Ur. 179 SrühauSsave 182. Jahrgang Dienstag, 2. August 1952 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätier Heimat im Bild - Die Scholle Monqtr-Vezugspreir: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Üernsprechanschliiffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: gtanffurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick vnd Verlag: vrühl'sche Univer?»lüt§-Vuch. und Zleindruckerei R. Lange in Giehen. Schristlettnng und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20u/„ mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Nach der Reichsiagswahl. Das berichtigte Endergebnis. Unter Berücksichtigung der Wahlabkommen Berlin; 1. Aug. (TU.) Amtlich. Der Reichs- wahlleiter gibt folgendes berichtigtes vorläufiges Endergebnis der Reichstags- wähl bekannt: Gültige Stimmen: 36 862 434 607 Mandate SPD. 7 953 986 133 0 RSDAP. 13 772 748 230 H 6PD. (unb SAP.) 5 365 666 89 H Zentrum 4 587 477 75 M DRVP. 2 184 971 37 Pf DVP. 435 547 7 PP Mirtschaftparlci 146 107 1 ■■ Staatspartei 373 560 4 Bayr. Volkspartei 1 202 617 22 fp Deutsches Landvolk 91 287 1 • e Ghristl.-So;. volksbicnsk 364 986 4 Volksrechtpartei 40 927 0 ff Deutsche Bauernpartei 137 090 2 M Dauern- und IDeingärfner- bunb (Landbund) 96 868 2 H D-hannov.Partei 46 873 0 „ Rationale Minderheiten 34 969 0 Bei der Verrechnung der Sihzahlen ist hierbei von den Mahlabkommen ousgegangen worden, die zwischen einzelnen Parteien hinsichtlich der Verrechnung ihrer Re st stimmen getroffen worden find. Die Reichstagswahl auf Preußen umgerechnet. Berlin, 1. Aug. (TU.) Eine Umrechnung der Ergebnisse der Reichstagswahlen auf die Ziffern der letzten Landtagswahlen in Preußen ergibt folgendes Bild: Parteien keine Berücksichtigung gefunden. Parteien Reichstagswahl 31.7.32 Canbtags» wähl 24.4.32 + bzw.— v. H. SPD. 4 705 538 4 675 173 + 0,7 NSDAP. 8 381 200 8 007 384 + 4,5 KPD. 3 548 962 2 819 763 + 20,6 Zentrum 3 507 522 3 371 932 + 3,9 DNBP. 1 580 980 1 524 230 + 3,6 DVP. 232 241 330 745 — 29,9 Staatspartei 169 420 332 490 — 49,0 Bei dieser Auszählung haben alle kleinen Wann tritt der neue Reichstag zusammen? Kein Platz im Wallotbau. 'Berlin, 1. Aug. (VDZ.) Der neue Reichstag muß nach der CBerfaffung spätestens am 30. Tage nach der Wahl, also a m3». August zuseiner ersten Sitzung »ufammentreten. Eine Entscheidung darüber, wann der Reichstag ein* berufen wird, ist noch nicht getroffen und wird auch er st nach der Feststellung des amt* liche nWahlergebnisses durch den Reichswahlausschuh getroffen werden. Man nimmt an, bah das erst nach dem Burgfrieden, also nach de m 1 0. A u g u st , der Fall sein wird. Den Termin der ersten Sitzung des neuen Reichstags bestimmt die Regierung, während die Einberufung durch den Präsidenten des alten Reichstages, Lobe, der bis zum Zusammentritt noch die Reichstagsgeschäfte fuhrt, erfolgt. In politischen Kreisen glaubt man, daß ine Regierung den Reichstag zum letztmöglichen Termin einberufen wird, also voraussichtlich zum 2 9. oder 30. August. Eine wesentlich frühere Einberufung ist wegen der Fristen, die für die Feststellung des endgültigen Wahlergebnisses und die Annahmeerklärungen der gewählten Abgeordneten gesetzt sind, auch nicht möglich. Die Zunahme der Abgeordneten um 25 bis 30 stellt die Reichstagsverwaltung vor neue Plahschwierigkeiten. Schon vor dem Zusammentritt des letzten Reichstages muhte der Sitzungssaal vollkommen umgeba u t werden, um Platz für die vielen neuen Abgeordneten zu schaffen. Wie man für die neuen Abgeordneten in dem schon jetzt zum äußersten ausgenutzten Raum Platz schaffen wird, ist noch nicht entschieden. Wer kommt von den kleinen Parteien in den Reichstag? «Berlin, 1. Aug. (ERB.) Die schwierige Berechnung Der in den verbundenen Listen enthaltenen Mandate ist nunmehr im wesentlichen beendet. Vorbehaltlich der weiteren Verständigung der verbundenen Parteien ergeben sich folgende Mandatsinhaber der kleinen Mittelparteien: Auf der württemdergischen Liste des Bauern- und Weingärtnerbundes ist das bisherige Mitglied des Reichstags Heinrich Haag, Heilbronn, und auf der Reichsliste der Gutsbesitzer Franz Freiherr v. Schenk aus Rißtissen gewählt. Der Bayerische Bauern- und Mittelst andsbund entsendet für Oberbayern-Schwaben den Minister a. D. Anton Fehr und für Niederbayern den Gast- und Landwirt Leonhard Ehetz alt aus Urspringen in den Reichstag. Die vier Abgeordneten des E h r i st l i ch - S o - zialenVolksdienstes sind für Westfalen-Sud Pfarrer Lic. Albert Schmidt, Bochum, für Württemberg der Schriftleiter Wilhelm Simpfen- b ö r f c r aus Korntal bzw. Rechnungsrat Paul Bausch, ebenfalls aus Korntal und auf der Reichsliste Wilhelm Simpfendörfer bzw. Franz Behrens, Berlin. Für die Deutsche Staatspartei ziehen in den Reichstag ein Dr. Gustav Stolper, Herausgeber des „Deutschen Volkswirts", Berlin, für Württemberg Dr. Theodor H e u ß und auf der Reichsliste der frühere Reichsfinanzminister Dietrich, Berlin, und Generalsekretär Ernst L e m - m e r, Berlin. Von den sieden gewählten Abaeordneten der Deutschen Volkspartei entfallt einer auf den Wahlkreis Dresden-Bautzen, nämlich Dr. Rudolf Schneider, kaufmännischer Direktor in Dresden, und sechs auf die Reichsliste. Es sind «dies Rechtsanwalt Eduard Dingeldey, Berlin; Dr. Otto Hugo, Geschäftsführer der Handelskammer zu Bochum; Geheimer Justizrat Dr. Albert Zapf aus Zweibrücken, Bankier D r. v. Staust; Postdirektor Albrecht Morath und Dr. Elsa Matz, Oberstudiendirektorin, sämtlich in Berlin. Für das Deutsche Landvolk gelangt auf der Reichsliste der Deutschnationalen der Landwirt Wolsung v. Hauenschild aus Tscheidt, Kreis Kosel, in den Reichstag. Parteiführer zum Wahlergebnis. Aufrufe Adolf Hitlers. Adolf Hitler hat an die Parteigenossen und -genossinnen den folgenden Aufruf erlassen: „Ein großer Sieg ist errungen. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei ist nunmehr zur weitaus stärksten Partei des Deutschen Reichstages emporgestiegen. Diese in der Geschichte unseres Volkes einzig dastehende Entwicklung ist das Ergebnis einer ungeheueren Arbeit, einer immer gleichbleibenden Beharrlichkeit. Es kann angesichts dieses größten Erfolges unserer Bewegung für niemanden einen Dank geben, sondern für uns alle nur d i e Pflicht, den Kampf nunmehr miterneuterund erhöhter Kraft aufzunehmen und fortzuführen." Ferner richtete Adolf Hitler an die SA. und SS.-Männer, an die Mitglieder des NS. KK. und an die Jugend den folgenden Aufruf:' „Ein unerhörter Sieg ist erkämpft worden. Viele Kameraden haben ihn durch schwerste Opfer ermöglicht. Die Toten sind für uns eine heilige Verpflichtung, nunmehrerstrechtden Kampf für Deutschlands Freiheit weiterzuführe n." Oer Führer der ORDp: Hugenberg hat an die Mitglieder der DRDP. folgenden Aufruf erlassen: „Wieder liegt ein Abschnitt unseres nun schon viele Jahre währenden Kampfes hinter uns. Die Reichstagswahl hat für die Deutschnationalen gegenüber den letzten Wahlen einen Gewinn gebracht. 3n der Mehrzahl der Wahlkreise ist auch ein erfreulicher Fortschritt gegenüber der Reichstagswahl von 1930 zu verzeichnen, der sich aber wegen der Verluste in einigen östlichen Wahlkreisen nicht auf das Gesamtergebnis a u s w i r k e n konnte. Die DRDP. hat allen Stürmen zum Trotz erneut ihre Lebenskraft bewiesen. Allen denen, die sich überzeugungstreu und opferfreudig für unsere deutschnationale Bewegung eingesetzt haben, spreche ich Anerken nung undherz- lichen Dank aus, insbesondere auch der in unseren Kampfbündcn organisierten Jugend. Sie alle haben dazu beigetragen, dah die Fahne der DRVP. in Ehren aus diesem Kamps hervorgegangen ist. Oer Zentrumsführer Zoos: Der gsschäftsführende Vorsitzende der Deutschen Zentrumspartei, Joos, veröffentlicht in der „Kölnischen Volkszeitung" folgenden Ausruf: „Mit großer Genugtuung und berechtigtem Stolz blicken wir auf die Wahlerfolge des 31. Juli. Dank einer in der Geschichte der Deutschen Zentrumspartei beispiellosen Hingabe und Werbearbeit ist es gelungen, nicht nur den Ansturm gegen uns abzuschlagen, sondern darüber hinaus starke Fortschritte zu erzielen. Die Mehrung unserer politisch-parlamentarischen Kraft ermöglicht uns, auch im neuen Reichstag auf eine Politik hinzuwirken, die unser Volk aas der Verwirrung heraussiihrt, dem Lande wieder Ordnung und Ruhe verschafft und auf der Grundlage der Verfassung eine gesunde wirtschaftliche, soziale und nationale Entwicklung gewährleisten soll. Allen Kämpfern, Mitarbeitern und Freunden zu danken, ist Herzenssache." Gewinne und Verluste des Ää.Luli Berlin, 1. Aug. (ERB.) Bei einer W ahl- Beteiligung von insgesamt rund 83,5 Prozent gegenüber 82 Prozent bei der vorigen Reichstagswahl und einem Zuwachs von etwa 1 900 000 Stimmberechtigten war mit einer Erhöhung der Abgeordnetenzahl um ungefähr 30 Mandate zu rechnen. Die bisher als gewählt festgestellte Zahl von 607 Abgeordneten entspricht der Erwartung. Der weit* aus stärksten Partei, den Rationalsozialisten, fallen davon 230 Mandate zu. Aber auch mit den 37 Deutschnationalen, dem Abgeordneten des Landbundes, den bc.