Ur. |78 Svübaussabe 182. Jahrgang Montag, 1. August 1952 Erscheinl täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatrvezugsprets: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach. richtens Anzeiger Siehev. Postscheckkonto: ffrankflirt am Main 11686. GiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dmd und Verlag: vrühl'sche Univer^iäts-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in «Ziehen. 8christleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswätts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20" , mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilst. Lange. Derantworilich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Keine Rechismehcheii im neuen Reichstag. Starke Wahlbeteiligung. — Verdoppelung der nationalsozialistischen Stimmen gegenüber dem September 1930. Schlüsselstellung des Zentrums. — Anwachsen der Kommunisten. Keine Entscheidung. Von unserer Berliner Redaktion. Das Ergebnis der Reichstagswahl ist, um das Wichtigste erst einmal voranzustellen, daß eine klare Entscheidung nach der einen oder nach der anderen Seite nicht gefallen ist. Die Hoffnung der Nationalsozialisten, daß ihre Stimmenzahl wieder um einige Millionen anschwel- len würde, hat sich nicht voll erfüllt, sie haben zwar gegenüber der Präsidentenwahl noch einen Stimmengewinn, der aber nicht die Ausmaße der übrigen Wahlen hat. Sie find also, prozentual an der Gesamtstimmenzahl gemessen, nicht vorangegangen, sondern sogar etwas zurückgeworfen. Aber auch wenn die Deutschnationalen und die geringen Splitter der übrigen Rechten, die überhaupt noch im neuen Reichstag in Erscheinung treten werden, hinzugezählt werden, ist an eine Mehrheit der Rechten nicht zu denken, die Abwehrstellung aus Zentrum, Sozialdemokraten und Kommunisten beherrscht nach der negativen Seite hin die Lage und wird, wenn sie Zusammenhalten, dem Kabinett Pa- pen das Leben sauer machen können. Ein einheitliches Bild von der Stimmung der Wähler läßt sich diesmal überhaupt nicht zeichnen. Der Ausschlag des Pendels nach der einen oder nach der anderen Seite ist regulationsmäßig ganz verschieden, die Zahl der Stimmscheine, die in die 10OOOde geht, hat niemals einen so großen Umfang gehabt und der Typ des „Wählers im Umherziehen" der damit geschaffen worden ist, hat den Parteien in den einzelnen Wahlkreisen unkontrollierbare Verluste zugefügt, denen an anderen Stellen freilich entsprechende Gewinne gegenüberstehen, aber der Vergleich der Zahlen wird dadurch wesentlich erschwert. Durchweg ist nur, was eine äleberraschung bedeutet, daß fast überall die Kommunisten erheblich gewonnen haben, zumal im Westen, wo sie in einzelnen Wahlkreisen je ein volles Mandat mehr erobern konnten. Dem entspricht, daß die Nationalsozialisten im Westen verloren haben, sonst aber überall noch zunehmen konnten. Auch die Sozialdemokraten haben in den Jndustriebezirken zum Teil recht erheblich zugenommen. Dem stehen aber überraschende Verluste in anderen Wahlkreisen gegenüber; auch das Zentrum hat sich gut geschlagen, nur in Schlesien sind ihm die Wähler zum Teil abgesprungen, sowie auch in Westfalen, wo offenbar die bäuerlichen Schichten dem Reichskanzler von Papen die Treue gehalten haben. Die Deutschnationalen sind im wesentlichen auf der Höhe der Landtagswahlen stehen geblieben. Sn den Städten haben sie sogar zugenommen, auf dem flachen Lande dagegen haben sie offenbar Einbuße erlitten. Heber die kleineren Parteien ist wenig zu sagen. Die Deutsche Volkspartei rettete einen kleinen Mandatsbestand durch ihre Listenverbindung mit den Deutschnationalen. Auch die Christlich-Sozialen können gerade noch ihre Visitenkarte im Reichstag abgeben. Bei den Demokraten hängt die Entscheidung vorläusig noch an wenigen Stimmen. Der Prozeß der Zerbröckelung der bürgerlichen Mitte ist jedenfalls ziemlich restlos zum Abschluß gekommen. Wir stehen heute vor der Tatsache, daß auf der Rechten die Einsätze stärker sind, als auf der Linken bei Sozialdemokraten und Kommunisten zusammen, während in der Mitte sich das Zentrum mit der Bayerischen Volkspartei unerschüttert behauptete. Mit diesem Parlament der 600 praktische Arbeit zu leisten, ist — auf den ersten Blick — ein Ding der Unmöglichkeit. Die einzige Lösung wäre die Verständigung zwischen Rationalsozialisten und Zentrum, das Problem, an dem wir uns ja nun schon seit Monaten die Zähne ausbrechen, ohne damit weiter zu kommen. Gelingt das, dann wäre eine arbeitsfähige Mehrheit vorhanden, aber die Aussichten dazu find vorläufig noch nicht allzugroß. Sedenfalls würde aber auch, wenn eine solche Verständigung gelingt, nur an eine ilm- gestaltung des Kabinetts Papen gedacht werden können, weil der Reichspräsident sich sicherlich nicht durch diesen Reichstag sein Konzept verderben lassen will. Aber das sind Fragen, die wohl erst in einigen Wochen spruchreif werden, dann freilich sehr rasch. Denn wenn die Annäherung zwischen dem Zentrum und den Rationalsozialisten nicht erfolgt, dann muß die erste politische Aussprache des Reichstages nicht nur mit einem Mißtrauensvotum gegen das augenblickliche Kabinett, sondern auch mit der Annahme eines Antrags auf Aufhebung des Reichskommissariats in Preußen enden. And das wäre der Konfliktssall, der eine sofortige Auflösung des Reichstags Aur Folge haben müßte. Der Reichspräsident wird vielleicht bereits in der Zusammensetzung des Kabinetts einige Aenderungen vornehmen, wird aber ganz gewiß nicht bereit sein, das Kabinett seines Vertrauens zu opfern. Die Wahrscheinlichkeit also, daß wir durch diese Wahl schon wieder in den Hasen einer parlamentarischen Mehrheit ein- gelaufen sind, ist denkbar gering. Reichskanzler von Papen (X) in seinem Abstimmungslokal. M Leu! lch! - Reichswehrminister von Schleicher verläßt mit seiner Gattin das Wahllokal im Regierungsviertel. Ruhiger Verlauf des Wahltages. Zn der Rächt zum Sonntag überall politische Reibereien. Der Wahltag in Berlin. Berlin. 31. Suli. (WTB.) Die Reichshauptstadt bot am heutigen Wahltag sowie auch schon in den letzten Tagen durch die fast überall in den Wohngegenden durchgesührte Beflaggung in den verschiedenen Partcifarben ein bunt belebtes Bild. Abgesehen von den Geschäftsgegenden, in denen außer den Werbeplakaten an den Litsas- sänken kaum etwas vom Wahlkampf zu bemerken war, zeigten die meisten Straßen ungewöhnlich starken Flaggenschmucl. Offensichtlich die stärkste Flaggenpropaganda hatten die Rationalso- z i a l i st e n mit ihren Hakenkreuzfahnen gemacht. Daneben war aber auch die rote Fahne mit den drei Pfeilen und die der Kommunisten zu sehen. Vielfach sah man auch die Reichsfarben und gegenüber den früheren Wahlen auch eine st ar ke Beflaggung in den alten Reichsfarbcn schwarzweihrot. Eine neuartige Wahlpropaganda im Straßenbild boten die S t r e u z e t - t e l der einzelnen Parteien aus gestanzten Hakenkreuzen, rotem Sowjetstern und die drei Pfeile der Eisernen Front. Sic lagen in vielen Tausenden auf den Straßen. Auch die Deutschnationalen hatten sich an dieser Art der Propaganda beteiligt und kleine schwarzweißrote Blättchen verstreut. Lieberhaupt war diesmal die Zettel- und Flugblattpropaganda viel stärker, so daß in den frühen Morgenstunden ganze Straßenzüge, in denen sic noch gestern abend verteilt worden sind, mit Papier besät waren. Die Wahlbeteiligung war in den Vormittagsstunden erheblich höher als an den früheren Wahltagen; offenbar hat das schöne Wetter viele Tausende veranlaßt, sofort nach Beginn der Wahlhandlung zu wählen, um den herrlichen Sommertag dann noch in der Umgegend der Stadt genießen zu können. Besonderen Zuspruch fanden dabei dieWahllokalean den Bahnhöfen. In den einzelnen Gegenden, so besonders im Osten und im Norden, hatten bis 12 Uhr schon rund 40 Prozent der Wähler ihrer Wahlpflicht genügt. Wie üblich hatten die M i n i st e r w a hl- lok a l e aus diesmal wieder viele Schaulustige an- gelockt. Reichskanzler o. Papen, der gegen 10? Uhr im Wahllokal am Kronprinzenufer erschien, wurde von Photographen und Tonfilmoperateuren umlagert. Polizeistreifen unter Führung höherer Offiziere hatten die Lokale besonders gesichert. Der bevollmächtigte Reichskommissar in Preußen, Dr. Bracht, wählte bereits um 9 Uhr in der Kanonierstraße, Polizeipräsident Melcher in Zehlendorf. Fast in der ganzen Sldt waren die Wahllokale in der üblichen Weise mit den Plakatstehern der Parteien besetzt. Die Polizei, die bereits seit Vorläufiges Gesamtergebnis. Gültige Stimmen insgesamt 36 845 279 (34 956 471) SPD. 7 959 245 (8 575 244) NSDAP. 