bildete nur der Montanmarkt, an dem Gelsenkirchen auf das Wiederaufleben der alten Käufe im Verlaufe bis zu 3 Prozent anzogen und die übrigen Papiere gut behauptet waren. Sehr schwach lagen Svenska, die 8 Wk. einbüßten. Don Chemiewerten setzten IG.-Chemie Basel ihre Abwärtsbewegung um weitere 4 Prozent fort. JG.-Far- ben-2ndustrie verloren fast 2 Prozent, Scheideanstalt blieben dagegen gut gehalten. Am Elektromarkt lagen Siemens und Licht und Kraft matt und bis zu 2 Prozent niedriger. Rebenwerte dieses Marktes gaben bis zu 1 Prozent nach. Reichsbankanteile schwächten sich um 1,5 Prozent ab, private Bankaktien lagen ziemlich unverändert. Die Rebenmärkte waren vernachlässigt, jedoch ebenfalls überwiegend abgeschwächt. Am Rentenmarkt konnten sich Reichsbahnvorzugsaktien und Reichsschuldbuchforderungen etwa 0,5 Prozent befestigen. Reichsaltbesitz blieben behauptet. Gold- und Liquidationspfandbriefe lagen still und wenig verändert. JG.-Farben-Bonds gaben 1 Prozent nach. Im Verlaufe ging das an und für sich schon kleine Geschäft auf ein Minimum zurück. Die Tendenz war weiterhin schwach, zumal Ge- rächte von einer Insolvenz in der Berliner Textilindustrie auf die Stimmung drückte. Die Kurse schwächten sich um weitere 0,5 bis 1 Prozent ab. Auch Gelsenkirchen gaben 1,5 Prozent ihres Gewinnes her. Am Geldmarkt war die Lage leicht, Tagesgeld 5,75 nach 6 Prozent. Unsicherheit — Abschwächungen. Berlin, 4. April. (WTB. Funkspruch.) Die seit gestern wieder verstärlt einsehende Waylpro- paganda beeinflußt das Börsengeschäft ungünstig. Da es außer den schwachen Auslandbörsen sonst leine bemerkenswerten Momente gab, beschäftigte man sich zu Beginn des heutigen Verkehrs nur mit den Wahlaussichten und mit den Auswirkungen der am Samstag eingetragenen Fusion Dresdner-Danat-Bank. Man diskutierte die hier, durch an der Börse entstandenen Personalveränderungen. Die Umfaßtätigfcit war heute im allgemeinen sehr gering. Selbst auf den Hauptmärkten hielt sich die Spekulation zurück. Eine gewisse Stütze hob die Tendenz zu abermaliger Ermäßigung des Privatdiskontsatzes um 0,31 auf 5,5 Prozent in der Mitte, doch war das Geschäft als solches viel zu klein, als daß es in den Kursen hätte zum Ausdruck (onunen können. Die einzeigen wurden etwas fester genannt, Deutsche Bankaktien lagen vollkommen unverändert, Schiss- sahrtsaktien neigten leicht zur Schwäche, Kunstseide- und Glektropapiere hatten gut behauptete Kurse, Montane waren etwas lebhafter, aber auch nicht ganz preishaltend, Chade und Sven- ska büßten je 2 Mark ein. Hygiene konnten sich nach den Abschwächungen der letzten Tage um 2 Prozent erholen. Im Verlaufe traten Abschwächungen ein, da ein weiterer Rückgang der Svenskaaktten um etwa 5 Mark verstimmte. Auch Charlottenburger Wasser und 2G.-Farben waren etwas stärker gedrückt. Man brachte das mit Exekutionen in Zusammenhang. 2G.-Chemie, Basel, setzten ihre Abwärtsbewegung ebenfalls um etwa 4 Proz. fort, während andererseits am Montanmarkt in Gelsenkirchen etwas Rachfrage bestand. Hiervon wurden die übrigen Montanwerte etwas beeinflußt. Ein Grund für diese schwächere Grundstimmung war einmal die bekanntgewordene Zahlungseinstellung des Berliner Modehauses Hermann Gerson, wesentlich zu der auf allen Märkten bestehenden Unternehmungslust trugen aber auch die Befürchtungen bet, die schon am Samstag das Geschäft hemmten, nämlich die zu erwartenden Beschränkungen im Effektenhandel mit dem Ausland. Auch am Anlagemarkt entwickelte sich nur sehr zögernd Geschäft. Reichsschuldbuchforderun- nen Märkte zeigten nur wenig Veränderung. Anleihen lagen behauptet, von Ausländern waren Anatolier fast 1 Proz. schwächer, während Goldpfandbriefe nur zum Teil bis 0,25 Prozent niedriger lagen. Am Geldmarkt war die Situation, wie schon aus der Ermäßigung des Privatdiskontsahes hervorgeht, leichter; der Tagesgeldsatz stellte sich auf 6,5 Prozent und darüber. