llr. 205 Erstes Blatt 182. Jahrgang Donnerstag, September (952 Erjche,nt täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener FamUienblätter Heimat im Bild • Die Scholle monat$=Bejag$pret$: Mit 4 BeUagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. . --25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Kernsprechanschlüsse anter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten^ Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: granffurt am Main 11686. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vntck und Verlag: vrühl'sche Universslälr-Vuch. nnö Zteindruckerei R. Lange in Stehen. Schnftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzetgen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für R— klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Kampf um Europa. Nachdem sich England mit dem Erfolge der Neichskonferenz von Ottawa gleichsam innerlich befestigt hat, ist cs an sich nicht überraschend, wenn die Konsolidierung des englischen Reichs- verbandes alsbald praktisch verwertet wird, indem man dem schwersten Problem der Ngch- kriegszeit zu Leibe geht: den Beziehungen zum französischen Nachbarn. Die vertraulichen Besprechungen auf der Insel Jersey müssen daher mit großer Umsicht und Vorsicht betrachtet werden. Dort haben sich der Ministerpräsident Herriot und der englische Innenminister Sir Herbert Samuel ein verschwiegenes Stelldichein gegeben, dessen weltpolitische Bedeutung von den Beteiligten heute nicht mehr bestritten wird. Es wird wieder von einer Erneuerung der französischen Entente cordiale gesprochen und zugleich von einer Vorbereitung der kommenden Weltwirtschaftskonferenz. Es ist aber anzunehmen, daß die Aussprache das gesamte Gebiet der englisch-französischen Reibungsflächen umfaßt hat und daß auch die künftige Stellung der beiden Mächte zum Deutschen Reiche, insbesondere zur A b - rüstungsfrage, Gegenstand der Unterhaltung gebildet haben wird. Ausdrücklich wird auch in diesem Zusammenhänge schon von Flöt- tenverhandlungcn berichtet. Frankreichs Weigerung, die Beschlüsse der Londoner Flottenkonferenz anzuerkennen, bildet ja nach wie vor eine schwere Verlegenheit für die englische Außenpolitik. Es ist für uns von entscheidendem Interesse. bei der kommenden Entwicklung des europäischen Programms für das Winterhalbjahr nicht ausgeschaltet zu werden. Darum werden wir bei der Betrachtung dieser Begegnung ihre realpolitische Bedeutung vor allen Dingen richtig einschähen müssen. Was geht hier vor? Die schon erwähnten Probleme, die den Grundstockstock der englisch-französischen Beziehungen bilden, sind nur ein Ausschnitt aus dem macht- politischen Ringen der beiden Westmächte um die europäische Herrschaft. Frankreich steht heute im Begriff, eine europäische Wirtschafts- front gegen das überseeisch orientierte England aufzurichten. Die Zollverträge, die zwischen den kleinen neutralen Mächten an unserer Westgrenze abgeschlossen worden sind, die Agrarkonferenz, die kürzlich in Warschau tagte, das französische Projekt einer Donauföderation müssen in einem größeren Zusammenhang und als ein Ganzes betrachtet werden. Die verschiedenen Bezeichnungen können nicht darüber täuschen, daß Frankreich schon seit geraumer Zeit eine wirtschaftliche Reorganisation und Neuordnung Europas vorbereitet hat, während England bemüht war, die Wirtschastsgegensätze innerhalb seines Imperiums auszugleichen und in eine machtpolitische Ordnung umzubauen. Man braucht sich nur die europäische Landkarte und ein statistisches Jahrbuch vorzunehmen, um zu erkennen, daß die französischen Pläne ohne Mitwirkung des Deutschen Reiches, Oesterreichs und Italiens zum Scheitern verdammt sind. Ebenso fußt aber das große Wirtschaftsprogramm von Ottawa auf der unausgesprochenen Hoffnung, das europäische Absatzgebiet dem englischen Weltreiche zu erhalten. England ist nicht in der Lage, die ungeheuren Ueberschüsse an Rohstoffen, die fein Weltreich hervorbringt, selbst aufzunehmen und zu verbrauchen. Es bleibt auf Europa angewiesen, Europa wird aber immer mehr zu einer französischen Domäne. Der Zwang zu einer Berständi- gung, der sich aus einer solchen Lage für England und Frankreich ergibt, ist also unüberwindlich und natürlich. Die Neuordnung der inneren Verhältnisse i m Deutschen Reich bildet daher für die beiden Weltmächte im Westen ein etwas unerwartetes und vielleicht sogar lästiges Problem. Die Versuchung liegt nahe, eine Einheitsfront gegen u n s zu bilden. Es ist daher nicht überraschend, wenn wieder von einer Entente cordiale gesprochen wird. Das Wort von der Entente cordiale stammt aber aus Paris, während in englischen Berichten sehr viel mehr von einer Weltwirtschaftskonferenz die Rede ist. Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß die Engländer ihre wirtschaftliche Reorganisation nicht zu dem Zweck unternommen haben, um den Franzosen gegenüber auf dem europäischen Festlande ins Hintertreffen zu geraten. Umgekehrt wollen aber die Franzosen die „Drbnung" auf dem europäischen Festlande nicht den Engländern zuliebe ausrechterhalten. Daher müssen wir in dieser Zusammenkunft in Jersey zwar ganz gewiß das lebhafte Bedürfnis nach einer gründlichen Verständigung erblicken, zugleich aber auch die Empfindung großer Gefahren Der englisch-französische Gegensatz ist trotz aller schönen Phrasen vergrößert und nicht vermindert worden. Jeder Machtzuwachs Englands, und Ottawa bedeutet einen Machtzuwachs, wird in Paris unangenehm empfunden. England steht aber im Begriffe, sich weitere Bundesgenossen zu erwerben. Die Amerikaner sind feit Ottawa weit mehr auf England angewiesen als zuvor. Umgekehrt bedeutet jede Stärkung der deutschen Macht einen Trumpf in den Händen der englischen Politik. Der englische Ministerpräsident Macdonald hat, wie es heißt, die Besprechung in Jersey sehr maßgebend beeinflußt. Macdonald ist aber im Grunde seines Herzens sehr viel mehr Politiker als Wirtschaftler. Wir müssen daher in dieser Aussprache eine erste vorbereitende Maßnahme zu einer neuen politischen Weltkonferenz erblirfen. Dabei werden wir, nachdem wir die innenpolitischen -Schwierigkeiten etwas beiseite geschoben haben, eine sehr wesentliche Rolle zu spielen haben. Wenn nicht alles täuscht, stehen wir vor europäischen Entscheidungen Oer deutsche Schritt in Paris. Eine deutsche Mitteilung über den Inhalt der Berliner Besprechungen. Berlin, 1. Sept. (ERB. Funkspruch.) Aus fron- zösischer Quelle sind gestern abend Nachrichten über eine Besprechung zwischen dem Reichsaußenminister und dem französischen Botschafter verbreitet worden, die am Montag ftattgefunöen haben. In den Nachrichten heißt cs weiter, es fei eine Note übergeben worden, über deren Inhalt im einzelnen noch nichts gesagt werden könne. Wie hierzu amtlich mitgeteilt wird, trifft die Meldung über die Besprechung am Montag zu. Es war mit der Gegenseite völlige Vertraulichkeit vereinbart worden, die von deutscher Seite treng gewahrt worden ist. Durch eine Indiskretion von der anderen Seite her ist zunächst die französische O e f f e n 11 i ch k e i t auf die Besprechung aufmerksam gemacht worden. Schon in Lausanne und Genf haben Besprechungen über die Frage der Gleichberechtigung zwi- chen Deutschland, Frankreich und anderen Mächten tattgefunöcn. Im Verlaufe dieser Besprechungen har der Reichsaußenminister am Montag den französischen Botschafter zu sich gebeten um eine Klärung über die Beurteilung des deutschen Anspruches auf Gleichberechtigung in der Abrüstungsfrage einzuleiten, wie das in Genf mit dem französischen Außenminister ausdrücklich vereinbart worden war. Minister von Neurath hat dem französischen Botschafter gegenüber den deutschen Standpunkt in der Abrüstungsfrage so vertreten, wie er immer von Deutschland vertreten worden ist. Um irgendwelche Mißverständnisse und Irrtümer auszuschließen, hat er dem französischen Botschafter noch eine schriftliche Zusammenfassung seiner mündlichen Darlegungen übergeben. Diese Zusammenfassung als Note ober als Memorandum zu bezeichnen, ist irreführend. Es handelt sich nur um eine lose Aufzeichnung der behandelten Gedanken. Die Erklärungen des Reichsouhenminislers gehen aus von der Resolution, die bei der Vertagung der Abrüstungskonferenz beschlossen worden ist. Diese Resolution enthält nichts über die Frage, ob die neuenRlahnahmenüberdieAbrüstung auch auf Deutschland Anwendung finden sollten. Aus diesem Grunde war es für Deutschland unmöglich, diese Resolution anzunehmen, es hat sie abgelehnt. Der Reichsaußenminisker hat dem sranzösischen Botschafter gegenüber betont, daß Deutschland die Berechtigung hat, eine Klärung über seine Gleichberechtigungs- ansprüche zu verlangen. Deutschland hält an dem Standpunkt fest, daß die Abrüstung der anderen nach dem Muster der deutschen Abrüstung durchgeführt werden muß, Deutschland ist für eine möglichst ölige- meineradikaleAbrüstung. Diese Abrüstung könnte aber nur nach denselben Grundsätzen für alle Staaten durchgeführt werden. Die Maßnahmen, die in Deutschland ergriffen werden müßten, richten sich, wie der Reichswehrminister wiederholt bargelegt hat, nach der Art und dem Umfang der allgemeinen Abrüstung. Einzelheiten sind noch nicht durchgesprochen worden. Ls ist nur über den allgemeinen Grundsatz gesprochen worden, den wir Deutschen in der Formel zusammenfassen: was den anderen erlaubt ist, muß auch Deutschland erlaubt sein. Ueber den Gang der Besprechung sind auch die übrigen Mächte informiert worden. Daß die Verhandlungen zunächst mit Frankreich begonnen worden sind, liegt daran, daß Frankreich sich der deutschen Auffassung am wenig st en angenähert hat. Ueber die weiteren Verhandlungsmethoden ist noch nichts vereinbart worden. Herriot nicht überrascht. Ministerbefprcchung in Paris. Paris, 1. Sept. (ERB. Funkspruch, eigne Meldung.) Der Kabinettschef im französischen Außenministerium, Alphand, hatte sich, wie angekündigt, gestern nach Eherbourg begeben, um dem Ministerpräsidenten He r- r i o t das Schriftstück, in dem der deutsche Standpunkt in der Abrüstungsfrage dargelegt wird, zu überreichen. Nachdem Herriot Einblick in das Schriftstück genommen hatte, soll er — wie „Echo de Paris" meldet — zu seiner näheren Umgebung gesagt haben: „Diese Erklärung überrascht uns nicht, und wir erwarteten sie. Bevor ich dazu Stellung nehme, will ich zunächst den vollständigen Wortlaut der Note lesen. Aber auch dann wird es noch verfrüht sein, eine Meinung zu äußern. Denn diese Note muß den Ministern unterbreitet werden und zum Gegenstand von Besprechungen mit den interessierten Regierungen gemacht werden." Herriot erklärte ferner: „Ich werde die deutsche Note aufmerksam st u d i c r c n. Sic wirb Gegenstanb einer eingehenben Prüfung bes am Mittwoch zusammcntrctenbcn 9)1 i n i ft erröt e s sein. Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich hinzusiiqe, baß bie bcutsche Forberung Anlaß zu einem diplomatischen Meinungsaustausch geben wirb. Aisbann wirb man sehen. Die öffentliche Meinung Frankreichs genau wie bie Re- gicrung werben völlig kaltblütig bleiben, wie sie bies bereits während ber Genfer unb Lausanner Derhanblungen taten. Wir Haden keinen Grunb, von biefer Haltung abzugehen. Ich gedenke, meine letzten brei Ferientage frieblich zu verbringen. Heftige Ausfälle der französischen presse. Der Ton der Pariser Blätter ist von großer Schärfe und nimmt bisweilen drohende Formen an. 3edes Maß verliert „Ere Nouvelle", das Blatt, in dem Ministerpräsident Herriot zu Wort zu kommen pflegt. Es stellt an den Beginn seiner äußerst gehässigen Ausführungen die Frage, ob Minister von Schleicher den Versailler Vertrag beerdigen wolle, und meint dann u. a., es sei klar, daß man im Versailler Vertrag die notwendigen Vorsichtsmaßregeln gegen diejenigen habe ergreifen wollen, die nicht gezögert hätten, den Krieg vorzubereiten. Die Republikaner in Frankreich hätten den jacobinischen Geist bewahrt, der ebenso um die Interessen des Vaterlandes wie der Menschheit besorgt sei. — „Somme Libre" fordert den Zusammenschluß aller Franzosenum Herriot, um der Welt klar zu machen, daß Frankreich nichts weiter wolle als den Frieden und seine Sicherheit. — „ Quotidien" fordert, ebenfalls ein einmütiges entschlossenes „Rein" und die Sammlung der Franzosen um den französischen Ministerpräsidenten. Deutschland beschuldige Frankreich, nicht abgerüstet zu haben. Frankreich könne erwidern, daß Deutschland heimlich ausgerüstet (!) habe. — „3 ournee Jndu st ri el le" scheut sich nicht, das Gespenst eines Krieges an die Wand zu malen. — ,,L'Ordre" erklärt, General von Schleicher gehe von Drohungen zu Handlungen über. Jetzt, wo Europa daran arbeite, die tragischen Folgen der Wirtschaftskrise wieder gut zu machen, werfe Deutschland die Maske ab. — 3m Gewerkschastsblatt „Le Peuple" erklärt der sozialistische Abgeordnete Fontanier, man müsse der französischen Politik den Vorwurf machen, die heutigen Verhältnisse heraufbeschworen „u haben. Man müsse abrüsten, damit Deutschland nicht erneut rüste. Tdd stehe im Versailler Vertrag. Was fast man in England zn dem deutschen S chrill? London, l.Sept. (ERB. Funkspruch.) Die größtenteils aus Paris datierten Nachrichten über den neuesten deutschen Schritt wegen der Gleichberechtigung in der Rüstungsfrage werden von der Presse an hervorragender Stelle wiedergegeben, doch enthalten sich die meisten Blätter einer redaktionellen Stellungnahme dazu, vermutlich infolge des späten Eintreffens der Meldung. „D a i l y H e r a l d" (Labour) meint, der Schritt der Reichsregierung sei geeignet, die Mitglieder vieler Parteien um sich zu scharen. Das Blatt glaubt, mitteilen zu können, daß Ministerpräsident Macdonald durchaus für d i e D e s e i - tigung der Abrüstungsklauseln des Versailler Vertrages und für volle Gleich, berechtigung Deutschlands sei. während allerdings der Staatssekretär des Aeußern. Sir John Simon, mehr dem französischen Standpunkt zuneige. Die deutsche Forderung entspreche durchaus dem Versailler Vertrag. Sobald die Ergebnisse der Abrüstungskonferenz Vorlagen, müßte Deutschlands Forderung von den Mächten mit völliger Gerechtigkeit und Objektivität geprüft werden und zwar ohne Rücksicht darauf, ob Frankreichein- verstanden sei oder nicht. Das liberale „News Ehronicle" schreibt, in gut unterrichteten Kreisen herrsche kein Zweifel darüber, daß die Besprechungen zwischen Sir Herbert Samuel und dem französischen Ministerpräsidenten Herriot auf der 3nsel Guerne- sey den Abrüstungsfragen gegolten haben. Es sei darauf hinzuweisen, daß Sir Herbert Samuel britischer Delegierter auf der Abrüstungskonferenz gewesen ist. 3n Paris sei schon vor zehn Tagen bekannt gewesen, daß Deutschland beabsichtige, in Paris und London Verhandlungen über diese Fragen zu beginnen. Es sei also nicht unwahrscheinlich, daß die Zusammenlunf t in Guer- neseh damit in Zusammenhang stehe. Der Pariser Korrespondent der»„Worning P o st" erwartet, daß die französische Regierung sich bereit erklären werde, die Abrüstungs- verhandlungen vom April d. 3., die damals zwischen Macdonald, Dr. Brüning, Tar- dieu und Stimson geführt wurden, wieder aufzunehmen, denn sie könne eine solcheEr- örterung kaum vermeiden. Der Korrespondent ist der Meinung, daß viel von der Haltung E n g - 5ands abhängc. „M anchester Guardian" schreibt zu den deutschen Wehrforderungen, die britische Regierung habe weder ihre Zustimmung noch ihre Ablehnung zu irgend etwas erklärt. Unter Teil V des Versailler Vertrags fei Deutschland des Rechts zst gewissen spezifischen Rüstungen beraubt. Wenn alle Länder Übereinkommen würden, diese Waffen i n ihren eigenen Heeren abzuschaffen, würde dies, so glaube man in britischen diplomatischen Kreisen, die beste Lösung sein. Aber dies hieße Unmögliches verlangen. Die Alter- nativen seien, entweder dies zu tun oder Deutschland der Beschränkungen zu entheben oder gegenüber Deutschland „Nein" zu sagen. von allergrößter Tragweite. Die Mitwirkung habet entspricht vor allem dem Ehrgeiz des englischen Ministerpräsidenten. Vorläufig wird noch das Vor- qelänöc sondiert. Es ist aber hohe Zeit, daß wir uns zu Worte melden. Wir brauchen ein außenpolitisches Programm, wir können nicht abwarten, bis es andere Mächte uns vorschreiben. Nach Paris zurückgekehrt. Mit dem Ergebnis von Jersey zufrieden. Paris, 1. Sept. (WTB. Funkspruch.) Herriot ist am Mittwoch gegen 18 Uhr vor Cherbourg angekommen. Er hat von Bord aus zwei Telegramme an Sir Herbert Samuel und an den Gouverneur von 3ersey gesandt. 