13 732 779 (6 379 672) KPD. 5 278 094 (4 590 160) Zentrum 4 586 501 (4 127 000) DRVP. 2 172 941 Radikaler Mittelstand 8 733 (2 457 686) DVP. 434 548 (1577 365) Wirtschaftspaktes 146 061 (1 361 762) Staatspactei 371 378 (1 322 034) Bayrische Volkspartei 1190 453 (1 058 637) Christlich-Sozialer Volksdienst 364 749 Volksrechtpartei 40 887 SAP. 72 569 Deutsches Landvolk 91 284 Deutsche Bauernpartei 137 087 Landbund 96859 Deutsch-Hannoveraner 46 872 Höchstgehalt der Beamten 1147 Deutsche Einheitspartei für wahre Volkswirtschaft 1 842 Deutsche Sozialistische Kampfbewegung 951 Rationale Minderheiten 34 967 Schicksalsgemeinschaft deutscher Erwerbsloser 549 Kampfgemeinschaft deutscher Arbeiter und Bauern 4 509 Freiwirtschaftliche Partei Deutschlands 12 200 Gerechtigkeitsbewegung für parteiverbote und Deutsche Volksgemeinschaft 2 625 Alle übrigen Listen 63 341 (868 269) Vorläufige Mndatsverteilung. Die Gesamtzahl der Mandate beträgt nach dem jetzigen Stande 607. Sozialdemokraten 133 (143) Rationalsozialisten 230 (107) Kommunisten (einschließlich SAP.) 89 (77) Zentrum 76 (68) Deutschnationale Volkspartei 37 (41) Deutsche volkspartei 7 (30) Landvolk 2 (19) Radikaler Mittelstand 1 (0) Staatspartei 4 (20) Bayrische Volkspartei 20 (19) Wirtschaftspartei 2 . (23) Ehristlich-Sozialer Volksdienst 4 (14) Deutsche Bauernpartei 2 (6) Christl.-Soz. Volksdienst 1 o. H. (2,5 bzw. — v. H.) Der prozentuale Anteil der Parteien. Bei einer Wahlbeteiligung von 83,2 v. H. (Reichstagswahl 14. Sept. 1930: 82 o. H.) betrug der prozentuale Anteil der einzelnen Parteien (die Zahlen in Klammern bedeuten die Prozentzahl bei der letzten Reichstags- bzw. der letzten Preußenwahl): SPD. 24,3 v. H. (24,5 bzw. 24 v. H.) NSDAP. 37,4 v. H. (18,3 bzw. 37 v. f).) KPD. 14,3 o. H. (13,1 bzw. 12 o. H.) Zentrum 12,2 v. H. (11,8 bzw. l.Hv. H.) DNBP. 6 v. H. (7 bzw. 6 v. H.) DBP. 1,1 v. $). (4,5 bzw. 1,5 v. H.) Wirtjchaftspartei 0,4 v. 5). (3,9 bzw. 1 v. H.) Staatspartei 1 v. 5). (3,8 bzw. 1 v. H.) Bayr. Dolkspartei 2,8 v. S). (3 bzw. — v. H.). gestern auf der größten Alarmstufe sich befindet, hat außer der Sicherung der Wahllokale durch Doppelposten auch umfangreichen Streife n - dienst eingerichtet, bei dem insgesamt 29 000 Mann Schupo und Kriminalbeamte eingesetzt wurden. Während der Vormittag ohne wesentliche Zwi- schensälle verlausen ist, hat die Nacht vor der Wahl verschiedentlich im Zeichen blutiger wahlpolitischer Auseinandersetzungen gestanden. Die Wahlbeteiligung in Berlin, die in den Vormittagsstunden bis zu 50 v. H. betrug, ließ in den Nachmittagsstunden erheblich nach. Zn einzelnen Bezirken dürften nur etwa 70 v. S). Stimmen abgegeben worden sein. Die Arbeiterviertel roiefen durchweg eine Beteiligung von etwa 80 v j). und sogar darüber auf. Insgesamt dürfte die Wahlbeteiligung in Groß-Berlin bei etwa 80 o. H. liegen. £)cu Reichspräsident wählt in Heinrichsau. Freystadt (Westpreußen), 31. Juli. (WTB.) Reichspräsident von Hindenburg, der zum erstenmal an einem Wahltag nicht in Berlin weilte, fuhr von Neudeck aus um 11 Uhr in Begleitung seines Sohnes und des Oberregierungs- rats von Riedel nach dem im Schulhause der kleinen Gemeinde Heinrichsau befindlichen Wahllokal, um dort feiner Wahlpflicht zu genügen. Die Bevölkerung begrüßte den Reichspräsidenten mit lebhaften Zurufen. Das Ergebnis in den Wahlkreisen. 3n Vergleich gesetzt zur Reichstagswahl vom 14. September 1930. Wahlkreis Sozial- NSDAP Zentrum Deutsch- Deutsche Wirt- Deutsche Christlich- demo - nisten nationale Volks- schasts- Staats- sozialer traten Volksp. Partei Partei Partei Volksd. 1. Ostpreußen .... NW. 14. 9. 30 221 924 236 507 124 375 83 064 205 738 56 847 17 747 26 915 46 083 _ RW. 31.7. 32 223 891 535 988 147 373 88 047 107 954 9 495 1 621 6 362 12 310 — — 2. Berlin........ RW. 14. 9. 30 346 019 158 257 408 646 44^23 145 032 27 526 27 360 53 097 10 352 _ — RW. 31. 7. 32 318 950 280 295 382 317 52 587 75 572 4 310 2 025 13 066 4 112 — — 3. Potsdam 11..... RW. 14. 9. 30 285 655 184 037 217 950 37 724 164 178 58 830 32 128 76 833 11 936 — RW. 31. 7. 32 295 833 370 952 221 068 58 368 122 352 12 701 2 769 23 558 5 051 — — 4. Potsdam I...... RW. 14. 9. 30 329 993 215 933 230 806 26 942 159 500 38 582 47 473 40 241 13 381 _ __ RW. 31. 7. 32 337 893 482 199 254 514 37 513 113 591 9 518 4 813 13 209 6 234 — — 6. Frankfurt a. d. O. . . . RW. 14. 9. 30 240 283 204 595 84 268 52 623 119 086 34 532 32 023 27 306 20 526 -- - RW. 31. 7. 32 219 778 450 871 90 285 59 460 86 363 9 076 — 6 826 4 957 — — 6. Pommern...... RW. 14. 9. 30 241 748 237 080 85 955 10 388 242 720 32 446 32 468 24 262 17 707 —— _ RW. 31. 7. 32 223 559 511 186 114 625 15 748 168 100 9 354 3 020 8 248 6 391 — — 7. Breslau....... RW. 14. 9. 30 314 426 259 227 83 133 171 870 95 276 28 740 28 834 20 275 30 861 — - RW. 31. 7. 32 275 418 490 992 99 383 166 057 63 605 5 054 2 566 5 168 9 760 — — 8. Liegnitz....... RW. 14. 9. 30 218 023 142 173 41 447 53 451 58 549 23 670 35 892 33 755 22 011 _ RW. 31. 7. 32 191 133 349 209 56 245 52 193 50 284 5 663 3 976 7 246 7 582 — — 9. Oppeln....... RW. 14. 9. 30 62 125 63 565 110 633 234 893 101 568 9 451 13 909 6 923 4 808 _ __ RW. 31. 7. 32 60 411 204 105 118 235 241 385 48 305 1 977 2 287 1 202 1498 — — 10. Magdeburg...... RW. 14. 9. 30 365 344 191 398 98 389 17 078 73 729 72 839 45 609 33 517 5 944 - _ RW. 31. 7. 32 327 315 445 913 112415 20 780 76 160 11 726 2 669 10 894 2 697 — — 11. Merseburg...... RW. 14. 9. 30 169 286 168 677 205 574 10 706 65 413 50 555 45 323 25 813 8 062 __ RW. 31. 7. 32 166 913 358 739 204 468 13 435 67 871 10 505 3 318 8 346 3 451 — — 12. Thüringen...... RW. 14. 9. 30 365 878 244 121 192 259 53 491 54 283 68 810 67 836 -11 655 16 247 _ NW. 31. 7. 32 295 575 578 918 224 218 62 316 63 196 23 873 8 652 12 965 6 567 — — 13. Schleswig-Holstein. . . RW. 14. 9. 30 265 349 240 288 94 329 9 201 54 569 64 473 35 716 42 154 16 643 _ RW. 31. 7. 32 259 491 506 126 105 987 12 206 64 809 14 069 1 714 14 070 6 871 — — 14. Weser-Ems..... RW. 14. 9. 30 196 775 166 117 50 853 150 093 53 695 64 426 22 285 34 563 22 727 _ RW. 31. 7. 32 195 729 335 297 69 000 159 544 69 052 15 419 1 596 10 782 8 466 — — 15. Osthannover ..... RW. 14. 9. 30 161 858 118 672 43 072 7 708 46 217 34 047 18 605 20 715 12 181 _ _ RW. 31.7. 32 151 923 307 288 50 638 8 859 52 239 8 260 — 6 228 4 329 — — 16. Südhannover- NW. 14. 9. 30 460 141 283 430 63 764 54 496 61 953 78 227 31 068 35 167 15 845 Braunschweig RW. 31. 7. 32 390 605 571 512 100 956 61 304 63 161 16 417 1 815 9 496 5 616 — — 17. Westfalen-Nord .... RW. 14. 9. 30 266 967 161 993 152 764 424 668 79 015 65 331 54 048 28 114 45 713 RW. 31. 7. 32 258 253 368 407 186 852 472 117 81 625 17 899 5 744 4 848 23 652 — — 18. Westfalen-Süd .... RW. 14. 9. 30 300 456 195 466 239 663 312 197 54 615 84 932 50 794 38 424 81 615 RW. 31.7. 32 278 868 404 814 306 687 351 689 69 973 14 986 4 678 8 347 34 642 — — 19. Hessen-Nassau .... RW. 14. 9. 30 353 111 284 996 137 148 192 692 44 554 76 312 53 909 54 661 60 440 -------------1 RW. 31.7. 32 330 787 640 269 154 802 222 374 59 160 23 466 4 870 10 286 18 399 — — 20. Köln-Aachen..... RW. 14. 9. 30 165 480 156 510 169 157 425 273 34 816 57 782 55 495 34 019 8 552 _ RW. 31. 7. 32 179 626 248 497 216 443 99 742 45 749 15 343 9 781 3 736 4 428 — — 21. Koblenz-Trier .... RW. 14. 9. 30 58 669 94 157 40 143 296 554 29 242 24 063 29 856 10 138 _ RW. 31.7. 32 60 870 198 680 59 343 317 813 23 123 8 036 2 582 1 504 2 315 — — 22. Düsseldorf-Ost . . . RW. 14. 9. 30 169 451 210 162 321 294 230 348 59 421 61 023 65 655 • 30 237 42 270 RW. 31. 7. 32 154 943 399 778 331 397 260 366 61 025 14 642 8 286 3 840 16 372 — 23. Düsseldorf-West .... RW. 14. 9. 30 119 214 168 784 176 116 308 937 59 010 44 202 49 652 15 836 21 939 _ RW. 31. 7. 32 106 809 284 110 207 814 357 639 61 902 10 322 3 935 2 240 8 324 — — 24. Oberbayern-Schwaben RW. 14. 9. 30 258 894 218 326 82 172 450 5232 31 498 17 161 33 135 22 535 10 470 __ RW. 31. 7. 32 218 884 385 179 125 876 521 348 49 276 15 118 6 905 7 402 7 598 — — 25. Niederbayern..... RW. 14. 9. 30 76 919 72 159 28 431 261 3252 8 093 6 495 8 788 6 539 2 112 ____________. RW. 31. 7. 