Ur. 180 Erstes Blati 182. Jahrgang Mittwoch, 3. August (952 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle monats=Be$ng$pteis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Siehrn. Postscheckkonto: Zrankfurt am Main 11686. SietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'sche Univer^läls Buch- tmö Zteindruckerel R. Lange in Giehen. Zchriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7. Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°,n mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Will). Gange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Giehen. Die Veteranenarmee in Washington. Von Dr. Otto H. F. Dollbehr. (RachDruck, auch mit Quellenangabe, verbotenI) ADR.: Die nach Absendung dieses Berichtes überraschend duvchgeführte rücksichtslose ZerstörungunDVerbren- nung des Veteranenlagers vor Washington erhöht nur noch die Bedeutung der in folgendem 2lufsah angekün- digten Gefahren. Die Schlacht, die Washingtoner Polizei und amerikanische DunDes- truppen den Veteranen geliefert haben, hat die amerikanischen Soldaten des Weltkrieges offenbar endgültig zu Märtyrern ihres umstrittenen Rechts gemacht. Die Deteranen- bcwegung ist durch die Erstürmung und Verbrennung des Deteranenlagers nicht beendet — sie scheint einen neuen Auftrieb bekommen zu haben. Washington, Suli 1932. Roch habe ich den rhythmischen Gleichklang genagelter Soldatenstiefel im Ohr wie er stundenlang die mitternächtige Stille um das Weihe Haus herum bedeutungsvoll unterbrach. Es war meine letzte Rächt in Washington und die unmittelbare Nachbarschaft meines Hotels gestattete mir, den geisterhaften „Todesmarsch" der zerlumpten Gestalten zu beobachten, die gewissermaßen aus dem Düster ihres Daseins auftauchten, um dann wiederum in das Düster ihrer unmittelbaren Zukunft unterzufinken. Diese „Bonus-Armee" ist vielleicht Das deutlich st e Zeichen der amerikanisch en Lage von heu te. Diese Veteranen Des Weltkrieges sehen sich durch die Rot getrieben, Hilfe da zu suchen, von wannen sie ihnen kommen soll, nämlich vom Kongreß, der allein über die Geldkatze Onkel Sams verfügt. Seit Wochen lagen sie vor den Toren der Bundeshauptstadt in einem Sumpfgelände unter notdürftigem Strohdach, um ein angebliches Recht zu erzwingen. Der Kongreß weigerte sich indessen beharrlich, die 2,4 Milliarden Dollar zu bewilligen, welche die Veteranen als ihren begründeten An- spruch erklärten. Da aber der Fälligkeitstermin Dieser Forderungen noch dreizehn Jahre in der Ferne liegt, und da der Kongreß alle Hände voll zu tun hat, um ein Defizit von drei Milliarden zu decken, so mußte der Bonus eben unbewilligt bleiben. Und als der Kongreß ollen Drohungen zum Trotz heute um Mitternacht auseinanderging, um erst im Dezember wieder zu erscheinen, da mußten die Veteranen ihren Sturm auf das Kapitol aufgeben, um ihn in der Form einer Belagerung des Weißen Hauses fortzusetzen. Aber Da der Park des Weißen Hauses noch mehr als verbotenes Gelände zu betrachten ist, als Der grüne Rasen vor dem Kapitol am anderen Ende der Pennsylvania Avenue, so mischte sich hemdsärmelige Polizei mit dem Gurnrni- künppel unter die lautlos Marschierenden und bewahrte sie vor Ausschreitungen, die ihnen in der Röhe des Kapitols wiederholt beinahe zum Verhängnis geworden wären. So vollzog sich die nächtliche Runde um das Weiße Haus in beängsti- gender Stille und machte dadurch einen noch tieferen Eindruck. Der ewige Gleichklang der Soldatenstiefel verriet einen unbeugsamen Willen, und die Fähnlein in den Landesfarben, die unaufhaltsam die Runde machten, zeigten Die Richtung an, in der die Bewegung vorerst noch verlaufen soll. Wird aber vielleicht früher oder später das Blau-weiß-rot mit den Sternen und Streifen durch ein eintöniges Rot mit Sichel und Hammer erseht werden? Wer weiß es! Das Verbandsorgan der Bonusleute, das in seinen drei ersten Ausgaben in unschuldigem Weiß erschien, war gestern zum erstenmal auf vielsagendem Rosa gedruckt, und wenn es eines Tages auf grellem Rot erscheinen sollte, brauchte man sich nicht sonderlich zu wundern. Die Leute haben Hunger und haben keine Arbeit, aber sie haben einen Willen. Und wer in Der Stille dieser Rächt den endlosen Gleichschritt und Gleichtritt dieser Geisterarmee im bleichen Dollmondlichte auf sich wirken lieh, der kann dem Eindruck nicht ausweichen, daß Amerika vor einer brennenden Frage steht. Was soll werden, wenn erst einmal wieder Eisblumen an den Fenstern blühen und der Dezemberwind durch die zerlöcherten und zerfransten Uniformüberreste bläst! Die Tragik der Lage besteht darin, daß die Veteranen kein geschriebenes Re ch t a u f ihrer Seite haben, und keinen begründeten Anspruch, denn ihre Forderung wird erst im Jahre 1945 fällig. Aber Hunger und Rot haben sich noch nie um juristische Zwirnsfäden gekümmert. Wollte man diese Veteranenfrage ins Weltweite projizieren, dann käme man auf die Frage Der amerikanischen Schulden st reich ung. Auch hier steht ein kalter Gesetzespora- graph einer lebensharten Rotwendigkeit entgegen, und auch hier kann Amerika mit dem nackten Paragraphen allein nicht zu einer Lösung mehr kommen. Das klare Gesetz muh letzten Endes einer vernünftigen Politik weichen. Amerika wird für seine Veteranen entweder einen Bonus oder eine Arbeitsgelegenheit finden müssen. Das Beste wäre die Arbeitsgelegenheit, aber diese wird nur gefunden werden können, wenn das industrielle Weltenrad wieder in Schwung gebracht wird, und diese Ankurbelung der Weltwirtschaft ist wiederum bedingt durch eine gründliche Mitarbeit Amerikas, vor allem durch eben die Schuldenstreichung, wenn auch in verkappter Form, wie z. B. durch Umwandlung der Schulden in eine einmalige Abfindungssumme, wie man das in Lausanne ebenfalls unternommen hat. Ist der neue Reichstag arbeitsfähig? Oie Möglichkeiten einer Koalition zwischen Zentrum und Nationalsozialisten werden in der presse erörtert. 2 erlin, 3. Aug. (ERD.) (verschiedene Blätter erörtern die Möglichkeit einer Koalition zwilchen Zentrum und Rational- s o z i a l i st e n. Die „Germania" hebt in einer Polemik gegen die Aeuherungen der Scherl- Presse die Rotwendigkeit hervor, den neuen Reichstag arbeitsfähig zu machen, und warnt vor einer Konfliktspolitik und verfassungsrechtlichen und machtpolitischen Experimenten. Es sei notwendig, so sagt das Blatt weiter, dah irgend eine Regierung dem neuen Reichstag in dem ernsten Willen begegne, mit ihm und in ihm eine sachliche Basis für die Erfüllung der Staatsnotwendigkeiten zu finden, die niemalsSache der Regierung allein seien. Alle Parteien, gleichgültig, ob sie opponieren oder die Regierung positiv unterstützen wollten, hätten die Pflicht, an der Erreichung dieses Zieles mitzuarbeiten. Der wirtschaftliche Tiefpunkt des kommenden Winters könne am allerwenigsten mit politischen Experimenten des Art. 48 überwunden werden. Behalte man ruhige Rerven, dann gäbe es immer noch Auswege in der Politik, ohne dah man zu solchen Experimenten greifen müsse. Unter der Ueberschrift „Das schwarz-braune Gespenst" beschäftigt sich die demokratische „V o s- fische Zeitung" gleichfalls mit den Warnungen der deutschnationalen Presse vor einer Koalition zwischen Zentrum und Rationalsozialisten. Das Blatt meint, bis jetzt habe es n i ch t den Anschein, als ob Rationalsozialisten und Zentrum sich von heute auf morgen binden würden. Selbst wenn solche (Verhandlungen ein negatives Ergebnis hätten, so gäbe es zwischen der „Patentlösung" des Kabinetts Papen-Schleicher und einer „schwarz-braunen Koalition" noch eine ganze Anzahl von Zwischenlösungen vorübergehender oder dauernder Art. Zum Schluß warnt das Blatt davor, Den Rativnalsozialisten zwar einen beherrschenden Einfluß einzuräumen, sie aber nach außen hin der Verantwortung zu entheben. Mit den ablehnenden Aeuherungen nationalsozialistischer Kreise über die Möglichkeit einer Koalition der RSDAP. mit dem Zentrum seht sich das „Berliner Tageblatt" auseinander, indem es die Frage aufwirft, inwieweit diese „Unfreundlichkeit" einer Ueberzeugung entspringe oder von taktischen Erwägungen diktiert sei. Wenn der Reichskanzler sich die Unterstützung der Rationalsozialisten und des Zentrums sichern wolle, so werde er jedenfalls noch viele Hindernisse auf seinem Wege vorfinden, vielleicht bei den Rationalsozialisten mehr als bei dem Zentrum. Auch die „D. A. Z." besaht sich mit den erwähnten Koalitionsmöglichkeiten und weist darauf hin, dah die Lage Deutschlands eine Wiederholung dieses „Spiels der deutschen Demokratie" nicht zulasse. Reben dem Parlament gebe es heute wieder mächtige Faktoren des Staatslebens, die in der Lage sind und gewillt seien, den Lebensrechten des deutschen Volkes auch dann Geltung zu verschaffen, wenn eine Minderheit (oder auch eine Mehrheit) der Parteiklüngel unbegründeten Einspruch erhebe. Beim Zusammentritt des Reichstages werde sich zeigen, fo meint das Blatt abschließend, dah nur diejenigen Parteien noch ein Mitbestimmungsrecht beanspruchen dürften, die die Erfordernisse der nationalen Staatspolitik bejahten. Ein Hitler-Interview der „Äewö Ehronicle". London, 3. August. (OB. Funkspruch.) Der Münchener Korrespondent der „Tleros Lhronicle" meldet, er habe am Montag Hitler verschiedene Fragen vorgelegt, die dieser gestern nach reiflicher lleberlegung beantwortet habe. Die erste Frage habe gelautet, ob Hitler, wenn er zur Macht gelangen sollte, den Lausanner Vertrag ratifizieren würde. Die Antwort Hitlers fei ein nachdrückliches „Niemals" gewesen. Hitler habe ferner erklärt, die Nationalsozialisten würden kommerzielle Schulden anerkennen, aber sie seien sehr erbittert über die Zinsknechtschaft. Sie würden über eine Verminderung des Z i n s e n d i e n st e s für auswärtige Schulden Verhandlungen führen und die inneren Zinssätze herab- sehen, womöglich auf 3 Prozent. ßemmfeine^ratfionberUlitte'ImneuenHeWfl? Ein staatsparteilicher Vorschlag. — Aber wenig Gegenliebe bei der VolkSpartei Berlin, 2. Aug. (TU.) Bei den letzten Reichstagswahlen sind insgesamt 2 1 Abgeordnete gewählt worden, die Parteien und Gruppen angehören, die wegen ihrer geringen Mandatsziffern keine Fraktionsrechte im Reichstage haben werden. Es handelt sich hierbei um sieben Mitglieder der Deutschen Volkspartei, je vier Christlich-Soziale und Staatsparteiler, je zwei Mitglieder des Württembergischen Bauern- und Weingärtnerbundes und des Bayrischen Bauernbundes, sowie um je ein Mitglied des Landvolks und der Wirtschaftspartei. Von staatsparteilicher Seite ist angeregt worden, einen Teil der fraktionslosen Abgeordneten zu einer „Fraktion der Mitte" zusammenzuschließen. Der staatsparteiliche Abgeordnete L e m m e r hält, wie wir erfahren, einen solchen rein technischen Zusammenschluß für sehr wünschenswert, damit diese Abgeordneten auch in den Ausschüssen vertreten sein können. Selbstverständlich müsse jede Gruppe in großen politischen Fragen ihre völlige Selbständigkeit behalten. Von der Deutschen Volkspartei wird erklärt, daß man diesem Gedanken noch nicht nähergetreten sei, und daß man s i ch nicht viel davon verspreche. Die volksparteilichen Abgeordneten würden erst die weitere Entwicklung der Dinge im Reichstag abwarten. Von anderer Seite wird betont, dah auch die Möglichkeit bestehe, daß die volksparteilichen Reichstagsabgeordneten sich der deutschnationalen Fraktion als Hospitanten anschlös- s e n. Man nimmt in parlamentarischen Kreisen an, daß auch die beiden Abgeordneten des Württembergischen Weingärtnerbundes und der Landvolkabgeordnete zu den Deutschnationalen in ein Gastverhältnis treten werden. Ein Zusammenschluß der S t a a t s- parteiler, der Christlich-Sozialen, der Bayerischen Dauernbündler und desWirtschaftsparteilersallein hätte keinen Zweck, da diese Gruppe nur 11 Abgeordnete umfassen und keine Fraktionsrechte haben würde, da ja bekanntlich erst 15 Reichstagsabgeordnete eine Fraktion bilden können. Das Kabinett Popen und her Reichstag. Das Kanzlerinterview. — Oie plane zur Verfaffungsreform. Von unserer Berliner Redaktion. Es wäre vielleicht zweckmäßiger gewesen, wenn der Reichskanzler v. P a p e n sich mit den Gedanken, die er am Montag gegenüber einem amerikanischen Journalisten geäußert hat, direkt an die größere deutsche Oeffentlichkeit gewandt hätte. Solche Ausführungen, die unser Schicksal aufs tiefste berühren, möchten wir nicht gern auf dem Hmtoeg über das Ausland erfahren. Es ist doch gewiß eine bedeutungsvolle Sache — und bedeutungsvoll in erster Linie für uns Deutsche —, wenn in den Erwägungen unserer Reichsregierung gewisse Aenderungen der Verfassung eine Rolle spielen. Rein gefühlsmäßig weist es schon auf eine Derfassungs- reform hin, wenn der Amerikaner aus feiner Unterhaltung den Eindruck ableitet, daß den Kanzler die Möglichkeit eines Mißtrauensvotums vollkommen unberührt lasse. Rach dem entscheidenden Art. 54 der Reichsverfassung soll ja gerade ein solches Mißtrauensvotum durch ausdrücklichen Beschluß des Reichstags dem Leben einer Regierung ein Ende setzen. An Diesem Punkte ist das parlamentarische Regierungssystem in Deutschland verankert. Zum erstenmal spricht ein Kanzler des Deutschen Reiches — wenn man auch die Auffassung seiner Regierung zu dieser Frage längst erfühlt und erkannt hat — es vor aller Oeffentlichkeit deutlich aus, daß er dieses System als unzweckmäßig ablehnt. Herr von Papen mag recht darin haben, dah eine Aenderung des Regierungssystems nicht mit einer Aenderung der Staatsform gleichzusetzen ist. Diese Staatsform ist in dem einleitenden Artikel der Verfassung festgestellt: „Das Deutsche Reich ist eine Republik. Die Staatsgewalt geht vom Volke aus." Dieser Grundcharakter der demokratischen Republik bleibt durchaus gewahrt, wenn das Volk das Staatsoberhaupt in freier Wahl bestimmt und wenn dann dieses Staatsoberhaupt von sich aus die QRänner der Regierung beruft. Es steht also nur die Systems rage zur Debatte: Demokratie über den Präsidenten oder Demokratie über das Parlament. Der Kanzler hat auch bereits angedeutet, wie er sich die Verwirklichung feiner Gedanken in großen Zügen vorstellt. (Stenn Der Reichstag des bestimmenden Einflusses auf die Bildung der Regierung beraubt werden soll, so braucht die Regierung für Die Zusammenarbeit in allen gesetzgeberischen Fragen eine beratende und mitbestimmende Körperschaft, die nicht auf