Ur. 152 Erstes Blatt 182. Jahrgang Zreitag, 1. Juli 1952 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüfie unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Zrankfurt am Main. 11686. GietzeimAilzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrvS uttb Verlag: vrühl'sche llniverpüts-vuch- und Steinöniderei K Lange in Siehe». Lchrisileitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrift 20u , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Bietzen. Landnöten. Die Reichsregierung hat ihre Verordnungen über die Regelung der Uniform« und De - monstrationssrage nicht sang- und klanglos in die Welt hinausgehen lassen. Sie hat ihnen einige Worte mit auf den Weg gegeben, die einmal so gehalten sind, daß sie die bittere Pille für die Länderregierungen etwas versüßen, zuiy anderen geht aber aus dem Vegleitkommen- tar des Reichskabinetts doch unzweideutig hervor, daß die Reichsregierung die politischen Parteien und Verbände jetzt nicht noch einmal warnt, sondern unverzüglich mit den allerschärfsten Mitteln durchgreift, wenn sich der politische Kampf in den nächsten Wochen außerhalb der Grenzen des Erträglichen bewegt. Schon in der letzten Zeit konnten wir wiederholt die Feststellung machen, daß die Reichsregierung durchaus gewillt ist, von ihren Machtmitteln Gebrauch zu machen. Sie hat verschiedenen großen Tageszeitungen einige Proben des neuen Kurses geliefert, sie hat sich auch den Länderregierungen gegenüber durchgesetzt, woraus eigentlich schon zur Genüge hervorgeht, daß die Reichsgewalt keineswegs aus so schwachen Füßen steht, wie gewisse Kreise im deutschen Volke anzunehmen geneigt sind. Die neue Verordnung stellt nun so etwas wie einen Schlußstrich unter die Vergangenheit dar, fte schafft für die politischen Verbände gleiches Recht, die nun ihrerseits zu zeigen haben, ob sie die Absicht haben, durch entsprechendes Auftreten die ihnen gewährten Freiheiten zu erhalten und zu sichern. Wenn die Reichsregierung davon Abstand genommen hat, in ihren Verordnungen aus die Kommunisten Bezug zu nehmen, so bedeutet das keineswegs, daß sie dem kommunistischen Terror mit verschränkten Armen zusehen will. Sie hat ausdrücklich in ihrem Begleitkommentar zu der Verordnung gesagt, daß sie die Entwicklung genau beobachten wird und, falls wider Erwarten die Gefahr ernster Ruhestörungen chre Schatten vorauswerfen sollte, nicht zögert, das dann Rotwendige zu tun. Die Kommunistische Partei mag diese Worte beherzigen. Hetzt und putscht sie weäer, dann hat sie auch die Folgen, die für sie daraus entstehen, selbst zu tragen. Sie können verschiedenartiger Ratur sein. Das Aeuherste wäre ein Verbot der Partei. Es gibt aber noch andere Möglichkeiten, um den Kommunisten das Handwerk zu legen. Daß innerhalb der Reichsregierung gerade in diesem Punkte absolute Einmütigkeit herrscht, darf Wohl als sicher angenommen werden. Wir hoffen aber, daß nunmehr alle politisch interessierten Bürger dem Kampf aller gegen alle ein Ende bereiten und durch ein vernünftiges Auftreten dafür sorgen werden, daß die innerpolitischen Meinungverschiedenheiten auf friedlichem Wege ausgetragen werden und im Ausland der Eindruck allmählich wieder verschwindet, als ob wir nur das eine Ziel hätten, uns gegenseitig zu zerfleischen. Der feige Lieberfall der Tschechen auf die deutsche Turnerschaft in Dux zeigt wieder einmal, daß das Deutschtum in der Tschechoslowakei nicht geringeren Bedrohungen ausgesetzt ist, als in Polen und in Litauen. Die gesamte tschechische Presse feiert das schneidige Verhalten der Tschechen und sucht die Vorgänge so darzustellen, als seien die Tschechen von deutscher Seite provoziert worden. Dabei liegen einwandfreie Beweise dafür vor, daß der lieber* fall der Turner von den Tschechen wohl vorbereitet war. Ein Kraftwagen mit schwer bewaffneten Tschechen fuhr in den Zug der deutschen Turner hinein. Die Insassen des Wagens sprangen heraus und versuchten, einen Teil' des Festzuges abzusprengen. Später wurde fest- gestellt, daß die Kanäle am Marktplatz mit Benzin übergossen waren. Wahrscheinlich bestand die Absicht, das Benzin anzuzünden, um die Verwirrung zu erhöhen und die deutschen Turner der Brandstiftung zu beschuldigen. Der Fall von Dux steht nicht vereinzelt da. Der Haß der Tschechen richtet sich vor allem gegen die deutschen Turner- und Sängerbünde. Diese Vereinigungen sind unglaublichen Schikanen ausgesetzt. Der sudetendeutsche Sängerbund hat in seinem Dundesbanner den Spruch eingestickt: Einig durch des Liedes Band, schirm dich Gott, Sudetenland! Jetzt haben die Behörden die Führung des Bundesbanners mit diesem Spruch verboten, auf Grund des Gesetzes zum Schuhe der Republik. Die treibende Kraft ist der berüchtigte Sokol, die Organisation der tschechischen Turnerschaft, aus dessen Reihen während des Krieges die Auslandlegionen sich bildeten, die in der Front der Alliierten gegen Oesterreich gekämpft haben. Die Sokol-Leute sind noch heute der Meinung, daß sie in der Tschechoslowakei die ihr angegliederten deutschsprachigen Gebiete erobern müßten und unternehmen regelmäßige Eroberungsfahrten in das deutsche Sprachgebiet. In Prag hat der Sokolkongreß begonnen. Ilm die Sokol-Leute würdig zu empfangen, hat der deutschfeindliche Oberbürgermeister Prags, D a x a, der Einwohnerschaft „empfohlen", der Stadt ein schmuckes Aussehen zu geben. Millionen wurden aufgewendet, um die Häuser neu anzustreichen, sogar die Straßenbahn gab den Leitungsmasten einen neuen vierfarbigen Anstrich. Die Errichtung des Sokol-Stadions verschlang 16 Millionen Kronen. Mehrere hundert Sudetendeutsche wurden in Schutzhaft genommen und werden in Haft behalten, bis der Sokolkongreß vorüber ist. Man schätzt, daß Kein Ausweg in Lausanne. Neue Vorschläge wurden nicht gemacht. — Alles wird auf Amerika geschoben. Lausanne, 1. Juli. (DTB^ Funkspruch.) Der äußere Verlauf der Dinge am heutigen vormittag ergab nach dem Besuch des Reichskanzlers und des vertrauensvolle und aufrichtige Aussprache brachte, eine Sitzung des Büros, an der Graf Schwerin-Krosigk kurze Zeil teilnahm. (Eine Veränderung in dem Sinne, daß handgreifliche neue Vorschläge der Gegenseite vorgelegt worden wären, hat sich bisher nicht gezeigt. Reben der Fxage des Ziffern- mäßigen Betrages, den Deutschland für den fond commun bei der BIZ. leisten sollte und über dessen höhe gestern in den späten Abendstunden von französischer Seite in vager Form Zahlen von 4 bis 6 Milliarden genannt wurden, gehen die Ansprüche auf die Uebernahme einer Reihe von Verpflichtungen, die der Einfachheit halber uns gegenüber als „selbstverständlich" bezeichnet werden: Nachzahlung der Beträge aus dem hooverjahr, aus dem Markabkommen mit Belgien ufw. Dazu kommt die hauptfchwierigkeik in Gestalt der amerikanischen Eventualansprüche, falls die vereinigten Staaten auch späterhin, d. h. nach der Präsidentenwahl, ein entsprechendes Entgegenkommen wegen der interalliierten Schulden a b l e h n e n sollten. Für diesen Fall, wenigstens nach den bisherigen Vorschlägen dec Gegenseite, scheint das ganze Abkommen, das uns vorgeschlagen wird, gewissermaßen in der Luft hängen zu sollen und neu aufgerollt werden, d. h. wenn es zutrifft vnb aufrxchterbalten bliebe, ein Ansinnen, das schon deshalb ganz untragbar wäre, weil damit der Zweck der Konferenz, die endgültige Regelung der Reparations- froge und ihre wirtschaftliche Zielsetzung vereitelt wäre. Lin klarer Gedankengang auf der Gegenseite, der einen Ausweg aus dieser Sackgasse schaffen könnte, scheint auch jetzt noch nicht oor- zuliegen. Gegen die französische Sicherungsklausel. London, 1. Juli. (WTB. Funkspruch.) Die Korrespondenten der Morgenblätter in Lausanne beurteilen die Lage trotz der bekannten Schwierigkeiten nicht ungünstig. „Times" stellt fest, daß gestern zweifellos in verschiedenen Richtungen e i n Fortschritt erzielt wurde. Die Ansichten der französischen und der deutschen Delegation seien einander so angenähert worden, daß es absurd wäre, wenn die Konferenz ohne praktische Entscheidung abgebrochen oder in veränderter Form unbegrenzte Zeit fortgesetzt werde. — „Financial News" sagt: Die Franzosen haben sieben Milliarden Mark verlangt, eine Summe, deren Unsinnigkeit sich aus der Tatsache ergibt, daß sie nicht viel weniger ausmachen dürfe als die Hälfte der Kapitalsumme des Dawesplanes. Die Franzosen haben aber auch eine Sicherungsklausel gefordert, wonach die deutsche Leistung erhöht werden soll, wenn Amerika auf Fort- setzung der französischen Schuldenzahlungenbest eh t. Es darf angenommen werden, daß die britische Delegation diese Forderung, die aus mehreren Gründen nicht angebracht ist, nicht unter st ützt hat. Erstens könnte eine derartige Vereinbarung nicht als endgültig und abschließend betrachtet werden, und zweitens ist kaum anzunehmen, daß sie mit dem von der Konferenz einschließlich der französischen Delegation angenommenen Grundsatz übereinstimmt, daß die Regelung geeignet sein muß, das internationale Vertrauen wieder herzustellen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß nichts so geeignet ist, das internationale Vertrauen zu zerstören, wie e i n internationaler Transfer von Geld, der unter gewissen Umständen eintreten wird. Das Schlimmste aber ist, daß diese Sicherungsklausel eigentlich mehr den Namen „Verärgerungs- , kl a usel" verdient, die goeign-'t ift.-die 'Bereinigten Staaten zu reizen. Die b e st e Aussicht auf günstige Aufnahme eines europäischen Reoisionsgesu'ches an Amerika wäre die Auslöschung aller europäischen Zahlungen. Eine abschließende deutsche Zahlung verträgt sich durchaus mit einer solchen Auslöschung. Aber wenn Lausanne ein Erfolg sein soll, dann darf eine dahingehende Zusage Deutschlands nicht mit einem Netzwerk von Einschränkungen und Bedingungen und Voraussetzungen umgeben werden. sich an dem Festzug durch die Straßen Prags 70 000 Menschen beteiligen werden. In den großen weltpolitischen Auseinandersetzungen war cs eine zeitlang von Rußland ziemlich still. Run kommt eine Rachricht, die aufhorchen läßt. Sie wird zwar zunächst von interessierter polnischer Seite verbreitet und bedarf der Rachprüfung auf ihren tatsächlichen Untergrund. Aber wir werden immerhin wieder darauf aufmerksam gemacht, daß wir die im Osten liegenden Möglichkeiten für unsere Außenpolitik nicht unachtsam behandeln dürfen, wenn uns bei anderen Problemen das Feuer auf den Rägeln brennt. Die Polen behaupten, daß sie sich mit den Herren des Kreml über die Grundzüge eines R i ch t a n g r i f f s p a k t e s verständigt hätten und daß wahrscheinlich Rumänien und Frankreich in irgendeiner Form dem geschlossenen Vertrag beitreten würden. Falls die Russen einen solchen Pakt in vollem Ernst eingehen wollten, so kann darüber keine Unklarheit bestehen, daß dieser Schritt eine gewisse außenpolitische Schwenkung anzeigen würde. Ein solcher Vertrag würde nicht mehr ganz auf der Linie der deutsch-russischen Beziehungen liegen, wie sie unsererseits seit Rapallo ins Auge gefaßt waren. Die Franzosen haben immer vermutet, daß hinter den wirtschaftlichen und allgemein politischen Richtlinien einer Verständigung noch geheime Abmachungen stünden, die irgendeinen militärpolitischen Charakter trügen. Der verstorbene Außenminister S t r e s e - mann ist in seinen Dementis gegenüber solchen Verdächtigungen ganz bewußt immer etwas zweideutig geblieben. Er ging dabei von der Auffassung aus, daß es gar nichts schaden könne, wenn man uns noch irgendwelche unbekannte Möglichkeiten zutraute. Man kann es ja auch ruhig crussprechen, daß die Pflege der Beziehungen zu Rußland selbstverständlich eine Spitze gegen Polen tragen sollte. Unsere Hoffnungen, die willkürlich und grausam gezogenen Grenzen im Osten wieder einmal mit unseren nationalen Rechten und Lebensnotwendigkeiten in Einklang zu bringen, können nur d a n n ihre Verwirklichung finden, wenn wir in dieser Frage Rußland auf unserer Seite wissen. Auch Rußland ist bekanntlich mit seinen westlichen Grenzen nicht ganz einverstanden. Es ist darum zunächst wenig glaubhaft, wenn polnische Blätter der geplanten Verständigung den Stempel eines russischen Westlocamo mit dem Segen Frankreichs aufdrücken möchten. Dann hätte in der Tat Frankreich einen Teil seiner Absichten verwirklicht, die früher und bis in die Lausanner Konferenz hinein durch den Druck in der Richtung auf ein deutsches Ostlocarno in politische Tatsachen gewandelt werden sollten. 