Nr. 25 Z Erstes Blatt 182. Jahrgang Dienstag, 1. November 1932 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Dnitf und Verlag: vrühl'sch« Univerfiläis-Vnch- und Stelndruckerel R. Lange in Tietzen. Schrifileitung und Sefchäftstzelle: Lchul'gratze 7. Annahme von Lnze.gen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20",, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil i. V.TH.Kümmel sämtlich in Biegen. Erscheint täglich, anher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Biehener Familienblätter Heimat m Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. 8ernsprechcmfchlüfse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: $ronlfurt am Main 11686. 430 zu 20! Eine außenpolitische Lektion. Mit 430 gegen 20 Stimmen hat die französische Kammer dem Ministerpräsidenten Herriot ihr Vertrauen ausgesprochen! Eine Mehrheit, die noch überwältigender und — vom Politischen schlechthin her gesehen — vorbildlicher erscheint, wenn man nüchtern feststellt, was dieser Abstimmung vorausgegangen ist. Denn nicht einer unter diesen v.e.hundertdreihig Abgeordneten ist sich darüber im Zweifel, daß Herriots grohe Kammerrede eine groteske Spiegelfechterei darstellte, daß nicht eine der von ihm aufgestellten Forderungen verwirklicht werden kann und das; es sich lediglich nur um eine Propagandamahnahme zur Untermauerung der französischen Politik in Genf handelt. Frankreich ist — jede Heeres- statistik beweist es — heute die gewaltigste Militärmacht der Erde. Frankreich sieht diese militärische Vormachtstellung bedroht. Und Frankreich ist einig wenn es um Fragen der Wehrmacht und der äußeren Politik geht. Das ist in kurzen Worten die Lektion, die uns diese Abstimmung: 430 gegen 20, erteilt. Der französische Parteiapparat ist noch viel umständlicher und zerspaltener als der deutsche. Eine Anzahl von Parteien mit verwirrenden Vamen, deren Vegriffsinhalt sich längst nicht mehr mit dem Inhalt der von ihnen vertretenen Politik deckt, täuscht eine Vielfalt der Weltanschauungen vor, hinter der sich einzig und allein eine unterschiedliche Auffassung innenpolitischer Probleme und ein unaufhörliches Ringen um die Besetzung einfluh- und einkommensreicher Posten verbirgt. Wer könnte z. D. die wirklichen Wesensunterschiede zwischen Tardieu, der als Rationalist bezeichnet wird, und Herriot, der nach außen hin als demokratischer Sozialist firmiert, angeben? Was aber ist die tiefste Ursache, daß die Vielfalt der Parteien und der Gegensatz der Führergruppen im gleichen Augenblick einer geschloffenen Einheitsfront Platz macht, in dem sich Frankreich eingebildetermaßen oder tatsächlich bedroht sieht? Man hat sich in Deutschland in den letzten Jahren angewöhnt, etwas verächtlich von dem „Sicherheitsbedürfnis des französischen Rentiers" zu sprechen. Man nannte den offenkundigen französischen Militarismus einen Ausfluß eigentlicher Friedensliebe, ja des Pazifismus. „Frankreich ist militaristisch aus Pazifismus und Friedenssehnsucht!", so verkündeten es die in der „Friedensgesellschaft" und anderen pazifistischen Organisationen vereinigten geistigen Fremdenlegionäre Frankreichs auf deutschem Voden, welche die französischen und polnischen Kanonen bejubelten und die spärlichen deutschen Abwehrmittel verfluchten. Ganz so harmlos darf Frankreich und die Politik von Tardieu bis Laval auf keinen Fall gesehen werden. Denn Frankreich ist seit Rapoleon 1. kein loser Dolksverband mehr, sondern eine Ration, d. h. ein staatlich geschlossenes Volk mit einheitlicher Geschichte und dem Willen, diese Geschichte fortzusetzen. Die französische Devolution schien Europa geistig unterworfen zu haben. Die Friedensdiktate setzten dieser geistigen Unterwerfung die sichtbaren Hoheitszeichen auf. Das alte napoleonische Ziel, noch einmal auf St. Helena in die Worte gegossen: „3n ICO Jahren wird Europa französisch oder kosakisch sein!" schien erreicht, als Frankreich in Versailles, St. Germain, Reuillh, Trianon, Sevres triumphierte: Europas deutsche Mitte lag zusammengebrochen am Voden, ein Kranz französischer Vasallenstaaten umgab das ausgeblutete Deutschland von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer, Rußland schien auf Generationen aus Europa ausgeschaltet. Der französische Generalstab, Rollet, Weygand, Le Rond, Foch, Maginok — beherrschte die französische Politik, er kontrollierte die Vasallen im Osten, er dirigierte das französische Kapital, er verschaffte der französischen Rüstungsindustrie eine außerordentliche Cxpan- sionsmöglichkeit. Dies alles, von Versailles b:s heute, von der militärischen und wirtschastl:chen Knebelung Deutschlands 1919 bis zum Versuch, di« Knebelung im Jahre 1932 zu verewigen, entspricht nicht einem „rentierhasten" Sicherheits- bedürsnis, sondern ist nur die Fortsetzung der Politik, die mit Ludwigs XIV. Eroberungszügen begann, von Clemenceau brutal fortaefuhrt, von Vriand „paneuropäisch" vertarnt und heute von Herriot vertreten wird. Hinter dieser Politik aber steht nicht n- : das Sicherhcitsbedürfnis des französischen Volkes, das bei dem einzelnen Franzosen durchaus vorhanden sein mag, sondern steht der Staats- und Herrschaftswille der französischen Ration als einer geschichtlichen Wirklichkeit, vor der man in Deutschland nur allzu gerne die Augen schließt. Einem Scheingefecht, einem politischen Zwecktheater, einer Kette von utopischen Forderungen, einer Reihe von Beleidigungen Deutschlands, wie sie von Poincare und Clemenceau nicht besser erdacht sein könnten, einer Advokatenrede für die Zwangsordnung von Versailles, dem allen stimmen 430 Abgeordnete zu. Wahrhaftig, eine beschämende Lektion für die deutschen Parteien, die kürzlich im Auswärtigen Ausschuß der Regierung das Recht absprachen, wehrpolitische Forderungen auch nur zu erheben. Deutschland hat immer noch nicht gelernt, daß in Fragen der Außenpolitik und der Wehrmacht jede Regierung, wer auch immer an ihrer Spitze stehen mag, grundsätzlich im Flamen des ganzen Volkes spricht. Man stelle sich einmal vor, Tardieu, der Führer der französischen Rechten, veröffentliche jetzt in ausländischen Zeitungen Aufsätze, in denen er die Legitimation Herriots zur auswärtigen und wehrpolitischen Vertretung Frankreichs bestritte. Anmöglich! Oie Neuordnung in Preußen. Kabinett Braun und Ministerernennung. Berlin, 31. Ott. (DDZ.) Wie das DDZ.- Bureau meldet, nimmt man bei der preußischen Staatsregierung zu den Ernennungen im Reich folgende Stellung ein: „Die Ernennung von Reichsministern ist an sich Sache des Reiches, Preußen hat dabei lediglich im Rahmen des Reichsrates wegen der haushaltsmäßigen Unterlagen mitzusprechen. Die Ernennung ist nach der grundsätzlichen Auffassung der preußischen Staatsregierung deshalb überflüssig, weil die Verwaltung preußischer Angelegenheiten durch das Reich auf Grund des Art. 48 Aos. 2 RV. nach ihrer Ansicht nicht notwendig ist. Wenn sie aber für notwendig gehalten wird, kann die Beschränkung auf Preußen nicht gerechtfertigt wer- den. Die Bezeichnung der Kommissare als „R e i ch s m i n i st e r" ist immerhin zutreffender als die Bezeichnung als „Landesminister" oder „Landesregierung", die mit der Entscheidung des Staatsgerichtshofes nicht im Einklang steht. 3n der Ernennung vonPopitz wird man eine gewisse Abkehr der Reichsregierung von der bisherigen Beurteilung der früheren Finanzgebarung des Reiches zu er bilden haben, an der Herr Popitz, der Staatssekretär im Reichsfinanzministerium, bis Ende 1929 als maßgebender Facharbeiter mitgewirkt hat." Oie Vereidigung der neuen Heichsminister. Berlin. 31. Oft. (WTD.) Der Herr Reichspräsident hat heute die durch das Reichs- m.nistergesctz vorg schrieben« Vereidigung der neuernannten Re.chsminister ohne Geschäftsbereich, Dr.-Ing. h. c. Bracht und Dr. P o - Pitz, vorgenommen. Verfaffungsausschuß des Reichsrats einberufen. Berlin, 31. Ott. (VDZ.) Zur Vorbereitung der Wiederaufnahme der Reichsratsarbeiten hat der Reichsminister des Innern, wie das DDZ-Büro erfährt, den Reichsratsausschuß für Verfass um g und Geschäftsordnung auf Donnerstag, 3. Ro- vember, einberufen. In dieser Sitzung, die allerdings, wie alle Ausschußfitzungen des Reichsrates, vertraulich ist, dürfte auch bereits Gelegenheit sein, die schwebenden politischen Fragen zu besprechen. insbesondere die Differenzen zwischen dem Reichskommissar und der preußischen Regierung. Wie der CRB-Dienst erfährt, geht die Einberufung des Reichsratsausschusses auf den 3. Rovember auf eine Besprechung zurück, die heute fischen dem preußischen Ministerialdirektor Brecht und dem Reichsinnenminister Freiherrn v o n G a h l stattgesunden hat. Die alte preußische Staatsregierung hat sich damit einverstanden erklärt, daß vor den Wahlen nur d i e vertrauliche Sitzung des Ausschusses stattfindet, und daß es für die öffentliche Sitzung des Reichsrates bei einem Termin nach den Wahlen bleibt. Es sind übrigens Bemühungen im Gang?, Ministerialdirektor Brecht in der Stellung des Etatsre.erenten des Reichsrats zu erhalten. Außerdem hat Dr. Brecht heute noch mit dem Reichsminister Brach t verhandelt. Diese Besprechung e rstreckte sich aber nur auf technische und äußerliche Fragen der Arbeiten der alten Staatsregierung. Reichsminister popitz Übernimmt die Geschäfte. Berlin, 1. Noo. (WTB. Funkspruch.) Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat Reichs- In Deutschland ist es aber vorgekommen. Eine Reihe deutscher Parteien hat sich im Wahlkampf dieser Sünde gegen den Geist der Politik schuldig gemacht. Hoffentlich bleibt die Lektion, die uns der parteiüberlegene nationale Staalswille Frankreichs soeben erteilt hat, nicht ohne Rutzancoen- dung. Denn ein Parlament, daß es nicht fertigbringt, das Gezänk der Innenpolitik den nationalen Lebenserfordernissen der Außen- und Wehrpolitik unterzuordnen, stellt skch außerhalb der Ration, auch wenn es dem Buchstaben der Verfassung nach die Ration vertritt. Herriot in Madrid. Madrid, 31. Oft. (WTB.) Der französische Ministerpräsident Herriot ist heute vormittag hier eingetroffen. Herriot stattete alsbald dem Präsidenten der spanischen Republik Zamora seinen Besuch ab, der 20 Minuten dauerte. Er überreichte dem Präsidenten Zamora das Groß- kreuz der Ehrenlegion. Es folgte ein Besuch bei dem Präsidenten der spanischen Kammer B e - steiro und dem Ministerpräsidenten Aza na. Die Anterredung des französischen mit dem spanischen Ministerpräsidenten dauerte 112 (stunden. Besteiro erklärte nach dem Besuch Herriots den Vertretern der Presse, Herriot habe sich für die in Spanien akuten Fragen interessiert, namentlich für die Agrarreform. Herriot habe Minister Prof. Dr. Popitz in seiner Eigenschaft als Stellvertreter des Reichskommissars für das Land Preußen im Geschäftsbereich des Preußischen Finanzmini st eriums seine Amtsge - schäfte übernommen. In seiner Einführungsrede vor den Beamten, Angestellten und Arbeitern des Finanzministeriums führte Reichsminister Dr. Popitz aus, daß er nicht neu in das Preußische Finanzministerium