Ur. 105 Erster Matt 182. Jahrgang Dienstag, 5. Mai 1952 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Tie Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monat» Bezugspreis: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1 80 Zustellgebühr.. . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen postschecklonto: Frankfurt am Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnttk unö Verlag: vrühl'sche Univerfilätr vuch' und Stcinöniderci R. Lange in Stehen. Schriftleitnng und Geschäftrstelle: zchulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die lagcsnummcr bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspsennig: für Re- klomeanieigen von 70 mm Breite 35 Neichspsennig, Platzvorschriit 20" . mehr. Ehesredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton l>r H.Tbnriot; für den übrigen Teil- Ernst Biumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen Die polnische Gefahr über Danzig. Berlin meint: Oie polnische Negierung nicht beteiligt, aber chauvinistische Kreise. — Goll die Welt ein neues Wilna erleben? Merkwürdigerwelle erfahren wir auf dem Umwege über die englische* Presse von neuen abenteuerlichen Plänen, d:e in Polen gegen Danzig auäge brütet werden. Erfahren, das ist vielleicht etwas zu viel getagt Gerüchtweise wurde im ganzen Osten Deutschlands davon gesprochen. Aber die Regierung in Berlin wußte angeblich von nichts und hat es verstanden, unter der Hand die ganze Geschichte totzuschweigen, um einer Beunruhigung entgcgenzuwirlen, die unausbleiblich war, sobald ernsthaft ein polnischer Handstreich besürchtet werden mußte. Die Engländer aber lind gründlicher vorgcgangen. Einige ihrer Zeitungen haben Korrespondenten nach Danzig geschickt. und was von ihnen berichtet Wird, entlpricht durchaus den Erzählungen, die auch von den 'Deutschen aus Ostpreußen schon ins Reich getragen wurden. Danach ist kein Zweifel, daß in Warschau zum mindesten Absichten aus Danzig bestanden haben. Der .Korridor gleicht wieder, nachdem er vorübergehend militärisch etwas entvölkert war, einem Heerlager, alle Vorbereitungen find getroffen, um im günstigen Augenblick loszuschlagcn. Und ganz um- fönst hat sicher der Kommissar des Völkerbundes nicht einen Hilferuf nach Gens geschickt und in Warlchaueine Warnung aussprechen lassen, wenn er das auch nachträglich ableugnet. Es kann sich allo höchstens fragen, inwieweit die polnischen Drohungen eine Geste etwa gegen den Völkcrbundskommissar — der ihnen unbequem ist . oder eine ernsthafte Gefahr sind, oder gewesen sind. Wir neigen zu der Annahme. daß der kritische Punkt immer noch nicht ganz überwunden ist. Die Dinge hinter den Kulissen scheinen in Warschau so gelaufen zu (ein, daß Pi 1 sudski an die ses abenteuerliche Experiment nicht recht heranwollte und daß auch Frankreich unter der Hand abgewinkt hat. Die polnifcheOverstcnpartci hat aber noch nicht verzichtet. Sie spekuliert daraus, daß im Augenblick Rußland durch den Krieg in der Man- bldnirei militärisch lahmgelegt ist, daß England nichts Ernsthaftes tun wird, weil Polen angeblich immer noch der Brückenkopf für einen Vorstoß gegen Rußland ist und daß endlich Deutschland allein zu schwach ist, um sich gegen eine gewaltsame Besetzung Danzigs zur Wehr zu setzen. Bleibt also höchstens' Frankreich, und hier könnte die polnische Rechnung dahin gehen, daß der Zeitpunkt unmittelbar nach den Wahlen, wenn eine parlamentarische Krise ausbricht, ausgenutzt werden soll, um genau so wie seinerzeit in Wilna eine voll endete Tatsache zu Ichasjcn. Rur mit dem Unterschiede, daß schließlich dach Deutschland ein anderer Faktor i st als Litauen. Marschieren die Polen wirklich, dann würde feine deutsche Regierung stark genug sein — selbst wenn sie wollte! — eine aktive Gegenwehr zu unterbinden, dann würde das ganze künstliche Gebäude, das in Versailles errichtet ist, mit einem Schlage .zusammenbrechen , wobei wir es offen lassen wollen, wen es unter seinen Trümmern begräbt. Wenn allo der Völkerbund sich nicht endgültig lacher- lich machen will, dann wäre cs seine Pflicht, nicht mit widerlegbaren Dementis zu arbeiten, sondern sehr nachdrücklich in Warschau auszu- treten und dadurch ein 'Abenteuer zu verhindern, daß alle europäischen Probleme wieder aufrollen kann. Ein Dementi des Danziger Völkerbunds-Kommissars. Genf, 2 Mai. (SH.) Der Danziger Völker- bundskommillar Graf Gravi na hat dem Generalsekretär des Völkerbundes telegraphisch ein Dementi zu den Meldungen der englischen Presse über eine bevorstehende militärische Be- fctiung Danzigs übermittelt, dessen Wortlaut vom Völkerbundssekretär solgendermaßen wtederge- geben roirb: „Das Sekretariat des Völkerbundskommissars in Danzig dementiert in der formell ften Weise die Veröffentlichungen der Prelle über die Person und die Tätigkeit des Danziger Hohen Kommissars.' Das Dementi des Danziger Völkerbundskommissars Gras G r a v i n a bezieht sich somit lediglich auf hie von der englischen Presse gemachten Mitteilungen. nach denen der Danziger Völker- b u n d s k o m m i s s a r lich wegen einer bevor- stehenden militärischen Bedrohung Danzigs durch Polen bereits an den Generalsekretär des Völkerbundes gewandt habe Von zuständiger Stelle des Völkerbundslekretanats wird ferner mitgeteilt, daß die von der englischen Presse erwähnte fernmündliche Unter- rcöung zwischen G r avina und dem Generalsekretär des Völkerbundes nicht stattgefunden habe. EmeamtlicheDanzigerMteilung Danzig, 2.Mai. (TU. Funkspruch) Von amtlicher Danziger Seite wird mitgctcilt; „Die heutigen Meldungen englischer Zeitungen, deren Wortlaut hier noch nicht vorliegt, knüpfen offenbar an die Nachrichten polnischer Blatter an, die leit Wochen und Monaten ohne jede Hemmung Danzig angreifen, die Beseitigung von Ho- heitsrechten der Freien Stadt Danzig verlangen, offen zur Gewaltanwendung gegen Dan- zig auffordern und in unerhörter und völlig un- Das französische Wahlergebnis. Keine voreiligen Hoffnungen in Deutschland. Bon unserer Berliner Redaktion. Der erste französische Wahlgang hat das für das französische Wahloerfahren ttzpische Teilergebnis gebracht. das sich von früheren darin unterscheidet, daß diesmal eine größere Anzahl von Wahlkreifen, nämlich 244 von 615, ein Resultat melden konnten. Das endgültige Ergebnis entscheidet sich erst am nächsten Sonntag, wo die Stichwahlen stattfinden. Am 1. Mai hat die Regierunasmehrheit einen kleinen, aber entschiedenen Erfolg erzielt, in- dem sie 129 Abgeordnete durchbrachte, wogegen die Opposition nur 115 Mandate melden konnte. Man kann das bisherige Ergebnis aus die Formel bringen: Unzureichender Erfolg der Linken, genügender (Erfolg der Regierungsparteien: es bleibt alles beim alten Obwohl die Gruppe Tardieu, die republikanische Linke, vorläufig etwas verloren hat, bleibt das Ergebnis im ganzen ein Erfolg für Tardieu. Interessanter als das Resultat ist die Tatsache, daß die Wahlen eine starke Beteiligung gebracht haben. Zn Paris sind mehr als 80 v. H. der Wähler zur Wahlurne gegangen. Das deutet auf stärkere Teilnahme des Publikums an den politischen Entscheidungen, als das die Ruhe und Schläfrigkeit des vor- hergegangenen Wahlkampfes vermuten ließ. Es scheint uns aber ein Irrtum zu (ein, an diesen ersten Wahlsonntag gleich die »Folgerung zu knüpfen, die französischen Wähler hätten sich durch die Erfolge Hitlers in Deutschland zu ihrer politischen Einste! lung veranlassen lassen. Das heißt die Dinge an den Haaren herbeiziehen. Das Wahlergebnis des l Mai muß anders gewertet werden. Das sranzösttche Volk hat lich am verflossenen Sonntag zu einer konservativen Politik bekannt. Es wunlcht weder Experimente. noch Veränderungen Darin liegt aber eine Bestätigung der Politik Tardieus. Tardieus Stärke liegt cbenfo auf innenpolitischem, wie auf außenpolitischem Gebiete. Selbst wenn ihn das Ergebnis der kommenden Stichwahl m seiner Stellung bedrohen sollte, so würde das für den praktischen Verlauf der franzöfilchen Politik nur wenig bedeuten Gewiß, daß leibst der lozialradikale Herri o t eine Politik betrieben hat. die lich von jener Tardieus nicht sehr viel unterscheidet Daß Hcr- riot ein Kenner der deutschen Literatur und an- geblich ein Freund Goethes ist. hat ihn nicht dazu bewogen, die Ratschläge des französischen Generalstabes aus seiner Politik auszuscheiden oder gar eine Dcr>öhnungspolitik mit Deutschland zu betreiben Selbst als er im Besitze einer beträchtlichen parlamentarischen Mehrheit war. erwiesen sich die maßgebenden Kräste der sran- Edouard Herriot, der Führer der Radikal sozialisten, die bei den Wahlen einen großen Stirn menzuwachs erzielten und damit zur stärksten Partei in der französischen Kammer wurden. zöfischen Politik stärker als er selbst war Käme es allo in Frankreich zu einem Regierungswechsel. so würde das praktisch nichts ändern 3m einzelnen gesehen bestätigen sch die allgemeinen Folgerungen. Die Kommunisten haben im ersten Wahlgange nur drei Mandate erhalten Man rechnet mit einer erheblichen Schwächung ihrer Stellung Auf der anderen Seite hat dic Gruppe Marin einige Einbußen zu verzeichnen Es fieht lo aus. als habe sich weder cm Ruck nach rechts noch nach links sondern ein Ruck nach der Mitte vollzogen. Aber auch diese Deutuw ift nicht richtig, denn die französische Mitte ent spricht nicht dem. was wir uns darunter vorzu stellen pflegen Die Franzosen haben feit Men- Links: Senatspräsident Dr. Ziehm, das Oberhaupt der Freien Stadt Danzig. — Rechts: Graf Granina, der Dölkerbundskommiffar für Danzig. berechtigter Weise den Hohen Kommissar des. Bölker- bundes schmähen. Die englischen Pressemeldungen sind sichtlich weiter die Folge des Verhaltens der polnischen amtlichen Stellen gegenüber der Danziger Wirtschaft, das in seiner Konsequenz zum völligen Erliegen der Danziger Wirtschaft führen muß und wiederholt zu Anträgen auf Entscheidung beim Hohen Kommissar des Völkerbundes -geführt hat." polnisches Dementi in London. London, 2. Mai. (WTB ) Laut Mitteilung der hiesigen polnischen Botschaft hat der pol- nischc. Botschafter heute im Foreign Office vor gesprochen, um die Aufmerksamkeit auf die völlig unwahren Berichte dreier Londoner Zeitungen über angebliche aggressive Absichten Polens auf Danzig zu lenken. Die amtliche Berliner Auffassung E«n neues Wilna? Berlin, 2. Mai. (TU.) Die Meldung des „Daily Expreß" und zweier anderer Blätter über einen polnischen Anschlag auf Danzig, der am 1. Mai durchgeführt werden sollte, hat in Berliner politischen Kreisen beträchtliches Aussehen erregt. Wie an zuständiger Stelle verlautet, scheinen amt lidfc Warschauer Kreise nicht hinter dem Unternehmen gestanden zu haben, oder zu stehen. Vielmehr handelt es sich nach hiesiger Ausassung, falls sich die Meldung als richtig Herausstellen sollte, um ch a u v i n i st i s ch e Kreise oder um sonstige auf abenteuerliche Pläne eingestellte Leute. (Genau wie beim Raub von Wilna. D Red.) Es braucht wohl faum betont zu werden, daß die deutsche Regierung mit allen ihr zur Gebote stehenden Mitteln Vorgehen würde, falls pol- nischerseits versucht werden sollte, gegen Danzig in der beschriebenen weise vorzugehen. Die Vorgänge werden in Berlin mit größter Aufmerksamkeit verfolgt. Zn diesem Zusammenhang ist es von Znteresje, daß die Danzig-polnischen Abmachungen über das Anlegerecht polnischer Kriegsschiffe im Danziger H a f e n am gestrigen Tage abgelaufen sind. Zn Zukunft gelten lür die polnischen Kriegsschiffe, die den Danziger Hasen anlaufen wollen, die internationalen Bestimmungen für das Anlaufen fremder Häfen. Bisher konnten nämlich polnische Kriegsschiffe ohne vorherige Anmeldung im Danziger Hafen vor Anker gehen. Das Abkommen über dieses polnische Sonderrecht war bereits im vorigen Fahr abgelaufen und ist seinerzeit bis zum 1. Mai 1932 verlängert worden. Das Echo in der Serliner presse. Berlin. 2- Mai. (ERL ) Die Meldungen über dic polnischen Putlchpläne werden von den meisten Berliner Abendblättern in größter Aufmachung gemacht Ein großer Teil von ihnen nimmt in schärfster Form dazu Stellung Der .,B ö r s e n c o u r i e r" schreibt unter Bezugnahme auf die Dementis der polnisch e n Regierung, auch als ..abenteuerliche Putschisten, denen die Warschauer Regierung sernstand". einen Staatsstreich in Wilna unternahmen. wusch die polnische Regierung ihre Hände in Unschuld. Das Mißtrauen der Reichsregierung und erst recht des deutschen Volkes ist durch die AnMwrt der polnischen Regierung keineswegs beseitigt Die ..Vossische Zeitung" sicht in der Möglichkeit, dic ganze Welt durch derartige Meldungen zu alarmieren, ein sehr bedenkliches Symptom für die unerträgliche Spannung, die durch das vertragswidrige Eingreifen Polens in dic Handelsfreiheit Danzigs erzeugt worden ist. Die ..D 21 Z." verweist ebenfalls auf das Beispiel Wilnas und sagt, lo einfach liegen dic Dinge bei Danzig und Ostpreußen nicht Zwar ermutigt das schandbare Benehmen des Genfer Völkerbundes im ostasiatischen Konflikt die Putschisten jenseits der Grenzen, immerhin würde nicht einmal dieser Genfer Bund den Bruch des Friedens mitten in Europa cbenfo passiv hinnehmen können, wie cs „weit hinten in der Mandschurei" geschah. Die deutsche Regierung muß überdies auf das ernsteste überlegen. ob sie in der Lage fein wird, durch ihren Vertreter in Gens im Herbst dieses Jahres den nichtständigen Ratssih Polens ver- läpgcrn zu lassen. Wirkliche Hilfe gegen einen polnischen Angriff aber wird gewiß nicht vom Völkerbund kommen, sondern in erster Linie auf dem Widerstand, der deutschen Verteidigung beruhen. Danziger preffestimmen. Danzig, 2. Mai. (ERB) Die „Danziger Allgemeine Zeitung" schreibt, die Meldungen seien kennzeichnend für die Spannung im O st e n und die 'Beurteilung der sriedensstorenden Tendenzen Polens durch das Ausland. Die „Danziger N e u e ft e n Nachrichten" schreiben, die überaus maßlose Sprache der polni- schen Presse habe die polnische Öffentlichkeit und die Bevölkerung in Polen in einer g e ° fährlichen Weise erregt und Gedankengange erzeugt und populär gemacht, die sich bis zu den" Meldungen offener Angriffsabsichten gegen Danzig steigerten. Mehrfach und von polnischer offiziöser Seite sei immer wieder abgestritten worden. daß solche Absichten bestünden. Aber diese D e m e n fier ungen seien nicht in einer so schlagt ras tigen Weise erfolgt, daß sie diesen gefährlichen Stirn mungen wirklich endgültig den Garaus gemacht hätten. Die „Danziger V o 1 k s ft i m m e" hebt her vor, daß solche Gerüchte periodisch auftauchen. wenn die Spannung in den Danzig polnischen Beziehungen einen Höhepunkt ereichi habe. Es gehöre zur Taktik der Nationalsozialisten sowohl Polens, wie auch Danzigs, daß sie sich gegenseitig Putschabsichten unterstellten. Im übrigen steht das Blatt den eng lischen Meldungen skeptisch gegenüber und bezeichnet cs als ausfallend, daß nur die drei genannten eng lischen Blätter sie verzeichnen, während sie der Dan ziger Presse und sämtlichen in Danzig ansässigen Pressevertretern unbekannt geblieben seien. Moskau läßt die polen warnen. Moskau (über Kowno), 2 Mai. (TU > Dic Meldung englischer Blätter über eine beabsich tigte Besetzung D anzigs durch die Po- [ c n hat in Moskau größtes Aussehen erregt. In politischen Kreisen wird erklärt, die polnische Regierung würde, wenn sie einen solchen Schritt unternähme, die L a g e in O st - europa erheblich verschärfen. Die russische Außenpolitik lege Wert aus das Weiterbestehen Danzigs als Frei- st a a t. Das Danziger Problem sei völlig anders als die Wilnatrage. Ein polnischer Streich gegen Danzig könne in Osteuropa unabsehbare Folgen Hervorrufen. Das Außenlommissariat der Sowjetunion hat noch feinen amtlichen Bericht erhalten. Es »erfolgt jedoch die Entwicklung in Danzig mit größtem Interesse. England will noch abwarien. London, 2. Mai. (TU.) Die Meldungen der Londoner Zeitungen über die Vorgänge in .Danzig kamen der Oeffenrlichkeit in England sehr überraschend, da bisher die englische Prelle die Vorgänge im Korridor so gut wie gar nicht berührte In den zuständigen englischen Stellen wird angegeben, daß bisher noch keine Mitteilungen über die Ereignisse in Danzig vorliegcn. Es besteht jedoch ein ausgesprochenes Bestreben, die Wichtigkeit der Vorgänge herabzumindern, obwohl die eng- lische Regierung sowohl auf dem Wege über Berlin, tcrie über Genf auf den Ernst der Lage mehrfach aufmerksam gemacht wordeii ist London vertritt den Standpunkt, daß noch^lcinc englischen Schritte notwendig seien, solange sich die Lage nicht weiter zuspihe. Frankreichs Bedingungen für Rnsinngsmindemng. Amerika und England sollen Sicherheitsgarantie leisten. London. 