3n Lausanne selbst scheint man mit neuen Erpressungsversuchen bisher zurückgehalten zu haben. Wenn man sich über die Aussichtslosigkeit solcher Pläne noch Täuschungen hingegeben haben sollte, so sind sie soeben durch eine amtliche Erklärung zerrissen worden, die einer Falschmeldung in der englischen Presse entgegengestellt wurde. Da war davon die Rede, daß sich Deutschland mit Polen über eine Internationalisierung des Korridors verständigen wolle. Die Erklärung des Kanzlers, daß er im Osten von den Grundsätzen der deutschen Außenpolitik unter gar keinen Umständen abweichen werde, wird hoffentlich den geplanten englisch-französischen Anzapfungen nach dieser Richtung von vornherein einen Riegel vorschieben. Es gibt keine deutsche Regierung, die sich mit den Vertretern anderer Mächte über ein Ostlocarno unterhalten würde. Wir müssen unerschütterlich dabei bleiben, daß uns im Osten unerhörtes Unrecht geschehen ist und daß wir nicht ruhen werden, bis dieser Pfahl in unserem Fleisch, bis diese ewige Bedrohung des Weltfriedens entfernt ist. Die letzten Ereignisse zeigen aber auch, wie sehr wir darauf achten müssen, daß uns nicht auf Umwegen unsere östlichen Möglichkeiten verbaut werden. Oer Lleberfall von Onx im tschechischen Parlament. Die Regierung schweigt. Prag, 30. Juni. (WTB.) Im Abgeordnetenhause wurden von allen deutschen Rednern die Vorfälle von Dux zur Sprache gebracht. Abtzeord- neter Keibl (deutschn.) bemängelte, daß nichts zum Schutze der deutschen Turner geschehen sei. Abgeordneter Knirsch (Rats.) forderte eine Untersuchung der Vorfälle, strengste Bestrafung derSchuldigen sowie eine Stellungnahme der Regierung. Abgeordneter Eckert (Deutsche Gewerbepartei) protestierte dagegen, daß man die deutsche Bevölkerung schutzlos gelas- s e n habe. Abgeordneter Krumbs (Chr.-soz.) führte aus, es stehe zu befürchten, daß die Duxer Vorfälle Schule machen werden. Wir haben nichts gegen eine starke Hand, verlangen aber eine gerechte Hand, damit nicht dreieinhalb Millionen Deutsche an Recht und Gerechtigkeit verzweifeln müssen. Der kommunistische Abgeordnete Stetka protestierte gegen das Bestreben, die Kommunisten für die Vorfälle in Dux verantwortlich zu machen. Abgeordneter Dr. Bacher (Deutsche Arbeite- und Mrtschaftsgemeinschaft) bedauerte, daß die Regierung bisher keine Erklärung über die Duxer Ereignisse abgegeben habe. Abgeordneter Kaufmann (deutsche Soz.) erklärte, es sei Pflicht des Staates, seine Bürger ohne Unterschied zu schützen. Arbeitsbeschaffung aus eigener Kraft. Stärkung des Binnenmarkts durch Förderung der Landwirtschaft. Berlin, 30. Juni. (ERB.) Die „Deutsche Zeitung" beschäftigt sich in einer Sondernummer mit der Frage der Arbeitsbeschaffung. Zahlreiche führende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens haben sich zu diesem Thema geäußert. Reichsminister des Innern Frh. v. Gayl betont die besondere Wichtigkeit der Pflege des Binnenmarktes für die überwiegend landwirtschaftlichen Grenzgebiete, deren wirtschaftliche Notlage vornehmlich auf diesem Wege dauernd gebessert werden müsse. Alle derartigen Maßnahmen der Regierung bedürften aber des Verständnisses und der Unterstützung durch das ganze deutsche Volk, wenn sie die richtige Wirkung haben sollten. Das Reichsministerium des Inner:; werde bei der Arbeit für den deutschen Binnenmarkt mitzuwirken haben, indem es den Rundfunk in den Dienst der Aufklärung zwischen Stadt und Land stelle und so nach seinen Kräften dafür sorge, daß weiteste Steife erkennen lernen, um was es gehe. Reichsernährungsminister Frh. v. Braun erörtert ebenfalls vor allem die Möglichkeiten einer Stärkung des inneren Marktes. Wenn unsere Zoll- und Handelspolitik in nächster Zeit grundsätzlich binnenmarktorientiert sein müsse, so sei das nicht unser freier Wille, sondern von der Not diktiert. Die Reichsregierung habe deshalb auch erklärt, daß sie es angesichts der ungeheuren Wirtschaftsnot für ihre unabweisbare Pflicht halte, die WirtschaftsenergiendeseigenenLan- des zu mobilisieren und in erhöhtem Maße für die Verwertung der brachliegenden Arbeitskräfte nutzbar zu machen. Das deutsche Volk müsse in seiner Gesamtheit erkennen, daß es bei der gegenwärtigen Lage der Weltwirtschaft eine wirtschaftliche Gesundung für uns nur dann gebe, wenn wir d i e in unserem Lande vorhandenen Produktionsmöglichkeiten, d. h. in erster Linie die landwirtschaftliche Erzeugung, weitgehend ausnutzen und rentabel machen. Eine 'wirtschaftlichstarke Landwirtschaft werde jur treibenden Kraft unserer gesamten Volkswirtschaft werden. Kundgebung für den Bauspar- gedanken. Förderung des Baues von kleinen Eigenheimen. Berlin, 30. Juni. (ERB.) Der Rcichsver- band der Bausparkassen, der zur Zeit in Berlin den diesjährigen Verbandstag abhält, trat heute zum ersten Male mit einer großen Kundgebung im Plenarsaal des Herrenhauses an die breitere Öffentlichkeit. Der stellvertretende preußische Ministerpräsident Dr. Hirtsief er begrüßte die Versammlung namens der preußischen Staatsregierung und führte u. a. aus: Wenn die anhaltende Wirtschaftskrise auch nicht spurlos an den Bausparkassen vorübergegangen ist, haben sie diese doch größtenteils ohne wesentliche Einbuße überstehen können. Das beweist, daß doch noch gewisse Spargelder und ein gewisser Sparwille im Volke vorhanden ist und sich herauswagt, wenn man sicher ist, daß die Gelder für die Zukunft nicht verloren gehen. Aus dieser Einstellung der Sparer erwächst die heilige Pflicht, sorgfältig mit den zu treuen Händen übergebenen Geldern umzu gehen. Ich halte es für zweckmäßig, wenn sich Ihr Verband möglichst umfassend ausgestaltet und sodann in enger Fühlungnahme mit meinem Ministerium und den Behörden überhaupt arbeitet, weil ich und mein Ressort an der Bausparkassenbewegung ein großes Interesse habe, und zwar ein positives, rächt nur ein technisch-kritisches. Wir haben ein Interesse daran, daß gebaut wird, und namentlich daß Einfamilienhäuser als Eigenheime gebaut werden, wobei mir freilich besonders daran liegt, daß möglichst viele kleine Einfamilienhäuser erstehen, deren Preis möglichst nicht über 5000 Mk. sein darf, daß aber diese Einfamilienhäuser durch sorgfältige Auswahl der Typen und technische Lleberwachung einerseits zweckentsprechend ge st alter werden, anderseits aber nicht überteuert werden, namentlich nicht nachträglich. So sehe ich die Ausgaben an, denen Sie sich zu widmen haben. Dabei werden Sie meine wärmste Förderung und Unterstützung haben. England konvertiert seine Kriegsanleihe. London, 30. Juni. (TL1.) Der Schatzkanzler Reville Chamberlain gab im Llnterhaus den großen Konvertierungsplan für die fünf- prozentige englische Kriegsanleihe bekannt, von der nunmehr 2 Milliarden Pfund Sterling (etwa 30 Milliarden Mark) ausstehen. Chamberlain erklärte, die Regierung werde die Anleihe am 1. Dezember 1932 jedem zurückzahlen, der sich von heute in drei Monaten entschließe, den Antrag auf Zurückzahlung zu stellen. Alle Anträge mühten bis zum 30. September gestellt sein. Die Besitzer der Anleihe wurden jedoch zu gleicher Zeit aufgefordert, die Anleihe zu anderen Bedingungen neu zu zeichnen und die Regierung hoffe, dah die groß« Masse der Anleihebesitzer der Aufforderung, die Anleihe weiter zu zeichnen, folgen werde. Die wichtigsten Aenderungen sind sollende: Die Zinsen werden vom 1. Dezember 1932 3,5 v. H. im Jahve betragen. Weiter wird die Regierung die Anleihe jederzeit nach dem 1. Dezember 1932 zurückzcchlbar machen und ferner wird der Rcnne in „3,5prozentige Kriegsanleihe" umgeändert. Die Zinsen werden nach wie vor ohne Einkommensteuerabzug gezahlt werden. Auch die weiteren Steuervorteile für die Anleihe werden bestehen bleiben. Anleihebesiher, die die Absicht haben, weiter die Anleihe beizubehalten, werden einen Bonus von einem Pfund auf 100 Pfund aus gezahlt erhalten. Oer englisch-irische Streit. Wird Irland zahlen? Sonst Einfuhrzölle auf irische Waren. London, 30. 3uni. (DU.) In der Mittwoch- sihung des Kabinetts wurde beschlossen, i m Falle der Richtbezahlung der am heutigen 30. Juni fälligen irischen Entschädi- gungszahlungen sofort ein Gesetz einzu- bringen, das der englischen Regierung Vollmachten zur Beitreibung der ausfallenden Summe durch sofortige Erhebung der Zölle auf aewissc irische Einfuhren erteilt. Da bestimmt mit der Zahlungsverweigerung durch de Valero zu rechnen ist, sind bereits alle Vorbereitungen zur Ausarbeitung der notwendigen Zollmahnahmen in die Wege geleitet worden. Um die Zölle sofort erheben zu können, wird die Regierung Vollmachten erhalten, die bis zum 15. Rovembcr in Kraft befindliche Einfuhrfreiheit für irische Waren außer K r a f t zu sehen. Da sich der volle IahreSbetrag der irischen Entschädigungszahlungen auf drei Millionen Pfund beläuft und außerdem mit der Zahlungsverweigerung de Valeros für andere irische Zahlungen an England im Betrag von zwei Millionen Pfund gerechnet wird, sollen die Einfuhrzölle insgesamt die Summe von fünf Millionen Pfund einbringen, das ungefähr einem Sechstel der irischen Gesamtjahreseinfuhr nach England gleichkommt. Der irische Ausfuhrhandel, der in der Hauptsache i n D i e h - und Landwirtschafts - Erzeugnissen besteht, wird durch die Erhebung englischer Zölle sehr stark betroffen werden, da rund 60 v. H. alle»r irischen Ausfuhren nach England gehen. Aus aller Welt. Das Urteil gegen Vomhard aufgehoben. Das Metzer Gericht hatte in der vergangenen Woche den deutschen Oberforstmeister v. Bomhard wegen angeblicher Zuwiderhandlung gegen einen Ausweisunysbefehl zu 1 Monat Gefängnis verurteilt. In zweiter Instanz wurde dieses Urteil, gegen das von Bomhard Berufung eingelegt hatte, aufgehoben. Tagung des Verbandes „Deutsche Jcaucnrullur“ in kiel. Der Verband „Deutsche Frauenkultur", zu dessen diesjähriger Hauptversammlung weit mehr als 100 Delegierte aus dem ganzen Reich noch Kiel gekommen waren, hatte den Lübecker Pastor Axel Werner Kühl für den einleitenden Vortrag in der Aula der Universität gebeten, die zugleich als eine öffentliche Kundgebung für Sinn und Zielsetzung des Verbandes gedacht war. Pastor Kühl führte u. a. aus: Wir fühlen alle, daß wir mitten im Wandel eines Zeitgeschehens stehen, den schon im 19. Jahrhundert deutsche Männer wie Lagarde und Langbehn, den Sturmmöwen gleich, angekündet haben. Vor uns liegt noch ein Dunkel. Ob es den Untergang für uns birgt oder eine innere Umkehr, in uns selbst vollzogen, das war die Frage, die der Redner stellte. Der Kraft unseres Willens und der bewußten Erkenntnis, wo wir stehen, kann es anheimgestellt sein, für Volk und Land die Entscheidung herbeizuführen, denn zuende gedacht sind die großen Triebfedern, die noch unsere eigene Lebensform mitbestimmten: der Rausch der Technik, das enge Lebensziel eines Winkel- glücks und die Bindungsfreiheit, die den ein- Mhrlägige Schließim der tlniverW Berlin. J >7. z.w & WB Das geschlossene Portal der Berliner Friedrich-Wilhelm-Unioersität. Oben links: Der Rektor Prof. Dr. Lüders. Oer Wahlkampf beginnt. Stegerwald vor den Zentrumsarbeitern. Essen, 30. Juni. (TU.) Auf der Tagung des Reichsarbeiterbeirats der Deutschen Zentrumspartei am Mittwoch in Essen legte der frühere Reichs- arbeitsminister Stegerwald zunächst dar, was das Ka b i n e t t Brüning in den zwei Jahren einer Regierung verhindert und was es erreicht )abe. Das Kabinett Brüning habe ein weitgrei- e n d e s Programm vor sich gehabt, das meiste ei bereits in Durchführung begriffen gewesen. Was üe neue Regierung jedoch wolle, sei in mehrfacher Hinsicht sehr wenig klar und durchsichtig. Voraus- setzung für die staatspolitische Entfaltung des Christlich-deutschen Volkstums, so erklärte Stegerwald weiter, ist ein geistiger Staat, der nicht wieder Kasten- und Klassen st aat sein darf, sondern nur ein Volksstaat sein kann. Gegenwärtig wird ein großes politisches Spiel gespielt. Die breitesten Kreise des deutschen Volkes wissen gar nicht, wo wir zur Stunde stehen. Wir befinden uns mit einem Wort inmitten einer großen Revolution. Das, wag wir 1918 erlebt haben, mar in der Hauptsache der Zusammenbruch eines überlebten Regierungssystems. Jetzt erst zeigen sich allmählich die Auswirkungen einer verfehlten Geisteshaltung und Politik von vielen Jahrzehnten. Das Wesen der gegenwärtigen Weltkrise besteht einmal in den unmöglichen Friedensverträgen, ferner darin, daß die Technik den Gestaltungsmöglichkeiten im Staat, Wirtschaft und Gesellschaft vorausgeeilt ist. Die Deutschen haben in den nächsten Wochen darüber zu entscheiden, ob sie einer weiteren großen Unruhe und damit einer andauernden Verarmungsperiode überantwortet werden wollen oder ähnlich wie die Engländer und Franzosen - e i n Volk werden wollen. Eine sachlich ungerechte und psychologisch falsche Handlung der Arbeiter führt in kurzer Zeit zu neuen großen sozialen Spannungen und Erschütterungen, die lediglich zur Verelendung aller führen wird. Mit Diktatur und mit Herrenmenschentum ist Deutschland bestimmt nicht zur Gesundung zu bringen. Eine Diktatur von rechts würde in kurzer Zeit zu einer Diktatur von links, sie würde uns in den Bürgerkrieg führen. Das muß unter allen Umständen