öen Abgeordneten des Dauern- und Weingärtnerbundes, den sieben Volksparteilern, den zwei Wirtschaftsparteilern, den vier Christlich-Sozialen und den beiden Dauernbündlern verfügen sie immer erst über 285 Abgeordnete, also nicht über die absolute Mehrheit. Eine parlamentarische Mehrheitsbildung bleibt, wie in Preußen, so auch im Reich nur mit Hilfe des Zentrums möglich. Die Nationalsozialisten haben 37,3 Prozent aller gültigen Stimmen auf sich vereinigt und damit ihren bisherigen Höch st st and beim zweiten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl von 36,8 Prozent um etwa 300 000 Stimmen verbessert. Verglichen mit der Reichstagswahl 1930 haben die Nationalsozialisten ihre Stimmen mehr als verdoppelt. Einen beträchtlichen Stimmenzuwachs haben auch die Kommunisten zu verzeichnen, und zwar um 300 000 gegenüber bem ersten Wahlgang ber Reichspräsidentenwahl unb um 600 000 gegenüber ber vorigen Reichstagswahl. Die Sozialdemokraten haben den Besitzstand aus der preußischen Landtagswabl behauptet. Beachtenswert erscheint der Stimmen- unb Mandatsgewinn bes Zen - trums (575 000 bzw. 8 Mandate). Gut behauptet hat sich die Bayerische V o l k s p a r t e i. Die Deutschnationale Volkspartei hat von den übrigen Parteien am besten abgeschnitten. Eine katastrophale Nieberlage haben alle anderen bürgerlichen Parteien, namentlich die Wirt- fchaftspartei unb das Deutsche Landvolk, erlitten. Die Deutsch-Hannoversche Partei ist zum ersten Male seit ihrem Bestehen tm Reichstag nicht mehr vertreten Die Rationalsozralisten haben t n Schleswig-Holstein mit 54,9 Prozent aller gültigen Stimmen die absoluteMehrheit überschritten. Der absoluten Mehrheit nahe- gekommen sind sie in Osthannover (49,5 Proz.), Frankfurt a. d. O. (48,2 Proz.), Liegmtz (48,0 Pro* zent, und Pommern (47,9 Proz.), während sie in Gebieten des Zentrums und der Bayerischen Dolkspartei die geringsten Stimmanteile erzielten, z. D. in Köln-Aachen 20,2 Pro§., in Oppeln 25,6 Prozent, und Riederbayern 20,4 Prozent. Der Stimmenzuwachs des Zentrums ist besonders auffallend in einzelnen überwiegend protestantischen Landesteilen, so vor allem in Dresden - Bautzen, Leipzig, Chemnitz - Zwickau, Hamburg und Mecklenburg. Die Sozialdemokraten haben gegenüber der letzten Reichstagswahl absolut und anteilmäßig nur in den Wahlkreisen Potsdam II, Merseburg und Köln*Aachen zugenommen. Die Kommunisten haben mit drei Ausnahmen (Breslau, Merseburg und Hamburg) allenthalben Fortschritte gemacht. Neue preffestimmen. Der „Völkische Beobachter" schreibt zu dem Ergebnis der Reichstagswahl, es sei in der parlamentarischen Geschichte unerreicht, daß die Reichstagswahl nahezu 14 Millionen nationalsozialistische Stimmen gebracht habe. Daraus ergebe sich eine Abgeordnetenzahl, wie sie bei einer einzigen Fraktion noch niemals auch nur annähernd dagewesen sei. Alfred Rosenberg bespricht unter der Ueberschrist „Der unaufhaltsame Vormarsch" das Wahlergebnis und kommt zu dem Schluß, daß ein Vorübergehen an der Hitlerbewegung nunmehr endgültig der Vergangenheit angehören müsse. In welchen Formen sich dieser nicht mehr eiiizudämmende Wille Geltung verschaffen werde, werde die Heber- legung der nächsten Wochen sein. Adolf Hitler habe jedenfalls eine überwältigende Vollmacht von der deutschen Ration übertragen erhalten, die seine Bewegung nicht nur zahlenmäßig zur weitaus stärksten gemacht, sondern die auch in ihrem inneren Wert und Gehalt nahezu alles vereine, was überhaupt noch berechtigt sei, für Deutschland zu sprechen. Rosenberg schließt: „Der Kampf geht weiter, der Endsieg ist uns jetzt nicht mehr zu entreißen." Das gleiche Blatt befaßt sich mit der Tatsache, daß die RSDAP. die stärkste Partei i n D a y - € r n geworden sei und erklärt, das bayerische Volk wolle, daß der Rationalsozialismus die Führung des Staates und damit die Verantwortung übernehme. Wer sich noch länger dagegen zu stemmen versuche, der müsse damit rechnen, daß die Entwicklung über ihn hinweggehe. Der nationalsozialistische „A n g r i f f“ spricht von der die Situation beherrschenden Stellung der RSDAP. Die Möglichkeit einer Regierungsbildung auf parlamentarischer Grundlage scheine bei diesem Reichstag allerdings nicht gegeben. Die wäre nur dann herbeiführbar, wenn man sich dazu entschlösse, den in der KPD. verkörperten Bolschewismus als außerhalb der Rechtsgrundlage eines geordneten und christlichen deutschen Staatswesens stehend anzusehen. Rach der Wahl des Reichstagspräskßenten, den die RSDAP. zu stellen haben würde, wolle sich die Regierung anscheinend vom Parlament eine Ermächtigung geben lassen, eine bc* stimmte Zeitdauer hindurch auf demDerord- nungsweg zu regieren. Es sei aus verschiedenen Gründen nur schwer anzunehmen, dah eine solche Ermächtigung von diesem Reichstage gegeben werde. Gelangt man nicht doch zur Ausschaltung des Kommunismus in irgendeiner Form und dadurch zur Schaffung kla- rernationalbedingterDerhältnisse, so werde man sich dann wohl zu weitergehenden außerparlamentarischen Regierungsschritten entschließen müssen. Aber auch dabei würde die RSDAP. das Hauptwort mitzusprechen haben. Der „T a g“ nennt das Ergebnis für die Deutschnationalen befriedigend. Sie hätten die schärfste Opposition von allen Seiten auszuhalten und seien gänzlich unzulässiger* weise für die Papenregierung verantwortlich gemacht worden. Dah die Rationalsozialisten ihre „Hitlei^ahl" vom zweiten Präsidentschaftswahltag erheblich überbieten konnten, sei ein starker Erfolg für die Partei, die allerdings an manchen Stellen auch bereits die ersten namhaften Verluste hinnehmen müsse. Man werde gespannt sein Dürfen auf die Art, wie die Partei auf diese letztere Erscheinung reagieren werde. Die „Deutsche Tageszeitung" schreibt u. a.: Der Ausgang ber Wahl zum Reichstag, bas müsse assen ausgesprochen werben, habe bie Erwartungen nicht erfüllt, bie bas nationale Deutschland auf sie gesetzt habe. Die Wahl vom 31. Juli biete im wesentlichen f a ft genau dasselbe Bild wie d i e letzte preußische Landtagswahl. Der Wahlausfall aufs Ganze gesehen, stelle eine Bestätigung bar, eine sehr eindringliche sogar für die Notwendigkeit des Kurswechsels. — Die „D c u h s ch e Zeitung" betitelt ihren Leitartikel „Der Weg ist frei!" unb sagt u. a.: Die Neichstagswahl vom 31. Juli war bie erste Wahl nach bem Ende des Parlamentarismus in Deutschland. Nur unter Berücksichtigung dieser Tatsache kann das Wahlergebnis und seine Bedeutung richtig beurteilt werden. Die 16 Millionen nationaler Wähler wollten damit b c - stimmt nicht der Wiederherstellung des erledigten Systems der Koalitionen und Fraktionshändel das Wort reden. Geschlagen ist die Weimarer Republik, die Demokratie, die den Staat zu vertreten sich vermaß, die „Front" mit den drei Pfeilen, das Bonzentum und die parlamentarischen Schieber. Nach Lage der Dinge werden im neuen Reichstag Koalitionsverhandlungen und ähnliches nicht möglich sein. Sie dürfen auch nicht mehr möglich sein, ber Weg weist zu gänzlich neuen Formen. Die „Ocrmani a“ spricht mit Bezug auf bie nicht erreichte absolute Mehrheit der Rationalsozialisten von einer zerstörten Illusion. Staatspolitisch gesehen sei es von größter Bedeutung, daß zwischen den beiden riesigen Machtgruppen der Rechten und der Linken das Zentrum und die Bayrische Volkspartei als ein unerschütterlicher Block der Ordnung, der Freiheit und der Verfassungstreue nicht nur behaupten, sondern sogar gefestigt hätten. Das Blatt fordert, daß die Zeit verfassungsrechtlicher Experimente und machtpolitischer Aktionen vorbei sei und daß die bereits begonnenen zu liquidieren seien. Die Reichsregierung habe keinen Auftrag, noch weniger als bisher, die verfassungsrechtlich höchst anfechtbaren Methoden fortzusehen, mit denen sie ihre Politik bisher geführt habe. Sie habe dagegen die Pflicht zur Höch st en Besonnenheit und Zurückhaltung, bis der neugewählte Reichstag seine Funktionen übernommen habe, und vor allem die Pflicht, den Reichstag zu dem verfassungsmäßig gegebenen Termin einzuberufen, und vor ihm zu erscheinen. Der Tag, an dem das geschehe, werde über mehr entscheiden als über das Schicksal einer Regierung. Was sagt man in Italien? Rom, 1. Aug. (211) Durch die italienischen Pressestimmen zu den deutschen Wahlergebnissen zieht sich als roter Faden die Genugtuung über den Zusammenbruch der Weimarer Koalition unb das Vertrauen in die Kraft der nationalsozialistischen Bewegung. Deutschland, so sagt z. B. das halbamtliche „G i o r n a l e d'J t a l i a", geht den schicksalsmäßigen Weg zu Hitler und zu dem nationalen und politischen Geist, dmi er vertritt. Die große nationale Bewegung erschöpft ihre Kraft und Aufgabe nicht in Wahlen. Hitler schließt seine Bewegung nicht an der Schwelle des Reichstages ab. Weimar ist durch den nationalen Willen untergegangen. — Die „Tribun a". die dem Wahlergebnis europäische Bedeutung beimißt, erklärt u. a., wenn nun auch kein Weg völlig offen sei, so sei einer immerhin klar vorgezeichnet: die Hoffnung auf die Bewegung Hitlers, der bas beutsche Volk unter Zusammenarbeit mit anberen politischen Gruppen bie Wiedergeburt Deutschlands anvertrauen wolle. — Der „Lavoro Fascista" vergleicht die Genugtuung ber bemokratischen Presse nach den Wahlen mit bem Jubel eines gestürzten Königs, der sich ein Auge ausgeschlagen hat unb frohlockt. daß es nicht beide Augen waren. So wurde in den Wahlkreisen gewählt. H Berlin L Ostpreussen Hl Potsdam<2 ii t t IV Potsdam 1 2 9 ? VFrankfurta/o. "VH Liegnifz ^8.2 p.e IX Oppeln V 8,7 |2Q» 34.S| X Magdeburg 43.? XI Merseburg *3.2 XU Thüringen Nord 9. 8.2 29.1 46/ Sud \18.7 XVOst-Hannover XVI Süd-Hannov XVH Westfalen- XVHI Westfalen i27 20/t 17, XXIX. Leipzig XXXChemnitz- XXXIWurttembg XXXH Baden Zwickau 49.8 1.9/ W^2?3 M_ yern- XXVNiederbayern Scnw-a- hxben <91, "L r» XIX Hess-Nass. 20.? <♦0.; XXVI Franken M.1 SM Darmstadt 91 VI Pommern 47.2 10,81 VH Breslau 43.9 XU Schlesw-Holst XIVIVeser-Ems 63 10.4, so.? XXKöln-Aachen |XXIKoblenz-Trier ,28.9 90.5' xxvn Pfalz 29.8, 14A 1.7 17 XXVU Dresden % 6 6autze 93.8 12? Ä 5 PD. El NS D A P lllllwl KPb t^ZENTR.bew BAYER VP IBß.NV P |/A Id.ZP E3 STAATSP. DIE ZAHLEN AN DEN KREISEN BEDEUTEN PROZENTZlFTERN VZZÄ SPLITT ER PARTEI EN Unser Schaubild zeigt, wie die fünf großen Parteien fast in allen Wahlkreisen mehr als neun Zehntel aller Stimmen erringen konnten. Zum erstenmal wird im neuen Reichstag wie in England und Amerika die Parlamentspolitik von ganz wenigen großen Parteien und nicht mehr von Gruppen einer Vielzahl von Parteien bestimmt. — Da die 35 Wahlkreise sehr verschieden große Zahlen von Wahlberechtigten oufweisen, sind auch die Kreise in der obigen Statistik verschieden groß gehalten. Die politischen Terrorakte in Königsberg. Eine Erklärung der nationalsozialistischen (Sauleitung verurteilt die direkte Aktion Berlin, 1. August. (ERB.) Die nationalsozialistische Partei hat durch die Gaulcitung Ostpreußen zu den Vorfällen in Königsberg eine Erklärung veröffentlicht, die gleichzeitig dem Reichsinnenminister auf telegraphischem Wege zugeleitet worden ist. Darin heißt es, daß die Gauleitung der NSDAP, mit den Vorfällen nicht das geringste zu tun habe und sie aufs schärfste verurteile, weil es ihr völlig fern liegt, mit solchen verwerflichen Mitteln um eine Poijtition zu kämpfen, die chr durch den Wahlgang auf legalem Wege zugefallen sei. Der deutschnationale Lokalanzeiger bezeichnet diese Erklärung als erfreuliche klare Stellungnahme, der freilich die Tatsache gegenüberstehe, daß es sich, was im Laufe der Vernehmung mehr und mehr zutage trete, bei den Tätern offenbar um politische Fanatiker und Utopisten handele, die dem nationalsozialistischen Jdeen- kreis angehörten, wenn sie auch mit der Partei selbst hinsichtlich der Tat in keiner Verbindung stehen. Die DAZ. schreibt, es verdiene ernsteste Beachtung, daß die Ereignisse in Königsberg allem Anschein nach von Anhängern der Rechten ausgeführt worden seien. Eine amtliche Be- stätiguna dieser Annahme liege allerdings vorläufig noch nicht vor. Gerade weil Hitler und seine Partei bisher auch in schwierigen Stunden, wie z. B. anläßlich des SA.