komme, mit dem er durch langjährige Zusammenarbeit in der preußischen und Reichsverwaltung verbunden sei. Er verwies auf die großen Ausgaben der Gegenwart, die darin gipfeln, den Finanzen des Landes Preußen und der von ihr umschlossenen Gemeinden und Gemeindeverbände wieder eine feste Grundlage zu geben, so daß sie — nach einem Worte Marc Aurels — nicht aufrechterhalten werden, sondern aufrechtstehen. Staatssekretär Schleusener brachte den Dank für die Begrüßungsworte zum Ausdruck und versicherte, daß die Beamtenschaft des Finanzministeriums wie bisher unter Einsatz der besten Kräfte an den großen Ausgaben, die ihr gestellt seien, mitarbeiten werde. Morgen Beratung des Kabinetts Braun. Berlin, 1. Nov. (BDZ.) Wie das Nachrichtenbureau des BDZ. meldet, ist die für heute angesetzte Sitzung des Kabinetts Braun auf Mittwoch verschoben worden, weil einige Minister, die am Wahlkampf teilnehmen, nicht früher in Berlin sein können. In der morgigen Kabinettssitzung will sich die Regierung Braun darüber schlüssig werden, ob und welche Folgerungen sofort aus den neuen Maßnahmen desReichs- k o m m i s s a r s bzw. der Reichsregierung zu ziehen sind. In unterrichteten Kreisen glaubt man, daß sich das Kabinett von einer abermaligen A n - rufung des Staatsgerichtshofes im Augenblick nichts wesentliches verspricht, wobei eine neue Situation höchstens gegeben märe, wenn etwa Bayern oder ein anderes Land diesmal die Initiative ergriffe. Zu der Sitzung der Reichsratsausschüsse am Donnerstag dürfte das Kabinett, gestützt auf die Staatsgerichtshofentscheidung, seine Vertreter, nämlich die Ministerialdirektoren Dr. Brecht und Dr. Badt entsenden. Außerdem wird als weiterer preußischer hauptamtlicher Reichsratvertreter der Ministerialdirektor im Handelsministerium Coßmann entsandt, der sich, wie verlautet, gleichfalls allein an die Instruktionen der Staatsregierung hält. Preußischer Führer im Reichsrat bzw. in den Ausschüssen wird Ministerialdirektor Dr. Brecht fein. Die Staatsminister persönlich dürften an den Reichsratausschußoerhandlungen nicht teilnehmen. Absage der NSDAP. München, 31. Okt. (TU:) Die Nationalsoziast- stische Korrespondenz spricht im Zusammenhang mit der Neugestaltung Preußens davon, das wesentlichste sei, daß Preußen v e r r e i ch l ich t werde und das entscheidende dabei sei, daß die Art, wie es gemacht werde, verfassungswidrig sei. Es bestehe gar fein Zweifel, Herr v. Papen könne noch so viele tommiffarif v? preußische Minister ernennen, er könne noch so viele Reichsminister mit b* Führung der preußischen Geschäfte beauftragen, die Regierung Braun-Severing werde dadurch in ihrer Verfassung smä ßigen Existenz nicht berührt, jedenfalls solange nicht, als nicht die geschäftsführende und an sich zurück- getretene Regierung vom Preußischen Landtag durch eine neue, ordnungsgemäß gewählte Regierung ersetzt worden sei. Die neuen preußischen Minister von Papens Gnaden könnten also überhaupt erst dann als Landesregierung äuftreten, wenn sie das Vertrauen des Preußischen Landtags erhalten. Am Schluß des Artikels heißt es: Wir lehnen die Reichsreform des Herrn von Papen und ihren ersten Schritt dazu ab. Oer Wahlkampf. Eine Rede des bayerischen Ministerpräsidenten Stuttgart, 1. Nov. (CNB.) In zwei Zen- trumsversammlungen sprach am Montagabend der bayerische Ministerpräsident Dr. Hel d. Er wandte sich zunächst gegen Hugenberg, den er als den dösen Geist des deutschen Volkes bezeichnete und führte dann gegenüber den Plänen der Reichsregierung aus, er habe nicht die Ueberzeugung, daß diese Regierung f öd era list i sch eingestellt sei. Die Rede des Herrn von G a y l am letzten Freitag mit dem Lobe des Einheitsstaates habe ihn sehr stutzig gemacht. Der Ministerpräsident sprach dann von einem „merkwürdigen" Kampf Papens gegen die Parteien. „Haben denn'«, so fragte Dr. Held, „die Parteien den Krieg verloren, die Revolution angefangen, die Inflation nach Deutschland getragen?" Es müsse anerkannt werden, daß auch die Sozialdemokratie nach dem Kriege dem Staate in vielen Dingen sehr gute Hilfestellung geleistet habe. „Das sage ich", so betonte Dr. Held, „der ich es immer ab gelehnt habe, mit der Sozialdemokratie eine Koalition einzugehen. Das sage ich um der Wahrheit willen. Wer gegen das Parlament kämpft, kämpft gegen das Volk. Den Zustand, daß in Deutschland wieder eine Oligarchie herrscht, die dann auch wie früher den Katholizismus an die Wand drückt, können wir nicht herbeisehnen. Dr. Held sagte weiter, die vom Reichskabinett geplanten Reformen müsse er entschieden ablehnen. Der Reichsrat dürfe nicht zu einem Präsidialrat herabgedrückt werden, sondern müsse vielmehr die Rechte des alten Dundes- rats wieder erhalten. Die Bestellung und die Tätigkeit des Reichskommissars in Preußen halte er nach wie vor als nicht der Verfassung entsprechend. Entgegen dem Rat des Staatsgerichtshofes gehe die Reichsregierung gerade heute daran, ihren Willen in Preußen durchzudrücken, und zwar ohne die Einwilligung der Länder. Dieses Vorgehen bedeutet, so behauptete Dr. Held, das Ende des Rechtsstaates. Wer aber den Rechtsstandpunkt verlasse, müsse damit rechnen, daß er den stärksten Widerstand entgegengesetzt bekomme Die Tage seien so ernst wie kaum jemals seit 1918. Was man wolle, sei offenbar geworden, nämlich die V e r p r e u - ßung des Reiches. Die Maßnahmen in Preußen kehrten die Grundlagen der Reichsoerfassung völlig um. „Ich habe jetzt", sagte Dr. Held, „den Glauben an das Kabinett von Papen verloren. Ich muß bekennen, daß ich heute auf das Schwerste enttäuscht bin. Ls ist unmöglich, auch nur eine einzige Minute dazu stillzuschweigen, wenn ich meine Pflicht als bayerischer Ministerpräsident, als Anhänger verfassungsmäßigen Lebens erfüllen will, dann bin ich gezwungen, öffentlich gegen Paven aufzutreten und zum Kampf gegen feine Maßnahmen aufzufordern. Hier entscheidet allein unser Rechtsbewußtsein und das Lebensinteresse der deutschen Länder. Die Einstellung der Konservativen, die den Kanter mahnen, „doch nicht über juristische Zwirnsfäden zu stolpern", ist geradezu revolutionär. Gegen solche Aeußerungen einer gewissen Rechtspresse hätte der Reichsjustizminister längst einschreiten sollen." nur von allgemeiner Politik gesprochen und darauf bestanden, daß man seiner Reise keine geh« men Zwecke b ilegen mö te. Er wünsch ?, daß man seine Reise als »reunds gastlichen Besuch ausleg«, den die französisch« Republik der spanischen Republik schuldig sei. Kundgebungen gegen Herriot. London, 31. Oft. (511.) Wie Reuter meldet, wurde dem französischen Ministerpräsidenten Herriot in Madrid ein kühler Empfang Äuteil. Studenten und andere junge Leute zogen durch die Straßen mit den Rufen; „Tod für Herriot!", „Rieder mit Frankreich!", „Rieder mit dem Imperialismus! Wir wollen keine Kriege?" Polizisten mit Kraftwagen säuberten die Straßen. Oie Einladungen zur WeltwirtschastSkonferenz. Genf, 31. Oft. (WTB.) Das Dölkerbunds- sekretariat hat in diesen Tagen die Einladungen zur We l-tw ir t s ch a f t s k on f «r e nz , die in London voraussichtlich im Februar nächsten Jahres beginnen wird, an die Regierungen versandt. 3m ganzen find 67 Staaten aufgefordert worden, bevollmächtigte Vertreter zu entsenden. Darunter befinden sich 10 Staaten, di« dem Völkerbund nicht angehören. Ministerpräsident GömböS fährt nach CRom. Rom, 31. Oft. (WTB.) Der ungarische Ministerpräsident G ö m b ö s wird, wie die „Tribuna" meldet, in allernächster Zeit nach Rom kommen, um mit Mussolini zusammenzutreffen. Das (Blatt will wissen, daß der Besuch gegen Mitte Rovember stattfinden soll. 200000 englische Spinner im Streik. London, 31.Oft (511.; Der Spinnerstreik in der englischen Daumwollindustrie setzte am Montag in vollem Umfange ein. Fast sämtliche Spinnereien in Lancashire lagen still. Rund 200 000 Mann, fast 100 v. H. der der Spinnergewerkschaft angeschloffenen Textilarbeiter, beteiligen sich am Streik. Rur in einigen wenigen Betrieben, wo die alten Lohnsätze beibehalten wurden, ist die Arbeit wieder ausgenommen worden. Diese Betriebe wurden jedoch vom Arbeitgeberverband ausgefordert, der Solidarität halber ebenfalls stillzulegen. Vorläufig besteht keine Aussicht auf Beendigung des Streiks. Die gemeinsame Sitzung zwischen Fabrikanten und Spinnern in Manchester wurde am Montag ergebnislos vertagt. Das Arbeitsministerium, unter dessen Aussicht die Sitzung statt- sand, erklärt, augenblicklich keine weiteren Maßnahmen ergreifen zu wollen. Severmg spricht in Frankfurt. Frankfurt a. M, 1. Nov. (Lpd.) In einer riesigem Kundgebung der Eisernen Front in dem größten Saale Frankfurts sprach der Preußische Innenminister Dr. S e v e r i n g. Er wies darauf hin, daß er vor zwei Jahren auf der Fahrt zu einer Kundgebung nach Frankfurt erfahren habe, daß er zum Preußischen Innenminister ernannt worden sei, während ihn heute unterwegs die Kunde erreicht habe, daß er durch den früheren Essener Oberbürgermeister ersetzt worden wäre. Er lehne es ab, inr Einzelnen auf diese Vorgänge, sowie auf die Entscheidung des Staatsgerichtshofes einzugehen, da er erst die Stellungnahme seiner Kollegen abwarten wolle. Wenn sich die heutige Regierung als ein Kabinett der nationalen Konzentration bezeichne, so sei das abwegig, da in ihm die Vertreter der Bauern, Arbeiter und Angestellten fehlten. Papen sei der Garant dafür, dem Staat, den die SPD. in der Hauptsache geschaffen habe, den Wohlfahrtscharakter zu nehmen. Zwar wußte er, Seoering, sehr wohl, daß ein Staat sich in der Rot zur Decke strecken müsse, doch müsse es erbittern, wenn man diese Maßnahmen damit begründe, daß man dem Staat seinen Wohlfahrtscharakter nehmen wolle. Wenn man glaube, der Wirtschaft dadurch zu helfen, daß man Soziallasten und Löhne kürze, so zeige sich heute schon das Gegenteil, da jede Einkommensverschlechterung der breiten Dolks- massen eine Kaufkraftoerminderung mit sich bringe. » Bezüglich der Verfassu n g sreform er. klärte der Redner, daß neben der Rot des Leibes nun auch noch die der politischen Entrechtung des Volkes komme, auf die Dauer aber, so glaubte er Papen warnen zu müssen, sei mit Bajonetten ein Volk nicht zu regieren. Die Regierung möge den Dogen nicht überspannen. Die Hinden- burgwahl bereue er nicht, denn ohne Hindenburg sei ein 13. August nicht möglich ge. wesen. Wenn sich Papen aber dauernd auf Hm- denburg berufe, so sei ihm $u erklären, daß dieser nicht alle falschen politischen Maßnahmen decken könne. Sodann setzte sich der Redner mit dem Ratio- nalsozialismus auseinander, der an seiner Demagogie zugrunde gehen würde. Dem „neuen Demokraten Hitler" könne man aber erst recht keinen Glauben schenken. Die Rationalsozialisten seien nur zu gerne bereit, baldigst wieder in das echt faschistische Fahrwasser zu steuern. Auch die Deutschnationalen hätten nichts dazuge- lernt. Bezeichnend für sie sei es, daß sie in der heutigen Rotzeit wieder ihre monarchistischen Pläne erörterten. Am Schluß zog Dr. Sevemng eine bemerkenswerte