"511.51 LIUS ndessins, 4 Ap ••■Meter |,/Q WK ten 3- März 1932, 8t uKb Er schützt Ihr An- ckeaufJahrehlniM, unpkosten hatten. SÄ® ir alle Anweisungen ■ ^internothilfe ikkorps desl.(Htn) ie-Regimenti Nr. 15 hrauhe rtureG-MolL Brut )-Dur, Beethoven - Beethoven - 4.U» ’esther Carnevali lusikalien-Handluti Büro des Verkehn- 0, und an der Abeot l«l Fa. Schöoau-Giebr 4 gestellt RR = GARTEN 15«* 46. chtfl9 liafTc ahlünf _ Recnnungan « en Brun»»«* grlefumicnW Postkarten 7 Geacnlh^.l Rr.52 Erster Matt 182. Jahrgang rNUNvoch, 2. März 1932 Erscheinl täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte ©ienener Familienblatter Heimat'M Bild Die Scholle Monat» vezugsprei,: Mit 4 Beilagen NM 1.95 Ohne Illustrierte , 1 80 Zustellgebühr .. , - 25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernfvrechanfchlüße unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach- nchten Anzeiger •tefjte. Postscheckkonto: firowfhirt om moin 11686. GiehenerAMger General-Anzeiger für Oberheffen Dm tu n g der früheren Verträge" ioirb~ah einziger Abriistungsvorschlag und lediglich als For- berung Deutschlands angegeben: „Ersetzung bei Bestimmungen der Friedensverträge über die Abrüstung durch das neue Abkommen." Hugenbergö erste Wahlrede. Auseinandersetzung mit Brüning. Essen, 1.März. (LU. -Hier sprach Dr. Hu- genberg über die bevorstehende Präsidentenwahl. Er legte dar, dah, wie die Dinge heute liegen, die Kandidatur Hindenburgs einen Versuch des schwarzroten Systems darftelle, für die Aufrechterhaltung eben dieses Systems mit dem Namen Hindenburg systemfeindliche nationale Stimmen einzufangen. Deshalb kämpfen wir diesmal bei aller Verehrung für den Sieger von Tannenberg gegen die Kandidatur Hindenburg. Die Präsidentenwahl wirkt heute in der Richtung, dah die an sich klaren Fronten verwischt werden. Die Preuhenwahl wird und muh sie wiederherstellen. Der Preuhen- wahl gilt unser Hauptstoß. Der Versuch des schwarzroten Systems, sie mit der Präsidentenwahl in den Hintergrund zu drängen, wird mifp lingen. 3m Mai 1932 wird vielleicht für Millionen eine Entwicklung verständlich sein, die sie selbst miterlebt haben, ohne ihre Bedeutung zu erkennen. Es kam die Rot, das wußten die Sozialdemokraten, die diese Rot verschuldeten, so gut wie ich. Demgegenüber war unser Standpunkt: Es hätte keine sogenannte ..Bürgerliche Regierung" geben dürfen, ohne daß gleichzeitig 1. die Verantwortung der Sozialdemokratie vor allem Volke festgenagelt und zu diesem Zwecke 2. der Reichstag gegen die Sozialdemokratie ausgelöst sowie 3. die einigende Parole deutschen Freiheitskampfes allem vorangestellt wurde. „Bürgerliche Parteien" gaben sich unter dem Einfluß des Zentrums zum Gegenteil her. Sie waren damit verloren Vor dem Urteil der Geschichte war die Brüningsche Politik nur als „Zentrumspolitik" begreiflich, für Deutschland aber ein llnglürf und für die Mitläufer dieser Politik tötendes Gift. Darum muhte ihre Gutheißung. wenn sie schon einmal erfolgen sollte, der Hauptschuldigen des Voungplanes. der Sozialdemokratie, ausgebürdet werden. Dis zur Reichstagsauflösung sträubte sich die Sozialdemokratie, diese Aufgabe zu übernehmen und wollte sie den Deutschnationalen zuschieben. Durch die Wahl vom 14. September 1930 wurde sie dazu gezwungen. Sie hat jede Dotvervrdnunggeuehmigl. Sie hat sich damit in ihrer ganzen abschreckenden Racktheik, Ilnwahrhaftigkeit und Schuldbeladenheit vor das deutsche Volk gestellt. Die unmittelbarste Gefahr Ist abgewandt. 3H, würden wir heute alle erliegen bis weit über die deutschen Grenzen hinaus, wenn ich damals im Frühjahr und Sommer 1930. das getan hätte was die meisten von mir verlangten: älnterstühunx der Brüningschen Politik. Daß aber die Gefahr auf längere Sicht auch heute noch nicht überwunden ist, geht zu Lasten des Zentrums und feiner Bundesgenossen. Der Reichskanzlei hat im Reichstage erklärt: Die Deutschnationaler hätten es im Sommer 1930 in der Hand gehabt die Macht zu erobern. 3ch habe wiederholt öffentlich dargelegt, daß der Reichskanzler bei DRVP ge enüber niemals auch nur tiner Versuch gemacht hat, fein Kabinett nach rechts zu orientieren oder zu erweitern. Ei hat mir dies auch in einer persönlichen Unterhaltung zugeben müssen. Er hat aber vor allem auch niemals den Versuch gemacht, seine Politik im Sinne der Rechten zu machen. Wenn erdieSozialdemokratieund denPar- lamentarismus verseht hat, so hat ei es unter dem von uns herbeigeführten hydrau- lichen Druck getan. Wenn er Sie Macht des Reichspräsidenten gesteigert hat, ft wirkte sich darin der Zwang unserer Politik aus Wenn er sich gegen uns hinter die Person des Reichspräsidenten flüchten muß, so ist dies füi die hinter ihm stehenden Parteien nur ein Schach- zug in dem Spiele, das wir ihnen ausgezwungep haben. Wenn er schließlich von Verhandlungen spricht, die an den „Forderungen cinei Gruppe gescheitert seien, die letzten Endes darauf Hinausliesen, ihr den gesamten Staatsapparat auszuliesern", so lege ich Wer' daraus, zu betonen, daß solche Forderungen v o r mir nid) t erhoben sind. Was „Älug&eit inr politischen Leben" ist, weiß Herr Brüning sicher Das Macht ist, auch. Er braucht aber tret einiger für ihn erfreulichen Erfahrungen, die ci zu meinem Bedauern machen konnte, nicht zr hoffen, dah wir es nicht wüßten. Das Spiel ist noch nicht zu Endb Oer Lappo-Ausstand in Kinnland. Ungeklärte Lage. — Kein einheitliches Borgehen der Lappo- Bewegung. Oie Abwehrmaßnahmen der Regierung. Reval, 1. März. (XH.) Rach den am Dienstag früh in Reval vorliegenden Meldungen ist die Lage in Finnland noch immer ungeklärt. Die Regierung hat erst am Montagabend, drei Tage nach dem Beginn der Zusammenziehung der Lappoonhänger bei Mantsulö den verstärkten Schuhzustand verhängt. 3n den spülen Abendstunden liefen Nachrichten ein. wonach die Mobilisierung der Lappotruppen nicht so glatt vor s i ch gehe, wie erwartet wurde. Auch sollen einzelne bewaffnete Lappotrupps den Heimweg angetreten haben, nachdem bekannt wurde, daß die Regierung einen bewaffneten Widerstand plane. Starke Truppenmassen sind bet Helft n g s o r s zusammengezogen, um jeden Vormarsch aus die Hauptstadt unmöglich zu machen. Dor der Stadt findet eine Wasfenkon- trolle statt. Die Regierung will auf keinen Fall den Forderungen der Lappoleute nachgeben, die letzten Endes auf den Rücktritt der Regierung hinauslaufen. Es besteht noch immer die Hoffnung daß die Schwierigkeiten ohne Blutvergießen auf dem Wege von Verhandlungen gelöst werden können. Auch der Führer der Lappoleute, General W a l l e n i u s . erklärte einem Revaler Pressevertreter, er hosse, dah die Krise friedlich beigelegt werden könne. Das ganze Land sympathisiere mit der Bewegung zur Beseitigung de- Marxismus. Ganz Finnland sei don dem dringenden Wunsche beseelt, an der Spitze des Staates eine wirklich vaterländische Regierung zu sehen. Nach den letzten Meldungen aus Finnland hat sich die Lage der Regierung insofern verbessert, als nunmehr feststeht, daß die Mobili- fation der Lappoleute nicht einheitlich ourchgeführt werden konnte und daß anscheinend innerhalb der Lappobewegung ein gewisser Gegensatz besteht. Während die Lappoleute aus Süd- und Mlltelfinnland dem Mo- billsationsbefehl Folge leisteten und sich in den Derber bestimmten Quartieren sammelten, ist die Mo bilisierung in den übrigen Landesteilen nicht durchgeführt worden. Das freisinnige Blatt „yjelfingin Sanomat“ bezeichnet die Lappomobili- fierung als mißglückt. Dem gleichen Blatt zu- folge hat die Regierung Haftbefehle gegen Ko- fola, Wallenius und andere Lappoführcr erlassen. Am Montagabend wurde das Lappoblatt „Ajan Saama" beschlagnahmt. Die Regierung veröffentlicht eine Erklärung, in der es u. a. heißt, daß die Aufstandsbewegung von Mäntsälä verurteilt wird. Armee- und Schuhkorps seien bereit, alle Unruhen zu unterdrücken. Die Regierung hosft, daß jene Bürger, die sich durch die Lappobewegung zum Ungehorsam haben verleiten lassen, ihre gefährlichen Pläne aufgeben werden. Gegen Mittag sind starke Abteilungen der Re g i er ungs t r uppen nach Mentsälä entsandt worden, um die Lappoleute zur llebergabc zu zwingen. Die Lappoleilung hat einen neuen Befehl erlassen, wonach alle Lappoleute sich für vier Tage mit Lebensmitteln versehen und an den Sammelpunkten einzufinden haben. Ferner wird iwch einmal der Rücktritt der Regierung Sunila verlangt. Die Verhaftung der Lappoführer konnte bisher noch nicht erfolgen, weil sie sich von Haemenlinna weiter nach Rorden, wahrscheinlich nachLappo, begeben haben. Es hat den Anschein, als ob es sich bei dem Mäntsälä-Unternehmen um ein verfrühtes LoSschlagen der Lappoleute handelt, die seit längerer Zeit den Plan hatten, durch einen allgemeinen Putsch eine Lappo- diktatur auszurusen. Dieser Plan der Lappoleute scheint mit einem Mißerfolg zu enden. Wie weiter verlautet, hat der finnische Staatspräsident Verhandlungen mit den Lappo- führern abgelehnt. Die Vertreter der Lappobewegung gaben daraus einen Brief an den Staatspräsidenten ab, in dem u.a. erklärt wird, daß die aufrührerischen Sozialdemokraten und Kommunisten unter dem Schuh der Regierung und des Gesetzes seit zehn Jahren Druck und Erpressung ge- gen die Teilnehmer des Freiheitskrieges ausübten. Viele von diesen seien ermordet worden, ohne daß die Staatsgewalt auch nur den Versuch gemacht habe, die Marxisten daran zu hindern. Finnland solle jetzt wiederum zu einem roten Gemeinwesen gemacht werden. Die Lappobewegung könne es nicht dulden, dah die Staatsgewalt die Sozialdemokratie weiter walten lasse und Männer wie Inländer und von Born Land und Volk dem Untergang entgegenführten. Für das, was geschehen werde, trügen diejenigen die Verantwortung, die in ihrer Beschränktheit den Marxismus schützten. Die Lappobewegung denke nicht an Rückzug. nicht an Rachlassen und Unterwerfung. Es ist sehr schwer, richtige Angaben über bie Anzahl der bewaffneten Lappomänner zu erhalten „Aftonbladet' meint, baß bie Zahl 30 000 nicht zu hoch gegriffen sei. Sammelpunkte befinben sich sowohl in Mittelfinnland wie auch in den östlichen unb südlichen Orten. Eine größere Stenge soll sich in der Stadt Wasa vereinigen eämflidje Eisenbahnbrücken, wichtige Bahnübergänge unb Stationen werben von Militär bewack)t. In Tavasthu? wollte man General Wa11enius verhaften, doch fand man seine Wohnung in einem Hotel leer. Wallenius und Kosola haben zu Verhandlungen vom Präsidenten freies Geleit nach Helsingsors unb zurück verlangt. Er hat geantwortet, daß er mit ihnen nichts z u tun haben wolle Die Regierung hat auf Grunb des Gesetzes zum Schutze der Republik, dessen Zustandekommen einst bie Lappomänner durchdrückten, strenge Abwehr Maßnahmen ergriffen. Oie Lage in Hrlsingfors. Helsingfors. 1. März. (WTD.) Da die Meldungen über Bewegungen und Zuzug zu den Aufständischen sich dauernd widersprechen, ist es schwer, sich von der gegenwärtigen Lage ein einigermaßen klares Bild zu machen. Während im allgemeinen behauptet wird, daß jede Verstärkung der Aufständischen aufgehört habe, liegen andere Meldungen aus einzelnen Orten vor. die das Gegenteil besagen. Jedenfalls aber sind die Hauptstadt und größere Provinz st äb te fest in der Hand der Regierung. Letztere konzentrieren immer zahlreichere Truppenkontingente in HelsingforS. Heute traf ein halbes Infanterieregiment aus Abo hier ein. 3n der Rähe des Reichstagsgebäudes liegt eine Tankkompanie, lieber den Aufenthaltsort der Lappoführer Liegen ebenfalls widersprechende Meldungen vor. Jedenfalls konnte dem Befehl zu ihrer Verhaftung vorläufig nicht nachgekommen werden. Der Staatspräsident empfing eine Abordnung der Frontkämp- fer. der er erklärte, daß die Regierung vorläufig keine militärische Offensive gegen bie Aufrührer plane. Er warne aber vor einem Marsch auf Helsingsors. Eine Kabinetiskrisis. Tie Äonferoatibcn verlassen das Kabinett Sunila Helsingfors, 1. März. (TU.) Innerhalb der finnischen Regierungskoalition ist es zur Krise gekommen. Die der Lappobewegung nahestehende konferoative oammlungspartcl hak ihre Vertreter aus dem Kabinett Sunila zurück« gezogen. Der Dizeministcr des Innern, Sol ja, unb der Sozialminister Kilpelaeinen sind bereits zurückgetreten, während der Finanzminister Iaeroinen erst zurücktreten wird, wenn sich für ihn ein Nachfolger gefunden hat. Der vierte Minister der Sammlungspartei, der Außenminister Baron K o s k i n e n weilt zur Zeit in Genf. Durch diesen Beschluß, ihren Minister abzuberusen, stützt die Sammlungspartei die Forderungen der Lappopar» tei moralisch. Der Gesamtrücktritt der Regierung wird erwartet. In einer Erklärung mißbilligt die Sammlungsparter das Vorgehen der Regierung gegen Lappo. General Wallenius und Kosola haben sich zum Sammelpunkt der Lappoleute nach Mäntsälä begeben, wo heute in den Abendstunden große Mengen von Waffen, Munition und Proviant einge» troffen sind. Die Lage ist nach wie vor sehr gespannt. Bisher hat die Regierung noch keinen Oberbefehlshaber ernannt. Auch blieb bie für heute erwartete Erklärung der Regierung über bie politische Lage im Reichstag aus. Die Parteien billigten lebiglich bie Regierungsverordnung über ben verstärkten Schutzzustanb. öden links: Viktor Kosola, der Führer der rechtsradikalen Lappo-Bauern. — Daneben: Das finnische Parlament. — Unten links: Blick auf Helsingfors, die finnische Hauptstadt. — Daneben: Der finnische Wrncherprcchde« Sustie. JE- k 1 ii HL* >1 Die Pressefreiheit im Wahlkampf. Zusicherungen der Innenminister. Berlin, 1. März. (51t.) Sn einigen Blättern 3ft behauptet worben, die preußische Regierung beabsichtigt, den Zeitungen unmittelbar vor der Reichspräsidentenwahl einen Aufruf zur zwangsweisen Veröffentlichung zuzustellen, der sich g e g e n d i e K a n d i d a t u r Hitlers wende. An zuständiger preußischer Stelle wird versichert, daß diese Rachricht völlig aus der Luft gegriffen sei. Angesichts der Beunruhigung, die in einem Teil der Oeffentlichkeit über Anweisungen der preußischen Regierung an die Ober- und Regierungspräsidenten hinsichtlich der Anwendung der Presseverordnung entstanden ist, wird an preußischer Stelle Wert auf die Feststellung gelegt, daß nur in besonders krassen Fällen, wie grober Verleumdung und Beleidigung, zu Auflagenachrichten bzw. scharfen Gegenmaßnahmen gegriffen werden soll. Auch derReichs - i n n e n m i n i st c r erklärt, daß gegen grobe Aus- schreitringen in der Presse selbstverständlich nachdrücklichst eingeschritten werde: es könne aber für die Zeit des Wahlkampfes auf jeden Fall mit einer loyalen Auslegung der Verordnung durch das Reichsinnenministerium gerechnet werden. Oie Harzburger Opposition. Eine Richtigstellung der Deutschnationalen. Berlin l.März. (CAD.) Di,e Deutsch- nationaleP resse st elle teilt mit: Sn einer nationalsozialistischen Versammlung, die am Montag in Holzminden stattfand, gab der nationalsozialistische Gaupropagandaleiter G u t t e r e r (Hannover) eine, wie er behauptete, Partei- offiziöse Erklärung ab, in der er sagte, zwischen Dr. Hugenberg und dem Reichskanzler Dr. Brüning habe vor einigen Tagen eine Besprechung stattgefunden, in der Hugenberg