verhindert werden. Das Kabinett Brüning hat eine parlamentarische Mehrheit hinter sich. Das Kabinett v. Popen hat im deutschen Volk nichts hinter sich. Das Kabinett v. Popen ist eine Regierung Michaelis in zweiter Auflage. Es muß wie Michaelis so schnell wie möglich verschwinden. — Der Reichsarbeiterbeirat des Zentrums erließ dann einen Aufruf an das christliche Arbeitervolk Deutschlands, in dem es u. a. heißt: Unsere Parole lautet kurz und bündig: Gegen jede Diktatur, Partei-, Klassen- und Kastenherrschaft, für den christlichen, für den nationalen, für den freiheitlichen Dolksstaat, für die Freiheit und Gleichberechtigung unseres Volkes in der Welt. LIstenverbin-ungenfürbleAeichstagswahI Berlin, 1. Juli. (ERB.) Wie die DAZ. »berichtet, soll in Kreisen der Staatspartei die Absicht bestehen, mit dem Zentrum Listenverbindung einzugehen. — Die Deutsche Volkspartei soll, wie in politischen Kreisen verlautet, in ein gleichartiges Verhältnis z u den Deutschnationalen treten. zelnen Menschen aus der Gemeinschaft löste. Sie sind bis an ihr Ende vorgestoßen, und nur ein neuer Menschentyp, der wie der Krieger willig ist, eine höhere Macht über sich zu fühlen, kann von der Schwelle, auf der wir uns befinden, zu einem neuen Lebensanstieg führen. — Rach einem Referat von Frau Elisabeth V o r m e y e r , Kiel, über „Frau und Gemeinschaft", sprach Frau Ilse Burckhardt, Mülheim-Ruhr, vom Abtun alles Unwesentlichen, vom freiwilligen Ver- zicht auf persönliche Wünsche, von dem Willen, sich nicht mit dem Schicksal abzufinden, sondern frei geworden und bewußt die klaren Wege der Armut zu beschreiten, auf denen die Frau heute allein für Kinder und Mann den wahren Sinn des Lebens bewahren kann. — Frau Ilse Dieckmann, Direktorin der Obst- und Gartenbauschule der Diakonissenanstalt Kaiserswerth, behandelte das Thema „Die Frau als verantwortliche Vermittlerin von Stadt und Land". Die Zahlen, mit denen die Rednerin die Lage der ländlichen Betriebe Deutschlands umrih, stellten Wolken im Bild. Winke für den photofreund. Die Reise- und Wanderzeit gibt den Lcmd- schoftsaufnahmen wieder erhöhte Bedeutung. Aber auch hier muß zwischen Knipsern und wirklich Photographierenden unterschieden werden. Sind einige markante Einzelheiten auf den ersten Blick zu erkennen, so ist mancher schon mit der Ausnahme dufrieben, während es eigentlich schade um die Platte, um die darauf verwendete Arbeit und um die daran geknüpfte Hoffnung ist. Der Landschaft des anspruchslosen Amateurs fehlt so oft das Wesentlichste: der Charakter. Ihre „besonderen Kennzeichen" sind da, aber von der inneren Struktur, von ihrem Geiste ist keine Spur zu entdecken. Dazu fehlen die Stimmungswerte, die sie erst herausheben aus dem Langweiligen ins Bildhafte und photographisch Lohnende. Wohl am geeignetsten, um eine Landschaft lebendig zu machen, ist die Wolke im Bild. Viele Landschaftsbilder ohne Wolken sind überhaupt nicht zu genießen. Man merkt sofort, daß etwas Wichtiges fehlt. Die übliche Photoplatte neigt eben doAu, den Himmel ausdruckslos und eintönig erscheinen zu lassen. Hierher gehören die meisten Fernsichten, zumal wenn der Horizont verhältnismäßig tief liegt. Aber auch in den andern Fällen, wenn also der Horizont vielleicht gar über der Mitte läuft, soll der Himmel durch aufragende Bäume oder dergl. unterbrochen fein, wenn er wolkenlos ist. Auszunehmen sind hiervon besondere Stimmungen, die aus der Wolkenlosigkeit kommen (z. D. die drückende Hitze eines Sommertages, die Weite einer Ebene, die Endlosigkeit des Meeres). Aber für die Mehrzahl von Land- schaftsbildern sind Wolken das, was eine vernünftige Staffage für Straßen- oder andere Dor- dergrundbilder ist. Hier kann der Einwand gemacht werden, daß doch kein Photographierender es in der Hand habe, eine Landschaft mit oder vhne Wolken sein zu lassen. Run, es ist richtig, daß ein wenig Glück dazugehört, wie zu allem Finden von Motiven. Das nachträgliche Einko- Pieren von Wolken nach einem gekauften oder bei besserer Gelegenheit selber hergestellten Regativ bleibt immer Rotbehelf. Allzu Eifrige können rr m ^berben als bessern, wenn sie nicht maßvolle Vorsicht walten lassen. Rur dort, wo er auf das ^rA^nen von Wolken tagelang warten kann, Hot es der Photo-Sportler in der Hand, feine Landschaften direkt in der Aufnahme mit den gewünschten Wolken zu bekommen» Das gilt also für feinen Wohnort ober Ferienaufenthalt. Macht er bann Aufnahmen in verschiedenen Stimmungen, Jo kann er sehen, daß gar nicht für jedes Bild eme eigene, d. h. dazu passende Wolkenstimmung notig ist. Alles in der Ratur kann uns Schönheit offenbaren. Gewiß mag eine Ruine mit hin stürmenden Wetterwolken ein doppelt romantisches ~ aber dieselbe Ruine mit zarten Fruhlingswolken muß aus dem versöhnenden Gegensatz fast noch bildkräftiger wirken. Ein wogendes Kornfeld unter den beliebten, malerisch weißen Haufenwolken wird die Sommerschwere des Reifens gut ausdrücken - ein Heideblick mit gleichsam verloren hinsegelnden Wolkenschiffen wird lyrisch fesseln - ein Tal mit toaage- red)t gelagerten Schichtwolken wird idyllische Ruhe atmen . aber auch jede beliebige andere Wolkenart kann im Zusammenklang mit irgendeinem Landschaftstyp schön sein. Denn immer wird sie ihren Reiz und ihren Sinn haben. Das sei namentlich dem Wanderer gesagt, der im Vorübergehen seine Motive nehmen und Photographieren muß, wie sie eben sind. Zu fordern bleibt jedoch, daß ein harmonischer Einklang im Bilde herrscht, daß also Wolken nicht die Geschlossenheit zerreißen oder den Blick von andern wesentlichen Bildelementen ablenken. Bei ziehenden Wolken wird daher, nachdem alles zur Aufnahme und zur sofortigen Erfassung des günstigsten Moments bereit ist, auf diesen gewartet werden. Stehende oder langsam bewegte Wolken können durch geringe Veränderung des Aufnahme-Standpunktes in überraschend verschiedenartige Stellungen zu den Blickfängern im Vordergrund gebracht werden. Run das Photographische. Wolken sind manch- mal nicht leicht au photographieren, ohne Gelb- Nlter nur ganz selten. Am ehesten erhalten wir noch beim hochempfindlichen, ortochromatischen (Peruh, Agfa) kopierfähige Wolken, auch ohne Hilfsmittel. Sonst gilt die Erfahrung, daß auch der bewölkte Himmel so viel Helligkeitswerte hat und der Photo-Platte mitteilt. Eine nach der Landschaft sich richtende Belichtung ergibt käst stets einen stark überdeckten Himmel ohne Einzelheiten im eintönigen Schwarz des Regativs. Ein verlaufendes Filter, das je nach seiner Stellung nur den Himmel filtriert, aber die Strahlen des Vordergriindes durch blankes Glas vor der Linse gehen läßt, ist trotz einiger Bedenken für viele Ausnahmen zu empfehlen. Die andern, bei denen der Himmel überbelichtet ist, müssen in der Standader Ausgleichsentwicklung die Einheitlichkeit bekommen die ihnen die Aufnahme nicht geben konnte. Auch teilweise Abdeckung des Regativs in den unterbelichteten Partien kann empfohlen werden, um dort den Kopierprozeß zu verlangsamen und dem der andern Stellen (Himmel und Wolken) anzugleichen. Reucoccin hat sich dazu gut bewahrt. Dieses Verfahren wird auch dann oft notwendig fein, wenn mit normalem, also nicht verlaufendem Gelbfilter gearbeitet wird, damit die Wolken Durchzeichnung und Abstufung in den Schatten zeigen. Ein einfaches und ein doppeltes oilter wird auch der Liebhaber-Photograph bald brauchen. Als Regel läßt sich die Anwendung des mittleren Filters (Dichte 2) anempfehlen. Siebte 1 kommt in Frage für Aufnahmen, bei denen wegen minderen Lichtes kürzer exponiert werden muß, oder für Motive, die keine gar zu grellen Unterschiede aufweifen (trübe Witterung, Dämmerstunden). Regeln für die Delichtungs- dauer lassen sich schwer aufstellen, da es auf wenig Gebieten so große Unterschiede in den Helligkeitswerten gibt wie hier. Aber als Anhalt sei gesagt, daß die ganz kurzen Zeiten in den Delich- tungstafeln für ausschließliche Wolkenaufnahmen nur selten in der Praxis in Betracht kommen wer- den. Ein reines Wolkenbild, höchstens mit einem schmalen Erdstreifen nahe beim unteren Rande wird nur ganz vereinzelt gemacht werden. Alle andern aber erfordern Belichtung, die der für Landschaftsteile des Bildes ermittelten nahekomrnt, wobei der Derlängerungsfäktor der Gelbscheibe nicht zu vergessen ist. Der Landschaftsteil des Dil- des muß als gleichberechtigt gelten, was allerdings bei rasch ziehenden Wolken oft Schwierigkeiten bereitet Doch haben wir grundsätzlich davon auszugehen, daß Wolken zwar überaus wichtig aber normalerweise eben nur Teile des Ganzen sind dem sie sich einordnen sollen zum innerlich harmo^ nierenden Bild. Oochschulnachnchten. Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Paul G rawitz, Direktor des Pathologischen Instituts der Universität Greifswald, bis zu feiner Emeritierung im Jahre 1921, ist im Alter von 81 Iah- gestorben. Grawih war Assistent Virchows pabiliherte sich 1884 in Berlin und kam noch na$ Greifswald. Dort wurde er 1886 Ordinarius. die Frauen vor die Forderung, keine übertriebenen Qualitätsforderungen, die den Schwierigkeiten der ländlichen Produktion unseres Volkes nicht Rechnung tragen, sondern das Leben der Armut zu gestalten und zu bejahen. — DaS letzte Referat hatte Frau Eleonore S p ä i n g, Düsseldorf, über das Thema „Die Frau als Erwerberin und Gestalterin". Attenlalsversuch auf den Rektor der Unioerfiäf Wien. Während der Enthüllung einer Gedenktafel für Prof. Dr. W e t t st e i n dem vieltem auf dem Wiener Zentralfriedhof wurde auf den neugewählten Rektor der Wiener Universität Prof. Dr. QI bei ein Attentat verübt, bei dem der Rektor jedoch unverletzt blieb. Prof. Abel hielt gerade die Gedenkrede, als aus dem Zuhörerkreis er außerordentliche Professor der Zoologie Dr. Camillo Schneider vorsprang und einen Schuh a u f den Rektor abgab. Er wollte noch einen zweiten Schuß abfeuern, als der Bürgermeister von Wien Abg. Seitz, ihm die Hand niederfchlug. Dr. Schneider wurde sofort verhaftet. Prof. Sch. wird als ein schrullenhafter Mensch geschildert Er hatte in der letzten Zeit Pamphlete gegen eine angeblich an der Universität herrschende Clique verfaßt und fühlte sich anscheinend unterdrückt. Während des Schusses rief er: »Jetzt wollen wir endlich abrechnen l" Prof. Dr. Sch. fühlte sich durch Professor Abel bzw. durch den verstorbenen Prof. Wettstein zurückgesetzt und auch wissenschaftlich geschädigt. Prof. Dr. Schneider hatte sich um eine ordentliche Professur beworben und schob die Schuld daran, daß er sie nicht erlangt hatte, den vereinigten Bemühungen der Professoren Abel unb Wettstein zu. Sch. wurde 1867 in Pomssen bei Grimma in Sachsen geboren. Politischer Mord in den Straßen Sofias. Ein politischer Mord ist auf offener Straße in Sofia verübt worden. Auf dem Platz zwischen dem Rationaltheater und dem Kriegsministerium wurde der Lehrer Christofs von dem Mazedonier Tauischoff erschossen« Der Mörder wurde festgenommen und erklärte bei dem Verhör, daß er den Lehrer Christofs irrtümlich erschossen habe. Er sei vielmehr beauftragt gewesen, den mazedonischen Abgeordneten Peter Marmoff, ein ehemaliges Mitglied des mazedonischen Rationalkomitees und früheren bekannten Revolutionär, zu erschießen. Man vermutet, daß es sich hierbei um einen neuen Schlag der Protogeroffgruppe gegen die legale mazedonische Bewegung handelt, ähnlich wie es bei der kürzlich erfolgten Ermordung des Mazedonierführers Michailoff der Fall war. Die Feuerwehr von Istha auf der Anklagebank. In der Scheune des Landwirts und Schuhmachers Ludwig Ahlheidt in Istha (Kreis Wolfhagen) war am 14. Februar 1927 Feuer ausgekommen, das zu löschen die an der Brandstelle erschienene Feuerwehr nicht den geringsten Versuch machte, obwohl die Feuerspritze und genügend Wasser vorhanden waren und obwohl der Orts- und Bezirksbrandmeister sowie der damalige Bürgermeister von Jstha^ zur Stelle waren. Als dann infolge Mangels an brennbarem Material das Feuer von s e l b st ausgegangen war, legten die Feuerwehrleute an fünf Stellen innerhalb des Wohnhauses und an den Außenwänden neue Brandherde an. Ganz besonders gefährlich war ein solcher in einer Schlafkammer, in der beim Betten des Vettes Heu auf den Boden gestreut und dann noch mit Petroleum begossen wurde. Der „tatkräftigen Forderung" des Brandes durch die Feuerwehrleute war es auch zuzuschreiben, daß das ganze Anwesen des Ahlheidt bis auf den Grund niederbrannte. Rach langwierigen Ermittlungen war es schließlich der Staatsanwaltschaft Kassel gelungen, d i e Gründe des Brandes aufzudecken. Vor dem Kasseler Schwurgericht haben sich jetzt ^Angeklagte aus Istha zu verantworten, die fast ausnahmslos damals zur Feuerwehr gehörten. Zu Beginn der Verhandlung wurde auf Antrag der Verteidigung und gegen den Widerspruch des Staatsanwalts der Feuerlösch- direktor