3n beiden Telegrammen brachte der Ministerpräsident seinen Dank für die warme Aufnahme zum Ausdruck, die er auf den anglo-normannischen Inseln fand, und betonte, daß durch diese 3n- seln seit Jahrhunderten durch Natur und Geschichte die englisch-französische Freundschaft ber. wirklicht sei. Um 20 Uhr begab sich Herrtot an Bord einer Privatyacht, wo er mit einigen Freunden und Sir Austen Chamberlain das Abendessen einnahm. Gegen 23 Uhr kehrte ber Ministerpräsident an Land zurück, um sich mit einem Sonderzug, der Cherbourg um 1.29 Uhr nachts verließ, nach Parts zu begeben. Herriot hat. bevor er Guernsey verließ, die Ber. tretet der Presse empfangen und seine Erklärun- I gen mit folgenden Worten geschlossen: mehr denn je glaube ich an das Einvernehmen des briti- | schen und des französischen Volkes, das für die Erhaltung des Friedens und der Freiheit durchaus notwendig ist. Volonte ist begeistert von der Art und Weise, wie Herriot mit seinen englischen Freunden zusammengekommen fei. Man habe sicherlich nicht nur von schönen: Wetter, Prähistorie usw. gesprochen, sondern auch von anderem. Man habe politische Ansichten ausgetauscht. Eine Fühlungnahme, wie die von Guernsey sei nusgezeichnet, denn sie tue mehr für den Frieden als Berge von diplomatischen Berichten. Sie bringe die Staatsmänner näher und damit die Völker. Brüning und die NSDAP. Berlin, 1. Sept. (TU.) Reichskanzler a. D. Dr. Brüning hat dem Publizisten Dr. Paul Rohrbach in München auf einen Brief, den Dr. Rohrbach vor einigen Tagen in der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" veröffentlicht hatte, geantwortet, daß er seit Wochen von Persönlichkeiten, die nicht seiner Partei angehören, gebeten worden sei, eine Aussprache mit nationalsozialistischen Führern nicht abzu- lehncn. Er habe sich aber zu einer solchen Aussprache nicht entschließen können, so lange Verhandlungen zwischen den Nationalsozialisten und der Regierung geschwebt hätten, um die Verhandlungen nicht zu ftoren. Nunmehr aber habe er sich auf erneute Dillen patriotisch denkender Männer zu einer Fühlungnahme bereit erklärt. Diese Aussprache habe der Feststellung dienen sollen, ob überhaupt eine Möglichkeit zurDildungeinerversassungsmaßi- gen Regierung vorhanden sei. Das zu versuchen, fei für ihn auch Gewissenspflicht gewesen. Heute, wie früher, fühle er sich allen denen gegenüber, die den Reichspräsidenten gewählt hätten, verpflichtet, alles daranzrlletzen, die Autorität des Herrn Reichspräsidenten zu festigen und das Betreten eines nichtverfassungsmähigen Weges abzuwenden. Keine Spur von Erbitterung bestimme fein Handeln, sondern die Sorge um das Vaterland. Oie Republikanische Beschwerdestelle. Berlin, 31. August. (CNB.) Im Preußischen Landtag wurde Beschwerde über die Republikanische Beschwerdestelle geführt und das Staatsministerium gebeten, „die republikanische Beschwerdestellen a l s Herde ständiger Beunruhigung sofort zu schließen". Wie der kommissarische preußische Innenminister antwortete, handelt es sich bei der Republikanischen Beschwerdestelle um eine private Einrichtung ohne jeden amtlichen Charakter. Ueber ihre Beziehungen zu Privatpersonen Ermittlungen anzustellen, fehlt daher der Staats« regierung die rechtliche Handhabe. Es ist aber Vorsorge getroffen, daß der Verkehr der Repu« b titanischen Beschwerdestelle mit amtlichen Stellen auf das Maß beschränkt bleibt, das sich aus der Gewährleistung des Petitionsrechtes in Artikel 126 RD, ergibt Line Anmaßung i h r nicht zu st ehender A u fs i ch t s r e chte über Behörden oder Beamte wird n i d>t geduldet werden. Eine Schließung der Republikanischen Beschwerdestelle ist aus rechtlichen Gründen jedoch unzulässig. Aus aller Well. Das Großfeuer bei Stettin. — 1,5 Millionen Mack .Schaden. Zu dem Großfeuer in der Mahlmühle der Pommerschen Hauptgenossenschaft in Züllchow bei Stettin wird noch ergänzend berichtet, daß in der Mühle etwa 1 0 0 0 0 Zentner Getreide eingelagert waren, die durch das Feuer restlos vernichtet worden sind. Der Ge- samtschaden, den die Stettiner Dampfmühle QI®, bzw. die Pommersche Landwirtschaftliche Hauptgenossenschaft, deren Tochtergesellschaft das Mühlenwerk ist, erlitten haben, wird vorläufig auf 1,5 M i l l. M k. geschätzt. Den Hauptteil des Schadens wird die Versicherungsgesellschaft der deutschen Landwirtschaftlichen Genossenschaften zu tragen haben. Die Pommersche Feuer-Sozietät ist ebenfalls an der Versicherung beteiligt. Unwetter in Hinterpommern. In den letzten Tagen wurden die Kreise Stolp, Bütow und Rummelsburg von außerordentlich schweren Wolkenbrüchen heimgesucht, die großen Schaden auf den Feldern anrichteten. Besonders heftig wütete das Unwetter im Kreise Bummelsburg, wo während zweier Stunden ungeheure Wassermengen niedergingen. Oluf der Bahnstrecke Bütow—Zollbrück wurde die acht Meter hohe Böschung des Bahndammes tief aus- gchöhlt und die Erdmassen auf die Dahn- strecke geschüttet, wo sie sich meterhoch auftürmten. Der fahrplanmäßige Triebwagenzug fuhr mit voller Geschwindigkeit in die Erdmassen hinein und blieb stecken. Vach dreiviertelstündiger Tätigkeit konnte der Zug ausgeschaufelt werden und dann die Fahrt fortsetzen. Felder und Wiesen gleichen ungeheuren Seen. Der Schaden ist sehr bedeutend. Die amerikanische Sonnenfinsternis. Millionen von Menschen hatten die Plattformen der Wolkenkratzer, die Hausdächer, Olnhöhen und Drücken von Veuyork besetzt, um die am Mittwoch um 3,23 Ahr örtlicher Sommerzeit beginnende Sonnenfinsternis beobachten zu können, die in Veuyork deutlich sichtbar war. Freilich muhten sich die Veuyorker mit einer Verfinsterung von 95 v. H begnügen, während di« Vollständige Verfinsterung nur in Vcu-England beobachtet werden konnte, wohin sich bereits in den letzten Tagen zahlreiche Zuschauer mit Sonderzügen, Autos und Flugzeugen auf den Weg gemacht hatten. Hier hatten auch 5 2 wissenschaftliche Expeditionen ihre Zelte aufgeschlagen und Vorbereitungen getroffen, um die Totalfinsternis im Bereich der 100 Meilen breiten Mondschattenbahn zwischen Parent-Quebec und Frheburg-Maine eingehend zu studieren. Die Beobachtungen sollen jedoch unter der teilweise sehr starken Bewölkung gelitten haben. Schwedisches Vachtpostflugzeug abgestürzt. Zwei Tote. Das schwedische Vachtflugzeug Amsterdam- Malmö, das den Flughafen Schiphol bei Amsterdam flugplanmäßig verlassen hatte, ist etwa eine Stunde später bei Tubbergen in der Vähe der holländisch-deutschen Grenze verunglückt. Dabei wurde der Führer des Flugzeuges, Lilje - berg, auf der Stelle getötet. Der Mechaniker Attergard ist kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus gestorben. Die Arsache soll in einem Motorschaden zu suchen sein. Der Führer dürfte versucht haben, im Vebel zu landen. Dabei streifte das Flugzeug die Dächer zweier Häuser, einige Bäume und Telephonmasten und stürzte dann ab. Don einem der Häuser wurde das Dach abgerissen. Drei darunter schlafende Kinder blieben unverletzt. Zwei Segelflugzeuge verbrannt. Der Segelflugverein Paderborn befand sich dieser Tage mit zwei Segelflugzeugen auf dem Wege nach Warstein (Kreis Arnsberg, Westf.). In Belecke fingen die Flugzeuge, die auf einem dem Auto angehäng- Appori! Lehrjahre eines Hundes. Von Heinrich Hauser. ' Dei den Mexikanern heißt das Tier „Vaualli", das heißt „öer verkleidete Mensch". Sein Gesicht ist klug. In der Ruhe ernst. Wenn man ihn ansieht, freundlich. Dreit ist sein Kopf, an der gewölbten Schädeldecke liegt die Knochennaht. Vachdenklich sieht das aus. Glatt und braun sind seine Lefzen, wie Schokolade. Tief fallen sie über die Anterlippen; ihre Ränder sind gezackt. Wenn er die Zunge hechelnd hängen läßt, scheint er zu lachen. Flach sind seine Schultern, schräggestellt und muskulös. Gerade sind seine Vorderläufe, stark und trocken. Das Gelenk ist hart wie Horn. Seine Füße sind rund gewölbt, die Zehen dicht geschlossen, die Dalien derbkörnig, die Vägel nach innen gekrümmt. Zwischen den Zehen wachsen weiche Haare. Seine Drust ist tief, die Rippen seitlich flachgedrückt. Straff hochgezogen ist der Dauch zwischen den Schenkeln. Seme Haut ist locker, das Fell glänzt seidig. Zottig ist die Drust. Seine Augen sind wie heller Bernstein, seine Vase ist feucht. In der Jugend lebte er frei im Haus und auf dem Hof. Eines Ta^es wird er angeleint. Fest sitzt das Halsband mit dem Würgring. In seinem Racken fühlt er die Stacheln der Korallen. Er ist unruhig und ungestüm. Er ahnt sein Schicksal über sich. Anheimlich ist ihm die Dressierstube. Anheimlich ist ihm der Ernst seines Herrn. Seine Lederhandschuhe, die bis über die Gelenke reichen, die Lederleine mit dem Karabinerhaken. Vertraut nur der Geruch des alten Iagdrocks. Die linke Hand in die Hüfte gestemmt, gehe ich jetzt vorwärts mit der Leine. Der Hund merkt, daß die Korallen stechen. Mit allen Vieren stemmt er sich gegen die Bewegung an. Jetzt stechen ihn die Stacheln schärfer. Er weiß nicht, wie das kommt, was es bedeuten soll. Angst überwältigt ihn und Schmerz, und heulend wirft er sich zu Boden. Freundlich rede ich ihn an, und er beruhigt sich. Er lernt, daß die Korallen ihn nicht stechen, wenn er dem Herrn nur nachfolgt, dicht an seinem Fuß. So lernt er gehen. ®r lernt gehorchen: der Pfiff des Herrn schlägt scharf und gellend in seine Vervenbahnen wie ein Blitz. Vagelt ihn fest am Boden, reiht ihn zurück. Die Stimme des Herrn durchglüht ihn mit Feuer, ten Fahrgestell lagen, plötzlich durch eine große Stichflamme Feuer und waren in wenigen Minuten vernichtet. Gepäck, Anzüge und sonstiges Gerät der Segelflieger verbrannten ebenfalls. Der Brand soll durch Heißlaufen der Achse entstanden sein. Gronau unterwegs. Der deutsche Flieger Wolfgang von Gronau ist, wie aus Dutch charbor (Alaska) gemeldet wird, nach Attu, der Kamtschatka am nächsten liegenden Insel der Aleutengruppe, gestartet und dort programmgemäß gelandet. Von Attu will Gronau nach chormuschiro weiterfliegen. Hutchinson mit Familie in Labrador gelandet. Die „fliegende Familie" Hutchinson ist in hopedale (Labrador) gelandet. Weltrekord gebrochen und doch fein Weltrekord Der bekannte französische Kriegsflieger Hage l e n hat vom Flugplatz von Etampes aus den Versuch gemacht, den Weltschnelligkeitsrekord über 500 Kilometer mit 500 Kilo Nutzlast zu brechen. Obgleich ihm der Versuch mit einem erzielten Durchschnitt von 285 Stundenkilometer praktisch gelang, bleibt ihm die Anerkennung des neuen Weltrekords infolge eines Anfalles versagt. Außerordentlich dichter Vebel machte Hagelen nach vollendetem Flug die Landung in Etampes unmöglich. Da sich gleichzeitig roh Motorschwierigkciten einstelltm uid d?r Flieger es nicht wagen konnte, mit einer Belastung von 500 Kilo Vuhlast blind zu landen, sah er sich genötigt, die Maschine preiszugeben und mit dem Fallschirm abzuspringen. Der Rekordflieger kam unverletzt zu Boden. Mollison kehrt mit dem Schiff zurück. Wie aus Sidney (Neuschottland) gemeldet wird, hat der Transozeanflieger M o l l i s o n auf Bitten seiner Frau und auf den Rat des Arztes hin auf seinen zweiten Transozeanflug Amerika— England verzichtet. Er wird vielmehr mit dem Schiff zurückkehren. ..Graf Zeppelin" auf der Südamerikafahrt. Wie die Hamburg-Amerika-Linie mitteilt, befand sich das Luftschiff „Graf Zeppelin" am Mittwoch früh um 4.20 Uhr Greenwicher Zeit auf 11 Grad 20 Minuten Nord und 28 Grad 40 Minuten West, das ist südwestlich der Kap-Devdischen Inseln. Um 14 Uhr MEZ. war der Standort des Luftschiffs auf 4.15 Grad Nord und 32.10 Grad West, das ist ungefähr 200 Seemeilen nordwestlich von St. Pauls Rock. Schmugglerbande ausgehoben. Die Polizeibehörden von Deutschland, Oesterreich, der Tschechoslowakei und Polen verfolgten schon seit längerer Zeit die Spur einer Bande, die sich mit dem Schmuggel von Seidenwaren aus Wien über die Tschechoslowakei und Deutschland nach Polen befaßte. Der Kattowitzer Kriminalpolizei ist es jetzt gelungen, eine Anzahl von Mitgliedern dieser Schmugglerbande zu verhaften. Inzwischen ist es auch geglückt, die Schlupfwinkel der Bande auszuheben. So konnten in Kattowitz, Warschau, Czen- stochau und anderen Orten Polens mehrere ZentnergeschmuggelterSeidenwaren beschlagnahmt werden. Der Wert der beschlagnahmten Waren beträgt mehrere hunderttausend Zloty. Schiffszusammenstoß in Japan. — 17 Personen ertrunken. An der Küste der nordjapanischen Insel Hokkaido sind zwei japanische Dampfer z u s a m - menge st oßen. Der Dampfer „Kumia Maru" sank innerhalb weniger Minuten. 