t>nU Mit» v-rlog: vrW'sche UnwerfitSts-vuch- und Ltelndnickerel B. fange In «letzen. Sdjriftkthmg und Seschäftsftelle: Schulftratze r. Eriche>nt täglich,auß« Sonntags und Feiertag«. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. ülonat$:Be3ugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. §ernsvrtchanfchlüfse anterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sietzen. Postscheckkonto: Sranlfurt am Main 11686. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. Nr. 50) Erstes Blaff M. Jahrgang Donnerstag, 51. Dezember (93t Gretzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Parole 1932: — Gammeln zum Aufbau! politische Umfrage zur Jahreswende. Deutsche Wissenschaft im Wettkampf der Rationen. DasIahr 1931. Von Professor D. Dr. Martin Schian, Generalsuperintendenten von Schlesien. Meine Silvester-Erwägungen waren in den letzten (Zahlen niemals sehr fröhlicher Art. Möglich, daß mancher mich laut oder leise einen Pessimisten genannt hat. Aber auch der schwärzeste Pessimismus hat sich angesichts der Tatsachen. die dos 3ahr 1931 gebracht hat, noch als viel zu freundlich erwiesen. Sagen wir es ganz unverblümt: 1931 hat uns an den Rand des Abgrunds gestellt. Wir haben uns an diesem Rande mühsam festgehalten, haben uns an allerhand Strauchwerk und Buschwerk gehalten, das dort wuchs, und w ssen jetzt, am 3ah.esschluß, noch n.cht, ob dies Buschwerk, unser Halt, sich als genügend wurzelfest erweisen wird, um uns auch weiter daran klammern zu können. Der Anfang des Iahres verlief noch verhältnismäßig günstig. Die steigende Zahl der Arbeitslosen machte ernste Sorgen rege; neue Steuern in Gestalt einer Reichshilfe wurden verhängt. Der innenpolitische Kampf tobte weiter, wobei es wie immer für viele so aussah, als könne die innerpolitische Entscheidung auch die Gefamtlage grundlegend ändern; dann kam der große Zusammenbruch und mit ihm die furchtbare Erkenntnis, daß wir verloren waren, wenn uns nicht andere halsen. Andere. Das heißt in diesem Falle: Völker, mit denen wir den Weltkrieg geführt hatten. Wir sind seit 1918 gewöhnt, Demütigungen hinzunehmen; aber diese Erkenntnis wurde uns trotzdem sauer. Was für Lieberwindung mag Hindenburg sein (jetzt erst veröffentlichter) Brief an Hoover gekostet haben! Er hat sich für Deutschland demütigen müssen! Der Retter fand sich: Wilsons Rachfolger! Aber die Rettung war sehr unvollständig; Frankreich suchte sie zu sabotieren; immerhin gewährte sie Zeit. Lind nun stehen wir in kürzester Frist wieder vor der gleichen Rot. Wir sind in der Rolle des Schuldners, der Wechsel unterschrieben hat. Verlangt der Gläubiger pünktliche Einlösung, so müssen wir Konkurs erklären. Was dann? 3n dieser Zeit, in diesem Halbjahr bitterer Sorgen, hat sich Frankreich wieder als unser une.bittlicher, unversöhnlicher Gegner bewährt. Daß französische Staatsmänner 1931 zum ersten- mal zu einer Staatsvisite nach Berlin kamen, ist natürlich kein Gegenbeweis, sondern nur eine Geste gesellschaftlicher Höflichkeit. Daß sich in Deutschland immer wieder Menschen finden, die Frankreich (ich meine das offizielle Frankreich, wie die Mehrheit des vom Volk gewählten Parlaments es darstellt) als freundwillig und Der- ständigungsbeteit ansehen, beweist lediglich, daß unter uns die Illusionen nicht alle werden. Frankreichs Linie ist klar erkennbar: Deutschland mit finanziellem Druck niederhalten, unfrei erhalten und es, wenn möglich, zum Zerfall treiben. Wenn Deutschland wirtschaftlich vollends zusammenbricht, so wird Frankreich aus der Konkursmasse so viel als möglich, so billig als möglich an sich bringen; seine Trabanten Polen und die Tschechoslowakei werden, von Frankreich unterstützt, das gleiche tun. Daß der Völkerbund dabei zu unserer Rettung mitarbeiten könnte, — wer diese Hoffnung noch gehegt hat, dem ist sie, falls er irgendwelchen Wirtlichkeitssinn besitzt, im vergangenen Iahre endgültig zuschanden geworden. Das 3ahr 1931 bedeutet das mühsam und nur ganz obenhin verschleierte Fiasko des Völkerbunds. Daß fein treues Mitglied 3apan, unbekümmert um alle VöUerbundösahungen und Kriegsächtungspakte, inzwischen einen kleinen Krieg führt, bedeutet ja nur einen, wenn auch krassen, Fortschritt auf dem längst beschrittenen Wege des Völkerbunds. Er läßt die Mächtigen machen, was sie wollen, und zwingt die Ohnmächtigen, zu tun, was die Mächtigen wollen. Er ist ein Instrument der Mach tpolitik Frankreichs. Daß dieselben Menschen, die eine offene, ehrliche Machlpolitik sittlich verwerflich finden, ditse heuchlerisch verbrämte Machtpolitik sittlich richtig finden, das gehört zu den großen Llnvollkommen- heiten menschlichen Llrteils, die sich unter uns so reichlich finden. Der Völkerbund wird uns nicht helfen. Der Völkerbund wird auch keine Abrüstung beschließen. Denn Frankreich will nicht. Lind wenn Frankreich gesprochen hat, ist die Sache erledigt. Daß dabei Deutschlands im „heiligen" Vertrag von Versailles verbrieftes Recht zum Teufel geht, ist ja dem Völkerbund gleichgültig. Aber eine Chance hat sich allerdings 1931 für uns irtu ergeben. Andere Völker haben erkannt, daß es mit dem System der wirtschaftlichen Aussaugung Deutschlands nicht so weiter geht. Die Weltwirtschaftskrise hat ungeahnte Ausmaße angenommen; ein Land wie England leidet schon unter ihr und spürt, daß es, wenn Deutschland in Konkurs kommt, noch mehr leiden wird. Freilich: während diese Wandlung auf der einen Seite für uns eine Hilfe bedeuten kann, bedeutet sie auf der anderen Seite zugleich für uns schweren Schaden; unsere Ausfuhr leidet unter der Aufgabe der Goldwährung in anderen Rationen. Wenn nun auch noch unser Absatz im Ausland abnimmt, so muß unsere Wirtschaft vollends zugrunde gehen. Diese Verflochtenheit unserer wirtschaftlichen Lage in das Weltgeschehen wirkte natürlich auch auf die innenpolitische Lage. 3a, sie bildete das charakteristisch neue Moment in deren Eine „Weckt die besten Kräfte der Ration!" Von Walter von Molo. Sammeln zum Aufbau! Riemals ist, auf dem Gebiete des Geistes, ein solcher Mahnruf dringender gewesen, als in dieser Zeit. Beinahe alles ist auseinandergefallen, die besten, die aktivsten geistigen Kräfte sind im Erlahmen! Aufbau! Kann er vonstatten gehen, ohne innerlich und äußerlich unabhängige g e i st i g e Führer des Volkes? Wenn wir uns fragen, welches die letzten, innerlichen Gründe dieser Depression sind, deren Starre nicht weichen will, so ergibt sich als eine der wesentlichsten Llrsachen folgende: Wir leiden heute unsäglich darunter, daß die aktive schöpferische Persönlichkeit auf allen Gebieten des geistigen Lebens, in der Politik wie in der Literatur, in der Wirtschaft wie in der Kunst von der Führung shstematischausgeschal- t e t wird. Das System ist begründet durch eine völlig negative Einstellung der öffentlichen Meinung gegenüber dem unabhängigen freien Geist. Qln Stelle der Persönlichkeit ist die Organisation getreten! Diese Mißachtung, um nicht zu sagen, Verachtung gegenüber dem freien Geist drückt sich, äußerlich gesehen, in einer entsetzlichen, in ihrem Ausmaße kaum bekannten materiellen Rot der deutschen Geisteswelt aus. Weit größer und verhängnisvoller aber noch ist die innere Ql o t dieser Menschen, die man wohl zu den besten Kräften der Ration rechnen darf. Sammeln zum Aufbau! Roch sind alle diese Kräfte des geistigen Deutschlands vorhanden, — mit letzten verzweifelten Anstrengungen ringen sie um ihr Dasein: Erweckt diese Kräfte, sammelt sie und führt sie in die Mitte des großen Geschehens und Werdens! Das ist die Voraussetzung zum Ausbau. Wenn die unabhängigen Geister, seien sie Dichter oder Menschen der praktischen Tat, wieder den Platz gesunden haben, der ihnen um des Volkes willen gebürt, dann dürfen wir wieder von einem „Aufwärts" sprechen! Die freien Geistesmenschen stehen bereit! Ausoau heißt VMgememschast! Von Dr. Heinz Oähnhardt, Vorstandsmitglied des Veichsausschusseö der Deutschen Iugendverbände. In der jungen Generation unserer Zeit ist ein neuer Sinn für Gemeinschaft erwacht. Das individualistische Streben nach persönlichem Erfolg und Ansehen tritt hinter der Bereitschaft zurück, Dienst an der Gemeinschaft zu leisten. Dieser Wille zu gemeinschaftlichem Handeln gibt der jungen Generation ihre Stoßkraft und ihre Bedeutung. On den Bünden der Jugendbewegung und der Wehrbewegung hat sich die junge Generation aus diesem Gemeinschaftsgeist und dem Gedanken des Dienstes heraus Lebensformen bereits geschaffen, die ihrer Art gemäß sind. Das oolitische Wollen der jungen Generation hat sich nach dem Kriege an dem Gedanken der Volksgemeinschaft entzündet, der in der Frontkameradschaft des Schützengrabens Erlebnis geworden war. Die junge Generation kämpft auch heute für die Volksgemeinschaft! Jnnerpolitisch gesehen bedeutet das die Kampfansage gegen alle klassen- kämpferischen Tendenzen und das Bekenntnis zu einem organisch und ständisch gegliederten Ausbau der Volks- und Staatsordnung. Entwicklung. Die Parteien stellten sich noch stärker als schon früher darauf ein, einander vorzuhalten, welche Partei an der Llnglücksentwicklung der letzten 3ahre die Schuld trag«, und zugleich mit Prophezeiungen in die Zukunft hinein zu arbeiten: welche Partei vermag Deutschland aus dem Sumpf herauszuführen? Da die wirtschaftliche Rot in weiten Schichten aufs Höchste gestiegen ist, so stieg auch die Rervosität; es stieg die Hitze des Parteikampfes bis zum Siedepunkt. Die Erbitterung kann kaum noch Überboten werden. Selbstverständliche Folge ist, daß — da die gegenwärtige Regierung eine Besserung der Lage nicht herbeiführen konnte, die Opposition rapide wuchs. Das trat namentlich in den hessischen Landtagswahlen ganz scharf in die Erscheinung. Die Regierung griff angesichts der krassen Gegensätze zu Zwangsmitteln wie Verbot des Tragens von Uniform und von Parteiabzeichen; — Maßnahmen, die wohl eine gute Seite haben mögen, aber außerordentlich verärgernd wirken und sehr schwer durchführbar sind. Wir stehen — darüber müssen wir uns klar sein — bereits jetzt in einem Ausnahmezustand, dem zum regulär verhängten Ausnahmezustand nicht mehr viel fehlt. Und nun geht die wirtschaftliche Rot weiter; und die Parteierbitterung wächst weiter; und — neue Rot steht vor der Tür! Das Ende des Unheilsjahrs 1931 sieht das deutsche Volk vor Aufgaben von gigantischer Größe gestellt. Es soll inmitten einer wirtschaftlich völlig in Unordnung geratenen Welt sein Dasein zu retten suchen. Es ist dabei zu einem Die junge Generation sucht einen Staat, der zum Träger ihres eigenen Willens und ihres eigenen Glaubens wird, einen Staat, der in feinen Worten und Symbolen die Sehnsucht und Hoffnung der jungen Generation verkörpert und ausspricht. Sie will nicht den Staat, wie er durch das Diktat von Versailles in allen feinen Lebensäußerungen geknebelt ist, verewigt wissen. Aus der tausendjährigen Geschichte des deutschen Reichsgedankens entnimmt sie für sich die eigene Sendung, aus der Enge heutigen staatlichen Daseins wieder herauszustreben zur Weite des Reiches. Immer größere Teile der jungen Generation sehen sich von den Regelfällen beruflichen Aufstiegs und einer Ausformung des persönlichen Lebens aus- gesperrt. Die junge Generation verlangt in keiner Weise, daß sie es etwa „ebenso gut" haben möchte, wie es Eltern und Großeltern einst hatten. Aber sie verlangt und fordert, daß anstelle der alten verlorengegangenen neue Zielsetzungen im staatlichen und wirtschaftlichen Wiederaufbau sichtbar werden. Diese Zielsetzungen gewinnen ihr inneres Leben aus dem Gemeinschaftsgeist und der Einsatzbereitschaft, die in der jungen Generation lebendig sind. Aus diesen Gründen beschäftigen Fragen, wie die des Arbeitsdienstes, der Stadtrandsiedlung und der ländlichen Siedlung den jungen Menschen heute ebenso stark, wie die Fragen der Berufswahl, der Berufsausbildung und des beruflichen Fortkommens. Das Wort „Abba u" ist uns heute geläufiger als das optimistische „A u f b a u". So verstrickt ist heute jeder in seinen Sorgen und Aengsten, daß er nichts anderes mehr sehen kann als die schrecklichen und beklemmenden Folgen unaufhörlichen Abbaus auf allen Gebieten. Aber ewig in Sorgen leben, kann fein Mensch, — irgendeine Hoffnung, eine Aussicht muß ihn aufrecht erhalten. Und wirklich sehen wir, wie alle Menschen mit Zukunfts- plänen auf den ständigen Abbau reagieren, aber sie reagieren ganz verschieden nach ihrem Temperament — und es scheint mir, auch nach ihrem Geschlecht. Ein Teil der Menschen sieht nur noch die Möglichkeit einer Aenderung durch gewaltsamen U m st u r z. Eine Revolution des gesamten staatlichen, sozialen und wirtschaftlichen Lebens soll Vorbedingung für jeglichen Aufbau sein. Wohl würden Menschen dabei zugrunde gehen, aber alles Bestehende sei erst einmal wert, — zugrunde zu gehen! Das ist die Einstellung von Männern, scheint mir, die nur in großen Dimensionen sehen können, alles „kleine" Leid, alles menschliche Einzelschicksal kümmert sie nicht. Die andere Gruppe von Menschen will Aufbau, sie will nicht das Chaos des augenblicklichen Lebens noch vergrößern. Sie will nicht die Menschen einer Idee opfern. Sie glaubt, daß jedes einzelne Menschenleid Recht hat, gehört zu werden. Aus dem gegenwärtigen Leben gilt es alles zu hegen und zu pflegen, was noch lebenswert ist. Sie glaubt nicht an die völlige Verderbtheit der augenblicklichen Zustände: Dem Abbau stellt sie nicht den Umsturz entgegen, — sondern den Ausbau! Sie ruft alle positiven und guten Kräfte auf in dem Bewußtsein, daß der wirklich wollende Mensch, der Mensch, der von der Notwendigkeit einer Besserung überzeugt ist, auch bessern und ändern kann. ganz großen Teil auf das Eingreifen anderer angewiesen. Seine eigene Kraft ist in diesen Dingen sehr gering. Große Massen des Volkes aber verstehen das nicht. Sie leiden schwer und fordern einfach, daß ihr Leiden aufhöre. Sie fordern vom Staat, was der Staat nicht leisten kann, ob er so oder so regiert werde. Andere Massen wollen auf alle Fälle diese Regierung, begreifen aber wiederum nicht, daß alle ohne Llnterschied jetzt schwere Opfer bringen müssen. Alle. Sie möchten gern leben, als sei die deutsche Wirtschaft stark, während sie doch schwer krank ist. Das Fazit Les 3ahres 1931 ist sehr unerfreulich. Viel unerfreulicher als das eines der letzten 3ahre. Aufgabe einer Rückschau ist glücklicherweise nicht die, zu prophezeien. Mir graut vor jeder Prophezeiung für 1932. Wir können nur eins tun — wir, die wir nicht regieren: uns klarmachen, daß zwar lange nicht alles von uns selbst abhängt; denn wir sind in den Händen anderer Völker; daß es aber von uns abhängt, ob wir unsere Lage durch völligen inneren Zersall noch schlimmer gestalten wollen, als sie ohnehin ist. Kämpfe müssen fein! Aber wir wollen in dem Bewußtsein kämpfen, daß wir alle Glieder eines Volkes sind. Vielleicht daß wir dann das kommende 3ahr bestehen, ohne daß Volk und Staat auseinanderbrechen. Von Staatsminister Or.Or.h.c.