Samstag, 2. Januar 1952 182. Jahrgang lotwendig, um seine entwickeln, sie schien t ten würde. Unzweifelhaft sind in dieser Zeit auchFehl- Verwendungen von Kapital innere halb der kapitalistischen Wirtschaft in der Ausweitung des Derwaltungsavvarats wie auch in volkswirtschaftlich nicht zweckmäßiger Erweiterung mancher Produkttons- und Verteil lungsanlagen erfolgt. Aber ebenso fehlerhaft wie solche Fehlleitungen völlig zu verneinen wäre es, sie aus der jetzigen Krisenlage zu beurteilen. Man darf nicht vergessen, daß viele _ Anlagen, di, heule hohe Zinse» ioften, zugleich die 21 rischen Rüstungen ausrichtiger und stärker herbeiwünschen als das deutsche Dolf. Ls wäre sür die Welt verhängnisvoll, und es darf deshalb nicht sein, daß die Erwartungen in der Frage der Abrüstung nochmals enttäuscht werden. Auch auf diesem Gebiet kann in Zukunft kein verschiedenes Recht für die einzelnen Dölker gelten, wenn das Dertrauen, die Grundlage oller Völkerbeziehungen, wieder Hergestell| werden soll. Möchte da» neue Jahr in ollen diesen Schicksalsfragen endlich befreiende Taten bringen! Anschließend empfing der Reichspräsident den Reichstagspräsidentcn Lüde und den Reichstags- Vizepräsidenten d Mardorfs und eine Abordnung des ' chsrates. Die Glückwünsche der Wehrmacht sprachen aus der Chef der Marineleitung, Admiral Rader, zugleich im Namen des beurlaubten Reichswehrministers sowie General der Infanterie -ässe. Weitere Glückwünsche überörachte Vizepräsident D r e y s e für das Reichsbankdircktorium, ferner Ge- neraldirettor Dr. D. o r p m ü 11 e r für die Reichsbahnhauptverwaltung. Anspruch auf gleiche Sicherheit ist fo klar, dah er nicht bestritten werden kann. Unwillkürlich denke ich zurück an Tannenberg. Unsere Lage war damals gleichfalls schwierig. Sehr gewagte Entschlüsse muhten gesaht und hohe Anforderungen an die Truppe gestellt werden, um des Erfolges nach Möglichkeit gewiß zu fein. Da mag mancher innerlich Bedenken gehegt haben, aber das Band gegenseitigen Dertrauens. treuer Kameradschaft, inniger Vaterlandsliebe und der Glaube an uns f e I b ft hielten uns fest zusammen, so dah die Ent- scheidung nach mehrtägigem heihen Ringen zu unseren Gunsten ausfiel. Auch heute rufe ich. abermals in ernster Zeit, und zwar ganz Deutschland, auf zu gleicher treuer schicksalsoerbundener Einigkeit. Lassen Sie uns Hand in Hand unverzagt der Zukunft mit ihren sorgenschweren Entscheidungen entgegengehen. Möge keiner dem Kleinmut unterliegen, sondern feder unerschütterlichen Glauben an des Daterlandes Zukunft behalten. Gott hat Vertin, 31. Dez. (WIB.) Reichspräsident von Hindenburg hielt am Silvester- abend im deutschen Rundfunk folgende Reujahrr- ansprache: Deutsche Männer und deutsche Frauen! Aus meinem Amt als Reichspräsident und aus der Tatsache, daß ich als hochbetagter Mann einen vcrhältnismähig großen Abschnitt deutscher Ge- schichte miterlebt habe, folgere ich die Berechtigung, heute am Abschluß eines schicksalsschweren Jahres, wenige, aber treu gemeinte Worte an Sie zu richten, um Ihnen zu helfen, die Rot der Zeit zu tragen. Jch bin mir voll bewußt, weichegewaltigen Opfer von jedem von uns verlangt werden, damit wir es versuchen können, durch eigene Kraft die gegenwärtige Rotzeit zu überwinden. Dem deutschen Volke gebührt aufrichtigster Dank und hohe Anerkennung für die bisher bewiesen« Opferbereitschaft und für die Geduld, mit der es in Erkenntnis der harten Rotwendigkeit alle Leiden und alle Lasten getragen hat. Das fei Wirtschaftskraft wieder zu nicht minder den Gläubigern zur Entwicklung öct Zahlungskraft des Schuldners und zur Unterbringung überschüssiger eigener Kapitalien erforderlich. Dieser weltwirtschaftliche Optimismus dec Gläubiger traf zusammen mit einem gewaltigen Aufschwung techn isch - w i r t- sch östlich en Unternehmungsgeistes in Deutschland und mit einem gewaltigen sozialwirtschaftlichen Optimismus der Regierungen, Volksvertretungen und der öffentlichen Meinung. Warum sollte der deutsche Arbeiter weniger gut leben als der in andern Ländern, warum sollten den aus dem Kriege Heiingekehrten nicht aus heimischen Baustoffen Wohnungen und Heimstätten bereitet werden, die Lust und Licht zuliehen und Heimat- und Staatsgefühl steigerten, warum sollte für die Arbeitszeit nicht eine Regelung gesunden werden, die dem Einzelnen möglichst viel Zeit zum Leben für sich selbst bot? Vieles davon war begreiflich aus der seelischen Lage eines Volkes, das eben aus ungeheuren Anstrengungen und Entbehrungen des Krieges im Felde und zu Hause zurückgekehrt war. Und dennoch war vieles, allzu vieles davon nicht richtig, waren ebensowohl die Gesetze des weltwirtschaftlichen Wettbewerbs verkannt wie die des Verhältnisses von Kapital und Arbeit, wie es sich in Zeiten der Kapitalarmut und des Ueberandranges von Arbeitskräften erweist. So wurden die Kosten der Produktion übersteigert, unmittelbar in ihrem eigenen Bereich wie mittelbar durch die steigenden Aufwendungen der öffentlichen Hand. 2lllzu lange schien es. als wenn eine Vermehrung des öffentlichen Aufwandes und demzufolge steigende Besteuerung von Einkommen. Vermögen. Gewerbe, Hausbelitz notwendigerweise eine volkswirtschaftlich unschädliche, ja nützliche Ertragsverlagerung zugunsten der wirtschaftlich Schwächeren bedeu- fjier zuerst gesagt. Aber die Größe dieser Opfer, die wir bringen, berechtigt uns dem Auslande gegenüber gleichzeitig zu der Forderung, sich unserer Gesundung n i ch t du r ch Z n m u t u n g u n m ö g l ich er Leistungen entgegenzustellen Auch in tes neues 3 atm der Abrüstungsfrage darf Deutschland sein Nachdem der Herr Reichspräsident seine Rede 4 ootmlijau« ---den. Un|ei 1 teenfct Saite. (pW Ms OTufU to -Eteadüed. Oie Neujahrsempfänge beim Reichspräsidenten Oer päpstliche Nuntius überbringt die Glückwünsche des Diplomatischen Korps. Reichsregierung, Parlament und Wehrmacht beim Reichsoberhaupt. Oie Hoffnung für 1932. Der Nuntius warnt die Ltaatslcnker, die Erwartungen der Pötter erneut zu enttäuschen. Berlin, 1. 3an. (TU.) Arn Reujahrstag fanden beim Reichspräsidenten die üblichen Empfänge statt. Sie wurden um 10.45 Uhr durch das Aufziehen der Wache eingeleitet, deren Meldung der Reichspräsident an der Tür feines Hauses entgegennahm. Eine große Menschenmenge, die sich vor dem Reichspräsidentenpalais eingefunden hatte, begrüßte den Reichspräsidenten mit lebhaften Rusen. Um 11 Uhr erfolgte zunächst der Empsangeiner Abordnung der „Halloren", der alien Salzwirker-Bruderschaft im Thale zu Halle, die zum ersten Male seit dem Weltkrieg wieder dem Reichsoberhaupt nach altem Brauch Salz, Soleier und Schlackwurst sowie ein Gedicht darbrachte, in dem dem Reichspräsidenten ein frohes Glückauf zugerufen und ihm und dem Vaterland Treue gelobt wird. Das Gedicht schließt mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß das Reich bald wieder reichen Aufschwung nehmen möge. Um 12 Uhr fand im Großen Saal des Reichs- präsidentenhauses der Empfang des Diplomatischen Korps statt, dessen Glückwünsche der Apostolische Runtius O r s e n i g o darbrachte. In seiner Ansprache erklärte der Runtius u. a.: Das Jahr, das soeben abgelaufen ist. war zweifellos eines der schwierigsten und härtesten für alle Völker, aber In ganz besanderem Mähe für Ihr deutsches Volk. In den Plänen der Vorsehung kommt dieser herben Prüfungszeit gewih auch eine besondere m a h - n e n ö e Mission zu. Sie hat der Welt mit tragischer Eindringlichkeit geeffenbart, tote eng und unlösbar d i e wirtschaftlichen Bande sind, welche die Völker miteinander verknüpfen. Bande, so eng, dah bie fahrt jedweder Ration, ob Siegerin oder Besiegte, heute nicht mehr vorstellbar ist. es sei denn im Rahmen einer gewissen, die ganze Welt umfassenden Gesamtwohlfahrt. Bande, so unlöslich, dah der Zusammenbruch auch nur eines Grohstaates heute unvermeidlich seine störenden Rückwirkungen aus viele andere Staaten ausüben mühte. Belehrt und aufgerüttelt durch die Gröhe solcher Gefahr haben endlich alle Völker die Rotwendigkeit einer aufrichtigen und allseitigen Verständigung zu begreifen begonnen. Sollen alle schönen Erwartungen nochmals enttäuscht werden? Mit Bewußtsein näh- ten wir den Gedanken, dah die Sorge um das Wohl der Menschheit stark genug fein wird, sich gegenüber der Besorgnis für die Sonderinter- essen der Staaten geistig durchzusehen. Wir haben das Empfinden, dah die Lenker der Volker, angetrieben von den hohen Idealen der Gerech- Hgteit und Liebe, mit denen jede weife Politik immerfort verbunden ist, dahin gelangen werden, sich in einer edelmütigen und aufrichtigen Solidarität zusammenzufinden, einer Solidarität, die nicht nur für alle die Grundlage des Wieder- aufblühens der Weltwirtschaft sondern auch und vor allem ein Unterpfand einer vollen und endgültigen Befriedung der Völker sein wird. Reichspräsident von Hindenburg antwortete hierauf u. a. mit folgenden Worten: Herr Runtius! Mit eindrucksvollen Worten haben Sie die furchtbaren Schwierigkeiten gekennzeichnet, mit denen an dieser Jahreswende alle Dölker, am schwersten wir Deutschen, zu ringen ha^n. Aber mit dankbarer Genugtuung kann ich Ihre Worte bestätigen, in denen Sie davon sprachen, dah die bittere Rot nicht vermocht hat. dem deutschen Volk seine Willensstärke und seinen Mut zu nehmen. Das hat es der deutschen Regierung ermöglicht, die äußerste Kraft einzusetzen, um Volk und Staat vor der Katastrophe zu bewahren. Deutschland hat zu ungewöhnlichen, tief eins dj_n eiben- ben Maßnahmen greifen müssen, die jedem Deutschen die schwer st en Opfer auferlegen. In unerschüttertem vaterländischem Bewußtsein hat das ganze Volk diese Opfer auf sich genommen. Auch die höchsten Anstrengungen des einzelnen Volks reichen jedoch allein nicht aus, um der kritischen Lage Herr zu werden. Mit vollem Recht haben Sie, Herr Runtius, betont, wie eng die Wohlfahrt jedes Landes heute mit der Wohlfahrt der anderen Länder verknüpft ist. Die ernsten Ereignisse de» vergangenen Jahres haben diese Wahrheit der ganzen Welt auf dos eindringlichste vor Augen geführt. E s g i t t, diese Erkenntnis jetzt ohne Zögern in die Tat umzusehen, wenn es gelingen soll, noch rechtzeittg einen Ausweg aus der Rot anzubahnen. 3n verständnisvollem Zusammenwirken müssen von den Regierungen Lösungen gesunden werden, die der unerbittlichen Wirklichkeit Rechnung tragen und so die Gesundung von Wirtschaft und Finanzen in der Welt ermöglichen. kein Voll kann das Ende der kriege- Jahreswende - Schicksalswende? Don Dr Eduard Hamm, ebem. Michswirtschaftsminister. Das deutsche Volk hat viel trübe Zeiten erlebt, aber noch nie leit es in einer breiten Gemeinschaft feines Volkstums und Schicksals bewußt Geschichte erlebte, war Reujahr so umschattet tote jetzt. Oft sprach man früher davon, daß der Blick in die Zukunft grau verhangen sei. Solche Ungewißheiten scheinen fast ein freundliches Geschick gegenüber dem Heute: denn, soweit den Menschen es überhaupt gegeben ist, in die Zukunft zu blicken, scheinen zunächst Zwangsläufigleiten zum Verharren in politischer und wirtschaftlicher Rot gegeben zu sein. Die gegenwärtige Erschütterung der Volkswirtschaft trifft das deutsche Volk im Unterschied zu früheren Krisen als ein hochindustrialisiertes Volk der Arbeitsteilung, der Großstädte, der Trennung des Einzelnen von Grund und Boden und dem Eigentum an Produkttonsmitteln, trifft es in einem solchen Zustand notwendiger engster Verflechtung mit der Weltwirtschaft und trifft damit Millionen in ihrem Rahrungsstand, ihrem sozialen und sittlichen Standort schwerer und tiefer als dies je der Fall war, soviel Umschichtungen auch die schwere Krise am Anfang des vorigen Jahrhunderts, namentlich im landwirtschaftlichen Grundbesitz, brachte. Rach den Wirkungen eines solchen Geschehens braucht nicht gefragt zu werden. Sie liegen in der Bitterkeit und Hoffnungslosigkeit weiter Volksteile und in dem Drang zu radikalen politischen Forderungen deutlich genug vor den Augen derer, die sehen wollen. Schwere^ aber nicht minder notwendig, ist die Frage nach den Ursachen. Vieles toirtt hier zusammen. Die ungeheure Entwicklung der Technik, die Aus- I Weitung der Produktionskrast würden, auch wenn I der Krieg nicht gekommen wäre. Spannungen herbeigeführt haben. Aber bei fortschreitender Er- I schließ un g neuer Erd gebiete für die moderne | Güterveriorgung, bei fortdauerndem Austausch der Völker untereinander würden diese Epan- I nun gen auf einer höheren Ebene von Erzeugung I und Verbrauch zu überwinden gewesen sein. | Der Krieg und seine Fortsetzung ft * t - I gerten sie zu Ueberspannungen. Die I natürliche Entwicklung wurde unterbrochen, hier I zurückgeworfen, dort überhastet, der Ausbau von Industrien in neuen Ländern übersteigert, de« I Zusammenhang der Völker in wirtschaftlichem I Geben und Rehmen zerrissen. Hindenburgs Silvesterbotschast an das deuische Volk. Dank und Anerkennung für Opfer und Leiden. — Ernste und eindringliche Mahnung an das Ausland, den Bogen nicht zu Überspannen. - Erinnerung an Tannenberg und Aufforderung zu gleicher vertrauensvoller und sch,Mals« verbundener Einigkeit im neuen Jahr. Die politischen Zahlungen verschärften diese Störung. Sie zwangen das tief erschöpfte Deutschland, statt daß ihm Zeit zur Entwicklung seiner Wirtschaftskraft gegeben wurde, zu Leistungen, die es aus eigener Kraft nicht bewirken konnte, und damit zu einer ^Übersteigerung der Kreditaufnahme über das Maß dessen hinaus, was für Verzinsung und Tilgung erarbeitet werden konnte. Als der Dawes- Plan fertiggestellt war, ging eine Welle von Optimismus durch alle Länder. Kreditaufnahme in großem Maße schien nicht E,dem unterlegenen Deutschland notwendi GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen o Pri- rüftung fordere. — Der linksstehende „Quo - tidien" sagt, der Sieger von Tannenberg habe als guter Deutscher gesprochen, wenn die Deutschen jedoch durch ihren Reichspräsidenten erklärten: genug mit den Opfern, genug mit den Tributen, so erklärten die Franzosen, daß sie auf ihren Gläubigeransprüchen der freiwillig unterzeichneten Verträge bestehen müßten. — Der „Paris Soir" betont, daß der außergewöhnlich entschlossene Ton dieser Ausführungen um so b-merkenswerter sei, als man am Vorabend von zwei wichtigen Konferenzen stehe. Roch niemals habe Deutschland mit solcher Sicherheit erklärt, daß es sich endgültig von den Verpflichtungen befreien wolle, die man ihm seit 1919 auferlegt habe. Dis entschlossene Haltung des Reiches und die Ermutigungen, die es vom Auslande erhalte, müßten in Frankreich mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt werden. — „Paris Midi" erklärt, der Reichspräsident habe mit seiner Rede das deutsche Volk auf den Widerstand vorbereiten wollen, der auf der Tributkonferenz notwendig werden könnte. Seine Ausführungen