den gleichen Grundlagen des Verhältniswahlrechts wie das Staatsoberhaupt ruht. Es ist die Rot Wendigkeit eines Oberhauses mit verstärkten Machtbefugnissen jetzt auch von Regierungsseite herausgestellt worden. Es scheint, dah sich die Männer des neuen Kurses mit dem Gedanken tragen, ein solches Oberhaus auf korporativer Grundlage, ausgehend von der be- rufsständifchen Selbstverwaltung, den Gewerkschaften ufw. zu bilden. Die Frage bleibt nur, ob die Regierung rechtzeitig Vorbereitungen trifft, um das Parlament durch eine so geartete Körperschaft für die gesetzgeberischen Funktionen zu ersetzen, wenn das Parlament wirklich ein Mißtrauensvotum aussprechen und sich in Kampfstellung gegen diese Regierung setzen sollte. Denn dah die Regierung in ihren entscheidenden Persönlichkeiten nicht daran denkt, in einem solchen Fall dem Parlament den Platz wieder zu räumen, das hat ja inzwischen jeder gemerkt. Waffensuche in Hofgeismar. Kassel, 3. Aug. (WTD. Funkspruch.) Die Do- lizei nahm gestern abend in Hofgeismar bei Angehörigen rechtsradikaler Gruppen Durchsuchungen nach Waffen vor, weil dort ein kompletter Panzerwagen sowie Maschinengewehre versteckt sein sollten. Tat- Jn der Stille dieser Nacht mußte man hellhörig und hellsichtig werden, und man muhte in dem Stück Pennsylvania Avenue, hinter dem das Weiße Haus liegt, die große Heerstraße erkennen, die in die unmittelbare Zukunft der Welt führt. Der Mann hinter dem hohen Parkgitter weiß zweifellos, was die Stunde von ihm heischt, aber er hat eine stark verworrene und verwirrte öffentliche Meinung gegen sich, und einen Kongreß, der die Volksmeinung zu vertreten glaubt, wenn er auf Schuldenzahlung beharrt. Einsichtigere Geister freilich stehen auf der Seite Hoovers, und von diesen geistigen Mittelpunkten aus mag die öffentliche Meinung schließlich dach noch herumgeworfen werden, besonders, wenn eine steigende Landesnot diese Entwicklung beschleunigen hilft. Leider ist in den letzten Tagen jeglicher Ansatz zu einer besseren Einsicht und zu einem Entgegenkommen jäh im Keime erstickt worden, als zunächst, nach dem Riesenerfolge von Lausanne, das hinterhältige ©entfernen- Agreement der Oeffentlichkeit preisgegeben wurde, und als ferner die selig verblichene E n - te n te Cordiale zwischen Frankreich und England wieder ins Leben gerufen wurde. Amerika stand diesen beiden unerwarteten Rückfällen in die übelste Politik Europas nicht nur verblüfft sondern aufs h ö ch st e e n t r ü ft e t gegenüber. Man fühlt hier instinktiv, daß diese Geheimabmachungen gegen Amerika gerichtet sind und man zieht sich wiederum in das Schneckenhaus zurück, aus dem man sich in der letzten Zeit einigermaßen hervorgewagt hat. Amerika läßt sich nicht durch Drohungen bestimmen, sondern nur durch einen Appell an sein besseres Selbst, seine Großherzigkeit und Großmut. Zu allem lleberfluß schlugen die Franzosen noch mit den gröbsten Keulen auf die amerikanische Empfindlichkeit ein, indem sie zum Beispiel schrieben, das amerikanische Volk sei das einzige in der Weltgeschichte, daß unmittelbar aus der Barbarei zur Dekadenz geschritten sei, ohne die Zivilisation kennen gelernt zu haben. Daß man’s vor Tische etwas anders las, weiß der Amerikaner natürlich nur zu genau, und er legt sich mehr und mehr die Frage vor, wer denn den Krieg eigentlich gewönne n h a b e? Daß er ihn jetzt auch noch bezahlen soll, dazu unter solchen Bekundungen nicht nur des krassesten Undanks, sondern der übelsten Anpöbelung, macht ihm die jetzige Lage besonders unerquicklich. Trotzdem bin ich der Ueberzeugung, daß Amerika sich in das Unvermeidliche fügen und das tun wird, was es tun muß, nicht der Schulden wegen, sondern seinetwegen. Wir selber können nichts Besseres tun, als auf der Linie weiterzumarschieren, die Papen in Lausanne eingeschlagen hat, sich jeder Einbeziehung Deutschlands in eine antiamerikanische Front kraftvoll zu widersetzen. Amerika hat heute den Eindruck, daß es auf der ganzen Welt keinen Freund mehr hat als Deutschland, und dieser Eindruck darf unter keinen Umständen verwischt oder auch nur geschwächt werden. Oas Arbeitslosenproblem in LlSA. Washington, 2. Aug. (WTB.) Im Weißen H a u s e hat man sich in überaus langen Diskussionen erneut mit den Arbeitslosenproblemen befaßt. Wie man hört, trägt sich Hoover mit dem Gedanken, eine KonferenzvonWirtschaftsführern zur Erörterung dieser Frage einzuberufen. Des weiteren soll sich Hoover mit dem Plan befassen, die Beschäftigtenziffer durch Einführung eines günfftunöentages zu erhöhen. sächlich Wurde der Panzerwagen gefunden. Es handelt sich um einen mit fünf Millimeter dickem Stahlblech beschlagenen und mit Schießlöchem und gefechtsmäßiger Ausrüstung versehenen Kraftwagen, der von der Schutzpolizei in der Polizeiunterkunft sichergestellt wurde. Maschinengewehre oder andere Waffen konnten bisher nicht gefunden werden. Die Nachforschungen nach Waffen gehen jedoch weiter. Festnahmen sind bisher nicht erfolgt. Zu der Beschlagnahme eines Panzerwagens teilt die Presse st eile der Regierung in Kassel mit, daß am Dienstagmittag in i>em Gehöft des Landwirts Holt in Hofgeismar auf An- vrdnung des Landrats eine polizeiliche Durchsuchung stattfand. Hierbei wurde ein alter Lastkraftwagen beschlagnahmt, der nach Angabe der Beteiligten auf Anordnung der Kreisleitung der RSDAP. in den letzten Rächten mit 5 Millimeter starkem Blech gepanzert worden ist. Die Panzerung ist nach allen Seiten durchgeführt und nur durch Sehlöcher und auf beiden Flanken durch einen Schlitz unterbrochen. Der Führer der SA.-Formation erklärte, daß der Wagen zum ungefährdeten Transport von SA. - Angehörigen bestimmt sei. Die Durchsuchung nach angeblich vorhandenen weiteren Waffen ist erfolglos geblieben. Rur wurde bei einem zu der Durchsuchung herbeigecil- ten Angehörigen der SA. eine Pistole mit 75 Schuh Munition beschlagnahmt. Die Entscheidung über die Durchführung eines etwaigen Strafverfahrens und über den Verbleib des Wagens auf Grund des Kriegsgerätegesetzes vom 27. Juli 1927 istSachederordentlichenGerichte. Oie RGOAp. zu den Königsberger Vorfällen. München, 3. Aug. (ERB. Funkspruch.) Unter der Niederschrift „Die Wahrheit über Königsberg" besaht sich die nationalsozialistische Partei- kvrrespondenz mit den Königsberger Vorgängen und verweist auf die Ermordung des S A.- Mannes Reinke, der am Montag eine neue Bluttat gefolgt sei. Die Erregung darüber, so wird erklärt, habe auf alle anständigen De- völkerungskreise übergegriffen, besonders nachdem es völlig offenkundig geworden sei. dah die polizeilichen Abwehrmittel dem „älntermenschentum" gegenüber versagt hätten. Die Korrespondenz fährt fort: „So bedauerlich die letzten Königsberger Vorgänge auch sind, endlich wird es begreiflich, wenn sich unter den obwaltenden Umständen eine Empörung — und zwar gegenüber den intellektuell verantwortlichen — herausbildet, und wenn auch Rationalsozialisten von dem Raturrecht der Rotwehr Gebrauch machen, um sich nicht weiter nutzlos abschlachten zu lassen. Daraus schlieht dann der Artikel, dah es unbedingt die Aufgabe der Regierung sei, nun ohne weitere Folgen „dem marxistischen Dlutterror mit den äußersten staatlichen Machtmitteln den Garaus zu machen". Neue Zeuerüberfätte. Rach Meldungen, die noch einer Bestätigung bedürfen, ist auf den Reichsbannerführer R a s ch k o w s k i in Szillen bei Tilsit ein Feuerüberfall verübt worden. Verletzt wurde niemand. — Rach einer Meldung des „Völkischen Beobachters" fuhr in der Rächt zum Montag eine Gruppe von Kommunisten in einem Kraftwagen am Braunen Haus in Kaiserslautern vorbei und gab auf das Gebäude mehrere Schüsse ab. Personen sollen, wie es weiter heißt, dabei nicht zu Schaden gekommen sein. Die Rationalsozialisten hätten sechs Kommu- nisten festgenommen und der Polizei übergeben. — Auf die Kieler Synagoge wurde in der vergangenen Rächt von unbekannten Tätern ein Spreng st off anschlag verübt. Beschädigt wurden ein Teil der Außenwand, eine innere Wand und einige kleine Butzenscheiben. Ferner wurden durch umherfliegende Steinstücke iu dem gegenüberliegenden Elektrizitätswerk mehrere Fensterscheiben zertrümmert. — Auf mehrere vor dem Zwenkauer Volkshause stehende Personen wurden in der vergangenen Rächt von einem vorüberfahrenden KraftGommer, Gönne, Süden. Don Siegfried von Vegesack. Jeder Tag, jede Stunde ist unwirklich wie ein Traum, und wenn du am Morgen aufwachst, mußt du dich lange besinnen, ob du wirklich schon wach bist oder noch träumst. Da ist zuerst der Amselruf: noch im Halbschlaf, im Dämmergrün der geschlossenen Fensterläden hörst du die hell jubelnde Stimme, der eine andere aus der Ferne antwortet, — und schon in diesem morgendlichen Zwiegesang der winzigen Dogelkehlen liegt alles Sommerglück beschlossen. Dann fallen die Glocken ein. Zuerst die von Sorengo; stotternd, noch verschlafen, torkeln und stolpern die Schläge über die Wiesenschlucht und die Rebenhugel. Dann antwortet Biogno: erregt und heiser bimmelt es von der Höhe. Brummend fällt Breganzona ein, aber Biogno behält doch keifend das letzte Wort. Bis dann ganz fern über den See die tiefe summende Stimme von Agno ernst und mahnend die lärmenden Geschwister zur Ruhe verweist. Jetzt ist es Zeit: der Tag ist angebrochen. Ich öffn« die Mappernden Fensterläden, beuge mich weit hinaus in das blendende Licht, trinke die noch tau- feuchte Lust des strahlenden Morgens. Die Sonne hebt sich schon über den dunstigen Hängen des Bog- lia. Der Himmel ist noch von dünnen Schleiern überspannt, aber das Blau dringt immer kräftiger durch, die Nebel über dem See verdampfen. Schnell unter die Brause, und dann im Badeanzug in den Garten. Die Johannisbeerbüsche sind schon voll roter Trauben. Dunkelrot hängen die vom Nachtregen blankpolierten Kirschen an den niedrigen Zweigen. Hellblau, rosa und violett bauschen sich die Blütenbälle der Hortensien. Und dort, im Schatten des alten Walnußbaumes, schimmern die weißen Sterne des Jasmin. Aber am schönsten ist der Morgen in der kühlen Rosenlaube, zwischen den dichten Stauden, neben dem unermüdlich plätschernden Rinnsal. Grün gedampft fällt das Licht durch das von Bienen umsummte Blätterdach und wirft gesprenkelte Sonnen- flecke auf den Frühstückstisch. An der terrakotta- £»V-aUSm.auer §e'chnen sich die zackigen Schatten der Wemranken ab. Zartgliedrig und schlank stehen Spireen gegen das Schwarz einer offenen Tür. Die Amsel ruft noch immer. Dann und wann kommt ein verspäteter Glockenschlag torkelnd von wagen aus sechs Schüsse abgegeben. Ein 19jähriger junger Mann erhielt einen Schuh in den Fuß. Die Täter sind unerkannt entkommen. Auf den Gemeindevorsteher von Norgau (Ostpreußen), S a l l o w s k i, der Mitglied der SPD. ist, wurde ein Revolveranschlag verübt. S. ist von zwei Schüssen in den Kopf getroffen worden und liegt hoffnungslos darnieder. Vor seinem Hause fanden sich gegen 11 Uhr zwei bisher unbekannte Männer ein, die ihm unter dem Vorwande, etwas zu bringen, ans Fenster lockten. Als S. mit seiner Frau und seinen Kindern hervortrat, gaben die Männer die beiden Schüsse ab. Oer evangelische Religionsunterricht in Preußen. Berlin. 2. Aug. (WTB.) Die Frage, in welcher Form die Interessen der evangelischen Landeskirchen Preußens an der Erteilung des Religionsunterrichts im Rahmen des Artikels 149 Abs. 1 der Reichsverfassung gewahrt werden sollten, war in wiederholten gemeinsamen Beratungen zwischen dem LInterrichtsministerium, den Vertretern des Evangelischen Oberkirchenrats und den hauptsächlichsten evangelischen Lehrerverbänden vor den letzten Wahlen zum preußischen Landtag soweit gefördert worden, daß die Veröffentlichung des Ergebnisses schon damals erwartet wurde. Die Staatsregierung hat sich nunmehr zur unveränderten Bekanntgabe der damals fe st ge st eilten Grundsätze entschlossen. Für den Bereich der öffentlichen und privaten Volks- und mittleren Schulen wird danach den preußischen evangelischen Landeskirchen die Möglichkeit geboten, durch Beauftragte, in der Regel staatliche Schulaufsichtsbeamte, ausnahmsweise Leiter oder Lehrer öffentlicher Schulen, die das Vertrauen der Lehrerschaft genießen, den Religionsunterricht besuchen zu lassen. Die Reuregelung läßt die Rechte der Staatsschulaufsicht unberührt. Oie Berliner presse zur polnischen Beschwerde. „Eine ungewöhnlich dreiste Heraussordcrnng." Berlin, 3. Aug. (TU.) Die Zurückweisung der polnischen Beschwerde wegen des Flaggen» -wischenfalls in Warschau am 31. 3uli wird von den meisten Berliner Blättern begrüßt. Die „Germania" bezeichnet die Zurückweisung als die einzig richtige Antwort. — Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" sagt, die deutsche Antwort habe nicht anders als mit dürren Worten die polnische Dreistigkeit zurückweisen können. — Der „L o k a l a n z e i g e r" bezeichnet die Beschwerde als eine s e l b st für polnische Verhältnisse ungewöhnlich dreiste Herausforderung Deutschlands. Das Blatt vertritt die Auffassung, daß selbstverständlich der Fall mit der Zurückweisung nicht erledigt sein könne. Die Forderung nach einer Genugtuung sei eine völlige Selbstverständlichkeit. — Das „Berliner Tageblatt" schreibt, durch diese reichlich nervöse Taktik der Polen sei nunmehr eine Lage geschaffen, die der weiteren Entwicklung der ohnehin nicht erfreulichen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen nicht förderlich sein könne. — Die „Deutsche Zeitung" bezeichnet die polnische Beschwerde als eine Herausforderung, die wiederum zeige, bis zu welchem Grade, der polnische Größenwahn bereits angewachsen sei. Aus aller Welt. Die Bergungsarbeiten an der „Riobe". Die Bergungsarbeiten am Wrack der „Riobe" konnten wegen des schlechten Wetters nicht fortgesetzt werden: sie wurden jedoch Mittwoch wieder ausgenommen. Die Taucher sind jetzt damit beschäftigt, das Oberdeck zu räumen. Zu diesem Zweck wurde der Fockmast über Deck abgesprengt und die Wanten gelöst. Tote sind bisher weder am Wrack noch an den Küsten der R ach b a r l än de r gef u nde n worden. Wellenänderung des Kasseler Senders. Der Rundfunksender Kassel o-beitet mit elf anderen europäischen Sendern auf der internationalen Gemeinschaftswelle 1220 kHz (245,9 m). Die Empfangsverhältnisse sind infolge der Beeinflussungen der übrigen Sender sehr ungünstig. Um die Verhältnisse zu bessern, ist nunmehr in Aussicht genommen, den Rundfunksender Kassel im Gleichwellenbetrieb mit Frankfurt a. M. auf Welle 259,3 m zu betreiben. Gleichzeitig wird die Leistung des Senders verdoppelt. Kassel soll ferner den in Münster (Westfalen) freigewordenen Sender empfangen, der auf den neuesten Stand der Technik gebracht wird. Mit der Inbetriebnahme des neuen Senders ist Anfang 1 933 zu rechnen. Da die neue, für die Ausbreitungsverhältnisse an sich günstigere Welle in der Rahe der bisherigen Kasseler Welle liegt, werden sich Empfangsschwierigketten auch bei ganz einfachen Geräten nicht ergeben. Die Einstellung des Dreh- kondensators beim Empfangsgerät wird sich nur wenig ändern. hessen-Rassau hak die geringste Säuglingssterblichkeit. Hessen-Nassau hat seit einigen Jahren unter allen Vergleichsgebieten die g e r i n oft e Säuglings- sterblichkeit aufzuweisen. Bereits 1913 starben in Hessen-Nassau von 100 Säuglingen im ersten Lebensjahr nur 9 gegen 15 im Reichsdurchschnitt. 