32 70 980 129 838 32 677 305 309 9 640 6 238 2 291 2 851 1 960 — — 26. Franken....... RW. 14. 9. 30 347 088 281 118 65 122 346 7892 31 833 17 434 46 561 29 377 40 897 RW. 31. 7. 32 313 239 589 857 102 369 365 436 6 006 8 247 6 826 8 496 14 576 — — 27. Pfalz........ RW. 14. 9. 30 104 798 106 325 48 994 116 4372 3 628 30 665 16 422 10 654 13 244 RW. 31.7. 32 95 033 241 257 48 997 131 277 5 947 7 765 3 667 2 420 3 656 — — 28. Dresdon-Bautzen . . . RW. 14. 9. 30 389 526 180 530 139 556 15 906 55 786 72 206 80 227 81 653 20 862 RW. 31. 7. 32 369 081 456 184 165 628 24 663 64 193 34 017 10 712 19 614 10 889 — — 29. Leipzig ,...... RW. 14. 9. 30 288 370 115 987 142 251 5 277 30 727 77 654 57 964 26 222 10 008 RW. 31. 7. 32 275 138 300 006 155 022 9 312 37 068 18 279 6 431 14 368 6 076 — — 30. Chemnitz-Zwickau . . . RW. 14. 9. 30 314 517 264 854 204 959 5 513 49 716 45 906 89 745 22 681 46 347 RW. 31. 7. 32 261 814 549 565 228 656 8 198 44 356 9 395 13 673 7 823 26 970 — — 31. Württemberg..... RW. 14. 9. 30 283 341 131 683 131 735 304 325 55 202 ___1 39 174 136 7811 91 602 NW. 31. 7. 32 247 194 425 641 155 386 305 786 53 818 13 164 2 580 33 745 50 255 — — 32. Baden....... RW. 14. 9. 30 210 549 226 655 112 975 351 734 32 688 33 869 114 732' 57 823 RW. 31. 7. 32 172 396 467 693 142 398 368 442 38 429 14 944 5 412 27 283 21 368 — — 33. Hessen-Darmstadt . . . RW. 14. 9. 30 215 649 137 962 84 499 104 233 11 901 49 918 17 057 38 821 19 067 RW. 31. 7. 32 221 726 364 746 98 243 125 673 15 704 12 741 2 040 4 842 7 625 — — 34. Hamburg....... RW. 14. 9. 30 240 984 144 684 135 279 10 980 31 376 69 145 16 910 64 129 11 968 ■■■ ■ RW. 31. 7. 32 238 908 253 748 133 533 15 068 39 236 14 714 3 244 45 555 6 529 — — 35. Mecklenburg..... RW. 14. 9. 30 RW. 31. 7. 32 175 434 170 248 100 244 243 486 42 738 50 986 3 575 6 307 53 059 51 891 33 135 9 085 28 225 1 585 13 290 4 843 8 026 2 701 — — Gesamtergebnis . . RW. 14. 9. 30 NW. 31.7.32 8575244 7959245 6379672 13732779 4590160 5278094 5185637 5776954 2457686 2172941 1577365 434548 1361762 146061 1322034 371378 868269 364749 1 Einheitsliste Deutsche Volkspartei — Deutsche Staatspartei. 2 Bayrische Volkspartei 3m Reich. 3n We st öe u t s ch l and ist es, abegesehen von Waldshut wählten der Generalkonsul aus Zürich und zahlreiche zur Zeit in der Schweiz weilende deutsche Kurgäste. tionalso^ialisten und politischen Gegnern zu einer Schlägerei, die durch die Polizei beigelegt wurde. Die Verstärkung derPolizeiinOlden- kleineren Rempeleien, zu k menstößen gekommen. Die einen ernsteren Zusam- Auch i n Nord- undNordwe st deutsch- bürg durch SA- und SS-Formationen ist nicht Stabt Köln bietet das l and sind bis in die frühen Morgenstunden feL in Aktion Getreten. übliche Sonntagsbild, mit Ausnahme der Beflaggung. 3n Trier kam es allerdings in der Nacht 8U einzelnen Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten, bei denen mehrere Personen verletzt wurden. 2lnch in der Südwestecke des Reiches ver- Wahltag sehr ruhig. Die Beamten des deutschen Konsulats in Basel sowie die Mitglie- der der B. 3. Z. und der Handelskammer genügten ihrer Wahlpflicht in Lörrach-Stetten. 3n nerlei Zwischenfälle zu verzeichnen gewesen. Zn Altona wurden in einer kommunistischen Gastwirtschaft bei einer Durchsuchung mehrere Kisten Steine und etwa 60 mit Wasser gefüllte Flaschen beschlagnahmt. Nach den aus Bremen, Lübeck, Kiel, Hannover und Braunschweig vorliegenden Meldungen, ist es auch in diesen Städten, abge- ebenfalls vollkommen ruhig verlaufen. Fast alle Großstädte Sachsens bieten das gleiche Bild. Bemerkenswert ist die starke Wahlbeteiligung in den Ausflugsorten, in denen zahlreiche Stimmscheine abgegeben wurden. Auch die *10 abllnfnfn nut h p n Cßnhnfinfcn sehen von blutigen Zusammenstößen in der Nacht wurden stark besucht ffn SS a 11 e ift' zum Sonntag, am Wahlsonntag selbst ruhig geblieben. Nur in Hannover kam es zwischen Na- fQd? 3u Zusammenstößen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten gekommen. • Die schlesische Hauptstadt zeigte ein lebhaftes Bild unter reichem Flaggenschmuck. 3n der Nacht vom Samstag zum Sonntag und am Sonn- tagvormittog war es mehrfach zu Reibereien zwischen politischen Gegnern gekommen. 3m übrigen Schlesien ist der Wahltag ruhig verlaufen. 3m oberschlesischen 3ndustriegebiet wurden insgesamt 10 Personen wegen verbotenen Waffenbesitzes festgenommen. Die Polizei war in erhöhter Alarmbereitschaft. 3n Süddeutschland hatte das schöne Sommerwetter ebenso wie in Norddeutschland zur Folge, daß bereits in den Vormittagsstunden vom Wahlrecht in großem Umfange Gebrauch gemacht wurde. Dis kurz nach Mittag wurde die Wahlbeteiligung schon mit 75 Prozent angegeben. Zwischenfälle haben sich fast gar nicht ereignet. Aehn- lich wie in München ist auch in Augsburg die Wahlbeteiligung schon früh recht groß gewesen. Das gleiche gilt für Nürnberg und auch für die Pfalz. 3n Stuttgart war das Straßenbild außerordentlich belebt durch zahl- reiche Parteifahnen und -Fähnchen. Zu Zwischenfällen ist es nicht gekommen. pariser Echo. „Schleicher der wahre Sieger des Tages." Paris, 1. Aug. (WTB. Funkspruch.) Soweit die Blätter zum Ergebnis der Reichstagswahl sich äußern, urteilen sie, daß die innerpolitische Lage unbestimmt bleibe. Die Neuwahlen schienen also nicht die vorhanden gewesenen Schwierigkeiten zu beseitigen, so daß, wie sich das „Petit Joup- n a l" ausdrückt, die fast unlösbare politische Krise in Deutschland nicht beendet wurde. Allgemein wird auf das besonders starke Anwachsen der Kommuni st ischen Partei und den weiteren Verfall der Mittelparteien hingewiesen. Das „Echo de Paris" erklärt, die politische Lage bleibe verworren. Der Berliner Berichterstatter des „M a t i n" vertritt die Ansicht, das Ergebnis werde der Regierung Papen-Schleicher, die Feststellung erlauben, daß keine klareMehrheit bestehe und Deutschland mehr denn je eine von den Parteien völlig unabhängige Regierung brauche. „Petit Parisien" äußert sich ähnkich: die parlamentarischen Schwierigkeiten, die durch die Neuwahlen gelöst werden sollten, blieben restlos bestehen. Keines der aufgeworfenen Probleme gebe eine Lösung. Das Zentrum halte wieder einmal den Schlüffe! zur Lösung der Lage in der Hand. Wird es bei der Linken bleiben oder sich in irgendeiner Form der Rechten anschließen? — Der Sonderberichterstatter des „Journal" nennt Reichswehrminister voll Schleicher den wahren Sieger des gestrigen Inges, denn die Wahlen bekräftigen die Ohnmacht, ja sogar den augenblicklichen Bankrott des Parlamentarismus. Der sozialistische „P o p u l a i r e" schreibt, der- neue Reichstag sei nicht regierungsfähig. Auf parlamentarischem Gebiet habe Schleicher die Schlacht gewonnen. Würde der Kampf jetzt auch aufs außerparlamentarische Gebiet hinüber- getragen werden? — Auch „O e u v r e" meint, da^ das Kabinett fein Ziel erreicht habe, nämlich einen Reichstag, in dem niemand über die absolute Mehrheit verfüge. — „Quotibien" schreibt unter der Ueberschrift „Adieu Weimar": der Reichskanzler erklärte Samstag: Wir sind das neue große Deutschland. Er wüßte, daß er nicht enttäuscht werden würde. — In ähnlichem Sinne äußert sich „F i - gar o", die Deutschen haben für das größere Deutschland gestimmt. Die Regierung geht als Sieger aus dem Wahlkampf hervor. Nie Auffassung in England. London, 1. Aug. (WTB. Funkspruch.) Die Morgenblätter kommentieren eingehend den Ausgang der Reichstagswahlen in Deutschland. News Chronicle sagt in einem Leitartikel u. a.: Die drei Hauptmerkmale des Ergebnisses der Reichstagswahlen sind der Mißerfolg des nationalsozialistischen Strebens nach der alleinigen Macht, dre Zunahme der kommunisti- schen Stimmen und der persönliche Triumpf Dr. Brünings. Die Gefahr des „Hitlertums" scheint endgültig gebrochen zu sein. Die Zunahme den kommunistischen Stimmen ist, wenn auch ernst, so doch mehr eine Warnung als eine Gefahr. Niemand glaubt im Ernst, daß Deutschland — vielleicht Frankreich ausgenommen, das bürgerlichste Land der Welt —, kommunistisch werden wird. Es wäre denkbar gewesen, daß Deutschland unter gewissen Umständen „hitleristisch" geworden wäre. Diese Gefahr ist vermieden und zwar wahrscheinlich für immer. Das Blatt meint zum Schluß, es sei jetzt Sache der Reichsregierung, zu zeigen, daß sie fähig sei, von der ihr zuteil gegebenen Macht einen klugen und maßvollen Gebrauch zu machen. Aeuyorker Bläiierstimmerr. Neu ho rk, 1. August. (TU.) Die Neuhorker Blätter bringen in großer Aufmachung das deutsche Wahlergebnis. New Bork Times hebt dabei die Gewinne Hugenbergs, Brünings und der Kommunisten besonders hervor. „Herald Tribüne" unterstreicht die Tatsache, daß die nationalen Parteien eine Mehrheit nicht erreicht haben. Das Blatt erwartet, daß Papen versuchen wird, eine aus Nationalsozialisten, Deutschnationalen und Zentrum bestehende Koalitionsregierung zu bilden. Keine Koalitionsverhandlungen in Hessen. WSN. Mainz, 7. 