würden sicherlich nicht ungehört im Ausland« verhallen. Aus der Verbindung zwischen bet Tributkonferenz und der Abrüstungskonferenz einerseits und der Schlacht bei Tannenberg anderseits könne man interessante Schlußfolgerungen über die Auffassung der führenden deutschen Kreise ziehen. Lin kommunistischer Störungsversuch Unerhörte Provokation des Reichs- oberhaupls. Berlin, 31. Dez. (TU.) Die Ansprache bes Reichspräsibenten ist gestört worben. Als ber Reichspräsident am Schluß seiner Rebe ausführte: „Auch heute rufe ich ..begannen bie Störungsversuche mit ben Worten: „Achtung, Achtung! Deutschlanb steht im Zeichen von Rot- fr o n 11 ..." Der kommunistische Propaganbaspre- cher, ber alsbann noch von ber Einheitsfront bes Proletariats sprach unb gegen Diktatur unb Not- verorbnung ausrief, konnte bann roieber von ber Welle oerbrängt werben, so baß bie letzten Worte bes Reichspräsibenten wieder beutlid) zn hören waren. Die Störung ist auf vielen Senbern überhaupt nicht in Erscheinung getreten, so z. B. soweit wir feststellen konnten auch nicht im Bereich bes Südwestdeutschen Runbfunks Frankfurt-Stuttgart. Die bisherigen Ermittlungen haben ergeben, batz bas Leitungskabel nach Königswusterhausen hinter bem Krankenhaus Neukölln auf freiem Felde angeschnitten worben ist. Die Täter haben es fertiggebracht, unter ben vielen einzelnen Kabel- abern, bie in einem großen Bünbel zusammenlaufen, gerabe bie Aber herauszusuchen, über bie ber Reichspräsibent sprach. Es gehört bazu eine genaue Sachkenntnis unb unter Umftänben auch eine längere Vorbereitung ber Tat. Hat man erst einmal bie richtige Aber gefunben, so ist bas Zwischensprechen mit ganz geringen technischen Mitteln ohne weiteres möglich. Auf jeben Fall geht baraus hervor, baß hier Leute am Werk gewesen finb, bie nicht nur mit Telephon unb Funkerei, son« bem vor allem auch mit ben örtlichen Verhältnissen, wie ber Lage bes Kabels unter ber Erbe genau Bescheib wissen Man kann annehmen, baß es Leute gewesen finb, die seinerzeit bei ber Anlegung ober bei ber Reparatur bes Kabels beschäftigt waren. Damit finb bie Nachforschungen auf einen ganz bestimmten Personenkreis beschränkt. Unb bie Arbeit ber politischen Polizei scheint in dieser Richtung schon sehr weit fort- geschriten zu sein. Eine Neujahrsboischast -er hessischen Staatsregierung Darmstadt, 31.Dez. (WSR. Amtlich) Das Hessische Gesamtministerium erläßt an die hessische Bevölkerung folgenden Aufruf: „An der Schwelle des neuen Jahres entbietet die hessische Staatsregierung der Bevölkerung des Hessenlandes herzliche Wünsche für 1932. Wenn schon am letzten Jahreswechsel betont wurde, wie not es tue, die furchtbaren Schwierigkeiten mit vereinter Kraft anzupacken, aber auch allen Röten zum Trotz sich mit Zuversicht zu wappnen, so sind solche Mahnungen heute mehr wie je am Platze. Wir stehen an einem Zeitabschnitt der deutschen Geschichte, wie er ernster in der Vergangenheit nicht oft erlebt wurde. Es ist gut, sich in solchen Zeitläuften zu erinnern, daß das deutsche Volk noch immer Herr wurde über die Röte der Zeit, weil es tlne« nicht aufgegeben hat: Den ®lauBte an die u n v e r s i e g l i ch e n Kräfte der Nation. Auch heute müssen wir uns, und zwar alle, die sich verantwortlich fühlen für unser Schicksal, vereint zu dieser Zuversicht bekennen und bür« fenuns nicht lähmendem Fatalismus ergeben. Aus diesem gemeinsamen Bekenntnis heraus sollte die Kraft erwachsen, über alle Gegensätze hinweg zu vereinten Anstrengungen zu gelangen, um die Widrigkeiten zu überwinden. Hierzu alle Volksgenossen aufzurufen, ist unser Wunsch für das neue Jahr. Darmstadt, den 31.Dezember 1931. Hessische- Staat-mtnisterium. (gez ): Adelung. — Kirnberger. — Leuschner." Oie Japaner haben Tschingischau beseht London. 2. Ian. (WTB. Funkspruch.) „Times" meldet aus Tokio: Die Vorhut der japanischen Truppen, die gegen Tschingischau vorrücken, bat gestern nachmittag das Ostufer deS Talingflusses erreicht. Die Hauptmacht blieb in Kaupangtse. Der Fluh wurde erst überschritten, nachdem die letzten chinesischen Soldaten Tschingischau verlassen halten, Flugzeuge berichten, dah der chinesische Rückzug in Richtung auf die groh« Mauer seinen Fortgang nimmt. Die Dorhut des japanischen Heeres ist heute früh um 6 116 r inTschingtschaueingerückt. Das Gros wird vpraussichtlich morgen eintreffen. Finnland für Aufhebung des Alkoholverbots. HelsingforS, 31.Dez. (TU.) Obwohl erst die Ziffern für ein Achtel des Landes vorliegen, kann kein Zweifel darüber bestehen, dah daS finnische Volk sich gegen das Alkoholverbot entschieden hat. Die Ergebnisse der Volksabstimmung über die Aufhebung der Prohibition aus 158 Wahlbezirken in 6üd- finnland einschließlich HelsingforS, Wiborg, Lahti und Fredrikshamm zeigen folgendes Bild: Für Aufrechterhaltung wurden 28 003, für die Freigabe von leichten Weinen 1300 und für die vollständige Aufhebung der Trocken- legungsbestimmungen 102 000 Stimmen abgegeben. Aus der Provinzialhauptstadt. G i e h e n, den 2. Januar 1932. Oie Pflicht nach innen. Don Neinhold Braun. Wenn wir nach innen das Unsriae getan haben, so wird sich bad Nach-Autzen von selbst geben. Goethe. Ein prächtiges Gegenstück zu dem Gleichgewicht Goethes bleibt das feiner Mutter. Auch ihr scherz schlug ebenso stark in die Welt hinaus, wie in ihr Inneres hinein". Und die Kunst ihres „die Farbe halten" ergibt sich aus der unermüdlichen Treue gegen ihren Jnnenmenfchen durch all das Auf und Ab ihres Lebens. Sie und ihr Sohn lind darin unübertreffliche Lehrmeister geworden. Und wir könnten in diesen Zeiten, die den Widerstand und den Einsatz unserer Kräfte unerbittlich bis zum Letzten fordern, mancher« lei aus ihrem Wort und Wesen zu unserm Nutz und Frommen schöpfen. War Mutter Ajas Frohnatur nach ihren eigenen Worten nicht unablässig bemüht, trotz aller „Sandwüste" nach „frischen Quellen" zu spüren, „sich nicht vor der Zeit zu grämen", für „jeden Lebensbalsam" dankbar wie ein Kind zu sein? War aber der letzte Grund ihres Gleichgewichtes, ihres „rosenfarbenen Humors" nicht ihr Verhältnis zu Gott? Hat sie nicht, wie ihr großer Sohn von sich sagte, „immer auf das Höchste geblickt"? Ohne diesen Blick, ohne das Leben zum Gött« lichen hin ist keine rechte, von Segen begleitete Tat nach innen möglich. — Es liegt wie eine dunkle Decke von ungeheuerem Ausmaße über dem deutschen Leben, und es will scheinen, als ob viele, sehr viele mit einer verhängnisvollen Inbrunst bemüht sind, aus ihrer Seele immer noch mehr Dunkel — um im Bilde zu bleiben — in die Decke emporsteigen zu lassen, damit sie noch schwerer, undurchdringlicher werde. Für- wahr, viele haben nichts mehr zu geben als nur Dunkelheit. Jetzt rächt sich das an ihnen, daß sie zeit ihres Lebens die erste aller Pflichten, eben die nach innen, versäumten! Jetzt vermehren sie noch den furchtbaren Ballast der Not. Aber noch ist nichts verloren, wenn wir in der Mehrzahl eifrig ehrlich bestrebt sind, inmitten aller Brandung an die größtmöglichste Erfüllung der Pflicht nach innen zu gehen. Das bedeutet Lebens- Hilfe an uns selbst, an unseren Nächsten und am Ganzen! Die Weltnot, die Gefahr des Unterganges im Sumpfe des Untermenschlichen, die Zertrümmerung aller kulturellen Idealität ist im Grunde der Versäumnis dieser Pflicht entsprungen. Die ganze Welt ist darin abwegig. Und wir Deutsche haben die furchtbarsten Stötze dieser ungeheuren Bewegung zu ertragen. Aber ist das nicht immer ein Teil unseres Schicksals gewesen, sichtbar in unserer Geschichte? Stand der deutsche Mensch aber auch nicht immer wieder zu neuem Dasein auf! Die Pflicht nach innen! Jeder sehe zu, daß er aufrecht und licht bleibe, gut und voll Glaubens!' Es sind der Quellen heilige und viele immer noch ba, tinb der Trostellanbe gibt es noch genug hn wogenden Meere! Wo Menschen einander in Liede ober Freundschaft gut sind, wo wir als Wanderer auf den harten Straßen des Lebens uns treffen, wollen wir eingedenk jener Pflicht fein! Und wollen ihrer eingedenk fein in unfern einsamen Stunden... Das Werk in unferm Innern wird sich dann von selbst wandeln in lebendige Taten, und wir werden verstehen, Brücke ins Neue zu fein! Ennähigungsmöglichkeiten für die Biersteuer in Hessen. Der Hessische Industrie- und Han - delskammertag schreibt uns: Da die hessischen Gemeinden vielfach durch bestehende gesetzliche Bestimmungen gezwungen wurden, ihre Bier st euer z u verdoppeln, wenn sie nicht der durch das Reich an notleidende Gemeinden gegebenen Zuschüsse verlustig gehen wollten, hat sich die Notlage der hessischen Brauereien weiterhin verschlechtert. Auf dringende Dorstellungen hin hat der Reiches inanzminister nunmehr eine Verfügung erlassen, wonach er davon absieht, daß die hessischen Gemeinden verpflichtet werden, ihre Diersteuer in doppelter Höhe der Reichsbiersteuer zu erheben. Der Hessische Minister des Innern hat den Kreisämtern und Bürgermeistereien der Städte von diesem Erlaß Kenntnis gegeben. Es liegt nun im eigensten Interesse der hessischen Gemeinden, dah sie chre Biersteuer nur in Höhe des Reichsbiersteuersahes von 5 Mark pro Hektoliter erheben, um so den Bierderbrauch in Hessen weiter zu erhöhen, eine Stillegung hessischer Brauereien zu vermeiden und die Steuer selbst für die Gemeinden ertragsreicher zu gestalten. Pornotizen. — Tageskalender für Samstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Kadetten". — Astoria- Lichtspiele, Sellersweg: „Der Kriminal-Reporter von Chikago" und „Atlantik City". — Tageskalender für Sonntag. Stadt- theater Gießen: „Die Puppenfee", vorher „Die Wun. derlampe", 15.45 bis 18.15 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Spanien" (8. Kulturfilm), 11.15 Uhr; ab 15 Uhr .Kadetten". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Der Kriminal-Reporter von Chikago" und „Atlantic City". — AuS dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen 15.45 Uhr erste Fremdenvorstellung im neuen Jahre. Außer Abonnement und zu ermäßigten Preisen Wiederholungen der beiden Weihnachtsausführungen .Die Wunderlampe", Märchen von Werner Schmidt, und des Balletts ,Die Puppenfee" von Gaul und Haßreiter, Musik von Daher. Ende gegen 18.15 Ahr. — Dienstag. 5. Januar, als 13. Vorstellung im Dienstag-Abonnement. 20 Ahr Wiederholung der Zauberposse „Lumpacivaga- bundus" von Nestroh. Ende 22.30 Ahr. — Mittwoch, 6. Januar, 19.30 Ahr 13. Vorstellung im Mittw och abonnement die beiden Weihnachtsmärchen »Die Wunderlampe" und .Die Puppenfee". Ende gegen 22 Ahr. — Freitag, 8. Januar, 13. Vorstellung int Freitag-Abonnement mit Gerhart Hauptmanns Traumdichtung .Hanneles Himmelfahrt". Beginn 20 Ahr; Ende 22 Ahr. — Samstag, 9. Januar, 15.45 Ahr Schülervorstellung mit Schillers Schauspiel: .Wilhelm Tell". Ende 18 Ahr. Außer Abonnement. — Deamten-Dersammlung. Am4.Januar, 20.15 Ahr, findet im „Aquarium" eine Sitzung des Ortsausschusses Gießen des Deutschen Deamtenwirtschaftsbundes statt. Neben einem Vortrage über „Wirtschaftskrise und Beamtenschaft" wird die örtliche Wirtschaftspolitik Gegenstand eingehender Besprechung sein. Alle Beamten sind hierzu ein geladen. (Siehe heutige Anzeige.) Gießener Wochenmarktpreise. ' D i e ß e n, 2 Ian. Heutige Wochenmarltpreise: Butter 90 bis 110 Pf. (Kochbutter von 80 Pf. an), Matte 25 bis 30, Käse (10 Stück) 50 bis 120, Wirsing 7 bis 8 (pro Zentner 4 bis 5 Mk.), Weißkraut 5 bis 6 (pro Zentner 3 bis 3,50 Mk.), Rotkrauts 7 bis 8 (pro Zentner 4 bis 5 Mk ), gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Anterkohlrabi 5 bis 6, Grünkohl 10 bis 12, Rosenkohl 15 bis 20, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 50 bis 60, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 35 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Dörrobst 30 bis 35, ,Kartoffeln 4 (pro Zentner 3 bis 3,50 Mk.), Aepfel 8 bis 10, Birnen 8 bis 10, Nüsse 35 bis 40, junge Hähne 80 bis 90, Gänse 80 bis 90. Suppenhühner 70 bis 80, Enten 80 bis 100 Pfennig pro Pfd.; Tauben 50 bis 60, Eier 11 bis 13, Blumenkohl 20 bis 60, Endivien 8 bis 10, Oberkohlrabi 8 bis 10, Sellerie 10 bis 40, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15 Pf. pro Stück. e ** Der Jahreswechsel brachte in unserer Stadt am Silvesterabend zunächst Gottesdienste, bei denen die Kirchen überfüllt waren. Die Silvestervorstellung des Stadttheaters ging vor ausverkauftem Haufe vor sich und bereitete den Besuchern viel Vergnügen, obwohl die Vorstellung ganz unpro- grammößig sich dreiviertel Stunden länger hinzog, als angekündigt war. Der Betrieb in den Straßen an der Jahreswende vollzog sich wesentlich ruhiger, als im Jahre vorher, wobei die ziemliche Kälte wohl einen sehr wefentlichcn Einfluß ausübte, während die verringerte Knallerei in der Hauptsache auf die Geldknappheit zurückzuführen sein dürfte. Erfreulicherweise ging der ganze Rummel in geordneten Bahnen vor sich, so baß die Polizei unb die Sanitätskolonne den Jahreswechsel ebenfalls unge- stört verleben konnten. " Reichsbahn-Haltepunkt Erd» kau terweg. Dom nächsten Montag ab hält der Personenzug Hungen ab 5.46 Ahr (Srdkauter- weg bisher ab 6.21 Ahr) in Richtung Gießen nicht mehr am Haltepunkt Erdkauterweg. Ebenso fällt der Halt deS Personenzuges Gießen ab 16.32 Ahr (Crdkautcrweg bisher ob 16.38 Ahr) künftig am Erdkauterwea fort. Die übrigen Zughalte am Erdkauterweg bleiben in der bisherigen Weise bestehen. Mit dieser Regelung, die einem Vorschläge des Vorstandes des Verkehrs- und Ver- schöncrungsvereinS entspricht, während dieReichs- bahn anfänglich sämtliche Halte am Erdkauterweg aufh<^»en wollte, dürfte den berechtigten Interessen des Publikums, wie auch den Erfordernissen der Reichsbahn gedient sein. ** Sehr gute Wintersportverhält- nisse bestehen weiterhin im Vogelsberg. In der letzten Nacht sind, nach einer Meldung vom Hohe» rodskopf, etwa 10 cm Neuschnee gefallen, allerdings sind starke Schneeverwehungen vorhanden. Bei west- lichem Wind wurden heute früh —15 Grad gemeßen. Die Sportmöglichkeiten werden als sehr gut bc- bezeichnet. "Ein Fünfundachtzig jähriger. Am 4. Januar begeht unser Mitbürger Jeremias Wolf, Dleichstraße 28. in geistiger Frische und verhältnismäßig gutem körperlichen Befind^ seinen 85. Geburtstag. Er machte den Krieg 1870/71 mit, war viele Jahre als Beamter im inneren Dienst der Eisenbahn-Verwaltung tätig und gehörte lange der LukaS-Kirchengemeindevertretung an. ** Ein Fünfundfiebzigjähriger. Herr Jean Arnold, der langjährige Inhaber der Wirt- Beöentt öerOnngernöen Bogel! schäft ,Lum Schipkapaß", beging am 1. Januar den 75. Geburtstag. " Die Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Ahr bei kleinen Preisen geöffnet. ** Gefchästsjubtlaum Herr Kaufmann Karl H e r b e r t, in Firma Schuhhaus Herbert, kann heute auf das 25jährige Bestehen feines Unterneh- mens zurückblicken. Die Firma erfreut sich in weiten ©ürgerfreifen bester Wertschätzung. ** Steuer, und Gebührenrück stänke werden von der Stadtkasse in einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil zur Zahlung bis 11. Ja- nuar angemahnt. Zahlungssäumige seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen. ** Der nächste Rindermarkt abgesagt. Die Stadtverwaltung gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß der für Dienstag, 5. Januar, vorgesehene Rinder-Nuhviehmarkt nicht stattfindet. Dagegen wird der für Mittwoch, 6. Januar, vorgesehene Schweinemarkt abgehalten. "Fleischverbilligungs-Abschnitte 1 und 2 sofort abliefern! Das Wohlfahrtsamt fordert durch eine Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil sämtliche Fleischverkäufer in Gießen auf, die von ihnen für abgegebenes Frischfleisch in Zahlung genommenen Abschnitte 1 und 2 der Reichs bezugsscheine bis spätestens 5. Januar mit Rechnung einzureichen, da bei späterer Vorlage eine Vergütung nicht mehr erfolgen kann. ** DieFreiwilligeSanitätskolonne im Dienste der Nächstenliebe. Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gießen hat in der Zeit vom 1. April bis 31. Dezember 1931 insgesamt 930 Krankentransporte durchgeführt. — Die Wärmestube, die von der Sanitätskolonne vom Roten Kreuz eingerichtet wurde, ist in der Zeit vom 11. Dezember bis 31. Dezember des vergangenen Jahres von 756 Männern und 57 Frauen, insgesamt also von 813 Personen besucht worden. ** Preußisch-Süddeutsche Klassen- lotterte. Die Erneuerung der Lose zur 4. Klosse muß planmäßig bis zum 6. Januar, 18 Uhr, bei Verlust des Anrechts in der zuständigen Lotterie- Einnahme geschehen. ** Hinter Schloß und Riegel gebr ach t Gestern erschien in einem Hause am Wiesecker Weg ein Bettler, den die Hausbewohner auf Grund seines unverschämten Auftretens sofort als den üblen Zeitgenossen erkannten, der vor einigen Tagen in der ßiebigftrafje unverschämt und frech aufgetreten war, und vor dem in unserer Ausgabe vom Donnerstag gewarnt wurde. Die Mitbürger am Wiesecker Weg benachrichtigten schleunigst die Polizei, die durch rasch entsandte Beamte den üblen Neujahrsgast festnahm. Es handelt sich um den 29 Jahre alten angeblichen Kaufmann Emil Schick aus München. Er wird heute vormittag dem Amtsgericht zugeführt. " Lernt Cinheitskurzfchrif! Man schreibt uns; Wer heute weiter teilt, muß Kurz- schrist beherrschen. Der Kurzschriftverein von 1851 eröffnet am Donnerstag, 7. Ian., in der Goethe- schule, Westanlage, wieder einen Anfänger- lehrgang in der amtlichen deutschen Cinheiiskurz- schrift. Das auf nur 7 Mark herabgesetzte Anter- richtsgeld dürfte jedem auch in der heutigen Notzeit die Teilnahme ermöglichen. Die weiteren Ausbildungskurse gewährleisten durch sachgemäßen Aufbau schnelle Fortbildung und Vervollkommnung. Interessenten mögen die heutige Anzeige beachten. " Preissenkung für Motorräder. Nach einer Mitteilung der Vereinigung der Motorradfabriken werden in lückenloser Durchführung Gießener Mntenwthjlse 1931/32 Helft den Notleidenden! Zede Gabe ist willkommen! Sachspenden an das Städt. Wohlfahrtsamt Gartenstraße 2, Zimmer 9, erbeten,-auf Wunsch erfolgt Abholung. Telephon 2656. Geldspenden nehmen auch die Sanken und Sparkassen entgegen,- ferner sind Sinzahlungm auf das Winternothilfe-Konto Nr. 3372 bei der Äezirkssparlasse Gießen möglich. der Bestimmungen der 4. Notverordnung die Mv- torradpreise mit Wirkung vom 1. Januar gegenüber dem Stande vom 30. Juni 1931 um 10Prv- zent gesenkt. " Sdel-Pelztier-Ausstellung in Gießen. Man schreibt uns: Eine feltene Gelegenheit, die bekanntesten Edel-Pelztiere lebend zu sehen, bietet sich von Samstag. 9., bi- Montag, 11. Januar, im „Einhorn" in Gießen. Der Reichsbund deutscher Pelztierzüchter, Landesabteilung Hessen, der diese Schau veranstaltet, wird keine Kosten scheuen, um die Ausstellung zu einer Sehenswürdigkeit besonderer Art am hiesigen Platze au gestalten, weshalb allen Tierfreunden der Besuch schon heute empfohlen werden kann. Auch für das pelztragende Publikum ist es sehr interessant, sich einmal die Tiere, die eigentlichen Lieferanten der so sehr begehrten und modernen Edelpelze, lebend zu betrachten, die man in der freien Wildbahn doch kaum zu Gesicht bekommt und die auch zum größten Teile nicht in Deutschland beheimatet sind. Die Pelztierzucht ist ein sich immer mehr entwickelnder Erwerb bzweig, der sehr Wohl geeignet ist, manchem au« dem Wirt- schaftsprozeh ausgeschiedenen Volksgenossen wieder zu einer Erwerbsquelle zu verhelfen, unb er besitzt daher weitgehende volkswirtschaftliche Bedeutung. Die Eintrittspreise sind, der Zeit entsprechend, sehr niedrig gehalten, so daß jedermann der Besuch der Ausstellung möglich ist. Man beachte die heutige Anzeige. Die Wetterlage. *5»- 24 'dlSWd ZyyW, - ] f /———— drvw—J° Meml 0«Mtento$.® neire« »niie o«e<*L »woixig. eowcttx »«ege* ♦ Schnee AQraupem ■ Met>ti K 6ew>ntr,(§)w.edMHie.*O X* leichter Ost jy* Suosuowes» Q itureucnei "orgwesl Oie Piene fliegen mit dem winde Oie oooen Stationen >tenenden UV len gehen die Temperatur an. Oie Limen verhindert Orte mit gleiche# «ui neerejniVeau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Im Norden ziehen Störungen vorüber, die auch für uns wetterwirtsam werden und den hohen Druck mit seinem Frost abbauen. Wir gelangen in den Bereich ozeanischer Lust, so daß die Temperaturen wieder über Null zu liegen kommen. Dabei gehen auch die Niederschläge in Regen über. Aussichten für Sonntag. Uebergang zu mildem Wetter mit Temperaturen über Null, wolkig und bedeckt mit Regen. Aussichten für Montag: Weiterhin milderes, wechselnd wolkiges Wetter mit zeitweisen Niederschlägen. Lufttemperaturen am 1. Januar: mittags —7,1 Grad Celsius, abends —8,3 Grad; am 2. Januar: morgens —6,2 Grad. Maximum —5,5 Grad, Minimum — 9,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 an Tiefe am 1. Januar: abends —0,4 Grad; am 2. Januar: morgens —0,8 Grad Celsius. — Niederschläge 1,1 mm. Jetzt braucht Deine Familie den Schutz D einer Leb ensb erüch erung! üchert Deiner Frau unb Deinen Lindern Brot und Keim, Kleidung und das So No end ig- Üe zum Leden. LannÜ Du es dor Deinem Gewissen verantworten. Deiner Familie dielen Achutz wieder fortzunehmen? Lrhalte Deine Ledensverücherung in Straft! B Kaufmann Dr. Martin Werther Saxoniae-Göttingen ree. 1904 Der C. C. der Starkenburgia Gießen, den 31. Dezember 1931. 16 D Eugen Kauffmann. Gießen, den 31. Dezember 1931. 15D Ihre Vermählung beehren sich bekanntzugeben Gießen/Mainz, den r. Januar 1932 Reiskirchen, Buttstädt, Frickhofen, den 2. Januar 1932. Die Beerdigung findet Sonntag, den 3. Januar, nachmittags 1% Uhr, vom Trauerhause aus statt. Wies eck, den 2. Januar 1932. 29 d 012 Bund Großen-Buseck, Ossenheim, 31. Dezember 1931. der Svruugmhrge W 2?D 34 D 3V einer (veredeltes Land 41D Der Vorstand. 11C 33, der tttti^keit vermitt . A.: Erich Eichhoff schwein) u. 2 übers. Pferde suoerfauf. H. Brttckmann, Neuhof, Post Leihgestern Die Beerd gung findet Sonntag, den 3. Januar 1932, nachm. 3.15 Uhr statt. Von Beileidsbesuchen bitten wir absehen zu wollen. Für die zahlreichen wohltuenden Be* weise inniger Teilnahme beim Heimgänge unserer lieben Entschlafenen danken wir auf diesem Wege herzlichst Prospekte liefert Brühl, Oießen Heute abend 8 ' Uhr „Hindenburg", Gießen, den 2. Januar 1932. Bürgermeisterei Gießen. I. B-: Dr. Rosenberg. Gießen, Berlin, den 31. Dezember 1931. Beerdigung: Montag, den 4. Januar, 2Va Uhr, auf dem Neuen Friedhof. Von Kranz-u. Blumenspenden u. Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. 20 D besonders in der Zeit, wo gute Preise bringen,-im Herbst u. Winter — darauf be- ' ruht des Geflügelhalters Erfolg Dr. jur. Walter Klingspor und Frau Anneliese, geb. Meesmann Sonntag, 3. 1. 13.39 Uhr Mitmirkung bei Für die vielen Beweise inniger Teilnahme beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen Ferdinand Walther ganz besonders für die wohltuenden Worte des Herrn Pfarrers Schmitt, Beuern, und die zahlreichen Kranzspenden sagen wir herzlichen Dank. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Karl Walther Familie Lehrer Jung Wilh. Karl Walther. Weihnachtsfeier der Kriegsblinden im Kalb. VercinShauö Gesangverein .Heiterkeit* Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht.unsereMitgliedervondem Ableben unseres Mitgliedes Benn Karl Falkenheiner in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet am Montag, dem 4. Jan. 1932, nachm. 2 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt. Oeffentliche Mahnung. Folgende Rückstände werden mit Frist bis einschließlich 11. Januar 1932 gemahnt. 4. Ziel Gemeinde-, Kreis- und Provinzialumlage einschließlich Gebäudesondersteuer 1931, die nachträglich veranlagten und inzwi scheu fällig gewordenen Steuern aus früheren Rechnungsjahren, Schulgeld für die Hessische Studienanstalt für November 1931, Wohnungsmiete aus städtischen Häusern für November 1931. 16C Nach Ablauf dieser Frist erfolgt Einzug der rückständigen Beträge auf Kosten der Schuldner. Außerdem werden bei Zahlungen des 4. Ziels Steuer, die nach dem 10. v. M. erfolgen, die vorgefchriebenen Verzugszinsen erhoben. Gießen, den 2. Januar 1932. Stadtkasse Gießen. Freunden und Bekannten geben wir hiermit bekannt, daß unsere liebe Tochter, Schwester und Tante Fräulein Maria Kauffmann im 57.Lebensjahr nach kurzer Krankheit uns in die ewige Heimat, vorangegangen ist. # Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Minna Gerhard, geb. Pauly. Laubach, Vilbel, Offenbach a. M.. den 31. Dezember 1931. | Vermietungen | Wohnung in der Südanlage, 6 bis 7 Zimmer, größt.-teils neu her- gerichtet, an ruhige Mieter zum 1.4. od. früherzuvermieten. Schrift!. Anfrag. u. 021 an d. Gß. An;. JiiL-i .muKKeuDermui. tfl. Eugen Dürr & Co., I Schriftl.Angeb.unt. 8'Gießen. 374iD 010 an d. Gtz. Anz. Monatsversammlung beute abend 20V» Ubr im „Hessischen Hof".UD Lahnfreunde Montag, d. 4. Fan. Wiederbeginn der Singstunde des Frauenchors. Donnerstag,7.Jan. Monatsver Sammlung bei Hopfelü. 06 Sonntag, 10. Jan. Wander.Wißmar- Krofdorf-Gleibg. Treffpunkt 10 Nh« Oswaldsgarten. Stadttheater Gießen. 3Mo Sonntag, d. 3. Jan. 15.45—18.15 Uhr Fremd.-Vorstellg. Stutzer Abonnement Ermäßigte Preise! Die Puvvenfee Ballett in 1 Akt von Fr. Gaul und Haßreiter. Musik o. Josef Bayer. Vorher: Die Wunderlamvo Weihnachtsmärchen in 5 Bildern v. Werner Schmidt. Wockensvielvlan: Dienstag, 5. Jan., 20 Uhr Lumpacivsgabnndus. Mittwoch, 6.Jan., 19.30 Uhr Die Puvvenfee. Vorher: Die Wunderlamve. Freitag, 8. Jan., 20 Uhr Hanneles Himmelfahrt. Samstag, 9. Jan., 15.45 Uhr Schüler- vorn Wilhelm Teil. Sonntag, 10. Jan. 18.30 Uhr Lnmpacivagabonthis. Die trauernden Hinterbliebenen I. d. N.: Gustav Kreuder. Danksagung. Für die außerordentlich vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden beim Hinscheiden unseres lieben Sohnes, Bruders, Schwagers und Onkels Herrn Emil Reuter sprechen wir hiermit allen unseren herzlichsten Dank aus. Insbesondere danken wir Herrn Pfarrer Sattler für seine trostreichen Worte am Grabe. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Karl Reuter V. WSNIiWll tauch für 2 Kinder) nach auswärts ges. Anfragen nach Ü'-J Seltersweg 121. MTV. Sonntag» d. 3.1.32 nachm. 15 Uhr Meisterschaltsspiel Tv.Kirchhain l.M. — MD.B. 1. M. Blechscher., Rumst, g. Einr., äuß. billi A.Thomas, Schinenb.W Bekanntmachung. Am Mittwoch, dem 6. Januar 1932, findet auf dem Viehmarktplatz am Güterbahnhof Schweinemarkt statt. Auftriebszeit am Markttage von 8% bis 9% vormittags. Der für Dienstag, den 5. Januar 1932 W int erkür für 4563V Nervenkranke und Nervös-Erschöpfte Spexialknranstalt Eolbelm Im Taunus bei Frankfurt a. M. — Piospekte durch San.-Rat Dr. M. Sdmlze-Kahleiss. N.c,"en Statt besonderer Anzeige. Nadi Gottes unerforschlichem Ratschluß entschlief heute vormittag sanft nach schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden im Stadtkrankenhaus zu Laubach mein innigstgeliebter, treusorgender Gatte, unser herzensguter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Ludwig Gerhard Oberreallehrer i. R. im 69. Lebensjahre. vorgesehene Zucht- und Nutzviehmarkt findet nicht statt. vevtrctev gesucht von bekannter, best eingeführter großer Seuev - Vevftthevurrgs - Gesellschaft die auch alle sonstigen Versicherungszweige betreibt. Versicherungsbestand wird überwiesen, ebenso entsprechende Unterstützung zugesagt. Gefl. Angebote u. B.K.222 an Ann.-ikxv. Heinr. Eisler, Frankfurt a.M. _____________________ 7 v geg. Abfindung per 1.4.32 zu miet. ges. Schriftl.Angeb.unt. 016 an d.Gieß. Anz. Bansvar-u.Kredit- kasse sucht 3-4 Zimmer mit Küche, 1 Büro U. kleines Hans zu mieten. Schriftl. Angebote unter 022 an den Gieß. Anz. I-Zimmer-Wolm. au mieten gesucht v. kl. Beamt.-Familie (3 erwachs. Person.) evtl. Tausch gegen eine 3-Zim -Wohn. Mitte der Stadt. Schriftl.Angeb.unt. 05 an d. Gieß. Anz. Kaufe gebrauchtes Faltboot und Zelt gegen bar. Schr. Anß. uni. 024 an den Gieß. Anz. 