3. Mai. (D3I23. Aunkfpruch.) Zu den Genfer Abrüstungserörierungen schreibt der diplo- niatische Korrespondent des „Daily Telegraph", T a r d i e u habe klar zu verstehen gegeben, daß Frankreich zu einer Verminderung seiner Rü st ung en bereit sein würde, wenn die amerikanische und die britische Regierung gewisse Sicherhcitsgarontien gäben. Diese Bedingungen, die für beide Regierungen unannehmbar seien, lauten dem Korrespondenten zufolge: l. Amerika verpflichtet sich, mit einem vom Völkerbund als Angreifer bezeichneten Staat keinen handel zu treiben, mit anderen Dorten, eine auf Befehl des Völkerbundes unternommene Blockade zu respektieren. 2. Großbritannien verpflichtet sich, dem Völkerbünde seine Flotte für eine solche Blockade zur Verfügung zu stellen. Der Reichskanzler über Gens. Beginn der Beratungen im Reichskabinett. Berlin, 2. Mai. (END.) Wie wir erfahren, hat das Reichskabinett heute nachmittag die Kabinettsberatungen begonnen, in denen im Verlaufe dieser Woche zunächst die Etatsfragen und dann die neue Notverordnung behandelt werden sollen. Heute ging den Ctats- besprechungen die Berichterstattung des Kanzlers über seine Genfer Besprechungen vorauf. Der Bericht erstreckte sich eingehend auf alle Fragen, die in den Genfer Besprechungen mit den ausländischen Staatsmännern behandelt worden sind, vor allem also auf die Abrü- stungskonferenz, die Neparations- frage und das Donau Problem. Danach hat Dr. Brüning in Genf keinen Zweifel an der Bestimmtheit und Klarheit des Standpunktes gelassen, den Deutschland in diesen Fragen einnimmt. Das gilt in erster Linie für das absolute Bestehen auf Gleichberechtigung in der Abrüstung und gilt weiter vor allem auch für das Festhalten an der Linie der deutschen Reparakions- politik. Die Darlegungen Dr. Brünings wurden im einzelnen noch ergänzt durch Staatssekretär Dr. Bülow und Ministerialdirektor Graf Schwerin von Krosigk, der bekanntlich der erste deutsche Sachverständige für die wirtschaftliche und finanzielle Seite des Donauproblems ist. Ltm die Militärlustfahrt. Genf, 2. Mai. (WTB.) 3m Luftfahrt- ausschuh der Abrüstungskonferenz hatte die deutsche Delegation kürzlich beantragt, die gesamte Militärluftfahrt in die qualitative Abrüstung einzubeziehen. Dah der deutsche Antrag als radikalster und weitgehendster auf Widerstand stoßen würde, war vorauszusehen. Man hat insbesondere eingewendet, daß es schwer sei, genaue Begriffsbestimmungen für die Militärluftfahrt zu finden. Darauf hat jetzt die deutsche Delegation in einem präzis formulierten Zusahantrag verschiedene Grundsätze ausgestellt, die genaue Charakteristiken für Militärflugzeuge enthalten, zu denen u. a. auch solche zu zählen seien, die Bestandteile der Ausrüstung einer Wehrmacht seien, oder von ihr requiriert würden. Durch diese Begriffsbestimmung wird dem Einwand, daß auch die Zivilluftfahrt in die Ab- rüstungsmahnahmen einbezogen -werden müsse, mit der Forderung begegnet, dah die Requirierung von Zivilflugzeugen verboten sein soll. „Sehr langsame Fortschrittes London, 2. Mai. (WTB.) Sir John Simon ist heute nach London zurückgekehrt. Er erklärte bei seiner Ankunft, dah die Abrüstungskonferenz sich bis Pfingsten mit kleineren technischen Fragen beschäftigen werde. Danach werden sehr wichtige Erörterungen über allgemeine Fragen wieder ausgenommen werden. Die Konferenz mache sehr langsame Fortschritte, aber es seien trotzdem Fortschritte. Wahlen vorbei. — Wieder gesund. Paris, 2. Mai. (XU.) Wie aus politischen Kreisen verlautet, ist der Gesundheitszustand Tardieus vollkommen zufrieden st eilend. Er werde seine amtliche Tätigkeit vermutlich am Dienstag wieder ausnehmen. Macdonalds Krankheit. Besprechung des Premiers mit Baldwin. London, 2. Mai. (WTB.) Reuter... Ministerpräsident M a c d o n a l d hat sich heute morgen einer eingehenden ärztlichen Untersuchung unterzogen, deren Ergebnis, wie betont wird, sehr zufriedenstellend gewesen ist, wenigstens was den allgemeinen Gesundheitszustand anlangt. Sein Augenleiden jedoch wird die Heranziehung eines weiteren Spezialisten erforderlich machen, da man sich darüber schlüssig werden will, ob nicht doch notwendig ist, daß der Ministerpräsident sich noch größere Schonung auferlegt. Die ihm verordnete tägliche Ruhepause im Ausmaß von drei Stunden, die er in Genf strikt einhielt, hat außerordentlich gut gewirkt. Man hält es für wahrscheinlich, daß die Aerzte auf einer weiteren Einschränkung seinerTätigkeit bestehen werden. Diel bemerkt wurde, daß Macdonald heute vormittag eine längere Unterredung mit Baldwin hatte, und die politischen Kreise erörtern bereits die Frage, ob nicht eine Ueberraschung bevorsteht. Mussolini gegen den Irrsinn -es Zollkrieges. Rom, 2. Mai. (WTB.) In einer Rede, die Mussolini auf der Jahrhundertfeier der Assi- curacioni Generali hielt, wandte er sich gegen die immer größer werdenden Erschwerungen des internationalen Handels. frage mich", erklärte Mussolini, „ob wir uns nicht auf dem Wege eines mehr oder weniger ernsthaften Irrsinns befinden, da alle Staaten Zollschranken aufrichten und der Weltwirtschaft das Blut entziehen." CRunrimon fordert Schluß mit den Tributen. London, 2. Mai. (WTB.) Der Präsident des Handelsamtes Runciman forderte heute in einer Rede auf dem Zahresbankctt der Londoner Handelskammer nachdrücklichst, die Nationen sollten sofort „di e schlechtePolitik der letzten zwölf Jahre" verlassen und „eine vollständige Beendigung aller Kriegsschuldenzahlungen und Reparationszahlungen" herbeiführen. Der Waffenstillstan- in Schanghai. Schanghai, 2. Mai. (WTB.) Die Festsetzung des genauen Textes des chinesisch-japanischen Waffen st ill st andsvertrages wird, wie Reuter erfährt, nun doch schon morgen statt- finden. Der japanische Gesandte S ch i g c in i t s u und General Uyeda werden am Donnerstag die feierliche Unterzeichnung des Vertrages im Bett vollziehen, wenn es ihr Gesundheitszustand'irgend gestattet. schcngcdcnkcn eine Politik der sog. mittleren Linie geführt, die aber in allen Belangen der Außenpolitik radikal nationalistisch war. Das ist das einzige, was uns an dSkki französischen Wahlergebnis interessieren kann. Es ist ja schließlich keine Ueberraschung. daß die Franzosen augenblicklich keine umstürzlerischen Aenderungen in ihrer Führung wünschen. Sie sind dabei bisher recht gut gefahren. Die Welt- krisis ist an Frankreich vorübergegangen. Kommt !>nan auch jetzt langsam in ihren Bereich, so leidet doch der durchschnittliche Franzose sehr viel weniger, als die anderen Völker. Natürlich liegt das zum Teil daran, daß Frankreich ein Bauernland geblieben ist, auf der anderen Seite läßt cs sich aber nur dadurch erklären, daß die politische Leitung der Franzosen sehr geschickt -und umsichtig operiert hat. Die unerfreuliche Folgerung, die sich weiterhin daraus ergibt, ist die, dah sich das französische Volk erwartungsgemäß in den letzten Wahlen zur Politik der Sicherheit bekannt hat. Unter Sicherheit versteht man im allerweitesten Sinne Erhaltung des Status q u o: innenpolitisch und außenpolitisch. Wie man unter Frieden den Versailler Frieden versteht, unter S i - cherheit Militärhegemonie, unter Wohlstand T r i b u t h e r r s ch a f t, so sieht eben der status quo für deutsche Augen höchst unerfreulich aus. Auf eine Aenderung ist da nicht zu hoffen. Die einzige Aendcrung, die sich denken ließe, beruht auf wachsender Einsicht der maßgebenden Stellen. Da wäre es natürlich denkbar, daß sich die Klugheit und Umsicht der französischen Staatsmänner auch in diesem Sinne bewährte. Gerade das verhältnismäßig unklare Ergebnis des Wahlsonntags bestätigt die bisherige Politik, bedeutet aber keinerlei Anreiz zu ihrer Aenderung. Jede Aenderung würde eine Verschiebung der Mehrheiten Hervorrufen, und schließlich würde das politische Gleichgewicht wieder an dem Punkte gefunden werden, wo es jetzt eingetreten ist. Frankreich bleibt also der unveränderliche Faktor der europäischen Politik, wie bisher. Nur ernste Erschütterungen könnten die Franzosen aus ihrer Ruhe aufschrecken. Diese sind aber vorläufig nicht sichtbar. Die einzige Ausnahme bildet die W e l t - Wirtschaftskrisis. Sie zwingt früher oder später zu schwerwiegenden Entscheidungen. Auch Frankreich wird sich ihr auf die Dauer nicht entziehen können. Aber mit diesen Wahlen hat das sranzösische Volk gezeigt, daß es mit dem, was man Weltpolitik nennt, nichts zu tun haben will. Das sranzösische Interesse bleibt nach wie vor selbst- süchtig. Es kennt nur sich. Cs ist gut, dah wir das wissen. Das amtliche französische Wahlergebnis. Paris, 2. Mai. (WTB.) Aus einer vom Innenministerium herausgegebenen Statistik, die sämtliche in Frankreich und Algerien zu vergebenden 605 Mandate umfaßt, geht hervor, daß in 2 4 8 Fälllen d i e Entscheidung im ersten Wahl- gang gefallen ist, während in 357 Fällen Stichwahl stattfindet. Die im ersten Wahlgang gewählten Abgeordneten verteilen sich auf die einzelnen Parteien wie folgt: Rechtsstehende 3, Marin-Partei 44, Unabhängige Republikaner, d. h. die bei keiner Fraktion Eingeschriebenen, 13, Katholische Demokraten 10, Linksrcpublikaner 37, rechtsstehende Radikale 25, rechtsstehende Sozialisten 4, Sozialrepublikaner 5, Sozialisten 40, kommunistische Sozialisten 3, Kommunisten 1. Herriot erklärt... Paris. 2. Mai. (WTB.) Edouard Herriot. der Führer der Radikalen < Partei, hat einem Pressevertreter eine Erklärung abgegeben, in der es heißt: Ich habe mit einem Siege gerechnet und tatsächlich ist ein ausgesproche- ner^Ruck nach links zu verzeichnen. Ich reise morgen abend nach Paris. Es kommt nicht allein auf meine Partei an. Auf jeden Fall lege ich Wert auf die Feststellung, daß T a r d i e u Anekdoten von der Großen Katharina. Von Emil Heyse. Zwischen Katharina der Großen (1762- 96) und ihren Dienstboten bestand ein eigenartiges patriarchalisches Verhältnis. Die leutselige Kaiserin war liebenswürdig zu jedem Angestellten. Stets kleidete sie ihre Wünsche in die höflichste Form: sei bitte so gut, ich wäre dir dankbar, würdest du so freundlich sein usw. Sie verniied es nach Möglichkeit, das Personal zu Dienstleistungen für ihre Person heranzuziehen, gönnte ihm Ruhe. „Lebe und lasse die anderen auch leben", meinte sie. Eine ihrer Zofen, Katharina Iwanowa Alexewna war besonders saumselig und unordentlich. Und eines Tages wurde die Kaiserin ernstlich böse. Nachdem auf dreimaliges Klingeln niemand erschienen war, meinte lie zu den Anwesenden: „Das ist wirklich zu arg. Heute werde ich es ihr gründlich sagen!" Endlich kam die nachlässige Zofe und Katharina drückte ihren Zorn in folgenden Worten aus: „Sag mir bitte, Katharina Iwanowna, glaubst du, daß du ewig hier im Schlosse bei mir sein wirst? Du wirst doch wahrscheinlich einmal heiraten, dann wirst du unter deiner Unpünktlichkeit bitter zu leiden haben. Dein Mann wird sich das nicht gefallen lassen! Du solltest doch wirklich selber ein bißchen an deine Zukunst denken!" — In Katharinas Hofhaltung wurde die Dienerschaft dick und fett und stahl und raubte, was und wo sie konnte. Katharina betrachtete das mit dem Auge einer sehr nachsichtigen Hausfrau. Sie lachte nur gutmütig, als sie erfuhr, daß bie Silber diener eine neue Puhmethodc „erfunden" hätte, dank der sie das abgeschabte Silber säckchenweise wegtrugen. Dem erkrankten Großfürst-Enkel Alexander muhte einst ein Löffel Rum verabreicht werden. Don diesem Tage an wurde in den Hofhaltungsbüchern unter den täglichen Ausgaben eine Flasche Rum geführt. Sic wurde nach Katharinas Tod unter der Regierung Pauls I. geführt, auch unter Alexander I. und Nikolaus I. Erst im Jahre 1845 siel der Kaiserin Alexandra Feodorowna zufällig dieser Posten aus imb sic erkundigte sich nach seiner Bedeutung. Beim Rückblöttcrn wurde 1784 als Ursprungsjahr der Flasche sestgestellt. worauf sic vom Tagesbudget verschwand. durch seine Rede von 'Belfort die Brücke zwischen sich und uns abgebrochen hat. „Paris S o i r" veröffentlicht eine weitere Aeußerung Herriots über den bisherigen Ausfall der Kammerwahlen und seine Folgen. Herriot erklärte, daß er Dienstagnachmittag an den Beratungen des Exekutivausschusses der Radikalen Partei teilnehmen werde' dabei werde über die einzunehmende Haltung Beschluß gefaßt werden. Es sei nahezu sicher, daß die Kam- mer von 1932 mehr radikale und sozialistische Abgeordnete haben werde, als die Kammer, während deren Legislaturperiode das Kartell der Linken die Regierungsmacht ausübte. Auf die Frage, ob die Radikale Par- t e i eventuell die Regierung übernehmen werde, könne er jetzt nicht antworten. Er glaube jedenfalls, daß das Problem der Beteiligung der Sozialisten mit größerer Schärfe denn je aufgerollt werde. Oie Ansicht in parlamentarischen Kreisen. Paris, 2. Mai. (TU.) In parlamentarischen Linkskreisen mißt man