3uli. Dom Landessekretariat der hessischen Zentrumspartei wird ganz entschieden Pressenachrichten entgegengetreten, wonach — nach Aeußerungen des thüringischen Ministers Baum in einer Landbundversammlung — zwischen dem hessischen Zentrum und der NSDAP, in Hessen Abmachungen wegen einer Koalition getroffen worden seien, die nach den Wahlen Wirklichkeit werden sollte. An diesen Erklärungen und Nachrichten sei kein wahres Wort. Kleine politische Nachrichten. Der Oberregierungsrat im Reichsernährungsministerium Dr. H e l f e r i ch ist zum Präsidenten der preußischen Zentralgenossenschaftskasse bestellt worden. Zugleich ist der Direktor Hans Erdmann von Lindeiner.Wildau zum ordentlichen Mitglied des Direktoriums bestellt worden. * Die englische Regierung hat dem Generalsekretär des Völkerbundes offiziell mitgeteilt, daß d e r I r a k seineAufnahme in den Völkerbundbe- a n t r a g e. Mit der Aufnahme des Irak in den Völkerbund mürbe die britische Manbatsherrschast über dieses Gebiet erlöschen. Sie Wahl in Gießen nnd Oberhessen. Gießen, den 1. August 1932. Der Reichstagswahlkampf verlief diesmal in der Stadt Drehen außerordentlich ruhig. Erst in der letzten Woche vor der Wahl waren einige öffentliche Wählerversammlungen zu verzeichnen, die sich auf die NSDAP., die DNVP. und die SPD. beschränkten, während die DDP. und die Dolksrechtpartei lediglich erweiterte Mitgliederversammlungen veranstalteten. Wenn man die Agitation lediglich nach der Versammlungs- tätigkeit bewerten wollte, so mühte die Rote Sitzen: sehr flau. Dagegen entwickelte sich in den letzten Lagen ein lebhafter Plakatkrieg, bei dem zeitweise ein täglich dreimaliger Plakatwechsel der NSDAP, festzustellen war, die übrigens die Plakatwerbung in der Hauptsache bestritt. Die Dersammlungsarbeit war dagegen in den Landorten ganz besonders rege, da man sich von der Bearbeitung der Landbevölkerung auf diesem Wege anscheinend am meisten versprach. In starkem Gegensatz zu der Tendenz des Wahlkampfes stand die gestrige Beteiligung der Stimmberechtigten an der Wahl. In G i e h e n belief sich die Wahlbeteiligung gestern auf 85,07 Prozent gegen 73,47 Prozent bei der letzten Landtagswahl am 19. Iuni und 78,72 Prozent bei der vorigen Reichstagswahl am 14. September 1930. Interessant ist in diesem Zusammenhänge, dah vom Wahlamt Giehen zu der gestrigen Reichstagswahl 2475 Stimmscheine ab- gegeben wurden gegenüber 1310 Stimmscheinen am 14. September 1930. Die Wahlbeteiligung war bereits gestern vormittag sehr lebhaft: sie belief sich bis 12 Uhr mittags auf 35 bis 40 Prozent, gegenüber 22,2 Prozent bei der letzten Landtagswahl. Das herrliche Sommerwetter des Nachmittags brachte dann ständig steigenden Zuspruch der Wählerschaft in den Wahllokalen, wo sich insbesondere in der letzten Wahlstunde reger Betrieb entwickelte. Auf dem Lande war die Wahlbeteiligung noch stärker als in Giehen. Im Kreise Giehen machten etwa 90 Prozent der Wählerschaft Gebrauch von ihrem Stimmrecht, im Kreise Alsfeld erschienen etwa 95 Prozent der Wahlberechtigten an den Wahlurnen, im Kreise Schotten waren es 93,88 Prozent, im Kreise Lauterbach 94,5 Prozent, im Kreise Friedberg 94,3 Prozent, und im Kreise Büdingen etwa 95 Prozent. Das ziffernmäßige Ergebnis der Abstimmung ist aus den tabellarischen Liebersichten aus der Stadt Gießen und aus der Provinz Ober- Hess en im einzelnen ersichtlich. Ebenso kann man dort die Verschiebung des Besitzstandes der einzelnen Parteien von der Reichstagswahl im September 1930 über die Landtagswahl am 19. Iuni dieses Iahres bis zur gestrigen Reichstagswahl ersehen. Der Wahltag verlief gestern in Gießen bis in die Abendstunden hinein ohne Störung der öffentlichen Ordnung. Gegen 19 Llhr, kam es an der Ecke Kirchcnplah, Marktplatz bei einem Krakehl zu einer größeren Menschenansammlung, die das Eingreifen der Polizei erforderlich machte. Zwei Kommunisten, die sich den Anordnungen der Polizei nicht fügen wollten, wurden verhaftet. Rach den bis heute früh vorliegenden Berichten ist auf dem Lande der Wahltag überall ruhig verlaufen. Stadt Gießen. Wahlbezirke Wahlbezirk I..... Wahlbezirk II..... Wahlbezirk III .... Wahlbezirk IV..... Wahlbezirk V..... Wahlbezirk VI..... Wahlbezirk VII .... Wahlbezirk VIII .... Wahlbezirk IX..... Wahlbezirk X..... Wahlbezirk XI..... Wahlbezirk XII .... Wahlbezirk XIII .... Wahlbezirk XIV ... . Wahlbezirk XV .... Wahlbezirk XVI .... Wahlbezirk XVII . . . Wahlbezirk XVIII . . . Wahlbezirk XIX . . . Wahlbezirk XX .... ii o o E> E 284 318 385 318 361 266 299 325 297 207 255 174 190 466 219 278 262 222 90 65 sa- sr K G s; 515 567 531 598 446 584 624 611 703 709 554 496 427 563 549 470 526 445 103 90 is ES- o s: at 188 95 100 85 143 144 71 41 47 36 23 10 22 35 113 96 95 94 21 10 E e E 31 39 49 36 33 76 56 120 180 83 58 56 55 71 37 23 42 79 28 11 ■gS a S n- ZZ KN 28 38 42 52 38 68 93 56 70 112 71 90 62 26 61 34 24 65 12 6 ~ Q- 3 V, 55 Q o N 27 57 26 40 17 29 46 34 63 64 83 49 46 35 56 16 34 26 1 7 «a d±— a .»*• K 6 3 9 3 6 3. 4 4 8 6 2 2 5 9 3 9 3 1 32 & e (9 9 12 8 7 5 18 13 11 27 22 22 16 11 13 3 6 9 18 3 <9.5 ie M O AN 8 20 12 7 14 4 19 24 31 19 41 11 29 10 21 11 5 6 ' 3 3 8? SK N 1 4 4 2 6 1 9 5 11 7 7 5 5 3 2 2 • Q <9 1 1 2 3 1 2 2 1 1 5 1 1 1 3 2 Insgesamt 5281 10111 1469 1163 1048 756 86 233 298 74 27 In Gießen waren 23181 Personen wahlberechtigt, dazu kamen noch 1206 Wähler mit Stimmscheinen, so daß hier insgesamt 24387 Personen von ihrem Stimmrecht Gebrauch machten. w MU) . „ Provinz Oderhessen. Kreise ozial- okraten 83- 5$ K mmu- isten ntrum ■8 2 Z.Q- utsche spartet schafts- artei utsche tspartei Christl.-Soz. Volksdienst ksrecht- artei s. Arb.- artei 19 E D 19 8* o — s; CQ Z-Z KN De Volk Wirt P KL <9 Vor P Soz P Alsfeld. . . . RW.31.7.32 3892 17616 599 1036 502 316 19 44 84 11 10 LW. 19.6.32 3112 14917 594 943 477 356 — — — —— 131 NW. 14.9.30 3804 6040 850 932 292 870 207 424 498 73 — Büdingen. . . RW.31.7.32 6227 17260 1813 411 587 351 52 114 154 12 56 LW. 19.6.32 4869 14328 1576 321 406 489 — — — — 264 RW. 14.9.30 5351 3445 1890 257 394 1047 516 1405 460 51 — ftriebbcrj . . RW.31.7.32 18401 24915 4244 6693 1724 926 195 303 593 34 197 LW. 19.6.32 15186 20839 4480 5555 1097 1442 — — — — 647 RW. 14.9.30 18383 7146 4108 3110 1222 2771 1950 2499 1653 187 — Gi-'ßen . . . RW.31.7.32 19296 32753 3398 1398 2034 1224 149 353 726 102 76 LW. 19.6.32 15239 28129 3173 1346 2230 2111 — — — — 476 RW.14.S.30 18772 8927 3052 1087 1529 3942 2161 3199 2198 311 — Lauterbach . . RW.31.7.32 2135 13941 367 913 819 748 26 60 76 10 30 LW. 19.6.32 1676 12205 355 734 566 1017 — — — — 134 RW. 14.9.30 ' 2420 5645 401 699 439 1191 139 303 367 60 — Schotten . . . RW.31.7.32 2732 13797 451 99 395 129 18 36 108 8 13 LW. 19.-6.32 1869 11887 424 66 294 208 — —— —— — 80 RW. 14.9.30 2669 3815 222 49 199 462 230 498 .570 36 — Insgesamt RW.31.7.32 52683 120282 10872 10550 6061 3694 459 940 1741 177 382 LW. 19.6.32 41951 102305 10602 8965 5070 5623 — — — — 1732 RW. 14.9.30 57399 35018 10523 6134 4075 10283 5203 8328 5746 718 — Sn bet verstehenden Äebersicht lind die Stirn. 1 W'rtschastspark. die Staatäpartei, Theis men, die bei der hessischen LandtagSwahl am l,ch.s°,>°len Dolksdienft 19. Suni 1932 für bie 2t a t i o n a l e 6 i n ß e i t S . Parte» abgesehen warben, in der Spalte SDP liste (umfassend die Deutsche Volkspartei, die | registriert. Das Ergebnis in Hessen-Darmstadt kreis Darmstadt. Soz. 31 027 (26 795), NS. 41 474 (39 033), K. 8642 (8979), Z. 5123 (4498), Dn. 2063 (1081), DDP. 2422, Wp. 169, StP. 515, Chr.-Soz. 1220 (zusammen 5449), Sonstige 184. Gesamtergebnis. Sozialdemokraten 221 726 (172 552) NSDAP. 364 749 (318 306) Kommunisten 98 243 (82 124) Zentrum 125 673 (108 601) Deutschn. 15 704 (11 266) DVP. Wirtschftspartei Staatspartei 12 741 2 40 4 842 (25 186) Chr.