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 4. April. An der Frankfurter Getreidebörse war das Geschäft zum Wochenbeginn zwar sehr ruhig, die Stim- mung jedoch eher weiter fester. Maßgebend für die feste Haltung am Weizenmarkt war das geringe Angebot und die bessere Rachfrage der Mühlen für Lokoware. 2n Roggen war das Geschäft ruhig. Am Mehlmarkt hat Weizenmehl von der besseren Marktlage der Vorwoche merklich eingebüßt und das Geschäft blieb heute schleppend. Roggenmehl tag sehr ruhig. Am Futtermittelmarkt konnten ölhaltige Futterartikel ihre Stimmung beibehalten, denn hier^hemmt die Devisenverordnung fast jegliches Geschäft mit dem Auslände. Hafer und Gerste verzeichneten stetige Tendenz. Es wurden notiert: Weizen 260—261,50, Roggen 225, Sommergerste für Drauzwecke 190—200, Hafer 162,50—170, Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, mit Austauschweizen 39—39,85, Sondermahlung 37,25—38,10, Weizenmehl, Niederrhein., mit Austauschweizen 39—39,65, Sondermahlung 37,25-37,85, Roggenmehl 29,50—30,50, Weizenkleie 10,40, Roggenkleie 11, Erbsen 26—35, Linsen 24—52, Heu 5,00—5,25, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt, 4,50—4,75, Treber, getrocknet, 12,50 bis 12,75. Tendenz: fester. 2ndustriekartoffeln, hiesiger Gegend per 50 Kilogramm 3,25—3,30, bei Waggonbezug. Tendenz: ruhig. Frankfurter Eiermarkt. Deal enmarkl Berlin — Frankfurt a 2H. 2. April 4. April Amtliche Jiotierunq Amtliche Dotierung Meld »riet Geld I Brief Cellhtflfoil . 7,243 7,257 7,243 7.257 toten. . . 49,95 50,05 49.95 50,05 Prag . . . 12,465 12,485 12,465 12,485 Budapeg . . 56,94 57,06 56,94 57,06 Sofia . . . 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland . . 170,23 170,57 170,28 170,62 colo.... 83,87 84,03 83,12 83,28 fiopenbagen. 87,66 87,84 87,01 87,19 Stockholm 85,76 85,94 85,41 85,59 London. 15,96 16.00 15,83 15.87 Buenos Aires 1,068 1,072 1,068 1,072 Nennorl 4,209 4,217 4.209 4,217 Ötüffcl . . . 58,84 58,96 58,84 58,96 Stalien . . . 21,80 21,84 21,76 21,80 Parts . . . 16,57 16,61 16,57 16,61 Schweiz . . 81,77 81,93 81,82 81,98 Spanien . . 31,97 32,03 31,92 31,98 Danzig . . 82,47 82,63 82,47 82.63 Japan . . . 1,389 1,391 1,389 1,391 Riv de Ian.. 0,256 0,258 0,256 0,258 Jugoslawien. 7,413 7,42? 7,413 7,427 Liiiahon 14.49 14,51 14,39 14,41 Frankfurt a.M., 2.April. Nachdem kurz vor den Feiertagen eine leichte Belebung des Geschäftes zu verzeichnen war, gestaltete sich der Absatz in der abgelaufenen Woche sehr schleppend, obwohl die Preise erneut um 1 Pf. herabgesetzt wurden. Es notierten in Pf. per Stück ab loco Frankfurt a. M.: Bulgaren bis 6, Jugoslawen 5,60 bis 5,80, Rumänen 5,60 bis 5,80, Holländer 6 bis 7, Dänen 6 bis 7J, Flandern 6 bis 6}, deutsche Landeier 5,60 bis 6, deutsche Frischeier 5f bis 1\. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 4. April. Auftrieb: Rinder 1260 Stück; darunter Ochsen 291, Dullen 121, Kühe 443, Färsen 356. Kälber 514, Schafe 69, Schweine 4503. Es wurden notiert: Ochsen, vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts: 1. jüngere 31—35, 2. ältere 26—30, sonstige voll- fleischige, jüngere, 22—25; Bullen, jüngere, voll- fleischige, höchsten Schlachtwerts, 25—30, fonnige vollfleischige oder ausgemästete 20—24; Kühe, jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 25 bis 27; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 21 bis 24, fleischige 17—20; Färsen (Kalbinnen, Jung- rinder), vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 31—35, vollfleischige 26—30, fleischige 22—25. Kälber, beste Mast- und Saugkälber 40—45, mittlere Mast- und Saugkälber 36 bis 39, geringe Kälber 30—35. Schweine, voll- fleischige Schweine von zirka 240 bis 300 Pfd. Lebendgewicht 39—42, desgl. von zirka 200 bis 240 Pfd. Lebendgewicht 39—42, desgl. von zirka 160 bis 200 Pfd. Lebendgewicht 37—42, fleischige Schweine von zirka 120 bis 160 Pfd. Lebendgewicht 34-—39; Sauen 30—35. Marktverlauf: Rinder und Schweine ruhig, ausverkauft. Kälber und Schafe mittelmäßig — geräumt. Brieskaften der Redaktion. (Rcchtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftlettung.) W. HL, Garbenteich. Bei Personen, die im Haushalt oder Betriebe eines anderen eine Arbeitskraft ersetzen, ist der Wert der freien Station zu den Einkünften zu rechnen. Da dieser über 500 RM. ist, be- steht die Steuerpflicht. 7.413 } 7.413 I 14,39 Ziermarkt. 7.243 49,95 12,465 56,94 3.057 170,26 83.12 87,01 85.41 15,83 1.068 4,209 58,84 21,76 16,57 81,82 31,92 82.47 1,389 0,256 7,257 50,05 12,485 57,06 3.063 170,62 83,28 87,19 85,59 15,87 1,072 4,217 58.96 21.80 16,61 81,93 31,98 82,63 1,391 0,258 7,427 14,41 Iprtl Nachdem kMvor Belebung des^M le sich der W °tz m d jchleppenb, obwohl die irobgelW * -XfbU'» jiutlfr Landeier 5,60 'bis IV lchtviehmartt. »nl Wi«b: ffl" Mr *30, Wft SLs icnS*2Siibi6 -er ousg^' ~ « len höchsten llslojch'^ Saug' "l. W” ’ l‘* H«; Ä fKifW jfsäjs** jung' hi. inl M Perlonea-^^eitskrast 4M! Jloiitnrnj M I »riet M KK u« utu 2 «k t. latlottJ£Um ettoa etzten jJJSjnnen, } Biederkleen. 2. April. Lehrer Quenzer ist, nachdem er über 30 Jahre an der hiesigen Schule segensreich gewirkt hat. auf Grund des Altersgrenzegesehes in den Ruhestand getreten. Die Verwaltung der dadurch freigewordenen Lehrerstelle an der hiesigen Volksschule ist dem Schulamtsbewerber Hermann Bergheimer aus Frankfurt a. M. übertragen worden. Evangelischer Jürsorgeverband für Hessen. WSB. Frankfurts. M.. 2. April. Die dies« jährige Hauptversammlung des Evangelischen Fürsorgeverbandes für Hessen (Verband der evangelischen Vereine und Anstalten für Fürsorgeerziehung in Hessen) fand dieser Tage hier statt. Aus dem Jahres- bericht des Landesjugendpfarrers Lic. v. d. A u gina hervor, daß im Berichtsjahr 1049 Zöglinge betreut wurden, während sich in den Anstalten zur Zeit insgesamt 136 Pfleglinge befinden. 2n den beiden Zufluchten Darmstadt und Gießen fanden insgesamt 987 Mädchen und Frauen an 11 258 Pslcgetagen Aufnahme. Infolge der wirtschaftlichen Lage befinden sich vor allen Dingen Me Anstalten für männliche Jugendliche in besonders schwieriger Lage. Es ist beabsichtigt, die Aumühle erzieherisch und wirtschaftlich auf eine neue Grundlage zu stellen, und es steht zu erwarten, daß sich die Aufrechterhaltung dieser bewährten Arbeit ermöglichen läßt. Eine lebhafte Aussprache schloß sich an den Jahresbericht am Den Mittelpunkt der Veranstaltung bildete der fesselnde Vortrag von Pastor Dr. K l e h m a n n über ..Praktische Verwirklichung psychologischer und pädagogischer Erkenntnisse für die Fürsorgeerziehungsarbeit". der außerordentlich viel Anregung bot. In der Vertreterversammlung der Geschäftsführer der Dekanatserziehungsvereine hielt Pfarrer Elotz, Frischborn, einen Vortrag über „Die Arbeit der Dekanatserziehungsvereine"« Büchertisch. — Karsthans: DieBauernmarfchic- r en. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i O. (Broschiert 4,80, Leinenband 5,80 Mark.) Zu beziehen durch jede Buchhandlung. (567) — Dreihunderttausend Dauern standen 1525 unter den Waffen, die größte Revolutionsarmee, die Deutschland gesehen. Dreihunderttausend arme ' Kunze warfen in letzter Minute für das Selbstverständliche. das Größte: „ein freies Volk auf freiem Grunde" ihre Seelen und Leiber gegen Fuggergeld, Fürstenschwert und römisches Recht in tne Bresche. Unbewußt, unklar, aber in der Ahnung, daß die Ration verkommen müsse, wenn Blut und Scholle, zerstört würde. Das in flüssigen. bewegten, Skizzen geschriebene Buch zeigt vor allem das Ehaotische auf, das die Menschen und Geschehnisse jener Tage schüttelte und gibt damit einen Spiegel für die Wirrnis des Heute, die uns alle vor dem Bähen der großen Entscheidung befallen hat. — Hanns Heinz Ewers: Reiter in deutscher Bacht. Roman. In Ganzleinenband 5,80 Mk. I. G. Eottasche Buchhandlung Bachfolger, Stuttgart und Berlin. (48.) — Dis ins tiefste aufgerüttelt von deutscher Bot. setzt Hanns Heinz Ewers in meisterlicher DarstellungS- kunst ein leuchtendes Flammenzeichen jener geopferten Kriegsjugend, die im Jammer des allgemeinen Zusammenbruchs sich nicht auf den bequemen Boden der Tatsachen zu stellen wußte, sondern unter Einsetzung von Leib und Leben der Zersetzung des Vaterlandes zu wehren suchte. Das nationale Ringen der Bachkriegszeit wird in der Gestaltung von Ewers lebendig. Bicht nur dort, wo er rheinische Menschen in die rheinische Landschaft stellt, sondern auch, wenn er die Kämpfe der Freikorpsführer im Daltenland, in Oberschlesien, in der Pfalz schildert, oder wenn er in die Atmosphäre der Berliner Gerichtssäle führt. Wie hier der Zeitraum von 1919 bis 1931 mit seiner Fülle von Geschehen in ein Kolossalgemälde gebannt wird: das erreicht dramatische Höhepunkte von größter Eindringlichkeit. (Schluß bee redaktionellen Teils.) Darum werde ich so leicht müde? Da sitzt man und soll arbeiten — und plötzlich kommt man sich so rätselhaft abgespannt und matt vor ... Was ist das bloß? Muß das fein? Kann man sich das leisten?! Natürlich kann diese Müdigkeit viele Ursachen haben. Oft liegt sie aber einfach daran, daß es Körper und Nerven an Kraft fehlt. Versuchen Sie es also einmal mit einer richtigen Kraftzufuhr, trinken Sie zum Frühstück Ovomaltine. Sie merken sofort, daß Ovomaltine etwas besonders Gutes ist. Sie enthält nur die wertvollen Bestandteile von Malz — Milch — Eiern und Kakao und schmeckt in Milch, Kaffee oder Tee gelöst vorzüglich. Schon mit einer Dose zu NM. 1,15 aus der nächsten Apotheke oder Drogerie können Sie einen Versuch machen. Wollen Sie aber erst eine kostenlose Ge» schmacksprobe, so erhalten Sie diese von Dr. A. Dander G. m. b. H., Abl. 79 Osthofen (Rheinhessen). 2637V Jfaut- SWege Bekanntmachung. Alle noch rückständigen Rechnungen über ausgeführte Arbeiten und Lieferungen für die Betriebe des Städtischen Tiefbauamte» während der Zeit vom 1. April 1931 bis 31. März 1932 sind spätestens bis zum 1. Mai 1932 in doppelter Ausfertigung unter Beifügung der Bestellscheine an das Städtische Tiefbauamt, Asterweg 27, einzureichen. 