der im ersten Wahlgang hervorgetretenen Tendenz eine weit größere Bedeutung zu, als man sie in Rechtskreisen wahrhaben will. Man geht sogar so weit, von einer Erschütterung desKabinettsTar- dieu zu sprechen und den Radikalsozialisten.in der zukünftigen Karniner 140, den Sozialisten etwa 120 Mandate zu prophezeien. Aus dieser mit Vorsicht aufzunehmenden Berechnung zieht man den Schluß, daß die Wiederbelebung des Linkskartells nicht ausgeschlossen sei. Allerdings muß hinzugefügt werden, daß sich Herriot als Führer der Radikalsozialisten im Wahlkampf gegen eine Regierungsbildung mit den Sozialisten ausgesprochen hat. Die Rechtskreise glauben nicht an die Möglichkeit einer derartigen Entwicklung und sagen die republikanische Konzentration mit den Radikalsozialisten voraus. Oie pariser presse zur Wahl. Paris, 3. Mai. (WTB. Funkspruch.) Zum Ergebnis der Wahlen am vergangenen Sonntag schreibt „l' Ordr e", Sozialisten und Kommuni- st e n hätten, ebenso wie die Radikalen, einen großen, beunruhigenden Erfolg davongetragen. Wenn am kommenden Sonntag ihre Stimmen sich zusammentun würden, dann würde die revolutionäre Gruppe die stärkste in der Kammer sein. „Petit P a r i s i e n" zieht die Folgerung, daß die französischen Wähler sich für eine Konzentration der republikanischen Parteien mit deren Führung nach links ausgesprochen hätten. „La R e p u b l i q u e" schreibt, die Radikale Partei werde morgen den Konzentrationsmittelpunkt der republikanischen Kräfte bilden. „I o u r n 6 e Industrielle" meint, man hätte einigen Grund, sich über diesen Ruck der Volksmassen nach links zu wundern. Man habe einfach das Experiment des Kartells der Linken von 1924 bis 1926 und den damals angerichteten Schaden vergessen, vergessen die Opfer, die notwendig gewesen seien, um die Finanzen wieder herzustellen und die Währung in Ordnung zu bringen, vergessen das Beispiel der englischen Arbeiterpartei, vergessen die Drohung, die für den Frieden Europas die Fortschritte der Hitler-Bewegung darstellen, vergessen die Lehre, die Frankreich vor einigen Tagen in Genf dadurch gegeben worden fei, daß sich eine Koalition der englischen, deutschen, italienischen und amerikanischen Interessen in der Slbrüftungsfrage bildete. Das führende Finanzblatt „Agence Economique et Financisre" erklärt, daß die im ersten Wahlgang hervorgetretene Orientierung nach links nicht nur den Wunsch des Volkes nach innerpolitischem Ausgleich, sondern auch nach internationalem Ausgleich deutlich erkennen lasse. In Zukunft werde man im Auslande nicht mehr sagen können, daß die französische Regierungsmehrheit ihren Schwerpunkt auf der Rechten besitze. In wirtschaftlichen Kreise wünsche man die Bildung einer großen republikanischen Regierungsmehrheit. Im Lause von 61 Jahren wurden dem kaiserlichen Haushalt also 22 265 Flaschen Rum aufgerechnet. die in Wirklichkeit nur einen Löffel Rum aus dem Jahre 1784 darstellten. Ein Original unter Katharinas Angestellten war ihr Leibkammerdiener, der alte Popow. Ein ehrlicher, zuverlässiger Mensch, aber ein widerborstiges Rauhbein. Katharina ließ ihm die unwahrscheinlichsten Grobheiten durchgehen. Die Kaiserin plauderte mit dem Grasen Orlow, erinnert sich einer eigentümlich gefaßten Ahr. Will sie dem Grafen zeigen und befiehlt Popow, die Ahr herzubringen. „Diese Ahr gehört Ihrer Schwiegertochter", belehrt sie Popow. „Sie selbst haben gar keine solche." „Ansinn", ruft Katharina, „natürlich besitze ich so eine Ahr. Bring mir alle meine Schmuckkasten her, ich werde sie selber suchen, wenn du's nicht willst." Steinern entgegnet Popow: „Wozu soll ich sie herschleppen, wenn doch keine solche Ahr drin ist?" Graf Orlow empört sich über die dreiste Antwort, fährt Popow derb cm. „Ra, na nur ruhig", brummt Popow. „Roch ist die Wahrheit nicht verboten. Sie selbst liebt sie ja." Er zeigt mit dem Daumen auf die Kaiserin. „Aber soll sie doch ihren Willen haben", begehrt er wütend auf. Run werden sämtliche Kasten hereingebracht, unter persönlicher Beteiligung Katharinas genau durchsucht, — die Ahr ist nicht unter den Schmuckgegenständen. Der grimmige Popow tritt vor die Kaiserin. „Ra?" fragt er vorwurfsvoll, „wer hat nun Anrecht?" ,.Ich". sagte sofort Katharina, „verzeih mir und sei nicht bös. Aber du brauchst nicht immer gleich so grob gegen mich zu fein.“ Katharina sucht in ihrem Schreibtisch nach wichtigen Dokumenten. Zieht die Schubladen auf, wühlt, kramt. — umsonst. Vergebliches Suchen macht gereizt. „Sicher hast du sie irgendwo verschmissen", fährt sie ihren getreuen Popow an. „Sicher haben Sie sie selbst irgendwohin verschmissen", bellt der zurück. Der ohnehin ärgerlichen Katharina platzt die Geduld. „Mach, daß du hinauskommst!" herrscht sie Popow an. Mit hochgezogenen Schultern stelzt Popow beleidigt hinaus. Gleich daraus findet die Kaiserin die Papiere. Ihre gewohnte gute Laune kehrt zurück. Sie schickt um Popow. Der kommt aber nicht. „Ich gehe nicht mehr zu ihr, sie hat mich ja weg- gejagt." — And erst nachdem Katharina ihn dreimal hatte bitten lassen, geruhte der grimmige Kammer-« diener, seinen Dienst bet der Kaiserin wieder aufzunehmen. Rach dem Tode Popows, den die Kaiserin aufrichtig bedauerte, schlängelte sich Fürst Barya- tinski an Katharina heran und empfahl ihr wärmstens einen Kammerdiener. Die Kaiserin lehnte entschieden ab. „Ich kenne das", sagte sie nachher. „Diese Herrschaften suchen für mich immer Diener aus, die ihnen nützen. Ich brauche einen Kammerdiener, der mir dient, nicht ihnen." Gcnrz früh am Morgen ertönt ein angstvolles, wildes Gegacker im Schloßgarten, gerade vör dem Fenster des Zimmers, in dem die eben aufgestandene Kaiserin sich aufhält. Der Blick aus dem Fenster trifft auf ein uraltes Weiblein, das sich bemüht, eine Henne zu fangen. „Was soll das", ruft die Kaiserin ärgerlich, „macht dem Anfug ein Ende und erkundigt Euch, was die Alte mit dem Huhn da treibt" Der Rapport ist befremdlich: „Das Huhn gehört nicht der alten Frau, deren Enkel in Eurer Majestät Küche dient. Es ist ein kaiserliches Huhn. Die Alte wollte es stehlen — halten zu Gnaden, Majestät." „Also dann", lacht Katharina, „sag der Alten, sie soll sich täglich, so lange sie lebt, ein Huhn hier in der Küche holen. — Ist diese Resolutio nicht weise? — 1. wird die Alte vom Stehlen abgehalten. 2. braucht sie sich nicht mehr mit der Jagd zu quälen, 3. hat sie immer was zu essen. Sie soll gar kein lebendes, sondern ein geschlachtetes Huhn bekommen, denn dann werden wir 4. nicht mehr durch das Gegacker erschreckt. Während eines Sommeraufenthalts in Zarskoje Selo promeniert Katharina im Schloßgartcn. Verwundert sieht sie in einer der künstlichen Felsengrotten einen Gärtnerburschen, der sich's darin bequem gemacht und ein recht reichhaltiges Mahl vor sich stehen hat: Suppe, einen großen Fisch, Huhn mit Gemüsen, Torte. „Du hast ein gutes Mittagessen", redet ihn die Kaiserin an, „woher bekommst du das?" „Mein Onkel ist Koch bei Ihnen", antwortet der Junge, „der schickt mir das " „Kriegst du jeden Tag so viel?" erkundigte sich Katharina. „Freilich", sagt der Junge, „aber nur so lange Sie hier sind und für Sic gekocht wird." „Da freust du dich wohl immer, wenn ich her- komine", meint die Kaiserin. „Ra natürlich — und wie!" grinst der Junge. „Iß, iß und laß dich nicht stören", sagte die Kaiserin und entfernt sich. — „Da ist also doch einer, der sich aufrichtig freut, wenn er mich sieht", mefnt Katharina nachdenklich und sieht ihre Begleiter der Reihe nach an. Im Gegensatz zur Kaiserin Elisabeth war Katharina II. völlig unmusikalisch. Für alle übrigen Künste interessierte sie sich aufs Lebhafteste, die Musik ließ sie völlig kalt. „Ich verstehe gar nichts von Musik", seufzte sie, „und empfinde nicht das Geringste dabei — so wenig wie bei Lärm auf der Straße." Trotzdem lud sie Komponisten und Musiker ein, unterstützte sie freigebig und besuchte häufig Konzerte, die ihr nur eine Qual bedeuteten. Vor Beginn eines Haydn-Quartetts winkt sie den Kammerherrn Zubor zu sich heran: „Wenn ein Solo gespielt oder gesungen wird, weiß ich, ich habe zu applaudieren, wenn es aus ist: bei diesen Quartettsähen bin ich unsicher und fürchte immer, zu früh oder zu spät zu applaudieren. Guck mich also scharf an. wenn es so weit ist, daß ich meinen Beifall äußern muß." Lochschulnachrichten. Der durch die Emeritierung von Professor Dr. R. Wachsmuth an der Aniversität Frankfurt a. M. freigewordene Lehrstuhl der Experimental-Physik ist dem Professor Dr. Karl Wilhelm Meißner in Frankfurt angeboten worden. Professor Dr. Karl Strupp in Frankfurt a. M. hat den an ihn ergangenen Ruf auf einen Lehrstuhl für öffentliches Recht, insbesondere Völkerrecht, an der Aniversität Frankfurt als persönlicher Ordinarius angenommen. Der außerordentliche Professor "Dr. E. W ö h - lisch von der .Universität Heidelberg ist zum etatmäßigen ordentlichen Professor für Physiologie an der Universität Würzburg ernannt worden. Der durch die Emeritierung von Professor Dr. A. S ch l o ß m a n n an der Medizinischen Akademie in Düsseldorf erledigte Lehrstuhl der Kinderheilkunde ist dem außerordentlichen Professor Albert Eckstein in Düsseldorf angeboten worden. Ser politische Kurs in Preußen und im Reich antwortung für Preußen und das Reich zu enL lasten. • Die politische Lage in Sayern. München, 2-Mai. (6203.) Die Korrespondenz des Da y.e rischen DauernbundeS bebt hervor. Hrkler habe jetzt Gelegenheit, zu sagen, über welche Parteimänner er verfüge, die auch als Staatsmänner der Volks- gesamtheit ehrlich und verantwortungsvoll zu dienen verstünden und dazu gewillt seien. Aber niemals könne es zugclassen werden, daß diese Leute Diktatoren würden. Werde die Mitarbeit der Nationalsozialisten Tatsache, dann werde sich erweisen, das) der Zwang zur Vernunft dem Nationalsozialismus eine Politik auferlcgen werde, die sich nur in Einzelheiten von derjenigen Politik unterscheiden werde und könne, die seit einigen Jahren als Politik der nationalen Der- nunft geführt werde. Die Sozialdemokraten in Bayern verrieten durch verschiedene Presseäuherungen ein auffallendes Verlangen nach einem Kompanie-Geschäft mit der Daye- rischen Volkspartei. Auch die Nativ- nalsozialisten zeigten die gleiche große Geneigtheit. mitzuregieren. Die Bayerische Volks- Partei sei in Verhandlungen noch nicht eingetrcten. Man wisse nur. daß die Meinungen in der Frage der Koalitionsbildung innerhalb der Partei sehr geteilt seien. Dom Vauernbund auS sehe man den bevorstkhenden Dingen mit Gelassenheit entgegen. RGOAp. und Regierungsbildung in Preußen. Berlin, 2. Mai. (TU.) Der nationalsozialistische ,2n griff" nimmt zur Frage der preußischen NegierungSbildungStellung und schreibt u. a. folgendes: ,Die Nationalsozialisten müssen den selbstverständlichen Standpunkt vertreten, daß sie sich an einer NegierungSkoalition in Preußen nur unter der Voraussetzung beteiligen, daß ihnen die Machtmittel des Staates in die Hand gegeben werden, weil sie anders gar nicht die Verantwortung für eine Negierung in der gegenwärtigen, durch jahrelange Mißwirtschaft überaus'schwierigen Situation übernehmen könne. Die Nationalsozialisten können eine Re- gierung-übernohme in Preußen ferner nur dann verantworten, wenn die Gewähr dafür vorhanden ist, daß ihnen vom Reiche her nicht die Macht in Preußen aus der Hand geschlagen wird. Deshalb muß auch im Reiche eine Regelung der Dinge eintreten, bei der die Nationalsozialisten den entscheidenden Einfluß gewinnen." Anläßlich des fünften GründungstageS der ehemaligen Zeugmeistcrei Oft äußerte sich, wie der ^Angriff" berichtet, der Führer der nationalsozialistischen Preuhenfraktion, Abgeordneter K u b e, in bemerkenswerter Weise über die Koalitionsfrage. Auf keinen Fall, so betonte er, würde die NSDAP, in eine Koalition eintreten, an der die Deutschnationalen nicht auch beteiligt seien. Ob eS zu einer Koalition mit dem Zentrum komme, stünde noch nicht mit völliger Sicherheit fest. So oder so werde es doch über kurz oder lang zu einer Landtagsauflösung kommen und dann mühten und würden die N^DAP. auch die wenigen zur absoluten Mehrheit notwendigen Mandate noch hinzu gewinnen. Ein Oemenii. Berlin. 2. Mai. (WTB) 3n einzelnen süddeutschen Blättern sind Gerüchte verbreitet, wonach auS Kreisen der Reichswehr und unter Mitwirkung anderer politischer Persönlichkeiten der Sturz des Reichswehr- und des ReichSinncnministerS betrieben und aus eine radikale Umbildung der Reichs- Tcgietung hingcarbeitet würde- Don amtlicher Seite wird dazu erklärt, daß es sich hierbei um haltlose Kombinationen handelt. Die in der Oeffenilichkeit genannten Personen stellen ausdrücklich fest, daß tncjc Behauptungen erfunden sind und jeglicher tatsächlichen Begründung entbehren. „Oie Rechtskoalition mit dem Zentrum." Der Sinn der Hindenburg-Wahl. Berlin, 2. Mai. (CNB.) Die „Deutsche Al l- gemeine Zeitung" bezeichnet es als roün- schenswert, wenn die Preußenoerhandlungen nicht zu sehr mit Fragen der Reichspoli- t i k belastet würden. Die Stellung der Reichsregie. rung könne nur gewinnen, wenn ihr auf der anderen Seite der Wilhelmstrahe ein arbeitsfähiges Kabinett mit großer Mehrheit gegenüberstehe. Ein Reichskommissar gegen b i e Rechte, die im neuen Preußischen Landtag beinahe die Majorität errungen habe, sei nicht mehr vorstellbar, sondern nur eine Reform im Einvernehmen der Reichs- und der Staatsregierung. Die Rückwirkung der Preußenverhandlungen auf das Reich werde desto ungünstiger sein, je geringer die Chancen würden, daß die große Rechtskoalition mit dem Zentrum zu- stände komme. Die „Tägliche R u n d s ch a u", das Blatt des Christlich Sozialen Polksdienstes, geht in diesem Zu- sammenhong auch auf die bäuerischen Meldungen Uber die Generale Hammer ft ein und Schlei- thcr ein. Es sei nicht der Sinn der Hin- denburg-Wahl, den Ausschluß der Ra- tionalsozialisten weiterhin zu sichern Wenn jetzt versucht werde die R a t i o n a l s o z i a l i st e n im Reich und in Preußen in die V e r a n twor - t u n g einzubeziehen, so sei das auch im Hinblick auf die Hindenburg Wahl zu begrüßen, die den Sinn hatte, in Deutschland wieder eine Obrigkeit, eine unabhängige väterliche Staatsführung ,yi bc festigen. Politisch fei feftwfteUcn, daß Zentrum und Bayerische Volk spart ei zum ersten Male offen vor die Derantwortung gestellt worden feien. Der Reichskanzler trete für eine Beteiligung der Nationalsoziali- st c n ein, werde aber das ganze Zentrum das preußische Bündnis mit den Mächten der liberal- sozialistischen Vergangenheit lösen? Das Zentrum sei heute exponiert. Es bestehe keine Veranlassung, das Zentrum aus seiner riesigen und gefährlichen ver- Reue Gparnotverordnung in Anhalt. Dessau, 3. Mai. (WTB. Funkspruch.) Das a n • haitische Staatsmini ft erium hat eine Ergänzung zur Reichssparnotverordnung erlassen, in der es heißt, daß die für Staatsbeamte getroffene Regelung der Bezüge auch für Beamte der Körperschaften des öffentlichen Rechts, die der Staatsaufsicht unterliegen, maßgebend sei. Die Der- ordnung sieht weiter die Aushebung der B e • förberungsfperre vor und führt eine Sonderabgabe auf die Einnahme der Notare ein. Diese Gebühr beginnt mit 5 o. H. bei 50 Mark vereinnahmter Vergütung und endet mit 50 v. H. bei den Vergütungen, die 50 000 Mark überfteigen. Oie Beratungen im hessischen Finanzausschuß. Darmstadt. 