3m Jahre 1926 waren es in Hessen-Nassau nur I noch 7, im Reich 10; 1928 in Hessen-Nassau 6, im | Reich 9; 1930 in Hessen-Nassau 5 und im Reich 8. Dieses Verhältnis blieb auch im Jahre 1931 bestehen. Jedenfalls steht Hessen-Nassau in dieser Hinsicht recht günstig da. von Gronau bei Lhikago gelandet. Der deutsche Atlantikflieger Wolfgang v. Gronau ist, von Detroit kommend, auf dem Michigansee bei Chikago gelandet. Freundlicher Empfang des Kreuzers „Karlsruhe" in Peru. Der deutsche Kreuzer „Karlsruhe" hat nach mehrtägigem Aufenthalt den peruanischen Hasen Callao verlassen. Der Kreuzer ist von der peruani- chen Reaierung und den in Callao ansässigen Deut« ■ chen sehr freundlich ausgenommen wor- )en. Der Staatspräsident von Peru, der den Kommandanten des Kriegsschiffes in Audienz empfangen hatte, besichtigte den Kreuzer. Er sprach bei diesem Anlaß persönlich sein Beileid zu dem Untergang des Schulschiffes „Niob e" aus. Die Besatzung des Kreuzers beteiligte sich durch Entsendung einer Landungskompagnie mit Musik an der Feier des peruanischen Nationaltagee. Professor piccard über feine Absichten. Professor Piccard ist mit seinem Begleiter und seiner Ballongondel im Lastwagen in Mühlhausen im Elsaß eingetroffen und hat nach kurzem Aufenthalt die Fahrt nach Zürich fortgesetzt. Auf Befragen erklärte er, daß er während seines Fluges nur sehr wenig funkentelegra- phischeRachrichten geben werde, da er dazu kaum Zeit habe. Sein Begleiter und er würden vielmehr mit wissenschaftlichen Versuchen sehr stark beschäftigt sein. Er habe außerdem nicht die Absicht, seinen letzten Höhenrekord zu überbieten. Es sei möglich, daß er über 16 000 Meter steigen werde, es sei aber auch nicht ausgeschlossen, dah er sich unter dieser Grenze halten werde. Es liege ihm weniger an der Erreichung einer einer möglichst großen Höhe als an der Durchführung der von ihm geplanten Der- suche. einem Hügel. Und wenn die eine Glocke einschläft, dann wacht die andere auf. In der Lust ist ein immerwährendes Summen von Glocken und Bienen. Das fröhliche Getute des Postautos schallt hell von der Collina d’ Oro herüber, und unten im Tal schnurrt pfeifend die blaue Ponte-Tresa-Bahn aus dem Tunnel. Nach dem Mittag wandere ich zum See nach Ag- nuzzo. Hier herrscht gottlob noch kein mondäner Badebetrieb, wie am Lido in Lugano, man kann unaestört auf der Kleewiese liegen, der See ist noch nicht von Menschenköpfen angefallt. Ein Motorboot knattert vorüber, ein brummender Flieger zieht hoch oben seine Bahn, — aber ich will mit niemand tauschen. Hier liegen und in den Himmel schaun ist vollkommenes Glück: Sommer, Sonne, Süden ... Ich schließe die Augen und öffne sie wieder: nein, ich träume nicht, ich liege hier wirklich. Und doch wird mir bald alles wie ein ferner Traum erscheinen: der Sommer neigt sich schon, die Sonne hat sich gewendet, der Süden versinkt. Wenn man die Zeit doch, wie eine Stoppuhr, zum Stillstehen zwingen könnte! Aber der unermüdliche Zeiger der Zeit läuft unbarmherzig weiter. Die Schatten wach- sen. Und jeder Tag, jede Stunde ist unwiderbringlich verloren. Dann kommt der Abend, die Nacht. Schnell wird es dunkel. Ueberall flammen Lichter auf: elektrische Campen, Glühwürmchen, Sterne. In kühn geschwungenem Bogen steigt die flimmernde Lichter- tette der Funicolare in den nächtlichen Himmel. Und überall klingt es, quarrt es, zirpt es, singt es- in der nahen Osteria klimpert ein Vertical, die Laub- frösche schnarren, aus der Ferne tönt der schwer- mütige Moll-Gesang der Tessiner Burschen. Ich setze mich auf die steinerne Bank vor der Osteria, trinke den dunkelroten Nostrano, breche das weiße, duftende Brot. Die kleine kraushaarige Angelina hat mir einen Teller blanker Kirschen auf den Tisch gestellt. Jetzt eilt sie auf ihren klappernden Holzschuhen in das hallende Haus. Wie ich das Klappern dieser „Zoccoli" liebe. Eine grau-weiße Katze lugt scheu aus dem Torbogen hervor, huscht mit gestrecktem Schwanz über die enge Gasse. Vom Garten her tönt das dumpfe Kollern der Boccia- Kugeln. Von den dunklen Mauern strömt noch auf- gespeicherte Sonnenwärme. Sommer, Sonne, Süden. >. Jeder Tag, jede Stunde ist ein Geschenk. Aber ein Geschenk, das du nicht halten, nicht aufbewahren kannst. Und einmal wird es Herbst. Vogelzug nach dem Mondlichi. Bei dem Geheimnis des Vogelzuges, das noch immer nicht völlig gelöst ist, spielt auch die Frage eine Rolle, wann die Zugvögel im Frühjahr erscheinen und wann sie uns int Herbst verlassen. Beobachtungen des Wetters führten zu keinen Ergebnissen. Da nun viele Vogelarten bei Rächt wandern, so kam der Wiener Meteorologe Dr. Dörr auf den Gedanken, zu beobachten, ob ein Zusammenhang zwischen dem Zug und den Mondphasen bestehe. Cs lag ja nahe, anzunehmen, daß der Mond den Wandervögeln das nötige Licht spendet. Bei seinen ünter- suchungen wurden Beobachtungen aus Oesterreich. Ungarn, der Schweiz, aus Frankreich, Estland, Rordschweden und Rorddeutschland berücksichtigt. Wie der Gelehrte nun in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie der Wissenschaften mitteilt, ergab sich deutlich eine Abhängigkeit der Daten des Einzugs und Abzugs vom Mondlicht. Die meisten Vögel traten ihre Wanderung um den Vollmond an oder trafen um diese Zeit ein; aber auch im ersten und letzten Viertel waren größere Zahlen zu verzeichnen. Run fällt der Vollmond in jedem Jahr um elf Tage früher als in den vorausgegangenen, und dem entspricht der gleiche Wechsel in der Ankunftszeit der Zugvögel. Tritt der Vollmond schließlich sehr früh auf, so zeigt sich eine Verstärkung der Zughäufigkeit nach diesem Vollmond und umgekehrt. Zwar fällt erst nach 19 Jahren der Vollmond wieder auf das gleiche Monatsdatum, aber schon nach je drei Inhren liegen die Daten wieder nahe beieinander und noch näher rücken sie nach je acht Jahren. Auf Grund eines großen Materials konnte Dörr nun nachweisen, daß diese drei Mondperioden, die neunzehn-, die acht- und die dreijährige, mit den Beobachtungen der Wanderzeiten der Zugvögel gut übereinstimmen. Zeitschriften. Snt Augustheft der „Zeitwende" (C. H. Beck sche Verlagsbuchhandlung München) hat Johannes Gerhardt die Zerrüttung der Weltwirtschaft zum Gegenstand einer fesselnden, auch dem nS’HL verständlichen Abhandlung gemacht. Zur Abhilfe fordert Gerhardt Reuaufbau der Weltwirtschaft und Herstellung einer neuen Der- trauensgrundlage. Eugen Kalkschmidt zeigt am Beispiel der vorbildlichen preußischen Ostsiedlung Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 3. August 1932. Amtsgerichtsrat Gros 60 Jahre alt. Am morgigen Donnerstag, 4. August, kann Amtsgerichtsrat Franz Gros in Gießen in voller Rüstigkeit und bester Schaffensfreude seinen 60. Geburtstag begehen. Franz Gros ist geborener Oberhesse und mit feiner oberhessischen Heimat aufs innigste verwachsen. Er wurde am 4. August 1872 zu Hof Kolnhausen bei Lich geboren, besuchte die Gymnasien zu Gießen und Minden (Westfalen) und widmete sich dann von 1892 bis 1895 dem juristischen Studium in Gießen und in Berlin. Don 1896 bis 1899 war er als Sekretär der Großherzoglichen Handelskammer in Gießen tätig, hierauf war er bis 1901 als Gerichtsassessor am Landgericht in Mainz beschäftigt. Von 1901 bis 1904 amtierte er als Gerichtsass<;ssor, Amtsanwalt und stellvertretender Amtsrichter in Fürth i. O. und in Alsfeld, von 1905 bis 1913 war er Amtsrichter in Lorsch a. d. Bergstraße, seit 1. Oktober 1913 ist er als Amtsgerichtsrat in Gießen. Sein Dienst als Grundbuch-, Vormundschafts-, Iugend- und Aufwertungsrichter führt ihn mit breiten Bevölkerungsschichten aus Stadt und Land täglich eng zusammen. Durch feine großzügige, jedem Bureaukratismus abholde Amtsführung und durch seine Befähigung, in menschlich mitfühlender Weise jedem einzelnen so weit wie nur irgend möglich entgegenzukommen, hat er sich ein Maß von Wertschätzung erworben, das in unserer Zeit nicht allzu häufig anzutreffen sein wird. Zu seiner großen Beliebtheit trug aber auch feine bereitwillige ehrenamtliche Mitarbeit auf den verschiedensten Gebieten des öffentlichen Lebens bei. Während seiner Alsfelder Dienstzeit war er Wiederbegründer und 1. Vorsitzender des dortigen VHC., und in dieser gemeinnützigen Tätigkeit hat er sich in vielfältiger Weise um die Förderung der Interessen der Stadt Alsfeld verdient gemacht. In den Kriegsjahren war er als Vorsitzender der Kreisverteilungsstelle des Kommunalverbandes, der Kriegskinder-Fürsorge und verschiedener anderer Stellen tätig, ferner wirkte er als Mitglied des Kreisausschusses in Ernährungefragen mit. Seine aufopferungsvolle und von Erfolg gekrönte Arbeit fand ihre wohlverdiente öffentliche Anerkennung durch die Verleihung der Hessischen Silbernen Kriegsverdienstmedaille und des Preußischen Kriegsverdienstkreuzes. Seit langer Zeit ist er Vorstandsmitglied des Gesellschaftsvereins in Gießen, ferner arbeitet er in hervorragender Weise im Obst- und Gartenbauverein mit. 1Is Aufsichtsratsmitglied und sodann als stellvertretender Auffichtsratsvor- sitzender der Handels- und Gewerbebank in Gießen stellt er fein ausgezeichnetes fachliches Wissen • und seine reichen Erfahrungen in vorbildlicher Weise der Förderung des handwerklichen und gewerblichen Mittelstandes unserer Stadt zur Verfügung. Außerdem ist er von jeher zahlreichen Voll mossen in Stadt und Land, die sich um Rat und Belehrung an ihn wandten, ein gewissenhafter und selbstloser Ratgeber geworden. Zu dieser Hilfeleistung befähigt ihn nicht nur seine Erfahrung im Amt, sondern auch seine jahrelange Tätigkeit als Mitherausgeber der Hessischen Gesetzessammlung, die er in Gemeinschaft mit dem bekannten hessischen Genossenschaftsführer und früheren Landtagsabgeordneten _ • Justizrat Dr. Reh bearbeitet. Reben feiner vielseitigen Tätigkeit in dienstlicher und ehrenamtlicher Eigenschaft fand er immer noch Zeit und Mutze zur Schriftstellerei. Hier wurde feine tiefe Liebe zu feiner oberhessischen Heimat: und zu dem kernigen, bodenständigen Volksstamm unserer Provinz ganz besonders sichtbar. In feinen köstlichen Erzählungen aus dem oberhessischen Volksleben, die ihren älrsprung im Volke selbst haben und frei sind von mehr oder minder künstlicher Aufmachung, gewinnt man prächtige Einblicke in die Eigenart unserer oberhessischen Heimat und ihrer Bewohner. Dadurch und durch die sorgsam gestaltende Feder des Schriftstellers haben sich feine Erzählungen über Gießen und Ober- hefsen hinaus ein dankbares Publikum erworben. Hierzu trugen die liebenswürdigen, vorbildlichen Charaktereigenschaften des Verfassers bei. vor zweihundert Iahren, wie auch ein armer, zu äußerster Sparsamkeit gezwungener Staat auf diesem Gebiet bei zielbewutztem Einsatz seiner Kräfte Gröhes und für die Zukunft der Ration Entscheidendes leisten kann. Sein Aussatz „Der Soldatenkönig als Landesvater Ostpreußens" beschäftigt sich vor allem mit der umsichtigen Fürsorge, die Friedrich Wilhelm I., der Vater Friedrichs des Großen, den um ihres Glaubens willen vertriebenen Salzburgern widmete. — Fritz Schuncks Erinnerungen eines Anstaltsgeistlichen über „Die letzten Tage eines Raubmörders" schließlich sind ein ebenso anschaulicher wie menschlich tiefer, von aller Parteiagitation unabhängiger Beitrag zu der heute die Oeffentlichkeit bewegenden Frage nach der Berechtigung der Todesstrafe. Sochschulnachrichten. Von der Preußischen Akademie der Wissenschaften sind zu korrespondierenden Mitgliedern gewählt worden: in der philosophisch-historischen Klasse der Professor H u S ch i an der llniberfität Peking; in der physikalisch- mathematischen Klasse Professor Fritz <5 a r a f i n in Basel und der Professor für Physik Arthur Holly C o m p t o n an der ilniberfität Chikago. Prioatdozent Dr. Richard A l e w y n an der Universität Berlin hat den an ihn ergangenen Ruf auf die durch den Tod des Professors Dr. Friedrich G u n b o l f freigeworbene planmäßige cmßerorbent- liche Professur für neuere deutsche Literatur an ber Universität Heidelberg für den 1. Oktober 1932 angenommen. Professor Dr. Kirschner, ber Direktor der Chirurgischen Klinik in Tübingen, hat einen Ruf an bie Universität Heibelberg als Nachfolger von Prof. Dr. E n b e r I e i n erhalten. Professor Dr. Adalbert Czerny, der Berliner Ordinarius für Kinderheilkunde, tritt wegen Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand. Sein Rachfolger wird, wie früher bereits gemeldet, der Leipziger Ordinarius Professor Dessau. Professor Dr. Franz Schacht in Heidelberg, der als Verfasser einer langen Reihe von Schriften und Arbeiten auf dem Gebiete der Land- und Volkswirtschaft bekannt geworden ist, beging seinen 8 0. Geburtstag. Professor Dr. Georg PetschekinWien beging dieser Tage seinen 6 0. — nicht, wie ursprünglich berichtet wurde, den 70. — G e b u r t $ t a g. ------TTT- WM ,z. V - - ..... W Wieder eine^Sttberne" fürOeuischland DieLagd im August en tonn« [enges _- Enttäuschungen in Los Angeles. Die am Dienstag ausgetragenen leichtathletischen Olympiaentscheidungen brachten den teilnehmenden Deutschen keine Olympia-Medaille. Im 800-Meter« Endlaus war Dr. Peltzer nur Letzter. Köcher- Wölpe r t, der im Federgewichtsheben den 2. Platz und damit eine Silberne Medaille für Deutschland errang. ohne Geräte). Zeitschriften: Hochland 1929/30 und 30/31; Kunst un-b Künstler 1930/31; Delhagen und Klasings Monatsheste 1930/31. " Der Schlaf im Sommer. Zu den Unannehmlichkeiten, die die starke sommerliche Wärme vielen Menschen schafft, gehört auch der schlechte Schlaf. Mangelnde Leistungsfähigkeit und Unlust zur Arbeit sind häufig die unausbleiblichen Folgen. Wie kann man sich dagegen schützen? Dor allem sorge man im Schlafzimmer für ausreichende Lüftung. Morgens und abends muh durch Oeffnen der Fenster und der Türen für kräftigen Durchzug Sorge getragen werden. Des Nachts schlafe man, wenn irgend möglich, bei offenem Fenster, halte aber zur Vermeidung von Zugluft die Türen geschlossen. Wer des Nachts in Schweiß gerät, läuft leicht Gefahr, durch Zugluft sich Rheumatismus, eine Erkältung, Nerven-, Zahnschmerzen und dergleichen zuzuziehen. 