ltt.179 Erstes Blatt 182. Jahrgang Dienstag, 2. August 1932 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Di« Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanschlüffe unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Gietzeu. voftfcheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen VniS und Verlag: vrühl'sche Univer^ltttr-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Siehrn. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Bietzen. Ignaz Seipel f. Dien, 2. Aug. (2DI23. Funkspruch.) Der frühere österreichische Bundeskanzler Dr. Seipel, der seit drei Wochen im Sanatorium Waldfrieden zur Erholung weilte, ist heule u m 7.30 Uhr im 56. Lebensjahre gestorben. Rene Kraus entwirft im folgenden Aufsatz von dem bedeutendsten österreichischen Staatsmann der Nachkriegszeit eine ungewöhnlich plastische Porträtskizze, die den verstorbenen zeigt, wie er noch auf dem Gipfel feiner politischen Wirksamkeit stand. Poincnre ist der einzige Preuße in Frankreich, Lloyd George der einzige Franzose in England — und in dieser Verschiedenheit der Führerpersönlich- keit von den faszinierten Massen wird wohl die Einmaligkeit ihres Erfolges begründet sein. Die Sache mit Seipel liegt nicht viel anders. Auch dieser letzte Oesterreicher ist gar nicht recht österreichisch. Er führt ein puritanisches Leben zwischen Arbeits- -stnrmer und Klosterzelle, trachtet nach der Wesen Tiefe und war noch nie in einem Kaffeehaus zu sehen. Außerdem ist er unter sechseinhalb Millionen Menschen der einzige, der genau weiß, was er will. Freilich: nur er weiß es und sein Herrgott. Parlamentarische Interpellanten, Interviewer und Zuhöherer feiner ideenreichen Vorträge haben nach seinen Ausführungen immer den Eindruck: Wie haarscharf und sonnenklar hat er da seine Pläne —--verschwiegen! Aber er hat Pläne. Mehr noch: einen Plan! Auch das unterscheidet ihn von seinen Landsleuten. ♦ Der Fall Seipel ist mit dem Zerfall der Habsburger-Monarchie untrennbar verbunden. 3m letzten k. u. k. Kabinett tauchte plötzlich der Moraltheologe der Wiener Universität auf, dessen Name bisher nur einem engen Kreis katholischer Pazifisten bekannt war. Als der Führer dieses Kreises, Hofrat L a m m a s ch , die Führung im Staat übernahm — vielleicht einige Jahre zu spät, vielleicht auch einige Jahrhunderte wurde Professor Seipel Dolksgesund- heitsminister. In seinem Ressort wird er sich wohl kaum haben umsehen können. Dazu reichte die Zeit nicht mehr, die der Monarchie noch vergönnt war. Aber der Verwalter des am wenigsten politischen Portefeuilles war der einzige, der im Chaos des Zusammenbruches nicht die Besinnung verlor. Als Beauftragter seines kaiserlichen Herrn setzte er sich mit dem neugebildeten republikanischen Staatsrat auseinander, in einem Augenblick, da die erprobten Diener des Kaisers die Aufforderung des letzten Sachsenkönigs an die revolutionäre Menge, „sich ihren Dreck alleene zu machen", bereits als ausreichenden Grund für absolute Passivität zu betrachten schienen. Begreiflich: der Mensch hat Nerven ... nur Seipel hat keine. Er hat seine Nervenlosigkeit immer wieder bewiesen. Als ein paar aufgeregte Herren von der Opposition erklärten, der Fanatismus der wildgewordenen Straße ließe sich nur durch neuen Umsturz bannen, als ein paar Jahre vorher die Kugel des Attentäters in seiner Brust stak und er kaum mehr ... „Nicht schlagen!" röcheln konnte — nie hat er ein zu lautes Wort gesprochen und nie eine überflüssige Bewegung gemacht. Beherrscht sein ist alles — um zu beherrschen. Er ist ein ausgeklügelt Buch, er ist kein Mensch mit seinem Widerspruch. * Um zu beherrschen... Hier, scheint mir, liegt das Problem Seipel, dem alles Leben zum Problem wird und der selber eines ist. Machtwille allein ist es natürlich nicht. Beherrschen, um zu dienen — das wird es sein. Dieser österreichische Asket (wenn diese contradidio in adiecto gestattet ist) ist nicht nur der Diener, er ist der Besessene einer Idee. Welcher Idee er sein Leben weiht, hat er niemals ausgesprochen. Roma triumphans, Frieden auf Erden, Freiheit des deutschen Volkes unter anderen freien Völkern, Wiedergeburt Oesterreichs und vor allem Wiederbelebung des Altösterreichertums — von all dem wird ein bißchen dabei sein. Und das alles ist gewiß in ein kristallklares weltumspannendes System gefügt, das in Tausenden und aber Tausenden stillen Nächten ersonnen wurde. Tagsüber kümmert er sich um Mietzinssteigerung und Beamtenbefoldungs- schema. Oesterreichisches Schicksal: Geboren sein, um einen mittelalterlichen Kirchenstaat zu regieren und berufen, das bißchen „souveräne Republik" zu sanieren, die das Dokument von St. Germain übrig ließ. Es ist ein trauriges Gewerbe. Und ein undankbares. Er ist an allem schuld. Seipel-Sanierung, Seipel- Krone, Seipel-Erwerbslosigkeit, Seipel-Steuer ... die Opposition, die in Wien noch ein bißchen skrupelloser ist, als das zum guten Ton der Unentwegten gehört, sorgt für die Popularisierung seines Namens. Am ersten Mai tragen sie Galgen über die Ringstraße spazieren, von denen sein verzerrtes Ebenbild herunterbaumelt. Weil Oesterreich nämlich ein Staat ohne politische Probleme ist. Keine Außenpolitik, keine Kulturkämpfe, keine Wirtschaftsentwicklung. 2£uf diesem engen Raum können Menschen und Dinge wirklich nichts anderes machen, als sich stoßen. Er war unser... wird man von Seipel eigentlich nicht sagen können. Unser einer ist er nie gewesen. Unvorstellbar, daß er der fleinbürgerlichen Atmosphäre der Wiener Borstadt entstammt. Dieser Mann, der nur zur Menschheit Beziehungen hat aber zu keinem engeren Kreis von Zeitgenossen als diesem, steht allein in der Welt. Die Opposition brachte einmal das Märchen auf, der Bundeskanzler ließe feine Mutter hungern. Natürlich war die Propagandalüge, die man: Was sagt der Reichskanzler zum Wahlergebnis? papen fordert vom neuen Reichstag die Möglichkeit zur Fortführung des Wiederaufbaus- Oie Verfaffungs- und Verwaltungsreform soll im Reich und in Preußen weiter vorangetrieben werden. — Energisches Einschreiten gegen Ruhestörer jeder Parteirichtung. Berlin, l.Aug. Der Reichskanzler gewährte dem Vertreter der Associated Preß Louis P. Loch- ner ein Interview, in dem er rundweg und un- zweideutig erklärte, seine Regierung beabsichtige keinesfalls, sich um die Bildung einer Koalition im Reichstag zu bemühen, die zur Unterstützung der Reichsregierung auf die Parteien angewiesen ist, aus denen sie sich zusammensetzt. Der Reichskanzler erklärte dann: Denn die Wahl überhaupt eine besondere Bedeutung gehabt hat, dann besteht diese darin, daß das deutsche Volk das Ve st reden der Regierung gutgeheihen hat. das Land von der Parteikontrolle zu befreien, was wir verlangen, ist, daß unser Bemühen, Deutschland von seinen Schwierigkeiten zu befreien, geduldet werde. Meine Kollegen Und ich wollen mit unserem Programm ousbauenden Strebens vor den Reichstag treten, um feine Mitglieder vor die Entscheidung zu stellen, ob sie uns angesichts des dringenden Bedürfnisses nach objektiver, unparteilicher Arbeit aus dem Sattel zu werfen wagen. Der Gedanke an die Möglichkeit eines Mißtrauensvotums schien den Reichskanzler, wie der Vertreter des Associated Preß bemerkte vollkommen unberührt zu lassen. Er sprach die Hoffnung aus, daß die Zentrumspartei, der er angehörte, bevor er Reichskanzler wurde, und die ihn während des Wahlfeldzuges scharf bekämpfte, nicht das Odium auf sich la den würde, eine Kabinettskrise hervorzurufen. Hinsichtlich Adolf Hitlers war er der Ueberzeugung, daß der Augenblick gekommen sei, da die crntionalsozia- listische Bewegung am Wiederaufbau des Vaterlandes tätig mithelfen müsse. Als der Vertreter der Associated Preß fragte, was der Reichskanzler mit feiner Anspielung auf eine mögliche Verfassungsrevision in seiner letzten Rundfunkansprache gemeint habe, antwortete der Kanzler: Der jetzige Reichstag besitzt, so wie er gegenwärtig aus einer einzigen Kammer besteht, nichtdieGegengewichteundAus- gleiche, die beispielsweise Ihr amerikanischer Kongreß im Senat besitzt. Unser Reichsrat, unser Bundesrat, kann nicht mit Ihrem Senat verglichen werden. Seine Befugnisse sind weit geringer. Ich bin der Auffassung, daß Deutschland ein Oberhaus braucht. Line andere Sache, die berichtigt werden müsse, ist unser sogenanntes Listensystem, nach dem jede Partei eine Liste von Kandidaten aufstellt, von denen für je 60 000 erhaltene Stimmen einer als gewählt erklärt wird. Es besieht da kein persönlicher Kontakt oder praktisch kein Kontakt zwischen dem Kandidaten und seinem Wähler. Dieser hat nicht einmal einen Einfluß auf die Aufstellung des Kandidaten. Diese erfolgt für gewöhnlich durch einen kleinen Vollzugsausschuß der Partei. In England und Amerika muß sich ein Kandidat in seinem Wahlkreis stellen und das Vertrauen der Wähler, die ihn wählen, gewinnen. In Deutschland entscheidet ein Wähler über die Partei, die er zu unterstützen wünscht, aber er hat keinen Kontakt mit seinem Kandidaten. Ich hoffe, daß unser Wahlsystem in dem Sinne revidiert werden wird, daß die persönliche Verantwortung des R e i ch s t a g s m i t- glieds wiederhergestellt wird. Hätte es gestern ein solches System gegeben, dann hätte ich in meinem heimatlichen westfälischen Wahlkreis gestanden, wo mich jeder kennt, und ich hätte mich selbst als Kandidat auf der Kandidatenliste des Zentrums gemeldet. Ich bin sicher, daß ich gewählt worden wäre. Der Reichskanzler bemerkte, daß in jedem Lager politische Führer von Verwaltungsreformen gesprochen hätten, aber niemand gehandelt. Vinnen wenigen Tagen nach meiner Ernennung zum Reichs- kommiffar für Preußen verschmolzen w i r 58 kreise mit größeren kreisen und vereinfachten die Verwaltung durch Aufhebung von 60 Landralsstellen. In derselben Richtung beabsichtigen wir weitere verwal- tungs- und Finanzreformen zu verwirklichen, die sowohl im Reich als auch in Preußen einer Lösung dringend bedürfen. Als der Vertreter der Associated Preß den Reichskanzler darauf aufmerksam machte, daß einige amerikanische Zeitungen das Ergebnis der Reichstagswahl in dem Sinn interpretierten, daß 60 Prozent des neuen Reichstages antirepublikanisch eingestellt seien, womit sie Vie Nationalsozialisten, die Deutschnationalen und die Kommunisten meinten, erklärte Herr v. Papen: Die Frage der Staatsform steht nicht im geringsten zur Debatte. Das stand auch bei der Wahl nicht zur Debatte. Das ganze deutsche Volk ist darum besorgt, sein Haus in Ordnung zu bringen, und wir haben keine Zeit, an die Staatsform zu denken. Zu den außenpolitischen Problemen übergehend bemerkte der Reichskanzler, daß die deutsche Re- Bon unserer Berliner Redaktion. Berlin, l.Aug. In alten seinen Wahlreden hatte der deutschnationale Parteiführer Hu gen- 6er g als Hauptziel seiner Partei die Berhin- derung eines Bündnisses zwischen Zentrum und Nationalsozialisten im neuen Reichstag hingestellt. Wenige Tage vor der Wahl wandte sich die deutschnationale Agitation mit außerordentlicher Schärfe gegen den Nationalsozialismus. „Am Sozialismus gehen die Bölker zugrunde!" verkündete ein riesiges Wahlplakat in Berlin. Für die Deutschnationalen hätte eine klare Rechtsmehrheit zusammen mit de nNationalsozialisten deshalb eine erheblich stärkere Bedeutung als für die Hitler- Partei selbst gehabt, die stark genug ist, um sich ihre Verbündeten dort suchen zu können, wo sie sie findet. Hugenbergs Befürchtungen, daß er mit seiner Partei praktisch ausgeschaltet sein würde, wenn ein Bündnis Zentrum—Nationalsozialisten zustande käme, sind eingetroffen. Mit 387 Mandaten verfügen Zentrum und Hitlerpartei über die absolute Mehrheit im neuen Reichstag der 607 Mann. Im deutschnationnlen Lager sind die Meinungen über den einzuschlagenden Weg geteilt. Der aus dem Alldeutschen Verband hervorgegangene Flügel, dem neben dem Parteiführer Hugenberg der Abg. Dr. Dang sowie Professor Freiherr von Lorring- Hoven angehören und dessen Organ die „Deutsche Zeitung" ist, vertritt den Standpunfl, unter keinen Umständen zusammen mit dem Zentrum sich an der Regierungsbildung zu beteiligen. Man schließt auf ein Nachlassen der nationalsozialistischen Werbekraft in den rein protestantischen Landesteilen des Oens und Nordens, wenn die Zusammenarbeit Hitlerpartei—Zentrum zustande kommt. Gerade diese Wahlkreise, Frankfurt (Oder), Pommern, Breslau, Oppeln, Mecklenburg und Schleswig- Holstein, in denen früher die deutschnationalen Hochburgen lagen und in denen bei dieser Wahl die deutschnationalen Stimmen erneut zurück- gegangen sind, würden, so erhofft man es beim alldeutschen Flügel der Partei im selben Augenblick gierung nicht eine Politik der Autor- kie zu ihrer Hauptpolitik mache. Er sagte: Die autaüischen Bemühungen, die wir machen, sind uns durch die Weltlage aufgezwungen worden und sind nicht aus unserem Willen hervorgegangen. Wir wollen ebensosehr wie ir. gendeine andere Nation daran Mitarbeiten, daß die Zollmauern niedergelegt werden und der Güteraustausch erleichtert wird. Leben und leben lassen ist unser Wahlspruch. Gegen Lude des Interviews mochte der Vertreter der Associated Preß den Reichskanzler darauf aufmerksam, daß die Linkspresse der Regierung zum Vorwurf