-Verbotes m u ft e r - gültige Disziplin bewahrten, müsse gefordert werden, daß die zuständigen f rgane der Partei diesen Doxfällen in Königsberg u n - verzüglich ernsteste Aufmerksamkeit zuwendeten und gegebenenfalls die Schuldigen einer exemplarischen Bestrafung z u - führten. Die Kommunisten trügen ein Maß voll Schuld daran, daß diese üblen Witdwestzustände überhaupt bei uns möglich geworden seien. Diese Feststellung könne aber für ihre politischen Gegner kein Freibrief sein, um ihrerseits einen individuellen Terror cruszuüben. Verstärkter Polizeischutz in Königsberg. Königsberg, 1. August. (WTB) Bisher find unter dem Verdacht der Beteiligung an den Mord- Überfallen mehr als 20 Personen oerhaf - t e t worden. Auf Anordnung des preußischen Ministers des Innern hat der Oberpräsident die Polizeischule in Sensburg für den Ein - s a tz in Königsberg zur Verfügung gestellt. Zum Schutz gegen weitere Störungen der Ordnung hat die Polizei u. a. auch ein mit Maschinengewehren armiertes Panzerauto eingesetzt, das unablässig Streifenfahrten durch die Straßen unternimmt. Am Kaufhaus Lachmanski und am Instrumentengeschäft Grünewald sind trotzdem heute nachmittag die S ch a u f e n st e r durch S t e i n ro ü r f e zertrümmert worden. Außerdem hört man aus Kreisen der Geschäftswelt, daß einer ganzen Anzahl jüdischer Kaufleute anonyme Briese zugegangen seien, in denen ihnen Ueb er fälle auf ihre Geschäftsräume für die kommende Nacht angedroht werden. In einem Einheitspreiswarenhaus sind sämtliche S cha u f c n • sterscheiben eingeschlagen. Die bürgerlichen Königsberger Zeitungen verurteilen auf das schärfste die Terrorakte. Die „Königsberger Allgemeine Zeitung" erhebt die Forderung daß zur gewaltsamen Unterdrückung solcher Akte Standgerichte eingesetzt werden müßten. Die „Königsberger Hartungsche Zeitung" hat an den Reichsinnenminister ein Telegramm gerichtet, in dem energische Maßnahmen erbeten werden. Handgranaienanschläge in Schleswig-Holstein. Altona, 1. 2lug. (WTB.) Das Polizeipräsidium teilt mit: 3n der Nacht zum 1. August sind in lieferten, Bramstedt, Elmshorn, Pinneberg, Lunden, Marne und Altona vom Kraftwagen aus Handgranaten gegen Gebäude und auf d i e Straßen geschleudert worden. Da die betroffenen Gebäude zumeistMitgliedernderKPD. und SPD. gehören, ist anzunehmen, daß die flüchtigen Täter in den Kreisen der politischen Gegner dieser Parteien zu suchen sind. Oie hessischen Nationalsozialisten an den Reichsinnenminister. WSR. Darmstadt, 1. Aug. Der Führer der Hess. Rationalsozialisten, L e n (M. d. R.), hat an den Reichsinnenminister folgendes Telegramm gerichtet: „3m Ramen von 364 000 hessischen Wählern erbitte Verwirklichung der uns verfassungsmäßig zugesicherten Rechte, sofortige Aufhebung des Verbots der hessischen nationalsozialisti- Leitungen und Maßnahmen der Reichsregierung, die künftig verhindern, daß die Rationalsozialisten einseitig an der Ausübung ihres Wahlrechts und ihrer sonstigen poUtischen Betätigung behindert werden." polnische Brüskierung des deutschen Geschäftsträgers Verletzung der Exterritorialität. Warschau, 1. Aug. (WTB.) Der deutsche Geschäftsträger in Warschau, Herr o. R i n t e l e n, hat heute vormittag beim polnischen Außenministerium Verwahrungeingelegt gegen einen lieber. griff, den sich gestern die polnische Polizei gegen die Exterritorialität seiner Wohnung herausgenommen hat. Auf Veranlassung der Polizei war in dem zu der Wohnung des Herrn o. Rintelen gehörigen @cyten aus Anlaß des polnischen „Fe st es des Meeres", das gestern veranstaltet wurde, durch den Hauswart eine polnische Flagge auf- gezogen worden. Herr v. Rintelen fand die ohne seine Ermächtigung erfolgte Beflaggung seines Gartens mit polnischen Farben aus solchem Anlaß für unstatthaft — da Gebäude und Garten als Exterritorial nur in den Farben des Landes beflaggt werden dürfen, dessen Vertreter das Gebäude bewohnt — und ließ die Flagge im Garten entfernen. Als in den Nachmittagsstunden erneut die Flagge im Garten gehißt wurde, entfernte sieHerr v. Rintelen persön- l i ch. In diesem Augenblick drangen drei polnische Polizisten unter Verletzung der Exterritorialität des Wohnsitzes des deutschen Geschäftsträgers in dessen ©arten ein und verlangten von Herrn v. Rintelen, daß er sich legitimiere. Nach Einsichtnahme in seine diplomatische Legitimation zogen sie sich wieder zurück und brachten dann die Flagge ein drittes Mal am Grund- st ü ck an, aber diesmal an der äußeren Seite des Gartens, wo sie weiter unbehelligt blieb. Die meisten polnischen Blätter berichten über diesen Vorfall in sensationeller Aufmachung und unter völliger Verdrehung des Tatbestandes. Sie ließen den eigentlichen Zwischen- fall, nämlich die Verletzung der Exterri- t o r i a l i t ä t der Wohnung §es deutschen Geschäftsträgers, ganz außer acht und sprachen von dem Vorgehen des Herrn v. Rintelen gegen die polnische Beflaggung seines Gartens in beispielslos agresfiver Weise und unter heftigen und beleidigenden Ausfällen. Krieg in Südamerika. Tie Feindseligkeiten zwischen Bolivien und Paraguay haben begonnen. TU. Buenos Aires, 1. Aug. Wie aus La Paz berichtet wird, wird dort der Krieg mit Paraguay für unvermeidlich gehalten. Die Feindseligkeiten im Gran Chaco- Gebiet nehmen täglich einen ernsteren Charakter an. Der bolivianische Oberbefehlshaber hat dem Kriegsministerium gemeldet, daß seine Truppen das Fort Bouqueron, eines der wichtigsten Paraguaynischen Forts, erobert haben. Wie das bolivianische Kriegsministerium weiter mitteilt, ist auch das paraguahnische Fort Toledo mit der gesamten Festungsausrüstung einschließlich einer Anzahl wichtiger militärischer Schriftstücke erstürmt worden. Auch die Regierung von Paraguay hat nunmehr die volle Mobilmachung der Armee angeordnet. Der Gesandte von Paraguay in Buenos Aires hat Journalisten erklärt, daß ein Krieg praktisch infolge des Angriffs der Bolivianer gegen Forts in Paraguay begonnen habe. . Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr Somelag nachmittag geschlossen. Kaspar Hauser in der Südfee. Eine merkwürdige Entdeckung. Von John Freemann. Dies ist einer der seltsamsten Robin- sonaden, die das Leben je geschrieben hat. John Freemann, ein friesischer Kaufmann, der die ganze Welt bereist hat, stieß auf seiner letzten Reise auf einem Südsee- Atoll, auf einen blondhaarigen Wildling, den er mit nach Deutschland nahm. Hier ist die abenteuerliche Lebensgeschichte, die diesem Kaspar-Hauser-Schicksal zugrundeliegt. 3m 3ahre 1884 wohnte in der belgischen Ortschaft Oesterzelle ein junges Liebespaar, dessen ehelicher Verbindung sich so viel Hindernisse entgegenstellten, daß der Mann, namens 3ean Milhout, schließlich auf den Gedanken kam, mit samt seiner jungen Geliebten nach dem Kongo auszuwandern, um dort, fern den Tücken der Menschen, ganz der Ratur und seinem Liebesglück zu leben. Der Mann, der diese ferne Gegend nur aus Erzählungen von Matrosen kannte, die selbst vielleicht niemals dort gewesen waren, wußte das anfangs widerstrebende Mädchen so zu überzeugen, daß sie darin einwilligte, 3ean Milhout in die Wildnis zu begleiten. Richt lange vor der beabsichtigten Abreise machte Milhout jedoch die Bekanntschaft eines deutschen Segelschiffkapitäns — der noch heute als sehr alter Mann in einer kleinen deutschen Küstenstadt lebt — und dieser Kapitän erklärte sich damit einverstanden, 3ean Milhout und seine Geliebte mit nach der Südsee zu nehmen, um die beiden dort auf einer der kleinen paradiesischen 3nseln abzusehen, die dort zu vielen Tausenden im warmen Sonnenschein die 3ahr- tausende verträumen. Der Kapitän verlangte seinerseits, daß Milhout während der lleber- fahrt Matrosendienste verrichten sollte, im übrigen aber keinerlei Fahrgeld weder für sich noch für feine Begleiterin zu entrichten brauchte. Rach mancherlei Stürmen und endlos langen Fahrten, die Küste von Afrika hinab, nach Durban, von dort nach Ostindien und schließlich nach der Südsee, gelangten die beiden Liebenden in jene Gegend der zahllosen 3nseln nach Polynesien. Cs mag hier eingeschaltet werden, daß ich selber eines Tages, an Bord eines Kabeldampfers, nach demselben Eiland kam, das von dem jungen Liebespaar vor so langen 3ahren betreten worden war, das ist der Grund, weshalb ich die Feder zur Wiedergabe dieser ganzen Geschichte überhaupt ergreife, denn meine Erzählung könnte als eine heute unmodern gewordene Variation zu „Paul und Virginie", das nun folgende aber als eine Robinsonade erscheinen. Der Grund, weshalb unser Kabeldampfer hier an diesem von Palmen umsäumten Eiland ankerte, war, daß unser Trinlwasser brackig geworden war. Cs wurden also drei Boote mit Wassertonnen ausgesetzt und so, nachdem wir' ein Korallenriff umfahren hatten, betraten wir die Koralleninsel. 3n diesen Gegenden herrscht der immerwährende Frühling, Stürme sind unbekannt an diesen sonnigen Gestaden, die von klaren blauen Wassern sanft umspült werden. 