2619C Gießen, den 1. April 1932. Städtisches Tiefbauamt. I. D.: Braubach. Der vom csememoerar ourajoeratene Voranschlag für 1932 Ni. liegt vom 4. April 1932 ab eine Woche auf dem Amtszimmer des Bürgermeisters zur Einsicht offen. Einwendungen können während dieser Zeit schriftlich ober zu Protokoll vorgebracht werden. 2638L) Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Eberstadt, den 2. April 1932. Hessische Bürgermeisterei Eberstadt. G ö r l a ch. Offenti. Kundgebung Dienstag, den 5. April, abends 8,30, im Caf6 Leib 02076 Redner: Reg.-Rat Dr. Müller, M. d. L., Alsfeld | Kaufgesuche"] Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei I lEmp(ehlun«enl Beercnobsthoch- stamme .. , Beerenobststrauw. Himbeersträucher Nosenbochstämme Schlingrosen Trauerrosenhochstämme 0*76 Cr-blc Glieder Mandclsträncher empfiehlt zu. zeitgemäßen Preisen m best. Beschaffenheit Wamllien- 60115 mit Garten, zu kaufen gesucht.Schriftl. Angebote, u. 2633D an den Gieß. Anz. Thema: Der Beamte im Nationalsozialist. Staat Gärtnerei Dönges Unkostenbeitrag 50 Pf. Erwerbslose u. Kriegsverl. 20 Pf._______ Konkursverfahren. Das Konkursverfahren über das Vermögen der Gewerkschaft „vorwärts" in Gießen wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben. Gießen, den 21. März 1932. 2624V Hessisches Amtsgericht. Holzsubmission. Die Gemeinde Rullershausen verkauft im Wege schriftlichen Angebots folgende Holzsortimente: Fichlenslämme. 29 Stück la-Klasse, 4,49 fm 25 „ lb= „ 8,41 „ 20 „ 2a- „ 13,71 „ 6 „ 2b- „ 6,68 „ 1 „ 3a- „ 1,61 „ 1 „ 3d- „ 1,40 „ Angebote pro Festmeter sind, getrennt nach Sortiment und Klassen, mit der Aufschrift „Holzsubmission" bis Freitag, den 8 April 1932, nachmittags 3 Uhr, bei der unterzeichneten Bürgermeisterei einzureichen, woselbst die Bedingungen vorher eingesehen werden können. Das Holz ist ohne Rinde gemessen und entrindet. Ruttershausen, den 2. April 1932. Hessische Bürge^meisterei^Ruttershachen^ Ortsgruppe Gießen. Ingenieur- SeÄtaES D Schule Elg. Lehrwerkstätten Maschinenbau, eee - Elektrotechnik, G I |T8 Autoinobilbau » ■ »>> Vergleichsverfahren. lieber das Vermögen des Otto Dingel sen., Möbelwerkstätten in Gießen, kaplansgaffe 7, ist am 1. April 1932, 10 Uhr, das Vergleichsverfahren zur Ab- Wendung des Konkurses eröffnet worden Gleichzeitig ist an den Schuldner ein allgemeines Veräußerungsverbot erlaßen worden. 2632D Der Geschäftsführer Hermann Kirchner in Gießen, Am Nahrungsberg 16, ist zur Vertrauensperson ernannt. Termin zur Verhandlung über den Der- 9ÖÄ &pnt 1932, 9 IM vor dem Amtsgericht in Gießen, Zimmer Nr. 201, anberaumt. Der Antrag auf Eröffnung des Verfahrens nebst feinen Anlagen und das Ergebnis der weiteren Ermittlungen sind auf der Geschäftsstelle zur Einsicht der Beteiligten niedergelegt. Gießen, den 1. April 1932. Geschäftsstelle hessischen Amtsgerichts. Gießen, Marburg. Str. «7. Tel. 2321. Herrfdiafts- gärtner stellenlos, empfiehlt sich im Schneiden vonBäumenemschl. Gartenarbeiten, nm E. Bachmann Lieblgstra6e15,Seitenbau | Verkäufe | 8/40 Wanderer Sportwagen Viersitzer, in gutem Zustand, günstig zu verkaufen. Schrift!. Angebote unter 2606V an den Gießener Anzeiger. Fenster für Neubauten 90X1/45 95X1,55 billig abzugeben. Mheres Damm- straße 27. 01914 VMAlklZkMIMliW Vornan von 3- Gchneider-Foerstl. Urheber-Rechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau. 18. Fortsetzung. Nachdruck verboten I Als er nach Hause kam, ging es auf sechs illjr. Kaum hatte er den Kopf in die Kissen gelegt. ritz ihn das Telephon schon wieder hoch. „Du, Swensen?" 