des Regierungsbezirks und Angestellte der Hessischen Feuerversicherungsanstalt Diplom- Ingenieur Goldbach als Sachverständiger Der Professor für Chemie an der Technischen Hochschule in Brünn, Max Höhnisch, wurde in diesen Tagen 80 Jahre. Die Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Köln hat den Generalkonsul Tietje, Amsterdam, zum Ehrendoktor ernannt. Der Professor der Orthopädie an der Universität Breslau GustavDrehmannist im Alter von 62 Jahren gestorben. Die fünfte Fachtagung für klassische Altertumswissenschaft in Raumburg wählte zum Vorsitzenden an Stelle Prof. Werner Jägers (Berlin) Prof. Otto Regenbogen in Heidelberg. Vorträge hielten Prof. Otto (Frankfurt), Prof. Malten (Breslau) und Prof. Harder (Kiel). Der Entwurf einer altertumswissenschaftlichen Prüfung wurde angenommen. Eine forstliche Hochschulwoche veranstaltet in der ßeit vom 7. bis 9. Juli die forstliche Hochschule in Hannoversch-Gmünden. Proß Dr. Carl Christ wurde zum Direktor der Handschriftenabteilung der preußischen Staatsbibliothek ernannt. ^Das 60. Professoren-Jubiläum feierte der Kieler Orientalist Georg Hoffmann. Zeitschriften. — Die neueste Rümmer 4555 der 3 l l u st r i r- t e rt Zeitung (I. I. Weber, Leipzig) hat es sich zur Aufgabe gestellt, die Aufmerksamkeit auf das an kulturellen und wirtschaftlichen Kräften so reiche LandSachsen zu lenken. Ein einleitender Artikel von Ministerpräsident Schieck behandelt Land und Leute, Kultur und Wirtschaft im Grenzland Sachsen. Olls Bollwerk deutscher Arbeit tritt uns Sachsen in einem Beitrag von Willy Wittke sowie in zahlreichen Bildern von Stätten sächsischer Industrie und sächsischen Hausgewerbes entgegen. Das grüne Grenzland aber, das Land „der grünen Raute", mit seinen Wäldern und Feldern, mit seinen Heen und Auen und Bergen, mit seinen Burgen und Domen und Schlössern, mit seinen Flüssen und Strömen, es ersteht vor uns in dem reich illustrierten Beitrag „Die grüne Grenze" von Bruno Sydow. Und daß man überall bestrebt ist, die Raturschonhciten von Wald- und Wiesenflächen in ihrer Unberührtheit -u erhalten, das bezeugt der Aufsatz „Sächsische Raturschutzgebiete im Grenzlande" von Werne« Schmidt. Baut Brücken -K M - Die Staatsmänner aller Länder tagen, beraten, verhandeln, um die erlösende Formel zu finden. Die Welt schwimmt im Ueberfluß an Rohstoffen und Waren, aber die Uneinigkeit der Völker verhindert, einen Nutzen daraus zu ziehen. Immer weiter steigt vielmehr die große Not, die vor keinem der Länder halt macht. Die darbende Menschheit verzzweifelt und ein Ruf schallt zu den großen Konferenzen hinüber: „Einigt euch, baut gemeinsam Brücken, damit wir gemeinsam zu einer besseren Zukunft gelangen. (Nach einer Idee der „Daily Expreß".) ab^elehnt, weil er als amtlicher Vertreter nicht die'genügende Objektivität besitze. Die Angeklagten hatten im Vorverfahren stack belastende Angaben gemacht, stritten aber jetzt alles ab, teilweise mit solcher Ain- verfrorenheit, daß der Vorsitzende mit energischen Rügen eingreifen mußte. Würde man der Darstellung der Angeklagten folgen, dann mühte man annehmen, daß bei dem Brande alles völlig ordnungsmäßig zugegangen ist. Schwere Gewitterschäden im Hunsrück. Lieber dem Hunsrück ging ein schweres Gewitter nieder, das über zwei Stunden dauert« und von wolkenbruchartigem Regen und Hagelschlag begleitet war. Besonders Braunshorn wurde schwer betroffen, wo die Dorfstrahen bis zu 50 Zentimetern von den Wassermassen überflutet wurden, die alles, was sich ihnen in den Weg stellte, mitrissen. Die Straßen sind tief aufgewühlt. Sehr stark hat auch die Frucht auf dem Feld gelitten, so daß kaum noch mit einer Ernte zu rechnen sein kann. In Rödern wurde durch Blitzschlag ein landwirtschaftliches Anwesen vernichtet. Der Besitzer und sein Personal konnten nur das Vieh retten, während alles andere ein Raub der Flammen wurde. Hindenburg fährt nach Reudeck. Reichspräsident von Hindenburg wird, wie die ,DAZ." erfährt, am Samstag Berlin verlassen, um für längere Zeit nach Reudeck überzusiedeln. Die Beisetzung Dr. Nordens in Genf. Auf dem Friedhof St. Georges erfolgte die Beisetzung des durch Ueberfahren durch ein Motorrad auf so tragische Weise ums Leben gekommenen Mitgliedes der deutschen Delegation Dr. Fritz Norden. Die deutsche Delegation auf der Abrüstungskonferenz war vollzählig unter Führung Botschafter Nadolnys anwesend, während die deutsche Delegation in Lausanne eine Abordnung entsandt hatte. Botschafter Nadolny nahm am Sarge mit herzlichen und bewegten Worten von dem Entschlafenen Abschied. Beisetzung von Reichsminisler Scholz. In dem an der Havel liegenden Dörfchen Sacrow, in dem er ein kleines Sommerhaus besaß, wurde der Ehrenvorsitzende der Deutschen Volkspartei, Reichsminister a. D. Dr. Ernst Scholz zur Ruhe bestattet. Zu Seiten des Sarges standen die Fahnen des Corps Suevia Freiburg i. Br. und des Hindenburg-Bundes der Iugendgruppen der Deutschen Volkspartei. Unter der Trauergemeinde bemerkte man den Staatssekretär Dr. Planck als Vertreter der Reichsregierung, den Reichsbankpräsidenten Dr. Luther, den Oberbürgermeister Sa hm, sowie den Präsidenten des Städtetages Dr. M u l e r t. Besonders zahlreich waren die Vertreter der Deutschen Dolkspartei mit dem Parteiführer D i n g e l d e y an der Spitze. Superintendent Görnandt'Potsdam schilderte das Leben des Verstorbenen als erfolgreichen Kommunalpolitiker und vaterländischen Mann. Im Auftrage des Reichskanzlers legte Staatssekretär Planck einen Kranz am Sarge nieder, dessen schwarzrotgoldene Schleife die Inschrift trägt: „Der Reichskanzler und die Reichsregierung". Mysteriöse Brandstiftungen in Berliner Schulen. Berlins Volksschulen werden seit einigen Tagen von mysteriösen Brandstiftern heimgesucht. Nachdem in den letzten beiden Tagen die Feuerwehr ungefähr si e b e n m a I in verschiedenen Schulen Großberlins umgreifen mußte, wurde sie am Donnerstag w i e- herum zweimal, nach Friedenau und Steglitz, gerufen. Der Steglitzer Brand mußte mit zwei. Zügen bekämpft werden. Der Befund hat einwandfrei ergeben, daß es sich wieder um Brand- stiftungen handelt. Auf die Wandtafel in der einen Schule hatten die ^Brandstifter die Worte geschrieben: „Rotfront, alles muß bren« n e n". Vorläufig liegt über den Hintergründen dieser geheimnisvollen Brandstiftungen völliges Dunkel, vielleicht handelt es sich um einen Geistes» kranken. Selbstmord des JUmfdjaufpielers Bruno Kastner. In einem Hotel in Bad Kreuznach hat sich der bekannte Filmschauspieler Bruno Kastner erhängt, lieber die Gründe zu diesem Selbstmord ist noch nichts näheres bekannt. Kastner weilte seit einigen Wochen zur Erholung in Bad Kreuznach. 16,3 Millionen Defizit im Münchener Etat. Der Haushalt der Stadt München für das Rechnungsjahr 1932 schließt mit einem Fehlbetrag von 16,3 Millionen Mark ab. Gegenüber dem Vorjahre beträgt der Rückgang der Ausgaben 14,5 Proz., der Rückgang der Einnahmen 15,9 Prozent. Das Finanzreferat empfiehlt zur Beseitigung dieses Fehlbetrages, von Reich und Land ausreichende Hilfe zu verlangen. 300.Jahrfeier der Universität Dorpat. Am Mittwoch begannen die Feiern anläßlich des 300jährigen Jubiläums der Universität Dorpat, die am Donnerstag durch einen großen Festakt in der Universitätsaula ihren Höhepunkt erreichten. Da die Universität Dorpat eine Gründung G u st a v Adolfs ist, ist die Beteiligung aus Schweden besonders rege. Auch von den übrigen europäischen und außereuropäischen Universitäten sind zahlreiche Vertreter eingetroffen, darunter drei Vertreter der Hochschulen Deutschlands. Unter den fremden Gästen befindet sich auch der Kronprinz von Schweden, der Mittwoch in Reval eintraf. Der Kronprinz besuchte u. a. das Haus der Revaler Schwarzen Häupter, einer mittelalterlichen deutschen Kaufmannsgilde, deren Ehrenmitgliedschast dem Kronprinzen unter dem üblichen althergebrachten Zeremoniell verliehen wurde. Die heute estnische, früher vorübergehend russische Universität war das ganze 19. Jahrhundert hindurch eine Universität mit deutscher Lehrsprache. Während dieser deutschen Zeit erlebte Dorpat in der Mitt« des vorigen Jahrhunderts seine höchste Blütezeit. Dieser Hochschule entstammen eine große Anzahl hervorragender deutscher Gelehrter, die dort lernten und lehrten, u. a. Karl Ernst von Baer, der Chirurg v. Bergmann, Gebrüder H a r n a ck, Wilhelm O st w a l d, der Rationalökonom Stieda, der Kunsthistoriker Georg D e - hi o u. a. Die Universität Dorpat hat also eine bedeutende Rolle im deutschen Geistesleben gespielt. Der englische Sonntag bedroht. Der Gesetzentwurf über die Zulassung von Sonntagsvorstellungen in Kinos wurde vom Unterhaus nach neunstündiger Debatte mit 146 gegen 56 Stimmen in dritter Lesung angenommen und darauf an das Oberhaus weitergeleitet. Der Kampf um die Vorlage, die ein Kompromiß dar stellt, war sehr leidenschaftlich geführt worden. Die Gesellschaft für Heilighaltung des Sonntags hatte an sämtliche Unterhausmitglieder und an alle Parla- mentsbericht?rstatter der Presse Protestbriefe gerichtet. Eine Gedenktafel für Goethes Dater. Anläßlich der deutsch.italienischen Woche wird in Frankfurt am Sonntag, 3. Juli, eine Gedenktafel zur Erinnerung an Goethes Dater feierlich enthüllt werden. Die Tafel ist an der Stelle des Geburtshauses von Goethes Vater an der Zeil, wo jetzt das Gebäude des Warenhauses Tietz steht, angebracht worden. Die von dem Bildhauer R. Seile/ geschaffene Tafel hat folgende Inschrift: „Hier stand das G a st h a u s zum Weidenhof, in dem Goethes Vater, der spätere kaiserliche Rat Johann Kaspar Goethe, am 29. Juli 1710 geboren wurde." Fabrikbrand in Weinheim. In dem Filialbetrieb der Gummifabrik W « ihbrod & Seifert, der sich in der oberen Hildebrandschcn Mühle im Birkenauer Tal befindet, entstand infolge Selbstentzündung ein Großfeuer. Das Feuer entwickelte sich derart rasch, daß sich die Feuerwehr nur noch darauf beschränken mußte, die Rebengebäude zu retten. Durch die groß« Hitze wurden noch der über der Dirkenauer Talstraße liegende Wald und 0' Estnische Briefmarke zum 300jährigen Bestehen der Universität Dorpat. di« Telegraphenstangen in Brand gesetzt. Glück-* licherweise stand infolge Instandsehungsarbeiten der Betrieb still. Von der anwesenden Belegschaft wurden vier Personen verletzt und mußten ins Krankenhaus verbracht werden. Der Schaden steht noch nicht fest, jedoch ist er sehr erheblich. Infolge Explosions» und Einsturzgefahr mußte der Verkehr umgeleitet werden. Gegen 19 Uhr war die größte Gefahr beseitigt. Wettervoraussage. Der Kern der Atlantikstörung, dessen Ausläufer bereits über Deutschland zu Barometerfall führten, näherte sich heute morgen der Westküste Schottlands und hat dabei ein Lustdruckgesalle bis zu 735 mm erreicht. Durch die Ausläufer ist bei uns mit Niederschlägen und Gewitterstörungen zu rechnen, wobei zunächst die Temperaturen noch weiter ansteigen werden. Etwas kühlere maritime Luft, deren Vordringen im Westen zu erkennen ist, hält dann die Neigung zu Gewitterstörungen aufrecht. Aussichten für Samstag: Bewölkt, wärmer, Gewitterstörungen und geteilter artige Riederschläge. Aussichten für Sonntag: Roch Gewitterstörungen oder gctoittcrartige Schauer, wechselnd bewölkt mit Aufheiterung, leichte Abkühlung. Lufttemperaturen. Am 30. Juni: mittags 24,6 Grad, abends 20,0 Grad: am 1. Juli: morgens 19,9 Grad Celsius. Maximum 24,6 Grad, Minimum 12,8 Grad. Sonnenscheindauer 9% Stunden. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe. Am 30. Juni: abends 21,9 Grad: am 1. Juli: morgens 18,0 Grad Celsius. Mit der Herzogs-Krone durch die City. U. ,/V Der englische Abgeordnete 21. L. Blackham, der mit einem Kollegen gewettet hatte, daß er mit einet Herzogskrone auf dem Kopfe die belebte Bondstreet heruntergehen werde. Unbekümmert um die verwunderten Passanten führte er sein Versprechen durch und konnte so eine beträchtliche Summe, die der Verlierer bezahlen mußte, für wohltätige Zwecke stiften.______________________ im 80. Lebensjahre für immer und zwar: 50 Gießen, Nordanlage 35, den 1. Juli 1932. J398S Haus der ahdarbeit Alten-Buseck, den 30. Juni 1932. 4953D Sellersweg 73 4941 A Ein großer Posten, teils feinfädige, weiche Makoware,teils starkfädige,griffige Gebrauchsware, moderne Streifen-u.elegante Blumenmuster, in vollendet glanzreicher Qualität, 130cm breit,jed. Meter nur Wir betrauern den Tod unseres Heben A. H. des Sanitätsrats Geschäftsdrucksacheo Rechnungen Briefblätter Briefumschlag« Postkarten Geschäftskarten lei Brühl, Schulstraße I Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen sagen wir allen herzlichen Dank. Frau Marie Stiehl Wtw. Der Gießener Wingolf. I. N. u. A. Ludwig Heymann XX jur. ____________________________________-34Z D Dr. Otto Budihold (GL 72) gestorben am 25. Juni 1932 zu Darmstadt 1000 Bett-Damast Meter Gelegenheitskauf! xS Dobel Höhenluftkurort ■ im Württ. Schwarzwald, 720 Meter üb. Meer. ■■■■■■■■■■■■■ zwischen Wildbad und Baden-Baden, in schöner, ruhiger Lage, inmitten herrlicher Tannenhochwälder mit prächtiger Fernsicht Höhensonne. Heilkräftiges Gebirgsklima, bes. geeignet für Nervöse, Herz- und A sthmaleidende. Kurarzt. Lesezimmer. Gute Gasthöfe, zahlreiche Privatwohnungen. Billige Preise. Prospekte d. d. Kurverwaltung. 