Trennungslinie gegenüber den K o m m un i st e n, die bei ihrer gewissenlosen und demagogischen Kampfesweise keine geeigneten Bundesgenossen für eine Einheitsfront seien. Die wahre sozialistische Einheitsfront bestünde innerhalb der „Eisernen Front". Wie die SPD. in früheren Jahren mit den Spaltungen fertig geworden sei, so werde sie auch mit den Spaltungen im Jahre 1932 fertig werden. Gtaatsminister Dr. Schreiber in Stettin. Stettin, 1. Nov. (TU.) In einer Kundgebung der Deutschen Staatspartei sprach am Montag der preußische Staatsminister Dr. Schreiber. Bei der Wahl handle es sich einmal darum, ob das Volk sich seine Rechte und Freiheiten nech men lassen wolle, und zum anderen, ob wir durch eine folgerichtige Politik der W i r t s ch a f t s n o t und dem Arbeitslosenelend ein Ende bereiten, oder ob wir die Zukunft des Volkes durch abenteuerliche Experimente aufs Spiel setzen wollten. Bei der V e r f a s s u n g s r e f o r m handele es sich darum, das deutsche Volk durch Aenderung des Wahlrechts und Aufbau feiner politischen Vertretung so einzuschalten, daß seine starken Kräfte politisch voll wirksam werden könnten. Das Ziel müsse sein, die Schaffung einer auch dem Volk verantwortlichen Staatsführung und ihre Kontrolle durch dessen Vertretung. Die Beseitigung des Dualismus Preußen- Reich sei ein erstrebenswertes Ziel. Freilich seien die Methoden des Reichskanzlers unglücklich. Es wäre eine Erschütterung des Rechtsgefühls, wenn jemand den Spruch des Staatsgerichtshofes nicht feinem Wortlaut und seinem Geiste nach respektieren wollte. Der Rechtsgedanke müsse auch in der Wirtschaftspolitik stärker zur Geltung kommen. Zu begrüßen seien Maßnahmen der Regierung zur Ermutigung der Unterneh- m e r. Die Wirtschaft brauche zu ihrer Gesundung endlich politische Beruhigung. Die Kontingentierungspolitik der Reichsregierung könne die Kaufkraft des Volkes nicht heben. Es müsse alles geschehen, den Kredit zu verbilligen. Das Kardinalproblem bleibe aber die Ueberrvindung der Arbeitslosigkeit. Arbeitsbeschaffung im weitesten Sinne sei notwendig Der würtiembergische Staatspräsident zur Lage. Berlin, l.Rov. (ERB.) Die „Vossische Zeitung" veröffentlicht heute einen Artikel Les württembergischen Staatspräsidenten Dr. Bolz, der als erster auf der „Wahlkampftri- büne" des Blattes zu Worte kommt. Unter dieser Spitzmarke sollen führende Vertreter der Gruppen in dem Blatt Gelegenheit zur Meinungsäußerung haben, die sich „zur Verfassung als dem Grundgesetz der Ration" bekennen. Staatspräsident Dr.Bolz schreibt unter der Lieberschrift „Keine Experimente" u a.: Wer sich ernsthaft mit den politischen Aufgaben und ihren Lösungsmöglichkeiten befaßt, findet Gegebenes und Zwangsläufiges und wird bald zu der Erkenntnis kommen, daß alles Experimentieren mit dem sogenannten grundsätzlichen „Herumwerfen des Steuers" nicht helfen kann. Ruhe möchte das Volk finden. An diesem berechtigten Verlangen des Volkes versündigen sich diejenigen, die ohne zwingende Rot die Zahl und das Maß der Sorgen des deutschen Volkes vermehren. Auf einmal gibt es auch noch Der- fassungssorgen. Ls ist wahr, daß einige verfassungsbestimmun, gen änderungsbedürftig sind, das alles aber zu seiner Zeit. Daß man die Parteien nicht meistern kann, daß man auf dem Instrument des Parlaments nicht zu spielen versteht, ist noch kein Beweis für dringende Reformbedürftigkeit, höchstens für mangelnde persönliche Eignung, für schlechten Willen. Gegen unseren Willen sind die Verfassungsfragen mit in den Wahlkampf geworfen worden. Wir nehmen den Kampf auf. Wir hoffen, daß die Fragen der Verfassung, der Kampf um die Grundrechte des Volkes einen starken Antrieb zur Zusammenarbeit nach der Wahl bilden. Eine Rotgemeinschaft der Parteien ist die entscheidende politische Frage nach den Wahlen. Kommt sie nicht zustande, dann sind der Ver- fassungöbruch und die Diktatur unvermeidbar. Hitler spricht in Limburg. Limburg, 1. Rov. (LPD.) Adolf Hitler sprach heute abend in Limburg. Mindestens 15 000 Personen versammelten sich in dem auf dem Marktplatz errichteten Zelt. Landesinspektor Sprenger hielt zunächst eine längere Rede, in der er sich gegen das Bemühen des Reichskanzlers aussprach, die parlamentarischen Spielregeln nicht mehr in Anwendung zu bringen, nachdem die Rationalsozialisten ihren großen Sieg errungen haben. Rach altem politischen Brauch habe niemand anders als Adolf Hitler als Führer der stärksten Partei ein Anrecht darauf, mit der Regierungsbildung beauftragt zu werden. Mit Jubel begrüßt erschien kurz vor 22 Uhr Adolf Hitler in der Versammlung. Millionen Menschen, so erklärte er, sind in diesen Wochen immer wieder auf die Frage gestoßen, die auch mir so oft von Parteigenossen und bürgerlichen Politikern vorgelegt worden ist: „Herr Hitler, warum haben Sie am 13.August Nein gesagt?" Ich bin, so sagte Hitler, in den Zug der Regierung Papen nicht eingestiegen, weil ich nicht die Absicht hatte, hinterher wieder auszusteigen. Wenn die letzte große Hoffnung des deutschen Volkes einmal eingesetzt wird, dann muß dies wirklich des deutschen Volkes große und entscheidende Stunde sein. Seit 13 Jahren kämpfen die alten Parteien mit wirtschaftlichen Mitteln-gegen eine Saat, die eine völkisch-politische ist. Die Wirtschaft ist aber nicht der Ausgangspunkt, sondern das Ende der Katastrophe. Wenn man ein neues Reich aufbauen will, muß man das Volk wieder in Ordnung bringen. Man muß die deutschen Menschen wlede- durch Konfessionen und Gesellschaftsschichten zu einem einheitlichen Willen führen. Deshalb muß man von unten und nicht, wie die heutigen Staats- künftter, von oben zu bauen beginnen. Ich hatte das Glück, zu sehen, wie die Bewegung von sieben Mann auf 100 000be, auf 13,7 Millionen anwuchs. Wenn die Welt uns jetzt anders beurteilt, dann nicht deshalb, weil ein Mann erstanden ist, der o. Papen heißt, sondern weil diese Bewegung dem Volke ein neues Gesicht gegeben hat. Mein Wert liegt darin, daß ich dem deutschen Staate etwas mitbringe, was er verloren hat und was das Kostbarste für die Zukunft ist: Das Millionenvolk, das ich hineinschieben will in das Reich der Zukunft als feine tragenden Pfeiler. Hitler schloß mit den Worten: Aus Geist allein wird das deutsche Volk nicht geboren werden, sondern aus Mut, Tatkraft und einer glühenden Liebe. Aus aller Well. Goethe-Medaille für Professor Dr. Meinecke. Der Herr Reichspräsident hat dem bekannten Historiker Universitätsprofessor Dr. Friedrich Meinecke aus Anlaß des 70. G e b u r t s t a g e s feine Glückwünsche ausgesprochen und ihm die Goethe- Medaille für Wissenschaft und Kunst verliehen. Der Reichsminister des Innern hat dem Gelehrten die Auszeichnung mit einem besonderen Glückwunschschreiben übermittelt Goethe-Medaille für den französischen Schriftsteller Valery. Der deutsche Geschäftsträger in Paris, Botschaftsrat Dr. Forster, hat dem französischen Schriftsteller Paul Valery, Mitglied der Academie fran$aise, die Goethe-Medaille nebst Verleihungsurkunde überreicht. Inthronisation des neuen wiener Erzbischofs. Unter riesiger Beteiligung der katholischen Bevölkerung von Wien fand die feierliche Inthronisation des neuen Erzbischofs Dr. I n n i tz e r im Stefansdorn statt, wo sich der Bundespräsident, der Bundeskanzler mit den übrigen Mitgliedern der Regierung, das gesamte diplomatische Korps und andere hohe Würdenträger einge- sunden hatten. Der Erzbischof wurde vorher in feierlicher Prozession von der Augustinerkirche zum Stefansdom geleitet. In seiner Ansprache gedachte der Erzbischof Dr. Jnnitzer des dahingeschiode- nen Kardinals Piffl, dankte dem Hl. Vater und versprach, alle seine Kraft einzusetzen, um allen ohne Unterschied der Gesinnung in dieser Zeit schwerster Not in Liebe zu dienen. Die Ergebnisse der Arktisfahrt des „Graf Zeppelin". In der Zeit von Ende Oktober bis 13. November veranstaltet die Internationale Gesellschaft zur Erforschung der Arktis mit Luftfahrzeugen (Aero Arctik) in der Technischen Hochschule Charlotten- burg eine Ausstellung über b i e wissen- schaftlichen Ergebnisse der voriäh. rigen Arktisfahrt mit „Graf Zeppelin'. Sie wurde durch Dr. Eckener, dem Präsidenten der Aero Arctik, eröffnet. Dr. Eckener betonte, daß der Vorteil des Luftschiffes, sowie des Flugzeuges darin bestehe, daß sonst unzugängliche Gebiete erforscht werden könnten. Er wies hin auf die Luftaufnahmen der weiten Sumpfstrecken in Sibirien, die eine große Bereicherung der geographischen Kenntnisse gebracht hätten. Unter den Anwesenden bemerkte man u a Hauptrnan a D. Bruns, den Begründer und Generalsekretär der Aero Arctik und den Leningrader Professor Samojlowitsch. weitere Schneefälle im Schwarzwald. Die Schneefälle im Schwarzwald haben, wie aus Freiburg i. B. gemeldet wird, auch in den vergangenen Rächten angehalten und dauern auch jetzt noch fort. Er werden zwischen 1 und 4 GradKälte gemeldet. Eine geschlossene Schneedecke bedeckt die Höhen bis zu 800 Meter herab. Auf dem Feldberg hat die Schneedecke bereits eine Mächtigkeit von 30 Zentimeter erreicht. Mit weiterem Anhalten der Schneefälle ist zu rechnen. kommunistischer Uebersall auf Angehörige der Reichsmarine. Zwei Angehörige der Reichsmarine, die anläh- lich des Besuches der ersten Schnellboot-Halbflo- tille in Vegesack bei Bremen weilten, wurden nachts in Vegesack ohne irgendwelchen Anlaß von einer großen Anzahl von Kommunisten Überfällen. Dabei wurden die beiden Reichsmarineleute nicht unerheblich verletzt. Der Polizei gelang es, zwei der Täter, darunter den Haupträdelsführer, fest zunehmen. Die Voruntersuchung im Fall Hintze eröffnet. Während der Vernehmungsrichter beim Amtsgericht Charlottenburg den Bankier Hintze, den Gatten der Berliner Opernsängerin Gertrud Dindernagel, wegen versuchten Totschlags in ülntersuchungshaft nahm, hat jetzt der Llntersuchungsrichter beim Landgericht III auf Antrag der Staatsanwaltschaft die Worunter- suchung gegen Hintze wegen versuchten Mordes eröffnet. Das Befinden Gertrud Din- dernagels hat sich weiterhin gebessert, so daß eine ernstliche Lebensgefahr nicht mehr vorhanden ist. Drei Kinder verbrannt. In Altensteig (Oberamt Ragold) brach in einem als Armen-Wohnung aufgestellten Eisenbahnwagen, den seilt Jahren der erwerbslose Hilfsarbeiter Eugen Ottmar mit seiner Familie bewohnte, Feuer aus. Die Eltern waren abwesend und hatten ihre drei Kinder im Alter von 6, 21/, und P/e Jahren eingeschlossen. Das Feuer wurde von Leuten des Freiwilligen Arbeitsdienstes, die in der Rähe beschäftigt waren, bemerkt. Es wurden sofort Versuche zur Rettung der schreienden Kinder unternommen. Die Rauchentwicklung war jedoch so stark, daß ein Eindringen in die Rotwohnung unmöglich war. In wenigen Minuten brannte der Eisenbahnwagen nieder. Die drei Kinder wurden aus einem verbrannten Sofa zusammengekauert mit furchtbaren Brandwunden, teilweise verkohlt, tot aufgefunden. heftige Stürme in England und Frankreich. — Schiffe in Seenot. Am Sonntagabend erlebte England einen der heftigsten Stürme in diesem Jahr. Der Sturm hatte, wie amtlich festgestellt wurde, zeitweise eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 160 Stundenkilometer. Der Kanaldampfer „Maid of Kent“, der 126 Fahrgäste an Bord hatte, war den Wellen vollkommen preisgegeben und machte acht vergebliche Versuche, in den Hafen Deiner Hände Werk Cftoman von Klothilde von Stegniann'Stein. Copyright by Martin Feuchtwangrr, Halle (Saale) Nachdruck verboten. 