17 Mitglieder der Besatzung ertranken, sieben wurden gerettet. > Schweres Unwetter im Elsaß. Orkanartiger Sturm und h a g e l s ch l a g hoben in der Gegend von Brumath (Unterelsaß) in kurzer Zeit an den Kulturen ungeheuren Schaden angerichtet, der in die Millionen Franks geht. Die Tabakfelder sind fast gänzlich z e r st ö r t. Mord aus Mitleid. Ein furchtbares Drama hat sich in Hüttblek bei Kaltenkirchen (Holstein) zugetragen. Dort erdrosselte die Ehefrau des Arbeiters Blunk ihren dreizehnjährigen Sohn auf dem Boden des Hauses und begab sich dann zum Gemeindevorsteher, um die Tat zu melden. Der junge Blunk ist g e i st i g wirft ihn in Abgründe tiefster Zerknirschung, nimmt ihn in Gnaden wieder auf. Glücklich ist er, wenn er merkt, daß er das Dechte tut. Er lernt sich zu bezwingen, sich zu überwinden gegen die eigene Vatur. Anter einer Schicht von unerbittlicher Härte spürt er die Liebe seines Herrn. Geheime Zeichen, Flüsterworte, Augenwinke erfüllen ihn mit dem Stolz des Verstehens. Einsam bleibt er nach dem Anterricht im Zimmer angebunden. Qlllein mit sich durchlebt er alles noch einmal, unruhig im Gemüt, sehnsüchtig nach Befreiung, hungrig. Amgang mit dem jungen Hund ist Umgang mit einer Persönlichkeit. Der Mensch mutz fühlen, wie seine Gaben sind, ob er weich ist oder hart, wie er begreift, wie man ihn anleiten mutz. Blick und Stimme sind Werkzeuge und die führende, fühlende, deutende Hand. Er mutz verstehen, das Feuer der Passion zu dämmen und doch zugleich zu schüren, damit Leidenschaft sich anstaut, immer bereit zum Einsatz, eine starke, unauslöschbare Glut. Kaltblütig, besonnen, schnell entschlossen, Herr seiner Leidenschaften mutz der Führer sein. Eines Tages nehme ich den Kopf des Hundes zwischen die Knie. Mit der Rechten greife ich hinter die Fangzähne, öffne ihm den Fang. Gleichzeitig schiebe ich die Linke zwischen die Lef- .zen: rufe „Apport". Der Hund blickt ganz erstaunt. Zaghaft und zart hält er die Hand in seinen Zähnen. So lernt er Vögel und kleines Mild aufzunehmen ohne sie zu quetschen. Wenn er etwas begriffen hat, lobt man ihn sehr: der Anfang ist immer am schwersten. Wenn die Kraft des Befehls ihm bis in die Knochen eingegangen ist, nimmt man ihn ins Revier. Oft sieht er Hasen dicht an seiner Vase vorbeijagen. Begierde durchzuckt ihn bis in alle Verven: jetzt loszujagen, wie schön wäre das! Ein ungeheurer Kampf spielt sich in seiner Seele ab. Leise winselnd blickt er immerfort nach seinem Herrn. Er zittert, aber rührt sich nicht vom Platz. Eines Tages darf er einen Hasen hetzen. Im Zickzack über Hügel entschwindet er wie ein Komet in unbekannte Fernen. Lächelnd sieht der Herr ihm nach. Dann wendet er sich um; mit weitem Satz überspringt er einen Graben, drückt sich in die nächste Kiefernschonung und legt sich nieder. nicht normal. In der letzten Zeit war er aus einer Anstalt auf Ferien nach Hause gekommen. Hier bekam der Sohn einen Anfall, lief die Treppe zum Boden hinauf und begann dort zu toben. Die Mutter eilte ihm nach, nahm eine Schlinge und erdrosselte damit das Kind, um es von seinen Qualen zu befreien. Die Staatsanwaltschaft hat die Frau bereits vernommen. Sie ist ruhig und gefaßt und erklärt nur, sie habe es nicht länger mit ansehen können, wie ihr Kind leide. Nervenzusammenbruch Jimmy Walkers. Der Neuyorker Bürgermeister Jimmy Walker, dessen P r o z eß außerordentlich ungün» stig steht, hat nach einer Meldung Berliner Blätter aus Neuyork einen Nervenzusammenbruch erlitten, der die Unterbrechung des Verhörs notwendig machte. Die Aerzte erklärten Walker für verhandlungsunfähig und fordern die Aussetzung des Disziplinarverfahrens auf unbestimmte Zeit. Aus der provinzialhaupistadt. Gießen, den 1. September 1932. Der Krastradfahrer. Der Kraftradfahrer entstand durch Abspaltung von den Kraftwagenfahrern, die im Gegensatz zu ihm durch vier Räder kenntlich sind. Er ist eines der am meisten beachteten Lebewesen und bildet eine Klasse für sich. Sein Nervensystem ist ganz besonders entwickelt. Während die Bewegungsnerven außerordentlich stark ausgebildet sind, fehlen andere wichtige Nervenstränge vollkommen. So ist er z. B. gegen Lärm, Geruch, Luftdruck usw. völlig unempfindlich. Seine Bewegungen sind verschieden: Im dicksten Straßenverkehr gleichen sie denen eines Aales. Er windet sich durch jegliches Gewühl, wobei er vielfach rote oder grüne Lichter übersieht oder mißachtet. Auf den Landstraßen jedoch nehmen seine Bewegungen eine schnurgerade Richtung ein, die nur in allernotwendigsten Fällen, und dann auch erst im letzten Augenblick, geändert wird. Seine Geschwindigkeit geht meistens sofort nach der Abfahrt in die beschleunigte Bewegung über. Sein Sehnsuchtsziel ist, die Mündungsgeschwindigkeit einer Gewehrkugel zu erreichen. Er nimmt ständig unglaubliche Gefahren auf sich. Weil er stets in größter Eile zu fein scheint, das Horn bläst und in seiner Rüstung gefährlich aussieht, erregt er überall Aufmerksamkeit und Furcht. Hat er das für ihn lästige, aber unbedeutende Getriebe einer Stadt hinter sich, so kommt er allmählich in das ihm von der Natur zugewiesene Element. Bei der Erfüllung seines Daseinszweckes, möglichst lange Strecken in möglichst kurzer Zeit zurückzulegen, schaut er weder rechts, noch links. Irgendwo sich aufzuhalten, scheint ihm unmännlich; es sei denn, daß eine Panne ihn zu kürzerem, ober längerem Derweilen zwingt. Wenn er durch Zufall seine Frau, oder ein Mädchen seiner oft sehr ausgedehnten Bekanntschaft in einem der kornisch geformten Behälter neben sich mitführt, wird man höchst selten bemerken, daß er diesem Lebewesen irgend welche Beachtung schenkt. Es sei denn, daß seine Begleiterin bei einer Kurve in sanftem Bogen das Fahrzeug verläßt, um auf einer weichen Wiese zu landen. Aber auch hier hat es sich schon ereignet, daß der Kraftradfahrer, ganz erfüllt von seiner Aufgabe, von diesem Vorgang keine Kenntnis genommen hat und erft am Ziel der Fahrt den leeren Behälter bemerkte. So sitzt die Begleiterin meistens in ängstlicher Einsamkeit neben ihm, mit großen Augen in die oorbeislitzende Gegend schauend und von Zeit zu Zeit den im knallenden Lärm verhallenden Bittschrei ausstoßend, nicht so zu rasen. Er hört es indessen nicht, denn sie ist aus seinem Gedanken- gang ausgeschaltet. Der Kraftradfahrer trägt stets einen unveränderlichen Ausdruck der Entschlossenheit zur Schau, vorausgesetzt, daß er uns Zeit läßt, ihn kurz zu betrachten. Man hat immer den Eindruck, daß er ein seltsames und einsames Wesen ist, das eine ganz wichtige Aufgabe zu erfüllen hat. Vielleicht muß er eine Kriegserklärung an Bolivien überbringen! Vielleicht auch eine Botschaft an irgendeinen Marsbewohner! Wer kann es wissen! Jedenfalls scheint er immer im Dienst zu sein. In einem Dienst, von dessen Verrichtung Glück und Lebensmöglichkeiten ganzer Erdteile abhängen. Je mehr Erde er an sein schattenhaftes Dasein heftet, desto glücklicher ist er. Er ist der Herr der Welt. Nur eine Macht bezwingt ihn: Die Kraftradpolizei. M. A. Zeit vergeht, wohl eine halbe Pfeife lang. Da erscheint der Hund, ein kleiner Punkt, eilig antrabend, etwas schief, mit hechelnder Zunge und beschämt. Er kommt an die Stelle, wo fein Herr gewesen ist. Aber da ist er nicht mehr. Der junge Hund ist ganz verwirrt: wo ist er bloh geblieben? Aeberall äugt er umher. Da sieht er weit hinten auf dem Feldweg einen Menschen: Da ist ja der Herr, freudig jagt er auf ihn zu. — Aber nein, das ist er nicht. Der Hund ist sehr enttäuscht. Er kommt zurück. Sein Ausdruck ist besorgt. Er schwärmt umher und sucht und sucht mit den Augen. Dann fetzt er sich hin und winselt leise. Schlimm ift'd, so ganz verlassen auf der Welt zu sein. Man streckt die Vase in die Luft und beult. Er ist so matt von seiner langen Hetze, so entnervt von Angst. Wieder fängt er an zu suchen. Ein Hase, von ihm herauSgestotzen, geht dicht vor seinen Vase ab. Aber das kümmert ihn nicht mehr. Er denkt jetzt nur an seinen Herrn. Der Jäger beobachtet ihn lächelnd aus dem Vorhang der Kiefernzweige. Jetzt ist der Hund wieder an der Stelle angekommen, wo der Herr zuletzt gestanden hat. Gr beschnüffelt die Stelle. Mit einmal durchzuckt es ihn wie eine Eingebung: die Spur! Seine Rute wippt vor Erregung hin und her. Er überfällt den Graben, er folgt der Spur mit tiefer Olafe, er bohrt sich in die Büsche. Da ist der Herr! And in unendlichem Glück springt er ihn an, schüttelt alle Schauer der Angst aus sich heraus. Ich bin zufrieden: der Hund zeigt Olafe. Mensch und Hund lernen gegenseitig voneinander. Der Hund heißt Hexe. In seiner harten Schule ist er ernst geworden. Im Wald war er wie ein Stück vom Wald. Ich schlafe mit ihm auf seiner Matte, den Kopf auf seine Rippen aufgelegt. Gr weckt mich in der Dämmerung mit einem warmen Strich feiner rauhen Zunge über mein Gesicht: Seit, auf die Jagd zu gehen. Oie verräterische Kugel. Die Feststellung der Waffe, mit her dem Opfer Die Wunde ober der Tob zugefügt wurde, spielt eine Hauptrolle bei der Aufklärung von Verbrechen. Wenn der Verbrecher sich einer Feuerwaffe bedient bat und das Projektil gefunden ist, hat man tech- nifdje Methoden ausgearbeitet, um mit Hilfe des Geschosses die Spur sowohl der Waffe als des Täters zu verfolgen. Charakteristische Merkmale an I. Hessischer Grenadieriag. Unser Gießener Bataillon bereitet zur Zeit in Gemeinschaft mit der Vereinigung ehemaliger hessischer Grenadiere eine große Veranstaltung vor, die am 1. und 2. Oktober als 1. Hessischer Grenadiertag stattfinden wird. Als Auftakt zu dem Ereignis, das die guten Beziehungen zwischen unserer Garnison und der Bürgerschaft noch inniger als bisher gestalten, zugleich aber auch den Wehrgedanken in breitesten Bevölkerungsschichten ausbreiten und vertiefen soll, werden am 30. September abends die Fahnen der alten hessischen Regimenter aus Darm- stabt in Gießen eintreffen unb am Bahnhof von einer Fahnenkompanie in Empfang genommen werden. Für den 1. Oktober sind bis jetzt folgende Veranstaltungen in Aussicht genommen: Preisschießen des Bataillons und der Grenadiervereinigung, Reitjagd des Bataillons und der ländlichen Reiteroer- eine, Preisschießen von Interessenten aus der Zivilbevölkerung, großes Biwack des Bataillons auf dem Trieb, anschließend Großer Zapfenstreich des Musik» korps des Gießener und des Ausbildungsbataillons von Marburg. Der Sonntag, 2. Oktober, wird am Vormittag u. a. einen Feldgottesdienst auf dem Kasernenhof, ferner einen Parademarsch des Bataillons auf dem Trieb dringen. Am Nachmittag werden militärfport« liche Vorführungen und ein moderner Infanteriekampf auf dem Trieb gezeigt. Den Abschluß dieses Tages soll am Abend ein großer Festball in der Dolkshalle bilden. Olcben diesen Hauptpunkten des bis jetzt vorgesehenen Programms werden noch eine Reihe weiterer Okranftaltungcn geplant, über die näheres noch mitgeteilt wird; u. a. will man auch der Zivilbevölkerung Gelegenheit geben, die Güte der militärischen Kost an den Feldküchen in ausgiebigem Maße selbst feststellen zu können. Sämtliche Veranstaltungen, auch auf dem Ka- fernenhofe, werden der Zivilbevölkerung zugängli ch sein, da man, dem Charakter des Festes entsprechend, auf engste Fühlungnahme zwischen Militär und Zivil bei diesem ersten militärsportlichen Ereignis dieser Art größten Wert legt. Die Bevölkerung in Stadt und Land, ganz besonders die Militärvereine und die alten Soldaten, seien schon heute auf diese Veranstaltung aufmerksam gemacht, und es sei ihnen angeraten, sich den 1. und 2. Oktober für den Besuch dieses Militärfestes freizuhalten. Kriminalinspekior Magold. Kriminalpolizeimeister M a g o l d wurde (wie gestern schon von uns gemeldet. — D. Red.) durch Verfügung des Justizministeriums mit Wirkung vom 1. September an zum Krimi- nalinspektor bei der Staatsanwaltschaft Gießen befördert. M a g o l d wurde — so schreibt uns das Polizeiamt Gießen — am 1. August 1919 bei dem Polizeiamt Gießen als Polizeiwachtmeister an- gestellt. Vach vierjähriger vorzüglicher Dienstzeit bei der Vollzugspolizei wurde er am 1. Oktober 1923 zur Kriminalabteilung kommandiert, um dann vom 1. Dezember 1924 an zum etatmäßigen Kriminalwachtmeister ernannt zu werden. In den Jahren 1926 und 1930 hat Kriminalinspektor Magold die Polizeimeister- und Kommissarprüfungen mit Erfolg abgelegt. Am 1. Juli 1928 zum Kriminal-Polizeimeister ernannt, hat Magold namentlich auf dem Gebiete des der Kugel sind nicht weniger auffallend als Fingerabdrücke, führt Alain de Täters im „Miroir du Monde" aus. Größe, Gewicht und Durchmesser des Geschosses bilden ebensooiele Kriterien zur Ausmusterung der fälschlich in Verdacht gekommenen Schußwaffen. Besondere Zeichen, die an der Kugel feftgefteUt werden, winzige Kratzer oder Erhöhungen, sind direkte Hinweise auf das verwendete Instrument. Die Kugeln aus zwei verschiedenen Pi- ftolen oder Gewehren sind niemals ganz gleich, wenn auch vom gleichen Kaliber. Schon wenn sie die Fabrik verlassen, weisen sie feine Unterschiede auf, in ihren Kerben, Aetzungen, winzigen Rillen, ja in der Struktur des Metalls selbst Mit der Zeit wirken sich diese feinen Unterschiede aber aus. Die durch die feinen Unebenheiten erzeugte Reibung er- zeugt wieder verschiedene Kratzer und Spuren, je nach der Art des Schießpulvers und der Kartuschen. Rostflecke und andere zufällige Veränderungen sind unvermeidlich. Die Untersuchung dieser Zeichen ist eine heikle Aufgabe, die besondere Kunstgriffe und eine große Hebung im „Ablesen" ihrer Bedeutung erfordert. Eines der dabei verwendeten Hilfsmittel ist ein langes dünnes Rohr, das in den Lauf der Feuerwaffe hineinpaßt. Zunächst wird ein op- tifcher Erfolg erzielt durch einen Spiegel, der das Innere des Laufes hell beleuchtet. Ein Okular am Ende des Rohres ermöglicht es dem Untersuchenden, den Zustand der Innenseite des Laufes zu untersuchen. Dann seht er einen Photoapparat in Tätigkeit. Die Negative werden stark vergrößert und lassen nun alle Einzelheiten im Inneren des Laufs deutlich erkennen. Diese Zeichen werden mit dem vorliegenden Geschoß verglichen. Um den daraus gezogenen Schlüssen größere Sicherheit zu geben, wißt man auch noch den Gasdruck im Augenblick der Entladung: die innerhalb der Patronenhülse entbundene Energie. Mit Hilfe eines besonderen 3eit« Registrierapparates, der mittels Funken-Entladungen arbeitet, kann sowohl die Anfangsgeschwindigkeit des Projektils festgestellt werden als auch die Geschwindigkeit an einem beliebigen Punkte seiner Saßn. In bestimmten Entfernungen werden Netze aus horizontalen leitenden Drähten aufgestellt. Das Aufleuchten eines Drahtes in einem dieser Siebe bedeutet jedesmal, daß eine Kugel einen elektrischen Stromkreis unterbrochen hat. Diese Unterbredjung wird von dem Registrierapparat verzeichnet zugleich mit dem Bruchteil der Sekunde, in dem er erfolgte. Die Entfernung der Schirme voneinander in 23er- binbung mit der Zeitspanne zwischen den einzelnen Funken gibt den nötigen Hinweis für die entsprechende Geschwindigkeit. B. Welch eine Pflanze trägt im Frühling ihren Samen, Da ihre Blüten erst hervor im Herbste kamen? Die Zeitlos' ist hierin der Blumen Widerspiel, Daß sie am Anfang ist, wo jene sind am Ziel. (Rückert.) Gictzcner Wochenmarktprc-.se. • Gießen. 