llr.178 Erstes Blatt 182. Jahrgang Montag, 1. August 1952 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familien blätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Vezugspreir: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschliisse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Zranlsurt am Main 11686. GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'sche Univer^iäts-Vuch. und Zteindnickerel TU Lange in Gießen. 5chnftleitung und Geschäftsstelle: Zchulftraße 7. Annahme van Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Llnabhängige Giaaisführung. Der Aufruf des Reichspräsidenten und der Reichsregierung in der letzten Stunde vor der Wahl konnte und wollte dem Wähler nicht mehr Ratgeber sein. Cr zielte über den g e st r i - gen Sonntag hinaus auf die Dinge, die nun kommen sollen. Diejenigen, die es in erster Linie angeht, dürften sich dessen schon bewußt geworden sein. Die Triumphgesänge und die Klagelieder und die Dertuschungsmanöver werden nur noch eine kurze Weile das Feld behaupten dürfen. Dann werden sich die Parteien, auf die es jetzt ankommt, vor sehr ernste Lebensfragen gestellt sehen. Die Wahrscheinlichkeitsberechnung, von der die Regierung ausgegangen ist, daß nämlich die Dcufschnationalen und die Rationalsozialisten die absolute Mehrheit nicht erreichen würden, hat gestimmt. Die Machtverteilung im neuen Reichstag entspricht derjenigen des Preußischen Landtags seit dem 24. April. 3n Preußen hat sich gezeigt, daß diese Mehrheitsverhältnisse das Parlament zunächst zur völligen Ohnmacht verurteilt haben. Cs war nicht möglich, eine Regierung zu bilden, die annähernd mit dem zum Ausdruck gekommenen Willen der Volksmehrheit im Einklang gestanden hätte. Das eben haben oer Reichspräsident und seine Ratgeber verhindern wollen, daß die preußische Groteske nach dem 31. Juli im Reiche eine traurige Wiederholung fände. Wenn sich nun auch gezeigt hat, daß die beiden Parteien der Rechten zusammen noch nicht über die Mehrheit verfügen, so ist doch der Schwerpunkt im politischen Meinungsausdruck und in den neuen parlamentarischen Machtverhältnissen sehr stark nach rechts gerückt worden. Die vorausschauende Politik des Reichspräsidenten hat in der Bestellung einer neuen Regierung Tatsachen geschaffen, die diesen Veränderungen Rechnung tragen. Wir haben also im Reiche bereits eine Regierung, die wesentliche Forderungen und Gedanken der machtvollen neuen Volksbewegung in ihre politische Willens- und Zielrichtung ausgenommen hat, die aber anderseits wegen ihres überparteilichen Charakters die Möglichkeiten in sich trägt, das wertvolle Reue an bewährtes Altes anzuknüpfcn. Darüber kann sich ja nach allen Erfahrungen des letzten Jahrzehnts kein Mensch mehr im Zweifel sein, daß bei solchen Mehrheitsverhältnissen aus dem parlamentarischen Kuhhandel heraus keine starke Regierung entstehen könnte, die den angedeuteten Brückenschlag in sich zu vollziehen vermöchte. Das Zentrum würde es nicht über sich bringen, einem Nationalsozialisten die Führung zu überlassen. Umgekehrt kann man es der stärksten Partei des Reichstags nicht zumuten, diesen Anspruch gutwillig aufzugeben. Was wäre das wohl für ein Hängen und Würgen zwischen Zentrum und Nationalsozialisten geworden, bis man sich nach langen Wochen auf einen neuen Kanzler geeinigt hätte. Einen besonders starken Mann würde man da kaum ausgesucht haben, weil es das natürliche Bestreben aller Koalitionspartner gewesen wäre, den neuen Führer nicht aus der Abhängigkeit von den Parteien zu entlassen, ihn vielmehr diese Abhängigkeit dauernd fühlen zu lassen. Da ist es schon besser, wenn sich die Parteien irgendwie mit Führerper- fönlichkeiten abfinden müssen, die über u n d z w i - sch en ihnen stehen, die aber unabhängig sind, weil sie von oben eingesetzt und nicht von unten emporgetrapen wurden. Die Dinge liegen doch jetzt sc^'daß die Regierung Papen auch nach einem möglichAi Mißtrauensvotum so lange geschäftsführend im Amte zu bleiben hat, bis die positive Einigung über die Zusammensetzung einer neuen Regierung zustande gekommen ist. Und wenn sich die Parteien die Dinge richtig überlegen, so können sie zu keinem anderen Ergebnis gelangen als dem, daß die Bestätigung des gegenwärtigen Zustandes immer noch jedem Kompromiß oorzuziehen ist, aus dem doch nur wieder eine parteigebundene und darum in ihren Handlungen erheblich geschwächte Regierung heroorgehen könnte. Reichspräsident und Reichsregierung haben in ihrem Wahlaufruf deutlich zu erkennen gegeben, daß sie den Reichstag wieder in seine wesentlichen Aufgaben der ordentlichen Gesetzgebung einschalten wollen. Aber an einem Satz dieser Kundgebung werden die Parteien nicht vorübergehen können, an der Forderung Hindenburgs nämlich, der von dem neuen Reichstag die Fähigkeit und Bereitwilligkeit verlangt, „mit einer starken Regierung Hand in Hand zu arbei- t e n“. Auch an anderer Stelle hat der Reichspräsident den überparteilichen und unabhängigen Charakter der gegenwärtigen Staatsführung hervorgehoben. Cs ist das erstemal, daß sich das Staatsoberhaupt am Wahltage für eine Regierung einseht. Der Wille Hindenburgs ist unverkennbar, daß sich das Parlament im wesentlichen auf die gesetzgeberische Arbeit beschrä nken und die Führung Männern überlassen soll, die eben aus der Loslösung von den Parteien eine Vermehrung ihrer Kraft und ihrer Autorität erfahren haben. Das Echo der Reichsiagswahl. DerEindruckinderWilhelmstraße Ruhige Beurteilung der Laste. Berlin, 1. August. (TU.) In den Kreisen der Reichsregierung beurteilt man das Ergebnis der Reichstagswahlen sehr ruhig. Dies zeigt sich schon daran, daß fast alle Kabinettsmitglieder den Burg- trieben benutzen wollen, um einen kürze r,c n lrlaub anzutreten. Am Verfassungstage wird das Kabinett wieder vollzählig in Berlin v e r s a m m e l t'sein. Man erklärt, daß die Wahl gewissermaßen die Reichsregierung i n ihrer Existenz bestätigt habe, da weder eine Rechts- noch eine Linksmehrheit möglich sei. Es sei noch vollkommen offen, ob die Regierung beabsichtige, mit irgendwelchen parlamentarischen Gruppen wegen einer engeren Zusammenarbeit in Verbindung zu treten. Die einzige Möglichkeit, eine arbeitsfähige Mehrheit im Reichstag zustande zu bringen, wäre die, daß d a s Z e n - trum mit den Nationalsozialisten zusammenginge. In politischen Kreisen spricht man auch davon, daß die Bayerische Volkspartei bereit sei, eine Koalition mit den Rechten zu bilden, aber auch bann würbe noch keine Rechtsmehrheit zustanbekommen. Das Zentrum hat nunmehr ben Schlüssel in ber Hanb, um ben Reichstag arbeitsfähig ober arbeitsunfähig zu machen. Die Berliner preffe zum Wahlergebnis. Der deutschnationale „M o n t a g" stellt im Zusammenhang mit dem Anwachsen der KPD. fest, daß der bisher noch bei jeder Wahl festzustellende Einbruch in die marxisti- sche Front sich nicht fortgesetzt habe. Statt dessen sei eine weitereVerschie- bung der Wähler rechts vom Zentrum eingetreten mit einem in vollem Amfange getätigten Widerstand der Kommunisten. Die gesamte Mitte, auf der sich die sogenannte Gleichgewichtslage des Zentrums aufbaut, ist verschwunden. Es ergibt sich daraus, daß das Zentrum seine Schlüsselstellung nicht mehr in der Hand hat. Cs kann sich nur entscheiden, ob es auf Grund eines Ermächtigungsgesetzes oder in anderer Form eine Regierung der nationalen Bewegung unterstützt. Die D A Z. meint, dem Zentrum, das sich ja nicht von den Kommunisten abhängig machen könne, werde nun nichts übrig bleiben, als sich mitdemGedankeneine rRechtsregie- rung vertraut zu mache n. Wahrscheinlich dürfte das aber nicht in Form einer festen Koalition, sondern in der Form der „Tolerie. r u n g“ geschehen. Der Wille der Wähler hat sich eindeutig dafür ausgesprochen, daß die R a - tionalsozialistenanderRegierungs- verantwortung beteiligt werden sollen. Aber auch ihre Bäume sind nicht in den Himmel gewachsen, da sie die absolute Mehrheit bei weitem nicht erreicht haben. Die Lösung dürfte also an der Richtung gesucht werden müssen, daß e i - nige nationalsozialistische Führer verschiedene Ministerien im Kabinett Papen übernehmen, und zwar in organischer Verbindung mit einer verfassungsmäßigen Reuordnung des R e g i e r u n g s p r o b le m s in Preußen. Das Wahlergebnis hat gewiß nicht alle । Hoffnungen erfüllt, aber es hat immerhin die Grundlage gelegt für eine Regierung, die | weit von revolutionären Erschütterungen und radi- > taten Experimenten ist. Zum Wahlergebnis schreibt ber „V o r w ä r t s": Die nationalsozialistische Welle ist zum Stehen gekommen, ja sie befindet sich schon in beutlichem Rückgang. Zwar hat bie NSDAP, weitere Reste ber Mittelparteien aufgeschluckt, sie hat aber auf ber anderen Seite auch wieder Wähler abgeben müssen — zum großen Teil an die Kommunisten! Niemand konnte erwarten, daß die erst seit xroei Monaten zurückgewonnene Oppositionsstellung für die Sozialdemokratie in sehr kurzer Zeit schon einen entscheidenden Umschwung des Volkes bewirken würde. Nun treibt das Wahlergebnis dieSozialbemo- kratie auch weiter in die Rolle ber Opposition. Von hier wird der Vormarsch, ber gestern im Reiche schon roieber begonnen hat, weiter fortgesetzt werben. Das entscheibenbe Ereignis bleibt: Stillqang unb Rückgang ber Nationalsozialisten. Die Regierung hat mit ber Reichstagsauf- lösung nichts erreicht, als daß bie verfassungstreue Mehrheit, bie Brüning zur Not noch zur Verfügung staub, erschlagen ist. Der neue Reichstag wirb keine verfassungstreue Mehrheit haben. Aber noch weniger wirb er eine Mehrheit haben, bie Verfassungsbruche ober gewaltsame Verfassungsänberungen zu bulden geneigt ist. (Stimmen aus dem Reiche. Die „Hamburger Nachrichten" (beutsch- natl.) sagen, baß bie parlamentarischen Verhältnisse bie Regierung von Papen gerabezu zwingen, w i e bisher weiter z u regieren. Das Blatt hält bies nicht für einen Fehler, ba bie Regierung von Papen sich bisher als Vollstrecker bes nationalen Willens bewährt habe, unb nach biesem Wahlausgang erst recht bemüht sein werde, auf dem eingeschlagenen Wege weiterzugehen. — Der „Hamburger Anzeiger" (liberal) erklärt, es sei der NSDAP, klar gemacht worden, daß das deutsche Volk sie als politischer Machtfaktor gelten lassen werde, daß es aber ablehne, sich dem Diktaturgebot zu fügen. Die einzige diskutierbare Parlamentsmehrheit wäre eine Mehrheit aus der NSDAP., Deutschnationalen und Zentrum. Das Blatt glaubt, daß eine solche Koalition in der nächsten Zeit im Mittelpunkt der politischen Erörterungen stehen werde — wenn man Überhaupt versuchen wolle, bie beutsche Staats- und Regierungskrise auf parlamentarischem Wege zu lösen. Die „Münchener Telegrammzeitung (M. R. R.) sagt: Die Rationalsozialisten werden ihre Hoffnung, auf legalem Wege die Mehrheit im Reichsparlament zu erreichen, begraben und sich zu K o a 1 i t i o n e n mit anderen Parteien bereit finden müssen, wenn sie einen Anteil an der Reichsführung erreichen wollen. — Der „Frän- k i s ch e K u r i e r" kommt zu dem Schluß, daß das Kabinett Papen auch weiterhin am Ruder bleiben werde und in der Weise, wie es bisher die Gesundung der innerpolitischen Verhältnisse in Angriff nahm, auch auf absehbare Zeit hin die deutschen Geschicke weiterführen werde. Die „Rheinisch-Westfälische Zeitung" schreibt, daß sich die Gegensätze so verschärft hätten, daß einstweilen nicht zu erkennen sei. wie nach den parlamentarischen Stilregeln mit diesem Reichstag regiert werden könne. Eine Koalitionsregierung alten Stils sei ausgeschlossen. Es bleibe also nichts anderes übrig, als eine nicht so sehr parlamentarische als autoritäre Minderheitsregierung. Ringen um das Zentrum. Möglichkeiten einer Tolerierungspolitik. Don unserer Berliner Redaktion. Berlin, den 1.August. Die Mandate der Rechten reichen nicht aus, um eine tragfähige Regierungsbildung auf rein parlamentarischem Wege zu ermöglichen. Reichspräsident und Reichskanzler haben jedoch in allen Kundgebungen, Reden und Interviews der letzten Zeit ihren Willen verkündet, die verfassungsmäßige Kontrolle des Parlamentes wieder einzuschalten. Es liegt im Willen der Regierung, eine möglichst breite Mehrheit auf möglichst lange Zeit hinter sich zu bekommen, um in voller Ruhe und Unbekümmertheit vor plötzlichen Ueberraschungen den „konstruktiven Aufbauplan" durchzuführen. Wer zwischen den Zeilen der Aufrufe und den Sätzen der Reden zu lesen verstand, hat bereits von den ersten Wochen des neuen Kabinetts an ein immer wieder erneutes heimliches Liebeswerben um das Zentrum feststellen- können. Es ist bekannt, daß der Reichskanzler von Papen vor Uebernahme des Kanzleramtes in Rom weilte und dort sich von dem Kardinalstaatssekretär P a c e 11 i, dem früheren Berliner Nuntius, politisch beraten ließ. Zumindest der westfälische Adel steht Papen persönlich