4 Fortsetzung. „Ra, du hast es ja lange genug genossen, das Studentsein, Hans Egon", meinte er etwas anzüglich. Denn der Bruder hatte sich reichlich Zeit bis zu dem Reserendar gelassen, den er endlich beim zweiten Male mit Ach und Krach bestanden hatte. Hans Egon war gar nicht böse über diese kleine Spitze. Er war im Grunde genommen ein gutmütiger, nur hoffnungslos leichtsinniger Mensch. „Llze du mich ruhig, mein Junge", sagte er faul, „mir tut das gar nichts. Ich bin froh, daß ich mir mit dem Studium Zeit gelassen habe. Ra, Servus, du sehnst dich wohl schon nach deiner unvermeidlichen Werkstatt?" , „3a". sagte Kurt eilig, „vielleicht entschuldigst du mich bei Mama, wenn ich nicht zum Abendbrot komme: es find ja so viele Gäste da..." „Du wirst entschuldigt, mein Teurer , meinte Hans Egon phlegmatisch. „Ihr beide liebt euch ja nicht allzusehr, die Mama und du — und ihr habt ja in den Ferien noch genug Gelegenheit, euch in den Haaren zu liegen.' . Kurt mußte lachen. Er hatte den Stiefbruder ganz gern, der nach dem Grundsatz „Leben und leben las en" handelte. Rur freilich, daß diese Lebensau fassung dem Geldbeutel des Vaters Diel kostete. O t klagte der Vater über die übergroßen Ansprüche, die Hans Egon sowie die beiden Damen an ihn stellten. Aber immer war er zu schwach, um einmal ein energisches Wort zu sprechen. Ta war man schon wieder bei der Frage, die einem das Herz beschwerte: Warum der Vater gerade diese Frau als seine zweite Gattin in sein Haus geführt. Unmutig schüttelte Kurt den Kopf, er kam doch zu keinem Resultat — es war besser, nicht daran zudenken. Schnell lief er hinauf in sein Zimmer. Karl, der Diener, hatte schon seinen Koffer ausgepackt. Die Bücher standen geordnet auf dem Bücherbord, die Anzüge hingen sauber auf den Bügeln im Schrank. Rasch vertauschte Kurt seinen weißen Anzug mit einem alten, unscheinbaren — denn in diesem Geckenzeug, wie er den weißen nannte, konnte, er unmöglich in seine geliebte Werkstatt. Erst aber mutzte er Erika abholen: es war Zeit. Denn schon klangen von der Kirche neben dem Schlotz sechs Llhrschläge. In den letzten mischten sich schon die Glocken, die den Feierabend kündeten. Eilig lief Kurt hinunter, guckte im Dorüber- ftitzen noch einmal schnell in die Küche, wo Anna, die alte Wirtschafterin, waltete, die ihn von dem ersten Tage seiner Geburt an kannte. Ihr dickes rotes Gesicht strahlte, als sie den jungen Mann sah. „Tag, Anna!" nickte er ihr zu. „Gib mir schnell einmal ein paar ordentliche Butterbrote: ich bin von dem süßen Kleinkram da draußen beim Tee ordentlich flau geworden." „Gewiß doch, gewiß, junger Herr!" Sie eilte, so schnell es ihr ihre Rundlichkeit'erlaubte, und bei sich brummte sie: „Don dem Getue da draußen kann einem noch mehr als flau werden." Bald kehrte sie wieder zurück, ein paar zierlich verpackte Päckchen in der Hand haltend: „Das ist für Euch, junger Herr! Ich hab' von der Jagd noch Reh- braten übrigbehalten — und das hier ist für Fritz, Sie gehen doch sicher mit ihm in die Werkstatt." „Bist ein guter Kerl, Anna", meinte Kurt gerührt. Er wußte, wie gut es Anna mit jedem meinte, der zu ihm hielt. „Aber zum Abendbrot sind Sie doch da, junger Herr?" fragte Anna bittend. „Ich hab' extra Hühner gemacht, obgleich die Gnädige Täubchen bestimmt hat: aber ich hab' mir gedacht, wenn Sie so gerade von der ilniöerfität kommen, da sind Täubchen ein zu spirrliges Essen für einen Studenten." „Tu bist ein kluges junges Mädchen", neckte Kurt die alte Anna. „Wann ist denn die Abfütterung? Lind itzt mein Vater mit?“ „Um acht Uhr, junger Herr. Und der Herr Kommerzienrat essen mit. Sonst, wenn soviel Klimbim drin ist", sie deutete mit der breiten, verarbeiteten Hand verächtlich nach draußen, „dann essen der Herr ja immer drüben im Kontor bei der Arbeit. Aber seit der junge Herr aus Schweden da ist, da kommt er immer zu Tisch. Und wenn Sie da sind, junger Herr, na, da läßt er es sich doch nicht nehmen." Und sie sah mit einem Blick des Stolzes und der Zärtlichkeit auf Kurt. „Du, Anna", meinte der, „am liebsten würde ich ja mit dem Vater zusammen im Kontor essen, das wäre entschieden gemütlicher, aber das geht vermutlich nicht. Ra, also ich bin um acht Uhr wieder hier; aber deine Butterbrote, die schenke ich dir dock) nicht!" Und lachend ging er weiter. Traußen sah er auf die Uhr — halb sieben! Ein weiches Lächeln kam auf sein Gesicht, als er nun schnell durch das Seitenportal des Hoses hinausging, den kleinen Anlagen zu, die am Fluße entlang von der Stadt hereinführten. Fünftes Kapitel. Erika kam mit ihrer kleinen, abgegriffenen Aktenmappe langsam durch die Anlagen. Sie bog von dem Hauptwege ab. Der Weg am Wasser war Überhängen von den lichtgrün belaubten Zweigen der alten Weiden. Es duftete leise von den blühenden Kätzchen. Wie eine zarte Pastell- zeichnung lag jenseits des Flusses der Turm einer alten Burg. Der Fluß sandte leise seine Wellen gegen die Steine des Ufers. Durch die zart belaubten Zweige sah der blaue Frühlingshimmel. Das Mädchen ging wie in tiefe Gedanken versunken. Wie sie so dahinschritt, gestrafft und fest, mit ihrer schlanken und doch kräftigen Gestalt, dem schmalen Kopf mit dem goldbraunen weichen Haar, paßte sie so ganz zu dieser einfachen schönen Landschaft, zu diesen klaren Linien von Himmel, Wiese, Feld und Ebene. Die Hände waren, obwohl fein geformt, dennoch verarbeitet — gewöhnt, bei der Arbeit im Hause mit zuzufassen. Aber der Kopf mit den klaren lichtgrauen Augen, dem kluggeschnittenen Munde hatte eine edle Vornehmheit. Hinter einem großen Ahorn verborgen, der auf dem Wege zwischen niedrigem Gebüsch stand, folgte Kurt mit heißem Entzücken den anmutigen Schritten des jungen Mädchens, das gleichmäßig und federnd durch die frühlingsgrünen Anlagen feinem Heim zuschritt. Jetzt horchte sie auf: Von einem Baume ober aus einens Gebüsch rief der Kuckuck — erst einmal, bann wieder und nun noch einmal, ilntoill- kürlich hielt Erika an, um auf den Ton des Vogels zu lauschen: es war das erste Mal in diesem Frühling, daß sie ihn hörte. Er mußte sehr nahe sein; dort hinter dem Gebüsch, an dem großen, weitschattenden Ahorn schien er sich verborgen zu halten. Seltsam, daß er so nahe am Wege saß, der scheue Vogel, den sie noch nie zu Gesicht bekommen, wie oft sie auch in der Kinder- zeit mit ihrem Freunde Kurt zusammen versucht hatte, den Frühlingsboten zu entdecken. Llnwillkürlich ging sie auf den Zehenspitzen auf das Gesträuch neben dem Ahornbaume zu. Wirklich, dieser Kuckuck mußte ein sehr sorgloser Geselle sein, denn unentwegt und immer lauter ertönte fein „Kuckuck". Leise bog Erika die Zweige auseinander mit einem leisen Aufschrei fuhr sie zurück: Eine kleine hölzerne Vögelpfeife im Munde, sah ihr das lachende Gesicht Kurts entgegen. Lind im gleichen Augenblick war er auch schon zwischen den grünenden Zweigen heraus und schüttelte Erika die Hand: „Guten Tag, Erie! Ra, das hast du denn doch nicht erwartet?" Auch in Erikas grauen, lichten Augen war warme Freude. „Kurt, du Liebermut", so sah ihn halb strafend, halb erfreut an, „wie kannst du es wagen, anständige junge Mädchen so zu narren?“ Kurt machte ein komisch erschrockenes Gesicht. „Ich habe gemeint, du bist der alte liebe Erie- kerl! Von den anständigen jungen Damen — sprich .Gänschen' — habe ich nämlich genug." Er machte eine bezeichnende Kopfbewegung hinüber, in der Richtung nach Bremerfchloh hin. „Du bist eben ganz verwildert draußen, Kurt- chen", neckte Erika, „höchste Zeit, daß du wieder hierher und in Ordnung kommst." Sie sah nicht, wie bet Blick des jungen Menschen sie mit einem eigentümlich heißen und sehnsüchtigen Ausdruck streifte. „Ja, höchste Zeit", sagte er mit gepreßter Stimme. Dann sich zusammennehmend, griff er, ehe sie es hindern konnte, nach ihrer Aktenmappe. „Damit das gnädige Fräulein sehen, daß ich noch nicht ganz verwildert bin..." „Aber Kurt, wenn das die Leute sehen, daß du mir die Aktenmappe trägst" — Erika wurde ganz rot —, „das gebt doch nicht." „Warum nicht?" fragte er ruhig zurück. Ihr eben noch so unbefangen fröhliches Gesicht bekam einen gequälten Ausdruck: „Sie reden doch schon genug über unsere Freundschaft, Kurt. Du bist doch der Sohn des Besitzers vom Bremerwerk und ich die Tochter vom Materialverwalter." „Sang du auch noch mit dem Unfug an, Erie! Weder kann ich dafür, daß mein Vater der Besitzer vom Bremerwerk, noch da dafür, daß dein Vater Angestellter bei meinem Vater ist. Hier handelt es sich doch um uns. Lind wenn ich dir die Mappe abnehme, so geht das keinen was an, ebenso wie unsere Freundschaft niemanden was angeht." „Aber deine Mutter? Kurt, du weißt, sie sieht unsere Freundschaft nicht gern, und ich fürchte immer, sie wird es einmal meinem Vater entgelten lassen. Sie hat ihm schon ein paarmal gesagt, er möchte verbieten, daß ich immer mit dir ’rurnftrcli;e; wir wären keine Heinen Kinder mehr, und es schicke sich nicht." Kurts offenes klares Gesicht bekam einen Ausdruck von Zorn und Bitterkeit: „Hast du nicht schon oft genug miterlebt, Erie, daß sie mir alles kaputtmachen möchte, was mir Freude bereitet? Sie kann und kann es nicht verschmerzen, daß sie das Bremerwerk nicht für ihre Kinder allein haben kann — dabei macht Hans Egon sich gar nichts aus dem Werk. Wenn der nur feinen Wechsel regelmäßig bezieht, ist ihm alles andere egal. Tu mir den einzigen Gefallen, Erie, nenne sie nicht meine .Mutter'. Du weißt", Kurt sprach leiser, „diesen Ramen gebe ich nur einer, meiner wirklichen Mutter. Die Frau von Stübben, die zweite Frau meines Vaters, nenne ich nur Mama, und auch das nur notgedrungen, weil ich meinem Vater nicht wehtun will. Ach, Erie, der einzige Grund überhaupt, aus dem ich noch in den Ferien herkomme, ist Vater — das Bremerwerk — und du." Das letzte fügte er leiser hinzu. (Fortsetzung folgt.) von Folkestone einzulaufen. Erst der neunte Der. such gelang, nachdem die Fahrgäste eine z tv e i - stündige Schreckenszeit durchgemacht hatten 3n der Themsemündung sank eine Dark. Der Kapitän und die Mannschaft konnten im letzten Augenblick gerettet werden. Ein Motorkabinenkreuzer wurde auf die Felsen geworfen und schwer beschädigt. Großen Schaden richtete der Sturm auch in Rord-Wales an. Die Seepromenade in Colwyn wurde von den Wogen auf- aerissen und auf größere Strecken zerstört. Die Brandung zertrümmerte sogar die Fenster mehrerer in der Rähe des Ufers stehender Gebäude. Das Wasser drang in die Erdgeschosse ein, obwohl Schutzwälle aus Sandfäcken aufgebaut worden waren. — Seit zwei Tagen wird auch fast ganz Frankreich durch Sturm und Unwetter heimgesucht. Die Küstenschiffahrt ist stark beeinträchtigt. Mehrere Dampfer mußten in den Häfen Schuh suchen. Die Versorgung der Leuchtturmwächter ist nur mit großen Schwierigkeiten möglich. Der Hafen von LaRochelle mußte wegen Lieberfüllung gesperrt werden. Gießen, den 1. Rovember 1932. Wasser ist Medizin für die Haut! Äon Or. med. Ernst Tannert. Wasser ist gefährlich für die Haut, so sagen oftmals Großmütter, und die Pariserinnen, die sich auf das gute Aussehen verstehen, denken nicht daran, sich mit Wasser das Gesicht zu waschen. 