mache, daß sie gegen kommunistische Ausschreitungen Stellung nehme, aber nicht sage, d«ß die Raki o n a l s o ; i a t i st e n sich Gesetzesübertretungen zu schulden kommen ließen. Der Reichskanzler erwiderte daraus unverzüglich und bestimmt: wer auch immer nochgewiesenermaßen für die Zwischenfälle verantwortlich ist, wie für die bedauerlichen Ereignisse in Königsberg, wird erfahren, daß wirentschlossensind, rasch und summarisch mit ihm zu verfahren. Der Reichskanzler verneinte, daß die Absicht bestände, die Kommunistische Partei für außerhalb des Gesetzes stehend zu erklären. mit Millionen von Wählern zur Partei zurück- kehren, wo der Pakt Zentrum—Hitlerpartei geschlossen wird. Hugenberg selbst, der gefühlsmäßig jeder Koalition mit dem Zentrum abgeneigt ist, wird jedoch keine Entscheidungen fällen, ehe nicht der andere stärkere Flügel seiner Partei zu Wort gekommen ist. Der iskttteiflügel, der eine gememfame Koalition mit Hitlerpartei und Zentrum befürwortet, wird geführt von Professor Dr. Spahn, Staatsminifter Herat und besonders von dem prominenten Stahlhelmführer Dr. Stad - I e r. Auch der Reichsinnenminister Freiherr von G a y l, der bis vor kurzem den Deutschnationalen noch angehörte, dürfte ebenso wie der Kammerherr von Oldenburg-Januschau, der dem neuen Reichstag nicht mehr angehört, einen Einfluß dahingehend ausüben, die Deutschnationa- len zu einer Koalitionsbeteiligung zu bewegen. Dennoch verkennt man auch hier nicht die Gefahr, daß ein unmittelbares Finden von Zentrum und Nationalsozialisten praktisch die Deutschnatwnal^n ausschalten könnte. Es ist deshalb bei dem zu einer Zusammenarbeit bereiten Parteiflügel der Wunsch aufgetucht, Hugenberg oder eine den Deutschnationalen nahestehende Persönlichkeit von staatspoliti- schem Rang möge von sich aus der Mittelsmann zwischen den drei Parteien bilden, die allein für eine Regierungsbildung in Frage kommen. Ob es für eine solche Vermittlerrolle der Deutschnationalen nicht zu spät ist, und ob nicht bereits vor der Wahl eine direkte Fühlungnahme zwischen Zentrum und Nationalsozialisten stattgefunden hat, bleibt abzuwarten. Goebbels fordert Ltebernabme der Regierungsgewatt durch die NSDAP. Rom, 2. Aug. (LRV.) Ein italienisches Blatt veröffentlicht eine Unterredung seines Berliner Vertreters mit Dr. Goebbels, der die Ueber- nähme der Regierungsgewalt durch die R a t i o n a l f o z i a l i st e n als die einzige Möglichkeit bezeichnet. Ls wäre ein verbrechen gegen das deutsche Volk und das deutsche Vaterland, sagte Der Kurs der Deutschnationalen. Kampf mit geistigen Waffen nennt, bald als solche entlarvt. Amtlich wurde festgestellt, daß Seipel keine Familie habe. Die Mutter, die Portiersfrau in Meidling war, starb schon vor Jahrzehnten. Als ob das nicht selbstverständlich wäre... Der Gedanke, daß Ignaz einmal mit anderen Kindern im Park gespielt haben soll, daß er eine blonde Cousine hat oder einen trinflreudigen jovialen Onkel, ist absurd. Es wird auch nicht so gewesen sein. Ich keime eine Photographie, die Seipel als Abiturienten im Kreise seiner Mitschüler zeigt. Es war keine Fülle der Gesichte — nur eine Menge von Gesichtern, unter denen ein einziges Ausdruck zeigt. Klugen, abweisenden und etwas unbeteiligten Ausdruck. Er mochte damals achtzehn oder neunzehn Jahre alt sein. Heute ist er fünfzig oder etwas mehr. Aber sein Gesichtsausdruck ist der gleiche geblieben: klug, abweisend und etwas unbeteiligt. Heber Kleinigkeiten wie Raum und Zeit ist er erhaben. Zumindest müßten es schon Äonen sein. Der Bundeskanzler von Oesterreich ist seitdem noch einige Male photographiert worden. Seine Gesichtszüge sind es, die das österreichische Antlik trägt. Seine Maske. Seipel sollte man eigentlich nicht photographieren. In Bronze gegossen oder in Stein gehauen — so sollte er der Nachwelt überliefert werden. So tritt er der Umwelt entgegen. Ein wandelndes Standbild. Manchmal hebt er seine weißen Hände mit beschwörender Geste hoch zum Himmel. Es ist, als wollte er den Urteilsspruch der allerletzten Instanz anrufen, weil alle Instanzen dieser Erde jämmerlich versagen. Und Tubatöne des jüngsten Gerichts dröhnen in feiner Kanzelrednerstimme mit, wenn er, klastische Perioden ins Deutsche übertragend, erklärt: „Die Regierung bedauert. nicht in der Lage zu fein, den Wünschen der Postassistenten, Besoldungsgruppe vier, in weiterem Maße Rechnung tragen zu können .. Seipels Lebenslauf. Ignaz Seipel wurde 1876 in Wien geboren. Seine Borfahren stammen aus Wien und Niederösterreich und gehören bürgerlichen, meist handwerklichen Kreisen an. S. besuchte die Volksschule, das Gymnasium und die Llniversität in Wien. Nachdem er 1899 zum Priester geweiht worden war, wirkte er kurze Zeit in der praktischen Seelsorge. 1902 trat er als Religionslehrer an der Lehrerinnenbildungsanstalt in Wien in den Staatsdienst ein. 1908 wurde er Privatdozent für Moraltheologie an der Wiener Universität. 1909 ordentlicher Professor in Salzburg. Seit 1917 wirkte er dann an der Wiener Tlniversität. . In die aktive Politik kam S. durch sein 1916 erschienenes Buch „Nation und Staat" und seine 1917 erschienene Schrift „Gedanken zur österreichischen Derfassungsreform". Oktober 1918 trat er in das letzte k. k. Kabinett unter Lammasch als Minister für soziale Fürsorge ein. Seine Bedeutung als Politiker und Staatsmann großen Formats konnte Seipel in der nach dem Zusammenbruch begründeten Republik Oesterreich erbringen. Er hatte nahezu zehn Jahre die Führung der größten bürgerlichen Partei, der Christ- lichsozialen Volkspartei, inne und brachte das überaus schwierige Werk der Sanierung der durch den Krieg und die Inflation zerrütteten Staatsfinanzen zustande. 1922 trat Seipel als Bundeskanzler zum erstenmal an die Spitze des österreichischen Staates. Außenpolitisch ging unter feiner Kanzlerschaft die Aufhebung der Militärkontrolle vor sich, das Schuldenarrangement mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika kam zustande und das Völkerbund- Kontrollkomit« erklärte sich grundsätzlich mit der Ausgabe einer Anleihe zu Jnvestitionszwecken einverstanden. Im Kabinett Daugoin vom 30. 9. bis 29. 11. 1930 hatte Seipel das Portefeuille für Auswärtiges inne. Am 1. 6. 1924 wurde Söipel auf dem Wiener Südbahnhofe von dem Spinnereiarbeiter Karl Jaworek durch Pistolenschüsse schwer verletzt. Dr. Goebbels, sollte man die Ralionalsozlalisten an der Uebernahme der Regierungsverantwortlichkeit verhindern. Die Rationalsozialisten seien bereit zur Uebernahme der Regierung, und es bleibe nichts anderes übrig, als ihnen den Weg frei 3 u geben. Die künftige Haltung der Partei hänge von Adolf Hitler ab. Aeuorientierung in Thüringen. Gleichzeitig mit den R.'ichstagswahlen find auch die Neuwahlen zum thüringischen Landtag oorge- nommen worden, die eine völlige Umaestal' tung der Fraktionsverhältnisse ergeben haben. Die Nationalsozialisten sind von sechs auf 26 Mandate gestiegen, die Sozialdemokraten haben drei Sitze verloren, denen ein fast ebenso großer Gewinn der K o m m u n i - st e n gegenübcrstebt. Wirtschaftspartei und Volks partei haben auch hier bluten müssen. Die Wirtschaftspartei ist ganz verschwunden, die Volkspartei hat gerade noch ein Mandat gerettet, mährend die Deutschnationalen ihre beiden Mandate behaupten konnten und der L a n d b u n d, der bisher den Ministerpräsidenten gestellt hat, wenigstens Zweidrittel seines Bestandes behielt. Die Nationalsozialisten sind auf ein Zusammengehen mit dem Landbund und den Deutschnationalen angewiesen. Aber sie sind immerhin so stark, daß sie wohl den Kurs der neuen Regierung entscheidend beeinflussen werden und das Kabinett Baum sich nicht wird halten können. Was tut der Völkerbund im südamerikanischen Streit? G e n f, 1. August. (WTV.) Der bisherige Präsident des Dölkerbundsrates, M a t o s , hat Bolivien und Paraguay ersucht, alle Handlungen zu unterlassen, durch die die Beziehungen zwischen den beiden Ländern verschlimmert oder Feindseligkeiten herbeigeführt werden könnten. Das Außenministerium von Paraguay hat ein Telegramm an den Völkerbund gesandt, in dem es Bolivien beschuldigt, die Artikel 10 und 11 der Dölkerbundssatzung verletzt zu haben. Artikel 10 besagt, daß die Dölkerbundsmitglieder sich verpflichten, die territoriale Tlnver- l e tz b a r k e i t und die bestehende politische iln» abhängigkeit aller Dundesmitglieder zu achten. 3n Artikel 11 heißt es, daß Krieg oder Bedrohung mit Krieg, gleichviel, ob davon ein Dölkerbundsmitglied unmittelbar berührt wird oder nicht, eine Angelegenheit des ganzen Völkerbundes ist, und daß dieser die zum wirksamen Schutz des Völkcrfriedens geeigneten Maßnahmen zu ergreifen hat. Aus aller Welt. Zwei Todesopfer einer Explosion in Emmerich. Die Stadt Emmerich am Rhein wurde Dienstag morgen gegen 10 Uhr durch eine gewaltige Detonation in Schrecken verseht. Die Oxyd-Werke, eine Zweigableilung der Roury- von der Lande waren in die Luft geflogen. Das Unglück ereignete sich in der Trockenabteilung des Betriebes, ein Wellblechgebäude, das vollständig in Trümmer ging. Die Eisenleile wurden mehrere hundert Meter weit geschleudert. Glücklicherweise erfolgte die Explosion zur Zeil der Frühstückspause, so daß sich, mit Ausnahme von zwei Arbeitern, niemand in dem Gebäude befand. Beide Arbeiter wurden zerrissen. Durch die Gewalt der Explosion wurden in den anliegenden Straßen Hunderte von Fensterscheiben zerstört und auch die Dächer teilweise abgedeckt. Es wurden auch mehrere Personen verletzt, jedoch nur leichter, meist durch umherfliegende Glassplilter. Die Unglücksslelle ist abgesperrt. Schwere Unwetterschäden an der Mittenwaldbahn. Ein schweres Unwetter ging Montagabend im ganzen Inntal und an der Mittenwaldbahn £ ar-scuie achtet auf den Kartoffelkäfer. Achtet auf den Kartoffelkäfer | i .4. fr* UM Die deutsche Landwirtschaft steht vor der furchtbaren Gefahr, daß der Kartoffelkäfer, der in Frankreich über große Strecken hin alle Kartoffelpflanzungen zerstört hat nun über die deutsch-französische Grenze oordringt. AusderNähevonFrank- f u r t a. M. kam die alarmierende Nachricht, daß dort Exemplare des Schädlings aufgefunden worden leien. Doch stellte sich zum Glück heraus, daß eine Verwechslung mit dem harmlosen Marienkäfer (Oberbayern) nieder und verursachte erhebliche Verkehrsstörungen. Auf der Mittenwaldbahn wurde bei Gießenbach der Bahnkörper durch die von den ausbrechenden Wildwassern Gesteinsmassen in einer Länge von 200 Meter und in einer Höhe von drei Meter bedeckt. Der Personenverkehr wird durch ein Kraftwagenpendeloerkehr aufrechterhalten. Zur Freimachung der Strecke ist eine Abteilung des Bundesheeres angefordert worden. Der Verkehr dürfte erst in drei bis vier Tagen wieder voll ausgenommen werden. Schweres Gewitter über Kassel und Umg.bung. Heber Kassel und der .Umgebung ging ein folgenschweres Gewitter nieder. 3n Wolfhagen schlug der Blitz in das Anwesen des Landwirtes Röhn ein.. 3nfolge des starken Windes breitete sich das Feuer schnell aus und griff trotz der sofortigen Hilfe der Freiwilligen Feuerwehr auf insgesamt fünf Gehöfte über. Rur mit großer Mühe gelang es, das Großvieh zu retten. Das Kleinvieh, landwirtschaftliche Maschinen und die Möbel wurden zum größten Teil ein Raub der Flammen. Rach drei Stunden lagen die f ü n f G e h ö f t e in Schutt und Asche. Der Schaden ist zum größten Teil durch Versicherung gedeckt. Schweren Schaden richtete das Unwetter auf den Feldern an. Sturm, Regen und H a g e l s ch l a g legten das ganze noch stehende Getreide um. Die Felder sind wie gewalzt. Einzelne Bäume an den Landstraßen wurden umgeknickt und entwurzelt. Hotelbrand in Reuyork. — 5 Tote, 25 verletzte. 3m Kellergeschoß des bekannten Hotels „Ritz Tower" in der Park-Avenue in Reuyork ereignete sich eine Explosion, die einen Brand verursachte. Die Explosion war so stark, daß in toe’fem Tlrnkreis die Fensterscheiben zersprangen. Der starke Knall hatte einen Riesenauflauf zur Folge. Tlnzählige von Reugierigen strömten in das Stadtinnere, wo das elegante „Ritz-Tower"- Hotel liegt und behinderten die Anfahrt der vorliegt. Dennoch darf diese beruhigende Aufklärung nicht dazu führen, die Wachsamkeit der Landbevölkerung einzuschläfern. Landleute, seidauchweiter- hin auf der Hut, achtet auf jedes Anzeichen, das auf das Erscheinen der furchtbaren Gefahr deuten kann. Ihr könnt der Landwirtschaft und eurem Lande Hunderte von Millionen ersparen. — Unser Bild zeigt, wie ein Lehrer seinen Schülern die verheerende Wirkung des Kartoffelkäfers erklärt. Feuerwehr und der Rettungswagen. 