sich verpflichtet habe, im zweiten Wahlgang seine Anhänger zur Wahl Hindenburgs aufzufordern unter der Bedingung, daß Brüning zurücktrete, Groener Reichskanzler und Düst erbergRerchs- wehrminister werde. Es sei daher zu erwarten, daß Deutschnationale und Stahlhelm im zweiten Wahlgang für Hindenburg gegen Hit'er stimmen würden. — „Diese Behauptung", so heißt es weiter in der Mitteilung der Deutschnationalen Pressestelle, ..von der wir nicht annehmen können, daß sic im Auftrage einer veranwortlichen Stelle der RSDAP. aufgestellt ist, stellt sich als eine ungewöhnlich dreiste Wahllüge dar. Eine Besprechung zwischen Hugenberg und Brüning hat überhaupt nicht stattgefunden. Abmachungen in Bezug auf den zweiten Wahlgang sind nach keinerRichtung hin getroffen worden." OerReichslandbund gegen Hindenburg Berlin, l.März. (ERB.) Der Bundesvorstand des Reichslandbundes nahm in seiner heutigen Sitzung eine Entschließung an, in der fest- gestellt wird, die nationale Opposition habe die Proklamation Hindenburgs durch die Parteien des Weimarer Systems m i t der Heraus st ellung ihrer Vorkämpfer Hitler und Duesterberg beantwortet. Der Reichslandbund stehe i m Lager der nationalen Opposition. Er werde seine Stimme nicht für Hindenburg einsehen. Der Kampf für den einen der beiden Kandidaten der nationalen Opposition dürfe nicht zum Kampf gegen den anderen werden. Der gemeinsame Kampf richte sich „gegen die Herr- "Ichaft der verderblichen Kräfte, die für die Srr- wege unserer bisherigen gesamtstaatlichen und Wirtschaftspolitik" veranwortlich sind. Falsche Behauptungen. Berlin, l.März. (TU.) Gegenüber immer wieder in der Presse auftauchenden Nachrichten, daß der Staatssekretär des Reichspräsidenten, Dr. Meißner, und sein Sohn und Adjutant, O b e r st von Hindenburg, Sozialdemokraten seien, wird von amtlicher Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, daß derartige Meldungen in keiner Weise den Tatsachen entsprechen. Der Staatssekretär Meißner ist aus der elsaß-lothringischen Beamtenlaufbahn hervorgegangen, war 1906 Assessor und 1911 kaiserlicher Regierungsrat in Straßburg. Er hat sich nie parteipolitisch betätigt und gehört auch keiner politischen Partei an. Als Hauptmann der Reserve hat er auch am Krieg teilgenommen. Oberst von Hindenburg ist nur Offizier und als solchem kommt für ihn von vornherein keinerlei politische Betätigung in Frage; er hat auch nie einer politischen Partei an« gehört. Oie Deutsche Bolkspartei im Wahlkreis Westfalen-Süd. Dortmund, l.März. (ERB.) Der engste Vorstand der Deutschen Volkspartei von Westfalen-Süd hat heute den zur Zeit in Berlin an einer Staatsratssitzung teilnehmenden Vorsitzenden H e m b e ck aufgefordert, den Austritt der südwestfälischen Organisation aus der DVP. zu erklären. Der Vorsitzende Hembeck ist dieser Aufforderung nachgekornmen. Die Parteilung der DVP. erklärt zum Austritt des Wahlkreises Westfalen-Süd, die telegraphische Erklärung Hembecks sei weder rechtlich fundiert, noch moralisch vertretbar. Heute schon stehe fest, daß die übergroße Mehrheit des Wahlkreises einen solchen Verrat an ihrer alten Partei und die Verleugnung aller nationalliberolen Traditionen a b - lehne. Die ordnungsmäßige Reubesetzung der Wahlkreisleitung werde unverzüglich aus dem Wahlkreis heraus durchgeführt, da dessen überwiegende Mehrheit zweifelsfrei hinter der Parteileitung stehe. Oer Bierstreik in Berlin. Die Berliner Gastwirte zu Verhandlungen bereit. Berlin, 1. März. (TU.) Der Ortsausschuß der Gastwirtevereinigung Berlin hat in einer Versammlung festgestellt, daß der Bierstreik lediglich aus wirtschaftlichen Gründen begonnen worden ist, nicht aber infolge parteipolitischer Beeinflussung. Er richte sich daher nicht gegen die Regierung, sondern nnr gegen Maßnahmen auf dem Gebiet der Steuerpolitik und der Preissenkung. Dem Ortsausschuß sei es daher nicht möglich, den im guten Glauben seiner Oie Sicherung -er Ernte 1932. Oie Einschränkung der Nahrungsmitteleinfuhr. — Volle Einsetzung der Betriebsmittel. Berlin, 1. März. (ERB.) Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft hatte Vertreter der Presse zu einer Aussprache über die noch bestehenden Rotwendigkeiten der Sicherung der Ernte 1 9 32 eingeladen. Rittergutsbesitzer Dr. h. c. Schurig (Zeestow) wies darauf hin, daß Deutschland in Anbetracht der Devisenlage die Rahrungsmitteleinfuhr aus dem Auslande soweit wie irgend angängig, einschrän- k e n müsse. Der deutschen Landwirtschaft falle deshalb die wichtige volkswirtschaftliche Aufgabe zu, einen möglichst großen Teil des deutschen Rahrungsmittelbedarfes aus eigener Erzeugung zu decken. Der Redner betonte den wertmäßigen Rückgang der Einfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse seit 1927. Das große seit Jahrzehnten erstrebte Ziel, das deutsche Volk aus eigener Scholle zu versorgen, sei annähernd erreicht. Sn diesem Augenblick drohe aber die Gefahr, daß die Landwirtschaft durch die Rot der Verhältnisse gezwungen sei, auf dem erfolgreich beschrittenen Wege umzukehren. Die DLG. richte in letzter Stunde einen Appell an die Landwirtschaft, tunlichst alle für die Erreichung einer guten Ernte unerläßlichen Betriebsmittel voll einzusehen und so Ernte und Volksernährung zu sichern. In der Aussprache wies Reichsminister Dr. Schlange-Schöningen auf die Gefahren hin, die der deutschen Landwirtschaft und der gesamten deutschen Volkswirtschaft drohten, wenn nicht alle zur Verfügung stehenden Betriebsmittel eingesetzt werden würden, um eine möglichst große Ernte zu erzielen. Wenn die sich in der Umschuldung befindlichen Betriebe durch ungenügende Düngung in diesem Jahre schwere Betriebsver- lüfte erlitten, so müsse er als Reichskommissar für die Osthilfe heute schon jede Verantwortung für die Folgen ablehnen. Auch außenpolitisch werde das Reich durch ungenügende Versorgung mit Lebensmitteln aus eigener Produktion gefährdet. Der Minister wies den Gedanken einer Preisgarantie zurück. Derartige Garantien bedeuteten cinAbgehen von den privatwirtschaftliche Prinzipien, für deren unbedingte Auf- rechterhaltung die Landwirtschaft sonst stets eintrete. Da aber der Reichsregierung das besondere Kapitalrisiko, das bei der Ernte in diesem Jahre den Landwirt bedrohe, bekannt sei, sei sie bemüht, eine gesunde Kalkulationsbasis zu schaffen und diese Risiken weitgehend zu vermindern. Oer Reichslandbund fordert Zollauionomie. Berlin, 1. März. (WTB.) Der Bundesvorstand des Reichslandbundes hielt heute eine Sitzung ab, in der zur Zdll- und Handelspolitik eine Entschließung gefaßt wurde, in der es heißt, die Einführung des Maximaltarifes bedeute nämentlich angesichts der bestehenden Z o l l b i n« düngen und des herrschenden Meistbegün- st i g u n g s s y st e m s für die Landwirtschaft keine Verbesserung des noch völlig unzureichenden Schutzes der heimischen Agrarerzeugung. Das gelte insbesondere, solange die bisherigen Tendenzen der deutschen Zoll- und Handelspolitik beibehalten werden. Weiter wird behauptet, die Reichsregierung habe auf wichtigen Gebieten des landwirtschaftlichen Zollschutzes bis jetzt völlig versagt. Einzelmaßnahmen seien verspätet und unzureichend getroffen worden. Der Reichslandbund fordere die sofortige Einführung einer scharfen Kontingentierung der Einfuhr und baldigste Herstellung der Zollautonomie. Die Prcsseäuße- rungen, nach denen eine Uebereinstimmung zwischen In dustrie und Landwirt- schäft hinsichtlich des soeben von der Reichsregierung angekündigten Maximal-Zolltarises bestehen soll, seien unzutreffend. Maßgebliche Verhandlungen zwischen der Industrie und der Landwirtschaft hierüber haben nicht stattgefunden. Mitglieder begonnenen Kampf lediglich um Verhandlungsmöglichkeiten zu finden, zu beenden. Der Ortsausschuß sei jedoch jederzeit bereit, mit den in Frage kommenden Behörden zu verhandeln. Er werde hierbei gern die Hilfe jeder Stelle annehmen, die eine überparteiliche Vermittlung übernehmen wolle. Die Industrie - und Handelskammer ist vom Ortsausschuß ersucht worden, sich auch im Snteresse der in Mitleidenschaft gezogenen Devölkerungsgruppen für eine Vermittlung einzusehen. Oie Preissenkung bei der öffentlichen Hand. Vorstellungen des Mittelstandskartells. Berlin, l.März. (ERB.) Die von der Der- sammlung des Reichskartells des selbständigen Mittel st andes gewählte Kommission ist, wie das Reichskartell mitteilt, noch gestern nachmittag wegen der Senkung der Strompreise sowie der übrigen Werksgebühren, der öffentlichen Tarife und Abgaben mit dem Preisüberwachungskommissar in Verhandlungen eingetreten. Die Kommission, an der auch der Vorsitzende des Berliner Mittelstandskartells teilnahm, mochte den Preiskommissar allen Ernstes auf die Gefahren aufmerksam, die aus einem einseitigen Eingriff in die Preise erwachsen. Während die einzelnen Fachgruppen des selbständigen Mittelstandes bisher Bearbeitungsobjekte des Preiskommissars gewesen seien, hätte man sich an Monopole, Syndikate und die öffentliche Hand wenig ober gar nicht herangewagt. Entweder greife der Preiskommissar mit derselben Energie die Syndikatspreise und die Preise und Gebühren der öffentlichen Hand an, oder aber seine Verordnungen würden sehr schnell von keinem Menschen mehr ernst genommen. Darin liege die größte Gefahr, die sich vornehmlich aus dem Gegensatz der öffentlichen Wirtschaft gegenüber der Privatwirtschaft ergebe. Reichskvmmissar Goerdeler erwiderte, daß von 1014 Elektrizitswerkcn 842 ihre Preise gesenkt hätten. Allerdings seien diejenigen, die noch nicht gesenkt hätten, d i e größten Werke. Die öffentlichen Tarife zu senken, habe er sich als besonderes Gebiet Vorbehalten. Es sei selbstverständlich, daß der gewaltsame Eingriff in die Preise nur dannZweck habe, wenn er auf de r ganzen Linie, also auch bei der öffentlichen Hand, erfolge. Die Mittelstandsvertreter erklärten, daß die Beschleunigung und der Umfang dieser Maßnahmen bestimmend seien für die Anordnung oder aber die Beendigung der jetzt im ganzen Reich zunehmenden Licht st reikbewegung. Oie Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Ein Vortrag Dr. Goerdelers. Königsberg, 2. März. (ERB.) Auf Einladung der jungpreußischen Bewegung sprach in Köniasberg dessen früherer Bürgermeister und jetzige Oberbürgermeister von Leipzig, Reichskommissar für die Preisüberwachung Dr. Goerdeler. Als Grundthese seiner Ausführungen stellte Dr. Goerdeler die Forderung nüch möglichster E l a st i z i t ä t der deutschen Wirtschaft auf. Bei seiner Arbeit als Preiskommissar sei es ihm im wesentlichen auf eine Lösung der Preisbindungen und eine Ueberwachung der Preisspannen angekommen, die jetzt vom P u b l i - fum in der Praxis am wirksamsten fort« geführt werden könne. Dr. Goerdeler ging dann insbesondere auf die Möglichkeiten zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ein. Zur Zeit würden vom Reich und den Gemeinden jährlich rund 3,5 Milliarden RM. für Arbeitslose ausgegeben. Bei einer Zusammenlegung von Arbeitslosenfürsorge, Krisenfürsorge und Wohlsahrtssürsorge sei mit einer Ersparnis von 300 bis 500 9)1 ib Honen RM. zu rechnen. Ferner gebe eine elastischere Gestaltung der Tarifpolitik gewisse Möglichkeiten der Arbeitsbeschaffung. Dr. Goerdeler ging weiter auf den freiwilligen Arbeitsdienst ein, in dessen Rahmen 150000 bis 200 000 Menschen Arbeit finden könnten. Als weitere Möglichkeit der Belebung des Arbeitsmarktes käme die Schaffung zusätzlicher Arbeit in Betracht, z.B. durch Aufforstung von 500 000 Morgen Oedland und durch Melioration von 1 Million Morgen Land; das gäbe Arbeit für 3 0 0 0 0 0 Menschen. Zur Beschaffung der Mittel könnten die Gesellschaften für öffentliche Arbeiten heran- gezogen werden. Alle diese Maßnahmen seien aber nur möglich auf der Basis gesicherter öffentlicher Etats. Das Ziel aller in Betracht kommenden Maßnahmen müsse sein eine Belebung der Kaufkraft, die aufgebaut werde auf vermehrter Produktion. Einführung eines Markenregisters. Berlin, 1. März. (WTB. Amtlich.) Zur verstärkten Kontrolle der preisgebundenen Markenwaren hat der Reichskommissar für Preisüberwachung die Ein- fvchrung eines Markenregisters angeordnet. Durch diese Markenregister werden laufend nicht nur diePreise und Rettomengen bzw. Retto- gewichte verfolgt, sondern auch vor allem die Entwicklung der Handelsspanne. Außerdem wird durch die neue Markenartikelverordnung nach einer allerdings längeren Tlebergangs- frift angeordnet, daß Markenartikel den Ausdruck der Rettomenge oder des Rettogewichts tragen. Oer Memelkonfl ki. DieMehrheitsparteien lehnen den Vorschlag Simmats ab. Memel, 1. März. (WTB.) Die Fraktion der Landwirtschaftspartei und der Volkspartei waren heute zusammengetreten und haben nach der Sitzung dem vom Gouverneur zum Präsidenten des Memeldirektoriums ernannten Landes- rat Simmat heute mittag das nachstehende Schreiben überreicht: Sie haben in der Unterredung, die Sie. gestern mit Vertretern der Mehrheitsparteien über d i e Ernennung der Landesdirekt o r e n hatten, darauf bestanden, daß neben zwei Vertretern der Mehrheitsparteien (Wasch- kies und Luttkus) Landesrat Tolischus oder ein anderer Herr Ihrer Wahl als ßan» desdirektor in das Direktorium eintritt. Sie haben dabei zum Ausdruck gebracht, daß bei einer Abstimmung im Direktorium bei Stimmengleichheit Sie mit Ihrer Stimme den Ausschlag gäben. Bei einer solchen Zusammensetzung des Direktoriums würde die Vertretung der Mehrheitsparteien bedeutungslos fein, da sie bei eintretenden Unstimmigkeiten überstimmt würde. Wir können ein solches Direktorium nicht als Direktorium ansehen, da es nicht nach parlamentarischen Grundsätzen gebildet wurde. Die Herren Waschkies und Luttkus haben uns erklärt, daß sie es ablehnen, in ein solches Direktorium einzutreten. Aus der ersten mit Ihnen geführten Rücksprache war noch nicht zu übersehen, ob eine Ausgleichung der Ansichten herbeizuführen möglich wäre. Darüber könnte nur eine weitere Aussprache mit den Vertretern der Minderheitsparteien Klarheit schaffen. Kunst und Wissenschaft. Gerhart Hauptmann über Goethe. Der deutsche Rundfunk gab gestern abend von der großen Rede Gerhart Hauptmanns über Goethe in der Columbia-Universität in Neuyork den Teil wieder, worin sich Hauptmann mit seinem persönlichen Goethe-Erlebnis und der großen kulturellen Bedeutung Goethes für unsere Zeit, auch in bezug auf das angelsächsische Geistesleben, beschäftigte. Der Redner schilderte seine Wanderungen als Student der Universität Jena zu den klassischen Stätten Goetheschen Wirkens und Lebens. Er zeigte ferner die gesellschaftlichen Wirkungskreise des großen deutschen Dichters auf und seine Beziehungen zu den Enzyklopädisten. Aber soviel« Fäden ihn auch mit dem Zeitalter der Aufklärung verbänden und so sehr er Vernunft und Wissenschaft als des „Menschen allerhöchste Kraft" verehrte, so sei gegenüber dieser apollinischen Natur des Meisters die dionysische, das Bewußtsein des Mysteriums „ein Teil des Teils zu sein, der anfangs alles war" stark und schöpferisch gewesen. Was in der Zeit von Goethes Tod bis zur Gegenwart ausgebüeben sei, gelte es nachzu- holen. Hauptmann