nahe. Gerade der westfälische Adel aber spielt in der Zentrumspartei eine erhebliche Rolle. Die vierzehn Tage des jetzt beginnenden „Burgftiedens" werden also hauptsächlich der Kulissenarbeit dienen, das Zentrum aus der ßinfsfront her- auszulösen, um zumindest eine Stimmenthaltung der Zentrumsfraktion im Reichstag zu erreichen. Der Reichskanzler hat in seinem Brief an den Vorsitzenden der Fuldaer Bischofskonferenz, den Fürsterzbischof in Breslau, Kardinal Bertram, noch einmal in stärkster Weise an das christ - liche Solidaritätsgefühl appelliert. Er hat sogar einen kleinen Abweg in die Theologie nicht gescheut, indem er feststellte: „Euer Eminenz haben in Ihrem Schreiben vom 16. Juli mit Recht betont, daß allen treu christlich gesinnten Kreisen das Gebot des göttlichen Meisters heilig sei, Achtung und Gehorsam der obrigkeitlichen Gewalt zu leisten. Die Reichsregierung vertraut darauf, daß dieser christliche Fundamentalsatz auch bei den christlichen Kreisen Beachtung findet, die einzelnen politischen Maßnahmen einer Regierung ablehnend gegenüber stehen, deren vordringliches Wollen es ist, die ch r i st 1 i ch e Weltanschauung wieder zur Achse aller Staatsgesinnung zu machen." Wer die Geschichte der deutschen Rachkriegszeit kennt, wird den Wink des Reichskanzlers verstehen. Unter Berufung auf die Obrigkeit, die Gewalt über uns hat, hat sich nämlich das Zentrum, das Mit anderen Worten: Hindenburg erwartet vom neuen Reichstag, daß er seine Regierung, d. h. das Kabinett Papen, b e st ä t i g t. Dem werden sich die Rationalsozialisten und das Zentrum auf die Dauer nicht entziehen können, wenn sie nicht als Parteien Selbstmord begehen und sich aus dem wichtigen parlamentarischen Recht der Gesetzgebung auch noch ausschalten wollen. Es mag noch einige personelle Veränderungen geben. Man wird sich nicht allen Wünschen der entscheidenden Parteien versagen. Aber die Prognose darf man doch wohl schon mit ziemlicher Sicherheit stellen, daß nach diesem Ausgang der Wahl die von Hindenburg eingesetzte Regierung auf lange Zeit im Reich und auch in Preußen an der Macht bleiben wird. Wie die Folgen einer Personalunion verfassungsrechtlich im einzelnen zu lösen sind, das wird eine spätere Sorge sein. Entscheidend aber für Ruhe und Ordnung, entscheidend auch als Ausgangspunkt für eine großzügige Reichs- und Verwaltungsreform ist, daß der gleiche politische Wille im Reich und im größten Lande regiert. ilnb hinter diesem Willen steht Hindenburg. Brandbomben und Feuer- überfalle in Königsberg. Königsberg, 1. August. (WTB. Funkspruch.) Gegen den Eingang des Otto-Braunhauses, in dem auch die „K ö n i g s b e r g e r Volkszeitung" untergebracht ist, wurden heute früh sechs Brandbomben geworfen. Die Bomben explodierten und verursachten ein Feuer, das indessen durch die Wachthabenden sofort gelöscht werden tonnte. In der gleichen Zeit wurde der Chefredaktur der „Königsberger Volkszeitung", W y r g a t s ch , in seiner in einer einsamen Stadtgegend gelegenen Wohnung von zwei Personen überfallen und beschossen. Whrgatsch erhielt einen Oberschenkelschuh. Ferner wurde gegen 6 Ahr früh auf die „Königsberger Hartungsche Zeitung" eine Brandbombe geworfen, die so fiel, daß der entstehende Brand schnell gelöscht werden konnte. Heute morgen gegen 6 Ahr drangen vier Personen in die Wohnung des kommunistischen Stadtverordneten Sauff ein und gaben auf den im Bett liegenden Kommunistenführer drei Pistolenschüsse ab, durch die Sauff schwer verletzt wurde. Die Täter sind unerkannt entkommen. Am dieselbe Zeit waren unbekannte Personen in die Wohnung des früheren Regierungspräsidenten von Dahrfeldt eingedrungen und hatten auch auf ihn zwei Schüsse abgegeben, durch die er an der Hand und am Arm verletzt wurde. Ebenfalls gegen 6 Ahr morgens erschienen zwei unbekannte Personen in ber Wohnung bes Lagerverwalters Zirpins und verlangten ihn zu sprechen. Die Ehefrau rief ihn herbei, worauf die beiden Personen auf Zirpins drei Schüsse abgaben. Zirpins erhielt zwei Kopfschüsse und eine Schuhverlehung am linken Oberarm. Die Täter ergriffen bie Flucht. — Unbekannte Personen waren in der Wohnung des kommunistischen Abgeordneten Schütz erschienen und wollten ihn sprechen. Schütz erschien jedoch nicht. Darauf gaben die Personen mehrere Schüsse ab. durch die die Hausangestellte von Schütz dreifach getroffen und schwer verletzt wurde. Der kommunistische Führer Stadtverordneter S a u f f ist am Vormittag seinen schweren Verletzungen erlegen. Schütz und Herrmann seien nur durch Zufall dem Tode entronnen. Im Ramen der Eisernen Front und alter angeschlossenen Organisationen hat der sozialdemokratische Abgeordnete L a r s s e n an den Reichspräsidenten und den Reichskanzler Telegramme gerichtet, in denen schärf st e Maßnahmen erbeten werden. Letzte Warnung Dr. Brachts zum inneren Frieden. Berlin, 1. August. (2DIB. Funkspruch.) Der mit der Wahrnehmung der Geschäfte des preußischen Innenministers beauftragte Reichskommif- f a r Dr. Bracht, erläßt folgenden Aufruf: Die Dahl ist vorbei, das Volk hat gesprochen. Die völlige Herstellung des inneren Friedens ist jetzt oberstes Gebot. Gewalt und Terror müssen endlich vor dem Gesetz weichen. Die Heiligkeit des Menschenlebens soll nicht weiter an- getastet werden. I ch warne zum letzten Male! Die Slaafsregierung wird se 1 bst drakonische Maßnahmen nicht scheuen, um ihre Pflicht gegenüber den friedlichen Staatsbürgern restlos zu erfüllen und den Burgfrieden zu wah- ren, den unser Land braucht. Ich warne auch alle Organisationen, wie jeden einzelnen, weiter zum Blutterror zu Hetzen. Die presse hat sich jeder Aufreizung der Leidenschaft, auch durch unrichtige Berichterstattung zu enthalten. Andernfalls hat sie schwerste Einbrüche in ihre Freiheit zu gewärtigen. 1919 den Wahlkampf noch gegen links geführt hatte, sich für eine Koalition mit der Sozialdemokratie entschieden. Es bleibt abzuwarten, ob diese dogmatisch - theologische Beschwörung auch diesmal wieder verfängt. Sollte sich das Zentrum für eine stillschweigende Tolerierung der Regierung durch einstweilige Stimmenthaltung entschließen, so wird es selbstverständlich bestimmte politische Forderungen stellen. Die Reichsregierung hat in der N e u b e - setzung der preußischen Minister- p o ste n die Möglichkeit, sowohl dem Zentrum als auch den Nationalsozialisten Posten von stärkster politischer Bedeutung anzubieten. Schwieriger wird es für beide Parteien schon sein, die geeigneten Kandidaten namhaft zu machen. Das Zentrum hatte so ziemlich alle prominenten Bertreter in das Kabinett Brüning und die Preußen-Regierung Braun-Hirtsiefer entsandt. Die Nationalsozialisten dürften Gregor Straßer für ein Ministeramt im Reich oder in Preußen Vorschlägen. Gregor Straßer gilt jedoch als Anhänger eines ertremen Sozialismus und dürfte von den Deutschnationalen abgelehnt werden. Durch sein katholisches Glaubensbekenntnis und seine Querverbindungen zu den christlichen Gewerkschaften könnte jedoch gerade er der Mittelsmann für eine Zusammenarbeit zwischen Zentrum und Nationalsozialisten werden. Auch in Kreisen, die dem Zentrum nahe stehen, wird es übrigens bedauert, daß sich der ehemalige Reichskanzler Dr. Brüning im Wahlkampf allzu stark in die Arena der Massenversammlungen begeben und festgelegt hat. Der ursprünglich von der Reichsregierung geplante Wiedereinsah Brünings auf einem führenden Posten des Reiches oder in Preußen wird sich daher kaum verwirklichen lassen. Die ASDAp. zum Wahlergebnis München, 1. August. (TU. Drahtmeldung.) Das Ergebnis der Reichstogswahl wird, wie die Prefse- siclle der NSDAP, mitkeilt, von der NSDAP, m i t großer Befriedigung ausgenommen. Der unaufhaltsame Aufstieg der nationalsozialistischen Bewegung findet seinen Ausdruck in der gewaltigen Slimmenzahl, die die Partei erreichte. Damit ist auch die Stellung der NSDAP, gegenüber den anderenparteien gekennzeichnet. Das Recht aufdie StaatsführungimReich kann ihr nicht mehr streitig gemocht werden. Die NSDAP, ist um so mehr entschlossen, dieses Recht für sich in Anspruch zu nehmen, als die allernüchkernslen außen- und innenpolitischen Erwägungen insbeson- ders auch die bei dieser Dahl wieder deutlich gewordene bolschewistische Gefahr eine starke, im Bolk verankerte Reichsregierung gebieterisch erfordern. Oie Landtagswahlen in Thüringen. Das amtliche Gesamtergebnis. Weimar,!. Aug. (TU. Funkspruch.) Die Wahlen zum Thüringer Landtag hatten folgendes Ergebnis: SPD. 225 637 15 (18) Mandate Thüringer Landbund 77 645 5 (9) Nationalsozialisten 395 895 26 (6) Kommunisten 149 939 10 (6) Dirtschaftspartei 10 542 0 (6) DDP. 16 732 1 (5) DNVP. 29 664 2 (2) Staatspartei u. Zentrum 17 313 1 (1) SAP. 2 062 0 (0) Ehrifttich-Soz. Volksdienst 5 321 0 (0) >> Weitere Stimmen aus England. Abgesehen von News Chronicle beschränken sich die Blätter auf die Wiedergabe der Berichte ihrer Vertreter in Deutschland, von denen mehrere der Ansicht sind, daß die nationalsozialistische Bewegung ihren Höhepunkt erreicht bzw. bereits überschritten habe. So sagt der Berliner Korrespon- dent des „N e w s Chronicle": Hitler hat einen Sie Verwallungsreform in Preußen. Zusammenlegung von 105 Landkreisen und Aufhebung von 60 Amtsgerichten. Berlin, 31. Juli. (END.) Das Wolfbureau ist in der Lage, einen genauen und vollständigen Lieberblick über die Spar- und Reformmahnahmen zu geben, die das preußische Staatsministerium am Mittwoch auf Grund der Zweiten Sparverordnung vom 23. Dezember 1931 beschlossen hat. Der Beschluß umfaßt: 1. Die Angliederung der Regierung in Stralsund an die Regierung in Stettin mit Wirkung vom 1. Oktober 1932. 2. Die Zusammenlegung von 105 Landkreisen. Das geschieht in der Form, daß immer zwei der in die Reform einbezogenen Landkreise zu einem neuen zusammengelegt werden mit Ausnahme eines Falles, in dem die Zusammenfassung drei Kreise umfaßt. Dazu kommt noch die Aufteilung von vier Landkreisen auf mehrer« andere und schließlich die Eingliederung der Insel Helgoland in den Landkreis Pinneberg. Auf dies« Weise vermindert sich die Zahl der insgesamt 408 preußischen Landkreise auf 351. 3. Vier Provinzgrenzänderungen. 4. Die Aufhebung von 60 Amtsgerichten. 5. Weitere Maßnahmen in der Ze n t ra linst a n z , über die Einzelheiten noch nicht vorliegen, sondern zum Teil auch von den bereits angekündigten Verhandlungen zwischen Preußen und dem Reich über eine N e u - großen Kampf gekämpft, seine Partei wird die stärkste Deutschlands sein. Aber die Stimmabgabe zeigt deutlich, daß die Bewegung ihren Höhepunkt erreicht hat und daß sie in vielen Bezirken bereits zurückzugehen beginnt. Der Berliner Korrespondent der Daily Mail glaubt, daß die Regierung jetzt danach streben werde, die Idee un-d die Begeiste. rung der Nationalsozialisten mit der konservativen Haltung des Zentrums und die Ira- ditionstreue der Deutschnationalen zu vereinen. Der Bertreter des Daily Herold führt aus, Hitlers Traum, Deutschland allein mit einer parlamentarischen Mehrheit zu beherrschen, ist für immer dahin. Das Wahlergebnis zeigt, daß der Zauber der nationalsozialistischen Propaganda endlich gebrochen ist. Kleine politische Nachrichten. Das Reichsgericht hat die Beschwerde der sozialdemokratischen „B o l k s st i m m e" in Frankfurt a. M. gegen das Verbot wegen Beschimpfung und böswilliger Verächtlichmachung des Reichskanzlers und der Deichsregierung a l s unbegründet ko st en fällig verworfen. Das Verbot gründete sich auf einen Artikel mit der Lieberschrift: „Nationale Würdelosigkeit in Genf" und auf eine in derselben Ausgabe veröffentlichte Karikatur. • Die Frankfurter nationalsozialistische Tageszeitung „Frankfurter Volksblatt" ist vom 1. b i s 7. QI u g u ft verboten worden. Als Grund des Verbotes wird der maßlose Kampf des Blattes gegen die hessische Regierung angegeben. Der Polizeipräsident hat die kommunistische „Rote Fahne" einschließlich aller Kopfblätter bis zum 10-August einschließlich verboten wegen eines Aufrufs des Zentralkomitees der KPD., in dem zum gewaltsamen Sturz der Verfassung zwecks Errichtung einer Arbelterdiktatur aufgefordert wird. • Vor dem polnischen Ausnahmegericht in ©hingen wurde her deutsche Reichsangehörige R e • auf teilung der Aufgabenkreise abhängen. In den Beschlüssen sind folgende Reformen in -er Provinz Hessen-Nassau. Die bisher zur Provinz Hessen-Nassau gehörende Herrschaft Schmalkalden wird der Provinz Sachsen zugeteilt, ebenso die Grafschaft Schaumburg der Provinz Hannover. Der bisher zur Rheinprovinz gehörende Kreis Wetzlar kommt zum Regierungsbezirk Wiesbaden. Folgende Kreise werden zusammengelegl: Fulda und Gersfeld, Kreissih Fulda. Fritzlar und Homberg, Kreissitz Fritzlar. Kassel und W o l f h a g e n, Kreissitz Kassel. Marburg u. Kirchhain, Kreissih Marburg. Obertaunuskreis und Llsingen, Kreissih Bad Homburg. Westerburg und Ober- westerwaldkreis, Kreissih Westerburg. D i l l k r e i s und Biedenkopf, Kreissitz Dillenburg. Folgende Amtsgerichte werden aufgehoben: Oberlandesgerichtsbezirk Frankfurt a. M.: Braubach, Gammertingen (Regierungsbezirk Sigmaringen), Wald und Katzenelnbogen. Oberlandesgerichtsbezirk Kassel: Olbterode, Amöneburg, Bieber, Dir ft ein, Bischhaufen, Burghaun, Meerholz, Nentershausen. Tletra, Niederaula, Rauschenberg, Rosenthal, Schwarzenfels. Veckerhagen, Vöhl, Wanfried und Zierenberg. schot kow sky weaen Spionage zugunsten Deutschlands zu sieben Jahren schweren Kerkers verurteilt. Reschotkowsky wurde kürzlich auf Danziger Gebiet von polnischen Spitzeln feftgenommen und nach Polen verschleppt. Aus aller Welt. „Graf Zeppelin" in Danzig. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist in Danzig eingetroffen. An Bord befanden sich 22 Passagiere, darunter Gräfin Brandenstein, sowie drei Danziger Senatoren. Senator Dumont sprach dem Führer des Luftschiffes, Kapitän Lehmann, den Dank der Danziger Regierung aus und betonte, daß der Flug des Zeppelin nach Danzig eine besondere Ehrung für Danzig sei. ^Auf dem Flugplatz Langfuhr hatten sich bei schönstem Sommerwetter Zehntausend« von Zuschauern eingefunden, die bei der Landung des Zeppelins in begeisterte Hochrufe ausbrachen und das Deutschlandlied anstimmten. | Später stieg „Graf Zeppelin" mit greihig Passagieren zu einer Fahrt über die Ostsee nach Südschweden auf. Aljechin Sieger im Internationalen Schachturnier in Bern. Sieger im internationalen Schachturnier in Bern wurde Aljechin mit 12Vs Punkten vor Euwe und Flohr mit je 11»/,. Sul- tan Khan mit 11 und Bernstein und Bo- goljubow mit je 10 Punkten. Als 7. folgt der schweizerische Meister Hans 2 ohne r mit 7 Punkten. Hamburger Hebedampfer auf dem Wege zur „Niobe". Die Hebeleichter „Berger I" und „Hiev" der Hamburger Bugsier- und Bergungs-AG., der die Hebung des Wracks der „Niobe" übertragen ist, trafen in Holtenau bei Kiel ein. Nach der Kohlenübernahme sind die Schiffe zur Unglücksstelle ausgelaufen. Die Nachforschungen nach den Toten der „Niobe" an der deutschen und dänischen Küste, sowie auf See, sind bis jetzt ergebnislos verlausen. Gefährliche Verträge. Außenpolitische Umschau. Von Or. Otto Hoehsch, o. ö. Pros, der Geschichte an der Universität Äerlin. Nach fast sechs Monaten hat die A b r ü st u n g s - konferenz nicht mehr als ein Arbeitsprogramm zustande gebracht. Man braucht über den Inhalt der Entschließung nicht viele Worte zu verlieren. Sie ist ohne Inhalt, und knüpft auch das, was etwas wäre, an Vorbehalte und Bedingungen der Beteiligten: nichts über die Wehrpflicht, nichts über direkte Beschränkung des Kriegsmaterials, nichts über die Gleichberechtigung. Mit Recht hat zu dem Punkte: ständige Kontrolle der Abrüstung, der _us- fische Vertreter gesagt, daß dies vollends keinen Zweck hätte, weil — überhaupt nichts zu kontrollieren ist. Nach dem immerhin nicht bedeutungslosen Anlauf der ersten Phase ist das ein völliger F e h l s ch l a g. Die Folgen dieses Rückschlags müs- len psychologisch sehr groß sein: wer soll denn nach diesem Ausgang für die Abrüstungsbewegung überhaupt noch mit Begeisterung tätig 'ein? Henderson hat selbst erklärt, er werde das Präsidium nicht wieder übernehmen, wenn nicht bis zum Wicder- ZU'ammentritt der Konferenz Voraussetzungen ge- Ichaffen wären, daß die großen Mächte bereit seien, aon Worten zu Taten überzugehen. So wie die Dinge heute ausseh. n, ist es durchaus nicht wahrscheinlich, daß Anfang des nächsten Jahres, bis wo- h'.n sich doch in der Weltpol'tik auch allerlei ändern w'rd, die Abrüstungskonferenz wieder Zusammentritt. Deutschland hat gegen dis Ents hließung gestimmt. Dieses Nein auch in der ultimativen Fassung war absolut richt g, hinter dieses Nein kann und wird Deutschland nicht zurückgehen. Und wie die heute maßgebende Kre "e der Regierung das auf- sasstn hat General v Schleicher .n Hiner Rund- fjiifrebe sehr beffmmt gesagt. So wird ohne wei- tcns klar, daß dieser Ausgang der zweiten Phase der Abrüstnngskonfer >z einen neuen, ganz neuen Abschnitt d e r Weltpo.litik einlei« tet, was sich die Drahtzieher dieser Resolution vielleicht selbst nicht ganz klargemacht haben. Wie in Lausanne hat Deutschland auch in Genf der Front von England und Frankreich gemeinsam gegenüber gestanden. Immer näher sind die beiden einander gekommen. In den letzten Wochen wurde die Konferenz ja einfach zu Gehe i m v e r h a n d l u n g e n der Franzosen und Engländer, zu denen nur der Amerikaner und der Tscheche zugezogen wurde, während die anderen, namentlich die Deutschen, die Russen und die Italiener draußen standen. Lausanne wie Genf haben eine Wiederherstellung der englisch.französischen „entente c o r d i a 1 e" gebracht — das ist das Weitere von Bedeutung für die WeltpolitikI Für die Olbrüstungsentschliehung hat Amerika gestimmt. Diese amerikanische Taktik in Genf ist unverständlich. Hoover hat keinen Zweifel daran gelassen, daß er ein wirkliches Ergebnis der Konferenz wünsche, und er hat schließlich für diese nichtssagende Entschließung stimmen lassen, die d a s Fiasko bescheinigt. Er hat sich damit selbst in eine Sackgasse manöveriert. Man halte das nun mit Lausanne zusammen: dort schlossen sich die europäischen Schuldner Amerikas zu einer Front gegen das letztere zusammen, und hier stimmte Amerika m i t ihnen, so daß, wenn im weiteren Verlauf der Schuldendebatte Amerika mit der Rüstungsfrage kommen will, es sich ent- gegenen lassen muß, dah es in Genf ja selber für die Entschließung gestimmt habe, daß also zunächst einmal in der Abrüstung auch nach deiner Auffassung das Nötige geschehen sei! Diese amerikanische Politik ist in sich unklar, unverständlich gewesen, muß Amerikas Stellung und die Hoovers im besonderen schwächen und das ist für das Ganze der Weltpolitik nur bedauerlich. Aber auch die deutsche Taktik haben wir nicht verstanden. Nach der ersten Phase wies ich darauf hin, daß nach diesem Start nun alles darauf ankomme, zum Punkt Gleichberechtigung bestimmt zu sagen, was wir damit wollen, und taktisch den Boden auf das äußerste vorzubereiten, indem man zugleich nach Bundesgenossen suche. Davon war nichts zu sehen. Wochenlang schwieg die deutsche Vertretung einfach. Die anderen verhandelten im Oie Windhose. Oder: Wie ich Friedrich Haase kennen lernte. Von Hans von Zedlih. Friedrich Haase, der berühmte Charakterdarsteller und Gastspielvirtuose, verbrachte die letzten Sommer seines Ledens regelmäßig in Bad Harz, bürg. Das dortige Kurtheater mußte es sich gefallen lassen, mich als blutjungen Anfänger den Ferdinand in „Kabale und Liebe" agieren zu sehen. Mein Lehrer Basil (heute noch Oberspielleiter am Staatstheater München) war zu meinem ersten Auftreten nach Harzburg gekommen. Am nächsten Tage schlenderten wir gemütlich durch die Straßen. Plötzlich sagte Basil, auf einen Balkon in der ersten Etage deutend: „Da sitzt Friedrich Haase!" Und rich- tig, im Lehnstuhl, die Beine in eine Decke gewickelt, saß „er",Jo wie ich ihn von unzähligen Bildern her kannte. Mein Herz begann gewaltig zu schlagen: Hier saß ein König der Schauspielkunst, und ich konnte „ihn" womöglich persönlich kennen lernen! Basil rief ihn an: „Guten Morgen, Herr Haase!" (Haase war damals schon hoch in den Achtzig und etwas schwerhörig.) Es entwickelte sich folgender Dialog. Haase: „Wer ist da?" Basil: „Hier Basil. Kennen Sie mich nicht mehr?" Haase (steht auf und lehnt sich über die Brüstung): Herrjeh, Fritze! Beinahe hätte ich Sie nicht erkannt. Sie haben sich ja die ganzen Haare roegamüfiertl" Basil: „Ja, man wird älter — wir haben uns immerhin einige Jährchen nicht gesehen." Ich (leise zitternd vor Aufregung): „Stellen Sie mich doch bitte vor!" Basil: „Lieber Haase, darf ich Ihnen hier meinen Schüler, Herrn von Zedlitz, vorstellen?" Ich: Tiefe Verbeugung. Haase (ohne mich zu beachten): „Haben Sie gelesen, daß gestern in Braunschweig eine Windhose war?" Basil: „Nein, aber gestatten Sie, daß ich Ihnen meinen Schüler —" Ich (tiefe Verbeugung). .Haase: „So eine Windhose muß was furchtbares fein. Von vierundzwanzig Häusern sind die Dächer zum Teil weggerissen worden." . ?°Ül:e,L,2)a5 schrecklich, aber Sie erlauben, daß ich Ihnen Herrn von Zedlitz —" . Ich: (Verbeugung). Haase: „3n Amerika sind die Windhosen noch viel schlimmer. Da werden nicht nur die Dächer, sondern ganze Häuser umgerissen." Basil: „Das habe Ich auch schon gehört. Aber ver- zeihen, Sie, mein Schüler, Herr von Zedlitz, will Ihnen so gern vorgestellt werden." Ich: (Tiefe Verbeugung). Haase: „Haben Sie eigentlich schon einmal eine Windhose erlebt?" Basil: „Nein, aber mein Schüler würde sich freuen, wenn er —" Basil: „Wenn eine Windhose kommt, und man geht auf der Straße, kann man so durcheinander gewirbelt werden, daß man sich alle Knochen bricht." Basil: „Na, in Braunschweig wird's wohl nicht so schlimm gewesen sein. Hier mein Schüler —" Haase: „Sagen Sie das nicht. Ein paar Leute haben Dachziegel auf den Kopf bekommen." Basil: ,p, das tut mir leid. Mein Schüler, Herr von Zedlitz, hat gestern hier am Kurtheater den Ferdinand — Haase: „Es ist sehr schwül heute — es ist möglich, daß hierher auch mal eine Windhose —" SBtr gaben’s enbgültia auf, grüßten und wollten gehen, da rief uns Haase nach: „Sagen Sie, Fritze uRan'b ^Utcn^' roer 'st denn eigentlich der junge Nun war's doch so weit.'! Ich wurde „ihm" vor- gestellt!!!! Haaie (süßsauer lächelnd): „Schauspieler sind Sie?? Auch so einer von den „Modernen , was? Lernt ja feiner mehr sprechen heutzutage!! Da sitzt man im Theater, versteht kein Wort, und nach jedem Satz m?4‘eoo^a?i WT:. "Wie bitte?? Was haben Sie Und dafür muß das Publikum Eintritt bezahlen?? — No- imponiert mir gar nicht, das „Moderne — noü Sprach's, wandte sich um und verschwand hoheitsvoll in den inneren Gemächern. Ich habe ihn nicht mehr gesehen. Wenige Monate später starb er. • Ein großer Walfisch und eine kleine Sehnsucht. Seitdem die Bilder des Zöllners Rousseau entdeckt wurden und Weltruf erlangten, haben sich findige Leute stets immer wieder auf die Suche begeben, um neue Naturtalente, wie jener Zöllner es war, ans Tageslicht zu fördern. Dazu muß man wissen, daß das Interesse an Malerei in Frankreich noch in weitesten Kreisen fest verankert ist, daß es hierzulande vielleicht ebenso viel „Sonntagsmaler" gibt wie anderswo Sonntagsjäger. Kleine Rentner, Handwerker, Postbeamte, Gemüsehändler setzen sich oft in ihrer freien Zeit an die Staffelei; was bei dieser Arbeit herauskommt, ist wohl in den seltensten Fällen vollgültige Kunst wie die Kunst Rousseaus, aber immer aufschlußreich, rührend uni nicht ohne Reiz für Kenner. In diesem Sinne ist kürzlich in Paris eine neue Ausstellung eines Malers eröffnet worden, der nie im Leben eine einzige Malstunde erhalten hat. Es handelt sich um Monsieur Eugöne, einen kleinen, runden Mann von siebzig Jahren, der wohl früher etwas mit der Eisenbahn zu tun gehabt hat. Er malt grundsätzlich nichts als Fische, von den kleinsten Sardinen bis zum dicksten Hecht im Karpfenteich, von der winzigsten Krabbe bis zum trockensten Stockfisch, der auf dem Erdenrunde zu finden ist. Man glaubt sich in ein Marinemuseum versetzt, oder in ein naturwissenschaftliches Kabinett, denn von allen Seiten glotzen einen Fische an, „Brustbilder von Fischen", „Gesamtporträts", tote oder lebendige Stilleben, in den Tiefen des Meeres, tot am Strande, sterbend auf dem Markt, abgehäutet im Kochtopf, in Soße auf dem Teller— es ist eine wahre Schreckenskammer. Wer aber meint, diese Bilder ließen den Schluß zu, daß Monsieur EugSne ein alter, unver- besserlicher lierquäler sei, der irrt sich gewaltig. Er malt diese Fische, weil ihn Fische ganz besonders interessieren, und weil er Fische liebt. Jahrelang, so erzählt er, hat er mit Hilfe verschiedener Lehrbücher die Anatomie des kleinsten Herings und des größten Delphins eingehend studiert. Er weiß so viel über Fische wie kaum ein anderer lebendiger Mensch. Und bann sollte er nicht das Recht haben, seine Lieblingshaustiere, mit den Augen der Liebe gesehen, auf die Leinwand zu bringen? Kürzlich hat ein französischer Schriftsteller Monsieur Eugene interviewt. Diskret hat er ihn gefragt, er sei doch nun nicht mehr der Jüngste, also — was denn noch sein letzter großer Wunsch im Leben wäre? Darauf blickte der alte Mann nachdenklich zu Boden. Plötzlich leuchteten seine Augen. Und mit verlegenem Lächeln, mit verhaltener Begeisterung kam es ihm über die Lippen: „Ja ... wenn ich einmal einen Walfisch malen könnte ...I" Es wäre wirklich hübsch, wenn man unter einigen reichen Leuten der Pariser Gesellschaft eine Sammlung veranstalten würde, daß man dem alten Mann zu feinem 71. Geburtstag einen ausgeftopften Walfi ch schenken kann ... Gouverneurin und Köchin. „Eine Frau kann eine ebenfogute Gouverneurin wie Köchin fein.