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Schule Weizen l 4,75 dz 4,99 dz llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll 5,88 dz 7,05 dz Roggen i > 3,4 dz 4,5 dz lllllllllllllllllllllllllll 4,75 dz ■MMHI 6,3 dz Hafer i H 4,13 dz 4,88 dz lllllllllllllllllllllllllllllllll 5,25 dz 7 dz Gerste i i 5,3 dz 4,68 dz lllllllllllllllllllllllllllllllllllllll 6,43 dz 6.6 dz Kartoffeln i I 35 dz 40 dz lillllllllllllllllllllllllllllllllllllllll 55 dz 59,5 dz Es handelt sich um einwandfreie Feststellungen* von Durchschnittsernteerträgen bäuerlicher Betriebe der Provinz Hannover, und zwar keineswegs um Betriebe, in denen besonders günstige klimatische oder Bodenverhältnisse vorliegen. Neben den durchschnittlichen Erträgen in Preußen erscheinen in der Zusammenstellung 1. die Ernten, wie sic der Vater machte, der noch keine landwirtschaftliche Schule besucht hat, 2. die zur Sclbsternährung erforderliche Mehrleistung, und 3. die durch den Sohn erzielten Mehrleistungen aus Grund seiner im landwirtschaftlichen Unterricht gesammelten Kenntnisse. Aehnliche, zum Teil noch schlagendere Beweise sind auch von großen Gütern leicht zu erbringen, wobei es sich um Auswirkung des auf den Hochschulen erworbenen Wissens ihrer Leiter handelt. Wenn also eine Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung im Nahmen der Wirtschaftlichkeit, d. h. mit gleichem oder womöglich vermindertem Aufwand * Siehe Tabelle. als bisher mehr zu erzeugen, erreichbar ist, dann liegt die Frage nahe, aus welchem Grunde die Erfahrungen der Landwirlschaftswissenschaft noch nicht allgemein Einzug in die landwirtschaftlichen Betriebe gehalten haben. Die Antwort dürfte darin zu suchen fein, daß man der Landwirtschaft nicht im entfern- testen und nicht rechtzeitig die notwendige Förderung hat angedeihen lassen, die ihr hätte zukommen sollen. Auch dafür einige Zahlen; sic besagen mehr als langatmige Ausführungen und zeigen, wie stiefmütterlich die Landwirtschaft trotz ihrer Bedeutung für die gesamte Volkswirtschaft gegenüber anderen Erwerbsslanden behandelt worden ist. Wem dürfte bekannt sein, daß, um nur eines herauszugreifen, der Wert der jährlich erzeugten Milch mit 3,1 Milliarden Reichsmark (1 Liter Milch = 17 Pf.) fast den Wert der gesamten Kohlenförderung - 2 Milliartzpn Reichsmark plus dem Wert aller geförderten Erze = 1,25 Milliarden Reichsmark erreicht? Hinsichtlich der Gefamterzeugung betrugen die Werte für die Industrie im Jahre 1924: 13,2 Milliarden Mark „ „ 1925: 13,3 für die Landwirtschaft im Jahre 1924: 12,4 Milliarden Mark „ „ 1925: 13,8 Zur Beleuchtung der Frage, ob sich die Landwirtschaft einer Fürsorge seitens des Staates erfreut, welche auch nur annähernd der von ihr erzeugten Werte entspricht, stehen zwar nur Angaben aus Preußen und nicht für das ganze Reid) zur Verfügung. Sie dürften als vom größten Freistaat stammend, zur Genüge den Beweis liefern, daß dem nicht so ist. Preußen verausgabte 1913: 1927: für Mark Mark a) gewerblichen Unterricht 12 460 838 17 436 739 b) technische Hochschulen 5 511075 10 746 900 Summe 17 971 913 28 183 639 Mark Mark a) landw. Unterrichtswesen 4 403 485 8 935 167 b) forstliche Lehr und Der suchsanstalten 295 000 749 (W c) tierärztliche Hochschulen 669 525 1 513 825 d) landw. Universitätsinstitute (geschätzt) 660 000 1 000 000 Summe 6 028 010 12 197 992 „Im Haushaltsplan des preußischen Staates rourbe vor dem Kriege für das gesamte landwirtschaftliche Unterrichtswefen, die forstlichen und tierärztlicher, sowie landwirtschaftlichen Hochschulen und Uniuerfi- tatsinstitute genau soviel aufgewandt, wie für der, gewerblichen Unterricht, ohne die technischen Hochschulen. Außerdem muß man bei den, Vergleich dieser 12 Millionen die Geldentwertung berücksichtigen, welche inzwischen eingetreten ist. Diese Aufwendungen sind gegenüber den Gefamtaufwendun« gen des Staates doch nur eine lächerliche Bagatelle.* Der Verfasser eines Aufsatzes, dem id) die vorstehenden Angaben entnahm, bemerkt hierzu, „daß das Groteske dieser Angelegenheit wohl tuird) nichts besser beleuchtet wird als dadurch, daß der Preußische Staat im Fahre 1927 für die gesamte Schul, und Fachausbildung seiner landwirtschaftlichen Bevölkerung weniger ausgegeben hat, als für den Umbau des Berliner Opernhause s"*'. Rach allem ist die Einführung moderner Wirt- fchaftsmethoden in die große Zahl noch rückständiger Betriebe als ein Mittel zur Wiederherstellung der Rentabilität sowie die Sicherung der Ernährung des deutschen Volkes aus eigener Scholle eine Bi l - dungsfrage. „Nicht nur aus dem Boden, auch aus dem Kopf muß das deutsche Brot genommen ** Die in dem Aufsatz verwandten Berechnungen und Hinweise entstammen zwei Artikeln der Mitteilungen akad. geb. Landwirte von 1928 Nr. 5 und 1929 Nr. 15. Oie Halloren bei Hindenburg. OMA LU 'S M Die Abordnung der Halloren am Neujahrsmorgen vor dem Palais des Reichspräsidenten. Gießener Stadttheaier. Johann Ncstroy: „Lumpacivagabundus". Zum heiteren Ausklang eines ernsten und sorgenvollen Jahres gab es im Stadttheater als Silvester-Vorfeier die dreiaktige Zauberposse mit Gesang „Der böse Geist Lumpacivagabundus oder das liederliche Kleeblatt" des Oesterreichcrs Johann Nestroy: ein unverwüstliches Stück, das immer wieder, und mit Vorliebe zu Silvester oder zu Fastnacht, hervorgeholt wird und auch heute noch ein dankbares Publikum findet. * Das liegt vor allem an den theatralischen Möglichkeiten der drei Akte, die dem Regisseur und den Darstellern stets einen gewissen Spielraum und Bewegungsfreiheit etwa im Sinne der alten commedia dell’ arte, des improvisatorischen Stegreifspieles geben und Gelegenheit bieten für allerlei zeitgemäße Zutaten, Anspielungen und Ausschmückungen, wovon denn auch reichlich Gebrauch gemacht wurde — zum Ergötzen des erfreulich zahlreichen Publikums. * Ueberdics hat der Stofs der Posse, die als Gattung und zumal in ihrer typisch österreichischen Spielart heute nahezu vollkommen ausgestorben ist, seine Anziehungskraft noch immer nicht verloren. Das große und alte Faustmotiv des Kampfes guter und böser Mächte um die Seele des Menschen ist hier in eine parodistische Miniatur überseht. Der böse Geist Lumpacivagabundus ist ein wienerischer Fallot, der als Mephisto in der Westentasche voll unbekümmerter Frechheit seinen Pakt schließt mit den guten Geistern des Feenreiche»; dies bildet den Rahmen für die eigentliche Handlung, die Erlebnisse des liederlichen Kleeblatts der vagierenden Handwerksgesellen Leim, Zwirn und Knieriem; Mittelpunkt dieser Handlung ist der dreifache Traum vom Lotterielos mit der beziehungsreichen Nummer 1932. * Die Traumszene und das Kneipennachtlager der drei Gesellen ergeben ebenso vielfältige Möglichkeiten theatralischer Ausgestaltung wie die Schilderung der wechselnden Schicksale des Kleeblattes — bald in märchenhaftem Reichtum, bald im alten Luderleben; zuletzt aber endet der Erdenwandel im beschaulichen Idyll häuslicher Zufriedenheit; und die hilfreichen guten Geister des Glücks und der wahren Liebe triumphieren über die finsteren Mächte der Unterwelt und des leichtsinnigen, liederlichen, verschwenderischen und oerfoffenen Lebenswandels. Die Ausführung unter der verständnisvollen und humorbegabten Spielleitung von Karl Hey- s e r traf den eigentümlich improvisatorischen Stil der wienerischen Zauberposse in ihrer charakteristischen Eigenart und schöpfte die mannigfachen Möglichkeiten des anspruchslos-dankbaren Textes gründlich aus; auch hatte die Regie, des besonderen Anlasses und der bedeutungsvollen Stunde eingedenk, allerlei Verzierungen und Einlagen angebracht und sich die unterschiedlichsten, vom Publikum mit Vergnügen und Verständnis auf- genommenen Silvesterscherze ausgedacht. Bühnenbildner Löffler hat die Szenerie lustig ausgepinselt und praktikabel und zweistöckig auf die Drehbühne gestellt, so daß überwiegend bei offenem Vorhang verwandelt werden konnte Auch die Herren Keim und Huber, als Beleuchter und Garderobier, wirkten jeder an feinem Platz verdienstlich an der hübschen Gesamtausstattung mit. Die traditionell zum Stück gehörige Begleitmusik wurde von Kapellmeister Fritz Cuje stimmungsvoll interpretiert, während Herr D ä u l k e für etliche geschmackvolle Tanzeinlagen gesorgt hatte, so den originellen Pflasterertanz (Anni und Ewald B ä u l k e) im ersten und einen ungarischen Tanz im zweiten Alt Eine auf dem Theater nicht alltägliche Nummer war die von den beiden Herren Jörg vorgeführte Parterreakrobatik: eine schöne und korrekte artistische Leistung. 3m Mittelpunkt des sehr umfänglichen Ensembles stand natürlich das liederliche Handwerksburschenterzett; die komische Paraderolle des Schusters Knieriem wurde von Hub gegeben, der sich mit Wonne in die hemmungslose Saufseligkeit dieses heillosen Vaganten vertieft hatte, sich feinen Kalauer entgehen ließ und mit einer Reihe saftiger Schnaderhüpfl stürmische Heiterkeit erregte. — Bruck war der Schneider Zwirn: wienerisch beweglich und wandelbar, auf der Höhe seiner pointierten Darstellung im zweiten Akt mit dem aktuell aufgemachten Couplet „So gleicht sich alles wieder aus". — Hauer brachte die seriös-melancholische Note im Terzett, er machte den schwerverliebten Tischler Leim, der am ehesten und dauerhaftesten in die solide Bürgerlichkeit eines gutfundierten Hausstandes eingeht. Den Lumpaci spielte keck und selbstsicher in dreifacher Verwandlung Herr Kühne; in die „Stimmen von oben" teilten sich in ausgeglichener Abstufung Peter Fasfott (Stellaris), Maria Koch (Fortuna). Gertrud D p » a u (Brilliaatine). Beatrice Doering (Amorosa), Paul Schubert (Mystifax) und Raimund S ch e l ch e r (Hi- laris). Edith Berger und Maria Sachse vereinigten sich mit Bruck zu einer fidelen Opernparodie — es wurde überhaupt viel, schön und vor allem laut gelungen an diesem Abend —, während Karl Volck und Elisabeth Wielander mit Nachdruck das bürgerlich-gediegene Prinzip verfochten. — 3n kleineren Aufgaben machten sich Agathe Walther-Lederer, Walter Michel, Gert Geiger und Hans P a e t s ch um die Vorstellung verdient Das Haus war, soweit wir sehen konnten, ausverkauft; man dankte angeregt und erheitert mit freundlichem Beifall. hth. Tonfilm: „Kadetten". Wir haben im Buchrcferat seinerzeit Peter M u r r 5 Roman „Hinter den roten Mauern von Lichterfelde" angezeigt, der die Grundlage für das Manuskript van Dr. Alfred Schirokauer bildete. Aber der Roman liegt auf einer ganz anderen Linie als der Film, und die Motive des Films sind in der epischen Vorlage nur andeutungsweise und im Keim enthalteif. Was übernommen wurde, ist die Atmosphäre und die Umwelt der ehemaligen preußischen Kadettenanstalt in Großlichtcrselde, wo vor dem Kriege zu einem erheblichen Teil der Offi- ziersnachwuchs der alten Armee ausgebildet worden ist Die Konflikte, die im Roman auf breiterer Basis und ohne zur Entscheidung drängende Zuspitzung angebahnt wurden, sind filmisch innerhalb eines kleinen, in der Grundhaltung zwar typischen, im Einzelnen aber sorgfältig charakterisierten Personenkreises energisch und spannend ausgetragen. Aus allgemeiner Milieuschilderung entwickelt sich eine interessant und mit gutem Instinkt gesteigerte Kriminalhandlung, welche dem Stück bis zuletzt Konzentration und Anteilnahme des Zuschauers bewahrt. Georg Jacobys Regie läßt Szenen und Bilder effektvoll ineinandergreifen, ist, stellenweise nicht ohne Humor, auf saubere und tendenziöse Wirklichkeitsschilderung bedacht, kommt um die drohenden Klippen aufskeigender Sentimentalität mit guter Manier herum und verfügt — dies muß mit besonderer Anerkennung betont werden — über eine bis in die kleinen Chargen hinein sehr pointierte Besetzung, aus der einige brillante Leistungen großer Könner imponierend hervorstechen. Da ist vor allem Bassermann —: wie lange hat man ihn nicht mehr im Film gesehen; und es ist wieder ein vollendeter Genuß, diesen Grandseigneur unter den deutjchetz «chaujpcelLcn in dec Rolle eines preußischen Generals zu bewundern. Dann K a y ß l e r, in einer kleinen Rolle, als Vorsitzender des Schwurgerichts: großartig gespielt. Trude van Molo, dis Tochter des Dichters: aparte und elegante Erschein nung; gepflegte und sympathische Darstellung. Franz Fiedler als Kadett Seddin und eigentliche Hauptperson der Handlung, hält sich sehr wacker neben der schauspielerischen Prominenz Johannes Riemann, Paul Otto, Reinhold B e r n t, Karl Balhaus, Else Bassermann, Beierls und Henckels sind mit tüchtigen Leistungen zu nennen. Der Film (Beriech: Heros) läuft seit Silvester im Lichtspielhaus: man sollte ihn, schon um Bassermanns willen, gesehen haben. —y— Ein Gemälde für fünf Dauerwellen. Die „Tausch-Ausstellung", die Pariser Maler und Bildhauer organisiert haben, um ihre Erzeugnisse gegen Natural- und andere Leistungen hinzugeben, ist ein voller Erfolg geworden, wenn man nach den in den ersten Tagen getätigten Tauschgeschäften schließen darf. Fleischer kaufen Bilder und Statuen, indem sie dafür den Künstlern Anweisungen auf bestimmte Mengen ihre« Ware gaben. Ein Schneider konnte ein Gemälde erstehen durch die Verpflichtung, dem Schöpfer zwei Anzüge zu machen. Besonders eigenartig ist: das Tauschgeschäst, das ein Friseur mit einer Malerin abschloß, er bezahlte nämlich eins ihrer Werke mit einer Karte für fünf Dauerwellen. Ein Klempner sicherte sich ein Kunstwerk gegen die Erklärung, das Badezimmer des Künstlers in Ordnung zu bringen. Ein Käufer gab für eine Statue ein paar Flaschen Champagner; ein anderer bezahlte ein Stilleben mit einer Tonne Kohlen, ein dritter ein Aquarell mit drei Damenhüten. Es wird sogar erzählt, dah ein Rechtsanwalt eine Statue von einem Bildhauer erhielt für die schriftlich niedergelegte Versicherung, ihn unentgeltlich vor Gericht zu verteidigen, wenn sich die nächste Gelegenheit dazu bieten sollte. Ein Arzt wurde glücklicher Besitzer eines Gemäldes für das Versprechen. an dem Maler oder irgendeinem Mitglied seiner Familie eine chirurgische Operation zu vollziehen, sobald sich die Notwendigkeit dazu Herausstellen sollte. Sochschulnachnchten. Professor Dr. med. vet. h. c. Wolfgang Heub « ne r in Heidelberg hat den an ihn vo« einiger Zeit ergangenen Rus auf den Lehrstuhl der Pharmakologie an der Universität Berlin als Nachfolger von Professor P. Trendelenburg angenommen. werden." Der zweifellos hohe Stand der landwirtschaftlichen Technik, wie der Landwirtschafts- Wissenschaft kann sich nur auswirken, wenn alle Personen. welche sich mit Landwirtschaft >efassen, in der rechten Weise dafür vorgebildet sind. Und hier mangelt es noch ganz außerordentlich. Die Zahl der eine landwirtschaftliche Schule besuchenden Bauernsöhne ist angesichts der großen Menge an Landwirten, die sich in mittleren und kleineren Betrieben betätigen, verichwindend gering. Die Anzahl der landwirtschaftlichen Schulen entspricht keineswegs der ländlichen Bevalkerungsziffer, noch besteht kein Fort- bildungsfchulzwang für alle in der Landwirtschaft Tätigen, wie es ihn für die in Gewerbe und Handel Beschäftigten gibt. Noch wird der landwirtschaftliche Arbeiter, der bei weitem vielseitiger sein mud, als die 'eisten Industriearbeiter, über die Achsel angesehen. Noch ist vielen Städtern unbekannt, mit welcher Mühe das tägliche Brot und andere unentbehrliche Nahrungsmittel der heimischen Scholle vom Landmann erzeugt werden W o sind die Instruktoren, die in jedes Dorf, i n jedes Gehöft d i e Fortschritte und Segnungen wissenschaftlicher Erfahrungen tragen könnten? Mehr als 1000 akademisch gebildete Landwirte, wohlgerüstet, stünden dafür bereit und sind zur Zeit erwerbslos. Wir brauchten Mittel, um die vielen begonnenen, noch ungelösten Fragen der Landwirtschafts- Wissenschaft weiter zu bearbeiten bzw. neue unverzüglich in Angriff zu nehmen. Die Bedeutung der Landwirtschaft ist keineswegs damit erschöpft, daß man sie als Magenfrage behandelt. sie ist ja nicht nur gebend, sondern auch nehmend, ein sehr großer Teil der Inlanderzeugung wurde vor dem Kriege in der Landwirtschaft abgesetzt. Werner von Siemens hat einmal die Bedeutung der Landwirtschaft für den Binnenmarkt mit dem Worte geschildert: „Ein Vorhang an jedem Bauernfenster bedeutet mehr als der gesamte Export" es deckt sich mit dem. „Hat der Bauer Geld, hat's die ganze Welt!" Die Bedeutung der Land- wirtschaft durch ausschließliche Hervorhebung ihrer wirtschaftlichen Aufgaben wäre unzureichend gewürdigt wenn man nicht auch an ihre bevölkerungs-, staais- und sozialpolitische Notwendiakeit erinnerte. In zwölfter Stunde sei daher die Mahnung ausgesprochen, nur da Einsparungen on Forsch u n g und Lehre unseres Volkes vorzunehmen, wo