2. Mai. (WHP. > Der F i n a n z- ausschuh des Landtages setzte heute nachmittag die Etatsberatungen bei Kapitel 19 (Staatspräsident) fort. Das Kapitel sieht einen Zuschuß von 170 000 Mark vor, und damit 50 000 Mark weniger als im vergangenen Jahre. 11. a. sind die persönlichen Ausgaben um 25 000 Mark und der Dispositionsfonds um 20 000 Mk. gekürzt worden. Staatspräsident Adelung beantwortete die zahlreichen Anträge und Anfragen über Einsparungen, beamtenrechtliche Fragen, Anstel- lungs-, Beförderungs- und Aufrückungsgrund- sähe für die Beamten, insbesondere für die Kriegsbeschädigten. Außerdem informierte er den Ausschuß über die Handhabung des Dispositionsfonds. Die Weiterberatungen und Abstimmungen werden am Dienstag vorgenommen werden. Oas Sowjet-Paradies. Deutsche Facharbeiter in Not. Berlin, 3. Mai. (END.) Die Rcichs- regierung hat Besprechungen mit der Regierung der Sowjetunion eingeleitet, die die großen finanziellen Schwierigkeiten der in Rußland befindlichen deutschen Ingenieure und Facharbeiter zum Gegenstand haben. Die russische Regierung hatte bei den Vertragsabschlüssen mit diesen deutschen Spezialisten vereinbart, daß ein Teil der Bezahlung in deutscher Währung erfolgen soll, der den Angehörigen in Deutschland überwiesen werden sollte und zur Bezahlung der deutschen Sozialversicherungsbeiträge diente. Bbi der Erneuerung der Verträge hat nun die Sowjetregierung versucht, die Auszahlung in Mark abzuschaffen. so daß dadurch die Betroffenen in erhebliche finanzielle Mißhelligkeiten geraten sind. Wenn die Regierung der Sowjetunion ihr Verhalten mit der in den Verträgen enthaltenen sogenannten Katastrophenklausel, die sie von der Zahlung in fremder Währung entbindet, zu rechtfertigen sucht, fo wird demgegenüber in hiesigen politischen Kreisen darauf hingewiesen, daß zwar Devisenschwierigkeiten für die Sowjetunion bestehen mögen, daß aber von einer wirtschaftlichen Katastrophe nicht gesprochen werden könne. Aus oller Welt. vierte Südamcrikafahrl des „Graf Zeppelin". Das Luftschiff „®raf Zeppelin" ist gestern um 5 03 ilfcr zu seiner vierten Südamerikafahrt in Friedrichshafen glatt gestartet. Führer ist Kapitän Lehmann. An Bord befinden sich zehn Passagiere, darunter ein Kind. Das Luftschiff befand sich heute um 4 Ahr Greenwicher Zeit aus 32,11 Grad Nord und 19,20 Grad West, nordwestlich der Kanarischen Inseln. Jllcger-ltotlanbung mitten in Berlin. Der aus dem Weltkrieg und durch seine Teilnahme am Europarundflug bekannte Pour-Ie-Me» rite-Flieger Osterkamp erlitt gestern Vormittag während eines Fluges über der Innenstadt Berlins einen Motorschaden. Da er das Flugzeug nicht mehr bis zum Flughafen Tempelhol steuern konnte, ging er im Gleitflug nieder und landete schließlich auf dem Kasernenhos der ehemaligen Franzer-Kaserne in der Blücherstrahe. Das Flugzeug wurde nur gering beschädigt Öfter- kamp und die auf dem Hof anwesenden Menschen kamen mit dem Schrecken davon. Lin Schmuggler erschossen. Aus Schnorrcnberg (Kreis Schleiden) wirb ge meldet: Ein Trupp von acht Schmugglern, die Mehl, Kaffee, Zucker und Tabak geschmuggelt hatten, wurde von Grenzzollbeamten überrascht Dabei wur den mehrere Schüsse abgegeben, durch die einer der Schmuggler, ein Einwohner aus Schnorrenberg, einen so schweren Bauchschuß erhielt, daß er kurz darauf verstarb. Grohfeuer bei Lodz. In einem Dorfe bei Lodz sind gestern in drei Stunden 33 Bauernhäuser und 150 Wirtschaftsgebäude durch Feuer vernichtet worden. 20 Dorfbewohner erlitten Brandverletzungen. Wettervoraussage. Noch immer erstreckt sich das Störungssystem mit mehreren Kernen von England quer über Deutschland nach Polen hin, scheint sich aber weiter aufzufüllen. An der Rückseite gelangt nun etwas kühlere Ozeanluft nach dem Festlande, wodurch der Witterungscharakter sich etwas wechselhaft, aber nicht gerade unfreundlich gestaltet. Aufheiterung und Bewölkung lösen sich ab, und zeitweise treten noch Regenschauer auf. die teils von Gewitterstörungen begleitet sein dürften. Zm Bereiche eines sich dann herausbildenden Zwischenhochs kommt ruhigeres Wetter zustande, das jedoch nicht von allzu langer Dauer fein wird, denn über dem Atlantik ist eine neue Störung im Anzug, die nach vorheriger Abkühlung wieder Wetterverschlechterung bringen wird. Aussichten für Mittwoch Wechselnd bewölkt mit Aufheiterung, vorübergehend leichte Abkühlung^ aber im ganzen mild, zum Teil gewitter- artige Niederschläge. Aussichten für Donnerstag: Zunächst Wetterberuhigung und wieder warmer, spater erneute Eintrübung. Lufttemperaturen am 2. Mai: mittags 12,3 Grad Celsius, abends 10 Grad: am 3. Mai. morgens 11,4 Grad. Maximum 12,6 Grad, Minimum 7,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm liefe am 2 Mai abends 12 Grad Celsius; am 3. Mai: morgens 10,4 Grad Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 3. Mai 1932. Hygiene am Abend. Zu allen Zeiten des Tages soll der Mensch auf die Erhaltung seiner Gesundheit bedacht fein, ganz besonders aber am Abend, wenn nach des Tages Lasten und Mühen der Körper nach Ruhe und Pflege verlangt. Von vielen Menschen wird aus Un- fenntnis, aus Gleichgültigkeit und nicht zuletzt aus Vergnügungssucht dagegen gesündigt. So etwas muß sich rächen. Und welches find die Folgen? Letzten Endes Krankheit, Elend, Arbeitslosigkeit' Darum wird jeder, der dies vermeiden will, gut tun, seine besondere Aufmerksamkeit der „Hygiene am Abend" zuzuwenden. Diese beginnt mit der rechtzeitigen Einnahme eines zweckmäßigen Abendbrotes. Als Zeitpunkt dafür wähle man zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen, weil bis dahin die Berdauungstötigkeit im wesentlichen beendigt sein muß, um den Schlaf nicht zu gefährden. Das Abendbrot sei nicht zu reichlich und vor ollem leicht verdaulich. Fette und blähende Speisen vermeide man am Abend möglichst ganz. Gemüse, Obst, Salat, ein Glas Milch, ein Butter- oder Schmalzbrot mit etwas Aufschnitt, Käse oder berg!., das ist eine für das Abendessen geeignete Kost. Kaffee, der bei vielen Menschen den Schlaf verscheucht ober sonst Beschwerden verursacht, ist deshalb zu vermeiden. Manch einer verträgt auch Tee am Abend nicht gut. Die Zeit zwischen Abendbrot und Nachtruhe verwende man entweder zu einem die Verdauung und den Schlaf günstig beeinflußenden Spaziergang ober, zumal bei schlechtem Wetter, zum Lesen eines nicht aufregenden Buches, zur Pflege von Musik und Spiel, oder zum Besuch des Theaters, Kinos ober eines Konzerts. Ist so bie Zeit bcs Zubettgehens herangekommen, bann vergesse man nicht, für (Entleerung von Blase unb Darm zu sorgen, sich sorgfältig zu waschen unb vor allem auch vor dem Schlafengehen bie Zähne zu putzen. Gerade bas obenbliche Zahneputzen ist von befonbercr Wichtigkeit, weil während der langen Nachtruhe Speisereste besonders gute Gelegenheit finden, sich im Munde zu zersetzen unb allerlei Batterien wuchern zu lassen. Dor bem Betreten bes Schlafzimmers muß dieses etwa eine halbe Stunde, — im Sommer mehr, im Winter weniger — gelüftet worben fein. Am besten ist es natürlich, wenn ber gefunbe Mensch sich baran gewöhnt, bei offenem Fenster zu schlafen. Niemals rauche man im Schlafzimmer, ober gar im Bett! Daburch wird nicht nur bie Luft verschlechtert, fonbern cs besteht die Gefahr, baß ber Rauchende mit brennenber Zigarette ober Zigarre einschläft und so einen Brand verursacht. Vielen Menschen ist bas Lesen im Bett als Ein, schläferungsmittel mehr ober minber unentbehrlich geworben. So weit es sich babei um leichte, nicht aufregenbe Lektüre hanbelt, mag bies angehen, doch sorge man für gute unb feuersichere Beleuchtung. schließlich sei noch barauf hingewiesen, baß zu spätes Schlafengehen unb baburch bebingter uryge- nügenber Schlaf ber Gesunbheit schädlich ist. "3m allgemeinen braucht ber gefunbe Erwachsene etwa acht, bas Schulkinb feine zehn bis zwölf Stunden ruhigen Schlafes, um frisch zu sein für bie Aufgaben bes kommenden Tages. DKGS. Mysterienspiel: Theophilus. Ein besonders eindrucksvolles Erlebnis war bie Aufführung bes Mysterienspiels h e o - p h i l u s" am Sonntagabcnb unter freiem Himmel auf bem Platze vor ber katholischen Kirche. Das Spiel zwang bie vielen Zuhörer, bie sich sttehenb um bie kleine, imorovisierte Bühne am Otzotteshaus scharten, sehr schnell in seinen Bann, und selbst ber Lärm ber Stabt, ber vernehmbar f^raufflang, konnte nicht einbrechen in ben Kreis, ber, schnell unb fest sich zwischen ben Laienspielern u»b ben Zu- Hörern schloß. Klar klang jebes Wort übfcr ben Platz, man lauschte aufmerksam ben Worten und der Handlung, die sich auf ber kleinen Bichne in schlichtester Form, ohne jeden äußeren Aufwand abspielte und boch über Erwarten starken Eindruck machte. Einfach und sinnvoll, wie alles, vras mit diesem Mysterienspiel in Verbindung ftanbj, war auch bie Beleuchtung. Zn Schalen brannte P^chfeuer, Fackeln erleuchteten notbürftig, aber boch ausreichend bie Bühne, bas flarfernbc Licht spie/te lebendig über bie Gesichter ber Darsteller unb be#r Zuschauer, Hellen Glanz verbreitend und tiefe, worsme Schatten zeichnend. Eine kurze Ansprache non. Kaplan Gremm ging dem Spiel voraus. Der Ri/bner erläuterte mit kurzen Worten den Sinn bes Spiels in unserer Zeit. Es soll ber Gemeinschaft bienen iinb zu Gott führen. Das, was bem Spiel an Handlung eignete, ist rasch erzählt. Theophilus (hiev eine faustische Figur), ein Mann, von Reichtum untt Würden gekommen, will rächen, wo Unrecht an ihm begangen schien. Aber seine Kraft reichte nid/ aus. Da deutete ihm ber Gaukler ben Weg zur Hilfe bes Teufels an, Theophilus beschwort ben Blösen, verschreibt sich ihm, um Gelb unb Macht, schwort Gott, Maria unb Iesum ab, naht ober, tief unglücklich über seine lat, der heiligen Familie wieber, bitfenb, ihn roieber in ©naben anzunehmen. Und Maria hilft. Die Nonne Roswetho von Ganders- h e i m hat im 12. FohrhWnbert das Spiel geschrieben und eine Legende zum Mysterienspiel erhoben — die Laicnspielschar, junge Menschen unserer Tage, gaben es ben (Bcgcneoartigen wieder, schufen es nach, aus tiefer mneacr Kraft unb Gläubigkeil, bie ihren Einbruck auf bie Zuhörer nicht verfehlen kannten. Dazu kam, daß bas Spiel in einer wun- berbaren, klaren, zvlammengefahten Sprache geschrieben ist, in einer feinen Reimsorm, bie in ihrem Rhythmus zu Musiv ber Worte würbe unb gleich- zeitig die Schönheit, unserer deutschen Sprache offenbarte. Unb noch cm weiteres kam hinzu: bie Laienspieler sprachen mit großer Sicherheit unb vielem Ginfül)(ung«PcrmSgcn in ben Geist ber Zeit, aus dem bas Spiel geboren wurde, bas nun seltsam wirklich in unsere Gegenwart trat. Gesang unb Orgelton klang aus ber Ferne in bas Spiel, ein gemeinsames Lied der Zuhörer verstärkte bie Serbin- bung zwilchen ben ©ebenben unb ben Aufnehmen, ben, mit ubeywachen Sinnen folgte man dem Geschehen, das fid) in diesem Spiel zur Vollkommenheit schloß utÄ zum Harmonischen hin bewegte, bank der Aufführung, bie formvollendeter nicht gedacht werden konnte. Sicherlich werden viele, bie der Ausführung nicht beiwohnen konnten, bedauern, daß für dos spiel (soweit man bisher hörte) nur eine einmalige Ausführung vorgesehen war Bornotizcn. — lapgesfalenber für Dienstag. Stabt- theater: 19.30 bis 22.30 Uhr, „Der Vogelhandler". — Anthrojpos Gesellschaft: 20.15 Uhr, Universität, Hör- faal 41, Vortrag über „Von Goethes Geistesart zur Anthroposophie R. Steiners". — (Taf< Leib: 20 Uhr, SluffÖrungs- und Lichtbildervortrag. — Lichtspiel- Hous, Bahnhofstraße: ^Zrvei Herzen unb ein Schlag'. Rus dem 6#t>a bttbcaterburcau wird uns geschrieben Heute. 19.30 Uhr. ein- maliges Ope rett enga'/spiel des Stadttheaters Mainz uut der belangten und beliebten Operette Der Doge Händler" Tert von M. West und L. Held. MuNk von Kai5 Zeller. Spielleitung Rlfred von Krebs, Mulfkal-ktzche Leitung Dr. Viktor Mr- bantlchitsch. Die Vorstellung gilt als 29 Vorstellung im D enstag^Abonnement zu Operetten- preisen. Mittwoch- und Freitag-Abonnenten erhalten ermäßigte Operettenpreise — Mittwoch. 4. Mai. 19 ilbr. erste Wiederholung der Neuinszenierung des Intendanten Dr Rolf Prasch: „Faust I“. In beAx Hauptrollen Jochen Hauer (Faust), CBcalrii» Doering iGretchenl. Die Rolle des OTcpJbtfto wird wegen der plötzlichen Erkrankung Kackl Hehlers von Ulrich von ber Srend (Badisches Lanbestheater Karlsruhe) als Gast bargrZftellL Von der nächsten Vorstellung an spielt fie Karl Bruck. Beginn der Dor- ftcRung 19 il£r, Ende 23 Uhr 29 Vorstellung im Mittwochal»nnement zu gewöhnlichen Preisen. — Modenschau-Revue im Licht- spielhau , Bahnhofstraße 2m heutigen Dievslog. 16 Uhr. und am morgigen Mittwoch. 16 «zd 20.30 ilbr, finden im Lichtspielhaus. Bahnhofstraße. Modenschau-Revue-Der» anftaltungqn statt. Es wirken dabei mit die Frankfurter Operettensängertn Friedl G i e r g a und der lyrische spanische Tenor Erich a E a m P o. Bevorzugt beschäftigt sind der Frankfurter Ope- rettenbuf^b Emil Seidenspinner vorn Opernhaus Srturffurt und die Tanzsoubrette Ilse Henrich. Ds»e musikalische Leitung liegt in Händen von Kap-rllmeister Eugen Neff. Nähere- ist auS den 2rneigen in den letzten Nummern ersichtlich. — ,£( a b t u m macht gesun d!" 2m heutigen -Dienstag, 3. Mai, 20 ilbr, findet im Eafs Leib cfm 2ufklärungS-Lichtbildervor1rag statt. Im Mittelpunkt deS Äbends steht eine umfassende Darlvzung über die Heilwirkung und die 2n- wendunaSmöglichkeiten des Radiums bei den verschiedensten Krankheitserscheinungen. Der erste Teil deS Dortrages besaßt sich mit dem Thema „Kmnpf dem KrebS" (fachärztlicher Behandlung), der» zweite Teil mit dem Thema „Natürliche Wege W Gesundheit und Kraft". Näheres ist aus der gestrigen 2nzeige ersichtlich. •• Personalien. Der DermesfungSober- knspektor Philipp Tisenhardt zu Gießen wurde mit Wirkung vom 1. Juni ab in den Ruhestand verseht. — Der Polizeihauptwachtmeister auf Probe Franz Mecky zu Gießen wurde unter Berufung in das Beamtenderhältnis mit Wirkung vom 1. Juni ab zum Polizeihauptwacht- meister ernannt. * Die Pfingst-Rückfahrkarten Die FesttagS-Rücksahrkarten der Reichsbahn zu Pfingsten können bis zum 17. Mai, 24 Uhr, einschließlich (Dienstag nach Pfingsten), benutzt werden. * * Das Maienblasen am morgigen Mittwoch, 19 Uhr, findet vom Turme der Stadtkirche aus statt. Es werben folgende Stücke zu Gehör ge- bracht: 1. Ein feste Burg ist unser Gott. 2. Gottver- trauen von Ruh. 3. Draußen ist alles so prächtig. " Wochenmarkt am Mittwoch. Der auf den HimmelfahrtsdonnerStag entfallende Wochenmarkt ftndet am morgigen Mittwoch. 