“ Das ist die stolze Dehaup- tung, mit der „Ma“ Ferguson bei ihrem neuem Wahlfeldzug um den Posten des Gouverneurs von Texas sich empfahl. „Ma" Ferguson, die gegenwärtig 57 Jahre und Großmutter ist, hat schon einmal diese hohe Staatsstellung im Jahre 1924 bekleidet. Sie hat auch die besten Aussichten, wieder an die Spitze des Staates Texas zu treten, denn sie hat bei der Bestimmung des demokratischen Kandidaten, für den Posten durch die Partei über den Gouverneur Sterling mit 73 000 Stimmen gesiegt. Da die Demokraten in Texas überwiegen, so dürfte Frau Ferguson im nächsten Monat zum Gouverneur gewählt werden. Ihr Gatte „Jim stand auch schon einmal an der Spitze von Texas, wurde aber wegen schlechter Amtsführung angeklagt und von seinem Posten entfernt. Dieser dunkle Punkt in feiner Vergangenheit hält ihn aber nicht ab, für feine Frau bei der diesjährigen Wahl die Propaganda zu leiten. Er reift mit ihr zusammen von Stadt zu Stadt, hält die Wahlreden, mit einem Zylinder und einem bunten Schlips angetan, und singt in Hellen Tönen das Lob feiner Gattin, die neben ihm fitzt und die Wähler mit ihrem freundlichsten Lächeln ansieht. Die Gegner werfen „Ma" vor, daß sie während ihrer Amtsführung von ihrem Begnadigungsrecht allzu reichlich Gebrauch gemacht habe, aber ihr Gatte versichert, daß die 3600 Degnaöigungs- anträge, die seine Frau als Gouverneurin bewilligte, ein Beweis ihres guten Herzens sind und daher zu ihren Gunsten angerechnet werden müssen. Frau Ferguson selbst legt besonderes Gewicht auf ihre hausfraulichen Fähigkeiten. Sie behaup- tet, daß eine tüchtige Hausfrau, die ihren Haus- halt m Ordnung halte, am besten geeignet sei. auch einem Staatswesen vorzustehen. Während sie in dem Regierungsgebäude von Texas die Gouverneursgeschäfte leitete, hat sie zu gleicher Zeit zu Hause die wichtigsten Angelegenheiten erledigt, eigenhändig Obst und Gemüse eingemacht und Marmelade hergestellt. Diese Tüchtigkeit imponiert den Wählern. Als man sie fragte, ob sie auf dem Rat ihres Gatten hören würde, wenn sie wieder gewählt würde, erwiderte sie: „Aber selbstverständlich. Welche ^rau würde das nicht tun?" „Jim" hält das sogar für einen großen Vorteil und ruft den Wählern zu: „Wir bieten dem Volk von Texas ein vortreffliches Geschäft an: zwei Gouverneure für den Preis von einem. Kann man mehr bieten?" Geheimen. Vie deutsche Vertretung tat nichts. Sie schaltete sich nicht in die Auseinandersetzung ein. Sie hat gar nicht recht um die deutsche Gleichberechtigung gekämpft. Sie hat sich nicht entschlossen und offen neben die Aussen gestellt, die doch in dieser Frage durchaus den gleichen Standpunkt vertreten wie wir. Und sie hat nicht einmal erreicht, dah auch nur einer unserer früheren Kriegsverbündeten, nicht einmal die Türkei, die am allerwenigsten Rücksicht auf die anderen zu nehmen braucht, für uns gestimmt hat. Das Schlußnein hätte eine ganz andere Wirkung haben können, wenn die Taktik bis dahin eine völlig andere gewesen wärel Drei Grossmächte standen also für sich: Ruhla n d und Deutschland, die mit nein stimmten, Italien, das sich enthielt. Dazu patzt es, dah auf der anderen Seite England und Frankreich in dem sog. Konsultativpakt sich fester zusammengeschlossen haben. Dieser ist zwischen ihnen hinter dem Rücken aller anderen Teilnehmer in Lausanne fertiggestellt worden. In absichtlich schwammigen Sähen legt er die Zusammenarbeit der beiden Mächte in den Zentralfragen der nächsten Zeit fest. Für Frankreich war das ein grotzer Erfolg, den Herriot auch gleich in die Welt hinausposaunte. Das wieder war für England unangenehm, weil die Wirkung auf Amerika miserabel war. Aber das ändert nichts daran, dah auch England wuhte, was es diesen Pakt schloß. Er erneuert die „Entente cor- diale“. In der Schuldenfrage, in der Rüstungsfrage, für die Weltwirtschaftskonferenz — und das sind ja eigentlich alle großen Fragen der Weltpolitik — hält England jetzt, auch auf die Gefahr einer Verstim- mung Amerikas, ein enges Zusammengehen mit Frankreich für nützlich. Die englischen Motive begreifen wir. Wer in Lausanne und Genf von England viel anderes erwartet hat, versteht die ganze Situation des englischen Weltreichs von heute nicht. Der Pakt soll harmlos sein, denn jedermann ist zum Beitritt willkommen. Man verhandelt ja auch darüber, und Deutschland scheint da- zu bereit zu sein. An unserer Beurteilung des Abkommens ändert das gar nichts. Plante man wirklich eine Verabredung, in wichtigen Fragen in Fühlung zu treten (wozu es übrigens gerade genug Gelegenheiten und Möglichkeiten gibt), so mußte der Plan schon im Entstehen vorgeschlagen und erörtert werden. Den fertigen Bund von zwei Mächten zu präsentieren zum gefälligen Anschluß für andere, heißt, indem man ihn scheinbar harmlos gestaltet, ihn nur noch fester machen. Darum erscheint uns der Beitritt Deutschlands zu diesem Pakt mindestens überflüssig und auch übereilt. Hat man sich im Auswärtigen Amt überlegt, wie der Pakt in Washingtoe und In Moskau wirken muß? Das Beste an dem Pakt würde sein, wenn er sich als im ganzen wirkungslos herausstellt. Wir fürchten, daß das nicht der Fall sein wird, sondern daß die deutsche Politik in allen weiteren Erörterungen sehr ernst mit der Tatsache einer englisch-französischen Geschlossenheit rechnen muß. Des weiteren ist am 25. Juli der russisch- polnische Nichtangriffspakt unterzeichnet worden. Damit kommt eine lange und zielbewuht geführte russische Aktion zum Erfolg. Was sie will, ist klar: die Friedenspolitik betonen für den Fall, daß der fernöstliche Konflikt ernstere Formen annimmt, noch mehr für den Fall, daß die antibolsch.'- wistische Strömung in Europa zu der sog. „Ami- forojetfront" führe. Rußland bereinigt mit diesem Nichtangriffspakt unter Anerkennung der polnischen Grenze — was ihm nichts kostet — fein politisches Verhältnis zu Polen und bahnt sich den Wetz zur Verständigung mit Frankreich, die es längst erstrebt. Auf diesem Wege ist somit ein großer Erfolg erzielt. Denn wie erinnerlich, gingen dem Pakt mit Polen ja die gleichen Pakte mit Finnland, Estland und Lettland voraus. Nur der mit Rumänien fehlt noch, ober das ist jetzt lediglich ein Schönheitsfehler. Polen kam diesen Absichten entgegen. Es gewinnt die Sicherheit seiner Ostgrenze, es beweist Frankreich seine Friedenspolitik und arbeitet in einer Richtung, die auch in Frankreich gewünscht wird, nämlich daß Polen und Rußland keine Feinde seien und daher das polnisch-französische Bündnis in bezug auf die Ostgrenze Polens keine Spannung erfahre. Die logische Weiterbildung ist dann, daß Rußland und Frankreich ebenfalls zu einem solchen Pakt kämen, und damit wäre das System geschlossen. Was bedeutet das,für uns? Es fei daran erinnert, daß wir aus diesem Paktsystem durchaus nicht ausgeschlossen sind. Mit Deutschland wie mit Litauen hat ja Rußland seit Jahren, seit 1926, bereits einen Nichtangriffspakt — für uns ist das her bekannte Berliner Vertrag. Also soweit Verträge tn Frage kommen, ist alles gut und in Dränung. Wir sehen auch darin keine Bedenken, daß, wie die polnische Presse befriedigt feststellt, nach diesem Pakt Rußland im Falle eines Angriffs auf Polen neutral bleiben würde, denn Deutschland denkt gar nicht daran, Polen anzugreifen. Umgekehrt: Würde ein Angriff Polens erfolgen, so gilt dieser Pakt für Rußland ebensowenig, wie z. B. im Fall eines Angriffs Rußlands auf Rumänien der Nichtangriffspakt für Polen gälte, das dann automatisch en Rumäniens Seite stehen würde. Das ist nicht der springende Punkt, sondern eine sozusagen friedliche Einkreisung. Man stelle sich das ganze System vor: Rußland und Polen, Rußland mit den anderen Randstaaten gleichfalls, Polen und Frankreich, Rußland und Frankreich schließlich auch, dann fehlt im ganzen System nach französischer Auffassung ja weiter nichts als — das letzte, nämlich bas Verhältnis zwischen Deutschland und Polen, noch genauer gesagt: d i e Anerkennung der polnis ch e n West- grenze durch Deutschland. Man sieht die Maschen des Gewebes und man steht, daß die deutsche Ostpolitik wahrhaftig nicht auf den Verträgen, wie sie heute sind, einfach ausruhen darf. Das Ergebnis im ganzen ist für Deutschland wenig erfreulich: England und Frankreich — der große Erfolg Herriots — aefchlosfen, die Passivität Italiens und die Schwäche Amerikas, das im Osten sich an- spinnende Gewebe: alles das geht auf eine Isolierung Deutschlands zu, wie wir sie feit langem nicht erlebt haben. Im Getöse des Wahlkampfes achten wir wenig darauf. Nach den Wahlen aber wird cs nun höchste Zeit, an die Folgerungen daraus zu denken. Denn wirklich, der Ausgang der Lau- fanner und der Genfer Konferenz sind ein Einschnitt tn der großen Politik von sehr großer, dauernder und darum sehr folgenschwerer Bedeutung. In sehr vieler Beziehung heißt es für die deutsche Außenpolitik jetzt mit Ueberlegung und Entschlossenheit ein neues Kapitel anfangen! einem Ordensbruder gelegentlich eines jungdeut- l'chen Konvents gewisse Parteien gegenüber anderen in Empfehlung gebracht worden feien. Diese Meldung ist frei erfunden. Gegen den Urheber der Nachricht wird von uns ein Ehrengerichtsoerfahren eingeleitet. Weiter werden gegen Urheber und Verbreiter dieser Verleumdung alle zur Abwehr derselben gangbaren Wege beschritten werden. Die Führung und alle Glieder des Iungdeutschen Ordens lehnen eine Erklärung zu Gunsten irgendeiner Partei scharf ob. Unsere Haltung am Tage der Reichstagswahl beruht auf der Eigengesetzlichkeit unserer hündischen und nationalen Politik, die wir seit der Gründung des Jungdeutschen Ordens verfechten." *• Die Schwimmhalle deS Städti- Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 1. August 1932. August. August. Monat der Erfüllung: deine Hände halten den Erntekranz, und gleich Fortuna trägst du ein Füllhorn: doch nicht Gold rieselt daraus auf die beglückte Menschheit, sondern „golden" rieselt es von Aehren. Soweit die Felder sich dehnen, stehen Halme mit demütig gebeugtem Haupt. Der Gottessegen, den sie tragen, der Menschen täglich Vrot, liegt in schwerer Körnerfrucht im Leib der Aehre. And weil sie fruchtbar sein, schenken darf und auf Gottes Anordnung dazu ausersehen ist, steht sie wie ein demütig Weib. Was war es doch für ein Iauchzen gewesen in der Ratur, als sie geboren wurden, die jungen Getreide- und Grashalmlein: Sonnenschein, Lerchentrillern und fröhlich an den Wegrainen wandernde Menschen. Die Pflänzlein bekamen ihre Rahrung und spielten im lustigen Winde. Und bald waren sie so groß geworden, daß ein Kind sich darin verstecken konnte — und da sahen sie auch, dah unter ihnen fremder Leute Kinder wohnten: die Kornblumen, Feldmohn und Wicken genannt wurden. Es waren allerliebste Gesellschafter mit reizenden bunten Dlumenköpfchen, mit denen sie lustig nickten und winkten. Lind noch etwas hatten sie zu Gast: in kleinen festen Restern piepsten junge Vöglein. Den ganzen Tag schrien sie nach Futter, und ihr Mütterchen hatte so viel zu tun, den kleinen Rimmersatten die Schnäbel mit allerlei Insekten zu stopfen... So wuchs das alles zusammen groß: Getreide, Dlumenkraut und die jungen Vögel. Es war manchmal gar lebendig. Am schönsten aber war es, wenn ein leichter Ostwind über sie hinfuhr und die Sonne schien; dann wurden sie recht zu übermütigen Kindern. Morgens tranken sie Tau, schwatzten, wippten und nickten und ließen sich abends von den Vöglein in den Schlaf singen. Gab es aber Regen oder gar starke Stürme, dann schmiegten sie sich eng aneinander und suchten, wenn Thor seinen Donnerhammer schwang und unaufhörlich Blitze zuckten, aneinander Schutz und Stütze. So teilten sie Leid und Freud getreulich. Lind das Getreide wurde groß und schwer, von Körnern reif — und die Blumen verloren ihre Dlütenköpfchen und bekamen Samen- knollen — und die Vöglein übten ihre Flüge über Wald und Feld und stiegen hoch — hoch hinauf. Der Landmann rüstete die Scheunen, damit Platz ward für das neue Getreide. Die Mähmaschine wurde ordentlich geprüft, Knechte und Mägde, die mit „Binden" Bescheid wissen, wurden eingeteilt, ebenso die Einfuhrleute und Gespanne. Lind eines Tages klang ein harter schneidender Ton vom Rain her. Es war der Schnitter, der seine Sense dengelte. Lind sie zogen heran in langen Reihen mit ihren scharfen Sensen, und Korn und Blumenkraut starben unter dem vernichtenden Schnitt ... Der Vöglein letzter Flug geht über hingemähtes Getreide, weit fort über das Meer. Lind wenn sie wiederkommen und groß sind und sich selbst einen Hausstand im deutschen Acker gründen wollen, dann finden sie die Gespielen der Kindheit nicht mehr. Reues, junges Leben reift dann wieder einer neuen Ernte entgegen. M. Gr. Siraßenanliegerbeiiräge und Grunderwerbsteuep. In den vom