keine Gefahren für bittere Lebensnotwendigkeiten do r liegen. Die Landwirtschaft Hai die Pflicht und ein Recht, darauf aufmerksam zu machen, daß die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt werden. Damals waren wir ein reiches Volk und konnten es uns eine Zeit lang leisten, einen Er- werbystand zu vernachlässigen. Ungestraft ist dies nicht geblieben; es gibt keine Schädigung eines Berufszweiges eines Volkes ohne daß andere in Mitleidenschaft gezogen werben. Mögen die Männer, welche darüber zu entscheiden haben, sich der Tatsache bewußt fein, daß Bauern not Volkes- n o t bedeutet. Ein duftumfloss'nes, reifes Roggenfeld, Daraus der Erde Segenströme qu.'llen, Macht' ich zu Frommen einer Großftadtwelt Ihr nächstens auf den weiten Marktplatz stellen. Daß in der Frühe mit dem Morgenrot Sein Segen müßt' in alle Seelen rinnen, Daß sie sich auf den Tag und auf ihr Brot, Auf Gott und Bauer und sich selbst besinnen Durchlöcherte Grenzen. Hochkonjunktur für Schmuggler. — Das berüchtigte „Loch im Westen^. Ein Krebsschaden der deutschen Volkswirtschaft. Don Karl Gillbrück. So wird geschmuggelt. Frauen aus dem Aachenei Bezirk bringen die geschmuggelten Waren an das Tageslicht O - .M w Wieder gibt es einen westlichen Kriegsschauplatz, mit Kampfberichten über blutige Zusammenstöße, mit Meldungen über große Beute, die man dem Gegner obgenommen hat aber auch mit Durchbrüchen der Front — der deutschen Front von Zollbeamten, die dem Gegner, nämlich dem Heer der Schmuggler den Uebertritt von Hol- land, Belgien oder dem Saargebiet verwehren mochte. Es ist ein Kleinkrieg, der sich an der ganzen beutschen Westgrenze abspielt; aber in der Nordwestecke Deutsch- lands hat er solchen Umfang angenommen, daß man sich scheut, nur von einem Kleinkrieg zu sprechen. Sind doch nicht allein die Zollbeamten bis an die Zähne bewaffnet! Auch die Schmuggler verfügen über Karabiner, und sie find sogar zuweilen in Panzerautos im lOO-Kilometer-Tempo über stille Wege und Sturzäcker von einem Land in das andere gefahren. Hohe Slacheldrähte werden zerschnitten, etne Vorhut wird oorausgeschickt. und erst wenn das ganac Gelände von dieser sehr genau untersucht wurde, folgen die starken Trupps der Schmuggler, manchmal über hundert Menschen auf Fahrrädern, manch- mal Lastautos, zuweilen auch Einzelgänger In Säcken schleppen sie Zigaretten und Zigarren, Kaffee, Zucker, Mehl über die Grenzen, aber auch Hummer. Kaviar und andere Kostbarkeiten, die weiter westlich nicht sehr teuer sind, werden bei Nacht und Nebel auf Waldwegen nach Deutschland geschmuggelt. Das „Loch im Westen", das unmittelbar nach dem Krieg in die deutsche Zollgrenze gerissen wurde, und durch das damals ebenso schlechte wie billige belgische Schokolade ober süßliche englische Zigaretten in gewaltigen Mengen hereinströmten, konnte nur mit Mühe geschloffen werden. Man erlaubte den Zollbeamten, ausgie' ig von der Schuß maffe Gebrauch zu machen. Wahrscheinlich hätte auch das nichts genutzt, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse nicht während einiger Jahre besser geworden wären. Auch heute wird geschossen, sogar mehr als früher, aber die Schmuggler lassen sich dadurch nicht abschrecken. Da es unmöglich ist, in Deutschland Arbeit zu finden, lassen sie sich dazu «verleiten, etne Erwerbsmöglichkeit zu suchen, die dem Bewohner der Grenzzone sehr naheliegt, denn derUnterschied der Preise hüben und drüben der Grenzpfähle muß jedem in die Augen springen Zigaretten, die in Belgien das Stück für 0,3 Pfennig zu haben find, schmecken etwas scharf, sind jedoch rauchbar In Deutschland kosten sie in dieser Beschaffenheit viel- leicht 3 ober 4 Pfennig. Dos Pfund Mehl kostet in Deutschlanb breimal soviel wie in Belgien, bas Brot ist über hoppelt so teuer, unb ber Zucker kann von den Schmugglern in Deutschland mit 150 v. H. Aufschlag verkauft werden. Solche Verhältnisse reizen zur llebertretung ber Gesetze an, um so mehr, als der Grenzbevölkerung bas Verbrecherische ihres Tuns meist nicht vollkommen bewußt ist. Eine Strose wegen Schmuggels gilt häufig nicht als ehrenrührig, fonoern nur als „Betriebsunfall" Vorträge über bie Notwendigkeit von Zöllen enthalten zu schwierige Gebankengänge, um von bem einfachen Mann, ber nahe der Grenze wohnt, verstanden zu werden. Es genügt nicht, diesen Zustand zu beklagen, man muh mit ihm rechnen, übrigens nicht nur an ber Westgrenze, sonbern auch im Osten, wo etne lange Grenzlinie gegen Polen zu bewachen ist Dort finben bie Schmuggler meist nicht nur Arbeit nach einer Seite, sonbern für ben Hin- unb Rückweg. Lebensmittel sind in Polen billig, aber be stimmte Jndustrieerzeugnisse teuer. Der lange Zollkrieg mit Polen hat dazu gedient, die Schmuggler systematisch auszubilden. Um bestimmte Waren nach Polen einzuführen, braucht man eine besondere ministerielle Genehmigung. Auf bem oor- aejchriebenen Instanzenweg bauert es häufig viele Monate, bis sie in Warschau erlediyt ist, unb bann ist es immer noch zweifelhaft, ob bie Genehmigung erteilt wurde Die Schmuggler arbeiten schneller unb auch billiger als ber Instanzenweg, bei bem zuweilen an mancher Stelle, an ber bie bureaukratische Maschine zu lange stockte, geölt werben mußte Nun verbrauchen die feineren Teile biefer Maschine merk- würbigerweift viel mehr Del als bie groben Organe im gewöhnlichen Außenbienft Ein polnischer Zollbeamter hat ein Einiommen. von bem er wirklich kaum (eben kann Bei ben vielen Prozessen bie im polnischen Teil Dberschlefiens gegen bie Schmuggler aus Deutschlanb geführt würben unb werben, spielen bie polnischen Zollbeamten gewiß keine heldenhafte Rolle Häufig stehen sie als arme Sünber vor ben Schranken bes Gerichts, mitgefangen, mitgehangen Es ist heute nichi mehr so wie vor zwanzig Jahren, als an ber beutschen Oftgrenze russische Zollbeamte ihre Karabinerschlösser für ein paar Rubel den Schmugglern abgaben, als Garantie bafür. baß sie nachts nicht schießen würden Am nächsten Tag erhielten sie ihre Schlösser wieder zurück, denn kein Schmuggler ließ bie Zollsoldaten im Stich, er brauchte bie Geschäftsverbinbung für künftige Fälle. Nein, die polnische Verwaltung hat im Vergleich zum "zaristischen Regime Fortschritte in ber Bekämpfung ber Bestechlichkeit ber Beamten gemacht, aber ein entwässerter Sumpf ist noch fein Ackerboden Gefährlicher für die deutsche Volkswirtschaft als die vielen kleinen Durchlässe an der Oftgrenze ist heute das rtesengraße Loch im Westen. Man matz dort zwischen zwei verschiedenen Arten von Schmugglern unterscheiden: bei) kleinen Hungerleibern, bie ihre Haut zu Markte tragen, um sich auf biese unreelle Weise ein paar Groschen nebenbei zu verdienen, und ben G r o ß s ch m u g g 1 e r n . bie|en gefährlichen Schiebern, bie irgenbwo im Hinterland sitzen, ihre Leute fest bezahlen und an manchem Tag über 10 000 Mark verdienen. Die kleinen Schmuggler gehen verhältnismäßig kindlich vor. Sie brechen plötzlich an irgendeiner Stelle auf Fahrrädern zu Hunderten über die Grenze unb sausen bavon, so schnell es geht. Eine Bauersfrau legt sich einen- künstlichen Staffeebufen zu, sie schiebt ihren Säugling in einem Kinderwagen über bie Grenze, dessen Matratze nicht mit Seegras, sondern mit Tabak gefüllt ist, und was derlei kleine Tricks mehr find. Die Großschinuggler find weit erfinderischer. Sie haben Dinge ersonnen, über die man halb empört sejn muß, aber zur Hälfte nur noch Tränen lachen kann. Eines Tages fiel es ber Zollbehörde auf, baß feit Monaten ein kleiner Wallfahrtsort in Belgien von soviel Gläubigen aus Deutschlanb besucht wurde. Als man schärfer zusah, ergab sich, daß immer dieselben Menschen in den Prozessionen zu sehen waren. Ein großes Kreuz wurde vorangetragen, und dann zogen die Bauersleute langsam über bie Grenze. Eines Tages griff man zu unb fand, daß in ber Kleidung ber Leute Konterbanbe verborgen waren. Als die Zollbehörbe merkte, welch gottloser Unfug mit religiösen Gebräuchen getrieben würbe, sah sie sich auch die vielen Trauernden genau an, die mit riesigen Kränzen über bie Grenze manberten. Sie hatten Schmuggelgut in den Taschen und unter den Röcken, aber sogar die Kränze waren sehr merkwürdig, denn sie bestanden aus lebenden Pflanzen, mit kunstvoll eingewickelten Wurzeln, und auf diesen Pflanzen ruht ein hoher Zoll. Schließlich sollen ein paar Zahlen zeigen, was an der deutschen Weftgrenze augenblicklich vor sich geht. In ber Zeit vorn 1. April bis zum 30. Oktober b. I. würben in den Bezirken Münster, Düsseldorf unb Köln r unb 2 6 0 0 0 6 d) m u g g e 1 f ä 11 e angezeigt. Nun weiß man, daß trotz sorgfältiger Ueber- wachung höchstens 10 v. H., vielleicht aber nur 1 o. H. aller Delikte dieser Art entdeckt werden. Etwa 20 Millionen Zigaretten, gewaltige Stapel Zigarettenpapier, mindestens zwei Eisenbahnwaggons voll Tabak, über eine Viertelmillion Kilogramm Getreide, eine weitere Viertelmillion Pfund Müllereierzeug- niffe, viele Fahrräder, Automobile und Motorräder, dazu viel geschmuggeltes Vieh wurden beschlagnahmt. Solche Beschlagnahme darf man sich nicht einfach oorfteUen. Oft ergreift in letzter Zeit die Bevölkerung, bie bazu kommt, für bie Schmuggler Partei, unb es kann geschehen, baß sich zwei ober brei Zollbeamte nur burch bie Flucht vor Hunderten von Zivilisten retten können. Es haben sich also bei uns Zustände entwickelt, bie burchaus mit bem Banbenkrieg an ber Grenze zwischen Kanaba und ben Vereinigten Staaten verglichen werben können. Dazu kommt ber Zollkrieg auf der Oft fee, wo es heute große Schmugglerflotten gibt, bie allerbings weniger bie deutsche Grenze belästigen als bie skandinavischen ßänber, in die sie A l k o h o l hineinschmuggeln. Man hat geschätzt, baß in wenigen Wochen an der deutschen Weftgrenze vielleicht 100 Millionen Mark an Zöllen verloren gingen. So kann es nicht weitergehen. ______ Dberbeffen. Gemeinderat in Lich. D Lich, I.Ian. In den jüngsten Sitzungen des Gemeinberats würbe der mit einem Gesamtbedarf von 14 500 Mark abschließende Wald« wirtschaftsplan genehmigt Der nach der neuen Forfteinrichtung für ben Stabtwald vorgesehene jährliche Hiebsatz von 5450 Festmeter würbe nicht beanftanbet. Die Pächter ber stäbtischen Iagb haben beantragt, entsprechend ben heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen bie Jagbpacht herabzusetzen Die städtische Iagb ist für bie Zeit vom 1 Februar 1928 bis 31. Januar 1938 in brei Abteilungen für bie Jahre 1928 bis einschl. 1931 zu jährlich 3000 Mark, für bie Jahre 1932, 1933 unb 1934 zu jährlich 3300 Mark, für bie Jahre 1935, 1936 unb 1937 zu jährlich 3600 Mark verpachtet. Der Gemeinberat beschloß, zunächst auf bie Dauer eines Jahres von ber für bas Jahr 1932 vorgesehene Erhöhung adzu- sehen unb sich weitere Entschließung von Jahr zu Jahr vorzubehalten Die Gemeindehundesteuer für 19 3 2 würbe entsprechen!» ber Regelung bes Vorjahres auf jährlich 10 Mark festgesetzt Für ben mehrfachen Hunbebesitz soll ein Zuschlag in ber Weise erhoben werben, daß für jeben folgenben Hunb 20 Mark mehr als für ben vorhergehenden zu bezahlen sind. Die für bie Erhebung bes Wasserge 1 des im Jahr 1931 geltenben Grundsätze sollen auch für bas Rechnungsjahr 1932 in Geltung bleiben. Von bem ber Stabt zustehenden Kündigungsrecht bes Tarifvertrages für bie Walbarbe i- ter soll vorerst fein Gebrauch gemacht werben. Auf Vorschlag ber Finanzkommission beschloß ber Gemeinberat baß bie seither gültigen Sätze für Tagegelber unb Reisekosten für auswärtige Dienstgeschäfte der Gemeindevertreter in Geltung bleiben sollen Die Freiwillige Sanitätsk-olonne Lich muß zum Umbau ihres Krankentransport- autos einen Bankkredit in Anspruch nehmen Aus diesem Anlaß wurde die Uebemahme ber Gemetnde- bürgschast über einen Betrag von 490 Mark beantragt. Der Antrag fand Zustimmung Lanokrcts Wi roh 0 Holzheim, 1. Jan Als die Witwe E. Mattern in einem ihrer Wirtschaftsgebäude etwas besorgen wollte und sich dabei einer Leiter bediente, stürzte sie von ber obersten Sprosse zur Erbe unb erlitt einen Lenbenwirbelbruch. Der Arzt veranlaßte burch bie Freiwillige Sanitätskolonne Gießen die Ueberführung ber bebauernswerten Frau in bie Chirurgische Klinik zu Gießen. Aircie Äuoingen * Bübingen, 1. Jan. Der Beschluß des Ge» meinderats, für unsere Stadt einen Berufsbürge r m e i st e r anzuftellen, wurde vom Ministerium mit entsprechenden Bestimmungen eines Ortsstatuts genehmigt. Kreis Schotten. D Stumpertenrod, 1.Jan. In den ver» gangenen Wochen wurde in ben Gemeinben ber Umgegend für bie Winterhilfe gesammelt. Es' hatten sich zusammengeschlossen Stumpertenrod, Köddingen, Groß- unb Klein-Felba, Kestrich, Windhausen, Ermenrod, Zeilbach, Schellnhausen unb Ehringshausen. Sie verluden in der dortigen Station ihre Lebensmittel für ben Evangelischen Wohl- fahrtsbienst in Offenbach a. M Der Waggon würbe von ber bärtigen Zentrale mit herzlichem Dank unb großer Freube in Empfang genommen. Außerbem würben noch eine Summe Gelb und Kleidungsstücke gesammelt. Preußen. Steuersperre über die Gemeinden des Kreises Wetzlar. B Wetzlar, 2. Jan. Der Regierungspräsident in Koblenz hat für die Gemeinden des Kreises Wetzlar die S pe r*ru n g der Reichs st euer Überweisungen bzw. deren Pfändung verfügt Die Beträge sollen für die Anteile der Gemeinden an der Krisenfürsorge und für die Stützung der Landesbank Verwendung finden. Die außerordentlich einschneidend« Maßnahme dürfte für die Finanzwirtschaft der Gemeinben. insbesondere für die Erfüllung der laufenden dringenden Verbindlichkeiten, sehr unangenehme Rückwirkungen haben. Wie man hört, wollen die Gemeinden mit scharfen Protesten gegen die Steuersperre vorgehen. Am 14.Januar findet hier eine Sitzung bes Kreistages statt, wobei die Beratungen übet die Finanzlage des Kreises im Mittelpunkt der Tagung stehen werden. Der Kreistag wird über dis Deckung eines Fehlbetrages von rund 5 0 0 0 0 0 Mark für das laufende Haushaltsjahr zu beschließen haben, wobei insbesondere eine Erhöhung der Kreisumlagen in Betracht kommen roirtk Kreis Biedenkopf. ch Bischoffen, 1. Jan. Mit dem Beginn de« Weihnachtsferien hat uns Lehrer Harre verlassen, um eine Stelle in Biedershausen bei Weilburg anzutreten. Pfarrer Rehberg, der 18 Jahre als Seelsorger in unserer Gemeinde wirkte, hat ebenfalls unseren Ort verlassen, um die zweite Pfarrstelle in Ufingen zu übernehmen. Richt allein unsere Gemeinde, auch die Filialgemeinden Roßbach und Oberweidbach haben Pfarrer Rehberg als eifrigen Seelsorger kennengelernt und sehen ihn ungern scheiden. An seine Stelle trat Pfarrer Bremer, der bisher in Hatzfeld amtierte. Gemeinderechner Kern, der 14 Jahre als Rechner in unserer Gemeinde tätig war, hat wegen hohen Alters sein Amt niedergelegt. An seine Stelle ist Willi Derrmann getreten. Taten für Samstag, 2. Januar. 