3n den heißen Stunden des Tages, zumal wenn die Sonne hereinscheint, müssen die Fenster geschlossen bleiben und durch dunkle Vorhänge, Jalousien usw. abgeblendet werden- Sehr wichtig ist ferner eine sommerlich zweckmäßige Ausstattung des Bettes selbst. Am besten entferne man alle Federbetten und schlafe auf hartem . - —. i ■ Oer Einmarsch der Nationen Erstes Funkbild aus Los Angeles. der tiefe Vaterlands- und Heimatliebe mit starkem sozialem Geist vereinigt. Daß ihm weiterhin ein gesegnetes Wirken zur Freude für ihn selbst und zum Besten der oberhessischen Heimat Geschieden sein möchte, wird der Wunsch aller sein. Die Franz Gros als Richter, als echten Ober- hetz, als Mensch und als heimatliebenden Schriftsteller kennen und schätzen. Daten für Mittwoch, 3. August. 1492: Kolumbus tritt feine erste Entdeckungsfahrt an; 1770: Friedrich Wilhelm III. von Preußen in Potsdam geboren; — 1811: Gründung der Universität Breslau; — 1914: Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich. PoruoNzcu. — TageskalenderfürMittwoch: Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Kreuzer Emden". Wenn der August seinen Einzug hält singt in den Feldern die Sense und rattert die Mähmaschine. Immer unruhiger wird die Feldmark, und das Wild, das in den letzten ruhigen Wochen dort lei« neu Einstand nahm, wechselt zum Walde zuruck. Wenn allerdings der Hafer vorm Reifen schon mit- chjg wird, dann übt er auf Rot- und D a m w 11 ö eine fast unüberwindliche Anziehungskraft aus. Die Hirsche fegen oder sind damit zu Ende. Die Feistzelt des Rothirsches beginnt und damit die Jagd, die an Können und Ausdauer des Weidmannes die höchsten Anforderungen zu stellen pflegt, die Krone der Jagd, das Weidwerk auf den Feisthirsch, „das Nachtgespenst, das du nur ahnst, das du nicht kennst Erfreulicherweise ist der zu nächtlicher Aesung austretende Hirsch wenigstens jetzt auch in Hessen durch das Gesetz vor dem Postenschuß des Aasjagers geschützt, der vordem so manchen König unserer Walder elend verludern oder lange kümmern ließ. Das Schwarzwild geht in den Hafer- und Kartoffelfeldern zu Schaden, in deren Nahe es sich auch untertags gern in Dickungen steckt, um oft schon bald nach Sonnenuntergang auszutreten. In der ersten Hälfte des Monats springt der R e h b o ck am besten aufs Blatt. Die Brunft des Rehwildes hat ihren Höhepunkt erreicht. Auch der aute Bock, den der Weidmann aus hegerischen Örünben seither schonte, damit er sich vererbe, hat Gelegenheit dazu genug gehabt. Nun winkt dem n? feist zu werden. Besondere Vorliebe für Obst teilt er mit den ihm verwandten Marderarten und wird durch sie oft bis in die Gärten der Dörfer ober einzelner Gehöfte gelockt. Er ist m Hessen ^Ende^des Monats wirb bie Jagb auf bas Rev« h u b n eröffnet werben. Wenn die Felder einmal freier find, wird sich eher ein Ueberblid über bie gaqbausfid)ten gewinnen lassen. Die meisten Jager machen allerdings den Fehler und lassen sich durch den ersten Jagdtag überraschen oder enttäuschen. Denn dann müssen sie feststellen, daß weder sie noch ihr Hund für die Anstrengungen der Hühnerjagd an heißem Augusttag trainiert sind. Wer vorher schon gelegentlich einmal Vorsuche hält, wird seinen seither meist ziemlich arbeitslosen Hund wieder fester in die Hand bekommen, ihm mehr Aufmerksamkeit schenken, wenn es nichts zu schießen gibt und die Fehler ausmerzen können, die Herrn und Hund |o ojt den ersten Jagdtag zur Quelle des Aergers wachen. Schließlich wird er aber auch enffen, wo er schützbare Hühner zu suchen hat. wenn es einmal Ernst miDi'e Enten sind nun alle beflogen und streichen morgens und abends gern zu Stoppelfeldern. Der Ansitz an Fruchthaufen kann an solch bevorzugten Aesungsplätzen oft gute Strecke bringen. Sonst bringt der brave Hund, stöbernd im Schilf des Flusses oder Teiches, den Breitschnabel vor die Flinte. Diele Erpel sind noch in der Schwingenmauser und fluaunfäbig. Gewandt schwimmen sie vor dem Hund und tauchend suchen sie freie Stellen im Rohr zu überwinden. Deswegen erfordert der nchuß auf Öen Mausererpel raschen Entschluß und macht bei Erfolg besondere Freude. Iungfasanen werden nun auch leichter zur Beobachtung kommen. Doch hat der Fasan noch bis zum Oktober Schonzeit, so daß es erfreulicherweise nicht mehr möglich ist, halbausgewachsene Fasanen mit den Hühnern zusammen zu schießen Bis zum Inkrafttreten des Hessischen Naturschutzgesetzes konnte die Wachtel zusammen mit dem Reb- I huhn gejagt werden. Angesichts ihres starken Rückganges ist sie nun das ganze Jahr hindurch geschützt, ihr Abschuß also strafbar Die Schonzeit der Wildtauben ist vorüber. Ihr Abschuß insbesondere der Ringeltaube, an Stop- pelfeldern ober Tränkstellen bringt manch lederen Braten an den Galgen. Hubertus. Aus aller Wett. IHanöoerunglüd in England. Bei einer militärischen ilebung in der Ebene von Salisbury geriet ein Kampfwagen, der eine Höhe hinausrollte, ins Schleudern, schlug um und geriet in Cbrant). Während der Führer sich in Sicherheit bringen konnte, erlitt ein Sergeant, der sich in dem offenen Turm des Tanks befand, einen schweren Schädelbruch, dem er bald danach erlag. Eine verhängnisvolle Wette. Aus der Kalvimstenftadt Debrezin (Ungarn) wird gemeldet, daß der 43jährige Landwirt A exander Cfizmadia in weinseliger Laune wettete, er könne sogar den B r u n n e n i m H a f a u s - t rin Een. Als ein allgemeines Gelachter die Antwort aus diese Großsprecherei war, sprang der Trunkene, bevor ihn noch jemand daran hatte hindern können, in den Ziehbrunnen und ertrank, obwohl man ihn sofort herauszog. 200 Mohammedaner ertrunken. Nach einem Funkspruch aus Bombay sind bei Nosholly in Ost-Bengalen infolge des Kenterns eines Fährbootes etwa 200 woham- med-nisch« Arbeiter er11unt = n. Sa8 Fährboot, das einen überschwemmten Fiuy kreuzte, schlag aus bisher noch unbekannter Ursache um. Die 250 Mohammedaner, die an Bord waren, fielen ins Wasser. Nur wenige konnten sich an das ilfet retten. Diele Leichen sind bereits angespült worden. Büchertisch. vierung der Pilze. Don I. , meister. (Dresden, E. Pahl.) 1,20 R-„ - Aus Grund langjähriger praktischer Erfahrung weist der Verfasser in diesem Büchlein darauf hin, daß Pilze nicht nur als Leckerbissen zu werten sind, son- dem daß sie auch ein hochwertiges Nahrungsmittel darstellen -und in heutiger Zeit bei geringem Geldaufwand die so wünschenswerte Abwechslung m die Küchensührung bringen. Heber 100 bewährte Rezepte für schmackhafte Gerichte und Anweisungen zu sach- gemäßer Konservierung werden jedem Pilzfreunde und allen denen, die es werden möchten, von bleiben- Hormel auf eine 25jährige Dienstzeit bei der Reichsbahn zurückblicken. 2Ius diesem Anlaß wurden den Jubilaren Glückwunschschreiben durch den Dienststellenleiter ausgehändigt. ** Die bereits fälligen Stromgelder im Stadt- und Uederlandgebiet können für den Monat Juni noch bis zum 15. August ohne Kosten bezahlt werden. Näheres ist aus der heutigen Bekanntmachung ersichtlich. ** Sonderzüge zum Mittelrheinischen Kreisturnfest. Aus Anlaß des Mittel- rheinischen Kreisturnfestes in Trier am Sonntag, 7. August, werden zwei Verwaltungssonderzüge nach Trier gefahren, und zwar einer von Frankfurt a. M. (Hauptbahnhof) über Wiesbaden nach Trier und einer von Gießen über Wetzlar—Limburg nach Trier. Der erste Zug fährt am 6. August in Frankfurt (Hauptbahnhof) um 8.28 Uhr ab und kommt um 13.05 Uhr in Trier an. Der zweite Zug fährt am 6. August um 6.42 Uhr in Gießen ab und kommt um 11.01 Uhr in Trier an. Rückfahrt am 7. August des Frankfurter Zuges ab Trier um 18.21 Uhr, des Gießener Zuges um 17.50 Uhr. " Kinder fahren an die See. 3m Gießener Bahnhof herrschte während der letzten Tage außerordentlich reger Berkehr. Zum Teil bestimmten noch die rückkehrenden Sänger, die im Anschluß an das Sängerfest in Frankfurt, Rhein- fährten unternommen hatten, das Bild, anderseits wurden in diesen Tagen sehr viele Kinder aus Süddeutschland über Gießen nach der Nord- und der Ostsee gebracht. Oft nahmen bis zu 150 Kinder im hiesigen Bahnhof Erfrischungsaufenthalt und erfüllten mit ihrem Lachen die Bahnsteige. Mit erwartungsvollen Gesichtern setzten sie die Reise fort. " Luft- und Seepostverbindung mit Nordamerika. Die nächsten Reichspostflüge von Köln nach Cherbourg, die den Dampfern „Bremen", „Columbus" und „Europa" Spätlings- Post für Amerika nachbringen, verkehren am 6., 13., 16. und 22. August. Letzte Absendung in Frankfurt an den genannten Tagen mit Flugzeug nach Köln ab Flughafen 8.15 Ufjr. Doraus- flüge von den Dampfern „Bremen" und „Europa nach Neuyork finden am 10/11., 20/21. und 26-/27. August statt. Befördert werden gewöhnliche und eingeschriebene Briefsendungen jeder Art und Pakete beschränkten Ausmaßes. De- förderungsdauer von Frankfurt bis Neuyork etwa fünf Tage. Nähere Auskunft bei den Post- anstalten. ~ ** Oeffentlidje Bücherhalle. Im Juli wurden 1282 Bände a u s g e l i e f) en. Davon kamen auf: Erzählende Literatur 903, Literaturgeschichte 8, Zeitschriften 22, Gedichte und Dramen 5 Jugendschriften 97, Länder- und Völkerkunde 82, Kulturgeschichte 5, Geschichte und Biographien 90, Kunstgeschichte 1, Naturwissenschaft und Technologie 40, Heer- und Seewesen 1, Haus- und Landwirtschaft 1, Gesundheitslehre 1, Religion und Philosophie 9, Staatswissenschaft 15, Sport 2 Bände. Nach auswärts kam 1 Band. Auswahl aus dem Zugang neu erworbener (zum Teil gestifteter) Werke: Romane: Jo van Ammersküller: Frauenkreuzzug (Aus dem Holländischen); Rudolf Herzog: Horndoh Lützow; Mazo de la Roche: Die Bruder und ihre Frauen (Aus dem Englischen); Reinhold Konrad Muschler: Insel der Jugend; Hans Reisiger: Unruhiges Gestirn (Die Jugend Richard Wagners); Ludwig Wolff: Die vier letzten Dinge. Lander- und Dölk7r?unde: Rolf Brandt: Erlebtes Afrika Eine Fahrt von Tanga nach Kairo); kalter Gerber. Durch Australiens Wildnis; Hugo Grothe. Dura) Albanien und Montenegro; John George deck- Mit Indiens fahrendem Volk; Sven Hedm Jehol, die Kaiserstadt; Lajos Steiner: Unter Palmen, Bohrtürmen und Wolkenkratzern (Eindrücke aus Nord- und Latein-Amerika); Wilhelm Walter. Das China von heute; Else Wegener: Alfred Wegeners letzte Grönlandfahrt 1930/31; Paul Wiy. Im Lande des Schneckengeldes (Neu Guinea). Geschichte. Grigori Bessedowsky: Im D.enste der.Sowiets Bd II' Werner Seumelburg: Bismarck gründet das Reich;' Heinrich Boos: Geschichte der rheinischen Städtekultur von ihrem Anfang bis Zur Gegenwart (4 Bände); Georg von Ompteda. Bergkrieg, A T Wassiljew: Ochrana (Aus dne Papieren des letzten russischen Polizeidirektors). Lebensbilder: Irma von Drygalski: öuhane DOnm^6 Rnrnanform)' Albert Schweitzer: Goeche-Gedenr- . ?ebe (Frantturt 1932); „Meine Mutter 'Bekenntnisse berühmter Männer und Frauen, * | von A. Winter. Mathematik, Naturwissenschaft und Tecbnik' Felix Auerbach: Lebendige Mathematik (allgemeinverständlich); Raoul H. Francö: Lebender Braunkohlenwald; Alexander Stüler: Photographie- ™ und Sdunrd Engel: Selbstgedachtes; Anna Mana Roos. -Der R,,s her Zeit (Aus dem Schwedischen); Heinrich fPhJjc.. KHrner (Zum Verständnis des Werkes: SS: — Hand- und Kochbuch für die Verwertung, Zubereitung und Kons er- vierung der Pilze. Von I. Zschau, Kuchen- meisten (Dresden. E. Pahl.) 1,20 RM - (207) - Der Einzug der Mannschaften in das dichtgefüllte Stadion von Los Angeles bei der feierlichen Eröffnung der 10. Olympiade. — Dieses Bild aus dem 12 000 km entfernten Los Angeles wurde zum erstenmal ohne Kabelbenutzung von Amerika nach Europa funkentelegraphisch übertragen. Lager, das nur aus der Matratze, einem Keilkissen und einer leichten Decke, evtl, nur einem leichten Laken besteht. Dem Schlafen ganz ohne diese Decken ist dagegen wegen der bestehenden Erkältungsgefahr zu widerraten. Auch die Abend- mahheit hat auf Schlaf und Hitze einen nicht unerheblichen Einfluß. Man esse nicht zu spat, sondern zwei bis drei Stunden vor dem Schlafengehen. Man vermeide dabei fette Kost und zu viel Flüssigkeit. ** Erleichterter Kr a f t f a h r z e u g v e r - kehr nach der Schweiz. Wie der Allgemeine Deutsche Automobil-Club, Sitz München, mitteilt, hat das Eidgenössische Justiz- und Polizei-Departement der Schweiz beschlossen, ab 1. August 1932 deutschen Kraftfahrern die Einreise ohne internationalen Führer- und Zulassungsschein zu gestatten. Diese Erleichterung kommt jedoch nur in Anwendung bei Grenzüberschreitungen nach der Schweiz mit Per« sonenkraftfahrzeugen, das sind Motorräder mit oder ohne Beiwagen, Personen-Auwmobile und Autobusse. Selbstverständlich müssen die benutzten Fahrzeuge nach wie vor neben dem heimatlichen polizeilichen Erkennungszeichen das deutsche Nationalitätsabzeichen „D" in vorschriftsmäßiger Weife führen. ** Goldene Hochzeit. Am 4. August begehen Konrad Wenzel und Frau Marie, geb. Luh, wohnhaft Kirchstraße 13, in bester Gesundheit ihre goldene Hochzeit. Der Jubilar steht im 73. Le- bensjahre und ist seit 56 Jahren in der Gießener Hirsch-Apotheke beschäftigt. ** Dienstjubiläum .bei der Reichsbahn. Im Dienstbezirk des Bahnhofs Gießt len am 1. August die Schaffner Wilhelm M und Karl Kia um sowie der Weichenwärter Johs. m n n war gar nicht erst in die Weitsprvngentfchei- düng gekommen. Auch die deutschen Leichtathletinnen konnten in den Entscheidungen des lOO-Meter-Laufes und des Diskuswerfens keinen ersten bis dritten Platz erkämpfen. , ■ ------ dem Nutzen fein. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. • Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 53 vom 2. August enthält: Maul- und Klauen- seuche in Steinbach. - Revision der Dierdruck- apparate. - Schlachthausanlage des Richard Weller in Wieseck. — Feldbereinigungen Trohe, Rödgen und Lauter. — Dienstnachrichten. Kircklicbe Aackricktten. katholische Gemeinden. Gießen. An den Werktagen sind die hl. Messen bis auf weiteres um 6 Uhr und 7.30 Uhr. Freitag den 5. August, ist das Segensamt um 6 Uhr. ' Wettervoraussage. Der Hochdruckrücken, der sich gestern über Deutschland erstreckte, ist durch die Störungstätigkeit im Norden wie auch im Sudosten wesentlich eingeengt worden. Besonders das Jslandtief schiebt einzelne Ausläufer südlich vor, die Staffeln feuchter Ozeanluft mit sich fuhren und auch bis in unseren Bezirk vordringen. Dabei kommt es zeitweise zum Auftreten stärkerer Bewölkung sowie zu einzelnen Niederschlägen, die teilweise gewitterhaften Charakter haben. _ Aussichten für Donnerstag : Bewölkt, vorübergehend aufheiternd, vereinzelte zum Teil gewittrige Niederschläge, ziemlich warm. Aussichten für Freitag: Bewölkt mit Aufheiterung, aber noch nicht vollkommen ftorungs- ^ßuht^peraturen am 2. August: mittags 17,6 Grad Celsius, abends 13 Grad; a m3. August: m orgens 14 Grad. Maximum 21 Grad, Minimum 10,5 ®rab. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2. ^uauft. abends 20 Grad; am 3. August: morgens 16,8 Grad Celsius. — Niederschläge 31,5 mm. — Sonnenschein- dauer 2 Stunden __ 30$ MU Ml. Original-Roman von Anny von panhuys. Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig. 24 Sortfct" g. Nachdruck verboten 1 Werner Sturm hatte mit wachsender Verwunderung zugehört. Er erwiderte kopfschüttelnd: ..ES klingt ein bißchen phantastisch, daß jemand nur um des guten Zweckes willen mir ein solches Vermögen zur Verfügung stellen will. 2a, wenn ich noch eine europäische Berühmtheit wäre, aber wenn ich auch bekannt bin und meine neue Heilmethode mir schon sehr erfreuliche Erfolge eingetragen hat, gibt es doch auch eine Menge Kollegen, die mich anseinden und nichts von meiner Methode wissen wollen. Daß sich nun jemand bereit erklärt, zugunsten dieser, wie gesagt, noch recht umstrittenen Methode mehr als eine Viertelmillion zu wagen, ist etwas, das ich einfach nicht verstehe. Ich wäre Ihnen dankbar. Herr Hirt, für eine nähere Erklärung." Er lächelte ein wenig. „Von allem anderen abgesehen, schmeichelt es mir natürlich, von jemand, den ich nicht kenne, so ungewöhnlich geschäht zu werden." Der alte Herr zuckte die Achseln und spielte nachlässig mit einem wertvollen Brillantring am kleinen Finger der Rechten. „Ich darf den Namen der Persönlichkeit, die mich beauftragte, nicht nennen. Sie stellt Ihnen das Geld aus edelsten Gründen zur Verfügung. Nur aus Menschenliebe, damit Sic Ihr Krankenhaus ins Leben rufen können. Sie will keine Quittung und keine Zurückzahlung, sie will keinen Dank und kein Kennenlernen. Sic wünscht keine Namensnennung, ja sie will, sobald ich Ihre Einwilligung besitze, daß ich so schnell wie möglich zu ihr zurückkehre. Die Person wünscht, Sie sollen alles so auffassen, als wäre das Geld direkt vom Himmel E>e runter gefallen.“ Werner Sturm fuhr sich über den glatten, braunen Scheitel. Er hatte dem anderen gegenüber Platz genommen und erwiderte herzlich: „Er, in dessen Auftrag Sie hier sind, muß ein sehr guter Mensch fein, ein wirklicher Menschenfreund. Wenn Sie zu ihm kommen, sagen Sie ihm, obgleich ich sein Anerbieten nicht annehme, meinen aufrichtigsten und innigsten Dank. Cs ist etwas sehr Schönes, zu wissen, es gibt Menschen, die, ohne Vorteile dabei zu suchen, ein Vermögen hergeben wollen, um der Wissenschaft und armen Kranken zu dienen." Der andere fragte ein wenig verblüfft: „Sie nehmen das Anerbieten nicht an? Ich bitte Sie, toarum denn nicht? Unverbindlicher für Sie kann Ihnen das Geld doch gar nicht geboten werden. Es ist ja kein Geschenk für Sie, sondern es soll dem Wohl der Menschen dienen." „Meine Verlobte, die junge Dame, der Sie vorhin auf dem Flur begegnet fein müssen, und mit der ich mich in ein paar Wochen verheiraten werde, hat mir bereits geholfen. Sie hat mir die von ihr bisher bewohnte eigene Villa zur Verfügung gestellt. Ich bin dadurch imstande, mein Krankenhaus einzurichten. Ich bin aber trotzdem Ihrem unbekannten Auftraggeber sehr dankbar." — Der andere sah ihn stumm an und erhob sich. „Ich bebaute außerordentlich, Herr Doktor, Sie gestört zu haben." Es war etwas in der Stimme des Besuchers, das Werner aufhorchen ließ. Fühlte dieser Herr Hirt sich etwa gekränkt, weil er das Angebot nicht angenommen hatte? Er sagte lebhaft: „Vergessen Sie, bitte, nicht, meinen aufrichtigen Dank auszurichten, Herr Hirt." Er streckte dem Besucher die Hand hin, aber der tat, als sähe er die Hand nicht. Er machte nur eine kurze Verneigung und ging stumm und hastig zur Tür, als könne er plötzlich gar nicht schnell genug wegkommen. Kopfschüttelnd blickte Werner Sturm auf die Tür, die sich schon hinter dem Besucher schloß, ehe Werner auch nur den Versuch hatte machen können, ihn wenigstens bis auf den Flur hinauszubegleiten. Er ging nachdenklich in das Z'mmer seiner Mutter und erzählte ihr und Celia, was den Fremden zu ihm geführt. Er schloß: „Als der alte Herr mich verlieh, tat er, als hätte ich ihn schwer gekränkt." Celia dachte, Werner war recht töricht gewesen, das Geld, das ihm ein Ueberspannter bot, auszuschlagen, aber sie behielt ihre Meinung für sich. Cs hatte sowieso keinen Zweck mehr, sie zu äufyern, dieser aus London gekommene Deutsche war ja schon gegangen. Sie sagte: „Sicher war er selbst der Menschenfreund aus London und er schob nur deshalb eine andere Person vor, weil sich auf diese Weise einfacher verhandeln lieh." „Natürlich, Celia, du hast recht", stimmte er nachdenklich zu. 18. Kapitel. Erlöse mich von der Liebe! In einer stillen, kleinen Pension Wiesbadens hatten Lil und Melchior Stampferl sich einquartiert. Sie wollten hier in der schönen Bader- stadt, da sich ein paar Ruhewochen so passend in ihre Dertragsverpflichtungen einschieben liehen. ein wenig aus ruhen und Atem schöpfen nach dem Umherreisen und der Variete- und Zirkusarbeit. Niemand ahnte hier etwas davon, dah die vornehme, blonde Dame und der alte Herr, den sie Onkel nannte, das Clownpaar „Fix und Nix" war, dessen Nus längst international geworden. Lil sah in ihrem Zimmer nach der stillen Strahe zu, die so friedlich im Herbstsonnenschein dalag. Die Sonne verschwendete noch einmal all ihr Gold, ehe sie sich zum Scheiden rüstete, und Lil blickte hinaus. Sie dachte, wie eigen das war, da wohnte sie nun in Wiesbaden und hätte mit der Eisenbahn so schnell Frankfurt, ihre Heimatstadt, erreichen können. Sie verspürte Sehnsucht nach der alten Mainstadt, doch sie wagte sich nicht dorthin, weil sie fernem Bekannten von früher begegnen wollte. Aber nicht nur das Verlangen nach dem Ausruhen hatte sie nach Wiesbaden gelockt, sondern sie hatte von hier aus ihr Vorhaben ins Werk sehen wollen, Werner zu helfen. Heute war Melchior Stampferl zu diesem Zweck nach Frankfurt gefahren. Ihr dauerte die Zeit lang, bis er, der die Dermittlungsrolle übernommen hatte, zurückkehrte. Wahrscheinlich kam er erst sehr spät wieder, denn Werner würde sich wohl längere Zeit mit ihm unterhalten. Sie sann, sie brauchte nicht zu fürchten, ihr guter alter Freund könne etwas falsch machen. Alles war gründlich vorbereitet und ihr Name wurde nicht eingemischt. Sobald Stampferl wußte, auf welche Bank Werner das Geld angewiesen wünschte, ließ sie es von der Bank von England dorthin senden. Auch dabei würde ihr Name aus dem Spiel bleiben. Die Bank wußte schon Bescheid, das Geld war bereit zur Ueberweisung. Es bedurfte nur eines Briefes von ihr, der alle in London bereits getroffenen Abmachungen bestätigte. Vor neun oder zehn Uhr konnte Stampferl kaum hier fein. — Die herrliche Luft reizte Lil zu einem kleinen Spaziergang. Hier im Zimmer schien es ihr unerträglich. Sie fieberte der Rückkehr des alten Mannes entgegen. Sie wollte von ihm erfahren, wie Werner jetzt aussah. Ganz genau würde er es ihr beschreiben müssen, ganz genau. Hoffentlich nahm er an, was sie ihm bot, ohne dah er natürlich ahnen durste, das Geld kam von ihr. Melchior Stampferl würde seine Rolle schon geschickt spielen, auf ihn durfte sie sich vollständig verlassen. Sie nahm Mantel und Hut, doch als sie eben das Zimmer verlassen wollte, klopfte es und Melchior Stampfer! trat ein. „Schon zurück", fragte sie erschreckt, „du hast Werner Sturm wohl nicht getroffen?“ — Er sah ihren gespannten Blick, erwiderte: „Doch, ich habe ihn getroffen. Ich habe auch mit ihm gesprochen und —" Er brach ab und überlegte noch einmal, was er sich schon während der Eisenbahnfahrt von Frankfurt bis hierher überlegt hatte. Sollte er Lil aus Mitleid Werner Sturms Verlobung verschweigen ober war es besser, ihr die Wahrheit zu sagen? Cs war schon enffetzlich, Lll weh zu tun. Aber war es nicht wiederum gut, wenn sie erkannte, der Mann, um den ihr Herz noch immer litt, um den sie, wie er bestimmt wußte, noch immer heimlich weinte, war nicht eine einzige Träne teert? Er entschied sich für die Wahrheit. Er legte seinen Hut auf einen Stuhl und wollte weitersprechen. Lil ließ ihn nicht so weit kommen, sie fragte überstürzt: „Nimmt er an und was sagt er?" Sie faßte seine Hand. „Sprich doch, bitte, du weißt doch, tote gespannt ich auf alles bin.“ Er beobachtete ein nervöses Zucken um ihren Mund, und noch einmal überlegte er: Durfte er die Wahrheit sagen? Er entschied wieder: Es blieb ihm nichts anderes übrig. Lil ging jetzt an allem im Leben vorbei, was junge Menschen sonst reizte, und nichts weiter trug daran Schuld als dieser Mensch, dieser barönliche Doktor. Er haßte ihn, der das arme Mädel unglücklich gemacht, sie mußte von dieser Liebe geheilt werden. Diese unglückselige Liebe war Gift für Lil, und Gift kann man nur mit Gegengift kurieren. Die Neuigkeit, die er mitbrachte, aber war vielleicht Gegengift für Lil. Cr dachte: Gott möge es geben! und antwortete ihr; „Nein, Lil, der Doktor hat das Angebot nicht angenommen, weil ihm bereits geholfen worden ist, und zwar, wie er mir mitteilte, von seiner Verlobten, die ihm ihre Villa zur Verfügung stellte, die nun in ein Krankenhaus umgetoanbelt wird." Lil war zusammengezuckt und ihr Gesicht sah ganz fahl aus. Sie schloß flüchtig die Lider, lächelte unsagbar schmerzlich: „Also ist er verlobt!" Sie fügte hinzu: „Es ist ja eigentlich nichts Verwunderliches dabei." Stampfer! nickte. „Nein, Verwunderliches ist nichts dabei. Aber es ist verwunderlich, daß du einem Menschen helfen wolltest, der gar nicht mehr an dich denkt. Sei froh, daß er das Geld nicht annahm." Sie erwiderte: „Ich wollte ihm doch uneigennützig helfen. Ich erhoffe und verlange ja nichts mehr von ihm, und darum hat es nichts mit dem Geld zu tun, wenn er verlobb ist." Er hatte jetzt eine tiefe Falte auf der Stirn. (Fortsetzung folgt.) Denken Sie an Stoffe, denken Sie an L. Bernard [MIKA 564? A öllt etoen lllel Schaate^MmsehacM^agen S®&^tolnnndes* w*****Ä zeigt im Verein mit dem Kameramann Carl Hoffmann Berlin von allen Seiten und in allen Stimmungen, im Morgengrauen, bei Lichterschein, das Wogen des Verkehrs, die Hochhäuser und die Hinterhäuser — eine brausende Symphonie der großen Stadt. Aber hier beginnt der Kampf des Ramenlosen um sein Recht und seinen Ramen, ein hartes, zähes Ringen: er ist für tot erklärt worden — Xlcicky zeigt die Kartotheken der Dermißtenzentrale, die sich bis an die Decke türmen, ein Riesenkirchhos verschollener Schicksale: feine alten Angestellten erkennen ihn nicht, seine Frau hat inzwischen seinen besten Freund geheiratet, der die Fabrik übernahm und leitet, die Behörden glauben ihm nicht, er hat keine Papiere, er kann seinen Anspruch nicht beweisen. Die Hand- lung — das gehört dazu — gleitet ins Detektivische und Kriminelle, Indizien werden angebracht, von Denen manche für den Ramenlosen sprechen, es folgen die spanneirden Verhöre vor dem Amtsrichter — Eduard von Win ter stein gibt ihn mit einer etwas aktenstaubigen Menschlichkeit — feine Rächsten erkennen ihn nicht, man hält ihn für einen Betrüger und Erpresser, man droht ihm mit der Ausweisung. Aber sehr stark zeugt die Patentanmeldung einer bahnbrechenden Auto- ersindung, und es gelingt dem Ramenlosen, wenigstens die Ausweisung zu verhindern und die Erlaubnis zu einem neuen Ramen zu erhalten. Man ahnt das happy end: mit dem neuen Ramen beginnt das neue Leben, sein Patent sichert ihm sein neues Dasein, und er wird es mit denen teilen, die sich in seiner Verlassenheit bewährt haben, vor allem aber mit dem stellenlosen Tippmädchen Grete Schulze: Maria Bard. . Ganz groß und herrlich ist Krauß in den stillen Augenblicken, wenn er die bekannten Räume feiner Fabrik betritt, wenn er Wiedersehen mit alten Dingen und vertrauten Menschen feiert, wenn er sich, ganz vereinsamt, seiner Verzweiflung überläßt: solche Momente des stummen Spiels wird ihm heute keiner in Deutschland nach- machen. Er ist der bekannte Werner Krauß, er hat zu diesem Film kaum Maske gemacht, aber Die Dämonische Gewalt des großen Künstlers unwnt- tert ihn trotzdem, er ist gleichwohl Heinrich Martin, der Mensch mit dem namenlosen Schicksal, und doch wieder fein Xlngewöhnlicher, kein Genie oder Heros, sondern ein bürgerlicher, einfacher und ganz menschlicher Mensch — man suche den Darsteller, der diese Atmosphäre der Unbesonderen so zwingend und faszinierend um sich weben kann wie er! Daneben und dazwischen sind alle Rollen bis zu den geringsten erstklassig beseht. Man sieht — zum erstenmal im Tonfilm — die blonde Sprödheit Helene Thimios, die seine gewesene Frau ist, man sieht Hertha Thiele, die man aus den „Mädchen in Uniform“ nun überall kennt, man sieht die Typen, die F a l k c n st e i n und Grün- bäum darstellen, die goldherzigen, biederen, ge- winnsüchtigen Berliner Agenten, man hat in diesem Schauspiel alles versammelt, was seinen Weg von vornherein sichert: das große und das kleine Leben, die Stätten der Arbeit und die der Idylle, die Maschinen und Fabriken, die Salons, Straßen und Häuser — ganz Berlin mit seinen Stimmungen ist in diesem Film eingefangen. Aber nicht nur ein Film dieser Stadt, sondern ein menschliches Schicksal, weil sich durch alle seine Episoden die große Kunst eines Werner Krauß bewähren kann. A. Ein Eskimo-Film. Der amerikanische Filmregisseur Swing Scott ging vor 18 Monaten mit einem Filmtext unter dem Arm und einer Kamera