1. Sept. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Kochbutter 100, Süßrahmbutter 130 bis 140, Landbutter 130, Matte 25 bis 30, Wirsing 6 bis 8, Weißkraut 5 bis 6, Rotkraut 7 bis 8, gelbe Rüben 8, rote Rüben 8, Spinat 20, Römischkohl 8, grüne und gelbe Dohnen 15 bis 20, Unterkohlrabi 5 bis 6, Tomaten 8 biS 10, Zwiebeln 10, Kürbis 5 bis 6, Pilze 20 bis 25, Kartoffeln 3,5, Frühäpfel 15 bis 30, Falläpfel 5 bis 6, Dirnen 15 bis 25, Dörrobst 30 bis 35, Zwetschen 20, Mirabellen 25, Rcineklauden 20, Pfirsiche 30 bis 50, Brombeeren 20 bis 25. Preißelbeeren 25 bis 30, Honig 40 bis 45, junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 60 Lis 80; das Stück: Käse 5 bis 10, Eier 9, Dlumenkohl 30 bis 60, Salat 8 bis 10, Salatgurken 10 bis 20, Einmachgurken 2 bis 3, Endivien 10 bis 12, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 12, Sellerie 10 bis 25; das Dund: Radieschen 8 bis 10 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 3 Mark. Bornotizen. — Tageskalendcr für Donnerstag: Hausfrauenberatung, 20 Uhr, Einhorn, Wiederbeginn der Arbeit-abende, Lichtbildervortrag über „So wollen wir wohnen und wirtschaften". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Schanghai-Expreß". • • Rektoratswechsel an der Landes- Universität. Don der PressesteUe der Universität Gießen wird mitgeteilt: Der neue Rektor unserer Universität, o. Prof. Dr. med. Adolf 3c ß, hat heute die Amtsgcschäfte des Rektorats übernommen. • • Vorsicht beim Drachen st eigen! Die Zeit ist jetzt wieder gekommen, in der sich die Kinder mit dem Steigenlassen von Drachen vergnügen. 3n den letzten Jahren ist es dabei wiederholt vorgekommen, daß Drachen an Hochspannungsleitungen hängcngeblieben sind. Dadurch können schwere, leicht tödliche Unfälle oder De- triebsstörungen entstehen. Die Eltern mögen ihre Kinder belehren, wie gefährlich es ist, Drachen in der Rähe von Hochspannungsleitungen steigen zu lassen, und daß keinesfalls der Versuch gemacht werden darf, etwa hängengebliebene Drachen von einer Leitung herunterzuholen oder an der Schnur weiterzuziehen. 3n solchen Fällen muß umgehend die Polizei verständigt werden, die für die Beseitigung des gefährlichen Zustandes sorgen wird. " Kündigung des Lohntarifs inder Metallindustrie. Der Arbeitgeberverband hat den Lohntarif für die Metallindustrie in Nachrichtenwesens, dessen Organisator er ist, Dor- zügliches geleistet. DaS Auftreten und dre Arbeiten des sehr gewissenhaften, umsichtigen und sehr zuverlässigen Beamten waren stets au_6gc- zeichnct. Gerade auf dem vorgenannten Tätig- kcrlvgeoiete hat sich Krinrinalinspektor la« gold sehr große Verdienste erworben, da er es in ganz hervorragendem Maße verstand, die oft sehr schwierigen und ein großes Maß von Takt und Sicherheit verlangenden politischen Angelegenheiten zu bearbeiten. Infolge seiner außerordentlichen Schaffenskraft und nimmermüden Tätigkeit, verbunden mit seiner jederzeit gleich- bleibenden Zuvorkommenheit, erfreut er sich bei allen Vorgesetzten, seinen Kollegen und Untergebenen der höchsten Wertschätzung. Auch das Publikum, mit dem Kriminalinspektor M a g o l d infolge seiner dienstlichen Tätigkeit vielfach in Berührung kam, schätzt diesen allseits beliebten Beamten. In seinem neuen Wirkungskreis, der ebenfalls hohe Anforderungen an ihn stellt, wird ihm alk« Gute gewünscht. Oie Herbstzeitlose. Wenn der unfreundliche Herbstwind über die Stoppelfelder streicht und am Wegrand noch zu vielen Tausenden die Röslein der Wegwarte blühen, dann erscheint auf den Wiesen — förmlich über Rächt — die Herbstzeitlose. Sie ist für uns Menschen der letzte und damit der Scheidegruß der Blumenwelt. Mit großer Härte scheint die sonst so gütige Mutter Natur dieses zarte Blümchen zu behandeln. Wenn nämlich im absterbenden Herbste die kalten Nebel oft tagelang die Sonne verschleiern, wenn der Herbstwind über die kahlen Felder und Wiesen fegt, dann kommt die nackte Blüte aus dem Boden hervor. In ihrer blaßroten, violett angehauchten Farbe erscheint sie wie vor Kälte erstarrt. Wo ist ihr schützendes Laubdach? Vergebens ist nach ihm zu suchen. Noch nicht einmal ein Kelch schließt sie ein. Nur eine nackte lechszipflige Blumenkrone, in der sich ebenso viele Staubgefäße und drei bis zur Knolle reichende Stempel entfaltet haben, reicht über die Erde. Ihr Dasein ist nur zu kurz bemessen. In ihrer zarten Gestalt strahlt sie zwar in leuchtender Farbe, und dennoch gelingt es ihr nicht, Insekten zum Zwecke der Bestäubung und Be ruchlung anzulocken. Bekanntlich ist die Herbstzeitlo e in allen ihren Teilen giftig. Das Vieh verschmäht d e großen fetten Blätterbüschel, die im Frühjahr auf den Wiesen in Menge wachsen. Die Kinder, die von der Prachtentfaltung dieser Blume leicht angelockt werden, sind zeitig auf diese Giftpflanze hinzuweisen und dadurch vor Schaden zu bewahren. Und dennoch ist fiejeit alten Zeiten ein Freund und Wohltäter der Menschen geworden. Das der Herbstzeitlose innewohnende Gift, Colchiein genannt, wird in der Hand des Arztes zu einem wirksamen Heilmittel gegen das „Podogra", jene hartnäckige Fußgicht. In Zeiten, da die furchtbare Pest wütete und hauste, trug man die Knolle der Pflanze an einer Schnur um den Hals, wodurch man sich vor der schrecklichen Krankheit geschützt glaubte. Auch der Volksglaube spricht heute noch davon, daß ein recht strenger Winter zu erwarten sei, wenn die Herbstzeitlosen in großer Zahl auf den Wiesen blühen. Oberhessen und im Lahngau zum 30. September gekündigt. •• Kraftpost-Gesellschaftsfahrt in denTaunus. Am kommenden Sonntag veranstaltete die Reichspost wieder eine der beliebt gewordenen Sonderfahrten, die diesmal die Teilnehmer in den Taunus und in die Taunusbäder führen wird. Die Fahrt beginnt um 8 älhr an der Hauptpost in Gießen, führt zunächst nach Ufingen, hierauf nach der Eaalburg; weitere Aufenthalte sind vorgesehen in Königstein, ferner in Falkenstein, schließlich noch in Bad Homburg und in Bad-Rau heim. RähereS ist aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich. •* Eine männliche Leiche wurde heute früh auf dem Bahnkörper der Strecke Gießen—Geln- laufen im Wald nahe den Gailschen Tonwerken auf- gefunden. Dem Toten war der Kopf abgefahren. An» scheinend handelt es sich um Selbstmord. Die Ermittlungen der Polizei haben ergeben, daß es sich um einen jungen Mann aus Watzenborn-Steinberg handelt. •• Konzert in den Kliniken. Am vorigen Sonntagvormittag erfreute der Posaunenchor von Lich die Patienten und das Personal der Ehirurgischen, der Frauen-, der Medizinischen und der Hautklinik, der Rervenklinik und der Heilstätte Seltersberg durch den Vortrag geistlicher Lieder. Auch vor dem Evangelischen Schwesternhaus wurden einige Lieder geblasen. Dankbar nahmen die Zuhörer den seltenen Sonntags- grüß auf. Vezirtsschöffengericht Gießen. 'Gießen, 31. Aug. Ein ungetreuer Vormund, der seinem Mündel einen erheblichen Geldbetrag unterschlagen hat, erhielt wegen Untreue eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten. Ein wegen Diebstahls bereits vorbestrafter Schuhmacher wurde wegen Unzurechnungsfähigkeit freigesprochen. Rach dem Gutachten des Gerichtsarztes ist er schwachsinnig, dabei gemeingefährlich. Er wird voraussichtlich dauernd in einer Anstalt verwahrt werden. Ein Jahr Gefängnis wegen Einbruchsdiebstahls im wiederholten Rückfall erhielt ein Autoschlosser, der bei einem Poststelleninhaber eingebrochen und Postwertzeichen gestohlen hat. Den Diebstahl, bei dem er ertappt wurde, gab er zu. wollte aber durch die unverschlossene Tür ins Haus gelangt und nicht ein- gestiegen sein. Die Beweisaufnahme ergab, daß die Tür verschlossen war; auch hatte der Angeklagte, als er beim Diebstahl betroffen wurde, selbst erklärt, durch das Fenster eingestiegcn zu sein. Gießener Jugendgericht. Ein jugendlicher Arbeiter, der bei einem auswärtigen Schmiedemeister in Arbeit stand, wurde von diesem wegen seines Verhaltens entlassen. Als ihm der Koffer gepackt wurde, steckte in diesem ein Messingkranen, den der Junge entwendet hatte, um ihn zu Hause zu verwenden. Er hat außerdem dem Sohn seines Meisters eine Taschenuhr entwendet. Das Urteil lautet wegen dieser beiden Diebstähle auf eine Gesamtge - fängnisstrafe von einer Woche. Die Strafvollstreckung wurde ausgesetzt und die Bewährungsfrist auf vier Jahre festgesetzt. Gleich-- zeitig wurden Erziehungsmaßrcgeln angeordnet, deren Auswahl der Vormundschaftsrichter treffen wird. Zwei junge Leute, die in der oberen Frankfurter Straße wohnen, hatten Strafbefehle erhalten, weil sie sich dort am 15. Juni d. 3. an einem zur Anzeige gebrachten ruhestörenden Lärm beteiligt haben sollten. Beide bestritten ihre Mitschuld. Ein Zeuge erklärte, daß der von jungen Leuten dort fast an jedem Abend verursachte Spektakel fast unerträglich gewesen sei. Ein Student sei deshalb bei ihm ausgezogen, weil ihm das geistige Arbeiten unmöglich gemacht worden sei. An jenem Abend habe sogar eine von einem ewigen Unruhestifter verursachte Schlägerei ftattge- funden. Bei der weiteren Deweisaufnahme stellte es sich heraus, daß dieser Rohling seinem Gegner so stark die Gurgel zugedrückt hatte — »die Luft abgestellt" - -, daß dieser sogar Blut speien muhte, und daß beide Streitenden von dem einen der beiden Mitangezeigten getrennt worden sind. Den beiden Angeklagten konnte eine Beteiligung an dem ruhestörenden Lärm nicht nachgewiesen werden und es erfolgte deshalb Freisprechung. Obecheffen. man bis heute noch keinerlei Spur entdeckt. Kreis Schotten. □ Laubach. 31. Aug. Auf Veranlassung des Kreisgesundheitsamts Schotten wurde im Physiksaale der hiesigen Realschule vor den Lehrern deS Laubacher Bezirkes von dem Leiter der Orthopädischen Klinik in Gießen, Prof. Dr. Pitzen, ein Vortrag über gesundheitförderndes Turnen der Schuljugend gehalten, wobei auch praktische Turnübungen vorgeführt wurden. Für die lehrreichen Ausführungen dankte Lehrer Dechthold - Laubach namens seiner Kollegen. — Seit einigen Tagen geht in Laubach das Gerücht von einer Auslösung der Dahn-Personalstation um. die eine spätere Versetzung des hiesigen Lokornotiv- und Zugpersonals zur Folge haben würde. Don maßgebender Stelle ist man bereits bei der ReichS- bahndircktion in Frankfurt vorstellig geworden, um keine für Laubach nachteilige Veränderung hinsichtlich des Dahnpersonals eintreten zu lassen. Wettervoraussage. Der Luftdruck ist über dem Festlande weiter angestiegen. so daß sich das Hochdruckgebiet verstärkt und östlich über Deutschland ausgcbreitet hat. Die dabei zugeströmte kühle Ozeanluft verursacht zunächst noch Dewölkung. die aber unter dem Einfluß des hohen Druckes nach und nach verschwinden wird. Die Schönwetterlage wird jedoch nicht von langer Dauer sein, denn über Island hat sich ein kräftiges Tiefdruckgebiet entwickelt, dessen Ausläufer über den britischen 3nseln schon verbreitete Riederschläge verursachten. Eine Staffel warmer Ozeanluft schreitet ostwärts vor und wird auch bei uns Temperaturanstieg und späterhin Wolkenaufzug mit vereinzelten Riederschlägen bewirken. Aussichten für Freitag: Vorerst vielfach aufheiternd, trocken, später Bewölkungszunahme und aufkommende Riederschläge, wärmer. Aussichten für Samstag: Bewölkt mit Aufheiterung, vereinzelte Riedcrschläge, warm. Lufttemperaturen am 31. August: mittags 21,4 Grad Celsius, abends 15 Grad; am 1. September morgens 13 Grad. Maximum 22 Grad, Minimum 10,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 31. August: abends 21 Grad; am 1. September: morgens 17,2 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 6% Stunden. Bataillonsübung der Gießener Reichswehr bei Laubach. □ Laubach, 1. Sept. (Eigener Drahtbericht.) Gestern mittag gegen 12 Uhr, rückte das Gießener Bataillon au einer Gefechtsübung im Gelände zwischen Harbach unirLau- b a ch aus. Nach einem zirka 18 Kilometer langen Marsch, der über Oppenrod und Hattenrod führte, wurde gegen 15 Uhr bei Harbach nach kriegsmäßiger Rast Gefechtsstellung eingenommen. Von hier aus fetzten sich die Truppen zwischen Ettingshausen und Quetfborn zum Angriff auf die Höhe nördlich von Wetter seid in Bewegung. Inzwischen hatte sich eine große Zuschauermenge in dem Uebungsgelände und insbesondere auf der sog. Hohen Straße zwiscken Münster und Grünberg eingefunden. Das Gefecht nahm den vorgesehenen Verlauf und wurde kurz nach 18 Uhr an der Straße We11erfeld — Lauter abgeschlossen. Gegen 19.15 Uhr traf das Bataillon, über Wetterfeld kommend, vor den Toren des schön beflaggten Städtchens Laubach ein. Sodann fand ein Durchmarsch des Bataillons unter Dorantritt der Kapelle durch die Stadt, durch das Schloß und den Schloßgarten nach dem Gombachgelände statt, wo friedensmäßiges Biwack bezogen wurden. Mehrere tausend Zuschauer aus Laubach und der näheren und weiteren Umgebung hatten sich zu diesem für unsere Gegend seltenen Ereignis eingefunden. Bald wurden die Zelte aufgeschlagen und die Feldküchen traten in Tätigkeit, während die Kapelle konzertierte. Die Pferde wurden in der Stadt untergebracht. Um fünf große Lagerfeuer lagerten die Soldaten und fangen lustige Biwacklieder. Nach weiteren von der Kapelle gespielten Konzertstücken dankte der Kommandeur des Bataillons, Oberstleutnant K l e p k e , der Stadt Laubach und der Umgegend für den überaus freundlichen Empfang. Er fand auch besondere Dankesworte gegenüber Seiner Erlaucht dem Grafen Georg Friedrich zu Solms-Laubach für die von ihm zum Gelingen des Biwacks bekundete Großzügigkeit. Nach einigen schönen Gesangsvorträgen der Gesangsabteilung des Bataillons spielte die Musik gegen 23 Uhr zum großen Zapfenstreich auf. Zum Schluß stimmte die Zuschauermenge begeistert in das Deutschlandlied ein. Allmählich verliefen sich dann die unzähligen Schlachtenbummler. Heute früh gegen 5.30 Uhr wurde das Bataillon zur weiteren Gefechtsübung in südwestlicher Richtung alarmiert. Es marschierte bald darauf in der Richtung Nonnenroth — Lich ab. Landkreis Gießen. • Heuchelheim, 31. Aug. Heute gegen 10.30 Uhr ereignete sich an der unübersichtlichen Kreuzung der Bachstraße, der Brauhaus- und der Gießener Straße ein V e r k e h r s u n f a 11. Ein Personenkraftwagen des Elektrizitätswerkes Gießen fuhr mit einem Motorrad zusammen. Der Führer des Mo- torrades, Förster Gerhard Schröder von Atzbach, wurde mitsamt seiner Soziusfahrerin vom Rade geschleudert, und beide ,st ü rz t e n heftig zu Boden. Die Verunglückten erlitten nicht unerhebliche Kopf- und Armoerletzungen, so daß ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Nach erster Hilfeleistung wurden beide nach Atzbach gebracht. Die Ursache des Unfalles ist noch nicht völlig aufgetlärt; die polizeilichen Ermittlungen sind 31. Aug. Der Landwirt Karl Burk, Sohn des Bürgermeisters K. Burk, stürzte heute vormittag so unglücklich vom D r e s ch m a s ch i nenwagen, daß er einen Schädelbruch erlitt Kurz nach dem Unfall kam er wieder zu vollem Bewußtsein. Hoffentlich ist es ihm vergönnt, den schweren Unfall ohne Rach teile zu überstehen. 