3m Kellergeschoß war eine Lackierwerkstatt untergebracht. Hier fand das Feuer an den Farben und Lacken reiche Rahrung. Bei der Bekämpfung des Brandes sind fünf Feuerwehrleute tödlich verunglückt. Außerdem wurden 2 5 Personen, größtenteils Hotelgäste, verletzt. Der Schaden wird auf 200 000 Dollar geschätzt. Lundestagung des Deutschen Imker-Bundes in Görlitz. In Görlitz wurde in der Stadthalle die Reichs- Imkerei-Ausftellung in Anwesenheit des Oberbürgermeisters feierlich eröffnet. Die Ausstellung gibt ein geschlossenes Bild der Bienenzucht und ihrer Nebenzweige. Anschließend begann die Bundestagung des Deutschen Imker-Bundes. In den Verhandlungen wurde besonders auf die schwere Gefahr hingewiesen, die der deutschen Bienenzucht durch Aufhebung der Steuerfreiheit für Bienenfütterungszucker drohe. Rund 25 000 Bienenvölker seien bereits verhungert, weitere würden möglicherweise im kommenden Winter zugrunde gehen. In den geschäftsführenden Vorstand des Bundes, dessen erster Lor- sitzender, Landtagsabgeordneter Kickhöf fei, die Verhandlungen leitete, wurde als Schriftleiter der Vorsitzende des Württembergischen Landesvereins für Bienenzucht, Oberlehrer Rentschler, gewählt, als Beisitzer der erste Vorsitzende des Bienenzuchtvereins der Rheinprovinz, Pfarrer Klos. Der bis- herige Schriftführer Rektor Falk, Vorsitzender des badischen Landesvereins für Bienenzucht, wurde zum dritten Bundesleiter gewählt. Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt. Als Tagungsort für das Jahr 1933 wird eine hessische Stadt in Frage kommen, möglicherweise Nauheim oder Mar- bürg. Blutiger Familienslreil in Berlin. Ein furchtbares Familiendrama als Ausgang des Streites geschiedener Eheleute um ihr Kino ereignete sich in dem Hause Charlottenburger Straße 142 in Weihensee bet Berlin. Dort wohnte die geschiedene Frau Dupont mit ihrem vieo 3ahre alten Söhnchen Paul bet ihren Eltern. 3m Verlaus des Scheidungsprozesses war das Kind von beiden Ehegatten in Anspruch genommen worden. Der Knabe wurde jedoch dem Vater zu- gesprochen. Da die Mutter die Herausgabe desKindesverweigerte, hatte der Vater, ein Lehrer, beim Gericht eine einstweilige Verfügung erbeten. Als ein Gerichtsvollzieher das Kind abholen wollte, fand er die Tür der Woh- nung verschlossen. Auf mehrmaliges ßäuten und Klopfen antwortete niemand. Der Beamte lieh die Tür gewaltsam öffnen. Ein grauenvoller Anblick bot sich ihm dar. 3m Flur der Wohnung stand die Großmutter: in ihren Armen hielt sie das blutüberströmte Kind. Wie sich heraus- stellte, hatte die alte Frau beim Erscheinen des Beamten das Kind an sich gerissen und war mit ihm in das anstoßende Zimmer gelaufen, wo sie dem Knaben mit einem Taschenmesser einige Stichverlehungen beibrachte, die Mutter des Knaben, die im Rebenzimmer weilte, erlitt, als ihr die furchtbare Tat bekannt wurde, einen Nervenzusammenbruch. vier italienische Alpinisten tödlich verunglückt. 3n den französischen Alpen in der Rähe von Chamonix ereignete sich dieser Tage wieder ein schweres Hnglüd, das vier italienischen Ausflüglern das Leben kostete. Eine Gruppe von sechs 3talienern war zur Besteigung des sog. „Zahn des Riesen" aufgebrochen, als kurz vor dem Ziel das einzige Seil riß, das alle sechs miteinander verband. Die letzten vier stürzten in eine tiefe Schlucht, während es den beiden anderen im letzten Augenblick gelang, sich an einem vorspringenden Felsblock festzuklammern. Einer Hilfskolonne aus Chamonix ist es noch nicht gelungen, die Leichen der vier Opfer zu bergen. Gedächtnisfeier für die Toten der „Riobe". In Kiel fand in der evangelischen Garnisonkirche auf der Wik ein Gedächtnisgottesdienft für d i e Opfer der „Niobe" statt, zu der die Admirale Gladisch, Hansen, Schulze und Kolbe sowie der kommissarische Polizeipräsident Graf o o n Rantzau erschienen waren. Angehörige der Toten, Marineabteilungen und sonstige Trauergäste füllten die Kirche bis auf die Gänge. Die lieber« lebenden der „Niobe" erschienen unter Führung des Kommandanten Kapitänleutnants R u h f u ß. Marinepfarrer Haupt hielt die Gedächtnisrede und verlas die Namen der Toten. Eine ähnliche Gedächtnisfeier in der katholischen Garnisonkirche war vor- ausgegangen. Schwierige Landung eines Freiballons. 3 Verletzte. Nach einer Meldung aus Stettin landete dieser Tage in der Nähe von Bartelshagen im Kreise Franzburg ein Freiballon des Bitterfelder Luftfahrtoereins. Nach der Landung riß eine Bö den Ballon noch einmal in die Höhe. Der Korb wurde mitgerissen und schlug bann heftig auf den Boden' auf. Die vier Insassen der Gondel wurden herausgeschleudert. Der Kaufmann W o l f» s o n aus Frankfurt a. M. zog sich eine Rippen^ quetschung zu, Kapitänleutnant Sauerbeck aus Homburg o. d. H. eine Schulterquetschung und Hautabschürfungen. Ein dritter Insasse wurde leicht verletzt. Der Ballonführer L i e s e g a n g blieb unver- letzt. Der Ballon war in Bitterfeld zu einer Nacht- fahrt aufgestiegen. Mißglückter kalapullflug. Das Katapultflugzeug des Lloyddampfers „Bremen", D 1919 Bremen, das etwa 1000 Seemeilen vor Southampton von Bord gestartet war, mußte nach halbstündigem Fluge infolge Oelrohrbruchs bei großer See auf bas Wasser niebergehen. Dani ber ausgezeichneten Zusammenarbeit von Flugzeugbesatzung und Schiffsleitung wurde der Standort des Flugzeugs durch Funkpeilung sofort ermittelt, so daß das Flugzeug bereits kurze Zeit später ohne große Beschädigung wieder an Bord des Dampfers genommen werden konnte. Ein Hauswirt löst die Flaggenfrage. Ein Hausbesitzer in Landsberg hatte auf dem Giebel seines Hauses die Fahne seiner Partei angebracht, was seine, den verschiedensten Parteien angehörenden Mieter veranlaßte, ihn darauf hinzu- weisen, daß durch diese Beflaggung der bis dahin im Aüch Feierabend in Italien. Von Gustav W. Eberlein, ZRom. Was macht der italienische Arbeiter nach Feierabend? Nichts. Wie verbringt er feinen Sonntag? Mit nichts. Aber er muß doch irgend etwas tun, sich irgendwie beschäftigen, sich irgendwo bewegen? Nein, er bewegt sich nicht. Er steht herum. Wo „Nationaleigentümlichkeiten" zur Sprache kommen, werden gewöhnlich die sinnfälltigsten, die wirklich in die Augen springenden zugunsten alter Klischees vergessen. Für den Italiener ist nichts charakteristischer als das Herumstehen. Die Maler einer verflossenen und verschwommenen Romantik haben uns zwar immer die Kinder des Südens bei der Ausübung ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem dolce far niente, vorgeführt, rührende Bettlerfiguren auf breite Kirchentreppen gestellt und den Lazzarone zum Verlieben faul auf die Hafenmauer komponiert, aber schon dem scharfen Auge Goethes entging es nicht, daß hier offenbar der Schein trog. Alle diese Neapolitaner Operettenfiguren waren auf ihre Art durchaus tätig, nur ihr Zeitbegriff mochte ein anderer als der unsrige sein, wie ja auch zwischen dem amerikanischen „Tempo" und der bayerischen Gemütlichkeit ein Unterschied besteht nnb ber langsame Berner Bauer deswegen noch nicht „faul" ist, weil der Berliner nichts als Hetze kennt. Auch umgekehrt ist es nicht so, wie es aussieht: Die Fremden, die in der Umgebung Roms herum- fahren und in die weingesegneten Ortschaften der Castelli Romani kommen, alle Gassen schwarz vor Volk sehen, das regungslos und fast feierlich herum- steht, glauben wunder was los sei. Ob wohl ber Bischof erwartet wirb ober ein Wahlkampf im Anzug ist? Nichts dergleichen. So verbringt der angeblich so temperamentvolle Südländer seine Mußestunden: Mantel umgeworfen, ohne in die Aermel zu fahren, auf die Straße gestellt, schier versteinert und folglich kaum den Mund öffnend. Dabei sieht man nur Männer, die Frauen sind von dieser lautlosen Straßenbelustigung ausgeschlossen, denn sie müsfen ihre Hausarbeit verrichten. Ein Bild, das nun langsam anfängt in Bewegung zu geraten. Der Faschismus hat gelehrt, daß die beschauliche Pflasterphilosophie nicyt das Salz des Lebens bedeuten muß, daß man aus der Freizeit doch erheblich mehr Vergnügen herausschla- gen kann. Er erfand, und das war eine seiner größten Taten, bas Dopolavoro, eine Einrichtung, die unter dem Gesichtspunkt gewertet sein will, daß ja der Durchschnittsitaliener alle die Dinge, mit denen wir unsere Zeit auszufüllen oder totzuschla- gen verstehen, nicht einmal vom Hörensagen kannte. Er ging zwar in die Osteria und trank einen Becher nach dem andern, aber was ein Stammtisch ist, das wüßte er nicht zu sagen. Vereine zur Pflege ber Geselligkeit — so etwas wüßte er nicht einmal zu übersetzen. Es fehlt ihm selbst bas Wort für die merkwürbige Beschäftigung, bie wir mit Wanbern bezeichnen. Wenn jemand am Sonntag von einem Ort A zum Orte B geht, wieso soll das ein Soprt oder ein Vergnügen fein? Wer durch Italien fährt, soll sich einmal aus dem Fenster schauend die Frage vorlegen: Wie und wo geht man eigentlich hier spazieren? Nicht denkbar, denn alles ist eingejäunt. Einen Rucksack schleppen, wenn es nicht bitterster Erwerbszweig erfordert? Unbegreiflich. In Italien gibt es daher, abgesehen von den Fremdenplätzen, auch keine Ausflugswirtschaften, keine bunten Schirme und Tische im Grünen. Selbst die größten Seen, wie der trasimenische, liegen unbelebt da. Kein Ruderboot durchfurcht das Wasser, kein Segel knattert vor Ferienlust. Südlich von Florenz hat noch niemand ein Mädchen radfahren sehen, eine Motorbraut im Herrensitz wäre gleichbedeutend mit fine del mondo, dem Ende der Will sich einer unbedingt Bewegung verschaffen, so ist dafür bas Boccia-Spiel da, eine Art Kegelbahn, auf der die Kugel nicht geschoben, sondern geworfen wird, und für die Städter der Allerwelts- fußball. Das ist alles. Wie, droben im Norden gebe es Lesestuben, Wärmehallen, Hallenbäder? Sagen! Sonntags entvölkerten sich ganze Städte, Jungen und Mädels zögen schon am Nachmittag vorher aus, gemeinsam, um womöglich erst am Montagmorgen zurückzukehren? Legenden über Legenden! Was macht man nach der Arbeit, dopo il lavoro? Man ruht aus. So war es alle bie Iahrhunberte her. Und jetzt kommt ba ein Mensch, der selber aus dem Volk heroorgegangen, Lehrer und Taglöhner gewesen ist, kommt Mussolini und sagt: Nein, ihr sollt euch beschäftigen, spielend weiterbilden, sollt euch vor allem freuen! Er gründet das Dopolavoro, wörtlich übersetzt also das „Nachderarbeit", eine Organisation, mit ber an Großzügigkeit höchstens die andere der Jugenderziehung wetteifern kann. Es lag ja auf der Hand, für den neuen Staat auch einen neuen Inhalt zu schaffen. Es kann nicht genügen, nur nach außen eine Umwälzung herbeizuführen, auch das Volk muß gänzlich umgeknetet werden — und das ist der schwerere Teil ber Herkulesarbeit. Wer das will, der oarf nicht nur in die Arbeit hineinkomman- bieren, die schließlich immer das gleiche Gesicht behalten wirb, er muß bem Feierabend, der Freizeit, der gegenüber auch ber letzte Angestellte, Chef unb Befehlshaber ist, neuen Inhalt geben. Vor sechs Jahren ins Leben gerufen, überzieht heute bas Dopolavoro als engmaschiges Netz bereits das ganze Land, die Kolonien, selbst die italienischen Volkssplitter im Ausland. Man zählt 17 000 Verbände mit rund 30 000 Sektionen, man rechnet mit 2 bis 3 Millionen eingeschriebener Mitglieder. Darunter ein Viertel geistige Arbeiter, achthunderttausend Industriearbeiter, etwa die Hälfte Landarbeiter, über zweihunderttausend Beamte: eine richtige Volksbewegung, die Demokratie der Freizeit. Das Dopolavoro verlangt nichts unb bietet un- endlich viel. Da gibt es Fachabteilungen für Fischerei und Seidenraubenzucht, Aemter für Technik, Staatsdienst, Verkehr, ba haben die Künstler ihren Thespiskarren, der bereits zu einer neuen Blüte der italienischen Schauspielkunst geführt hat, ebenso wie die Dilettanten ihre Vereinsbühnen. Gesangsschulen, philharmonische Orchester finden Zustrom wie die Trachtengesellschaften, die Mandolinenspieler, die Radiobastler. Man schult Analphabeten unb, wie im Altertum, Rebner. Die Fachschulen nach beut- sch e m Vorbild bringen durch wie bie englischen Altersschulen. Man kann sich zum Politiker ausbil- den oder den nagelneuen Begriff der Helmkultur studieren, die Frauenverbände flüchten aus dem unfruchtbaren Salon auf soziale Gebiet und finden täglich ein anderes befriedigendes Arbeitsfeld. An Wintersonntaaen sieht Man neuerdings in Rom Leute die Skier geschultert haben, und in den Bergen einer Dame in Hosen zu begegnen, ist kein Vorrecht ber Lustspieldichter mehr. Es wird Sport getrieben, es soll alles Wirklichkeit werden, was bisher Sage und Legende schien ... Auto, Suppengrün und Fehlzündung. Daß das Auto dem Verbrecher zur schnellen Flucht verhilft, ist aus Kriminalfilmen hinlänglich bekannt. Aber bie Verbrecher beginnen jetzt sich bes Autos noch vor ber Flucht zu bedienen. Dieser Tage wurde vor bem Berliner Gericht gegen ben berüchtigten Falschmünzer Salaban verhanbelt. Der Mann war ein Genie in ber Herstellung bes Falschgeldes, aber ein Stümper in der Vertreibung. Man erinnert sich noch: in seinem eleganten Privatwagen fuhr er bis in bie Nähe eines Gemüsemarktes, ging bann ZU Fuß mit seiner Frau auf ben Markt, um dort für seine falschen Zweimarkstücke Suppengrün zu erhandeln. Er kaufte für fünf Pfennig Suppengrün, zahlte mit einem falschen Zweimarkstück und erhielt 1,95 Mark in gutem Gelb heraus. Er mußte ja gefaßt werben, wenn er sich immer nur bie wenigen Gemüsemärkte die es in Berlin gibt, als Absatzfeld aussuchte. Andere sind findiger. Die Polizei sucht nach Motorradfahrern, die Falschgeld in folgender Weise vertreiben. Sie halten mit ihrem Rad vor einem beliebigen Geschäft, kaufen eine Kleinigkeit nach ber Salabanschen Methode, besteigen das Rad wieder und fachen davon, um erst in einem anderen Stadtteil dasselbe Manöver zu machen. Salabans Feld waren bie Gemüsemärkte, ihr Feld ist das acmze große Berlin, unb bie Polizei wirb wirklich Mühe haben, die flinken Kerle au fassen. Neu ist auch fol- genbe Verwendung des Autos. Vor einem Geschäftshaus hält ein Privatauto. Der Chauffeur manipuliert an bem Wagen herum. An bem Motor scheint etwas nicht in Ordnung zu fein, denn eine Fehlzündung folgt der anderen. Das macht natürlich Lärm. Aber ein Bewohner bes Geschäftshauses hotte trotzdem noch andere verdächtige Geräusche vernommen. Die Polizei wurde alarmiert. Als das lieber- fallkommando herankam, war der Motor bes Privatautos in Ordnung, der Wagen fuhr davon. Die Polizei drang in das Geschäftshaus ein unb empfing schon in ber Tür drei Einbrecher. Die Fehlzündungen sollten die Einbruchsgeräusche übertönen, außerdem hatte der Chauffeur die Aufgabe des Schmierestehens übernommen. Wenn nämlich Gefahr herannaht, sollte er daoonfahren, bas Ausbleiben der Fehlzündungsgeräusche war für bie Einbrecher das Signal, daß die Luft nicht mehr rein sei. Hochschulnachrichten. Der Hygieniker an der Universität Münster, Professor Dr. Karl gölten, hat einen Ruf an die Universität Würzburg auf den dortigen Lehrstuhl der Hygiene erhalten. Professor Dr. W. Kaufmann an der Techni- Idjen Hochschule in Hannover hat den Ruf auf Öen zweiten Lehrstuhl der Mechanik an der Technischen Hochschule in München angenommen und bereits seine Ernennung erhalten. Der Prioatgelehrte Professor Konrad Miller in Stuttgart hat seine sämtlichen im Selbstverlag erschienenen Werke mit allen Rechten dem Direktorium der Salzburger Hochschulwochen überwiesen. Aus den Erträgnissen der Stiftung soll ein Fonds zur Errichtung eines Lehrstuhles für historische Geographie an der S a lz b u r g e r Hochschule gebildet werden. 