3ndem ich mich von den übrigen trennte, um in der Rähe umherzustreifen, gewahrte ich, daß diese Oase in der Wasserwüste ein sogenanntes 2ltoll war, d. h. eine jener 3nseln, welche in ihrem 3nnern einen See umschließen. Man kann sich keinen Begriff von der Unberührtheit und der sanften Raturschönheit dieser 3nsel machen. Heber wundervolle Blüten hin flattern große blaue Schmetterlinge, 3nsekten summen, ein Bach rauscht durch grüne Wiesen, und dichtbelaubte Bäume spenden kühlenden Schatten ... Ohne mich sehr weit von den übrigen getrennt zu haben, war ich dennoch entfernt genug um die majestätische Ruhe dieses Gartens Eden zu genießen. Da vernahm ich den lauten Ausruf eines unserer Leute, es entstanden lärmende Zurufe und Pfiffe, die meine Aufmerksamkeit erregten, und so eilte ich denn dorthin, wo ich die übrigen wußte. Die Ursache dieser Erregung war höchst sonderbar: einer der Leute, ein Kabelingenieur aus Rordenham, hatte einen Menschen entdeckt, der ungefähr vierzig 3ahre alt war und ein verwildertes Aussehen hatte. Er trug einen langen wirren Bart, blond, wie auch seine flachsgelben Haare lang auf seine Schultern herabhingen. Cs war aber nicht etwa ein Südseeinsulaner. sondern zweifellos ein Angehöriger der arischen Rasse. Seine Kleidung? Offenbar hatte dieser Sonderling einem großen Fisch, vielleicht einem angetriebenen Hai, die Haut abgestreift, denn diese Fischhaut, zusammengehalten durch einen gebogenen, kleinen Knochen, hing von seinen Hüften herab, und endete an den Knien in seltsam gezacktem Rand. Ein sonderbarer Anblick für mich, als ich diesem Adam, umgeben von sechs wohlausgerüsteten, weißgekleideten Europäern modernsten Typs unter den schlanken Kokospalmen erblickte! Wer war dieser Mensch? Ein Schiffbrüchiger? Ein Weltflüchtling? Welche Sprache redete dieser Fremde? Das Verhalten des so plötzlich Entdeckten zeigte, wie scheu er war. Mit großen, naiven blauen Augen sah er, kindliche Furcht in den Blicken, auf die Ruhestörer. Unter diesen herrschte eine ausgelassene Freude, und es fielen die denkbar witzigsten Bemerkungen. Zuletzt machte der Mann einige Anstrengungen, um zu reden, und dann stieß .er unkultiviert die zwei Worte hervor: „Moeder dood!". War er ein Holländer, ein Flamländer? Wir alle horchten auf. 3ch selbst war ernst geblieben und richtete jetzt einige Fragen an den Bärtigen. Er wiederholte nur: „M o eder doo d!". Daraus zeigte er in eine bestimmte Richtung und setzte sich in Bewegung. Erwartungsvoll folgten wir, sahen uns bald an einer primitiven Hütte angekommen, welche nur einen Raum enthielt, auf dessen hart- gestampften Boden eine Art Blätterlager zu sehen war. Und hier übergab uns der Wildling ein Paket Briefe, deren Schrift fast völlig vergilbt war ... Der 3nhalt dieser Briefe? 3n flämischer Sprache, in ungelenker Schrift waren es teils Briefe einer grau, zum geringeren Teil diejenigen eines Mannes an die fernen Verwandten in Belgien, worin diese beiden 3nfu- laner, eben die im 3ahre 1884 aus der Heimat Entwichenen, ihre seelische Qual schildern, allein und verlassen an diesem Ort leben zu müssen, und nur von der Hoffnung belebt, einst durch ein Schiff aufgenomihen zu werden. Aber — wie aus den Briefen des jungen Weibes hervorging, war der Geliebte eines Tages erkrankt, ohne daß ein Arzt zur Stelle war, um Rettung öu bringen. Da ich diese Briefe an mich genommen habe, werde ich sie vielleicht eines Tages veröffentlichen. Der Mann ist bald nach seiner (Srfranfung gestorben, und ergreifend sind die Worte, welche die junge Einsiedlerin gefunden hat, um ihre Trauer auszudrücken. Sie war Mutter eines Knaben geworden, um dessen Zukunft die Bedauernswerte von Sorgen erfüllt gewesen fein muh. Der zuletzt datierte Brief, vom 11. Dezember 1894, enthält nur wenige Worte, am Schluß desselben heißt es: „3k ben ziek" (3ch bin krank). Es ist anzunehmen, daß auch das von Reue und Sehnsucht, von Sorge um das Kind gequälte Weib gestorben ist, den vielleicht achtjährigen Sohn zurücklassend. Den jetzt Aufgesundenen nahmen wir mit an Bord: er wurde bekleidet und allmählich mit den Sitten und Gebräuchen, der deutschen Schrift und der Sprache bekannt gemacht. Gr ist ein halbes 3ahr später nach Deutschland gebracht worden uNd lebte hier einige Zeit in der Familie eines Kapitäns. Als ich ihn vor einem Monat zum letzten Male in Hamburg sah, war er so verändert, sowohl in seinem Aussehen wie in seinem Wesen, daß ich ihn fast nicht wiedererkannte ... „Stimme von Purpur und Gold." Ein erster Stern am Opernhimmel, dessen Stimme „von Purpur und Gold" einst begeistert gepriesen wurde, ist jetzt in Not und Vergessenheit von dieser Welt geschieden. Es ist die 56jährige Opernsängerin Marie D e l n a, die jetzt in einem Pariser Krankenhaus gestorben ist, nachdem sie viele Sabre in Armut verbracht. Ihr wirklicher Name war Marie Ledant, aus dem sie ihren Bühnennamen durch Umstellung von Buchstaben bildete. Mit einer wundervollen Altstimme begabt, wurde sie durch einen Zufall entdeckt und betrat bereits mit 16 Iasten die Bühne der Pariser Op6ra Comique. Damals richtete & o u n ob an den Direktor Earoalho die Frage, wo er „diese Stimme von Purpur und Gold" ausfindig gemacht habe, und Sarah Bernhardt äußerte sich in begeisterten Tönen über die darstellerische Begabung des jungen Mädchens. Sie hatte dann eine kurze Glanzzeit, in der sie zu den berühmtesten französischen Sängerinnen gehörte, aber die Stimme, deren jugendliche Schönheit so sehr entzückt hatte, verlor bald an Fülle und Wohllaut; sie mußte der Bühne entsagen und versuchte ihr Brot als Gesangs- lehrsrin zu verdienen. Mühselig schlug sie sich durch, bis sie vor einigen Monaten krank und mittellos in das Pariser ^itiS-Krankenhaus gebracht wurde, wo sie gestorben ist. Aus der provinzialhauMadt. Gießen, den 2. August 1932. Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. 3n der jüngsten Sitzung der Oberhessischen Gesellschaft für Ratur- und Heilkunde sprach Privatdozent Dr. W. E. Ankel zu dem Thema: „Reue Forschungen über sexuelle Zwischenformen im Tierreich". An Hand von zahlreichen eindrucksvollen Lichtbildern erörterte der Redner das Problem des Z Witte r t u m s im Tierreich. Er konnte zeigen, daß wir heute über die Entstehung von zwittrigen Dienen, die als die sogenannten „Eugsterschen Zwitterbienen" schon seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts eine gewisse Berühmtheit erlangt haben, im großen und ganzen im Klaren sind. Versuche des Münchener Zoologen Rösch haben die vorausschauende Erklärung B o v e r i s betätigt, daß solche Zwitterbienen einer verzögerten Befruchtung des Eies ihren Ursprung verdanken. Bei anderen Insekten, z. B. bei dem beliebten Objekt der Dererbungsforscher, der Taufliege Drosophila, liegen die Dinge etwas anders als bei der Honigbiene, aber auch hier haben, die Untersuchungen der Amerikanischen Derer- bungsforschung, Morgan und D r i d g e s , endgültig Klarheit geschaffen. In den beiden besprochenen Fällen von Zwitter- tum liegen räumliche Mosaiks aus männlichen und weiblichen Teilen vor: solche Zwitter nennt man Gynandromorphe. Im Gegensatz dazu stehen die sogenannten Intersexe, wie sie auch bei den Insekten, z. D. bei Schmetterlingen, vorkommen oder im Experiment erzeugt werden können. Intersexe sind gekennzeichnet durch das Aufeinanderfolgen männlicher und weiblicher Bildungsvorgänge im Ablauf der Zeit. Ein Intersex ist also ein Wesen, das sich bis zu einem gewissen Zeitpunkt z. D. als Männchen entwickelt, dessen Entwicklung aber dann ins Weibliche umschlägt. Gelegentlich kann ein solcher Umschlag in der geschlechtlichen Entwicklungsrichtung nicht nur den Körper, sondern auch die Keimzellen selbst betreffen. Der Redner schilderte aus eigenen Untersuchungen den Fall, daß er bei einer Meeresschnecke Geschlechts» Sellen finden konnte, die sich zunächst wie Eier, also weiblich entwickeln, um barm in eine männliche Entwicklung umzuschlagen: Es stellen sich Dil- dungsvorgänge ein, wie sie sonst nur aus der Samenbildung des Männchens bekannt geworden sind, und durch das Ineinandergreifen weiblicher und männlicher Entwicklungstendenzen entstehen sehr eigenartige, hochkomplizierte Gebilde von bisher zweifelhafter Funktion. Die Ausführungen des Redners, der seine Hörer anschaulich in das schwierige Gebiet eiiuufüfcren vermochte, wurden mit lebhaftem Beifall entgegengenommen. • ** Straßensperrungsnachricht, mit« geteilt vom Oberhessischen Automobil-Club E. L. (AvD.), Gießen. Wegen dek Ausführung dringender Gleisarbeiten wird der Bahnübergang bei G i s s e l b e r g in km 95,025 im Zuge der Straße Gießen—Marburg am 6. August in der Zeit von 7 bis 15 Uhr für jeglichen Verkehr gesperrt. Die Umleitung führt für den Verkehr aus Richtung Marburg über Niedcrweimar und endet auf der Frankfurter Straße am Straßenabzweig nach Niederweimar in km 96,507, für den Verkehr aus Richtung Gießen beginnt die Umleitung am Straßenabzweig nach Nicderweimar in km 96,507, führt über Niederweimar und endet an der Einmündung des Landweges Frohnhausen—Niederweimar in die Hauptstraße bei Gisselberg. ** R e n t e n m a r k s ch e i n e sind vollgültige Zahlungsmittel! Die Reichsbank Gießen teilt uns mit, daß in jüngster Zeit in unserer Stadt Rentenmarkscheine wiederholt nicht in Zahlung genommen worden seien. Die Ablehnung dieser Geldscheine ist, wie die Reichsbank betont, vollständig unbegründet. Die Rentenmarkscheine sind nach wie vor vollgültige Zahlungsmittel, gegen Deren Annahme nicht die geringsten Bedenken bestehen können. Die Reichsbank empfiehlt, das völlig unzutreffende Mißtrauen gegen diese Geldzeichen schwinden zu lassen. ** Die Neuauflage der Wegemarkierung s k ar t e Umgegend Gießen (1:100 000), herausgegeben vom Zweigverein Gießen des VHC., ist soeben erschienen. Die Karte enthält die vielen seit Der letzten Ausgabe singetretenen MenDerungen der Wegemarkierungen sowie Den Stud enten weg Marburg—Gießen und den Teil des Höhenweges, Der vom Thüringer Wald zum Rhein zieht. Das neue Provinzial-Kmderpflegeheim. Etwas abseits der Stadt und abseits der lauten Straße, wuchs, von der Stadt her gesehen ver» steckt hinter den Bäumen des Lucherberges, am alten Schiffenberger Weg auf dem Gelände der Provinzial.Pflegeanstalt, ein Gebäude empor, das demnächst (voraussichtlich in 14 Tagen) seiner Bestimmung übergeben werden wird. Es handelt sich um einen Reubau des Provinzial-Kinderpflege- heimes, das bisher in kleinerem Rahmen bereits existierte und demnächst in das neue Gebäude über- siedeln soll. Das bisherige Heim der Kinder wird aber nicht leer stehen, sondern für die Männer» abteilung der Provinzialpflegeanstalt in Anspruch genommen werden. Für die Männerabteilung war eine Erweiterung dringend notwendig geworden, denn es liegen schon so viele Anmeldungen vor, daß das freiwerdende Kinderheim sofort belegt sein wird. Jur Die Kinder aber, für die kommende