^ Gchmidt-Ott, Präsidenten der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft. Wie die forscherische Tat das Werk des genialen Menschen ist, so ist der wissenschaftliche Stand eines Volkes nur in der Gesamtheit der Einzelleistungen zu erfassen. Dabei entspricht es der natürlichen Entwicklung, daß nach Schillers Worten die Beschäftigung zum Bau der Ewigkeiten zwar Sandkorn nur auf Sandkorn häuft, jede neue Leistung aber auf der gleichartigen anderen fußt, darüber hinausgeht und sich in das Gesamtgebäude einfügt. Glücklich das Volk, dem wirtschaftliche Lage und Forschungsmittel gestatten, ungehemmt am wissenschaftlichen Fortschritt zu arbeiten! Aber in Zeiten finanzieller Bedrängnis gilt es auch für die Wissenschaft, Maß zu halten, die wichtigsten Aufgaben und die besten Forscher, vor allem auch im Rachwuchs, auszuwählen und mit geringstmöglichen Mitteln im Wettkampf der Rationen den Platz zu behaupten. Das heißt Sammeln zum Aufbau auf geistigem Gebiete! Wem lägen solche Gedanken näher als den Frauen? Den Frauen, die von je dazu ausersehen sind, zu helfen, zu schützen und zu stützen, zu trösten und Mut zu machen, immer und immer wieder neu aufzubauen, täglich einen frischen Kleinkrieg gegen Unordnung, Zerstörung zu führen? Der Frau stehen die Menschen immer näher als die Dinge: sie kann nicht um noch so wichtiger Dinge willen die Menschen opfern, und sie ist des festen Glaubens, daß sie damit den Sinn der menschlichen Ordnung besser erfüllt. Darum glaube ich an die Mission der Frau im großen Gebäude des staatlichen, sozialen und wirtschaftlichen Lebens. Die Frau soll den allzu stürmischen, umstürzlerischen Kräften des Mannes, der immer nur „Ganzes" schaffen will und darüber alles zu opfern bereit ist, die aufbauenden Kräfte an die Seite stellen. Ihre Aufgabe ist es, immer wieder der Menschheit mahnend entgegen zu rufen: Zerfleischt euch nicht in eurem Bemühen um Besserung! Nutzt eure Kräfte lieber zu positivem Tun! Verachtet nicht das schrittweise Vorgehen, ver- geht die Menschen nicht! Wir Frauen wollen auch Besserung und Aenderung, aber wir glauben nicht an die aufbauende Kraft des Hasses, — wir glauben nur an die aufbauende Kraft der Liebe! Darum auf, ihr Frauen, sammelt euch zu einem geduldigen, demütigen Kreuzzuge schrittweisen Aufbaues aller guten Kräfte! Glaubt an die Macht eures täglichen Handelns! Auf euch kommt es an, — auf jede einzelne, ob die Welt in Tränen und Blut erstickt oder ob sie unter euren pflegenden, behütenden Händen wieder genesen kann aus der Krankheit des Pessimismus und des Abbaus! Zum neuen Jahre. Von Dr. h. c. Wilhelm Groener, Reichs- webrminister, zugleich beauftragt mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichs- Ministers des 3nnern. Das Schicksal Deutschlands liegt in unserer Hand. Die Wendung, die wir erhoffen, wird nicht durch irgendwelche Wunder herbeigeführt werden. Rur dem Menschen, der in wachem Glauben gestaltend an seinem Leben arbeitet, geschieht das Wunder der Erneuerung seiner inneren Lebenskraft. Rur dem Volke, das im Glauben an die eigene Kraft bereit ist. in stetiger, verantwortungsbewußter Arbeit um Ehre, Freiheit und das Wohl aller seiner Glieder zu ringen, geschieht im Wechsel der Generationen das Wunder der stetigen Erneuerung seines Lebenswillens. Für die Anwendung der uns gegebenen Kräfte tragen wir allein die Verantwortung. Rn der Schwelle des neuen 3ahres sei sich jeder der besonderen Bedeutung dieser Verantwortung bewußt. Denn die großen Entscheidungen, die in diesem 3ahre über Deutschlands Zukunft fallen werden, hängen in höchstem Maße davon ab. ob sich das deutsche Volk Illusionen hingibt, oder den nüchternen Sinn für das Rotwendige und Erreichbare behält. Vor zwei 3llusionen möchte ich vor allem warnen: Es gibt keine Patentlösung, die uns von der Rot der Gegenwart befreien könnte. Keine Regienmg, von 'XV ir Frauen glauben an die aufbauende Krast der Liebe! Von Anna von Giercke, Vorsitzende des Verbandes deutscher Kinderhorte und Vorstandsmitglied des Verbandes deutscher Hausfrauenvereine. welcher Seife fte auch kommen sollte, kann dem öin^elnen die Sorge um feine wirtschaftliche 6ft- fteTLj obnehmen. ©4 gibt auch keine Lösung der unendlich schwierigen auhenpolitischen Fragen, die nicht aus der eigenen Kraft Deutschland« beruht. Der Hilfe und Rettung vom Ausland erwartet, die wir uns nicht selbst errungen haben, gibt sich ebenso (Illusionen hin. wie der, der glaubt, man könne da« deutsche Volk vom Wettgeschehen abschliehen. 64 kommt daraus an, dem vom Reichskanzler Brüning mit der ganzen Kraft und dem Verantwortung«- bewuhtsem seiner Persönlichkeit eingeleiteten Kamps um die Reugestaltung der wirtschaftlichen Freiheit Deutschland« und um das unverzichtbare Recht der Dehrsreiheit durch stetige mühsame ■arbeit d i e innere Kraft zu geben. Sie bad nicht gebrochen werden durch Enttäuschungen über unerfüllte Dünsche, die den Roden der Wirklichkeit verlassen haben. Ich habe Verständnis dafür, daß aufstrebende Kräfte sich ein Fernziel bilden und mit dem Mythos einer neuen Geschichtsepoche verklären. Der aber gestaltend in die Geschicke de- ^deutschen Volkes eingreisen will, bad sich nicht Träumen ber Romantik hingeben. Er muh sich jeher 3eit und ohne jeden Vorbehalt darüber klar fein, bah allein der Weg. den Verfassung und Defeh weifen, die Rechtmäßigkeit seines Handeln- begründen kann. Der Weg, den das deutsche Volk im neuen Jahre geht, darf kein Weg der Illusionen sein. Dazu gehört in erster Linie die Erkenntnis, bah jeder Plan und jede Handlung nur ihre Verwirklichung finden können, wenn sie mit ber uneingeschränkten Anerkennung der Autorität de- Staate- verbunden sind. Es gibt, weit über Parteiwünschen und -zielen stehend, den absoluten ‘Begriff de« Staate«. Symbol diese« "Begriff« zu fein ist die vor- nehmste Aufgabe der Wehrmacht. Sie hat im vergangenen Jahre diese Aufgabe erfüllt Vom höchsten Offizier bis zum jüngsten Rekruten sei sie sich auch im neuen Jahre betouht, dah in ber Haltung jede- einzelnen der Dienst an Staat und Volk Ausdruck finden muh. Da- ist ihre Pflicht und Ehre zugleich. Im gleichen Sinne muh b i e Beamtenschaft im Begriff be- Staat-dienertums ihre Ausgabe suchen. In einer Zeit, in ber die verschiedensten Kräfte an bie Führung im Staate drangen, ist mehr denn je die Autorität des Staate« von der Autorität seiner Beamtenschaft abhängig. Sie steht und fällt aber damit, dah ber Beamte b e m Staat unb nicht einer Partei ober Privatinteressen dient. Die Pflicht der Regierung, Ruhe unb Ordnung im Innern zu sichern, hat au weitgehenden Einschränkungen der freien politischen Betätigung geführt Solche Verordnungen müssen, wenn sie ihren Zweck erreichen sollen, mit Ernst unb Strenge gegen jeden angewandt werden, der sich gegen da« Recht auflehnt. Hebet ihre Anwendung muh aber das oberste Gesetz der Staats» fühtung, bie Gerechtigkeit stehen. Man hat — manchmal nicht ohne Grund — im vergangenen Jahre darüber Klage geführt bah bie» fern Gesichtspunkt nicht immer voll Rechnung getragen worden ist. Aus einer mit dem Herrn Reichspräsidenten um die Jahreswende geführten Unterredung kann ich versichern, dah er entschlossen ist, seinem Willen, die gerechte unb unparteiische Anwenbung ber von ihm erlassenen Rotverordnungen ficherzustellen, mit allem Rachdruck Geltung zu verschaffen. Der Wehrmacht, ber Polizei und bet Beamtenschaft fällt im neuen Iahte die besondere Aufgabe xu, den inneren Bestand de- Staate- so zu sichern, bah sich bie Kräfte, bie für bie schweren (ruhen* politischen Entscheibungen eingesetzt werben müssen, frei entfalten können. Zu bieser Entfaltung ber Kräfte gehört aber vor allem auch ber Wille, nicht in alle Gebiete, auf denen wir zusammenar- beiten müssen, parteipolitische Gegensätze hineinzutragen. Politik gehört nicht in die Schule, auf den Sportplatz obc£ in bie Stätten, bie bet religiösen Erhebung und kulturellen Weiterentwicklung de- Volke« dienen sollen. Wir brauchen in Deutschland Menschen, die ihre Kräfte nicht in innerem Parteistreit verbrauchen, sondern sie voll für die groben Schicksalsfragen ber Ration einsehen können. Wenn ich für da« deutsche Volk an dieser Jahreswende einen Wunsch habe, dann ist es der, bah e« bie Ausdauer besitze, den Kampf um seine Freiheit durchzuhalten, dessen Sieg auf Arbeit und Opfern beruht. In diesem Sinne wende ich mich zum neuen Jahre auch an die Jugend. Gegenüber der werbenden Kraft begeisternder Ideale muh der Staat euch immer wieder mahnen, den Sinn für die ernste Wirklichkeit nicht zu Verlierern Das ist in Zeiten ber Rot bie undankbarere Aufgabe. Aber wer von der Verantwortung um Deutschland« Zukunft erfüllt ist, weih, bah e« nicht in erster Linie bie Aufgabe be« Staates ist. zu werben, sondern zu erziehen. Erziehung zur Ehrfurcht vor Gott, zu» AchtungvorderselbstlosenArbeitan ber Nation, zum Gehorsam gegenüber Führern und Gesehen, zur Liebe zum Vaterlande. Erziehung zu harten Kämpfern im täglichen Leben unb in den Schicksal«stunden be« Vaterlande« In diesem Sinne rufe ich allen Deutschen zu: Glückauf in« neue Jahr! Deutschland und die Konferenz von Lausanne. Oie englische Einladung zur Reparationskonferenz liegt in Berlin vor. - Deutschlands Standpunkt für Lausanne: Das völlige Verschwinden der Reparationen ist das einzige Mistel für Beendigung der Weltkrisis. Berlin, 31. Dej. (6JIB.) 3m Rahmen der britischen Einladungen zu einer Reparation,- k o n seren z in Lausanne am 18.3anuar hat der englische Botschafter Sir Harare Rum- b c ( b gestern beim Staatssekretär des Auswärtigen, Dr. v. Bülow, vorgesprochen, um ihm namens seiner Regierung die Einladung zu übermitteln. Die deutsche Regierung wird vermutlich heule schon dem englischen Außenminister Mitteilen lassen, dost sie mit dem Termin und dem vorgeschlagenen Tagungsort einverstanden sei. Die „Germania", da» Blatt be» Reichskanzler», berichtet ebenfalls, dah bei der deulfchen Regierung ein solcher Schritt erfolgt ist und schreibt dazu: Die deutsche Regierung hatte von Anfang an keinen Zweifel darüber gelassen, dah ihr nach den günstigen örtlichen Erfahrungen der lehlen Repa- rotionskonferenzen der Haag lieber gewesen wäre. Da aber die Mehrheit der beteiligten Regierungen mit Lausanne einverstanden zu sein scheint, so besteht für Deutschland kein zwingender Grund, aus der Ortsfrage eine Grundsahfrage zu machen. 