9J.Jpor< Aus der Provinzialhauptstadt daß Gießener Wochcnmarktpreisc dem Pf-. •• Deerenra ub — eine kleine Tragödie iin Wa 1 d. QIm Samstagvormittag in aller Frühe begaben sich drei Knaben im Alter von 11 und 12 Jahren aus unserem Nachbardors Klein-Linden in den Dergwerkswald zwischen Gie- tzen und Leihgestern, um Himbeeren zu suchen. Das zwölfhundertjährige Fritzlar. In diesem Jahre blickt Fritzlar als eine der ältesten Hessenstädte auf sein zwölfhundertjähriges Bestehen zurück. Die Stadt ist eine Gründung des heiligen Bonifatius. Der große Apostel, der in dieser Gegend die heilige Eiche des Donar fällte, um aus ihrem Holz eine Kapelle erbauen au lassen, soll hier im Jahre 732 ein Benediktinerkloster und eine Kirche gegründet haben, woraus sich die Stadt Fritzlar entwickelte. 2m Heimatmuseum werden die ä l t e st e n ch r i st- lichen Stein- und H o l z s k u l p t u r e n Hessens bzw. Deutschlands aufbewahrt. Das um die Mitte des 15. Jahrhunderts erbaute Rathaus, das den Ruhm für sich beansprucht, eines der ältesten Rathäuser Deutschlands zu sein, zeigt an seiner Westmauer noch Spuren des ersten Rathauses von 1109. Eine der ältesten höheren technischen Lehranstalten, die sich mit der Ausbildung in Maschinenbau und Elektrotechnik befassen, ist die Ingenieurschule Ilmenau in Thür. Im Jahre 1894 gegründet, hat sich die Anstalt mit den Fortschritten der Technik schritthaltend entwickelt. Auf allen Gebieten sind reichhaltige Laboratorien vorhanden. Die mit der Anstalt verbundene Fabrik bietet Gelegenheit zur Prakti- kanten-Ausbildung. 120V Pfennig pro Bund. Bornotizen. — Tageskalenderfür Dienstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „So'n Windhund". • Gießen, 2. Aug. Es kosteten auf heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 130 . Landbutter 130, Kochbutter 100, Matte 25 bis 30, Wirsing 8, Weißkraut 8, Römischkohl 8, Rotkraut 12, gelbe Rüben 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 18 bis 20, Erbsen 20, Zwiebeln 12, Bohnen (grüne) 12 bis 15, (gelbe) 12 bis 15, Tomaten 20 bis 30, Pilze 25, Birnen 20 bis 40, Kartoffeln (neue) 4 (pro Zentner 3,50 Mk.), Dörrobst 30 bis 35, Heidelbeeren 28 bis 30. Stachelbeeren 15 bis 20, Himbeeren 15 bis 20, Johannisbeeren 15 bis 18, Pfirsiche 40 bis 60, Pflaumen 20 bis 25, Zwetschen 35, Mirabellen 35, Reineclauden 35, Honig 40 bis 45, junge Hähne 80 bis 90. Suppenhühner 60 bis 80 Pfennig pro Pfund; Tauben 50 bis 60, Eier 8, Blumenkohl 30 bis 60, Salat 8 bis 10, Salatgurken 15 bis 30, Einmachgurken 2 bis 4, Oberkohlrabi 8 bis 10, Rettich 10 bis 12, Käse 5 bis 10 Pf. pro Stück; Radieschen 8 bis 10 Links: Rudolf Ismayr (München), der Europameister im Mittelgewlchtsheben, gewann mit 345 lcg die Goldene Medaille seiner Klasse. — In der Mitte: Ellen Braumuller, die erfolgreiche deutsche Speerwerferin, mußte sich in der Entscheidung mit dem zweiten Platz begnügen und gewann die Silberne Medaille. — Rechts: Der Sprinter I o n a t h lief die 100-Meter-Strecke im Endlaus m 10,4 Sekunden und wurde damit Dritter. Der Wunsch des Hauswirts nach besonderer Reinlichkeit auf seinen Treppenfluren kann, wie eine jetzt veröffentlichte Reichsgerichtsentscheidung beweist, unter Umständen auch erhebliche rechtliche Rachteile für ihn im Gefolge haben. Läßt er nämlich auf oder vor der Treppe Fußmatten auslegen, so hat er bei Unfällen durch deren Schadhaftigkeit unangenehme Haftungsverpflichtungen zu gewärtigen. Insbesondere gefährdet die lose Kante den darüber Hinweggehenden ähnlich wie ein ganz nahe über dem Boden quer über seinen Weg gespannter Strick. „Der Hauseigentümer ist verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, daß die ausgelegten Matten die im Hause Berkehrenden nicht gefährden." Um diese Pflicht zu erfüllen, braucht zwar nicht jede an einer Stelle abgenutzte Matte gleich durch eine andere erseht zu werden, aber sobald sich die Kante löst, muß sie neu befestigt oder aber ganz entfernt werden. Zum mindesten muh der Hauseigentümer veranlassen, daß die Person, die er mit der Reinigung des Flurs beauftragt, die Berkehrssicherheit ständig überwacht. Und wenn er diese Person nicht ermächtigt und beauftragt, bei Schadhaftigkeit selbst die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, muß er sich jede Schadhaftigkeit sofort melden lassen. Auch muß er selbst sich durch Stichproben davon überzeugen, seine Anordnungen beachtet werden. mal gestiftet, dessen Bau nach den Plänen des Berliner Bildhauers B i r r zur Zeit in Arbeit ist. Zur feierlichen Weihe ist der 21. August bestimmt, der 118er-Ehrentag von Maissin. Würdige Veranstal» tungen füllen den 20. und 21. August: Begrüßungs- abend, großer Zapfenstreich, Weckruf, Regiments- Gottesdienst, General-Appell auf dem Kasernenhof, feierliche Weihe des Ehrenmals. Musik: Reichswehr- kapelle JR. 15 u. a. Das IR. 118 Worms stellt folgende Formationen in Worms auf: IR. 118 und Ers.-Batl., IR. 625 (7. Komp.), RIR. 118, RIR. 88 (2. Batl.), RIR. 221 (2. Batl.), RIR. 224 (7. bis 12. Komp ), RIR. 254 (1. Komp.). Landwehr IR. 118, Brigade-Erfatzbatl. 50, Landsturm 1. Bail. XVhl/18, XVIII/39, XVIII/43, Landsturm 1. Bail. XVIII/20, Masch.-Gew.-Scharfschützen-Abt.55, Mosch.» Gew.-Scharfschützen-Abtlg. 59, Armierungsbatl. 87, Armierungsbatl. 108, Armierungsbatl. 188. Alles weitere durch das Geschäftszimmer der 118er Worms, Kaiser-Wilhelmstraße 20^Möbelhaus Friedrich. Quartieranmeldung an Wohnungs-Ausschuß Wilh. Selbst, Worms, Gaustraße 22. (Siehe heutige Anzeige.) Olympia 1932. Eine Goldene, eine Silberne und eine Bronze-Medaille für Deutschland in der Turnhalle in Gersfeld die Preisverteilung statt. Wolf Hirth - Grunau und Mayer- Stettin gingen aus dem diesjährigen Wettbewerb als Sieger hervor. Preisträger im Leistungswettbewerb wurden D e u t s chma n n - Breslau, Pe r nth a- l e r - Dessau und W a l l i s ch e ck - 'Stettin. Der Streckenflug-Preis und der Fernziel-Preis wurden nicht ausgeflogen. Im Uebungs-Wettbewerb teilten sich D i t t m a r - Wasserkuppe, Schleicher- Schwabach, Renner- Dessau sowie die fortgeschrittenen Flieger Hakenjos, Peters-Aachen und der Pole L o p a t n i u k in den Preis der Allianz für die größte Gesamt-Flugdauer. Den Preis des Kreises und der Stadt Gersfeld holte sich P e te r s - Aachen. Hakenjos, Sewering, Renner und Ditt- m a r t e i l t e n sich in den Preis des württembergi- schon Staatsministeriums für die größte Höhen- summe, während der Streckenflug-Uebungspreis an Peters, Dittmar und Hakenjos fiel. Der Preis des bayrischen Staatsministeriums des Aeuße- ren wurde zwischen Schleicher und Dittmar geteilt, während Hakenjos für seine Milseburg-Umfliegung den Preis der Süddeutschen Lufthansa erhielt. erlittenen Schaden, jedoch niemals mit mehr als 3 Mark für jedes Pfund. c) Bei Einschreibebriefen in jedem Falle des Verlustes (nicht bei Beschädigung), ohne Rücksicht auf die Höhe des entstandenen Schadens mit 40 Mark. d) Für eine durch verzögerte Beförderung oder Bestellung von Paketen und Wertsendungen entstandenen Schaden, wenn die fragliche Sache gerade durch diese Verzögerung verdorben ist oder ihren Wert eingebüßt hat. Ueberhaupt haftet die R e i ch s p o st nicht: a) wenn der Absender den Schaden durch eigene Fahrlässigkeit veranlaßt hat, b) wenn der Schaden durch die unabwendbaren Folgen eines Naturereignisses, oder c) durch die natürliche Beschaffenheit des Gutes herbeigeführt worden ist, d) wenn der Verlust die Verzögerung ober die Beschädigung sich auf „einer auswärtigen Beförderungsanstalt" ereignet hat, e) bei Wertsendungen, wenn der Wert „in betrügerischer Absicht" zu hoch angegeben worden war. Die Geltendmachung der Ansprüche hat stets bei der Oberpostdirektion zu erfolgen, in deren Bezirk die Einlieferung geschah. Der Anspruch erlischt mit dem Ablauf von sechs Monaten seit Einlieferung der Sendung. Die Verjährung wird unterbrochen durch Geltendmachung des Anspruches. Oie Fußmatten als Gefahrenquellen in Mietshäusern. Brieftasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schrlftleitung.) J. 45. 1. Die @ebühren werden auf gemeinsamen Gebührenzettel angeforbert, finb jedoch getrennt berechnet unb verzeichnet. 2. Die ab 1. April 1932 eingetretene Senkung ber Straßenreinigungsgebüh- ren wirkt sich natürlich auf bie von ben einzelnen Mietern bem Hausbesitzer zu ersetzenden Gebühren aus. 3. Nähere Auskunft erteilt die Stadtverwaltung (Vermessungsamt) Stadthaus Bergstraße, Zimmer 3'4. 4. Der Vermieter ist verpflichtet, auf Verlangen Einsicht in die Gebührenanforderungszettel zu gestatten. Sollte ber Hausbesitzer toiber Erwarten sich hierzu nicht bereit finben, bann können bie not- roenbigen Unterlagen bei ber unter 3. bezeichneten Stelle erfragt werben. (Schluß des redaktionellen Teils.) Gießen, den 2. August 1932. „Oie nie alle werden .. / Daß verbotene Früchte gar nicht so selten am besten schmecken, ist eine allgemein bekannte und psychologisch auch durchaus verständliche Tatsache. Weniger verständlich, aber anscheinend trotzdem auch recht häufig vorhanden ist die Ansicht mancher Menschen, daß Dinge an Wert gewinnen, wenn sie nicht dort erstanden werden, wo sie eigentlich gekauft werden sollten. Wie wäre es sonst zu erklären, daß viele, die nur zu schnell bereit sind, über teure „Apothekerpreise" zu schimpfen, mit einer geradezu unverständlichen Leichtfertigkeit und Großzügigkeit Wundermittel von Hausierern und ähnlichen ungesetzlichen Arzneimittel-Händlern kaufen? Da haben es erst kürzlich wieder im rheinisch- westfälischen Industriegebiet einige zungenfertige Hausiererinnen verstanden, den Bergmannsfami- lien, besonders den Hausfrauen in Abwesenheit ihrer Männer, ein mit einem schönen Namen bezeichnetes Mittel zu verkaufen, das nicht nur gegen alle nur erdenklichen Krankheiten gleichzeitig helfen, sondern außerdem auch noch lebensverlangernd wirken sollte. Und dabei war das Mittel nicht etwa billig! Zu einer Kur sollten unbedingt mindestens vier Dosen zum Gesamtpreis von 30 Mark erforderlich fein 1 Man stelle sich einmal vor, was für diesen Betrag an guten, preiswerten Heil- und Stärkungsmitteln einschließlich einer ärztlichen Konsultation hätten beschafft werden können! Man denke weiter daran, daß es sich bei solchen Mitteln nicht um Einzelfälle handelt, sondern um ein in ganz Deutschland verbreitetes Hebel, das nur hin und wieder einmal an Hand eines Prozesses in den Mittelpunkt ber Aufmerksamkeit kommt. Welche Summen gehen hier der Volksgesundheit verloren, um statt dessen die Taschen irgendwelcher gewissenloser Ausbeuter zu füllen! v _ Mit Recht hat darum auch der Staat den Stra- ßen- und Hausierhandel mit Arznei- unb Geheimmitteln gesetzlich verboten, und gerade im Hinblick auf die in letzter Zeit sich häufenden Fälle von Nichtachtung dieses gesetzlichen Verbotes hat die preußische Staatsregierung alle Polizeiorgane erneut und eindringlich darauf hingewiesen, gegen jede bekanntwerdende Zuwiderhandlung unnachsichtig strafrechtlich einzuschreiten. An sich müßte sich eigentlich ,eder denkende Mensch selbst sagen, daß auch Arzneien und Kräftigungmittel nur von bewährten Leuten, die dem Staate und der Allgemeinheit ihre Sachverständigkeit auch nachgewiesen haben, hergestellt unb feilgeboten werden biirfen, sonst leibet eben bie Allgemeinheit Schaben. Aber die Kniffe und Winkelzüge der qe- wissenlosen Ausbeuter der Unkenntnis ihrer Mitmenschen sind so zahlreich und verschmitzt, daß sie nicht immer leicht zu durchschauen sind. Da taucht