1858: der Schauspieler Joses Kainz in Wiefelburg in Ungarn geboren; — 1861: ber Schriftsteller Wich. Bölsche in Köln geboren. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag nach Neujahr, ben 3. Januar. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pfr. l.ic. Waas, 11: Kinder- kirche für bie Markusgemeinve; Pfr. Becker. !7: Pfarrasfistent Knell. — Johanneskirche. 9.30: Pfr. Bechtolsheirner; 11: Kmberkirche für bie Lulas- gemeinbe, Pfr. Bechtolsheirner; 17: Pfr. Müller — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfarrasfistent Knell. — Elisabeth-Kleinkinderfchule. 945: Pfr. Becker. — Klein-Linden. 10: Hauptgottesdienst, 11: Kinbergattesbienst. — Wiefeck. 10. — Alten-Bmeck. 10 Gottesbienst. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 16.30: Kirchberg; Missionar Laut; Missionsfilm für Schuler; 19.30. Kirchberg, Missionsfilm für Erwachsene — Hausen-Garbenteich. 10: Hausen; 13: Garbenteich — wahenborn-Steinberg. 13.15: Hauptgottesbienst; 14 15. Kinderkirche. — Grüningen. 10: Hauptgott.'s- bienst, 11: Kinberkirche. - Lich. 10: Stiftspfarrer Draubt. katholische Gemeinden. Samstag, ben 2. Januar. Gießen. 16.30 unb 19 Uhr: Beichte. Sonntag, ben 3. Januar. Sonntag nach Neujahr. Gießen 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe, Kommunion ber Männer; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt, 11: Messe mit Predigt; 17.30: Andacht — Grünberg. 9 45: Messe mit Prebigt. — Hungen. 17 30: Vortrag unb Anbacht. — Lembach. 10: Hoch- amt mit Prebigt, 14.30: Christenlehre unb Anbacht. — Lich. 7.30 Hochamt mit Prebigt. 20: Vortrag unb Anbacht — Nidda 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schotten 1030 Hochamt mit Predigt. TOittroo'4' uen 6. Januar. Hungen. 7.30 Uhr: Messe. Soinitaoeöimn D.’-Zierui’ n. ^ibütbefen am 3 1 32 ftrl Dr. Würtler. Dr. Plm-b. Hirickavotbeke. Kalinarrf Dr gdpttler._________9 > Antragsergebnisse der öffentlichen Lebensversicherungsanstalten im Mona' Oktober 1931. Bei den tm Verband öffentlicher Lebensverfiche- rungsanftalten in Deutschland zusammengeschlossenen Lebensverficherungsanstalten sind im Monat Oktober 1931 in der Lebensversicherung einschließlich der Bausparoersicherung 12 498 Versicherungen mit 19 1 Millionen Reichsmark Versicherungssumme beantr.’ut worden. Gutschein Nur bei Miteinsendung dieses Gutscheines erhalten Sie bis zum 31. M8rz 1832 für Ihre leeren Umhüllungen von Tee Marke „Teekanne" „Kompletta". Porzellan Im doppelten Gutscheinwerte nach freier Wahl. Abbildungen und Prospekte über „Kompletta"- Ponell»n(8 neue Stücke: Kuchenplatte, Aufschnitt- platte und Butterdose kamen hinzu) erhalten Sie bei Ihrem Kaufmann oder direkt, Anfragen und Einsendungen en: „Teekanne" e.m.b.K. Abt. Wertreklame Oresden-A.e« / SchileOfeeh 10 VeoäXNNe ML. 86 । । । i । । । । i । j .bis gegen 22.30 Uhr: Der Troubadour. OHltt- wcch. 6. Ian., 19.33 bis gegen 22.30 Uhr. Die Zauberstöle. Donnerstag, 7. Ian., 19.30 bis 22.45 Uhr: Doris Godunow. Freitag, 8. Ian., 20 bis 23 Uhr: Im weihen Röhl. Samstag, 9. 3anM 18.30 bis gegen 23 Uhr: Die Walküre. Zeitschriften. — „Die schöne Gräfin Lösel" ist der letzte Roman des jüngst verstorbenen Dichters Georg von O m p t c d a. Skt Roman beginnt im Januarheft von Delhagcn & Klasings Monatsheften. denen Ompteda durch Jahrzehnte als Mitarbeiter verbunden gewesen ist, zu erscheinen. Das Werk beleuchtet auf Grund umfangreicher, aber poetisch geläuterter Studien die fesselnde Gestalt der geistig bedeutendsten Geliebten Augusts des Starken und entwirft eine Fülle prachtvoller Bilder vom Leben am Dresdner Hof. Cs zeigt Ompteda auf einer künstlerischen Höhe, die selbst manche seiner treuen Anhänger überraschen wird. Wirtschaft »rte- Rundsunkprogramm 7.20: Frühkonzert. 11: Drei-Königs-Tag in Kiedrich. Hörbericht aus einer der ältesten Kirchen im Rheingau von Dr. I. M. Rielen, Chor- gewuht haben, welches Steinbach gemeint war, allein gemeint sein konnte. Warum ist man auf der Post so viel schwerer von Begriff? Professor Dr. E. G. Konzert. 15.15 bis 16: Stunde der Jugend. 16: Rachmittagskonzert. 17.05: Konzert. 18: Mannheim: Kantate der Bläservereinigung des Mannheimer Rationaltheater-Orchestcrs. 18.40: „Soziale Frage und Wirtschaftskrise in Australien", Bortrag von Kurt Offenburg. 19.35: AuS dem Land des Lachens. Heitere Vorträge von Fritz Hahn. 20.05: Edith Lorand und ihr Kammerorchester. 21.45: Räuberhauptmann Cocosch. Eine Ballade für den Rundfunk von Otto Rombach. 22.45 bis 24: Tanzmusik. Donnerstag, 7. Januar. 7.20: Frühkonzert. 13: Von Köln: Konzert. 15.30: Stunde der Jugend. 17.05: Operettenkonzert des Rundfunkorchesters. 18.40: Stunde des Buches. 19.05: „Probleme der modernen Chemie", Vortrag von Dr. Irene Levis. 19.45: Freiburg: Wiener Schrammelmusik. Wiener Schrammel-Quartett. 20.15: West-Oestlicher Divan. Goethe. 21.45: „Alfred Polgar" oder „Die aphoristische Form in der modernen Literatur". Vorlesung von Hermann Kempf. 22: Alfred Polgar liest aus seinen Werken. 22.50 bis 24: Tanzmusik. Areilag, 8. Januar 7.20: Frühkonzert. 13: Von Köln: Konzert. 17.05: Konzert. 18.40: „Rechtsfragen des Alltags" von Karl Retep. 19.05: Aerztevortrag: „Zähne, Kiefer und Sport". 19.45: Deutsche Humoristen. Wilhelm Schuhen (geb. 11. 8. 1874). 20.05: Aus dem Drohen Festsaal der Liederhalle Stuttgart: Symphonie-Konzert der Stuttgarter Philharmoniker. 22: Schwäbische und bcch- rische Volkslieder zur Laute. Gesungen von Crich Burger. 22.40 bis 24: Tanzmusik. Samstag. 9. Januar. 7.20: Frühkonzert. 10.20 bis 10.50: Schulfunk. Vortrag über die „Rondo-Form" von Hans Rosbaud. 13: Von Köln: Konzert. 15.15 bis 16.20: Stunde der Jugend. 17.05: Rachmittagskonzert deS Philharmonischen Orchesters. 18.40: „Cha- rakterbllder aus Hessen: Heinrich QHcrd“, Vortrag von Wilhelm Michel, Darmstadt. 19.05: Spanischer Sprachunterricht. 19.45: „Blumen. Frucht und Dornenstücke" aus „Herrn Jean Pauls poetischem Ziergärtlein" — Sprecher. Ernst Ponto. 20.15: Das Spitzentuch der Königin. Operette in drei Aufzügen und einem Vorspiel von Rudolf Oesterreicher und Julius Wilhelm. 22.50 bis 24: Tanzmusik. Lpiclplan der Frankfurter Theater. Schauspielhaus. Sonntag, 3. Ian., 16 bis gegen 18 Uhr: Emil und die Detektive. 20 bis 23 Uhr: Jim und Jill. Montag. 4. Jan.. 20 bis nach 23 Uhr: Der Streit um den Sergeanten Grischa. Dienstag, 5. Ian.. 20 bis 22.30 Uhr: Literatur. Hierauf: Liebelei. Mittwoch. 6 Ian., 23 bis 23 Uhr: Jim und Jill. Donnerstag. 7. Ian.. 20 bis gegen 23 Uhr: Der Kauf- mann von Venedig. Freitag. 8. 3an., 20 b.s 23 Uhr. 3im und Jill. Samstag. 9. 3an., 16 bid gegen 18 Uhr: Emil und die Detektive. 20 bis nach 22.30 Uhr: Fuhrmann Henschel. Opernhaus. Sonntag. 3. Ian. 15 bis 18 Uhr. Im weihen Röhl. 20 bis 23 Uhr: Im weihen Röhl. Montag. 4. Ian., 20 bis nach 22 Uhr: Don Pasquale. Dienstag, 5. Ian.. 20 Sonntag, 3. Januar. 7: Von Bremen: Hafenkonzert. 8.15 bis 9.15: Katholische Morgenfeier. 9.33: Stunde des Chor- gcsangs. 11: „Siegfried" (1. Aufzug). — ®m- führender Vortrag von Hans Rosbaud unter Mitwirkung des Rundfunkorchesters. 12 bis 14: Von Breslau: Mittagskonzert des Breslauer Funkorchesters. 15: Stunde der Jugend. 16: Von Wiesbaden: Konzert des Städtischen Kurorchesters Wiesbaden. 18: „Kunst und Gesellschaft". Anlählich der internationalen Wanderausstellung „Frauen in Rot". Vortrag von Dolf Eternberger. 18.15: Die Dämmerstunde. Leitung: Falke-Leonhard. 18.50: „Das Goethe-Iahr beginnt". Ein Gefpräch von Dr. Alfons Paquet. — Sprecher: Günther Lüders und HanS Iung- bauer. 19.30: Unterhaltungskonzert des Frank- furter HarmvnieorchesterS. 20.15: Funkspiele. „Dichter nach Stichworten", von Walter Benjamin. 21.15: Siegfried. Zweiter Tag des Bühnenfestspiels „Der Ring des Ribelungen" von Rich. Wagner. 23 bis 24: Don Berlin: Tanzmusik de« Orchesters Anton Gerenzy. Montag, 4. Januar. 7.20: Frühkonzert. 13: Don Köln: Konzert. 15.20- „Die erste deutsche Aerztin und die erste deutsche Zahnärztin", Dortrag von Johanna Waeschrr. 17.05: Don München: Konzert. 18/0: „Po'izrilich: Plaudrrei". Ob r -egierurgsrc t - s ar Fahr und Dr. Paul Laven. 19.05: Englischer Sprach-Unterricht. 19 45: Unterhaltungskonzert des Rurdfunkorch stcrs. 20.45: Aus h ssischerDer- gangenheit. 21.45: Fortsetzung des Unterhaltungskonzertes. Dienstag, 5. Januar. 7.20: Frühkonzert. 13: Don Köln: Konzert. 15 20 bis 15.50: Hausfrauen-Rachmittag. 17.05: Konzert. 18.40: „Aufgaben und Zukunft des deutschen Theaters", Dortrag von Dr. Leuchs-Mack, Frankfurt a.M. 19.05: „Der freiwillige Arbeitsdienst", Dortrag von Oberregierungsrat Burkhardt. 19.45: Karlsruhe: Zitherkonzert. 20.15: Das gibt es nur einmal. Ein bunter Abend von Ernst Strckinger und Ilse Kamnitzer. 21.30: Orchesterkonzert des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. 22.40 bis 24: Tanzmusik. Mittwoch, 6.3anuat. feste Tendenz, da immer noch einige Käufe zum Anlagetermin vorgenommen wurden. Goldpfandbriefe zogen erneut um 1 v. f). an, während Liquidationspfandbriefe nur knapp gehalten blieben. Sehr fest tendierte wieder Reichsallbesiß, auch Reichs- fchuldbuchsorderungen, besonders in späten Fälligkeiten, verzeichneten etwa Iprozentige Kurserhöhungen. Kommunale Werte mit niedrigem Kursstand waren etwas besser gefragt. Stadtanleihen verzeichneten kaum Geschäft. Am Geldmarkt war Tagesgeld zum Ultimo etwas gesucht, der Satz stellte sich aus 7Z nach 7 v. H. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung ) Die findige Reichspost? Vor mir liegt eine in Gießen aufgegebene Sorte mit der Aufschrift „St e i n b a ch b. Gießen" und dem Postoeimerk „Zurück Stbch. b Gießen u n b e k.!". Jedes Kind in Gießen kennt dieses Stein- * Der Reichsindex für die Lebens- i Haltungskosten im Dezember. Die Reichs- Indexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und ■ „sonstiger Bedarf") beläuft sich nach den Festsleilun. - gen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats Dezember aus 130,4 gegenüber 131,9 im Vormonat: der Rückgang beträgt somit 1,1 v. H. un < dem Rückgang sind hauptsächlich die Bedarfsgruppen Ernährung und Bekleidung bciciügt. Es sind zuruck - gegangen die Indexziffern für Ernährung um 1,6 v.H. auf 119,9, für Bekleidung um 2,1 o. H. auf 129,1, für „sonstigen Bedarf" um 0,6 v. H. auf 180,5. Die Indexziffer für Wohnung hat j nicht geändert: die Indexziffer für Heizung und Beleuchtung ist nut 148 8 nahezu unverändert geblieben. In der Gruppe Ernährung sind hauptsächlich die Abgaben für Fleisch und Fleischwaren, für Milch und Milcherzeug, nisse sowie für Brot und Mehl gesunken, die Aus- gaben für Gemüse gestiegen. Berlin zuversichtlicher. Berlin, 2- 3an. (WTB. Funkspruch.) Für den heutigen Samstag war mit keinem größeren Geschäft zu rechnen. Die 3ahresübersichten, die man so in der Presse las, mit ihren Prognosen für 1932 waren zwar allgemein etwa- zuversichtlicher gestimmt (und man will überall Anzeichen einer kleinen Besserung sehen), die politische iln- sicherheit hemmte aber vorläufig doch noch jede Unternehmungslust. Gegenüber den starken Abschwächungen. die Donnerstag in den Mittagsstunden auf bisher immer noch unbestätigte Gerüchte über Banlschwierigkeiten eingetreten waren, machte sich allerdings mehr stimmungs- als kursmäßig eine Beruhigung bemerkbar, wobei die Festigkeit der deutschen Bondskurse von der Reu- Yorker Donnerstagbörse nicht ohne Einfluß blieb. Das Geschäft selbst kam aber nur sehr zögernd in Gang. Bankaktien lagen vollständig unverändert, Schiffahrtswerte waren ebenfalls behauptet, Elektropapiere gegen ihren niedrigsten Stand vom Donnerstag um etwa 1 Prozent erholt, und auch Farben besserten sich gegen ihren niedrigsten Kurs anfangs um 2 Prozent und im Lause des Dormittags bis zu 3,5 Prozent. Rcichsbankanteile waren bis zu 4 Prozent höher gesprochen, nachdem sie allerdings am Donnerstag bis zu 6,5 Prozent unter ihren Höchstkurs nachgegeben hatten. Auch am Pfandbriefmarkt waren die llmsähe heute ganz minimal, und man hörte meist nur nominelle Kurse. Rur für Liquidationspfandbriefe bestand einiges 3ntereffe bei weiter anziehenden Kursen. Reichsbahnvorzugsaktien lagen unverändert, Farbenbonds etwa 2 Prozent unter dem Donnerstag-Kurs, aber nur etwa 4 Prozent unter den Aktien. Auch Anleihen lagen heute sehr ruhig, konnten aber ihre letzte Rotierung behaupten. Frankfurt. Aktien schwach, Renten fest Frankfurt a. M„ 31. Dez. Nachdem im gestri- gen Nachmittagsoerkehr und auch heute Vormittag die festere Stimmung anhielt, setzte sich plötzlich in der Mittagsstunde eine ziemlich prägnante A b - schwächung des Aktienmarktes durch, wofür ein stichhaltiger Grund nicht zu erkennen war. Aus weitere kleine Kauforders ergaben sich zunächst noch Besserungen um etwa 1 v. H., wobei Montanwerte bevorzugt waren. Später folgte eine Reaktion, so daß die führenden Werte, wie I.-G - Farben und Reichsbank, Kurseinbußen bis zu 4 v.H. erlitten. Elektrowerte gaben um etwa 2 o H. nach, während Montanaktien relativ gut behauptet blieben Die llmfatztätigkeit hielt sich jedoch allgemein in engen Grenzen, da im letzten Freiver- kehr des alten Jahres keine Unternehmungslust zu beobachten war. Dct Rentenmarkt zeigte weiterhin recht 31 Dotmbrr 8tmllid>f Dotierung 2. Januar Cmthdte Notierung (Beit' ?rie- bad), weiß, daß es nicht viel über eine Stunde entfernt an der Straße nach Lich liegt, aber auf dem Gießener Postamt ist Steinbach — unbekannt! Rätselhaft bleibt allerdings, wie dieselbe Post, bei der man dieses Steinbach nicht kennt, trotzdem jeden Tag einen Postkraftwagen dorthin senden tann;. offenbar ist der Wagenführer kluger, als die eigentlichen Herren vom Fach, und findet auch nach dem unbekannten Steinbach und zurück. Natürlich wird die Reichspost um Gründe zur Rechtfertigung ihres Verfahrens nicht verlegen fein, wird vielleicht darauf verweisen, daß Steinbach postalisch von Gießenaus besorgt wird, daß also die postgerechte Aufschrift „Steinbach, Post Gießen" oder „Gießen-Land" lauten müsse. Aber auch Steinbach b. G'eßen ist unmihver - ständlich genug; jedenfalls würde jeder nicht zufällig auf der Post beschäftigte mb dadurch vor- ...... . eingenommene Gießener sofort ganz zweifelsfrei regent Heide und Dr. Paul Laven. 13: Don Köln: pelllngfirt» . täten 5,994 ♦9,95 6.006 50,05 6,044 49,95 6.056 50.05 Prag . . 12,47 12,49 12,47 12,49 Bu 604*8 64,93 65,07 64,93 65.07 Golla 3,057 3,063 3.057 3,063 Holland 168,93 169,27 168.83 169.17 Celo 77,67 77,83 78,12 78.28 flopenbaga. 78,67 78,83 79,17 79,33 Gtodbolm 79,12 79.28 79.67 79,83 London 14.21 14,25 14.28 14,32 Buenos tlirrt 1,068 1,072 1,058 1,062 Sleunod : 209 4,217 4.209 4,217 9 tüftel 58,49 58,61 58,46 58,58 Italien 21,40 21.44 21.28 , 21,32 Boril 16,51 16.55 16,51 16,55 Sdiroeii 82,05 82,21 82,10 82,26 Granien 35,76 35.84 35,71 35,79 Tanüg 82,12 82.28 82,12 82,28 I-wan 1,449 1,451 1 .449 1,451 tHto M Ian.. 0,256 0,258 0,253 0,255 Jugoslawien. 