Wirtschaftsprüfer und Bücherrevisor Hermann Will zu Gießen heraus- gegebenen „Aktuellen Steuerfragen" (Rundschreiben Rr. 15) lesen wir: „In einem Urteil vom 5. Ianuar 1932 — II A 266/31 — nimmt der Reichsfinanzhof zur Bedeutung der Stratzenanliegerbeiträge im Rahmen der Grunderwerbsteuerpflicht Stellung: er erklärt: Straßenanliegerbeiträge sind gemeine Lasten und beeinflussen deshalb den Grundstückswert. Sie sind bei der Bestimmung des steuerpflichtigen Veräutzerungspreises nicht besonders in Ansatz zu bringen. Dies gilt jedoch nur von den auf Die Desihzeit des jeweiligen Eigentümers entfallenden Leistungen. Verpflichtet sich bei einem Veräuherungsvertrag der Erwerber gegenüber dem Veräußerer, für rückständige öffentliche Abgaben, die schon vom Veräußerer hätten entrichtet werden müssen, aufzukommen, so wird durch diese rückständigen Leistungen nicht etwa der Wert des Grundstücks vermindert. Es handelt sich vielmehr insoweit um eine vom Erwerber übernommene Leistung, die einen Teil des steuerpflichtigen Veräußerungspreises bildet. Verpflichtet sich umgekehrt der Verkäufer gegenüber Dem Erwerber zur Zahlung der Anliegerbeiträge, die erst nach der Grundstücksübertragung fällig werden, so ist das eine besondere Leistung neben der dem Verkäufer nach dem BGB. obliegenden Liebergabe oder Liebereignung des veräußerten Grundstücks. Hat endlich ein Eigentümer zukünftig fällig werdende Strahenanliegerbeiträge bereits gezahlt oder sichergestellt in der Weise, daß der spätere Erwerber gegen jede Inanfpruchnahme gesichert ist, so kommt eine entsprechende Werterhöhung in Frage." Vornotizen. — Tageskalender für Montag: FGF. Hauptübung 20.15 Llhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „So ’n Windhund". k ** Von einer Militärpatrouille fe st genommen. Der heutige Polizeibericht meldet: Am Samstagabend wurde ein aufziehen, der Posten der Reichswehr an den Baracken in der Kaiserallee von einer Anzahl Kommunisten belästigt und bedroht. Im Laufe der Rächt konnten auf dem Trieb in der Rähe des Handgra- naten-Wurfstandes vier Personen, die mit Knüppeln, Stöcken und einem Revolver versehen waren, von einer Militärpatrouille feftgenommen werden. Die Verhafteten wurden noch in der Rächt der Polizei übergeben, welche die Vorführung an das Amtsgericht veranlaßte. Rach der richterlichen Vernehmung wurden die Vier wieder auf freien Fuß gesetzt. ** Iungdeutscher Orden und Reichstagswahl. Der Großmeister der Bruderschaft Gießen des Iungdeutschen Ordens bittet uns um die Ausnahme der nachstehenden Erklärung: Don feiten eines ehemaligen Ordensbruders wurde vergangene Woche ein falsches Gerücht in Umlauf gesetzt über die Stellungnahme des Iungdeutschen Ordens zur Reichstagswahl am 31. Juli. Vorgenanntes Gerücht besteht in der Behauptung, daß von schenDolksbadesgeschlossen. Die wegen Instandssehungsarbeiten notwendige Schließung des Dolksbades beschränkt sich nur auf die Schwimmhalle. Alle anderen Bäder sind geöffnet. "VerbilligteEonderzugfahrtnach Oberammergau. Die Hamburg-Amerika Linie Gießen teilt uns mit, daß vom 7. bis 14. August wieder eine billige Sonderfahrt mit der Reichsbahn nach Oberammergau mit 50 Prozent Fahrpeisermähigung stattfindet. Die Reise beginnt in Frankfurt a. M. und schließt Bahnfahrt im Sonderzug, volle erstklassige Verpflegung, beginnend mit dem Abendessen am ersten Tag in Ober, ammcrgau und endigend mit dem Mittagessen am 7. Tag in München ein. Llnterkunf t in guten Hotels, Gasthäusern, Pensionen und guten Privatzimmern in Oberammergau. Llebemachtung mit Frühstück und Bedienung in München in guten Hotels. Ferner sind vorgesehen: Begrüßungsabend und Festspielaufführung in Oberammergau. Autoausflug nach den Königschlössern — Reutte—Lermoos— Garmisch. Besichtigung des Klosters Ettal und der weltberühmten Benediktinerabtei. Sachkundige Führung durch das Passionsdorf Oberammergau. Räberes in der heutigen Anzeige. *• Richtigstellung zum Gießener Wahlergebnis. Bei der Anmerkung zu dem in unserer heutigen Frühausgabe mitgeteilten Ergebnis der Reichstagswahl in Gießen ist ein Irrtum bei dem Auszug der Zahlen unterlaufen Richtig muß es heißen daß gestern 24 387 Stimmberechtigt e hier vorhanden waren, von denen 20 753 ab stimmten. In der vorgenannten Zahl der Stimmberechtigten sind 1206 Inhaber von Stimmscheinen von auswärts mit enthalten Das Ergebnis in Hessen-Darmstadt Darmstadt, 31.Iuli. (WSR.) Don den 953 777 Wahlberechtigten wurden 853 658 Stimmen abgegeben. Stimmscheine wurden 30 274 abgegeben. Als ungültig mußten 6639 Stimmen erklärt werden. Die Wahlbeteiligung betrug also genau 8 6,7 Prozent. Die Stimmen verteilen sich prozentual auf die Rationalsozialisten mit 42,7 Prozent (bei der letzten Landtagswahl 44 Prozent), mit 26 Prozent auf die Sozialdemokraten und Redikaldemokraten, mit 14,5 Prozent auf das Zentrum, mit 10,4 Prozent auf die Kommunisten und die SAP. Von den übrigen Gruppen erhielten die Deutsch- nationale Volkspartei mit dem Radikalen Mittelstand zusammen 1,8 Prozent, die Deutsche Volkspartei sank prozentual auf 1,3 Prozent, während die Christlich-Sozialen mit der Volksrechtspartei mit 0,9 Prozent bereits unter der 1-Prozent- Grenze blieben. Rach dem Ergebnis sind in Hessen gewählt. von den Sozialdemokraten Mierendorf, Darmstadt: Ritzel, Gießen, und Weber, Offenbach: von den Rationalsozialisten Lenz, Kern, Rosenberg, München: Ringshaus e n, Offenbach; Schneidhuber, Koblenz, und Dr. Wagner: von den Kommunisten Remmele, Berlin; vom Zentrum Dr» Brüning: Pr. Dockius, Mainz, und Regierungsrat Knoll, Darmstadt. Provinz Starkenburg. Soz. 112103 (86 982), Rats. 147 817 (135 133), Komm. 54 380 (49 277), Zentrum 57 614 (47 003), Dn. 5409 (3351), DVP. 6389, Wp. 977, Stp. 1850, Chr.-Soz. 4666 (zus. 12 336), sonstige 1006. Provinz Rheinhessen. Soz. 53 115 (43 615), Rats. 90 045 (90 865), Komm. 20 863 (22 245), Zentrum 50 513 (52 638), Dn. 3990 (2868), DVP. 3585, Wp. 1061, Stp. 2015, Chr.-Soz. 2138 (auf. 7222), sonstige 1015. kreis Groß-Gerau. Soz. 11579 (9039), NS. 14119 (12 721), K. 8639 (7668), Z. 2876 (2470), Dn. 360 (313), DDp. 476, Wp. 102, Stp. 206, Chr.-Soz. 371 (zus. 986). kreis Offenbach. Soz. 39 025 (30064), NS. 30 132 (28 066), K. 19 214 (16 677), Z. 20 250 (17 267), Dn. 1333 (873), DVp. 1188, Wp. 461, Stp. 610, Chr.-Soz. 913 (zus. 3105), Sonstige 371. Stadt Worms. Soz. 7521 (5440), NS. 11 781 (11 808), K. 4648 (4795), Z. 3384 (3119), Dn. 710 (470), DVp. 1230, Wp. 25, Stp. 226, Chr.-Soz. 411 (zus. 1242), Sonstige 63. Hessen-Nassau. (Die Zahlen in Klammern sind Vergleichszahlen von der Landtagswahl vom 24. April 1932.) kreis Wehlar. Soz. 13 054 (11 580), Rats. 19 857 (18 825), Komm. 2912 (2099), Zentr. 821 (780), Dn. 2391 (2057), DVP. 834 (1120), Wp. 66 (311), Stp. 906 (946), Lv. 122 (773), Chr.-Soz. 645 (999), SAP. 324. kreis Marburg-Stadt. Soz. 2177 (2432), NS. 8472 (8939), K. 882 (759), Z. 1037 (930), Dn. 1856 (1 495), DVp. 517 (601), Wp. 16 (102), Stp. 207 (445), Chr.-Soz. 240 (472). kreis Marburg-Land. Soz. 4 250 (3 215), NS. 13 421 (13 334), K. 1248 (1030), Z. 781 (751), Dn. 973 (775), DVp. 183 (202), Wp. 13 (44), Stp. 95 (233), Lo. 20 (52), Chr.-Soz. 334 (461). kreis Kassel-Stadt. Soz. 30 501 (30 332), Rats. 44 272 (46 169), Komm. 11 789 (9388), Zentr. 4624 (4302), Dn. 6687 (6124), DVP.1891 (2506), Wp. 73 (462), Stp. 1199 (2340), Lv. 73 (73), Chr.-Soz. 2037 (2728). Kreis Kassel-Land. Soz. 14 706 (14 620), Nats. 14 540 (14 173), Komm. 6222 (5090), Zentrum 252 (214), Dn. 793 (688), DVP. 162 (262), Wp. 63 (131), Stp. 193 (266), Lv. 22 (98), Chr.-Soz. 627 (677). kreis Biedenkopf. Soz. 6085 (5501), Nats. 20 342 (19 635), Komm. 969 (623), Zentrum 136 (86), Dn. 1757 (1238), DDP. 282 (347), Wp. 47 (101), Stp. 113 (232), Lv. 104 (563), Chr.-Soz. 877 (1249). Diltkreis. Soz. 4445 (3752), Nats. 20 980 (20 332), Komm. 1309 (1077), Zentr. 565 (504), Dn. 1975 (1799), DVP. 356 (417), Wp. 23 (82), Stp. 107 (197), Lo. 117 (317), Chr.-Soz. 1400 (1917). kreis Limburg. Soz. 4826 (3265), Nats. 8271 (7735), Komm. 2427 (1878), Zentr. 16 667 (15 665), Dn. 663 (398), DDP. 325 (589), Wp. 117 (345), Stp. 42 (201), Lv. 650 (2210), Chr.-Soz. 60 (203), sonstige 134. kreis Wiesbaden. Soz. 21 240 (19 495), Nats. 42 589 (38 097), Komm. 12 188 (11 128), Zentr. 11 866 (10 571), Dn. 3836 (33 78), DDP. 2931 (46 91), Wp. 744 (2143), Stp. 1251 (3015), Lv. 48 (208), Chr.-Soz. 1872 (1637). kreis Aulda-Stadt. Soz. 1 486 (1 199), NS 3 059, (3 124), K. 1978 (1375), Z. 8 360 (8 595), Dn. 373 (356), DDp. 86 (178), Wp. 60 (102), Stp. 22 (131), Lo. 5 (26), Chr.- Soz. 156 (204). kreis Julba-Canb. Soz. 1618 (1143), Nats. 2368 (2603), Komm. 1848 (1513), Zentr. 18 229 (18 856), Dn. 380 (241), DDP. 105 (121), Wp. 68 (155), Stp. 32 (58), Lo. 29 (143), Chr.-Soz. 44 (37). Stadt Frankfurt a. M. Soz. 85 913 (79 982), Nats. 127 261 (117 492), Komm. 45 095 (45 200), Zentr. 46 194 (40 815), Dn. 8684 (7415), DDP. 7398 (13 739), Wp. 1828 (47 50), Stp. 2301 (10 059), Lo. 173 (566), Chr.-Soz. 3917 (7155), Radikaler Mittelstand 395, SAP. 1069. Gültige Stimmen 330 737. FERIENMARKE MEMPHIS III. SORTE ROS EN KAVALIER fERIENMARKe feRienmarke AS MU Ml. Original-Roman von Anny von panhvys. Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig. 22 Sortkt j- Nachdruck verboten I Celias Augen strahlten ihn noch immer an und der kleine Mund lächelte: ..Ich darf Ihnen ein wenig helfen bei dem großen Werk, nicht wahr?" Er neigte den Kopf. Sie stammelte: „Ich dan^e Ihnen herzlichst", und ehe er es sich versah, hatte sie seine Hand, die zwischen ihren beiden Händen log, hochgerissen an die Lippen. Er zog hastig die Hand zurück, „älmgelehrt ist's richtig", lächelte er und küßte ihre Hand. Sie schlug den Blick nieder und wartete etwas beklommen, was nun käme. Werner Sturm hielt die Hand fest. „Liebe Gräfin Celia, nachdem ich eingesehen habe, wir beide verstehen uns so gut, wie ich es nie geglaubt hätte, erwidere ich Ihnen auf Ihr menschenfreundliches Angebot, ja, ich nehme es gern an, aber ich tue es nur unter der Bedingung, baß Sie meine Frau werden." Sie hätte am liebsten laut gejubelt: Gesiegt! Aber sie hob nur den Blick und flüsterte: „Ich liebe dich, Werner!" Er muhte in diesem Augenblick daran denken, wie Lil zu ihm gesagt: Ich habe dich lieb, Werner, über alle Mähen lieb! Auf der Brücke zwischen Frankhirt und Sachsenhausen war es gewesen, und die Llfer hatten unter einer leichten Schneehülle so phantastisch dagelegen, so verwandelt. Ich habe dich lieb, über alle Mähen liefe! Wie stark schienen ihm die Worte damals, als sie gesprochen wurden, und waren doch nur armselig und unfeedeutend gewesen. Wie in der Sonne die leichte Schneehülle zerrann, so war auch Lils Liebe zerronnen. Er fühlte, wie sein Herz weh tat, das törichte Herz, das trotz allem Ver- gesfenwollen doch noch manchmal aufbegehrte. Celia dauerte die Pause zu lange. Sie wiederholte: ..Ich liebe dich!" Lind sie bog sich vor, bot ihm den Mund, dah er sie küssen sollte. Sekundenlang zögerte er noch, sekundenlang war all sein Denken und Fühlen noch bei Lil — und dann kühte er Celia. Er war ja auch nur ein Mensch, die schöne Gräfin, die so willig in seinem Arm lag, machte ihn warm. Er kühte sie wieder und wieder. Lind sie schlang die Arme um seinen Hals und schmiegte sich fest an ihn. Endlich hatte sie erreicht, was sie schon seit langem gewünscht. Nun würde sie Werner Sturm heiraten, der jetzt eine so grohe Nolle als Arzt spielte, und sie würde als Gattin eines gefeierten Mannes mitgefeiert werben. Sie begehrte ihn auch als Mann. Seine Küsse berauschten sie, und sie freute sich, ihre Rolle heute so geschickt gespielt zu haben, dah er sich in der Schlinge gefangen, die sie für ihn zurechtgelegt. Sie liebte ihn, was sie unter Liebe verstand, aber es würde ihr nicht einfallen, als seine Frau ein stilles, zurückgezogenes Leben zu führen, wie er jetzt wahrscheinlich glaubte. Sie liebte Lärm, Musik, Tanz und lustiges Beisammensein, sie liebte es, durch immer neue, kleidsame Toiletten den Herren zu gefallen und den Neid ihrer Mitschwestern zu erregen. Sie liebte den Gesellschaftstrubel und dachte nicht daran, sich darin zu ändern. War sie erst verheiratet, wollte sie sich schon mit Werner darüber einigen. Sie war schön und gescheit genug, mit einem Manne fertig zu werden, der so verstiegenen blöden Idealen nachlief wie er. Bor allem beabsichtigte er, auch armen Gelähmten zu helfen, solchen, die nichts bezahlen konnten. Ünd er hatte das auch schon getan. Sie würde ihm, wenn sie erst verheiratet waren, bald klarmachen, dah sich ein kluger Mann an seiner Stelle an die reichen Kranken halten muh. Cs würden ja bald Kranke aus aller Welt kommen, um seine Hilfe zu erbitten. Die Multimillionäre sollten ihre Kassen weit öffnen für die Heilung, und wenn ein wenig bemittelter Mensch seine letzte Mark hergab, brauchte es ihn auch nicht kümmern. Die Hauptsache war es, die Gelegenheit wahrzunehmen. Sie würde ihn schon umkrempeln, aber mit Llmkrempelungsversuchen durfte sie erst nach der Hochzeit beginnen. Das Geld, das sie für das Krankenhaus hergeben wollte, muhte sich reich verzinsen. Das alles glitt durch ihren Kops, während sie sich küssen lieh. Er gab sie frei und lächelte: „Das hätte ich wahrhaftig nicht gedacht, dah ich als dein Berlobter heute dein Haus verlassen würde." Er sah sie an und er stellte fest, er konnte wahrhaftig zufrieden sein, eine der hübschesten Frauen Frankfurts wurde die seine. Sie erhob sich. „Wir trinken jetzt zusammen ein Gläschen Sekt, Werner, dann begleite ich dich zu deiner Mutter, ich freue mich ja so unbändig, deine Frau zu werden, deine Mutter muh das als erste hören." Celia wuhte, wie sehr Werner Sturm an seiner Mutter hing, und der Sah war von ihr genau überlegt worden. Ihm gefiel der Satz besonders. Wie schlecht hatte sich Lil mit seiner Mutter gestanden, und wie nett war der Ton, in dem Celia von seiner Mutter sprach. In Gedanken bat er iHr noch einmal ab, wie sehr er sie verkannt. Acht Tage später feierten Werner Sturm und Celia Kurzmann Berlobung, zur größten Freude von Werners Mutter und der Frau von Welp. Werner redete sich ein, er wäre jetzt vollkommen glücklich und zufrieden. Er hatte sich schon einmal einbilden wollen, Lil wäre gestorben. Damals als sich herausstellte, sie war mit einem kleinen Wanderzirkus, der am Schönhof sein Zelt aufgeschlagen, mitgezogen, und was ihm damals nicht gelungen war, muhte ihm diesmal gelingen. Sobald jetzt noch einmal Lils Bild vor ihm auftauchte, wollte er es fortjagen in die Gruft zurück, in die es gehörte. 