3n einem anderen wichtigeren Punkte dagegen so führt die „Germania" dann weiter au», sei Deutschland außerstande, von seinen wieder- holt geäuheden wünschen abzuweichen. Unter hin- weis auf die Auffassung in unterrichteten Londoner Kreisen, daß die Tributkonferen; angesichts der amerikanischen Haltung nur eine beschränkte Tragweite haben könne, da Reparationen und Kriegsschulden nach Ansicht der britischen Regierung unzertrennliche Probleme seien, schreibt die „Germania" weiter, die deutsche Regierung sei nicht in der Lage, solchen Auffassungen Raum zu geben. Die» um so weniger, al» da» Moratorium nach französischen Plänen nicht die Gesamtheit der Poung. Zahlungen umfassen solle, sondern lediglich die geschühten Beträge, während die unge- schützten Summen wie im hooverfeierjahr Deulsck^ land nur vorgestreckt und damit kommerzialisiert werden sollen. Darüber hinaus sei sogar die Rede davon, daß Deutschland ein besondere» Sach- lieferungeprogramm zugunsten Frankreichs und anderer notleidender europäischen Staaten durchführen solle. Menn der Laytonbericht und da» Gutachten des Baseler Sonderausschusses irgendeinen Sinn hätten, so ist es der, dah Deutschland zu Lei st ungen in irgendeiner Form nicht imstande sei und daß jeder Versuch, es trotzdem dazu zu zwingen, m 11 der finanziellen Katastrophe enden müßte. Deutschland» Standpunkt für die Konferenz in Lausanne fei denkbar einfach und durch die Macht der Tatsachen diktiert: „Deutsche Zahlungen in irgendeiner Form sind ausgeschlossen und da» verschwinden des Re- parationsfaktor» das einzige Mittel, um unter die Dauerkrise einen Schlußstrich zu sehen. Die Weltmeinung ist durch die Weltkrise aufgerütteit genug, um diesmal für den deutschen Standpunkt Verständnis zu zeigen. Amerikas Auffassung. Europa mag vorerst unter sich einig werden. Washington, 30. Dez. (WTB.) Der amerifa- nijche Geschäftsträger in London benachrichtigte heute das Staatsdepartement telephonisch davon, daß die britische Regierung den europäischen Regierungen eine Konferenz in Lausanne über die Fragen der Reparationen unb der Kriegsschulden vorgeschlagen habe. Die amerikanische Regierung ist hierzu nicht cingclaben worden und wird daher nur einen Beobachter entfenben. In gewissen Kreisen wird zwar darauf hingewiesen, Amerika müsse, falls die Verhandlungen der Konferenz sich auf Deutschlands private Auslandsschulden erstrecken sollten, die Frage feiner Beteiligung zur Wahrung feiner Interessen ernsthaft erwogen. Man würbe jedoch eine derartige Ausdehnung der Tagesordnung bedauern, weil bie sehr dringliche -Stabilisierung der deut, schon Finanzen durch die unvermeidbaren langen Erörterungen über die Priorität sehr verzögert und die Konferenz dann auch mit ber Abrüstungskonferenz zeitlich kollidieren wurde. Man will hier zunächst ein greifbares Entgegenkommen Frankreich» in ber Abrüstungsfrage abwarten, bevor man bie Frage erörtert, ob Frankreich feine vertraglich übernommenen Schulden wirklich nicht zahlen kann. Allem Anschein nach steht auch England auf dem Standpunkt, daß Europa zunächst unter s i ch über bie Reparationsfrage einig fein müsse: denn der britische Vorschlag beschränkt die Tagesordnung der Konferenz, zu ber nur bie europäischen Regierungen cingclaben würben, ausdrücklich auf bie Fragen ber Reparationen unb der Kriegsschulden. Englands schwankende Haltung. Noch keine Vorvereinbamng mit Frankreich, aber unter Hinweis auf die starre Haltung Amerikas zum Kompromiß einer provisorischen Lösung bereit. London, 30. Dez. (WTB.) In gewöhnlich gut unterrichteten englischen Blättern war von der Wahrscheinlichkeit einer Bereinbarung zwischen der britischen und der französischen Regierung über die unmittelbare Regelung der Reparationsfrage auf der bevor- stchenden internationalen Konferenz die Rede. Diese Meldungen erschienen gleich von Anfang nicht zutreffend, schon deshalb, weil die Besprechungen zwischen dem britischen Schatzamt und dem französischen Finanzministerium noch nicht wieder ausgenommen worden sind. Bon unterrichteter Seite wurde denn auch heute diesen Mitteilungen entgegengetreten. Es wurde darauf hingewiesen, bah noch keine derartige Vereinbarung in Aussicht steht und dah die Besprechungen fortbauem. Man gab zu, bah die Erzielung eine- Einvernehmens „bie Arbeit der Konferenz wesentlich fördern würbe". Weller wurde in unterrichteten britischen Kreisen erklärt, daß In Abwesenheit AmerI- k a » der Aktionsradius der bevor- stehenden Reparationskouferenz beschränkt fein müsse, da Amerika den S ch l ü f f e l de» gesamten Reparationvproblem» in Händen halte. E» wird daher bezweifelt, ob die Konferenz in der Lage sein wird,' angesichts der Haltung de» amerikanischen Kongresse» zu einer allgemeinen Regelung de» Reparations- Problem» zu gelangen. Reparationen und Kriegsschulden sind nach Ansicht der britischen Regierung unzertrennliche Probleme. Die Rlchtbetelllgung der vereinigten Staaten an der Konferenz würde diese, wie man glaubt, nicht In den Stand setzen, die Frage der Kriegsschulden zu behandeln. Die'meisten Morgenblätter erklären e« unter Hinweis auf bie Haltung Amerika« für unvermeidlich, bah auf ber kommenden Reparationskonferenz nur eine vorläufige Regelung erreichbar sein werde. Sie geben zwar zu, bah dies keine ideale Lösung wäre, setzen aber ihre Hoffnung auf eine künftige Aenderung ber Haltung der Vereinigten Staaten. .Daily Telegraph" schreibt: Ob ein dreijährige« Moratorium au-reichen wirb, da« Vertrauen wieder hrrzustellen, bleibt ab u- warten. Immerhin würde damit eine Atempause gegeben fein. — „Time«" meint, die britische Regierung suche nach Wie vor. einet endgültigen Lösung s o nahe wie irgend möglich zu kommen. Sie sei sich klar darüber, bah vorübergehende Rotbehelfe nicht geeignet feien, bie wirtschaftliche Stabilität in Deutschland und das Vertrauen auswärtiger Kapitalisten in Deutschland« Zahlung«- fähigkeil wieder herzustellen. Die Regierung fei deshalb der Meinung, daß es In Ermangelung einer Vereinbarung über Annullierung ober weitgehende Verminderung der Schulden wünschenswert sei, eine wirklich lange Ausdehnung de» Moratorium» und eine Verminderung der Sachileferungen zu erreichen, verbunden mit der Zusage, daß die Repcrration»annul- tälen, wenn deren Zahlung nach der Erholung Deutschland» wieder ausgenommen werde, nicht über Deutschland» Zahlungsfähigkeit hinausgehen werden. Allerdings bestünden Wunsch und Absicht, dem französischen Standpunkt vollauf Rechnung zu tragen, der ein kürzere» Morato- Gilvester-Erinnerungen. Don Wolfgang Goeh. Der Dichter de» „Gneisenau"-Dramas, der kürzlich auch eine „Deutsche Geschichte" geschrieben hat, erzählt aus seiner Kinderzeit. Weihnachten war schön, aber ich glaube, Silvester war noch schöner. Gewiß, so eine Bescherung ist sehr aufregend und höchst scannend. Um Weihnachten schwebte immer ein wenig Wehmut, am Jahresende gab es nur Jubel und Trubel. Jahr für Jahr war es genau dasselbe Programm. Mm 5 Mhr trafen wir bei den mütterlichen Großeltern ein. Dort gab es Tee. Das war natürlich lästig, aber ich hielt mich an den Kuchen. Und dann wurde nach Musik gesucht. Ehe ich dies schöne Spiel erkläre, muß ich sagen, daß mein Grotzvater ein weltbekannter Komponist war, und wenn man das berühmteste Dutzend von Klavierspielern aufzählt, dann fehlt er nicht darunter. Er achtete sich nicht zu gering, seine Meisterschaft in den Dienst familiärer Heiterkeit zu stellen. Die Regeln diese» Spiels sind nun dieselben wie bei Feuer und Wasser, nur daß die Gesellschaft nicht im Choru» diese beiden Elemente brüllt, je nachdem sich der Sucher dem versteckten Gegenstand nähert: Dieser Ausgabe unterzog sich Karl vteinicfe am Klavier, indem er bei Feuer Fortissimo spielte, oder umgekehrt, wenn er Wasser angeben mußte, sich In» sanfteste Pianissimo verflüchtigte Offenbar war die» der Grund, der Groß, papa veranlaßte, diese Allotria — ein Wort, da» er gern gebrauchte — zu treiben, denn es gab mitunter seltsame Dinge, wenn etwa ein Schubertsche» Lyrikon plötzlich In wildestem Lärm enden mußte, weil der Sucher glücklich am Ziel war. Diesen Witz habe ich erst sehr spät erkannt, denn Großpapa hielt auf gute Musst, auch bei diesem Scherz, und er wußte jedem seine Lieblinge auch In dieser verfrühten Form vorzuführen, nicht ohne au» eigener Schöpferkraft hin unb wieder übermütige Grotesken binjUAufügen; er war einer der ersten Bewunderer E. I. A. Hoffmann», und der alte Kammergerichtsrat hätte gewiß ein paar Punschschiücke mehr getunten, wenn er diesen musikalischen Spuk erlebt hätte. Aber, wie gesagt, da» alle» verstand ich edt viel später, mir kam e» zunächst durchaus nicht auf diese Scherze an, sondern — Kinder sinh Rasser — auf die Ergebnisse, die sich hinter Staffeleien, zwi- jchen Sofakissen, unter Büchern, auf Etageren in den Zimmern fanden, die nur die Ker'cn b.» Weih- nachtsbaumes und der holzgeschniyten Krone erhellten. Es gab die herrlichsten Dinge, Io den unentbehrlichen ecbülerfecunb, der dazu biente, die Schulaufgaben einzuzeichnen, der aber keineswegs zu diesem Zwecke benutzt wurde, sondern nur zum Beschmieren, dem Porträt Moltkcs einen Schnurrbart anzumalen ober Schiller mit einem Vollbart aus- zustatten. Wiederum viel später benutzte ich dies kleine Büchlein, um meine täglichen Erlebnisse hineinzuschreiben. Dreißig Jahre Tagebücher habe ich so gesammelt. (Steht viel drin? Wir wollen die Frage nicht beantworten, denn e» ist Dezember, da» Jahr stirbt, man ist melancholisch unb es ist doch zu hoffen, daß etwas mehr als nichts darin steht.) Gummibonbons gab es auch von Markendorff, einem sehr feinen Geschäft, und sie schmeckten nach Zitrone. Meist mußte energisch meiner Gefräßigkeit Einhalt geboten werden. Auch die Erwachsenen bekamen ganz feenhafte Dinge. Mama erhielt mit jener Gewißheit, die heute aus der Welt verschwun- den ist, Räucherblättchen. Das waren schmale Blättchen, wohl aus Papier, mit einer braunen klebrigen Masse überzogen. Hielt man sie in einer gewissen Entfernung über das Licht, so roch es nach Weihrauch. ganz gut, aber recht süßlich. Rur mußte man den Abstand vom Feuer sehr genau wahren, anfon- ften kohlten sie an unb stanken ganz entsetzlich. Ich war war für das letztere Verfahren und sehe heute noch nicht ein, was dieser Unsinn eigentlich sollte. Oder Papa bekam feine Raudjtrpillen. Diese filber- nen Kügelchen in einem „goldenen" Blechböschen, auf dem ber Kopf eines Potentaten — ich glaube es war Ernst August von Hannover —, prangte, schmeckten infam. Aber jedesmal bedankte sich mein Vater besonder» herzlich unb mein Großvater lächelte diebisch. Hier war männlicher Eorpsgeist, denn — wiederum später — belauschte ich ein Zwiegespräch der beiden Verschworenen. „Sieh, die Raucherpillen sind nicht mehr von der alten Dualität", holsteinte mein Großvater ehrlich betrübt, „neulich hat Mamachen zum erstenmal was gemerkt, und ich hatte doch zwei genommen!" Rach solchen mannigfachen Erlebnissen schied man dankbar und zufrieden. Und nun wanderten wir zu Fuß, wie es sich für eine gut bürgerliche Familie von selbst verstand, durch das halbe Leipzig, winterlich überrieselt, zu den anderen Großeltern in der Alberlstraße. Hier winkte die Sensation. Denn bei den väterlichen Penaten war die Prohibition zum Entsetzen meiner Mutter aufgehoben, die väterliche Sippe hielt darauf, bah ich ein Mann werden sollte, wa« man nicht durchweg, aber doch auch mit Alkohol zu erzielen hoffte. ES steigerten sich bte gewaltigen Erschütterungen de« Leben« m phantastischer Weise, zunächst gab es Heringssalat Jahr für 3abr: mit Bier — Jahr für Jahr mehrten 'ich für mich die Gläser Was dann für ein G ing erschien, weiß ich nicht mehr. Ich war zu aufgeregt, um daraus zu achten, ich glaube aber, eÄ war ganz gewöhnlicher Aufschnitt. Meine Begier richtete sich auf das Ende de« Mahles, denn dann gab es Punsch, der unter Beachtung feierlicher Formen in Gegenwart der gesamten Familie hergerichtet wurde. Auch hier ergab sich jedesmal dasselbe Bild. Die Frauen protestierten gegen den vielen Arrak, den der sachkundige Onkel in den glühenden Weißwein goh, die Männer lachten höhnisch und verbittert über solche Weichlichkeit. Lediglich, wenn Zante Eonstanze sich herablieh, an dieser Feier teilzunehmen, gab e« einc Ausnahme, Tante Eonstanze, die noch mit Kaspar Hauser spazierengegangen war und noch den Anfang deS Weltkrieges erlebt hat. Tante Constanze also nach ihrer Art, zog die dünne goldene Llhrkctte, die über ihrem nicht sehr üppigen Bulen hing, durch ihre Finger - daS bedeutete immer Sturm — und sagte leicht empört, aber ebenso entschieden: ,WaS soll Punsch ohne Arrak?" Dann konnte sie sicher sein, dah die Männer ihr erstes Glas gegen da« alte Fräulein hoben, was sonst selten geschah, und ernst sprachen: .Solist leben. Tante!" Drauf die Tante mit lener Rauheit, die Rührung verbirgt: .Prost! Aber lang genug lebe ich. das kann ich euch sagen." Woraus der großväterliche Bruder: .Blödsinn, dämliche Person", lachte und den schmalen Rücken der Schwester klopfte. Sie entzog sich diesen Liebkosungen mit den Worten: .Du bist immer gegen mich gewesen, Gustav, daS hat der Vater schon gesagt!" (Der Vater entschlief im Jahre 1846; außerdem war eS ganz offensichtlich Lüge.) Dem drehenden Zamilienkonslikt machte die neue Sensation ein Ende: die Kartenlotterie. Schwer zu beschreiben, man braucht zwei Spiele. Da« eine wird unter die Spieler verteilt, das andere — ach. daS ist ja langweilig. Jedenfalls gewinnt meisten- jeder etwa« bei diesem Glücksspiel, was man nicht von allen Lotterien sagen kann. Die Gewinne bestanden au» ©ühigfeiten de« Weih» nachtSbaurne«, den man auch sonst plündern durste. Aber es war doch was andere«, sie ui gewinnen. Rachgerade bedenke »ch, wie gefährlich sie für mich hätte werden können, diese rührende Kartenlotterie. War nun die« vorbei, und die Llhr woUte bedenklich auf die Mitternacht, dann fang man den General Laudon. Da« war eigentlich da« Schönste (wenn an diesem Abend der vielen Superlative fo zu sagen Ist«. Wan singt folgenbcrt Vers: General Laudon zieht an. zücht an. General Laudon, Laudon zieht an. Mit 500 000 Wann Zieht General Laudon an. General Laudon zieht an, zieht an. Nun ruft ber erste:, Halt!" Folgt Runbgesang: der zweite: „Wer da?"Rundgesang: ber brilte: „General Laubon!" unb fo fort, bi» also die letzten rufen: „Artillerie vor! Protzt ab! Feuer!" — Immer mit bem Refrain des gemeinsamen Sange». Und nach „Feuer!" müssen alle mit den Fäusten auf den Tisch bollern Wunderschön ist da» Und da ist etwa» Komisches zu sagen. Ich hatte nie ein Bild vom General Laudon gesehen, aber ich machte mir ein Bild von ihm. Und siehe, da ich zum ersten Mal dies sritzisch kühne, höchst geniale Gesicht (ah, da Slich es dem Gemälde meiner Phantasie auf» Haar. ntsleht solche Deutlichkeit in einem Kinderkopschen? Könnten wir da» ergründen, fo lösten wir wohl auch bas Rätsel von Konnersreuth. Freilich, ich liebte den General Laudon von Herzen, weil er ein Höhepunkt meines Lebens war, der gute Graf war mein Silocster-Held. Möalich, baß er sich bei mir bedankte, denn sehr viele Bewunderer wird er nicht mehr haben. Run zurück. Auf einmal rückte die Uhr ganz kurz unb heftig vor bie 12. D, Sakrament' Run kam», nun mußte man ja hören, wie die Jahre ineinander schnappen. Ich schwöre heute noch jeden Eid, damals habe ich sie schnapppen hören. Ganz richtig: So rrrr — tsch, machte es. Es kann ja natürlich die alte Uhr gewesen fein. Aber ich glaube, wenn mir noch Kinderohren hatten, wir dummen, unsäglich dummen Erwachsenen, wir hörten auch bte»: rrrr — tsch! Wir hören » nicht mehr. Schade. Oder auch nicht schade. Wir sind \a so gescheit. Daß wir nun vor lauter Gdcheitheit nicht mehr wissen wohin. Ja, und bann? Dann riefen alle: „Prost Reu- jähr’" und bann war alle» au». Rein, doch nicht. Man mußte bei den Großeltern schlafen, einen traumseligen, herrlichen, tiefen Kinberjchlaf, denn noch einmal durch ein viertel Leipsig im Schnee stapfen, nein, das ging nicht. So schlummerte man am Silvester dem neuen Silvester >elig entgegen. Schülerfreund und Rau- cherblattthcn, General Laudon und Startenlotlerie, wo seid ihr hin? Rur der General Laudon hält sich allenfalls. Lockschulnacbnckten. Amtlich wird die Ernennung de« o. Professor« Dr. Wilhelm Weibel von der deutschen Uni» verfität in Prag zum ordentlichen Prosessor der Geburtshilfe und Gynäkologie an der Universität Dien als Rachfolaer de« verstorbenen Prof. Fnh Kermauner bestätigt. Prof. Weibel wurde die Leitung der II. Frauenklinik an der Wiener Llniversität übertragen. Aus der Provinzialhauptstadi. Gießen, den 29. Dezember 1931. „Zwischen den Zähren." Die. Festtage sind vorüber. Geblieben ist ein leichter Duft von brennenden Kerzen. 