7.393 7.407 7.393 7,407 ttiiabon 12,89 12,91 13,04 13,06 Banknoten. Setlln, 31 .Oe’cm ffitlb »rief ümetitanilche Sieten . . 4,20 4,22 Belgische Noten . . . 58,33 58,57 Tänilche Noten . . . . 78,49 78,81 (htgllldte Noten . . . ■ . . . 14,17 14,23 ,tran»ofildie Roten . . . 16,47 16,53 Holländische Roten . . . 168,56 169.24 Italienische Roten . . 21,33 21,41 «orroeaiftlie Roten 77,49 77,81 TeutfdxCefterretd), » 100 GdiUItng — — Rumänlldie Roten 2,48 2,50 79,26 Schwedische Roten . . . 78.94 Schweizer Roten..... e e ■ ■ 81,92 82.24 Spanische Noten . . . 35,63 35,77 Ungarische Noten . . — — Reichsbankdiskont 7 V.H.. Lombardzinsfuß 8 o. h Neue Ladenverkaufspreise für Henkel-Erzeugnisse Persil das selbsttätige Waschmittel «8 Pfennig das Doppelpaket Persil das selbsttätige Waschmittel 36 Pfennig das Normalpaket Henko Henkels Wasch- und Bleich-Soda -.................. « Pfennig das Paket @i Henkels Aufwasch-, Spül- und Reinigungsmittel 80 Pfennig das Paket Sil Henkel s Bleichmittel 17 Pfennig das Paket Ate Henkels Scheuerpulver (fein) Pfennig die Streuslasche Ata Henkels Scheuerpulver (grob) 13 Pfennig das Paket Dixin Henkel s Seifenpulver 83 Pfennig das Paket Cutso Henkel s Schnitzelseifenpulver 17 Pfennig das Paket Die vorstehenden Preise gelten auch für Packungen, die noch mit dem früheren Preisaufdruck im Handel sind. Sämtliche Henkel-Erzeugnisse nach wie vor in unveränderter Güte und Vollkommenheit! 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Beamten notwendig. 07CM Hriinberger Pferde-Versicherungs-Verein zu Grünberg (Hessen) Die Besichtigung und Neuaufnahme der Pferde findet statt: Mittwoch, den 6. Fanuar 1932 für dre Orte der Rabenau: in Londorf, nachmittags 2 Uhr. Für die «Orte des Bufeckertals: Freitag, den 8. Fanuar 1932, in Reiskirchen, 9‘ /«Uhr vormittags. Für Gieften und Umgegend: Freitag, den 8. Fanuar 1932, in (tiieften, am Rheinischen Hof, 12*/, Uhr nachm. Für- Schiftenberg und Umgegend: Freitag, den 8. Januar 1932, inGarbcn- tcich, 2 Uhr nachmittags. Die Pferde find ansgesvannt und ohne Geschirr vorzuführen. Die nicht vorgeführten Tiere werden auf Kosten der Besitzer besichtigt. iod Grünberg (Hessen), den 2. Jan. 1932. Schäfer, Direktor. Das erstemal in Gießen Edel-Pelztier- Ausstellung (Lebende Tiere) vom 9. bös 11. Januar im Palast-Theater 42 D BH Frankfurt am Main Pierfle-Märkte Hr- 4. Januar, 8. Februar, 7. März, 11. April, 9. Mal, 6. Juni 1932 Durchschnittlich. Auftrieb 700 Pferde all. Rassen, auch Scblachtpferde, gröhte Auswahl und beste Gelegenheit für Kauf oder Tausch. Ein Besuch dieser Märkte ist zu empfehlen. 8 V Der Handel Sonntags verboten. Holzversteigerungen. £ Montag, 11. Januar, im Mönch- *- malt», 10 Uhr, neue Straße Burk- hardsfelden—Weilbach: rm Scheit- 5T" 3 Holz Buche 40, Kiefer 4; Knüppel ST Buche 42, Eiche 14, Kiefer 12, 3 sichte 25; Reisholz (Wellen) Buche Z. -d 990, Eiche 1500 (gute Forftwcl- 4L» len!) 25D -3- 3 Ruhholz: fm Stammholz Eiche — 2 1. u. 2. 1,33, Derbstangen Fichte <£> I.—III. 15,48 (lange schleunige •S* Ware); rm Schichthaufen Fichte S 46, Nutzscheitholz Kiefer 2,50 ra x *** lang (zu Pfosten u. z. Aufschnei- den geeignet) 44. ÖJ | Dienstag, 12. Januar, im üon;e- 5 buhl, Graudorn, 10 Uhr, Straße 3 Lich—Gießen, Waldeingang (am 5. «5 großen Teich) rm Scheitholz Buche 4*. 155, Eiche 19, Fichte 6; Knüppel 5 rr Buche 116, Eiche und Hartholz —. 114; Neisholz (Wellen) Buche — 2585, Eiche und Hartholz: 1600 x 53" (dabei gute Forstmellen!). Nutz- ,0 hol;: fm Schnittholz Eiche 4. u. A 3 5.: 9,02, Buche 4.: 1,95, Esche 3. ™ g u. 4.: 2,48; Wagnerholz Eiche s£> 12,52 (dabei Deichseln). Esche 1,21, 3 J5* Ahorn 0,14, Birke 0,13, rm Gar- £> tenpfosten Eiche: 28, Schichthau- — fen Fichte 22. 3 Mittwoch, 13. Januar, im Lange- S*> 1 berg, 10 Uhr, Straße Nieder-Bes- 1 singen—Langsdorf: rm Scheitholz 2 Buche 3, Knüppel Buche 30, Eiche u. Hartholz 22, Fichte 10, Knüp- 'X pelreiser Eiche 70; Reisholz (Wel- 3 len) Buche 710, Eiche 110; Nutz- -Ä hol;: 2 Lindestämmchen 2., 37 -8^ "e Fichtederbstangen III., 25 rm ** 3 Fichte-Schichthaufen. «• Fürst zu Solms-Lichfche Forst- 3 Ff Verwaltung. Wissenschaftliche Werke Sondergebiet oer Brühl’schen Druckerei | Damenschneiderei Anfertigung nach Maß und Umänderung auf moderneForm.Pelzjäckchen aus altem Pelz oder Imitation. KURSE 4. Januar Beginn der Kurse für junge Mädchen in Znschneiden, Anproben, Abändern, Fertigmachen. — Ferner zeitgemäß: 2 Nachmittagkurse für Damen jeden Alters, welche ihre Kleidung selbst richten, zu Hause Weiterarbeiten und mit wenig Geld modern angezogen sind. Beste Erfolge. Kursdauer nach Eigenbedarf. Auskunft u. Anmeldung jederzeit! Auch Abendkurse! Marie Sack, Goethestraße 311 45D Bekanntmachung. Betr.r Fleischverbilligung für die hilfsbedürftige Bevölkerung. Alle Fleischverkäufer in Gießen werden hiermit aufgefordert, die von ihnen für abgegebenes Frischfleisch in Zahlung genommenen Abschnitte 1 und 2 der Reichs- bezugsscheine bis spätestens 5. Januar 1932 dem Wohlfahrtsamt, Gartenstraße 2, mit zweifacher Rechnung einzureichen. Verspätet eingehende Rechnungen bzw. Bezugsschein-Abschnitte dürfen nicht mehr vergütet werden. . 17D Gießen, den 31. Dezember 1931. Bürgermeisterei Gießen (Wohlfahrtsamts Die erste Brenn- und Nutzholzversteigerung im Licher Stadtwalde. In dem Distrikt Großheuserberg (Adil. Dachsbau und Wartberg) werden nach vorheriger Zusammenkunft am Waldeingang der Provinzialstraße Nieder-Bessin- gen — Langsdorf am Donnerstag, dem 7. Januar 1932, vormittags 10 Uhr, versteigert: 8903V Scheller rm: Buche 560, Eiche 12, Hainbuche 5. Knüppel rm: Buche 117, Eiche 15, Hainbuche 5. Reisig wellen: Buche 3915. Stöcke rm: Buche 43. Stämme: Eiche 1. und 2. Klasse 6 Stüch 1,09 fm; Hainbuche 2.Klasse 2 Stück, 0,32 fm. Ruhscheiler rm: Eiche 7. Günstige Zahlungsbedingungen. Lich, den 21. Dezember 1931. Hessische Bürgermeisterei Lich, Gell. Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Nr.l Drittes Blatt Samstag, 2, Zonuar M2 Nachdruck verboten. 6. Fortsetzung rosiges Ohr, das mit einer kostbaren Perle geschmückt war: t . dann wird unser Glück vollkommen seinl eine glänzende Zukunst sicherte und dessen gewinnbringende Riesengeschäfte sie teilte. Die drängende QEä ne st mme am anderen Ende der Leitung hatte geendet. Mit ihrem bezauberndsten Schmelz in der Stimme antwortete nun Dolores: „Verlasse dich ganz auf mich. Liebster. Ich werde bald genug «inen triftigen Grund finden, um diesen Grafen ganz beiseitezuschieben. Roch kann ich es nicht, weil sein Einfluh hier zu groß ist. Er könnte meiner Karriere hier schaden. Wie du weiht, brauche ich es für unsere süd- amerikanische Tournee, dah die mahgebenden Kreise, zu denen Hans Egon die besten Beziehungen hat, meine Kunst schätzen. Du bist ja klug genug, um Geschäftsinteressen über persönliche Ge'ühle zu stellen. 3m übrigen hast du mir noch gar nicht verraten. was für eine Summe du dem Kunsthändler Sriffarb für das Rauensteinsche Bild gegeben hast? Wir müssen uns darüber genau verständigen. denn Frissard ist ein geriebener Bursche: man muh ihm auf die Finger sehen. Ich denke, dah wir das Bild sicher nach Amerika weiterbringen. 3m übrigen ist ja nicht nur das Bild für uns wertvoll, sondern auch sein Rahmen mit den eigenartigen Vertiefungen erscheint mir besonders geeignet für unsere Zwecke, über die wir ja telephonisch nicht weiter sprechen wollen." Ein rauher Vovembersturm fegte durch die öden, engen Gassen der Vorstadt, rüttelte an den losen Fe sterläden, w rb lle die l tzten verlorenen Blätter der alten Buchen vor das Kirchenportal der alten Katharinenkirche, die düster den Kreuzgang des alten Klosters überdunkelte. Aermliche Gestalten huschten fröstelnd in die kleinen, muffigen Läden, die in die schiefen, baufälligen Häuser hineingebaut waren. Ein dunstiger Geruch von Teer, Heringen, schalem Bier zog sich, schwadengleich. über die Gasse, in die jetzt eine Frauengestalt einbog. deren einfache, aber vornehme Kleidung durchaus nicht in dieses jämmerliche Viertel der Armut zu passen schien. Es war Birgit S:bellus. Sre befand sich auf dem Wege zur Familie eines armen Schiffers, der bei dem letzten furchtbaren Sturm umgekommen, bei einem Sturm, dem viele Schiffe zum Opfer gefallen waren. Eine kranke Frau und sechs Kinder hatte der Lin glückliche in Elend und Sorge zurückgelassen. Der Wohlfahttsverein der Stadt, in dessen Vorstand Konsul Sibelius Sitz und Stimme hatte, wollte sich dieser Familie in ganz besonderer Art annehmen. Birgit, deren Herz jetzt tn Liebe und Gluck überquoll, hatte der Erzählung des geliebten Vaters über das LInglück der armen Verlassenen mit doppelter Bewegung gelauscht. Klar hatte „Du btst nicht nur schön, Geliebte, du bist auch klug. Du bist die erste Frau, die in solchem Fall keine albernen Szenen macht, sondern die Harle Votwenüigkeit des Lebens einsieht. Was ich für dich tun konnte, habe ich bereits heute abend getan. Ich habe mich mit dem reichsten Mädchen des Kreises verlobt." „Wer ist es?" fragte Dolores, und sah ihn forschend an. ..Birgit Sibelius." Sie atmete erleichtert auf. „Ach, dies blasse, unscheinbare Geschöpschen? Ich kenne sie. Die wird mir keine Konkurrenz machen! In sie wirst du dich nicht verlieben! Oder doch?" Sie fahte ihn bei den Handgelenken und sah ihn aus flammenden Augen an. „Wie kann eine Dolores del Fonza daran zweifeln, dah sie über alle Frauen siegt, nicht nur über solch ein kleines, bescheidenes Gänseblümchen? Glaube mir, dah es n ir reich'ih schwerfällt, diesem schwärmerischen Dacksischchen meine Liebe zu beteuern; aber es muh sein, alles kommt jetzt darauf an, ihr diesen Glauben an meine Liebe zu erhallen. Wir werden uns da ein bestimmtes Programm ausdenken müssen." „Ich verstehe", sagte Dolores. „W:r müssen bis zu deiner Heirat offiziell unsere Beziehungen lösen." . Er rih sie mit erneuter Glut rn seine Arme. „Du hast ja so recht, meine Dolores! Aber wie soll ich eine Trennung von dir ertragen? Wie hier in dieser Stadt umhergehen und wissen, dah wenige Minuten von mir entfernt du weilst, dah du meinen Küssen, meinen Zärtlichkeiten, meiner Liebe so nahe und doch unerreichbar b:st? Du bist klug; aber du bist auch grausam, meine Dolores." Sie lächelle mit gespielter Wehmut. „Glaube nicht, dah es mir leichter wird. Geliebter. Aber wir müssen uns vor dem Schicksal beugen. Es kommt uns insofern zu Hllfe, als ich für einige Wochen ein sehr vorteilhaftes Gastspielangebot nach Stockholm habe. Wahrscheinlich wird sich noch eine Tournee nach Paris an- schliehen, so dah ich einige Wochen fern von dieser Stadt sein werde. In diesen Wochen wirst du geheiratet haben, und wenn ich wiederkonnne, dann ..." Er unterbrach sie und flüsterte heih in ihr Beim Morgengrauen, noch ehe das Leben der Hafenstadt erwacht war. ging Hans Egon leise und vorsichtig aus dem Hause der schönen Tänzerin. Viemand sah ihn, als er schnellen Schrittes dem Hotel „Zu den drei Kränzen" zuschritt, in dem er ständig ein Zimmer belegt hatte. Dolores aber schlief fest und traumlos bis in den späten, graudämmernden Vormittag hinein. Als sie erwachte, griff sie nach dem Telephon an ihrem Bett und lieh sich verbinden. Als sie die mihtönende Männerstimme des Bankiers Eriesen vom anderen Ende der Leitung hörte, wie sie entzückt und zärtlich ihren Vamen rief, verzog sich ihr schönes, cbenmähiges Gesicht zu einer Grimasse des Abscheus. Aber ihre Stimme Rang süh und schmelzend, als sie jetzt sagte: „Zürnst du mir. Liebster, dah ich dich gestern abend so jäh hinaustreiben muhte, weil dieser fade Lasse. der mich mit seinen Anträgen verfolgt, plötzlich vor meinem Hause erschien? Ich konnte nicht anders handeln, wenn ich dich vor einer Attacke dieses eifersüchtigen Barren bewahren wollte. Aber es wird das letzte Mal gewesen sein. Wie dankbar bin ich dir. dah du mir das Engagement nach Steckholm vermittelt hast. Was für herrliche Stunden werden wir dort verleben, und ich werde dich für alle Hnb.ll, die du meinetwegen erlitten hast, reichlich entschädigen." , _, . Dolores del Fonza lehnte sich mit befriedigtem Ausdruck in die spihenbesetzten Kissen zurück, kuschelte ihren schönen, dunklen Kopf tiefer in die weichen Daunen und hörte belustigt, was der Bankier ihr jetzt in glühenden Worten beteuerte welche Bilder von Luxus. Vergnügen, Reisen und Geschenken er vor chrem geistigen Auge entrollte. Diesem Ericsen war nichts zu teuer, nichts zu kostbar, wenn es galt, sie zu gewinnen. Das gleiche war auch der Fall bei Hans Egon. »Hbcr dieser konnte ihr, auher seiner glänzenden Per- sönlichkell. nicht diel bieten. Die Schätze, die er heimlich aus dem allen Echloh für sie entwendet hatte, muhten bald genug zu End« gehen Richt umsonst hatte sie ihre geheimen ^lfer die sie über alles unterrichteten, was im Schl oh Tannenaue vorging. Lind ob die Geldmittel, die Hans Egon durch die Heirat mit diesem blonden Gänschen zufallen mochten, wirklich immer unbeschrankt zu seiner und ihrer, Dolores. Verfügung sein würden, auch das war noch keineswegs sicher. Es war also jedenfalls richtiger sich auher- dem noch an den allen, dicken, hählichen Encsen zu hallen, der skrupellos alles für sie heran- schafft«, was sie wünschte, dessen Vermögen ihr Ich hab dir verzieh«! Vornan von Elotilde von Etegniann« Stein. Copyright by Martin Feuchtwange r. Halle. aus dem bloßen Reflektieren über die Dinge etwaS wie ein Schauen werden zu lasien Oben, auf dem Dvrobudur, wollte ich an Asien denken. Der Stein, an den ich lehnte — er war noch warm von der langen Tagesglut — war der Rand eines der gigantischen Lotusblätter, aus denen die Spitze des Dvrobudur in die Höhe steigt. „O du Kleinod im Lotus!" — ist der Gebets ruf der Buddhisten. Bleich standen im Mondsicht die Silhouetten der Vullane gegen den Himmel, und vom Gipfel des Merapi wies, einem dünnen Silbergespinst gleich, die Rauchfahne. Dort, wo der Rauch des Merapi hinzeigt, liegt China, siegt Iapan, und dort, nicht in Insu» linde, wird das Schicksal des Fernen Ostens gesponnen. In Batavia fragte ich einmal einen hochgebildeten Malaien, wie er sich die Zukunft von Indonesien wohl denke. »Batürlich als ein freies Indonesien" — und mit einer gewissen Besinnung fügte er hinzu: .Aber nicht durch Revolutton, sondern durch Evolution". 