z.B. ein Vertreter auf, der erklärt, er handele ja gar nicht mit Arzneien, sondern er nähme nur Bestellungen für eine bestimmte Firma entgegen. Das ist aber nur eine Umgehung des Gesetzes die verstärktes Mißtrauen erwecken muß. Derartige Vertreter oder Vertreterinnen haben namlidj ihre Bestellscheine, bie ber harmlose Kunde unterzeichnen soll, so geschickt aufgemacht baß der Cha- ratter der Bestellung wenig hervortritt, daß es Diel- mehr den Anschein hat, als bestätige man nur Öen Dertreterbesuch, als erbitte man nur eine kostenlose Probepackung ober dergleichen. Wenn man sich aber ben Schaben besieht, bann ist es doch eine Bestellung, die zur Einlösung der prompt folgenden Jiadp nohme über recht erhebliche Beträge unweigerlich verpflichtet. UUKb- Wennpostsendungenverlorengehen... Während der Reisezeit oder bei Umzügen kommt es wohl machmal vor, daß Postsachen Nicht zugestellt werden ober verlorengehen. In ber Deftent- lichkeit ist im allgemeinen wenig bekannt, wann die Reichspost für berartige Verluste haftet unb wann nicht. Grundsätzlich hastet die Deutsche Reichspost nur für den Verlust bzw. die Beschädigung von Wertbriefen, Paketen, Einschreibbriefen und aus Postanweisungen eingezahlten Beträge. Hierfür hastet sie unbedingt bei Verlust von Einzahlungen auf Postanweisungen. Bedingt haftet sie: a) bei Verlust von Wertsendungen in Hohe'des angegebenen Wertes, es sei denn, daß tue post- anstatt beweist, „daß der angegebene Wert den gemeinen Wert der Sache übersteigt". In diesem Falle ist nur dieser zu ersetzen. b) Bei Paketen ohne Wertangabe im Falle des Verlustes ober einer Beschädigung: für den wirklich Hause herrschende Frieden gestört werde. Der Hauswirt bat darauf seine Mieter, ihm ihre Fahnen abzugeben. Er hängte aus seinem Wohnungssenster Als sie gegen 8 Uhr ihre Töpfe vollgepflückt hat- I ten, wurden sie von einem jungen Burschen aus Großen-Linden im Alter von etwa 17 Jahren an- gesprochen, der ihnen ihren gesamten mühevoll gepflückten Beerenvorrat abnahm, in seinen Topf einfüHte und sich dann aus dem Staube machte. — Aus Angst vor dem Rohling hatten die Knaben nicht gewagt, sich zur Wehr zu setzen. Sie haben ihn aber erkannt und den DorsaU ihren Eltern mitgeteilt, die nun den Räuber zur Rechenschaft zieh^r wollen. ** Sterbefälle in Gießen. In der Zeit vom 16. bis 31. Juli 1932 verstorben in unserer Stadt: 16. Annemarie Decker, 3 Jahre, Alter Rödgerweg 14; 17. August Draudt, Landwirt, 77 Jahre, Ludwigstratze 42; 19. August Karl Wittich, Kaufmann, 62 Jahre, Drandplah 1; 21. Katharine Margolf geb. Kehr, 37 Jahre, Mittelweg 14; 21. Wilhelm Momberger, Bäckergeselle, 51 Jahre, Sandgalse 18; 22. Moritz Salomon, Taglöhner, 81 Jahre, Steinstraße 21; 24. Hermann Walter Schneider, Ingenieur, 30 Jahre, Goethestraße 42; 26. Franz Drück, Rentner, 73 Jahre, Schiffender- gerweg 19; 26. Albert Klein, Händler, 53 Jahre, An der Kläranlage 2; 27. Margarete Dickhardt geb. Emmerich, Wwe., 77 Jahre, Kaiserallee 6; 31. Heinrich Friedrich Christian Emde, Kanzleigehilfe, 40 Jahre, Landgrafenstrahe 4; 31. Anna Stumps geb. Herrmann, Wwe.« 39 Jahre, Frie- densstrahe 11. ' Zwei Hapag-Sonderreisen zur See. Wie uns von der Hamburg-Amerika-Linie Gießen mitgeteilt wird, finden vom 13. bis 20. August zwei billige Sonderreisen mit 50 Prozent Fahrpreisermäßigung statt. Die Fahrten fuhren von Gießen nach Hamburg. Dort beginnt für_ die Reise nach Programm I die Hochseefahrt über Cuxhaven—Helgoland zum Skagerrak-Schlachtfeld an die Norwegische Küste. Die Teilnehmer fahren mit dem größten deutschen Motorschiff der Hamburg—Amerika-Linie „St. Louis". Dorgesehen ist auch ein Aufenthalt im Rordseebad Cuxhaven. Der Preis für diese Fahrt stellt sich ab Gießen auf 126,30 Mk. — Eine Reise nach Programm II führt die Teilnehmer zunächst nach Hamburg und von dort aus in herrlicher Seefahrt auf einem Hapag-Dampfer nach Helgoland. Zwei schöne Tage werden im Seebad Cuxhaven verbracht. Der Preis für diese Ferienfahrt beträgt 95,30 Mk. Näheres ist aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich. ** Denkmalsweihe der 118er In Worms. Der Verein ehern. 118er hat in dankbarer Verehrung seinen gefallenen Kameraden ein Ehrenabzugeben. Er hängte aus feinem Wohnungssenster sämtliche i h m überlassenen Fahnen heraus unb richtete bie Bitte an bie Mieter genau so frieblich miteinanber zu leben, wie bie Fahnen einträchtig nebeneinanber hingen. In ßanbsberg hat diese eigenartige Lösung des Fahnenstreites größte Heiterkeit heroorgerufen. Schweres Lxplofionsunglück. In Ilmenau (Thüringen) ereignete sich auf dem Grundstück der Firma Koechert & Sohn eine schwere Explosion. Der Ingenieur Kohl- Hauer experimentierte an einem Glühschrank, an dem einige Erfindungen neu angebracht worden waren. Dabei explodierte eine Stahttrommel. Dem Ingenieur wurde die Schädeldecke abgerissen. Er war sofort t o t. Seine Frau wurde schwer verletzt und dürfte das Augenlicht verlieren. OBERSP die Zigarette im dicksten Format, bietet für ?"Pfg eine ganz ungewöhnliche Dualität, dazu die prächtigen Aoldaten-Dilder. - Lein Wunder, . k^öafc sie täglich weitere Freunde Abschluß -er 13. Rhön. Tie Liste der Sieger. Die an Zwischenfällen so reiche diesjährige Segelflug-Veranstaltung auf der Rhön ist am Sonntag mit dem sportlichen Porgramm abgeschlossen worden. Es tagen lediglich noch am Montag und Dienstag in Gersfeld die internationalen Führer des Segelflug-Sports. Die 13. Rhön hat unter einem ungünstigen Stern gestanden. Zwei der Besten — Günther G r ö n h 0 f f - Frankfurt und der Breslauer Student Rüdiger — find töblid) abge» stürzt. Der letzte Tag sah noch einmal einen regen Flug- betrieb auf der Wasserkuppe. Dabei konnte sogar der junge Flieger Schleicher- Schwabach mit 12 Stunden einen neuen Dauerflug-Rekord auf- steilen Die Zahl der Starts ist auf 523 gestiegen. Am Abend tagte noch auf der Wasserkuppe der „Ring der Segelflieger". Auf der Tagesordnung standen verschiedene Punkte, u. a. auch die notwendig gewordene Umgestaltung der nächstjährigen Ausschreibungen und der Klasseneinteilung. Am Montagnachmittag fand als Auftakt zur zweiten I internationalen wissenschaftlichen Segelflug-Tagung 1 auch ohne Mund stück WALDORF.ASTORIA G M.B.H. M oetHreOle Mel. Original-Roman von Anny von panhuys. Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig. 23 Sortfct j. * Nachdruck verboten! Der Alte nickte zustimmend. Er ging in sein Zimmer und kehrte bald in einem eleganten Lleberzieher und einem weichen Filzhut teuerster QIct zurück. Wie ein vornehmer alter Herr der ersten Kreise sah Melchior Stampferi a.ts. Lil trug jetzt einen dunkollila Samtmantel mit Hermelin und dazu passenden kappcnartigen Hut. Entzückend sah sie aus, wie sie durch die Wege des Hydeparks spazierte, ab und zu einen Satz mit ihrem Begleiter wechselnd. Kein Mensch von allen, die ihnen hier begegneten, und von denen sich mancher Herr nach dem bezaubernden zierlichen Mädchen umschaute, wäre auf die Idee verfallen, diese junge, vornehme Dame, die sich hier anscheinend mit ihrem Großvater erging, könne gleichbedeutend sein mit dem Dlown Fix, den allabendlich wahre Beifallsstürme umtosten. Man nannte in Fachkreisen den Elown „Fix" den besten Clown der Welt, und es stimmte auch wohl. Lil hatte noch viel dazu gelernt, seit sie chr erstes großes Engagement angenommen, sie arbeitete ständig, übte und probierte oft stunden- und tagelang an einem neuen Trick. Aber ihr Bankkonto bewies ihr auch, daß sich ihr Fleiß reich lohnte. Ueberall, wohin sie kam, lebte sie zurückgezogen. Sie ließ sich an Melchior Stampferls Gesellschaft genügen und arbeitete für eine Zukunft. über die sie noch nicht allzuviel nachgedacht hatte. Ein kleiner Gutshof schwebte ihr manchmal vor für spätere Jahre, wo sie sich schöne Pferde und Hunde halten konnte. Aber niemals spielte der Gedanke, einmal zu heiraten, in ihre Träume und Pläne vom Später hinein. Sie konnte keinem anderen Manne gut sein, wie sie Werner gut gewesen, dem ihr Herz noch gehörte, und sie konnte sich von keinem anderen Mann mehr küssen lassen. Ihre Lippen hatte Werner mit den seinen berührt, kein anderer Mann durfte ihr die Erinnerung daran wegküssen. 17. Kapitel. Ein sertsamer Besuch! Celia hatte Werner Sturm die Summe von zweihunderttausend Mark auf ihrer Bank angewiesen. Sie brachte ihm die Anweisung und befand sich nun mit ihm in seinem Arbeitszimmer, saß neben ihm auf dem bequemen Ledersofa. „Du bist sehr gut, Celia", dankte er ihr, „ich habe das Gefühl, dir gar nicht oft genug wiederholen zu können, wie ich mich schäme, dich bisher so völlig verkannt zu haben. Ich, der ich bisher geglaubt habe, ein guter Menschenkenner zu sein, bin jetzt davon überzeugt, daß ich gar keine Menschenkenntnis besitze." — Er küßte ihre Hand, vertiefte sich in die Betrachtung ihrer hübschen, pikanten Züge und meinte: „Ich bin ein Glückskind. Nicht nur mein Krankenhaus darf jetzt Wahrheit werden, ich bekomme mit dem Geld dafür noch eine entzückende Frau dazu. Ich habe bereits ein mittelgroßes Haus mit kleinem Borgarten und größerem Hintergarten im Auge für meine Wünsche. Es war bisher ein Haushaltungspensionat darin und es bedarf keiner besonders schwierigen baulichen Beränderungen, um es für den neuen Zweck einzurichten. Ich lasse, wenn ich mit der Besitzerin des Hauses einig werde, dein Geld dort als Hypothek eintragen. Den größeren Teil davon, den anderen hier auf unser Haus in der Lindenstraße, das völlig hypothekenfrei ist." Celia sagte nachdenklich zu Werner: „Ich glaubte eigentlich, du beabsichtigtest, ein neues Haus aufbauen zu lassen." Er verneinte. „Das nimmt zuviel Zeit in Anspruch, darauf mag ich nicht warten." Sie lächelt«: „So gut wie du das Krankenhaus in einein Borort untevbringen kannst, ich meine, wenn es nicht nötig ist, das) es in der Innenstadt liegt, kannst du doch ebensogut meine Billa nehmen. Nödelheim ist auch nicht aus der Welt und die Billa sehr geräumig. Außerdem ist noch Platz zum Anbauen überreichlich vorhanden." Er küßte wieder ihre Hand. „Dein Borschlag ist ausgezeichnet, Celia. Eine glänzende Idee ist das. Ditte, wir wollen die Billa gleich besichtigen. Ich kenne sie ja kaum." Er hätte auf der Stelle geheiratet, wenn sie es gewollt hätte, so froh war er bei dem Gedanken, wie sehr sich nun alles für ihn vereinfachte. Er brauchte nicht mehr mit fremden Leuten um den Kaufpreis zu schachern und brauchte auch das Geld nicht von Celia. Ihm war jetzt schon mit einer viel kleineren Summe gedient, die er noch selbst zusammenbrachte. Sie legte die Arme um seinen Hals. „Ich liebe dich, Werner, und ich habe nicht nur Hände zum Küssen, sondern auch einen Wund." „Das stimmt allerdings!" lachte er, und in dem Augenblick jäh aufwallender Dankbarkeit für den Rat und die Hilfe Celias küßte er sie lange und heih. Ganz scheu drängte sich wieder Lils Bild vor ihn hin, zierlich und blond. Er schob es fort. Was kümmerte ihn noch das trotzige, durchgebrannte Mädel, das inzwischen die Frau eines Amerikaners geworden war. In seine Ehe mit Celia sollte sich der Spuk Lils nicht mehr eindrängen, es war übergenug, daß er bis jetzt immer wieder aufgestiegen war aus einem Herzenswinkel, wo sein Wille noch nicht hatte hinreichen können, um ihn zu vernichten. Die Billa war ganz das, was Werner für seine Zwecke brauchte. Hohe geräumige Zimmer, Flügeltüren und breite niedrige Treppen. Auch hatten Lust und Licht überall Zutritt. Celia war besonders zufrieden. Sie konnte ihr Geld behalten, von dem sie sich nur schweren Herzens getrennt hätte, und die Billa blieb eigentlich auch ihr Eigentum, da Werner eine Lieberschreibung auf seinen Namen nicht für nötig hielt und er in der Ehe Gütertrennung wünschte. „Du sollst deinen Reichtum behalten", erklärte er, „ich will meine Frau selbst ernähren, den Kleiderlurus, den du bisher getrieben, kann ich dir allerdings nicht bieten, aber du wirst als meine Frau auch einfacher leben und weniger mitmachen. Ich weih ja nun, du hast dich nur aus Furcht vor der Einsamkeit in den Trubel der Geselligkeit gestürzt. Du botest mir an, bei meinem Werk nach Kräften zu helfen. Ich freue mich sehr darauf, Celia." Sie lächelte heimlich, weil sie gar nicht daran dachte, sich um kranke Menschen zu kümmern. Sie hotte nur dergleichen sagen müssen, um den Monn, den sie begehrte, einzufangen. Mit Eifer stürzte sich Werner Sturm jetzt in die Arbeit. Celia verkaufte die meisten Möbel der Billa und zog zu ihrer Tante, Frau von Welp, dann begannen die Handwerker ihr Werk, die Innenräume der Billa nach den Anordnungen Dr. Sturms zu verändern. Ein paar Wochen vor seiner Hochzeit saß er mit seiner Mutter und Celia im Wohnzimmer des Doktorhauses beisammen, als das Mädchen eine Karte brachte. „Franz Hirt, London" stand darauf gedruckt, und darunter war geschrieben: „Möchte Herrn Baron Dr. Sturm in wichtiger Angelegenheit sprechen." Das Arbeitszimmer und das Wartezimmer wurden neu tapeziert, deshalb diente das Wohnzimmer vorübergehend dazu, Patienten oder Besucher Werners zu empfangen. „Komm mit in mein Zimmer, liebe Celia", schlug die Baronin vor, die sehr zufrieden war mit der Verlobung. Celia nickte und las die Karte auch. Sie fragte: „Kennst du