0 Holzheim, 31. Aug. Das Innere der hiesigen geräumigen Kirche wird, anläßlich ihres 300jährigen Bestehens, gegenwärtig gründlich erneuert. Rachdem im vorigen 3af>re sämtliche Fenster und Türen ausgebessert und gestrichen wurden, sind jetzt die hiesigen Weißbinder daran, Wände und Decke zu weißen. Dadurch kommen die zwölf zum Teil sehr großen farbigen Stuckarbeiten viel besser zur Geltung. Zur Bestreitung der unbedingt notwendigen Erneuerungsarbeiten hatte der Kirchenvorstand von den Ortseinwohnern Beträge zeichnen lassen, die aber nur einen Bruchteil der entstehenden Unkosten zu decken vermögen. Da das Gotteshaus unter Denkmalschutz steht, ordnete Geheimrat W a l b e - Darmstadt an, daß die zahlreichen Malereien an den Brüstungen der südlichen unö westlichen Emporbühnen, die vor 3ahren überstrichen worden waren, freigelegt wurden. Sie stammen sehr wahrscheinlich aus dem 3ahre 1632 und zeigen ausschließlich Blumen und Früchte. Zu allem Ueberfluß waren sie mit je zwei anderen Bildern bedeckt. Unten an den Emporebrüstungen kamen nach der Entfernung des alten Anstrichs Schriftzeichen zum Vorschein. Da sie jedoch unleserlich waren, brachte man an ihrer Stelle auf schwarzem Grunde das Glaubensbekenntnis an. Auch die Malereien und die mächtigen gotischen Fenster wurden aufgedeckt. Bei der Orgel wurden zwei neue Bilder in Uebereinstirnmung mit denen auf dem 3nftrument angebracht. Die Holzfäulen wurden marmoriert und die oberen Leisten der Kirchenstühle schwarz gestrichen. Diese Arbeiten lagen in Händen des Kirchenmglers Veite- Darmstadt. Auf dem Speicher fand man einen verfallenen, hölzernen Schalldeckel, dem jetzt der Dlechdeckel über der Kanzel weichen muß. Leider fehlen für die Anlage einer modernen Heizung, die schon in vielen Kirchenvorstands- sihungen zur Aussprache stand, die nötigen Mittel. Aus dem gleichen Grunde konnte auch der Turm, den die politische Gemeinde unterhält, nicht verputzt werden. 3nfolge der Erneuerungsarbeit mußten seither die Gottesdienste auf dem Kirche nplahe stattfinden. • Lich, 1. Sept. Rach einer Operation verstarb gestern der in allen Devölkerungsschichten unserer Stadt und der weiteren Umgebung bestens bekannte Arzt Dr. med. Roth von hier. Reben seiner ausgedehnten ärztlichen Praxis, durch die der Verstorbene in vielen Familien von Lich und älmgegenb in hohem Maße GuteS für die leidende Menschheit tat, hat er sich auch als Mitbegründer und Kolonnenarzt der hiesigen Freiwilligen Sanitätskolonne, ferner nach der Einrichtung des hiesigen städtischen Krankenhauses als dessen leitender Arzt große Verdienste um die Allgemeinheit erworben. Wegen seiner hervorragenden menschlichen Eigenschaften, seiner sympathischen Wesensart und auch infolge seines ärztlichen Könnens wurde ihm in Stadt und Land ein hohes Maß von Wertschätzung zuteil. ~ Lich, l.Sept. Die Veruntreuungen des früheren Stadtkassengehilfen Fritz Jung, die am 9.3uni aufgedeckt wurden und 3ung zur Flucht veranlaßten, belaufen sich nach dem Ergebnis der bisherigen Feststellungen auf runb 2000 Mark. Die Untersuchung ist noch im Gange. Don dem ungetreuen jungen Manne hat Gewinnauszug 5. Klass« 39. Preußisch-Süddeutsche (265. Preuß.) Staats-Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck verboten 19. Ziehungstag 30. August 1932 3n der heutigen Vormittaasziehung.wurden Gewinne über 400 M. gezogen Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und H 2 ®«tolnnt !■ 100000 M. 345043 6 Gewinne gu 10000 W. 8 ®ewiane ju 6000 W. 264295 28 ®ttolnne m 3000 M. 23215 18149 294615 67694 333399 170294 45481 63963 111104 116766 136738 143875 183677 267482 305154 312986 317748 329367 66 ®t»innt tu 2000 M. 363241 67034 393497 73363 76482 107223 108188 137189 152341 167538 170786 188494 196797 205671 232340 234705 240155 266910 275093 301585 320145 320236 328154 330833 335647 346695 396359 126 Sevivne ,n 1000 TL 352837 354635 393990 3430 4294 13717 24176 27132 29691 30814 44978 65557 76656 80557 80920 88525 91322 92706 92745 100289 106088 109854 111926 129380 130417 133898 142873 151411 154764 163130 169178 170082 188702 197816 203978 210477 218727 222835 228156 232639 236786 238203 240701 240743 255602 256335 265621 271809 291621 295610 304472 306377 315860 318844 321494 331882 336593 348179 350559 352021 379424 381796 382411 388350 391319 393617 190 ®ctDtnn« |e 500 TL 4075 4196 5638 6681 10499 32410 38385 45293 60927 62548 65594 68359 68613 74408 75870 76171 77688 85695 86673 89286 89618 95449 98407 98914 101630 103084 110197 110983 114361 117702 122345 127906 131326 135622 152937 158335 165998 167082 169924 171547 192908 194209 194341 195965 198630 204362 204603 204747 205542 206504 215819 226393 228980 234459 240367 243114 248045 248696 252044 260849 263714 266847 267753 278417 285538 293094 296570 303211 308209 309110 310346 312214 313848 320899 325688 326032 332444 335155 335829 337564 337805 339701 342747 346941 347349 363883 368571 375212 376893 381709 383114 387840 389836 395074 395701 In der heutigen Nachnnttagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 6 »eetest »u. 10000 TL 13628 175380 243115 10 »ttmnn- hi 5000 TL 15731 211821 287469 361910 381656 22 «ttoinnt ,u 3000 OH. 6710 36167 77883 113483 169465 216534 258774 260520 275698 370731 381182 50 Gewinn« m 2000 TL 1078 19163 47869 51990 60478 66740 86824 110972 118864 121107 123910 132325 144981 148822 182447 208281 280261 293185 327142 331942 335110 346323 358290 386993 394449 92 Gewinn« »o 1000 fflL 18644 24439 53735 62968 69609 82390 83045 96522 111244 120967 121771 128653 132169 134140 135099 135540 145013 152739 175475 204285 204843 217206 235082 239531 242523 245363 246963 262254 286724 293558 293890 294508 296925 306146 307009 334996 338651 344334 345542 349426 360409 366097 368646 376410 395810 396186 132 «ttomne >u 500 OT. 4141 6302 12453 25188 27884 32185 39103 40149 47690 51686 58012 59694 60716 66778 81023 82608 89870 105940 106167 116549 135441 137285 143899 143964 151359 152054 157042 157114 161187 162195 177217 189320 193837 202289 211459 213224 217615 217982 230232 246209 254479 262211 267463 273604 278281 280033 281810 286194 295847 305426 310505 317747 323430 328929 333230 341737 341767 345669 357446 377845 381545 382359 382564 392790 393035 396728 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 100 Schlußprämien zu je 3000, 2 Gewinne zu je 200000, 2 zu je 75000, 2 zu je 50000, 14 zu je 25000, 66 zu je 10000, 164 zu je 5000, 318 zu je 3000, 950 zu je 2000, 1912 zu je 1000, 3316 zu je 500, 10058 zu je 400 TL SCHWARZKOPF EXTRA-BLOND 22 Pfennige. Denn blondes Haar macht begehrenswerter. Er- halten Sie sich deshalb Ihr Blondhaar, indem Sie es mit Schwarzkopf Extra - Blond pflegen, dem Schaumpon der Blondine. Dann bleibt^ es blond, und dunkelte es nach, so 1Z2-. -I _ V" gewünschten Nuance wieder aufhellen. Extra-Blond den „Haarglanz“,der das Haar dauernd gesund erhält uann diciul c» uiv»u, und blondes Haar doppelt verschönt, läßt es sich zu jeder Achten Sie auf die Packung „Extra-Blond“ mit grün- weißem Grund. Das schließt jede Verwechslung aus. Die grün-weiße Peck eng mit Haarglanz und der belleb- 1 Scbauabrll (offene Aegen wIhrend des Waschens!) kostet bietet zudem eine unvergleichliche, weder durch Zitronen- noch durch Essigbad ersetzbare Beigabe: im Alter von 44 Jahren. Im Namen der Hinterbliebenen: dieser trostlosen Zeit Elisabeth Roth, geb. Dietz. Lieh, am 31. August 1932. Man bittet, von Beileidsbesuchen abzusehen. spätestens Samstag 18 Uhr. 6149 D Rodheim a. d. Bieber, 1. September 1932. 6146 D Dr.med. Hermann Roth Achtung! Achtung! Die 6. B. Germania Krosch sofort zu verrn. (Seifen- 5. 6134D geben werden. MEHL BILLIGER extra fein .. Pfd. nur noch fein Pfd. nur noch Pfd. nur noch Moeniis Gold-Margarine Pfd. 60 Margarine, gute Qualität....pfd. 40 u 30 Weizengrieß pfd. 24 handmosse: 6140D Lösen Sie Ihre Karten im Vorverkauf! Pfd. 18 Edamer Käse vollfett Rolle 6 Stück 20 Tortenhöllen S & F-Sparmarken auf alle Waren 5°/o Rückvergütung 6136 A 6144 D EIN WEG ZUM SPAREN! SOHADEeFüllGRABE Auszogs-Mehl Auszugs-Mehl Weizen-Mehl. 28 26 24 22 3. 4. 6inmach.,Salat-,Senf«u.pfeffergurkev, 100 Stück 1 Mark, sowie Zwetschen und Mirabellen großeSenbung eingetroffen. Verkauf Freitagftüh in der Marktlaube. Neuer Griinkern Nenes Sauerkraut Salzgurken....... .Pfd. 40 ..Pfd. 12 Stück 8 melade usw.), Reinigungsmaterialien flocken usw.) für mit echter, guter Circuskunst, wie sie in dieser hochstehenden Qualität bisher noch von keinem anderen Circus erreicht und geboten wurde. Riesen-Circns für Erwachsene und Vorstellungen Ahenflsiooühr: Eröftnungs- Vorslellnng Freilaß, 2. Sept abends 8ühr Gieben Oswaldsßartea! soll im Wege des öffentlichen Anerbietens für das Vierteljahr vom 1. Oktober 1932 bis 31. Dezember 1932 zur Lieferung ver- Geschäftsdrucksachen Rechnungen Briefblätter Briefumschläge Postkarten Geschäftskarten äs' Brühl, Schulstraße 7 praktischer Arzt in Lieh aktiv 1909—1911. Ein Besuch im Strassburger kostet Kinder in den NathinjJOJIr: Eine gut erhaltene Marken- Nähmaschine gegen bar zu kaufen gesucht. Sehr. Angebote unter 05021 an den Gieß. Anzeiger. / Wir betrauern tief das Ableben unseres lieben A. H. Schone sonnige 5-Zimmer-Wohn. mit Bad (Altwohn.) in ruhiger Lage zum 1. Ott. zu verm. 05035 Zuerfr.r.Geschäftsst. des (sieben. Anzeig. De, schen 211 bis zu t Bedenket diese Eie vorsichtig Soweit m Seg ierunc der iSntläi tVes Dir durchwühl weis nicht soziaiiW gerechtseit erklärt dt werkschas! kopitalist! Krise die zerstört, Acbenun So Hegt in dem von Herzen kommenden Oruß an d. StadtOießen und Umgebung die Bitte, dem morgen beginnendenOast- spiel des weltberühmten Circus Strassburger, dem anerkannt besten deutschen Kulturunternehmen seiner Art, nicht die Gefolgschaft zu verweigern, sondern eine große deutsche Sache, ein deutsches Volksgut, wie Strassburger von hohen und allerhöchstenBehörden und der Oroßpresse bezeichnet wird, zu unterstützen und zu fördern. Brot usw., an sonstigen Verzehrunasgegenstän- den (Del, Essig, Zucker, Rejs, Erbsen, Linsen, Bohnen, Margarine, Mar- Hühner einjährige sowie Suvven- und Brathühner abzugeben bei Kneivv Grober Steinweg 3 Grobes guterhalten. Harmonium ges. Preisangebot u. 6148D a. d.G.Anz. Die in Anlage A des Erlasses der Hessischen Ministerien vom 16. Juni 1893, das Berdingungswesen betreffend, enthaltenen Bedingungen für die Bewerbung um Arbeiten und Lieferungen, sowie die hiesigen Lieferungsbedingungen liegen nur am 2. und 3. September 1932, vormittags von 9 biß 12 Uhr, bei uns offen. Die Angebotsformulare können gegen Erstattung der Selbstkosten von uns be- zoaen werden. Angebote sind verschlossen und versehen mit der Aufschrift „Angebot zu der am 1. September 1932 ausgeschriebenen' Lieferung" bis zum Eröffnungstermin Freitag, den 16. September 1932 vormittags 10 Uhr hierher einzureichen. In den Angeboten find die Bedingungen anzuerkennen. Die einzureichenden Warenmuster müssen getrennt von den Angeboten verpackt und mit der Aufschrift „Muster zum Ausschreiben vom 1. September 1932" versehen fein. Gießen, den 1. September 1932. Direktion der Landes-Heil- und Pflegeanstalt bei Gießen. In dieser Zeitmisere hat es besonders ein ambulantes Großcircusunternehmen, wie Strassburger, sehr schwer, sich zu behaupten und seinen vielen hundert Menschen und Tieren weitere Existenzmöghchkeit zu bieten. ^hebern 10 Sortleß Eva-Mc Wagen ko führte. Eie Vorhängen dem Wage hin ui Wcht. Mn lehr yt kaum ^laina ettr Die Beerdigung findet Samstag, den 3. September, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause Bahnhofstraße 9 aus statt Suche einen gebr. MttOWM mit Schubladenfftir Kolonialw.)zu kauf. Schr. Ang. u. 05013 an den Gieb. Anz. Betten undWäsdie kauft man bei Röhr Fischhaus „Cuxhaven“ Marktstraße 23 6142 a Telefon 2417 Danksagung. Für die vielen Beweise wohltuender Teilnahme bei dem so unerwarteten Heimgang unserer lieben Entschlafenen Frau Marie Peppier, geb.Reeh sagen wir allen unseren innigsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Karl Peppier, Bürgermeister. Das ist wirklicher Preisabbau!! der es jedem ermöglicht, das prachtvolle Drei-Stunden-Programm Strassburgers anzusehen. — Alle haben in dieser freudlosen Zeit ein Anrecht darauf, sich für einige Stunden von den Alltagssorgen zu entspannen. Keiner braucht zurückzustehen, deshalb gilt für jeden die Devise: 05028 Telefon 2624 Mahlini Mnhl Feinstes Kuchenmehl MdyDBrPlBIll Pfd. nur noch Nach Gottes unerforscht!ehern Ratschluß verschied heute unerwartet mein innigstgeliebter Mann, unser treuer Vater, Schwiegersohn und Schwager Dr. med. Hermann Roth prakt. Arzt Konkurs-Versteigerung. 