-Soz. 7 625 Sonstige 2 703 Wahlbeteiligung 86 v. ch. Starkenburg Stadt Darmstadt. Soz. 16 050 (13 805), NS. 26 234 (25 230), K. 3899 (4478), 3- 4523 (4002), Dn. 1867 (911), DVp. 1936, Wp. 97, StP. 408, Chr.-Soz. 998 (zusammen 4322), Sonstige 111. ... - : kreis Lensheim. 3 Soz. 8492 (5585), NS. 16 908 (15 414), K. 5841 (5170), Z. 10 224 (8038), Dn. 594 (363). DVP. 485, WP. 67, StP. 124, Chr.-Soz. 591 (zusammen 1088), Sonstige 169. kreis Dieburg. Soz. 10 032 (7583), NS. 17 779 (16 704), K. 4166 (4127), Z- 7232 (6260), Dn. 360 (252), DVp. 250, Wp- 76, StP. 95, Chr.-Soz. 181 (zusammen 542), Sonstige 120. kreis Erbach. Soz. 7178 (5192), NS. 17 893 (15 371), K. 2631 (2451), Z- 1307 (924), Dn. 419 (294), DVP. 348, Wp. 55. StP. 164, Chr.-Soz. 184 (zusammen 743), Sonstige 88. kreis Heppenheim. Soz. 4770 (2734), NS. 9412 (7823), K. 5307 (4205), Z. 10 602 (7546), Dn. 280 (155), DVP. 228, Wp. 47. Stp. 134, Chr.-Soz. 206 (zusammen 423), Sonstige 74. Stadt Offenbach. Soz. 18 549 (13 493), NS. 14 612 (13 422), K. 6992 (6064), Z. 6229 (5448), Dn. 920 (1405), DVp. 761, Wp. 239, Stp. 371, Chr.-Soz. 634 (zusammen 4270), Sonstige 169. Rheinhessen. Stadl Main;. Soz 24 341 (19 208), NS. 26110 (24 389), K. 11289 (10 832), Z. 18 768 (18 407), Dn. 1203 (880), DVp. 1038, Wp. 282, Stp. 683, Chr.-Soz. 1020, (zus. 2879), Sonstige 638. kreis Main;. Soz. 28 086 (22 207), NS. 32 739 (30 466), K. 13 283 (12 742), Z. 25 717 (24 717), Dn. 1440 (1036), DVp. 1106, Wp. 314, Stp. 725, Chr.-Soz. 1115 (zus. 3149), Sonstige 750. kreis Alzey. Soz. 4938 (3685), NS. 13 333 (12 325), K. 999 (1002), Z. 4621 (4248), Dn. 515 (289), DVp. 244, Wp. 50, Stp. 420, Chr.-Soz. 157 (zus. 889), Sonstige 88. kreis Lingen. Soz. 4249 (2863), NS. 8629 (7962), K. 1420 (1027), Z. 10 400 (b629), Dn. 518 (278), DVp. 356, Wp. 114, Stp. 296, Chr.-Soz. 199 (zus. 649). kreis Oppenheim. Soz. 5225 (4208), NS. 15 614 (14 545), K. 1001 (928), Z. 6856 (6171), Dn. 401 (261), DVp. 169, Wp. 40, Stp. 238, Chr.-Soz. 179 (zus. 550), Sonstige 60. kreis Worms. Soz. 14 362 (10 652), NS. 26 359 (25 567), K. 6154 (6546), Z. 9868 (8873), Dn. 1353 (995), DVp. 1778, Wp. 575, Stp. 378, Chr.-Soz. 583 (zus. 1979), Sonstige 184. Robinson mit Vorortskarte. Abenteuer in der Lüneburger Heide. Von Karl Ey. Hl. „Hilf Dir selbst!" Am ersten Tage in der Heide hatte ich Blaubeeren zu Mittag und einige Zwiebäcke meines eisernen Proviants. Das sättigte zwar, aber es hinterlieh in der Magenhöhle doch ein mildes Bohren und eine fühlbare Leere, die indes schon am Abend behoben wurde, denn ich fing ein wildes Kaninchen. Es gibt Leute, die Abscheu gegen Kaninchenfleisch haben, und wenn diese Tiere zahm sind, so kann ich das schon verstehen. Ein wildes Kaninchen aber ist eine Delikatesse, auch wenn man keine Butter hat, es zu braten und keinen Speck, um es zu spicken. Gehäutet, ausgenommen in den Kessel mit Salz und Heidewürzen zum Kochen aufgesetzt — hmm — schon der erste Duft, der dem als Kochkessel fungierenden Marmeladentopf entquillt, muß jeden Abscheu vertreiben ... Obendrein aß ich das gekochte Kaninchen mit der beruhigenden Gewißheit, noch manches andere Tierchen in meinem Topf zu sehen, denn etwa 500 Meter von meinem provisorischen Lager hatte ich eine ganze Kolonie von Wildkaninchen entdeckt, die in den Löchern an einem Abhang hausten. Fleischsorgen brauchte ich während meiner Robinsonzeit also nicht mehr zu haben, aber dennoch plagte mick oft ein Verlangen nach Abwechslung. Und das sollte sich bald erfüllen. Regen, Regen ... Drei schöne Sommertage waren vergangen. Ich lebte recht und schlecht von gekochtem Kaninchenfleisch, Blaubeeren und den letzten Zwiebäcken. Keine Menschenseele war in dieser Zeit in die Nähe meines Lagers gekommen. Kein Ton der Kultur hatte mein Ohr erreicht. Mochten in dieser bewegten Zeit einige Meilen entfernt die Telegraphen spielen und die Telephone rasseln, die Lautsprecher brüllen und die Rotationspressen stampfen — nichts von der großen Welt war in meine Einsamkeit gedrungen und nicht ein einiges Mal spürte ich den Wunsch, die letzten Abendmeldungen zu erfahren. Ich hatte nicht einmal Zeit daran zu denken, denn das Leben auf eigene Faust in den Tiefen der Heide ist durchaus nicht eintönig, wie man vielleicht glauben könnte, namentlich dann nicht, wenn man Stunden braucht, um Vorräte zu sammeln, die man in Minuten verzehrt ... Ich hatte haushälterisch gewirtschaftet. In einem Steinschrank lagen vier gekochte Kaninchen, in Blättern war ein kleiner Vorrat von Kaninchenfett — vielleicht ein halbes Pfund aufbewahrt — ich konnte mir jetzt sogar ein Stück Fleisch braten ... Die Zeit war mir wie im Nu vergangen, und ohne besonderen Grund hatte ich sogar einen stattlichen Stapel Holz aufgerichtet, als ob ich dauernd in dem Lager an der Rehtränke bleiben wollte. In der vierten Nacht aber wurde ich aus meinem Paradies vertrieben. Nach einem herrlichen Sonnenuntergang hatte ick) es mir unter meinem grünen Dach bequem gemacht, mich in das Bett von Tannennadeln gekuschelt und war dann eingeschlafen. In der Nacht kam ein seltsamer Traum, der mit der Erzählung des Lehrers in Katendorf zu tun hatte, denn im Schlaf geisterte immer wieder der Bankräuber, der in der Heide verschwunden war, herum. Er schien mich mit Gold zu überschütten, so daß es mir kalt die Glieder herabrieselte und ich erschauernd aufwachte. Es war aber kein Gold, wohl aber etwas, das der Landmann oft mehr ersehnt, als das glänzende Metall. Es war ein Regen und was für einer! Grau stand der Nachthimmel über mir. Mein Tannennadelbett war ein einziger glitfchiger Morast, meine Kleidung klitschenaß, und das Schlimmste war, mein Vorrat an Tabak war gänzlich aufgeweicht, das Zigarettenpapier ein einziger Brei. Es war zwecklos, in dieser Dunkelheit irgendwo einen Unterschlupf zu suchen, und da der Regen sommerlich warm war, zog ich meine Kleidung aus, hängte sie an einen Zweig und legte mich wieder auf mein nasses Lager. Es wird oft behauptet, daß in der Lüneburger Heide die Frösche alt und grau werden, bevor sie schwimmen lernen. In dieser Nacht aber hätten sie Gelegenheit gehabt, diese Kunst schnell zu meistern. Es goß unaufhörlich. Zuerst versuchte ich, über die Zeit dadurch Hinwegzukommen, daß ich etwas kaltes Fleisch knabberte, aber bann wirkte das unablässige Rauschen des Regens doch wie Opium auf meine Nerven, und ich schlief wieder ein. Der Marsch geht weiter. Der Morgen, der grau heraufdämmerte, brachte zwar ein Aufhören des Regens, aber er beleuchtete auch in aller Grausamkeit das Unheil, welches das Wasser angerichtet hatte. In meinen Fleischvorrat waren — ich weiß nicht wie — dicke M aden eingezogen, das schöne Kaninchenfett, der Stolz meiner haushälterischen Geschicklichkeit, lag als schmutzig- gelber Klumpen unter einer Herde gieriger, verfressener Ameisen. Mein kleiner Vorrat an Kaffee glich einem braunen Matsch, die paar letzten Zwiebäcke schunkelten aufgelöst in dem Pergamentpapier. Naß waren die Zündhölzer, nah die Kleider, naß die graue, grämliche Welt. Wie zum hohn brach jetzt die Sonne durch, und wie mit einem Schlag auf den Notenständer des Dirigenten, begann das Vogelkonzert. Ohne Uebcrtreibung, es klang ausgesprochen höhnisch. Die gefieberten heibebewohner verspotteten ben bummen Menschen, ber es ihnen gleichtun wollte. Aber noch größer würbe wahrscheinlich ber Spott gewesen sein, wenn ich nach Katendorf in dein berückenden Aufzug einer verwaschenen Vogelscheuche zurückgetippelt wäre. Ich spielte zwar an diesem nassen Morgen verliebt mit dem Gedanken, mich in wenigen Stunden in dem Heidekrug zu einem dampfenden Kaffee und zu einer Schüssel mit Eiern und Speck niederzulassen, aber ehe ich den Rückweg antreten konnte, mußte ich auf alle Fälle erst einmal meine Kleider trocknen. Es ist nur gut, daß mit der trocknenden Wirkung der Sonne auch die Weltanschauungen wieder fofiger werden, denn sonst wäre ich noch an diesem Tage nach Katendorf zurückgekehrt, hätte nichts zu schreiben gehabt und wäre einem Fund aus dem Wege gegangen, der mich eine Zeit lang in den Glauben versetzte, plötzlich ein wohlhabender Mann geworden zu sein. So machte ich mich denn eine Stunde später in besserer, unternehmungslustigerer Stimmung auf den Weg tiefer in d i e Heide hinein. Ich wollte ein Obdach suchen, das etwas Schutz gegen den Regen bietet, und hoffte, unter einem Steinfindling etwas derartiges zu finden. (Fortsetzung folgt.) Buntes Allerlei. Das goldene Berliner Herz. Auf einer Berliner Rennbahn ereignete sich etwas, wovon man als harmloser Wetter sonst bestenfalls — und auch das nur sehr selten — träumt: irgendjemand gewann bei einer Dop- pelwette über 1 2 000 Mark, bei einem Einsatz von nur 10 Mark. Man stelle sich vor: 10 Mark hat jener oder jene Glückliche riskiert, und mehr als 12 000 Mark zahlte der Totalisator ihm zurück... Selbstverständlich verbreitete sich die Kunde von diesem außergewöhnlichen Ereignis blitzschnell über den ganzen Rennplatz. „Haben Sie schon gehört, da hat einer bei der Doppelwette...