3n der ®de steht noch der Weihnachtsbaum. Die Kinder spielen mit den geschenkten Sachen. Aber es will scheinen, daß auch in Len Augen der_Erwachsenen noch ein stilles Leucyren liegt, eine Erinnerung an schöne Stunden. Cs waren ja eigentlich etwas viel Feiertage auf einmal. Allgemach zeigt sich nun der Werktag, und mit ihm kommen auch die Sorgen. Lind doch bedeuten diese Tage „zwischen den Jahren", die heiligen zwölf Nächte, mehr als Werktage. Es klingt da einmal iroch der Jubel der Kinder unterm Weihnachtsbaum'nach, zum andern schauen wir wehmütig und zugleich hoffnungsvoll froh auf das scheidende Jahr. Auch alte Gebräuche und Sitten unserer Vorfahren steigen in unserer Erinnerung herauf und geben dieser Zeit etwas Geheimnisvolles. Die Tage „zwischen den Jahren" fordern uns auf zur inneren Sammlung, zur inneren Festigung. Wenn uns während des Jahres keine Zeit blieo, uns auf uns selbst zu besinnen, so mahnt nun das absteigende Jahr. Lind feien es nur einige Stunden, die wir recht und tief durchleben, dann werden wir gar bald den Segen fühlen. Linser Herz darf nicht erstarren wie die Natur draußen, und solch stille, nachdenkliche Tage können für uns Kampftage werden, aber auch zur Selbstbefreiung führen. Es gilt, unsere Gedanken, unser Sinnen und Trachten rein und stark zu erhalten, trotz aller Anfechtungen, trotz aller Nöte und Stürme des Lebens. Gar mancher von uns hat Weihnachten in Sorge oder auch in Einsamkeit gefeiert, vielleicht ohne Vaum, ohne Geschenke. Aber bis ins fernste Dörfchen trug ja der Rundfunk die Weihnachtslieder, Chormusik und Feiertagsglocken, um auch dem einsamsten Menschen etwas Licht und Freude zu bringen. Lind als er dann zum Stock griff, um einen Gang durch den Winterwald zu machen, da konnte er aufatmen. Wohl ging der Schnee, der uns Weihnachten erst zu einem Fest macht, langsam weg, leichter Regen rieselte nieder, und dichter Nebel hüllte die Landschaft weich und linde ein. Am Morgen aber bot sich dem Wanderer ein Bild von märchenschöner Zauberpracht. Lieberall hatte sich der Nebel zu kleinen Eis- friftallen verdichtet, und Raum und Strauch, Gras und Erdschollen waren überkleidet mit dem schönsten Schmuck. Jedes Hälmchen, jedes dürre Vlatt hatte sein Silbergewand an. Das glitzerte und funkelte. Die vertrockneten Blütenkelche waren zu Brillanten geworden, die ganze Welt mit Silber überstreut. Solch ein Zauberkünstler ist der Rauhreif! Soll dieser Anblick der reinen Natur dem einsamen Wanderer nicht wie eine Verheißung in das Herz klingen? So wird es auch einmal mit all der Not des Lebens werden. Auch sie wird überdeckt werden mit Kristallen und Silber. Die Nebel werden sich zerstreuen, und die Sonne wird durchdringen... i Auf meinem Schreibtisch liegt schon der neue Kalender. Das Titelblatt zeigt ein Segelschiff in schwerer Seenot. Ist das nicht ein Sinnbild für das neue Jahr? Hoch gehen die Wogen. Der Sturm saust durch die Segel. Aber unbeirrt steht der Steuermann auf seinem Platz und schaut aus nach seinem Ziel, voll Hoffnung auf eine gute, zukünftige Fahrt. Sv wollen auch wir in das neue Jahr schreiten. 3. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Königin Luise". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute und morgen bleibt das Theater geschlossen. Donnerstag, 31. Dezember, bietet sich die beste Gelegenheit, einen frohen Silvesterabend durch Theaterbesuch einzuleiten. Diesem Gedanken hat die Intendanz Rechnung getragen. Wie bisher an jedem Silvesterabend, wird auch in diesem Jahre die Vorstellung ein ganz besonderes Gepräge haben: jedem den Abschied vom alten Jahre leicht zu machen und das neue Jahr in bester Laune und Stimmung zu erwarten. Karl Nestroys Zauberposse „Lumpacivagabundus" wird in völlig neuer Inszenierung und Ausstattung erstmalig in dieser Spielzeit zur Aufführung gelangen. Es wird betont, daß „Lumpacivagabundus" nicht identisch ist mit der vorjährigen Silvesteraufführung „Robert und Bertram". Aber auch in diesem Jahre hat die Spielleitung (Karl Heys er) dafür Sorge getragen, daß das Werk mit vielerlei Abwechslung in Musik, Gesang, Tanz und akrobatischen Darbietungen einen amüsanten Auftakt zum neuen Jahre bildet. Die Erstaufführung ist die 12. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement. Beginn: 19.30 Llhr, Ende: 22 Llhr. — Freitag, 1. Januar, 19.30 Llhr, als Werbevorstellung zum letztenmal Aufführung des Lustspiels: „Marguerite: 3“ von Fritz Schwiefert. — Samstag, 2. Januar, 15 Llhr, geschlossene Vorstellung für Erwerbslose mit Bruno Franks Komödie: „Sturm im Wasserglas". Gießener Wochenmarktpreise. * Gießen, 29. Dez. Cs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Kochbutter von 110 Pf. pro Pfund an, Butter 100 bis 120, Matte 25 bis 30, Käse (zehn Stück) 50 bis 120, Wirsing 7 bis 8, Weißkraut 5 bis 6, Rotkraut 7 bis 8, Gelbe Rüben 8 bis 10, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Llnter-Kohlrabi 5 bis 6, Grünkohl 10 bis 12, Rosenkohl 15 bis 20, Feldsalat 80 bis 100, To- maten 50 bis 60, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 35 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Kartoffeln 4, Aepfel 8 bis 10, Birnen 8 bis 10, Dörrobst 30 bis 35, Honig 40 O.s 50, Nüsse 35 bis 40, junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80, Enten 80 bis 100, Gänse 70 bis 80; Tauben, das Stück 50 bis 60 Pfennig, Eier 14 bis 15, Blumenkohl 20 bis 60, Endivien 8 bis 10, Ober-Kohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 40; Kartoffeln, der Zentner 3 bis 3,50, Weißkraut 3 bis 3,50, Wirsing 4 bis 5, Rotkraut 4 bis 5 Mark. » ** Von der Landesuniversität. (Ernannt wurden die Privatdozenten Dr. 5)cf). Kliewe und Dr. Eberhard K o ch zu Gießen zu außerplan- mäßiaen außerordentlichen Professoren in der medizinischen Fakultät der Landesuniversität Gießen. ** Polizeipersonalie. (Ernannt wurde der Leiter der Kriminalabteilung beim Polizeiamt Gießen, Kriminalkommissar Schönefeld, zum Kriminal-Oberinspektor. ** Der Bureaudienst bei der Stadtverwaltung am 2. Januar. Wie uns von der Stadtverwaltung mitgeteM wird, ist für den 2. Januar bei sämtlichen städtischen Dienststellen, in gleicher Weise wie bei den Reichs- und Landesbehörden, Sonntagsdienst angeordnet worden. Die Stadtkasse wird am 2. Januar von 10 bis 12 Llhr für den Zahlungsverkehr geöffnet fein. **. Die Post am Neujahrstage. Arn Neuiahrstage wird bei der Post der Schalterdienst und die Briefkastenleerung wie an Sonntagen gehandhabt. Zwei Briefzustellungen (8 und 14 Llhr) sind vorgesehen. Außerdem wird eine Orts-Geldzustellung durchgeführt. Die Paketzustellung fällt aus. Für die Landorte ist lediglich eine Briefzustellung vorgesehen. "DieGiehenerRindviehmärkte im Jahre 1931. Der Auftrieb auf den im Jahre 1931 abgehaltenen 23 Rindviehmärkten in Gießen betrug 22 723 Stück Großvieh und Jungvieh über drei Monate alt, 1447 Stück Jungvieh bis zu sechs Monate alt (sog. Fresser), sowie 4989 Kälber. Der Gesamtaustrieb vezifferte sich also auf 29 159 Tiere. Im Vorjahr belief sich der Auftrieb auf 30 512 Stück Großvieh und Jungtiere über drei Monate alt und 4814 Kälber, im ganzen also auf 35 326 Stück Rindvieh bei 24 Märkten. ** Vergeßt die Vögel nicht! Streut Son- nenblumenkerne, Hanfsamen, Mohnsamen, Gras- famen, Gurken- und Kürbiskerne, Dreschabfälle, Vogelbeeren, getrocknete Holunder- und Heidel- beeren, Trauben von wildem Wein, Hagebutten, zerschnittene Aepfel und Birnen, rohen Talg, un- gesalzenen Speck, gekochtes ungesalzenes Fleisch. Schädlich sind: gesalzener Speck, Brotkrumen und Kartoffeln, die den Vögeln oft Krankheit und Tod bringen, ebenso Wasser, das im Gefieder der Vögel bei strenger Kälte zu Eis wird und sie hilflos macht. *• Zur Deachtuyg beim Schriftverkehr mit Behörden. Wer ein Schreiben irgendwelcher Art, eine Eingabe oder einen Antrag an eine Behörde (Gericht, Verwaltungsbehörde, Kreisamt, Bürgermeisterei-, Finanzamt, Derforgungsamt usw.) zu richten hat, unterlaffe es im eigensten Interesse, den Antrag an einen namentlich angegebenen Beamten zu richten. Geschieht es dennoch, so ist bestimmt zum mindesten mit einem Zeitverlust zu rechnen. Alle Schreiben werden regelmäßig bereits vorhandenen, oder noch zu bilbenben Akten einverleibt. Am schnellsten geschieht das, wenn das Schriftstück unmittelbar nur an die Behörde als solche gelangt, an die es zu richten ist. ** Ehrung treuer Tierpfleger und Lierfchützer. Am dritten Weihnachtsfeiertag versammelten sich im Kaufmännischen Vereins- Hause auf besondere Einladung des Gießener Tierschuhvereins eine Arrzahl Fuhrleute und Polizeibeamte, um für treue Tierpflege und wachsamen Tierschutz eine Anerkennung entgegenzunehmen. Nachdem der Vorsitzende des Vereins auf den Zweck und die Bedeutung des Tierschutzes und treuer Tierpflege hingewiesen hatte, erhielten die Fuhrleute Ad. Beil, Gg. Reichardt und H. Wagner, sowie der Oberseldschuhmeister Th. Simon und die Polizeihauptwachtmeister Hederich, Balser, Kohn, Paulus, Dock, Haubner, Kunze, Klapp, Kühl, Holland und Nies ein Geldgeschenk. Ebenso wurde der städtische Arbeiter Lud. Diehl für Fütterung der Vögel in den Anlagen ausgezeichnet. • Mit dem Gelöbnis, dem Tier im neuen Jahre die alte Treue zu halten, schloß die schlichte Feier. ** Bund für christliche Erziehungin Haus und Schule. Man berichtet uns: Eine schöne Weihnachtsfeier bot dieses Jahr der Bund für christliche Erziehung in Haus und Schule seinen Mitgliedern in der Johanneskirche. Es wirkten mit: Frl.Ida Stammler und ihr Schülerchor (Gesang), Fr. Mendelssohn- Bartholdy (Rezitation), Pfarrer Bremmer (Klein-Linden, Ansprache), Organist Habicht (Harmonium), Musiklehrer Hahn (Flügel), sowie Mitglieder der hiesigen Militärkapelle, die Weihnachtslieder wurden von allen Besuchern gemeinsam gesungen. Auf die Darbietungen im einzelnen näher einzugehen, würde zu weit führen. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß alles, was zu Gehör gebracht wurde, auf hoher Stufe stand und den Mitgliedern wahre Weihestunden in starkem Maße zum Erlebnis wurden. **Weihnachtsfeierin derHerberge zur Heimat. Man berietet uns: Am Heiligen Abend fand unter Mitwirkung von Pfarrer Lenz, der die Ansprache hielt, und des evangelischen Kirchenchores unter Leitung von Lehrer L i n d e n st r u t h in der Herberge zur Heimat eine Weihnachtsfeier für etwa 70 bis 80 fremde Wanderer statt, die Dank der Opferwilligkeit der Gießener Bürgerschaft reichlich beschenkt und verpflegt werden konnten. Der große Saal war fast bis auf den letzten Platz beseht. Besonders dankbar wurde empfunden, daß sich der Kirchenchor für die Feier zur Verfügung stellte und durch seine Darbietungen wesentlich zur Verschönerung des Abends beitrug. Bei dem gemeinsamen Gesang alter Weihnachtslieder, bei einem Glase Bier und einer Zigarre wurde der Abend verbracht. Am andern Morgen sand dann die übliche Kleiderparade statt, bei der ein großer Teil der Wanderer mit neuer Kleidung, mit Wäsche und Schuhen versehen werden konnte. Oberbeffen. Landkreis Gießen. 