3n- sulinde ist nicht Indien, es gibt hier keinen Gandhi, und eS braucht hier keinen zu geben, weil es die Liebel hier nicht gibt, die in Dritisch- Jndien die Lage so verschärfen. Auf dem steinernen Lotus im Herzen von 3nfu- Deutsches Volk um die Jahreswende. Don Or. Otto Geßler, ehem. Reichswehrminister, Dors. d. Deieins f. d. Deutschtum im Ausland. sie aus seinem Bericht erkannt, dah hier Almosen allein das Elend nicht würden beseittgen können, dah daneben seelischer Zuspruch und Aufrichtung durch den Trost der Arbeit am Platze war. So hatte sie sich ausgedacht, dah man vielleicht eine der gröheren Töchter zur Ausbildung zu sich ins Haus nehmen, der Mutter Bäharbeit und Aushilfsstellen besorgen könnte. Für das leiblich geistige Wohl der Kleinsten würde man durch Unterbringung in dem Kinderhort sorgen können, in dem sie, Birgit, selbst tätig war. So ging sie, das Herz warm im Vorgefühl der Freude, die chr zu bringen vergönnt war, durch die schlecht erleuchteten ©traften. Sie überquerte gerade di« Seilergasse, als sich aus der kleinen Schifferkneipe an der Ecke eine taumelnde Gestalt auf Birgit zu bewegte. Widerlicher Schnapsdunst entströmte der torkelnden Figur eines Schiffers, der in grölenden Lauten ein unflätiges Lied in die dunkle Winternacht hinaus- brültte, während er mit ausgebreiteten Armen auf das entsetzt zurückweichende, junge Mädchen zutaumelte. Birgit sah sich mit weit geöffneten, angstvollen Augen um. Well und breit war kein Mensch zu sehen. Sie wolle sich abwenden, aber schon war der Linhold dicht an ihrer Seite und streckte seine riesige Tatze verlangend nach der zarten Gestall aus. Ein Schrei gellte von Birgits erblaftten Lippen, ein Schrei, der von dem Betrunkenen nur mit einem rohen Gelächter erwidert wurde. „Tu doch nicht so zimperlich. Täubchen", lallte der Betrunkene. „Warum läufst du hier im Dunkeln herum, wenn du nicht auf einen Mann wartest? Din ich nicht vielleicht «in ebenso seiner Kerl wie dein Freund? Ich habe die Heuer für einen ganzen Monat in der Tasche? — Komm nur mit! Ich kann auch für ein so feines Täubchen, wie du eins bist, bezahlen." Schon hatte er den Arm um die vor Schreck fast Ohnmächtige gelegt, als «in «iliger, fester Schritt hinter ihnen erklang. „Weg da?" ertönte eine herrische, befehlsgewohnte Stimme. Mit einem geübten Boxhieb ftieft eine nervige Hand den Trunkenbold zurück. Dirgll fiel kraftlos in die Arm« eines hoch- gewachsenen Mannes, während sich der Betrunkene murrend und mit geducktem Kopf entfernte. Das Licht der Gaslaterne siel auf DirgitS zartes, schneeweißes Gesicht, das mit geschlossenen Obigen an der breiten Brust ihres Retters ruhte. Aus dem dunllen Pelzkragen ihres Mantels schimmerte das helle Oval ihrer schmalen Zuge in rührender Kindlichkeit. Linker dem kleinen, schwarzen Hütchen drängte sich das weiche, siwer- blonde Haar hervor und umwob das zarte Antlitz mit einem Strahlenschein. (Forts, folgt.) lind« dachte ich an die Stund« auf dem 5)immelA- altar in Peking, und an die andere, bei den Gräbern, der dreiundvierzig Ronin in Tokio. Iener Altar und diese Gräber sind mir Symbol und Wegweiser für China und für Iapan. Ich weist nicht, was mir das Ganges- und Indusland noch für Eindrücke bringen wird. Aber sollte es in Indien etwas Aehnliches zu erleben geben, wie das Gefühl so uralter, in der Tiefe schlummernder geistiger Kräfte, wie in China (die .moderne" Pfuscharbeit am Sun-Bat-sen-Mausoleum und der politische Iugendstil Rankings sind keine Argumente dagegen), und wie das Gefühl geballter nationaler Energie in Iapan? Chinas wirkliche Kraft ist noch latent, ba8 chinesische Volkstum muß erst noch durch seine wirklich« Krise hindurch, und nichts ist sicherer, als daß es sie bestehen wird. Iapan ist ganz und gar aktive Gegenwart, und auf die Länge der Zeit gesehen fragt eS sich wohl, welches Voll seinen Atem wird mehr aus der Tiefe holen können. Chinesen oder Japaner. Aber auf diese Frage. — die Frage deS Osten« — gab mir auch die Mondnacht auf dem Borobudur keine Antwort. Und nun geht es in die andere Welt, westlich von Singapore! Die Ereignisse des Krieges und der Bachkriegszeit haben die Schicksalseinheit des deutschen Cesamtvolkes wenigstens nach einer negativen Seite hin erwiesen: In der Gemeinsamkeit der Bedrohung sämtlicher Gruppen unterer Batton drinnen und draußen durch einen entschlossenen und starken Gegenwillen fast aller Völker, die überhaupt in räumlicher Fühlung mit dem deutschen Menschen stehen. Wenn trotzdem die anderen Döllem bewußt gewordene Einheit eines nationalen Gesamtwillens bei uns noch argen Hemmungen unterliegt, so dürfen wir doch erfreuliche Fortschritte buchen. Es ist als Ergebnis des Krieges und seiner Auswirkungen wirklich so etwas wie ein geläutertes Volksgefühl im Werden, das sein Denken und Fühlen über das deutsche Gesamtschicksal hin erweitert hat. Die territoriale Verengung des deutschen Kern- ftaates hat die Bewohner gezwungen, den Blick über d i e neuen Grenzen hinüber zu richten. Dort sehen wir zunächst Deutsche, die durch künstliche und ungerechte Grenzwände vom Reiche abgetrennt sind, dann aber auch im weiteren Felde alle die Deutschen, die zum Teil niemals irgendwie in einem deutschen Staatsgebiete gelebt haben und niemals daran denken können, in ein deutsches Staatswesen einbezogen zu werden. Und so mußte sich besonders in der für neue Betrachtungsweisen empfänglichen Jugend das Bewußtsein nicht nur einer gemeinsamen Bedrohung, sondern auch einer gemeinsamen Berufung in Abwehr und gegenseitiger tätiger Verbundenheit durchsetzen. Es bedürfte heute gar nicht mehr der in den Apparat der amtlichen Politik eingefügten Minderheitenbestimmungen und ihrer in regelmäßigen Abständen umtämpften Anwendung bzw. Nichtanwendung, um unserem Volke wieder in Erinnerung zu rufen, daß deutsches Schicksal sich nicht nur in Berlin, München ober Köln oder Königsberg entscheidet, sondern ebenso in Eupen und Memel, in Tandem und Bozen, in Straßburg, Hermannstadt oder Windhuk und Blumenau. Es ist heute nicht mehr so, daß „das Ausland- d e u t s ch t u m" nun etwa «in Ding an sich ist, das man irgendwie „betreut", gar nicht davon zu reden, Insulinde. politische Eindrücke von einer Weltreise. Don Dr. Paul Rohrbach. Bin taug, tat Dezember 1931. Acht Seemeilen die Stund« ist wenig, aber S u m a t r a ist auch ein langes Ende! Vorgestern bei Singapore hatten wir schon bald die Hälfte, und bis heute abend ist immer noch ein Stück übrig. Iava würde von München bis Königs- berg reichen, aber Sumatra beinahe von München bis Moskau. Lind dann kommen noch Borneo, Celebes, Dali, Lombok, die Molukken, und danach halb Neuguinea, und das alles erst ist daS holländische Insel-Indien, Insul in de". Das H«z von Insulinde ist Iava, mit über 40 Millionen Einwohnern. Schon der antue Geograph Ptolemäus kannte es als Iabadin", d. h. die Gersteninsel. Gemeint war damit sicher der Reis, dessen reise Aehren denen der Gerste sehr ähnlich sehen. Ptolemäus verdankte sein Wisien arabischen Kaufleuten, und die Araber kannten zunächst keinen Reis. Hm jene Zeit — bald nach Beginn unserer Aerä — geschah eine große Erweiterung des geographischen Wissens nach Osten, bis nach dem südlichen China, denn durch die arabischen Seefahrer wurde das grafte meteorologische Gesetz des Monsun- wechsriS über dem Indischen Ozean bekannt. Im Sommer führt der Südwestmonsun die Segler vom Roten Meer nach Indien und noch weiter nach Osten; im Winter führt der Bordostmonsun sie wieder zurück. Das eine Mal steigt über dem Festland von Asien die erhitzte Lust in die Höhe, und ein feuchter Luststrom weht vom Indischen Ozean gegen das Land; das andere Mal fließt die schwere kalte Winterluft vom Kontinent gegen das Meer ab. Dieser Wechsel ermöglicht eine regelmäßige Schiffahrt. Man lieft in den chinesischen Annalen im 2. Iahrhundert n. Ehr., es sei eine Gesandtschast deS römischen Kaisers An-Tun nach China gekommen. An-Tun ist natürlich Antoninus Pius: die Gesandten werden Kaufleute aus Alexandrien oder dem römischen Arabien gewesen sein, die mit dem Monsun zu segeln wagten. Ietzt kränkt der Südwestmonsun mit seinem hohen rauhen Seegang zwischen Aden und Bombay oder Colombo höchstens den seekranken Kabinenpassagier in einem unserer schwimmenden Hotels. ~ „ Schon Ptolemäus nennt Iava »die aller- fruchtbarste Insel". Sie trägt heute über 300 Menschen auf dem Quadrallilometer, soviel wie das industrielle Sachsen. Alles' lebt vom Reis. Davon habe ich einen Begriff bekommen, als ich vor einer Woche von Batavia nach Dandoeng flog. Soweit landeinwärts das Flachland sich ausdehnt, war alles weit und breit Reisland, leicht erkennbar an den niedrigen Wällen, die jede noch so kleine, im Biveau von ihrer Bach- barschaft unterschiedene Parzelle einfassen. Reis muß während eines großen Teils seines Wachstums im Wasser stehen, und auf jedem Stückchen Reisland muß das Wasser gestaut werden können. So reiche Ernten gut bewässerter ReiS auch gibt, so zwingt doch die große Menschenzahl, außerhalb der Ebenen mit den Reisterrassen hoch an den Talhängen im Gebirge hinaufzugehen. Oft ist solch eine Terrasse kaum so breit wie ein Gartenbeet und gewunden wie eine Schlange. Unmittelbar über ihr folgt die nächste, immer eine von der anderen durch einen kleinen Wall geschieden. Als ich im Flugzeug sah und auf diese zahllosen Stücke und Stückchen Reisland wie auf ein Meßtischblatt herabsah, als ich mir ins Bewußtsein rief, dah so ganz Iava aussieht, wo die Dodengestalt es nur irgend erlaubt, so Siam. so Birma, so Südchina, so Luzon, so das südliche Iapan, als ich an die Arbeit dachte, diese Mil- siarden von Parzellen zu planieren, zu umgrenzen, daS Wasser über sie zu leiten, und dah jedes einzelne Reispflänzchen mit der Hand aus einem Saatstück herauSgezogen und in das Land um» gepflanzt werden muh, wo es reifen soll. — 5a kam mir eine Frage, die beängstigender war, alS geleg entlieft in einer Kurve die Seitenlage des Flugzeugs, oder der Ruck beim Absacken in ein Luftloch. Der Mann am Steuer war sicher und hatte seine Maschine in der Gewalt — aber wer hat das rasende Tempo derDolks- vermehrung in der Gewalt, das tn den regen- getränften Monsunländern Asiens eingesetzt hat, seit sie dem europäischen Einfluß unterliegen? Ich habe in Iava einmal mit einem Arzt und einer Aerztin eine Fahrt auf die Dörfer gemacht und habe mir zeigen lassen, welch ein Maß gewissenhafter Gesundheitspflege von der holländischen Verwaltung für das javanische Volk aufgewendet wird. Ich habe mich überzeugt, dah ein braunes javanjsches Dvrfschulkind mehr und erfolgreicher gesundheitlichen Hnterricht bekommt, als die Insassen eines deutschen Gymnasiums. Ich habe mir von dem Doktor die Gesundheitskarte seines Bezirks zeigen lassen, wo nach den wöchentlichen (!) Rapporten der eingeborenen Dorfvorsteher die Malariaziffer, die Influenzaziffer, die Dysenteriezisfer mit einem bestimmten Farbenton eingetragen wird. Dunkelt der Ton auffallend, so steigt der Doktor in fein Auto und sieht nach dem Rechten. Dies ist nicht das einzige Glanz- stück der holländischen Verwaltung in Insulinde. Ich denke, sie ist die beste K o l o n i a l Verwaltung. die es heute (unsere eigenen kolonialen Leistungen sind mir wohl im Gedächtnis, ich habe selbst mitgearbeitet in unseren Kolonien) auf der Welt gibt. Ihre Wirkung aber ist, daß sie die Menschenzahl in einem Tempo wachsen läßt, das diese Länder nie, nie vorher gekannt ftaben. Meine letzte Tour auf Iava war von Semarang, einem Hafen an der Bordküste, ins Innere, in das Gebiet der abhängigen eingeborenen Fürstentümer von Mitteljava. Hier steigt die Volksdichte bis zu 500 Seelen auf den Quadratkilometer. Ich interessierte mich nicht für die Basare und nicht für die Kratons, hinter deren Mauern diese Schattensultane Hof halten, wohl aber für die 100 Kilometer lückenlos bebautes, bewohntes, grp'legtes Land, voll von Dörfern, jedes w i m- m e l n 0 von Kindern, wie ich es in Iapan auf der Fahrt von Tokio nach Bikko, in China in den Dörfern von Schantung, auf Luzon während der Fährt durch das Tiefland binnenwärts von Manila gesehen hatte. Diese Kinder sind d a S kommende Asien! Mitten in Zentraljava steht ein mehr als tausend Iahre alles Bauwerk, eine buddhistische Sttipa von gigantischem Ausmaß: der Borobudur. Unten ist er ein Quadrat von 150 Meter Seitenlänge. Darauf erheben sich drei polygonale und noch höher hinauf drei runde Terrassen mit einem spitzen Aufsatz, einer Dagoba, in der wahrscheinlich eine Duddhareliquie verborgen liegt; man weiß es nicht mehr, denn seit über 400 Iähren herrscht hier der Islam. Bur die alten Tempelbauten zeugen davon, daß Iava, bevor arabische Eroberer es islamisierten, ein Jahrtausend lang Schiwa und Buddha gedient hat. Auf den Terassenwänden des Borobudur ist Buddhas Leben in einem Reliefband von mehr als tausend Figuren geschildert. Ich stieg in einer Mondnacht — zu enwahrscheinsich, zu phantastisch, um sie zu schildern, — mit Freunden durch alle Tore, über die Treppen und Umgänge, bis zur Spitze. Don Iugend auf habe ich mir die Plätze gesucht, wo das Werk von Menschenhand mit der Geschichte und der Landschaft in Eins wirkten, um daß es überhaupt nicht vorhanden wäre für den Großteil des Volles, wie es in der Vorkriegszeit der Fall war. Wir schleppen zwar im Sprachgebrauch des Tages, der Presse, ja der Gesetzesbestimmungen und leider auch unserem staatlichen Grur ogesetze, der Verfassung („Das deutsche Voll aeeinigt in seinen Stämmen gibt sich diese Verfassung"!!), die Ueberbleibsel einer staatsmäßig verengten Anschauungsweise mit uns herum, wir geben uns auch keiner Täuschung darüber hin, daß die „Volksdeutsche" Gesinnung in den breiteren Schichten das Trägheitsmoment der Gewöhnung längst noch nicht überwunden hat, aber trotzdem empfinden wir deutlich, daß dieser Wellumsturz der vergangenen achtzehn Jahre für uns Deutsche auch darin seinen Sinn gefunden hat, daß wir als Volk zu erwachen beginnen, indem wir uns nicht nur unserer vollen räumlichen und zahlenmäßigen, sondern auch unserer schicksalsbedingten Ausdehnung und Gemeinsamkeit bewußt werden. Wie die napoleonische Zeitspanne die letzten Heberreste des zersetzten alten Reichsgedankens beseitigte und im deutschen Volke den neuen nationalen Reichstraum als tieferes Ziel der Befreiung vom fremden Ioch erstehen lieft, wie ein Freiherr vom Stein die gedanllichen und staats- vrganisatorischen Grundlagen für diese Entwicklung legte, die heute ihrer letzten Verwirklichung harren, so bringt uns unsere Zeit die Forderung von einem nicht nur staatlich zusammengefaßten, sondern über Staatsgrenzen hinweg in gleicher Gesinnung der Abstimmung, Kultur und des Willens geeinten Volkes. Cs ist heute schon so, daß nicht nur die Aus- landdeutschen mit brennender Anteilnahme alle Vorgänge im Reiche verfolgen und den Gang der großen Politik ebenso wie ihr eigenes örtliches Leid im Spiegel der Lage des Kemvolkes sehen, sondern daß auch das Binnenvolk in Berlin oder Wien sich selbst getroffen fühlt; wenn in Eger oder Riga oder Meran deutsche Würde getreten wird. Große Kundgebungen wie DDA- Tagungen, Turnerseste, Säimerfeste sind heute selbstverständlich Volksdeutsche Kundgebungen. Cs ist gar nicht mehr darüber zu reden, daß z. B. dieGoethe - Ehrung des Iahres 9Jl.