diesen Franz Hirt, Werner?" Er zuckte die Achseln. „Keine Ahnung habe ich." Das Mädchen sah ihn fragend an, er rief ihr zu: „Eintreten lassen, bitte." Auf dem Flur sahen die Baronin und Celia den Besucher. Cs war ein magerer, alter Herr in tadelloser, fast zu eleganter Kleidung. Sein Gesicht war von zahllosen Fältchen durchzogen, aber es standen in dem Gesicht, mit dem auffallend großen, schmallippigen Mund ein paar ernste, kluge Augen, die jetzt die beiden an ihm vorübergehenden Damen aufmerksam betrachteten. Celia äußerte zu der Baronin, nachdem der Fremde im Wohnzimmer verschwunden war, wo ihn Werner erwartete: „Dieser alte Mann hat unverschämte Augen, ich möchte wirklich wissen, was er von Werner will." Werner Sturm empfing den Eintretenden mit höflicher Verneigung. „Ich bin Dr. Werner Sturm und bitte Sie, mir zu sagen, was Sie zu mir führt." Der viel kleinere Besucher nickte: „Gerne, deshalb bin ich ja von London hierhergekommen." Werner Sturm wies auf einen Stuhl und der andere setzte sich. „Ich komme nicht in eigener Angelegenheit", begann er, „sondern im Auftrage einer anderen Person. Um es kurz zu machen: Jemand in London, der mit Aufmerksamkeit über Ihre neue Heilmethode gelesen hat und sich auch sonst über Sie unterrichtete, erfuhr, daß Sie ein Krankenhaus einrichten möchten, wozu aber vorläufig noch die Mittel fehlen. Die soll ich Ihnen, um der guten Sache willen, jetzt zur Verfügung stellen. Dreimalhunderttausend Mark liegen bereit für Sie auf der Bank von London und werden, sobald Sie mit meinem Vorschlag einverstanden sind, unter Ihrem Namen einer hiesigen Bank überwiesen. Ich betone gleich, mein Auftraggeber wünscht ungenannt und unbekannt zu bleiben. Es handelt sich nur um den guten Zweck." (Fortsetzung folgt.) Jetzt-die letzten Tage! M UM MWU ■ f <- -Hk- M Lassen Sie sich die Vor teile nicht entgehen, die wir Ihnen in diesem Umfange jetzt bieten--nur jetzt im Selbst die größten Zweifler staunen! Nur noch bis 6. August! SAISON SCHLUSS VERKAUF n Gießen 5622 A Geschäfts-Einrichtungen jeder Art und Ausführung lief. preisw.0,M1 Emil b Müller, Gieüen, Tel. 2332 Mittwoch, den 3. August 1932, nachmit- tags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28, „Zum Löwen", zwangsweise gegen Barzahlung: 1. 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Sie arbeiteten vorzüglich und waren ein paar tüchtige Helfer für die Küche geworden. Vielleicht war auch das sehr wichtig, daß beide Pressen von Häuser, Am OswaTdsgarten. waren. Die Zeit der Beerenfrüchte steht nun vor der Tür und auch Sie brauchen eine tüchtige Becrenpresse, um die schönen Früchte weiterzuverarbeiten. Denken Sie an Onkel Mollig und an seinen guten Kauf, wenn Sie sich eine Spindelpresse zulegen wollen. Kommen Sie auch zu uns und suchen Sie sich eine dieser Pressen bei uns aus. Was Sie für Systeme auch haben wollen, Häuser führt sie alle. Also Ihre Beerenpresse wird von J. B. Häuser sein. 5243 A X B. HAUSER, GIESSEN AM OSWAL DSG ARTEN ____ jugendlichen Angestellten zu ihrer Fortbildung gerne in Anspruch genommen werden. Mehr denn je ist sich die Jugend, die im Existenzkampf steht, der Notwendigkeit der beruftichen Fortbildung bewußt. Neben diesen Grundlehrgängen wird auch Kaufmännische Betriebswirtschaftslehre gepflegt. Die Kundenwerbung des Kaufmanns, das Mahn- und Klagewesen, der Wechsel- und Scheckverkehr wurden behandelt und schließlich auch noch verschiedene Fachlehrgänge angeregt. In Arbeitsgemeinschaften befaßt man sich mit der modernen Organisation des Kaufmanns, mit den Grundbegriffen der Volkswirtschaft, mit dem Stand der Kaufmannsgehilfen im Staate und man suchte in einer Rednergemeinschaft die sprachliche Aus- drucksfähigkeit zu fördern. Der DHV. hat außerdem für seine Mitglieder und insbesondere für die Jugendlichen eine Anzahl Vortragsveranstaltungen in den Nahmen des Arbeitsprogramms eingefügt, die dazu beitragen sollen, das Allgemeinwissen auf eine breitere Basis zu stellen. Ne>- ben all diesen rein der beruflichen Fortbildung der Angestelltenschaft dienenden Arbeit pflegt man im DHV. auch eine Geselligkeit, die durch die Organisation in einzelnen Gilden die DHDer eng zusammenschlieht. So existiert ein „Bund der Kaufw.annsjugend im DHV.", der die Jugendlichen von Zeit zu Zeit ganz in ihrem Kreise vereinigt, es besteht eine Gemeinschaft „fahrender Gesellen", die auf Wanderungen die engere und weitere Heimat kennenlerncn will, es besteht eine Lurnergilde, die die Leibesübung auf ihren Wimpel geschrieben hat, eine Musikergilde ist bemüht, zur Hebung der Geselligkeit im Rahmen der Veranstaltungen der Ortsgruppe beizutragen, eine Schachgilde pflegt das Spiel der Könige. So vereinigt sich im DHV. das ernste Streben zur beruflichen Weiterbildung mit der sinnvollen Aufbauarbeit im Dienste der Volksgemeinschaft. Das universelle Dildungsmittel für den kaufmännischen Nachwuchs, die Scheinfirma, hat sich auch der Gewerkschastöbund der Angestellten zu eigen gemacht. Auch der GdA. hat in seinen Ortsgruppen Scheinfirmen eröffnet und ein derartiges „Unternehmen" existiert in der „Kohlenhandlung Miehmacher & Flottweg" auch bei der hiesigen Ortsgruppe des Gewerkschaftsbundes. Jeden Montag finden sich etwa 10 junge Leute im Kaufmännischen Vereinshaus an der Nordanlagc ein, um sich unter der Aufsicht und Anleitung eines erfahrenen älteren Kollegen und Fachmannes in die verschiedenen Abteilungen eines kaufmännischen Betriebes einführen zu lassen. Die Scheinfirmenarbeit ist nicht die einzige Form der Fortbildungsbestrebung im GDA. Es werden und wurden besonders im vergangenen Winter verschiedene Vorträge abgehalten, die den Zweck verfolgten, das Allgemeinwissen der Mitglieder und der Jugendlichen zu erweitern. In Arbeitsgemeinschaften befaßte man sich mit Problemen der Wirtschaft und der Politik, wies dabei insbesondere auf die engeren Zusammenhänge in der Weltwirtschaft hin. Grundlegende Kenntnisse in Staatsbürgerkunde zu vermitteln, hat man sich in den gegebenen Grenzen ebenfalls angelegen sein lassen. Ein Teil der Dildungsarbeit wurde durch Kollegen der Ortsgruppe bestritten, andererseits waren des öfteren Redner des Verbandes gebeten worden. Der Iugendbund des GDA hat sich nebenbei in besonderer Berücksichtigung der Eigenart der Jugend ein spezielles Aufgabengebiet geschaffen. Die Jugendlichen machen Wanderungen, um die Heimat kennenzulernen, veranstalten Heimatabende gemeinsam zum Teil, zum anderen Teil getrennt in Jungens- und Mädelschaft, um den jeweiligen Veranlagungen der Geschlechter gerecht werden zu können. Geselligkeit, Spiel, Gesang kennzeichnet die Heimabende, in deren Mittelpunkt oft genug ein Filmvortrag oder ein Vortrag an Hand der in letzter Zeit gerne benützten Dild- bandreihen steht. So wird auch hier eifrig gearbeitet und man bemüht sich ehrlich, wie auch in den anderen Verbänden, dem Nachwuchs das Rüstzeug mitzuge- ben, das so dringend notwendig ist für den Existenzkampf in der Gegenwart und in der nicht sehr hoffnungsvoll vor uns liegenden Zukunft. Die Arbeit der Angestelltenverbände fällt auf frucht- i baren Boden und man möchte immer nur wün- I sehen, daß all den Jugendlichen Gelegenheit gegeben sein möge, ihre in freiem Entschluß erarbeiteten Kenntnisse in der Praxis auswerten zu können, nicht nur im Interesse der eigenen Person, sondern auch im Interesse der Wirtschaft, die auch heute, trotz aller Rationalisierung den geistig mitschaffenden, miterlebenden Angestellten nicht entbehren kann. Wirtschast. Erläuterungen zumReichsbankausweis vom 30. Juli 1932. Berlin. 2. 2lug. (WTB. Funkspruch.) Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 30. Juli 1932 hat sich in der Ultimowoche die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 350 Millionen auf 3744,4 Millionen Reichsmark erhöht. Im einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und Schecks um 185,4 Millionen auf 3107,5 Millionen Reichsmark, die Bestände an Reichsschatzwechseln um 42,5 Millionen auf 47,6 Millionen Reichsmark und die Lombardbestände um 122,1 Millionen auf 224 Millionen Reichsmark zugenommen. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 254,8 Millionen Reichsmark in den Verkehr abgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 244,9 Millionen auf 3966,9 Millionen Reichsmark, derjenige an Rentenbankscheinen um 9,9 Millionen auf 413,2 Millionen Reichsmark erhöht. Dementsprechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 13,9 Millionen Reichsmark ermäßigt. Die fremden Gelder zeigen mit 379,6 Millionen Reichsmark eine Zunahme um 20,8 Millionen Reichsmark. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen haben sich um 2,2 Millionen auf 894,1 Millionen Reichsmark erhöht. Im einzelnen haben die Goldbestände um 12,1 Millionen auf 766,2 Millionen Reichsmark zugenommen und die Bestände an deckungfähigen Devisen um 9,9 Millionen auf 127,9 Millionen Reichsmark abgenommen. Die Deckung der Noten durch Gold und deckungsfähige Devisen betrug am Ultimo 22,5 gegen 24 v. H. am 23. Juli d. I. Oer Abschluß der Rudolph-Karstadt- AG., Berlin-Hamburg. Berlin. 1. Aug. Die Rudolph-Karstadt-AG. schließt das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem sehr erheblichen Verlust ab. Seit Beginn des vorigen Jahres war die Gesellschaft nach einschneidenden Aenderungen in der Verwaltung bekanntlich dazu übergegangen. Ware chaus- fremde Betriebe abzustoßen, was natürlich nur mit außerordentlichen Verlusten möglich war. Dazu kommen die durch den Preisrückgang hervorgerufenen Konjunlturverluste. Der weitaus größte Teil des nach Einziehung von 5 Mill. Mark eigener Aktien mit rund 34 Mill, ausgewiesenen Verlustes entfällt auf solche außerordentliche Umstände, nämlich rund 24,6 Mill. Mark auf Sonderabschreibungen — denen 1,8 Mill. Mark außerordentliche Gewinne und 2,4 Mill. Mark Gewinne aus der Einziehung der eigenen Aktien gegenüberstehen —, ferner rund 12 Mill. Mark auf Konjunkturverluste, während die restlichen 1,5 Mill. Mark auf das reguläre Geschäft zurückzuführen sind. Hiermit ist allen erkennbaren Verlusten Rechnung getragen. Der Umsatz in den Detailbetrieben ist im Berichtsjahr auf rund 252 Mill. Mark gegenüber rund 310 Mill. Mark im vorigen Jahr zurückgegangen. Trotz angestrengter Bemühung war es in der verhältnismäßig geringen Zeit der Reorgani- I sation nicht möglich, die Spesen im gleichen | Verhältnis zu senken. — Die Verwaltung sieht davon ab, der GV. schon jetzt Vorschläge für die Beseitigung des Verlustes zu machen, weil nach ihrer Ueberzeugung eine solche Mcßnahme allein zur Sanierung der Gesellschaft nicyt ausreicht. Darüber hinaus müssen erhebliche Abschreibungen auf die Anlagewerte der Gesellschaft vorgenommen werden, um die Rentabilität wieder herzustellen. Die Durchführung einer ausreichenden Sanierung erfordert Opfer nicht nur von den Aktionären und den Bankgläubigem: dazu ist auch eine Mitwirkung der Inhaber der Dollarbonds notwendig. Im verflossenen Teil des laufenden Geschäftsjahres betrug der wertmäßige Umsahrückgang ungefähr 20 Prozent gegenüber dem Berichtsjahre und hält sich damit im Rahmen des allgemeinen Umsatzrückganges der Branche. Berlin zurückhaltend — unregelmäßig. Berlin, 2. Aug. (WTB. Funkspruch.) Nach den starken Steigerungen des gestrigen Mittagsverkehrs war schon in den Abendstunden eine gewisse Ernüchterung eingetreten. Auch heute konnte man eher Zurückhaltung beobachten, da die Gefolgschaft des Publikums immer noch fehlt. Es war doch so, daß gestern die Kurse meist nur hinausgesprochen wurden, ohne daß die Umsätze den erzielten Steigerungen reell entsprachen. Das erhöhte Kursniveau wurde daher schon wieder zu Realisationen benutzt, so daß die Tendenz heute ziemlich unregelmäßig wurde. Etwas störten vielleicht auch die Unruhen an den verschiedenen Stellen des Reiches, während anderseits die feste Veranlagung der Auslandsbörsen zweifellos tendenzstützend wirkte. Auch der Reichsbankausweis, der natürlich als Ultimoausweis eine Anspannung (um 350 Mill.) bringen mußte, wurde im allgemeinen nicht ungünstig kommentiert, zumal die Bestände an Gold und Devisen eine Erhöhung (um 2,2 Mill.) erfahren haben. Die Verschlechterung der Deckung auf 22,5 nach 24 Proz. ist darauf zurückzuführen, daß Noten im Betrage von rund 255 Millionen in den Verkehr abgeflossen sind. Das Geschäft war heute wieder sehr klein und beschränkte sich auf Spezialgebiete. So waren anfangs Julius Berger mit plus 2,25 Prozent, Dortmunder Union mit plus 2. Schubert & Salzer mit plus 1,25 Proz., Braubank mit plus 2,50 Proz., Chadeaktien mit plus 3 Mk., Westeregeln mit plus 4,50 Proz. und Kunstseidenwerte etwas fester, während anderseits Reichsbankanteile mit minus 1,50 Prozent und Feldmühle mit minus 1,75 Prozent schwächer eröffneten. Im Vordergründe des Interesses standen aber Deutsche Anleihen, von denen Altbesih 0,50 Proz. höher und Neubesitz mit plus 0,20 notierte. Der übrige Rentenmarkt lag wenig verändert. Reichsschuldbuchforderungen gingen auf letzter Basis um, Reichsbahnvorzugsaktien konnten zirka 0,25 Proz. gewinnen, von Industrieobligationen waren die 6proz. Krupp um 1,13 Proz. gebessert. 