00 Klein-Linden, 28. Dez. Der hiesige Männergesangverein „Arion" h:elt am ersten Weihnachtsseiertag im Gasthaus „Zur deutschen Eiche" seine Weihnachtsfeier ab. Chorlieder und Vorträge eines gemischten Chores (Leiter: Chrenchormeister Konrad Nicolai, Großen-Buseck) ernteten reichen Beifall. Ein größeres Theaterstück fand eine sehr gute Wiedergabe. — Am zweiten Feiertag veranstaltete im gleichen Lokal der Männergesangverein „Eintracht" seine Weihnachtsfeier. Gut ein- ftubierte Männerchöre (Leitung: Chormeister Köhler, Großen-Linden) fanden bei den zahlreichen Besuchern starken Beifall. Ein heiteres Lustspiel lieh für einige Stunden die Sorgen des Alltags vergessen. p. Saasen, 28. Dez. Der Gesangverein „Eintracht" hielt am zweiten Weihnachtsfeiertag im Saale des Gastwirts Wilhelm Sch epp II. sein Wintervergnügen ab. Chor- vovträge, ein flott gespieltes Theaterstück und Tanz unterhielten die zahlreichen Gäste. Die verschiedenen Darbietungen wurden sehr beifällig ausgenommen. r. Lang-Göns, 28. Dez. Der Gesangverein „Frohsinn" hielt am ersten Weihnachtstag eine schlichte Familienfeier ab, die außerordentlich gut besucht war. Der Vorsitzende Karl Faber hielt die Degrühungsansprache. Unter feiner Leitung trug der Verein mehrere Weihnachts- und andere Chöre vor, die sehr gefielen und von großem Können zeugten. (Vereinsdirigent ist Oberreallehrer Blaß, Großen- ßin&cn.) Es folgten lebende Bilder, ein Theaterstück und klassische Musikstücke, die vom hiesigen Orchesterverein gespielt und mehrmals durch Zugaben ergänzt wurden. 5s Lich, 28. Dez. Der Turnverein 1860 L i ch hielt am zweiten Weihnachtsfeiertag in der Turnhalle fein diesjähriges Winterfest ab. Turnerische Vorführungen der Mitglieder legten Zeugnis davon ab, dah auch im vergangenen Lahre ernste Arbeit geleistet wurde. Die Kapelle der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr unter der Leitung ihres Kapellmeisters F r e y t a g wartete mit guten musikalischen Darbietungen auf. Ein flott aufgeführtes Theaterstück fand viel Beifall. Tanz beschloß den wohlgelungenen Abend. II Bellersheim, 28. Dez. Am zweiten Weihnachtsfeiertag begingen Wilhelm Reuter und seine Ehefrau Marie, geb. Müller, im Kreise ihrer Kinder und Enkel das Fest der goldenen So ch ze i t. Der Jubilar ist 77 Jahre alt die ubilarin 73 Jahre. Beide sind geistig und körperlich noch sehr rüstig. Zahlreiche Glückwünsche und Ehrungen wurden dem Jubelpaar zuteil. Kreis Friedberg. Pb. Butzbach, 28. Dez. Im großen Saal des „Hessischen Hofes" fand eine Veranstaltung der Weidig-Oberrealschule zugunsten der Butzbacher Winterhilfe statt, die einen erheblichen Reinertrag ergab. Im MitkelpmM der Dortragsfolge stand das „Dühnenbilderbuch aus dem Schulleben vergangener und künftiger Zeiten", das den Oberstudiendirektor W. Philipps, Friedberg, zum Verfasser hat. Cs wurde formvollendet aufgeführt und fand lebhaften Beifall. Llmrahmt wurde die Aufführung durch nicht minder gute Darbietungen des Schüler-Orchester- und des Schüler-Chors. Kreis Schotten. □ Laubach, 28. Dez. In der Nacht zum zweiten Weihnachtsfeiertage wurden die Einwohner unserer Stadt durch Feueralarm aus dem Schlafe geweckt. Der hinter dem Landheim S t e i m e r stehende Holzschuppen, in dem sich auch Stroh befand, stand in Hellen Flammen und brannte vollständig nieder. Weiterer Schaden ist nicht entstanden. Man vermutet Brandstiftung. Kreis Alsfeld. LJ Ober-Ohmen, 28. Dez. Am ersten Weih- nachtsfeiertag wiederholte die Llnterklasse unserer Schule ihre Weihnachtsfeier für die Erwachsenen; die Feier, die ursprünglich nur für die Schüler bestimmt war, brachte einen vollen Erfolg. Die Kleinen sprachen Weihnachtsgedichte, die starken Anklang fanden. Ein kleines Theaterstück wurde aufgeführt und beifällig aufgenvm- • men. Lehrer Jung hielt eine Ansprache. VfB.-Gießen. VfB. Liga — FV. Wallau Liga 3:1 (1:1). Mit der Verpflichtung des Tabellenführers der Bezirksklasse 1 hatte man keinen schlechten Griff getan, Wallau zeigte ein schönes und faires Spiel und recht ansprechende Leistungen. Wie auch VfB. in bester Fahrt war, kam ein interessanter Kampf zustande. Kurz nach Beginn konnte VfB. durch Wlo- dareck in Führung gehen, die Gäste glichen nach verteiltem Spiele durch Elfmeter aus. In der zweiten Halbzeit hatte VfB. mehr vom Spiel, insbesondere die rechte Seite kam immer wieder durch. Auf zwei vorbildliche Flanken fielen für VfB. wieder durch Wlodareck zwei weitere schöne Tore. Die Gegner waren sich im Spielaufbau wie auch technisch gleich, jedoch war diesmal der Gießener Sturm gut aufgelegt. Schiri Rabe (1900) leitete sicher. VfB. Liga — Alsfeld 06 Liga 1:1 (1:0). VfB. konnte gegen Alsfeld auf dem Waldsport. platz noch nicht gewinnen. Auch dieses Mal reichte es trotz Spielüberlegenheit nur zu einem Unentschieden. Alsfeld stellte eine körperlich kräftige und wendige Elf, die ebenfalls wie VfB., einigen Ersatz in ihren Reihen hatte. Das Treffen war ein Spiel der verpaßten Gelegenheiten, denn VfB. hätte mehrere zwingende Torgelegenheiten verwandeln müssen. VfB. ging durch Bärenfanger in der ersten Halbzeit in Führung. Alsfeld wollte unbedingt aufholen, aber das Gießener Schlußdreieck war auf der Hut. Erst gegen Ende der zweiten Halbzeit, nachdem VfB. große Chancen in allernächster Nähe des gegnerischen Tores verpaßt hatte, konnte Alsfeld durch llcberrumpelung der Verteidigung ausgleichen. Es wurde dann von beiden Seiten stark auf Sieg gespielt, aber es ereignete sich nichts mehr. VfB. war Die bessere Mannschaft, für Haupt spiele Bärenfänger, für Köhler Knaus. Spielvereinigung 1900 Gießen. 1900 (Liga) — Spv. Metzlar (Liga) 2:5 (1:4). Das wichtigste Spiel trug die Ligamannschaft am dritten Feiertag in Wetzlar um den Pokal aus. Die Blauweißen unterlagen 5:2 (Halbzeit 4:1). Das Spiel fand auf dem grundlosen Spielfeld des Wetzlarer Stadions „Spielburg" statt. Die Gießener traten ohne Schmidt, Henrich und Göbel an. Wetzlar erwies sich wieder als hart, wuchtig und schnell, überwand durch hohes Spiel die schlechten Bodenverhältnisse. Nach zehn Minuten stand das Treffen 2:1 für Wetzlar, dem der Gastgeber bis zum Seitenwechsel zwei weitere Erfolge anreihte. Nach der Pause war jede Partei noch einmal erfolgreich. 1900 ließ in jeder Halbzeit einen Foulelfmeter aus und war überdies im zweiten Teil nur auf 10 Spieler angewiesen, da Heilmann infolge Verletzung ausscheiden mußte. Schiedsrichter Spurt’ Butzbach pfiff was er sah. Er hatte zeitweise einen sehr schweren Stand, besonders da ihn der Spielverlauf zwang, fast ständig gegen den Platzverein Wetzlar zu entscheiden. Das Spiel selbst wurde in der ersten Hälfte reichlich planlos geführt und Wetzlar über- fuhr die etwas zaghafte Gießener Deckung mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln. Erst in der zweiten Hälfte wurde das Spiel besser, nachdem in die Spieler mehr Ruhe gekommen war und 1900 vorteilhaft umgestellt hatte. Das Spiel zeigte Tätlichkeiten, die normalerweise mit Platzverweisen bestraft werden müßten. Die Gießener ließen viele sich bietenden Chancen aus. Die Treffer für Gießen erzielten Zeller und Kurt Schmidt. Die Gießener verloren das Spiel, weil cs der Mannschaft in Gesamtheit an Kampfgeist gegen den Hurrastil dec Wetzlarer fehlte und weil bei dieser Bodenbeschaffenheit das flache kurze Paßspiel im Schlamm steckenbleiben mußte und daher nicht angebracht war. KE „Teutonia^Wahenborn-Siemberg Steinberg! — Butzbach II 4:1 (2:1). Mit gemischten Gefühlen, aber doch mit dem Willen zu siegen, trat die Teutonen-Elf am Sonntag auf dem im besten Zustande befindlichen Platz des Polizcisportvereins gegen die 2. Mannschaft des VsR. Butzbach zum fälligen Derbands- rückspiel an. Schon in der 12. Minute konnte Steinberg durch einen Elfmeterball den ersten Erfolg buchen, dem aber nach fünf Minuten die Butzbacher (ebenfalls durch einen Elfmeterball) den Ausgleich entgegensetzten. 2n der Folge wurden die Steinberger stets überlegen und drängten den Gegner in dessen Hälfte zurück. Butzbach konnte lediglich in einigen Durchbrüchen sein Heil versuchen. Die Lleberlegenheit der Gäste kam am besten in dem Eckenverhältnis von 15:1 zum Ausdruck. Nur durch die vielbeinige Verteidigung war es möglich, das Spiel beim Stande von 1:4 für Steinberg zu halten. Handball im Lahn - Oünsberg Gau. Wieseck l — Dutenhofen I 2:4 (1:2). Die 1. Mannschaft des Tv. Wieseck hatte am Sonntag die 1. Elf von Dutenhofen zu Gast. Die Gäste gingen nach einer schlechten Abwehr des Wiesecker Hüters zuerst in Führung und konnten auch auf 2:0 erhöhen. Die Plahbesiher vermochten bis zur Pause nur ein Tor aufzuholen. Nach dem Wechsel sah man gleichverteiltes Spiel. Allmählich gingen aber die Gäste wieder mehr zum Angriff über, schossen auch zwei weitere Tore, denen die Gastgeber nur noch ein Tor entgegensetzen konnten. Eisverein Gießen beim Eisschießen siegreich. Anläßlich der Einweihung der Brunhildis- eisbahn auf dem Feldberg im Taunus fand auch ein Wettkampf im Eisschießen statt. Der Gießener Eis- verein war vertreten durch seine erste Mannschaft in der Aufstellung Klarl, Schonebohm. Müller-Leutert und Mohr. Trotz sehr schlechter Bahn fertigten die Hiesigen ihre beiden Gegner, den südwestdeutschen Meister, Eisverein Cronderg und Tennisklub 1914 Frankfurt überlegen ab und wurden mit der Note 1,89 sicherer Sieger. Die südwestdeutschen Eissportmeisterschasten. Die südwestdeutschen Cishockehrneister- schäften werden am 16./17. Januar 1932 vom SC. Forsthausstraße auf seiner Anlage am Forsthaus durchgeführt, wobei Verlegungsplah die Brunhildisbahn auf dem Großen Feldberg im Taunus ist. Eine Woche später folgt dann am 23 /24. Januar der Wettbewerb um dieSchneIl- laufmeisterschaften des südwestdeutschen Verbandes, ebenfalls in Frankfurt an der Forsthausstraße. Die Kunstlaufmeisterschaf- t e n folgen zwei Wochen darauf am 6-/7. Februar, für die die Brunhildisbahn vorgesehen ist. Zum Austrag gelangen Neulingslaufen für Herren und Damen, Juniorenlaufen für Damen und Herren, Meisterschaft für Damen und Herren, ferner Juniorenpaarlauf und ein Walzerwettbewerb. Verteidiger des südwestdeutschen Meistertitels ist Eugen Groß, Triberg. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Lollar I — Gießen I 5:6. Zu einem Freundschaftsspiele standen sich beibt Mannschaften am ersten Feiertag in Lollar gegenüber. Lollar trat komplett und Gießen mit Ersatz an. Trotz des überaus glatten Bodens entwickelte sich ein flottes Spiel. Gießen war vorerst etwas im Vorteil und konnte bei Halbzeit mit 1:2 Toren führen. Nach Wechsel wurde Lollar merklich besser und stellte bald den Ausgleich her und erhöhte um zwei weitere Tore. Dann kam Gießen wieder mehr auf und konnte vier Tore erzielen. Erst kurz vor Schluß gelang es Lollar das Ergebnis zu verbessern. wieseck II — AUendorf (Lahn) I 2:3. Im Entscheidungsspiel um die Meisterschaft der 2. Bezirksklasse standen sich Wieseck und Allendorf in Wieseck gegenüber. Allendorf lag zuerst im Angriff und Wieseck mußte reichlich Abwehrarbeit leisten. Dann leitete Wieseck mehrere schöne Angriffe ein, die jedoch alle scheiterten. Nach geraumer Seit kam Allendorf zum Führungstor. Trotz aller An- ftrengunaen der Platzbesitzer gelang nichts, dagegen erhöhte Allendorf auf das Halbzeitergebnis von 0:2. Nach der Pause lag Wieseck stets im Anariff und drängte den Gegner in die eigene Hälfte. Aber erst ein Elfmeterball brachte den ersten Erfolg. Ein zweiter Elfmeter brachte Wieseck den Ausgleich. Wieseck drückt weiterhin stark, konnte aber außer einigen Ecken nichts zählbares mehr erreichen. Kurz vor Schluß erzielte Allendorf nach einem Durchbruch das Siegestor und sicherte sich damit die Meisterschaft der 2. Klasse. Naunheim fomb. — Wehlar I 4:1. In Naunheim lieferten sich beide Mannschaften am Sonntag ein Freundschaftsspiel, das sehr unter den schlechten Platzverhältnissen litt. Naunheim war im ganzen Spiel etwas überlegen und führte bei Halbzeit mit 3:0 Toren. Nach der Pause verteidigte sich Wetzlar besser. Ein Durchbruch brachte da» Ehrentor, während Naunheim durch einen verwandelten (Elfmeter auf vier Tore erhöhte. Vorher standen sich Naunheim Jugend und Wieseck 1. Jugend im Freundschaftsspiel gegenüber. Nach schönem Spiele trennten sich die Gegner mit dem Unentschieden von 1:1. Allendorf (Lahn) I — Waldgirmes I 6:0. In der ersten Halbzeit dieses Freundschaftsspieles am ersten Feiertag sah man einen ausgeglichenen Kamps. Bei Halbzeit lag Allendorf mit 1:0 in Führung. Nach dem Seitenwechsel wurden die Platzbesitzer merklich überlegen und siegten verdient mit 6:0. Kurze Sportnotizen. Einen Skisprung von 81 Meter zeigt» in Sait Lake City der amerikanische Skispringer und Landesmeister Alf (Engen und stellte mit dieser phantastischen Leistung einen neuen Schanzenrekord auf. MaxSchmeling wird jetzt endgültig in der letzten Februarwoche in Miami seinen Weltmeistertitel gegen den Amerikaner Mickey Walker verteil digen._________________________________________________ Unschön wirken rotes Gesicht und rote Hände. Ein probates Mittel: Creme Leodor. Versuchen Sie es mit einer Tube zu 6» Pf. Sie werden vom Erfolg überrascht {eüfc Äau», 'S« SS 'n fi L^e edl SÄ""" |Ä> «in Sft )-nx * «n §L°« Sv« *■*£ SA <'L- ÖX»B gjjMlN Dor iLoch-ruck, A Mschwc im Jahr l» Srschültcrun Hoffnung. o. wäre und doch V-Nlg würde, hul > M lüda-en de- ' Politik lefcn £jN-; öit bdKl«# Hirt. foydlc - k-fonbcrc ja mit D gollSreinr Mittwoch und Silvester: ft. Schellfische, Kabeljau. Brattifchc Frische Fisch-Filets 07603 Lebende Schleien und Karvfen Richard Grünewald Babnbofstrafte 27 Telefon 3631. Bochum Deihnachten 1931 Gießen 07597 Ihre Verlobung zeigen an Jlse Neuenhagen Dr. phil. Heinrich Schäfer Studienassessor Stadttheater Gießen. — tr* Donnerst, 31. Te^ Silvester, 19'/, bis 22 llbr, 12. 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Für die trauernden Hinterbliebenen: Karl Reuter V. Mittwoch, den 30. 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Die Einäscherung fand in der Stille statt. - Beileidsbesuche und Blumenspenden dankend abgelehnt. 