2lber jede fesche Wienerin schwört auf Wasser, als das beste Mittel zur Pflege ihres Gesichtes und der Haut überhaupt. Der Widerspruch klärt sich ganz einfach auf: Zwischen Wasser und Wasser besteht ein gewaltiger Unterschied. Das Wasser in Paris ist hart, es enthält eine Menge Kalk und andere Salze und ruiniert darum die Haut. Das Wasser in Wien ist weich, und weiches Wasser bekommt der Haut ausgezeichnet. Wer seine Haut lieb hat und gut aussehen will, muß ihr weiches Waschwasser gönnen. Wo es nicht aus der Leitung kommt, gibt man einfach auf eine Waschschüssel Wasser einen Teelöffel doppelkohlensaures Rcttron oder Pottasche. Damit ist schon die größte Gefahr beseitigt. Man kann sich mit kaltem oder mit warmem Wasser waschen. Das ist nicht gleichgültig. Warmes Walser nimmt nicht nur den Schniutz von der Haut, sondern entzieht ihr auch das Fett und macht sie rauh und empfindlich. Kaltes Wasser tut das auch, aber es entzieht der Haut nicht so viel Fett, wie das warme. Dafür härtet es ab. Diese Abhärtung ist manchem sehr erwünscht, aber sie ist auch nicht ungefährlich. Man soll besonders nicht durch fortgesetztes Baden seine Haut mit Gewalt abhärten wollen. Die Haut soll nicht unempfindlich werden. Wir wollen ja schließlich nicht gegerbtes Leder herumtragen. Also nimmt man am besten zum Waschen lauwarmes Wasser und fettet sich einmal am Tage seine Haut ein. Wer Wasser im Gesicht nicht verträgt, hat in Fett und Oel ein gutes Hilfsmittel. Auch die zäheste Haut wird durch das Waschen ruiniert, wenn man sie nicht ordentlich abtrocknet. Wer mit feuchter Haut ins Freie geht, darf sich nicht wundern, wenn der Teint leidet. Die Hauptwaschung muß man also am Abend vornehmen, dann hat die Haut in der Rächt Zeit, sich von den Strapazen des Gewaschenwerdens — es han- telt sich da um eine Strapaze! — in der Wärme des Bettes wieder zu erholen und das abgelöste Fett neu zu bilden. Auch mit dem Baden muh man vorsichtig sein. Der gesunde Körper braucht mindestens einmal in der Woche, möglichst öfter, ein warmes Rei- nigungsbad. Aber jeden Tag warm zu baden, bekommt vielen Menschen nicht gut. Wenn man schon so eifrig die Badewanne benutzen will, dann muß man wenigstens die starke Reizwirkung des Wassers mindern, indem man dem Bad etwas Milderndes zuseht. Ganz ausgezeichnet ist Kleie (Weizen-, Gerste- oder Haferkleie). Man nimmt 2 bis 3 Pfund für das Bad eines Erwachsenen, streut die Kleie aber nicht lose ins Wasser, sondern näht sie in ein Leinwandsäckchen ein, sonst krümelt sie leicht und seht sich auf der Haut fest. Für das Bad eines Kindes braucht man nur 4 bis 5 Hände voll Kleie. Wenn man nicht so viel Kleie verwenden will, ist es auch gut, nach dem Bad regelmäßig den ganzen Körper einzuölen, oder ihn mit einem fetthaltigen Puder (Talkpuder) einzureiben. Sehr beliebt ist Mandelkleie oder Seesand-Mandelkleie. Diese schüttet man natürlich nicht ins Wasser, dazu ist sie zu kostspielig. Man darf sie aber auch nicht nur, wie es meistens geschieht, flüchtig auf die Haut schütten, sondern muß einen Eßlöffel voll etwa fünf Minuten lang auf der vorher angefeuchteten Haut gut verreiben. Dann spült man die Kleie ab und trocknet die Haut sorgfältig. Sehr heiße Bäder sind eine große Anstrengung für den Körper. 18 Tote beim Untergang eines Motorbootes? Man befürchtet in Stockholm, daß in der vergangenen Aacht 18 junge Leute von der Insel Gotland mit einem Boot untergegangen und ertrunken sind. Sie hatten sich mit einem Motorboot, dessen Motor nicht in Ordnung war, aufs Meer hinausbegeben, um den Manövern eines russischen Geschwaders zu- zusehen, das in der Rähe von Estland liegt. Die lungen Männer sind bis jetzt nicht zurück- gekehrt. Zwei Flugzeuge haben die Suche nach den Vermißten ausgenommen. Die russischen Kriegsschiffe sind durch Funkspruch verständigt worden. Da starker Sturm herrscht und die jungen Leute keinen Kompaß mitgenommen haben, befürchtet man das Schlimmste. Starkes Erdbeben in Südafrika. Die Stadt Johannesburg (Südafrika) wurde in einer der letzten Nächte durch ein starkes Erdbeben erschüttert. Einzelheiten über den angerichteten Schaden sind noch nicht bekannt. 132 bis 36 Grad Celsius genügen vollständig. Roch von einigen Kleinigkeiten soll die Rede sein, die mit dem Waschen zusammenhängen. Man kann sich mit Waschlappen gerade so gut wie mit Schwämmen waschen. Jedenfalls soweit es sich um das Aufträgen und Abwischen der Seife handelt. Schwämme haben aber einen Vorzug vor dem weichen Waschlappen. Sie üben eine Art Massage auf die Haut aus. Kinder haben öfters Angst vor der Dusche. Diese Kinder sind einmal erschreckt worden, indem sie unvorbereitet von dem kalten und harten Strahl getroffen wurden. Man schaffe sich eine bewegliche Dusche mit Schlauch an, die die Kinder selbst in die Hand nehmen können. Mit diesen Duschen kann man auch viel besser die verschiedenen Körperstellen erreichen. Man soll nach dem warmen Bad nur dann kalt duschen, wenn man davon weder Herzklopfen, noch sonstige Beschwerden bekommt. Lieber die jüngste Sitzung der Industrie- und Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach vom 27. Oktober wird uns berichtet: In Vorbereitung der Ergänzungswahlen wird Termin auf Dienstag, 29. Äovember, bestimmt. Die Geschäftsführung wird mit der Vornahme der erforderlichen Arbeiten beauftragt. Aach einem einleitenden Referat des Syndikus über die Errichtung von (Einigungsämtern zur Schlichtung von Wettbewerbsstreitigkeiten spricht sich die Vollversammlung dahin aus, daß das von der Kammer Gießen schon vor Jahren freiwillig eingerichtete Cinigungsamt bestehen bleibt, und daß alle Streitfälle, bei denen eine Einigung nicht zustande gekommen ist, vor einem mit Zwangsbefugnissen ausgestatteten Einigungsamt zum Austrag gebracht werden feilen. Ein solches Einigungsamt gemäß §27a des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb wäre zweckdienlicher Weise bei dem Vorort des Hessischen Industrie- und Handelskammertags, der Handelskammer Mainz, ein^urichten. Die steuerliche Lleberlastung des Automobils hat zu einem katastrophalen verfall der gesamten Kraftverkehrswirtschaft geführt. Die Kammer wird an ihrem Teile auf eine Wiederbelebung des Kraftfahrzeugverkehrs durch Senkung der Steuer hinwirken. Die Verordnung über die Regelung des Kraftfahrzeugverkehrs vom 15. Juli 1930 schreibt bezüglich der Bereifung fror; daß grundsätzlich in Zukunft alle Kraftfahrzeuge Luftbereifung haben müssen. Dieses Verlangen bedeutet aber eine empfindliche Belastung der Kraftwagenhalter, und erscheint auch wenig zweckmäßig, da die Lustbereifung infolge schnellerer Fahrtleistung und größerer Saugwirkung für die Straßen viel schädigender ist, als die langsamer lausende Elastikgummi. Bereifung. Wenn aber die Forderung auf Luft- bereisung nicht fallen gelassen werden kann, dann sollte wenigstens die Elastik-Gummibereifung bis zum 1. April 1935 auch für solche Fahrzeuge ge- 20.15 Uhr, Kath. Vereinshaus, öffentliche Wahlversammlung. — Bezirkssparkasse Gießen, 8 bis 18 Uhr, Turnhalle der Pestalozzischule, Äusstellung: Kinderland und Spargedanke. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Flucht von der Teufelsirrfel". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg, 17, 19 und 21 Uhr: „Das Geschlechtsleben". — Gastspiel im Stadttheater. Man schreibt uns: Heute — morgen — alle Tage! fingen die heiteren Gesangsvirtuosen, die Come - dian-Harmonists, auf Schallplatten, aus dem Rundfunk oder im Tonfilm. Aber am Samstag, 12. Äovember, 20 LIhr, treffen die „sechs Einmaligen" zu einem Gastspiel im Stadttheater Dießen ein. Diese Künstlerschar, deren heitere Darbietungen sie weltbekannt gemacht haben, wird an diesem in Gießen einzigen Konzertabend mit beliebten Schlagern und neuen Stücken aufwarten. Vorverkauf ab Dienstag an der Theaterkasse, sowie im Reisebureau der Hamburg- Amerika-Linie, Seltersweg 93, und bei Frau Huntemann, Seltersweg 53. — Sie Volkshochschule beginnt heute, 20 Llhr, in der Llnidersität folgende Kurse „Kul- turprobleme der Gegenwart" und „Englisch HI". Der Kursus „Kulturprobleme der Gegenwart" beginnt erst am Dienstag, 8. Rovern der. Man beachte die heutige Anzeige. ** Neue Wohlfahrtsbriefmarken der Reichspost. Heute werden die fünf neuen Wohlfahrtsbriefmarken der Reichspost ausgegeben, die mit einem Wohlfahrtsaufschlag für die deutsche Rothilfe verkauft werden. Die nach Stahlstichen hergestellten Marken zeigen Bilder deutscher Burgen. Die Erträge dienen zur Linderung der Winternot. Don den vorjährigen Wohlfahrtsbriefmarken sind 12 Millionen Stück verkauft worden. ** Winters Einzug im Vogelsberg. Auf dem Hohervdskopf hat der Winter bereits fei- nen Einzug geholter. In der Nacht zum Sonntag fiel der erste Schnee, so daß sich die Berge zum erstenmal in weißer Pracht darboten. Allerdings dauerte die Herrlichkeit nicht sehr lange. Der Schnee schmolz wieder. Die Temperatur lag am Sonntag 4 Grad unter Null. Heute morgen wurden 3 Grad unter Null gemessen. — Von der Wasserkuppe (Rhön) wird ebenfalls Schnee gemeldet. ** Totengedenkfeier der RSDAP. Die Rationalfozialistische Deutsche Arbeiterpartei, Ortsgruppe Gießen, veranstaltet am morgigen Mittwoch, 16 Llhr, auf dem Landgraf-Philipp- Platz am Gefallenen-Denkmal der 116er eine Totengedächtnisfeier. Redner ist der Gauleiter stattet fein, die feit der erstmaligen Zulassung länger als acht Jahre im Verkehr sind. Die Kammer hat sich im Interesse der Kaufmannschaft nachdrücklich gegen die Einschränkungen in der Postzustellung in der Stadt wie auf dem Land zur Wehr gefetzt. Leider haben ihre Bemühungen keinen Gr- folg gehabt. Sie gibt aber auch an dieser Stelle noch einmal der bestimmten Erwartung Ausdruck, daß die Reichspostverwaltung auch ihrerseits das Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung durch möglichst baldige Wiederherstellung des bisherigen Zustandes fördern hilft. Die Kammer hat sich erneut dafür eingesetzt, daß die Zigarrenindustrie so schnell wie möglich von der Einfuhr-Ausgleichssteuer und der Banderole- Umsatzsteuer befreit wird. Ebenso wird sie ihre Bestrebungen auf Ermäßigung der zollamtlichen Einzelgebühren fortsetzen. Die beabsichtigte Sanierung der landwirtschaftlichen Genossenschaften mit Hilfe von Reichsmitteln kann nicht gutgeheißen werden. Die Kammer wird daher den Getreidehandel in feinem Kampf gegen diese einseitige Bevorzugung der Genossenschaften unterstützen. In