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Erscheint täglich, autzer Sonntags und Feiertag», veilagen: Die ODuftnerte Gießener Familiendlätter Heimat im Bild ■ Die Scholle Monats-Vezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanfchlüfse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten^ Anzeiger Siehe». "53 u: S- £ <Ä a-a.2 »3 n S - s willen als auch die Möglichkeit echter Regierungsoerantwortung gewährleisten." gruppe des Stahlhelms, Landesverband Groß« Berlin, durch die beiden Dundesführer. Seldte und Düsterberg bestiegen in Wannsee den Motorkreu,zer „Skagerrak". Die Mannschaft begrüßte die obersten Bundesführer in Parade« ausstellung. Das Schiff führte dann auf dem Drosten Wannsee zahlreiche Manöver aus. An den mehrstündigen Hebungen beteiligte sich auch das Stahlhelmrettungsmotorboot „Käme« rad". Die Marinegruppe des Stahlhelm hat die Aufgabe, den Seewehrgedanken auch beim Stahlhelm nach auhen zum Ausdruck zu bringen. Berlin, 3. September. Als der neugewählte Reichstagspräsident ©Gering in seiner 93er- tagungsrcde von dem „nationalen Präsidium des Reichstags" sprach, und als sich das Zentrum und die Bayerische Bolkspartei diese Einbeziehung morh los gefallen ließen, erkannte man mit einem Schlage, daß das Zentrum auch innerlich sich von der Linken losgelöst hat. Die Sozialdemokratie hat dem Zentrum diese Loslösung erleichtert, und es dürfte nach der gestrigen Sitzung der sozialdemokratischen Reichslagsfraktion einstweilen für das Zentrum auch kein „Zurück" mehr geben. Der oppositionelle Flügel der Fraktion setzte sich auf der ganzen Linie durch. Der wegen seiner Radikalität gefürchtete Sohn des Reichspräsidenten Ebert wurde in den Vorstand der Reichstagsfraktion gewählt. Da auch in den Parteivorstand ein Mitglied der jüngeren Generation, die ein Zusammengehen mit den Kommunisten fordert, aufgenommen wurde, dürste in Zukunft der „staatspolitifche Flügel" um Braun und Severing stark in den Hintergrund treten, und dafür dürste der auf eine proletarische Einheitsfront hindrängende Flügel der Abgeordneten Micrendorf, Seger und Schuhmacher die Politik der Partei bestimmen. Die Radikalisierung der Sozialdemokratie wird nicht ohne Einfluß auf d i e Entscheidungen des Zentrums bleiben, lieber- raichend ist denn auch die erste förmliche Verlautbarung des Zentrums und der Nationalsozialisten erfolgt, aus der hervorgeht, daß die Verhandlungen weiter gediehen find als bisher angenommen wurde. Wenn auch das Spiel von beiden Parteien ursprünglich taktisch gemeint gewesen sein mag, so scheint man sich jetzt auch grundsätzlich geeinigt zu haben. Hitler hat im Sportpalast die Gelegenheit wahrgenommen, in aller Oesfentlichkeit dem Zentrum ein Koalitionsangebot zu machen. Anders sind die Worte nicht aufzufassen: „Man fragt uns: Ihr wollt Euch jetzt mit andern Parteien verbinden? Jedem einzelnen Deutschen reichen wir immer wieder die Hand. Wenn anbere^mit mir gehen wollen, so sind sie mir willkommen!" Die Verhandlungen sind bisher Mischen Göring und Esser vom Zentrum geführt worden. Be^ich- nenderweise nahm an ihnen stets ein Beobach - ter d e r Bayrischen Volkspartei teil. Wie der „Sozialdemokratische Pressedienst" erfährt, haben sich die Verhandlungen aus der Basis bewegt, daß man Hindenburg nicht Hiller, sondern eine Das mit Stahlhelmflaggen geschmückte Hotel „Kaiserhof", in dem die Bundesführung des Stahlhelms ihr Hauptquartier aufschlug. unseren sind wir OaSReichskabineit verabschiedet heute die Wirtschastsnotverordnung. Berlin. 2. Sept. (OB.) Das Reichskabi- netl wird morgen vormittag zu der schon vor einigen Tagen in Aussicht genommenen Sitzung zusammentreten. die den Zweck hat, die große Verordnung über die wirtschaftlichen Maßnahmen zu verabschieden. Die Veröffentlichung wird allerdings nicht schon morgen, sondern den bereits bekannten Dispositionen entsprechend, am Dienstag erfolgen. Da die Rückkehr des Reichspräsidenten nach 0er- l i n erst für die zweite hälfte der nächsten Woche in Aussicht genommen ist, wird vor der Veröffentlichung selbstverständlich ein Vertreter der Reichsregierung nach Reu deck fahren, um die Verordnung dem Reichspräsidenten vorzulegen, der über sie in großen Zügen ja bereits durch den Vortrag des Reichskanzlers unterrichtet worden ist. Staatsminister von Ewald 1*. Lpd. Darmstadt 3. Sept. Der frühere hes« fische Staatsminister Karl von Ewald, der am 18.3uni 1932 seinen 80. Geburtstag feiern konnte, ist nach längerem Kranksein am Freitag verschieden. Exzellenz von Ewald war der letzte Staats« und Justizminister und Bevollmächtigte der Großherzoglich-Hessischen Regierung. Er war ein außergewöhnlich befähigter und hervorragen« der Jurist. Am 18. Juni 1852 wurde er in Reh« buch bei Erbach als Sohn des Oekonomierats Ewald geboren, besuchte das Gymnasium in Bin« gen, studierte an den Universitäten Leipzig, Göt« tingen und Gießen, wo er die Staatsexamen ab« legte. Dom 26. Juni 1896 ab wirkte er als Reichs« gerichtsrat in Leipzig. Oktober 1905 wurde Ewald hessischer Justizminister und am 4. Fe« bruar 1906 zum hessischen S t a a t s m i n i st c r unter Belassung in der Stelle als Justizminister ernannt. Großherzog Emst Ludwig von Hessen verlieh ihm im Dezember 1912 den erblichen Adel. — Die Einäscherung findet am Montag- vormittag auf dem Waldfriedhof in Darmstadt statt. — Stahlhelmversicherungen längst in die praktische Arbeit gegangen. Aus neuen Ideen heraus haben wir geschaffen und aus den Erfahrungen unseres Frontsoldatentums. Es muß klar gesagt werden, daß die deutschen Dinge nicht mit einzelnen Reformen, fonbern nur mit einer ganz großzügigen Wandlung an Haupt und Gliedern zu meistem sind. Dahin zielten unsere Pläne auf Verfassungsänderung, auf organische Wirtschaft. Mit dem System von Weimar oder mit den Möglichkeiten von Versailles oder mit einer Kombination von beiden ist nichts zu erreichen. Im Gegenteil. Wir müssen diese beiden Systeme au flackern, sprengen, wenn wir zur inneren und äußeren Freiheit kommen wollen. Die deutsche Zukunft steht nicht bei den Parteien. Die deutsche Zukunft steht nicht bei der Mechanik irgendeiner Wirtschaftstheorie. Die deutsche Zukunft steht nicht allein bei den starken Bataillonen, sondern die deutsche Zukunft steht da, wo jener deutsche Geist sein Panier erhebt, für das ich keine stärkere Ausdrucksform bisher in Deutschland kenne, als den Geist der alten Frontsoldaten, als den Geist des Stahlhelms. Es geht darum, daß eine be - wußte nationale Führerschicht vorhanden ist, die Bismarcks Werk fortseht und erfüllt. Dieses erreicht, daß das von Bismarck geschaffene, staatlich geeinte Deutsche Reich auch von seelisch geeinten Deutschen, von einer wahren deutschen Ration bewohnt wird. Wir wollen die Eigenschaften der Frontsoldaten: Fähigkeit, Tapferkeit und Durch- haltenkönnen nicht in einem Kriege an- wenden — denn wir kennen die Schrecken des Krieges und erwähnen ihn darum nicht — sondern wir wollen diese Eigenschaften ansetzen in freier friedlicher Arbeit zum Aufbau der Ration. Es gibt noch immer Leute, die uns nationale Menschen, insbesondere uns Stahlhelmkameraden, für reaktionär halten. Diese Leute sollen heute schon wissen und hören und sie sollen es aus unseren Taten später erfahren, daß der Geist der Freiheit, wie wir ihn verstehen, zugleich auch die Freiheit des Geistes ist. Wir haben uns nicht begnügt mit der Theorie eines organischen Aufbaues. Wir sind der Arbeitsdienstpflicht voraus mit unseren 300 Arbeitslägern und Arbeitsstellen. Mit unserer unserer Geldie eröffnet Öen 13. Reichssronisoldatentag. Starkes Bekenntnis des Stahlhelm zu den Grundsätzen einer autoriiäien Regierungsführung Reichsaußenminister, der Reichsfinanzminister, der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, der Reichsminister der Justiz, der Bevollmächtigte des Reichskommissars für Preußen, Dr. Bracht, sowie eine Reihe anderer Persönlichkeiten ihr Erscheinen zugesagt. Auch der Berliner Polizeipräsident Melchert war anwesend, ferner eine Reihe von Persönlichkeiten der ausländischen Diplomatie sowie Vertreter der Industrie, der Kunst, der Wissenschaft und viele Persönlichkeiten des alten Heeres. Marine und Stahlhelm. Berlin, 2. Sept. (SU.) 3m Programm des 13. Reichs-Frontsoldatentages stand am Freitag- vormittag die Besichtigung der Marine- 3fi hie schwarz-braune Koalition aus dem Wege? Son einer taktischen zur grundsätzlichen Einigung. Von unserer Berliner Redaktion. Berlin, 2.Sept. (TU.) Die erste große öffentliche Veranstaltung zum 13. Reichsfrontsoldatentag bildete die Kundgebung im Sportpalast am Freitagabend, in der der erste Bundesführer Seldte in einstündiger Rede über die Freiheitsbewegung des deutschen Frontsoldatentums sprach. Obgleich der größte Teil der auswärtigen Stahlhelmer erst am Samstag in Berlin eintrifft, war der Sportpalast, der mit riesigen schwarzweißroten Fahnen geschmückt war, fast voll bejetzt. Groß war die Zahl der Ehrengäste. Unter ihnen befanden sich der Kronprinz, sowie die Prinzen Eitel Friedrich und Oskar von Preußen. Sie nnirben bei ihrem Erscheinen freudig begrüßt. Zahlreiche hohe Offiziere der alten Armee sowie eine große Zahl von Ehren- gäften aus dem In- und Auslande wohnten diesem Auftakt des Stahlhelmtages bei. Der Einzug der Bundesführer Seldte und Düfterberg erfolgte unter Fanfarenklängen und stürmischen Händeklatschen. Der Hohenfriedbergermarsch leitete den Einzug der Fahnen ein. Es folgte ein vaterländisches Vorspiel über „Der Gott, der Ersen wachsen lieft" mit dem gemeinschaftlichen Gesang des Etahlhelm-Liedes. Der Landesführer Major von Stephani hielt als Leiter des Reichsfrontsoldatentages die Be- grüftungsansprache. Er dankte allen Gästen für das grofte Interesse an den Bestrebungen des Stahlhelm und gedachte auch des besonderen Umstandes, daß Reichsregierung und Preuftenregierung sich - zum ersten Male offiziell an dem Bundestag des Stahlhelm beteiligen. Sein Gruft galt in erster Linie den beiden Bundesführern, denen er den Dank des Bundes dafür darbrachte, daft sie durch unermüdliche Opfer den Stahlhelm dahin geführt hätten, wo er heute stehe. Ein dreimaliges Front-Heil auf die Bundesführer wurde von der Versammlung begeistert aufgenommen. Oer erste Bundesführer Kranz Seldte führte dann etwa folgendes aus: Wiederum haben wir Kameraden uns zu einem Reichs- srontsoldatentag versammelt. Die Reichsfrontsoldatentage. die Reichsgründungsfeiern am 18. Januar eines jeden Jahres, den wir als den wahren nationalen Feiertag der deutschen Ration empfinden, sind die zwei Licht- und Höhepunkte im Arbeitsjahre des Stahlhelms. Besonders hatte jeder Frontsoldatentag schon durch die Auswahl des Ortes seinen tiefen Sinn. München in Süddeutschland als großes Einigungsmotiv, Hamburg, wo wir aus dem Fenster Deutschlands zur großen Welt, Koblenz, wo wir für den befreiten