4. Mai, statt. (Siehe heutige Bekanntmachung.) ** Zwei junge Menschen vermißt. Seit Sonntagabend werden ein junges Mädchen von Heuchelheim und ein junger Mann von Gießen, die ein Verhältnis miteinander hatten, vermißt. 2m Sonntagabend sind die beiden mit einem jungen Manne von Heuchelheim gegangen und seitdem nicht mehr gesehen worden. 2us diesem Wege hat der Meßener dem ihm bekannten Heuchelheimer Burschen seine Brieftasche und Geldbeutel gegeben mit der Bemerkung, er solle sie ihm aufbewahren, da er am anderen Morgen in die Fremdenlegion gehen wolle. 2m Montag- morgen fand aber ein Einwohner von Heuchelheim die Mühe, die Uhr und die Mitgliedskarte des jungen Menschen bei einer Organisation mit dem Vermerk „tot" auf einem Pfeiler der Lahn- brüde liegen. 2uherdem wurde ein Lichtbild gefunden. auf dem das Mädchen abgebildet war. Auch auf dieser Karte stand ein Vermerk „beide töt'*. Da man annimmt, daß die beiden jungen Leute den Tod in der Lahn gesucht haben, nahm man sofort eine Absuchung des Flusses vor, konnte aber biS jetzt die Vermißten nicht finden. ** Thor konzert für Kranke. Der Bauersche Gesanaverein gab am Sonntagvormittag unter ber Leitung von Herrn G u t j a h r und der Mitwirkung von Herrn Kurt Richter (Sologesang) ein Chorkonzert für die Kranken der Cchirurgischen Klinik. Das Konzert, das insbesondere auch einem langjährigen, schon seit längerer Zeit in der Klinik liegenden Mitglied des Verein- galt, wurde von den Patienten unb bem Personal mit dankbarer Freude ausgenommen. " Kirschenblüte bei Ober Roßbach vor der Höhe. Der Frühling, ber helle Sonnenschein unb der vorübergehende warme Regen haben am Kirschenberg bei Ober-Roßbach o. b. H. die Kir- schenblüte an den etwa 20 000 Bäumen hervorge- lockt. Am Himmelsahrt-Donnerstaa findet in Ober. Roßbach ein Kirschblütenfest statt. Das sicherlich viele Naturfreunde werden mitcrlcbcn wollen. Die Aus- finaler werden darauf aufmerksam gemacht, daß ab 1 Mai von Frankfurt a. M. aus Sonntagskartcn bis nach Station Roßbach v. d H. ausgegeben werden. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. Apotheker A. fit, wie schon teln ÄuSerei erkennen 1161, ein gewinen. heiter Vertreter «eine» verantworiungivoiien Berufet. Mit der gleichen Schari,Innigkeit, mit welcher er die Geheimschrift der Rezepte entretielt und In toutend Arzneien verwandelt, to wählte er euch teln Bervtigewand. Er tagt, daß nur nach »einem Wuntche Und: „Bequem In der PaBlorm, beiter Stoff, Harke und leubertle Verarbeitung!" ErhÄltlich bei der Fa. H. KaeB Nacht. Wilhelm Horn & Sohn Gießen, Kreuzplatz 15. 3514a 2733 Ä" ein ziviler 3 Oil ZurBowle 0278 dicUfntbc o.K. Pfd. 40 d ff. nroöc 3316V und Damenräder. . .Pfd. 45 im Ausschnitt .. 3518 A [Stellenangebote) mit ihren 28 Farben .. Farbstellungen und 4 CQ .. .Meter 38 Freska, in den modernen jüngeres 3510 A e ss t n WoH- Häutler f(l. Kabeltau o. 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Vundesvorsihende, Bürgermeister Dr. H a m in (Gießen). widmete zunächst dem vor wenigen Tagen plötzlich verstorbenen, auf dem Gebiete der Fremdenverkehrswerbung lehr verdienten Berwaltungssekretär Maus ((Sieben) einen herzlichen Nachruf, bei dem die Leistungen des Heimgegangenen für die Derkehrswerbung dankbar anerkannt wurden. Die Versammlung ehrte den Heimgegangenen in der üblichen Weise. Hierauf erstattete der l. Bundesvorsihende, Dr. Hamm den Geschäftsbericht über das Jahr 1931. 3n dein Bericht wird zunächst auf die schweren Rückschläge der deutschen Wirtschaft und auf die Bankenkrisis im Sommer vorigen Jahres hingewiesen und dabei bclont, daß die Verschärfung der wirtschaftlichen Verhältnisse natürlich auch auf die Fremdenverkehrswerbung des Derkehrsbundcs Oberhessen austerordentlich hemmend eingewirkt habe. Trotz eifriger Werbearbeit auf dem erprobten und stets bewährten Wege der Zeitungsanzeige habe der Derkehrsbund Oberheffen unter den obwaltenden ungünstigen Zeitverhältnissen doch nur ein geringeres Werbeergebnis als im Jahre vorher erzielen können. Dieser Rückgang sei aber nicht allein auf die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse, sondern auch auf die Ungunst der Witterung während eines großen Teiles des vorigen Sommers zurückzuführen gewesen. Immerhin habe der Derkehrsbund an etwa tausend Interessenten für Ferienbesuche in Oberheffen feinen Führer und das übrige Werbematerial verschicken können. Die Arbeit des geschäftsführenden Vorstandes sei im verflossenen Jahre hinter die Tätigkeit der Kommission zur Herausgabe einer Reliefkarte von Oberhessen zurückgetreten, da diese Ausgabe die wichtigste der Bundesarbeit im verflossenen Jahre darstellte. An dieser Ausgabe habe neben der Reliefkarten-Kommission unter der Leitung des 2. Vundesvorsiyenden, Bürger- meisters Dr. D öl sing «Alsfeld), der He'ssische Verkehrsverband in Darmstadt durch seinen ersten Vorsitzenden, Kaufmann Stemmer (Darmstadt), in eifriger Weise mitgearbeitet, ebenso seien Vertreter des geschäftsführenden Vorstandes an dieser Tätigkeit beteiligt gewesen. Nachdem man in zahl- reiten Kommissionssitzungen und Einzelberatungen mit dem gefchäftsführenden Vorstand die Vorarbeiten für die Herausgabe der Reliefkarte kürzlich abgeschlossen habe, konnten der Gesam'tvorstand und die Reliefkarten-Kommission nunmehr den Auftrag zur Herstellung der Karte erteilen. Die Reliefkarte von Oberheffen werde in einer Auslage von 3000 Stuck in etwa zwei Monaten der Oeffenllichkcit übergeben werden. Der Reliefkarten-Kommifsion und ihrem Vorsitzenden. Bürgermeister Dr. D ö l s i n g. Alsfeld, sowie dem Vorsitzenden des Hessischen Verkehrsverbandes, Kaufmann Stemme r. Darmstadt, wurde in dem Geschäftsbericht für die opferfreudige und mühevolle Arbeit an der großen Aufgabe herzlicher Dank ausgefprochen. Sodann wurde auf die Vervollständigung des Werbematerials des Bundes durch die Herausgabe eines Hotel - und Gaststätten-Der- zeichnifses hingewiefen. das ein neues und wirksames Instrument für die Werbetätigkeit des Verkehrsbundes darstclle und bei dem reiselustigen Publikum bereits starken Anklang gefunden habe. Wit Anerkennung wurde weiterhin der Unterstützung der Bundesarbeit durch den Heffifchen Verkehrsverband in Darmstadt auf dem Gebiete des Fahrplanwesens gedacht, und hier insbesondere dem Fahrplan-Sachbearbeiter des Verkehrsverbandes. Regierungsrat a. D Dr. Roefener. Darmstadt, für seine fürsorgliche und eifrige Mitarbeit an den Aufgaben des Verkehrsbundes zum Besten der Provinz Ober- Hessen Dank ausgesprochen. Ebenso wurde der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. für die wohlwollende Rücksichtnahme auf die Verkehrsinter- elfen der Provinz Oberheffen bei der Zahrplan- gestaltung in öicfpr Rotzeit Dank und Anerkennung des Bundes zum Ausdruck gebracht. Es wurde dabei besonders hervorgehoben, daß die Reichsbahndirektion Frankfurt trotz der starken Auswirkungen der Wirtfchaf tslrife auf den Haushalt der Reichsbahn den Fahrplan in Oberheffen und auf den Anschlutzlinien in einem Umfange belasten habe, der den berechtigten Derkehrs- interefsen unserer Provinz entspreche Weiterhin wurde allen Behörden in Oberhesten und der Hessischen Regierung für die verständnisvolle und bereitwillige Unterstützung der Bundesarbeit gedankt. Dabei wurde mit besonderer Anerkennung betont, daß die Hessische Regierung dem Verkehrsbund die Herausgabe der Reliefkarte von Oberheffen durch eine sehr ansehnliche Staatsbeihilfe ermöglicht habe. Zufammenfafsend stellte der Vorstand am Schluffe seines Berichtes fest, daß der Verkehrsbund Oberheffen bei ftinem Wirken im Interesse unterer Provinz auf ein den Zeitverhältnifsen entsprechend befriedigendes Arbeitsjahr zurückblicken und daß er getrost auch dem neuen Arbeitsjahre entgegengehen könne. Die Versammlung stimmte dem Bericht ohne Aussprache einstimmig zu. Die Rechnungsablage für 1931. Der Bundesrechner, Bürgermeister M e n g e l (Schotten), teilte in feinem Rechnungsbericht für 1931 mit, daß sich die Einnahmen des Bundes im Rechnungsjahre 1931 auf 1 8(52,74 Mark, die Ausgaben auf 1 798,98 Mark beliefen, mithin ein lieber« schuß von 63,76 Mark verblieb. Die Rechnungsablage wurde debattelos einstimmig genehmigt. Dem Rechner und dem Vorstand wurde Entlastung erteilt. Der Haushaltsvoranschlag für 1932. Der Voranschlag für das Jahr 1932 schließt in Einnahme und Ausgabe mit je 1800 Mark ab. Auf der Ausgabenseite ist u. a. ein Beitrag der Bundes kaffe zur Herausgabe der Reliefkarte in Höhe von 1000 Mark vorgesehen. Der Voranschlag wurde glatt genehmigt. werbemahnahmen im neuen Geschäftsjahr. Der 1. Bundesvorfitzende wies zunächst auf die Werbekraft der Reliefkarte hin, von der man sich eine weitgehende Belebung des Interesses des reifenden Publikums an unserer Provinz versprechen könne. Weiter teilte er mit, daß demnächst im Rahmen eines Hessenabends am Sender des Frankfurter Rundfunks ein Vor trag über d i e Provinz Oberhessen von Amtsgerichtsrat Gros in Gießen gehalten werde. Amtsgerichtsrat Gros, ein hervorragender Senner von Land und Leuten in Oberhessen, habe sich dem Verkehrsbund für diesen Vortrag in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt. Soweit die JOleMtaer Zftonum von (Bert Gothberg. • Copyright by Marti« Feuchtwanqer, HaÜL 6. Fortsetzung. Nachdruck verboten! „Ich — kann heute nicht singen — ich war die Tage vorher etwas erkältet. Doch wenn Sie gestatten, spiele ich etwas voi^Deethoven. Das heißt, wenn Ihnen mein Spiel genügt?" Mister Harrison ging zum Flügel, öffnete, rückte den Sessel zu recht, rieb sich die Hande. Ties und laut schlug die hohe Standuhr des Speisezimmers die zwölfte Stunde. Mistreß Harrison blickte ihren Mann beschwörend an. »Wir müssen jetzt heim in unser Hotel." Erschrocken riß er die Augen auf. ..Wir? Keine Ahnung. Wir bleiben noch. Das heißt", stotterte er dann mit verlegenem Blick auf Aenne, »wenn Sie uns nicht hinauswerfcn, liebe, gnädige Frau." Und Aenne lächelte und sagte: „Aber nein. Wir haben uns doch sehr auf Ihren heben Besuch gefreut, mein Mann und ich. Und wir haben nicht mit einem so frühen Aufbruch gerechnet." ..Ja? Sichst du. Alice, da haft du es. Ich wußte auch keinen Abend, an dem es mir so gefallen hatte wie an dem heutigen hier bei Ihnen." Ohne Ziererei setzte sich Aenne an den Flügel und spielte Beethoven. Schon nach kurzer Zeit zog sie ihre Zuhörer so in ihren Bann, daß sie ergriffen lauschten. Ihr Spiel gab etwas. Etwas, was den Menschen leicht und froh machte. Etwas, was die Herzen berührte, sie ergriff und irgend- wie Frieden spendete. Doktor Ansbrück lehnte am Fenster. Seine großen Augen fahen zu dem Mädchen hinüber. Dieses schöne Mädelchen mit dem lieben, natürlichen Wesen wäre der gute Geist meines Hauses. Bestimmt wäre sie es! Und es spielte gar keine Rolle, ob sie bisher arm war und sich durch irgendeine Arbeit ehrlich ihr Brot verdiente. Gar keine Rolle tpürde das spielen, wenn — ich — frei wäre! Doktor Ansbrück erschrak nicht vor diesen Gedanken. als sie sich ihm dergestalt klar und deutlich aufdrängten. Lisas Charakter hatte sich ihm heute so unverhüllt gezeigt, daß es Selbstbetrug gewesen wäre, wenn er sich hätte einreden wollen, daß er noch auf ihre Rückkehr warte. Und das Schlimmste brauchte da lyxf) nicht einmal mitzuspielen. Aber vielleicht war eben doch bereits dieses Schlimmste in Lisas Leben War es nicht beinahe furchtbar, daß ihn diese Vermutung so ruhig lassen konnte? So weit also war seine Ehe bereits zerstört gewesen, daß es ihn nicht einmal rasend machen konnte, wenn er daran dachte, daß Lisa ihn mit irgendeinem Manne betrogen hatte? Jetzt, in diesen Minuten wußte er, wie sehr er bereits in seinem Innern mit der schönen, oberflächlichen Frau fertig gewesen war. Und dort drüben spielte ein schönes Menschenkind Beethoven. Ihr Spiel rührte ihn unsagbar. Dabei fiel die Unruhe der letzten Zeit von ihm ab. Wenn er sich immer so wohl in seinem Heim fühlen könnte! Wenn diese lichte junge Gestalt immer da wäre, wenn er, abgehetzt und des Treibens da draußen müde, hier weilte! Doktor Ansbrück richtete sich auf. Wohin geriet er da in dieser weichen Stimmung. Er mußte einen klaren Kopf behalten, durfte dieseSituation, in die er das holde Geschöpf gebracht, nicht aus- nützen. Seine Gäste überschütteten die blonde Aenne mit Beifall. Er selbst küßte ihr die Hand. „Du hast wieder sehr.gut gespielt, Kind." Trotz eifrigster Bitten ließ Aenne sich nicht herbei, noch etwas zu spielen. Die Amerikaner drangen immer wieder in sie. Doktor Ansbrück beugte sich zu ihr. »Du bist ermüdet?" „Nein!" „Möchtest du mir bann nicht die Freude machen, noch einmal zu spielen? Ich hatte selten solchen Genuß." Glühende Röte flammte ihr über das reizende Gesicht. Willenlos nickte sie unter seinem Blick. Und spielte! Spielte schöner noch als zuvor! Doktor Ansbrück aber dachte: Aenne darl nicht wieder aus meinem Leben gehen. Wie aber soll ich sie halten? Wie? Noch bin ich gebunden. Wenn Lisa zurückkehrt, wenn sie doch an dem Raube unschuldig ist? Wenn nur ihre Gefallsucht einem Verbrecher Tür und Tor geöffnet hätte? Doktor Ansbrücks Gesicht wurde erschreckend finster. Lisa war nicht mehr seine Frau! In seinem Innern lehnte er jede Gemeinschaft mit ihr ab. Wenn er ihr jedoch nichts beweisen konnte, dann durfte sie hier sein, durste bleiben, solange es ihr gefiel! Um ihrer Familie willen, mit der er immer sehr gut ausgekommen war., durfte er die Frau nicht verstoßen. Wenn aber Lisa den schweren Verdacht, den er jetzt gegen sie hegte, rechtfertigte. dann würde er ohne jedes Mitleid mit ihr und ihren Angehörigen Schluß machen. Dis dahin — war er machtlos gegen ein gütiges Schicksal, das ihn Aenne Ohlen in Den Weg geführt hatte! Ihre Reinheit würde jede Beziehung zu dem verheirateten Manne zurück- weifen! Das wußte er schon jeijt Eine unsagbare Traurigkeit erfüllte ihn plötzlich. Geldmittel des Bundes es möglich werden ließen, werde auch im neuen Jahre Die WerbetäIig feit durch Zeitungsanzeigen fortgesetzt werden. Im Anschluß an die Mitteilungen des Dorfitzenden entwickelte sich eine längere Aussprache, in der eine Anzahl Herren Aufgaben und fßläne für die Derkehrswerbung zum Nutzen unserer Provinz entwickelten. U.a. kam in der Aussprache auch die von der R e i ch s b a h n v e r w a 1 t u n g erstmalig ge schassene Einrichtung her Sommcr-Urlaubsfartcn zur Sprache. Dabei wurde von verschiedenen Rednern in voller Ucbcrcinftimmung nut der Stellungnahme des hessischen Verkehrsverbandes und der Industrie- und Handelskammer Darmstadt (vergl. den gestrigen Bericht „Ein Appell an die Reichs bahn") beanstandet, daß die Mindeftentfernung von 200 Kilometer für diese Karten allzu groß und die Sperrzeit von 11 lagen für die Rückfahrt mit diesen Karten zu weit bq'timmt sei. Die Versammlung stimmte mit den Kritiken an dieser Maßnahme der Reichsbahn in vollem Maße überein und faßte auf Antrag des Bundesvorstandes einstimmig folgende Entschließung: „Die Generalversammlung des Verkehrsbundes Oberhesten kann sich mit der Anordnung der Reichs- bahnoerwaltung über die Gültigkeitsdauer und die E n t f e r n u n g s b e g r e n z u n g der Sommer Urlaubskarten der Reichsbahn nicht einverstanden erklären. Der Derkehrsbund Ober- heben schließt sich der vom Hessischen Verkehrsver band vertretenen Ansicht an, daß die Gültigkeit dieser Urlaubskarten sür die Rückfahrt frühe st ens vom 1 Tage (statt vom 11. Tage) ab und die Entfernung aus 50 Kilometer (statt 200 Kilometer) im Mindestmaß festgesetzt werden muß. Nur wenn die Reichsbahn Verwaltung in dieser Weise den Bedürfnissen der Bevölkerung entgegenkommt, wird damit zu rech nen sein, daß die an sich dankenswerte Einrichtung der Sommer-Urlaubskarten sich sowohl fur die Fi nanjlagc der Reichsbahn, als auch für die berechtigten Interessen der Bevölkerung in günstiger Weise auswirken wird." Diese Entschließung soll umgehend der Reichsbahnverwaltung zur Kenntnis gebracht werden mit dem Ersuchen, eine dementsprechende Blenderung der Be st im m ungen sofort vorzunehmen Mit einer kurzen Zusammenfassung des Ergeb- nifses der Tagung upo mit Dankesworten fur d>c rege Mitarbeit der Versammlung schloß der 'Bun- desoorsifiende nach gut zweistündiger Beratung die Verhandlungen. $J.