Hessen ist die Einsichtnahme in das Grundbuch frei, wenn der Einsichtnehmende berechtigtes Interesse nachweisen kann und die Einsichtnahme nicht länger als eine Stunde in Anspruch nimmt; im anderen Fall beträgt die Ge- bühr 1 Mark. Die Anträge der hessischen Kammern auf Herabsetzung der Gebühren auch für die Einsicht in das Handelsregister auf 50 Pf. hat der Minister des Innern als ungerechtfertigt abgelehnt. Wollte man gleich, wohl einer Senkung der Gebühr nähertreten, so müßte nach der Ansicht des Ministers zum Ausgleich für den Gebührenausfall die Vergünstigung bei der Grundbucheinsicht in Wegfall kommen. Lenz (M.d.R.). Räheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. •• Die Silberhochzeit des Lokomotivführers Heinrich Reh findet nicht am 8., sondern am 2. Rovern be r, also am morgigen Mittwoch statt. ** Gemäldeausstellung Münchner Künstler in Gießen. Im Einvernehmen mit dem Oberhessischen Kunstverein wird der Künstlerbund „Isar", München, in der Zeit vom 5. bis 13. November eine Werbe-Kunstausstellung großen Stils im „Einhorn" (Palastlichtspiele), Kirchenplatz, abhalten. Die Ausstellungen des Künstlerbundes find seit nahezu 20 Jahren in über einhundert deutschen Städten bekannt. An eigens aufzubauenden hohen Stoffwänden werden ungefähr 120 Originale zu sehen sein von Künstlern, deren Namen aus dem Kunstverlag, auch aus Galerien (Münchner Glas- palast) bekannt sind. Mit ausaewählten Kollektionen sind vertreten u. a. die Professoren Ludwig Bock, Bauriedl, Jul. Diez, E. Erler, v. Hayeck, Hans Hei- der, Hohlwein Klemm, E. Liebermann, Nißel, Pjp. pel, Ludwig Putz, Seyler, Sieck, Scharder-Velgen, Schräg, Urban; die Maler Bachmann, Besta, Bürck, Korthaus, Lüdecke-Cleoe, Mühlen Schlageter, Wolf- Bloem, Müller-Diflo u. a. m. Für Schulen werden besondere Führungen veranstaltet Zur offiziellen Eröffnung der Ausstellung wird der Münchner Ausstellungsleiter Dir. Bischoff-Korthaus am Samstag, 5. November, einen Vortrag halten. Die Kunstschau wird jeden Tag, auch Sonntags, von 10 bis 13 Uhr und 16 bis 19 Uhr geöffnet sein. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. - —Don der Israelitischen Reli- gionsgesellschaft, Gießen. Man berichtet uns: Rach 49jähriger Dienstzeit, fünf Jahre in Pflaumloch in Württemberg und 44 2ahre in der hiesigen Israelitischen Religions- gesellschaft, trat Herr Lehrer Bernhard Klein vor einigen Monaten in den wohlverdienten Ruhestand. Am vergangenen Samstag fand in der hiesigen Synagoge, dem Orte, wo man so gern und oft der lieblichen und angenehmen Stimme des scheidenden Kantors gelauscht hatte, ein Abschiedsgottesdienst mit Festpredigt statt. In wunderbaren, herrlichen Worten, von Bibel- und Talmudsprüchen umrahmt, schilderte Herr Provinzialrabbiner Dr. Hi r schf eld die Tätigkeit unseres Kultusbeamten, der Lehrer, Kantor und Schächter war. Mit Liebe, Sorfaalt und pädagogischem Geschick brachte Herr Klein den Kindern die religiösen Lehren und Pflichten des wahren Judentums bei. In Andacht und Ehrfurcht lauschten die Synagogenbefucher seinen erbauenden und klangvollen kantoralen Leistungen. Auf dem Gebiete des Schächtens war er ein Meister, der seinesgleichen sucht. Sowohl von Seiten des Rabbinats, als auch von Seiten hoher christlicher Deamtenstellen fanden hier feine Leistungen reiche Anerkennung. 'Für all das dankte ihm Dr. Hirschfeld im Rainen der Gemeinde und wünschte ihm einen ruhigen, angenehmen und langen Lebensabend in unserer Mitte. Sein Rachfolger, Herr Lehrer Erich Reumann aus Kassel, wie Herr Lehrer Klein ein Schüler des Würzburger Seminars, trat vor den hohen Feiertagen die vakante Stelle an. Er zeigte in der kurzen Zeit seines Hierseins, daß er voll und ganz den Erwartungen, die man in ihn gesetzt atte, entsprach. Möge er gleichfalls einMenschen- alter als Beamter in unserer Gemeinde segensreich wirken." ** Oef fentliche Dücherhalle. Im Oktober wurden 1690 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1145, Literaturgeschichte 4, Zeitschriften 31 Gedichte und Dramen 18, Jugendschriften 126, Länder- und Völkerkunde 116, Kulturgeschichte 11, Geschichte und Biographien 104, Kunstgeschichte 9, Raturwisfen- schaft und Technologie 55, Heer- und Seewesen 1, Haus- und Landwirtschaft 3, Religion und Philosophie 20, Staatswissenschaft 38, Sprachwissenschaft 1, Sport 6. Fremdsprachliches 2 Bände. DHC. Gießen. Man berichtet uns: Auch die Rovemberwanderung des VHC. Gießen am letzten Sonntag hatte, wie ihre Vorgängerin, unter den Unbilden der Witterung zu leiden. Lind doch hatten sich über 40 Teilnehmer eingefunden, die sich durch das feuchte Clement nicht abfchrecken ließen. Vorsichtshalber hatten die Führer nur die Landstraße gewählt, und so ging es denn die Frankfurter Straße entlang nach Klein-Linden und von da über Dutenhofen zur Mittagsrast nach Ahbach. Auf der Höhe vor Dutenhofen hatte man bei klarer Luft eine hübsche Fernsicht über zum Teil überschwemmte Felder nach den Burgen und dem Dünsberg. Rach der Mittagspause stattete man zunächst dem benachbarten Glockenberg einen Besuch ab, von dessem Kamm sich wiederum ein prächtiger Rundblick bot. Ramentlich fesselte der Blick auf das Lahntal mit dem angeschwollenen Fluh, der jeden Augenblick überzutreten droht. Stets auf fester, aussichtsreicher Straße ging es weiter über Kinzenbach nach Heuchelheim, wo die Schlußrast statt- । sand, um bei einbrechender Dunkelheit den heimatlichen Penaten zuzusteuern. Aus der proviuzialhauplstadt. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag: Stadttheater, 20 bis 22 Uhr „Roulette". — Ober- Hess. Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz, 15 bis 17 Uhr, Ausstellung. — Zentrumspartei Gießen, Industrie- und Handelskammer Gießen. so? KÖNIGIN n ex X Alles spricht von C. F. 222 Unsere Hausmarke in Ulstern:Paletots S,ESSEM das Schönste und Formvollendetste, was man sich denken kann, und nur zu Größtes Spezialhaus für Herren-, Knaben-und Sport-Kleidung Alleinverkauf der berühmten Loden- Mk. 49e* und IVIKe o9e" fabrikatevon Joh.Gg.Frey,München Neuheiten „Schirmen Häuser, Ecke Bahnhof-und Marktstraße [Vermietungen Kleines Haus am Balmbof f. Wohn- od. Lagerund Bürozwecke sof. zu vermiet. Schriftliche Angebote unt. 76971) an d. Gieß. Anzeiger erbeten. 3-Zimmcr-WhR. z. 1. Dez. a. verm. 06406 Karn, Schulstr. 1 gr. Zimm. m. Küche, neu hergerichtt, sof. za vermieten. Miet- ber.-Schein erfordl. Marktplatz 2V p. oori6 Gat möbl. Zimm. z. v. F ankf. Straße 63,11. (Ecke Klinikstr.) os404 BüroRäume in bester Lage abzugeben. 06340 Westanlaae 1 I Ecke Franks. Str. Möbl. Zimmer in gut. 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Sie werden vor Neid erblassen, wenn Sie meine Kundenzahl sehen Ich verrate auch nichts, sprach Fräulein B. von der Konfektionsabteilung. Aber was Gießen diesmal an Kleidern und Mänteln zu sehen bekommen wird, hat bereits unsere Modenschau bewiesen. Jetzt bringe ich noch größere Leistungen Meine Preise sind mehr als zeitgemäß, meinte der Herr von der Herren- und Knabenkonfektion. Durch die jetzt erst getätigten großen Einkäufe habe ich den allerletzten Vorteil bei meinen Lieferanten herausgeholt JX-HMÖCKEIt GIESSEN 7623 A Heilkundiger 06401 Sprechzeit: Täglich 9-4 Uhr, Sonntags 9—12 Uhr f. einen 06337 3. 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Wissenschaftliche Werke Sondergeoie. oo> Brührschen Druckerei Mittwoch, den 2. November 1932, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28 „Zum Löwen", zwangsweise gegen Barzahlung: 7701D 1. Büfetts, Kredenzen, Schreibtische, Sofas, Kassenschränke, Chaiselongues, Bücherschränke, Registrierkassen, Radios, 12 Bände Gerhart Haüptmann, 1 Mappe Denkmäler des Theaters 3 Elektromotoren, 1 Klebepresse, 45 Rehstangen, Taschenmesser, Scheren, Messer und Gabeln, Hosenträger, 1 Typendruckapparat, 1 Schnellwaage, 1 Hochfrequenzapparat, 1 Personenauto, 1 Schrotrepetierflinte, 1 Pürschbüchse, 1 Kasfeebehälter, 1 Del- meßapparat. Zigarren, Pfeifen, Mutze, Tabak, Weine und Schnäpse, Parfüms, 2 kleine Eisschränke, 2 Kammgarnituren, 1 Rasiergarnitur. 2. An Ort und Stelle (Bekanntgabe im Bekanntmachung. Betr.: Vertrieb von Wohlfahrtsbriefmarken 1932 zu Gunsten der Deutschen Nothilfe durch das Städtische Wohlfahrtsamt Gießen. 7700D In der Zeit vom 1. November 1932 bis 28. Februar 1933 findet zur Linderung materieller Notstände im ganzen Reichsgebiet einwohlsahrtsbriesmarkenverkauf statt. Die postalische Gültigkeit der Wohlfahrtsbrief- marken nach dem In- und Auslände erlischt erst am 30. Juni 1933. Es werden ausgegeben: eine 4-Rpf.-Marke (Wartburg) zum Verkaufspreise von 6 Rpf., eine 6-Rpf.-Marke (Schloß Stolzenfels) zum Verkaufspreise von 10 Rpf., eine 12-Rpf.-Marke (Burg Nürnberg) zum Verkaufspreise von 15 Rpf., eine 25-Rpf.-Marke (Schloß Lichtenstein) zum Verkaufspreise von 35 Rpf., eine 40-Rpf.-Marke (Schloß Marburg) zum Verkaufspreise von 80 Rpf., ferner eine Hindenburg-Wohlfahrtspostkarte mit eingedruckter 6-Rpf.-Marke (Tannenberg-Denkmal) zum Verkaufspreise von 10 Rpf. Außerdem gelangen Markenheftchen, enthalten fünf 4-Rpf.-Marken, fünf 6-Rpf.-Marken und acht 12-Rpf.-Marken, zur Ausgabe, die zum Preise von 2,— RM. verkauft werden. Für die Gießener Nothilfe erfolgt der Vertrieb der Wohlfahrtsbriefmarken durch das Städtische Wohlfahrtsamt, Gartenstraße 2, Erdgeschoß, Zimmer Nr. 9. Sie sind dort erhälllich während der Dauer der Dienststunden,'und zwar von 8 bis 13 Uhr und von 15 bis 18% Uhr; Samstags nur vormittags. Don dem Reinertrag aus dem außer- postalischen Verkauf der Wohlfahrtsbriefmarken verbleiben 80 v. H. der Gießener Winternothilfe. Wer daher den bedürftigen Einwohnern von Gießen helfen will, wird gebeten, die Briefmarken in erster Linie durch das Städtische Wohlfahrtsamt zu beziehen. Gießen, den 31. Oktober 1932. Für die Gießener Nothilfe: Bürgermeisterei Gießen. (Wohlfahrtsamt.) Vereine MlSlteMnte. Heute Dienstag, 20 Uhr, Universität, beginnt: 7691 d Englisch III Hörsaal 34, l.St. l. Der Kurs Kulturprobleme der Gegenwart beginnt erst am Dienstag,d.8.Nov. Näh. siehe Arbeitsplan. Anmeldung u. Auskunft auf d. Geschäftsstelle Wolfstr. 20 pari., u. abends vor den Kursen. Bekanntmachungen a. Schwarzen Brett, Universität, l. St. l. Nr. 251 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Dienstag, l. Novembe 1952 Der radikal-demokratische Kurs in Mexiko. Kampf gegen Kapital und Kirche. Don unserem st-Derichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Mexiko-Stadt, O.tober 1932. Die mexikanische Geschichte ist wild und bunt wie das Land selbst. 