“ „Was sagen Sie zu dem Dusel?" In den Logen, auf dem Sattelplatz, an der Wage, auf den schlechtesten Stehplätzen — es gab überall nur ein Gesprächsthema. Dabei hatte niemand den glücklichen Gewinner gesehen, aber irgendwo tauchte plötzlich das Gerücht auf, es sei ein wohlhabender Delikatessenhändler gewesen. Vielleicht — wahrscheinlich sogar — war dieses Gerücht zutreffend, denn wenn heute jemand 10 Mk. auf eine Doppelwette riskiert, muh er immerhin einer sein, für den dieser Betrag keine Rolle spielt. Aber — und hier geschah etwas Merkwürdiges — auf einmal stieß dieses Gerücht auf Widerstand. Ein reicher Kaufmann? Keine Spur! Eine arme Stenotypistin war es. Es durfte einfach kein wohlhabender Mann sein. 12 000 Mk. auf einen Schlag — dieser Segen gebührte einem Armen und keinem, der es ohnehin nicht nötig hatte. Es war eine arme Stenotypistin — und damit basta! Verstehen Sie nun, was ich mit dem „goldenen Berliner Herzen" meine? Ganz aufrichtig und ohne Ironie?... Stimme von oben. Wer bisher der Ansicht war, daß das Geräusch, mit dem die hoch über uns dahineilenden Flugzeuge uns beglücken, als störend empfunden werden könnte, kann durch eine neue Flugzeugkonstruktion eines Besseren belehrt werden. Dieses neue Flugzeug, eine Junkers-Maschine, die vor einigen Tagen in Berlin eingetrosten ist, verfügt nämlich noch über eine besondere L aut« sprecheranlage, die es ermöglicht, noch aus beträchtlichen Höhen sich auf der Erde verständlich zu machen. Auf diese Weise kann der Pilot bis zu 800 Meter Höhe auf dem Erdboden einwandfrei verstanden werden und je nach den Windverhältnissen beträgt die Dodenfläche, die auf diese Weise „ersaßt" werden kann, zwischen 100 000 und 1 000 000 Quadratkilometer. Aber die geräuschempfindlichen Stadtbewohner, deren Nerven ohnehin durch immer mehr zunehmenden Strahenlärm strapaziert werden, mögen beruhigt fein. Es besteht nicht die Absicht, derartige Flugzeuge in den Dienst der Reklame zu stellen, und Erfahrungen, die man in dieser Beziehung in Amerika gewonnen hat, sind keineswegs sehr günstig. Vielmehr werden solche Lautsprecheranlagen sehr nützlichen und förderlichen Zwecken dienen. Man kann sich zum Beispiel vorstellen, daß auf diese Weise bei Hochwasser oder auch bei Gasangriffen weiteste Gebiete in schnellster Zeit wirkungsvoll gewarnt werden. Vor allem aber werden Flugzeuge, die mit einem derartigen Lautsprecher versehen sind, in der Lage sein, vor der Landung irgendwelche Anordnungen zu geben und so etwaige Landungsschwierigkeiten zu beheben. Frankreich behält den Oavis-Pokal. Amerika siegt im Doppel. Äachdetn die Franzosen am ersten Tage der 'Tavispokal-Herausforderungsrunde in Paris eine 2:0 Führung erkämpft hatten, gelang den Amerikanern am Samstag durch den Gewinn des Doppelspieles -einen Punkt aufzuholen. Vor etwa 10 000 Zuschauern lieferten sich die beiden Kombinationen Allison-van Ryn und Cochet°Brug- non einen äußerst zähen, sportlich überragenden Fünfsatzkampf, den schließlich die besser durchhal- tenden Amerikaner mit 6:3, 11:13, 7:5, 4:6, 6:3 für sich entschieden. Dein Spiel wohnte ein bemerkenswerter Gast bei: James John Davis, der amerikanische Arbcitsminister, der im Jahre 1900 als Student den Davispokal gestiftet hatte. Die Entscheidung — 3:2 für Frankreich. Die Entscheidung über den Gesamtsicg war erst den Spielen des Sonntags Vorbehalten. Sie fiel auch gleich im ersten Spiel zwischen D o r o t r a und Allison, das der „fliegende Baske" nach einem äußerst schweren Kampf mit 1:6, 3:6, 6:4, 6:2, 7:5 gewinnen konnte. Vor der riesigen Zu- schanermenge von 13 000 Personen und bei großer Hitze lieferten sich Borotra und Allison einen dramatischen Kampf. Der Amerikaner griff von Anfang an beherzt an und sicherte sich den ersten Sah mit 6:1. Auch den zweiten Sah mußte Borotra noch mit 3:6 abgeben. Dann aber ermüdete Allison sichtlich, während Borotra immer sicherer wurde. Die beiden nächsten Sätze sahen ihn klar in Front. Er nahm Allison diese Sätze mit 6:4 und 6:2 ab. 2m fünften Sah schien es zuerst, als ob Borotra zu einem schnellen Siege kommen sollte, er führte bereits 3:0. Da riß sich aber Allison nochmals zusammen und erreichte eine 5:3-Führung. Als er nun drei Matchbälle verschlug, kam Borotra zum Ausgleich und schließlich mit 7:5 zum Sah- und Matchgcwinn. Nachdem die Entscheidung gefallen war, verlor der Kampf Cochet gegen Vines an Interesse. Cochet holte sich leicht mit 6:4, 6:0 die Führung. Erst als die Pariser den Amerikaner auspfiffen besann sich dieser und holte die nächsten Sähe mit 7:5, 8:6, 6:2 und damit den Matchgewinn. Olympia-1932: Einmarsch und Eid Oer feierliche Weiheakt in Los Angeles. stündigem Einmarsch endlich das Sternenbanner der den Schluß bildenden Amerikaner sichtbar wurde, raste das Stadion vor Begeisterung. Ein überwältigendes Bild. Am Samstagnachmittag, nach mitteleuropäischer Zeit in der Nacht zum Sonntag, sind in Los Angeles die X. Olympischen Spiele feierlich eröffnet worden. Es herrschte wieder ein wundervolles Sommerwetter, als sich schon zu früher Mittagsstunde über 100 000 Menschen durch die festlich geschmückten Straßen der Stadt zum Olympischen Park hin in Bewegung setzten. Unübersehbar war der Menschenstrom, undurchdringlich das Gewühl der Verkehrsmittel aller Art. Der Hauptkainpfplatz des Olympischen Parkes bot mit seinem reichen Flaggenschmuck in den Farben aller Länder, mit dem satten Grün des Aasens, dem in allen Tönen schimmernden Bunt der dichtbesehten Zuschauerränge einen überwältigenden Anblick. Als um 14.30 Ahr der Vizepräsident der USA., Charles Curtis mit dem Olympischen Komitee die Ehrentribüne betrat, intonierte die olympische Kapelle die Nationalhymne der USA., in die ein Massenchor von 1000 Männerstimmen einfiel. Fanfarenklänge kündigten darauf den Einmarsch der Nationen. Als die so eindrucksvolle Kundgebung der Hunderttausend verklungen war, verkündeten Fanfarenbläser vom Turm des Haupteinganges das Kommen der Teilnehmer. Unter riesigem Jubel begann der Einmarsch der Nationen. Die Spitze bildete das kleine Aufgebot der Griechen, die man, als vymbol für die Begründung des Olympias, an die Spitze gesetzt hatte. Ihnen folgten in alphabetischer Neihenfolge die einzelnen Nationen. Vor jeder Gruppe marschierte ein Athlet, der auf seidenem Banner den Namen des Landes anzeigte. Ihm folgte der Träger der Landesfahne. Unter den ersten Gruppen fielen die sehr starken Expeditionen der Argentinier und Brasilianer auf. Kanadas Vertreter in ihrem schmucken weißen Dreß wurden von den Zuschauern mit besonderer Herzlichkeit empfangen. Oie Deutschen kommen ... Als sich die Spitze der deutschen Gruppe am Haupteingang zeigte, wurde sie schon von den dort postierten Deutschamerikanern auf das herzlichste begrüßt. Der Beifall setzte sich fort und verstärkte sich dauernd. Dr. Carl Diem, der Generalsekretär des Deutschen Neichsausschusses für Leibesübungen, und der Ludwigshafener Ringer Gehring, der als Bannerträger fungierte, führten den Zug Deutschlands an. Die Deutschen mochten in ihrer schmucken Olhmpiatracht einen ausgezeichneten Eindruck. In der ersten Reihe hinter dem Banner marschierten die sieben teilnehmenden Frauen, denen in nach Sportarten getrennten Gruppen die Männer folgten. Auf dem ganzen Rundgange wurden die Deutschen von tosendem Beifall begleitet. Nicht nur die zahlreich vertretenen Deutschamerikaner, auch die vielen Angehörigen anderer Nationen bereiteten den deutschen Olympiakämpfern einen begeisterten Empfang. Famos sahen auch die in leuchtendes Blau gekleideten Italiener aus, die ebenfalls mit einem Sonderapplaus bedacht wurden. Auch die gewaltige Abordnung der Japaner hinterließ einen großen Eindruck. Als nach fast dreiviertel- Ein wundervolles buntes Bild bot sich dem Auge. In allen Farben