-jport DfB. Gießen. DfB. (Liga) — Germania Marburg (Liga) 3:0 (2:0). Die Germanen, die am vergangenen Sonntag auf dem Waldsportplatz zu Gast waren, enttäuschten auf der ganzen Linie. Es wird ihnen von feiten des Gießener Sportpublikums nicht so ohne weiteres verziehen werden, daß sich in der Elf nur drei Mann der ersten MLumschaft befanden und die übrigen acht Mann Ersatz Dar- stellten. Also gewissermaßen zweite Garnitur. Das. was in Der Folge gezeigt tourDc, entsprach nicht den Erwartungen. Die man an Die Gäste- Mannschaft geknüpft hatte. In Der Kombination waren sie fehr schwach, in Der Ballbehandlung unsicher, in Der Verteidigung hatte Die Mannschaft ihre stärkste Waffe, während der Sturm. Wagner fehlte, überhaupt nicht recht in Fahrt kam und keine Torchance herauszuarbeiten vermochte. noch eine sich bietende Gelegenheit zum Torschuß ausgenüht hätte. Die Gießener Verteidigung hatte demzufolge nicht allzuviel zu tun und klärte jeweils sicher, konnte sich oft genug auch den Luxus erlauben, weit aufzurückcn und in des Gegners Spielhälfte in den Kampf einzugreifen. Die VfB.er waren auf Grund ihres besseren Zusammenspiels stets überlegen, ließen allerdings auch ihrerseits im Sturm die Initiative vermissen. Seipel allein vermochte, nachdem er sich vorher verschiedene Schnitzer gestattete, plötzlich und zu aller Ueberraschung (am meisten war aber der Germanen-Torhüter überrascht, der völlig hilflos in seinem Kasten stand und dem Leder lediglich mit den Augen folgte) innerhalb einer Minute zwei bildschöne Tore schoß. Ein ähnlicher Coup gelang in der zweiten Spiel- hälste Lehrmund. der Damit auf 3:0 erhöhte. Der Sieg konnte weitaus höher ausfallen, wenn nicht viele Bälle aus sicherster Position noch über oder neben Die Latten gejagt worden wären Gegen Ende flaute das Spiel (sicherlich unter dem Einfluß Der Wärme) ab und verlor viel an Reiz. Es wurde sehr fair gekämpft. Das Spiel war gut geleitet. Und das blonde Mädchen spielte! Spielte alle seine Lieblingsstücke. Lisa hatte auch gespielt. Wenn sie in ihrer Dergnügungshetzcrei einmal eine freie Minute hatte. Aber gerade in der Musik, die sie gab. lag ihr ganzer Charakter. Die neuesten Schlager, die jeder Gassenjunge pfiff! Die waren ihre Lieblinge. Er hatte bei dieser Musik meist das Zimmer verlassen. Besonders Dann, wenn Lisa anfing, den in Den meisten Fällen recht geistlosen Text Dazu zu fingen. Sie war dann sehr beleidigt, und es war ein Grund mehr gewesen für sie, sich mit ihm zu zanken. Jetzt drückte Mister Harrison wieder einen dankbaren Kuh auf Aennes Hand. In der einen Hand hielt er das Glas mit dem schäumenden Sekt. »Herr Doktor, auf das Wohl Der schönsten Frau! Auf Ihr Wohl. Sie Glückspilz! Und nun geben Sie Ihrer Gemahlin einen Kuß. Es ist das mindeste, was Sie im Augenblick tun können", kommandierte er launig. Da beugte sich Doktor Ansbrück rasch zu Aenne und küßte sie. Aenne dachte erschauernd: Das hat nichts auf sich. Es gehörte mit zu der Rolle! Aber sie erbitterte unter diesem Kuß bis ins Herz hinein. Ohne Anshrück anzusehen, ging sie dann schnell zu Mistreß Harrison und setzte sich zu ihr. Der Diener Karl servierte immer noch mit undurchdringlichem Gesicht. Dabei ruhte sein Blick aber immer wieder auf dem blonden Mädchen, das er heute hier als Herrin zu respektieren hatte. Im Nebenzimmer klingelte das Telephon. Doktor Ansbrück ging hinüber, nachdem er sich mit ein paar kurzen Worten entschuldigt. Der alte Detektiv, den er beauftragt, meldete sich. „Cs ging schneller, als ich dachte. Der Baron Ilzenescu war der Dieb. Es gelang mir. ihm die Tasche abzunehmen, ohne daß er es bemerkte. Jetzt wird er es natürlich bereits wissen. Denn ich hatte leider feine Ahnung, wie seine kleine Reisetasche aussehen mochte. Sonst hätte ich ihm eine andere hinstellen können. So aber ist es nun eben glatter Diebstahl und kein Tausch, was mich aber trotzdem sehr freut. Sie doch auch? Schön! Ich habe mir erlaubt, gleich nachzusehen, ob der Raub auch lohnt. Richtig, es waren die Papiere drin. Die Sie mir bezeichnet hatten! Ich bin morgen früh zeitig bei Ihnen draußen. Zufrieden, Herr Doktor?" „Ich möchte Ihnen am liebsten einen Kuh geben. Also doch der Baron! Ich dachte es "mir. Wollten Sie mir sonst noch etwas melden?" „Eigentlich — ja!" „Ich bitte recht sehr darum" Spielvereinigung 1900 Gießen. 1900 (Ligo) gewinnt in Gladenbach 3:2 (1:0). 190O fuhr nicht in stärkster Ausstellung nach Gladenbach. Es fehlten Göbel, Henrich und Zeiler. Trotzdem war die Ausstellung geschickt gewählt, so daß die Gießener ständig tonangebend waren. Beider seits wurden zahlreiche der besten Torgelegenheiten verpaßt. Von den Gießenern aber so ungeheuer viel, daß eigentlich ein sicherer Sieg, mit entspre chend hohem Torrcsultat, das Ergebnis hätte fein müssen. Außerdem konnten sich die 1000er nicht mit dem sehr kleinen Platz abfindcn. An flaches Kombi nationsspiel war auf diesem winzigen Platz gar nicht zu denken. In dem hohen Spiel stellten aber auch die Blauweißen ihren Meister. Besonders die Läuferreihe brillierte durch glänzende Kopfball technik und dirigierte damit das ganze Spiel. Der Gastgeber zeigte eine ansprechende Spielwcisc und führt zu recht den Titel „Meister der 2. Bezirks klasse". Das Spiel war stets spannend. Die Blauwcißen fanden sich bald und bedrohten des öfteren des Gast gebers Tor. Schmidt erzielte schon bald nach Beginn mit flachem Schrägschuß das erste Tor. Sonst blic ben aber alle Bemühungen erfolglos. Ein j)anh- elsmetcr ging daneben. 'Nach dein Seitenwechsel hatten die Blauweißen noch mehr vom Spiel, aber erst 20 Minuten vor Schluß schoß Arnold den zweiten Treffer mit flachem Schuß unhaltbar ein. Nun verdoppelte der Gastgeber seine Anstrengungen, und zwar mit Erfolg. In der 38. und 41. Minute kam auch er zu zwei, allerdings recht glücklichen, Tref fern und damit zum Ausgleich. Ein kurzes Nachspiel der vielen Ausbälle wegen, gab Wilhelmi Gelegenheit, durch überraschenden Fernschuß den Siegestreffer zu schießen. Der Ball ging hoch und unhaltbar in die äußerste Ecke. Kußball in Hessen-Hannover. Am ersten Maisonntag kamen in der Nord- gruppe von Helsen-Hannover die letzten Punktspiele zur Durchführung. Dem SD- Tura Kassel gelang es, sich durch einen 5:3-Dieg über Den „In Der Begleitung Ilzenescus befand sich — Ihre Frau Gemahlin. Herr Doktor!" ..Ich danke Ihnen. Eine Mitteilung wertvoller als die andere! Ich erwarte Sie also dann morgen früh. Aus Wiedersehen." „Auf Wiedersehen." Doktor Rudolf Ansbrück stand einige Minuten regungslos Da. Lisa also! Die hat es getan! Das hat sie gekonnt! So leichtsinnig hat sie die Schranken ihres Standes verlassen, hat sich einem Spion aus- geliefert. Es war ihr eigener Wille! Nun hält mich nichts mehr, das Band zu lösen, dachte er. Langsam ging er wieder hinüber. Und es wurde wirklich zwei Uhr, ehe Mister Harrison und feine Gattin das elegante, schöne Heim Doktor Ansbrücks verliehen. Der Gastgeber brachte seine Gäste bis -um Wagen. Er hatte das so angeordnet, daß Harrison feinen Mietchauffeur mit Dem Wagen wieder in die Stadt zuriickgefchickt hatte, da sein eigener Wagen die Gäste zurückbringen konnte. Nun fuhr der große Horch vor. Jordan. Ansbrücks Chauffeur, mochte sich über diesen fjcutfgen Abend gewiß auch allerlei Gedanken machen, denn die zwei Fahrten heute, die fielen völlig aus dem Rahmen des Sonstigen. Aber er stand neben der geöffneten Wagentür, sah auf feinen Herrn und erwartete dessen weitere Belchle. Mister Harrison war in solch einer vergnügten Stimmung, daß er beinahe dem Doktor noch daS Du angetragen hätte. Es kam jedoch nicht dazu. Mistreß Harrison schob ihren Gatten in den Wagen. „Wir fahren jetzt." Und Der alte Amerikaner fügte sich schweigend. Den Ton kannte.er zu gut, da gab es kein Auflehnen. Lautlos fuhr der Wagen über den weihen, weichen Schnee an der hohen Hecke dahin. - Rasch ging Ansbrück nach oben. Suchend blickte er sich um. Wo war Aenne? Die kleine, schöne, blonde Aenne? Er rief. Nichts rührte sich. Da bekam er Angst um sie. Das kleine Mädel würde doch nicht etwa in dieser Winternacht heimlich fein Haus verlassen wollen? Vertraute sie ihm denn nicht? Sie konnte doch nicht mitten in der Nacht nach der Stadt zurück? Allein? Was für Gefahren drohten ihr denn da? Suchend ging er durch die schonen Räume. Dann kam ihm ein Gedanke. Er ging zuw Ankleidezimmer, lauschte. Drinnen horte er ein Geräusch. Gott sei Dank, sie war noch Da. Er klopfte. „Ich bin fertig“, klang es von Drinnen. (Fortsetzung folgt.) Gruppenmeister Göttingen 05 endgültig in Sicherheit zu bringen, während der BC. Sport Kassel, der nunmehr endgültig den 6. Tabellenplatz ein- nimmt, den Bestimmungen entsprechend absteigen must. SC. Grone schlug Hermannia Kassel überraschend mit 3:2. Das Treffen Einbeck 05 gegen Spvg. Göttingen, kam nicht zum Austrag. Kickers Offenbach gegenKurheffen-Marburg 4:1 (2:0) Das Gastspiel der Offenbacher Kickers in Marburg brachte am Samstag vor 1000 Zuschauern einen gefälligen und flotten Kampf, den die Gäste, die meist leicht überlegen waren, verdient mit 4:1 (2:0) gewannen. Marburg leistete herzhaften Widerstand und die Kickers konnten jeweils erst gegen Schluß der Halbzeiten zu ihren Treffern kommen. Die Tore für Offenbach erzielten in dieser Reihenfolge Maid, Matthes, Matthes und noch einmal Matthes. Marburg kam beim Stande von 3: 0 durch Fischer zu seinem Gegentor. Kunze, Gicsten, leitete das Spiel korrekt. Berliner Zachi-Club Grünau. Am 30. April hat Direktor Friedrich Roth (Bersin), ein geborener Gießener, mit seiner Segeljacht „Hessen" unter hessischen Farben zwei Preise, darunter den „Goldpokal", erworben. Kurze Gportnotizen. Süddeu t s ch l onds Auswahlmannschaft wurde in Bordeaux von Frankreich vor 15 000 Zuschauern mit 4:3 (1:1) geschlagen. Bei den Süddeutschen versagte die Hintermannschaft, der Torhüter Jakob zog sich einen Schlüsselbeinbruch zu. Deutscher Rugbymeister wurde Hannover-Linden 97 durch einen 6: 5-(3: 0)-Sieg über die Rudergesellschaft Heidelberg. Der süddeutsche Handball meist er der F rauen. Eintracht Frankfurt, qualifizierte sich durch einen 4: 3°(2: 3)-Sieg über SB. Eimsbüttel für die Zwischenrunde zur Deutschen Meisterschaft. Beim Bierländer-Boxturnier in Berlin zwischen Deutschland, Italien, Ungarn und Dänemark haben sich von den acht deutschen Teilnehmern sechs für die Entscheidung qualifiziert. Paul de Bruyn, der in Amerika ansässige deutsche Marathonmeister, kommt am 19. Mai nach Deutschland. Er wird sich hier an den Meisterschaftskämpfen beteiligen und zusammen mit der deutschen Mannschaft nach Los Angeles zu den Olympischen Spielen reifen. Else Iakobsen (Dänemark) verbesserte den Weltrekord im 200°Bards°Brustschwimmen der Frauen auf 2:50,4 Min. Bei der gleichen Beranstaltung siegte die deutsche Europamei,.e° rin im Kunstspringen, Olga Gorban, Nürnberg, überlegen vor der dänischen Konkurrenz. Die große Frühjahrs-Regatta in Trier, die für den 5- Mai angesetzt war, fällt aus, da die eingeladenen Vereine die Reisekosten nicht aufbringen können. Die Regatta ist für dieses Jahr abgesagt, soll aber 1933 wieder stattfinden. Wirtschaft. Oer Apnl-Mimo der Reichsbank. Berlin, 3. Mai. (WTB. Funkspruch.) Nach dem AusweisderReichsbankvom3 0. April hat sich in der Ultimowoche die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 474,3 Millionen auf 3815,5 Millionen Reichsmark erhöht. Im einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und -schecks um 256,3 Millionen auf 3145,5 Millionen Reichsmark, die Bestände an Reichsschatzwechseln um 19,3 Millionen auf 26,4 Millionen Reichsmark und die Lombardbestände um 198,7 Millionen auf 282,0 Millionen Reichsmark zugenommen. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 271,6 Millionen Reichsmark in den Verkehr abgeflossen, und zwar ist der Umlauf an Reichsbanknoten um 252,9 Millionen auf 4128,1 Millionen- Reichsmark, derjenige an Renteu- bankfcheinen um 18,7 Millionen auf 415,5 Millionen Reichsmark erhöht. Dementsprechend haben sich die Bestände der Rcichsbank an Rentenbankscheinen auf 11,7 Millionen Reichsmark ermäßigt. Die fremden Gelder zeigen mit 404,7 Millionen eine Zunahme um 34,5 Millionen Reichsmark. Die Bestände an Gold und deckungs- fähigen Devifen haben sich um 0,5 Millionen auf 989,5 Millionen Reichsmark erhöht. Im einzelnen haben die Goldbestände um 1,1 Millionen auf 858,8 Millionen Reichsmark abgenommen, und die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 1,6 Millionen auf 130,6 Millionen Reichsmark zugenommen Die Deckung der Noten durch Gold und deckungsfähige Devisen beträgt 24,0 v. H. gegen 25,5 v. H. in der Vorwoche. * Hessen-Nassauische Gas-Aktien- Gesellschaft, Frankfurt a. M. Die Gefell- schaft erzielte im Geschäftsjahr 1931 einen Bruttogewinn von 2,33 (i. 23. 