3m Verlaufe änderte sich zunächst an der Geschäftslosigkeit nichts, später wurde es jedoch am Farbenmarkt etwas lebhafter, das Angebot nahm zu. Hiervon ausgehend bröckelten die Kurse allgemein etwas ab. Farben und Sietnens verloren je zirka 1,25 Proz., sonst gingen die Verluste aber kaum über 1 Proz. hinaus. Frankfurt leicht abgeschwcicht. Frankfurt 2. August. (WTB. Drahtmeldung.) An der heutigen Börse machte sich zu Beginn eine starke Zurückhaltung bemerkbar, obwohl die feste Haltung der deutschen Werte im Auslande noch vor- börslich eine freundliche Stimmung verursacht hatte. Da aber das Publikum sich auch weiterhin nicht am Börsengeschäft beteiligte, schritt die Spekulation nach den gestrigen Käufen zu einigen Glattstellungen, wobei die Unruhen im Reiche etwas verstimmten und die Weiterentwicklung der innerpolitischen Lage allgemein abgewartet wird. Bei sehr kleinem Geschäft war die Kursgestaltung zwar uneinheitlich, doch überwogen kleine Abschwächungen, die sich im Laufe der Börse noch vergrößerten. IG. eröffneten zunächst noch knapp behauptet, gingen aber später stärker zurück. Dagegen lagen am Chemiemarkt Scheidennstalt mit plus 1 v. H. recht fest. Von Elektroaktien eröffneten AEG., Siemens, Schuckert bis zu 1 v. H. niedriger, Licht und Kraft zogen dagegen leicht an. Von Elektronebenwerten waren Lahmeyer etwa 3 o. H. höher. Am Montanmarkt kamen zunächst nur Buderus mit plus % v. H. zur Notiz. Von Kunstseideaktien gingen Aku nach der Steigerung im Abendbörsenverkehr um % o. H. zurück. Schwächer lagen noch AG. für Verkehrswesen und Schiffahrtswerte. Von Nebenwerten sogen Zement Heidelberg 1 o. H. und Zellstoff Waldhof % v. H. an. Der Rentenmarkt lag weiter fest, befonbcrs Altbesitz mit plus % v. H. Neubesitz konnten sich % d. H. befestigen. Dagegen lagen Reichsschuld- b u ch f o r d e r u n g e n im Angebot und bis zu 1 v. H. niedriger. Goldpsandbriefe lagen nur wenig verändert. LiguidabionSpfandbriese konnten sich zum Teil weiter befestigen, doch war die Kursbewegung uneinheitlich. Fester tendierten Kommunalobligationen, die bis zu 1 v. H. höher bewertet wurden. Im Verlaufe blieb die Zurückhaltung bestehen und die Kurse bröckelten weiter leicht ab. Altbesitz büßten ihren Anfangsgewinn wieder ein, während Neubesitz etwa behauptet lagen. Tagesgeld war zu 4,5 o. H. etwas leichter. ^Rinöermarff in Gießen. Auf dem heutigen Rinder-Nutzoiehmarkt in Gießen standen 722 Stück Großvieh, 129 Fresser, 216 Kälber zum Verkauf. Auswärtige Käufer waren zahlreich vertreten. Es kosteten: Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qualität 350 bis 400 RM., 2. Qualität 200 bis 300, 3. Qualität 100 bis 150; Schlachtkühe a) 150 - bis 260, b) 50 bis 100; Rinder, halb- bis dreioiertel- jährig, 60 bis 110, dreiviertel- bis zweijährig 80 bis 160; tragend 170 bis 320; Kälher, das Pfund Lebendgewicht 20 bis 30 Pf. Ausgesuchte Tiere über Notiz. Marktverlauf: etwas lebhafter als am letzten Markt. Wettervoraussage für Mittwoch und Donnerstag. Ein Hochdruckkeil hat sich von Westen her über das Festland vorgeschoben und wird zunächst bestimmend für unser Wetter sein. Die durch die Ausläufer der skandinavischen Störung stellenweise noch hervorgehobene Bewölkung wird allmählich ver-" schwinden. Auch werden die Temperaturen tagsüber kräftig ansteigen. Ein neues Tief über Island macht seinen Einfluß schon südlich bis an die Westküste Irlands geltend, wo die Winde nach Süden zurück- gedreht haben und bereits Niederschläge auftreten. Eine Schönwetterlage von längerer Dauer kommt daher nicht zustande, vielmehr ist für späterhin mit dem Auftreten von gewittrigen Störungen zu rechnen. Aussichten für Mittwoch: Aufheiternd, vorübergehend auch bewölkt, warm und vorwiegend trocken. Aussichten für Donnerstag: Vorerst weiter zunehmende Erwärmung, dabei aber auf- kommende Gewitterneigung. Verantwortlich für Lokales, Provinz, Sport und Wirtschaft i. V.: H. L. Neuner. 2 billige Sonder-Fahrten! 13. bis 20. Augast 50° 0 Fahrpreisermäßigung Programm 1: Hamburg und Seefahrt an die norwegische Küste. Badeaufenthalt im Seebad Cuxhaven Preis Mk. 126.30 ab Gießen. 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Ehrensenator der Technischen Hochschule Äreslau. 3m Verlauf von Beratungen über den sog. ..Konstruktiven Aufbauplan" hat das Reichs- kabinett beschlossen, erheblich verstärkte MittelfürdieErweiterungdesFrei- willigen Arbeitsdienstes zur Verfügung zu stellen. Cs dürfte sich um insgesamt rund 60 Millionen handeln, mit denen eine etwa einjährige Beschäftigung von 60 000 jungen Leuten sichergestellt sein würde. An den Grundsätzen für die Verwendung des Freiwilligen Arbeitsdienstes hat sich nichts geändert. Der Freiwillige Arbeitsdienst geht von der Anschauung aus, daß das Elend der Arbeitslosen nicht nur in ihrer bedrängten materiellen Lage, sondern ebenso in dem iziederdrückenden Gefühl besteht, für nichts auf der Welt von Ruhen zu sein. Diesen seelischen Druck will er dadurch beseitigen, daß er ihnen für eine Reihe von Wochen die Möglichkeit zu nützlicher Beschäftigung gibt. Da dies nicht für alle Arbeitslose durchgeführt werden kann, und da es bei der gegenwärtigen Finanzlage unmöglich ist, für die Arbeitsfreiwilligen eine erhebliche materielle Besserstellung herbeizuführen, gründet sich die Beteiligung auf freiwillige Meldung. Dadurch erfolgt von vornherein eine Auslese, indem diejenigen berücksichtigt werden, die unter der Untätigfeit am meisten leiden. Mit diesem Gedankengang, der von der Rot des einzelnen Arbeitslosen ausgeht, verbindet sich im Aufbau des Arbeitsdienstes ein zweiter, der die Allgemeinheit im Auge hat. Es ist unbefriedigend, Daß jahraus, jahrein riesige Geldsummen, die mit großer Schwierigkeit durch Versicherungsbeiträge und Steuern zusammengebracht werden, dem bloßen Lebensunterhalt der Erwerbslosen dienen, ohne daß diese der Allgemeinheit eine <3 egen» leistung bieten. Diese Lieberlegung Hot schon vor mehr als zehn Jahren zur Einrichtung der „‘Berte schafsendem Erwerbslosen- fürsorge" geführt. Ihr Grundgedanke ist der: unter der Bedingung, daß dadurch öffentlich rechtlichen Körperschaften die Inangriffnahme von sonst finanziell undurchführbaren Aufgaben ermöglicht wird, wird den zu ihrer Durchführung herangezogenen Erwerbslosen die Unter, stützung weitergezahlt, so daß sich der Arbeitslohn, der von dem Unternehmen selbst aufgebracht werden muß, um den Unterstühungs- betrag verringert. Bei solchen Rotstandsarbeiten werden die tariflichen Löhne gezahlt. Infolgedessen erwies sich aber diese Erleichterung oft als nicht ausreichend, um Arbeiten in Gang zu bringen. Man half nach durch eine „verstärkte Förderung" in Form von langfristigen und niedrig verzinslichen Darlehen zur Beschaffung von Materialien, Maschinen und dergleichen bis zur Höhe von 13 Mark je Tag und Arbeiter. Diese zusätzlichen Beträge konnten selbstverständlich nicht aus den laufenden Mitteln der Erwerbslosenfürsorge genommen, sondern mußten durch Reich und Staat besonders bereitgestellt werden. Mit der Verschlechterung der Finanzlage wurde das immer schwieriger, so daß der Umfang der Notstandsarbeiten sich stark verringerte. Wenn man, wie dies gelegentlich geschieht, die Einführung des Freiwilligen Arbeitsdienstes für diesen Rückgang verantwortlich macht, so ist das falsch. Durch den Freiwilligen Arbeitsdienst darf kein Vorhaben aufgenommen werden, ehe nicht das Landcs- arbeitsamt sorgfältig geprüft hat, ob nicht die Erledigung der Aufgabe auch in freier Arbeit — die grundsätzlich den Vorzug hat — oder in Form einer Notstandsarbeit möglich ist. Der Freiwillige Arbeitsdienst soll, das ist ein grundlegender Gesichtspunkt, auf dessen Durchführung mit aller Strenge geachtet wird, keineranderenStelleArbeitfort- nehmen, sondern zusätzliche Arbeitschaf- f c n und dadurch die Zahl der Beschäftigungslosen verringern. Vom Standpunkt des Arbe'itnehmers ist die produktive Erwerbslosenfürsorge die vorteilhaftere Form, weil er dabei den vollen Tariflohn erhält und sich außerdem durch seine Arbeit den Anspruch auf eine entsprechende Verlängerung der Unterstiitzungs- dauer durch die Arbeitslosenversicherung schafft. Der Freiwillige Arbeitsdienst kennt keine Tarif- l ö h n e. Der Arbeitswillige erhält nur den Betrag, der ihm auch zustande, wenn er nicht arbeitete. Eine gewisse Vergünstigung liegt darin, daß unter bestimmten Bedingungen von der Einzelberechnung der Ansprüche abgesehen und eine Pauschale von 2 RM. je Tag und Arbeitskraft gezahlt werden kann. Für jugendliche Arbeiter und solche, die niederen Tarif- klassen angehören, bedeutet dies eine Besserstellung. Außerdem darf dieser Betrag, wenn die Durchführung der Arbeit solange dauert, auch über den Termin hin ausgezahlt werden, an dem der Anspruch ohne die Beteiligung am Freiwilligen Arbeitsdienst wegen des Ablaufs der zwanzig Unterstützungswochen erlöschen würde. Die Arbeits- dauer für den einzelnen Erwerbslosen ist im allgemeinen auf zwanzigWochen beschränkt, kann aber verlängert werden. Dringend der Aenderung bedürftig erscheint mir der gegenwärtige Zustand, daß durch die Beteiligung am Freiwilligen Arbeitsdienst kein neuer Unterstützungsanspruch erworben, dieser vielmehr genau so aufgebraucht wird, als wenn der Unterstützungsempfänger untätig geblieben märe. Diese Bestimmung erklärt sich daraus, daß die Arbeitslosenversicherung in ihrer bedrängten finanziellen Lage neue Leistungen nicht aus eigener Kraft zu übernehmen vermag. Meiner Ansicht nach muß hier in ähnlicher Weise wie bei der Werte schaffenden Arbeitslosenfursorge mit besonderen Mitteln von Reich und Staat ein» gesprungen werden. Der Freiwillige Arbeitsdienst soll Leistung — Dien ft — für d i e Allgemeinheit fein. Er darf darum nicht zum Vorteil von Privatpersonen eingesetzt werden. Er ist aber auch nicht auf öffent» lich-rechtliche Körperschaften beschrankt. Es kann sich vielmehr jede Vereinigung, z. B. Meliorationsgenossenschaften, Sportvereine. Iugendvereme seiner zur Durchführung von Arbeiten bedienen, soweit dabei Personen verwendet werden, die Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung, Krisenfürsorge oder Wohlfahrtsunterstützung haben, im letzten Falle freilich nur, wenn die unterstützende Gemeinde ihren Beitrag auf den staatlichen Satz erhöht. Da Beihilfen nach Art der Darlehen bei der Werte schaffenden Erwerbslosenfürsorge nicht gegeben werden, kommen im allgemeinen nur Arbeiten in Frage, bei denen d i e Arbeitslöhne den überwiegenden Teil der li tt k o st e n ausmachen. In der Praxis wird es sich in den meisten Fällen um Erdarbeiten, z. B. um Meliorationen, Ziehen und Reinigen von Gräben, Verlegen von Dränageröhren, Herstellung von Pflanzlöchern bei Aufforstungen, Herrichtung von Wegen, etwa bei der Aufteilung von Gütern zum Zwecke der Siedlung, um Planieren von Bauplätzen, Ausheben von Baugruben und ähnliches handeln. Bei der Durchführung wird zwischen der unternehmende Stelle, die etwas mißverständlich als „Träger der Arbeit" bezeichnet wird, und den aus- führenden Kräften, dem „Träger des Dienstes" unterschieden. Diese beiden Stellen können auch identisch sein, wenn z. B. ein Sportverein mit Hilfe seiner arbeitslosen Mitglieder einen Sport- oder Schwimmplatz herrichtet. Meist wird es sich freilich in solchen Fällen nur um eine einmalige Gelegenheitsarbeit handeln. Im übrigen können Organisationen der verschiedensten Art als Träger des Dienstes auftreten, z. B. der Jungdeutsche Orden, der Stahlhelm, das Reichsbanner, soziale Ausschüsse, Jugendorganisationen aller Art usw. Im allgemeinen hat es sich als praktisch erwiesen, für die Durchführung einer Arbeit einen Personenkreis einzusetzen, der schon vorher einen inneren gesinnungs- Jn dieser heißen Jahreszeit bereitet es dem Mitteleuropäer eine gewisse Freude, den Namen „Grönland" auszusprechen. Denn von diesem Begriff her winkt Abkühlung. Was stellt man sich darunter vor? Steinige Küsten, ödes Land, kleine Katen, und Eis, ewiges Eis. Was sollte — wenn man dieses entworfene Bild rein materiell und ökonomisch, nicht ideell und poetisch betrachtet — diese Gegend für merkwürdige Reize beherbergen, die eine alte Fehde zwischen zwei Ländern rechtfertigen könnten? Und doch, seitdem Grönland — nach Australien die zweitgrößte Insel der Welt — sich auf der Landkarte aus einem großen weißen Fleck i n eine Landschaft mit besonderen U m - rissen verwandelte, dauerte der Streit an, wer in dieser Landschaft regieren, wer aus i h r Nutzen ziehen könnte. Fast tausend Jahre ist es mittlerweile her, daß diese Insel durch Isländer norwegischer Abstammung entdeckt wurde — aus einem puren Versehen, wie so die meisten Ent- beaungen vor sich gegangen sind. Da man aber plötzlich über ein Stück Land mehr in der Welt verfügte, sah man sich gezwungen, mit diesem Land auch etwas anzufangen. Zunächst wurde es also durch Isländer und Norweger kolonisiert. Fast zweihundert Jahre später, im Jahre 1261, hatte diese Besiedlung so weit eine konkrete Form angenommen, daß es für die Norweger lohnend schien, Besitz von dieser Insel zu ergreifen. König Haakon der Alte von Norwegen wurde in diesem Jahr 3um Herrscher über Grönland ausgerufen. Weitere hundert Jahre später, im Jahre 1397, veränderte sich die politische Lage Grönlands insofern, als in der Kalmarer Union der Zusammenschluß Skandinaviens und Dänemarks verfügt wurde. Wenn diese drei Staaten auch in Zukunft eine getrennte Innen- Politik durch führten, wenn ihre Verfassungen nicht verschmolzen, sondern für sich weitergeführt wurden, so verblieb es doch allen drei Staaten, aus der Kolonie „Grönland" gleichermaßen Ruhen zu ziehen. Die Folge war, daß Schweden sowohl als auch Dänemark und Rorwegen ihren Desih- anteil an dem nordischen Eiland beanspruchten. Diese Unklarheit mußte sich später bitter rächen. Sie ist auch heute, wie gerade der jüngste Vorfall beweist, nicht aus der Welt geschafft. Denn die Zusammenkoppelung dieser drei Staaten erwies sich auf die Dauer nicht als haltbar. Schweden stieg im Lause der Zeit zu einer europäischen GrohmachtsteUung auf und drängte die beiden anderen Staaten, vor allem Rorwegen, in den Hintergrund. 