16. Kapitel. Lil möchte Werner helfen! In einem vornehmen Hotelsalon Londons sahen sich Lil und Melchior Stampfer! gegenüber. Seit Lil in Neapel den Artikel über Werner gelesen, ging es ihr fortwährend im Kopfe herum, wie konnte sie ihm helfen. Er brauchte Geld für ein Krankenhaus. Ihr Bankkonto wuchs, sie war in der Lage, ihm zu helfen, und hatte auch die feste Absicht, es zu tun. Aber auf welche Weise es geschehen konnte, das wuhte sie noch nicht. Merken durfte er nichts davon, dah sie mit der Hilfe etwas zu tun hatte. Sie hatte eben Melchior Stampfer! erzählt, was sie vor hatte, und er antwortete: „Laß die Finger aus dem Spiel, Mädelchen, es bringt dir nur Enttäuschung und Aerger ein.“ Sie beharrte auf ihrem Vorhaben. „Ich habe mir das schon genau überlegt", erklärte sie, „einen Anwalt, wie bei dem Bezahlen von Vaters letzten Schulden, darf ich nicht mit der Sache beauftragen, weil ich fürchte, dabei käme möglicherweise heraus, ich stecke dahinter, und dann weist Werner das Geld sicher zurück." „Weiht du, was du bist, kleine Lil?" fragte der Alte. „Natürlich weih ich das. Ich bin der Clown Fix, der schon ziemlich weltberühmten Nummer .Fix und Nix', eine Weltstromerin, die heute hier und ein paar Wochen später an ’ner ganz entgegengesetzten Ecke der Welt Purzelbäume schlägt. Sonst bin ich nichts, und trotz dem vielen Geld, was man mir gibt, ein ganz armes Ding, wenn ich dich nicht hätte, du lieber, guter Kevk" Der Alte sah sie lange an. „Ein Engel bist du, Lil, ein leibhaftiger Engel! Dieses Doktorbqrönchen benimmt sich wie ein verknöcherter Schulmeister, quält dich ebenso wie seine Mutter, beide treiben dich dadurch in den Iammerzirkus von_ Johann Gerhard, und du willst ihm noch dafür helfen, seine großen Pläne auszuführen. Ich gebe ja zu, was der Doktor vorhat, ist etwas Gutes, aber du, gerade du, hast nicht den geringsten Grund, ihm bei der Erreichung seines Zieles zu helfen." — Lils Augen verschleierten sich. — „Es ist wahrscheinlich alles richtig, was du sagst, ich weih es nicht, aber vielleicht hatte i ch damals auch etwas unrecht. Weiht du, jetzt, nachdem doch schon ein paar Jahre darüber hingegangen, sieht alles anders aus. Doch das ist gleich, ich möchte ihm ja nur Helsen und ich wollte dich um deine Vermittlung butten. Aber wenn du es so hart auffaht, wage ich meine Bitte gar nicht." Melchior Stampfer! fuhr sich über die weihe Perrücke, die so tadellos gearbeitet war, dah man glauben muhte, das dichte, weihe Scheitelhaar wäre auf seinem Kopf gewachsen. „Es gibt nichts, Lil, um das du mich nicht bitten dürstest", beteuerte er. „Du hast mich Alten, der schon bei einem Zirkus Gerhard überflüssig war, aus dem Dreck gezogen, mich vor einem bösen Sterben aus Not bewahrt, wenn ich dir mit irgend etwas dienen kann, dann fordere es von mir. Was im Bereich meiner Kraft liegt, tue ich für dich." Lil lächelte schon wieder. „Du bist gut, Onkel, und ich habe dich lieb, als wenn du mein wirklicher Onkel wärst. Nein, lieber habe ich dich. Richtige Verwandte sind oft gar nicht angenehm. Llnd nun pah auf, wie ich mir deine Vermittlung bei Werner Sturm denke. Ich habe mich schon oft damit beschäftigt und es mir zurechtgelegt. Soweit ich es beurteilen kann, mühte alles, wie ich es mir ausdachte, gut klappen." Sie begann auf ihn einzusprechen und er hörte aufmerksam zu. Llnterbrach sie nur ab und zu mit einer kurzen Frage. Lange sahen die beiden diesen Nachmittag beisammen, und schließlich erklärte Melchior Stampfer!: „Ich will deinen Auftrag gut ausführen, keinen blassen Schimmer soll er davon haben, dah du deine Hand im Spiel hast. Sollte er nicht darauf eingehen, kann ich nichts dafür, ich werde tun, was irgend möglich ist, um den gerissensten Diplomaten zu beschämen." Lil reichte ihm die Hand. „Ich danke dir, Onkelchen, in vierzehn Tagen sind wir wieder in .Deutschland, dann suchst du Werner Sturm auf. Er nickte: „Ja, dann suche ich ihn auf, und bei der Gelegenheit sehe ich mir den Mann ganz genau an, der eine Lil forttaufen lieh in die weite Welt." Lil seufzte, aber sie schwieg. Erst nach einem Weilchen meinte sie: „Wollen wir nicht ein bihchen ausgehen, Onkel, es ist zwar kein besonders schönes Wetter, aber so lange wie wir schon in London sind, regnete es oder man konnte vor Nebel keine drei Schritt weit vor sich sehen. Heute ist's erträglich. Ein Stündchen im Hyde- park wird uns gut tun vor der Vorstellung heute abend." (Fortsetzung folgt.) Lichtspielhaus ♦Gießen Ab heute der stürmische Lach - Erfolg: Son Winfllnind Nach dem Schwank von Arthur Hoffmann. Mit den bekanntesten Stimmungs - Kanonen: Ralph Arthur Roberts Max Adalbert /Lucie Englisch Johannes Riemann Henry Bender. 5612 c Eine lustige Angelegenheit, die Ihnen zeigt, was alles bei einer Bürgermeisterwahl passieren kann, wenn sich zwei Kanonen, wie ROBERTS und ADALBERT, um diesen so begehrten Posten bewerben! Gutes Beiprogramm! — Ufa -Ton -Woche! Zwangsversteigerung 8V30 Am Montag, dem 8. August, vormittags 9 Uhr, wird im Amtsgerichtsgebäude zu Gießen, Zimmer 107, das im Grundbuche von Gießen dem Ferdinand Alffen und Ehefrau Amalie, geb. Hahn, in Gießen zugeschriebene Anwesen Licherstraße 29, Flur III, Nr. 2735/io = 186 qm Hofreite, Flur III, Nr. 273e/10 = 159 qm Grab' garten, geschätzt 25 263 NM., versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 1. Juli 1932. 5004V 3. A. des Hess. Amtsgerichts Gießen. Leo, Ortsgerichtsoorsteher. Zwangsversteigerung 17/32 Am Montag, dem 29. August 1932, vormittags 9 Uhr, wird im Amtsgerichts- aebäude zu Gießen, Zimmer 107, das im Grundbuche von Gießen dem Pferdehändler Leopold Löb in Gießen zugeschriebene Anwesen Nordanlage 1, 5330V Flur 1, Nr. 1236“/ioo = 446 qm hofreite, geschätzt 35 000 RM., versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 15. Juli 1932. I. A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsoorsteher. GeleMeiiskauf!! 4 Perser-Teppiche [eiten schöne Stücke in verschiedenen Großen, ferner 6 Perser - Brücken sind besonderer Umstände halber zu jedem annehmbaren Preise zu verkaufen. HK,ristliche Angebote unter W. N. 3600 (oblbv) an den Gießener Anzeiger erbeten. [Vermietungen | m. 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Rodheim mit Hl Rödgen . , . Wthgcs . . . Rüddingshausen Ruttershausen m Caaien m. Bolli Beitsberg und Gfanflcnroi) . , btausenberg nt Eteinbach . Aeinheim. ‘ * btockhausen. . üais-Hoilosf. . Deis a.d.Lda. . Trohe . , , Aphe. , , * Minzen , * ' Sojenbom m. '< Aenlart-Hain. Aersham . . Aieseck . Mitiale sK SK sZx (i?Cl fcnten.Ä Minute3« ®el' ^Ser $ri tiU&S Ende°h. SflS :<*■ Nr. 1?8 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Montag, August 1932 Die Reichstagswahl im Kreise Gießen "55MD 56090 Bei eran nach Daoos über 339 Kilometer zurückgelegt. Es gab dabei drei Ausfälle, von denen neben dem Berliner Klinke die beiden Wiener Richard und Kirchlechner betroffen wurden. Bienna Wien wurde am Samstag in Berlin im ersten Fußballtrefsen der neuen Saison von Vik« toria 89 mit 2:0 (2:0) geschlagen. russia FD. (3:1). DerTennis-Länderkampf zwischen England und Australien in Scarborough endete am Samstag mit einem 4:1-Siege der Engländer, die 'N den beiden letzten Einzelspielen siegten, während die Australier das Doppelspiel für sich entscheiden konnten. M M reg 11 Das Anale der „Tour de $rance/z. Die vorletzte Etappe. Am Samstag kam bet der Tour de France die vorletzte Etappe zum Austrag. Die Fahrt ging über 212 Kilometer von Malo les Daines nach Amiens und verlief fast ereignislos. Den Fahrern merkt man die unheimlichen Strapazen der letzten vier Wochen deutlich an, sie bummelten tüchtig und zeigten keine Lust zu kämpfen. Das Feld traf mit eineinhalb Stunden Verspätung am Ziel ein, wo Leducq, Loncke und Stöpel den führenden Camusso im Endspurt gerade noch passieren konnten. Die Fahrzeit betrug 8:16,49 Stunden. Der Deutsche Stöpel konnte durch feinen dritten Platz seinen Vorsprung im Gesamtklassement um eine Minute erhöhen. 3n der Reihenfolge der Wertungen traten keine Veränderungen ein. Leducq Gesamksieger. — Stöpel Zweiter. Am Sonntag fand das größte Straßenrennen der Welt, die Tour de France, seinen Abschluß. 2luf der Pariser Prinzenparkbahn hatten sich 50 000 Zuschauer eingefunden, um die Fahrer zu empfangen. Nur 58 von den 80 gestarteten Fahrer hielten bis zum Ende durch. Von den deutschen „Assen" mußte nur Kutzschbach — noch dazu ohne eigene Schuld — aufgeben. Wir können also mit der Leistung unserer Fahrer wohl zufrieden sein. Wenn auch im Länderklassement nur zu einem vierten Platz reichte, so ist das gute Abschneiden Stöpels md Thierbachs im Gesamtklassement doch ein großer Erfolg. Die letzte Etappe führte über 159 Kilometer von Amiens nach Paris. Auch hier wieder wurde Weitere Ergebnisse: Union Riederrad — Union Döckingen 2:2 (2:1): SV. Waldhof — Rot-Weiß Frankfurt a. M. 2:1 (1:0): Vo° Reunkirchen — VfL. Reckarau 2:3 (0:2); Saarbrücken — DfR. Kaiserslautern 4:6 fall »ist A »■S4*T' 031« das Stilfser-Ioch, wo eine Bergprüfung eingeschaltet war, nach Davos und hatte eine Länge von 339 Kilometer. Die Anforderungen an Fahrer und Material waren diesmal besonders groß. Es gab auch einige Ausfälle. So wurde das Ford-Team durch die allzuschneidiae Fahrweise von S p o r k h o r st auseinandergerissen und auch die DKW.-Mannschaft ist nicht mehr im Wettbewerb, da $). Raßmußen gegen eine Tunnelwand.fuhr und bei der Reparatur seines Wagens zuviel Zeit verlor. Von den gestarteten 99 Fahrern sind jetzt nur mehr 87 teilnahme- berechtigt. Erstes Verbandsspiel in Güddenischland. Eintracht — 7leu-3fenburg 2:0. Der süddeutsche Meister Eintracht Frankfurt trug dieses erste Verbandsspiel in Reu-Isenburg schon am letzten Iulisonntag aus, weil er am nächsten Sonntag in Derlin spielen will. Die Frankfurter erschienen zwar mit Ersatz für Schal- ler, Dietrich und Grämlich, sie lieferten aber trotzdem auf dem gefährlichen Isenburger Sand ein recht gutes Spiel, waren durchweg tonangebend und gewannen auch verdient. Die beiden Treffer fielen bereits vor der Pause durch Trumpler und Ehmer. Sturm btnb efäaftigt unb $ b-ur eile« fa? °usdachte, gut «n un& er hörte ff ab und zu Ku die beiden 8.'Mich er- deinen bUeu Schimmer nfe int Tomaten iu u. »and. 1 vierzehn Tagen >d. dann suchst du 'ch. ihn auf und mir den Mann fortlausen lich in • ®rf* nach einem m dir nicht ein ift Mar kein be» fo lange wie wir s oder man konnte >eit vor sich sehen, ündchen im We- Dvrstellung heute Wettervoraussage. Das Tief über den britischen Inseln hat sich nach Skandinavien weiterbewegt. Kühlere Luft an seiner Rückseite dringt vor, die zunächst wieder zu etwas wechselhaftem Wetter führt. Es dürften dabei noch schauerartige Niederschläge eintreten, stärkere Bewölkung wird durch Aufheiterung unterbrochen. Durch den von Westen einsetzenden Barometeranstieg ist aber damit zu rechnen, daß der Witterungscharakter beständiger wird, wenn auch die Aussichten für störungsfreies Wetter noch nicht vorhanden sind. Aussichten für Dienstag: Im ganzen etwas kühleres Wetter, wechselnd wolkig und Schauer, aber auch aufheiternd. Lufttemperaturen am 31. Juli: mittags 28,4 Grad Celsius, abends 18,2 Grad: am 1. August: morgens 19,4 Grad. Maximum 29,3 Grad, Minimum 13,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 sm Tiefe am 31. Juli: abends 25,2 Grad; am 1. August: morgens 20 Grad Celsius. — Niederschläge 0,6 mm. — Son« nenscheindauer 9 Stunden. eyer August einschL ist die Herren: Seltersweg 71 rake. Goethe^ Neuen LZue 29 5605D H Ql[e?nn Nt Lb vergeb»^' Kt* JJ l*«» wAw'*, &« **56«D Genolsk" .