Generation, wurde ein neues Haus gebaut ... Bei der Betrachtung des neuen Provinzial- Kinderheimes kann man nicht umhin, zunächst dem Aeußeren des Gebäudes einige Aufmerksamkeit zu schenken. Iedermann wird angenehm Überrascht sein, von dem Eindruck, den das Gebäude macht. Der Architekt, Baurat G r a v e r t, hat das Haus in vollendeter Harmonie dem Gelände, der Landschaft angepaßt. Plastisch hell, hebt es sich (betrach, tet man es von der Bahnschranke am alten Schiffenberger Weg) von dem Dunkelgrün der Bäume des Lutherberges ab. Eine klare Gliederung, sehr glückliche Verhältnisse von Länge, Breite und Höhe, Harmonie in den Flächen von Fenstern und Mauer und eine sympathische Farbe geben dem Haus eine Überaus freundliche Rote und lassen es bedeutsam erscheinen. Es stellt dem Architekten das beste Zeugnis aus. Bei aller Sachlichkeit und zweckbetonter Gestaltung, läßt das neue Pro» Vinzial-Kinderpflegeheim die persönliche Rote nicht vermissen. Mit den schlichtesten Mitteln und in rein architektonischer Auswertung des gegebenen Materials wurden Front und Fassade belebt. In der Hauptsache sind es zwei kleine Veranden, die den hohen Reiz der Front heben. Backsteine, die die Mauerfläche etwas überragen, dienen als Denkbar einfachstes Ornament der Belebung der Mauerflächen. Das Haus ist in gelb-bräunlichen Klinkerbacksteinen erstellt. Schönheit und Zweckmäßigkeit ergänzen sich in Der glücklichsten Meise. Etwas anders ist Der Eindruck, den das Gebäude an seinem Jnnerey macht. Hier steht die Sachlichkeit im Vordergrund. Die Forderungen der Hygiene taten ein übriges, um Die Gestaltung Der Innen- räume maßgebend zu beeinflussen. Allenthalben Dominiert Die glatte ölgestrichene Fläche. Weiß unD helles Gelb finD Die Farben in Treppenhaus unD Fluren. Weiß in Den Sälen unD Räumen Des unmittelbaren Gebrauchs. Im Erdgeschoß zieht ein geräumiger, durch keinerlei Stützpfeiler unterbrochener S p l e l s a a i die Aufmerksamkeit auf sich. Lino, leum bedeckt den Fußboden. Die Kinder haben viel Bewegungsfreiheit und keine Gelegenheit sich an harten Kanten wund zu stoßen. Um den Spielfaal gruppieren sich Besuchszimmer, Anrichte, Milchküche (es wird nur elektrisch gekocht!), Waschräume usw. Im Erdgeschoß sind auch Heizung und Warmwasserbereitungsanlage untergebracht. Im ersten Stockwerk sind 4 „Stationen", S ch l a s s ä l e für die Säuglinge und für die größeren Kinder angegliedert. Drei dieser Säle find untereinander, nur durch Glaswände getrennt, so daß von einem Raum aus alle drei Säle zu übersehen sind und die Aufsicht dadurch erleichtert wird. Ueber- flüffig zu sagen, daß hier alles in reinem Weiß erglänzt, alles in freundlicher Helle gehalten ist. Die Morgensonne hat ungehinderten Zutritt. Einige kleinere Räume als „Isolierstation" (für Kinder, die nicht eigentlich krank, sondern lediglich etwas unpäßlich, erkältet usw. finD), ein Zimmer für Den Arzt und für Die Höhensonne, BaDe - unD Waschraum, eine Anrichte, außerdem (Die mit einem Auszug mit Der Milchküche verbunDen ist) finD hier um Die Schlafsäle angeordnet. Von diesem Stockwerk aus tritt man auf ein« geräumige, glasüberachte Veranda, auf der viele Kinder mitsamt ihren Betten in der frischen Luft untergebracht werden können. Der Veranda vorgelagert und unmittelbar zu erreichen, ist ein Kinderspielplatz mit einem Sandkasten, der noch anzulegen ist. Diese Veranda befindet sich auf der Rückseite des Mitteltrakts, nach den Bäumen und Büschen des Lutherberges zu. Bor dem neuen Heim befindet sich eine große Fläche, die mit Rasen angesät wird. Im zweiten Stockwerk befinden sich lediglich die Räume der Schwestern und der Schülerinnen. Auch hier ist jede überflüssige Ausstattung vermieden. Die Wände sind mit schönen in matten Farben gehaltenen Tapeten bekleidet. Don den Zimmern aus, wie auch von den beiden kleinen Veranden aus, bietet sich ein prächtiger Blick auf den breit vorgelagerten Sdjiffenbcrg, auf die hochwart und das liebliche Schiffenberger Tal. An frischer Luft, an Licht und Sonne- fehlt es auch hier nicht. Die Ausstattung wird zum Teil den Schwestern überlassen sein, die Räume der Schülerinnen, sowie die wenigen gemeinschaftlichen Räume werden Anschaffungen notwendig machen. Für das Kinderheim selbst wird das Mobiliar nach vorheriger gründlicher Aufarbeitung, aus Dem bisherigen Kinderheim übernommen. Den Kindern, die hier ausgenommen werden sollen, ist ein idealer Aufenthalt gewährleistet. Unter der verantwortungsbewußten Aufsicht der Oberschwester, unter den Händen der ebenso verantwortungsbewußten, geschulten Schwestern, unter der prüfenden Obhut des Anstaltsarztes Dr. Hoffmann, sind die Kinder in diesem neuen Heime zweifellos gut aufgehoben und den Eltern, die ihre Kinder hier zur Pflege geben, ist jene große Sorge abgenommen, die immer alle diejenigen erfüllen wird, die ihre Kinder aus irgendwelchen Gründen nicht selbst um sich haben können. Die Provinz Oberhessen hat mit diesem Kinderheim ein Werk geschaffen, dessen Segen nicht nur eine an die Stunde gebundene Wohltat sein wird, sondern ein Segen, der in die Zukunft weist und im Dienste der kommenden Generationen sich erfüllen wird. Siadtratssihung in Buhbach. pb. Butzbach, 1. August. Als einziger Punkt stand auf der heutigen Tagesordnung die Einführung des neuen Bürgermeisters Dr. Scheller. Beigeordneter Dr. Schmidt eröffnete Die Sitzung und gab bekannt, daß der Einführung des Bürgermeisters feine gesetzlichen Hinderungs- aründe mehr entgegcnJtünDen. Kreisdirektor Rechthien ergriff nunmehr das Wort, begrüßte das neue Stadtoberbaupt, das nach monatelangem Kampf nunmehr eingeführt werden könnte, woraufhin er ihm den Dersassungseid abnahm. Beigeordneter Ioutz begrüßte Dann den neuen Stadtchef und rief ihm ein herzliches Willkommen zu, indem er der Hoffnung auf ein gedeihliches Zusammenarbeiten Ausdruck gab. Bürgermeister Dr. Scheller sprach in feiner Ansprache Den Dank für Die Begrüßung aus und betonte weiterhin, daß seine Arbeit lediglich Dem Gemeinwohl Der Stadt und seiner Bevölkerung gelten unD Daß er Die Geschäfte unparteiisch führen werde. Zum Schluß Der Sitzung gab Dr. Schmidt bekannt, daß von Der Fraktion Der REDAP., Die zur Sitzung nicht erschienen war, ein Schreiben abgegeben tootDen sei, Das er bei Den Stadtratsmitgliedern in Umlauf sehen werde. — Wie nachträglich in Erfahrung gebracht wurde, hat Stadtratsmitglied Prof. Dr. F. Werner sein Amt als Stadtrat niedergelegt. Schweres Llnwetter im nördlichen Oberheffen. WSN. Alsfeld, 1. August. Gestern abend ging über Den Kreis Alsfeld und die übrigen Teile des nördlichen Oberheffen ein schweres Unwet- t e r nieder, das bei außerordentlich heftigem Sturm und starken elektrischen Entladungen wolkenbruch- artigen Regen brachte. Die Wassermassen waren so groß, daß in manchen Ortschaften Die Dorfstraßen Robinson mit Vorortskarte. Abenteuer in der Lüneburger Heide. Don Karl Ey. IV. Der Gegen kommt von oben. Nach zweistündigem Marsch, zu Dem Der Magen Die Begleitmusik knurrte, machte ich Rast. Mißmutig kaute ich den Zwiebackbrei hinunter, während vor meinen Augen eine Fata Morgana Der guten Hamburger Küche gaukelte. Freilich ist die Gefahr des Verhungerns in der Lüneburger Heide nicht so groß wie in Der Wüste Sahara, aber es war Doch ganz gewiß kein angenehmes Gefühl, wenn ich daran dachte, daß ich mir nur den Fuß zu verknacken oder von einer Kreu z- otter gebissen zu werden brauchte, um in die fatalste Verlegenheit zu kommen. Jetzt konnte ich noch in einem vier- bis fünfstündigem Marsch die Randdörfer der Heide erreichen, aber als Halbinva- lide würde Der gefahrlose Abbruch Des Robinson- lebens seine Schwierigkeiten haben. Aus Diesen Grübeleien schreckte mich ein Geräusch in Dem Buschwerk. Gleichzeitig ertönte ein zorniger Schrei eines großen Habichts, und der Vogel kam so weit auf Die ErDe herunter, daß ich Den Wind feines Flügelschlages in meinem Gesicht spürte. Er kreiste noch ein paarmal über meinem Kopfe herum und flog dann schreiend davon. Mit einem entsetzlichen Juchzer sprang ich auf Die S, Denn in Dem Ginsterbusch hatte ich Das roilDe äumen einer großen Schlange gesehen. Nun gibt es m Der Heide zwar eine Giftschlange, Die Kreuzotter, aber sie ist bedeutend kleiner als jener Wurm, Der sich vor meinen Füßen ringelte, und nicht einmal so gefährlich, wie sie gemacht wird, Denn sonst hätte sicher Der preußische Staat Die Belohnung für jede tote Kreuzotter — eine bare Reichsmark — nicht aufgehoben. Freilich soll für Diesen Widerruf aber auch Die Tatsache mitgesprochen haben, daß strebsame Leute Kreuzottern in angenehm erwärmten Käfigen Winter und Sommer züchteten, um Das Ergebnis Dieser Zucht Dann Dem preußischen Fiskus zu verkaufen ... Die Schlange schien sich in Dem HeidesanD äußerst unbehaglich zu sühlen. Und als ich genauer hin blickte, ließ ich Den tatbereiten Knüppel erstaunt fallen, Denn ich bin schließlich Hamburger genug, um einen Aal zu erkennen, wenn ich einen sehe, und wenn es auch inmitten der Dürren Heide ist. Wie aber war der Aal hierher gekommen? Ich sand Die Lösung leicht unD glaube, Daß sie richtig ist. Denn wahrscheinlich hatte Der Habicht den langen Fisch in Die Elbe ober Der Ilmenau herausgefan- gen und Dann während seines Fluges fallen lassen. Wenn ich aber etwas bedauere, so ist es das, daß nicht ein wandernder Zoologe diesen Fund machte. Wieviel prächtige Artikel hätte Die Erörterung des Problems abgegeben: W i e kommt ein Aal in die Lüneburger Heide? Zehn Minuten später hatte ich aus einem Tümpel Wasser geschöpft, den Kessel auf Dem Feuer unD Den Aal im Topf. Es fehlten freilich Lorbeerblätter und Pfeffer, aber er schmeckte trotzdem delikat. Angst vor dem Nichts. Die Dämmerung senkte sich schon herab, finstere Schatten gespensterten über Die Heide, als ich erschöpft nach einer langen aber erfolgreichen Jagd zu Boden sank. In Der Hand hielt ich Die Beute eines schweißtriefenden Dauerlaufes und einer strategischen Kunst, die Der notgedrungen lernen muß, Der keine Schießwaffe bei sich hat. Es war ein großer, strammer Hase, den ich in dem stachen Talkessel aufscheuchte und mit einem auf gut Glück geschleuderten Stein unter Die Rubrik „Ferner liefen" gebracht hatte. So weit — so gut, aber jetzt mußte ich irgenDmo eine Tränke finden, wenn