schillerten die Danner. Ueber dem Stadion kreuzten Flugzeuge und Ballons. Die deutsche Gruppe, die hinter England an 18. Stelle einmarschiert war, nahm sich recht stattlich aus. Insgesamt bestand sie aus 91 Personen. Exzellenz Lewald und Dr. Ritter von Halt hatten im Gefolge des Vizepräsidenten Curtis in der Ehrenloge Platz genommen. Rund 2000 Wettkämpfer hatten in dem weiten Rund des Stadions Aufstellung genommen. Der Olympische Chor sang die Olympische Hymne. Dann wurde eine Botschaft des Wiedererweckers der Olympischen Spiele, Baron Pierre de Coubertin, an die Teilnehmer verlesen. Nach einer Ansprache des Präsidenten des Organisations-Komitees, William May G a r - land, und des Präsidenten der Kalifornia-Uni- versität, trat Vizepräsident Curtius ans Mikrophon und erklärte unter atemloser Stille die Olympischen Spiele für eröffnet. Im gleichen Augenblick verkündeten Böllerschüsse die Crös^nung weithin. Im Turm des Hauptportals flammte in gewaltiger Schule das olympische Feuer auf, die Kapelle intonierte nochmals die olympische Hymne und langsam stieg an dem gewaltigen Mast im Innern des Kolosseums das weißseidene Tanner mit den fünf Ringen auf. Nach einem weiteren Gesangsvortrag des Chors betrat der Mannschaftsführer der amerikanischen Fechter, Marineleutnant G. G. Calnan, den Halbkreis und leistete den Olympischen Schwur: „Wir schwören, daß wir uns bei den Olympischen Spielen als ehrenhafte Mitbewerber zeigen und die für die Spiele geltenden Bestimmungen achten wollen. Unsere Teilnahme soll in ritterlichem Geiste zur Ehre unseres Vaterlandes und zum Ruhme des Sportes erfolgen." Nochmals sang der Chor: erneut klangen muntere Marschweisen und dann erfolgte der Abmarsch der Teilnehmer. Langsam, ganz langsam leerte sich bas gewaltige Rund. Unter Kaliforniens Sonne aber strahlt das olympische Tuch. Oie ersten Wettkämpfe. Zwei französische Siege im Gewichtheben. Der erste Tag der Olympischen Spiele brachte nur einen sportlichen Wettbewerb, nämlich das Gewichtheben der Leicht- und Halbschwergewichtsklasse. In beiden Klassen war Deutschland nicht vertreten. Den Sieg holten sich die Franzosen durch Duverger im Leicht- und H o st in im Halbschwergewicht. Der Sieg von Duverger kam überraschend, da man hier den Oesterreicher Haas in Front erwartet hatte. Frankreich sicherte sich damit bereits 2 Goldmedaillen. Die Ergebnisse. Leichtgewicht: 1. Duverger.Frankreich 325 Kilogramm (Drücken 97,5 Kilogramm, Reißen 102,5, Stoßen 125 Kilogramm). 2. Haas-Oesterreich 307,5 Kilogramm. 3. Pierini-Italien 302,5 Kilogramm. Halbschwergewicht: 1. Hostin - Frankreich 365 Kilogramm (102,5, 112,5, 150). 2. Olsen- Dänemark 360 Kilogramm. 3. Duey-USA. 350 Kilogramm. Deutscher Kunstflugsieg in Zürich. Im Rahmen der großen internationalen Flug- woche Dübendorf kam auch ein mit sechs: Teilnehmern besetzter Kunstflug-Wettbewerb zum Austrag. Der deutsche Meister Fiese ler erntete für seine großen Leistungen mit seiner ,Tiger- schwalbe" riesigen Beifall und schnitt auch mit 99 Punkten weitaus am besten ab. Aber auch der Leipziger Dr. G u l l m a n n auf dem gleichen Typ zeigte ausgezeichnete Uebungen und wurde mit 87 Punkten Zweiter vor dem früheren deutschen Meister A ch g e l i s mit 84 Punkten. 2Z. Ruderregatta der Gießener Rudergesellschafi. Man kann nicht oehaupten, daß die 27. Ruderregatta der Gießener Rudergesellschaft unter einem günstigen Stern stand. Es kam manches anders als man es sich dachte. Zunächst fiel auf, daß eine erkleckliche Anzahl von Abmeldungen eingegangen war, die das Maß des sonst Ueb- lichen überschritt. Dadurch veranlaßt fielen zwei weitere Rennen aus (der Jungmann-Dierer und der Vierer ohne Steuermann) verschiedene Mannschaften störten den guten Eindruck, den die Regatta machen konnte, durch Aufgabe ihres Rennens. Die Rennen selbst gestalteten sich mit wenigen Ausnahmen nicht sehr spannend. Verzögerungen entstanden oftmals dadurch, daß die Motorboote der Schiedsrichter streikten, so daß die Regatta am Haupttag nicht weniger denn 4V4 Stunden in Anspruch nahm und die Geduld der Zuschauer auf eine harte Probe gestellt war. Durch den Ausfall zweier Rennen entstanden unfreiwillige Pausen und das aufziehende Gewitter wirkte auch störend mit. Am Samstag vollzog sich die Abwicklung der Rennen glatt. Cs wurden nur fünf Wettbewerbe ausgcfahren. Die Wasserverhältnisse waren gut. Die Wärme setzte den Ruderern sehr zu. Der Somrtagnachmittag stand im Zeichen der bereits erwähnten Widerstände. Zu allem kam noch, daß den Gießenern, den Ruderern der GRG. vor allem, nicht das an Siegen zufiel, was man ursprünglich erwartet hatte und eigentlich erwarten durfte. Den Ruderern der GRG. war am Samstag lediglich ein Sieg in einem Freundschaftsrennen der Schüler gegen die Schüler von Marburg vergönnt. Am Sonntag errangen sie einen Sieg im Jugend-Gig-Vierer, den Sieg im Einer um den Lahn-Pokal, den 2ödt gewinnen konnte und zum eindrucksvollen Abschluß den Sieg im Großen Achter gegen die Mannschaft des Würzburger Rudervereins, dem ein harter spannender Kampf vorausging. Der . Ruderklub „Hassia" sicherte sich recht überzeugend den Sieg im Ermunterungsvierer. Der Verein Rudersport ging leer aus. Oie Ergebnisse. Erster Tag. Jean-Kirch-Gedächtnis-Vierer (Herausforderungspreis): 1. Limburger RC. 7:03,8; 2. Wetzlarer RC. 7:24,8; Weilburger RV. gab bereits bei 1000 Meter auf. Die Limburger errangen den Sieg ohne ernste Gefährdung; sie setzten sich zwar weniger auf Grund ihrer Technik als mit dem Einsatz ihrer ganzen Körperkraft durch. Diesen Eindruck erhielt man im Verlaufe der Regatta noch verschiedene Male. Jungmann-Einer (Ehrenpreis): 1. Möller, Hanauer RG., 8:18,0; 2. Henn, Gießener RC. Hassia, 8:36,0. Henn hielt sich auf der Strecke sehr gut, verlor aber im Endspurt sehr an Terrain und mußte sich mit einigen Längen geschlagen bekennen. Roll (GRG.) startete nicht. Kurz st recken-Rennenüber500 Meter (Ehrenpreis): 1. Saar Saarbrücken 2:02,4; 2. Limburger RG. 2—07,6; 3. Etuf Essen 2:10. Limburg und Essen fielen besonders in der Kurve sehr zurück. Die Saarbrückener ruderten vorzüglich. Lahnachter (Ehrenpreis): 1. Limburger RC. 6:25,2; Gießener RG. aufgegeben. Das Rennen brachte eine Enttäuschung. Der Achter der GRG. gab auf. Limburg ging forsch alleine durch bas Ziel. Der Achter der GRG. fuhr in kombinierter Besetzung. Das Freundschaftsrennen der Schüler der GRG. und des Marburger RC. konnten die Gießener für sich entscheiden. Der zweite Tag. Adolf-Fischer-Gedächtnis-Rennen (Jungmann-Vierer): 1. Limburger RC. 7:26,8; 2. Limburger RV. 7:51,2; 3. RGR. aufgegeben. Der Limburger RC. blieb mit seiner forschen Art vor seinem Lokalrioalen Sieger. Die Gießener gaben bei 1500 Meter auf. Zweiter Vierer (Ehrenpreis): 1. Wetzlarer RC. 7:27,2; 2. RV. Bad Ems 7:27,8; 3. RGR. 7:35. Zwischen Wetzlar und Ems entspann sich ein scharfer Endkampf, der von den Wetzlarern nur mit Lufkastenlänge für sich entschieden wurde. Gießen, lag ziemlich zurück zur allgemeinen Ueberraschung. Zweiter Einer (Ehrenpreis): 1. Möller, Hanauer RG.; 2. Reinecker, Offenbacher Undine — beide nicht geleitet. Möller siegte mit erklecklichem Vorsprung. Erster Vierer (Wanderpreis der Stadt Gießen): 1. Saarbrückener RG. „Undine" 7:21,2; 2. ERG. 7:41,0. Die Saarbrückener fuhren das Rennen in tadellosem Stil. Die Gießener konnten sich dagegen kaum behaupten und lagen zum Schluß ziemlich viel zurück. 