Westen. Breslau, wo wir für den deutschen Osten und für die Ostnotwendigkeiten Deutschlands sprachen. In Berlin ver- kündeten wir am 8. Mai 1927 bereits die erste Stahlhelmbotschaft, deren Inhalt so frisch und aktuell geblieben ist. als ob fic nicht für den 8. Frontsoldatentag des Jahres 1927, sondern für den 13. Reichsfrontsoldatentag des Jahres 1932 niedergeschrieben worden wäre. Die Forderungen der Stahlhelmbotschaft wurden damals von gegnerischer Seite für unerhört erklärt. heute fordert der Reichskanzler des Deutschen Reiches dasselbe, wenn er sagt: „wir wollen den Grund legen für einen Neubau des deutschen Staates", und er spricht in unser aller Sinn die Idee der Volksgemeinschaft aus, wenn er es ablehnt, daß, wie fooft in der Vorzeit, „der hader des deutschen Blutes, der uns in den entscheiden- den Stunden der Geschichte schon sooft um den Ausstieg und um die Sammlung der Ration betrogen hat, auch heute stärker sein soll als unser Wille zu gemeinsamer nationaler Sammlung“. Jetzt ist es so weit, daß von der Führung des Deutschen Reiches das erkannt und ausgesprochen und zum Regierungsprinzip gemacht werden soll ... dasselbe was die Frontgeneration aus dem Schützengraben mitbrachte, was sie durch den Stahlhelm formulierte, was längst Tat und Wirklichkeit hätte werden können in Deutschland, wenn man diese opferbereite und opferwillige Männerschicht der, Frontgeneration herangelassen hätte. Ich erinnere daran, daß wir in der ersten Stahlhelmbotschaft vom Mai 1927 damals in Berlin die s ch w a r z w e i ß r o t e Fahne zurückforderten. Daß wir die Herstellung des deutschen Wehrrechts und den wirksamen Widerruf des erpreßten Kriegsschuld- bekenntnisses verlangten, ebenso wie die A n ° nullicrung der Reparationen. Und dann sagten wir in'dieser Botschaft: „Der Stahlhelm bekennt sich zu der lleberzeu gung, daß die Geschichte des deutschen Volkes nur durch eine starke zur Tragung der Verantwortung willige und fähige Führung bestimmt werden dürfe. Deshalb fordert er die Stärkung der Machtbefugnisse des Reichspräsi- d ent en, der Sicherung der Wohlfahrt von Land und' Volk gegen die Willkür par- lamentarischer Rotoer st ändigun- gen und Zufälligkeiten, die Schaffung eines Wahlrechts, dessen Ergebnisse sowohl die Uebereinstimmung mit dem wahren Volks- Stahlhelmselbst Hilfe, mit Wohlfahrtsipe isung, mit Gästeempfang beim Stahlhelm. Berlin. 2. Sept. (TU.) Die Stahlhelmleitung hatte am Freitagnachmittag zu einem Empfang im Hotel „Kaiserhof eingeladen Der erste Dundesführer Seldte begrüßte die zahlreich er- schienenen Gäste und wies daraus hin. daß der Frontsoldatentag in diesem Jahre unter dem Motto stehe: .Das ganze Deutschland soll es sein'“ Unter den Gästen bemerkte man die Prinzen Eitel Friedrich. Oskar und Waldemar sowie die Prinzessinnen Oskar und Waldemar von Preußen, Herzog Karl Eduard von Sachsen-Ko- burq-Gotha mit Gattin und Töchtern, den Erbprinzen von Schweden, die Großherzogin von Mecklenburg-Strclitz, den Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg, den Herzog von Anhalt und Gattin sowie verschiedene andere Fürstlichketten. Don der Regierung hatten der Reichskanzler, der Reichsinnenminister, der Reichswchrminister. der neutrale Persönlichkeit als Reichskanzler Vorschlägen will. Auch das zu unterbreitende Regierungsprogramm soll sich ungefähr an den Plan der Papen-Regie- rung anschließen, ihn jedoch in sozialpolitischer Hinsicht erweitern. Don deutschnatio- naler Seite liegt bisher eine offizielle Stellungnahme noch nicht vor. Einen gewissen Machtzu- wachs kann die Reichsregierung jedoch durch die u r 11 ä r u n fl des Stahlhelms verzeichnen, der sich vorbehaltlos hinter das Präsidial-Kabinett Papen-Schleicher gestellt hat. Oie Koatitionsverhandlungen Die Beteiligung derVayerischenBolkspartei Berlin, 2. Sept. (TU.) Die Bayerische Volks- parteikorrejpondenz verweist auf die gemeinsame Mitteilung, die das Zentrum und die Nationalsozialisten über die Verhandlungen zum Zwecke eines Zusammenaehens ausgegeben haben und sagt, daß das Ziel dieser Verständigung eine Beruhigung und Befestigung der innerpolitischen Verhältnisse sei. Diese Zielsetzung habe es der Bayerischen Volkspartei auch ermöglicht, die Bestrebungen der deutschen Zentrumspärtei zu unterstützen und s i ch felbst an solchen Verhandlungen zu beteiligen. Selbstverständlich liege für eine politische Zusammenarbeit zweier so verschiedener politischen Richtungen nicht nur die Verständigung auf allgemeine politische Ziele, sondern es müffe dazu eine ehrliche Einigung über d i e einzuschlagenden Wege und auch über d i e Art der a n z u w e n d e n d e n politischen Methoden kommen. Dabei könne es sich wohl nicht darum handeln, etwa Koalitionsprogramme im alten Stil aufzustellen. Ein Rückfall in die alten Methoden werde von niemand mehr begehrt. Es gehe vielmehr um die Frage, i m Reichstag eine Front z u bilden, die einer Regierung und vor allem dem Reichspräsidenten ein verfassungsmäßiges Regieren ermöglichen. Es handele sich schließlich um nichts anderes, als nunmehr von feiten des Reichstags her das zu versuchen, was dem Reichspräsidenten selbst und der Regierung Papen nicht geglückt sei, als sie einen Umbau der Reichsregierung entsprechend den Ergebnissen der Wahlen zum 31. Juli versuchte. Es könne nicht der Sinn dieser Bemühun- -85 e s " Zs Sa fff S 5 y S 9- 9 S 9- - 55s 993 -- seZs v-n'i *■ scs « ■ gen fein, den Reichspräsidenten in der Ausübung seiner regierungsbildenden Funktionen einzu- schränken, und ganz töricht sei es, gar von einer Aktion gegen den Reichspräsidenten zu sprechen. Es sei eine durchaus weise Einrichtung, daß der Reichspräsident, der sein Mandat aus den Händen des Volkes habe, darauf Bedacht nehmen müsse, Regierungen zu berufen, die ebenfalls im Einklang mit dem Volkswillen stünden. Es sei ein Verhängnis, Derfassungsreformen auf bestimmte Persönlichkeiten zuzuschneiden, die vergänglich seien. ♦ Der Reichspräsident wird am 8. oder 9. d. M. nach Berlin zurückkehren. Dann wird alsbald das Reichstagspräsidium vom Reichspräsidenten empfangen werden. Bei dieser Gelegenheit wird voraussichtlich eine Aussprache über die innerpolitische Lage stattfinden. Erst von deren Ergebnis werden die Rationalsozialisten ihr weiteres Verhalten abhängig machen. Vorher werden keine bindenden Abmachungen zwischen RSDAP. und Zentrum getroffen werden und vorher will auch der Reichstagspräsident Goring den Reichstag nicht einbe- iu f en. Oer AOGV.zum Wirtschasts- programm derReichsregierung Berlin, 2. Sept. (TU.) Der Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes befaßte sich mit den in der Rede des Reichskanzlers von Papen am 28. August angekündigten wirtschaftspolitischen Plänen der Reichsregierung. Einmütigkeit bestand darin, daß diese Pläne die Gewerkschaften zu schärfster Abwehr herausfordern müssen. Entscheidend bekämpfen die Gewerkschaften vor allem die mit den Plänen der Reichsregierung verbundene Absicht, den Tariflohn nach erfolgten Neueinstellungen von Arbeitskräften für alle Betriebsangehörigen zu senken. Durch die Lohnkürzungen der letzten Jahre ist das Einkommen der Arbeiter und Arbeiterinnen bereits weit unter dem Betrag gesunken, der zur Erreichung der notdürftigsten Existenz unentbehrlich ist. Weitere Lohnsenkungen würden eine unerträgliche Verschärfung der sozialen Bedrängnis der arbeitenden Bevölkerung sowie eine weitere Schrumpfung der Kaufkraft der breiten Konsumentenmassen und damit gesteigerte Arbeitslosigkeit zur Folge haben. Die beabsichtigte Kürzung der Löhne steht auch im Widerspruch zu der vom Reichskanzler in seiner Rede in Münster abgegebenen Erklärung, daß es der Sinn des Regierungsprogramms sei, der De- f l a t i o n 5 p o I i t i f ein Ende zu machen, lieber- dies ist der Bundesvorstand der Ansicht, daß das von der Reichsregierung veröffentlichte Ziel, einen Anreiz zur Neueinstellung von Arbeitern zu geben, auch erreicht würde, wenn es bei der im Plan der Reichsregierung vorgesehenen Zahlung der Prämie von 400 Mark für jeden neu eingestellten Arbeiter sein Bewenden hätte. Im Rahmen des Gesamtplanes der Reichsregierung kann auf die Kürzung der Löhne verzichtet werden, wenn die Reichsregierung der Mahnung des Reichspräsidenten, sie möge darauf allsten, „daß die Lebenshaltung der deutschen Arbeiterschaft gesichert und der soziale Gedanke gewahrt bleibe", gerecht werden will. Der Zweck, Arbeitslose in Arbeit zu bringen, würde gefördert werden, wenn die in Aussicht genommene Steuerrücker st attung ausschließlich auf solche Betriebe beschränkt bleibe, die durch Einstellung von Arbeitskräften bei der Üeberminbung der Arbeitslosigkeit mitwirken Dadurch würden von den vorgesehenen 1,5 Milliarden Mark erhebliche Beträge frei werden, die zur Arbeitsbeschaffung im Sinne der bekannten Forderungen der Gewerkschaften Verwendung finden könnten. Oer Strich neben Evelgönne. Von Martha von Zobeltih. Max kam gegen Abend nach Hause und fand wie gewöhnlich einen Zettel auf dem Fernsprecher angespießt: „Jetzt gehe ich in die Stadt eintaufen und bringe kaltes Abendbrot mit. S." „S." bedeutete Susi und war der Name der ihm zugehörigen Herzensfreude. Es war Max schon immer ein Rätsel gewesen, was Frauen täglich zu besorgen haben. Das riß anscheinend nie ab. Ein Mann hatte auch Besorgungen, gewiß. Beispielsweise brauchte er, Max, einen neuen Anzug. Aber dazu lief er nicht ein halbes Dutzend Läden ab, er rief einfach bei Herrn Ewald, feinem Schneider, an und bestellte Muster. So machte man das, man hob den Hörer ab und sagte einfach — fagte einfach: Donnerwetter wie hieß doch das neue Amt? Buch, wo ist das Buch? Gleich — gleich — gleich! Ebfen, Eifolt, Eifemann, Ettifch. Jetzt kommt gleich Ewald — ach, ist schon abgestrichen; nee, der Strich ist bei Evelgönne, Ingenieur. Komischer Name. Wozu streicht aber Susi Evelgönne, Ingenieur, an? Hm, hm, hm, Evelgönne!" Max vergißt den Schneider und zerbricht sich nunmehr zwei Stunden lang den Kopf, was es mit Evelgönne für ein Bewenden haben könne. Endlich kommt Susi und hat an jedem Finger ein Paketchen. „Nabend, mein Guter. Was hat Susi gekauft: Räucherzunge hat sie gekauft und Lebermus, mh, mH, mH ..." Max geht der Gedanke an Evelgönne nach, aber er will ganz schlau sein. So fragt er: „Niemand angerufen, während ich weg war?" „Keine Seele." „Und du, auch bei niemand?" Sie stutzt: „Natürlich habe ich; Ellie und Mutter ... und ..." „Und Herrn Evelgönne?" „Wen? Nee, kenne ich gar nicht." „Sufi, komm mal her, sieh mir in die Augen. Es wär' doch gar nichts dabei, wenn du einfach sagtest: ,Ja, der Ingenieur Evelgönne, den kenne ich von früher', ober ,Jch habe mich bei Frau Evelgönne nach einem Mädchen erkundigt', aber daß du so einfach abstreitest, den Namen zu kennen, das — ja, das macht mich betroffen." Sie drückte das Kinn gegen ihr Hälschen und machte ihr beleidigtes Katzengesicht. „Ein andermal weiß ich ja nun, was ich für Ausreden brauchen kann. Ich sage dir einfach: Ich kenne den Mann nicht und kann ihn deshalb auch nicht angerufen haben!" Sie ging in die Küche ohne ihn überzeugt zu haben. War es nicht fonoerbar, daß sie ihn nicht fragte, warum er sie fragte? Die angestrichene Die Llmwandliing der Zeuchemr Todesurteile. Echo der presse. München. 