ich den Meister Lampe als dringend benötigte Nahrung verwenden wollte. Der Regen Der letzten Nacht hatte in Den wenigen ausgehöhlten Steinen zwar kleine Tümpel gebilDct, die aber von dem einen Tag ausgetroefnet waren. Ein nicht sehr weit entfernter Steinhaufen ließ in- dessen vermuten, daß sich dort vielleicht das Regenwasser etwas länger gehalten hatte. Die Annahme erwies sich aber leider als irrig. Dagegen traf ich hier zum ersten Male in vier Tagen auf eine menschliche Spur. Nein, id) denke nicht an Die riesigen Steinblöde, Die sicherlich ein Hünengrab waren und durch Die Jahrtausende hindurch Die Erinnerung Daran wachhielten, Daß hier ein Held Der Bronzezeit Die letzte Ruhestätte gefunDen hatte. Das Frappierende an meiner Entdeckung war eben Die Alltäglichkeit des Gegenstandes, Der aber hier in Der Heide ebenso überraschend wirkte wie ein Eichhörnchen mitten in der Großstadt. Es war ein Hut, ein brauner Derby, jedenfalls eine gute Marke, denn trotz aller Anzeichen, daß er Jahre lang hier im Sande gelegen haben mußte, war Die Farbe -echt" geblieben. Ich weiß nidfl; was es war, Das mich beim Anblick dieses Hutes in einen jähen Schreck versetzte, so daß ich ihn unberührt auf der Erde liegen ließ. Diese ungewisse Furcht, für welche ich keine Erklärung habe, verstärkte sich, als ich in einem nahen Wacholdergeblisch einen von Ameisen als Domizil ausersehenen Lackschuh sah. Instinktiv ging ich einige Schritte von Der Stätte Des FunDes zurück unD machte Dabei eine EntDeckung, Die genau 9Ö 000- mal so bedeutungsvoll gewesen wäre, wenn sie 20 Jahre früher geschehen wäre. Der Unterstand. Ich sah in der fahlen Dämmerung einen regelrechten Unter ft anD, den nicht ein Wolkenbruch, sondern Menschenhände in dem Abhang einer Heidedüne angelegt hatten. Mit Tannenbohlen war ein Eingang sturmfest gemacht worden, hinter Dem Die schwarze Hohle gähnte. Obwohl meine Streichhölzer schon wieder trocken genug waren, um zu zünden, hielt mich eine merkwürdige Beklemmung davon ab, die Höhle zu beleuchten. Es kostete mich sogar allerlei UeberroinDung, bis ich rufen konnte: „Hallo, ist hier jemand?" Nur Das verschwommene Echo antwortete mir. Der Mond war mittlerweile sichtbar geworden und strahlte seinen Geisterschein auf Die gottverlassene Gegend. Merkwürdig, der nagende Appetit war mir plötzlich vergangen. Wäre ich nicht so hinfällig müde gewesen, ich hätte mir ein entfernteres Lager gesucht. So aber legte ich mich in Der Lichtung mitten auf Den HeidesanD nieder. Nach Wasser zu suchen, hatte ich jetzt keine Lust mehr. Ich sage „Lust", Der Berliner würde es aber wahrscyeinlich „Traute" nennen. Irgendwie spürte ich die ungewisse Hand Des Todes. Ich öffnete meine letzte Flasche Kognak und trank einen großen Schluck. Mein unbestimmtes Furchtgefühl nahm stets zu, wenn mein Blick das im Mondschein düster drohende Wacholdergebüsch sah. Schließlich verfiel ich in einen unruhigen Schlaf... (Fortsetzung folgt.) einige Zett unterspült waren. Auf den Feldern entstand teilweise sehr erheblicher Schaden. politische Schlägereien nach der Wahl. WSR. Limburg, 1. Aug. Am Sonntagabend gerieten an einer Dekanntgabestette von Wahlresultaten Rationalsozialisten und Kommunisten in Streit. Es gab einen großen Menschenauflauf, den die Polizei mit dem Gummiknüppel auseinander trieb. Drei Leichtverletzte wurden festgestellt, mehrere auswärtige SA.-Leute zwangsgestettt. WSR. Diez, 1. Aug. Dor einem Zeitungsaushang kam es in der Rächt nach der Wahl zwischen politischen Gegnern zu Zusammenstößen. Die in einem Lokal versammelte SA. aus Diez und Umgebung eilte herbei, und in kurzer Zeit war eine wüste Schlägerei im Gang. Mit dem Gummiknüppel wurde schließlich die Polizei Herr der Lage. Auf dem Kampfplatz blieben drei Leicht- und ein Schwerverletzter. Bei letzterem handelt es sich um einen bei einem Landwirt in Altendiez beschäftigten Melker namens Riederacher, der Schweizer Staatsangehöriger sein soll. Er erhielt einen Stich in die Lunge. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Buntes Allerlei. Einträgliches Vallspiei im Aultionsrauin. Im Pariser Hotel Drouot, dem großen Ver- steigerunashaus, herrschte dieser Tage anstatt des wimmelnden Lebens und der aufgeregten Gebote, die man hier sonst zu hören gewohnt ist. dumpfe Ruhe und eine bleierne Langweile. Die meisten Pariser sind auf dem Lande, große Dersteige- rungen finden infolgedessen nicht statt, und der „Urväter Hausrat", der jetzt zur Versteigerung kommt, lohnt kaum das Gebot. In einem Raum, in dem aller möglicher Kram an den Mann gebracht werden sollte, ging das Geschäft so schleppend, daß ein paar Der wenigen anwesenden Käu. fer sich damit die Zeit vertrieben, daß sie mit einem alten Kissen, das ebenfalls versteigert werden sollte, Ball spielten. Das brüchige Stück hielt diese ungewohnte Beanspruchung nicht aus, der Bezug zerriß, und aus dem klaffenden Riß fielen — Banknoten heraus. Im Ru war das Bild verändert. Aufgeregt stürzte man sich auf den überraschenden FurG, hastig wurde weiter nachgesucht, und man fand, daß das alte Kissen Banknoten und Wertpapiere im Gesamtwert von 100000 Francs enthielt. Das Kissen hatte zu der Einrichtung einer alten Dame gehört, die ohne Erben und ohne Testament gestorben war und deren Besitztümer nun zur Versteigerung gelangten. Der Vorfall ist wieder einmal ein Beweis für die Leidenschaft so vieler Franzosen, ihren Besitz in ihrem Heim zu „horten". Das Mißtrauen gegen die Banken und gegen die Benutzung von Schecks, das in Frankreich stets geherrscht, ist in den letzten Iahren sehr gestiegen, und die Dame, die ihr Kissen zu ihrem Geldschrank ersah, ist nur eine unter Hunderttausenden. Das J fällt dem Staate anheim. Aber der Vorfall, t:r sich wie ein Lauffeuer durch das Hotel Drouot verbreitete, hatte merkwürdige Folgen. Ungeheure Staubwolken verbreiteten sich nämlich bald durch die Säle und Gänge, denn alle vorhandenen Kissen, Polsterstühle usw. wurden ausgeklopft, um sie auf ihren Inhalt zu prüfen. Und auf den alten Sofas führten eifrige Schatzsucher Indianertänze aus, um sie zur Hergabe der eventuell in ihnen begrabenen Schätze zu oeranlaffen. Einfälle, die Reichtümer brachten. Es ist merkwürdig, wieviel Reichtum man sich mit einem einzigen glücklichen Einfall erwerben kann. Aber wer sich am meisten das Gehirn nach einer solchen Idee zermartert, wird sie wohl am wenigsten finden. Denn auch hier spielt der Zu- sall eine Rolle, und der erleuchtende Gedankenblitz kann bei irgendeiner alltäglichen Beschäftigung, in der Küche oder im Garten, im Bureau oder im Badezimmer plötzlich einschlagen. Einige solche Einfälle, die Reichtümer brachten, werden in einer englischen Zeitschrift zusammengestellt. Iener Tom Huston zu Columbus in dem Union* Staat Georgia hat sicherlich geflucht, als er sich beim Schälen einer Erdnuß den Finger aufritzte. Aber die Wut, die ihn dabei ergriff, brachte ihn auf den Gedanken, eine Maschine zum Schälen von Erdnüssen zu erfinden. Er stellte dann auch einen Apparat her, mit Dem man Die Erdnüsse rösten kann, und so wurde der Ritz im Finger der Anlaß, daß er nach vier Iahren zum Mil* Itonit geworden war. Gin Zufallsgedanke war auch der Anfang eines Welkgeschäfts, das ein Barbier aus dem Londoner Viertel Soho be* gründete. Er kam auf den Einfall, eine durchsichtige Seife zu schaffen, und heut ist sein Rame in allen Teilen der Erde verbreitet. Er hieß Andrew Pears. Die Fabrikanten, die heute mit dem Glasieren von Töpferwaren Geld verdienen, verdanken ihren Wohlstand einer Hausangestellten, die auf einen Topf aufpassen sollte, in dem Salzlauge kochte. Sie schlief ein, und als sie auf* wachte, entdeckte sie, daß daS Salzwasser überge* laufen war und den Topf glasiert hatte. Ihr Herr wurde durch diese zufällige Unachtsamkeit reich. Viele Gegenstände, deren wir uns heute alltäglich bedienen, sind durch zufällige Einfälle entstanden. Ein Mann namens Palmer kam auf Die glückliche Idee, die Korken Der Bierflaschen durch Metallkappen zu ersetzen. Rachdem er einen Geldmann gefunden hatte, der Die Herstellung im Großen in die Wege leitete, hat er mit dieser Erfindung ein Vermögen verdient. Ebenso wurde ein gewisser H. L. Lipman zum reichen Manne, als er Bleistifte herstellte, die am Ende mit einem Radiergummi versehen waren. Die gewellte Haarnadel, das Löschpapier, wasserdichte Stoffe und noch viele andere heut in Der ganzen Welt als praktisch erkannte Dinge sind durch solche Zufalls-Einfälle entstanden unD haben Reichtümer gebracht. ©JL-'fpont Deutsche Studentenkampsspiele. hervorragende Leistungen der Schwimmer. Am Vorabend der Deutschen Studentenspiele, die diesmal Freiburg im Breisgau zum Schauplatz haben, gab cs eine schlichte Feier in der Aula der Freiburger Universität. Die sportlichen Wettbewerbe fetzten dann in der Frühe des Samstags ein und ■füllten den ganzen Tao aus. 36 große Flaggen in den Farben der deutschen Länder und Hochschulen belebten das Bild. Aschen- und Sprungbahnen des Stadions befanden sich in bester Verfassung. Während hier die ^Leichtathleten um den Sieg kämpften, trugen die Schwimmer i m Schwimm-Stadion des Titisees mit seiner 50-Meter-Bahn ihre Kämpfe aus. Nicht weniger als vier neue deutsche S t u d e n t e n - B e st l e i st u n g e n konnten dabei erzielt werden, und zwar für Studentinnen im 100-Meter-Rückenschwimmen durch Lola Baer-Frankfurt a. M. mit 1:40,7 Min., im 100-Meter-Brustschwimmen ebenfalls durch Lolo Baer-Frankfurt mit 1:37,2 Min. und im 100= Meter- Crawlschwimmen durch Frl. Lilien- t Hal-Berlin mit 1:37,6 Min. Die vierte Bestleistung wurde durch die Technische Hochschule Hannover in der 3-mal-100-Meter-Lagenstaffel mit 3:59,1 Min. aufgestellt. Die Wasserball-Meisterschaft fiel an die Universität Köln, die im Endspiel nach hartem Kampf über die Technische Hochschule Darmstadt siegte. Lebhaften Beifall gab es für die famosen Leistungen, die der Sieger im Kunstspringen, V i e b a h n - Berlin, zeigte. Leichtathletik am Sonntag. Am Sonntag sanden unter reger Anteilnahme der Freiburger Bevölkerung im Universitätsstadion die Hauptkämpfe in der Leichtathletik statt.