3m Schlafanzug über den Schreibtisch gebeugt, horchte er aus die Stimme des Freundes. ..Hast du meine Grütze bestellt?" „Gewiß, mein Lieber!" „Was bat sie gesagt?" ..Datz du sie dir ein andermal sparen sollst!" „Nein!" gellte es ihm in die Ohren. „Doch, mein Lieber! — — Es tut mir leid, Fred! Aber sie bat wortwörtlich so gesagt." Er glaubte ein Aufschluchzen zu hören und suchte zu besänftigen. ..Wir haben eine schwere Operation hinter uns, und sie ist reichlich aufgeregt gewesen. 3ft dir denn so viel daran gelegen, datz sie sich über deine Grütze freut?" „Alles ist mir daran gelegen“, kam es heiser zurück. „Dann bebaute ich!" sagte Wander kühl. „Auf Wiedersehen, Swensen!" Er wartete gar nicht mehr ab, was dieser noch zu sagen hatte und fiel wie ein Klotz in sein 'Bett. Zornig drehte er den Kopf gegen die Wandseite. Das war schon der Höhepunkt! Erst Lenore und jetzt Margret! Swensen schien sich als ein Casanova zu entpuppen. Zudem hatte er noch eine rechtmäßig angetraute Frau. 3rgcnb etwas in Freds Psyche stimmte da nicht. Man mußte ihn einmal ein bißchen auf Vererbung ausforschen. Da schleppte man möglicherweise von irgendeinem Ahn oder Ar-Ar-Hr°Großvater so einen kleinen Defekt mit sich herum und wußte es nicht einmal. Er bekam es schon noch heraus. Fred war sonst im Grunde genommen wirklich ein guter, vornehm denkender Mensch, der es schon wert war. daß man ihn nicht in Dreck und Sumpf fallen und dort ersticken ließ. Trotzdem war es beruhigend, daß Margret sich so wenig aus den Männern machte. Leicht würde es nicht sein, sie zu erringen, aber — wenn man Geduld hatte? Ge—duld!" — Wanders Kopf fiel schwer zur Seite. Er hörte nicht einmal mehr den Finkenruf im Garten, der schlechtes Wetter kündete. Suse machte einen Nundgang durch Groß- Steinach und bekam glänzende Augen vor soviel Bequemlichkeit und Luxus. „Zu Hause auf Neck- linhausen ist es schön! — Bei dir ist es feudal. Onkel 3ürgcn!“ Sie machte dabei ein Kompliment nach Gradnih hinüber, der in einem der Leder- stühle des getäfelten Speisezimmers saß und mit Frau von Recklinhausen plauderte. Ab und zu flog das Auge der schönen Frau etwas besorgt zu der blonden Tochter hinüber, die mit gewandten Fingern eine Ananas schälte. ,.3ch habe mir von Onkel Gradnitz etwas erbeten, Mama!" gestand diese lachend. „Erbeten?" Frau von Necklinhausen matz sie jetzt beinahe ängstlich. Seit man hier angenommen war, verging keine Stunde, ohne daß Suse nicht irgendeinen Streich lieferte. 3mmer ganz etwas Tolles, Unvernünftiges, bei welchem den anderen die Haare zu Berge standen. „Du bist bald achtzehn, mein Kind!" erinnerte sie gütig. „Gott ja. Mama! — Früher hat es immer geheißen, du bist beinahe siebzehn ober sechzehn ober zwölf, zähle bitte selber zurück. 3mmer bin ich mit der fürchterlichen Zahl meiner 3ahre gemahnt worden, wenn ich nicht brav und sittsam war. Nächstens werde ich also achtzehn und ist es wirklich höchste Zeit, daß endlich die junge Dame bei mir zum Durchbruch kommt! Du erlaubst doch, Onkel Gradnih? — Du auch, Mama?" Sie nahm, ohne abzuwarten, eine Zigarette aus dem Silberbehälter und ließ sie sich von ihrem zukünftigen Stiefvater in Brand stecken. „Suse", tadelte die Mutter. „Keine meiner Töchter raucht! Nicht einmal Margret." „Das ist Ansichtssache, Mama? 3d) lasse mir demnächst auch die Haare schneiden, tote unser Fräulein Doktor. Hinten ausrasiert natürlich. So mit webenden Locken kann ich mich unmöglich an das Steuer meines Wagens setzen. Das wirkt unmodern!" Frau von Necklinhausen sah sichtlich erschrocken nach Gradnitz hinüber. „Hat sie den Wagen von dir erbeten, 3ürgen?" „3ch