2. Sept. (ERB.) Die Umwandlung der Beuthener Todesurteile wird von der Rationalsozialistischen Parteikorrespondenz dahin kommentiert, daß diese Begnadigung als neuer Schlag für das deutsche Empfinden bezeichnet wird. Die RSK. erklärt weiter, man sei sich von vornherein darüber klar gewesen, daß diese Todesurteile niemals vollstreckt worden wären. Wenn die Regierung glaube, daß der heutige Spruch zur Beruhigung der Bevölkerung beitragen könnte, so sei sie falsch unterrichtet. 2llle Anzeichen deuteten darauf hin. daß die fünf SA.-Leute noch heute nach dem Zuchthaus in Groh-Strelih übergeführt werden. Die Frauen der Gefangenen seien von der Begnadigung sofort unterrichtet und unter der neuen Erschütterung zusammengebrochen. Es gelte nun. so schließt die RSK., mit aller Kraft das Wiederaufnahmeverfahren zu betreiben. Die „D. A. Z." begrüßt aus Gründen der Menschlichkeit die Begnadigung und aus Gründen der Staatsautorität ihre Motivierung. Der „L o k a l a n z e i g e r" meint, die Entscheidung habe nicht der Auffassung entsprochen, die bisher über die Absichten des Preußischen Staatsministeriums verbreitet waren. Man hatte angenommen, daß bei einem Teil der Verurteilten eine Umwandlung in zeitlich begrenzte Zuchthausstrafen folgen würde. Die „Berliner B örsenzeitung“ bezeichnet die Begnadigung als ebenso notwendig wie das Urteil und sagt: Richts anderes kann der unvoreingenommen Erteilende sagen, als daß die Entscheidung des Preußischen Staatsministeriums einfach die logische Schlußfolgerung aus der Sachlage ist: vom rechtlichen, vom menschlichen und damit auch vom politischen Standpunkt aus. Der „Deutsche" erklärt: So stark erregt auch die öffentliche Meinung war, in einem allerdings war die Meinung einheitlich: in der Billigung, daß der Staat mit den schärfsten Mitteln gegen die äleberfall- und Mordseuche vorgehen müsse, und daß der Staat grundsätzlich nicht vor der Todesstrafe zurückschrecken darf. Wenn in diesem Falle die Oeffentlichkeit mit einer Begnadigung rechnete, so herrschte doch allgemein die Meinung vor, daß der An- st i f t e r zu dem Mord, der Gastwirt Paul Lach- maim, von einer Begnadigung ausgenommen werde. — Sn der „Bossischen Zeitung" heißt es: Die Vollstreckung der Todesstrafe, die das Beuthener Gericht dem Verordnungsparagraphen entsprechend verhängen muhte, ist nirgends in der deutschen Oeffentlichkeit verlangt worden; es wird sich auch kein Widerspruch gegen die Begnadigung regen. Riemand wird das Recht haben, den Degnadigungsbeschluh als Schwäche auszulegen. — Das „Berliner Tageblatt" erklärt, der Staat verzichte auf einen Strafanspruch, den es sich eigens zur Erhaltung seiner Autorität geschaffen habe. Der Begründung.des Gnadenaktes lasse sich entgegenhalten, daß die bevorstehende Rotverordnung lange vorher angekündigt gewesen sei. Von dem grundsätzlichen Standpunkt der Ablehnung der Todesstrafe aus sei die Entscheidung der Regierung nicht zu kritisieren. Es werde aber nicht leicht sein, den Rationalsozialisten jetzt begreiflich zu machen, daß über die Begnadigung zu lebenslänglichen Zuchthausstrafen nichts weiter erreicht werden könne. Oer Oeutsche Katholikentag. Die Veranstaltungen des Freitag. E s s e n, 2. Sept. (TTl.) Rach der feierlichen Eröffnung der 70. Generalversammlung der deutschen Katholiken am Donnerstagabend steht Essen am Freitag vollkommen im Zeichen des Katholikentages. Diele Tausende neuer Teilnehmer sind in Essen eingetroffen. Der Flaggenschmuck in der Stadt hat sich noch verstärkt. Das Festzeichen, von festfrohen Menschen getragen, beherrscht das Stadtbild. Der Freitag brachte wieder eine Fülle von Sonderveranstaltungen. Sm Saalbau fand eine literarische Morgenfeier statt, in der der Se- fuitenpater Friedrich Muckermann über „Goethes Sendung für das Zeitalter der Technik" sprach. Der Rachmittag sah im städttschen Saalbau die große Volksdeutsche Kundgebung des Reichsverbandes für die katholischen Ausländsdeutschen, in der Kanonikus Steinwender (Salzburg) über „Die Volksdeutsche Sendung der deutschen Katholiken" einen Festvortrag hielt. Bon den Sonderveranstaltun- gen seien noch genannt die Generalversammlung des Vollsvereins für das katholische Deutschland, das Treffen der katholischen Studentenvereine und unter Leitung des Landeshauptmanns der Rheinprovinz, Dr. Horion, eine Versammlung der Künstler und Kunstfreunde. Seinen Abschluß und Höhepunkt zugleich scmd der Freitag mit den beiden ersten öffentlichen Abendverfamrn- lungen in den Ausstellungshallen, in denen Arbeitersekretär Gockeln (Düsseldorf), Prälat Prof. Dr. Schreiber (Münster), sowie Dechant Homscheid (Koblenz) und älniversitätsprofessor Dr. Dessauer (Frankfurta. M.) sprachen. Oie sozialdemokratische „Volksstimme" in Frankfurt verboten. Kassel, 2. Sept. (TU.) Der Oberpräsident der Provinz Hessen-Rassau hat die in Frankfurt Nummer haftete noch in seinem Gedächtnis, ein prickelndes Gefühl in den Fingerspitzen zog ihn zum Fernsprecher. Er hob den Hörer ab und verlangte die Nummer. Sofort meldete sich eine angenehme Jungmännerstimme: „Hier Ingenieur Evelgönne!" „Bitte einen Augenblick, eine Dame wünscht Sie zu sprechen ..." Er eilte nach der Küche, ganz der finstere Intrigant, als der er sich fühlte. „Sufi, ein Herr wünscht dich zu sprechen ..." „Mich? Wer? Es hat doch gar nicht geklingelt ..." „Nun mach schon, es ist wichtig ..." „So? Woher weißt du denn das? Und überhaupt wer ..." Aber sie hätte kein Weib sein müssen, wenn sie nicht neugierig an den Apparat gelaufen wäre. Max versteckte sich und belauschte sie grimmig. „Hallo, wer ist denn da?" „Hier ist Evelgönne. Sind Sie die Dame, die mich zu sprechen wünscht?" „Nein." „Nicht? Sie haben aber doch eben anrufen lassen." „Ich habe nicht anrufen lassen. Ich kenne Sie überhaupt nicht. Wir sind sicher falsch verbunden. Bitte, Schluß." „Nee, nee, nee! Es wird schon stimmen, seien Sie doch nicht so eilig, meine Gnädigste..." Herr Evelgönne schien gerade Zeit zu haben ... „Manchmal ist übrigens falsch verbunden auch richtig, und Ihre Stimme hat so was — so was Anregendes. Sie wohnen wohl im Hotel?" „Gott bewahre. Warum denn?" „Na, weil Sie mich durch den Boy haben anrufen lassen ..." „Ich habe Sie nicht anrufen lassen, mein Herr, also Schluß!" Kopfschüttelnd ging sie wieder in die Küche, wurde aber auf halbem Wege durch die Telephonklingcl zurückgerufen. „Hallo?" „Hier ist noch mal Evelgönne. Also, es stimmt. Ich habe nämlich nur mal beim Amt feststellen lassen, wer mich eoen angerufen hat. Nun weiß ich's. Wollen wir morgen zusammen Tee trinken gehen?" Sie hängt ohne weiteres ab. „Falsch verbunden?" fragte Max scheinheilig. „Beide Male." Zehn Minuten später saßen sie am Abendbrottisch „Sufi", sprach Max und strich sich das Lebermus auf Toast. „Ich muß dir etwas gestehen. Ich schäme mich geradezu: ich habe dir eine Falle gestellt und bei Herrn Evelgönne angeläutet, um zu sehen, wie du reagieren wirst ..." „Du? Das ist doch geradezu verrückt" „Es soll nie wieder vorkommen, mein Süßes, komm, wir trinken ein Glas Marsala zur Versöhnung, ich mache die neue Flasche auf ..." Es geschah, sie stießen an. Dann setzte er fein Glas nieder am Main erscheinende „Volksstimme". Organ der Sozialdemokratie für Südwestdeutschland, wegen Vergehens gegen die Verordnung des Reichspräsidenten gegen politische Ausschreitungen vom 14. Suni 1932 für die Zeit vom 3. bis einschließlich 5. September verboten. Das Verbot mußte ergehen, weil die „Volksstimme" in einem aus dem „Vorwärts" abgedruckten Artikel die Ausführungen des Reichskanzlers in Münster als „einProgramm des Der- fafsungsbruchs" bezeichnet und hierdurch den Herrn Reichskanzler gröblichst beschimpft und böswillig verächtlich gemacht hat. Aus alter Wett. Gronau in Japan. Der deutsche Flieger Wolfgang v. Gronau startete von der Kurileninsel Paramuschiru und traf planmäßig in Nemuro auf Hokkaido, der nördlichsten der vier großen japanischen Inseln, ein. Die Strecke Paramuschiro—Nemuro beträgt etwa 800 Meilen. Sie wird von Pazifikfliegern allgemein als die schwierigste Flugstrecke angesehen und bereitete auch dem amerikanischen Flieger Lindbergh im Jahre 1931 mehrfach Schwierigkeiten. Gronau hatte zunächst nach dem Start von Paramuschiru günstige Wetterverhältnisse, die später jedoch schlechter wurden. Vor allem wurde die Landung in Nemuro durch Nebel und Regen erschwert. Lufkschiffverbindung Europa—Rio de Janeiro. Die regelmäßigen Südamerikafahrten des Luftschiffes „Graf Zeppelin" engten bisher in Pernambuco. Aus feiner nächsten, am 12. September in Friedrichshafen beginnenden Reise aber wird das Luftschiff, wie die Hamburg-Amerika-Linie mitteilt, nach einer kurzen Zwischenlandung in Pernambuco zum ersten Male seine Fahrt bis Rio de Janeiro ausdehnen und damit einen weiteren beachtenswerten Schritt im Ausbau seines Schnellverkehrs und murmelte, ohne sie anzusehen: „Nun, da alles gut ist, kannst du mir doch sagen: Warum hast du den Namen Evelgönne im Telephonbuch angestrichen?" Sie schlug verzweifelt auf den Tisch: „Ich weiß nicht, was du immerfort quasselst!" Er stand auf und holte das Telephonbuch. Mit gerecktem Finger wies er auf die Stelle, der feine Strich war unverändert zu sehen. „Ich wollte meinen Schneider anläuten ..." Auch sie reckte ihr spitzes Fingerchen und wies stumm auf den unteren Falz der Seite. Dort klebte traurig ein beim Zuschlägen des Buches platt gedrückter Fliegenleib mit fünf Beinchen. Sie pustete — und der ominöse Strich bei Evelgönne flog fort. Das war das sechste Beinchen. Und sie verzieh ihm, obwohl sie im Recht war. Am nächsten Tage um halb fünf schrillte wiederum der Apparat. Sufi antwortete: „Hallo?" „Jetzt kenne ich Ihre weiche Stimme schon. Hier Evelgönne. Sie kommen doch? Bitte, bitte! Sagen wir Bristol?" ' , „Vielleicht, Herr Evelgönne. Schluß." „Ha, ha, ha", lachte Max behaglich. „Auf so was soll ich reinfallen. So dumm bin ich nicht. Diesmal war's bestimmt eine falsche Verbindung." Sie nickte. „Wie gestern", sagte sie anzüglich. „Jetzt gehe ich in die Stadt ..." „Und bringst kaltes Abendbrot mit. Ha, ha, ha!" „Ha, ha, ha!" Das Kindesopfer der Schwestern Gish. Gillian Gish, die eine der ergreifendsten und erfolgreichsten Erscheinungen der Filmgeschichte ist, hat sich während der letzten Lahre ganz vom Film zurückgezogen. Die Erklärung dieses Geheimnisses wird nun in einem Londoner Blatt gegeben, und zwar aus Anlaß der Tatsache, daß