unter dem andern, begleitet von einer Truppe von Technikern, nach Alaska, um hier einen Polarfilm zu drehen. Er ist jetzt mit einem Film zurückgekehrt, der unter dem Ramen „3 g l u“, der »Bezeichnung der Schneehäuser der Eskimos, demnächst vorgeführt werden soll und dec eine wirkliche Tragödie des hohen Rordens darstellt. Wie er in einem Reuyorker Filmblatt berichtet, fand er, als er zu Ruwuk, etwa 1000 Kilometer und 25 Tagereisen mit dem Hundeschlitten von Point Barrow entfernt ist, anlangte, eine dem Verhungern nahe Kolonie von Eskimos vor. Mit furchtbarer Schnelligkeit waren diese Romaden von einer Katastrophe überfallen worden, da die von ihnen wie alljährlich erwarteten Renntiere auf der diesjährigen Wanderung aus irgendeinem Grunde ausgebliebcn waren. Die Versorgung mit frischem Fleisch, auf die der Stamm für sein Dasein angewiesen war, konnte nicht erfolgen, und Trupps, die in die vereisten Wüsten sich hinausgewagt hatten, um nach Iagdtieren zu suchen, kehrten ohne Ergebnis wieder. Scott war mit genügend Vorräten für sich und die Seinen versorgt, aber er konnte damit keine dauernde Hilfe bringen, zumal er sich selbst dadurch dem Untergang ausgesetzt hätte. Er setzte sich durch seinen Rundfunk-Apparat, den er mitführte. mit Point Barrow in Verbindung, und von dort wurde die Botschaft nach Hollywood weitergegeben. Schon am nächsten Tage waren zwei Flugzeuge, mit Nahrungsmitteln beladen, an der Küste des Stillen Ozeans entlang nach Rorden unterwegs, um Hilfe zu bringen. Damit wurden die Eskimos zunächst vor dem Hungertode bewahrt, aber das eigentliche Drama begann erst jetzt. Rachdem sich die Bewohner von Ruwuk mit den Rahrungsmitteln, die aus Hollywood geschickt worden waren, gekräftigt hatten, rüsteten sie sich dazu, einen Zug von 600 Kilometer nach dem Meere anzutreten, um dort Robben, Fische und Polarbären zu finden, durch die sie sich den Winter über zu erhalten hofften. An diesem Hungerzug, der an ergreifenden Szenen und spannenden Abenteuern reich war, beteiligte sich Scott mit seiner Truppe und machte seine Filmaufnahmen, die sich zu einem grandiosen Drama der Wirklichkeit zusammenfügten. Film und Medizin. Operationslehrfilme und Bewegungösorschung. Die Wiege der Kinematographie hat im Laboratorium der Physiologen gestanden, denn die ersten Versuche mit dem Ablauf von Momentphotographien wurden unternommen, um die verschiedensten Dewegungsarten bei Tier und Mensch zu studieren. Seitdem ist der Film auch für die medizinische Wissenschaft von großer Bedeutung geworden. Dor allem müßte er zu Lehrzwecken noch viel mehr verwendet werden als bisher. Das fordern auch zwei Gelehrte, Prof. A. W. F i s ch e r und Dr. E. Herz, die sich in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift“ mit dem gegenwärtigen Stand der medizinischen Kinematographie beschäftigen. Prof. Fischer fordert besonders die zweckmäßige Ausgestaltung von Operationslehrfilmen, und Dr. Herz verlangt eine systematische Sammlung von Filmen, die sich mit dem weiten Gebiet der Bewegungsforschung beim Menschen beschäftigen. Diesen Aufgaben kann nur ein Zentral-In- ftitut genügen, das als Mittelpunkt und Pflegestätte der medizinischen Kinematographie geschaffen werden müßte. Das Kaiser-Friedrich-Haus in Berlin hat bereits damit begonnen, einen Katalog aller schon vorhandenen medizinischen Filme auszuarbeiten, aber das ist nur ein Anfang. Wie man den Film für diagnostische Zwecke bei Rer- ven- und Geistestrankheiten verwendet, das zeigt Dr. Herz an seiner Verwendung für die Bewegungslehre. Ebenso wie man mit Hilfe des Mikroskops in die feinsten Maschen der Gewebe hineinleuchtet, so ist es erst durch den Film möglich geworden, gewisse Bewegungen als krankhafte von den normalen zu unterscheiden. Bei einem Menschen, der in lebhafter Erregung gestikuliert, ist es fast unmöglich, die Bewegungen eines einzelnen Körperteils zu beschreiben, da die Aufmerksamkeit durch die Bewegung anderer Körperteile und durch sprachliche Aeußerungen immer wieder ab- gelenkt wird. Die mechanisch eingestellte Film- apparatur aber nimmt alle Einzelheiten auf und gewährt dadurch nicht nur einen Einblick in die feinsten Einzelheiten der Körperbewegungen überhaupt. sondern gestattet, die verschiedenen Dewe- gungsbilder der einzelnen Geisteskrankheiten genau zu unterscheiden und miteinander zu vergleichen. Durch die im Laufe der Jahre zahlreich gemachten Aufnahmen wurde festgestellt, daß bei bestimmten Krankheitserscheinungen auch ganz eigenartige Bewegungen zu beobachten sind, so daß man aus dem Studium dieser Bewegungen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit die Diagnose für eine bestimmte Geisteskrankheit stellen kann. Roch zahlreiche andere Probleme sind auf diese Weise bearbeitet worden. Die Bewegungsstörungen der Idioten, die krankhaften Erscheinungen bei Epileptikern und anderen Kranken wurden einer genauen Betrachtung unterzogen und der hirnpathologischen Betrachtung mancher dieser Erscheinungen wurde der Weg gebahnt. Das unruhige Wesen mancher Geisteskranken ließ sich in ihrer Eigenart erst durch eine seine Filmanalyse feststellen. Handelt es sich doch dabei um regellos aneinander gereihte, ganz verschieden aussehende Bewegungen, und bei manchen sehr schnellen Arten, wie dem Zittern oder den Tic-Zuckungen, ist überhaupt Räheres mit dem bloßen Auge gar nicht zu erkennen. Hier wurde die Bewegung mit Hilfe der Zeitlupe verlangsamt, und dadurch erhielt man völlig andere Bilder, als das Auge bei der Untersuchung wahmehmen kann. Gewisse Reaktionen beim Erschrecken, Bewegungen der Pupille und andere Erscheinungen sind überhaupt erst durch die Ausnahme mit der Zeitlupe völlig geklärt worden. Auch die unwillkürlichen Besonderheiten in den Bewegungen des normalen Einzelnen, die so viel zum Verständnis der Persönlichkeit beitragen und jedem Menschen sein charakteristisches Gepräge verleihen, lassen sich nur auf dem Wege der Filmanalyse genau beobachten. Film, Theater, Publikum. Von Hadrian Mana Netto. Film ist Optik, ist Sehen. Und als der Schall hinzukam wurde er Theater. Dennoch blieb er „Schau. Dieses kann ergreifender, packender, mtere||anter, inniger, fesselnder sein als alles Theater: ihrem letzten, inneren Wesen nach bleibt sie ,-Schau . An die Leinwand gebunden und an den Weg uoer Apparat und Leinwand, blieb ihr das Wesentliche des Theaters verschlossen und wird es wohl auch immer bleiben. So liegt - zum mindesten bis au weiteres — kein Wettkampf vor zwischen diesen beiden Schwestern. ... Im Gegenteil. Die Zeit, in der die lungere Schwester, Fräulein Film, etwas großspurig ankam und der Tragödin und Salondame des alten ^caters erklärte, nun sei sie da und werde d.e Geschichte machen, „das Kind schaukeln , und Fräulein Ira gödin und Fräulein Salondame konnten sehen, wo sie blieben, wie ja überhaupt die neue Zett mit dem Theater binnen ganz kurzem wohl deflmtto aufgeräumt haben würde ... diese Zett ist vorbei. Fräulein Film ist auch nicht mehr so „bramstg wie früher. iSe hat wesentlich bessere Manieren bekommen Zu viele um sich herum hat sie abrutschen, zu viele kaputt gehen sehen. Das hat sie ernster gemacht, zurückhaltender, arbeitsamer. Sie hat außer allem anderen auch sparen gelernt mit allem. Mit den Mitteln die sie anwendte, ebenso wie mit denen, öie sie verbraucht. Wenn der kleinste Mann in der kleinsten Stadt für billiges Geld Filme sehen kann, und zwar gute Filme, wird fein Auge verwöhnt, er bildet sich selbst sein Urteil, er weiß, was er will, mit eigener Urteilskraft nimmt er an lehnt er ab. Kurz- die Zeit, wo der Film vor die Millionen keiner Zuschauer trat — denn er muß immer m Mil- lionen rechnen! — und diesen eigentlich bieten konnte, was er wollte, sind vorbei. Er ist heute nicht mehr Überraschung. Er ist heute längst nicht mehr etwas Neues. Er kann nicht mehr sagen- ich bin eben so, und ihr mußt mich nehmen wie ich bin ... Er hat heute fein ganz festes und geschultes Publikum, das ganz genau weiß, was es will und das sich vom Film nichts mehr diktieren läßt', das ihn ganz genau ferint und an ihn mit ganz scharf formulierten Forderungen herantrttt. Der Film kann heute nicht mehr ein Thema oder einen Darsteller auf feine Leinwand zaubern und dem Publikum überlassen, wie es sich zu ihm stellen will: sondern er muß sich seine Millionen Leute ansehen, studieren, genau sondieren, und hieraus folgern, was er diesen Millionen bieten kann. Und schon treten zwei Fragen in den Vordergrund: die nach dem Stoff und die nach dem Dar- ft e 11 e r. Die letztere ist verhältnismäßig leicht zu lösen: denn das Publikum hat seine ganz besonderen Lieblinge und, wenn es die auf der Leinwand siebt, pflegt es den Film als Ganzem viel nachzusehsn. Immerhin liegt die sehr große Gefahr hier darin, daß der Film auch mit diesen seinen Bevorzugten zu gleicher Zeit sparsam umgehen muß; denn allzu leicht sieht dasselbe Publikum sich diese seine Leute auch einmal über, soviel es ihnen anderseits nachzusehen bereit ist. Dennoch gehört eine feine Hand dazu, den beliebten Darsteller oft genug, aber nicht zu oft herauszustellen; nicht immer in den gleichen Rollen und dennoch in solchen, die das Publikum nun einmal mit dieser Persönlichkeit verbindet. Wesentlich schwieriger aber bleibt immer und überall der Stoff: die Frage nach dem, was man eigentlich spielen soll. Denn es handelt sich hier ja nicht — nehmen wir den eingangs heran- gezogenen Vergleich mit dem Theater wieder hervor — darum, was z. B. die Einwohnerschaft einer mittleren Stadt sehen will, einer Stadt, die der Direktor des Theaters dieser Stadt schließlich ganz genau kennt, die ihre ziemlich begrenzte Interessensphäre hat und die in dem Rahmen dieser für einige Abende unterhalten werden will; sondern es handelt sich darum, nicht mehr und nicht weniger zu finden, als den Stoff, der geeignet ist, ein Millionenpublikum aus Nord, Süd, Ost, West gleichermaßen zufriedenzustellen. Anders kann der Film nämlich nicht rechnen. Rein zahlenmäßig. Hieraus erklärt sich, daß es kein Suchen nach dem Filmstar gibt, so sehr er auch immer gesucht wird, wohl aber eine ewige Jagd nach dem Filmstoff. Man kann sagen: ein guter Star ist vielleicht der halbe Stoff; aber ein guter Stoff ist sicher fünf Stars wert. Woher ihn aber bekommen? Die Welt dreht im Jahre rund fünfhundert Filme. Nehmen wir an, es wären Bücher. Wieviel können von diesen gut sein nach menschlicher Berechnung? — Eines. Damit wäre der Film tot. So kann er also nicht rechnen. Er muß also den Begriff „gut" hernehmen und in feinem Sinne umdeuten. Er muß sagen „film- geeignet". „Gut" ist nämlich noch längst nicht „film- geeignet", und „filmgeeignet" noch längst nicht „gut". Wenn im Theater schon der Begriff „gut" relativ ist (Frage: Ist „Alt-Heidelberg" z. B. ein „gutes" Stück?), so ist er es im Film noch zehnmal mehr, weil dessen Publikum zehnmal weiter gespannt ist, weil dieser besagte „gute" Stoff nicht für eine Stadt, nicht für ein Land, sondern für eine Welt gelten muß. Er muß also in einem gewissen (wenn auch nicht goethischen) Sinn „w e 11 g ü 11 i g" sein. Interessant, amüsant, daß in diesem Augenblick das Resultat einer Publikumsabstimmung eintrifft, die einige Theater der Provinz vornahmen, um zu hören, was ihre Besucher an bereits gezeigten Filmen noch einmal zu sehen wünschten. Es waren „D e r blaue Enge I", „Bomben auf Monte Carl o", „P o r ck", das „F l ö t e n k o n z e r t", „Der Ko n g r e ß" und die „Tankste 11 c". Also: Operette („Tankstelle"), Operettenschau („Kongreß"), leichte Geschichte oder Anekdote („Flötenkonzert") und etwas allgemein menschlich Gültiges und Packendes allgemein menschlichen Schicksals („Blauer Engel"). Das gibt zu denken; dort ist zu suchen. Es zeigt übrigens, in welchem Ausmaße die Ufa bemüht, in weitestem Sinne dem Geschmack des Publikums Rechnung zu tragen, ihn entgegenzukommen, ihm zu zeigen, was es sehen will und anderseits dennoch nicht in sein Schlepptau zu geraten, sondern die Führung zu behalten. „Amerikanische Tragödie." Ein Film von Dreiser und Sternberg Zwei oder dreimal aufflackernder Beifall während des Films und am Ende ein höflicher Applaus das war in Berlin die Aufnahme der ost^oerzoger- ten, lange erwarteten „Amerikanischen Tragödie . Warum 'so kühl? Auf dem Programm steht: „Nach dem Roman von Theodore Dr etfer ; der Fttm hieße besser: „Der Fall Griffith', denn aus dem Epos Dreisers ist eine Kriminalgeschichte geworden. Was man im Kino nicht sieht. Hinter den Kulissen des Films. Wenn man fein Eintrittsgeld an der Kinokasse erlegt und damit das Recht gewinnt, die Bildwunder auf der Leinwand an sich vorübertanzen zu lassen, so ahnt man meist nicht, daß es außer dieser Schau noch ein anderes Reich im Kino gibt, das der Be fuchcr niemals zu Gesicht bekommt und das doch Entscheidendes zu seinem Vergnügen, Behagen und zu seiner Sicherheit beiträgt. In den modernen Filmpalästen umfaßt dieses „Kino hinter dem Kino" eine große Zahl von Räumen und Maschinerien, die der Kulissenwelt einer großen Bühne nicht viel nachgeben. Hinter der Vorsührwand befinden sich Lau h (predjer, meistens mehrere, unförmige Schalltrichter, die aber doch die Stimmbänder der Stars barftcUcn, deren liebliche oder sonore Stimmen zu uns bringen. Die Oberfläche der Vorführwand ist mit Taufenden winziger Löcher versehen, die es dem Ton ermöglichen, in den Zuschauerraum zu bringen. In Kinos, in benen bas Programm außer den Filmen auch noch aus Varietö-Ausführungen besteht, werden die mächtigen Lautsprecher vor diesem Teil der Schau nach dem Dach emporgezogen oder sie sind auf Türmen befestigt, die fortgerollt werden können. Die Leinwand, die dem Film diente, verschwindet bei der Bühnenschau ebenfalls nach oben. Auch der Operateur ist im modernen Kino nicht sichtbar. Es gibt deren nicht nur einen, sondern drei ober sogar noch mehr und gewöhnlich auch noch einen Jungen, der die Filme wieder aufwickelt. Die Vorführer müssen beim Tonfilm nicht nur in der Projektion der Bilder sehr erfahren, sondern sie müssen auch Ton-Sachoerständige sein. Sie können nicht die Lautsprecher hinter der Vorführwand vernehmen, aber sie hören den Dialog und die Musik mit einem Lautsprecher, der in einem Winkel des Operationsraumes steht, und sorgen für die Regulierung der Tonstärke und die Beseitigung irgendwelcher