3m gefl. Auftrage der Herren Konkursverwalter versteigere ich Freitag, den 2. d. 2N.» nachmittags 2 Uhr, pünktlich, in der Restauration „Zum Gambrinus", Wehsteingasse, aus Konkurs- und Treu- Oelsardinen Klub-Dose 80 Portions-Dose 18 Feinkost-Streicimäse s1eTh 12SB.28 seinen Landsleuten dienen, um den grauen Alltag durch einige frohe Stunden vergessen zu lassen. — Strassburger muß aber auch einen harten Existenzkampf führen, wenn er diese sch werste Zeit überstehen will. S & F-KAFFEE .. Pfund 85 75 63 50 Güatemala-Costanca-Misdiuöe V, Pfund 70 Freitag große Auswahl ff. Seefische u. Filets | Stellenangebote) Tüchtiges Mädchen erfahren in Küche u. Haushalt, in. guten Zeugnissen kann sich vorstellen 05033 Nordanlage 9II- Landes-Seil- und pflegeanfialt Gießen. Der Bedarf an: 1. Fleischworen usw., 2. Milch usw.. Krastpost- Gesellschafisfahri Am Sonntag, 4. September, mit Aufenthalten in llsingen von 9.30 bis 10.00 Uhr, Saalburg 10.30 bis 11.30 llhr, Königstein 12.15 bis 14.45 llhr, Falkenstein 15.00 bis 16.00 llhr, Äad Homburg 16.30 bis 18.00 llhr, Äad Nauheim 18.30 bis 19.30 llhr. Abfahrt Hauptpost Gießen 8 llhr, Rückkunst 20 llhr. Fahrpreis ' .30 RM. Kartenausgabe Hauptpost - Schairer 6 - bis Äuf Circus ™m Erwerbslose, Kriegsbeschädigte, Rentenempfänger zahl. b. Vorlage d. Ausweises an d.Circuskassen in allen Abendvorstellungen, auf allen Sitzplätzen aber auch nur halbe Preisei |Wohnungstausch| lauftye Wohnung geg. gleiche in. Bad, od.5-Zimrnerwohn. Schrift!. Ang. unt. 05012 an h. G. A. Gießen zum Gruß! Zeiten schwerer Not lasten seit vielen Jahren auf den Schultern der gesamten Bevölkerung Deutschlands. Mit eiserner Energie wird von allen ein verzweifelter Existenzkampf geführt, mit einem Hoffnungsschimmer im Innern, daß die katastrophale Wirtschaftskrisis recht bald neuem Aufstieg und neuem Leben Plätz macht. Kusin« vie Tier« 9®tn f)atte $ gelang ff Wl wn an ft $5 einm< b-ch-eri AcheM ge? N kl. Ti« krachen, & war Kssel , ff? ^rde, te; in d ff KL-/ "4“ Schützenhaus Sonntag, den 4. September, nachmittags 4 Uhr, großes Militärkonzert ausgeführt von dem Musikkorps des I. (Hess.) Grenadier-Bataillons 15. Infanterie-Regiments. Leitung: Obermusikmeister E. Krauße Eintritt 50 Pfennig 05017 Eintritt 50 Pfennig Sirassburger, der älteste Circus des ganzen Erdballs, will speziell in •• ' -** - ■ Strassburger dankt da- 2 Speisezimmer, je ein Büfett und kredenz (Eiche und Nußbaum), 2 kiichen- schränke, verschiedene Diwans, Chaiselongues, Lauseuse, 2 Sessel. Ferner: die Restbestände, wie Damenhandtaschen, Portemonnaies, Spazierstöcke usw. (olle Gegenstände sind fabrikneu), sowie: 1 komplettes Schlafzimmer, bestehend aus Spiegelschrank, 2 Bettstellen mit Sprungrahmen, 1 Waschtisch mit Marmor und Spiegel, 2 Nachtschränk- chen m. IN., 2 Stuhle (Eiche), 3 kleine Warenschränke, 2 Vertikos, 1 Sleider- schrank, Tische, Sessel, 1 großes eichenes Schreibpult, 1 fahrbarer Staubsauger, s. v. Bilder, moderne Ausstellungslom- pen, 1 Ständerlampe, Bettstellen mit Matratzen, Ripp- und Aufstellsachen u. v. U. Versteigerung bestimmt. £. Alihoff gerichtl. beeidigter Taxator für den Landgerichtsbezirk der Provinz Oberhessen. Es gibt vieles- S für Ihre Gesundheit I — Aber nur ein »Lebewohl« für Ihre Hühneraugen. 4939 V Hühnereugen-Lebewohl u. Lebewohl-Ballenacheiben. Blechdose (8 Pilaster) 68 Pf.. Lebewohl- Fubbad gegen empfindliche Füße und Fußschweiß, Schachtel (2 Bäder) 45 Pf., erhältlich in Apotheken und Drogerien. Sicher zu haben । Med.-Drog. Haue Hindenburg, H. Elges, Seltersweg 68a; Löwen-Drogerie W. Kilbmger Nacht, Seitenweg 69; H. Noll, Ludwigspl.- Drog. und Neustadt-Drog., Germania-Drog. C. Seibel, krankt Str. 39; 0. Winterhoff, Drog., Kreuzplatz 9/10. Preisabbau ist die Parole des Tages! Strassburger hat auch auf diesem Gebiet bereits ganze Arbeit geleistet. Er wird mit Recht überall als der echte Circus des Volkes gefeiert. Durch den radikalen Eintritts- Preisabbau u.durch die nicht zu überbietende Steigerung seiner Leistungen beweist er wohl am eindringlichsten, daß er diesen Titel zu Recht trägt. Nie rastender Schaffensdrang, vor- wärtsstürmender Geist, jagendes Tempo haben den Circus Strassburger von ehedem an die Spitze der größten und besten circen- sischen Unternehmen gestellt. Städte-Wetlhaninl Wetzlar Sonntag, den 4.Sev» tember 1932, nachm. 5 Uhr, wird auf der Lahn der Städte-Achter ausgefahren. Start amFelsen,ZielamBootsolatzederHassia. Eintritt frei. Beteiligte Vereine: ««d Bie6.Ruder6esellsdi.1877. Rnderklab.Hassla* 1906 Verein ,Badersport' 1913 WetzlarerRuderkl.1880 Dei er schastsver Erllärun! grainm. 3m sich " dc front g«> Sozial'!" DirtM jetzt z-tz men verSanös fahren, vc auf dem? fen, auf d> hinten- v Defchaftig" hemmt »Di trotz große ftredilM auf sich kreisen ger bestehen ur ketten bet geradAU unb Detb schassen i Aber bie Die Dtü kann nid das bief( Funktion diese Da nach der oendInf daß die rweckmäfi Lnterneh zugute kc Die grohl im Sinne automatif beschafsun tion des . lang im verspricht burch aut bie trotz 6 teuer an bilitat bl Lichtspielhaus Gießen Bahnhofstraße 6145 C Sonntag, den 4. September, 11 Ubr vormittags G$tpiel8mril und sein weltberühmt. Orchester Hammstr. 17 I. Jlietgesache. SZimmer Wohnung vonjungemEhevaar per 1.10.32 gesucht. Schriftl. Angebote u. 05030 o. d. G. A. LA: Erb #/ F.'V Sirassburger 6087 D Kapitalist erzielt hohen Zins bei Sicherstellg., er- forderl.ca.5000 Mk. Schriftl. Ang. unt. 05023 an d. G. A. aiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiii M.T.V. 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Diese Gegenfront füllt jetzt zusammen, da keine Sozialisierungsmahnah- men geplant sind. Die Bedenken des Industrieverbandes richten sich aber nicht nur gegen eine Sozialisierung, sondern auch gegen andere Gefahren, vor allem die der staatlichen Subvention nen. Deshalb wird der Ausweg, der Wirtschaft auf dem Wege der Steuererleichterungen zu helfen, aus dieser Seite als besonders glücklich empfunden Es wird bezeugt, daß Produktion und Beschäftigung von Arbeitern bisher dadurch gehemmt worden sind, daß sich die Kapitalmärkte trotz großer Flüssigkeit nicht bereit fanden, durch Kreditgewährung das Risiko einer Mehrerzeugung auf sich zu nehmen. Man gebraucht in Industriekreisen gern folgendes Bild: Auf der einen Seite bestehen unvorstellbare große, unbenutzte Möglichkeiten der Güterer?»eugung, auf der anderen Seite geradezu riesenhafte Möglichkeiten des Bedarfs und Verbrauchs. Millionen Hände sind bereit zu schaffen und ebensoviele Münder um zu essen. Aber die Hand findet nicht den Weg zum Wund. Die Drücke zwischen Erzeugung und Verbrauch kann nicht geschlagen werden, weil das Kapital, das diese Drücke schlagen muß, sich weigert, seine Funktionen auszuüben. Deshalb muß der Staat diese Rolle des Kreditgebers übernehmen. Es sind nach der Meinung der Industrieverbände genügend Instanzen vorhanden, um darüber au wachen, daß die großen Unternehmen diese Kapitalien zweckmäßig verwenden. Die mittleren und kleinen Unternehmen, denen die Steuererleichterungen zugute kommen, haben, vielleicht noch mehr als die großen, einen so dringenden Kapitalliedarf im Sinne einer Belebung des Geschäfts, daß hier automatisch die Gelder im Sinne der Arbeitsbeschaffung verwandt werden. Auch die Konstruktion des zweiten Teils, der für jede Reueinstellung im Betriebe einen Zuschuß von 400 Mark verspricht, wird als glücklich bezeichnet, weil dadurch auch zahlreichm Betrieben geholfen wird, die trotz einer Kreditgewährung auf Grund der Steueranteilscheine an der Grenze der Unrentabilität bleiben. Die Gewerkschaften lehnen ab. Bei den Gewerkschaften, vom sozialdemokratischen Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund bis zu den Christlichen Gewerkschaften, sind die Bedenken größer als die Hoffnungen. Jedoch ist diese Stellungnahme der Gewerkschaften nur sehr vorsichtig und nicht unbedingt sachlich zu werten. Soweit man auf dieser Seite das Programm der Regierung grundsätzlich ablehnt, geschieht dies aus der Enttäuschung heraus, daß jetzt kein sozialisti- sches Wirtschaftsprogramm großen Umfanges durchgesührt wird. Bisher jedoch konnte der Beweis nicht erbracht werden, daß die Gefahr eines sozialistischen Wirtschaftsprogramms den Einsatz gerechtfertigt hätte. „Der Versuch Popens", so erklärt dem Berichterstatter ein führender Gewerkschaftler, »ist ein groß angelegter Versuch der kapitalistischen Wirtschaft, zu beweisen, daß die Krise die gegenwärtigen Wirtschaftsformen nicht zerstört, sondern als eine normale und nur durch Rebenumstände verstärkte Krise mit Hilfe der bestehenden Wirtschaftsformen überwunden werden kann." Diese Feststellung trifft nach der Ansicht fast aller Wirtschaftsverbände die Grundsätze des Paperr-Programms. Aber sogar auf der Seite der Gewerkschaften spürt man es, daß dieser Grundsatz, die kapitalistische Wirtschaft sei in sich noch lebens, und erholungsfähig, mit Gegengründen nur schwer erschüttert werden kann. Der Schwerpunkt des Angriffs gegen Papen wird daher auf die Schilderung der Gefahren gelegt, die sich bei der praktischen Durchführung ergeben könnten. Diese Bedenken beziehen sich vor allem auf die Gefahr eines generellen Lohnabbaus, der durch die Lockerung des Tarif- und Schlichtungswesens hervorgerufen werden könnte. Papen selbst, der betont, das gesamte Lohneinkommen vergrößern, aber nicht verkleinern zu wollen, wird von diesen Bedenken sicherlich Kenntnis nehmen, und die Ausführungsbestimmungen so erlassen, daß Angriffe gegen einen allgemeinen Lohnabbau gegenstandslos werden. Die Börse glaubt an den Konjunkturumschwung. Die Börse unterscheidet sich in ihrem Urteil Don allen anderen Wirtschaftsinstanzen dadurch, daß sie die Ereignisse in ihrer Wirkung auf lange Sicht abzuschähen sucht. So wird jeder Konjunkturaus- schwung ebenso wie ein Konjunktur-Abstieg an dem Barometer der Börse Monate vorher spürbar. Auf alle bisherigen Belebungsversuche, sogar auf den Hoover-Plan, hat die Börse nur mit einem kurzen, kaum vierzehn Tage andauernden Ausschlag reagiert. Die Börse, die wirtschaftlich international denkt, hat sich grundsätzlich auf den Standpunkt gestellt, daß nur ein Anziehen der Rohstoffpreise, das die Rohstoffländer als Abnehmer wieder in die Weltwirtschaft einschaltet, Hilfe bringt. Seit einigen Monaten steigen die Rohstoffpreise an. Der Hausse der ausländischen Börsen haben sich die deutschen Börsen angeschlossen. 2n wichtigen Verhandlungen haben dieser Tage führende Börsenvertreter die Meinung aus- gesprochen, daß mit dem langsamen, aber steten Ansteigen der Rohstoffpreise der Tiefpunkt der Krise überwunden sei und daß der Augenblick gekommen wäre, um durch den Impuls eines starken Kapital- einsahes die Wirtschaft wieder Hochzutreiben. Nur noch ein Bürgermeister in Worms? WSN. Worms, 31. 2Iug. Am 1. September läuft die Amtszeit von Bürgermeister Schulte, eines der vier Oberbeamten der Stadtverwaltung, ab. Bürgermeister Schulte gehört der SPD. an und wurde vor zehn Jahren zum Bürgermeister gewählt. Wie bekannt wird, beabsichtigen die Nationalsozialisten, im Stadtrat einen Antrag einzu- bringen, wonach die Zahl der vier Oberbeamten auf einen reduziert werden soll. Brandstiftungen im Kreise Biedenkopf? WSR. Biedenkopf, 31. Aug. Rachdem in der vergangenen Woche die Scheune des Landwirts Bamberger im Kreisort Herzhausen ein Raub der Flammen geworden war, brannte jetzt dort die Scheune des Landwirts R o n z h e i m e r bis auf die Grundmauern nieder. Sowohl die gesamte Ernte des Besitzers als auch die Hafer- und Weizenemte des Landwirts Bamberger, der sie nach dem Brand seiner Scheune dort gelagert hatte, tour- den vernichtet. Die Feuerwehren konnten ein Hebergreifen auf das dicht an die Brandstätte grenzende Wohnhaus mit Stallung verhindern. Cs wird Brandstiftung vermutet. Gtahlhelmstudenten bei Hindenburg. Reichspräsident von Hindenburg schreitet die Front einer Abteilung des Stahlhelm-Studenten- bundes „Langemarck" ab, die ihm in Neudeck einen Besuch abgestattet hatte. Gegen die Gchlachisteuer. proiestversammiung der Mehgermeister.-Dor der Einführung in Hessen? WSR. F r a n k s u r t a. M., 31. August. Im Handwerkerhaus in Frankfurt fand am Mittwoch ein Obermeistertag der Fleischerinnungen von Hessen und Hessen-Ras- s a u statt, um zur Schlacht st euer Stellung zu nehmen und Abänderungsvorschläge zu beraten. Die Tagung war von 45 Innungen beschickt. Der Vorsitzende, Ehrenobermeister Schnell (Kassel), teilte mit, daß der Vorstand der Ansicht sei, daß es heute gelte, gegen die Schlachtsteuer, die eine soziale und ungerechte Steuer sei, in entschiedener weise zu protestieren und ihre Abschaffung zu verlangen, daß aber, solange sie bestehe, alles geschehen würde, um Abänderungen zu erreichen, Härten zu beseitigen, namentlich aber alles daran zu sehen, um die Steuervergünstigungen der Hausschlachtungen zu beseitigen. Obermeister P f e i - f e r, Frankfurt, besprach die Auswüchse der Steuer und verurteilte auf das entschiedenste die Preisschleuderei, die das Fleischergewerbe vernichte. Stellvertretender Obermeister Laukner, Kassel, wies darauf hin, daß ein Land nach dem andern die Schlachtsteuer eingeführt habe. Sie belaste auf das schwerste das Fleischergewerbe, denn sie fei bei der geringen Kaufkraft der Bevölkerung nicht abwälzbar. Er beantragte 2lb- änderung der Schlachtsteucrsähe, und zwar eine Staffelung von 100 zu 100 Kilo. Cs komme vor, daß ein Tier 10 Pfund Dung mitschleppe und dadurch in eine höhere Steuerklasse komme. Oft werde durch Heberfütterung und Trächtigkeit ein höheres Gewicht herbeigeführt und dadurch eine höhere Steuerklasse. Die Steuerbefreiung der Hausschlachtungen müsse fallen. Bei bedingt tauglichem Fleisch, das der Freibank überwiesen werde, müsse die ganze Steuer rückvergütet werden; jetzt werde nur die Hälfte rückvergütet. Einen breiten -Raum nahmen in der Aussprache die Aeußerungen über die bevorstehende hessische Schlachtsteuer ein. Stadtrat Decker (Offenbach) teilte mit, daß im hessischen Finanzministerium am morgigen Donnerstag eine Sitzung stattfinde mit der Tagesordnung: Aussprache über die hessische S ch l a ch t st e u e r. Die Handwerkskammer habe dazu eine Einladung erhalten und habe die Metzgermeister, die ihr als Mitglieder angeboren, beauftragt, der Sitzung beizuwohnen und, falls die Regierung erkläre, daß dre Einführung der Schlacht st euer in Hessen durch Rotverordnung erfolge, Abänderungsvorschläge zu der preußischen Schlachtsteuer zu machen, damit die Härten dieser vermieden, werden. Es sei zu erwarten, daß diese fachmännischen Vorschläge auch Berücksichtigung finden. Mit der Einführung der Schlachtsteuer in Hessen sei wohl bestimmt zu rechnen. Aus der Tatsache der Besprechung dürfe das wohl geschlossen werden. Cs wurde eine Entschließung angenommen, in der sich die Versammlung zu den von Laukner (Kassel) gestellten Forderungen bekennt. Gefängnis für einen Falschmünzer. WSR. Limburg, 31. Aug. Bei zwei Steuerhebestellen im Westerwald und in den Städten Marburg und Gießen stellte man falsche Fünfmarkstücke fest, die eine versilberte Zinnlegierung darstellten. In Marburg und Gießen wurden zwölf falsche Fünfmarkstücke angehalten. Wegen Herstellung dieser Falschstücke verurteilte