(rbin^L ßinfl“1 bl #5“ in Giev der Sieger von Leducq gestellt, der im Endspurt auf der Prinzenbahn seinen Landsmann Speicher, den Belgier Ronsse und ßapebie knapp schlug. Die Etappe selbst verlief sehr monoton, sie wurde aber zu einer wahren Triumphfahrt für die Teilnehmer. Gesamt-Einzelwertung: 1. Leducq 154:11 42 Std. 2. Stöpel 154:35,52. 3. Camusso 154-3810. 4. Pesenti 154:48,57. 5. Ronsse 154:52,52. 6. Bonduel 154:57,02. 7. Thierbach 155:10,23. Länderwertung: 1. Italien 464:57,41. 2. Frankreich 465:01,25. 3. Belgien 465:05,08. 4. Deutschland 465:36,37. 5. Schweiz 469:12,16. Leichiaihletikkampf Westdeutschland — Ostholland. Die Westdeutschen siegen mit 58^:52% P. Dom schönsten Sommerwetter begünstigt fand am Sonntag in Hartem eine weitere Begegnung der Leichtahthleten Westdeutschlands und Osthollands statt 3000 Zuschauer sahen von beiden Mannschaften keine allzu überragenden Ergebnisse. Die Hollander waten gute Leistungen und siegten durch van Wel- senes mit 7,25 Meter: de Bruyn stellte im Diskuswerfen mit einer Leistung von 42,13 Meter einen neuen Landesrekord auf. In dieser Konkurrenz siegte der Deutsche Hoffmeister mit einem Wurf von 43,65 Meter. Internationale Alpenfahrt. DKW-Ieam schied aus. Bei schönstem Wetter wurde am Samstag die dritte Tagesetappe der 4. Internationalen Alpenfahrt erledigt. Die Route führte diesmal von Meran über Kurze Sporinoiizen. der Internationalen Alpe.i- wurde am Samstag die dritte Etappe von ■Mil izinalrat trelitz ■Slrel. Staatllrfc »erttmt. ElHObeleiMn, Flefzeti-, ro- d. HelzcngsttthnlL 6» . Spelse-Kaslns. Progr. Irtl Sozialdemokraten NSDAP Kommunisten Zentrum Deutschnationale Volkspartei Deutsche Volkspartei Wirtschafts- Partei Deutsche Staatspartei Christ!.-Soz. Bolksdienst Volksrechtpartei Soz. Ard.« Partei 'S A* e 'S N 'S 'S K 'S S- q 'S 'S 'S q N 2 -N 2o => o B oi 2o 2 'N CO - G* jO « «S. CO CO Seo c. • dco S5 Hess. Lau 19.6. q ci 85 g r- ’c'Sd 85 So «o & aci dH. 85 q os> • dco Hess. Lau 19. 6. 2®- q r- os. ; dco 85 Hess. Lau 19. 6. 2.3 g r- e. ; "C co q ci 1- 85 q r- OS> _• .'S « Reichstas 14. 9. et~ • -c co q c> q r- OS> • dco q ~ -* g r- "S ; §co q ~ os, & q « •6 S Hess. Lar 19. 6. Albach......... 104 84 72 129 94 5 _ 1 7 _ _ _ 1 10 _ 2 2 1 3 _ _ _ _ — — 1 Ollendorf a. d. Lahn . . . 201 144 202 243 213 61 28 29 19 _ 1 1 16 15 19 1 9 2 17 _ 20 11 44 2 1 4 Allendorf a. d. Lda. . . . 191 187 221 616 578 95 21 19 9 2 6 _ 7 15 13 11 19 — 6 — 35 11 71 1 — 1 Allertshausen...... 73 65 69 137 127 22 2 3 — — — 1 1 1 2 3 — 1 — 3 — 1 — — — Alten-Buseck...... 276 243 319 370 324 68 155 136 69 2 1 2 7 7 16 — 10 1 17 1 12 4 22 1 — 2 2 Annerod........ 201 153 150 180 145 27 — 1 2 _ — — 3 11 — 4 7 2 8 — 9 3 11 — — 1 5 Bellersheim...... 94 63 66 292 249 26 1 5 1 3 2 1 10 10 7 _ 10 — — 1 5 — 4 — — 1 Beltershain...... 26 16 34 163 137 32 — 1 — — — — 12 9 3 2 4 — 1 — 2 — 1 — — L Bersrod........ 65 64 86 213 185 22 2 1 2 —— — 5 3 9 5 1 5 — 1 — 2 3 11 — — V Bettenhausen...... 5 3 20 213 179 94 _ 1 1 _ — — 20 27 2 — — 1 — — 1 — — — — 1 Beuern ........ 232 194 220 333 276 62 41 40 16 2 4 — 8 20 6 2 5 — 13 n 16 7 29 — 5 3 7 Birklar........ 130 117 115 119 93 8 2 3 3 6 1 8 15 29 1 7 5 — 6 1 28 4 — 2 — 1 2 Burkhardsfelden .... 188 173 164 191 139 11 7 5 6 — 2 — 3 24 17 1 4 — — — 5 34 37 1 — 2 (Öimbach........ 54 48 47 98 86 14 — 1 — — — 1 4 4 1 1 1 — — — 4 — 2 — — — Daubringen...... 249 236 255 215 190 67 69 45 44 1 1 1 3 8 16 11 36 4 10 11 49 3 18 1 — 1 13 Tors-Gill"....... 1 2 20 278 258 35 _ _ 1 1 —— — 5 9 14 3 8 — 1 — 4 — 17 — — — Eberstadt mit Arnsburg. . 35 46 24 282 222 31 1 4 1 — — — 21 43 4 8 3 — 1 — 11 5 7 — — 3 3 Ettingshausen...... 15 5 11 331 269 66 1 5 9 5 3 1 19 30 4 2 5 1 1 — . > 2 20 — — 3 i Garbenteich....... 276 222 298 243 194 32 81 85 49 2 — — 2 17 1 10 11 2 7 — 67 7 2 — — 4 Geilshausen...... 35 34 42 286 232 42 — 3 1 — 1 — 2 5 — 2 8 — 1 —— 6 6 22 — — 1 Gießen......... 5281 3879 5040 10111 9496 3714 1469 1324 1730 1163 1138 925 1048 645 840 756 2637 86 1452 233 1500 298 6.34 74 221 27 165 Göbelnrod....... 39 34 36 139 105 25 1 2 3 1 — — 5 16 — 2 1 — — — 2 1 — — — 1 1 Großen-Buseck..... 486 347 447 632 469 82 34 25 22 2 1 3 24 43 39 20 33 2 30 8 70 10 2o — 1 1 Großen-Linden ..... 745 563 764 746 686 241 15 34 15 1 5 2 19 13 13 14 39 2 34 6 83 12 82 1 5 2 10 Grünberg....... 298 243 219 1018 808 478 24 23 52 9 8 12 58 47 27 96 173 3 40 7 43 30 106 9 25 1 7 Grüningen....... 110 79 119 238 186 54 18 13 4 — 1 1 21 44 5 2 2 — 2 1 16 9 9 — 3 5 Harbach........ 79 76 46 158 101 12 — 2 1 1 1 1 12 51 7 9 3 — 2 — 3 — — — — 2 Hattenrod....... 41 21 50 200 147 21 —— 1 1 — — — 1 15 1 — 1 —— 3 — 4 — — — — 1 Hausen......... 131 100 173 155 100 33 45 42 17 2 — — 1 11 1 4 3 1 1 2 25 — 9 — 1 3 Heuchelheim...... 916 783 831 694 610 119 53 63 79 6 8 2 19 35 66 19 78 10 83 21 105 10 26 — — 1 20 Holzheim........ 157 133 181 466 332 39 3 5 — 2 1 — 96 142 4 .) 4 — 14 — 66 20 123 — — 1 Hungen ........ 345 286 309 717 647 364 11 12 7 28 29 12 18 15 10 19 75 — 8 11 73 8 21 — 2 5 Inheiden........ 137 104 149 172 155 70 1 — 2 — — — 4 2 ] — 2 — 4 — 5 — 1 — — 1 Kesselbach....... Klein-Linden...... 134 94 95 114 111 21 1 3 2 1 3 — 7 3 6 2 8 —— 2 8 38 4 7 — 2 450 330 498 594 504 171 32 28 21 6 5 5 37 39 18 3 42 1 37 5 110 69 110 1 4 6 Langd ......... 25 11 38 337 312 109 1 — 1 — —— —— 2 8 . 2 — 1 — — — V 1 3 — — — Lang-Göns...... 366 283 348 656 566 234 9 5 7 2 — 1 59 66 36 7 26 1 20 4 28 40 106 — 3 2 8 Langsdorf ....... 94 50 74 393 268 107 6 5 5 — 4 3 33 54 8 12 12 2 1 4 52 5 13 — — — 4 Lauter........ 48 16 29 173 125 76 — 1 3 4 4 5 20 19 12 3 1 — 3 1 4 — —— — —— 1 3 i Leihgestern....... 1 Lich mit Hof Albach, Eoin- 308 193 413 489 362 122 110 63 24 14 8 7 45 36 14 6 13 — 15 3 12 59 127 12 18 116 83 — 10 39 hausen und Mühlsachsen L Lindenstruth...... 707 560 565 867 678 275 21 18 24 61 54 39 56 35 37 27 112 4 84 3 7 95 84 79 88 43 21 11 11 6 —— —— —— — 30 —— — 8 2 — —— — 4 — — 1 — 1 Lollar......... 740 674 733 556 481 128 34 25 43 16 12 17 27 28 50 41 168 7 33 18 87 2 16 1 3 7 31 Londorf........ 209 202 158 395 349 46 6 8 4 4 3 2 10 4 19 17 60 — 6 1 54 o 44 1 1 — 5 Lumda. ........ 35 31 59 207 173 35 2 — o — — — 2 6 1 2 2 — 1 — 3 — 27 —— — — 3 Mainzlar....... 126 108 156 272 260 14 13 9 3 6 2 6 1 7 4 4 13 — — — 40 7 7 — 1 — — Münster........ 32 11 22 89 75 4 14 15 14 — — —— 7 11 7 — 1 —— 5 —— 4 10 27 — — — — Muschenheim mit Hof-Güll 67 42 67 272 203 29 3 6 1 2 1 — 25 35 9 9 3 — 2 — 25 3 2 1 1 — 2 j Rieder-Bessingen .... 59 31 36 105 94 15 20 22 18 2 2 — 4 14 7 2 3 — 1 — 3 — 19 — 1 1 Nonzzenroth...... 33 18 43 164 136 54 — 6 — — — — 3 11 — 1 6 1 — 1 2 3 — 1 —- 3 Obbornhofen...... 152 128 126 196 174 54 2 3 2 — 1 2 10 18 3 — 9 —— 1 — 5 — 2 — — 1 5 Ober-Bessingen..... 14 6 12 167 76 23 3 4 2 1 1 — 7 27 3 12 15 — — 1 4 3 1 22 — — — Ober-Hörgern...... 4 3 5 164 113 6 — — — — — — 53 105 2 3 — — 2 — 9 5 — — —— 1 Odenhausen mit Appenborn 72 57 74 116 93 9 2 10 6 —' 1 — 7 7 — 1 7 — 4 -- — 6 12 — —— — 3 Oppenrod....... 56 38 45 126 94 9 2 1 3 —— —— —1 4 11 — — 1 — — — Queckborn....... 93 67 70 279 199 20 1 — 9 — — —— 5 8 4 4 7 1 1 — 4 — — — — 4 Rabertshausen m. Ringelsh. 9 1 4 91 89 14 — — — 1 — — — — 1 — 6 — — — 2 — —— — — — — Rcinhardshain..... 16 10 18 152 93 12 2 1 —— 3 — 3 — 11 2 2 — 1 — 6 5 3 3 1 Reiskirchen....... 233 179 168 312 187 65 37 22 22 1 5 — 7 48 10 5 13 — 10 — 25 4 — 1 11 Rodheim mit Hof Graß. . Rödgen ........ 18 233 8 165 58 234 200 125 199 101 93 21 26 6 20 23 2 — — 2 6 10 1 1 1 9 1 1 6 1 2 3 11 2 4 — 3 — 1 5 Röthges........ 42 29 51 88 62 5 2 5 3 — — — 2 6 1 — 6 1 3 — 2 — 1 — — — 3 Rüddmgshausen. . . . . Ruttershausen m. Kirchberg 201 173 194 252 218 44 12 17 1 — — — 3 25 5 — 9 — — — 10 1 34 — — — 117 95 129 143 103 12 12 9 7 — 1 1 22 26 1 2 10 — 3 1 9 1 4 — 1 4 Saasen m. Bollnbach, Veitsberg und Wirberg. Stangenrod ...... Staufenberg m. Friedelh. Steinbach....... Steinheim....... Stockhausen....... Trais-Horloff...... Treis a. d. Ä>a...... Trohe ......... Utphe......... Willingen....... Watzenborn m. Steinberg Weickartshain...... Weitershain...... 142 53 299 245 112 51 313 211 118 72 310 187 161 147 235 423 126 121 185 323 54 42 41 44 7 1 24 4 3 2 7 2 11 3 — 2 1 5 1 6 8 3 1 6 35 3 1 21 11 2 1 4 8 I 2 30 8 2 2 2 8 20 2 1 5 4 14 5 3 3 3 35 3 3 1 3 9 1 — 1 1 1 1 1 1 49 12 112 310 56 42 10 98 288 53 73 11 131 310 66 243 59 130 459 25 227 37 118 396 22 66 12 54 69 10 1 11 18 68 4 1 18 26 71 2 2 3 9 53 6 2 2 4 3 6 4 3 2 8 1 6 5 18 3 3 15 1 2 1 1 10 26 1 1 2 2 4 10 4 2 1 10 2 7 1 3 1 __ 3 81 247 685 14 3 984 71 173 549 8 3 813 76 257 573 31 17 1140 209 368 668 221 318 527 185 301 676 146 250 443 77 81 269 48 25 129 9 12 47 727 5 19 56 2 1 699 5 3 92. 2 4.38 5 18 1 2 13 II II Cn IO 12 10 4 3 8 10 7 11 8 5 13 81 3 4 18 1 13 22 3 8 4 15 5 4 15 2 6 51 1 1 2 1 2 18 1 82 2 1 1 2 4 46 5 58 3 17 1 5 17 77 13 2 10 1 2 3 7 2 1 4 1 1 2 5 11 2 4 16 Gesamt 19296 15239 18772 32753 28129 8941 3398 3173 3052 1398 1346 1087 2034 2230 1529 1224 3942 149 2161 383 3199 726 2182 | 102 311 76 476 Wirtschaft rium die Notlage der hessischen Junglehrer geschildert und gebeten, die Mißstände zu beseitigen. Ferner wird die Regierung in der Eingabe gebeten, alle diejenigen technischen Anwärterinnen noch in die Anwärterliste aufzunehmen, denen nicht schon bei ihrer Ausbildung erklärt worden ist, daß eine Aufnahme in die Anwärterliste nicht stattfinden kann. Oie neuen ReichötagSabgeordneien Hessen-Nassaus. WSN. Frankfurt a. M., 31. 3uli. 3m Wahlkreis 19 sind 21 Reichstagsabgeordnete gewählt worden. Sie verteilen sich auf die einzelnen Parteien wie folgt: Sozialdemokraten: Oberbürgermeister a. D. Philipp Scheidemann- Berlin, Geschäftsführer Franz Seitz -Berlin, Gewerkschaftssekretär Heinrich Decker -Herborn, Vertreter Michael S ch n a b r i ch -Hersfeld, Landesrat Otto Witte -Wiesbaden. Rationalsozialisten: Obcrpostinspektor 3akob Sprenger- Frankfurt a. M., Schlosser Fritz Weitzel -Frankfurt a. M., Landwirt Walter Seid ler-Landershausen, Obersteuersekretär Karl Linder- Frankfurt a. M., Oberstleutnant a. D. Kurt von 11 r i ch-Kassel, Oberleutnant außer Dienst Hans Oberlindober - Obermenzing, Schlosser Fritz Schmidt -Kassel, Dipl.-Volkswirt Adolf Heinz Deckerle-Frankfurt a. M., Dureauangestellter Fritz Lengemann -Kassel, Landwirt Johannes P u t h -Wachenbuchen. Kommunisten: Schriftsteller Wilhelm Münzenberg -Berlin, Arbeiter Karl Barthel-Kassel. Zentrum: ProfessorDr. Dessauer-Frankfurt a. M., Dr. Crone- Münzebrock-Berlin, Mittelschullehrer Jean Albert Schwarz-Frankfurt a. M. Deutschnationale: Staatsminister a. D. Oscar Hergt- Göttingen. Ludwig Hoffmann Ehrenbürger von Darmstadt. WSN. Darmstadt, 31. 3uli. Die Stadt Darmstadt hat heute ihren berühmten Sohn, Geheimrat Ludwig Hoffmann, zu feinem 8 0. Geburtstage das Ehrenbürgerrecht verliehen. Hoffmann, der in Berlin wohnt, hat vor seiner Berliner Tätigkeit das Reichsgericht in Leipzig entworfen und den Bau durchgeführt. Hiernach war er 30 3ahre lang in Berlin als Architekt tätig, wo er u. a. das neue Stadthaus, das Märkische Museum, das Virchow- Krankenhaus, zahlreiche Großbauten, wie 3rren- häuser, Genesungsheime, Schulen und Drücken und den bekannten Märchenbrunnen baute. De- kannt ist er auch durch den Entwurf der Debau- ungspläne für die neuen Stadtteile Athens. Ludwig Hoffmann ist Ehrendoktor der Technischen Hochschule Darmstadt und Vizekanzler der Ordens Pour le merite. Landkreis Gießen. • Alten-Buseck, 31. 