14588V uiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiH Familie Georg Scbönhals Familie Philipp Senkler Familie Ludwig Bende Familie Gustav Müller. ist Donnerstagmittag von uns gegangen. In tiefer Trauer: Die Beerdigung findet Montag, den 4. Juli, nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt Unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater und Urgroßvater Christian Schönhals Nur wer zu kämpfen versteht, wird Erfolge erzielen! Konsumgenossenschaften! 4916 A Badeschuhe 2871 V Drogerie 0. Winterhoff, Gießen, Kreuzplatz 9/10 auch für Spielplatz und Haus für jeden erschwinglich 4965 A Sandalen Lebensrnittel Boolsschuhe Pfd. 83 Edamer halbfett 7< Pfd. 4947 Verkäufe Margarine l-Pfd.-Paket SCHUHHAUS itf. bei einer An Himbeer-Bonbons */,Pfd Eisbonbons 7, Pfd bei. 4939 V Telephon 4069 4938 A 2 !?. 4942 A Ferien für Ihre Füße 31 35 0.50 27/30 0.40 .20/24 36 42 0.60 la Oberh. Land-Blut und Leberwurst...p Sie können ihn auf der Straße, am Strand und zur Promenade tragen Mettwurst braunschw. Art. Plockwurst.. Fleischwurst Sie pflegen - - Ihre Blumen, warum pflegen Sie nicht auch Ihre Fübe? »Le bewohl« hilft Ihnen da- Tilsiter halbfett......pfd. ■ Limburger Stangenkäse Pfd. Allg. Schweizer voiif.*/4Pfd Einheitspreis G.m.b.H. 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Trotz der ungeheueren wirtschaftlichen Not und der gegenwärtigen Zerrissenheit auf politischem Gebiet, hat der Konsumverein Gießen und Umgegend eine Steigerung seiner Mitgliederzahl zu verzeichnen- Noch immer fehlte es an der notwendigen Einigkeit des deutschen Volkes. Die Konsumgenossenschaften sind aber politisch neutrale Organisationen. Es gilt deshalb, am 2. Juli, dem genossenschaftlichen Weltwerbetag Hess. Einfamilienhaus Heizung, Garage, gr. Garten, schöne freie Lage f. 20000 Genossenschaft, nicht Sekte, nicht Partei, man fragt nicht, welches Glaubens jemand sei, nicht welcher Farbe, welcher Richtung, nein, ein Friedenswerk, hoch über den Parteien! Zu einem Zweck und Ziel verbunden, wird Hab und Hader überwunden! 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Trotz Not und Elend haben die Konsumgenossenschaften seit allem Anfang den Verbrauchern wirtschaftliche Vorteile gebracht. Unermeßliches wurde geleistet. Auch während der Kriegs- und Inflationszeit haben die Konsumgenossenschaften restlos ihre Pflicht erfüllt Den Vorteil hatten nicht nur die Mitglieder, nein auch die Nichtmitglieder. Die segensreiche Tätigkeit der Konsumgenossenschaften Ist auch in Nichtmitgliederkreisen anerkannt worden. UH um eine bessere Lebenshaltung waren schon immer die Berichtigung In dem gestrigen Inserat der Firma Bottina wurde irrtümlich angeführt: „Damen-Waschseidenstrümpfe" anstatt Damen-Strümpfe aus faünstl. 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In traditioneller Weis-e beging unsere Alma mater Ludoviciana heute mittag die Feier ihres I a h r e s f e st e s. Die Aula war. wie stets aus diesem Anlaß stark besetzt. Die Feier wurde mit einem Einzugsmarsch eröffnet, bei dessen Klängen der akademische Lehrkörper feierlich in die Aula einzog. Unter der Leitung des Universitäts-Musikdirektors Dr. T e m e s . vary brachte der Akademische Gesangverein dann I. S. Bachs Chor „Aus tiefer Not" zu Gehör. Hierauf begrüßte Se. Magnifizenz der Rektor Prof. Or. Vanselow die Festoersammlung, insbesondere den Staatspräsidenten Dr. Adelung, die Rektoren der Technischen Hochschule Darmstadt und der Universität Marburg, die Vertreter der Staats-, Provinz- und Stadtbehörden, die Vertreter der Wehrmacht und die übrigen Ehrengäste. Er gab dann seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß trotz der Not der &it der geistige Fortschritt und die Entfaltung der deutschen Wissenschaft in der Lehre und Forschung erhalten geblieben sei, und forderte auf, dieses kostbare Gut auch weiterhin mit Sorgfalt zu hegen und zu pflegen, damit das deutsche "Geistesleben zum Segen der Volksgesamtheit immer unversehrt erhalten bleibe. Hierauf hielt er die Festrede über das Thema „F o r st w i r t s ch a f t als Ganzheits-Problem". Er führte u. a. aus: Bis zu Anfang dieses Jahrhunderts war die Forschungsmethode der biologischen Wissenschaften überwiegend kausal-analytischer und individualistischer Art. Das hatte zur Folge, daß in der Botanik der Zoologie, auch in der Medizin das Projekt der Untersuchung immer mehr eingeengt wurde und das Forschungsziel in die möglichst vollkommene Erkenntnis einzelner Faktoren und der letzten und allerletzten Einheiten, der Organe, der Gewebe, der Zellen einmündete. Die Forstwirtschaft als angewandte biologische Wissenschaft blieb zwar von den ärgsten Auswüchsen dieser Methode verschont, aber auch sie verlor sich in Einzelheiten, beschäftigte sich fast ausschließlich mit morphologischen und physiologischen Studien des Einzelbaumes, untersuchte bald den einen, bald den anderen ökologischen Faktor, verabsolutierte und zentralisierte die gewonnenen Einzelerkenntnisse und sah am Ende „den Wald vor lauter Bäumen nicht". Die letzten Jahrzehnte brachten eine grundsätzliche Wandlung. Neben der bisherigen Methode, der Idiobiologie, trat die Soziobiologie oder die Lehre von den gesellschaftlichen Verbänden, die Lehre von dem Wald als ganzem. Man erkennt jetzt allgemein die Lebenswerte der sog. „überindividuellen" Bindungen, es entsteht der Begriff des ökologischen Einheitsfaktors als der Resultante aller Faktoren. Durch zahlreiche Wechselbeziehungen der einzelnen Glieder der Bäume, und der im Walde lebenden Tiere entsteht eine Assoziation einer Ganzheit mit durchaus konkreten Ganzeigenschaften, mit Ganzbedingheiten für ihre Teile. Der Wald als soziales Gebilde, als Ganzheit hat zunächst rein äußerlich und nur pflanzcnsoziologisch betrachtet eine besonders eigen geartete Gesellschaftsstruktur, die ihn von anderen Vegetationstypcn (Formationen) scharf unterscheidet. Gegenüber einer Wiese, einem Feld, einem Hochmoor zeigt er einen ungleich großartigeren und komplizierteren Aufbau. Der Wald ist der schon räumlich größte, das Landschaftsbild am meisten bestimmende Pflanzenverein. Von den inneren Zusammenhängen in der Ganzheit Wald ist am sinnfältigsten die Abhängigkeit der einzelnen Degetationsschichten vom Lichtgenuß ausgeprägt. Im geschlossenen Wald gedeihen keine Lichtpflanzen, es findet sich in ihm nur eine schattenfeste Strauch-, Kräuter- und Moosschicht. Besonders schön und genau untersucht ist die Anpassung der unteren Pflanzenschichten an die Lichtverhältnisse der Baumschicht im Buchenwald. In ihm hat sich nicht nur eine Anpassung an die geringe zur Verfügung stehende Lichtmenge an sich, sondern auch eine ausgesprochene zeitliche Periodizität des Lebensrhythmus der Kräuterschicht in Anlehnung an die jahreszeitlich wechselnden Lichtverhältnisse des Bodens herausgebildet. Ein zweites Beispiel der Wechselwirkungen im sozialen Gebilde Wald ist die Ausbildung ganz bestimmter Gestaltsqualitäten der im Walde vereinigten Pflanzenindividuen, die besonders in der Baumschicht erforscht und auch dem Laien auffallend sind. Im Gegensatz zum freiständig erwachsenen Baum, der eine breite, wuchtige, abgeflachte Krone, einen kurzen, aber dicken Stamm mit kräftigen, zahlreichen Aesten ausbildet, ist der im Gesellschafts- gefüge des Waldes erwachsene Baum schmalkronig, er besitzt einen hohen, aber astreinen und vollholzigen Stamm, ein von Grund aus verschiedenes äußeres Bild als Ergebnis der Wechselwirkungen von inneren Eigenschaften und der Umwelt, insbesondere der sozialen Umgebung, des Kampfes der Bäume um Licht und Baurn. Der Wald bildet sich selbst ein besonderes Klima, das Bestandsklima aus, das von dem Freilandklima ganz wesentlich verschieden ist und stets eine Verschiebung des Klimas im maritimen Sinn zur Folge hat. Aber der Wald bildet auch den Boden nach besonderen Gesetzen so um, daß er ihm optimales Gedeihen sichert. Wenn somit der Wald in seinem Innern ganz bestimmte Wechselwirkungen verschiedenster Art auslöst, so hat er anderseits die Kraft und die Mittel, sich in seiner Eigenart gegen die Umwelt zu behaupten. Er besitzt Selbständigkeit nach außen und ist befähigt, durch die Langlebigkeit und dos Höhen- Wachstum der Bäume, durch den Lichentzug der Baumkronen das Areal aller anderen Formationstypen mit Ausnahme des Hochmoors zu besiedeln. Deutschland würde, sich vollständig selbst überlassen, in einigen Menschenaltern schon zum größten Teil mit Wald bedeckt sein. Nach all dem Ausgeführten ist der Wald als eine große soziale Einheit, als organische Ganzheit aufzufassen. Er unterscheidet sich grundsätzlich nicht von den einfachsten Lebenseinheiten, die wir als Organismen bezeichnen, und ist wie diese eine harmo- nische Einheit und eine Einheit höchster Lebenstüchtigkeit und ausgesprochener Zweckmäßigkeit. Der Vortragende führte dann weiter aus, welche Folgerungen aus dieser Ganzheitsbetrachtung des Waldes für die Forstwissenschaft und Forstwirtschaft gezogen werden müssen.Zum Schlüsse wies er insbesondere darauf hin, daß die Ganzheitsbetrachtung auch den natürlichen Weg zeigt zur Waldschönheitspflege, zur Pflege der Waldästhetik. In einer Zeit schwerster materieller Not müsse auf die Erhaltung und Herausstellung der geistigen, ideellen Werte im Leben des Volkes ganz besonderes Gewicht gelegt werden. Wirklich schön sei jedoch nur das Harmonische, der ursprüngliche Wald, der möglichst natur- normale, reichgegliederte Wald, der in seiner Mannigfaltigkeit der ihn zusammensetzenden Pflanzen und ihn bewohnenden Tiere, durch das feine Zusammenspiel seiner Glieder, das Gefühl der Einheit, der Schönheit und des Glückes in uns erwecke. „Vom Nützlichen durchs Wahre zum Schönen" (Goethe). Oer Ausklang. Im Anschluß an die Festrede gab Se. Magnifizenz einen Auszug aus der Jahreschronik cher Universität und sodann die Ergebnisse der Bearbeitung der Preisaufgaben bekannt, über die wir noch berichten werden. Er schloß seine Ansprache mit der dringenden Aufforderung an die Kommilitonen, in der gegenwärtigen schweren Zeit stets den Kopf hochzuhalten und die Nerven zu spannen, mit Eifer und Ausdauer ihren Arbeiten nachzugehen und ihre Pflicht in vollem Ausmaß zu erfüllen, jeder auf dem Platze, auf den das Schicksal ihn gestellt hat. Anschließend brachte der Sänger Herr Erich Meyer-Stephan Pfitzners .Klage" (Text von Eichendorfs) zu Gehör. Unter den Klängen eines Schlußmarsches verließ der Lehrkörper sodann die Aula. Damit fand der akademische Festakt gegen 13 Uhr seinen Abschluß. Aus der provinzialhauptlladt. Gießen, den 1. Juli 1932. Ein Mückensommer kommt! Von Or. med. Otto Vierlinger. Man prophezeit uns dies Jahr ein „gutes Mückenjahr". Der warme Winter — sagt man — ist der Mückenbrut gut bekommen. Und deshalb ist es gut, sich auf die Unannehmlichkeiten eines Mückensommers beizeiten vorzubereiten. Zunächst einmal, wie hält man sich die Mücken fern im Zimmer, wie im Freien? Daß die Mücken Zigarettenrauch nicht lieben, und die unmittelbare Nähe einer brennenden Zigarette meiben, ist ja bekannt. Aber fast noch wirksamer ist es, auf dem Dalkontisch die heute überall käuflichen „Ä^ihrauchkerzen" gegen Mücken, abzubrennen, die man entweder in einem Glas oder in einem eigens dazu hergestellten Ständer aufstellt. Noch wichtiger aber ist es, die Mücken aus dem Zimmer fern zu halten, besonders aus dem Schlafzimmer. Zedermann, der es einmal selbst erlebt hat, weiß, daß das nächtliche feine Summen der Mücken, das den Schlaf verbannt, auf die Dauer noch viel unerträglicher ist, als ihr Stechen, darum lohnt es sich, einen Kriegsplan zu entwerfen. Die wichtigste Grundregel — die leider den meisten Menschen, die gern im Freien wohnen, sehr schwer fallen wird — ist, zeitig die Fenster zu schließen. Alle anderen Mittel sind eigentlich mehr oder weniger sinnlos. Das auf das Kopfkissen getupfte Nelkenöl hat hauptsächlich die Eigenschaft, die Bettwäsche zu beschmutzen und den Naum mit einem auch für Menschen höchst unerfreulichen Duft zu erfüllen. Die Mücken dagegen vertreibt es nicht. Das einzig nachhaltige Mittel ist — so zwischen 17 und 18 Uhr die Fenster zu schließen und sie vor Sonnenaufgang in der Frühe nicht wieder aufzumachen. Sollten sich doch einmal infolge lln- Vorsicht Mücken in das Schlafzimmer verirren, so kann man morgens bei Sonnenaufgang genau