schloß mit den Worten: „Gehe» wir an die Arbeit, meine Damen und HerrenI" * Gerhart Hauptmann wurde von der Columbia-Universität zum Ehrendoktor der Rechte ernannt. Aus aller Welt. Zusammenlegung der Industrie-u. Handelskammern Kassel und Mühlhausen. Die Sndustrie- und Handelskammern Kassel und Mühlhausen haben, von dem Bestreben nach Verstärkung des Wirkungsgrades der amtlichen Berufsvertretung von Industrie, Handel und Verkehr ihrer Bezirke und nach Schaffung einer möglichst zweckmäßigen Verwaltungsorganisation beseelt, vereinbart, zur Durchführung der gemeinschaftlichen wirtschaftlichen Interessen ihrer Bezirke und Firmen die Bezirke ihrer beiden Kammern zusammenzulegen und eine Kammer mit dem Sih in Kassel zu errichten. Zur Vertretung der lokalen Belange des Stadt- und Landkreises Mühlhausen und der Kreise Worbis und Heiligenstadt erhält Mühlhausen eine Zweigstelle der Industrie- und Handelskammer. Repe Kleinsiedler- und Kleingarlensiellen. In der Zeit vom 25. Februar bis^März 1932 sind 1128 Kleinsiedlerstellen bewilligt worden, u. a. Hindenburg (Oberschlesien) 60, Westfalen 125, Meiningen 55, Elmschenhagen-Schleswig-Holstein 50, Braunschweig 126, Halle a. d. Saale 140, Mansfeld-Land 100, Mainz 100. Ebenso sind in derselben Zeit zahlreiche Kleingartenstellen bewilligt worden, so in Hindenburg (Oberschlesien) 245, Zittau 120, Wurzen 100, Leipzig 1000, Spremberg (Lausitz) 100, Hirschberg 102, Krefeld-Uerdingen 320, Altenburg (Thür.) 100, Braunschweig-Stadt 225. Mord an einem Reichsbahnassistenten. Auf dem Bahnhof Sondelfingen bei Reutlingen wurde kurz nach Mitternacht der diensttuende Beamte Reichsbahnassistent Veit i m Fahrdienst zimmer überfallen und getötet. Der Beamte wurde kurz nach der Durchfahrt des letzten Zuges um 0.15 Llhr von einem auf die Hilferufe herbeigeeilten Weichenwärter neben seinem Schreibtisch liegend schwer verletzt aufgefunden. Er hatte mehrere Messerstiche in der Brust; ein auf ihn abgegebener Pistolenschuß war vom Schlüsselbein bis in die Rierengegend durchgedrungen. Der Beamte muh überfallen worden sein, solange er mit der Geldabrechnung beschäftigt war. Der Täter, der es offenbar auf einen Kassenraub, abgesehen hatte, ließ das zur Ablieferung bereitgelegte Geld liegen und flüchtete unerkannt. Dis jetzt fehlt jede Spur von ihm. Geheimnisvolle Entführung des Söhnchens von Oberst Lindbergh. Der kleine Sohn des durch seinen Ozeanflug berühmt gewordenen amerikanischen Flieger-Obersten Lindbergh war zur gewohnten Zeit um 19.30 älhr zu Bett gebracht worden. Als dann jemand um 22 Tlhr nach ihm sah, war es aus - dem Schlafzimmer verschwunden. Der Raub erfolgte in dem neuen V^hnsitz des Fliegers in dem Hügelland von Hopewell. Das Haus liegt einsam und weit entfernt von den Verkehrs- ftraßen. An seiner Vorderseite dehnt sich offenes Land aus, an seine Rückseite grenzen dichte Wälder. Sn der weiteren Rachbarschaft wohnen nur Farmer. Oberst Lindbergh und seine Frau hatten das Grundstück von einem Flugzeug aus gesehen und ausgesucht, da sie sich infolge seiner Abgelegenheit völlige Ruhe versprachen. Wettrennen zur englischen Küste. Die englische Presse bringt aufsehenerregende Be- richte über große Wettrennen der ausländischen Schiffe nach englischen Häfen, die ihre Waren noch vor dem Inkrafttreten der Schutzzölle in englische Häsen bringen wollen. Vielen Schiffen sei es infolge des Sturmes nicht gelungen, rechtzeitig anzukommen, was einen Mehrgewinn von vielen taufend Pfund für das Schatzamt bedeute. Die große Zahl der noch im letzten Augenblick angekommenen Schiffe habe für die Zollbeamten eine ganz ungeheure Mehrbelastung bedeutet. Schneefall in Rom. Sn Rom und Umgebung hat es erheblich geschneit. Die Straßenkehrer mußten, was hier seit drei Sahren nicht mehr vorgekommen ist, sogar Schnee schippen. Sn den großen öffentlichen Parks vergnügte sich die römische Su- gend mit dem seltenen Vergnügen einer Schnee- b al l s ch l a ch t. Auch aus Mailand und Genua werden stärkere Schneefälle gemeldet. Todesurteil für einen mehrfachen Raubmörder. Das Posener Standgericht verurteilte den mehrfachen Raubmörder Frankowski, der auch in Pommern zwei Morde und mehrere schwere Raubüberfälle verübt hatte, zum Tode durch den Strang, obwohl er seine ihm zur Last gelegten Verbrechen leugnete und nur seine in Deutschland verübten Untaten zugab. Der Bruder des Reichspräsidenten gestorben. In Lübeck ist Bernhard v. Hindenburg, der Bruder des Reichspräsidenten, im 74. Lebensjahre gestorben. Bernhard von Hindenburg, der am 17. Januar 1859 in Glogau geboren wurde, war früher Offizier und widmete sich später schriftstelle« rischer Tcttiakeit. U. a. hat er im Jahre 1915 ein Lebensbild seines Bruders veröffentlicht. Wcttervorausiage. Die kräf ttge Sonnenstrahlung wirkt sich am Tage weiter aus, so daß die über dem Festlande lagernde Lust immer mehr erwärmt wird. Dabei geht das Barometer zurück, und die Frostwetterlage kommt allmählich zum Abbau, zumal auch über Island Störungstätigkeit stärker zur Geltung kommt. Das seitherige Tief über der Discaya schiebt sich zwar immer weiter nach Frankreich vor, kommt aber vorerst noch nicht recht zur Entwicklung, da über ganz Mitteleuropa noch kontinentale Luftzufuhr herrscht. Erst allmählich dürfte die milde ozeanische Luft in der Höhe nach dem Festlande Vordringen und zum Auftreten von Bewölkung und weiterer Erwärmung führen. Die Temperaturen bleiben nachts zunächst ncxh etwas unter Rull. Aussichten für Donnerstag: Weitere Milderung, nachts Temperaturen noch etwas unter Null, bewölkt, trocken. Aussichten für Freitag: Fortschreitende Erwärmung und Zunahme der Bewölkung. Lufttemperaturen. Am l.März, mittags: + 4,9 Grad Cels., abends: — 0,5 Grad ©elf. Am 2. März, morgens: — 4,2 Grad Cels. Maximum: + 5,0 Grad Cels., Minimum: — 4,8 Grad Cels. Sonnenscheindauer: 91/* Stunden. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am l.März, abends: — 0,8 Grad Cels. 1 Am 2. März, morgens: — 0,8 Grad Seit e». M-L "‘aS**’"' !Ü**°S .Un& Handel-. Orlens,eilen. r’A®»« 1Q3) ? ?rbt" w o el,fpItn 125 ?J«Wn 5 00 e "0, Anns! A,, sind in der, g'") «5, 3*. K.eWrrg '^dingen 320, e'S’Stobt 225. ^Nmlm. 'ffl'Mn bd DMnnatzt btt riallen und c kurz nach der lm 0.15 Uhr bOT eigeeilten Dei. W liegend "den. Sr Holk M: em auf ihn v°m Schlüsselbein ^gedrungen. Der n sein, solange er ^beschäftigt lenbar auf einen die, lieh bai zur liegen und slüch« -de Spur ton ihm. ührung I Lindbngh. men Ozeanflug beben Flieger-Ober« ettohnten Zeit um )orbcn. M bann sah, war eS aui nben. Der Aaub' h des Fliegers in DaS Haus liegt von den DerkehrS- dehnt sich offenes cnjcn Sichte Ml- fyaft too&ntn nur [eine Frau hatten Mtz aui tzÄchen olfte seiner Abgr- chen. hen Küste, flefjenerregenbtfc- cn der ausla?-* ilifchen Jjäftn, m 3ntrafitrt' iglische Häfen bnr sei es infolge br zeitig anzukommen ielen taufend Pjurl große Zahl der noch menen ÄM W ungeheure Mehrbe- lom. at es erblich St' muhten, was W • vorgekommen m. 3n den groben v ' h die römische d“ gen einer 64nee« Mailand unb chneefälle gemeldet- Raubmöri«. .ericht verurteM Worbe und nj «Ä w ®5 • rösfentlA di- Wg über W C Discar- Aankrrlch iter. nencr Hau-frauenberatung ihrer Bestimmung übergeben. Die Vorsitzende, Frau Dr. Koeppe, begrüßte die Gäste und dankte Zunächst all denen, die dazu beigetragen haben. Die Einrichtung der Küche au ermöglichen: sie dankte insbesondere den städtischen Werken, GaSwerk und Elektrizitätswerk, für die Unterstützung und außerdem den Mitgliedern für ihre Mitarbeit. In ihren weiteren Ausführungen umriß sie die Art der Arbeit, die in der Küche geleistet werden soll. ES sollen Kochkurse stattfinden für erfahrene Hausfrauen, einwöchige Kurse für junge Damen, die in möglichst kurzer Frist sich einige Kenntnisse im Kochen aneignen wollem Kurs« auch für Hausangestellte, die ihre allgemeinen Kenntnisse erweitern möchten. Spezielle Koch-, Brat- undBack- furfe sind außerdem vorgesehen. Im Dorder- fgründe sott jeweils die praksische Betätigung leben, wenn auch die notwendigen theoretischen Ergänzungen nicht vernachlässigt werden sollen. Mebcr den Betrieb der Lehrküche hinaus sotten in Zukunft in den Aur Verfügung stehenden Räumen im .Einhorn'' auch Kurse im Schneidern. Handarbeiten, Servieren, Bügeln usw. abgehalten werden, allerdinas nur mit dem Ziel, die Hausfrauen und Schülerinnen soweit auSzubilden, dah sie die einfacheren Arbeiten selbständig aus- Ausühren imstande sind. Die Hausfrauenberatung habe, so betonte die Rednerin besonders, weder mit ihrer Gründung einer Lehrküche, noch mit ihren hauswirtschaftlichen Lehrgängen vor. bereits bestehenden Instichten und Schulen Konkurrenz zu machen, sondern lediglich ergänzend da einzusehen, wo die Bedürfnisse den Einsatz erfordern. Die DonnerStag-ArbeitSabende, die sich großer Beliebtheit erfreuen, sollen in Zukunft auch im „Einhorn" abgehalten werden. Für die irächste Zu- funft habe man erwogen, ein Sprechzimmer einzurichten. Im Wesentlichen trage man sich mit dem Gedanken, in Gießen eine Institution zu schassen, die ihrem Sinne nach als „hauSwirt- schaftliche Volkshochschule" bezeichnet werden könnte: das Ziel sei die praktische Ausbildung der HauSsrau in möglichst universeller Weise, das Bestreben, sparsame Wirtschaft auch im Haushalt zu fördern und damit unserer deutschen Volkswirtschaft einen Dienst zu tun, dessen Bedeutung nicht unterschätzt werden dürfe. Zum Schluß gedachte Frau Dr. Koeppe des kürzlich verstorbenen GaswerkSdirektorS S t e d i n g , der sich als eifriger Förderer der Bestrebungen der Hausfrauenberatung erwiesen habe und der es insbesondere gewesen sei, der in der Leitung der Haus- frauenberatung den Wunsch, eine Leyrküche ein- zurichten, bestärkt habe. Sodann wurde die mit modernsten Mitteln eingerichtete Küche einer eingehenden Besichtigung unterzogen. ** .Deutsche und österreichische Raturschutzparke." Meder dieses Thema sprach — wie man uns berichtet — im Rahmen eines Vortragsabends des „Hubertus, Verein weidgerechter Jäger, Sitz Gießen", Studienrat Hölze! an Hand Aahlreicher Lichtbilder. Der Vortragende ging davon auS, dah der Raturschutz eine Folgerung der Entwickelung Deutschlands vom Agrarstaat zum Industriestaat sei. Denn das vielseitige Bestreben der Ausnutzung der Ratur durch die Wirtschaft habe zu einer völligen Veränderung des Landschaftscharakters großer deutscher Gebiete geführt ober drohe, dazu zu führen. Mnverstand, Gewinnsucht und Gleichgültigkeit tragen die Gefahr in sich, dah die Ratur der Heimat immer weiter ihrer Schönheiten beraubt, verunstaltet und verschandelt wird. Roch fühlten sich aber viele Menschen mit der Ratur so sehr verbunden, daß sie ihnen zur unentbehrlichen Quelle der Freude, der Erholung und Entspannung geworden ist, die ihnen neue Kraft gibt für bte Arbeit und Sorgen des Alltags. Rur der Mensch, der sich mit der Ratur der Heimat noch verwurzelt fühlt, kann den 'Begriff „Vaterland" wahr empfinden. AlSGegen- bewcgung gegen da- Streben der rücksichtslosen materiellen Ausnutzung der Ratur ist die Tätigkeit des .Vereins Raturschuhpark" zu betrachten, die wenigsten- einige Gebiete deutschen Dopens dem deutschen Volke unverfälscht in der Land- schastSform, Flora und Fauna erhalten will. Durch diese Gebiete, den Heidepark am Wilseder Berg in der Lüneburger Heide und den Tauern- Park zwischen Salzach und Großglockner, führte die Wanderung, die der Hörer im Geiste beim Anblick ausgezeichneter Lichtbilder zurücklegten. Abschließend begrüßte eS der Vortragende, dah an dem Vortragsabend neben den Jägern Vertreter der am Äaturschutz interessierten Wissenschaft, ebenso wie der Wandervereine, vor allem deS DHE., teilgenommen hätten. Denn das Thema .Raturschutz" sei für Hessen durch das Hessische Raturschutzgesetz vom 14. Oktober 1931 besonders aktuell geworden: er begrüße eS daher, dah er den Abend als einen Auftakt zu gemeinsamer Arbeit zur Erhaltung heimatlicher Raturschön- heiten betrachten dürfe, die nun erwachse, wenn der Inhalt deS Gesetzes in die Praxis umgesetzt werden solle. •• .Aktuelle Schicksalsfragen." Zu diesem Thema sprach — wie man und berichtet — Dr. Hermann Heisler auf Einladung der Bewegung für religiöse Erneuerung am Mittwoch Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder in der Samstags- nummer des GleOener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satxausstattung werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags In der Geschäftsstelle aut. unb Donnerstag in der Mniversität. 2m ersten Vortrag behandelt« er die Schicksalslag« der Gegenwart. wie sie vom geistigen Gesichtspunkt auS vetrachtet werden muß. In ben zwischen West und Ost kommenden Auseinandersetzungen hat der Westen nur seine Technik einzusetzen, da sich dieser westliche Mensch an die Materie verloren hat und die schöpferischen und richtunggebenden Ideen nicht mehr kennt. Der Osten droht durch die Mit- tcl, die er selber vom Westen gelernt hat. über den Westen zu siegen: denn im Osten lebt außerdem Geist, wenn auch in einer vergangenen Bewußt* seinsform. Der Redner besprach u. a. die 'Airsichten unb Ersahrungen des Weltreisenden Eol- lin Roh, der selber zu dem Schluß kommt, daß der Abendländer, um nicht unterzugehen, den Geist braucht. Das bestätigen sührende Leute der heutigen Wirtschast, die keinen AuSweg sehen, wenn nicht neue geistige GesichtSpunsie gesunden werden, um die Fragen von Wirtschaft unb Gesellschaft zu lösen. DaS deutsche Volk geht einer Zeit der Armut entgegen. Diese kann aber zu einer Zeit werden, in der sich das deutsche Voll! aus fein wahres Wesen und aus seine geistige» Aufgabe befinnt. von der es sich so sehr entfernt hatte, alS eS sich an den Materialismus verlor. Dadurch könnte daS Deutschtum den Völkern deS Abendlandes vorangehen, indem eS zeigt, dah in den Weltgeschicken immer noch der Geist über den Stoff siegt. Für die Ausgabe des Deutschtums wird daher ein erneuertes Ehristentum von der allergrößten Bedeutung sein, da- gerade in der Pflege des sakramentalen LebenS den Menschen der Gegenwart die Beziehung zum Geiste vermittelt, der über die irdischen Verhältnisse siegt und sie in menschenwürdige Verhältnisse umwandelt. Im zweiten Vortrag besprach der Redner .Rätsel des meirschiichen LebenS" und behandelte vor allem die Frage deS Selbstmordes. Oderheffen. Landkreis Gießen. ± Garbenteich, 1. März. Am vorigen SamStag hielt der Evangelische Frauenverein Garbenteich int Saale der Wirtschaft „Zum weißen Roß" seinen Familienabend. 