3 'si. 3m hiesigen Steinbruch wird zur Zeit von einem Rotkelchenpaar ein junger Kuckuck aufgezogen. Cs bietet sich dort die sonst sehr seltene Gelegenheit, einen jungen Kuckuck in seiner Entwicklung und Pflege kennenzulernen. Wer den Kuckuck noch sehen will, wird sich allerdings beeilen müssen, denn der Vogel ist bald flügge. (Er ist noch heute, Montag, bis 17 Uhr zu sehen.) Kreis 'Alsfeld. WSN. Alsfeld, 31. Juli. Bei den Kämpfen um Verdun im Jahre 1916 wurde der Maurermeister Johannes Reitz aus Burg-Gemünden durch einen Granatsplitter, der ihm in nächster Nähe des Rückgrats in den Körper drang, schwer verwundet. Bei der Lage des Geschoh- teils war auch auf operativem Wege nicht an eine Entfernung zu denken. Kürzlich bildete sich nun bei dem Manne am Halse ein Geschwür, durch das der dorthin gewanderte Granatsplitter zur Ausscheidung gebracht wurde, so daß der Mann auf diese Weise von seiner Kriegsverletzung nach 16 Jahren noch genas. Oie Not her Junglehrer. Aus dem Kreise der Gießener Lehrerschaft geht uns folgende Zuschrift zu. D. Red. Der Schulabbau an Ostern 1932 hat in erster Lime abermals die Junglehrer getroffen. Soweit sie sich bereits im Dienst befanden, haben sie weitere Schädigungen durch den Ausbau des Teilstellensystems erlitten. Die Verwendungsaussichten der noch nicht im Dienst Befindlichen gestalten sich erneut schlechter. Die durchschnittliche Wartezeit bis zur ersten Verwendung beträgt drei Jahre und mehr. Da sich die Eltern vieler Anwärter und Anwärterinnen selbst in außerordentlich bedrängten finanziellen Verhältnissen befinden, ist die Not bei vielen Junglehrern sehr groß. Der hessische Staat darf diesen Zuständen auf die Dauer nicht teilnahmslos und ablehnend gegen* überstehen. Wo es sich um Notfälle handelt, müßte durch staatliche Unterstützung geholfen werden, wie das in andern Ländern auch geschieht. Der hessische Staat dürfte wohl der einzige sein, der seine unverwendeten Junglehrer vollkommen sich selbst bzw. der Fürsorge ihrer Organisation überläßt. Mit der Verordnung vom 17. Dezember 1931 ist im hessischen Volksschulwesen der Begriff des Hilfslehrers neu eingcführt worden. Hilfslehrer können nunmehr aus den zur Verfügung stehenden stellenlosen Junglehrern den in der Gemeinde vorhandenen Lehrern zur Unterstützung beigegeben werden. Der staatliche Stellenplan soll durch diese Hilfslehrerstellen nicht berührt werden. Der Staat nimmt also gewissermaßen von dieser Einrichtung keine Notiz. Anderseits sind die Hilfslehrer vollverantwortlich im Schuldienst beschäftigt. Der dadurch geschaffene Zustand ist auf die Dauer unhaltbar. Vom Standpunkt der Staatsschule aus gesehen ist es nicht wünschenswert, daß Auswahl, Anstellung und Bezahlung der Hilfslehrer den Gemeinden überlassen sind. Das Prinzip der reinen Staatsschule i st durch diese Einrichtung durchbrochen. Daran ändert auch der Umstand nichts, daß die Regierung diese Stellen als nicht vorhanden ansieht. Besonders bedeutungsvoll ist die Tatsache, daß die Bezahlung der Hilfslehrer dem Ermessen der Gemeindevertretung überlassen bleibt. Während die Hilfslehrer also mit der vollen Verantwortung be- . lastet sind, haben sie gegenüber dem Staat keinerlei Rechte und Ansprüche. Die Regierung müßte diesen ganz ungewöhnlichen Zustand sobald als möglich beseitigen. Die Hilfslehrerstellen sind als Teilnehmerstellen anzusehen. Ihre Inhaber sind, wie die Inhaber der staatlichen Teilstellen, in ein festes Verhältnis zum Staate zu bringen. Die Vergütungssätze für Hilfslehrer sind jeweils vom Staate nach Maßgabe der Verwendung festzusetzen. Die für die Hilfslehrerstelle ausgeworfenen Beträge, müßten, wie bei den Vollmehrstellen, durch die Gemeinden an die Staatskasse zu zahlen sein. Die Hilfslehrer müßten nach den Grundsätzen, wie sie für Teilstelleninhaber gelten, vom Staate besoldet werden. Bei dieser Regelung könnte sehr wohl, wie seither, auch so verfahren werden, daß die Hilfslehrer möglichst in der Heimatgemeinde beschäftigt werden. Der Anreiz, der darin liegt, daß die Gemeinde etwas zur Verbesserung ihres eigenen Schulwesens tun und den vorhandenen stellenlosen Schulamtsanwärtern in zweckmäßiger Weise eine Unterstützung gewähren kann, bleibt also auch bei dieier Regelung in vollem Umfange bestehen. Viele Anwärterinnen für das technische Lehrfach sind dadurch empfindlich geschädigt worden, daß die Regierung plötzlich die Schließung der Anwärterliste verfügte. Infolgedessen ist ihnen vorläufig keine Möglichkeit mehr gegeben, in die Liste ausgenommen zu werden. Ihre Ausbildung ist damit völlig firm- und zwecklos geworden. Den in Frage kommenden Anwärterinnen hätte man wenigstens rechtzeitig schon während ihrer Ausbildung erklären müssen, daß keine Möglichkeit besteht, sie in die Anwärterliste oufzunehmen. Nach abgelegter Prüfung die Aufnahme in die Anwärterliste zu verweigern, ist außer- ordentlich hart. Der Hessische Landes-Lehreroerein hat in einer Eingabe an das hessische KultusministeBerlin gehalten, bis leicht gebessert. Berlin, 1. August. (WTB. Funkspruch.) Di« heutige Börse stand völlig unter dem Eindruck des Wahlergebnisses. Man diskutierte lebhaft die Aussichten für eine Regierungsmehrheit und kam zu dem (Ergebnis, daß sich im großen und ganzen nichts geändert habe. Nur das Anwachsen der radikalen Stimmen rechts und links mahnte zur Zurückhaltung, da man argumentierte, daß NSDAP, und KPD. zusammen nunmehr eine sozialistische Mehrheit im neuen Reichstag darstellen. Das Publikum nahm zunächst davon Abstand, neue Dispositionen zu treffen, während die Spekulation leichte Realtsationsneigung zeigte. Geschäftshemmend wirkte, daß heute am Monatsbeginn Aufträge fehlten, wodurch die Kursgestaltung mehr oder weniger zufälliger Natur wurde. Die Tendenz der Neuyorker Samstagsbörs« blieb ohne Eindruck. Die meisten Kurse bröckelten heut« zu Beginn um 0,5 bis 1 o. H. ab, einige Spekulationswerte verloren bis zu 1,5 v. H. Anderseits zeichneten sich Papiere wie Schultheiß, Schisfahrts- und Linoleum- werte, Bekula und von BMW. und Daimler durch recht widerstandsfähige Haltung aus. Lahmeyer besserten sich um l,v5 v. H. und Holzmann setzten ihre Aufwärtsbewegung um 3 v. H. fort. Die G e - schäftslosigkeit trat auch im Verlaufe stark in Erscheinung, bei stagnierendem Geschäft ergaben sich nur ganz geringfügige Veränderungen nach beiden Seiten. Die widerstandsfähige Haltung des festverzinslichen Marktes bot später allerdings eine kleine Anregung, so daß sich gegen den Anfang überwiegend Besserungen bis zu 1 v. H. ergaben. Erst später gelangten am Aktienmarkt Salzdethfurth-Aktien mit minus 3,5 v. H. zur Notiz. Der Rentenmarkt lag zwar noch ruhig, doch gut gehalten. Entgegen den vorbörslichen Erwartungen waren die Kurse sogar eher fester und zwar konnten Reichsschubdbuchforderungen und Neubesitzanleihe um 0,25 o. H. anziehen, die Altbefitzanleihe war im Verlaufe sogar bis zu 1 v. H. gebessert. Am Geldmarkt hat sich bereits nach dem Ultimo eine Heine Errichtung bemerkbar gemacht. Tagesgeld war an der unteren Grenze schon wieder mit 5,75 v. H. erhältlich. Starke Zurückhaltung in Frankfurt. F r a n k f u r 1 a. M., 1. August. (WTB. Drahtmeldung.) Das Ergebnis der gestrigen Reichs- tagswahl, das etwa den Erwartungen entsprach, löste an der heutigen Börse zunächst starke Zurückhaltung aus. Die Hoffnungen, daß die Regierung P a pen nach den Wahlen ihre Position behaupten wird, sind dadurch eher bestärkt worden, zumal sich im neuen Reichstag zunächst keine arbeitsfähige Mehrheit bilden kann, doch wartet man allgemein die Weiterentwicklung ab. Die Spekulation war jedoch eher zu Glattstellungen geneigt, wobei das Fehlen des Publikums geschäftshemmend empfunden wurde. Bei sehr geringer Llmsahtätigkeit traten gegen die festen Wochenschluhkurse durchschnittlich Rückgänge bis zu 1 Prozent ein. Darüber hinaus verloren 3G. 1,39 Proz., Schuckert 1,50 Prozent, und Kali Westeregeln 1,50 Prozent. Fester eröffneten dagegen Holzmann mit plus 3 Prozent und Conti Gummi mit plus 1 Prozent. Schifffahrtswerte blieben gut behauptet. Rach den ersten Kursen ergaben sich infolge der Geschäftsstille weiter kleine Rückgänge. 3m Verlaufe war das Geschäft etwas belebter, und die Kurse erfuhren allgemein kleine Erhöhungen. 3G. und andere Spezialwerte waren über das Riveau des Wochenschlusses etwa 0,50 Prozent gebessert. Am, Rentenmarkt herrschte anfangs gleichfalls Geschäftsstille, und die Kurse blieben nur knapp behauptet. Später setzte sich eine starke Defesti gung für Altbe- fihanleihe durch, die von 46,64 Prozent auf 48,25 Prozent anzogen. Neubesitz und Reichs- schuldbnchforderungen lagen bis zu 0,50 Prozent höher. Der Pfandbriefmarkt lag sehr still, doch stellten sich überwiegend Erhöhungen bis zu 0,50 Prozent ein. Tagesgeld war zu 4,75 Prozent gesucht. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. M., 30.3uli. Das Geschäft war in der abgelaufenen Woche sehr klein, wobei auch die Nähe des Ultimos ungünstig auf den Absatz einwirkte. Die Säger konnten daher nicht geräumt werden, obwohl die Zufuhren infolge des Produktionsrückganges an und für sich recht klein waren. Die leicht erhöhten Preise der Vorwoche blieben unverändert. Es notierten in Pfennig per Stück ab loco Frankfurt a. M.: Russen 5,5—6, Holländer 6,25—7,75, Dänen 6—7,75, Flandern 7 bis 7,25, deutsche Landeier 7—7,5, deutsche Frischeier je nach Größe 6.5—8,5. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 1. Aug. Auftrieb: 1246 Rinder, darunter 288 Ochsen, 112 Dullen, f?5_^ü$e, 320 Färsen, ferner 498 Kälber, 46 Schafe, 3926 Schweine (darunter 80 Litauer). Es wurden notiert: Rinder: Ochsen: boll» fleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 31 bis 35 Mk.. (ältere) 27 bis 30, sonstige vollfleischige (jüngere) 24 bis 26; Dullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlacht- werts 27 bis 30, sonstige vollfleischige oder aus- gemäftete 22 bis 26; Kühe, jüngere, voll- fleischige, höchsten Schlachtwerts 25 bis 28, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 20 bis 24, fleischige 14 bis 19; Färsen (Kalbinnen, Jungrinder): vollfleifchige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 33 bis 36, vollfleischige 29 bis 32 fleischige 25 bis 28. — Kälber: beste Mast- und Saugkälber 36 bis 40, mittlere Mast- und Saugkälber 31 bis 35, geringe Kälber 25 bis 30. — Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 48 bis 50, vollfleischige Schweine Don etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 47 bis 50, von etwa 200 bis 240 Pfund 46 bis 49 von etwa 160 bis 200 Pfund 45 bis 43, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 40 bis 45 Mk. — Marktverkauf: Rinder ruhig, ausverkauft, Schweine rege, ausverkauft. Käll>er und Schafe ruhig geräumt. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a.-M., 1. August. (WTB. Draht- meldung.) Das Wahlergebnis blieb an der Getreidebörse ohne größeren Einfluß, doch mahnte die Ungewißheit über eine Regierungsbildung zur Zurückhaltung. Das Geschäft hielt sich daher in engen Grenzen, obwohl das Angebot in Neugetreide durch die letzttägigen Regenfälle weiterhin gering blieb. Die Tendenz war indessen eher schwächer. Besonders Weizen lag matt, während im übrigen nur kleine Preisrückgänge zu verzeichnen waren. Roagen neuer Ernte kam heute erstmals zur Notiz. Am Mehlmarkt zeigte sich Interesse für promptes Roggenmehl, doch gingen die Preise bis zu 0,75 Mk. zurück. Auch bei Weizenmehl traten Preisrückgänge ein, ohne daß hier aber ein besseres Geschäft zu verzeichnen gewesen wäre. Futterartikel lagen sehr still und eher etwas rückläufig. Es wurden notiert: Weizen 250 nominell, Roggen, neue Ernte, 192,50, Wintergerste für Drau- zwecke 170—172,50, Hafer, inländischer. 170—180, Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 mit Austauschweizen, 37,75—38,65, Roggenmehl (70proz.) 28—28,50, Weizenkleie 9, Roggenkleie 9, Erbsen 24 bis 32, Linsen 22— 48, Heu 3,40, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreht 3,50, gebündelt 3,20 bis 3,50. Treber, getrocknet, 10,50, Weizenmehl, Niederrhein. mit Austauschweizen 37,75—38,40. Kartoffeln: Böhms, allerfrüheste gelbe 2,30 bis 2,40. Tendenz: ruhig. 5597 D Familien-Drucksachen Verlobungsanzeigen _ Vermählungsanzelgen bei Bruhl. Schulstraße Geburtsanzeigen Karl Schäfer V. Wieseck, den 30. Juli 1932. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, die reichen Kranz- und Blumenspenden, unserer Krankenpflegerin für die liebevolle Pflege sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Sattler beim Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen sagen wir auf diesem Wege herzlichen Dank. 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BX> -29: r)E^ 5= r c 9Jc aj 2 § E 9.2 H.E Zsr g Ee»®e «'S-- 3 Riffi’a _a^ E a-6'ä - © a> P a> .O «p -E "C — o p 15 ~ c ö>2 2 oS(9yQLQ<9/=>L3’S)o§<99t^o E 5 £"E© ES.Eg?-J «'S E E* -SB S=E E | | E ® |ä «w 9 Hr = g .- E E c E p äi2R® 'S' 9 s ©> ~ 5 b ,R<= ©5 - o 2© £3^19 Re 35 2 5 :SeR 9 3 X i- o au. e©9 2« L^(9 E 3 cy .2(9 in E R2' ZS r- e b ~ A 2 ■A.2 ZE in Sa — l s« -H«-Ä ■O Zß R'e 19 2-2 19 9 •R-a 9 “ 2.cy E e R o - Ao 67 E e Q «R19 Z E O Ä Sa 19(99 jq- Q G> C?2 JZ> 6e> SEE "OX5 a 2 2 2 E = ® © R a Z A S-2 9 c 19 2 :p .C- rOa-R = 3 69 H~2 E o B R 2 E o 2 2 & Sg R eg E 9H 19 E E = t=-R 2 m s B E» « .R.2 ^R E cg ER 2 3 2 2 R p E E E E an 05 C RA to R ® 2 RHg g 2 RE m 2 »?E-c -Rp R-R LS — RR 19 A (9 “© a ».2 to 9(9 2 in •■ R- R— 3 2 E 5 9 n bO 5xa BZ 5o = = E E E E B E A IO öl o öl e <3 öl 9 E 2 GO ®Rc X> 'S 3 :S8E 2 s BÄS E-« ÄS o o 19 £ (9-o . ö? 4 3 a E ü m ** — C -E g o 2a gÖ ;g? e- „ E Q e a 3 O 2 E <3 C 19 R L1S e! 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