Lillian Gish sich zur Kur in Bad-Rauheim aufhält. Die Filmdiva erholt sich hier von der aufopfernden Pflege, die sie und ihre Schwester Dorothy ihrer Mutter gewidmet haben. Es ist ein Film-Drama der Wirklichkeit, das sich hier entrollt. „Es begann", so schreibt Seton Margrave, „vor 30 Jahren. Lames Lee Gish, dessen Familie aus Frankreich nach den Vereinigten Staaten eingewandert war und der eigentlich De Guiche hieß, starb 1902 und ließ eine 23jährige Witwe zurück mit zwei kleinen Töchtern, der 6jährigen Lillian und der 4jährigen Dorothy. Ilm für ihre Kinder zu sorgen, schloß sich Mary Gish einer herumziehenden Theatertruppe an, und schon ein Lahr später erschien ßtHian als Tänzerin in der Gesellschaft, die die berühmte Sarah D e r n a r d auf ihrer Tournee durch Amerika begleitete, während Dorothy in kleinen Dühnenrollen sich versuchte. Zehn Lahre nach Südamerika unternehmen. Die Reue- rung ermöglicht es den Passagieren, Rio ohne älmsteigen in drei bis vier Tagen zu erreichen, bringt also gegenüber den bisherigen Verbindungen eine erhebliche Zeitersparnis. Von Rio aus bestehen gute Flugzeug- und Schiffsanschlüffe nach Montevideo, Buenos Aires und nach den Plätzen im Innern des Landes, so daß nunmehr in längstens sechs Tagen jede wichtigere südamerikanische Stadt von Europa aus zu erreichen ist. Dem Herbstfahrplan des Luftschiffes wird eine weitere Fahrt angegliedert werden, die am 24. Oktober d. 3. in Friedrichshafen ihren Anfang nimmt. Die deutsche Himalaja-Expedition rüstet zur Besteigung des Jlanga-parbat. Entgegen den Gerüchten über eine angebliche Llmkehr der deutschen Himalaja-Expedition wird aus Astor in Kaschmir folgendes gemeldet: Infolge der unerwarteten und anhaltenden Schlechtwetterperiode waren sämtliche Teilnehmer der Himalaia-Cxpedition 20 Tage lang im Lager festgehalten worden. Während dieser Zeit wurde bei kurzem Auf- klaren von Merkl, Wießner und Herron die zweite Besteigung des Chongra Peaks (6400 Meter) durchgeführt. Leider mußten drei Teilnehmer wegen Erkrankungen und zwei weitere wegen Ablaufs der verfügbaren Hrlaubs- zeit ausscheiden und die Heimreise antreten. Rach Wiederherstellung der Schönwetterlage stiegen die restlichen Teilnehmer am 21. August zum Hauptlager ab, um dort Vorbereitungen zum Endangriff auf den Ranga-Parbat zu treffen. Herron, Merkl und Wießner hoffen, mit zehn guten Kulis von dem bereits in 7000 Meter Höhe eingerichteten Lager VII erfolgreich zum Gipfel vorstohen zu können. Dreifacher Mord. Aus Herbern (Kreis Lüdinghausen) wird gemeldet: Der Landwirt Römer, genannt Sud- hoff, in Herbem ist in einer der letzten Rächte zusammen mit seiner Frau und einer Hausangestellten un bisher unbekannten Tätern ermordet worden. Offenbar hat an Ort und Stelle ein Kampf stattgefunden. Römer wurde vor seinem Bett, seine Frau auf einer kleinen Vortreppe zu seinem Schlafzimmer und die Hausangestellte ebenfalls in ihrem Bett tot aufgefunden. Die Täter sind nach der Tat anscheinend sofort geflüchtet. Die Leichen sind furchtbar zugerichtet. Sudhoff und seine Frau hatten über 12 Stiche in Herz und Hals. Dem Manne war durch einen von unten geführten Stich der Bauch aufgeschlitzt. Die Leiche des Dienstmädchens wies mehrere Stiche in Herz und Hals auf und lag im Blute schwimmend im Bett. Die drei Knechte, junge Leute von 18 bis 25 Lähren, wurden in der Rächt von Frau Sudhoff alarmiert, die schwer verletzt zu ihnen und dann zurück zu ihrem Mann gelaufen war. Als dann aber ein Schuß fiel, wagten die Knechte sich nicht an den Tatort. Erst zehn Minuten später, als alles ruhig war, begaben sie sich in die Küche, wo sie die Leiche der Frau fanden. Einer der Knechte benachrichtigte den Bürgermeister, der sofort mit Landjägern den Tatbestand feststellte. DaS Fenster neben der Haustür, vor dem die Leiche der Frau lag, war herausgedrückt. Vor dem Fenster fanb man ein Gewehr, aus dem offenbar der Schuh abgegeben worden war. Lm Schlafzimmer hatten die Verbrecher alle Behältnisse durchwühlt, doch steht noch nicht fest, ob sie Beute gemacht haben. Auf die Ergreifung der Täter ist eine Belohnung von 1 000 Mark ausgesetzt worden. Auto fahrt in eine Feuerwehrkolonne. — Zehn Verletzte. Als die Freiwillige Feuerwehr von Klein- und Groß-Bauchlitz bei Dobeln dieser Tage von einem Uebungsmarfd) zurückkehrte, fuhr in der Nähe der Groß-Bauchlitzer Schmiede ein Personenauto aus Dobeln von hinten in die Kolonne; dabei wurden 15 Personen zu Boden gerissen. Zwei Feuerwehrleute wurden schwer und acht leicht verletzt. lang lebten die drei so das romantische, aber ungewisse Dasein wandernder Komödianten, bis Lillian und Dorothy durch eine Freundin, Gladys Smith, die unter dem Romen Mary P i ck f o r d besser bekannt ist, zum Film gebracht wurden. Sie arbeiteten unter der Leitung des großen Regisseurs Griffith, und nach drei weiteren Lah- ren des Kampfes und der Entbehrungen kam der Ruhm über Rächt zu Lillian Gish, die bei der Erstaufführung des Films „Die Geburt einer Ration" in Reuyork als größte tragische Künstlerin des Films gefeiert wurde. Run waren Rot und Dingen vorbei. Aber die langen Lahre des Kampfes hatten die Gesundheit der Mutter untergraben. Vor zwölf Lahren erfranfte Frau Gish gefährlich, und die beiden Schwestern wichen achtzehn Monate nicht von ihrem Krankenlager und gaben ihr durch ihre aufopfernde Pflege die Gesundheit wieder." Als Dorothy Gish im Frühjahr 1926 in London weilte, um dort als Schauspielerin aufzutreten, war sie von ihrer Mutter begleitet, einer weißhaarigen Dame, aus deren Zügen ihre Güte spricht. Ln London erkrankte die Mutter wieder schwer und Dorothy wußte sich keinen anderen Rat, als nach der Schwester zu kabeln, die sich auch sofort auf den Weg machte. Frau Gish hatte die Sprache verloren, und der Kampf um ihr Leben mußte von den beiden Schwestern von neuem auf genommen werden. Sie weihten sich nun ganz dieser Aufgabe und haben völlig dem Glanz der Künstlerlaufbahn entsagt, um sich ganz im Stillen der Sorge für ihre Mutter hinzugeben. Während Lillian Gish in Dad-RauhÄm weilt, wird ihre Mutter in Reuyork von Dorothy betreut. Oie Katze im Rundfunk. Im Londoner Rundfunk gab es einige Tage hindurch merkwürdige Störungen. Wenn ein Geiger eine schmelzende Serenade vor dem Mikrophon spielte, bann ertönte an der zartesten Stelle ein klägliches „Miau". Man hätte das für eine realistische Nuance in der Rundfunkdarbietung halten können. Boshafte Hörer allerdings verbreiteten die Ansicht, daß der Londoner Rundfunk feinen künstlerischen Ehrgeiz fallen gelassen habe und durch das Einschalten des „Miau" seinen wahren Charakter als Katzenmusik enthüllen wolle. Die, Beamten des Rundfunks aber bekamen heiße Köpfe, denn man konnte sich die Ursache der Störungen nicht erklären. Es wurde schließlich eine ganz genaue Untersuchung aller Anlagen vorgenommen und da fand man den Störenfried, eine Katze, die sich in einen Raum eingeschlichen hatte und keinen Ausweg mehr fand, weder aus den Mauern, die sie umschlossen, noch aus her Fülle der Musik, die sie über sich ergehen lassen mußte. Aus der provinzialhauvistadi. Gießen, den 3. September 1932. Gastspiel Zirkus Straßburger. Zirkus und Zirkuskunst leben noch. Das Gastspiel des Zirkus Straßburger will es be- weisen. Der gestrige Freitag brachte den Zirkusleuten ein gerütteltes Maß voll Arbeit. _2Im Abend war diese Arbeit umgemünzt zu Lichtfülle, zu Prunk und Pracht. Diele elektrische Lampen strahlten in den Abend hinein, die bunte Fassade des Haupteingangs zum Zirkus am Oswalds- garten leuchtete und hatte viele Zuschauer angelockt, die den Klängen der Zirkuskapelle lausch- ten, die vor dem Beginn der Vorstellung im Dor- bau konzertierte. Bei Beginn' der Eröffnungsvorstellung waren fast alle Plätze besetzt. Die Musikkapelle füllte die Zeit bis zum Beginn mit schneidigen Marschen. Dann trollten fünf bis sechs große brauneDä- ren in den runden Käfig, der in der Mitte der Manege aufgerichtet war., Während die großen ausgewachsenen Tiere mit spielerischer Leichtigkeit ihre Kunststücke zeigten, rieben sich die beiden jüngeren den Pelz an den Gitterstäben und taten, als ginge sie das alles gar nichts an. Das sichtlich herzliche Verhältnis zwischen den Tieren und ihrem Dompteur gefiel den Zuschauern sehr. Den Bären folgten Berberlöwen. Etwas unwil- lig, fauchend, mit geschmeidigen Bewegungen glitten sie in die Manege. Tiere von seltener Stattlichkeit. tadellos gehalten, harrten sie der Befehle ihres Dompteurs, der verschiedene eindrucksvolle Proben seines persönlichen Mutes ablegte. Das umfangreiche, lebendige Programm brachte dann einen verwegenen Luftalt, bei dem die Künstler gleichzeitig die Krast ihrer Zähne unter Beweis stellen konnten. Ein eleganter „Pas de dcux" zu Pferd, von vollendeter Grazie erfüllt, gefiel außerordentlich. 10 Esmanoffs zeigten frappierende ukrainische Aational - und Wirbelwindtänze. Clowns machten gelungene Späße. Dann folgte klassische Zirkuskunst: Pferdedres- suren. 12 schmucke Shetland-Ponys, die lebenden Schaukelpferdchen, durcheilten leichtfüßig die Manege. „Afrikanische Kavallerie" nannte sich die nächste Dummer. Puppen ersetzten die Reiter. Die Aufmerksamkeit galt den Tieren. 12 edle ostpreußische Rappen erregten Bewunderung. 12 Lippizaner, jene edelsten der Pferde, geigten sich als sehr geschickt und lobten ihren Meister. 8 russische Falben folgten. Man kann es verstehen, daß der Zirkus auf all diese Tiere sehr stolz ist. Das Fell der Pferde glänzt wie Seide. Auf zwei prächtigen, kräftigen Pferden zeigten 8 Iokleys ihre Künste. Dacheinander sprangen sie alle acht auf die beiden Pferde und galoppieren stehend um die Manege. Oder sic saßen zu fünft auf einem Gaul. Eine große äleber- raschung bedeuten die S e e l ö w c n des Kapitän Thomfons, die mit dem Ball spielend balancieren. Das Ganze ein zweifellos unvorstellbar schwieriger Dressurakt. Den ersten Teil des Programms schloß ein großes Tierpotpourri. Die „Fliegenden Menschen" (eine Stan- dardnummcr in jedem Zirkus) konnten nicht fehlen. Die 8 Urbans lassen den Atem anhalten: Schwung, Eleganz. Mut und Cntscheidungskraft in Bruchteilen von Sekunden charakterisieren ihre Kunst. Einer bunten Parade folgt die hohe Schule der Reitkunst. Mitglieder der Familie Straßburger reiten ihre Pferde im Takte der Musik. Den Tieren wurde viel Intelligenz zu- gemutet. Ein eindrucksvolles Schauspiel und eine Glanznummer des Programms stellte das Auftreten der Elefanten dar. Die 7 wuchtigen Tiere bewiesen eine Geschicklichkeit, die man in den Kolossen niemals vermuten würde. 