2m bunten Wechsel kamen Gesänge. Deklamationen. Musik- unb Theaterstücke zum Vortrag, unterbrochen von einer gemütlichen Kaffeepause. Mm die Einübung hatte sich die Vorsitzende. Frau Dr. Rupp. Garbenteich, besonder- bemüht. Pfarrer Steiner, Hausen, der da- Eingang-- unb Schlußwort sprach, konnte ihr im Hamen de- DereinS einen Blumenkorb als Dank überreichen. Der Abend legte erneut Zeugnis davon ab, wie sehr ber Frauenverein die ganze Gemeinde umfaßt. Kreis Büdingen. * Ridda, 1. März. Seit vorigen Donnerstag wird in dem hiesigen Sägewerk ber Firma HimmelSbach (Freiburg i.D.) wieder mit größerer Delegschaf t gearbeitet. Es wurden 50 bis 60 Arbeiter neu eingestellt, itachdem bisher nur einige Arbeiter in der Kistenfabrikation beschäftigt waren und da- übrige Werk fett dem 1. Januar ftillag. ©ctnmnausiufl 6. Klasse 38. Preußisch-Süddeutsche (264. Preuß.) Staats-Lotterie Ohne Gewahr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hebe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in ben beiden Abteilungen I und II 18. Ziehungstag 29. Februar 1932 8n der heutigen Bvnnittaasziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 10 »«totnnf in 6000 ffll. 13695 166001 226867 292681 378035 12 »<®inne *u 3000 GIL 40186 64261 236633 289190 316107 336961 64 rinne p 2000 M. 16607 18189 76894 78250 79379 96636 108789 124065 128752 145871 146726 124463 193197 246471 287070 336855 360792 377166 129618 227752 267594 800089 344407 361360 384506 110570 131709 139010 147029 155558 174923 197691 220335 243199 262235 280508 300528 313660 330060 346zOl 371104 391613 143955 235711 273241 330599 350302 363611 892668 134458 229871 268218 307080 346641 362299 391063 119941 186967 240370 273333 331690 361566 364060 396783 115618 133265 142653 149933 161503 189711 203497 233133 244130 266327 284139 302543 315478 333269 357994 373880 396811 117239 136826 144493 150088 167418 190983 209544 239833 244728 267861 285524 306411 317678 840690 364056 373061 121508 137367 146509 154121 173068 197170 219068 242974 247477 275288 291659 311386 822663 345610 366855 378762 119441 136166 146643 160101 172257 194062 21“291 239994 246602 274906 289437 307616 320289 344623 366437 378261 122389 189203 241367 276098 334290 362671 871767 159586 161867 174934 182384 182731 192496 193627 215865 221419 234233 241627 244613 267459 304084 341124 369636 254 ffetmnne ,u 500 <7!L 2055 13220 34392 88492 40758 43066 45068 52647 65633 65960 68666 70695 74058 76136 78935 79449 83101 87170 86783 91068 93602 95229 97779 100382 102642 103366 106378 107413 ------ ------ ------ ------ ------ 120 eetstnne iu 1000 QJl. 2607 4548 14356 14888 15258 21671 28747 61540 68942 69697 72106 73202 84269 92158 93276 99489 99677 ------ ------ 113433 133003 140291 147119 160830 186001 203176 230898 243975 263042 284125 301610 314930 335786 350939 372735 395764 3n der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 •etotnii» »u 5000 UL 14 »etirinne »n 3000 M. 260535 348297 373010 42 «et rne iu 2000 0 1000 QU. 5450 10413 23688 36743 48187 50159 63342 57016 67584 69019 70961 80607 91421 132946 147903 150932 157635 189741 200477 208416 217173 223176 250950 265217 269193 —--------- ------ ------ ------ Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien in je 5COOOO, 2 Gewinne zu je 500000, 2 zu je 2000X), 2 zu je lOOCXX), 2 zu je 75000, 4 zu je 50000, 10 zu je 25000, 80 zu je 10000, 204 jju je 50>0, 406 zu je 8000. 1124 zu je 2000, 2268 zu je 1000, 8684 zu je 600. 10798 zu je 400 M. Alle Bruchieidende werden auf das heutige Inserat des Spezial-Bandagisten K. Ruf fing aufmerksam gemacht. ‘**'D Denken Sie an Stoffe, denken Sie an L. Bernard Biebrich, Alsfeld, Nleder-Weisel, Gießen, den 29. Februar 1932. 1694o Frais Margarete Schäler, geb. Wagner Alten-Buseck, Großen-Buseck, den 1. März 1932. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine innigstgeliebte Frau, unsere liebe, unvergeßliche, treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Schwester, Tante und Gote nach langem, schwerem mit großer Geduld getragenem Leiden, im 69. Lebensjahre zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 3. März, um 15 Uhr, vom Portale des Friedhofs in Lieh aus statt. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsem lieben, treu- sorgenden Vater Die Beerdigung findet Donnerstag, den 3. März, nachm, 2% Uhr, statt. _________________________16951 In stiller Trauer: Familien Riebel und Sier. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Philipp Schäfer III. Herrn Leonhard Riebel Gend Wachtmeister i. R, Veteran von 1870/71 heute, 15 Uhr, aus dieser Zeitlichkeit in die Ewigkeit abzurufen. Lieferungsvergebung. Für die Provinzial-Pflegeanstalt Ober- hesien soll für die Zeit vom 1. April 1932 bis 31. März 1933 auf dem Wege öffentlicher Ausschreibung vergeben werden. Die Lieferung von: 1675V 1. Fleisch-, Wurst- und Fettwaren: 2. Backwaren; ,3. Butter; 4. Milch und Eier; 5. Heizmaterial. Die Lieferungsbedingungen können auf unserem Amtszimmer täglich von 10 bis 12 Uf)C norm, eingesehen werden. Angebote, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, sind bis zum 14. INärz 1932, vormittags 11 Uhr, einzureichen. Zuschlagsfrist 10 Tage. Gießen, den 1. März 1932. Direktion der Provinzial-Pflegeanstalt. Donnerstag, den 3.7När; 1932, nachmittags 2 Uhr, versteigere b;w. verkaufe ich aus freier Hand an Ort und Stelle zwangsweise gegen Barzahlung: 5 eiserne Bettstellen mit Schoner, dreiteilige Matratzen, Kopfkissen, Steppdecke, 3 Nachtschränkchen mit Glasplatten, 1 Badewanne (Guß emailiert), 1 Gasbadeofen, 1 Caifelongue, 1 Schrankgrammophon, 1 kompl. Schlafzimmer mit kompl. 2 Betten (weiß), 1 Kleider- schrank, 1 Waschkommode 1 Aktenrollschrank, 1 Sofa und 2 Sessel (Klubform mit Ripsplüsch). 1692V Zusammenkunft der Käufer um 2 Uhr, Neuenweg 28, „Zum Löwen". Verkauf bestimmt. Junker, Gerichtsvollzieher in Gießen, Wiesecker Weg 16, Telephon 3383. in 1679 A ÄlsCuMM Familien-Drucksachen Verlobungsanzeigen . . „ , — . , . _ Vermählungsanzeigen bei Bruni, scnuistraoe Geburtsanzeigen / 5siä".?As-» / ÄA" / / h Be$cP«raa,^Ä«Z6 / **»i£^*7 Offenlegung der Wöhler-Liste für die Wahl des Reichspräsidenten am 13. März 1932. Die Wählerliste für die zur Wahl des Reichspräsidenten in der Stadt Gießen mit Gemarkung Schiffenberg und Herrn- wald stimmberechtigten Personen, liegt von Donnerstag, den 3. März bis einschließlich Sonntag, den 6. März 1932, auf dem Wahlamt im Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Nr. 13, werktags von 8 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr, am Sonntag, dem 6. März 1932, von 9 bis 13 Uhr, zu jedermanns Einsicht offen. 1652C Einsprüche gegen die Richtigkeit der Wählerliste sind innerhalb der Offenlegungsfrist bei Meidung des Ausschlusses bei dem obengenannten Wahlamt schriftlich oder "mündlich zu erheben. Soweit die Richtigkeit einer Behauptung nicht offenkundig ist, sind Beweismittel beizubringen. Wird ein Einspruch nicht sofort für begründet erachtet, so entscheidet über ihn der Kreisausschuß endgültig. Gießen, den 1. März 1932. Bürgermeisterei Gießen. Donnerstag, den 3. Mär; d. J., nachmittags um 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1693V 2 Klaviere, 4 Schreibtische, 2 Lodenmäntel, 2 Bettstellen, 1 Damenfahrrad, 1 Schreibmaschine (Orga-Privat), 1 elektrische Haarschneidemaschine, 3 Diwans, 4 Vertikos, 4 Tische, 5 Sofas, 1 Flurgarderobe, 4 Kleiderfchränke, 2 Tru- meauspiegel, 1 Gläserschrank, 2 Glas- sckränkchen, 1 Wirtschaftsbüfett, 1 Badeofen mit Wanne, 1 Mille Zigarren, 6 Büfetts, 1 Kredenz, 16 Stühle, 6 Chaiselongues, 1 Wäscheschrank, 8 Decken- bezüge, 12 Kopfkissenbezüge, 12 Tischdecken, 16 Handtücher, 2 Bettücher, 10 Stück Stoffe, 4 Stück Leinen, 3 Sessel, 2 Kommoden, 4 Nähmaschinen, 1 Bücherschrank, 1 Radioanlage m. Lautsprecher. 1 Spiegel, 1 Bett, 1 Harmonium. Ferner an Ort und Stelle, Bekanntgabe im versteigerungslokal: 1 Eisschrank, 6 Schweine, 1 schwarz- scheckige Kuh, 3 elektrische Kühlschränke, 1 Rechenmaschine, 1 Kassenschrank, 1 Aktenrollenschrank. MSll Gerichtsvollzieher in Gießen, ___Ludwigstraße 331, Telephon 3239. Vermietungen Wohnung modern, 7 Zimmer, Kucke u. Bad, Zen- tralbeiz.u.Warmw. sonnig gelegen, ab 1. April zu vermiet. imwD Kreuzt) latz 8. Neu hergerickt. 01287 4-Jimnrer- Wohnung mit Zubehör, evtl, mit Laden zu oerm. Lick. Oberstadt 9. 3-4-Zimmer-Wolinung (Friedrichstraße) z. 1. 4. zu vermieten. Sckristl.Angeb.unt. 16831) a. d.Gß.Anz. Große 01325 3-Ziuimer-Wohn. mit Zubehör und Garten in fr. Lage ab 15. März z. vrm. Näber. beiDittmar, Krofdorf. Str.'109. Wohnung 3 Zimmer mWohn- kücke im Neubau, Kreuzvlasi 8, ob 1. Avril zu vermiet. 2 möhl. Zimmer mit Kucke zu oerm. Sckriftl. Ansr. unt. 01332 a.d.Gß. Am. Mietgesuche 1—2 leere separate Zimmer oder Zimmer y. Köche per sofort ges. Sehr. Angeb. mit Preis u. 01328a. d.Gß.Anz. | Stellenangebote| 3 Studenten welche ihr Studium unterbrechen woll., finden guten Verdienst im Außend. Einarbeitg. erfolgt öurcl) Fachleute. Erfolg bei Einst, sicher. Bern. u. K. 280 a. d. 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Wir betonen erneut, daß bei diesen kleinen Preisen der Verkauf nur gegen bar und ohne jeden Kassenabzug vorgenommen wird. 100 Rasierklingen I a.f.Edelst.Haarsch. nur RM. 3.30 Nachn. 50 Stück RM. 2.20 - Rasierkl. Spezialh. ü. Arnold. Knln-I.nnperich asiBetten Schl fxtm Kind ort otten. Polat.8 nhlmatr^GhalHäL.un loden. Tcllzahlg. KataL fr. Ejienmdbolfabnk Suhl ■ UI ff reinschmeckende Sr wK Je " Mischung .. % Pfund Unsere altbewährten Sorten y4 Pfund 1.- -.90 -.80 -.73 -.63 -.50 MMMMl 1699 A 5% Rückvergütung I Mürbe-Gebäck fein Pfund nur 54 Kauf bei sw llr. 52 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch. 2. März syZ2 Aus dem Reiche der Frau. Oer Frühling naht mit Hüten Eine kletnc Modcvorfchau ES ist ein eigene- Modegefetz, daß sich die ersten Frühjahrshüte in einzelnen Eremplarcn bereits im Januar zeigen und gleichsam die Stimmung vorfühlen, die für die neu beabsichtigten Formen mastgebend werden wird. Dast die Frauen gewillt find — oder eS sein müssen — den Zcitverhällnissen, auSgedrückt durch den Geldbeutel des Gatten oder daS eigene Arbeitseinkommen, Rechnung zu tragen, deutet der sehr praktisch gewählte Allerweltshut an, den die groben Modehäuser bereithalten: das schräg ge- oaute Barett aus dicken, glänzenden Dorten des Cellophanstrohs, für die ticbergangshute verbunden mit gleichfarbigem Filz. Dieses Barett in seinen vielen Abwandlungsmöglichkeiten ist eigentlich für alle Zwecke zu gebrauchen: für den Dormittag wie für den Dachmittag, für das Trotteur- wie für das Nachmittagskleid. Flott gearbeitet, steht es jungen Gesichtern ausgezeichnet, etwas gemästigter kleidet es auch die Frau mittleren Alters. Man sieht diese Hüte sehr viel in Schwarz, daneben auch in Dunkelgrün und in Braun. Gewöhnlich werden der stark nach rechts herabgezogene Barettzipfel und die ganze schräge Kapp« aus Stroh gearbeitet, während die dem Hute den guten Sitz verleibende Passe au8 Filz ist. Gin anderes Modell zeigt nur die obere Platte aus glänzendem Stroh, alle- übrige aus Filz und als Garnitur zwei winzige abstehende Stroh- slügelchen. Oder: zwei horizontal gelegte seitliche flache Filzmaschen bilden die Garnitur einer ganz auS Cellophan gearbeiteten Kappe. Die steil auf- ragenden Federposen, die man an Winterhütchen ähnlicher Form oft sehen konnte, geben sich an den neuen Hüten etwas bescheidener: man steckt sie flacher und seillicher an als bisher. Neben den Baretts sieht man — dem Stil der Kleidermode angevastt, die ja auch gern in Groß- mutters Zeiten flüchtet — Formen, die vorn glockenartig niedergebogen, hinten dagegen hoch aufgestellt sind — also eine Art Schute. Der rückwärts steil aufgeklavvte Nand der Krempe wird durch bochgehende Schleifengrudpen bis über den Hutkopf hinausgeführt. Auch in diesen Formen verbindet man gern Stroh, Filz und Seidenband zur Einheit. Im Material. daS zur Herstellung der Frühjahrshüte gebraucht wird, zeigt sich viel Phantasie. Da gibt e-s eine neue Art ä jour gearbeiteter Nipsbandbörtchen. die gekniffen und plissiert den Kopfteil mancher Hüte bilden, während die Krempe aus Ccllovban ist. Eine besondere Neuerung ist lackierter Filz, der das matte Aussehen nubierten Metalls zeigt. Da man für diese- Material nicht die Kapve. sondern Glockenformen bevorzugt, wirken solche Hüte ein wenig wie Helme. 3m allgemeinen werden die kommenden Hüte reicher garniert sein als die bisherigen. Bänder alter und neuer Art. opalisierend, aus Satin- silz, Metal'bänder. Leinen mit gezacktem Nand. «^rgandibänder werden viel zu leben sein. Ebenso Blumen, Federphantasien. Knoten und genähte Figuren aus dem D'roh des Hutes. Auch Galalith- und Metalllchmuck wird reichlich verwendet. Rohkost im Mar?. Empfl hlenswcrle Reichte. Für den Nohkost-Tisch sind nicht nur die allseits bekannten Salate, wie Kops-, Feld-, En» divien-Salat, Kresse usw. zu verwenden, der Roh- kost-Tisch nimmt auch einen Teil der Blatt-, Wurzel- und Blütengemüse für sich in Anspruch. Ebenso die jungen Hülsenfrüchte, Erbsen und Bohnen. tinb diese Fülle, diese Abwechllung der täglichen Ernährung macht die Rohkost wertvoll und verhütet den ticbcrbruft und den Abscheu, den man bei einem langweiligen, sich fast gleichbleibenden, Küchenzettel empfindet. Die gärtnerische Kultur ist auf einer solchen Höhe, dast sie unS in jedem Monat mit frischen Salaten und Gemüsen aufwartet. Was bringt unS der März? Spinat, Tlohrrübcn, Chicor^, Blumenkohl, Fenchel, Feldsalat, Weih-, Rot- und Wirsingkohl, Äreffc, Kopssalat, Tomaten, Sellerie, Löwenzahn, Rettiche, Radieschen, Schnittlauch. — tinb die Zubereitung: Dor allem, ein sorgfältiges Derlesen und Reinigen aller Salate und Gemüsearten, nicht- tinsrisc^S, Verdorbenes darf Derwendung finben. Die Gemüse müssen in reichlichem Wasser sehr aufmerksam gewaschen werden und später in einem Salatschwenker auS- aeschwungen werden. Kohlarten werden ebenso behandelt. Zur Rohkost verwende man aber nur die zarten Teile. Mohrrüben, Sellerie, Radieschen, Rettiche wasche man vor dem Schälen unter fliehendem Wasscr, und lege den Sellerie, wenn man ihn zerschnitten hat. in mit Zitronensaft angesäuertes Wasser, damit er nicht schwarz wird. Blumenkohl, Mohrrüben, Kovfsa at. Ret- tich, Radieschen sollen für die Rohkost sehr fein geschnitten, am besten geraffelt werden. Das Zerkleinern nur durch Kauen ist zu mühsam und dehnt in unserer schnellebigen Zell die Mahlzeit zu lange auS. Sine schlecht gekaute Rohkost bläht und macht allerlei Beschwerden. Run kann man die Rohkostfalate und Gemüse auf die verschiedenste Art, je nach Geschmack, zubereiten. Entweder man macht eine einfache Salatsohe von etwa 3 Löffeln Olivenöl, l1/« Löffeln Zitron nsast, wenig Salz, gehackter Zwiebel oder Schnittlauch und gewiegter Petersilie. — Oder eine schmackhaftere von etwa 3 Löffeln Olivenöl, 2 Löffeln Zitronensaft, etwas Salz. 2 Löffeln Rahm, gehackier Zwiebel und der Jahreszeit entsprechender Gewürzkräuter, wie Schnittlauch, Petersilie, Estragon, Kerbel. Dann gibt es noch eine Mayonnaise, zu der man pro Person ein Eigelb rechnet, das man in einer runden Schüssel, unter langsamen Hinzugeben von Olivenöl, mit einet groben Silbergabel gut rührt. In die sämige, dickliche Masse mischt man etwa- fein geraffelte Zwiebel, fein gewiegte Petersilie, 2 Teelöffel Zitronensaft und ein wenig Salz. Salz ist bei diesen Sohen nicht unbedingt nötig, beim durch den Zitronensaft, durch die Zwiebeln und durch die seingcwiegten Kräuter und nicht zuletzt durch das Gemüse, das in die Sohen hineinkommt. erhält das Ganze einen hohen Wohlgeschmack, und ist ohne Salz nicht farblos und lasch. Mohrrüben, auch mit