habe ihn gekauft!" Suse wippte vergnügt mit den schlanken Beinen. „Nicht wahr, Onkel Gradnih? Mein ganzes Taschengeld habe ich dafür hingelegt. Bare fünfzig Reichsmark habe ich dem Gutsherrn von Groß-Steinach dafür in die Hand gedrückt. Auf Ehre, Mama! Seine Herrlichkeit, der Herr Verwalter Malnoto wird schauen, wenn ich demnächst auf Necklinhausen angeknattert komme." Sie merkte, daß Gradnitz etwas sagen wollte und sah ihn erwartend an. „3d) wollte dich schon einige Male fragen, liebe Elisabeth", ließ sich dieser hören, „hat dein Verwalter Familie?" „Nein!" sagte sie ruhig. „Seine Mutter starb vor einigen Monaten. Er steht jetzt ganz allein." „So! — Dann habe ich mich geirrt“, meinte Gradnitz nachdenklich. „Warum geirrt?" Suse legte plötzlich die Zigarette, nur zur Hälfte geraucht, in die Aschenschale. „Wieso geirrt, Onkel Gradnih?" drängte sie, als dieser noch immer schweigend vor sich hinsah. Er hatte kein aufmerksames Auge für sie. sonst wäre ihm der Ausdruck ihres Gesichtes und die offensichtliche Spannung, welche in demselben geschrieben stand, nicht entgangen. So sagte er völlig ahnungslos: „3ch habe angenommen, daß er verheiratet ist. Es passierte mir jetzt schon zwei- ober dreimal, daß ich ihn mit einer jungen Dame und einem Kinde von etwa sieben bis acht 3ahren treffe, wenn ich zufällig in München bin. Sie saßen in dem gleichen Cafe, in dem auch ich einzukehren pflege. Das Kind haben sie immer in der Mitte zwischen sich sitzen und aus dem ganzen Verhalten des Mannes habe ich den Schluß gezogen, daß er der Vater der Kleinen sein muß!" „3st dir nicht wohl?" fragte Frau von Recklin- hausen und sah besorgt in Suses blaß gewordenes Gesicht. „Glaub mir doch, mein Kind, das Rauchen bekommt nicht jedem. Du wenigstens kannst es nicht vertragen. Man muß eben alles gewohnt sein. Vielleicht gehst du etwas ins Freie, dann wird es sicher rasch wieder gut!“ Suse nickte. Das Lachen, mit dem sie sich verabschiedete, wirkte unnatürlich und gezwungen. Gradnitz wartete, bis sich die Türe hinter ihr geschlossen hatte und zog seinen Stuhl näher an den der geliebten Frau, während sein Mund den ihren suchte. „Wo sind nun alle deine Befürchtungen geblieben, meine Elisabeth?" sagte er froh gestimmt. „All deine Nöte und Aengste, all deine Skrupel und schlimmen Ahnungen haben sich als überflüssig erwiesen. Deine 3üngfte ist mir bereits bedingungslos zugetan." „Du hättest ihr den Wagen nicht schenken sollen!" tadelte sie gedrückt. — „Zehn Wagen schenke ich ihr. wenn ich mir damit ihre Zuneigung erwerben kann!" lachte er sie aus. „Sie ist doch ein entzückendes Geschöpf, unser jüngstes Kind! Darf ich so sagen. Elisa- bech?" Sie nickte mit einer feinen Glut auf den Wangen. „Lenore ist die am meisten liebebedürftige von meinen Töchtern, aber etwas verschlossen und scheu gemacht durch ihre furchtbare Enttäuschung mit Swensen." „Wir wollen sie wieder an das Leben glauben und Lachen lehren, Liebste!" „3a!" sagte sie beruhigt. „Margret —" „Um deine Aelteste ist mir am wenigsten bange“, unterbrach er sie. „Um Menschen, wie sie, wirbt man mit den Waffen des Geistes. Sie hat mich seinerzeit gefragt, ob ich nicht eine offene Praxis für sie wüßte. 3ch Esel habe „nein“ gesagt. Heute bin ich klüger. 