07594 Bücher f.Fugend Wo? sagt d. Geschst. des Gieh. Anzeig. Sophie Jung, geb. Heb Wilhelm Jung V. und Familie Heinrich Faber und Familie Motorrad Triumph 300, mit elektr. Licht nnd Horn. Preis 4ho Mk. geg.(*irf)c« Schlafzimmer oder Ginzclmöbcl zu tauschen gesucht. Lchriftl.Ängeb.unt. 07587 a. d.Gst. Anz. in verschiedener Ausfübrung 9005 a sowie 2ib- und Badewannen enwfieblt Edgar Sorrmann, Sisenhandluna Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen lieben Mann, unseren guten Vater. Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager. Pate und Onkel Am 27. Dezember starb unser Heber treubesorgter Vater. Grofrvater und Urgroßvater MW Gr.48, preiswert zu verkaufen. 07591 Müblftr. 28 11. Garten I zirka 2000 qm, Gg.- Pb.-lfiaiutrahe ganz oder geteilt zu oerk. Auskunft ».«d Marktvlan 10. Hinterbliebenen: Otto Heb IL und Familie Wilhelm Jung L und Familie nebst allen Angehörigen. LMWI. 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Und Kontinentaleuropa zeigt ebenfalls bedenkliche Tendenzen, sich abzuriegeln. Nur mit Mühe hat Argentinien die Ratifizierung des deutsch-rumänischen Handelsvertrages verhindert. Wird es auch weiterhin sich diese Märkte erhalten können? Um so dringlicher erscheint ein Zusammenschluß der sü da meri k a ni s ch e n S.t a a- t e n selbst, um sich auf wirtschaftlichem Gebiet gegenseitig zu ergänzen und so von der sich abschließenden übrigen Welt unabhängig zu werden. Im Juni fanden die ersten Vorbesprechungen statt, die in dem chilenischcnVorschlageei n e r südamerikanischen Zollunion gipfelten. Mitte Dezember sollen diese Verhandlungen in Vuenos Aires sortgciührt werden. Das ist deswegen so wichtig, weil die verschiedenen südamerikanischen Länder durch ihre so eigenartige geographische und soziale Struktur auch wirtschaftlich sehr verschieden sind und sich daher gut aushelsen könnten. Reben dem fast ganz agrarischen Argentinien, dessen Ausfuhr zu 95 Die Zinssenkung aus dem Kapitalmarkt. Oie Ausführungsbestimmungen. Vertin, 28. Dez. lCRV.) Zu den in der Rotverordnung vom 8. Dezember erlassenen Bestimmungen über die Zinssenkung auf dem Kapitalmarkt sind am 23. Dezember Aus- führungsbestimmungen erschienen, die von zuständiger Stelle erläutert werden. Die Ausführungsbestimmungen zur Kapitalzinsherabsetzung sind als „erste" Durchführungsverordnung bezeichnet worden. Daraus geht hervor, daß das Problem noch nicht gänzlich hat gelöst werden können. Insbesondere die sehr schwierigen grundbuchrechtlichen Fragen müssen erst noch eingehend beraten werden. Drei schwierige Fragen bedurften einer Regelung vor dem 1. Januar. Zunächst die Frage der Abgrenzung derjenigen Forderungen, die überhaupt unter die Kapitalzins- senkung fallen. Die Kapitalzinssenkung tritt nicht ein bei rein bankmäßigen Personalkrediten, deren Fälligkeit weiter als ein Iahr liegt, und zweitens bei sog. Zwischenkrediten. Dasselbe gilt für die sog. Police- darlehen und alle Gefälligkeitsdarlehen. Hingegen mußten Forderungen, die bei ihrer Begründung auf unbestimmte Zeit festgelegt wurden, auch dann der Zinssenkung unterliegen, wenn sie durch kurzfristige Kündigungs- möglichkeitcn sällig gemacht werden können. Denn es handelt sich dabei um ein großes Kontingent von Hypothekenforderungen, wo die Zinssenkung Rückwirkungen auf die Miet/enkung auslöst. Es werden nicht gesenkt Strafzinsen, Derzugs- zinses und ähnliches. Richt gesenkt werden ferner dividendenähnlichc Zinsen, d. s. Zusatzzinsen bei gewissen Unternehmungen, die sich nach der Höhe der Dividenden richten. Für die Zeit nach dem 1. 2 anuar 1932 herrscht an sich völlige Vertragsfreiheit in der Zinshöhe mit folgenden Einschränkungen: Die Ausgabe von Inhaberschuldverschreibungen unterliegt künftig der Genehmigung durch die Reichsregierung. Auf diesem Wege erhält sie einen Einfluß aus alle Zinsen. Weiter tritt § 247 BGB. wieder in Kraft, d. h. wenn jemand verpflichtet ist, mehr als 6 Prozent zu zahlen, kann er die Schuld mit sechsmonatiger Kündigungsfrist kündigen. Schließlich sind auch diejenigen Forderun- gen in die Zinssenkung einbezogen, die zwar formell noch dem 1. Januar entstehen, zu deren Begründung sich aber die Gläubiger schon vorher verpflichtet haben. Wenn also nach dem 9. Dezember 1931 ein notarieller Vertrag geschlossen ist über die Hergabc einer Hnpothek, das Darlehen aber noch nicht hat gegeben werden können, dann unterliegt auch diese Hypothek der Zinsherabsehunz. Sehr wichtig ist die Abgrenzung gegenüber dem Aus lande. Wenn ein Ausland eine Hypothek in Deutschland gegeben hat, wird es selbstverständlich betroffen. Wenn ein Ausländer deutsche Pfandbriefe an der Börse gekauft hat, sei es im Inlande oder im Auslande, wird er selbstverständlich auch von der Senkung betroffen. Aber wer sie in geschlossenen a u s l ä n d i - scheu Emissionen erworben hat, soll von dieser Senkung befreit bleiben. Wenn ferner ein Ausländer fremdes Geld' ausgeliehen hat, wenn er also seinen Gläubigern gegenüber die alten Zinsen zahlen muß und die Zinssenkung in Deutschland nicht seinen Gläubigern gegenüber geltend machen kann, dann soll auch für ihn keine Zinssenkung eintreten. Zur Zinsspanne in Form von V e r w a l - tungskostenbeiträgeu wird bestimmt, daß die Hypothelenbanken, öffentlich-rechtliche Kreditanstalten usw., wenn sie besondere Derwaltungs-' kostenzuschläge berechnen, für diese Zuschläge von der Senkung befreit bleiben. Dies ist nötig, denn diese Zuschläge sind das einzige, was diesen Instituten bleibt, um die Kosten für Ausfälle, Verwaltung und ähnliches zu decken. Die Verordnung sieht weiter vor, daß ein gewisser Teil des Zinssatzes als Verwaltungskostenbeitrag abgesondert und von der Senkung verschont wird. Das gleiche gilt auch für die Sparkassen und Versicherungsgesellschaften. Es beständen keine Illusionen darüber, daß ein großer Teil der Hypotheken nicht aus rund 6 Prozent herunterkonvertiert wird. Das lasse sich nicht durchführen, ohne die Kreditinstitute unter Umständen in Schwierigkeiten zu bringen. Die Bestimmungen über Rückzahlung in Pfandbriefen beziehen sich selbstverständlich nur auf R e a l k r e d i t i n st i t u t e, die Pfandbriefe ausgeben. Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, daß auch der Privatmann Pfandbriefe als Rückzahlung von Hypotheken annehmen müsse. Die normalen Tilgungs- und Abzahlungsbeträge müssen weiter in bar geleistet werden. Die ganze Aktion ist bis Ende 1933 beschränkt. Als Erfolg wird erreicht eine Hebung der Pfandbriefkurse und verhütet wird eine allzu starke Entblößung der Hypothekenkreditinstitute von Barmitteln. Oie wettere Durchführung der Zinssenkungsaktion. Berlin, 28. Dez. (ERB.) Wie wir im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Ersten Durchführungsverordnung über die Zinssenkung erfahren, verhandelt der Dantkommissor zur Zeit mit den Spihenorgonisationen des Bankgewerbes über die Frage der Zi ns - senkung für Bankschulden. Cs ist anzunehmen. daß diese Verhandlungen noch vor Iah- resende zum Abschluß führen werden. Mit den Sparkassen werden gleichzeitig Verhandlungen geführt auf der Grundlage, daß in Zukunft für tägliches Geld 4, und für Gelder, für die eine Kündigungsfrist besteht, 5 Prozent gegeben werden sollen. Die Welt an der Jahreswende. III. Siidamerikanische Zahresrundschau. Don unserem ».-Berichterstatter. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Rio de Ianeiro, Dezember 1931. Die schwere Weltwirtschaftskrise hatte bereits im Iahr 1930 große wirtschaftliche und politische Erschütterungen für Südamerika gebracht. Die Hoffnung, daß damit das Schlimmste überstanden wäre und daß 1931, wenn keine Besserung, so doch wenigstens keine Verschlechterung bringen würde, hat sich jedoch nicht erfüllt. 1931 wird in der südamerikanischen Geschichte als das Iahr des wirtschaftlichen und vielfach des politischen Zusammenbruchs weiterleben. Dabei werden sich die verschiedenen Länder bei der großen Llnterschiedlichkeit ihrer wirtschaftlichen, sozialen und politischen Struktur jedesmal in besonderer Weise in dieses Bild einfügen. Ilm mit Brasilien als dem größten und volksreichsten Staate zu beginnen, so finden wir dort äußerlich eine politische Ruhe, die angenehm von den Revolutionen und Amwülzungen des vergangenen Iahres absticht. Das darf uns nicht darüber Hinwegtäuschen, daß auch in Brasilien die Dinge im Fluß und noch nicht konsolidiert sind. Die Revolution des vergangenen Iahres 1930 hotte neben der persönlichen Mißwirtschaft des damaligen Präsidenten einen tieferen Grund, der in dem besonderen Aufbau des brasilianischen Bundesstaates beruht. Der wirtschaftliche Aufschwung der letzten Iahrzehnte hat vor allem zwei Staaten begünstigt, S a o P a ul o und Minas Geraes, während die anderen Staaten von der Macht im Bunde ziemlich aus- geschaltet waren, selbst wenn sie nicht, wie die älrwaldstaaten des Amazonasbeckens, wirtschaftlich und sozial zurückgeblieben waren. Die Macht Sao Paulos beruhte auf dem Kaffee und der Industrie. Der Zusammenbruch des Kaffe Marktes und der Versuche zu seiner Stützung mußten daher das politische Gesuge des Bundes erschüttern. Das Iahr 1931 hat an dieser Lage nichts geändert. Die Zerstörung von Millionen von Säcken Kaffees, die inzwischen schlecht geworden waren und nur noch in der Statistik für Beunruhigung des Marktes sorgten, Hot die Pre se nicht einmal ftub lifieren, geschweige denn erhöhen können. Die Auswirkung in dem verminderten Steuer- eingang und dem Fehlen an Devisen trotz der scharfen Einfuhrdrosselung hat zur Einstellung des Staatsschuldendienstes, zu dem Moratorium gegenüber dem Auslande und einer ungewöhnlichen Arbeitslosigkeit geführt. Die Ratschläge des englischen Bank- sochmasnes Riem,eher, der im Staatsauftrage die Reorganisation der brasilianischen Staatsbank vornehmen sollte, werden solange undurchführbar bleiben, wie die Grundfesten der Wirtschaft selbst erschüttert sind. Trotz der scharfen Devisenbestimmungen ist die Währung immer weiter gesunken, so daß der Milreis heute nur noch 25 Pfennig wert ist gegenüber Ende 1930. Der Ausfuhrüberschuß von etwa 12 Millionen Pfund, den Brafilien schätzungsweise erziele?! wird, kann die großen Verpflichtungen aus der Zahlungsbilanz nicht decken, dec in nominalen Iahren 40 Millionen Pfund beträgt. Unter diesem Drucke hat sich das Staatsgefüge des Bundes sehr gelockert. Die Zentralregierung läßt die einzelnen Staaten so weit wie möglich selbst versuchen, wie sie aus eigener Kraft mit ihren Problemen fertig werden. Damit sind die inneren Spannungen sehr vermindert worden, und so erklärt sich zum größten Teil die dem Aneingeweihten so merkwürdige politische Ruhe. Wie werden sich aber die Dinge im nächsten Iahre entwickeln? Einmal muh die große Aufgabe, den brasilianischen Bund gemäß den veränderten Verhältnisfen auf neuen Grundlagen aufzubauen und die Stellung der einzelnen Staaten neu abzugrenzen, gelöst werden. Aus den Ereignissen des Iahres 1931 läßt sich noch nicht erkennen, in welcher Form das möglich sein wird. So geht dieses ungeheure Gebiet einer unsicheren Zukunft entgegen. Deutlicher lassen sich die Dinge in Argentinien überblicken. Trotz der Verschärfung der Weltkrise zeigt der Außenhandel ein viel günstigeres Bild als im vergangenen Iahre, da die Ausfuhr, wenn auch nur unbedeutend, gesteigert, die Einfuhr jedoch ganz beträchtlich vermindert werden konnte. Aber auch hier muh man hinter diese Kulissen blicken, um die wirkliche Lage erkennen zu können. Die Wertsteigerung in der Ausfuhr ist rein äuherlich und wurde durch die Kursverschlechterung der Währung herbeigeführt. In Gold berechnet ist auch die Ausfuhr beträchtlich gesunken, obwohl die hervorragende Ernte im Gegensatz zum Vorjahre eine mengenmähige Steigerung um etwa 30 Prozent ermöglichte. Gleichzeitig brachte die Währungsverschlechterung um 33 Prozent im Laufe des Iahres eine starke Erleichterung der inneren Wirtschaft, vor allem eine Entlastung der Landwirtschaft von den über- mähigen Pacht- und Zinsverpflichtungen, während die Preise für die ausländischen Erzeugnisse wegen der katastrophalen Lage nicht entsprechend erhöht werden konnten. Dor allem hat es die Regierung verhindert, dah die englischen Eisen- bahngesellschaften ihre Tarife in Gold festsehten, was eine unerträgliche Belastung besonders für die Getreideproduzenten bedeutet hätte. So konnte die Preisentwicklung auf dem Weltmarkt in einem gewissen Mähe durch die Währungsverschlechterung aufgefangen werden, aber nur, weil die Einfuhr rücksichtslos gedrosselt wurde. Die importierten Artikel wurden unerschwinglich, damit sanken aber auch die großen Einnahmen des Staates aus den Einfuhrzöllen. So muhte überall gespart werden, auch an Heer und Beamtenschaft, wodurch die politischen Stützen der Regierung sehr gefährdet wurden. Die Wahlen im April schienen zu beweisen, dah die neuen Männer unter üri- buru nicht die öffentliche Meinung hinter sich hatten, und dah nur eine schonungslose Rieder- knüttelung ihrer Gegner sie an der Macht erhalten könnte. Die Wahlen am 8. Rovember haben das Gegenteil gezeigt. Das argentinische Volk scheint sich zu einer neuen verfassungsmäßigen Regierung durchzuringen, wobei die Führer der Revolution von 1930 ihm weitgehend entgegenkommen wollen. Argentiniens weiteres Schicksal hängt von außenpolitischen Faktoren ab, auf die es selbst nur einen begrenzten Einfluß hat. Im März fand in Buenos Aires die feierliche Eröffnung der britischen Ausstellung unter persönlicher Anwesenheit des Prinzen von Wales statt. Es wurden schöne Reden der gegenseitigen wirtschaftlichen und politischen Verbundenheit gewechselt. Auf das Kernproblem ist man nicht ein« gegangen: Wird England auch weiterhin der beste Kunde Argentiniens bleiben, oder wird es dem Drängen seiner Dominions nachgeben und künftig seinen Weizen aus Kanada, seine Wolle aus Australien, sein Fleisch aus Südafrika beziehen? Das wäre das Ich hab dir vergeh«! Roman von Clotilde von Stegmann-Stein. Copyright by Martin Feuchtwange r, Halle. 