geraffeltem Rettich vermischt, ebenso die Kohlsalate. Kohlrabi und Blumenkohl finb für die Zubereitung mit Mayon- naisensohe sehr geeignet. Während man die Rohkost erst vor dem Gebrauch fertigstellen soll, empfiehlt es sich, den Kohlsalat schon ein bis zwei Stunden vor der Mahlzeit zuzubereiten. DaS Garnieren einer Rohkostplatte wird jeder Hausfrau überlassen. Tomatenscheiben mit Mayonnaisen tupfen, ein gelblich-grüner Kohlsalatsleck, ein Derglein loser, grüner Kresse, ein Beet hellroten Mvhrrübensa lates, ein paar saftig grüne Spinatblätter ... Die Hausfrau sei erfinderisch! Das Mittagessen des Kindes. Was der Arzt dazu zu sagen hat. Don Stadtmedizinalrat Or. K. Marloth. Diese Ausführungen sind dem im Verlag von B. (9. Teubner in Leipzig und Berlin erschienenen Buche „Wie erhalte ich mein Kind gesund?" (kart. 2 Mark) entnommen, das unter dem Leitwort des Frohsinns den Eltern eine Reihe praktischer Handhaben zur Kräftigung des Körpers, der Seele und der Nerven des Kindes gibt. Das Mittagesien soll zwar im allgemeinen die Hauptmahlzeit sein, doch läßt sich nicht jede Men- schentonstitution, besonders in der Kindheit, dazu zwingen. Man wird aber natürlich bei den Kindern die Versuche nicht unterlassen, sie langsam an die Hauptkosl am Tage zu gewöhnen. Blutarme und nervöse Kinder, deren Frühstücksmahlzeiten oft genug recht unregelmäßig verlausen, die häufig ihr Butterbrot in der letzten Pause oder auf dem Heim- roege verzehren, wird man am besten kurz vor der Tischzeit erst eine Viertelstunde hinlegen. Durch die Körper- und Nervenentspannung werden oft Spannungen und Adwehrmomente gegen das befohlene Mittagessen beseitigt, wodurch die Eß- lüft des Kindes gesteigert werden kann. So aus- geruht werden sich unsere Kinder genau wie wir Erwachsenen froher an den Tisch setzen. Diesen Frohmut brauchen wir unbedingt, damit uns das Essen schmeckt und bekommt. In jede Familie gehört ein Hauch von Lebenslust, in der wir uns trotz der Alltagssorgen üben müssen. Gerade als Ausgleich für die nervös machende Hast und Unruhe, besonders der Großstadt, bedürfen wir in unser aller Interesse gerade für die Hauptmahlzeit einer gewissen behaglichen heiteren Ruhe. Lehre dein Kind nicht nur froh, sondern auch bewußt essen! Wie weitgehend eine Förderung des Appetites durch seelische Beeinflussung schon bei den Kleinman diese Maßnahme grausam, jetzt heißt sie: beraubter Anreiz zur Förderung der Speichel- und Magendrüsen. Noch bekannter ist die Erscheinung, daß beim Anblick z. B. einer sauren Gurke ober eines anderen leckeren Lieblingsgerichts, das man vor sich liegen hat oder an das man nur denkt, die Speicheldrüsen fließen, schon ehe man davon gekostet hat. „Es läuft einem das Wasser im Munde zusammen.- Hieraus ist ersichtlich, wie Vorgeschmack und Freude die Eßlust und Drüsentätigkeit erhöhen, anderseits Aufregung und Aerger den Appetit und die Bekömmlichkeit der Mahlzeiten herabsetzen. Auch der Widerspruchsgeist mancher Kinder spielt bei ihrer Appetitlosigkeit oft eine gewisse Rolle, zumal wenn sie die Autorität und den Zwang der Eltern beim Aufessen einer Mahlzeit zu stark empfinden. Hier lassen sich diese vermeidbaren Hemmungen oft dadurch beseitigen, daß die Mutter, wie das meist geschieht, nicht mehr den Teller ihres Kindes in bester Absicht vollegt, sondern daß man das Kind selbst sich nehmen läßt, soviel es will. Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß Kinder durch diese Mitheranziehung zur Selbständigkeit besser essen lernten. Sie nahmen sich dann wenig, langten aber ein zweites Mal zu. Es gibt Kinder, deren Eßlust durch den Anblick großer Portionen stark vermindert wird. Auch wird man, soweit als möglich, vermeiden, unmittelbar vor Tisch ein „Hühnchen" mit seinem Kinde „zu rupfen", zumal wenn das Kind ein schlechter Esser ist. Kurz, man kann durch eine Reihe von kleinen psychologischen Momenten den Appetit des Kindes erhöhen. Wer unter Mitwirkung seiner Augen seine Bissen in den Mund schiebt und sich jedesmal auf den Geschmack „oorfreut", der wird durch erhöhte Empfindung der Geschmackspapillen auf der Zunge belohnt. Das ist: „bewußt" und mit Freude eßen, d. h. eine Mahlzeit wirklich „genießen". Unter diesem Gesichtspunkt darf man auch nicht zugeben, daß die Kinder mit dem Buche in der Hand elfen. kmdern möglich ist, geht aus der Erfahrung her- vor, daß der Säugling, dem man die gefüllte Milch- flasche einige Sekunden vor die Augen hält, ehe er zu trinken bekommt, besser und mit mehr Behagen trinkt, weil auch das Auge von dem bevorstehenden Genuß Kenntnis genommen hat. Früher nannte Durch das freubebeldnte und bewußte Kauen wird man ganz zwanglos wie selbstverständlich zu einem langsamen Durchkauen und Durchspeicheln gezwungen, cm Vorgang, auf den bekanntlich schon vor Jahrzehnten der Deutsch-Amerikaner Fleischer besonderen Wert legte. Wer klug ist, macht rechtzeitig feine Kinder daraus aufmerksam. Ein Heiner Wettkampf unter den Kindern bei Geburts tagsfeiern und dergleichen, wobei derjenige Sieger ist, der ein Stückchen belegtes Butterbrot am längsten faut, gibt den Anlaß, das gute Sauen zu lernen und mehr zu pflegen. Oie praktische Hausfrau. Reinigung von Goldrahmen. Don Flicgenfchmutz verdorbene Gvldrahm.n rc.bc man mit weichem Brot ab. Sind die Flecken schon älter, so werden sie vorher mit einer durchgeschnittenen Zwiebel eingerieben und später mit einem angc- scuchteten Schwamm nachgewischt. Aufbewahrung von Honig. Niemals dars Honig in Metallge'äs'en aufbewahrt werden. Müssen solche vorübergehend zum Versand benutzt werden, ist der Honig so bald wie möglich um- zugießen, da der Honig in zinn- und eisenhaltigen Vesthirren einen harzigen Geschmack annimmt. Kartosf «Hochwasser al« Waschwasser. Dunkle Herren ocken, B.usen oder Kin- deranzüge werden in diesem Was:er ausgezeichnet gereinigt, wenn man es einige Tage sammelt, dann auf fünf Liter einen Teelöffel voll Salmiakgeist beifügt und in nur lauem Wasser die Sachen mehr darin durchschwenkt als reibt. In Harem Wasser mit gleichem Salmiakgeistzusatz gespült, drücke man die Socken nur auS, während man die Kleidungsstücke ohne Wringen austropfen läßt. Handpflege und Hausarbeit. Eine ganze Anzahl Hausfrauen schämt sich der verarbeiteten oder von der Arbeit geröteten Hände. Das ist natürlich falsch. Sie hat durchaus keine tirsach«. sie in Gesellschaft unter den Tisch zu stecken und etwa nur wenig zu elfen, damit sie schnell fertig ist, um niemandem Zeit zu geben, auf ihre vom Werktag gezeichneten Hände zu sehen. Jede Hausfrau hat aber ein Anrecht auf schöne und gepflegte Hände, und fie kann fie sich ohne große Müh« oder teure Mittel leicht schassen. . Das Wichtigste ist der Schutz der Hände während der Arbeit. Wer zum Abwaschen des Geschirrs zum Beispiel ätzende Mittel, wie Soda, verwendet, sollte Gummihandschuhe überziehen, sog. WirtschaftShandschuh«. Für die Teller verwendet man Tellerwasch- oder Porzellanbürsten, für Topfe Drahtbürsten. Beim Kartoffelschälen behilft man sich mit einem Schälmesser, einer Schälmaschine, die sich besonders im ländlichen Haushalt empfiehlt, und reibt die Hände öfter nach getaner Arbeit mit einer Z'tronenschale oder etwa« Zitronensaft ein. Dadurch wird die Haut der Hände weich und sie färben sich nicht so leicht rot, schwarz oder blau, tim den Ausguß nicht immer putzen zu müssen, kauft man ein Ausguß- Sieb, daß die hineingefallenen Rückstände sammelt. Am Griff nimmt man eS heraus und Icrrt es über dem Müllkasten, ohne die Hände zu beschmutzen. Schon hart gewordene Hände reibt man abends mit Vaseline, Glyzerin oder Hautcreme ein, zieht ein Paar weite Handschuhe darüber und geht damit zu Bett. Morgens wäscht man die Hände in lauwarmem Wasser, reibt mit Gau de Cologne nach und mit Hautcreme ein. Besonders beim Ginmachen empfiehlt es sich, ein Paar alte Handschuhe überzuziehen oder wenigstens Fingerlinge aufzusetzen. Dasselbe gilt auch für die Zubereitung von Gemüse und Zwiebeln, welche letztere tagelang einen häßlichen Geruch hinterlassen. Mit einiger Sorgfalt, etwas gutem Willen und Achtsamkeit kann sich di« arbeitsamste Hausfrau trotz schmutzigster Hausarbeit schone Hände erhalten: es kommt nur auf systematisch« und richtige Pflege an. H. O. F. Oie Gesundheit der Hausfrau. 2on Or. meb Kurt Karlsson Jeder Beruf hat feine besonderen Gefahren. Ein befonberer Zweig der Heilwifsenfchaft, die Gewerbehygiene, befaßt sich mit ihnen und den Be- russkranlheiten. Nur um einen Beruf ist es in dieser Hinsicht schlecht bestellt, und das ist gerade der Berus, dessen Angehörigenkreis sicher- lich den größten Umfang hat. Ein Berus, dessen korrekte Ausübung vollsgcsundheitlich und volkswirtschaftlich von allergrößter Bedeutung ist: der Berus der Hausfrau! Bei der Dielseitigkeit der Arbeit, die mit einem Haushalt verbunden ist, gibt es für die Hausfrauen verschiedene Gefahrenquellen: nicht die unwichtigste ist der Mangel an Zeit. Das gilt namentlich für die Frauen, die noch außer dem Hause beruflich tätig find und daneben die Wirtschaft uerfargen müffen. Eile und Hast setzen die Aufmerksamkeit herab, man kommt viel eher in die Lage, sich zu schneiden, wenn die Arbeit drängt und man fürchtet, nicht fertig zu werden, tind schon sitzt das Messer im Finger. Was macht man da? Dor allen Dingen unterläßt man das, was die meisten tun, nämlich die Munde auszuwaschen. Ruhig etwas bluten lassen, das Blut schwemmt Infektionskeime meistens hinaus, tind dann ein sauberer Verband daraus, nicht mit Watte, nicht mit einem Taschentuch, sondern mit Verbandmull. Aber wenn dieser Verbandmull offen und verstaubt zwei Jahre im Schrank gelegen hat, dann nimmt man doch lieber einen sauberen Leinenlappen, ticber das ganze Leukoplast, aber am Finger nicht etwa ringförmig eng angezogen, das kann unangenehme Schwellungen geben, sondern spiralig angelegt. Solch glatte Schnittwunden heilen meist in kurzer Zeit, und wenn's auch etwas weh tut, sind diese Wunden doch ungefährlicher, als die kleinen, seinen, oft unsichtbaren Ritz- und Stich- verlehungen. Erst merkt man überhaupt nicht, daß irgendwo die Haut durchtrennt ist, aber die Infektionskeime, die Eitererreger, haben es gemerkt, haben die Lücke gefunden und bringen ein. Plötzlich merkt die Patientin, daß ihr Finger dick wird, die Haut sich rötet, und spürt ein schmerzhaftes Klopfen an der betreffenden Stelle. Vielfach kann sie sich s nicht erklären, die winzige Verletzung ist ihr gar nicht zum Bewußtsein gekommen, aber jetzt hat fie ihr Panaritium, ihren Finger- tourm, weg. Man hat diese Verletzung und ihre Folgen direkt als .Dienstmädchenkrankheit" bezeichnet, eben weil sie typisch ist für Frauen, die im Haushalt hantieren. Zum Schmerz, zur Rötung und Schwellung kommt die tinfähigkeit, den Finger zu bewegen. Die Schwellung wandert immer weiter körperwärts und in teerigen Tagen kann die ganze Hand in den Entzündungsprozeh eindezogen werden. Die Stränge der Muskeln und Sehnen geben den Leitweg für das Aus- wärtsschreiten der Entzündung an, und wir haben jetzt eine Zellgewebsentzündung roc uns. Damit ist nicht zu spaßen. Aus einer Zellgewebsentzündung kann leicht eine allgemeine Blutvergiftung entstehen. Es hat keinen Zweck, in solchem Fall, wenn eine Entzündung zutage tritt, und sei sie auch nur eng lokalisiert, tagelang auf eigene Faust herumzukurieren, man soll vielmehr ungesäumt den Arzt aufsuchen: im Anfang läßt sich mit sachverständiger Hilfe noch viel in Ordnung bringen. Die Scheu vor dem Messer ist in unserer Zeit der hochentwickelten örtlichen und allgemeinen DetäubungsmetHoden wirklich nicht mehr am Platze. Länger als eine Nacht mit dem Panaritium zuzuwarten, ist zu widerraten. Will man am Abend den Arzt nicht mehr herausklingeln, so macht man erst einmal zwei bis drei Stunden heiße Seifenbäder der Hand und des tinterarms, legt dann um die entzündete Stell« einen mit Alkohol getränkten Watteverb and, der mit durchlöchertem, undurchlässigen Stofs bedeckt ist, und lagert und hängt über Nacht den erkrankten Arm hoch. Am nächsten Morgen merkt man dann schon selbst, ob die Entzündung erledigt ist oder ob man den Arzt auf- suchen muß. Ist die Entzündung nicht fort, dann muß man sofort zum Arzt gehen. Entzündungen der Sehnenscheiden können übrigens auch ohne äußere Verletzung zustande kommen. Bestimmte tieberanftrengungenführen zu dieser Erkrankung, namentlich wenn man bie betreffende Arbeit nicht getoo^n* war und wenn sie schwer war und lange dauerte. Holzhacken und Auswringen der Wäsche z. D. kann zu solch einer Erkrankung führen, die wegen des typischen Geräusches an der bewegten Sehne als .knirschend« Sehnenscheidenentzündung" bezeichnet wird. Bei Sehnenscheidenentzündung geht man sofort zum Arzt. Sofortige richtige Hilfe gestaltet die Sache harmlos. Nur wenn man unnütze Zeit verstreichen läßt, kann man unter timständen sein blaues Wunder erleben und eine Pyämie, eine allgemeine Eitervergiftung, davontragen. Kommt es erst zu Schüttelfrost und Fieber, gelegentlich zu Durchfällen, bann ist das Malheur passiert. Die Fülle der Möglichkeiten, daß im weiteren Verlaus zahlreiche innere Organe erkranken, auf die die Insektionskeime ausgesät werden, sollte jeden davon abhalten, seine eigene Kunst an dem Unfall zu probieren. Die rechtzeitige ärztliche Hilfe bei Sehnenscheidenentzündungen ist in der Regel ebenso einfach wie schmerzlos. Wenn unverhofft Besuch kommt... ... mutz die Hausfrau sich zu helfen wissen. Don Oildegard G. Fritsch. tieberraschungen gibt es immer im Leben. Die Kunst, ihnen zu begegnen, auf sie gewis ermaßen gefaßt zu sein, bedeutet, fie überwinden zu können. Viele unserer lieben Bekannten machen sich oftmals einen .Spaß", überraschend zu Besuch zu kommen. Nichts ist häßlicher als das. Aber trotzdem: Die recht« Hausfrau ist eben auf solch« tieberraschung immer gefaßt und weih das Geheimnis des Tischleindeckdich! Leider ist die Speisekammer im Stadthaushalt oft eine Nebensache. Wan kauft nur das ein, was für den nächsten oder übernächsten Tag benötigt wird; und sehr oft kommt es vor, daß am Morgen kein Brot im Hause ist und die verdienenden Familienmitglieder ohne Frühstück an ihre Arbeit gehen müssen, da es die Zeit kaum erlaubt, daß noch Eßware eingeholl wird. Es gibt heute sehr viele Möglichkeiten, solchen tieberraschungen entgegenzutreten. Nichts aber ist unwürdiger und geschmackloser, als wenn die Hausfrau beim Eintreffen unerwarteter Gäste ein verstörtes Gesicht macht, anstatt die unverhofft Eintreffenden genau so zu begrüßen wie vorher Angemeldete! Es ist, wie gesagt, ein Leichtes, Dorlehrungen zu treffen, um immer mit einem Mahl aufwarten zu können, tinverderbliche Gerichte und Konserven können immer vorrätig gehalten teerten. Aus dem Land« ist es allerdings einfacher: Man schlachtet selbst, hat Wurst- und Fleischvorräte genügend, bäckt vielleicht auch noch das Brot selbst und hat an jedem Sonntag fast einen Blechkuchen: Milch, Eier, Butter und Kartoffeln find ebenfalls immer da! Wie hilft sich aber nun die Hausfrau in der Stadt? Suppenwürfel sind lange haltbar und liefern recht schmackhafte und variable Suppen. DaS Fleischgericht läßt sich gleichfalls schnell Herstellen. Man lauft Büchsenfleisch, Gemüse oder gleich ein Gericht, wie Hammelfleisch mit weißen Bohnen, Gulasch, Erbsen und Sauerkohl mit Eisbein, Nieren, Spinat, Schnittbohnen, Leipziger Allerlei und ähnliches, so daß ein kleiner Dorrat, ohne Gefahr zu laufen, daß er nach kurzer Zeit verdirbt, immer gehalten werden kann. Schließlich läßt sich auch mit wenigen Mitteln für den Nachtisch Sorge tragen! Kompotte aller Art gibt es in Büchsen. Ferner kann man Puddingpulver und sonstige Speisen in Packungen lange aufbewahren und Fruchtsaft zur Hand haben. Schwieriger ist es schon, für das Abendessen zu sorgen. Doch auch hier hilft es oft, wenn man ein Augenmerk auf konservierte Gerichte lenkt: Lachs in Büchsen. Oelsardinen. Hummer, Krabben, Rollmöpse, Düchsenschinlen, Büchsen- wurft, ferner Dauerwurst waren, Pumpernickel als Brot- und Brötchenersatz, Knäckebrot, Zwieback, Gänseschmalz oder Schweinefett. So ist es leicht möglich, immer etwas vorrätig zn haben und auf unverhoffte Besuche eingerichtet zu sein. Es läßt sich alles ermöglichen! Außerdem, kann die so versehene Hausfrau von Zeit zu Zeit selbst von den Vorräten dieser Art verbrauchen und wieder für frischen Ersah sorgen. Auf alle Fälle ist es gut, wenn die Hausfrau vorsorgt und auch ihrem Manne gegenüber all oute Hausfrau dasteht, auf die er sich vorkommen* oenfalls verlassen kann, tirniotig, daß sir ihm ihr Geheimnis verrät — die Wirkung durch die T a t tft immer am überzeuge ödsten. NachlangemNechtSstreitfreigesprochrn. Durch Urteil deS Erweiterten Schöffengerichts Gießen wurde der Schupo-Oberwachtmeister G. aus Butzbach für schuldig erkannt, am 5. September 1930 in der Jagdhütte von Löffler bei Pohl-Göns eingestiegen zu sein und dort mehrere Gegenstände, wie Fernglas, Iagdpatronen, Revolver, Photoapparat, Wecker usw. entwendet und an sich genommen zu haben. Das Schöffengericht verurteilte ihn am 3. Dezember 1930 zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten. Amerikas Kamps gegen die Depression. Oie neuen Zinanzgesehe zur Erweiterung des Kredits bei Aufrechterhaltung des Goldstandards. Von unserem Il.VZ. v. v.-Berichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Neuyork, Februar 1932. Die jüngste Gesetzgebung der Vereinigten Staaten, die die aufsehenerregende, wenn auch bald wieder obgeebbte Börsenhausse hervorrief, jene Gesetzgebung, mit der man die Depression heilen wollte, geht von der Voraussetzung aus, die zwei hauptsächlichsten Gefahren, die dem Dollar drohen könnten, wären der weitere G o l d a b z u g ausländischer Gläubiger im großen Maßstabe und das Banknoten- und Gold- Hamstern im Inland. Dabei ist das Hamstern von Gold und Banknoten die direkte Folge emer Furcht, daß durch die bedeutenden ausländischen Goldabzüge die inländischen Banken nicht mehr in der Lage sein würden, der Industrie die erforper» lichen Kredite zum Aufrechterhalten der Betriebe zur Verfügung stellen zu können. Don der Voraussetzung ausgehend, daß die beiden genannten Punkte das Kernübel der Depression bilden, versucht Washington, ihnen durch zwei Sondergesetze zu begegnen. Das erstere Re ko nstruk- tionsgesetz, das einen unter Aussicht der Regierung stehenden Kreditfond von zwei Milliarden Dollars schuf, hat die S i ch e r st e l l u n g d e r erforderlichen Betrieb strebite fur btc Schlüsselindustrien zum Ziele, die auf diese Weise davor geschützt werden sollen, durch weitere ausländische Kreditabzüge ihrer Betriebskredüe be- raubt zu werden. Die Verwaltung der Rekon- struktionskredite ist bekanntlich dem General Dawes als Präsidenten und einem Direktorium von zwölf Bank- und Wirtschaftsführern (entsprecheird den zwölf Bezirken des Federal Reserve Systems) übertragen worden. Die in dem Gesetz vorgeschrie- benen Richtlinien sind derart weitherzig, daß das Direktorium in der Kreditzuweisu n g s a st unumschränkte Vollmacht besitzt. Obwohl das Direktorium seine Tätigkeit und die Zuteilung von Krediten an Banken und Industrien bereits seit einigen Wochen ausübt, sind bisher noch keine Einzelheiten über die Kreditnehmer bekannt geworden außer im Falle einiger Eisenbahn-Gesellschaften, weil hierfür die Zustimmung der interstaatlichen Handelskommission erforderlich ist. Während das Direktorium die strikte Geheimhaltung seiner Kredit- Zuweisungen (Dawes' Abneigung gegen jegliche Publizität ist bekannt) damit begründet, daß das Publikum die Kreditgewährung z.B. an eine Großbank falsch auslegen und mit einem Ansturm zur Abhebung seiner Depositen beantworten könnte, machen die Kritiker dieser wirtschaftlichen Geheim- politik geltend, daß eine Regierungshilfe für em Großunternehmen auf dessen Gläubiger nur beruhigend wirken könnte. Da bisher, wie gesagt, noch keine konkreten Fälle bekannt geworden sind, ist noch nicht zu entscheiden, welche Ansicht in diesem sehr interessanten Experiment die richtige ist. Nachdem durch das Rekonstruktionsgesetz die laufenden Kreditbedürfnisse der Hauptindustrien, Bon- fcn, Versicherungen, Schiffahrt usw. wenigstens vorläufig soweit sichergestellt sind, daß selbst ein Zurückziehen der französischen Goldguthaben in Hohe von etwa sechshundert Millionen Dollars keinen nennenswerten Einfluß mehr auf den Dollar aus- üben könnte (in vielen Finanzkreifen würde ein Ge- somtabzug sogar begrüßt), beabsichtigt das neue .Krediterweiterungsgese tz, nicht nur den Geldhamstern (heute über 5 Milliarden Mark in Gold!) den Boden zu entziehen, sondern gleichzeitig das Federal Reserve System für den Fall eines weiteren Hamsterns vor einer Knappheit an flüssigem Geld zu bewahren, indem man die Deckungsbasis für Banknoten erweitert. Man versucht, den Ham- sterer davon zu überzeugen, daß das Gold im Strumpf und in der Kommode keine Zinsen bringt, daß dagegen seine Sparkasse rückhaltlos von der Regierung gedeckt wird, vorausgesetzt, daß sie die Vorschriften des Federal Reserve Systems erfüllt. Der andere Teil des Gesetzes, der die Berechtigung der Federal Reserve Bank für die Ausgabe weiterer Dollarmilliarden in Banknoten vorsieht, soll ihn von der Nutzlosigkeit seiner Hamsterei und davon überzeugen, daß er doch nicht Schritt mit dem Federal Reserve System halten kann. Der Aufruf des Präsidenten Hoover gegen das Geldhamstern hatte nicht den gewünschten Erfolg. Hamstern ist eine Folge der Furcht und kann nicht durch Versprechen und Predigen aufgehalten werden. Keiner der bisherigen Schritte be- eitigte die Gefahr eines Abgehens vom Goldstandard mit anschließendem wirtschaftlichen Weltchaos. Hierzu war vielmehr eine dritte Maßnahme notwendig, die in dem zweiten Teile des genannten Krediterweiterungsgesetzes (der sog. „Glaß-Steagall- Bill") enthalten ist. Das Gesetz sieht kurz gesagt die Benutzung einer beschränkten Menge Staatsanleihen als Deckung für Banknoten vor, und ist zeitlich auf zwölf Monate be« Ö. Während das Bankgesetz der Vereinigten m eine vierzigprozentige Golddeckung der Banknoten erfordert und für die restlichen sechzig Prozent erstklassige Handelswechsel verlangt, beträgt die gegenwärtige Golddeckung achtzig Prozent. Das Krediterweiterungsgesetz sieht nun lediglich vor, daß außer den erstklassigen Handelswechseln auch Staatsanleihen zu der sechzigprozentigen Deckung herongezogen werden können. Da die Federal Reserve Banken inzwischen solche Staatspapiere im Werte von achthundert Millionen Dollars im Freihandel gekauft haben, wird durch das Gesetz die Schaffung von ungefähr 2,5 Milliarden Dollar (in zusätzlichem Pa- piergeld ermöglicht. Eine tatsächliche Anwendung des gesetzlichen Verhältnisses 40:60 würde sogar das Freiwerden von 1,3 Dollarmilliarden in Gold bedeuten, die wiederum eine hinreichende Golddecke für 3,25 Dollarmilliarden in gesetzmäßigen Banknoten abgeben würden. Selbst ohne Anerkennung des amerikanischen Geschäftsgrundsatzes, daß ein Dollar in gesetzmäßigen Banknoten zur Schaffung von zehn Kreditdollars berechtigt, ist die Erleichterung des Notenmarktes durch die Glaß-Steagall- Bill ohne weiteres ersichtlich. Gleichzeitig wird verhindert, daß die im Besitz der Federalbanken befindlichen Staatspaviere „verschimmeln" bzw. durch eine noch dazu verlustreiche Liquidation den Markt ungünstig beeinflussen könnten. Die Gegner des Gesetzes machen zwar der Regierung den Vorwurf, eine, wenn auch gemäßigte Inflationspolitik zu betreiben. Aber einerseits entzieht es sich noch der Beurteilung, inroie- weit die Federal Reserve Bank von dieser neuen Ermächtigung Gebrauch machen wird, und anderseits handelt es sich nicht so sehr um die Schaffung neuen Geldes, als vielmehr um einen zeitweisen (kratz für das gehamsterte, das der Wirtschaft in unwillkommener Weise entzogen ist. Solange das Vertrauen nicht wieder hergestellt ist, d. h. solange das Geldhamstern anbauert, finb auch die Banken gezwungen, Riesenbeträge an tatsächlichem Papiergeld in ihren Tresors zu halten, um einem jederzeit möglichen Ansturm ihrer Depositäre gerecht werden zu können. Internationale Bebeu- tung erlanat das Gesetz dadurch, daß es die Stellung des Dollars als internationalen Geldmaßstab und die Beibehaltung des Goldstandards in den Vereinigten Staaten garantiert. Der Verteidiger des Angeklagten. Rechtsanwalt Dr. Katz in Gießen, legte gegen das Urteil (Berufung ein, mit dem Antrag auf 'Freisprechung. Die Staatsanwaltschaft verfolgte Berufung zwecks Erlangung einer höheren Strafe. Die Erweiterte Strafkammer Gießen verwarf in ihrer Sitzung vom 6. Januar 1931 diese Berufung mit der Maßgabe, daß G. nur des einfachen Diebstahls schuldig sei. Gegen dieses Urteil legte die Verteidigung Revision an das Reichsgericht ein, die damit begründet wurde, daß mangels Vorliegens des subjektiven Tatbestandes eine strafbare Handlung nicht gegeben sei: falls eine strafbare Handlung vorläge, könne es sich nur um eine Unterschlagung handeln, da der Eigentümer die Gegenstände nicht mehr im Besitz gehabt habe. Die Revision hatte den Erfolg, daß das Reichsgericht das Urteil aufhob und die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die Strafkammer Gießen zurückverwies. Im Termin vor der Strafkammer Gießen am 2. Juni 1931 kam es zu einer erneuten eingehenden Verhandlung. Die Strafkammer schloß sich der Auffassung des Reichsgerichts an, daß nicht Diebstahl, sondern Unterschlagung vorliege und verurteilte den G. nunmehr zu 2 Monaten Gefängnis. Die Strafe wurde durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt angesehen. Die Verteidigung hatte die Ladung eines Zeugen beantragt, der bekunden sollte, daß der Angeklagte die Gegenstände deshalb nicht zurückgegeben, weil die nötige Zeit gefehlt habe. Di« Strafkammer unterstellte diese Tatsache als wahr und lehnte die Labung bes Zeugen daher ab. Rechtsanwalt Dr. Katz legte gegen dieses Urteil der Strafkammer wiederum Revision beim Reichsgericht ein und begründete sie vor dem Reichsgericht damit, daß, wenn diese Tatsache, als wahr unterstellt worden sei, die Strafkammer auch die Folgerung daraus hätte ziehen müssen. Danach hätte auch Unterschlagung nicht angenommen wer- den können, sondern hätte Freisprechung eintreten müssen. Das Reichsgericht stellte sich auf denselben Standpunkt, gab der Revision statt und verwies den ganzen Rechtsstreit zur nochmaligen Verhandlung an die Strafkammer Darmstadt. Am 23. Februar 1932 fand nun vor der Strafkammer Darmstadt die Verhandlung statt. Das Ge- richt sprach nach längerer Verhandlung den Schupooberwachtmeister frei und belastete die Staatskasse mit sämtlichen Kosten des Verfahrens aller Instanzen. Das Gericht nahm an, daß Absicht, die Gegenstände zu unterschlagen, nicht vorhanden gewesen fei. Der Rechtsstreit hat hiernach folgende Phasen durchlaufen: Erweitertes Schöffengericht, zweimal Strafkammer Gießen, zweimal Reichsgericht und einmal Strafkammer Darmstadt. SjL-tfpott Oer Fall Sp.-Bgg. 1900 - Friedberg vor Gericht. Unter starker Anteilnahme von Anhängern der Spielvereinigung 1900 und des VfB. gelangte gestern vormittag die von unberufener Seite erfolgte Absetzung des auf den 10. Januar an* beraumten Spiels der Spielvereinigung 1900 gegen VfB. Friedberg vor dem Gießener Amtsgericht zur Verhandlung. Angeklagt waren die Herren C. und K-, beide Vorstandsmitglieder des Vereins für Bewgeungsspiele. Sie wurden beschuldigt, in widerrechtlicher Weise dem Verein für Bewegungsspiele einen Vermögensvorteil dadurch verschafft zu haben, daß C. unter Angabe einer falschen Bezeichnung die Spieler des VfB. Friedberg veranlaßt hat, nicht nach Gießen zu fahren und den mit der Spielvereinigung 1900 abgeschlossenen Vertrag zu erfüllen. Daraus entstand der Spielvereinigung 1900 Gießen, wie auch dem VfB. Friedberg ein Schaden finanzieller Art, während dem VfB. Gießen durch den Ausfall des Spieles auf dem Sportplatz an der Liebigs- höhe eine größere Zuschauermenge sich dem Waldsportplatz zuwandte. Der Hauptangeklagte C. hat, wie aus der Zeugenvernehmung vor Gericht hervorging, am Sonntag, 10. Januar, 10.52 Uhr, im Gießener Bahnhof im Wartesaal 2. Klasse ein Telephongespräch nach Friedberg geführt, das von einem seinerzeit dort beschäftigten Kellner vermittelt worden war. Er hat mit einem Mitglied des VfB. Friedberg gesprochen und den Friedbergern mitgeteilt, es habe keinen Zweck, daß die Mannschaft nach Gießen komme, denn das Spiel sei abgesetzt worden, da zu gleicher Zeit auf einem anderen Sportplatz ein großes Verbandsspiel ftattfinbe. Die Friedberger blieben daraufhin zu Hause. Auf dem Sportplatz der 1900er in Gießen wartete man vergeblich auf die Gäste aus Friedberg, die Zuschauer verlangten schließlich ihr Geld zurück und gingen, wie nach der weiteren Beweisaufnahme angenommen werden durfte, auf den Waldsportplatz des VfB., um dort das Verbands- spiel VfB. — Germania Fulda zu sehen. Der Hauptzeuge, der Kellner G., gab an, daß er den Angeklagten roicbererfenne; er habe für ihn das Gespräch vermittelt, nachdem ihm der andere dort beschäftigte Kellner B. im Auftrage des Angeklagten einen Zettel gegeben habe, auf dem die anzumeldenbe Nummer verzeichnet stand. Auch der Zeuge B. erklärte mit Bestimmtheit, den Angeklagten wiederzuer- kennen. Ein weiterer Zeuge konnte ebenfalls klare Am Samstag beginnen wir mit dem Abdruck einer Aufsatzreihe H. R. Knickerbocker Angaben über den Aufenthalt der beiden Angeklagten im Bahnhof machen. Der Angeklagte C., der die Tat nach wie vor bestritt, hatte den Versuch unternommen, ein Alibi nachzuweifen. Die beiden Zeugen dafür sagten jedoch mehr zu ungunften des Angeklagten aus. Zeuge Dr. G. von der Sp. Vgg. 1900 gab einen Ueberblitf über den Einnahmeausfall feines Vereins; ein Vertreter des VfB. Friedberg gab den Schaden, der feinem Verein entstand, und Die näheren Umstände der Spielabsage zur Kenntnis. Nach der Zeugenvernehmung erörterte der Staatsanwalt in feinem Plädoyer die Vorgänge auf Grund der Beweisaufnahme. Er ging insbesondere auf die Darlegung des Tatbestandes des Betrugs ein, hielt die Schuld des Angeklagten C. für erwiesen und beantragte gegen ihn eine Geldstrafe von 75 Mark bzw. 20 Tage Haft. Die Verurteilung des Mitangeklagten K. stellte er dem Ermessen des Gerichtes anheim. Der Verteidiger der Angeklagten bestritt in feinem Plädoyer eine Mittäterschaft des Angeklagten K. und beantragte dessen Freisprechung. Eine strafbare Handlung des Angeklagten C. halte er in juristt- schein Sinne nicht für nachgewiesen, auch die wesentlichen Merkmale des groben Unfugs, die der Staats- anmalt in den Kreis feiner Betrachtungen zog, feien nicht gegeben. Er beantrage deshalb auch für C. Freisprechung. Aach der Replik des Staatsanwaltes, einem letzten Wort des Verteidigers und nachdem der An- Wie ein Amerikaner Deutschland sieht. Der bekannte amerikanische Zeitungsreporter hat im Notwinter 1931/32 eine Autoreise durch Deutschland gemacht und aufschlußreiche Blicke hinter die deutsche Fassade tun können. Kleine chinesische Blutenlese. 