beobachten, wie eine nach der anderen durchs offene Fenster hinaus ins Freie fliegt. Es genügt durchaus nicht, die Fenster abends geschlossen zu halten, so lange das Licht brennt und sie im Dunkeln wieder zu öffnen: die Mücken werden offenbar durch den Geruch angezogen und finden auch den Weg ins dunkle Zimmer. Wer sich absolut nicht daran gewöhnen kann, mit geschlossenem Fenster zu schlafen und wer die Kosten nicht scheut, dem bleibt gar nichts anderes übrig, als sich ein Fliegenfenster mit sehr feinem für Mücken undurchlässigem Netz zu bauen und in die Fensterrahmen einzusetzen. Das ist noch immer das sicherste Mittel. Aber was tun, wenn man nun doch gestochen wird? Am besten wird derjenige fahren, der sich am heldenhaftesten benimmt. Wer während der ersten 15 Minuten nach dem Stich nicht kratzt und reibt, wird auch auf die Dauer die geringsten Iuck-Deschwerden haben. Man unterschätze nicht die Gefahren des Kratzens. Durch Aufkratzen von Mückenstichen mit schmutzigen Nägeln ist schon so manche Blutvergiftung verursacht worden, die die schwersten Folgen hatte. Darum — besonders Kindern — immer die Nägel kurz schneiden und abends vor dem Schlafengehen gründlich mit Nagelbürste reinigen. Sehr gut gegen das Zucken ist das Betupfen mit dem in allen Drogerien erhältlichen Schwämmchen, das man in verdünnten Salmiak taucht. Auch 'Betupfen mit Essigwasser lindert den Zuckreiz. Ein ausgezeichnetes Hausmittel ist es, gewöhnlichen Talkum mit Waster anzurühren, so daß ein dicker Drei entsteht, den man dick aufträgt. Beim Antrocknen kühlt dieser Puderbrei sehr angenehm. Dabies decke man beim Schlafen mit einem feinen Gaze- oder Mullschleier zu, jedoch so sorgfältig, daß sich keine Mücke unter den Schleier verirren kann. Sehr ost sieht man, daß infolge eines Stiches ein Augenlid oder auch die Oberlippe dick anschwillt. Das sieht meist sehr besorgniserregend aus, kommt jedoch daher, daß an diesen Stellen des Körpers das Gewebe sehr leicht anschwillt. Meist geht unter kühlenden Umschlägen (Kamillentee, verdünnte essigsaure Tonerde) die Anschwellung in 24 Stunden zurück. Sollte dies nicht der Fall sein, so muß man unbedingt den Arzt fragen. "Bei Bienen- und Wespenstichen, kommt es darauf an, so schnell wie möglich den Stachel aus dem Stich zu entfernen. Danach mache man sofort einen kühlenden Umschlag mit verdünnter essigsaurer Tonerde oder 2prozentigem Dorwasser und wasserdichtem Papier. Schwillt das gestochene Glied an, so stelle man es mittels einer Armbinde ruhig, oder, falls es das Bein ist, lagere es hoch und halte es einige Zeit möglichst ruhig. Es ist durchaus ratsam, sich selbst bei so kleinen Anlässen nach den Vorschriften des Arztes zu richten, denn selbst der harmloseste Mückenstich, unsachgemäß behandelt, kann unter Umständen zu einem chirurgischen Eingriff führen. Bornotizcn. — Tageskalender fürFreitag: Ober- hessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplah. 15 bis 17 Ahr, Ausstellung. — Cafö Leib, 20 Ahr, Gastspiel des Traditions-Orchesters der ehemaligen Schuhtruppe deutscher Kolonien. — VHC., Hotel Hopfeld, Monatsversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Mädchen zum Heiraten". ♦ ** Dien ft jubiläum. Der Derteilungsstellen- Kontrolleur Hugo T h i e l m a n n kann am heutigen 1. Juli auf eine 25jährige Mitarbeit im Konsumverein Gießen u. Umg. zurückblicken. Herr Thiel- mann, von Beruf Kautabakspinner, zeigte — wie man uns berichtet — schon in den ersten Jahren nach der Gründung des Vereins lebhaftes Interesse an der Konsumvereinsbewegung. Am 1. Juli 1907 wählte ihn die Verwaltung zum Lagerhalter der Verteilungsstelle 1 in der Bahnhofstraße, die sich damals im „Solmser Hof", jetzt Ehr. Arnold, Bahnhofstraße 32, befand. Am 1. Januar 1908 wurde ihm die Verteilungsstelle in der Bleichstraße übergeben, vom 1. November 1911 ab leitete er die Verteilungsstelle 6 in Butzbach. Während des Krieges geriet er in französische Gefangenschaft, nach der Rückkehr von dort übernahm er im März 1920 die Verteilungsstelle in der Schanzenstraße in Gießen. Die Entwicklung des Vereins und die steigende Zahl der Verteilungsstellen machte die Anstellung eines Verteilungs- stellen-Kontrolleurs notwendig. Auf diesen Posten wurde Herr T h i e ( m a n n von der Verwaltung im Juni 1921 berufen. Er war auch in dieser Stellung stets bemüht, seinen Dienstobliegenheiten in vollem Ausmaße gerecht zu werden und den Interessen der Vereinsgenossenschaft in bester Weise zu dienen. •* Gendarmeriepersonalie. Der Gendarmeriehauptwachtmeister Zohannes Karn zu Msaheth erobert sich das Glück Vornan von Margarete Ankelmann Copyright by M. Feuchtwanger, Halle. 24. Fortsetzung. Nachdruck verboten 1 Sechzehntes Kapitel. Zn einem Abteil des Schnellzuges nach Dresden saß ein Herr, etwa in den vierziger Zähren. Sehr gepflegt in seinem Aeuheren, ein wenig korpulent, mit lebhaften Augen, die die vorübergehenden Reisenden musterten. Dann nahm er seine Zeitungen hervor. Zn Leipzig wurde er in seiner Lektüre gestört. Ein Herr und zwei Damen bestiegen das Abteil. Er tat, als ob er sich um die Ankömmlinge nicht kümmerte. Dann hörte er plötzlich ein Frauenlachen, hob den Kopf. Woher kannte er dieses Lachen? Er sah über seine Zeitung hinweg. Nur der Herr war im Abteil, beaufsichtigte den Gepäckträger. Die beiden Damen standen draußen, auf dem Gange, unterhielten sich aus dem Fenster. Zetzt fuhr der Zug an. „Auf Wiedersehen!" hörte er eine der Damen sagen. Mein Gott, diese Stimme! Sie kam ihm so bekannt vor, vertraut fast. Aber er wußte nicht, wo er sie hintun sollte. Zetzt betraten die beiden Damen das Abteil. Der Mann in der Ecke hatte seine Zeitung neben sich gelegt, schaute neugierig den Eintretenden entgegen. Bei seinem Anblick war die Züngere plötzlich tief erblaßt, starrte ihn erschrocken an. Schon hatte sie wieder das Abteil verlassen, beugte sich aus dem offenen Fenster. „Elisabeth, sind Sie von Sinnen? Wollen Sie sich unbedingt erkälten? Zhre Stimme verlieren? Sie sind doch sonst nicht so unvernünftig." Der Mann im Abteil hatte wieder seine Zeitung vorgenommen. Das also war Elisabeth Pfi- lipp. Er hatte sie ebenso schnell erkannt wie sie ihn. Zetzt saß Elisabeth wieder im Abteil. Sie war froh, daß Eckertsburg in den Speisewagen gegangen und Frau Schelmer eingeschlafen war, da konnte sie sich ungestört ihren Gedanken hinge den. Dieser ein wenig feiste, spießbürgerliche Mann da war also Hubert Heilmann. Mein Gott, was war aus ihrem schönen Hubert geworden! Nichts von alledem war mehr da, was sie früher an ihm entzückt hatte. Das war ein ganz anderer Mann als der, um den sie sich gegrämt, den sie zu lieben geglaubt hatte. Die kurzsichtigen Augen, der unschöne Mund, die fleischigen Hände... Sie mußte den Blick abwenden: sie schämte sich, daß sie diesem Manne einmal gut gewesen war. Stumm und unverwandt sah Elisabeth zum Fenster hinaus. Hubert Heilmann hatte Muhe genug, seine ehemalige Braut zu betrachten. Wie schön sie geworden war, noch viel, viel schöner als früher! Eine wilde, verzweifelte Sehnsucht hatte ihn erfaßt. Ganz war diese Sehnsucht nie gewichen, feit damals, seit er Elisabeth durch die Ränke seiner Tante Lucie verloren hatte. Später, nach Zähren, hatte er die Briefe gefunden, die fein Glück vernichtet hatten. Er hatte erfahren müssen, daß man seine und Elisabeths Briefe unterschlagen, daß man alles getan hatte, ihn und Elisabeth zu trennen, daß man ihn in die Ehe mit der anderen getrieben hatte. Aber es war zu spät gewesen. Er war längst mit Sibylle von Nautenstein verheiratet: sie war die Mutter seiner Kinder. Er konnte keinen Skandal heraufbeschwören, seine Stellung nicht gefährden. Elisabeth war eine berühmte Künstlerin geworden, das wußte er. Es würde keinen Sinn haben, heute zu ihr zu kommen, ihr zu beichten. Er war gebunden, und Elisabeth würde nichts übrig haben für den Mann einer anderen Frau. Aber von diesem Tage an war Hubert Heil- mann ein anderer geworden. Wenn er schon die geliebte Frau nicht besitzen konnte, dann wollte er sich wenigstens an anderen schadlos halten für die Enttäuschung, die er in seiner Che erlebt hatte. Er war ein Frauenjäger geworden. And jetzt — jetzt saß er der Frau gegenüber, der die große Liebe seines Lebens gehört hatte, die er die ganzen langen Zähren über nie ganz vergessen hatte. Heiß wallte sein Blut, als er sie vor sich sah. Er fühlte jenen schlanken Körper wieder in seinen Armen zittern, spürte ihre scheuen, innigen Küsse, hörte die leisen Liebesworte, die sie ihm zuraunte. Auch sie hatte ihn wiedererkannt: er hatte es genau beobachtet. Daß sie sich abwandte, ihn nicht beachtete, hatte kaum etwas zu sagen. Das war frauliche Scheu, begreifliche Zurückhaltung. Er würde jedenfalls alles versuchen, sie wieder zu sich herüberzuziehen: niemand konnte ihm verübeln, wenn er die Zugeixdliebe auffrischte, nachdem er innerlich mit der ungeliebten Frau nichts zu tun hatte. „ , r , Hubert Heilmann hatte Erfahrung m bezug auf Frauenschönheit, und er sah, daß Elisabeth Pfilipp schön war, viel, viel schöner noch als früher, daß es sich lohnte, sie wieder für sich zu gewinnen. Die Zähre schienen spurlos an diesem reizvollen Gesicht vorübergegangen zu sein: niemand konnte es dieser Frau ansehen, daß sie die Dreißig längst überschritten hatte. Diese Augen — dieser Mund! Der Mann in seiner Ecke zitterte vor Sehnsucht. Wer mochte nur jener Mann sein, der mit den beiden Damen gekommen war? Vielleicht der Manager der Künstlerin. Aber er schien mehr für Elisabeth übrig zu haben, denn gerade jetzt trat er ins Abteil und überreichte der Sängerin eine Schale köstlicher Kirschen und eine Pralinenpackung. Hubert Heil- mann sah, wie Elisabeth leise errötete und tote die Augen des Mannes mit "seltsamem Ausdruck auf dem Gesicht Elisabeths hafteten. Die andere Dame war inzwischen erwacht, und die drei begannen ein eifriges Gespräch, das sich indes nur um künstlerische Dinge drehte. Hubert Heilmann lieh Elisabeth nicht aus den Augen, seine Blicke verließen sie kaum einen Augenblick. Elisabeth mochte das fühlen, denn plötzlich sprang sie von ihrem Sitz auf, stellte sich, mit dem Rücken zum Abteil, an das Gangfenster. Elisabeth war innerlich empört darüber, daß Hubert Heilmann es wagte, sie dauernd mit seinen Blicken zu belästigen. Besaß er denn gar kein Taktgefühl? Wenn schon ein unliebsamer Zufall sie hier in der Eisenbahn zusammengewürfelt hatte, so hätte er wenigstens den Anstand besitzen und von ihrer Gegenwart keine Notiz nehmen müffen, anstatt sie unausgesetzt zu beobachten. Eckertsburg kam zu ihr heraus. Er wunderte sich im stillen über die Unrast, die heute aus Elisabeth sprach. Aber er sagte nichts, blieb neben Elisabeth, bis der Zug sich Dresden näherte. Auf dem Bahnsteig stand Traute mit ihrem Zungen. Mit einem Zubelschrei stürzte sich die junge Frau auf die Freundin, und der kleine Hans schloß gleich darauf begeistert seine Aermchen um den Hals der geliebten Tante. Lothar von Eckertsburg bat Traute Weiland um Entschuldigung, daß er unaufgefordert mit hereingeschneit wäre. Er werde im Hotel wohnen und ihr so wenig Unbehagen wie möglich verursachen. „Was fällt Zhnen ein, Herr von Eckertsburg? 3m Hotel wohnen? Das fehlte noch, wo wir in unserer Villa so schrecklich viel Platz haben und wo es bei uns droben so viel schöner ist als unten in der Stadt. Sie wohnen natürlich bei uns — mein Mann wird sich gnnz besonders freuen.“ Eckertsburg küßte Traute Weilands Hand. „Dor so viel Liebenswürdigkeit muh ich kapitulieren. Zch nehme Zhre Einladung dankend und erfreut an, gnädige Frau." Traute war rot geworden. Sie hatte immer noch eine kleine Schwäche für den interessanten Mann. Gerade als man draußen vor dem Bahnhof das Weilandsche Auto bestieg, kreuzte Hubert Heilmann noch einmal den Weg der kleinen Gesellschaft. Traute, die schon am Steuer des Wagens sah, begrüßte ihn freundschaftlich, streckte ihm die Hand entgegen. „Guten Tag, Herr Doktor! Schon zurück von Zhrer Reise? Sie kommen sicher ganz überraschend, denn gestern wußte Zhre Gattin noch nichts von Zhrer.Heimkehr." „Sie haben recht, gnädige Frau, ich will die Meinen überraschen. Es freut mich besonders, daß ich bei meiner Rückkehr gleich das Glück habe, unsere gefeierte Traute Weiland zu sehen..." „Oh, <5ie sind doch immer derselbe liebenswürdige Schmeichler, Herr Doktor Heilmann! Aber darf ich Sie meinen Gästen vorstellen: Herr Landgerichtsrat Doktor Heilmann — hier eine wirklich gefeierte Sängerin, Elisabeth Pfilipp — ihre Pflegemutter Frau Schelmer — Herr von Eckertsburg!" Eine kurze gegenseitige Begrüßung: Elisabeth konnte nicht anders, als Hubert Heilmann die Hand zu reichen. Eckertsburg, der sie beobachtete, sah, daß ein flüchtiges Rot Elisabeths Gesicht überzog, um einer jähen Blässe zu weichen. Dann verabschiedete sich Traute Weiland von Heilmann, gab Gas — der Wagen fauste davon. Bald war man vor der reizenden Loschwiher Villa angelangt. 