3 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Tiefer und tiefer brannte die sengende Flamine in seiner aufgewühlten Seele. Wie sollte er es beginnen, um Dolores für immer an sich zu fesseln, sie unempfindlich zu machen gegen bte Bewerbungen der anderen Männer? Er kannte ihre fast krankhafte Reigung für Schmuck, Glanz und Reichtum, die sogar über die Liebe zu ihm zu siegen drohte. And hatte sie damit nicht eigentlich recht? Durfte so große Schönheit nicht nach allem langen, was Glanz, Macht und Reichtum hieß? Konnte er dieses Verlangen befriedigen, so besah er diese Frau, ohne die er nicht leben konnte, der er, der bisher so Sieggewohnte, für immer verfallen war. Das, was er bisher für sie getan hatte, war nur ein Tropfen auf einen heißen Stein. Er mußte Geld schaffen — immer, immer wieder Geld. And dazu gab es nur einen Weg. Unter diesen Gedanken und Ausblicken wich der Sturm in seinem Innern allmählich ruhigerer Ueberlegung. Er lockerte den herrischen Griff, mit dem er die beiden Rappen angetrieben hatte, und die edlen Pferde, erschöpft und heiß, gehorchten nur zu gern der Rachgiebigkeit ihres Herrn. Hinter einer Biegung der Landstraße tauchten jetzt die beiden Türme von Schloß Tannenaue über den hohen L ubbäumen auf. Die ersten Regentropfen fielen schwer hernieder, em jäher Windstoß riß die gilbenden Blatter von der großen Buche, die vor dem Eingangsportal Wacht hielt. Der Kutscher sprang herunter, öffnete das breite, schmiedeeiserne Tor, das in die schwere Mauer eingelassen war. Langsam rollte der Wagen auf dem Kies um das Rondell und hielt. Das Knirschen der Räder war noch nicht ver- klungen, da öffnete sich bereits die Tur von der großen Vorhalle. Graf Friedrich erschien Anter dem schützenden Mauervorsprung des Portals stand er und sah dem Bruder entgegen. Der Wind wühlte in seinem dunklen Haar, und die Finsternis des Herbsthimmels schien sich auf seinen Z.Zzen widerzuspiegeln. Aber ehe er noch den Bruder eines Wortes würdigte, rief er dem Kutscher zu: „Die Decken für die Pferde — abreiben — in den Stall, rasch —. Die Gäule werden mir noch einmal kaputtgehen." Darm wandte er sich mit einem srostigen Mick zu dem Bruder. „Ich habe mit dir zu sprechen!" Hans Egon warf einen unbehaglichen Blick auf das finstere Gesicht des Bruders. „Hätte das nicht Zeit, bis ich mir trockene Sachen angezogen habe? Oder ist dein Bruder weniger wert als deine Gäule?" Mit einem Blick auf das schöne, leichtsinnige Gesicht versetzte Graf Friedrich schneidend: „Die Gäule tun auch ihre Pflicht, während du —", er beendete den Sah mit einem verächtlichen Achselzucken. „Aber ich möchte nicht schuld sein, daß deine kostbare Gesundheit durch einen Schnupfen leiden könnte. Also — in einer Viertelstunde in meinem Zimmer." Hans Egon war es nicht sehr behaglich zumute, als er jetzt seinen Gemächern zuschritt. In dem Flur begegnete ihm Mamsell Stülpnagel, sagte aber kein Wort, sondern ging mit einem scheuen Blick an ihm vorüber. Das erhöhte das unbehagliche Gefühl, das ihm beim ersten Anblick pes Bruders bereits beschlichen hatte. Zum Teufel, es mußte endlich einmal ein Ende haben mit dieser angemaßten Vormundschaft des selbstgerechten Stiefbruders! Sein Entschluß war gefaßt. Mochte Friedrich sehen, wie er das verschuldete Gut und das Schloß rettete, mochte er jeden Pfennig zusammenhalten er, Hans Egon, war nicht dazu geschaffen, sein Leben lang eine Figur in diesem Trauerspiel zu bleiben. Bei diesem Gedanken angelangt, pfifs er bereits wieder eine lustige Schlagermelodie, während er den feuchten Anzug achtlos in eine Ecke schleuderte. Bald würde man sich nicht mehr selbst bedienen müssen, sondern ein geschulter Kammerdiener würde, jedes Winkes gewärtig, seine Befehle erwarten. Er entnahm dein alten Cichenschrank eine elegant verschnürte seidene Joppe, die er sorgsam vor dem Spiegel zurechtrückte, wobei ein wohlgefälliges Lächeln über sein Gesicht glitt, als er sein elegantes Spiegelbild betrachtete. Er öffnete ein kleines Wandschränkchen, holte eine Flasche heraus, die er genießerisch gegen das Licht hielt, ehe er mit der goldfarbenen Flüssigkeit einen kleinen silbernen Likörbecher füllte. „Roch eine Zigarette", dachte er, „und das Leben ist wieder passabel. And nun in die Höhle des Löwen." Er ging aus seinem Zimmer heraus und pfiff den Marsch aus Carmen: „Auf in den Kamps". Mit dem letzten Pfiff auf den schönen, genußsüchtigen Lippen trat er in das Arbeitszimmer seines Bruders, das auf der anderen Seite des langen Korridors lag. Dieses Arbeitszimmer kennzeichnete den Charakter und die Lebensweise des überaus ernsten Mannes, der sich jetzt langsam in seinem Armsessel umwandt«. Eine riesige Schreibtischplatte war bedeckt mit großen Geschäftsbüchern. Tabellen, landwirtschaftlichen Zeitungen und Prospekten. An der Wand neben und über dein Schreibtisch hingen an Drahthaken Papiere und wieder Papiere, Listen, Abrechnungen und so weiter. Es war eher das Zimmer eines Geschäftsmannes als das eines Schloß- besihers. Auch Graf Friedrich sah in diesem Augenblick mehr einem sorgenvollen Geschäfts- mannc ähnlich, als einem Manne, dem ein so stolzer Besitz zu eigen war. Graf Friedrich faßte den jüngeren Bruder scharf in die Augen und - - nachdem er stumm auf einen Stuhl gewiesen, fragte er: „Du weißt, aus welchem Grunde ich dich gerufen habe." Hans Egon zuckte leichtsinnig mit den Achseln. „Was soll es wohl sein?" Er sah angelegentlich dem Rauch seiner Zigarette nach. „Wieder einmal eine deiner so beliebten Strafpredigten. Hat der Schneider Zickelbein vielleicht gemahnt? Der Kerl soll froh sein, wenn ich für seine Anzüge Reklame laufe. Oder drückt dich der unbezahlte Kognak, den ich kommen ließ? Darf ich dir vielleicht ein Glas zur Probe anbieten? Die Marke ist gut.“ And er erhob sich, als wollte er der Tür zu- schreiten. Graf Friedrich schlug jetzt mit der Faust auf den Tisch. „Genug mit diesen Rarreteien! Du weiht ganz gut, warum ich dich gerufen habe. Aus unserer Gemäldesammlung fehlt das kostbarste Stück, der berühmte Rodenwald. Wo ist das Bild?" Hans Egon zündete sich umständlich eine neue Zigarette an und sagte wie beiläufig zwischen zwei Zügen: „Wo soll es sein? In guten Händen." „Willst du dich gefälligst deutlicher ausdrücken", fuhr Friedrich auf. Seine Stimme hatte einen bedrohlichen Klang angenommen. Hans Egon gab seine bequeme Haltung auf und setzte sich jetzt kampfbereit dem Bruder gegenüber. „Wenn du es durchaus wissen willst, ich habe mir erlaubt, es zu verkaufen. Ich habe nicht länger Lust, um jeden Pfennig bei dir zu betteln, während die Vermögen hier tot an der Wand herumhängen." Graf Friedrichs Stimme grollte. „Das nennst du totes Vermögen? Bist du dir gar nicht klar, was du getan hast? Du weißt genau so wie ich, daß der Wert des Bildes nicht nur in dem berühmten Rainen des großen Meisters lag, der es vor Iahrhunderten geschaffen hat — nein, der Wert für unsere Familie ist ein doppelter gewesen. Du weiht genau so wie ich, dah dieses Bild die Stunde darstellt, in der unser Arahne vom Kaiser Maximilian zum Ritter geschlagen wurde. Du kennst auch die Bestimmung des Hauses Rauenstein, daß dieses Bild nicht aus dem Schloß Tannenaue entfernt werden soll." Die Zornader auf der Stirn des Grafen Frieo- rich schwoll zu immer bedrohlicherer Stärke an. „Ich nehme an, dah du deine Schulden mit dem Geld bezahlt hast. Aber zu welchem Gläu- biger hast du das Bild gebracht? Renne ihn mir sofort, ich werde versuchen, koste es, was es wolle, das Bild wieder zurückzuerwerben." „Du hast ganz recht mit deiner Vermutung, dah ich Schulden damit bezahlt habe", erwiderte Hans Egon: „aber welcher Art diese Schulden sind, das zu sagen, fühle ich mich nicht verpflichtet, da ich ja schließlich feit einigen Iahren majorenn und dir keine Rechenschaft schuldig bin. Du bist nicht mehr mein Vormund." Das Gesicht des Grasen Friedrich wurde bleich. „Wenn du nicht schon den Anstand besitzt, diese Entnahme rückgängig zu machen — das Wort Diebstahl möchte ich zwischen uns beiden denn doch vermeiden —, vielleicht aber denkst du dann wenigstens an die alte Sage unseres Hauses, die jedem Anglück verheißt, der das Bild unseres Ahnen aus dem Hause führt. Ich warne dich, Hans Egon!" „Also Sentimentalität und noch Aberglauben obendrein" - Hans Egon lachte leichtsinnig aus —, „damit kannst du einen aufgeklärten Menschen nicht fangen. Aus den Fluch lasse ich es ankommen. Vorläufig hat der Verkauf des Bildes mir noch kein Anglück gebracht, im Gegenteil —" Graf Friedrich sah den Leichtsinnigen mit einem ernst-schmerzlichen Blick an und ließ sich müde in den Schreibtischscssel zurücksinken. „Ich sehe zwischen uns keine Verständigung mehr. Aber das eine weiß ich: ich werde Mittel und Wege finden, um zu verhindern, daß das mühsam von mir gehütete und erhaltene Besitztum durch deinen verbrecherischen Leichtsinn verschleudert wird." „Ich kann dich schon gern heute dieser Mühe entheben", erwiderte Hans Egon und stand auf. „Ich werde in absehbarer Zeit nicht mehr nötig haben, deine Dettlerpfennige anzunehmen. Es gibt Frauen, die nur allzu gern bereit sind, mir außer ihrem Herzen noch ihren Reichtum zu Füßen zu legen." Verächtlich erwiderte Graf Friedrich: „Dann müssen diese Frauen denselben Wert haben wie du." Hans Egon sah dem Bruder mit einem lauernden und triumphierenden. Blick in die Augen. „Wenn du dich nur nicht täuschest, du Menschenkenner!" Die letzten Worte sprach er schon an der Tür, die er rücksichtslos hinter sich zuwars. (Fortsetzung folgt) Prozent au- Erzeugnissen der Landwirtschaft besteht, liegt da« industrielle Chile. dazu vier Fünftel Dergbauprodukte e^porttert. Dessen wirtschaftliche und politische Bedingungen find daher ganz andere als in Brasilien und in Argentinien, aber auch sie sind von der Weltkrise aufs tiefste beeinflußt. Während die beiden anderen Länder bereits 1929 eine wirtschaftliche Depression und 1930 die politischen Umwälzungen durchmachen muhten, erlebte Chile 1929 eine Hochkonjunktur sondergleichen und blieb noch 1933 von Unruhen verschont. Der Versuch einzelner Politiker, in Concepcion zu putschen, blieb ohne Einfluß. Dieses Jahr wurde jedoch der tatkräftige Präsident Ibanez gestürzt. Der Grund dafür liegt nicht in der Politik. Er hatte ein Parlament, das nicht vom Volke gewählt, sondern durch gegenteilige Abreden der großen Parteien gebildet war. Heer und Gendarmerie waren ihm bis zuletzt treu ergeben. Aber er konnte bei dem völligen Zusammenbruch des Salpeter- und Kupfermarktes in USA. und Europa nicht weiter, da diese beiden Produkte allein 80 v. H. der Ausfuhr ausmachten. Der große 6-IahreS- plan, der den Ausbau der Straßen, Bewässerung«- und Hasenanlagen usw. vorsah, mußte eingestellt werden. Aber damit fehlten auch die Devisen, die auS den äußeren Anleihen für diese Zwecke geflossen waren. Noch im Juni bestand die größte Aussicht, Gelder von den Vereinigten Staaten geliehen zu bekommen. Der Zusammenbruch Deutschlands im 3uli und der englischen Währung im September vernichteten jede Hoffnung. Chile mußte den Staatsschuldendienst einstellen, und um die Währung oulrechtzuerhaltrn. eine sehr strenge Devisenkontrolle einsuhren. Gleichzeitig muhte der Staatshaushalt sehr stark gekürzt werden. Diese Maßnahmen ließen sich ohne die Mitwirkung der gesamten Nation nicht durchführen, Ibanez ober als der ,Schuldige" konnte sie nicht erhalten Noch einem vergeblichen Versuch, seine Gegner in die Negierung zu lassen und selbst als Präsident im Hintergründe zu bleiben, verlieh er die Nepublik. Die Macht erhielt das Parlament, also praktisch diealteGroßgrundbesiher- a r i st o k r a t i e. 6;c hat veciucht. die notwendi- §en Sparmahregeln durchzuführen und gleichzeitig as Arbeitslosenproblem, daS sich aus der Schließung der Salpeter- und Kupferminen, gleic^eitig auch vieler Industrien ergab, zu lösen. Gegen die drakonischen Kürzungen, die ganz unvermeidlich waren, erhob sich die Kriegsflotte und drohte, im Bunde mit den Kommunisten eine sozialeNevolutionzu entfachen. Dank dem energischen C ngreifen des Kriegsministers V e r - g a r a wurde der Aufstand mit Hilfe der Luftstreitkräfte niedergeworseo, die Arbeitslosen wurden, wenn auch zu sehr niedrigen Sähen (l,50Mk. pro Tag), im Wegebau beschäftigt, die notwendigen Summen durch Papiergeldausgabe beschafft. Die erste Aufgabe war jedoch, so bald wie möglich zu geregelten verfassungsmäßigen Zuständen zu kommen, damit die sozialen Schwierigkeiten wenigstens eine gesetzliche Negierung vorfänden. In der Wohl siegte der Vertreter der Konservativen und Radikalen Montero, über den früheren Präsidenten A l e s s a n d r i, den die Demokraten und Sozialisten ausgestellt hatten. Die Kommunisten erzielten für ihren Kandidaten nur eine sehr geringe