die hiesige Große Strafkammer einen Arbeiter aus Sinn (Dillkreis) zu einer Gefängnisstrafe von achtMonaten. tootesBeiiiW Roman von Hertha Fricke Llrheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau 10 Fortjetzung Nachdruck verboten. Eva-Marie hörte am frühen Morgen den Wagen kommen und fahren, der Renate fort- führte. Sie stand hinter den goldfarbenen Seiden- vorhängen ihres kleinen Zimmers und schaute dem Wagen nach. Dann legte sie sich noch einmal hin und träumte. Heute wartete ihrer keine Pflicht. Und um zehn erst wollte sie reifen. Mama schrieb sehnsüchtige Briefe und tonnte ihre Ankunft kaum erwarten. Sie dachte daran, ihrer Mama etwas mitzubringen, sie hatte ja Geld genug. Sie wollte an Onkel Hans denken und an die Kusinen, an die reifenden Kornfelder und die Tiere auf dem alten Rittergut, die sie so gern hatte, wollte sich auf etwas freuen, aber es gelang ihr nicht. Immer wieder fiel ihr Renates zerstörtes Iugendglück ein und ihre Mission an Klaus Behrens, die sie über kurz ober lang einmal erfüllen mußte. Sie dachte daran, daß der Umstand, daß er verheiratet sei, die Sache schwieriger für sie gestalten könnte, als ftc damals gedacht hatte! — Sie hatte wohl gar nicht darüber nachgedacht, ob und wie es möglich sei. Sie hatte nur rasch ja gesagt, alles versprochen, weil das Mitleid mit Renate ihr Herz erfüllte. Plötzlich fiel ihr ein, daß es besser gewesen wäre, Renate hätte ihr gestern schon den Schlüssel gegeben, ehe sie in die Klinik kam. Denn man wußte ja nicht, wer bei ihr sein würde, wenn es zu Ende ging. — Aber es brauchte ja nicht: Doktor Heinrich, der liebe, gute Mensch, würde sie ja benachrichtigen, wie es Renate ginge, und sie wollte sich bereit halten. Als sie sich ankleidete, siel ihr ein, daß sie, ehe sie ab reifte, noch einmal nachsehen wollte, ob das Fach in dem kleinen, weißen Schreibtisch in dem Gartenzimmer auch gut verschlossen sei. Sie frisierte sich, machte den kleinen Handkoffer zu, nahm Hut und Mantel unb ging den Korridor entlang. Ihre Sachen hatte sie verwahrt. Im Eßzimmer hatte ihr der Diener das Frühstück hingestellt. Eva-Marie dankte ihm freundlich, setzte den kleinen Koffer in der Diele ab und ging bann ins Gartenzimmer hinunter. Cs lag noch, wie Renate es gestern verlassen hatte. Die Mädchen sollten es gründlich säubern. Rur die Fenster standen alle weit auf. Aber die seidenen Kissen lagen noch zerdrückt auf der Chaiselongue umher, und Renates seidene Decke war heruntergefallen. Eva-Marie legte die Roten zusammen, die chr gehörten und schloß das Klavier. Dann trat sie an den kleinen Schreibtisch und untersuchte das Fach. Cs war fest verschlossen. In diesem Qlugenblid hörte sie leise Schritte von der Glastür her. Schwester Elisabeth stand dort und schaute durch die Scheiben. Ihre kalten grauen Augen hatten einen unsäglich spöttischen Ausdruck. „Die gnädige Frau hat den silbernen Schlüssel mitgenommen!" sagte sie scharf. „Ich wollte mich nur überzeugen, dach der Schreibtisch verschlossen ist!" antwortete Eva- Marie von Diemen. Es war ihr unendlich peinlich. „Ich habe Ihnen ja auch gar keine andere Absicht untergelegt!" höhnte die Schwester. Es war Cva-Marie, als ob ein ekles Gewürm auf sie zukrieche. Sie verließ eilig das Gartenzimmer und nahm ihr Frühstück. Aber es schmeckte ihr nicht. Sie würdigte Schwester Elisabeth keines Blickes mehr, auch bann nicht, als sie diese bei Herrn Karl Andresen in dessen Arbeitszimmer traf. „Ich wollte mich verabschieden", sagte sie höflich. „Sie waren wohl einverstanden, Herr Andresen, daß ich meinen Urlaub jetzt nehme, da ich der gnädigen Frau nicht dienen kann. Wenn Sie mich jedoch für Klein-Gerti wünschen, stehe ich jederzeit zur Verfügung." Karl Andresen sah sie scharf unb prüfend an. Dann reichte er ihr flüchtig die Hand. „Gute Erholung!" „Ich danke vielmals und wünsche von Herzen das Beste für Ihre Frau!" antwortete Eva- Marie. „Schwester Elisabeth wird auch für kurze Zeit Erholungsurlaub nehmen!" betonte Karl Andresen, als wollte er Eva-Marie veranlagen, sich auch von dieser zu verabschieden. Aber das Fräulein von Diemen sagte nur kühl: „Ich hörte es bereits." Damit verneigte sie sich noch einmal vor Herrn Andresen unb ging. 7. Heber den Feldern, die das alte Rittergut umgaben, lag hell und bl ach reifende, brütende Sonne. Eva-Marie ging mit ihrer Mutter den Feldrain entlang, den breitrandigen Strohhut am Arm. Sie pflückte blaue Kornblumen und brennroten Mohn für die Vasen in den dunkcl- eichenen Zimmern des Herrenhauses mit den schweren, alten flämischen Möbeln. „Wie das putzt, wenn du mit deinen geschickten Händen die Vasen füllst!" lobte die Exzellenz. „Es ist ein künstlerischer Genuß, zuzusehen, wie du Farben und Form aufeinander abzustimmen verstehst! Die dunkelgrüne Kugelvase gestern mit dem roten Mohn und der schlanke Kristallkelch mit Kornblumen unb Wargaretenblumen! Richt einmal vor bem Schierling machst du halt! Wir ließen ihn immer stehen, weil er so giftig ist, unb unter deinen Händen wurde es direkt ein Gedicht mit den vielen blauen Glockenblumen und goldenem Hahnenfuß!" „Wenn ich meine Stellung mal aufgeben muß, Mamachen, bann kann ich ja einen Blumen laben in Berlin aufmachen unb mache Geschäfte mit Onkel Hansens ganzem Unkraut, wie er es nennt!" — lachte Eva-Marie. Sie war ganz heiter geworden. Der häßliche Eindruck, den bas fonberbare Benehmen Schwester Elisabeths auf sie gemacht hatte am letzten Tage, ber sie auf der ganzen Reise verfolgt, war verblaßt und vergangen in all dem Blühen, dem Sonnenschein, unb bem erfrischenden Landleben. Die Mama fühlte sich wohl auf dem Gute der Verwandten. Es gab viele leere Zimmer dort, unb bie Gutsherrin hatte gern jemanb zum Plaudern. Run war der Besuch Eva-Maries im Einerlei des ländlichen Verkehrs, der sich auf zwei Rachbargüter beschränkte, eine freundliche Abwechslung. „Wie das klingt, Eva-Marie!", lächelte die Exzellenz. „Eine von Diemen und Geschäfte machen!" „Mamachen!" lachte das junge Mädchen luftig. „Du bist noch von vorgestern und wirst es bleiben! Gar mancher, der früher sein Leben mit Richtstun verbrachte, hat heute fein Geschäft!" „3a, es ist schrecklich!", seufzte ihre Exzellenz. „Ach wo, Mamachen! Das ist gar nicht schrecklich! Wohl dem, der umschalten kann! Onkel Hans sagte neulich, bas einzige, was uns geblieben ist, ist die Arbeit! — Das ist ja das Allerbeste unb Wertvollste, was uns geblieben ist. Ich kann dir sagen, Mama, ich habe mich manchmal im Innersten geschämt, wenn die Krankenpflegerin so fleißig war, und wenn der prächtige Dr. Andresen todmüde von seinem Dienst kam, und ich saß da faul herum, spielte ein bißchen Klavier, plauderte mit' der lieben Frau Renate —, und der himmlische Vater ernährte mich doch, wie diese Blumen auf dem Felde!" „Ja, liebes Kind, aber in unseren Kreisen.. Die Dame konnte offenbar nicht ganz Eva-Maries vernünftigen Gedanken folgen. „In unseren Greifen, Mama, hat's leider Richtstuer genug gegeben. Ich spreche nicht von unseren Offizieren und Staatsmännern vergangener Zeiten, die ihre Arbeit hatten unb ein gerütteltes Maß, aber unter uns Damen! Was taten wir denn, Mama? Ich zähle uns ruhig mit! Wir fuhren spazieren, machten Besuche unb Besorgungen, mimten ein bißchen in Wohltätigkeit und stahlen dem lieben Gott den Tag ab. Die einen amüsierten sich dabei, die anderen taten sich groß! Aber Arbeit?" „Ja, es ist alles anders geworhen!" seufzte die Exzellenz. „In diesem Sipne sage ich Gott sei Dank, Mama! — Unb ich will auch noch etwas Tüchtiges lernen!" „Liebes Kind, ich wollte schon einmal mit dir darüber sprechen! Onkel Hans sagte mir, ber Herr Baron von Bork interessierte sich für dich! Wenn er auch nicht mehr jung ist, du wärest versorgt und so schön in unserer Rähe! Mir wäre eine große Sorge genommen, Eva-Marie, das Gut ist nicht klein, er befindet sich noch in guten Verhältnissen, wenn er auch nicht mehr so steinreich ist wie früher!" Eva-Marie machte ein Gesicht, als hätte man ihr Furchtbares zugemutet. „Aber Mama! Das kann doch dein Emst nicht fein? Ich soll den 53jährigen heiraten —, unb bas wäre eine Beruhigung für dich?" „Eva-Marie, wir meinen es gut — nimm doch Vernunft an!“ bat die alte Dame. „Ich denke nicht daran!" sagte das Mädchen bestimmt. Dann lachte sie. ganz munter. „Da mache ich wirklich lieber ein Blumengeschäft auf, * oder einen Handarbeitslaben, ober ein Puppenatelier! — Aber bas ist gar nicht nötig! Ich gehe meinen Weg, und du brauchst dich nicht um mich zu sorgen!" Halber jedes Mädchen will doch einmal heiraten!" meinte die Exzellenz ganz betrübt. „Gewiß! Wenn ber Rechte kommt!" „Ihr armen Mädchen habt heute aber nicht mehr die Wahl wie früher!" „Ich denke, viel mehr! Denn wir sehen uns nicht nur in Gesellschaft, wo jeder sein bestes Kleid zeigt, sondern im täglichen Geben, unb keiner macht bem anberen etwas vor Vielleicht heirate ich eher, als du denkst!" Eva-Marie lachte so fröhlich und sah so glücklich aus. Am Morgen war ein Brief gekommen, der eine feste, männlich Handschrift trug, unb Exzellenz-Wama hatte ihn von allen Seiten betrachtet, eye sie ihn auf Eva-Maries Platz auf ben Frühstückstisch legte. Unb baä Mädchen hatte ihn erfreut angesehen und dann, ohne ein Worr ber Erklärung, in ihre weiße Sommerbluse gesteckt. Sollte etwa ...? „Eva-Marie, Baron von Bork ist vom alten Abel!" „Das heißt, es ist sehr lange her, daß jemand seines Romens etwas Ordentliches getan hat!" „Mädchen, was für schreckliche Gesinnungen!" Exzellenz war entsetzt. „Aber warum denn, kleine Mama? Ich habe die Gesinnung unseres großen Friedrich. Der wollte auch mit bem Krückstock breinschlagen, wenn jemand nichts taugte!" (Fortsetzung folgt.) S.Jt.-'fpoit Tagung des Verbandes Mitteldeutscher Gki-Vereine. Der Verband Mitteldeutscher Ski-Vereine (VMS.) hielt am Samstag und am Sonntag seine 20. Vertreterversammlung in Aschaffenburg ab. Dem VMS. gehören u. a. der Ski-Gau Vogelsberg mit seinen oberhessischen Ski-Vereinen und der Schneeschuh-Abteilung des Turnvereins 1846 an. Nach der Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden des VMS., Kurt Jenifch, Frankfurt a.M., wurden der Jahresbericht und Kassenbericht erstattet. Trotz der chwierigen Zeiten war das Ergebnis zufrieden- tellend. Es folgten sodann die Berichte der Aus- chüsse. Hauptmann Klug- Würzburg, Sportwart des DMS., betonte die Notwendigkeit des Vortrainings für den sportlichen Ski-Läufer. Er werde im kommenden Winter enge Fühlung nehmen mit den Vereins- und Gaufportwarten. lieber die Lehrtätigkeit im vergangenen Winter berichtet Prof. Ratzel, Frankfurt. Der DMS. besitzt 45 vom Deutschen Ski- Verband anerkannte DSD. - Ski - Lehrer, die verpflichtet sind, in den Vereinen und Gauen Kurse abzuhalten. (Davon gehören 6 dem Ski-Klub Gießen an.) K a r t h a u s, Gersfeld (Rhön), sprach als Jugendwart. Die Zahl der Jugendlichen hat auch im vergangenen Winter etwas zugenommen. Der Vorsitzende des Ausschusses für Touristik, West- Hof- Betzdorf, wies auf die zahlreichen Hochgebirgsfahrten hin, die von den Vereinen und Gauen (darunter auch vom Ski-Klub Gießen) im letzten Winter unternommen worden sind. Für den Werbe- und Presseausschuß sprach W. Braun, Frankfurt. Für den kommenden Winter wurden folgende Veranstaltungen beschlossen: Jugend-Skitag in Gersfeld (Rhön), Ende Dezember; Verbandswettläufe in Gersfeld am 22.Januar; ©taffe II a u f im Taunus am 29. Januar; 3 0- Kilometer-Lauf am 5. Februar. Außerdem finden noch zahlreiche Gau- und Vereinswettläufe statt. Zwischen Weihnachten und Neujahr wird im Walsertal (Tirol, jedoch deutsches Wirtschaftsgebiet), ein Trainingskurs abgehalten. Auch die Ski-Lehrerprüfungen sollen nur im Hochgebirge (Walsertal) abgelegt werden können, nachdem ein Dorbereitungskurs im Mittelgebirge vorausgegangen ist. Es werden hohe Anforderungen gestellt. Insbesondere soll alpine Technik verlangt werden. Weiter befaßte sich die Versammlung mit den Fragen der Unfall-Haft- pflicht- und Ski-Bruchversicherung, sowie mit dem neu zu bildenden Ski-Gau Westerwald. Die Tagung 1933 soll in Bingen stattfinden. Der Samstagabend sah etwa 500 Ski-Läufer im Festlokal „Frohsinn". Der Wintersportverein Aschaffenburg hatte ein außerordentliches Programm vorgesehen und unterhielt die Gäste auf das Ange- nehmste. Der Sonntag Nachmittag vereinigte die Teilnehmer in der „Fasanerie". Unter sachkundiger Leitung wurden ferner die Sttftskirche, das Schloß und das Pompejanum besichtigt. Handball im Lahn - Oünsberg - Gau. Gauklasse: Londorf I. —Atzbach I. 6:2 (3:0). Die erste Spielhälfte stand im Zeichen der Plahbesiher. Zur Pause stand das Spiel 3:0 für Londorf. Nach der Pause wurde Atzbach besser und tarn, nachdem Londorf auf 4:0 erhöht hatte, zu zwei Treffern. Londorf stellte aber bald wieder den früheren Stand her. Drei Tore wurden aus Strafstößen erzielt. Atzbach vergab viele Chancen. Dorlar I.-Allendors I. 6:5 (4:2)! Der Gaumeister verlor. Die Mannschaft verlor dazu verdient. In hartem Kampf sicherte sich Dorlar durch die bessere Spielweise den Sieg. Die Allen- dorser Verteidigung war schwach. Staufenberg 1. — Wieseck I. 3:4 (1:1). Beide Mannschaften lieferten sich ein gleichwertiges Spiel. Es wurde sehr fair gekämpft. Bis zur Halbzeit erzielte jede Mannschaft je ein Tor. Nach dem Wechsel kam Staufenberg auf und führte mit 3:2 Toren, Wieseck ging aber zum' Endspurt über, erzielte zwei weitere Tore und damit den knappen Sieg. Bezirksklasse: Waldgirmes I. — Launsbach 1. 2:11 (2:3). Auf schlüpfrigem Boden fanden sich die Gäste schneller, legten bis zur Pause drei Tore vor, während Waldgiriges nur zwei erzielte. Waldgirmes hatte sich bald ausgegeben, und mit weiteren acht Toren bewiesen die Gäste ihre äleberlegenheit. Rodheim 1. und Erda I. trennten sich nach hartem Kampf mit dem für Rodheim glücklichen Ergebnis von 4:3 Toren. Atzbach l. —Wißmar I. 4:4 (2:2). Das Spiel zeigte in hartem Kampfe die Plahbesiher von der besten Seite. Wißmar hatte am Bortag ein anstrengendes Spiel und erzielte ein Unentschieden, das einen glücklichen Ausgang bedeutet. Kinzenbach I. — G a r be n he im 1. 