^denen acht sehr exakte Freiübungen sämtlicher 800 Teilnehmer voraufgingen. Am Vormittag und in den frühen Nachuüttagsstunden waren zunächst die schon am Samstag begonnenen Mehrkampsübungen beendet worden. Es gab wieder auf allen Gebieten recht gute Leistungen, die eine erfreuliche Entwicklung in der Dualität des deutschen Hochschulsports dokumentierten. Die Studentinnen warteten auch hier mit einigen neuen Bestleistungen auf. So verbesserte Frl. B e ck e r - Frankfurt im Zwischenlauf die deutsche Bestleistungen für Studentinnen über 100 Meter auf 12,0 Sek. und im Kugelstoßen schraubte Frl. M a u e r m e y e r - München die Bestleistung von 10,60 auf 11,68 Meter. schlossen werden. So kam „Stummel" mit W. I a n se n-Duisburg in 2:01,56 zum Titel. Die Plätze belegten „Mephisto" mit H. B a i e r - Krefeld in 2:01,59 vor „Vagant" mit Sy Bax - Ruhrort in 2:03,39. Europa-^unbflug 1932. Der Acro-Club von Deutschland als Veranstalter des diesjährigen Europa-Rundflugcs veröffentlicht jetzt die genauen Termine für die dem eigentlichen Flug vorausgehende T c ch ° nische Prüfung und die Einzelheiten über den Streckenflug selbst. Die Technische Prüfung findet auf dem Flughafen Staaken vom 12. bis 20. August statt. 2lm Rachmittag werden sämtliche teilnehmenden Flugzeuge nach dem Berliner Flughafen Tcmpelhof übergeführt, wo dann am 21. August der Start zum Streckcnflug erfolgen wird. Die Startreihenfolge wird durch dos Los bestimmt. Die Gesamtstrecke muß in sechs Flugtagen über insgesamt 7 3 4 7,7 2 0 Kilometer bewältigt werden und ist in drei Groh- Flugetappen von je 2500 Kilometer eingeteilt. Jede Etappe muh in zwei Flugtagen zurückgelegt werden, nach der zweiten Teilstrecke ist in Paris am 25. August ein Ruhetag eingelegt. Die Flugzeuge werden am 27. August wieder in Berlin erwartet. Zielpunkt ist der Flugplatz in Staaken. An den grohen Streckcnflug schlicht sich eine Geschwindigkeits-Prüfung an, die in Form eines kleinen Streckenfluges auf dem Kurs Staaken—Tcmpelhof—Frankfurt a. d. O —Kirchhain—Dobrilugk—Tempelhcf durchgeführt wird. Der Start hierzu ist für Sonntag, 28. August, nachmittags, angeseht, und zwar werden die Teilnehmer in der Reihenfolge abgelassen, dah der Sieger als erster auf dem Tcmpelhofer Flughafen eintrifft. Elli Beinhorn beim Curopa-Rundflug. Auf dem Empfang, den der Aero-Club von Deutschland den beiden zurückgekehrten Weltfliegerinnen Elli Beinhorn und Marga v. Etzdorf gab, wurde Frl. Beinhorn die Mitteilung gemacht, dah die bekannte Flugzeugfabrik Ernst Heinkel ihr einen neu konstruierten Apparat „H E 64" zur Teilnahme am Curopa-Rundflug 1932 zur Verfügung stelle. Elli Beinhorn wird nun neben der Engländerin Mih S p o o n e r die einzige Frau unter den Teilnehmern des diesjährigen Rundfluges sein. Der Heinkel- Apparat wird mit einem Argus A. S. 8-Motor ausgerüstet, der sich schon bei ihrem Weltflug bestens bewährt hat. Kurze Gporinoiizen. Die vierte Etappe der Internationalen Alpenfahrt wurde am Montag nach einem Ruhetag in St. Moritz über 347 Kilometer nach Strefa gefahren. Nach dieser Etappe find noch 58 von den gestarteten 99 Fahrern strafpunktfrei geblieben. Das Züricher Flugmeeting wurde am Sonntag mit dem Geschwindigkeitswettbewerb abge- schlaffen. Schnellster war der Italiener Major Ca- jinelli, der ein Stundenmittel von 343,075 Kilometer flog. * ZuÜen deutschen T e n n i s mei st e r s cha f- ten in Hamburg wurden von 12 Nationen Meldungen abgegeben. Eine große Anzahl bekanntester Spieler werden sich ein Stelldichein geben. * Rudolf Caracciola hat seine Meldung zu dein am 6. und 7. August stattfindenden Klausenpah-Rennen abgegeben. Eine „Europa-Trophäe" für Straßen-' fahrcr wird am 6. September auf einer Rundstrecke bei Brahcaert in Belgien ausgctragen. An dem 100-Kilometer-Rennen werden sich auch einig« deutsche Fahrer beteiligen. * Die Großen Preise der Republik für Traber und Galopprennen in Preußen werden künftig nicht mehr gelaufen. Der Fortfall ist eine Folge der Sparmaßnahmen der preußischen Gestüts- oerwaltung. , Deutsche Golfmeifterin 1932 wurde in Frankfurt Nora Haag-Benzinger, die in der Schlußrunde über 36 Locher die Engländerin Miß Rudgard ganz klar 5:3 schlug. Beim 19. Loch in der zweiten Runde erreichte Frau Haag, die Gattin des bekannten Hockeri-Jnternationalen, den Gleichstand und zog dann mit Vorsprung davon. Olympia 1932. Leichtathletik-Wettkampf Westdeutschland — Ostholland. Die Ergebnisse. 10 0 Meter: 1. Buhte-Pieper-Westdeutschland 11 Sek.: 2. Vandcnberghe-Holland 11,2; 3. Jansen- Holland 11.4; 4. Bergmann-Westdeutschland 11,5. 4 00 Meter: 1. Bergmann-W. 51,2 Sek.; 2. Sieruß-H. 51,6; 3. Kisters-W. 51,9; 4. Ostermeyer-H. 52 Sek. 800 Meter: 1. Gausepohl-W. 2,00,3 Min.; 2. Ernes-H. 2,04,3 Min.; 3. Weber-W. 2,04,4; 4. Robert-H. — 1 5 0 0 Meter: 1. Bergmann-W. 4:22,2; 2. Gerull-W. 4:23,8; 3. Boys-H. 4:26.4; 4 Dop-H. — 5000 Meter: 1. Keim-W. 15:58,2 Min.; 2. Schaumburg-W. 16:00,3; 3. Bakkers-H. 16:47,3. I 10 Meter Hürden: 1. W. Kaan-H. 15,4; 2 A. Kaan-Holland 16,2; 3. Wienicke-W. 17; 4. Poilmann-W. 16,3 (als Dritter distanziert). Im al 100-Meter-Staffel : 1 Westdeutschland (Bergmann, Molle, Halfmann, Buthe- Pieper) 42,5 Sek.; 2. Holland 43,8 Sek. Hochsprung: 1. Hofmann-Holland 1,825 Meter; 2. Plieth-Westdeutschland 1,80 Meter; 3. Steche- messer-W. 1,75 Meter. W e i t f p r u n g : 1. van Welsenes-H. 7,25 Meter; 2*de Boer-H. 7,02; 3. Halfmann-W. 7,01; 4. Mölle 6,19 Meter. S t a b h o ch fpruna : 1. van der Zee-H. 3,80 Meter; 2. Harn-Westdeutschland 3,70 Meter; 3. Zwiza- W. 3,60 Meter; 4. Keyfer-H. 3,50 Meter. Speerwerfen: 1. Mcil-Holland 54,36 Meter; 2. Vögelin-W. 54,13 Meter; 3. Hoffmeister-W. 54,07 Meter; 4. Vißer-Holland 52,40 Meter. Diskuswerfen: 1. Hoffmeister-W. 43,07 Meter; 2. de Bruyn-H. 42,13 Meter; 3. Kilo-W. 41,85 Meter; 4. Eijskar-Holland 40,13 Meter. Deutsche Kanu-Segel-Meisterschast. Auf dem Bert'hafee bei Duisburg wurde am Sonntag im Rahmen weiterer Wettbewerbe die deutsche Meisterschaft im Segeln der 71/2,qme Kanuklasse ausgetragen. Auf dem dreimal zu rundenden Kurs über je eine Seemeile erzielte der Verteidiger Maas - Homberg die beste Zeit, er muhte jedoch wegen zu spaten Starts ausge» Der erste Tag der Leichtathleten. — Teilerfolge der Deutschen. Auf dem Hauptkampfplatz des Olympischen Stadions begannen am Sonntagnachmittag (kalifornische Zeit) bei einer Gluthitze und vor 25 100 Zuschauern die Leichtathleten-Wettbewerbe. In der Hauptsache war dieser Tag den Vorkämpfen gewidmet, es gab aber auch bereits einige Entscheidungen. In den Vorkämpsen über die 100-Meter-Strecke qualifizierten sich zunächst die deutschen Sprinter Jonath, Gecr- l i n g und Körnig für die Zwischenläufe. Jonath erreichte in seinem Laus als leichter Sieger die olympische Rekordzeit von 10,6 Sekunden. Der Westdeutsche lief im Zwischenlauf mit 10,5 Sekunden noch besser, wurde aber von dem amerikanischen Negersprinter Tolan noch übertrumpft, der in feinem Zwischenlauf mit 10,4 Sekunden einen neuen olympischen Rekord buchte. Körnig kam als Zweiter seines Zwischenlaufs hinter Simpson (USA.) noch in die Vorentscheidung, dagegen konnte Geerling im nächsten Zwischenlauf nur Fünfter werden und schied damit aus. — Der einzige deutsche Teilnehmer über die 4 0 0 - Meter- Hürden, der junge Kölner Student Natt- brock, wurde in seinem Dorlauf hinter dem Irländer Tisdall Zweiter und kam dadurch in die Vorentscheidung, in der er aber gegen die beste internationale Klasse unterlag. — Für die 800 Meter gab cs drei Vorläufe. Im zweiten qualifizierte sich Dr. P e l tz e r als Dritter in der guten Zeit von 1:53,6 Minuten für die Entscheidung, während der Kasselaner Danz im dritten Vorlauf nur Fünfter wurde und damit ausschied. Erste Entscheidungen. 3m Kugelstoßen holte sich Amerika seine erste Goldmedaille. Sexton siegte mit 15,99 Meter vor seinem Landsmann Rothert mit 15,845 Meter und dem Tschechen Douda mit 15,66 Meter. Unser Weltrekordmann Hirschfeld konnte hier mit 15,565 Meter nur Vierter werden, Sievert belegte mit 15,05 Meter den sechsten Platz. Sensationell verlief der 1 0 000-Meter- Lauf, den schließlich der Pole Kusoczinski in der neuen olympischen Rekordzeit von 30:11 Min. vor den beiden Finnen 3sohollo und Virtanen gewann. Der Deutsche Syring belegte hier hinter dem Reuseeländer Shavadon und vor dem Schweden Lindgreen einen sehr schönen fünften Platz. Eine silberne und eine Bronze-Medaille für Deutschland gab es im Speerwerfen der Samen. Siegerin blieb die Amerikanerin Di- drickson mit der neuen Weltrekordleistung von 43,71 Meter vor den beiden deutschen Damen Ellen Braumüller 43,53 und Tilly Fleischer 43,33 Meter. Ganz überraschend endete für die Amerikaner der Hochsprung, ihre Ur- domüne. Sieger blieb nämlich nicht ein Amerikaner, sondern der Kanadier Raughton mit 1,96 vor dem USA.-Mann R. van Ostel und dem Philippinen Toribio. Erste Goldmedaille für Deutschland. Den ersten Olympiasieg für Deutschland holten, wie 1928 in Amsterdam, auch diesmal wieder die Gewichtheber. Der Münchener Student Ismayr siegte in der Mittelgewichtsklasse mit der Gesamtleistung von 345 Kilogramm vor dem Italiener Oalimbcrti 340 Kilogramm und dem Oesterreicher Hipfinger 337,5 Kilogramm. — In der Federgewichtsklasse holte sich Frankreich seinen dritten Sieg. Suvigny siegte mit 287,5 Kilogramm vor dem Deutschen Wölpert mit 282,5 Kilogramm und dem Amerikaner Ter- lazza 280 Kilogramm. Eine leichte Enttäuschung gab es für uns im Schwergewicht, wo Straßberger-München mit 377,5 Kilogramm nur Dritter wurde. Sieger blieb der Tscheche Cobler mit 380 Kilogramm. — Die Länderwertung .im Ringen sieht Frankreich mit 9 P. vor Deutschland und Tschechoslowakei (je 5), Italien, Oesterreich (je 3), Dänemark und USA. (je 2) in Front. Entscheidung im Olympischen 100-Meter-Lauf. Bei der Entscheidung im Olympischen 100-Meter- Lauf wurde der deutsche Arthur Jonath dritter hinter den amerikanischen Negern Tolan und Metcalfe, die beide mit 10,3 Sekunden einen neuen olympischen Rekord aufstellten, während Jonath in 10,4 Sekunden am Ziel anlangte. Wirtschaft. * Beschäftigung für d ie Siegener Industrie. Die Siegener Maschinenbau-AG. in Siegen hat seit geraumer Zeit Verhandlungen wegen der Uebernahine eines großen Russenaustrages geführt, die am Montag zum Abschluß gekommen find. Es handelt sich um ein Objekt im Werte von etwa 3 Mill. RM. Der Auftrag lautet auf Wal.zwerk anlagen für QualitätsHleche und Feineifen, wodurch eine Beschäftigung auf die Dauer von etwa 10 Monaten gewährleistet wird. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die noch schwebenden Verhandlungen eine wesentliche Erhöhung des Auftrages bringen werden. * A G. für Zellstoff- und Pa pierfabri- kation, Aschaffenburg. Nach dem Geschäftsbericht für 1931 der AG. für Zellstoff- und Papierfabrikation Aschaffenburg, hat sich die Produktion der Gesellschaft in Zellulose gegenüber dem Vorjahre um 31 Prozent verringert, während sie in Papier annähernd gleich blieb. Die Betriebsgewinne • gingen auf 4,24 (7,74) Millionen Mark zurück, der Ertrag aus Effekten und Beteiligungen ist mit 0,22 (i. V. Ertrag aus Effekten 0,008) Millionen Mark und Valutadifferenzen find mit 1,55 (—) eingesetzt. In den Generalunkosten von 2,74 (3,53) sind erstmalig die der Werke Hoesch mit enthalten. Die Zinsen und Spesen für Hpyotheken und Bankschulden sind infolge der Erhöhung der Zinssätze und der Verbindlichkeiten auf 3,27 (1,38) Millionen Mark gestiegen. Nach Abzug des Gewinnvortrags aus 1931 von 0,21 Millionen Mark und bei Abschreibungen auf Anlagen von 1,80 (1,56) Millionen Mark wird ein Verlust von 3 945 272 Mark ausgewiesen, der durch Heranziehung des gesetzlichen Reserve- fonds von 2,30 Millionen Mark teilweise gedeckt und mit einem Restbetrag von 1625 272 Mark vorgetragen werden soll. Weiterer CRücfgong der Konkurse und Vergleichsverfahren. Nach Mitteilung des Statistischen Reichsamts wurden im Monat Juli 1 932 durch den „Reichsanzeiger" 629 neue Konkurse — ohne die wegen Massemangels abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung — und 461 eröffnete Vergleichsverfahren befanntgegeben. Die betreffenden Zahlen für den Vormonat stellten sich auf 704 bzw. 627. Frankfurter Abendbörse behauptet. 5 r a n t f u r t a. M., 1. August. Die Abendbörse zeigte keine größere Veränderungen, die festen Schlußkurse des Mittagsverkehrs konnten sich behaupten. Das Geschäft war sehr still, da die Spekulation wegen Fehlens von Publikumsaufträgen Zurückhaltung bekundete. Die Grundstimmung war aber weiter fest, wobei die freundliche Tendenz der Auslandsbörsen anregte. In dem Aufruf des stellvertretenden Reichskommissars sieht die Börse erneut den Willen der Regierung, die Ruhe und Drb=. nung im Reiche zu sichern. Im Verlaufe blieb das Geschäft still und die Surfe unverändert. Lediglich Aku, die auf höhere Amsterdamer Meldungen 1,25 v. H. anzogen, blieben noch beachtet. — Am Rente n m a r k t waren deutsche Anleihen behauptet. Altbesitz 48,20, Neubesitz 5,70, Schutzgebietsanloihe- 3,15, stfeichsbank 126, Gelsenkirchen 34,25, Mannesmann 40, Rheinstahl 50, Stahlverein 12,25, Alu 38,25—38,75, AEG. 29,25, Bemberg 35, Scheideanstalt 136,25, IG. Farben 90, Gesfiirel 61,25 bis 61,50, Rütgerswerke 33,50, Reichsbahn-VA. 76,25. Hapag 13. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) F. 2TL, Gießen. Die Bücher sind durch den Kauf Ihr Eigentum geworden, und Sie müssen sie behalten, solange die Lieferfirma noch etwas von Ihnen zu fordern hat und der bestehende Eigentumsvorbehalt nicht erloschen ist. Wenn Sie sich der Bücher durch Verkauf vorsätzlich entäußerten, könnten Sie wegen Unterschlagung angezeigt werden. Sie haften auch der Lieferfirma für vorsätzliche oder außergebrauchsmäßige Beschädigung des Kaufobjekts. Langfristige Wettervoraussage IDitterungsoorausfage für Rorddeulschland westlich der Oder, west-, Mittel- und Süddeutschland (ohne Alpenvorland) für die Zeit vom 2. bis 11. August. Herausgegeben von der Staat!. Forschungstelle für langfristige Witterungsooraussage inFrankfurt a.M. Die Witterung wird in den nächsten zehn Tagen vielfach heiter und warm, im großen und ganzen auch ziemlich trocken fein. Das hn allgemeinen freundliche Wetter wind aber zuweilen durch gewittrige Störungen mit Abkühlung und Niederschlägen unterbrochen werden. Daten für Dienstag, 2 August. 1914: Deutscher Einmarsch in Luxemburg. — Ultimatum Deutschlands an Belgien. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 v. H, Lombardzinsfuß 6 v. H. Frank,ur. jjI. ätriui Schluß- kurs Schluß». Abend- hörte Schluß» furd Schluß! Millag« hörfe Datum 30 7. 18. 30 7. 1.8. 6% Deutlche Relchsanleche v. ISS« 7% Deutsche Reichsanleihe v. 1929 60.75 61 61.5 . ------------------- 66,3 67 67 67.65 6%% Doung-Anleihe von 1930 . Deutsche Anl^-Ablöi^Schuld mH — 58,5 56,25 58,5 AuSlos.-Rcchlen....... 46,65 48.2 46,5 48,13 Dcsgl. ohne Auslos.-Rechte . 6% Hess. Bolk-staat von 1929 5,75 5,7 5,65 5,8 -rückzahsb. 102%)...... Lberhessen Provinz-Anleihe mit —- — — Auslos.-Rechten . . . . T-utsche Komm. Gammelabl. 40,5 42 — — Anleihe Serie 1....... 8% Franks. Hyp^Bank Goldpse 43 44,5 43,4 43,75 15 unkündbar bis 1935 .... 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse 69,5 70,25 — —— unkündbar bis 1936 Serie 16 . <’/j% Franks. Hyp.-Bank Ltau> Psandbriese......... *y2% Rheinische Hyp.-Bank-Ltgu 69 69 — — 77,75 79,5 — — Goldpse...... - - - B% Pr. LanvespsandbriesaniiaU, 80 81 — — Psandbriese R. 19..... 7% Pr. Landespsandbriesanstalt, 69 68,5 68 68 Pfandbriefe R. 10 68 68 — — <% Oösterreichische Golbrenie . . 10,25 10,5 10,65 10,65 *,20% Oösterreichische Silberrente 1 1 — 4% Ungarische Goldrente . . 6 6 6 6 4% Ungarische Staalorente v. 1910 6,5 6,5 6,6 6,4 4>/r% desgl. von 1913 ... 6% abgest. Goto Mexikaner von 99 5,2 4,75 ___ 4,7 5 4?o Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe 3,25 3,4 3,5 Serie 1 ...... 4% desgl. Serie II....... 3,3 3,3 3,35 — 3,65 6% RumSn. vcreinh. Rente v. 1903 4Z4%Rumän.verelnh.Rentev.l913 _ 7,4 7 7 4% Rumänische vereinh. Rente . 8,6 3 75 216% >- Anatolier ...... — — 17,9 17,5 Franriuri a. JJI. Berlin Schluß» kurs Schlußl. Abend- börtr Schlußkurs Schlußl. JJlitlog» börte Datum 307 1.8. 30.7. 1.8. Hamvurg-Amerita Pate. Hamburg-Südam. Dampsschiss . t 12.69 13 12,25 12,9 . 0 Hansa Dampsschiss ... . 0 — - — — Norddeutscher Lloyd .... . 6 13.75 14,4 13,75 14,25 A.G. für Verkehrswesen Akt. 31,5 31 33 Berliner HandclSgeselljchast . 8 89,5 89,5 89,5 Commerz- und Privat-Bank . Darmstädter und Nationalban 7 16 16 53,5 53,5 8 18,5 18,5 18,5 18,5 Deutsche Bank und Disconto-GeseUschast. . . 6 75 75 75 75 Dresdner Bank...... 6 18.5 18,5 18,5 18,5 Retchsbank........ 12 126 126 126,65 126,5 81.G.®........... . 7 28,75 29,25 28,75 28,75 Bergmann........ . 9 — 21 Elektr. Lieserungsgesellschast. 10 59 60 61.75 60,25 Licht und Kraft . . 10 73 73 72,75 73,25 Fellen & Guilleaume.... 6'/i 38 37 38 38.25 Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen . . . 9 61.5 61.5 61,25 61,4 Rheinische Elektrizität . . . . 9 64 64 64 64,5 Schuckeri & (So....... 11 64,75 65 64.25 64,75 Siemens & Halske..... 14 122 123 121,5 124.25 Lahmeyer L Co....... 12 82 86 82,13 83.75 Buderus -......... 4 — 26,5 27 27 Deutsche Erdöl..... 5 72 73 71.65 72.75 Gelsenkirchener...... 8 33,5 34,25 34 34 Harpener......... O 50 50,5 50,5 51 Hoesch Eisen........ 6 — —— 23,5 23,13 Ilse Bergbau....... 10 — — — — Ilse Bergbau Genüsse . . . . — — 95 95 Klocknerwerle...... 6 22 —— 22 21.75 Mannesmann-Röhren . . . 6 37,9 40,4 37,5 39,65 Mansselder Bergbau .... 0 11 11 11 11,25 Oberschlei. Kokswerke . . . 8 30,75 31,5 14,4 Phönix Bergbau...... * 7i — 14,4 14,9 Rheinische Braunkohlen. . . 10 173 176 174,5 175 75 Rhetnstahl ........ 6 49 50 49,75 50,4 Franlsurt a. 2J1. Äerlin Schluß- kurs Schluß! Abend- hörte Schluß» lurs Schlußk. Mittag, hörte Datum 30 7. 1.8. 30 7. 1.8. Riebeck Montan...... 7,2 — — — — Bereinigte Stahlwerke . . . 4 13 12,25 12,25 12,13 Otavi Minen......16'/, 12 11,9 12,5 11,9 Kaliwerke Aschersleben . . . 10 93.5 94 94 94,5 Kaliwerke Westeregeln . . . 10 104 — 101,5 — Kaliwerke Salzdetfurth . . . 15 163 162,5 164,25 163,5 I. ®. Farben-Industrie . . . 12 89,9 90 89,75 90 Verein, chem. Industrie Frank. furt a. 'Di......... —— — —— Scheideanstalt....... 10 135 136,5 — — Goldschmidt........ 0 17 17 17,25 16,65 Rütgerswerke....... . 6 33,25 35,5 32,65 33 Melällgesellschaft...... 6 25,75 25 25,5 — 'lihtllpu Holzmann . . . » . 8 33 36 35 37 ZementwerfHeidelLerg. . . Eementwerk Karlstadt. . . . 7 7 35 35 35 31 Wayß & Freytag..... 0 4 4 — Schultheis Patzenhoser . . . 15 — — 56 57,13 Aku (Allgemeine Kunstseide) 0 34,75 38,75 35,65 37 Bemberg....... O 31,5 39 31,5 33 Zellstoff Waldhos .... 12 29 29 29 29,75 Zellstoff Aschaffenburg . . . 6 18,75 18,5 19,75 — Dessauer Gas....... . fi — — ■ 86,9 Daimler Motoren..... . 0 12,75 13 13,25 13,5 Deutsche Linoleum .... . 5 31 31,5 —— Orenstein & Koppel .... . O 22,9 22,65 Leonhard Tietz . . 8 44 44,5 45,25 45 Svenska....... 15 — Tbade......... 172,5 166 169 166 Frankfurter Maschinen . . O _ Gritzner . O 17 17 _ Mainkrastloerke Höchst a. M.. . 6 _ Süddeutscher Zucker .... 10 — 107 — — Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. ITC. 30.3U11 1 .August Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld »rief Geld Briet Helsingfor« . 6,344 6,356 6,344 6,356 Wien. . . . 51,95 52,05 51,95 52,05 Prag . . . 12,465 12,485 12,465 12,485 Budapest . . —— — —— — Sofia . . . 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland . . 169,53 169,87 169,58 169,92 Oslo.... 73,93 74,07 73,93 74,07 Kopenhagen. 79,47 79,63 79,52 79,68 Stockholm . 75,72 75,88 75,82 75,98 London. . . 14,73 14,77 14,75 14,79 Buenos Aires 0,913 0,917 0,913 0,917 Neuyorl . . 4 »209 4,217 4.209 4,217 Brüssel. . . 58,31 58,43 58,34 58,46 Italien. . . 21,41 21,45 21,41 21,45 Paris . . . 16,465 16,505 16,475 16,515 Schweiz . . 81,77 81,93 81,82 81,98 Spanien . . 33,82 33,88 33,87 33,93 Danzig. . . 81,92 82,08 81,92 82.08 Japan . . . 1,159 1,161 1,159 1.161 Rio de Ian.. 0,325 0,327 0,325 0,327 Jugoslawien. 6.693 6,707 6,693 6.707 Lissabon . . 13,49 13,51 14,49 13,51 Banknoten. Berlin, 1 August Geld Artef Amerikanische Noten . . . 4,20 4,22 Belgische Noten ..... » Ä Ä . 58,18 58,42 Dänische Noten ..... 79.34 79,66 Englische Noten ..... Ä Ä Ä Ä 14,71 14,77 Französische Noten .... 16,435 16,495 Holländische Noten ...» 169,21 169,89 Italienische Noten .... 21,37 21,45 Norwegische Noten.... .... 73,75 74,05 Deutsch-Oesterreich, 4 1OO Schilling — — Rumänische Noten .... 2,49 2,51 Schwedische Noten .... 75,65 75,95 Schweizer Noten..... 81,64 81,96 Spanische Noten. . . . . 33,73 33,87 — —