10 Araber vollführten wilde Sprünge und bauten kühne Pyramiden. Gesetze der Schwerkraft scheinen für diese Truppe ihre Geltung verloren zu haben. Einer von ihnen vermag alle die neun anderen zu tragen. Eine Kosakenquadrille beschloß etwas matt, etwas unerwartet plötzlich das Programm. Sämtliche Darbietungen sanden verdientermaßen starken Beifall. Der Zirkus Straßburger bedeutet gleichzeitig einen Zoo im Kleinen. Man kann die Wasserbüffel aus Südafrika, indische Kühe, Hyäne und Zibetkatze, Stachelschwein und Dasenbär sehen. Die Pserdeställe sind zur Besichtigung zugänglich, Eisbären und Löwen, Leopard und Tiger, das sanfte Dromedar und die Elefanten, das Lama und viele andere Tiere werden dem Besucher begegnen. (Einen großen Parade-Umzug veranstaltet der Zirkus Straßburger heute um 11 Uhr bei regenfreiem Wetter vom Oswaldsgarten durch die Neustadt, Bahnhofstraße, Kaplansgasse, Kreuzplatz, Sonnenstraße, Schulstraße, Marktplatz, Kirchenplatz, Lindenplatz, Walltorstraße, Ostanlagc, Neuen Baue, Sonnenstraße, Brandplatz^ Senckenbergstraße, Ostanlage, Nordanlage, Westanlage, Bahnhofstraße, Neustadt zurück zum Oswaldsgarten. Der Paradeumzug wird — fo schreibt man uns — ein Schaustück allerersten Ranges, sieht man doch über 100 edelste Pferde Straßburgers, eine große Elefantenherde, ganze Kamel- und Dromedarherden, südafrikanische Wasserbüffel, indische Kühe Zebras, Lamas, Guanacos, allerliebste Zwergpferdchen, dann Straßburgers Bölkerschau (Rifkabylen, Marokkaner, Araber, Neger, Donkosaken, Tscherkessen, Chinesen, Spanier u. v. m.) Der Zug wird von zwei eigenen Musikkorps Straßburgers begleitet. * " Aerztlichcr Fortbildungskurs. Die medizinische Fakultät der ilni&erfität Gießen veranstaltet vom 9. bis 15. Oktober einschl. sür praktische Aerzte einen allgemeinen Fortbildungskurs mit klinischen Besprechungen und praktischen Demonstrationen. Vortragende sind die klinischen Fachvertreter, sowie die Fachvertreter für Physiologie. Ein Ausflug findet nach Dad-Dauheim statt mit Vortrag bzw. Demonstrationen im dortigen Balneologischen LIniversitäts-Institut und im Kerckhoff-Jnstitut. Zur Deckung der Unkosten wird von jedem Teilnehmer der Betrag von 10 Mark erhoben: weitere Kosten entstehen nicht. Prospekte und Anfragen durch Herrn Professor Georg Herzog, Pathologisches Institut, Klinik» straßc 32 g. ** Straßensperrungen mitgeteilt vorn Oberhessischen Automobil-Club E. 23. (21. v. D.) Gießen: Ab Montag, 5. September, wird die Strecke 3m Flugzeug von Gießen nach Holland. Don Hanns Arens. Morgens 9 älhr auf dem Gießener Flugplatz: 1 Ich will fliegen, zum erstenmal in meinem Leben, llnb gleich wage ich einen größeren Flug: nach Holland zum Flugtag in Eindhofen, wo die Piloten Maier, Moog und Dietrich Kunstflüge aussühren sollen. Herr Ludwig Maier, Vorstand der Sportflieger-Vereinigung Gießen, war so freundlich, mich mitfliegen zu lassen. Henner M o o g ist der Führer. Er fliegt die tote B. h. \V. Er ist ein sicherer Flieger. Erst 24 Jahre ist er, und schon diese enorme Sicherheit. Wir fliegen! Das ist ein Gefühl, unbeschreiblich für den, der es nicht kennt, älnterdes sind auch Maier und Dietrich gestartet: sie müssen nicht weit hinter uns sein. Ich schaue ahnungslos nach rechts — da erscheint Maier mit seiner Klemm. Ich wende den Kopf. Dieses Schaukeln der Klemm geht mir auf Magen und Derven. Dur nicht hingucken! Immer nach vorn geschaut und in den Himmel. Wie ich dann noch nach links sehe, erblicke ich Dietrich in seiner Klemm, und wieder ist dieses infernalische Saugen in meinem Magen! Ihr werdet mich nicht bekommen, denke ich und starre geradeaus! Aber cs hilft nichts: schon fliegen, oder schweben sic mit uns auf gleicher „Ebene". Da sind sie, auf und runter und so fort, bis Moog Gas gibt und davonrast, hoch und hin zu den Wolken, die nun schon nah bei uns sind. Ich schaue mir die Gegend genau an und freue mich über diesen Flug wie ein kleines Kind, das seinen Wunsch erfüllt bekommen hat. Glaubt es mir: es ist märchenhaft schön. Wer Angst hat, sich in ein Flugzeug zu sehen, der soll sich diese Grille aus seinem Gehirn reißen. Es passiert hier viel weniger als im Auto! Ganz dicht kommen wir an die Wolken. Sic sehen an uns vorüber, als wären mürbe Betttücher, lange nicht gewaschen, hier auseinander- geflogen. Dein, das sind noch nicht die Wolken, die Moog so gern haben will. Später, morgen — denn morgen, am Sonntag, fliegen wir wieder heim nach Gießen. Ich staune nur, immer entdecke ich Deues und reizende Landschaften. Unter uns liegen kleine Gehöfte und Wälder. Wunderbar zu sehen sind immer wieder die Felder. Wie ruhig fließt da ein kleiner Fluß zwischen Wiesen und kleinen Waldungen. Dann wieder ein Dorf, oder ein Städtchen. Man erkennt die wenigen Straßen und Krümmungen. Es geht nichts über einen Flug. Cs ist zauberhaft, dies alles zu sehen. Es ist hier nicht Raum genug, um über den Flugtag zu berichten. Mer Kunstflüge gerne sicht, wird, wenn die Piloten Maier, Moog und Dietrich ihre Figuren fliegen, voll auf seine Rechnung kommen. Diele tausend Holländer hatten einen ereignisreichen Tag. Die wenigen, die ich sprach, waren begeistert. Um 19 Uhr stehen die drei Maschinen wieder startbereit, zum Flug nach Düsseldorf, um dort zu übernachten. Als wir wieder über den Rhein fliegen, begrüßt Moog durch ein paar Kreise einen Ausflugsdampfer. Schallend, wie aus einem Munde, ertönt der Gegen- gruf) der Ausflügler. Wir begleiten den Dampfer ein Stückchen und fliegen dann wieder die alte Richtung. Dieser Flug in den Abend ist berückend schön. Ganz ruhig und ohne die leiseste unangenehme Bewegung ist das Flugzeug in der Luft. Die Sonne geht langsam unter und wirft rötliche Streifen auf die weißen Llbendwölkchen. Dieser Abendflug endete bei Düsseldorf nur allzubald. Es sollte mir aber noch eine große Freude bereitet werden. Moog sagte zu mir am andern Tag, daß wir in die Wolken wollten. Um 14 Uhr starten wir und schnell erreichen wir eine stattliche Höhe. 2400 Meter! Ringsherum ist alles in weih-grau-blau getaucht. Dur diese Farben und dann, wenn die Sonne scheint, dieses unwahrscheinlich Blendende des Lichts. Plötzlich — ganz dicht vor uns schwebt eine dicke, weiße ^olkc, eine Wolken bank. Gleich darauf saust Mc mit Donnergetön in diese Wolke. Ich schaue in alle Richtungen: nichts zu sehen. Wir sind gleichsam in einer Kugel. Cs ist, als ob das Flugzeug' hier still stünde, ja, so scheint es mir, wir halten: Station in den Wolken! Und nur ein Gefühl und einen Wunsch habe ich: lange, sehr lange hier bleiben können! Zudem hat Moog den Motor ab- gestellt: er wollte mir einen recht „märchenhaften" Eindruck verschaffen. Ich werde mäufefiein angesichts dieses Wunders. Wie seltsam dies ist. Aber schon zerreißt der Traum: der Motor summt wieder fein altes Lied. Die Wolke ist bereits durchflogen. Und schon schiebt sich etwas weiter vor uns eine neue Wolkenbank heran. Mit donnerndem Motor und singendem Propeller fliegen wir in die zweite Wolkenschicht. Wie wir aber eben eingefahren sind, spaltet sich die Wolke und es entsteht so eine Art Straße: ich kann es nicht anders sagen: rechts und links eine lange Wolkenbank, in der Mitte ist es frei; Moog dreht seine Maschine in diese Straße und wir fliegen ganz gemütlich entlang. Dielen, allen Menschen mochte man dieses Erlebnis wünschen. Heber uns der blaue Himmel, unter uns die grün-gelblich schimmernde Erde, die „Straße", zur Rechten und Linken die Wolken. Der Motor schweigt und wir „kutschieren" in aller Ruhe hindurch. Die Spitzen der Tragflächen berühren die Wolken. Dann kommt eine Art Rondell, das wir ausfliegen: alles bei abge- stelltcn Motor, dann einen halben Kreis. Bald — leider! — ist die Straße zu Ende. Tief hole ich Atem. Wie war alles so unwirklich, so unaussprechlich schön. Moog nimmt Kurs auf Gießen. Bald überfliegen wir in 1600 Meter Hohe den Flughafen und hier habe ich meine letzte Feuergrobe zu bestehen; aus dieser Höhe geht Moog herunter, aber nicht etwa „normal" und „bedächtig". Dein. Er will mir einen „würdigen" Abschluß bereiten: aus 1600 Meter dreht er eine Spirale! Diese Fülle der Empfindungen und der Zustände zu schildern, reicht das Wort nicht mehr aus. Dis auf 200 Meter herab geht diese Spirale und dann gleitet das Flugzeug mit einer wunderbaren Drehung wieder in die „normale“ Lage. Ein schöner Gleitflug noch, und die Erde hat uns wieder! ... Brauerschwend — Renzendorf im Zuge der Straße Alsfeld—Lauterbach (Fernoer'ehrsstra- ßen-Nr. 49) gesperrt. — Ab Dienstag, 6. September, wird die Strecke Alten st adt — Lindhcim im Zuge der Straße Friedberg—Büdingen gesperrt. — Ab Montag. 12. September, wird die Strecke Heldenbergen — Kaichen im Zuge der Straße Friedberg—Hanau (Fernverkehrsstraßen-Nr. 45) gesperrt. Umleitung über Erbstadt—Kaichen. •• Sterbefällc in Gießen. In der Zeit vom 16. bis 31. August verstorben in Gießen: 16. Elise Walter, Hausangestellte. 27 Jahre. Westanlage 56. 18. Paul Pfeffer, Schlosscrgehllfe, 19 Jahre, Lindengafse 2. 20. Emilie Bramm, geb. Falkenhainer, Wwe., 91 Jahre, Westanlage 36. Elisabethe Baum, geb. Deuber, 59 Jahre, Bleichstraße 2. August Weinmann. Gerichtsrefercndar, 22 Jahre. Löberstraße 1. Heinrich Hölscher. Obcrposllekretär i. R., 71 Jahre, Schollst raße 8. 21. Christine Frey, geb. Wallbott. 68 Jahre, Gabelsbergerstraße 5. 22. älrsula Rausch, 4 Monate, An der Kläranlage 78. Balthasar Amend, Schuhmachcrmelster. 60 Jahre, Hundsgasfe 4. 23. Otto Heßler. Gerichtsvollzieher i. R. 63 Jahre. Bahnhofstraße 29. 25. Kaspar Herdt, Institutsgehilse i. R. 75 Jahre, Wiesecker Weg 28. 27. Rcginc Koch, Kinder- Pflegerin, 21 Jahre, Klinikstraßc 10. 28. Lina Rothamcl, geb. ©lieber, Wwe., 72 Jahre, Karl» Doglstraße 22. 29. Margarete Chmcr, geb. Prüfer, 36 Jahre. Friedrichstraße 3. Heinrich Reh, Schriftsetzer, 53 Jahre, Schützenstraße W. 30. Karoline Dagel, geb. Kreuder, 69 Jahre, Eder- stroße 4. •• Oesfentliche Dücherhalle. 3m August wurden 1286 Bände ausgelieheir. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 879, Literaturgeschichte 1. Zeitschriften 8, Gedichte und Dramen 7, Iugcndschristcn 107, Länder- und Völkerkunde 69. Kulturgeschichte 15. Geschichte undBiographien 100. Kunstgeschichte 6. Daturwissenschaft und Technologie 54. Gesundhcitslehrc 2. Religion und Philosophie 12. Staatswissenschaft 24, Sport 2 Bände. Geschichten aus aller Welt. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Der „Meister der Düfte". (a) Neuyork. In Neuyork ist in einer der belebtesten Geschäftsstraßen ein Laden eröffnet worden, der gllen Par- füm-Liebhabern die wahrsten Wunder verspricht, nennt sich doch der Inhaber auf seinem Ladenschild und in seinen Prospekten den „letzten Meister der Düfte am Hofe des Sultans Abdul Hamid". Neugierige Journalisten haben sich von ihm seine Beglaubigungspapiere zeigen lassen, und aus ihnen geht tatsächlich hervor, daß dieser neueste Neuyorkcr Geschäftsmann am Hofe des letzten türkischen Sultans eine sehr interessante und bedeutsame Rolle gespielt hat. Seine Pflichten bestanden nämlich in folgendem: Sobald eine neue Anwärterin für den Harem des Beherrschers aller gläubigen Moslem vorhanden war, mußte sie sich zuerst beim Meister der Düfte melden. Dieser setzte sich mit ihr eine Stunde lang in ein Privatgemach, unterhielt sich mit ihr über die möglichsten und unmöglichsten Dinge, fragte sic nach Alter, Heimat, Eltern usw. aus und prüfte während dieser Zeit insgeheim nur die eine Frage, welches Parfüm sich wohl am besten für die Eigenart dieser neuen Haremsfrau eignen werde. Vor allem mußte das Parfüm so beschaffen fein, daß es seine Trägerin auf den ersten Blick ooer vielmehr auf den ersten Geruch von allen ihren Kolleginnen unterschied. Daß zu diesem Amt nicht nur eine besonders gute Nase, sondern auch eine umfangreiche Kenntnis aller Parfümerien und der Parfümzubereitung gehörte, versteht sich wohl am Rande, und da der Amerikaner, mehr aber noch die Amerikanerin für derartig sensationelle Dinge immer zu haben ist, dürfte es wohl keine schlechte Spekulation des „Meisters der Düfte" gewesen sein, als er fein Geschäft mitten im Herzen Neuyorks aufmachte. Ein Sonntagskind. (g) London. 3m Seebade von Bournemouth auf der Insel Wight wagte sich kürzlich der Prokurist Meredith aus London, der hier seinen vierwöchigen Urlaub verbrachte, zu weit in die See hinaus, die Kräste verließen den geübten Schwimmer, und er wäre wohl untergegangen, wenn ihn nicht im letzten Augenblick noch ein Motorboot erwischt und an Bord genommen hätte. Am Ufer angekommen, hatte sich Mister Meredith schon wieder erholt, denn er besitzt eine kräftige Konstitution und, wie diese wahre Geschichte des weiteren erweisen wird, ein unglaubliches Glück. Im Hotel angekommen, wo er sich mit einem Whisch-Soda von dem ausgestandenen Schreck erholen wollte, wurde ihm ein Telegramm seines Chefs aus Mittelengland überreicht, das soeben angekommen war und in dem Mister Meredith aufgefordert wurde, auf dem schnellsten Wege nach einer Stadt in dieser mittelenglischen Grafschaft zu kommen, wo sein Chef wichtige geschäftliche Besprechungen hatte, bei denen Merediths Anwesenheit unumgänglich notwendig war. Herr Meredith mietete sich, wieder aus dem Festlande angekommen, sofort ein Automobil zum Flugplatz von Southampton. Llnterwegs stich es mit einem anderen Privatwagen zusammen 'und wurde zertrümmert. Sein Chauffeur wurde dabei schwer verletzt, ebenso die Insassen des anderen Wagens, dessen Besitzer am nächsten Tage im Krankcnhause den Verletzungen erlag. Herrn Meredith indessen war kein Haar gekrümmt worden, und nach einem kurzen, durch polizeiliche Verhöre ausgefüllten Aufenthalt konnte er seine Reise fortsetzen. Er erreichte noch das fahrplanmäßige Flugzeug in Southampton, kam wohlbehalten auf einem mittelenglischen Flugplätze an und mußte den Rest seines Weges mit einem Autobus zurück- legen. In dem Augenblick jedoch, in dem er einsteigen wollte, wurde er von zwei freundlich grinsenden Herren in Zivil an den Armen gefaßt und gebeten, doch ein wenig mitzukommen. Die Herren legitimierten sich als Kriminalbeamte und machten kein Hehl daraus, daß sie sich ungemein freuten, endlich einmal den seit einem halben Jahre steckbrieflich verfolgten Defraudanten und Betrüger X. erwischt zu haben. Die leidenschaftlichen Proteste Mister Merediths blieben fruchtlos, er mußte mit, und erst nachdem man von der Polizeistation aus mehrere Telefonate ausgeführt und sich überzeugt hatte, diesmal den Falschen gegriffen zu haben, wurde Mr. Meredith unter tausend Entschuldigungen aus dem Gewahrsam ent- laffcn. In diesem Augenblick erreichte die Poli» zeistativn eine Hiobspost, die Herrn Meredith erbleichen ließ: der Autobus, an dessen Benutzung er durch die rohe Gewalt der Behörde verhindert worden war, war verunglückt: vier Tote und siebzehn Schwerverletzte. — Aber man soll sich über das unerhörte Glück des Herrn Meredith nicht wundern. Denn er ist, wie er einem Journalisten nachwies, an einem Sonntag geboren. — Tie unfreiwillige Schenkung. (r) Amsterdam. Sparsamkeit ist besonders in der gegenwärtigen ernsten Zeit eine Tugend, die immer und immer wieder gepredigt und auch in praxi angewandt wird. Sie kann aber auch unangenehme Folgen haben, wie das Beispiel des Kassierers der Bauernkreditbank in Barsingerhoorn in Nordholland lehrt. Besagter Kassierer war so sparsam, daß er nie ein Stückchen Papier wegwarf, das noch irgendwie beschrieben werden konnte. Vor einiger Zeit sollte der Kassierer an die Zentralbank 3000 Gulden überweisen. Als er auf die Post kam, mußte er feftfteUen, daß er keine Zahlkarte bei sich hatte. Anstatt nun für einen einzigen Cent eine Zahlkarte zu kaufen, eilte er nach Jjaufe, füllte eine der zahlreichen in feinem Besitz, befindlichen Zahlkarten aus und übergab das Geld der Poft zur weiteren Veranlassung. Einige Tage später erhielt der Kassierer einen Bries, aus dessen Inhalt er nicht recht schlau wurde. Darin bedankte sich nämlich eine Vereinigung für die Unterbringung von Epileptikern, die augenblicklich Gelder für den Bau eines neuen Heims sammelt, für eine Spende von 3000 Gulden, die ihr von einem Unbekannten durch die Vermittlung der Bauernkreditbank in Barsingerhoorn zugegangen waren. Nach einigen Tagen sprach der Kassierer gelegentlich des Markttages über diese merkwürdige Angelegenheit mit dem Vorsteher der Bank. Dieser stellte Nachforschungen an, die zu dem Ergebnis führten, daß man den geheimnisvollen Spender in der Person des Kassierers selbst zu suchen habe! Dieser hatte nämlich die 3000 Gulden nicht an die Zentralbank, sondern auf das Konto der genannten Vereinigung überwiesen. Und zwar nur deswegen, weil er aus Sparsamkeit die ihm einmal von der Vereinigung mit einem Bittbrief ^gegangene Zahlkarte aufbewahrt hatte und in der Eile statt einer normalen Zahlkarte benutzte. Nun klagt der Kassierer Stein und Bein, und es werden alle möglichen Versuche unternommen, die unfreiwillige Schenkung rückgängig zu machen. „Wir kaufen Heuschrecken . . - Paris. Es verging sonst kein Jahr, in dem nicht bitterste Klagelieder aus Aegypten. Syrien und Dordafrika nach Europa gelangten: die Heuschrecken hatten in riesigen Schwärmen die Felder verwüstet, die Bäume leer und kahl gefressen, die Gärten in Einöden verwandelt. Aber jetzt ist man in ganz Algier — und in den anderen von Heuschrecken geplagten Ländern — von freudigem € taunen erfüllt. Die Regierung hat nämlich eine telegraphische Anfrage einer bekannten Pariser Lebensmittelfirma erhalten: „Wir kaufen Heuschrecken auf! Gesalzen und getrocknet. Drahtet sofort, welches Quantum greifbar.“ Man denke sich: jemand will Heuschrecken kaufen. Wozu und weshalb? Was kümmert das die Dordafrikaner. Eie werden sie los und erhalten sogar noch Geld dafür. Ganz nett und sehr erfreulich, aber ist man vorher bald darin erstickt, so hat man jetzt kaum eine zur Verfügung. Die Heuschrecken sind da gewesen, aber wieder verschwunden, wie das in jedem Jahre geht. Die Dachfrage kam zu spät. älnd deshalb schickte man folgendes Telegramm zurück: „Leider in diesem Jahr Heuschreckenplage vorbei, daher Ware vergriffen, empfehlen uns für nächste Saison zu billigsten Preisen, in jeder Menge. Drahtet, ob lieber gesalzen oder getrocknet." Man überlegt nun schon, wie man die „Ware" am besten herrichtet, damit sie einwandfrei und in einer den Lieferanten zusriedenstellcmden Weise in die Hände der Firma gelangt. Wann hätte man je gehört, daß man ungeahnte Mengen Heuschrecken kaufen will? Sollten die Pariser auf den Geschmack gebracht werden, will man eine neue Delikatesse für Europa schassen? Diemand weih es. Die Firma hüllt sich in Schweigen. Die einen vermuten, sie will eine Soße daraus machen, die anderen sprechen von Konservenheuschrecken mit pikanten Gewürzen. Die Europäer werden es schon erleben, wenn die nächste Heuschreckensaison angebrochen ist — bisher nannte man es Plage. Tekameron der Briefmarken. (k) Rom. Das italienische Postministerium hat jetzt neue Briefmarken herausgebracht, die ausschließlich der Literatur und Wissenschaft gewidmet sind. Die Serie vermittelt angenehmen und anschaulichen Dachhilfeunterricht für alle, die einmal bei der Literaturstunde ..gefehlt" haben. Den Anfang macht natürlich der größte Dichter Italiens, Dante Alighieri (1265/1321), dessen Hauptwerk, „Die göttliche Komödie", in fast alle lebenden Sprachen überseht ist. Dann folgt der Vater des Humanismus, Francesco Petrarca (1304/1374), der als Lyriker in seinem „Canzoniere" das Erbe der Troubadours seelisch verfeinert und formal vereinfacht, der Neuzeit überlieferte. In der Folge erlebt seine Driesmarkenrenaissance Torquato Tasso (1544/1595), dessen Darstellung des ersten Kreuzzuges lange Zeit hindurch das bekannteste Dichterwcrk der italienischen Literatur war. Weniger befannt dürfte der auf der nächsten Freimarke Abgebildete sein: Giacomo Levpardi (1798'1837), seines Zeichens Graf, Dichter und Philologe. Verkünder tiefempfundenen Weltschmerzes und heißer Vaterlandsliebe. Wohingegen der Dame von Giosuc Earducci (1835/1907) auch der heutigen Generatton geläufig ist: als Professor der Literatur in DolvMa sowie Verfasser literarhistorischer Werke erhielt er ein Jahr vor seinem Tode den Dobelpreis. Ergänzt wird die neue Driefmarkenreihc durch Signor Gio- vanni Boccaccio (1311/1375). Mag Boccaccio, ein Freund Petrarcas, auch ein großer Dichter und sogar älniversitätsprofefsor gewesen sein, war er auch ein bedeutender Humanist. Philolog und zeitweilig sogar als Diplomat tätig, so beruht sein Ruhm doch auf seinem „Dccamerone“, einer Sammlung von hundert einigermaßen kitzligen Do- vellen. Gott sei Dank ist nur sein Bildnis, nicht aber einzelne Szenen aus seinem auch in Deutschland weitverbreiteten „Dekameron" üertiielfältigt worden, obwohl mit solchen Szenenbildern Italien sicher den ganzen Defizitposten in seinem Etat abdecken könnte... in Sjj.-tfpori lX.FaustbattrundedesTv.lS46Gießen auf dem Hniversitäts-Spvrtplah. Zum neunten Male führt der Tv. 1846 Gießen als Abschluß der Sommerspielzeit sein weit über die Grenzen des Hessengaues bekanntes Faustballturnier durch. Das ausgezeichnete Meldeergebnis, das mit 27 Mannschaften das des Vorjahres noch übertrifft, beweist erneut die große Beliebtheit, die sich die Gießener Faustball-Großveranstaltung im Laufe der Jahre erworben hat. Namen aus der Faustballhochburg Frankfurt wie Tv. 1860 Ffm., IG.-Sportverein, Postsportverein bürgen dafür, daß guter Sport geboten werden wird. Die Oberleitung des Turniers liegt in den Händen von Spielwart Mohr: ein Stab von erfahrenen Mitarbeitern steht ihm zur Seite, der für die einwandfreie Abwicklung der rund 50 Spiele Sorge tragen wird. In sämtlichen Klassen werden Wanderpreise ausgespielt, die im Vorjahre mit einer Ausnahme nach Frankfurt gingen. Auch in diesem Jahre wird sich hieran in Anbetracht des hohen spielerischen Könnens der Frankfurter Mannschaften kaum etwas ändern. In edr Meisterklasfe, die acht Nennungen erfahren hat, wird der Tv. 1860 Ffm. den Wanderpreis erfolgreich verteidigen. Den 2. und 3. Platz dürften IG.