19 Jahre hindurch haben die Mexikaner versucht, sich von der Herrschaft der spanischen Großgrundbesitzer, vom Römischen Klerus und von den nordamerikanischen Oel- magnaten zu befreien, die Verluste der Revolutionen und Bürgerkriege waren groß und allen offenkundig, die Erfolge sind aber weniger sichtbar. Der Mann, den die einen einen Tyrannen und einen Sohn der Hölle nennen, den die an- deren als großen Staatsmann und Freiheitshelden feiern, ist General Elias Calles. Calles, eine überragende Persönlichkeit, eine Diktatorennatur, ist orientalisch-jüdischer Abstarn- aufleben der Aera Calles dürfte auch das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten trüben. Die Aussichten sind wenig erfreulich. Die Arbeitslosigkeit in den Petroleum- und Minendistrikten ist sehr drückend. In den Kupferberg. Werken sind 65 Prozent ohne Beschäftigung und werden eine leichte Deute von Abenteurern und politischen Agitatoren. Die elektischen Straßen» bahnen und die Pazifikbahn waren von den Streikenden stillgelegt. Der Silberkurs hat sich nicht gebessert. Obwohl Gandhi mit Mexiko nichts gemein hat, so hatte man doch auf seine Einigung mit dem Vicekönig große Hoffnungen gesetzt. Denn wenn er, so urteilt man, seinen Widerstand aufgibt, so wird sich der Handel heben und Indien mehr Silbergeld benötigen. am 7. August 1927 in Darmstadt gestorben. Er studierte in Stuttgart und Gießen Veterinärmedizin und promovierte in Gießen zum Dr. med. vet. Rach der Teilnahme am 70cr Krieg wurde er 1872 Kreisveterinärarzt in Schotten, später in Lauterbach und Offenbach. 1886 wurde er Hofveterinärarzt in Darmstadt und gehörte von 1881 ab als Obermedizinalrat der hessischen Ministerialabteilung für öffentliche Gesundheitspflege als veterinärärztliches Mitglied an. 1893 gelang es ihm, ein wirksames Serum gegen die Rotlaufseuche der Schweine herzustellen, was ihm für immer ein Denkmal in der Veterinärmedizin sichert. 1897 führte er die Simultanimpsung ein, eine Großtat, durch die die Landwirtschaft infolge planmäßiger Impfungen vor Millionenschäden bewahrt wird. Für seine bahnbrechenden Arbeiten in der Serum» therapie wurde Lorenz 1905 zum Professor ernannt, 1910 zum Geheimen Obermedizinalrat. Von 1911 ab gehörte er dem Kaiserlichen Gesundheitsrat an. Rach dem Dank an alle Behörden und Personen, die an der Errichtung des Denkmals mit* mung. Der atavistische Haß gegen Rom verbindet sich bei ihm mit dem glühenden Patriotismus des Mexikaners, aber eines Mexikaners, dessen Ahnenreihe nicht bis zu den Konquistadoren hinaufreicht und der die Ideale der Demokratie deshalb stets auf seine Fahnen geschrieben hat. Aber Mexiko mit seinen rund 16 Millionen Einwohnern hat eine Bevölkerung, von der nur 15 Prozent Weihe, 44 Prozent Mischlinge und 37 Prozent reine Indianer sind, die kaum über die primitiven Instinkte menschlichen Kollektivbewußtseins hinausgewachsen sind und die sich deshalb wenig mit Fragen des nationalen Schicksals befassen. So bleibt denn auch für die Führer der Demokratie diese, wie in den meisten lateinamerikanischen Staaten, nur eine Maske für einen recht persön- l i ch e n Machtkampf. Aber selbst ein Mann von so überragendem Einfluß wie Calles hat nicht die Möglichkeit, eine rein demokratische Regierungsform gewissermaßen durch Armeebefehl einzuführen. Iedoch muh anerkannt werden, dah Präsident Ortiz R u b i o , der ebenso wie Calles zum „Partido national Revolutionärin" gehört, sich redliche Mühe gegeben hat, soweit das in Mexiko möglich ist, auf demokratischer Basis zu regieren. Die Enteignungsgesetze gegen den Groh- grundbesih blieben zwar in Kraft, aber sie wurden leichter als bisher gehandhabt, auch die scharfe Trennung von Kirche und Staat, die Calles durch seine grausamen Ausführungsdekrete im Jahre 1627 begonnen und dadurch den Bü.ger- krieg heraufbeschworen hatte, behielten ihre Geltung, aber der Klerus wurde nicht mehr wie früher verfolgt und, wenn er Widerstand leistete, an die Wand gestellt und erschossen. Rach längeren Verhandlungen mit Rom kehrte auch der Erzbischof R u i z wieder als päpstlicher Legat nach Mexiko zurück. Diese Mäßigung jedoch erregte den Unwillen des radikalen Flügels des Partido national Revolutionärs, und da sich Ortiz Aubio gegen den Willen von Calles nicht auf dem Präsidentensessel halten konnte, tat er das klügste, was er tun konnte. Er legte ganz unerwartet vor dem Parlament sein P r a • sidentenamt nieder. An seine Stelle trat als Platzhalter von Calles der Kriegsminister General Abelardo Rodriguez. Das Unausbleibliche geschah. Kaum, daß General Rodriguez in das Präsidentschaftspalais eingezogen war, nahm er eine Enzyklika des Papstes zum Vorwand, um den Vatikan in unerhört schroffer Weise anzugreifen. Er verbat sich eine arrogante Sprache, wie sie der Papst in seiner Botschaft an die Katholiken Mexikos gebraucht hatte, und drohte Rom mit der Schlie* hung aller Kirchen, um sie in Fabriken umzuwandeln. Der päpstliche Legat, Erzbischof Ruiz, wurde binnen 24 Stunden ausgewiesen. Der Staat Dera Cruz tat noch ein übriges, er verbannte diePrie st er und löste die religiösen Dereinigungen auf. So 'ist denn unter dem neuen Herrn der Kirchenkrieg in Mexiko wieder aufs heftigste entbrannt und ernste Beunruhigung herrscht, da niemand für den morgigen Tag zu bürgen vermag. Diele revolutionäre Generale und Führer der Bürgerkriege gegen Calles leben als Flüchtlinge in den Vereinigten Staaten, es verlautet, dah sie sich zu neuen Kämpfen rüsten und ihren Anhang im Lande sammeln. Run mag sich Mexiko noch so radikal gebärden, so kann im Staate auf die Dauer doch nichts Einschneidendes gegen den Willen von Washington geschehen. Der aussichtsloseste Kampf, auf den sich die mexikanischen Revolutionsregierungen eingelassen hatten, war der gegen das ausländische, namentlich gegen das nordamerikanische Kapital. Mexiko konnte vielleicht Zeitweilig siegen, aber niemals gewinnen. Bestenfalls konnte es die Eisenbahnen betreiben, die ihnen die Ausländer erbaut hatten, bei den Bergwerken war es schon schwerer, und in der Petro^umindustrie unmöglich. Da die revolutionäre Gesetzgebung die amerikanischen Interessen schwer beeinträchtigte, unterstützten öje Oelmagnaten der Vereinigten Staaten die aufständischen Generäle mit Geld und Waffen und zogen nachher einen großen Teil des investierten Geldes zurück. Das Petroleum versickerte und die abenteuerliche Obstädt Tampico brach zusammen. Ein unzufriedenes Proletariat blieb nach, das sich willig jedem bolschewistischen oder syndikalistischen Agitator anschloß oder bereit war, den Werbern für eine Revolution Gefolgschaft zu leisten. Mexiko gab nach, dem Botschafter der Vereinigten Staaten, Morrow, gelang es, die guten Beziehungen wieder herzustellen und die Kirchenverfolgungen zum Stillstand zu bringen. Der jähe Präsidentenwechsel und das WiederWas bietet der Gießener Anzeiger seinen Lesern? Werktäglich Das große Heimat- und Anzeigenblatt die führende Tageszeitung in dem Gebiet zwischen Frankfurt am Main - Kassel und Koblenz-Erfurt Wöchentlich zweimal Gießener Familienblatter Wöchentlich Die Illustrierte des Gießener Anzeigers Heimat im Bild Die Scholle In ständigem Wechsel Sonderseiten des Gießener Anzeigers: Turnen, Sport und Spiel - Für den Büchertisch Aus dem Reiche der Frau Aus Natur und Technik Jugend und Hochschule Aus der Welt des Films Das Recht im täglichen Leben Zeitfragen des Mittelstandes Jährlich zweimal Taschenfahrplan in Heftform Jährlich Künstlerischer Wandkalender Die Inder sind nämlich die größten Silberkonsumenten, Mexiko aber ist der größte Silberproduzent der Welt. Die Stellung des neuen Präsidenten, General Rodriguez, ist nicht beneidenswert. Einweihung eines Lorenz-Denkmals in Darmstadt. WSÄ. D a r m st a d t, 30. Oft. Zu Ehren des 1927 in Darmstadt verstorbenen Professors Geheimrat Dr. Gustav Lorenz wurde heute auf dem Mathildenplatz ein Denkmal enthüllt. Der Präsident des Deutschen Deterinärrates, Professor Dr. Stang- Berlin, übergab das vom Deutschen Deterinärrat gestiftete Denkmal, das der Berliner Bildhauer Adolf D a m m a n n geschaffen hat und das das Porträt Lorenz' in Bronze auf einem Muschelkalksockel darstellt. Professor Stang teilte mit, daß die Kosten des Denkmals von über 1100 deutschen Tierärzten und Tierarztvereinen aufgebracht wurden. Gustav Lorenz wurde am 4. Februar 1846 in Obbornhofen (Kreis Gießen) geboren und ist halfen, übergab Professor Dr. Stang das Denkmal dem Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt, Dr. Mueller, der darauf hinwies, dah er als früherer Dezernent für den Städtischen Schlacht- und Diehhof die Freude gehabt habe, jahrelang in reger Verbindung mit Geheimrat LSrenz zu stehen und dessen abgeklärte Weisheit, seine schlichte Bescheidenheit und menschliche Güte kennen und verehren zu lernen. — Geheimrat Professor Dr. S ch m a l h - Berlin stellte in seiner Festrede fest, dah die Lorenz-Impfung die Rettung der deutschen Schweinezucht bedeute, die früher 75 bis 80 Prozent Verluste durch diese Seuche erlitten habe. Weitere Ansprachen hielten Ministerialrat Dr. Giehe vom Reichsministe- rium des Innern, zugleich auch für den Reichsgesundheitsrat, Innenminister L e u s ch n e r, Graf H ar denber g für die Grohherzogliche Hausverwaltung, der Präsident der Hessischen Land- wirtschaftskammer, der Präsident der Hessischen Tierärztekammer, Professor Dr. Dieling für die JG.° Farbenindustrie 2lG. sowie Vertreter der tierärztlichen Hochschulen und Fakultäten, der Chargierte des Korps Teutonia Giehen und der Vorsitzende des Landesfleischbeschauervereins. G.A.-Eport. Fußball Ergebnisse aus dem Gau Greßen-Wehlar. Pokalspiele- Wallau — Frohnhausen 3:2 (1:2); Wetzlarer SV. — 1900 Gießen 6:0 (3:0): VfB. Gießen — Rauborn 11:1 (5:1); Donsbach gegen Bottenhorn 1:5. Verbandsspiele. Dezirksklassclt: Oberbiel—Aßlar, O. nicht angetreten; SC. Wetzlar — B.