21us der Dichtung des fernen Ostend. Da wir wieder einmal die Ereignisse im Fernen Osten beobachten, greisen wir zu einigen chinesischen Büchern, um einen kleinen Hauch von dem seltsamen Lande zu spüren, um wenigstens einige kurze Bilder von dem Wesen Chinas einzusangen — und wo könnte sich dieses getreuer darstellen als in der heimischen Dichtung? Die Romane, die wir befragen, sind freilich sehr alt, — in den ausgezeichneten deutschen ^lebertragunaen Franz Kuhns hat sie der Insel-Verlag neuerdings herausgebracht — aber um so reiner und ursprünglicher wird sich die Eigenart dieses Volkes in seinen Büchern erhalten haben. Wir suchen nach einer Episode von Kampf und Tod und finden eine im „Kin Ping Meh", die sich zwischen 1100 und 1127 in einem Kriege gegen die „Goldene Horde" der Kin-Tataren abspielt: „An einem heißen Tage im ersten Drittel des fünften Monats, mitten während eines furchtbaren Sandsturms, dessen gelbe Schwaden den Horizont verhüllten und die Sicht benahmen, geriet der tapfere Kämpe in Rahkampf mit dem feindlichen Führer Kanlipu. Da traf ihn nun, von einem seitlich hinter der Rohmähne versteckt liegenden Gegner abgeschossen, ein tückischer Pseil in die Kehle, und tot sank er vom Pferde. Zum Glück konnten seine Leute wenigstens den Leichnam aus dem Getümmel heraushauen und in Sicherheit bringen. Die Feinde waren bereits im Begriff gewesen, ihn an Haken und Schlingen hinter ihre eigene Linie zu zerren. Im Alter von siebenundvierzig Jahren war er auf blutiger Walstatt gefallen... Bis zu den Wolken stieg die Totenklage aus den hinteren Gemächern empor, als die Leiche des gefallenen Marschalls im Pamen von Tungschangfu eintraf." Die Tataren find die ewige Sorge des Landes, die auch die berühmte chmesische Mauer, das gewaltigste Bauwerk der Vtelt, nicht immer abwehrt. So wird Aprikosenknospe (in dem Roman »Die Rache des jungen Meh oder das Wunder der zweiten Pslaumenblüte ) als Friedenspreis und Fürstenbraut an die barbarischen Horden hingegeben: „Sie zog sich zurück und kleidete sich um; ihre Geiäyrtinnen folgten ihrem Beispiel. 3n wilder, buntfarbiger Darbarentracht kam sie bald darauf an der Spitze der vierzig jungen Mädchen zum Vorschein. Der fremdartige Anblick schnitt ihren Begleitern ins Herz ... und da Hub aus dem Chor der Gefährtinnen eine klagende Weise an. Vom Geliebten links, vom Bruder rechts gestützt, ließ sich Aprikosenknospe zur Duftsänfte geleiten, und bald darauf setzte sich der Zug der Sänften in Bewegung. Run war das Pahtor der Großen Mauer durchschritten, und die weite Sandsteppe tat sich auf. Ach, wie trübe wurde es Aprikosenknospe ums Herz, als sie, da die Tausendfuh- banner der Barbaren im Winde flattern und ihre Schwerter in der Sonne gleißen sah..Senf eite der Großen Mauer aber ist alles trübe und entsetzlich, wild und roh erscheint die Landschaft: „Wie aus tausenden Stockwerken übereinander geschichtet, reckte sich die erklommene Höhe zu messerscharfer Spitze hervor. Das Lager drunten mit seinen bewimpelten Zelten sah von der Höhe wie Gekritzel auf einem Stück Papier aus. Auf der andern Seite aber gähnte ein taufend Klafter tiefer Schlund, an dessen Rändern große und Heine Schlangen sich ringelten und zu Klumpen ballten. Wie dumpses Stiergebrüll und Donner- krachen tonte aus der Tiefe daS Tosen weiß schäumender Sturzbäche herauf. Schwertspihen gleich stachen am Abhang entlang se tsam ge.orm e Klippen unu Felszacken in die Luft. Und wie Todeshauch stieg ein düster stöhnender Wind aus der Tiefe herauf." Aber nun ein lieblicheres Bild: wir sehen Fräulein Eisherz die tapfere Heldin des Romans „Eisherz und Edeljaspte": „Rur eine Tochter besaß er, das war Ding Hsin, Fräulein Eisherz. Fein wie junge Weidenblätter im Lenz waren ihre Brauen geschwungen, ihre Formen hatten die weiche und graziöse Fülle der Herbstchrchsantheme. Sn der stillen Geborgenheit des Frauengemaches aufgewachsen, glich sie einem Stück geblümter Seide von zartester Faser." Hören wir noch von einer anderen jungen Schönheit, die sich aber im „Kin Ping Meh" in ganz anterer Richtung entwickeln wird als Eisherz: „Den Ramen Kin Liän, „Goldlotos", verdankte sie ihren srüh entwickelten Reizen und besonders ihren hübschen, zierlichen Füßen. Rach dem Tode ihres Vaters war die Neunjährige von der Mutter in das vornehme Haus eines Herrn Wang verkauft worden. Dort war sie in Gesang und Lautenspiel und auch in der Schreib- und Lesekunst unterrichtet worden. Sie war eine äußerst ausgeweckte und geschmeidige Ratur. Mit kaum dreizehn verstand sie bereits ihre Brauen und Augen zu verschönern und kunstgerecht Rot aufzulegen; sie konnte die Dambus- söte blasen und Gitarre spielen, sie war in aller feinen Hand- und Radelarbeit geübt, sie beherrschte die Schwierigkeiten der Schrift. Ihr Haar trug sie wohlfrisiert in schön gewelltem Knoten. iUeber ihrem jmrgen Leib straffte sich eng anliegend das Gewand. So wuchs sie zu einet koketten kleinen Schönheit heran." Eine winterliche Szene: Sn dem behaglich mit Teppichen, Wandschirmen und Vo hängen aus- ftaffierten, von Kohlenbecken gut du.chwärmtcn hinteren Salon wurde dann um die Mittagsstunde das gemeinsame Festmahl abgehalten. Hsi men hatte die Tafel durch einige Krüge Iasmindust- wein bereichert. Er faß mit Mondfrau obenan an der Tafel, während die fünf anderen Frauen und seine Tochter die Querseiten einnahmen. Die vier Zofen Lenzpslaume, VingTschun, Nephrit- flöte und Ovchideendust sorgten für Ta'elmusik und legten Zeugnis von den Fortschritten ab, die sie bei ihrem Lehrer Li Ming gemacht hatten- Während man drinnen heiter tafelte und plauderte, wirbelte es draußen vor den Fenstern wie dichte Watteslocken, tote tanzende D'.rnenb'ütenblätter... Eine geraume Weile ergötzte sich die ganze Gesellschaft am Anblick des muntern Spiels der Flocken draußen Dorrn Fenster. Run erhob sich Mondfrau und schritt, begleitet von der ZofeIu- welchen, die einen Teekessel rnitnehmen muhte, in den verschneiten Hof hinaus. Mit eigner Hand fegte sie ein Stück Wegs von der weißen Decke frei, dann füllte sie den Teekessel mit frischem Schnee und goß mit eigner Hand für die Tafelrunde Tee auf. Sie verwendete dazu eine köstliche Mischung der edlen Phönix- und milden Lerchenzungenteesorte. Im Iaspiskruge ballt Sich's licht von kristallener Luft, Aus goldenen Schalen wallt Es lind von köstlichem Dust..." „Chinesischer Roman", fragte Eckermann Goethe, „der muß wohl sehr fremdartig au^sehen?" „Richt so sehr, als man glauben sollte", sagte Goethe, „die Menschen denken, handeln und empfinden fast ebenso wie wir, und man fühlt sich sehr bald als ihresgleichen, nur daß bei ihnen alles tarer, reinlicher und sittlicher zugeht: Es ist bei ihnen alles verständig, bürgerlich, ohne große Leidenschaft. Die Goldfische in den Deichen hört man immer plätschern, die Vögel auf den Zweigen fingen immerfort, der Tag ist immer heiter und sonnig, die Rächt immer klar: vom Mond ist viel die Rede, allein er verändert die Landschaft nicht, sein Schein ist so Helle gedacht wie der Tag selber, ilnb das Innere der Häuser so nett und zierlich, wie ihre Bilder. Z.B.: „Ich hörte die lieblichen Mädchen lachen, und als ich sie zu Gesicht bekam, sahen sie auf feinen Rohrstühlen." Da haben Sie gleich die allerliebste Situation, denn Rohrstühle kann man sich gar nicht ohne die größte Leichtigkeit und Zierlichkeit denken..Aber es ist erwiesen, daß Goethe bei diesem Urteil nur an „Eisherz und Edeljaspis" gedacht hat. Hätte er auch andere Bücher gekannt, er hätte in ihnen gefunden, waS er in diesem einen vermißte: die großen Leidenschaften, die sturmdurchheulten Rächte, in denen Gespenster erscheinen, und die großartigsten Bilder von Verfall und Vergänglichkeit, den Spuk der bösen Träume und schlimmen Vorzeichen. Fünf Katzen auf dem Marsch. Die Frage»Zufall oder Fernkraftwirkung" behandelt Hermann R a d e st o ck in einer anre- § enden Plauderei, die wir im Märzheft von Zelhagen ft Klasings Monatsheften finden (Preis des Heftes neuerdings nur noch 2,10 Ml.) Er berichtet fünf gut verbürgte Katzengeschichten, die viele Leser zum Rachdenken anregen und jedem Tierfreund Freude machen werden. Eine junge Dame trug eine ihren Eltern zugelaufene fremde Katze in verschlossenem Sack und Korb fünf Kilometer weit mitten durch Stuttgart nach Cannstatt: nach zwei Tagen war das Tier wieder im Garten der Eltern. Eine andere Katze wurde von einem Dauern in die Sitztruhe seines Wagens gesteckt und etwa dreißig Kilometer weit von Hohengehren nach Stuttgart verbracht: binnen kurzem war sie wieder in Hohengehren. Eine dritte Katze wurde bei der Kleber* siedlung aus eines Dorf bei Stuttgart nach Bad Teinach i. Schwarzw. im geschlossenen Korb m.t- genommen: nach ganz kurzer Zeit war sie wieder in ihrer Heimat. Der vierte Fall wurde im Frühjahr 1930 in Hoyerswerda beobachtet. Hier entdeckte eine anhängliche Katze nach dem Tode ihr.r Herrin deren Grab auf dem großen Friedhof. W:e der Sohn der Verstorbenen an verschiedenen Abenden feststellte, verbrachte das Tier jede Nacht unter einer am Grabe stehenden Dank und kehrte erst morgens durch die ganze Stadt hindurch ins Haus zurück. Roch wunderbarer klingt die Tatsache, daß ein schwarzer Kater, der von seinem von Breslau nach Königsberg versetzten Herrn, einem Leutnant, im Jahre 1868 dorthin mitgenommen wurde, binnen 16 Tagen in die frühere Behausung, an die er nun einmal gewöhnt war, nach Breslau zu Fuß zurückkehrte. Dieser letzte Fall sowie der von Hoyerswerda scheinen dem Verfasser ganz besonders deutlich dafür zu sprechen, daß eine uns noch unbekannte Kraft nicht nur Tiere mit Tieren und Menschen, sondern auch mit ©egenftänben verbinden kann. n Abdruck einer iM merikaner nid sieht itungsreporter hat •ise durch Deutsch- w Blicke hinter die ' Der rS ist er- m Urteil nur an L h-t- H^te tt er M «ft inen vcmlstte. Je erscheinen, ww vte Ä und Hergang' LundirliMM' W Ang,. M^T.der ™ drn Ersuch 'len. Di, btibtn >u Ungunst,n bt$ )n der 6p. n Einnahm,llur- d» DsB. grieb. Mein Entstand, Spiilabsag, zur rierle der Staab. Sänge auf Trund besondere auf die Betrugs ein, hielt iur erwiesen und oft von 75 Mark ing des Milange- des Gerichtes an- bestritt in feinem ngellogten ft. und . Eine strafbare alte er in jurifti- i, auch die wefent- IS, die der Staats- htungen zog, feien chalb auch für T. ■ volles, einem letz- nachdem der 2n- m m* . mkrafttoirkunS * * 'ÄfeSl- Sti-s SltelN- ° ne he «m inÄig ^il£" n^ ie Leber' urde ber vrr Stuttgart nw N^Sid? tpOT I •ssfttf «Star* jenl^' fcSS es. ÄÖ* l^po- istet- riifu v Wan- ’0,ben tnxlu M. zwei-oi Gericht und geklagte T. rwch einmal darauf hingewiesen hatte, daß er da- fragliche Telephongespräch nicht geführt habe, die Tat also abermals bestritt, ver- kündete der Vorsitzende folgendes 1111 e i I : Der Angeklagte L. wird wegen Betruges au 7 5 Mk. Geldstrafe, oder zu 15 Tagen Gefängnis, sowie zur Taguna der Kosten verurteilt. Der Angeklagte Ä. wird der indirekten Mittäterschaft für schuldig befunden und zu 50 Mark Geldstrafe (im Aichtzahlungsfalle zu 10 Tagen Gefängnis) und zur Tragung der anteiligen Kosten verurteilt. In der Begründung des Urteile betonte der Vorsitzende, daß an sich auf eine Gefängnisstrafe Hütte erkannt werden müsfen, daß da- Gericht aber in Berücksichtigung dessen, daß beide Angeklagte al- nicht vorbestraft betrachtet werden, es bei einer Geldstrafe bewenden liest. Der Vorsitzende ging bann noch auf die juristische Seite der Angelegenheit ein. Handball der Siadtmannschast für die ®le^mer Dlnternothllse. Am kommenden Samstag findet auf dem Bf3L- Platz das Rückspiel der Stadtmannschaften von Gießen und Butzbach statt. Auf Grund der beiderseitigen Spielstärke ist ein spannender Kampf zu erwarten. Da da» Spiel zugunsten der Gießener Wlnternothilfe ausgetragen wird, ist ein guter Besuch zu wünschen, vorher findet ein Lehrspiel der Schiedsrichter des Gaues Hessen (DI.) statt. Gpielvereimgung 1900 Gießen. Das Spiel bet Ligareserve gegen die Ligamannschaft von Weilburg gestaltete sich zu einem schönen Treffen. Die Weilburger zeigten, daß sie zu Recht Meister der 2. Bezirk-klasse sind. Sie waren In Technik und im Zusammenspiel sehr gut und den Gießenern zeitweise auch überlegen. Die Hiesigen spielten verstärkt, jedoch noch nicht in allerbester Ausstellung. Die Mannschaft zeigt noch Schwächen, die auszumärzen sind Die Rieder- läge verschuldete das schwache Spiel deS linken Verteidigers, dessen drei Fehlschläge die Gäste zu drei Treffern ausnuhten. In Steinbach weilten die 4. und 5. Mannschaft der Dlauweißen. Die 4. mußte sich Steinbach- 1. Els mit 6:2 Toren beugen, während die 5. mit Steinbach- 2. Elf unentschieden 22 spielte. Die Gießener hatten durch zahlreiche Ausfälle nicht die stärksten Mannschaften zur Stelle und waren auch zahlenmäßig unterlegen. Die Riederlage der werten Mannschaft verschuldete auch in erster Linie da- schwache Spiel deS Torwart-. Arbeiter-Turn« und <5portbunfr. wicseck II — Obcrmörlen I 1:1. 