2,49) Millionen Mark. Nach Abzug der Betriebs- und Verwaltungskosten von 1,15 (1,31) Millionen Mark, der Steuern und vertraglichen Abgaben von 0,41 (0,44) Millionen Mark, der Abschreibungen auf Anlagen von 0,23 (0,20) Millionen Mark, besonderer Abschreibungen von 0,08 (0,09) Millionen Mark verbleibt einschl. 11079 Mark Vorjahresgewinnvortrages ein Reingewinn von 325 104 (390 469) Mark. Der auf den 13. Mai einberufenen GV. wird oorgeschlagen, hieraus 5 (6) Prozent Dividende zu verteilen, der gesetzlichen Rücklage wieder 25 000 Mark zuzuweifen und 4834 (11 079) Mark auf neue Rechnung vorzutragen. * (£ o n t i n e*n t a I - Gummi-Werke AG., Hannover. Die GV. der Gummiwerke AG., Hannover genehmigte einstimmig die beantragte Kapitalherabsetzung um 3 Millionen Mark Stammaktien auf 37 Millionen Mark sowie die Einziehung der 0,10 Millionen Mark V-Aktien. RA. Dr. Klau (Frankfurt a. M.) hielt die Herabsetzung der Dividende gegenüber dem Vorjahre um 2 Prozent auf 6 Prozent für nicht gerechtfertigt und beantragte, die Dividende auch für dos Jahr 1931 auf 8 Prozent zu belassen. Nach längerer Beratung entschloß sich die Verwaltung mit Rücksicht auf die hinter Dr. Klau stehenden Aktionäre, dem Anträge stattzugeben und die Dividende mit wieder 8 Prozent vorzuschlagen. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. *KeineKapitalzusammen.legungbei der AEG. Zu den am Samstag an der Berliner Börse verbreiteten Gerüchten, wonach der Aufsichtsrat der AEG. eine scharfe Zusammenlegung des Aktienkapitals beschlossen habe, teilt die Verwaltung der AEG. mit, daß diese Gerüchte jeder Begründung entbehren. . * Konkurse und Vergleiche im April. Nach Mitteilung des Statistischen Reichsamts wurden im April durch den Reichsanzeiger 929 neue Konkurse — ohne die wegen Massemangels ab- gelehnten Anträge auf Konkurseröffnung — und 742 eröffnete Vergleichsverfahren ' bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für den Vormonat stellen sich auf 975 bzw. 759. Berlin widerstandsfähig und freundlich Berlin, 3. Mai. (WTB. Funkspruch.) Vormittagsverkehr und Vorbörse lagen etwas schwächer, doch zeigte sich später, als die Anfangsnotierungen festgestellt wurden, eine beachtliche Widerstandsfähigkeit. Während das Publikum heute so gut wie gar nicht im Markte war, zeigte die Spekulation vielfach Deckungsneigung. Man sprach in der Hauptsache über das im Repräsentantenhaus in Washington gestern angenommene Gesetz, wonach die Kaufkraft des Dollar auf den Stand von 1921 bis 1929 gebracht werden soll. In der Börse waren die Meinungen: über die Auswirkungen dieses Gesetzes, das allerdings noch der Annahme bedarf, stark geteilt. Der Meinung maßgebender internationaler Finanz- kreile zu diesem Plan sieht man mit großem Interesse entgegen. Jedenfalls rechnete man aber mit einer festen Reuyorker Börse für heute. Eine leichte Verstimmung ging Dom Abschluß der Reichsbahngesellschaft aus, zumal die Aussichten für dieses Iahr wenig günstig sind. Die Kursgestaltung war nicht ganz einheitlich; die Veränderungen nach beiden Seiten betrugen bis zu 1,5 Prozent, äleberwiegend waren kleine Rückgänge festzustellen. Kaliwerte waren in Erwartung der Bilanzsitzungen im Salzdetfurth-Konzern etwas schwächer; man rechnet für Salzdetfurth mit einer 5prozentigen, für Westeregeln und Aschersleben mit einer 4prozentigen Dividendenkürzung. Salzdetfurth lagen 2,5 Proz. gedrückt. Im Frei- verkehr zogen Burbach-Kali in Erwartung der Derwaltungserklärung um 4 Proz. an. Conki- gummi waren sogar 4,5 Proz. befestigt, da die aus der gestrigen Generalversammlung beschlossene Lproz. Dividende, die 2 Proz. über dem Vorschlag liegt, kräftig anregte. Montane zeigten allgemein ziemlich freundliche Veranlagung, was zum Teil auf die Belebung am Röhrenmarkt zurückzuführen fein dürfte. Schubert L Salzer gingen um 2,25 Prozent zurück. Im Verlaufe wurde es allgemeinfreundlicher, und auch das Geschäft erfuhr eine leichte Belebung. Die Haupt- werte zogen bis zu 1,5 Proz. an; Siemens gewannen sogar 3 Prozent. Der Reichsbarkausweis per Ultimo April wurde ziemlich günstig aufgenommen. Deutsche Anleihen lagen fester, während Renten und Reichsschuldbuchsorderungen zur Schwäche neigten. Am Geldmarkt blieb die Situation unverändert zu gestern, Tagesgeld stellte sich auf 5,75 Prozent und Darüber, für Monatsgeld war fein Satz zu hören. Frankfurt im Verlaufe befestigt. Frankfurt a.M., 3. Mai. (WTB. Drahtmeldung.) Nachdem man noch im vorbörslichen Verkehr auf Grund der schwachen gestrigen Neuyorkcr Börse und des weniger befriedigenden Reichsbahnabschlusses mit einer eher schwächeren Tendenz gerechnet hatte, sah man sich zu Beginn der amtlichen Börse angenehm überrascht. Die" ersten Kurse lagen überwiegend etwas f c st e r, wenn auch die Umsatztätigkeit zunächst noch sehr klein war. Hierbei war nicht ohne Einfluß, daß Reichswirtschaftsminister Warrn- b o l d, der seit gestern nicht an den Kabinettssitzungen tcilnimmt, Rücktrittsabsichten äußerte. Später erfuhr die Tendenz eine merkliche Befestigung, wobei man auf die Annahme einer Gesetzesvorlage im amerikanischen Repräsentantenhaus verwies, die auf Dcvalvationspläne Amerikas hinauslief. Die Spekulation schritt daraufhin zu stärkeren Deckungen, und bei etwas lebhafterem Geschäft wurden die Anfangskurse, die überwiegend 0,5 bis 1,5 o. H. höher lagen, um bis zu 2,5 v. H. überschritten. IG. eröffneten mit 95 v. H. zunächst nur knapp gehalten, zogen aber später bis auf 97,5 v. H. an. Reichsbank, Gelsenkirchen, Stahloerein, Holzmann, Gesfürel und Siemens hatten Gewinne von 1,5 v. H. Reichsbahnvorzugsaktien lagen unverändert. Von Kunstseide- werten lagen Aku auf den Verlustabschluß der holländischen Breda-Gesellschaft bis zu 1 v. H. schwächer. Im Verlaufe blieben die Kurse auf dem erhöhten Niveau ziemlich gut gestalten, obwohl eine gewisse Unsicherheit um sich griff. Der Geschäfts- umfang erfuhr eine merkliche Einengung, zumal sich die Spekulation ziemlich reserviert verhielt. In der letzten Börsenftunde erfuhr die Tendenz jedoch eine Abschwächung auf Gewinnmitnahmen der Spekulation. IG. gingen von 97 auf 95,90 v. H. zurück, stellten sich jedoch nachbörslich wieder auf 96,25 v. H. Deutsche Anleihen lagen weiter befestigt, besonders Altbesitz mit plus 0,5 v. H. Von fremden Werten blieben Mexikaner gut gehalten. Goldpfandbriefe lagen zwar still, jedoch etwas freundlicher. Liquidationspfandbriefe und Reichsfchuldbuchforderungen blieben behauptet. Am Markte der Jndustrieobliga- tionen lagen 6-o. H.-Mainkraft 2 v. H. fester. Am Geldmarkt war die Lage weiter erleichtert, Tagesgeld 5 v. H. Rindermarkt in Gießen. Auf dem heutigen Rinder-Nutzviehmarkt in Gießen standen 764 Stück Großvieh, 81 Fresser und 209 Kälber zum Verkauf. Es kosteten Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qualität 320 bis 440 Mark, 2. Qualität 200 bis 320 Mark, 3. Qualität 100 bis 200 Mark, Schlachtkühe 80 bis 250 Mark. Rinder, ’/?- bis Xjährig 70 bis 140 Mark, %= bis 2jährig 100 bis 200 Mark, tragend 160 bis 350 Mark, Kälber, das Pfund Lebendgewicht 0,30 bis 0,35 Mark. — Marktverlauf: Gute junge Fahrkühe und Milchkühe gesuchter, Geschäft am Vormarkt rege; kleiner Ueberftanb. Gießener Wo chenmarktp reise. * Gießen, 3. Mai. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Kochbutter 100, Süßrahmbutter 130, Landbutter 120, Matte 25 bis 30. Wirsing, gelb 15 bis 20, grün 25. Weißkraut 10, Rotkraut 12 bis 15, gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 10 bis 15, Unter-Kohlrabi 5 bis 8; Grünkohl 10 bis 15, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 50 bis 60, Zwiebeln 18 bis 20, Meerrettich 30 bis 60, Schwarz- " wurzeln 25 bis 35, Rhabarber 15 bis 18, Kartoffeln 4,5, Aepsel 10 bis 15, Dörrobst 25 bis 30, Honig 40 bis 45, junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80, Rüsse 35 bis 40; das Stück: Käse 5 bis 10, Tauben 50 bis 70, Eier 6 und 7, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 20 bis 25, Salatgurken 40 bis 60, Lauch 5 bis 10, neue Rettich 15 bis 20, Sellerie 10 bis 30; das Bund: Radieschen 10 bis 15 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 3,80 bis 4, Weißkraut 6 bis 6,50, Wirsing, gelb 12 bis 15, grün 20 bis 22, Rotkraut 8 bis 9 Mk. Daten für Dienstag, 3. Mai. 1469: der italienische Staatsmann Riccolo Machiavelli in Florenz geboren. — 1849: Reichskanzler Fürst Bülow in Klein-Flottbeck geboren. Oberhessen. Landkreis Gießen. + Grünberg, 2. Mai. Am Samstag fand hier die Frühjahrs-Gesellenprüfung ihren Abschluß. Der Prüfung unterzogen sich 14 Lehrlinge, die sämtlich bestanden; fünf davon erhielten die Rote „Gut bestanden", während neun die Rote „Bestanden" bekamen. Auf die einzelnen Berufe verteilen sich die Lehrlinge- folgendermaßen: 3 Maurer, 2 Weißbinder, 1 Dachdecker. 2 Schreiner, 3 Schlosser, 1 Spengler, 1 Schuhmacher und 1 Metzger. Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses, Lehrer Wenzel, überreichte mit einer Ansprache die Gesellenbriefe an die Prüflinge. Ebenso richtete der Vorsitzende des Ortsgewerbevereins, Schlossermeister Heinrich Schmidt II., beherzigenswerte Worte an die jungen Gesellen. Kreis Friedberg. O. D u h b a ch, 2. Mai. Auf den Ä r a f t £ o ft - linjen Butzbach — Hochelheim und Butzbach — Ziegenberg war im abgelaufenen Vierteljahr, Januar—März, toieöcnnn ein Fehlbetrag zu verzeichnen, so daß die von den beteiligten Gemeinden (Riederkleen, Dornholzhausen, Pohl- Göns, Kirch-Göns. Hochweisel, Münster, Langenhain und Butzbach) gewährleisteteck-Geu-antiesum- men in voller Höhe in Anspruch genommen werden mußten. Kreis Büdingen. * Ridda. 2. Mai. Reallehrer Dill konnte dieser Tage auf eine 2 5jährige Wirksamkeit an der hiesigen Realschule zurückblicken. Aus diesem Anlaß veranstaltete die Schule in der geschmückten Aula eine einfache, würdige Feier. Studiendirektor Lauckhardt beglückwünschte den treuen Mitarbeiter und schilderte in herzlicher Weise die Verdienste des Jubilars, der die Entwicklung der Anstalt aus einer bescheidenen höheren Bürgerschule bis zur Realschule miterlebt hat. Dem Jubilar wurden viele Glückwünsche zuteil. y. Fauerbach, 2. Mai. Da bei der hiesigen Dürgermei st erwähl am 20. April keiner der vier Kandidaten die Mehrheit erlangt hatte, sollte am gestrigen Sonntag Stichwahl zwischen den Kandidaten Landwirt Wilhelm S e u m und Molkereibesiher und Beigeordneter Erwin Kaschmieder stattfinden. Letzterer zog aber am 29. April seine Kandidatur zurück, so daß die Bürger meist erwähl noch einmal neu anberaumt werden muß. Hierzu können auch wieder neue WahlvorschläHe eingereicht werden. Kreis Schotten. '+ Groß-Eichen, 2. Mai. In diesen Tagen wurde -in unserem Kirchspiel eine Sammlung von Eiern für die Rieder-Ramstädter Anstalten veranstaltet. Die Sammlung hatte einen reichen Ertrag. In Groß-Eichen wurden 202 und in Klein-Eichen 100 Eier gespendet. Preußen. Kreis Wetzlar. CO Dornholzhausen, 2. Mai. Bei der Reuverpachtung der hiesigen Gemeindefischerei blieb Polizei-Oberwachtmeister Hornung- Butzbach mit 42 Mark Iahrespacht Höchst- bietender. Der Zuschlag wurde noch nicht erteilt. Die bisherige Pacht betrug 150 Mark jährlich, B 21 us dem Kreise Wetzlar, 2.Mai. Der Bezirksausschuß in Koblenz hat den Schluß der Schonzeit für Rehböcke auf den 28. Mai festgesetzt, so dast der 29. Mai der erste Jagd- tag ist. Letzte Nachrichten. Anton Wildgans f. Wien, 3. Mai. (WTB. Funkspruch.) Der Dichter und vormalige Direktor des Wiener Burgtheaters Dr. Anton W i l d g a n s ist in Mödling bei Wien, 52 Jahre alt, geftorben. — Wildgans, geboren am 17. April 1881 in Wien, begann seine literarische Laufbahn als Lyriker (Sammlungen: „Herbstfrühling", „Sonette an Gab", „Buch ber Gedichte"), wurde bekannter mit den realistischen Dramen „Armut" und „Liebe" und schrieb in den letzten Jahren bas satirische Epos „Kirbisch" unb ein österreichisches Heimatbuch „Musik ber Kinbheit". — In Gießen wirb man sich noch gern an ben Vortrags- abenb erinnern, ben Wilbgans vor einiger Zeit als Gast des Goethe-Bundes hier gegeben hat. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt eingesandke Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. -lüe Hinte? den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe ber zuletzt beschlossenen Divibende an. — Reichsbankdiskont 5 v. H, Lombardztnsfuß 6 v. H. Frankfurt a. 2)1. Äerltn Schluß-s Ims | 1-Uhr- Kurs Schluß« für« Anfang- Kur« Datum 2.5. 3.5 2.5. 3.5. 6% Deutsche Retchsanleihe v. 1927 — _ 58 — 7% Deutsche Reichsanlethe 0.1929 68,13 — 68 — 6%% Doung-Anleihe von 1930 . 52,25 — 52 — Deutsche Anl.-Ablüs.-Schuld mit AuSlos.-Rechlen....... Desgl. ohne Auslos.-Rechte . . . 39,75 40,13 39,9 40,13 3,65 3,6 3,5 3.5 8% Hess. Bollsstaal von 1929 lrückzahlb. 102%)...... 47,75 Oberhesjen Provinz-Anleihe mit Auslos^Rechten....... 32 Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1....... 37 37,75 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse 15 unkündbar bis 1935 . . . . 74 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse unkündbar vis 1936 Serie 16 . 73 4'/i% Franks. Hyp.-Bank fitqu.- Psandbriese......... 77,5 — Anlangkurs I Kurs Schluß- lur» 1-Uhr- ITnrd Echluß- furti Anfang- Kurs Datum 2.5. 35. 2.5. 3.5. Datum 2.5. 3.5. 2.5. 3.5. Hamdurg-Anierita Palet . . . t Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Hansa Dampfschiff .....0 Norddeutscher Lloyd.....6 81.®. für Verkehrswesen Akt. . . Berliner Handelsgesellschaft . 8 Commerz, und Privat-Bank. 7 Darmstädter und Nationalbank 8 Deutsche Bank und TiSconto-Gesellschaft... 6 Dresdner Bank ...... 6 Rcichsbank........12 A.lL.G.......... . 7 Bergmann.........9 Gleltr. LieferungSgejellschast. 10 Licht und Kraft......10 Fellen & Guilleaume .... 6'/. Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 9 Rheinische Elektrizität .... 9 Echucker, S Co.......11 Siemens L Halske.....14 Lahmeyer L Co.......12 Buderus..........4 Deutsche Erdöl.......b Gelsenkirchener.......8 Harpeuer..........0 Hoesch Eisen.........6 Ilse Bergbau.......10 Klücknerwerle........6 Köln-Neuesjen.......6 y2 ManneSmann-Röhren .... 6 Mansselder Bergbau ..... 0 Oberschles. KokSwerke .... 8 Phönix Bergbau......4% Rheinische Braunkohlen. . . 1Ö Rheinstahl ........6 13,25 13,5 83.25 18,5 21,25 37,5 21,25 109,75 23,9 67 52,5 99 74,25 21,75 33,5 17,5 z 110,75 24,25 54 54,5 49.75 39,5 35 37 13,13 37,5 13.75 32,5 111 24,25 53 67,75 36 53 49.5 99,75 74,4 21,4 57,75 34 36 27 23 36,75 13,25 34,5 18 147 37,9 12,75 13.9 31 109,75 23,75 66 35,25 52,75 • 74,75 57,4 34,75 27,75 23,5 37 34,5 147,5 33 iHteUcd HJioiitan......7,2 Vereinigte Stahlwerke .... 4 Otavi Minen......16'/, Kaliwerke Aschersleben . . . 10 Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaliwerke Salzdetfurth ... 