3ch habe in verschiedenen großen Zeitungen Annoncen auf- gegeben und bereits eine Menge Angebote bekommen. Alle natürlich mit einer mehr oder weniger großen Ablösungssumme als Bedingung. Du machst ihr das zum Geschenk, Elisabeth, ohne zu verraten, von wem die Gabe kommt. Freude ruft wieder Freude toad). Sie wird unserem Glück, wenn sie erst das ihre begründet sieht, nicht mehr im Wege stehen." Durch die offenen Fenster kam das Rattern eines Motors. Beide zugleich sprangen sie auf und bogen sich über das Sims. „Ich beherrsche das Ding schon famos!" rief Suse herauf. Frau von Recklinhausen hegte Zweifel daran und zeigte sich nur befriedigt, als sie den Chauffeur an der Seite der Tochter sah. „Wir kommen nicht vor Abend!" hörte sie ihre 3üngfte noch rufen, dann hatte der Wagen bereits eine Schleife gemacht und den Weg nach der Ausfahrt genommen. Sie sah Suses Blondhaar noch eine Weile flattern, dann wurde der Blick durch eine Kurve versperrt. „Wenn es wirklich sein Kind ist?" dachte Suse und krampfte die Finger um das Steuer. „Dann — dann —" „Gnädiges Fräulein, bleiben Sie ganz rechts? Ein Auto ist uns im Rücken!" warnte der Chauffeur und legte nun seinerseits ebenfalls die Hand auf das Steuer. Haarscharf raste eine große Limousine an ihnen vorüber. Eine dicke Staubwolke ergoß sich über die heißgebrannte Chaussee. „3ch darf jetzt nicht -an ihn denken?" ermahnte sich Suse. „Wenn er wirklich ein solcher Schuft ist und hinter meinem Rücken eine andere küßt, dann ist er es nicht wert, daß ich mir seinetwegen Hals und Beine breche “ Gerade noch rechtzeitig riß der Chauffeur das Steuer zur Seite, sonst wären sie unfehlbar in der anstoßenden Wiese gelandet. „Wenn es 3hnen recht ist. übernehme ich den Volant!" schlug er bescheiden vor. Die Verantwortung für das junge Leben neben ihm drückte ihn. Sie stimmte ohne weiteres zu, brachte erst noch den Wagen zum Stehen, sprang vom Sih und kuschelte sich rückwärts in eine Ecke des Fonds. 3eht konnte sie wenigstens ungestört ihren Gedanken nachhängen ohne sich und den Mairn da vorne in Gefahr zu bringen. Die Luft war kühl und schnitt ihr in die Wangen. Die Augen tränten ihr. Sie kannte sonst keine Hetze, wenn es galt, durch das herbstliche Land zu fahren, heute wünschte sie, daß es nur immer noch schneller ginge, um endlich am Ziel zu sein. Was er sagen würde, wenn sie so plötzlich vor ihm erschien? — Ob er erschrak? — Wahrscheinlich! Wenn man ein schlechtes Gewissen hatte, wurde jede Ueberraschung zum Verhängnis. — Möglich auch, daß er eine ungeheure Freude zeigte, dann war sie eben erheuchelt. (Fortsetzung folgt.) DU Das neue Schwanpulver-Äoppelpakei und das neue NerpfemiiMck' Beide wurden in der Zeit des Preisabbaus geboren. Das neue Schwanpulver-Doppelpaket kostet nur 44 Pfennig, ist also 4 Pfennig billiger als zwei Schwanpulver-Aormalpakete zu je 24 Pfennig. Zede Hausfrau behält es leicht: wenn sie ein neues Dierpfennigstück sieht, denkt sie beim Einkauf immer an das vorteilhafte Schwanpulver-Doppelpaket, das ihr diese 4 Pfennig spart. Dr. Thompson’s ä Schwanpulver-DoppchM Qr\ * ötr oetre Spachilfe im Haushalt beim Einweichen der Wäsche, 6dm Scheuem, Schrubben und Großreinemachen. Bullenverkauf. Die Gemeinde Ruttershausen oerkauft auf dem Wege des schriftlichen Angebots einen abgängigen Vogelsberger Bullen, zirka 17 Zentner schwer. 2620V Angebote per Zentner Lebendgewicht können bis zum Mittwoch, dem 6. April, nachmittags 3 Uhr, auf der Bürgermeisterei abgegeben werden. Die Verkaufsbedingungen werden im Termin bekanntgegeben. Ruttershausen, den 2. April 1932. Bürgermeisterei: Schwarz. Hühneraugen Warzen,Hornballen beseitigt restlos auch in den hartnäckigst. Fällen totsicher unt. Gar. innerh.5-6 Tg. 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