Mängel, die sich während der Vorstellung einstellen können. Im Vorführraum, der sich meist unter dem Dach befindet, ist das Rauchen aufs strengste verboten, und die besten Feuerschutzvorrichtungen sind vorhanden. Die größte Vorsicht ist wegen der leichten Entzündbarkeit des Films notwendig. Die Filme werden in einem getrennten Raum aufgewickelt, und nur die Rollen, die gerade augenblicklich gebraucht werden, gelangen nach dem Vorführraum selbst. Die Türen dieses Raumes führen gewöhnlich nach dem Dach, und die Operateure haben gar keine Verbindung mit dem Theater, außer den Oeff- nungen, durch die die Lichtstrahlen auf die Vorführwand geworfen werden. Die Projektionsapparate sind mit Vorrichtungen versehen, die sofort das Licht ausschalten, wenn der Film Feuer fangen sollte, und die brennende Fläche auf die wenigen Zoll beschränken, die gerade durch die Linsen gehen. In diesen Gemächern unter dem Dach wird auch die Luftzuführung reguliert, damit reine, warme, ja sogar parfümierte Luft den Zuschauerraum erfüllt und den Gast sofort in eine behagliche Stimmung versetzt. Wie im Winter warme Luft, so wird im Sommer gekühlte Luft zugeführt. Einen verhältnismäßig großen Raum nimmt in den Filmpalästen, die mit einem Orgelwerk ausgestattet sind, dessen Unterbringung in Anspruch. Die Orgelkammern eines vor kurzem eröffneten Londoner Kinos sind über 4 Meter lang, fast 4 Meter hoch und mehr als 3 Meter breit. Hier sind die 2500 Pfeifen des Werkes untergebracht, die zu einer modernen, gegen eine Viertelmillion Mark kostenden Kino- orgel gehören. Die Orgel wiegt 15 Tonnen. Die größte Pfeife ist 32 Fuß lang und groß genug, daß ein Mann darin sitzen kann, die kleinste ist ein halb Zoll lang und wiegt weniger als eine Zigarette. Außerdem liegen „hinter den Kulissen" des Kinos zahlreiche Räume, die vom Personal benutzt werden; im Keller sind die Reinigungsapparate untergebracht, und manches Kino enthält sogar noch ein anderes kleines Kino, in dem die Filme vorher ausprobiert werden. Dreiser will darstellen, wie ein Schwächling, halb durch eigene, halb durch Schuld der amerikanischen Verhältnisse zum Mörder wird : wie er, im Streben, gesellschaftlich zu steigen, fällt: wie es kommt, daß er die Fabrikarbeiterin Roberta Alden bei einem absichtlich herbeigeführten Bootsunfall untergehen läßt, um sie zu beseitigen und die reiche Sondra Finchley zu heiraten Um das zu zeigen, muß man Milieu, wieder Milieu und noch einmal Milieu bringen —und hier versagt dieser Film nicht nur, sondern der Film als Gattung. Hierzu gehörte seelische Entwicklung, die der Film im heutigen Zustande nicht geben kann. Er hält sich also, und das mit Recht, an das Greifbare, Spannende, Tatsächliche: die Vorgeschichte wird obenhin angedeutet: der Epilog des Romans, eine scharfe Anklage Dreisers gegen amerikanische Iustizauswüchse, wird einfach fort- geschnitten — bleibt der Fall und Prozeß Griffiths. Aber er geht unter dem Titel des Romans „Amerikanische Tragödie", ein Titel, der verpflichtet und Erwartungen erweckt, die nicht erfüllt werden können: was sich ereignet, ist weder besonders amen- konisch, noch eigentlich tragisch: vielmehr ein beliebiger Kriminalfall mit Indizien, Tat, Ergreifung des Mörders, dem in dieser Fassung keine Spur Mitleid gegönnt werden wird, und mit einer allerdings typisch amerikanischen Gerichtsverhandlung, wie man sie auch aus dem „Pro.zeß Mary Dougan kennt, nur, daß hier der Stoff unbedenklich aus kriminelle Spannungen und Effekte zugeschnitten ist. Daß der Regisseur Josef von Sternberg diese wahrnimmt, ist selbstverständlich: an zwei «teilen klappt bei solchen Szenen der Beifall ins opiel, in bie beiden großen Verhöre des Staatsanwalts und des Verteidigers. Im übrigen muß sich Sternberg mit dem Manuskript abfinden und leistet dabei sehr saubere und artistisch-feine, keineswegs aber erschütternde oder überraschende Arbeit. An dem Griffith Philipp Holmes, einem gewinnenden blonden Jungen, an der Roberta Alden Sylvia Sydneys allerdings wird die Hand des Regisseurs spürbar, der für diesen Film eine wohl typisch „amerikanische" Note gefunden hat; das Spiel läuft immer sehr sachlich, ohne Ueberschwang, in den Liebesszenen bisweilen sogar mit einer erschreckenden Nüchternheit. bo. Wirtschaft ingen widerstandsfähig, d Kommunalobliga- Vierteljahr 1932. mit Banken äußern sich zur Wirtschaftslage Oie OO.-Bank bedingt optimistisch. Verantwortlich für Lokales, Provinz, Sport und Wirtschaft i. B.: H. L. Neuner. Das war Solange das Problem der politischen Schulden nicht in endgültiger Form bereinigt ist, sind die Voraussetzungen für eine Besserung der well- wirlschaftslage nicht gegeben. men. Don dem Einfuhrrückgang entfallen 67 Mill. Mark auf die Abnahme der Rohstoffeinfuhr und 14 Mill. Mk. die Lebensmittel beteiligt. Berlin sehr zurückhaltend. * Kredit für Rudolf Karstadt AG., Berlin-Hamburg. Wie WTB.-Handelsdienst erfährt, hat die Rudolf Karstadt AG., Berlin-Hamburg, von der Akzept-Bank AG., Berlin, einen Kredit in der Höhe von 25 Millionen Reichsmark erhalten. Dieser Kredit soll zur Erfüllung laufender Verbindlichkeiten dienen. Nach einer weiteren Information des WTB.-Handelsdienstes wird demnächst ein Beauftragter der Gesellschaft nach Amerika fahren, um mit den Inhabern der Dollarbonds, deren Mitwirkung bei der Durchführung einer ausreichenden Sanierung notwendig ist, direkt zu verhandeln. Gchweinemarkt in Gießen. Auf dem heutigen Schweinemarkt in Gießen waren 129 Stück Ferkel aufgetrieben. Es notierten Ferkel bis sechs Wochen alt. 9 bis 14 Mark: sechs bis acht Wochen alt 15 bis 18 Mark: acht bis dreizehn Wochen alt 19 bis 22 Mark: Läufer pro Stück 40 Mark. Tendenz: Marktverlauf flott, ausderkauft. Krank-urter Getreidebörse. Frankfurt a. M, 3. August. Es wurden notiert: Roggen (neue Ernte) 190 Mark, Winter- gerfte für Brauzwecke 170 bis 172,50, Hafer (inländischer) 170 bis 180, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0, mit Austauschwoizen) 37,50 bis 38,45, Weizenmehl (niederrh., mit Austauschweizen) 37,50 bis 38,20, Roggenmehl (70 v. H) 27,50 bis 28, Weizenkleie 8,90, 'Roggenkleie 9 Mark. — Tendenz: ruhig. 34 Mill. Mk. auf die Abnahme der Fertigwareneinfuhr: an dem Rückgang der Ausfuhr sind mit 167 Mill. Mk. die Fertigwaren, mit 41 Mill. Mk. die Rohstoffe und Hauptfertigwaren und muß daher mit allem Nachdruck versucht werden, größere Fälligkeiten von kurz- und langfristigen Auslandkrediten oder -anleihen im Sinne einer ratenweisen Abtragung zu regeln und für möglichst große Teilbeträge eine Prolongation zu erreichen. Sodann ist es von größter Dringlichkeit, daß die Aufbringung der Zinszahlungen auf die Ausland- schulden durch eine Revision der Zinshöhe erleid)- solche Senkungen zum Teil gerade in den letzten Wochen in erheblichem Umfange bereits durchgeführt find und damit schon die unterste Grenze eines Existenzminimums für die Unterstützten erreicht ist Die einzige zur Zeit noch gegebene Möglichkeit der Sicherung von Einnahmen zur Deckung des außerordentlichen Finanzbedarfs in den Gemeinden liegt in der Forterhebung der Bürgerst e u e r. Mit dem 30. Juni d. I. war die Erhebung für das Rechnungsjahr 1931 abgeschlossen. Die Erhebung für das Jahr 1932 soll auf Grund der geltenden Bestimmungen nicht vor dem 1. Januar 1933 beginnen. Die trotz der Reichswohlfahrtshilfe immer noch bestehende besondere Notlage der Gemeindefinanzen hat den Städten Veranlassung gegeben, die Vorverlegung des Termins — etwa auf den 1. Df- Vor-einem Rätsel stehen Wissenschaftler und Konsumenten hinsichtlich des Wunderkaffees Idee. Niemand kann eine ausreichende Erklärung dafür geben, warum Idee-Kaffee allen, also auch denen, die sonst keinen Kaffee vertragen können, so gut bekommt. Außerdem ist er außerordentlich billig. 5653V nicht mehr bestreiten können. Ein Einspringen der Gemeinden als Wohlfahrtsbehörden ist demnach unumgänglich. Selbstverständlich können die Kommunen die ihnen erwachsenden Mehrbelastungen in Höhe von rund 35 Millionen Mark für das Rech, nungsjahr 1932 nicht aus eigenen Mitteln bestreiten. Denn irgendwelche En >arnismaßnahmen kommen nicht mehr in Betracht, da hier alle nur bestehenden Möglichkeiten — in vielen Fällen fogcy in einem für die Gesamtwirtschaft recht bedenklichen Ausmaß — ausgenutzt find. Es wird vielfach auch nicht möglich fern, die Richtsätze für die Unterstützung in Den einzelnen Städten noch weiter zu senken, da tober 1932 — zu betreiben. Selbstverständlich ist man sich über die Schwere der Belastung im Klaren, auch ist es unbedingt erforderlich, in den Ausführungsvorschriften der st ä n b i g e n Einkorn- mensschrumpfung und der Veränderung der wirtschaftlichen Verhältnisse in ausreichendem Maße Rechnung zu tragen, was vielleicht durch die frühere Erhebung auch eher erreicht werden kann. Doch soll mit dem zuletzt angeführten Grund nicht etwa die Mehrbelastung dem Steuerzahler ein meng schmackhaft gemacht werden, sondern die tat- tächlichen Verhältnisse werden eine Umgehung dieses letzten, für die Gemeinden, wenn auch noch nicht völlig ausreichenden, so doch bedeutsamen Deckungsweges nicht vermeiden lassen. Oer deutsche Außenhandel im zweiten । ^5lä,n?ur 0^äf‘9(05- Renten u n d Reichs - K ° schuldbuchforderun""" für Industrie- uni tionen bestand weiterhin etwas Interesse, auch Reichsbahnvorzugsaktien zogen leicht an. Dollarbonds büßten bis zu 1 Dollar ein. Am Geldmarkt machte die Erleichterung nach dem Ultimo weitere Fortschritte, so war lagesgelb schon mit 5fi v. H. unb für erste Abressen verschie- bentlid) mit 5% v. H. erhältlich. Infolge ber leichteren Gelbmarktlage hat sich natürlich bas Angebot in Privatbiskonten weiter verringert. unb sich aus einer solchen Deränberung bet Anlagegewohnheilen eine Besserung ber inbu- ftriellen und gewerblichen Konjunktur entwickeln kann. In Deutschlanb ist jeboch bie Feststellung zu machen, baß zwar Handel unb Gewerbe in einem früher ungeahnten Ausmaße barnieberliegen, baß aber bie Sätze bes Gelb- unb Kapitalmarktes keine Ermäßigung erfahren haben, bie auf natürlichen unb nicht künstlichen Ursachen beruhte. In vielen betrieben kann beobachtet werben, baß bie Lager unb die Warendebitoren abgebaut sind und dies neben der Verringerung der Verbindlichkeiten vielfach ein Anwachsen der Bankguthaben zur Folge hatte. Trotzdem besteht für kurzfristige Gelder auf unverändert hohem Niveau eine Nachfrage. Es wird nun zunächst darauf ankommen, durch organisatorische Maßnahmen im Innern eine Minderung dieser Schwächeerscheinung herbeizuführen. Wenn auch ein Teil der Unternehmungen durch seine Bar- und Bankbe- stände über gewisse Reserven verfügt, so ist doch zu befürchten daß diese Rücklagen bei einer Besserung des Geschäfts bald aufgebraucht werden, unb baß bie Konjunkturbelebung bann in ben ersten Anfängen stecken bleibt. Neigung zur Realisation — Abschwächungen. Frankfurt a.M., 3. Aug. (WTB. Draht- mclbung.) Die Börse eröffnete auch heute in recht stiller unb überwiegend etwas schwächerer Haltung, da das Fehlen von Publikumsaufträgen und der teilweise Rückgang der deutschen Werte an den Auslandsbörsen die Spekulation zur Zurückhaltung mahnte und eher zu Realisationen veranlaßte. Eine Berstimmung ging auch davon aus, daß trotz der Berordnung des politischen Burgfriedens die Unruhen im Reiche fortdauerten. Bei sehr geringer Umsatz- tätigkeit überwogen daher meist Abschwächungen bis zu 1 Prozent. Etwas stärker rückläufig waren AEG. und Licht & Kraft, die bis zu 1,50 Proz. einbüßten. Siemens gaben 0,50 Proz. nach, während Gesfütel behauptet blieb. IG. eröffneten mit 88,25 Proz. 0,50 Proz. niedriger, lagen aber später um weitere 0,50 Proz. gedrückt. Scheideanstolt setzten mit 137 Proz. unverändert ein Am Montanmarkt überwogen bei kleinen Umsätzen Abschwächungen bis zu 1,75 Proz. Bon Kunstseideaktien gingen Aku 1 Proz. zurück. Am Schiffahrtsmarkt eröffneten Hapag leicht gebessert, wogegen Norddeutscher Lloyd um Bruchteile eines Prozentes schwächer lagen. Bon Rebenwcrten blieben Zement Heidelberg gehalten. Deutsche Anleihen konnten sich zunächst weiter leicht befestigen, doch traten nach der ersten Kursfestsetzung auch hier kleine Rückgänge ein. Reichsschuldbuchforderungen schwächten bis zu 0,50 Proz. ab, dagegen zogen Reichsbahnvorzugsaktien 0,53 Prozent an. Bon Industrieobligationen blieben Stahlverein-Donds mit 42 gut behauptet. Bon Auslandsrenten blieben Mexikaner gut behauptet. Gold- und Liquidations-Pfandbriefe lagen uneinheitlich, doch hielten sich die Beränderungen im Rahmen von 0,50 Proz. Weiter gesucht blieben Kommunalobligationen, wobei erneut Besserungen bis zu 1 Proz. eintraten. Bon Deutschen Anleihen konnten sich Altbesitz später wieder aus das Ansangsniveau erholen. Der weitere Der- lauf brachte zunächst keine nennenswerten Beränderungen. Erst gegen Schluß der.Börse traten geringfügige Erholungen ein. Der Geldmarkt war weiter leicht, Tagesgeld 4,25 Prozent. Berlin, 3. Aug. (WTB. Funkspruch.) 