15 I. G. Farben-IndusMe ... 12 Verein, rfirnt. Industrie Frankfurt a. M........... Scheideanstalt.......10 Goldschmidt.........0 RülgerSwerke........5 Philipp Holzmann......b Zementwerk Heidelberg. ... 7 Cemenlwcrk Karlstadt.....7 Schultheis Patzenhoser ... 15 Aku kAllgemeine Kunstseide) 0 Vcmberg......... 0 Zellstoss Waldbos.....12 Zellstoss Aschassenburg ... 6 Dessauer Gas........9 Daimler Motoren......0 Deutsche Linoleum .....5 Lrenslein & Koppel.....0 Leonhard Tietz.......8 Svenska.........15 Chade............ Franksurler Maschinen . . . . 0 Gritzner..........0 Mainkrasitverke Höchst a.SDL. .6 Süddeutscher Zucker .... 10 15,25 83 92 143 95,25 125 18 30,5 30 37,75 41 43 5 35.75 37^5 10,13 28 z E 95,75 16 10 95 125 31,13 — 39 35,5 30,65 z - Z i 15,76 10,25 83 92 144 95,25 30,75 $8,5 5 57,5 35,75 36.65 29,5 29,5 84.75 10,5 28,25 23 56 11 200 5 15,75 10,25 91,25 141,5 96 17,75 30 J> 38,5 58,25 35,5 37 29,5 28 85,5 27,25 23 55 198 So Banknoten. Devi enmatft Berlin — Frankfurt a. 2TI. 2.Mai 3.Mai Amtliche Geld Notierung I Vries Amtliche Notierung Geld Vrlet Helfingfor» . Wien. . . . 7,112 51,95 7,127 52,05 7,113 51,95 7,127 52,05 Prag . . . Budapest . . 12,465 12,485 12,465 12,485 — — Sofia . . . 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland . . 170,63 170,97 170,83 171,17 Oslo. . . . Kopenhagen. 77,87 78,05 77,97 78,13 84,42 84,58 84,42 84,58 Stockholm . 76,97 77,13 77,02 77.18 London. . . Buenos Aires 13,38 13,42 15,40 15,44 1,003 1,007 1,003 1,007 Neuyork . . 4,209 4,217 4,209 4,217 Brussel. . . 58,89 59,01 58,94 59,06 Italien. . . 21,63 21,67 21,65 21,69 Paris . . . Schweiz . . 16,575 81,68 16,615 81,84 16,59 81,82 16.63 81,98 Spanien . . 33,27 33,33 33,37 33,43 Danztg. . . 82,42 82,58 82,42 82,58 Japan . . . 1,359 1,361 1,379 1,381 Rio de Ian.. 0.284 0,236 0,284 0,286 Iugoslawte». Liiiaboo . . 7,423 7,437 7,423 7,437 13,99 14,01 14,04 14,06 Berlin, 2.Mai Geld Vries Amerikanische Noten....... 4,20 4,22 Belgische Noten......... 58,73 58,97 Dänische Noten......... 84,23 84,57 Englische Noten ......... 15,34 15,40 Französische Noten........ 16,53 16,59 Holländische Noten........ 170,26 170,94 Italienische Noten........ 21,76 21,84 Norwegische Ndten........ Deutsch-Oesterreich, 1 100 Schilling 77,69 78,01 Rumänische Noten........ 2,49 2,51 Schwedische Noten........ Schweizer Noten......... 76,80 81,50 77,10 81,82 33.27 Spanische Noten....... . Ungarische Note» ........ 33,13 Nie Versetzung des Alsfelder Kreisdirektors. Tas Urteil in Alsfeld M Alsfeld. 2 Mai. 2£m vergangenen Gams- tag wurde — wie amtlich ouS Darmstadt schon mitgeteilt — die in der Angelegenheit der Der» setzung beti Kreisdirektor- Dr. Stammler gewählte Abordnung von/Herrn Staatspräsidenten Dr. Adelung empfangen Die Begründung der Hessischen Regierung, welche die getroffene Maßregel rüdflängig zu machen nicht geneigt ist. besteht darin, daß Familienmitglieder des Herrn Kreisdirektors Dr S t o m m l e r am Tage der Aktion der Schutzpolizei in Alsfeld von der Wohnung aus vorübergehende Mitglieder der RSDAP. in ausfälliger Weise mit dem Hitlcr- grust bearüstt hätten, woran die Schutzpolizei Anstov genommen habe, und worin bie Regierung eine beabsichtigte Mißachtung staatlicher Anordnungen erblickt. Diese Begründung durch den Herrn Staatspräsidenten hat die Abordnung nicht davon überzeugt, daß das Dorgehen der Regierung keine Ungcrcchtia- teit gegen einen pflichttreuen Beamten darstellt. Man tfi überzeugt, daß die Bevölkerung deS Kreises die Versetzung deS Herrn Dr. Stammler nicht anders als eine Mißachtung ihres zum Ausdruck gebrachten Wunsches empfinden toirb- Die Bürgermciftcrvereinigung bes Kreises Alsfeld, sowie bie wirtschaftlichen Verbände ber Stadt Alsfeld und sonstige Organisationen werden sich demnächst nochmal- mit einer eingehenden Eingabe an das Hessische Ge- samtministerium wenden, in welcher sie zu dem gegen Herrn Dr Stammler erhobenen Dorwurf Stellung nehmen werden mit der Ditte um nochmalige eingehende Prüfung der Angelegen- beit zu dem Zweck, die Dersetzung von Herrn Dr Stammler wieder rückgängig zu machen. Das Handwerk fordert Zulassung zum freiwilligen Arbeitsdienst. " La ubach, 2. Mai. Am gestrigen Sonntag fand hier die Bezirks-Hauptversammlung de- Hess Handwerker- und Gewerbetreibenden - Derbandes für die Bezirke Gedern, Laubach. Ulrichstein und Schotten statt, an der unter Beteiligung der maßgebenden Behördenvertretcr nahezu 230 Handwerksmeister teilnahmen Rach eingehender Behandlung schwebender Handwerkerlragen nahm bie Derfammlung einen mit starkem Beifall qutl- timen Dortrag von Regierungsrat Dr. BucS über den freiwilligen Arbeitsdienst entgegen. 3n der Aussprache kam der einmütige Wunsch der Dersammlung zum Ausdruck, daß die Regierung in den Perlonenkreis der zum freiwilligen Ar^itsdienst Zugelassenen auch die infolge mangelnder Aufträge notleidenden Handwerksmeister und kleine r e n D e w c r be t r e i b c n d e n und insbesondere deren Söhne aufnehmen möchte. Dieser Wunsch ist um so verständlicher, als sowohl die Handwerksmeister. als auch deren Söhne zur Arbeitslosenversicherung nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht zugelaslen sind Auch diese Gruppe von Mitbürgern leidet körperlich und seelisch unter den Folgen langanhaltender Beschäftigungslosigkeit. Aus diesem Grunde wäre ihre Einbeziehung in den Kreis der zum freiwilligen Arbeitsdienst Zugelassenen nur zu begrüßen, denn schließlich findet ihre Zulassung auch noch eine Stühe in entsprechenden Ausführungen der Reichsverfassung. . 324 000 M. Defizit im neuen Marburger Etat. WSR. Marburg. 2. Mai. Der Haushaltsplan der Stadt Marburg für 1 9 3 2 schließt in Einnahme mit 3 557 364 Mark, in Ausgabe mit 3 881 434 Mark ab. weilt aUo einen ungedeckten Fehlbetrag von 324 0 7 0 Mark aus. Der vorjährige Etat schloß in Einnahme mit 4 188 600 Mark und in Ausgabe mit 4195600 Wart ab ^voraussichtlicher Abschluß in Einnahme 3 888 138 Mark und in Ausgabe 3 974 560 Mark). Der Zuschuß zum Wohlfahrtswesen ist gegenüber dem letzten Etat um rund 130 000 Mark gestiegen, anderseits ist durch den Rückgang an Gemeindesteuern und Reichssteuerüberweisungen ein Weniger von etwa 390 000 Mark zu erwarten Die gewerblichen Betriebe sollen einen Ucberschuß von 314 000 Mark erbringen. Ein ungetreuer Stadtkassierer. WSR. Bad Homburg, 2. Mai. Der der Nachprüfung der Homburger städtischen Jahres- rechnung für 1931 32 ergaben ’.dj Differenzen von einigen hundert Mark Die hierauf ange- stellte Revision brachte Verfehlungen des Kassierers der Stadtkasse. Lüdke. anS Tageslicht. Lüdke, der erst vor wenigen Tagen zum Jn'pektor befördert worden war. wurde 'ofort von feinem Amt suspendiert, aber auf freiem Fuß bela"en. da weder Verdunkelungsgefahr noch Fluchtverdacht zu bestehen schien. Inzwischen sörderte die eingehende Prüfung der Abrechnungen weiteres belastendes Olld- terial zutage. BiS heule mittag wurden Falsch- buchungen in Höhe von etwa 15000 Mark festgestellt Ludke gab bei feiner Vernehmung das Verbrechen zu Er ver'uchte es damit zu rechtfertigen, daß er sich nur für das revanchierte. was ihm die Inflation genommen“ habe. Die veruntreuten Gelder hat Lüdke für Liebschaften ausgegeben, teil- in Alkohol umgefctzt Nachdem leine Unterschlagungen in der lehigcn Höhe festgestellt wurden, wurde er in Untersuchungshaft genommen, bevor er feine Fluchtpläne in die Tat umsctzcn konnte. Büchertisch. — Prof. Dr. Leo Rosenberg: ZurLehre vom Streitgegenstand. Verlag Hirfchfeld, Leipzig 1932. 17 ceiten. 1,20 Mark. — (41.) — Rosenberg entwickelt in dieser Abhandlung, die dem bekannten Leipziger Rechtslehrer Richard Schmidt zum siebzigsten Geburtstag dargcbracht ist, in Anknüpfung an zwei neuere Rcichsgerichtsentscheidun. gen seine Lehre vom Streitgegenstand. Zn leuchten der Klarheit treten die Grundgedanken dieser Lehre, die von zentraler Bedeutung für das Snskem des Zivilprozeßrechts ist, vor uns hin. Zahlreiche interessante Belege aus der Reichsgerichtsjudiknlur er- weilen, daß das Reichsgericht sich im allgemeinen aus dem richtigen Wege befindet. Um so erstaunlicher ist es, daß die als Anknüpfungspunkt dienenden Entscheidungen in bie Irre gehen. Volle theoretische Sicherheit, wie sie uns die Abhandlung Rosenbergs wohl zu vermitteln geeignet ist, wird solche 'Fehlentscheidungen verhältnismäßig mühelos zu permeiden willen Daß die geistige Straft, die wie aus den größeren Werken des Verfassers so auth aus dieser kleinen Schrift spricht, unterer Sonbf5uniierpe iai verloren gehen soll, weckt beim Leser erneut schmerzliches Bedauern. — Georg C h r i st o p h Lichtenberg - . de- unnadiabmlidicn Spoilers, „A phorismen und Schriften", em ewiges Buck, geistiger Slurjiueil und Nachdenklichkeit, dellen Reichtum immer neu sprudelt, hat Ernst Vincent in der Reihe „Kroners Taschenausgabe" (Alfred Kröner Verlag, ticipvg) trelilich herausgegeben Preis 3,75 Mark — 37.i — In einer Zen. die, ßch zu vergnügen, nach der letzten '.Uruheit grciii, lii diele Ausgabe cm doppel les Verdienst. Sie wird dem Herausgeber rridihd) Dank, dem bald schmunzelnden, bald bewegten Leser reich lich Genuß bringen Sen Fahren rufen in Deutsch land die Literaturfreunde nach einer guten, aus reichenden Ausgabe Lichtenbergs Hier ist sie nach Nietzsche ein» der erregendsten und zugleich amulan- teften Bucher der Welt. Der scharfsichtige und lief- sinnige Beobachter, der große Meister des Apho- rismu», mit dem er zu geißeln, zu funkeln, zu lächeln und zu finiten weiß, der (Bollinger Professor am Fenster, der alles Merkwürdige draußen und drinnen genau notiert, dem Echten oilen, inii einem tödlichen Witz für alles Eule und Falsche, der große deutsche Prosaist erhalt hier von der Hand eines Kenners die würdige Ausgabe. — WaltherHarich Der Prinzenhof. Roman 312 Leiten. Ganzleinen 1.85 Mark. Verlag Ullstein. Berlin. i521 — Dieser Roman aus dem Rachlaß des kürzlich verstorbenen Walther Harich ill voll von jener romantischen Freude an ungewöhnlichen Gestalten, die seinen letzten Büchern. vor allem auch seinen .Primanern'' ihr eigenes Eeficht gaben. Verfall eines ländlichen Besitzes. Verfall einer Familie. Wachsen ber Großstadt, Versinken ber Ratur, Tragödie ber Geschwisterliche und Aufstieg eines Filmlonzems sind in diesem Buch romanhaft miteinander verschlungen. .Der Prinzenhof zerfällt, aber die Jugend überwindet den Zusammenbruch. — W. Harich ging kaum 40jährig von uns. Leine Bü- cher werden uns noch lange vertraut sein._____ Am wirksamsten sind Entfettungskuren jetzt im Frühling. Nehmen Sie 3 mal lägt. 2 3To lu- na-Kcrne. Zu hab. (jetzt verbilligt! in Apoth. “"'V im 81. Lebensjahre. Gießen, Düsseldorf, Dien, Darmstadt, Frankfurt a. M., den 3. Mal 1932. 35,6 0 ist heute nach schwerer Krankheit von uns gegangen. Die trauernden Hinterbliebenen. Lich, Holzhausen, Siegen, den 2. Mai 1932. Die Beisetzung fand in ber Stille statt. Don Beileidsbesuchen bittet man abzusehen. ft'orf (Mmann, Generalmajor a. D. Anna Großmann, geb. Eullmann Ludwig (Lullmann Sybille Lullmann geb. Freiin von Schwarhenberg u. Hohenlansberg 4 Lnkel Beerdigung Mittwoch, den 4. Mai, nachmittags 3 Uhr. 3485 D Unsere innigstgeliebte Schwester, Schwägerin und Tante Fräulein Emilie Chambre Kinzenbach. Klein-Altenstädten, den 3. Mai 1932. Die Beerdigung finde! Mittwoch, den 4. Mai. nachmittags 3 Uhr in Kinzenbach vom Trauerhausc aus statt. In tiefer Trauer: Ludwig PeuNch, Gastwirt Ludwig Mandler und Frau Minna, geb. Peuech Heinrich Rink und Frau Erna. geb. Peuech Margarete Peuach Alina Peuitch Georg Bepler und Frau Wanda, geb. Peueeh Kettchen Peunch und 7 Enkelkinder Am Montag, dein 2. Mai. morgens um 1 Uhr, entschlief sanft und unerwartet meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter, Schwiegermutter. Großmutter, Schwägerin und Tante Frau Margarete Peusch, geb. Viehmann im 64. Lebensjahre. Am 28. April verschieb meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwieger, mutter, Großmutter und Schwester Frau Anna Cullmann geb. Theobald 1486 Farben-Müller Westanlage 44 __________________________3394 0 wegen Sievbefall bleibt unfcrGcschäftabMittwochmittag bis einschließlich Montag. 9. Mai 1932 geschlossen! Gebr. Chambre • Lich WmrmlSim eventuell mit Kontor und Kellerräumen für sofort oder svater zu vermieten. Lchr. Sing. uni. 02795 an den Gieß. An,, erb. Plötzlich und unerwartet entschlief sanft nach überstandener Operation unsere herzensgute, treusorgende. unvergeßliche Mutter, Tochter. Schwester. Schwägerin und Tante Frau Margarete Medebach Wwe. geb. Gernandt im 49. Lebensjahre. Die tieftrauernden Hinterbliebenen: Ewald Medebach und Frau. Heuchelheim, den 3. Mai 1932. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 4. d. M., nachmittags 4 Uhr. vom Sterbehausc. Wilhelm- streße 58. aus statt. 02810 Gießen, den 30. April 1982. 02784 Fellingshausen, den 3. Mai 1932. 02800 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen, besonders dem Herrn Pfarrer für die trostreichen Worte am Grabe und dem Gesangverein für den erhebenden Grabge-ang sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Die trauernd Hinterbliebenen: Elisabethe Weber und Angehörige. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer unvergeßlichen, lieben Entschlafenen sagt tiefgefühlten Dank Im Namen, der Hinterbliebenen: Wilhelm Pfaff. Bekanntmachung. Betrifft: Wochenmarkt. Der auf Donnerstag, den 5. Mai 19.32 (Himmelfahrlstag), fallende Wochenmarkt findet am ZHittroodj, dem 4. 2Uai 1932, statt. Es werden also in dieser Woche die Wochcnmarkte am Dienstag, dem 3., Mittwoch. dem 4., und Samstag, dem 7. Mai 1932, abgehoben. 3501C Gießen, den 3. Mai 1932. Bürgermeisterei Gießen. I. D.: Dr. Rosenberg. Albert’s Blumen- und Gemüsedünger; Harnstoff-Kali-Phosphor; „Ovis“-Blumen- und Gartendünger; Hornspäne; 40% Kali; 18% Superphosphat; Nitrophoska; Natron- und Leuna-Salpeter; Schwefelsaures Ammoniak empfiehlt 3257 a Samenhaus Heinrich Hahn Bahnhofstraße Telephon 3403 Kaufgesuche | Zu kaufen gesucht: Gebrauchtes Zweier- paööelboot Schrift!. Ang. unt. 02^15 a. d. A. (Gebrauchtes, gut erhaltenes Mädchenfahrrad zu kaufen gesucht. 2d)riftl. Ang. unt. 3502D a. d. W. A. (IIIIIIIIIIIIUIIIIIIIIIIIIIIIIIHD Achtung! Komme ■Itlwoch, 11. Kal nach Gießen Zahle Hobe Preise für getragenesV Anzüge Hosen, Zackette. Tameukleidcr, Militäruniformen, Schuhe und Federbetten, ivcrner laufe jeden VostenPartieware. Angebote erbet, an Kasseler Kleider-Börse Kassel, Müllerg. 2. Rur 196. flHIlillllllllllllllllllllIHHin) Gut erhaltener Bandwaßenoder Driickkarren zu kauf. acf. Sdir. Ang. in. Preisana. u. 3500D a. ö G.A. Verschiedenes Absolutes Sicherheit ist geboten für erst- stell. 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