2m Jungmann-Vierer fiel der Sieg, nachdem die anderen Mannschaften alle abgemeldet hatten, an den Mainzer RV. Jugend - Gig - Vierer (Ehrenpreis): 1. GRG. 3:47,6; 2. Limburger RV. 3:49,8. Die Mainzer Jugendlichen gaben auf. Auf den letzten 200 Meter entspann sich zwischen den im Rennen verbleibenden Mannschaften ein spannender Kampf. Gießen blieb mit zwei Längen Vorsprung Sieger. Die Limburger fielen plötzlich ab. Kurzstrecken-Rennen über 500 M e- ter (Ehrenpreis): 1. RC. „Saar" Saarbrücken 1:51; 2. Mainzer RV. 1:53,6. Limburg und Undine Saarbrücken hatten abgemeldet. Leichtgewichts-Vierer (Ehrenpreis): 1. RG. Worms 7:17,6; 2. RV. Mainz 1911 7:53,8; Marburg gab bereits bei 500 Meter auf. Einer - Lahn - Pokal (Herausforderungspreis): 1. Jödt, GRG. 7:39,4; 2. Fahrenberg, RC. Kurhessen Kassel 7:53,0. Fahrenberg erwies sich nicht als ernsthafter Gegner. Jödt führ das Rennen in tadellosem Stil aus. Zogbaum, Rüsselsheim gab sehr fühzeitig auf. Dritter Vierer (Ehrenpreis): 1. „Saar* Saarbrücken 7:08,4; 2. „Rhenania" Koblenz 7:12,2. Die siegreiche Mannschaft ging verhältnismäßig frisch und mit großem Vorsprung durch das Ziel. Der Vierer ohne Steuermann wurde nicht ausgefahren, da die GRG. abgemeldet hatte. Der Sieg wurde der Saarbrückener RG. zu- gefprochen. Jungmann-Achter (Herausforderungspreis): 1. Mainzer RV. 6:43,0. Saar-Saarbrücken ausgegeben. Man erwartete hier ein spannendes Duell. Leider gab es eine Enttäuschung. Die Mainzer mußten alleine durch das Ziel. Sie taten es mit Elan und versuchten dadurch die Zuschauer zu versöhnen. Junior-Vierer (Herausforderungspreis): 1. Bad Ems RV. 7:28,4; 2. Wetzlarer 7:37,0. Eigentlich gingen die Limburger (RV.) als erste durch das Ziel. Die Mannschaft wurde jedoch distanziert, da sie die Emser ständig behinderte. Kurzstrecken-Wettrudern über 500 Meter für Damen-Vierer: 1. Offenbacher RV.; 2. GRG. Der Sieg mußte an die Offenbacherinnen fallen, da sich die Damen der GRG. nicht genau an die speziellen Vorschriften hielten. 8-Vierer (Ehrenpreis): 1. Limburger RG. 7:24; Marburger RV. aufgegeben. Zweiter Achter (Ehrenpreis): 1. Saarbrückener „Undine" 6:09,0; 2. Limburger RC. 6:13,2. Offenbacher „Undine" gab auf. Die Saarbrückener errangen sich den Sieg in tadellosem Stil. Die Limburger hielten sich durch den Einsatz ihrer Körperkraft bewundernswert gut. Ermunterungs-Vierer (Ehrenpreis): 1. „Hassia" Gießen 7:07,7; 2. Marburger RV. 7:25,0. Lebhaft angefeuert von den Anhängern errangen die Gießener einen ansprechenden Sieg, der aber auch sehr verdient war. Die Mannschaft erschien verhältnismäßig frisch im Ziel. Großer Achter (Wanderpreis des Großherzogs von Hessen): 1. GRG. (Weidig, Hartmann, Flimm, Georgi, Köhler, Strauch, Neuroth, Goetz, St.: Loh) 6:02,4; 2. Würzburger RV. 6:02,8 Min. Die beiden Meisterschafts-Achter lieferten sich den erwarteten spannenden Kampf, der besonders kurz vor dem Ziel heftige Form annghm. Würzburg fiel in der weiteren Kurve etwas zurück, bemühte sich energisch, den Terrainverlust wieder aufzuholen, die Gießener setzten aber alles daran, um den Sieg zu erringen, der ihnen knapp, aber verdient zufiel. Um Luftkastenlänge zurück gingen die Würzburger durch das Ziel. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. - > Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 v. H, Lombardzinsfuß 6 v. H. Arant,uri u. JM. »tt.VA Frankfurt o.M. Berlin Schluß- kurS SÄ' börse Schluß« fürs Schlußk. Mittag« börse Schlußkurs Schlußk. Abend« börse Schluß« kurs Schlußk. Mittag« börte Datum 29.7. 30.7 29 7. 30.7. Datum 29.7. 30.7. 29.7. 30.7- DeuncheRetchsanleihe v. 192", 7% Deutsche Meichsanleihe 6.1929 62 60,75 62 61,5 Hamvurg-Amertla Pate, . . . t 12 12,69 12 12,25 66,15 66,3 66,75 67 Hamburg-Südam. Dampfschiff . o — 554% Dvung-Anleihe von 1930 . — — 59 56,25 Hansa Dampsschiss .... . 0 — __ 17,5 - Deutsche Anl^Ablos.-Schuld mit 45,5 Norddeutscher Lloyd .... . 6 13,5 13,75 13,4 13,75 Auslos.-Rechlen....... Tesgl. ohne Auslos.«Rechte . . . 8% Hess. Volksstaat von 1929 46,65 45,65 46,5 A.G. für Verkehrswesen Akt. 29 31,5 29,5 31 5,7 5,75 5,75 5,65 Berliner Handelsgcsellschast . 8 89 89,5 89,5 Cammer». und Privat-Bank. Darmstädter und Nattonalban 7 16 16 53,5 53,5 'rückzahlb. 102%)...... — — 50 —— 8 18,5 18,5 18,5 18,5 Cberhelien Provinz-Anleihe mit Deutsche Bank und Auslos.-Rechten....... 40,5 40,5 — — Disconto-Gesellschaft. . . 6 75 75 75 75 Deutsche Komm. Sammclabl. Dresdner Bank...... 6 18,5 18,5 18,5 18,5 Anleihe Serie 1....... 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse 42,65 43 42 43,4 Reichsbank........ 12 125,5 126 125,65 126,65 15 unkündbar bis 193a .... 68,5 69,5 — —• A.E.G........... Bergmann........ Elektr. Lieserungsgesellschast. . 7 28,5 28,75 28,13 28,75 7% Franks. Hyp^Bank Goldpse. unkündbar ois 1936 Serie 16 . 68 69 — — . 9 10 59 21 59 21 61.75 4y2% Franks. Hhp.-Bank Liqu.» Licht und Kraft...... 10 72,5 73 72 72,75 Pfandbriefe......... 4Rheinische Hyp.-Bank-Llou. 78,75 77,75 — — Felten & Guilleaume.... Gesellschaft für Elektrische 6'/- 36 38 37,25 38 Goldpse........... 8% Pr. Landespsandbrtesanstalt, 79,5 80 — —— Unternehmungen .... Rheinische Elektrizität . . . 9 60,25 61,5 60,25 61,25 . 9 64 63,5 64 Pfandbriefe R. 19...... 68,5 69 68 68 Schuckert & (So....... 11 64.4 64,75 63,5 64,25 7*)„ Pr. Landeepsandbriesanstali, Siemens & Halske..... 14 121 122 121,25 121,5 Pfandbriefe R. 10 4% Lesterreichtsche Goldrente . . 68 —— _ s'ahmever & Kn....... 12 82 81,65 26 82,13 27 10,5 10,25 10,75 10,65 Buderus......... . 4 26 4,20% Lesterreichische Silberrentc 1,05 1,05 1 Deutsche Erdöl...... . d 71,5 72 70,75 71,65 4% Ungarische Goldrente .... 6 5,9 6 Gelsenkirchener...... . 8 32,75 33,5 33,25 34 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 6,5 6,5 6,6 6,6 Harpencr......... Hoejch Eisen........ . 0 50,5 50 50,75 50,5 4':% ocsgl. von 1913 . . . 5,13 - . 6 — — 22 23,5 5% abgest. Goldmerikaner von 99 4,9 4,75 4,7 Ilie Bergbau....... 10 — — 126 V'„ Türkische Zollonleihe von 1911 3,25 3,25 3,4 Ilse Bergbau Genüsse . . . — — 93 95 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Klocknerwerke....... . 6 21,5 22 21,5 22 Serie I ........ 3,35 3,3 3,4 —- Manne-mann-Röhren . . . . 6 36,4 37,9 36,75 37,5 4% oe-Ql. Serie II....... 3,35 3,3 3,45 — Mansfelder Bergbau .... . 0 11 11 11 11 5%fliumän. vereinh.Rente B.190? 4,05 - Oberschlei. KokSwerke . . . . 8 30,13 30,75 4V,%Rumänwereinh.Rentev.lSlk - - 7,7 Phönix Bergbau...... 4'/i 14,25 _ 14,5 14,9 4% Rumänische vereinh. Rente ?!6% 1 Anatolier 3.6 17 3,6 3,65 17,25 3,75 17,9 Rheinische Braunkohlen. . . Rhetnftahl........ 10 . 6 172 47,5 173 49 171 47,25 174,5 49,75 Frankfurt a. M. Äerlin Schluß« kurs Schlußk. Abend« börse Schluß« kurs Schlußk. Mittag« börse Dalum 29.7. 30.7 29.7. 30.7. Riebet! Montan...... 7,2 — — — — Vereinigte Stahlwerke . . . 4 12,25 13 12,13 12,25 Olavi Minen......16'/- 11 12 11,25 12,5 Kaliwerke Aschersleben . . . 10 — 93.5 93 94 Kaliwerke Westeregeln . . . 10 102 104 102 101,5 Kaliwerke Salzdetfurth . . . 15 161 163 160 164,25 I. G. Farben.Industrte. . . 12 88,25 89,9 88,25 89,75 Verein, ckem. Industrie Frank» furt a. M......... ,__ — Scheideanstalt....... 10 133.25 135 — — Goldschmidt........ . 0 16.5 17 17 17,25 Rütgerswerke....... . 5 32,25 33,25 32,65 32,65 Metällgelellschaft...... . 5 24,75 25,75 25,25 25,5 Philipp Holzmann..... . 8 31,5 33 31,5 35 Zementwerk Heidelberg. . . . 7 36 35 — Eementwerk Karlstadt. . . . . 7 31 35 — Wayb & Freytag..... . 0 4 4 Schultheis Patzenhofer . . . 15 — — 55 56 Akü (Allgemeine Kunstseide) 0 34,75 34,75 35 35,65 Bemberg......... 0 30 31,5 30 31,5 Zellstoff Waldhof..... 12 28 29 27,75 29 Zellstoff Aschaffenburg . . . 6 20 18,75 20 19,75 Dessauer Gas....... . 9 — — 86 — Daimler Motoren..... . 0 12,5 12,75j 13 13,25 Deutsche Linoleum .... . 5 31 31 30,25 — Orensiein & Koppel .... . 0 — 21,5 22,9 Leonhard Tietz...... . 8 44 44 45 45,25 Svensla......... 15 — — — Chade.......... 171 172,5 171 169 Frankfurter Maschinen . . „ . 0 _ — _ Gritzner......... . 0 17 17 —— — Mainkraftwerke Höchst o_ M.. . 6 - _ Süddeutscher Zucker .... 10 107,25 — — — Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. 29. Juli 30. Juli Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Sriek Geld Brief Helsingsor» . 6,344 6,356 6.344 6,356 Wien. . . . 51,95 52,45 51,95 52,05 Prag . . . 12,465 12,435 12,465 12,485 Budapest . . — — — Sofia . . . 3,057 3 063 3,057 3.063 Holland . . 169,53 169,87 169,53 169,87 OSIo. . . . 73,93 74,07 73,93 74,07 Kopenhagen. 79,42 79,58 79,47 79,63 Stockholm . 75,72 75,88 75,72 75,88 London. . . 14,73 14,77 14,73 14,77 Buenos Aires 0,913 0,917 0,913 0,917 Neupork . . 4,209 4,217 4,209 4,217 Brussel. . . 58,31 , 58,43 58,31 53,43 Italien. . . 21,42 21,46 21,41 21,45 Paris . . . 16,465 i 16,505 16,465 16,505 Schweiz . . 81,77 81,93 81,77 81,93 Spanien . . 33,72 33,78 33,82 33,88 Danzig. . . 81,92 J 82,08 81,92 82,08 Japan . . . 1,159 ( 1,161 1,159 1,161 Rio de Jan.. 0,325 ! 0,327 0,325 0,327 Jugoslawien. 6,693 I 6,707 6,693 6.707 Lissabon . 13,49 13.51 13,49 13.51 Banknoten Berlin, 30..d Geld Dries Amerikanische Noten . . . 4,20 4,22 Belgische Noten ..... 58,15 58,39 Dänische Noten..... 79,29 79.61 Englische Noten..... 14,69 14,75 Französische Noten .... 16,425 16,485 Holländische Note».... 169,16 169,84 Italienische Noteil .... 21,37 21,45 Norwegische Not