-Sportverein und Postsportverein untereinander ausmachen. Doch sind gerade hier äleberraschungen nicht ausgeschlossen, zumal wenn ihre Gegener Vereine wie Tgs. Bieber, Herborn, Tgm. Friedberg sind, die sämtlich über eine große, in zahlreichen Verbandsspielen höherer DT.-Organisa- tionen erworbene Spielerfahrung besitzen. Heber die Aussichten der ersten Mannschaft des Tv. 1846 ist kaum etwas vorauszusagen, da die Mannschaft durch häufige Umstellungen in diesem Jahre eine zu schwankende Form gezeigt hat. In der ^-Klasse — neun Mannschaften treten hier an — ist das Leistungsniveau ausgeglichener. Doch wird es der 2. Mannschaft des Tv. 1846, die im vergangenen Jahre den Sieger in der ^-Klasse stellte, ohne eine ganz besondere Anstrengung nicht gelingen, den Wanderpreis zu behalten. Wir nennen als gleichwertig, ohne über ihre Placierung etwas sagen zu können, Tv. 1860 Ffm. III, Tgs. Bieber II und Herborn II, Ballersbach, Holzheim. Daneben sind noch vertreten Mtv. Gießen, Langsdorf und Weilmünster. D.e Turnerinnenklasse sieht fünf Mannschaften im Wettkampf, von denen die des 2G.- Sportvereins die meisten Siegesaussichten hat. Doch sind Mtv. Gießen und Tv. 1860 Ffm. sehr ernst zu nehmende Gegner und ebenfalls Anwärter auf den 1. Platz. In der Altersklasse, in der Postsportverein Frankfurt, Tgm. Friedberg und Tv. 1846 Gießen zusammentreffen, sind ausgeglichene Kämpfe zu erwarten, aus denen nicht unbedingt der vorjährige Sieger, Postsportverein Frankfurt, als Erster hervorzugehen braucht. Um alle Altersstufen in Aktion treten zu lassen, steigt am Nachmittag ein Spiel der Schüler des Mtv. gegen die des Tv. 1846. Das Turnier findet auf dem Universitäts-Sportplatz statt, die Vorkämpfe um 9 Uhr, die entscheidenden Spiele beginnen um 15 Uhr. III. Bezirks-Tennisturnier. Die ersten Ergebnisse. Arn Donnerstagnachmittag begann das 3. Bezirks- Tennisturnier in Gießen, das der Gießener Tennis- Club anläßlich seines 10jährigen Bestehens auf den Tennisplätzen hinter dem Schützenhaus abhält. Das Meldeergebnis ist als ausgezeichnet zu betrachten, da eine große Anzahl von Spitzenspielern aus Frankfurt, Darmstadt, Mainz-Wiesbaden und Kassel vertreten sind, so daß man bereits bei den letzten 8 äußerst spannende Kämpfe erwarten darf. Die Turnierleitung liegt in den bewährten Händen von H. B o ck und E. L. von G r o l m a n. In der 6- Klasse konnten bereits folgende Ergebnisse erzielt werden: Herren-Einzel: Meesmann — von Schenck 6:0, 6:3; Engisch — H. Hildebrandt 6:1, 7:5; Hofmann — Schußler 4:6, 6:0, 6:4; Köttgen — Pop- pert 6:1, 6:1; Meesmann — Szubinski 6:3, 6:0. Damen-Einzel: Frl. Poppert — Frl. N. Szubinski 8:6, 6:3; Frl. Stückrath — Frau von Stockhausen 6:1, 6:4. Herren - Doppel: Bock/Poppert — von Schenck/Gutermuth 6:0, 8:6. Gemischt-Doppel: Frau v. Schenck/K. Hildebrandt — Frl. Poppert/Poppert 6:0, 8:6. Da die Spiele am Freitag erst gegen Abend fortgesetzt werden konnten, wird am Samstag und am Sonntag von 9 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit gespielt. Kampf um die ersten Punkte... Oie Verbandsspiele der I. Bezirksklaffe beginnen. 1900 — Frohnhausen. Das erste Verbandsspiel bestreiten die 1900er auf eigenem Platz. Als erster Gegner ist die Mannschaft des FC. „Oranien" Frohnhausen ausersehen. Die Gäste waren erst vor kurzem in Gießen und verloren gegen die Liga des VfB. mit 4:2 Toren, nachdem das Vorspiel schon mit 4: 0 verloren gegangen war. Daraus kann man schließen wollen, daß der erste Verbandsspielgegner für die 1900er keine allzuschwere Aufgabe darstellen wird. Die Gäste spielen nicht jenen ausgefeilten Fußball, den die 1900er zeigen sollten und zeigen können, wenn sich die Mannschaft auf ihre Leistungsfähigkeit besinnt. Die Ueberlegenheit der Blauweihen muh auf dem Gebiete der Technik liegen, bei der besseren Ballbehandlung und der genauen Kombination. Die Frohnhausener werden sich auf Zerstörungsspiel beschränken müssen. Nur wenn sie den nötigen Eifer und Kampfgeist mitbringen, werden sie das Spiel offen halten können. Nach dem ausgezeichneten Kampf gegen Wetzlar sollte ein Sieg der Spielvereinigung 1900 keinen Augenblick fraglich sein. Die Blauweihen treten in folgender Aufstellung an: Schlarb; Luft, Zeilen Glitsch, Langsdorf, Henrich; Schmidt, Göbel, Lippert, Arnold, Heilmann. Diese Mannschaft stellt die stärkste Elf der Spielvereinigung dar. Das verpflichtet! ... DfB. — Wetzlarer Sportverein. Dor ungleich viel schwereren Aufgaben stehen die Leute vom Waldsportplah. Erstens: den schwersten Gegner der Verbandsspiele haben sie vor der Klinge; zweitens: auf des Gegners Platz müssen sie antreten, drittens: sind sie voraussichtlich ersatzgeschwächt und haben von vornherein keine allzu großen Chancen. Bei all der guten Meinung, die man von der Ligamannschaft des VfB. gegenwärtig haben kann, ist es doch sehr fraglich, ob sie sich gegen die Wetzlarer durchsetzen können. Nicht etwa will damit gesagt sein, dah die Grünweihen den Wetzlarern in technischer Hinsicht nicht gewachsen wären (hier besteht kein wesentlicher Unterschied), viel schwerer wird es fein, sich gegen das wuchtige Spiel, das die Gastgeber schon von jeher pflegen, durchzusehen. Man wird sich dessen erinnern, daß besonders in der zweiten Halbzeit des Spieles der 1900er gegen Wetzlar von den Notweihen eine ganz ausgezeichnete Partie geliefert wurde. Auf eigenem Platze und vor lebhaft Anteil nehmendem eigenen Publikum, im ersten Verbandsspiel, im Kampf gegen den ehemaligen Vertreter der Oberliga werden die Gastgeber alles aufzubieten wissen, um sich den Sieg und damit die ersten Punkte in Wetzlar zu halten. Wenn die Giehener nicht von Anfang an auf Erfolg spielen, dann begeben sie sich von vornherein aller Chancen. Zu allem Heberfluh ist Dingel nicht intakt und wird, wenn er nicht ganz fehlt, kaum voll aktionsfähig sein. Fenster, der als Läufer doch immer sehr brauchbar ist, wird voraussichtlich auch nicht dabei sein, weil er für einen Sonntag Spielverbot hat. Die Aussichten sind also nicht sehr günstig. Ein Hnentschieden wäre schon ein sehr ehrenvolles Ergebnis und ein Sieg wäre eine ebenso große, wie angenehme Heberraschung. Lokaltreffen der Jugend. 1900 1. Jugend — VfB. 1. Jugend. Dor dem Spiel 1900 gegen Frohnhausen treffen sich die beiden 1. Jugendmannschaften der beiden Lokalvereine zu einem Verbandsspiel. Es dürfte ein spannender Kampf zu erwarten sein, denn die Mannschaften sind sich ziemlich gleichwertig. Allerdings haben die 1900er einige Chancen für sich, die nicht zu unterschätzen sind. VfB. mußte aus der 1. Jugend einige Kräfte zu den Aktiven überschreiben und ist dadurch sicherlich etwas benachteiligt. Der Zusammenhang in der Mannschaft wird dadurch doch immer wieder etwas gestört. Dah das Spiel auf dem Platz des Gegners ausgetragen wird, ist auch kein Vorteil für die Grünweihen. Die Jugend wird nach dem ehrenvollen Ergebnis gegen die Jugend der Spielvereinigung Fürth eine tüchtige Portion Selbstvertrauen gewonnen haben, das sie etwas Oberwasser haben läßt. Da aber beide Mannschaften über ein sehr ansprechendes technisches Können verfügen, steht nicht nur ein spannendes, sondern auch ein schönes Spiel bevor. Untere Mannschaften. Nachdem die Ligareserve am vergangenen Sonntag gegen die 1. Mannschaft von Flensungen auf eigenem Platze mit 4:0 Toren gewinnen konnte, steht sie am morgigen Sonntag auf des Gegners Platz der gleichen Mannschaft gegenüber. Wenn auch den Gastgebern der Platzvorteil wichtig erscheinen dürfte, so sollten die Grün-Weihen doch einen Sieg, auch wenn er knapp ausfällt, mit nach Hause bringen. Die 3. Mannschaft betreibet bereits das Rückspiel gegen die 1. Mannschaft des Vereins „Sportfreunde" Wetzlar und wird sich auch diesmal anftrengen müssen, wenn sie einigermaßen gut abschneiden will. Zum Siege wird es nach dem verlorenen Vorspiel kaum reichen. Diel. Jugend tritt zum Verbandsspiel auf dem Platz der Spielvereinigung gegen die 1. Jugend des Lokalgegners an. Ein zweites Lokalspiel sieht die Schülermannschaften der beiden Vereine einander gegenüber. Anerkennung für die Turnerinnen des Tv. 1846 Gießen. Der Turnverein 1 8 46 Gießen erhielt vom Berkehrsoerein Bad-Nauheim folgendes Schreiben: „Ein hier wohnender amerikanischer Kurgast, der sich die turnerischen Darbietungen (im Rahmen des 12. Gaufrauenturnens des Gaues Hessen der DT. D. Red.) am Samstagabend in der Turnhalle an« gesehen hat, bittet uns, ohne Namensnennung Ihnen für ine ausgezeichnete Leistung Ihrer Damen« „Mannschaft" seine Hochachtung auszudrücken. Bc« sondere Anerkennung wünscht er der Turnerin (Helma Schmieder) auszusprechen, die vom Saale aus gesehen in der vordersten Reihe als zweite von rechts gestanden hat, weil sie mit besonderer Grazie und Exaktheit der Hebungen geglänzt habe." Deutschlands Olympiamannschaft wieder in der Heimat. Arn Freitagvormittag traf die deutsche Olympiamannschaft aus Los Angeles wieder auf heimatlichem Boden ein. Gegen 13 Uhr kam der Hapag« dumpfer Deutschland in Sicht. Kurz vor 14 Uhr machte er dann an dem mit bunten Flaggen geschmückten Landungssteg in Cuxhaven fest. Die Bord« kapelle spielte das Deutschlandlied. Die Olympia« mannschaft war auf dem Promenadendeck versam, melt, wo die ersten Begrüßungsansprachen gehalten wurden. Als erster Redner wies Direktor W a r m « bald von der Hapag darauf hin, daß zwischen Sport und der Schiffahrt eine gewisse Parallele liege, da es hierbei nicht immer auf die Spitzenleistungen ankomme, sondern auf guten Durchschnitt. Wenn auch die deutschen Olympiateilnehmer nicht mit den Erfolgen heimkehrten, wie man es ursprünglich erwartet habe, so habe die deutsche Mannschaft doch ihren Zweck erfüllt, zwischen den Ländern und Völkern gute internationale friedliche Beziehungen zu schaffen. Sodann hielt noch eine Reihe anderer offizieller Vertreter Begrüßungsansprachen. Im Sonderzuge ging es dann nach Hamburg weiter. Auch auf dem Hamburger Bahnsteig hatte sich, wie schon in Cuxhaven, eine riesengroße Menschenmenge eingefunden, die die Sportler begeistert empfing. Wirtschaft. Oie Deutsche Reichsbahn im Juli. Im Güterverkehr der Deutschen Reichsbahn hielt der Verkehrsrückgang im Juli weiter an. Die Zahl der für den Gesamtverkehr in arbeitstäg- lichem Durchschnitt gestellten Wagen betrug im Juli 96 940, gegen 99 337 im Juni und 111 511 im Juli 1931. Dec Expreß- und Eilgutverkehr gestaltete sich infolge des starken Versands von Obst und Gemüse lebhafter. Im Personenverkehr wurden im Juli, dem Monat des stärksten Sommerurlaubs- und Ferienverkehrs, trotz verringerter Einkommensbasis breiterer Volksschichten im ganzen höhere Verkehrsziffern als im Vormonat erreicht, bei weitem aber nicht der Verkehrsumfang früherer