ßenbcrg 6: 5 (4: 2); Weilburg — Ehringshausen 3:0 (3:0); Löhnberg gegen Eteindorf ausgefallen; Burgsolms gegen SV. Wetzlar II 5:1 (2:1); Steinberg — Lollar 4:1 (1:0); VfB. Gicßenll — Laubach verlegt; Leihgestern — 1900 Gießen II 0:2 (0:1). Gautlasse I: Löhnberg II — Riedershausen ausgefallen; Burgsolms II — Aßlar II 4:2 (1:2); SC. Wetzlar — SV. Wetzlar III 4:4 (3:1): Großen-Buseck — VfB. Gießen III 18:0 (4:0): Wieseck — Rieder-Weisel 1:3 (0:2); Dutenhofen — Steinbach 6:4 (3:2); 1900 Gießey III gegen Lich 2:1 (1:1); Garbenteich — Heuchelheim 4:4; Dillingcn — ällrichstein ausgefallen; Geilshausen — Flensungen 1:1 (1:1). ©auf lafte II: Wirbelau II — Weilmünster 2:1 (2:0); Werdorf II — Berghausen 4:2 (2:2); 1900 Gießen IV — Krofdorf 1:5 (1:3); Leihgestern II — Muschenheim, M. nicht angetreten. Werbeturnen im Tv. 1862 Wieseck. Dieser Tage veranstaltete der hiesige Tv. 1862 einen Werßeabend im Caa'e von Gastwirt Braun, der gut besucht war. Mit dem Aufmarsch aller Aktiven nahm die Veranstaltung ihren Anfang. Alsdann Hirte man von zwei Schülern einen Prolog, der mit großem Beßall ausgenommen wurde. Sie Gesangsabteilung unter Leitung ihres Dirigenten C tz e l m ü 11 e r trug ein Begrüßungslied vor und der 1. Vorsitzende hielt eine Ansprache, in der er besonders den großen Wert des Turnens hervorhob. Ein Appell an die Eltern und alle, die dazu berufen sind, an der Erziehung und Ertüchtigung unserer Jugend mitzuhelfdn, beschloß die Ansprache. Im weiteren Verlauf des Abends wurden von den einzelnen Riegen (Turner, Turnerinnen, Schüler und Schülerinnen) Hebungen an allen Geräten vorgeführt, die man in jeder Beziehung als gut bezeichnen konnte. Die von den Turnerinnen gezeigten Volkstänze und Freiübungen seien besonders erwähnt. Die Gesangsabteilung brachte einige Lieder zum Vortrag. Run folgte noch die Preisverteilung anläßlich des Ab- tumens, wobei zum ersten Male ein Vereins- meister im Geräteturnen ernannt wurde und zwar errang der Turner Karl Weller diesen Titel. Den Schluß des Abends bildete die Film-Dor- fühvung oer Olhmpiade-Wettkämpse 1932 (Leichtathletik), die von den Desuchern mit größtem Interesse verfolgt wurde. Wirtschaft. Frankfurt still. .Frankfurt a. M., 1. Rov. (WTD. Drahtmeldung.) Im heutigen amtlichen Verkehr herrschte bemerkenswerte G e s chäf t s st i l le , die teilweise durch das Fehlen von Orders aus der katholischen Kundschaft hervorgerufen sein dürfte. Auf die Enge des Marktes waren schon kleinere Realisierungen der Spekulation imstande, das Kursniveau zu drücken. Es überwogen kleine Abschwächungen bis zu 0,50 Prozent. In größerem Ausmaß verloren Scheideanstalt und Licht & Kraft (minus 1 Prozent). Zu dem Absinken der Kurse hat wohl auch die schwache gestrige Reuyorker Börse beigetragen. Außer den genannten Papieren verloren am Chemiemarkt IG. und Rütgerswerke bis zu 1,50 Prozent, am Elektromarkt Gesfürel 0,89 Proz., Tekula 0,25 Prozent, und Siemens 0,13 Prozent, während AEG. behauptet blieben. Von Montanwerten büßten Buderus, Mannesmann, Rheinstahl und Laurahütte bis 0,39 Prozent ein. Phönix waren gehalten. Ebenfalls behauptet waren von sonstigen Werten Deutsche Atlanten. Holzmann gewannen 0,50 Prozent, dagegen gingen Deutsche Linoleum im gleichen Ausmaß zurück. Von Schiffahrtsaktien verloren Hapag erstmalig seit einiger Zeit etwa 0,25 Prozent. Am Rentenmarkt waren die älmsähe e t - was lebhafter, das Kursniveau tendierte jedoch ebenfalls leicht nad) unten. Altbesitz blieben gut, Reichsschuldbuchforderungen kaum gehalten. Am Auslandsrentenmarft lagen 4prozentige Rumänen neuerlich etwas niedriger, von Industrie- Obligationen gingen Reichsbahnvorzugsaktien und Stahlbonds 0.25 Prozent zurück. Am Pfandbriefmarkt lag eher etwas Rachfrage vor, die Kurse hielten sich durchweg ungefähr auf der gestrigen Basis. Im Verlause bröckelten bei anhaltender Ge - s ch ä f t s st i l l e die Kurse am Aktien- und Rentenmarkt weiter ab. Lediglich Licht & Kraft konnten den Ansangsverlust zurückgewinnen. Geschäftshemmend wirkte die abwartende Haltung der Reichsbank in der Dislontsenkungsfrage. Tagesgeld war mit 4,5 Prozent wieder ziemlich steif. Berlin: Aktien behaup-et, Renten fest. Berlin, 1. Rov. (WTB. Funkspruch.» Die Aktienmärkte lagen heute außerordentlich still, besonders, da der hohe katholische Feiertag den Ausfall des Geschäftes in West- und Süddeutschland zur Folge hatte. Cs -lagen zwar einigermaßen günstige Wirtschaftsnachrichten vor, dafür hatte aber Amerika schwächere Tendenz gemeldet, und auch der Ultimo wirkte noch etwas nach. Es lieh sich keine irgendwie wesentliche Kursbewegung feststellen. Wenn Papiere, wie Aschaf- Der Name fenburE Zellstoff, Wasserwerk Gelsenkirchen und Hcmsadampf bis zu 2,25 Prozent gewannen, so war dies gewiß auf kleine Zufallsorders, sowie die Enge der Märkte zurückzuführen. Das gleiche gilt von den Abschwächungen bis zu 1,5 Prozent, die bei Rütgerswerke, Berliner Maschinen und Bogeltelegraph zu verzeichnen waren. 3m übrigen betrugen die Abweichungen nicht mehr als 1 Prozent. 3m Verlaufe blieb das Geschäft geringfügig ; es-ergaben sich nur Abweichungen um Bruchteile eines Prozentes. Die Rentenmärkte lagen demgegenüber heute f e st. Das Hauptinteresse beanspruchte die Einführung der Steuergutscheine. Diese hatten zwar einen belebten Marit, doch waren die Hm- fäbe denkbar gering. Gehandelt wurden lediglich 34er mit 90,25. Dagegen hatten Altbesitzanleihe und Reichsschuldbuchforderungen lebhaftes Geschäft. Erstere lagen vorübergehend 0,50 Prozent höher, gaben aber dann die Hälfte dieses Gewinnes wieder her. ReuLesitzanleihe bröckelten leicht ab. 3nduskrieobligationen, besonders Hösch, notierten bis zu 0,88 Proz. höher. Pfandbriefe zeigten ebenfalls ein freundlicheres Aussehen. Die Diskonthoffnungen scheinen sich allerdings nicht erfüllen zu wollen, da die Absichten der Regierung bei der Reichsbank auf Witz e r st a n d gestoßen sintz. Von Ausländern waren Rumänen und 4proz. Mexikaner schwächer, Um 13 Mr wurden Steuergutscheine amtlich notiert. 34er stellten sich bei einem Umsatz von 450 Mille auf 90,25 , 35er auf 85, 36er auf 80, 37er auf 75,50 und 38er auf 71. 3n den vier späteren Fälligkeiten betrug der Umsatz je 50 Mille. Repartierungen wurden nicht notwendig. AmGeldmarkt war nach dem Ultimo heute schon eine fühlbare Erleichterung festzustellen. Lagesgeld ging auf 4,88 Proz., zum Teil auf 4,75 Proz. an der unteren Grenze zurück, während der Satz für Monatsgeld unverändert 5 bis 7 Proz. blieb. Für Privatdiskonten, sowie für Reichswechsel für den 1. Februar und Reichsschahanweisungen per 15. März war schon wieder Rachsrage festzustellen, größere Umsätze konnten sich heute aber noch nicht entwickeln. Pferdemarkt in Ortenberg. ♦ Ortenberg, 31. Oft. Der diesjährige O r - tenberger „Kalte Markt", der heute begann, wurde mit dem Pferde- und Fohlen- markt eröffnet. Etwa 500 Tiere waren ausgetrieben. Der Handel ging verhältnismäßig flott. Für Fohlen wurden 300—500 Mark bezahlt. Mittlere Pferde kosteten 700—800 Mark, bessere Tiere wurden mit 900—1000 Mark gehandelt. Gießener ^preise. * Gießen. 1. Rov. Es kosteten auf dem heutigen W^henmarkt: Süßrahmbutter 130, Landbutter 120, Kochbutter 100, Matte 25—30 Pf. das Pfund, Käse 5—10, Eier, ausländische, 12—13, inländische 13 Pf. das Stück, Wirsing, grün, 6—8, Weißkraut 4—6, Rotkraut 7—8, Gelbe Rüben 8 bis 10, Rote Rüben 8, Spinat 15, Römischkohl 8, Unter-Kohlrabi 5—6, Rosenkohl 20—25, Feld- । salat 100, Tomaten 20—25, Zwiebeln 8—10, Meerrettich 30—60, Schwarzwurzeln 25—30, Kür- I bis 5—6, Kartoffeln 3, Pfirsiche 35-50, Aepfel I 15—30, Dirnen 10—20, Dörrobst 30—35- Honig I 40—45, Rüsse 35, 3unge Hähne 70—80, Suppenhühner 60—80, Gänse 70—80, Enten 80—90 Pf. das Pfund, Tauben 50—60, Blumenkohl 30—60, Endivien 10—15, Ober-Kohlrabi 5—8, Lauch 5 bis 10, Rettich 8—10, Sellerie 10—35 Pf. das Stück, Radieschen 10 Pf. das Bund, Kartoffeln 2,30 bis 2,50, Weißkraut 2,20—2,50, Rotkraut 5,00, Wirsing, grün, 4,00—4,50, Aepfel 12,00—25,00 Mk. per Zentner. AllendorferMel6markiam9.Aovember 3 Allendorf a. d. L da., 31. Oft. In den letzten Tagen ist vielfach das falsche Gerücht von einer Verlegung des diesjährigen Nikelsmarktes ausgestreut worden. Um der Weiterverbreitung dieser unzutreffenden Behauptung entgegenzutreten und um weiteren Anfragen vorzubeugen, wird darauf hingewiesen, daß der diesjährige Nike l s m a r k t — wie bereits amtlich festgelegt — am Mittwoch, 9. November, stattfindet. Trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage scheint der Nikelsmarkt, der der bedeutendste Jahrmarkt unserer Stadt ist, auch diesmal wieder seine alte Anziehungskraft .auszuüben, denn es haben bis jetzt schon eine stattliche Anzahl Krämer und Budenbesitzer ihr Erscheinen angemeldet. Die Allendorfer Geschäftswelt ist schon eifrig mit den Vorbereitungen zum Markte beschäftigt, sie wird auch diesmal ihr Möglichstes tun, um allen Ansprüchen der Besucher gerecht zu werden. Es ist Vorsorge getroffen, daß Jung und Alt wieder einige vergnügte und anregende Stunden verleben können. Wettervoraussage Das Discayahoch hat durch weiteren Luftdruckanstieg an tzer Rückseite des südöstlich ab ziehenden Tiefs Verbindung mit dem Skandinavienhoch erhalten. Das Zwischenhoch wirkt sich auch bei uns aus und wird vorübergehend zu Aufklaren führen, wobei in der Rächt die Temperaturen bis unter den Gefrierpunkt zurückgehen. Aber die neue Atlantikstörung, die bereits über den britischen 3nseln Riederschläge verursacht, wird sehr bald ihre Warmluft bis auf das Festland vortragen und wieder Wetterverschlechterung bringen. Aussichten für Mittwoch: Rach kalter Nacht mit Aufklaren, wieder milder, meist bewölkt und aufkommende Niederschläge. Aussichten für Donnerstag: Wechselnd bewölkt, vorübergehend auch aufheiterntz, vereinzelte Regenschauer. Lufttemperaturen am 31. Oktober: mittags 6,8 Grad Celsius, abends 6,4 Grad; am 1. November: morgens 5,4 Grad. Maximum 7,2 Grad, Minimum 5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 31. Oktober: abends 6,7 Grad; am 1. November: morgens 6,4 Grad Celsius. — Niederschläge 0,7 mm. KAFFEE TIMOS aiuts M£WD0: MS Audi Herz*, Nerven*, Magen» und Gailen* leidende trinken ihn nach eigenen Angaben ohne Beschwerden* Vertreter: 7506 V Ludwig Petri, Crednerstr. 24 PreisansiclireibeD! Einfendeo! Eilt! Also ab Mittwoch zu: 77m 7711 D Altersverein igung 1869-1919 D ie Reithsiags wahLm ö.November 7716D Unkostenbeitrag 20 Pfennig 7717 D Deutschnationale VolksnartelOrishrunpe Gießen Wir arbeiten Ihre Matratzen auf! Abholen und Wiederbringen kostenlos 7703 A BETTEN-BÄR • GIESSEN Moderne Strickwaren I Damen-Pullover in allen Preislagen VMC D K3 E DRUCKSACHEN vw IL It 10 E» Brühl’sche Druckerei Klubjacken für Damen und Mädchen Bleyle's Julius Schulze Gegründet 1859 Kreuzplatz Fernruf 2774 7719 A .Herbin-Stodin. Wollmatratze. . Kapokmatratze 3 Teile 5-Mk. 3 Teile 5- Mk. geziemend in Kenntnis zu setzen, Gießen, den 1. November 1932. 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Kilbinger Nachfolger, Seltersweg 78a. 6797D Wavrnmsr Wir haben festgestellt, daß unrechtmäßige Sammlungen auf den Namen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei vorgenommen werden. Es wird um sofortige Mitteilung solcher Fälle an die Geschäftsstelle (Löberstraße 9) gebeten, damit eingeschritten werden kann. Wir weisen darauf hin, daß Sammellisten usw. von uns nur mit Parteistempel und mit dem Namen des Kreisleiters Pg. Dr. Harth gezeichnet sein müssen.0&nu N.S.D.A.P., Kreis Gießen. wird nicht zurfickgehalten, Ihr Bruchband ist Ihnen unerträglich. Das sind die täglichen Klagen. Warten Sie nicht bis es zu spät ist! Bruchemklem- mung kann zum Tode führen. In Ihrem eigenen Interesse liegt es, sich von Ihrem schmerzhaften Bruchband zu befreien. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten. 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Alsfeld: Hotel Deutsch« Haus Freitag, den 4. November, 9-1 Uhr. Lauterbach: Bahnhof-Hotel Deutsches Haus Freitag, den 4. November, 143 - '7*6 Uhr. Schotten. Hotel Hessisches Haus Samstag, den 5. November, 9—12 Uhr. 7092V C.A. Steinberg, Spezialband ag ist^FreiburgLB- Schöne Frauen, die es sind und bleiben wollen, ist der tägliche Genuß UAlfma - die richtige Nahrung. von Die Hausfrau ist der Sonnenschein im Haushalt und deshalb sorgen Sie bitte für den täglichen Genuß von Hohma-Brot. Es führt dem Genießenden infolge seiner wertvollen Bestandteile alle Stoffe zu, die zum Körperanfbau, Blntbildung, geistiger und körperlicher Frische dienen. Fragen