3n der Gartentür stand schon Frau Steiner, Trautes Mutter, die Gäste herzlich begrüßend. Einen Augenblick später erschien die hünenhafte Gestalt des Hausherrn, der mit seinem dröhnenden Bah Haus und Garten erfüllte. Man sah es diesen beiden Menschen an, daß sie prächtig miteinander harmonierten. Ludolf Weiland vergötterte seine Frau: sie tat alles, was sie ihm von den Augen ablesen konnte. Es war gut fein in der Nähe dieser Eheleute. Die kleine Gesellschaft verlebte wunderschöne Tage. Tagsüber machte man Auto- und Fußtouren in die herrliche Umgebung der Elbestadt. Einer der Gastgeber war immer dabei, manchmal auch beide, wenn ihre künstlerischen Verpflichtungen ihnen Zeit liehen. Abends saß man im Wintergarten bei einem guten Tropfen. Eckertsburg und Weiland verstanden sich ausgezeichnet, und Elisabeth lernte ersteren von einer ganz neuen Seite kennen. Lustig und froh war er. War er schon früher so gewesen? Hatte sie es nur nicht gesehen? Die Zeit verging wie im Fluge. Vierzehn Tage schon weilten die Gäste in Dresden, als eines Tages eine Einladung zu einem großen Wohltätigkeitsfest kam. Traute Steiner»Weiland fang einige Lieder, und sie bat Elisabeth, dem Feste beizuwohnen: sie würde dann viel besser fingen. Zwei Herren des Komitees waren eigens in der Villa erschienen, um die berühmte Elisabeth Pfilipp einzuladen: sie würde einen besonderen Anziehungspunkt des Festes bilden. Elisabeth sagte ihr Erscheinen zu, erklärte sich sogar bereit, der Wohltätigkeit zuliebe einige Lieder zu fingen. (Fortsetzung folgt.) Stockheim wurde mit Wirkung vom 1. Juni ab zum Gendarmeriemeister ernannt. Forstperfonalie. Der Förster Heinrich Welker zu Herchenhain wurde mit Wirkung vom 1. 3uli ab in gleicher Diensteiaenschaft in die Försterei Gehspitz des Forstamts Kelsterbach versetzt. ** Zur Cdertalsperre veranstaltet die Hamburg-Amerika-Linie, Gießen, am kommenden Sonntag eine Gesellschaftsfahrt, und zwar von Gießen bis Marburg mit der Bahn, von Marburg mit Gesellschaftsautos entlang dem Edersee über Herzhausen, Böhl nach Waldeck, Besichtigung von Schloß Waldeck, gemeinsamer Mittagstisch in Waldeck, Motorbootfahrt auf dem Edersee, sowie Besichtigung der Sperrmauer und des Staubeckens. Bon hier fährt der Autobus nach Bad Wildungen, dort Besichtigung und Besuch des Kurkonzertes. Die Rückfahrt erfolgt ab Bad Wildungen um 19 Uhr, die Ankunft in Gießen um 22 Uhr. Der Sonderpreis stellt sich auf 9,35 Mark pro Person. Darin sind die Bahnfahrt von Gießen und zurück, sowie die Auto- und Motorbootfahrt eingeschlossen. Man beachte die heutige Anzeige. ** ,.Die Heimat". Gestern nachmittag und abend lief im Lichtspielhaus Bahnhofstraße ein Film, der die Schönheiten unserer deutschen Heimat zeigte, Die Besucher wurden im Geiste zuerst an die Wasserkante geführt, an die brausende Rordsee, in die Paradiese der Rordsee- bäder und nach Helgoland. Aufnahmen aus den Watten offenbarten den hohen Reiz der Rordsee zu Zeiten der Ebbe. Der Film führte weiter nach Hamburg, an den betriebsamen Hafen und an die wesentlichsten Punkte der Stadt. Auf der weiteren Reise quer durch Deutschland lernte man einige kleine Städtchen kennen, Hildesheim und Goslar, den Harz in all seiner mannigfaltigen Schönheit, die insbesondere in den Aufnahmen von dem wildromantischen Dodetal großartige Eindrücke hinterließ. Richt weniger schön waren die Bilder aus dem Riesengebirge, das sich in seiner ganzen Weite vor den Augen des Beschauers breitete und dabei doch so viel Schönheiten im einzelnen erkennen ließ. Der Schwarzwald war ebenfalls in einigen charakteristischen Bildern festgehalten, und den Abschluß des Films bildeten zum Teil sehr gut gelungene Aufnahmen aus den bayerischen Bergen, von Garmisch- Partenkirchen, von Mittenwald, von der Zugspitze usw. War der Film auch nicht neuesten Datums und ließ die technische Behandlung der Bilder verschiedentlich etwas zu wünschen übrig, so konnte man doch den Eindruck gewinnen, daß es in Deutschland so viele Schönheiten gibt, welche die Sommerreise in das Ausland völlig überflüssig machen. Regierung und Gteueranteilzahlungen. Eine Erklärung des Kreisamis Friedberg. Friedberg, 30.Juni. (WSN.) Zu der Meldung über die bevorstehende Zahlungs- einstellung der Stadt Friedberg für d i e Wohlfahrtsfürsorge teilt das Kreis- a.m t Friedberg mit: Die hessische Regierung Hal bereits im Jahre 1930 einen Ausgleichs- ft o ck gebildet, aus dem die Gemeinden, die die Lasten der Wohlfahrtsfürsorgc aus eigener Kraft nicht mehr tragen können, Beihilfen erhalten. Jrn Kreise Friedberg erhalten aus diesem Ausgleichsstock durch unsere Vermittlung zehn Gemeinden jede Woche Beihilfen. Es liegt auf der Hand, daß die Stadt Friedberg nicht anders behandelt werden kann und auch nicht anders behandelt werden wird, wie die übrigen Gemeinden in Hessen. Selbst wenn also die Stadt Friedberg kein Guthaben mehr bei der hessischen Regierung hätte und Notgemeinde geworden wäre, müßten auch ihr Beihilfen aus dem Ausgleichsstock gewährt werden, so daß eine Gefahr dafür, daß die Wohlfahrtsunterstützungsempfänger keine Unterstützung mehr erhalten, nicht gegeben ist. Wie steht es nun mit der Zurückhaltung der Reichs steuern durch die hessische Regierung? Es darf als bekannt vorausgesetzt werden, daß die Gemeinden ein Fünftel der Krisen- Unterstützung zu zahlen haben. Die Not- gemeinden und ein großer Teil der übrigen Gemeinden haben seit etwa einem Jahr keine Zahlungen mehr an die Arbeitsämter leisten können. Das Reich rechnet nunmehr die rückständigen Krisenanteile der. Gemeinden gegen die Reichssteuerüberweisungen auf. Nach unserer Kennt- nis sind in letzter Zeit über 3 Millionen Mark Krisenunterstützungsanteile hessischer Gemeinden gegen Reichssteueranteile aufgerechnet worden. Da gegen die Notgemeinden und gegen die üb r i- gen Gemeinden, die nicht zahlen konnten, nicht mehr aufgerechnet werden kann, wird (regen d i e Steuerüberweisungen der Provinzen u n d K r e i s e, die überhaupt keine Anteile für die Krisenunterstützung zu tragen haben, und gegen die Anteile der Gemeinden, die ihre Krisenanteile gezahlt haben, a u f - gerechnet. Es versteht sich von selbst, daß die hessische Regierung Reichs st eueranteile, die von der Reichsregierung aufgerechnet werden, nicht widerrechtlich zurückhalten kann. Die Kassenschwierigkeiten bei den Ländern, den Gemeinden und den Gemeindeverbänden sind in erster Linie darauf zurückzuführen, daß die Reichsregierung den Forderungen des Äädtetags, des Landgemeindetags und des Deutschen Landkreis- tags, sich an den Kosten der Erwerbslosenfürsorge mit 50 Prozent zu beteiligen, bedauerlicherweise noch nicht nachgekommen ist. * Anmerkung der Redaktion: Die vorstehenden Darlegungen des Kreisamtes Friedberg können uns nicht ohne weiteres zu der Ansicht bekehren, daß in dem Steuerüberweisungsverfahren der Hessischen Regierung alles in Ordnung sei und die Schuld an der späten Zahlung von Steueranteilen an empfangsberechtigte Gemeinden einzig und allein bei der Reichsregierung liege. Es ist uns bekannt, daß schon seit vielen Monaten die Kommunalverwaltungen über reichlich verspätete Steuerauszahlungen seitens derRe- gierung Klage führen. Dieser unerhörte Zustand war schon in einer Zeit zu verzeichnen, in der sich die Kassenlage der öffentlichen Hand noch nicht so zugespitzt hatte, wie in den jüngsten Wochen. 2m übrigen finden wir es reichlich merkwürdig, daß das Aufrechnungsverfahren, wenn es gegen nicht mehr zahlungsfähige Gemeinden hinfällig geworden ist, an deren Stelle nun die Provinzen und Kreise und selbst solche Gemeinden treffen soll, die ihre Krisenanteile bezahlt haben. Hier scheint uns mancherlei noch reichlich dunkel und dringend aufklärungsbedürftig zu sein. Diese Aufklärung erwartet Sie: inter-Noihilfe-Arbett in Hessen. Umfangreiche Spenden an Geld und Lebensmitteln. WSR. Darmstadt, 30. Juni. Der Landesausschuh der Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege legt jetzt seinen Bericht über die Winterhilfe in Hessen 1931/32 vor. Danach hatten sich zur Winterhilfe 1931/32 in Hessen zusammengeschlossen folgende sieben Berbände: die Innere Mission, der Caritasverband, das Hessische Rote Kreuz, die Israelitische Wohlfahrtspflege, die Arbeiterwohlfahrt, der 5. Wohlfahrtsverband und die Christliche Arbeiterhilfe. Die Berbände haben gut miteinander gearbeitet, störend war nur, daß vor Beginn der Winterhilfe der vereinigten Verbände in einigen Ortschaften oder Kreisen schon Sammlungen von Wohltätigkeitsorganisationen, gemeinnützigen Anstalten und Kirchen- gcmeinden in die Wege geleitet waren. Kommunistische Organisationen haben in den meisten Ortschaften getrennt von der Winterhilfe gesammelt, ebenso in vielen Orten auch nationalsozialistische. Jndustriellen-Dereinigung, Einzelhandelsverband, Handwerker-Innungen und landwirtschaftliche Verbände haben überall in dankenswerter Weise die Winterhilfe unterstützt. Im ganzen wurden in Hessen gesammelt bis 31. März 1932: Geld 362 367,93 Mark. Kartoffeln 22 722 Zentner im Wert von 57 262,50 Mark, Obst 2393,75 im Wert von 10 255 Mark, Getreide, Mehl, Brot 1216,24 im Wert von 13 966 Mark, Gemüse 1792,52 im Wert von 4687 Mark, Kolonialwaren 580,44 im Wert von 16 350 Mark, Fleisch. Fett 147,78 im Wert von 12 410 Mark, Eier 2200 Stück, Brennstoff 14 600 Zentner im Wert von 25 262 Mark, Kleidung, geschätzter Wert etwa 60 000 Mark, Sonstiges (Milch, Petroleum usw.) geschätzter Wert etwa 8720 Mark. Raturgemäß gingen bei den Geldsammlungen die meisten Summen in den Städten ein, so in Darmstadt 65 197.85 Mark, in Mainz 57 211,59 Mark, in Offenbach 37 402,92 Mark, in Gießen 20 818,95 Mark, und in Worms 55 064,13 Mark. Aber auch einige Landkreise haben erhebliche Geldeinnahmen aufzuweisen: so Offenbach-Land 28 206,07 Mark, Bensheim 16146,85 Mark, Groß-Gerau 13 277 Mark und Darmstadt-Land 12 165,98 Mark. In den Landkreisen brachte an Stelle dessen naturgemäß die Lebensmittelsammlung größere Ergebnisse, so z. B. an Kartoffeln im Kreis Oppenheim 3096,24 Ztr., im Kreis Friedbevg 2226,58 Ztr., im Kreis Bensheim 1884,20 Ztr., im Kreis Mainz 1504 Ztr., im Kreis Groß-Gerau 1415 Ztr., im Kreis Lauterbach 1350 Ztr., im Kreis Alsfeld 1320 Ztr. und im Kreis Dieburg 1245,82 Ztr. im Gesamtwert von 34 044 Mark. Bei der Obstsammlung erzielten die größten Beträge die Kreise: Erbach mit 496 Ztr., Dieburg mit 339,50 Ztr. und Oppenheim mit 235,36 Ztr. im Gesamtwert von 4523 Mark. Bei der Gemüsesammlung die Kreise: Friedberg mit 243,78 Ztr., Oppenheim mit 189,60 Ztr., Alsfeld mit 172 Ztr., Groß-Gerau mit 143,40 Ztr., Schotten mit 143 Ztr. und Dingen mit 130 Ztr. im Gesamtwert von 2294 Mark. An Kolonialwaren lieferten wieder die Städte am meisten und zwar: Darmstadt mit 19 519 Kg., Worms mit 2892 Kg., Mainz mit 800 Kg. im Gesamtwert von 4231,13 Mark. Aber auch einige Landkreise brachten hierbei Erhebliches auf, wie Darmstadt-Land mit 809 Kg., Lauterbach mit 700 Kg. und Oppenheim mit 684,50 Kg. im Gesamtwert von 1453 Mark. Bei der Eierlieferung hat der Landkreis Mainz mit 2000 Stück am meisten geleistet. Auch durch Derbilllgung von Waren beim Verkauf wurde die Winterhilfe sehr unterstützt. Von den Landkreisen wurden Lebensmittel in erheblichen Mengen unentgeltlich an die Städte abgeführt. Innerhalb der Kreise fand ebenfalls teilweise ein Ausgleich statt. In allen größeren Ortschaften wurden Kleidersammlungen durchgeführt. Die Schätzungen des hierdurch erhaltenen Wertes sind sehr verschieden. Im allgemeinen dürfte aber ein Wert von etwa 6 0 0 0 0 Mark für das ganze Land zutreffen. Im allgemeinen wurde die Winterhilfe mit dem 31. März 1932 beendet, in Worms am 15. April, in Alsbach (Kr. Bensheim) am 25. April, in .Gießen-Stadt, Kreis Alzey, Friedberg, in drei Gemeinden des Kreises Mainz, in Gadernheim, Jugenheim (Kr. Bensheim) und in der Stadt Mainz am 30. April 1932, in Darmstadt erst am 31. Mai. OHolzheim,30. Juni. Am Mittwoch, 6. Juli, findet in unserer Gemeinde wieder ein großes Heidenmifsionsfest statt. Alljährlich tarnen die Festgäste zu Hunderten aus nah und fern. Im Jahre 1930 zählte man 2000, einmal sogar 4000 Teilnehmer. Festredner sind Pfarrer Haas (Frankfurt), Pfarrer Conrad (ötein* brecht, Rheinland), Missionar B a ß f e l d (Düsseldorf). Der gemischte Chor und der Posaunenchor haben ihre Mitwirkung zugesagt. Ein Gang durch das Dorf zeigt bereits, daß Feststimmung herrscht, denn überall lassen eifrige Handwerker die Häuser im neuen Gewände erscheinen. Man rechnet auch diesmal mit einem starken Besuch der Veranstaltung. Kreis Schotten. □ Laubach, 30. Juni. Am Samstag, 2. Juli, feiern der Metzgermeister Meyer Kaufmann und dessen Ehefrau Iettchen Kaufmann, geborene Kaufmann, das Fest der goldenen Hochzeit. Die Eheleute sind körperlich und geistig noch rüstig und stehen im 78. und 74. Lebensjahr. Preußen. 