Jahre. Insgesamt wurden 4984 überplanmäßige Züg'e gefahren, gegenüber 3418 im Juni und 6667 im Juli 1931. Die Betriebseinnahmen beliefen sich im Juli auf insgesamt 253,12 Millionen Mark (Juni 245,42), wovon auf den Personen- und Gepäckverkehr 95,24 (79,93) Millionen Mark, auf den Güterverkehr 138,11 (144,72) Millionen Mark und auf sonstige Einnahmen 19,76 (20,76) Millionen Mark entfielen. Die Ausgaben der Betriebsrechnung stellten sich auf 250,85 (307,54) Millionen Mark. Einschließlich des Dienstes der Schuldverschreibungen und Anleihen und der festen Lasten ergaben sich Gesamtausgaben von 266,14 (322,67) Millionen Mark. Die Gesamteinnahmen waren um rund 8 Millionen Mark höher als im Vormonat, blieben aber um rund 106 Millionen Mark hinter Juli 1931 und um rund 247 Millionen Mark hinter Juli 1929 zurück. Die Einnahmeverbesserung im Personen- und Gepäckverkehr um rund 15 Millionen gegenüber Juni ergibt, sich aus regerem Urlaubs- und Ferienverkehr. Während der Einnahmerückgang von Januar bis Mai gegenüber 1929 durchschnittlich 30,2 Prozent betragen hatte, erhöhte er sich für Juni und Juli auf 41,1 Prozent. Daraus ergibt sich, daß der Personen- und Gepäckverkehr besonders in den Sommermonaten stärker als zuvor nachgelassen hat. Die Einnahmen waren im Juli 30,5 Prozent niedriger, als im Vorjahre und 54,3 Prozent geringer als im Jahre 1929. Die Gesamteinnahmeausfälle in den ersten sieben Monaten des Geschäftsjahres 1932 betragen gegenüber 1931 im Personen- und Gepäckverkehr 157,3, im Güterverkehr 428,1 und bei den Gesamteinnahmen 635,7 Millionen Mark. Die Monatsrechnung schließt mit einer Mehrausgabe von 13 (Juni 77) Millionen Mark ab, womit sich für die ersten sieben Monate die durch Einnahmen nicht gedeckten Ausgaben auf rund 460 Millionen Mark erhöhen. Der Personalbestand betrug im Juli 606 318 Köpfe gegenüber 609 988 im Juni. Der Minderoerbrauch ist hauptsächlich auf Verringerung der Belegschaft in den Ausbesserungswerken und auf erhöhte Feierschichten zurückzuführen. * Die Maschinenfabrik Hartmann AG., Offenbach a. M., hat nach Abschreibung gen von 40 073 (56 235) Mark einschließlich eines Dorjahresverlustes von 42 788 Mark im Jahrs 1931 einen Verlust von 378 682 Mark erlitten. Dis am Jahresbeginn 1932 stark verminderte Belege schäft konnte bisher voll beschäftigt werden. Dig Gesellschaft glaubt, weitere Verluste vermeiden zu können. * Phönix AG. für Bergbau und Hüttenbetrieb, Düsseldorf. In deo gestrigen Aufsichtsratssihung der Phönix AD. für Bergbau und Hüttenbetrieb, der Holding-« gesellschaft der Vereinigten Stahlwerke,, wurdg der Abschluß für das am 31. März 1932 beendete Geschäftsjahr vorgelegt. Der Aufsichtsrat be* schloß, der auf den 29. September einzuberufen- den Generalversammlung vorzuschlagen, das Aktienkapital durch Einziehung von nom. 13 Mill. Mark Vorratsaktien von 205 auf 192 Mill. Mark zu verringern und die gesetzliche Rücklage von 30 auf 22 Mill. Mk. zu ermäßigen. Der sich ergebende Duchgewinn soll zu Abschreibungen auf Wertpapiere und die Anleihedisagio-Rechnung verwendet werden. (3m Vorjahre wurden aus 10,31 Mill. Mk. Reingewinn 4,5 v. H. Dividende verteilt und 0,97 Mill. Mk. vorgetragen. Sronffurfer Aöendbörse weiter fest. Frankfurt a. M., 2. Cept. An der Abendbörse konzentrierte sich das Interesse wieder hauptsächlich auf den Rentenmarkt, während am Aktienmarkt nur einige Spezialwerte bevorzugt waren, doch war die Haltung auch hier allgemein fest. Größeres Interesse erhielt sich vor allem für Dergwerksaktien, von denen Harpener mit plus 2 Proz. gegen den Berliner Schluß im Vordergründe standen; die übrigen Montanaktien zogen von 0,50 bis 1 Proz. an. Auch die übrigen Marktgebiete erzielten neue Besserungen von 0,25 bis 0,50 Proz., Betula gewannen 1,40 Prozent. Im Freiverkehr waren Ädlerwerke mit 26 Proz» nach 24 Proz. heute mittag gesucht. Am Renten markt setzten deutsche Anleihen, Reichsschuldbuchforderungen, Stadt-Anleihen, Pfandbriefe und Jndustrieobligationen ihre Auf- wärtsbewegung fort. Die 7proz. Berliner Verkehrsanleihe gewann gegen gestern abend 4 Proz. Im Verlaufe traten meist weitere Erhöhungen von 0,25 bis 0,50 Proz. sowohl für Aktien als auch für Renten ein; später bestand für Aktienwerte verschiedentlich etwas Realisationsneigung, doch schloß die Börse in durchaus fester Haltung. Altbesih 53 bis 53,25, Harpener 74, Mannesmann 54,25 bis 54, Bekula 104,65, IG.-Farben 95,25 bis 95,50, Dt. Erdöl 77,50 bis 77,75, Zellstoff Waldhof 43 bis 43,75. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o. S), Lombardzinsfuß 6 v. H. Frankfurt a. 2J1. Berlin Schlußkurs Echlußk. Abend- börsc Schlußkurs Echlußk. Mittag- börse Ofllum 1.9. 2.9. 1.9. 2.9. 6% Deuyche Retchsanleihc v.192. 61 64,5 61 64,5 b% ehcm.7%Tt.ReichSanl.v.l929 5’/i% Dvung-Anleihe von 1930 . Deutsche Anl^Ablös.-Cchuld mii — 71,75 70 70,9 63,5 64 63,5 64 Ausloj.-Rechten...... 51,9 53,25 52 52,4 Desgl. ohne Auslos.-Rechte . . 6% ehem 8%Hesj. Volksstaat 1929 5,9 6,2 5,75 6,1 lrückzahlb. 102%)...... Obcrhejlen Provinz-Anleihe mit 57 58,5 58,5 — Auslo,'.-Rechten...... Deutsche Komm. Sammelabl. 49 49 — — Anleihe Serie 1....... 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Bank 49,25 50 48,75 49,25 Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 6% ehem. 7% Franks. Hyv^Banl Goldpie 16 unkündbar bis 1936 6'/,% ehem. 4%% Frankf.HyP^ 68,75 70,5 — 68,5 — — Bank liiqu. Psauvbriese . . . b-4% ehem. 4'/,% Rheinische 78 78 — — Hyv.-Bank-Liqu.-Goldpsc. . 6% ehem. 8% Pr. Landcspsand- 79 79 — — brtesanslali Pfandbriefe R. 19 6% ehem. 7% Pr. Landespsand- 67 68 67,5 67,5 briefanstalt Pfandbriefe R. 10 67,5 68,5 — — 4% Oesterretchische ©olörente . 4,20% Oesterretchische Silberrente 4% Ungarische Goldrente .... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4'/r% desgl. von 1913..... 5% abgest. Goldinexilaner von 99 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anlcihe Serie I . . . • • • 4% desgl. Serie II...... 6% Ruinän. vereinh. Rente 6.1903 4i4%Rumän.veretnh.Rentev.1913 4% Rumänische veretnh. Rente 214% Anatolier 10,4 11 10,6 11 —— 1,25 — —• 7,3 7,9 7,1 7,75 6,5 6,6 6,55 7,75 — — — 6,75 7,5 7,5 7,13 7,1 4 4,1 4 3,8 4 4 4,1 — 3,9 3,95 — — 6,3 6,75 6,65 6,8 11,75 11,75 12 11,9 5,75 5,7 5,7 5,75 17.”5 17,25 17.25 17.3 Sranffurt a.M. Berlin Schlußkurs Echlußk. Abend« börsc Schlußkurs Schluß!. Dlitlag. börse Datum 1.9. 2.9. 1.9. | 2.9. Hamburg-Amerua Paie. . . u 15,75 16,13 16 16 Hamburg-Südam. Dampfschiff 0 31,25 31,5 Hansa Dampsschiss . . l — 25 25 Norddeutscher Lloyd .... < 16,5 16,9 16,75 16,65 A.G. für Verkehrswesen Mt. 0 45,25 46,75 46 46,4 Berliner Handelsgesclischast . 4 89 90,5 90 91 Commerz, und Privat-Bank . 0 53,5 53,5 53,5 53.5 Darmstädter und Nationalbani 0 18,5 18,5 Deutsche Bank und Dtsconto-Gesellschast. . . 0 75 75 75 75 Dresdner Bant...... 0 18,5 18,5 61,75 61,75 Reichsbank ...... 1 131 132 131,9 131,5 A.C.G. . ..... . 0 40,75 41 41,5 40,65 Bergmann........ . 0 — Elektr. Lieferungsgelellschaft. 5 73,5 72,5 72,5 72,25 Licht und Krasl...... 6 87,5 88 88 87,75 Felten & Guilleaume.... C 52,5 52 52,5 53,5 Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 4 73.5 74 73,75 73,75 Rheinische Elektrizität . . . 618 73,5 74 73,75 73,75 Schuckert L Co....... 0 76,5 76,5 76,5 76,5 Siemens & Halske..... 9 141 140,5 140 140 Lahmeyer LCo....... 10 96 95,5 95 93,5 öuoeiu......... . 4 36 36 35,5 35 Deutsche Erdöl...... . 6 78 77,75 77 77,5 Gelsenkirchener...... . 8 39,25 41 38,75 40,5 Harpener......... . 0 71775 74 71 72 Hoejch Eisen........ . 6 — 35,9 36,65 Ilse Bergbau....... 10 138 — 135 Ilse Bergbau Genüsse . . . 95 94,5 95 94 Klöcknerwcrie...... . 6 34,5 35 35 34,9 Mannesmann-Röhren . . . . 6 52 54 55,5 53,75 Mansselder Bergbau .... . 0 21,4 23 20,9 23,75 Oberschles. Kokswerke . . . . 8 40,25 41,5 Phönix Bergbau...... <’/i 21,75 23,75 22 23,65 Rheinische Braunkohlen. . . 10 188 186,5 186,25 186 Rbeinftahl........ . e 60,25 61,5 61 Frankfurt a. 271. Berlin Schluß« kurs Schluß!. Abend« börse Schluß- lurs Schluß!. Mittag- börse Dalum 1.9. 2.9. 1.9. 2.9. Rlebeck Montan...... — — — — Bereinigte Stahlwerke . . . . 0 18,75 20 19,25 19,5 Otavi Minen....... 0 17,75 17,5 17,5 18,25 Kaliwerke Aschersleben ... 6 108 110 108,5 110 Kaliwerke Westeregeln ... 6 115 115,5 114,5 115,25 Kaliwerke Salzdetfurth ... 9 180 181 180,5 181,75 I. G. Farben-Jndustrie... 7 Scheideanstalt.......10 Goldschmidt.........0 RütgerSwerke........0 Metallgelellschaft.......0 Philipp Holzmann......0 Zementwerk Heidelberg. ... 4 Cementwerk Karlstadt.....0 Wayß & Freytag......0 Schultheis Patzenhoser ... 0 Mu lWlgemeine Kunstseide) 0 Bcmberg......... 0 Zellstoss Waldhos..... 0 Zellstoss Aschaffenburg ... 0 Dessauer Gaö........7 Daimler Motoren......0 Deutsche Linoleum.....0 Orenstein & Koppel.....o Leonhard Tietz.......e Svenöka......... o Chade..........12 94,5 95,5 95,5 95 139,25 138,75 — —— 31,5 31 31,75 29,9 39,5 39,5 40,25 38,75 37,25 38,5 37 38 55,5 56 55,13 55,5 52,75 53,5 — — 40 41 —— — 5,75 6 — — _ _ 61,5 60,65 50,75 52 51,5 50,5 54 55 54 55,25 41,5 43,75 42,5 43,25 29,5 28,5 29,13 28,75 — 92,5 91,65 19 22,5 19,5 21,65 46 47,5 46,5 47,75 —— 35,25 35,9 48 47,75 48,75 48,25 173,5 174 172 174 Frankfurter Maschinen . . . . 0 Gritzner..........y Mainkrastwerlc Höchst a. M.. .4 Süddeutscher Zucker.....8 - — 20 19,5 19,25 19 58 57 128,25 127,5 129 125,5 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a.M. 1 .September 2. September Amtliche Notierung Geld | Sriei Amtliche Notierung Geld | Briet Helstngsors . Men. . . . Prag . . . Budapest. . Sofia . . . Holland . . Oslo. . . Kopenhagen Stockholm London. . Buenos Airetz Neuyorl . Brüssel. . Italien. . Paris . . Schweiz . Spanien . Danzig. . Japan . . Rio de Jan. Jugoslawien Listabon . 6,264 51,95 12,465 3,057 169,63 73,13 75,22 74,92 14,59 0,913 4,209 58,34 21,60 16,495 81,55 33,87 82,07 0,969 0,321 6,693 13,34 6,276 52,05 12,485 3,063 169,97 73,27 75,38 75,08 14,63 0,917 4,217 58,46 21,64 16,535 81,71 33,93 82,23 0,971 0,323 6,707 13,36 Banknoten 6,274 51,95 12,465 3,057 169,63 73,13 75,22 74,92 14,59 0,913 4,209 58,34 21,60 16,495 81,53 33,87 82,09 0,949 0,321 6,693 13,31 6,286 52,05 12,485 3,063 169,97 73,27 75,38 74,98 14,63 0,917 4,217 58,46 21,64 16,535 81,69 33,93 82,18 0,951 0,323 6,707 13,33 _______ötrlln, 2.September Geld Brief ‘ Amerikanische Noten .... Belgische Noten......... Dänische Noten......... Englische Noten......... Französische Noten........ Holländifche Noten........ Italienische Noten....... Norwegische Noten........ Deuts ch-Oesterreich, * 100 Schilling Rumänische Noten........ Schwedische Noten........ Schweizer Noten......... Spanische Noten......... Ungarische Noten........ 4,20 58,18 75,05 14,55 16,455 169,26 21,56 72,95 2,49 74,75 81,35 33,73 4,22 58,42 75,35 14,61 16,515 169,94 21,64 73,25 2,51 75,05 81,67 33,87