2:10 (2:5). Der Platzverein trat nur mit 9 Mann an. Garbercheim war komplett. Die Gäste führten bald mit 2 Toren, aber die Plahbesiher wurden auch einige Male mit ihren drei Stürmern gefährlich. Kinzenbach mußte sich aber doch der Liebermacht beugen. Allendors II. — Mainzlar I. 4:4 (2:2). Beide Mannschaften lieferten sich einen fairen Kampf. Besondere Leistungen wurden nicht gezeigt. Mainzlar lag stets etwas mehr im Angriff. Tvgg. Ruttershausen — Allerts- P Hausen 0:0. Das Spiel verlief sehr ruhig. Die erste Halbzeit verlief ausgeglichen, während in der zweiten Hälfte mehr oder weniger der Platzbesitzer überlegen spielte. Erfolge blieben aus. R o r d e ck I. —Kes selb ach I. 6:2 (5:0). Der Plahbesiher war den Gästen stets etwas überlegen und führte bereits zur Pause mit 5 Toren. Nach dem Wechsel holt Kesselbach zunächst zwei Tore auf, dem der Plahbesiher einen weiteren Erfolg entgegensetzt. Kesselbach trat mit nur neun Spielern an. Hausen I.-Alb ach I. 1:11 (1:8). Das Spiel wurde von beiden Seiten hart durchgeführt. Hausen fand sich während der ganzen Spielzeit überhaupt nicht zusammen und brachte nur einen einzigen Erfolg zuwege. Albach siegte nach Belieben. D u r kh a r ds f e lde n I. —De ue r n I. Das Spiel kam nicht zum Austrag, da Beuern nicht antrat. Die Punkte gingen kampflos an die Platzbesitzer. Schüler!.Tv. Garbenheim — Tv.Dorlar 3:0. Zugendwettkämpfe (AOT.) in Kinzenbach. In Launsbach wurde am vergangenen Sonntag in einer Sitzung des Verbandes für Leibesübungen der Gruppe Krofdorf beschlossen, die bisher abgehal- tenen Jugendwettkämpfe, an denen bisher auch Aktive teilnahmen, zu reinen Jugendwettkämpfen auszugestalten. Durch diesen Beschluß fällt in Zu kunft der Dreikampf der Aktiven fort. Es wurde daraus hingewiesen, daß Vereinsoorsitzende und Turnwarte bestrebt sein müssen, möglichst alle Jugendliche zu entsenden, um die Veranstaltung zu einer eindrucksvollen Kundgebung für die Turnsache der ADT. gestalten zu können. Als Austragungsort wurde Kinzenbach bestimmt. Die Wettkämpfe werden am 18. September stattfinden. Rad-Welimeisterschasten in Hom. > Der Franzose Paillard vermochte bei den Weltmeisterschaften im Steherrennen zu Rom zum zweitenmal die Weltmeisterschaft zu erringen. Tenniskampf Sidney-Mannheim 3:0 Auf den Plätzen des TC. Mannheim kam am Mittwochnachmittag ein Tennisklubkampf Sidney-Mannheim zum Austrag. Bei schönem Wetter und ausgezeichneten Plahverhältnissen, aber überraschend schwachem Besuch kam es sowohl in dem Einzel-, wie auch in dem Doppelspiel zu dem erwarteten glatten Erfolg der beiden australischen Davispokalspieler. Lediglich im Doppel konnten die Mannheimer dank des sehr guten Spieles von Ofan einen etwas stärkeren Widerstand leisten, sie nahmen hier sogar den Gästen einen Satz ab. Die Ergebnisse waren: Sproule (Sidney) gegen Klopfer (Mannheim) 6:3, 6:3; Hopmcm (Sidney) gegen Dr. Buh (Mannheim) 6:2, 6:2; Hopman-Sproule gegen Dr. Butz-Ofan 6:8, 6:1, 6:4. Tilden und Kozeluh kommen nach Berlin. Zu der Tennislehrer-Weltmeisterschaft vom 20. bis 25. September in Berlin haben bisher schon die bedeutendsten Berufsspieler der Welt ihre Meldungen abgegeben. Neben Tilden, Barnes (USA), Kozeluh (Tscheche!), Burke (England), Plaa, Ramttlon (Frankreich), Gebr. Schmidt (Ungarn), Najuch, Nüßlein, Bartelt, Richter, Messer- schmidt (Deutschland) wird außerdem noch eine englische und Schweizer Mannschaft erwartet. 10. Schleizer Oreiecksrennen. Das Ncnnungsergebnis zum 10. Schleizer Dreiecksrennen, das am 11. September ausgefahren wird und zugleich den Abschlußlauf der deutschen Motorrad-Meisterschaft bildet, ist ganz hervorragend ausgefallen. Alle bekannten Fahrer haben gemeldet, u. a. sindKahr- mann-Fulda, Winkler-Chemnitz, Kohfink-Dietig- heim und Pätzold-Köln in der kleinsten Klasse, Leh - Nürnberg und Loof - Godesberg in der 350er, Tom Bullus, Bauhofer-München und Klein-Frankfurt in der Halbliter- und Rüttchen- Erkelenz und Röse-Düsseldorf in der Literklasse besonders zu erwähnen. CaracciolastarieibeimMasaryk-Hennen Bei dem am nächsten Sonntag auf dem Ma- saryk-Ring bei Brünn zur Entscheidung gelangenden Masaryk-Rennen werden die bekanntesten europäischen Rennfahrer an den Start gehen. Der Alsa-Romeo-Stall ist mit Caracciola, Nuvolari, Borzacchini und Brivio vollständig vertreten und wird in v. Drauchitsch (Mercedes-Benz), Chiron, Barzi, Burgaller (Bugatti) und noch verschiedenen anderen Klassefahrern eine schwere Konkurrenz finden. Kurze Sportnotizen. Der deutsche M ar a t h o n rn ei st er, Geißler-Charlottenburg, nimmt am kommenden Sonntag an einem Marathonlauf in Antwerpen teil. e Die Olympischen Spiele 1 936 in Berlin sollen nach einer Aeußerung des Generalsekretärs Dr. Diem genau nach dem Muster von Los Angeles aufgezogen werden, da es nach dem Urteil des deutschen Sportführers nichts Besseres gebe. Wirtschaft. Berlin uneinheitlich und schwächer. Berlin, 1. Sept. (WTB. Funkspruch.) Die heutige Börse stand nicht unerheblich im Zeichen rein technischer Schwierigkeiten durch die notwendige Limiterneuerung. Sonstige Momente wirtschaftlicher resp. politischer Natur traten demgegenüber etwas in den Hintergrund. Der eher schwächere Verlauf der gestrigen Neuyorker Börse wurde kaum beachtet, auch der an und für sich optimistischere Bericht des Institutes für Konjunkturforschung fand nicht ine richtige Würdigung. Dagegen wurden die außenpolitischen Spannungen mit Frankreich hinsichtlich der Rüstungsfrage interessierter verfolgt, zumal vielleicht bei einer evtl. Aufrüstung einige Industrien hiervon profitieren könnten. Schon gestern abend lagen Montanwerte weiter in Front, und auch im heutigen Dormittagsoerkehr hörte man noch für Spezialwerte recht feste Kurstaxen. Diesen Taxen gegenüber brachten die ersten Kurse dann allerdings eine gewisse Enttäuschung. Ein Teil der bei den Banken vorliegenden Orders war nämlich nur als Limiterneuerung gegeben worden, und das efsektive Geschäft stellte sich cfann zum offiziellen Börsenbeginn als wesentlich kleiner heraus, als man vorher angenommen hatte. Auch im Vergleich zu den Vortagen haben die Umsätze weiter nachgelassen. Sa kann man im allgemeinen sagen, daß das Frankfurter Abendniveau nur behauptet war, daß also die meisten Papiere 1 bis 2 v. H. über gestern mittag lagen. Zellstoff Waldhof waren mit plus 3 v. H. und Chade- aktien mit plus 3 Mark allerdings fester. Auch die Kalinebenwerte waren bis zu 5,50 v. H. gesteigert. Anderseits büßten z. B. Niederlausitzer Kohle 3 v. H. und Siemens 2,50 v. H. ein. Bei letzteren sprach man von Tauschoperationen gegen einige im Kurse niedriger stehende Montanpapiere. Aus weiter anziehende Kupferpreise waren Otavi Minen erneut um 0,75 v. H. gebessert. Die Farbenaktie hatte etwas lebhafteres Geschäft und kannte 1 v. H. gegen gestern gewinnen. Der Verlauf war uneinheitlich und eher schwächer. Einige Papiere, wie Waldhof, Felten, Bekula und Contigummi büßten bis zu 2 v. H. ein. Renten blieben dagegen weiter gefragt, Deutsche Anleihen und Reichsschuldbuchforderungen waren bis zu 0,25 v. H. gebessert. Die variabel gehandelten Jndustrievbligativnen lagen bis zu 2 v. H. höher. Auch das Interesse für Auslandsrenten unter Bevorzugung von Mexikanern und der 4pro- zentigen Ungarischen Goldrente hielt an. Die G e l d s ä tz e erfuhren heute noch keine Veränderungen. Eine Erleichterung war nach dem Ultimo noch nicht festzustellen, im Gegenteil, die Lage war auf Grund von notwendigen Lombardrückzahlungen eher noch steifer. Srantfurf freundlich, aber uneinheitlich. Frankfurt a.M., l.Sept. (WTB. Drahtmel- dung.) Tendenz: uneinheitlich. Die Börse zeigte im Anschluß an die Abendbörse weiterhin feste Grundstimmung, doch war die Kursgestaltung wieder recht uneinheitlich. Vom Publikum lagen weitere Kauforders besonders für Nebenwerte vor, dagegen verhielt sich die Spekulation im Hinblick auf die innerpolitische Situation eher abwartend. Etwas Anregung erhielt die Börse von dem neuesten Be- rid't des Instituts für Konjunkturforschung, das zu dem Schluß kommt, daß die Weltwirtschaft am tiefsten Punkt angelangt sei, in Deutschland aber dieWeiterentwicklungvon der Politik abhängen werde. Bei relativ lebhaften Umsätzen überwogen Kursbesserungen bis zu 1 v. H. Mehr befestigt waren von Clektronebenwerten Felten, Gesfürel, Rhein. Elekto, Licht & Kraft und Elektrische Lieferungen mit Besserungen bis zu 2,25 v. H. Siemens gingen dagegen zu 1 o. H. zurück, AEG. und Schuckert waren gut gehalten. Am Montanmarkt kam die gestrige Aufwärtsbewegung zum Stillstand, und die Kurse waren meist nur gehalten. Nur Klöcknerwerke, Mansfelder Bergbau, Phönix, Stahlverein und Otavi Minen erzielten noch kleine Erhöhungen. Von Nebenwerten lagen AG. für Verkehrswesen, Deutsche Linoleum und Gebr. Junghans bis zu 2 v. H. höher. Chemieaktien gewannen bis zu 0,75 v. H., Kunstseide- und Schiffahrtspapiere 0,25 bis 0,50 v. H. Leicht abgeschwächt waren Reichsbank, Goldschmidt und Conti- gummi. Nach den ersten Notierungen konnte sich die Mehrzahl der Aktien bis zu 0,50 v. H. befestigen. Am Rentenmarkt lagen Deutsche Anleihen bis zu 0,50 v. H. freundlicher, Reichsschuldbuchforderungen blieben gut behauptet. Interesse zeigte sich auch weiterhin für einige Auslandsrenten, besonders für Türken, Ungarn-Renten und Rumänen. Am P f a n d b r i e f m a r £ t hat sich die Tendenz gebessert. Goldpfandbriefe lagen etwa 0,50 bis 1 v. H. höher. Liquidationspfandbriefe zeigten nur wenig Veränderung. Sehr fest tendierten Kommunalobligationen, die bis zu 3 o. H. anzogen. Auch Städteanleihen und Jndustrieobligationen lagen fest. Nachdem auf Abgabe der Banken die Kurse zunächst bis zu 1 v. H. schwächer geworden waren, setzte sich im Verlaufe eine neue Befestigung durch, so daß die Anfangskurse meist wieder erreicht wurden. Anregung bot hierbei die starke Aufwärtsbewegung der Altbesitzanleihe, die bei größeren Ilm- sätzen bis zu 0,50 o. H. gewannen. Auch Schutzgebiete und die Neubesitzanleihe lagen fester, ebenso Reichsschuldbuchfarderungen. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a.M., l.Sept. Austrieb: 179 Rinder, 1202 Kälber, 204 Schafe, 672 Schweine. — Es wurden bezahlt: Kälber: beste Mast- und ©aug« -kälber 39 bis 42 Mk., mittlere Mast- und Saugkälber 34 bis 38, geringe Kälber 28 bis 33. Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel, Weidemast, 25 bis 28, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe, 20 bis 24. Schweine: vollfleischige Schweine von zirka 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 43 bis 48; vollfleischige Schweine von zirka 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 40 bis 48; fleischige Schweine von zirka 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 37 bis 45. — Marktverkauf: Kälber und Schafe mittelmäßig geräumt, Schweine langsam, geringer Ueberstand. Schweinemarkt in Friedberg. WSN. Friedberg, 31. Aug. Bei lebhaftem Handel wurden auf dem heutigen Schweine- markt bezahlt: für sechs Wochen alte Tiere 8 bis 10 RM., für sechs bis acht Wochen alte Tiere 10 bis 15 RM., für acht bis zwölf Wochen alte Tiere 15 bis 22 RM. Bei einem Auftrieb von 682 Jungtieren verblieb etwas Ueberstand. Preußen. Kreis Wetzlar. △ Münchholzhaus en, 30. Aug. In seiner gestrigen Sitzung beschäftigte sich der Gern e i n d e r a t mit der Beratung desEtats für das Rechnungsjahr 19 3 2. Die Gemeindeumlage wurde wie folgt festgesetzt: Grundvermögenssteuer 350 Prozent, Gewerbekapital- und Gewerbeertragssteuer 400 Prozent. Die Bürgersteuer wird nach dem einfachen Landessahe erhoben. Für Wegebauzwecke wurden 500 Mark zur Verfügung gestellt, über deren Verwendung sich der Gemeinderat die Beschlußfassung vorbehielt. Cs soll ein Trocknungsmast für die Feuerwehrschläuche ausgestellt werden. Der Gemeindefriedhof soll nach der Südseite eine Erweiterung erfahren. Die wegen Erteilung der landespvlizeilichen Genehmigung erforderlichen Schritte sollen sofort unternommen werden. Der Etat wurde in Einnahme und Ausgabe auf 56 630 Mark festgestellt. H Groß-Rechtenbach, 31.Aug. In der gestrigen Sitzung des Gemeinderats stand der Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1932 zur Beratung. Der Gemeinderat beschloß, die Gemeindebiersteuer und die Bürger st euer nach den einfachen Sätzen zu erheben. Der Gemeindezuschlag auf die staatliche Steuer vom Grundvermögen wurde auf 350 Prozent, derjenige auf die Gewerbekapital- und Gewerbeertragsteuer auf 400 Prozent festgesetzt. Der Vereinbarung über die Beteiligung an den Gewerbelohnsummensteuer-Anteilen der Stadt Wetzlar wurde zugestimmt. Ferner wurde die Herstellung eines Drandweihers aufdekn Gemeindebleichplatz am Weimerbach an der Straße Groß-Rechtenbach—Weidenhausen gemäß dem vom Kreistiefbaumeister aufgestellten Kostenanschlag beschlossen. Für Wegebauzwecke wurden 1200 Mk. zur Verfügung gestellt, über deren Verwendung sich der Gemeinderat die Beschlußfassung vorbehält. Zur Ergänzung der Feuerlöschgerätschaften soll eine ausziehbare Feuerwehrleiter beschafft werden. Der Haushaltsplan wurde in Einnahme und Ausgabe auf 36 430' Mk. festgestellt. 0 K l e i n - R e ch t e n b a ch 31. Aug. Die Verkehrsdispositionen auf der K r a f t p o st lin i e Gießen — Hochelheim entsprechen nicht immer den Wünschen der Fahrgäste. Klein-Rechtenbach wird nur einmal am Tage, und zwar meist abends, berührt. Dabei scheint man jedoch nicht planmäßig zu verfahren, denn als dieser Tage acht Fahrgäste aus Groß- und Klein-Rechtenbach und nur ein Fahrgast aus Hörnsheim den Omnibus benützten, berührte der Wagen weder Klein- noch Groh-Rechtenbach. Unter solchen Verhältnissen schwindet hier das Interesse für die Kraftpost und außerdem auch die Neigung, für die Linie auf dem Wege der Garantiesumme Opfer zu bringen. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 3. September. Freitag abend 6.40 Uhr; Samstag vormittag 8; nachmittags 4; Sabbatausgang 7.55.— Wochengottesdienst: morgens 6.30; abends 6.30 Uhr. Barzahlung: 6141 D nur nur (früher Mäusburg 3) - Telephon 2829 6138 A Feinstes Weizenmehl 5-Pfund-Beutel .,. Feinstes Auszugsmehl 5-Pfund-Beutel.. 1.10 1.25 1.40 Mockbn, Tiefbau, Stahlbau. Elaenbetoibag, Flugzeug-, Maschinen- u. Autobau, Elektro- u. Heizungstechnik. Se- mesterbeglnn Oktober tu April. Speise-Kasino- Progr. frei Ireitag, den 2. September, nachm. 2 Uhr. versteigere ick im Löwen, Neuen Weg 28, zwangsweise gegen sofortige 3 irische Oefen (emailliert) Die Versteigerung sinket bestimmt statt. Hicittol Gericktsvollzieher k. A., Gießen Bahnhofstraße 15II. Mehl-Abschlag im Tha-Ga-Laden! Ingenieurschule Meckl.-Strel. Staatlich anerkannt Beachten Sie unsere Sonderangebote im Fenster! 5% Rabatt in Marken außer Zucker und wenige andere Artikel Niederlage Thams & Garfs, Marktplatz 8 Allerfeinstes Auszugsmehl 5-Pfd.-Beut. nur in Thür. Maschinenbau u. Elektrotechnik. Wissan- |schail)irhe Betriebsführung. Werkmeisterabteilung. 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