1 Verabschiedung des Haushalts des Kreises Wehlar. (D o r b e r i ch t.) WSN. Wetzlar, 30. Juni. In der heutigen Sitzung des Kreistages wurde der Haushaltsplan des Kreises Wetzlar mit einem ungedeckten Fehlbetrag von 889 400 Mark mit 14 Stimmen der SPD., des Zentrums und der Dembkraten gegen 8 Stimmen und drei Enthaltungen angenommen. Der Etat schließt ab mit 3 277 000 Mark. Das Kreiswohlfahrtsamt erfordert 1,7 Millionen Mark, d. h. 530 000 Mark mehr als im Vorjahr. An Kreissteuern sind 731 000 Mark bei einer Umlage von 88 Prozent vorgesehen. Die Bürgersteuer nach dem Landessatz soll 75 000 Mark erbringen. Kreis Wetzlar. --- Krofdorf, 30. Juni. Bei dem am Dienstag über unserer Gemarkung niedergegangenen Gewitter wurde einem hiesigen Landwirt, der auf dem Felde Kartoffeln zackerte, eine Kuh vom Blitze erschlagen. Odenhausen (Lahn), 30. Juni. Ab 2. Juli werden von Haltestelle Friedelhausen Sonntagsrückfahrkarten nach Gießen ausgegeben. Ferner werden diese Karten auch an Mittwochnachmittagen zum Theaterbesuch verabfolgt. G.A.-6>pori. die Oeffentlichkeit aber nicht von einem Kreisamt, sondern von der hessischen Regierung selbst, die sich bezeichnenderweise noch völlig in Stillschweigen gehüllt hat. Es wäre zu begrüßen, wenn der in der nächsten Woche Aufammen» tretende Landtag der Regierung in dieser Angelegenheit die Zunge lösen würde. Das Sängerbundesfest als Volksdeutsche Kundgebung. WSN. Frankfurt a. M., 30. Juni. Aus folgenden Außengebieten sind voraussichtlich Abordnungen deutscher Sänger zum Deutschen Sängerbundesfest in Frankfurt a. M. zu erwarten: Dänemark (Nordschleswig), Belgien (EupenMal- medy), Tschechoslowakei (Sudetendeutsche), Polen (Kongreßpolen, Posen-Pomerellen und Ostoberschlesien), Memelland, Lettland, Estland, Ungarn, Süd- stawien, Rumänien (Banat, Siebenbürgen), Italien, Nordamerika, ehemalige deutsche Kolonien, ferner aus den deutschen Staaten Oesterreich und Danzig. Im Veranstaltungsplan ist zur Hervorhebung des volksdeutschen Gedankens vorgesehen: Volksdeutsche Weihestunde, Freitag, 22. Juli (Redner Rektor B r e u n e r, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Sängerbundes, Dr. S e y - farth, Brooklyn, als Ueberseedeutscher, Landrat Naumann, Posen, für die deutschen Staaten). Musikalische Umrahmung, im Anschluß daran Uraufführung der Kantate „Don deutscher Not". Volksdeutsche Kundgebung Samstag, 23. Juli, in der Paulskirche (Redner Dr. Hermann Ullmann, Teplitz-Schönau-Berlin, Abg. Dr. Roth, Siebenbürgen). Im Rahmen dieser Veranstaltungen finden sich die Ausländsdeutschen gemeinsam mit den reichsdeutschen Sängern und Freunden des Volksdeutschen Gedankens im Zeichen der volksdeutschen Idee zusammen. Im Festzuge werden die auslandsdeutschen Gruppen zusammen mit den inlandsdeutschen Gebietsgruppen marschieren, die in der VDA.- Schutzarbeit die Betreuung der betreffenden auslanddeutschen Gebiete übernommen haben. Die VDA.-Landesverbände und Gruppen werden Fahnen und Wimpel stellen. Zur Vorbereitung und Durchführung der volksdeutschen Veranstaltungen und zur Betonung des volksdeutschen Charakters des Frankfurter Sängerbundesfestes hat sich ein volksdeutscher Ausschuß gebildet, dem führende Persönlichkeiten des Sängerbundes, der volksdeutschen Bewegung und der Schutzoerbände angehören. Oberheffen. Landkreis Gießen. z Rödgen, 30. Juni. Auf Antrag der hiesiger Bürgermeisterei hat die Reichsbahn-Direktion Frankfurt a. M. auf der Strecke zwischen Rödgen und Gießen ab Samstag, 2. Juli, Sonntagssahrkarten eingeführt. Der Fahrpreis beträgt für die Hin- und Rückfahrt 50 Pf. Da die Sonntagsfahrkarten schon Samstags ab 12 Uhr Gültigkeit haben, kann für den 12-llhr-Zug schon eine Sonntagsfahrkarte benutzt werden. Diese Maßnahme der Reischsbahn- Direktion wird nicht nur in Rödgen, sondern auch in Trohe und Alten-Buseck lebhaft begrüßt. Dg. Großen-Buseck, 30. Juni. In Anwesenheit von Oberkirchenrat D. Wagner, Gießen, wählten die Kirchenvorstände von G r.- D u s e ck und Oppenrod in einer gemeinsamen Sitzung einstimmig Pfarrer Müller in Düdelsheim als zukünftigen G e i st l i ch e n für die beiden Gemeinden. — Bei dem jüngsten Ge- . Witter schlug der Blitz in einen Baum an der Bauer er Straße und spaltete ihn in zwei Teile. o. Londorf, 30. Juni. Der hiesige Kirchen- gesangverein wird am (Sonntag, 10.Juli, sein 50jähriges Bestehen feiern. Außer den hiesigen Vereinen haben die Kirchengesangoereine der näheren Umgebung ihre Teilnahme zugesagt. Nach der Feier in der Kirche, an der auch Vertreter der, höheren kirchlichen Behörden teilnehmen werden, findet noch eine größere Feier in der Volkshalle statt. Der Kirchengesangverein steht seit 25 Jahren unter der bewährten und kraftvollen Leitung des hiesigen Lehrers T r i n t a u s , der fidj dem Verein bisher stets aus Liebe zur Sache ehrenamtlich zur Verfügung stellte. —Watzenborn-Steinberg, 30. Juni. Die Hess. Wanderausstellung sundheitspfleg'e und soziale Fürsorge" zeigt hier vorn 1. bis einschl. 5. Juli im Saale „Zum goldenen Stern" Wege zur Verhütung und Heilung von Krankheiten. Eröffnung der Ausstellung, verbunden mit einem Lichtbildervortrag des Leiters der Ausstellung, L. AVern a r t e (Darmstadt), am 1. Juli, 20.30 Uhr, mit dem Thema „Unser Kampf gegen die Dolkskrank- heiten". Weiter finden Lichtbildervorträge statt am 3. Juli, 20 Uhr, und am 5. Juli 20.30 Uhr. Am 3. Juli spricht Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Sommer (Gießen) über: „Eine Sammlung für Psychiatrie und psychische Hygiene", am 5. Juli Dr. med. Linden st rut h^älniversitäts-Frauenklinik, Gießen) über das Thema „Krebskrankheiten". Die. Dorträge finden im Saale des Gasthauses „Zum goldenen Löwen" statt. Die Ausstellung ist geöffnet an Werktagen von' 14 bis 19 und am Sonntag von 11 bis 19 Uhr. Deutschlands Olympia-Expedition. Ohne Leichtathleten bereits 53 Mann. Die ursprünglich nur 55 Mann stark gedachte deutsche Olympia-Expedition wird nun doch etwas größer werden. Insgesamt dürften Ende der kommenden Woche etwa 80 deutsche Sportsleute die Reise nach Los Angeles antreten. Die deutsche Expedition steht mit Ausnahme der Leichtathleten und Schwimmer, die ihre endgültige^ Olympia-Auswahl erst am Samstag und Sonntag' bei ihren Meisterschaftskämpfen treffen, bereits zahlenmäßig fest. Abgesehen von den Leichtathleten, die etwa 20 bis 25 Vertreter entsenden, sind 53 Olympia-Kandidaten ausgewählt worden, die sich auf die einzelnen Sportarten wie folgt verteilen: Rudern 16, Schwimmen 10 (nur Wasserballspieler), Boxen 8, Ringen 5, Gewichtheben 4, Radfahren 4, Moderner Fünfkampf 3, Fechten 2, Segeln 1 Teilnehmer. Hinzu kommen, wie schon gesagt, die Leichtathleten und eine Anzahl von Begleitpersonen für verschiedene Sportarten. Die Leitung der Expedition, der sich auch zwei Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees anschließen, liegt bei Generalsekretär Dr. Carl Diem und Dr. I e n s ch vom DRA. Wirtschaft. Berlin leicht gebessert und fest. Berlin, l.Juli. (WTB. Funkspruch.) Heute vormittag verhielt sich die Spekulation sehr zurückhaltend und an der Vorbörse neigte die Tendenz zunächst eher zur Schwäche, da an verschiedenen Märkten Verkaufsorders des Publikums, die allerdings nur einen geringen Umfang hatten, Vorlagen. Als aber dann kurz vor Beginn des offiziellen Verkehrs auch Kauforders eintrafen, schritt die Spekulation ihrerseits zu Deckungen, die bei der Enge der Märkte meist Kursbesserungen zur Folge hatte. Vereinzelt ergaben sich auch Rückschläge, die aber über 1 v. H. nicht hinausgingen. Die Lage in Lausanne hat sich seit gestern abend nicht wesentlich geändert, so daß hiervon eine Anregung nicht ausgehen konnte. Lebhaft diskutiert wurden der Konventie- rungsplan für die englische Kriegsanleihe, die gestrige Bürbach - Generalversammlung usw. Mit Interesse nahm man von der Absicht der Regierung Kenntnis, einen Untersuchungsausschuß für die Gelsenkirchen-Transaktion einzusetzen, durch den man eine völlige Klarstellung dieses Geschäftes erreichen will. Der 125-Millionen-Ueberbrückundskredit für das Reich hat insofern beruhigt, als sämtliche Zahlungen des Reiches für den Juli fidjergefteut sind. Die schwache Neuyorker Börse, die vormittags stärker verstimmt hatte, blieb aber an der Börse ohne jeden Einfluß. Am Rentenmarkt scheint die Beruhigung weitere Fortschritte zu machen, und es sah so aus, als ob die Tendenz eher freundlicher fein würde. Stärkeres Interesse zeigte sich heute wieder für Kalipapiere, in denen die Käufe, die schon in her letzten Zeit zu beobachten waren und angeblich aus dem Auslände herrühren sollen, anhielten, Salzdetfurth zogen daraufhin um 2% v. H. und Westeregeln um 1% v. H. an, dagegen lagen Bürbach und Wintershall eine Kleinigkeit schwächer. Montan- und Elektropapiere lagen durchweg fester, Chade erholten sich um fast 4 Mark. Auch Rheag, Tietz und Feldmühle waren stärker befestigt, während Berger, Orenstein L Koppel, AG. für Verkehrswesen und Deutsche Linoleum etwas schwächer tendierten. Altbesitzanleihe lag ziemlich fest, auch Reichsschuldbuchforderungen waren bis zu | v. H. hoher. Interesse zeigte sich heute für Türkenanleihen. Im Verlaufe wurde die Tendenz bei lebhaftem Geschäft ausgesprochen fest, da man hinsichtlich einer Einigung in Lausanne wieder freudiger gestimmt war und rein technisch ein Anlaß für die Besserung in dem bestehenden Materialmangel zu suchen war. Salzdetfurch, Harpener, die Elektropapiere unter Führung von Siemens Reichsbank und viele andere Werte waren 1 bis 2t v. H. hoher. Später wurde es -war ruhiger, doch konnten sich die erhöhten Kurse gut behaupten. Am Berliner Geldmarkt ist nach dem Ultimo noch keine Entspannung eingetreten, Tagesgeld stellte sich auf 6 bis 8 v. H. und Monatsgeld gleichfalls auf 6 bis 8 v. H. nominell. Sronffurf unverändert fest. Frankfurt a. M., 1. Juli. (WTB. Drahtmel- düng.) Tendenz weiter befestigt. Nachdem vorbörslich auf Grund des matten Schlusses der gestrigen Neuyorker Börse eher etwas niedrigere Kurstaxen genannt worden waren, eröffnete die amtliche Börse wieder in recht fester Haltung. Maßgebend hierfür waren Gerüchte, die von einer bevorstehenden Einigung in Lausanne wissen wollten. Da auch von der Kundschaft kleine Orders Vorgelegen haben sollen, nahm die Kulisse neue Deckungen und Meinunyskäufe vor, so daß bei etwas belebterer Umsatztätigkeit gegen die Abendbörse meist Erhöhungen bis zu 1 Prozent zu verzeichnen waren. Die Befestigung kam nach den ersten Kursen stark zum Durchbruch, wobei die feste Veranlagung einiger Spezialwerte anregte. Die ersten Kurse zeigten ein uneinheitliches Bild. So lagen die Mehrzahl der Renten- und Cbemiewerte zunächst % bis 1 Prozent niedriger, während anderseits Reichsbank, Aku, Kali Salzdetfurth und Harpener Bergbau 1 bis 2 Prozent höher einsetzten. Schiffahrtswerte lagen gut behauptet. Durch anfangs schon feste Haltung zeichneten sich Deutsche Erdöl mit plus 2 Prozent, Schuckert mit plus 1% Prozent, Gesfürel mit plus 1% Prozent und Mannesmann mit 1K Prozent aus. An den Nebenmärkten wiesen die Kurse nur geringe Veränderungen auf. Am Rentenmarkt lagen Deutsche Anleihen und besonders wieder späte Reichsschuldbuchforderungen fest und von V» bis 1 ^Prozent höher. Von Jndustrieobligtionen setzten Stahlvereinsbonds etwas schwächer ein, dagegen lagen Reichsbahnvorzüge mit plus 1 Prozent weiter fest. Am Pfandbriefmarkt überwog kleines Kaufinter- effe, doch zeigten die Kurse nur kleine Besserungen. Von Liquidationspfandbriefen wurden Nassauische Liquidationspfandbriefe mit Plus - Plus »Zeichen notiert. Am Auslands-Rentenmarkt zogen Zolltürken um Bruchteile eines Prozentes an. Im Verlaufe fetzten sich meist neuekleine Erhöhungen durch, doch bekundete die Spekulation stärkere Zurückhaltung, da bisher von Lausanne keine Veränderungen gemeldet wurden. Merklich fester kamen noch Mannesmann & Rheinstahl mit plus-plus 1% bzw. 2Y» v. H. zur Noth. Von Freiverkehrswerten lagen Bürbach Kali auf die Ausführungen in der gestrigen GV. 6 v. H. niedriger. Am Geldmarkt trat eine leichte Entspannung ein, Tagesgeld stellte sich auf 4| v.H. 4934 A ImheuserSonderabteilung »Mäntel« Knoblauch-Saft Straße 36 4258V WMfeilen-woche 1.75 0.58 0.65 0.75 0.68 ausschnitt . Mk. 2.95, 2.95 4.75 Bademäntel, la Frottierstoff 3.75 0.95 ■ 0.25 2.75 0.95 1.75 Fr« Levermann Seltersweg 71 4952 D 0.65 weiß, Größe 4 bis 6 Mk. —.95, 0.40 1.75 5.90 1.95 0.95 2.25 0.95 0.05 2.25 Wischtfleher Stück 8.20 Krawatte 2.80 2.75 2.95 0.35 Herren-Badehosen schwere Wolle, gestrickt Herren-Badehosen kräftige Trikotqualität.. 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