3m zweiten Vierteljahr 1932 hat die deutsche Einfuhr (1143 Mill. Mk.) gegenüber dem ersten Vierteljahr um 101 Mill. Mk., die Ausfuhr (1382 Mill. Mk.) um 224 Mill. Mk. abgenom- Der Biehhandel im Monat Juli. Vom DundderViehhändlerDeutsch- lands, Berlin, wird mitgeteilt: Das Viehgeschäft bewegte sich im abgelaufenen Monat Juki weiterhin auf unzureichender Preisbasis. Hinzu kommt, daß die ab 1. Juli eingeführte preußische Schlachtsteuer eine völlige Unsicherheit in die Marktentwicklung brachte. Die Schwierigkeiten wurden noch dadurch erhöht, daß die Berliner Großschlächter den Beschluß faßten, zum Protest gegen die Schlachtsteuer auf zwei Märkten kein Vieh zu kaufen. Die heiße Witterung war ebenfalls dem Fleischabsah in der ersten Hälfte des Monats wenig zuträglich. Aus diesen Gründen war die Preisentwicklung in der ersten Monatshälfte sehr uneinheitlich. Rur durch äußerst vorsichtige Beschickung konnten allzu erhebliche Preiseinbuhen vermieden werden. Erst in der zweiten Monatshälfte zeigten sich gewisse Ansätze zu einer geringen Absatz- besserung, wobei jedoch die ständige Verringerung der Kaufkraft, sowie ein saisonmäßiges Obstangebot auf die Preisentwicklung nicht ohne Einwirkung blieben. Auf dem Schweinern a rite machte sich am Monatsende die saison- mäßige Preisbesserung bemerkbar, die sich allerdings infolge der Schlachtsteuern nur schwer durchsetzen Fann. Infolgedessen konnten die Preisverbesserungen für Schweine nur zum Teil aufrechterhalten werden. Das Zuchtviehgeschäft blieb durch Crntearbeiten ungünstig beeinflußt. Eine Belebung des Geschäftes wird nach der Ernte erhofft. Die Gemeindefinanzen »ach der letzten Notverordnung. Lon Or. Georg Bußwih, Berlin. Die ständige Verschled)terung der Wirtschaftslage brachte, wie genügend bekannt ist, die öffentlichen Körperschaften in steigende Finanznöte. Das Reich hat dabei die Praxis verfolgt, zunächst für feinen Etat einen Ausgleich zu schaffen, während die Länder dazu übergegangen sind, durch Verschlechterung des Finanzausgleichs zuungunsten der Gemeinden sich selbst Erleichterungen zu schaffen. Die Gemeinden, die diese Verschlechterung ihrer Lage neben den nicht mehr tragbaren Wohlfahrtslasten auf sich nehmen mußten, standen kurz vor dem Zusammenbruch, als ihnen durch die Reichsnotverordnung vom 14. Juni 1932 eine Hilfe in ihrer bedrängten Lage zuteil wurde. Die Reichsregierung hat damit zum ersten Male feit Eintritt der Finanzkrife im öffentlichen Haushalt durck; die ergriffenen Maßnaymen das Verständnis für die besondere Notlage der Kommunen öffentlich zum Ausdruck gebracht und dem auch in der Praxis Rechnung getragen. Auf Seiten der Gemeinden erwartete man zwar eine organische Hilfsaktion, bie sowohl bie (Sin« tert unb im Interesse bes empfangsberechtigten Auslanbes selber gesichert wirb. Die Forberung nach Senkung bes Zinses ist um Jo mehr gerechtfertigt, als seine Höhe durch ben Zuschlag einer Risikoprämie bedingt war. für bie nach Lausanne keine Berechtigung mehr vorhanben ist. Auch im Jnlanb ist bie Behandlung bes Zinsproblems erneut in ein akutes Stabium gerückt. Soweit bisher bekannt geworben, ist nicht beabsichtigt, bas Problem in Gestalt einer erneuten generellen Zwangskonversion zu läsen. Grundsätzlich ist zu fordern, bah alle Zwangs- eingriffe in die Schuldverhällnisse unterbleiben und dah eine Lösung angestrebt wird, die jegliche Berlehung des Grundsatzes von Treu und Glauben im Verhältnis von Schuldner und Gläubiger vermeidet. Wird dieses Gebot verletzt, so sind die Auswirkungen auf dem Kapitalmarkt nicht abzusehen, unb die auf die Dauer angerichteten Schäden werden für bie Gesamtwirtschaft bestimmt größer sein als der augenblickliche Nutzen. Zum Schluß wirb gesagt, baß trotz aller fort« bauernben Schwierigkeiten unb trotz ber Fülle noch ungelöster Probleme sich für eine Erleichterung ber deutschen Wirtschaftslage nicht allzu ungün- tige Aussichten eröffnen, sobalb ber Druck ber nnerpolitischen Unsicherheit nachläßt. Nachbem oer- chiebene Momente, bie feit bem vorigen Sommer die beutsche Krise entscheibenb verschärft hatten, beseitigt find, hängt im Augenblick bas Meiste von der Beruhigung ber politischen Verhältnisse ab. Oie Commerz- und Privatbank zuversichtlich. Nach bem August ° Wirtschaftsbericht ber Commerz- unb Privatbank AG., Hamburg-Berlin. ist bie allgemeine Stimmung etwas zuversichtlicher geworben. Hierzu mag bas Ergebnis ber Lausanner Verhanblungen beigetragen haben, obwohl durch bie Unklarheit über bie Ratifizierung ein Schwebezustanb geschaffen worben ist. Zwischen bem beutschen Geldmarkt-Verhältnis und denen der Haupt- sächlich in Betracht kommenden, anderen Länder besteht ein so weitgehender Unterschied, daß die anderwärts aus ben Zustänben am Gelb- unb Kapitalmarkt zu ziehenden Schlußfolgerungen nicht ohne weiteres auf Deutschland übertragen werden können 2tuö den niedrigen Diskont- und Geldsähen in Frankreich, England und Amerika kann der Schluh gezogen werden, dah das Kapital nach rentableren Anlagemöglichkelten suchen wird Dberbeffen Zerkel- und Ziegenmartt in Hungen. I Hungen, 1. Aug. Zu bem heute hier abgehaltenen Ferkel- unb Ziegenmarkt waren 337 Ferkel, 48 Ziegenböcke unb 72 Ziegen aufgetrieben. Der Hanbel auf bem Ferkelmarkt war mäßig, es verblieb Ueberstanb. Es kosteten: sechs Wochen alte Ferkel 10 bis 11 Mk., sieben bis acht Wochen alte 12 bis 16 Mk., neun bis dreizehn Wochen alte 17 bis 25 Mk. Ziegenböcke würben verkauft je nach Qualität von 45 bis 60 Mk. Mit bem Ziegenmarkt war eine Prämiierung ver- bunben. LanorreiS Gießen. z. Lauter, 2. Aug. 3m Rahmen bes freiwilligen Arbeitsdienstes ist der sogenannte Golbbruch, ein seit 3ahren stillliegender Steinbruch an ber Straße Lauter—Laubach neu erschlossen worben. Das gewonnene Material wirb zuWegbautenbenutzt.bie auch im freiwilligen Arbeitsdienst ausgeführt werben. Die ©nmbeigentümer fahren bie Steine unentgeltlich an Ort unb Stelle. Alvcte (vriebberg. + Bad-Nauheim, 2. Aug. Der Kultur- verbanb für Hessen unb Hessen- Vas s ä u hält am kommenden Sonntag im Kurhaus unserer Babestabt unter bem Vorsitz von Dr. K a l i s ch e k (Miesbaben) feine biesjährige Haup11agung ab. Reichsgeschäftsführer Dr. Henning vom Reichskulturverbanb in Berlin wirb der Tagung beiwohnen. Der Reichsverband, bem Hessen unb Hessen-Rassau angeschlofsen finb, umfaßt alle Bolksbilbungsvereine unb biejenigen Verbände unb Vereinigungen, bie sich bie Pflege von Kunst unb Wissenschaft zum Ziel gesetzt haben. Berlin, 3. August. (WTB. Funkspruch.) Hauptkennzeichen des heutigen Börsenverkehrs die allseitig zu beobachtende starke Zurückhaltung. Das Publikum scheint erst einmal die Weiterentwick- und in der Schweiz aus. Weiterhin hörte man wieder Befürchtungen hinsichtlich der Auflösung der alten Lombardvertretungen. Demgegenüber sind aber die festere Haltung der Reichsmark im Aus- s o r g e v e r ba n d e vorgenornn/en. Die'ersten prak- I lande, das Dementi der Rücktrittsabsichten des tischen Beispiele bei der Verteilung der Mittel haben Reichsbankpräsidenten Dr. Luther, die Meldung, allerdings ergeben, daß die Staffelung im Derlei- daß keine generelle Zwangszinskonoertion beab- lungsschlüsfel für die mittleren und kleineren Städte sei und die ziemlich optimistisch beurteilten einen finanziellen Nachteil gegenüber den tatsäch. aeuen Stickstoffbesprechungen in Scheweningen als lichen Verhältnissen und der Berücksichtigung der Motive für eine gewisse Widerstandsfähigkeit zu er- größeren Städte zur Folge hat, der durch Reduzie- wahnen. Eine angenehme Ueberraschung für die rung der in Ansatz gebrachten Schärfe behoben wer- ®örfe stellte das Rückzahlungsangebot der Dedi- ben muß. Bank für die fälligen Dollarbonds dar. Kursmäßig Die bereits erwähnte Tendenz zu einer Ver- kannte sich dies jedoch nicht auswirken, da zu ber schlechterung des Finanzausgleichs Zurückhaltung des deutschen Publikums auch ein zwisckenLändern und Gemeinden machte international zu beobachtendes Nachlassen des Aus- eine die Ländermaßnahmen einengenbe Vorschrift landmtereffes kam. Lediglich Braubank, Drenftein notwendig, wenn die Reichshilfe den Gemeinden tat- und Koppel, HEW., Leopoldgrube und Metallge- sächlich die unbedingt erforderliche Entlastung brin- sellschaft waren auf mehr oder minder zufällige Dr- gen sollte. So ist in der neuen Notverordnung be» aers bis zu 1,25 v. H. gebessert. stimmt, daß das Landesrecht des Finanzaus- Verlaufe ergaben sich bei anhaltend stillem gleichs im Rechnungsjahr 1932 nicht zuungun- Geschäft Abbröckelungen bis zu >4 v. H. Deutsche stenderGemeindengeändert werden darf. Anleihen nach gut behaupteter Eröffnung etwas Insbesondere darf die finanzielle Gesamtbelastung rückgängig, Altbesitz verloren im Verlaufe g o. H. ber Gemeinden nicht durch Aenderungen in der Verteilung der Aufgaben, in der Beteiligung an den Ueberroeifungen aus den Reichssteuern und an den Landes- und Gemeindesteuern, sowie in den Gon» derleistungen des Landes an die Gemeinden, ober umgekehrt ber Gemeinben an bas ßanb erhöht werben. Etwas nachteilig für bie Gemeinben hat sich allerbings hier boch bereits bie Festsetzung bes maß- 3n ben Wirtschaftlichen Mitteilungen gebenden Termins auf ben 1. Mai 1932 erwiesen, ber Deutschen Dank unb Disconto-Gesellschaft wirb Nämlich in ben Säubern, in benen ber Staatshaus- bas Ergebnis der Lausanner Konferenz sowohl po- haltsplan erst später festgesetzt würbe, war für bie litisch wie wirtschaftlich als ein außerorbent- Zeit vom 1. April bis zum Zeitpunkt ber Festsetzung licher Fortschritt bezeichnet. Da bie in Lauem Schwebezustanb vorhanben, ber für bie Gemein- saune erzielte Einigung, bie praktisch das Ende ber ben feste Leistungen nicht oorscch. Würben nun im Reparationen bedeutet, von der Öffentlichen Mei- neuen Staatshaushaltsplan geringere Beträge als nung ber aauzen Welt mit fast einstimmiger Ge- bisher für die Gemeinben eingesetzt, so bebeutet dies nugtuung begrüßt wurde, schienen die Vorausset- zwar rechtlich keine Verschlechterung gegenüber bem Zungen durchaus gegeben, im wirtschaftlichen Le- Staub vom 1. Mai 1932, ber mit bem Inkrafttreten ben ber Völker neue Auftriebskräfte auszulösen, bes Haushaltsplanes ja überhaupt erst geschaffen Leider ist diese Wirkung durch die erst nach dem wurde. Wohl aber liegt darin eine materielle Schiech- formellen Zustandekommen des Vertrages bekannt terstellung der Gemeinden gegen das vorhergehende gewordenen Abmachungen entscheidend gehemmt Rechnungsjahr. worden. Das Inkrafttreten der Lausanner Rege- (regenüber den bisher erwähnten Besserstellungen kung ist von dem Ausfall der amerikanischen Präsi- ber Gemeinden ergeben aber einige Bestimmungen dentenwahlen abhängig geworden und dadurch auf ber Notverordnung doch wieder neue finan- ungewisse Zeit vertagt. Nur ein vorbehaltloser Der- zielle La st en für die Gemeiudeverwal- Sicht auf Reparationen hätte aber die schlagartige tungen, und zwar einmal durch Vermehrung der Aufhellung des politischen und wirtschaftlichen Hori- Ve-waltungsarbeit und zum anderen durch erhöhte zonts bewirkt. Es muß mit größtem Bedauern ver- Aufwendungen auf sozialem Gebiet. Die stärkere Be- zeichnet werden, daß diese psychologischen Möglich- rucksichtigung der Bedürftigkeitsprüfung feiten einstweilen verschüttet sind. und die Möglichkeit, die Gemeinden mit der Durchführung der Ärifenfürjorge zu beauftragen, sowie m Preußen die Ersetzung des Prinzips der Hauszinssteuerstundung durch das M i e t b e i. h i l f e s r st e m zwingen die Gemeinden zwecks Bewältigung der Mehrarbeit zu einer Personal - I Der Bericht behandelt dann die Entwicklung des ?ie^fretirrhplnf?,mn UnCÄ?e f»"™’ deutschen Außenhandels und weist darauf hin daß zielle Mehrbelastung bedeutet. Die erhöhten S o • die Bestände ber Reichsbank an Gold und Devisen zl alausga ben finden ihre Begründung m der die Ende vorigen Jahres 1156 Mill. Mk. betrugen teilweUen Herabsetzung der Soz.alversicherunas. sich am 23. Juli nur noch auf 892 Mill. Mk. stell- le.ftungen unb ber Unterstutzungsbetrage. Die Öe- ten. Es ist also in sieben Monaten ein Verlust memben sehen sich vor die Notwenbigkeit gestellt, von 26 4 Mill. M k. eingetreten. Daß diese ste- Zusatzunter st utzungen in vermehrtem Um- tige Abnahme, bie trotz äußerster Streune in der fange zu gewahren. Denn es ist offenbar, daß die Devisenbewirtschaftung nicht vermieden werden vor. der Kürzung Betroffenen mit den gekürzten Be- konnte, sich nicht beliebig weiter fortsetzen kann ist tragen selbst den notwendigsten Lebensunterhalt eine Selbstverständlichkeit. Die Zentralnotenb'ank :t'“ e- 'c™ *■-- einer Volkswirtschaft von der Größe derjenigen Deutschlands kann sich nicht bis auf einen geringfügigen Rest ihrer gesamten Gold- und Valuta» bestände begeben, so wenig auch die daraus resultierende Verschlechterung des Deckungsverhältnisses mit einer Gefährdung der Währung zu tun hat. Es nähme-, wie die Ausgabefeite des Gemeindehaushalts berücksichtigen sollte. Die Reichsregierung hat sich jedoch darauf beschränkt, in der Hauptsache die Last der Gemeinden, die ihnen aus der Betreuung der Wohlfahrtserwerbslosen erwächst, durch Zuschüsse auf der Ausgabenseite zu mindern. Eine grundlegende Reform der Arbeitslosenhilfe, wie fie von den Gemeinden schon seit längerer Zeit mit Nachdruck gefordert wird, ist leider noch immer nicht erfolgt. Es sind lediglich einige Ansätze dazu gemacht worden, die im einzelnen zu erläutern hier ZU weit führen würde. Das Reich hat den Gemeinden für das Jahr 1932 eine Reichshilfe von 6 7 2 Millionen Mark zugesagt. Diese Bereitstellung bedeutet unzweifelhaft eine Erleichterung für die gemeindlichen Etats, doch ist es trotz größter Anstrengungen der Gemeinden noch nicht möglich , , „ ... ..........— gewesen, für die Gesamtheit der Gemeinden einen lung m der Politik abwarten zu wollen, ehe es sich Etatsausgleich für das laufende Rechnungs- 3U Neuengagements entschließt, wobei bie neuen, jahr zu erzielen. Vielmehr verbleibt noch ein Ge- £us Tellen des Reiches gemeldeten Unruhen sowie samtfehlbetrag von rund 350 Mil- chk Wiederaufnahme der Landtagsoerhandlungen Honen Mark, wobei die ungedeckten Fehlbeträge d'ese Neigung noch verstärkten. Schon vormittags aus den Vorjahren nicht einmal berücksichtigt sind. Ilc& fid> eine gewisse Unsicherheit erkennen, die auch Dotationen, wie sie auch die Reichshilfe darstellt, sißd 3" Beginn des offiziellen Verkehrs nicht behoben im allgemeinen wegen der Willkür bei der Verteilung war. Wie immer bei stagnierendem Geschäft, so bei den Gemeinden nicht beliebt. Dach ist in diesem bröckelten die Kurse auch heute saft durchweg etwas Falle für eine gerechte Verteilung insofern Vorsorge I ob: die Rückgänge betrugen jedoch nur in Einzelgetroffen worden, als diese nach festem Reichsschlüssel mllen mehr als 1 v. H. Buderus, Klöcknerwerke, — unter Vorbehalt einer lOprozentigen Abzugsmog- Salzdetfurth, Elektrisch Licht und Kraft, RWE., ftchkeit für die Länder — auf die Bezirksfürsorge- Schubert und Salzer und Berger waren schwächere verbände erfolgt, so daß also auch beliebige Aende- Papiere, doch auch hier gingen die Verluste nur rungen seitens der Länder ausgeschlossen finb. Durch bis zu 1,75 v. H Eine gewisse Verstimmung ging diese Maßnahmen greift das Reid) erstmalig in bis» DOn dem schwächeren Schluß der gestrigen Neuyorker her nicht gekanntem Umfange in den Finanz- Börse und von den Kursrückgängen für deutsche ausgleich bis zur Stufe der Gemeinden ein. | ®!rtc. 3U, Beginn der heutigen Börsen in London Der besonderen wirtschaftlichen Struktur der Bezirksfürsorgeverbände Rechnung tragend, hat das Reich Hinsichtlid) der Ausschüttung eine Unterteilung in städtis ch e und ländliche Bezirksfür-