1520 wurde diese Zwangsehe Skandinaviens mit Dänemark gelöst, 16 Jahre später wurde Rorwegen auf dem Kopenhagener Herrentag als Provinz dem dänischen Staat einverleibt. Wo blieb bei alledem Grönland? War Grönland nun der dänischen Provinz Rorwegen oder dem dänischen Mutterland untertan — von Schweden ganz zu schweigen? , < So schleppte sich dieser Konflikt jahrhundertelang hin. Der Reuzeit, der Zeit nach dem Weltkrieg, blieb es Vorbehalten, diele Frage zu lösen. Und zwar war Dänemark es, das zuerst entscheidend eingriff. Im Jahre _ 1921 pflanzte die dänische Regierung die Fahne über ganz Grönland auf. Rorwegen, inzwischen längst wieder eine selbständige Ration, lehnte sich begreiflicherweise gegen diese Gewaltmaßnahme auf. So kam. nach längerem Hin und Her. im Jahre 1924 das sog. Grönland- Traktat zustande. Dänemark mußte Rorwegen das Anrecht auf gewisse östliche Teile der Insel bestätigen, mußte weiter zulasten, daß die norwegischen Siedler auf der Insel volles Staatsbürgerrecht genießen konnten. Sie durften selbständig Häuser bauen, Schifffahrt treiben, ohne fremde Konzessionen fischen und jagen. Uebrig blieben nur einige Reservate, die die Dänen auf eigene Rechnung auszubeuten mäßigen Zusammenhang besaß. Es haben sich aber auch besondere Organisationen für die Durchführung des Freiwilligen 'Arbeitsdienstes gebildet, wie z. B. der „D o l k s d u n d für '21 r - beitsdien st". Auch die Technische Nothilfe hat sich energisch des neuen Betätigungsgebietes angenommen. An eine derartige Organisation oder auch an das Arbeitsamt als vermittelnde Stelle, würde fu jemand zu wenden haben, der sich des Freiwilligen Arbeitsdienstes zu bedienen gedenkt ohne selbst „Träger des Dienstes" werden zu wollen. Der Begriff „für die Allgemeinheit nützlich" wird im allgemeinen nicht allzu eng ausgelegt. So find z. B. die Wiederaufforstungen von privaten, durch Windbruch vernichteten Gebirgswäldern darunter gerechnet worden, weil ein erhebliches Interesse der Allgemeinheit an der Bewaldung der Berghänge zur Verringerung der Hochwassergefahr vorliegt. Zu größeren Arbeiten des Freiwilligen Arbeitsdienstes werden die Beteiligten in Arbeitslagern zusammengefaßt. Sie erhalten Unterkunft, kräftige Verpflegung, Arbeitsanzug, Schuhwerk und ein Taschengeld von 40 bis 50 Ps. pro Tag. Die Arbeitszeit beträgt durchschnittlich etwa sieben Stunden, während eine Stunde für Sport, Vorträge und dergleichen verwendet wird. Freilich bestehen in dieser Hinsicht große Unterschiede, da die erziehliche Einwirkung nicht gesetzlich gefordert ist. Bei größeren Arbeiten, z. B. auf dem Meliorationsgebiet, hat es sich als zweckmäßig erwiesen, |ac kundige Unternehmer einzuschalten, ebenso ist es erforderlich, daß eine genügende Zahl geschulter Vor- a r b e i t e r, die natürlich tarifmäßig bezahlt werden müssen, vorhanden ist. Die Arbeitsleistung ist recht verschieden. Sie hängt in hohem Maße von der Persönlichkeit des Leiters ab. In einzelnen Fällen erreicht sie fast die Leistung des freien Arbeiters, im großen Durchschnitt bleibt sie aber um etwa ein Drittel bis ein Viertel zurück, wobei freilich die um eine Stunde verkürzte Arbeitszeit in Betracht gezogen werden muß. Arbeitseifer und Willigkeit wer- gedachten. Dieser Kompromiß erwies sich natürlich nicht als eine dauerhafte Lösung, sondern, wie alle älteren Verträge, als eine Quelle zu neuen Mißverständnissen und Plänkeleien. Wichtig dabei war nur, daß Dänemark grundsätzlich auf seine hundertprozentige Oberhoheit verzichtete — auf zwanzig Jahre wenigstens, dann sollte eine neue Entscheidung die restlose Lösung der Frage herbeiführen. Im Laufe der letzten acht Jahre aber zeigte es sich, daß das natürliche Interesse der beiden Länder an Grönland absolut ungleich war. Die Grönlandfrage war und ist für Norwegen eine Lebensfrage — denn das nordische Land, an sich „Hessische Textil-Industrie Gießen" — so lautet die Firma, die vor einiger Zeit hier in Gießen gegründet wurde und — nebenbei gesagt — prächtig floriert. Das aber wäre verwunderlich in dieser Zeit der Rot, wenn es Wirklichkeit wäre. Die Firma, die diesen Titel führt, ist eine Liebergangsfirma, eine Unter- r i ch t s f i r m a. ein Unternehmen, das dem kaufmännischen Rachwuchs dienen und die Berufsausbildung vorantreiben will. Man muh einmal zu Besuch gewesen sein in den Bureauräumen dieser Firma, wenn man ermessen können will, welche Arbeit geleistet wird und welche Bildungsarbeit in einer solchen Liebergangsfirma geleistet werden kann! Lind man muß mit den Leitern, den Direktoren der Firma sprechen, wenn man wissen will, wie gearbeitet wird, was alles geschieht und welche Ziele verfolgt werden. Die Liebergangsfirma ist ein Unternehmen, das in jeder Hinsicht in seiner Organisation einem modernen Geschäft gleicht und ebenso geführt wird. Der Zweck der Uebungsfirma ist, die Angestellten. die im Erwerbsleben stehen, fortzubilden und chnen jenes Wissen zu vermitteln, das (als Gegengewicht für die fortgeschrittene Rationalisierung und der damit verbundenen Spezialisierung der Arbeitskräfte) den Kontakt gewinnen läßt zu allen Zweigen eines kaufmännischen Betriebes. Einmal in der Woche finden sich die „Angestellten" dieser Firma in den Bureau- räumen des Zentralverbandes der Angestellten in der Johannisstraße ein, um hier mit Feuereifer an die Arbeit zu gehen. Die Angestellten, die im Alltag als Verkäufer, als Buchhalter usw. ihren Posten ausfüllen, werden für drei Stunden zu Chefs, zu Prokuristen, Korrespondenten, Lagerverwaltern. Expedienten usw. Cs sind Lehrlinge da und Stenotypistinnen. ein jeder hat seine Arbeit zugewiesen, die er unter fachmännischer Leitung zu erledigen hat und nach Möglichkeit selbständig erledigt. Da ist das Sekretariat, die Buchhaltung, das Lager und die Versandabteilung, eine Abteilung für allgemeine Arbeiten, und — der Branche der Uebungsfirma entsprechend — eine Abteilung für Textilien, sowie Abteilungen für Maßanfertigung und Konfektion. Ein reger Geschäftsbetrieb, der naturgemäß nur theoretisch und ohne Waren arbeitet, praktisch also nur den Ein- und Ausgang der Waren an nimmt, herrscht und verlangt von jedem der „Angestellten" oder von jedem der „Ehess" (die Firma ist eine offene Handelsgesellschaft) den Einsatz seiner ganzen geistigen Kräfte und seiner Fähigkeiten. Es ist die Korrespondenz zu erledigen, Prospekte müssen hinausgegeben werden, Angebote eingefordert, den fast allgemein anerkannt. Eine vorzeitige Auf. gäbe der Arbeit, die seitens des Freiwilligen jederzeit erfolgen kann, da ein Arbeitsverhältnis im Sinne des Gesetzes nicht besteht, ist verhälmisrnäßig selten. Die meisten Freiwilligen bedauern es, wenn die zwanzig Arbeitswochen abgelaufen sind, und die Hauptwünsche der „Träger des Dienstes" gehen dahin, daß die normale Arbeitsdauer auf etwa vierzig Wochen verlängert werden möchte. Im Frühjahr 1932 waren in ganz Deutschland etwa 40 000 Arbeitsfreiwillige tätig. Diese Zahl ist, verglichen mit der Gesarntziffer der Arbeitslosen, noch recht klein. Sie wird sich nicht unerheblich fici gern lassen, wenn der Gedanke des Freiwilligen Arbeitsdienstes bei den Stellen, die zur Vergebung von Arbeiten in Frage kommen, allgemeine Beachtung findet. Gegenwärtig steht eine sehr große Zahl von Arbeitsdien st willigen zur Verfügung, die aus Mangel an Arbeitsaufgaben nicht angesetzt werden kann. Etwa zwei Drittel der Arbeitswilligen sind junge Leute unter 21 Jahren. Es wäre falsch, wenn man glaubte, im Freiwilligen Arbeitsdienst oder auch in der gesetzlichen Einführung eines Pslichtarbeitsdienstes könne das Allheilmittel gegen die Arbeitslosigkeit gefunden werden. Davon ist schon deswegen keine Rede, weil die Zahl der volkswirtschaftlich wertvollen Objekte, die ihrer Art nach für den Arbeitsdienst geeignet sind, beschränkt ist. Trotzdem darf man sagen, daß sich der Freiwillige Arbeitsdienst schon im ersten Jahre seines Bestehens gut bewährt hat und sich in Zukunft, nach Weber- Windung der unvermeidlichen Kinderkrankheiten voraussichtlich noch besser bewähren wird. Wer einmal jugendliche großstädtische Arbeitsdienstfreiwillige zu Beginn ihrer Arbeitsperiode und dann wieder gegen deren Ende gesehn Hal, gut ernährt, braun gebrannt, körperlich entwickelt, frisch und munter — der wird aus ehrlicher Ueberzeugung tun, was er kann, um den Freiwilligen Arbeitsdienst zu fördern. schon begrenzt in seinen Arbeitsmöglichkeiten, die die Natur ihm gibt, kann sich kaum mit dem Verlust gewisser Fischereikonzessionen in Grönland ab- finden. Dazu kommt, daß die Wirtschaftskrise auch in Norwegen Einzug gehalten hat. Wenn Norwegen also nicht in kurzer Zeit eine Wirtschaftskatastrophe drohen soll, dann wird es mehr oder weniger dazu gezwungen sein, mit Gewalt von Grönland Besitz zu ergreifen — während Dänemark noch über genügend andere Hilfsmittel verfügt, um die bedrohliche Lage einstweilen von sich abwälzen zu können. Eine kahle, unwirtliche Insel also ist es, die einen der größten bisher dagewesenen nordischen Konflikte erzeugt. Hoffen wir, daß diese Frage nicht zu einem politischen Gefahrenherd wird, der sich unschwer auf südlichere, uns wesentlich verwandtere Gegenden erstrecken könnte ... Mahnungen geschrieben. Rechnungen ausgefertigt, Zahlungsgeschäfte erledigt, die Bücher geführt, und alle jene Arbeiten geleistet werden, die zur Aufrechterhaltung eines solchen Geschäftsbetriebes in allen seinen Teilen notwendig sind. Run aber — und das ist wesentlich — arbeitet Die „Hessische Textilindustrie Gießen" nicht nur in ihren eigenen vier Wänden, vielmehr steht sie in innigstem Zusammenhang mit vielen anderen Uebungsfirmen des ZdA., Deren es 160 gibt. Die Post geht zwischen Den einzelnen Firmen hin und her, gegenseitige Bestellungen toerDen getätigt und es vollzieht sich Damit ein sehr lebendiger Geschäftsbetrieb, der sich von einem wirklichen Geschäftsbetrieb nur dadurch unterscheidet, daß er ohne Waren, bzw. nur mit fiktiven Waren geführt wird. Die Rückwirkung auf die Angestellten der Firma bleiben nicht aus. Sie werden mit allen Zweigen einer kaufmännischen Betriebsführung vertraut gemacht. Eine Reihe von Dorträgen, zwanglos im Rahmen des Uebungsabends gehalten, ergänzen diese Arbeit und vermitteln den Teilnehmern bei dieser Art Berufs-Fortbildungsarbeit ein umsangreiches Wissen und viel praktische Ersahrung. die sie einmal in den Stand sehen, ihren Posten aus dem Ueberblick über die ganze Organisation heraus auszufüllen. Die günstige Wirkung dieser Arbeit, um die sich der Zentralverband Der Angestellten zum Wohle des kaufmännischen Rachwuchses verdient macht. Dürfte unumstritten sein. Eine ähnliche, ja, im Grunde und dem Sinne nach die gleiche Arbeit, leistet auch der Oeutschnationale Handlungel- gehilfenverband im Rahmen seiner Gießener Ortsgruppe an der faufmänn^fchen Jugend. Auch im DHV wird eine Scheinfirma geführt, die sich unter dem Titel „Schröter 6 Seibert, Kohlenhandlung, Gießen", etabliert hat. Das „Geschäftslokal" befindet sich im Vereinsheim an der Lonystraße. wo sich die Angestellten der Firma zu ihrer Arbeit einfinden. Reben dieser Scheinfirma Dienen Der beruflichen Fortbildung verschiedene Ausbildungskurse. die besonders im Lause des Winters durchgeführt wurden und viel Interesse fanden. Auch in den Sommermonaten laufen verschiedene Kurse. „Kaufmännisches Rechnen", „Deutscher Handelsbrief", „Buchführung für Anfänger", „Höherer Lehrgang in Buchführung", so lauten Die Titel dieser Grundlehrgänge Maschinenschreiben, Reichskurzschrift (für Anfänger und für Fortgeschrittene), Fremdsprachenkurse (für Anfänger und Fortgeschrittene) wurden abgehalten und fanden mehr oder weniger starke Beachtung. Roch heute laufen verschiedene Kurse, die von den Wem gehört Grönland? lleblmgssirma und ArbMemeinschast... Aus der Bildungs- und Jugendarbeit der Angestelltenverbände in Gießen. 3m Zentralverband der Angestellten. Hitzeund Staub ersdilaffer^enKörper besonders beim Reisen und Wandern. Eine kräftige Mundspülung mit dem herrlich erfrischenden Chlor o do nt- uundinaccpr und »inp orimdlirhp Zahnreiniounq mit Chlorodont-Zahnpaste wirken wohltuend, verschaffen das Gefühl der Sauberkeit und (V| u 11 U W d D D C I Uliu V1HC vglUllUU VHv- uuiuu vn ■■jj % i Für Reise und Wanderungen: Ch loroc immer schöne weiße und gesunde Zähne