3n Wiesers standen sich diele Mannschaften im Freundschaftsspiel gegenüber. Trotz der Kälte lieferten sich beide Mannschaften ein flottes, abwechs- lungsreiches Sviel. Beide Hintermannschaften mußten reichliche Abwehrarbeit leisten. Eine Reihe Ecken auf beiden Seiten brachten nichts ein. Nach einer Viertelstunde kamen die Gäste durch einen scharfen Schuß von recht» zum Führungstor. Dann drückten die Wiesecker, aber alle gutgemeinten Schüsse gingen neben oder über die Latte. Nach Seiten- wechsel blieb Wieseck weiter im Angriff und schließlich wurde durch einen schonen Schuß des Linksaußen das Ausgleichstor erzielt. Die massive Abwehr der Gäste verhinderte jeden weiteren Erfolg. ■6e,yrt6»(y tzbalttag Am Sonntag sand in Gießen der ordentliche Bezirksfußballtag de» 3. Bezirks statt. Die Berichte, die gedruckt Vorlagen, zeigten, daß die Fußballbewegung auch Im abfldaufenen Jahr eine gute Entwicklung zu verzeichnen hatte. Els Vereine und Abteilungen wurden neu ausgenommen. Der Be- zirk zählt jetzt 48 Vereine, die das Fußballspiel pflegen. Auch in spielerischer Beziehung ist eine Itetige Aufwärtsentwicklung sestzustellen. Bezirksmeister wurde diese» Fahr Mendorf (Lahn), Be- ztrksjugendmeister Wieseck 1. Jugend, während es Naunheim gelang, bie Kreismeisterschaft des 9. Kreises zu erringen. Der Kassenbericht zeigte trotz der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse einen guten Abschluß. Der anwesende Kreissußballleiter gab ein ausführliches Referat über organisatorische Fragen. Die den Vereinen bereits zugestellten Satzungen wurden einstimmig angenommen. Die Wahlen ergaben die Wiederwahl des seitherigen Spartenoor- standcs und der Ausschußmitglieder. Die kommen- den Punktspiele werden durch Mehrheitsbeschluß anschließend hintereinander ausgetragen und beginnen Anfang August Mit einem Hinweis auf das am Sonntag bevorstehende Entscheidungsspiel um die Süddeutsche Derbandsmeisterschaft lNaunheim — „Kickers" Ludwigshafen) auf dem VfB -Platz in Gießen fand die Tagung ihr Ende. SriefToften Oer Redaktion tu R. Gießen. Genauen Aufschluß über die Be- bingungen für die Einstellung von Offizieranwärtern in die Reichswehr gibt ein Merkblatt, das Sie auf Anfordern vom Reichswehrministerium in Berlin erhalten. Ihre Meldung zur Einstellung als Dffi- zieranwärter ist an den Kommandeur desjenigen Regiments zu richten, bei dem Sie eingestellt fein möchten ____________________________ Wirtschaft. Vie Durchführung des Bahnspeditions-Dertrages. Am 1. März ist im ganzen Reich die im Bahn- fpeditionS-Vertrag der Rc.chsbahn vorgesehene Reuregelung des bahnamtlichen Rollfuhrdienstes in Kraft. Der bahn- amtliche Rollfuhrdienst, der bisher nur die A b - fuhr der Stückgüter an den Bestimmungsorten umfaßte, wird auf die A n fuhr der Stückgüter an den 'Versandorten und auf die An- und Abfuhr der hochwertigen Wagenladungen erstreckt. Für diesen erweiterten bahnamttichen Rollfuhrdienst übernimmt die Reichsbahn gegenüber den Versendern unb Empfängern b;c gleiche Haftung, bie sie nach ber Deutschen RcichSbahn-Derkchrs- orbnung für bie nachfolgende oder vorauSgegan- gene Eisenbahnbelörderung der betreffenden Sendung trägt. Bei der Anfuhr der Stückgüter unb bei der An- unb Abfuhr der Wagenlabungen tritt biefc Haftung ber Reichsbahn neben bie Haftung, die den bahnamtlichen Rollfuhrunternehmer nach ben gesetzlichen Bestimmungen al- Spebiteur gegenüber seinem Auftraggeber trifft. Für bie eigentlichen Rollsuhrleistungen gelten, soweit nicht örtlich niebrigere Gebühren festgesetzt finb, bie im neuen Einheitsgebührentaris fest- gelegten Sähe als Höchstsätze Die Gebühren, bie eine mit zunehmendem Gewicht fallende Staffel haben, fino künftig für bie An- unb Abfuhr, sowie für Fracht- unb Eilgut, sowie außerdem für jede Entfernung innerhalb ber Rollbezirke ber einzelnen Güterabfertigungen gleich hoch Für Sendungen von 1—50 Kilogramm ist ein Höchstsatz von 30 Reich-Pfennigen, für Sendungen von 50—100 Kilogramm ein solcher von 50 Reichs- Pfennigen festgesetzt. Der Sah für je 100 Kilogramm einer 15-Tonnen-Rolleistung aus dem Wagenladung-Verkehr beträgt höchstens 20 Reichs- Pfennig. Europäische Farben -Verständigung. Die Verhandlungen zwischen ben kontinentalen Farbengruppen Deutschland, Frankreich, Schweiz und dem englischen Haupt- Produzenten, ber Imperial Chemical Industries Ltd., finb in Lonbon zum Abschluß gelangt. Bekanntlich gelang eS schon im Iahre 1929 nach längeren Verhandlungen, bie ursprünglich zwischen der deutschen unb der französischen Farbstosf- industrie bestehenden provisorischen Vereinbarungen, die sich auf Produktion-- unb Absahverhält- nisse bezogen, auszubauen unb in ein festes Abkommen zu verwandeln, daS insbesondere auch ein engere- Zusammenarbeiten auf technischem Gebiete vorsah. Dabei ist bie Selbstänbigkeit unb Entwicklung-Möglichkeit beider Teile nach jeder Richtung hin aufrechterhalten geblieben. ® ci$Aeitig hiermit wurde auch zwischen ben Farbstofsinbu- strien ber beiben genormten Länder unb ber Schweiz ein Abkommen erzielt. Dieses Abkommen zielt aus eine durch bie Marktve hältnisfe not- wenbig gewordene 3ufammenarbett im Verkauf ab unb hält bie Selbständigkeit der bestehenden Organisationen aller Teile aufrecht. Im übrigen ist die Llnabhängigkeit unb EntwicklungSmögltch- keit ber beteiligten Firmen unangetastet geblieben. Runmehr hat sich auch ber größte englische Farbstoffproduzent an die bestehende Vereinbarung an- geschlossen Ebenso wie im Dreierabkommen vom Iahre 1929, wird daS gesamte Farbengeschäft der Partner unter 3ugrunbelcgung der gegenwärtigen Anteile daran geregelt. Das Geschäft in Amerika wird auch von dem erweiterten Abkommen nicht betroffen. Der neue Vertrag enthält keine Bindungen der Teilnehmer in allen wissenschaftlichen unb technischen Belangen. Ebenso finb Preisbindungen nicht vorgesehen. Die grundsätzliche Bedeutung deS neuen Vertrages liegt darin, daß bie ■Beteiligten burch privatwirtschaftliche Vereinbarungen einen Zustanb Herstellen wollen, ber ihren Inbustrien eine gesunde Weiterentwicklung au- eigener Kraft sichert. Berlin schwach, später widerstandsfähiger. Berlin, 2. März. (WTD. Funtsvruch.) Da es beute an Anregungen fast völlig fehlte unb vom Auslande meist schwächere Meldungen Vorlagen, selbst in Paris sind schon Ermüdungserscheinungen zu erkennen, neigte die Tendenz an den Aktien- markten weiter zur Schwäche, nachdem schon in den gestrigen Abendstunden neue Kursabbröckelungen sestzustellen waren. Man führt die schwächere Stimmung in der Hauptsache auf die völlige Uninteressiertheit des Publikums für die Börse vor der politischen Klärung zurück. So konnten z. B. heute die Kurse, obwohl das Geschäft ganz minimal unb das Angebot bei weitem nicht so groß war, toic vormittags noch befürchtet, auf verschiedenen Märkten dis zu 2 Prozent nachgeben. Lediglich am Elektromarkt unb in einigen Spezialwerten war die Umsatztätigkeit etwas größer. Relativ gut behauptet lagen Bankaktien, nur Barmer Bankverein unb Braubant büßten je 2 Prozent ein. Auch Schiffahrtswerte zeigten nur geringe Veränderungen. Montanpapiere waren bis zu 1 Prozent rückgängig. Kohlenwerte unter Führung von Rheinischen Braunkohlen waren stärker gebrückt. Von Montanaktien waren Westeregeln besonders schwach. Elektropapiere büßten zirka 2 Prozent ein. Siemens waren zirka 11 Prozent unter gestern genannt, doch ist bei diesem Kurs der Dividenden- abschlag von 8,1 (9 Prozent) zu berücksichtigen. Von sonstigen Speualwerten fielen noch Rutgers- werke, einige Zellstoffwerte, Schubert & Salzer unb Schultheiß durch schwächere Haltung auf. Für Thüringer Gas erhielt sich dagegen Interesse. Die Auslandwcrte lagen uneinheitlich. Svensta waren zumindest gut behauptet. Chadeaktien dagegen Handels- und Gewerbebank Gießen Die Handels, und Gewerbebank e. G. m.b.H. Gießen hielt gestern abend unter Leitung des Aufsichtsratsvorsitzenden, Kommerzienrat Noll, ihre 73. ordentliche Generalversammlung ab. Direktor Arnold erstattete den Geschäftsbericht für 1931 unb stellte zunächst mit Befriedigung fest, daß der allgemeine Schrumpfungsprozeß in den Ziffern der Bilanz nur wenig zum Ausdruck kommt. Die Bank bat ihre Bilanzsumme, die sich auf 3 148 468,62 Mk. stellt, fast in Vorjahrs, höhe erhalten. Auch der Gesamtumsatz in Höhe von 110 738 804,14 Mk. ist nur um 7 0.5). zurückgegangen. Die Spareinlagen und Depositen sind mit 2249336,62 Mk. fast unverändert geblieben. Die Verwaltung sieht hierin den Ausdruck starken Vertrauens ihrer Einleger, das durch die gute Zahlungsbereitschaft der Bank In den Krisenmonaten noch gestärkt worden ist. Die Auszahlungswünsche ber Kundschaft konnten ohne Rückgriff auf Bankkredite aus eigenen Mitteln befriedigt werden. Das Eigenkapital beläuft sich auf 857 547,02 Mk. und deckt bie fremden Gelder zu fast 40 d. H. Diese» günstige Verhältnis werde nur von wenigen Geldinstituten erreicht. Im Kreditgeschäft ist naturgemäß ein Stillstand eingetreten. Doch war die Bank in der Sage, ihren Mitgliedern die Kredite zu erhalten und von Kündigungen nennenswerten Umfanges abzusehen. 3m Wechselgeschäft wurden 11 638 Wechsel im Gesamtbetrag von 3 792 174.66 Mark angekauft. Die Geschäftsguthaben betrugen 627 547,02 Mark, die Haftsummen der Mitgüeber stellten sich auf 1703000 Mark. Die offenen Reserven erreichen die Höhe von 230 000 Mark. Der Mitgliederbestand betrug 1457 mit 1703 Anteilen. Der Reingewinn beziffert sich nach Vornahme erforderlicher Rückstellungen und einer ftär- keren Abschreibung auf Effektenkonto auf 38 490,74 Mark. Trotz der Unsicherheit der Wirtschaftslage kommt eine, wenn auch gegen das Vorjahr Der- ringerte Dividende von 4S v. H. zur Verteilung. Die Verwaltung betonte, daß bie Erhöhung der Sicherheit unb Zahlungsbereitschast in diesem Fahr weit mehr im Interesse der Mitglieder liege, als die Ausschüttung einer hohen Dividende. Die Empfehlung des Deutschen Genossenschaftsverbändes gehe sogar dahin, alle Ueberschüsse in die Reserve zu stellen. Der Bericht schloß mit der Bitte, dem 3n- stitltt, das rein mittelständische Interessen und Belange vertritt, auch für bie Folge die Treue zu halten. Die Vorschläge der Verwaltung wurden einstimmig genehmigt. Der Vorsitzende gedachte noch der wegen ihres hohen Alters ausscheidenden Au sichtsratsmitglie- der Daniel Heil, der 41 Iahre dem Aufsichtsrat angehörte und Kommerzienrat S ch a f f st a ed t und dankte ihnen auch im Rainen der Versammlung für ihre langjährige Tätigkeit. 3um Schluß hielt Direktor Mattern einen Vortrag über .Die Dankcnkrise und ihre Lehren". Er ging auf den Weltkrieg als Ausgangspunkt der Weltkrisis zurück und legte dar, wie die Vermehrung der Produktionsstätten in keinem Verhältnis zu den Absatzmöglichkeiten stand, wie durch Zollmahnahmen Störungen in der Weltwirtschaft entstanden und auch die Kapitalwirtschaft in falsche Bahnen gelenkt wurde. Er tarn auf die Vertrauenskrise des vergangenen Iahres zu sprechen und schilderte eingehend die Auswirkungen auf die Geldinstitute und die Lehren, die sich aus den Ereignissen der letzten Monate ergeben. Wir seien um Iahrzehute in der wirtschaftlichen Entwicklung zurück^eworfen und müßten d'.efe Spanne nacharbeiten. Die Zeit der Aufblähung und der Riesengebilde sei in unserer geschrumpften Wirtschaft vorüber. Selbstbeschränkung sei in allen Unternehmungen von Röten. Die künftige Wirt- schäft werde mittelständischer sein, als die Wirtschaft der RachkriegSjahre. Ie mittelständischer aber ein Volk und eine Wirtschaft seien, um so krisenfester hätten sie sich bisher erwiesen. schwacher. Nachdem im Verlaufe die Mehrzahl der Kurse weiter abgebrödeU war. trat spater eine ae• wisse Widerstandsfähigkeit hervor. Am Bfanbbritfmartt war die Tendenz heute wider Er- warten nicht schwacher, da sich auf der ermäßigten Basis von gestern Kaufneigung zeigte. Die Goll). Pfandbriefe wurden 1 bis 2 Prozent höher genannt, auch Kommunalobligationen und Liquida- tionspfanbbriefc waren «her etwas erholt. Industrieobligattonen lagen behauptet. Reichsschuldbücher gingen um zirka 0,5 Prozent zurück, auch Altbesitzanleihe neigte zur Schwäche. Am Geldmarkt war die Situation immer noch unverändert angespannt. Frankfurt erst unsicher, dann freundlicher Frankfurt a. M.. 2. März. lWTB. Draht- meldung ) 'Bei nur geringem Geschäft eröffnete der Esfektenfreiverkehr wieder in schwächerer Tendenz, da Anregungen von außen her so gut wie nicht vorgelegen haben. Anderseits war die Spekulation weiterhin eher bestrebt, ihre Engagements ange- sicht- der Wahlwochen zu verringern. E- lagen wieder einige Derkaus-orderS vor, denen wenig Aufnahmheneiaung gegenübe. stand. Die Lage war recht unsicher, und schon kleines Angebot drückte auf das Kur-niveau. Gegenüber der gestrigen Abendbörse ergaben sich in der Mehrzahl Kursverluste von 1 b,S 2 Prozent. Der jetzt vorliegende AGG.-Abschluß wurde ungünstig ange- fefren. Daher waren die Abgaben am Elektrv- marft etwas stärker, waS auch auf die übrigen Märkte abfärbte. Recht schwach lagen 6d>udcrt, die etwa 4 Prozent einbüßten. AGG. gaben 1,5 Prozent nach Gessürel blieben dagegen ziemlich gehalten. Am Lhemiemarkt verloren ID. 1,25, Gcheideanstalt 1 Prvz. Montanwerte brodelten bet kleinsten älmsatzen diS zu I Prox. ab. Dagegen lagen Bankaktien nur wenig verändert. Don Kali- werten waren Salzdetfurth etwas stärker gedrückt (etwa minus 3 Proz.), an den übrigen Marktgebieten herrschte Geschäftsstille. Im Verlaufe wurde eS etwa- freundlicher, da angeblich einige Kauforders eingetroffen fein sollen. Die Spekulation schritt zu kleinen Rückkäufen, so daß Besserungen von etwa 0,5 bis 1 Prv^. eintraten. Am Rentenmarkt blieben Kommunalobligationen offeriert, während an den übrigen Märkten die Abwärtsbewegung etwas zum Stillstand kam. ' Konkurse und Vergleichsverfahren Im Februar. Rach Mitteilung deS Statistischen ReichSamteS wurden im Februar durch den Rcichsanzeiger 1091 neue Konkurse — ohne die wegen Massemangels abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung — und 789 eröffnete Vergleichsverfahren bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für Ianuar stellten sich auf 1128 bzw. 751. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 1 IHdrj 2. man tlmtlldw »tlb TIoütruM 2W Xtmtlidw Halterung ®tld Sri» . BubüpeA. . Soft- . . . Holland . . Cito . . floDtnfrmee ■ Gtotfbolm London UM Weunod Brüfid . . Italien. . . DaN« . . . Lchwet» . . Svanten . . Danzig . . Japan . . . Rtd de N«.. gnaoNawtea. LÜIaLa» . . 6,643 49,95 12.465 56,94 3,057 169,68 79,47 80.84 80,92 14,65 1,068 4,209 58.58 21,88 16,56 81,49 32.65 82.02 1.399 0,247 7,463 13,34 6.657 50,05 12.485 57.06 3.063 170.02 79,63 81,00 81.08 14.69 1,072 4,217 58,70 21,92 16,60 81,65 32,71 82,18 1,401 0,249 7,477 13,36 Banknoten 6,593 49,95 12,465 56,94 3,057 169,66 79,47 30,82 80,90 14,65 1,068 4,209 58,58 21,86 16,56 81,52 32,63 82,02 1,389 0,249 7,463 13,34 6.607 50.05 12,485 57,06 3.063 170.00 79.63 80.98 81,06 14,69 1,072 4,217 58,70 21,90 16,60 81,68 32.69 82,18 1,381 0,251 7,477 13.36 8er Im, 1 Mör, (Selb 2Wtf ämerttonlldie Role» ....... Belglsche Noten . ........ DLntILk Note» . ........ SnMcke Nolrn . ........ UianjSIllchc Roten........ polianbitoe Rote»........ NialtenttLr Noten........ Rorwegtlche Roten........ Teurtd>C«(lencüf), 1 100 kchllltng RumünIIche Roten........ Sckiwedüche Roten........ Schweiz« Noten. ........ Uogarftche Roten ........ 4.20 58,42 80,66 14,61 16,52 169,31 22,11 79,29 2,49 80,74 81,31 32,51 4,22 58.66 80,98 14.67 16,58 169,99 22,19 79,61 2,11 81,06 81,63 32,65 Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. DE., 2. März. Es wurden notiert: Weizen 256 Mk , Roggen 225, Sommergerste (für Brauzweckc) 187,50 biS192,50, Hafer (inländischer) 155 bis 162,50 pro Tonne: Weizenmehl (süddeutsches. Spezial 0. mit Austauschweizen) 38,25 biS 38,45. (Sondermahlung) 36,50 bis 37,15, (niederrheinischeS. mit Austauschweizen) 38,25 bis 39,20, (Sondermahlung) 36,50 biS 37.45. Roggenmehl (60 Prozent Ausmahlung) 31,50 bi- 32, (70 Prozent Ausmahlung) 30,25 bis 30,75, Weizenkleie 9,40 biS 9*0, Roggenkleie 10,25 Mk. pro Doppelzentner. Arterienverkalkung Zu haben in allen Apotheken. 495V Uleraiur mU ärztlichen Gutachten, klinischen Berichten und Probe-Tabletten kosten lot durch: R ad io^elertn-Gesellschaft m. b H.. Berlin SW ti 2S Auto- Möbelwagen zur Mitnahme von (9ütem ver Mitte d. 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