Anzahl von Stimmen, ihre Kraft erscheint nach dem Flottenausstand gebrochen. DaS chilenische Problem 1932 liegt in der Frage, ob eS gelingen wird, auch ohne nennens- werteGinfuhr eine nationale Wirtschaft auf» Aiib m. Denn es wird noch lange an den nötigen Der en fehlen um auch nur die allernotwendig- sten Erzeugnisse aus dem Auslande zu beziehen. Von einer Aufnahme des Schuldendienstes und einer Lockerung der Devisenzwangswirtschaft wird noch lange nicht die Rede sein können. Ob die neue Negierung die Kraft haben wird, diese Lösung zu finden, muß die Zukunft zeigen. Sie übernimmt von ihren Vorgängern eine schwere Erbschaft. Nur in einer Frage hat sie dank der Negierung von Ibanez die Hönde frei. Sie braucht nicht auf kriegerische Verwicklungen mit dem nördlichen Nachbar Rücksicht zu nehmen. Die Tacna - Arica- frage ist endgültig b c i g c l c g t. Auch während der Flottenmeuterei bestand keinen Augenblick die Gefahr, daß Peru diesen alten Streit wieder aufrollen konnte. Auch Peru hat bereits 1930 Revolutionen durchmachen müssen, die sich dann im Iahre 1931 weiter fortsehten. Der hohe Lebens- st a n d a r d , der dank der großen nordamerikanischen Anleihen zum Zweck des inneren Ausbaues von Straßen, Bewässerungsanlagen und Industriewerken möglich geworden war, muh rücksichtslos abgebaut werden. Ohne eigene Industrie von nennenswerter Bedeutung und bei einem Abschluß gegenüber dem Weltmärkte muß der Peruaner sich mit den Erzeugnissen deS primitiven einheimischen Handwerkes begnügen. DaS bedeutet, daß er auf vieles verzichten muh, waS ihm bereits unentbehrlich geworden war. Zunächst richtete sich die Empörung gegen die ausländischen, vor allem nordamerikanischen Desellschasten, die ihre Anlagen fti'Iegten und ihre Arbeiter entließen, sodann gegen die Regierung, die keine Schritte dagegen unternahm. Aber langsam kommt eine Resignation über die geprüften Nachfahren der Inkas. Die Lage ^konsolidiert" sich aus dem wenigen, waS geblieben ist. Die Wahlen ergaben eine starke Mehrheit für den Führer der Revolution, den neuen Präsidenten Sanchez Getto, so daß die Hoffnung besteht, daß die politische Unruhezeit beendet ist. Auch in Bolivien scheint politisch eine Konsolidation eingetreten au sein, wenigstens hat die Regierung das ganze Iahr 1931 hindurch im Inneren keine größeren Schwierigkeiten zu überwinden gehabt. Dafür scheint die alte Streitfrage mit Paraguay wegen des Chaco-Ge- biete« wieder akut werden zu wollen. 2m Oktober sanden wieder Unruhen statt, die wegen der Menschenleere diese« riesigen Gebietes daS künftige Schicksal von Hunderttausenden von Ouadratkilo- Meter entscheiden können Aber sowohl Bolivien durch den Zusammenbruch feiner Zinnerzeugung wie Paraguay durch den Tiefstand seiner Landwirtschaft sind derart in finanziellen Nöten, daß eS kaum zu einem Kriege kommen wird Paraguay hat ebenfalls feint Revolution gehabt, wobei die Außenpolitik mit Bolivien stark mitgespielt hat. Uruguay hat ein Moratorium erklären müssen und sucht, feine lebensnotwendige Ausfuhr vor allem von Erzeugnissen der Vich- wirtschaft nach Kräften zu fördern. Ss ist daher bei allen südamerikanischen Wirtichaftskongrelsen mit führend gewesen. Die Staaten deS Nordwestens. Kolumbien und Venezuela, stehen infofern recht günstig da, als sie sowohl in ihrer F.nanzpo> i! cr’o greich waren, ihren Zinsendienst aufrechterhalten konnten a!S auch ihre Währung noch intakt halten. Sie danken daS ihrer Zurückhaltung in denIahren vor der Krise. So hat Venezuela die Summen, die es aus den Petroleumkonzessionen erh eit, dazu benutzt, seine Staatsschulden abzudecken. Der frühere Präsident Gomez, der auch nach seinem Rücktritt noch der maßgebende Mann geblieben war, hat es dennoch für nötig gehalten, selbst wieder die Macht au ergreifen und feine Feinde wie früher rücksichtslos niederzuhalten. Die schweren Verluste der Petroleumgesellschaften treffen das Land selbst nur zu einem geringen Teil, dieses ist sehr weitgehend autark, allerdings bei einem sehr niedrigen Lebensstandard seiner Bevölkerung. Schwerer hat die Kasse ekrise Kolumbien getroffen, ähnlich wie Ecuador, wo auch der Kakaoanbau sehr leidet. Ecuador hat deswegen eine Revolution gehabt, die neue Männer an die Regierung brachte. Wenn man Südamerika al« Ganzes überblickt, so ist es schwer, auf die Frage zu antworten. ob das Iahr 1931 den Tiefpunkt der Änfc gebracht hat, oder ob dieser noch bevorsteht. So schwer die Verluste jeder Art gewesen sein mögen, e« zeigen sich noch au wenig Anzeichen einer Teuerung. Dor allem wird _ man sich in Europa und insbesondere in USA. damit abfinden müssen, daß ohne einen sehr weitgehenden Schuldennachlaß keine Besserung möglich sein wird. Die Moratorien, die fast alle Länder erklärt haben, sind erst der Auftakt für die Schuldenrevision. die ganz unvermeidlich erscheint. Dann hängt der wirtschaftliche Aufschwung von einer Neuregelung der Ausfuhrmöglichkeiten ab, für die 1931 erst schüchterne Anfänge gemacht worden find. Endlich muß die nationale Wirtschaft durch gegenseitiges Zusammenarbeiten der Staaten untereinander neu aufgebaut werden, wozu die Konferenz im Dezember in Buenos Aires die Grundlagen schaffen soll. Wirtschaft. Sin befriebigenber Reichsbank-Ausweis. Berlin, 28. Dez. IWTB.) Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 23. Dezember hat sich in der dritten Dezemberwoche die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 42,8 Millionen auf 4074,5 Millionen Mark verringert. Im einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und -schecks um 28,8 Millionen auf 3740,2 Millionen Mark und die Lombardbestände um 45,9 Millionen auf 176,3 Millionen Mark abgenommen, die Bestände an Reichsschahwechfeln um 31.9 Millionen auf 55,1 Millionen Mark Angenommen. An Reichsbanknoten und Renten- oankfcheinen zusammen sind 26,7 Millionen Mark in die Kassen der Reichsbank zurückgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 26,0 Millionen auf 4512,1 Millionen Mark, derjenige an Rentenbankfcheinen um 0,7 Millionen auf 413,5 Millionen Mark verringert. Dementsprechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 13,9 Millionen Mark erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 406,6 Millionen Mark eine Abnahme um 27,5 Millionen Mark. Die Bestände an Gold und deckungs- fähigen Devisen haben sich um 5,8 Millionen auf 1154,7 Millionen Mark verringert. Im einzelnen haben die Goldbestände um 17,3 Mil» lionen auf 984,9 Millionen Mark abgenommen, die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 11,5 Millionen auf 196,8 Millionen Mark zugenommen. Die Deckung der Roten durch Gold und deckungsfähige Devisen beträgt 25,6 Prozent tote in der Vorwoche. • Zeitweise Stillegung des Himmel s b a ch - Werkes in Nidda. Aus Nidda wird uns berichtet: Das Himmelsbachsche Sägewerk beabsichtigt, seinen Betrieb Anfang Ia- nuar auf zwei Monate gänzlich stillzulegen. Den Beamten und Arbeitern wurde zu diesem Zeitpunkt gekündigt. Das Werk, das seither schon mit verminderter Belegschaft arbeitete, ist, wie die übrige Holzindustrie, zur Zeit schlecht beschäftigt. Dazu kommt der saisonmäßige Geschäftsrückgang, der sich um die Iahreswende am stärksten auswirkt. Sronffurf freundlich. Frankfurt a. M., 28. Dez. Rach der mehrtägigen Unterbrechung durch die Feiertage kam das Geschäft im heutigen telephonischen Freiverkehr nur sehr schwer in Gang, zumal keine besonderen Anregungen vorlagen. Die Tendenz war im Anschluß an die Befestigung vor den Feiertagen weiter recht freundlich. Es lagen vereinzelt kleine Kauforders vor, zu denen sich einige Deckungen und Rückkäufe dec Spekulation gefeilten. Die Kursbesserungen betrugen im allgemeinen zirka 1 Prozent. Sehr fest lagen Reichsbankanteile, die etwa 2 Prozent gewannen. Durch überwiegend schwächere Haltung fielen am Montanmarkt Gelsenkirchen, Mannesmann und Har- tzener auf, wobei sich Kursrückgänge bis zu 1,5 Prozent ergaben. Gegen Mittag setzten sich auch für die übrigen Aktienwerte leichte Abschwächungen durch, da verschiedentlich etwas Material herauskam und zum Teil kleine Realisationen erfolgten. Die freundliche Grundstimmung blieb jedoch erhalten. Am Rentenmarkt spielte sich das Geschäft ebenfalls nur sehr langsam ein, doch war auch hier die Stimmung freundlich. Besonders Li- guidationspfandbriefe begegneten stärkerem Interesse bei Besserungen bi« zu 1 Prozent. 8pro- zentige Goldpfandbriefe zogen um bis zu 1 Prozent an. Don Staatsanleihen waren Altbesih lebhaft gefragt und bis zu 1,5 Prozent fester. Reichs- schuldbuchiorderungen, Neubcslhanleihe. Farbcn- bond« und Reichsoahnnorzugsaltien blieben unverändert. Der übrige festverzinsliche Markt lag geschäftslos. Tagesgeid blieb mit 6,5 Prozent unverändert. Berlin abgeschwächt. Berlin. 29. Dez. (WTB. Funkspruch.- Schon in den gestrigen Nachmitlagstundcn hatten sich die höchsten Tageskurse nicht behaupten können, und auch im heutigen Freioerkehr waren eher Kursrück gange fest zustellen. Wieder fehlte es an Anregungen, die Zeitungen brachten nur wenig Interessantes, und auch die gestrige Reuyorker Börse hatte zumindest recht unsichere Tendenz. Nachdem einige Tage lang so gut wie keine Derkaussauftröge bei den Banken Vorgelegen hatten, scheint jetzt nach den Feiertagen doch wieder hier und da Ware da zu sein. Aber auch schon das gestrige Geschäft allein genügte, um die Tendenz nach unten zu beeinflussen, zumal durch die Deckungen der letzten Tage die markttechnische Situation noch ungünstiger geworden ist. Außerdem trat auch heute die Tatsache wieder in Erscheinung, daß der Markt immer mehr eine Seite hat. Der Ultimo der evtl. Exekutionen dürfte dagegen kaum Schuld an der heutigen Abschwächung haben, da die Vorbereitungen für ihn rechtzeitig getroffen worden sind und auch die Vilanzkurse auf Grund der Notverordnung bereit» feststehen. Im -allgemeinen war das herauskommende Material auch gar nicht so umfangreich, es fehlte eben nur an ent- sprechender Aufnahmefähigkeit. Dagegen gingen die Kursrückgänge auch nur in einzelnen Fallen über 1 o. j), hinaus Bemerkenswert schwach lagen wieder Schiffahrtsaktien, von denen jetzt Norddeutscher Lloyd bereit» 2 o. f). unter Paket gehandelt werden, und Aku. die gegen gestern auf einen wahrscheinlichen Dividendenausfall zirka 2 v. j). verloren Ferner gaben Salzdetfurth einen Teil ihres gestrigen Gewinnes wieder her, während Schultheis ziemlich feste Veranlagung hatten und Reichsbankanteile und die übrigen Bankaktien relativ widerstandsfähig lagen. Auch am Elektromarkt hielten sich die Veränderungen in engen Grenzen. Siemens und AEG. verloren etwa 1 v. f). Farbenaktien waren ebenfalls etwa 1 v. j). schwächer. Montanpapiere lagen dagegen gut behauptet. Ausgesprochen freundliche Stimmung herrschte weiter am Anlagemarkt. Goldpfandbriefe zogen abermals um etwa 1 v. f). an, wobei sicherlich von dem bevorstehenden Kupontermin eine Anregung ausging. Aber auch fiiquibationspfanbbriefe und Anleihen blieben gefragt, Altbesitzanleihe setzten ihre Aufwärtsbewegung um 1,75 v. H. fort. Reichsbahn- Vorzugsaktien lagen unverändert. Deal enmartl Berlin — Frankfurt a. M. 28. Dezember 29. NN em der Amtliche Rotiernnq <*#|h Driel «mtltche Roiiernng «seid 1 Seiet tzellingforS . Men. . . . Prag . . . Budavetz . . Sofia . . . Holland . . Ü4lo .... flopenbagc«. Stockholm . London. . . Buenos Aires Neuvort . . «rüffel . . . Italien. . . Pari! . . . Schweiz . . Spanien . . Danzig. . . Japan . . . Rio de Ian.. Jugoslawien. Vtiiabon . . 5.894 49,95 12.17 84.93 3,052 169,23 78,52 79,62 79,97 14,37 1,073 4,209 58,69 21,40 16.53 82,12 35,76 82,22 1.648 0,255 7,393 13,14 5.906 50,05 12,49 65,07 3.063 169,57 78,68 79,78 80,13 14,41 1,077 4.217 58,81 21,44 16.57 82.28 35.84 82.38 1,652 0,257 7,407 13,16 Bantnoten 5.894 49.95 12,47 64.93 3,057 169,23 78,92 79,72 80,32 14,44 1,068 4.209 58,66 21,42 16,52 82,10 35,76 82.22 1,546 0,255 7,393 13,14 5.906 50.05 12,49 65.07 3.063 169,57 79.08 79,88 80,44 14,48 1,072 4,217 58,78 21,46 16,56 82,26 35,84 82,38 1,552 0,257 7,407 13,16 Serlin, 28 N ei rinder Meld Brief Ainerilanilche Noten..... . Belgische Roten......... Tänftche Roten ......... Englische Rot.-n......... fitanjoUtot Roten........ Hollänvtzche Roten........ Italienische Roten ........ Norwegische Roien........ Teulsch-Österreich, * 100 Schilling Rumänische Roten........ Schwedische Roten........ Schweizer Roten......... Spanische Roten. ........ Ungarische Role» ...... Reichsbankdlvkonk 7 v. h.» 4,20 58,53 79,44 14,33 16.49 168,86 21.33 78,34 2,48 79,79 81,94 35,63 Combarbjln 4,22 58,77 79,76 14,39 16,55 169,54 21,41 78.66 2,50 80,11 82.26 35,77 »fuß 8 v. h. Devisenmärkte unverändert. An den internationalen Devisenmärkten waren gestern, genau wie an den Effek- tenplähen. kaum Veränderungen festzustellen. Das Gefchäst hielt sich allgemein in sehr engem Rahmen. Das englische Pfund eröffnete fast unverändert mit 3,4350 gegen den Dollar, um sich dann gegen Mittag leicht, nämlich auf 3,42 gegen den Dollar, abzuschwächen. Gegen den Gulden ging es auf 8,5250 Aurüd, gegen Paris auf 87,06, gegen Zürich auf 17,50 und gegen die Reichsmark auf 14 40. Der Dollar war eher etwas leichter, während sich die Reichsmark gut behauptete. In Amsterdam stellte sich die Reichsmark auf 59,15, in Zürich auf 121,70, später 121,50, und in Paris auf 603,75. Die Norddevisen, sowie die Südamerikancr und die anderen Devisen waren unverändert. Auch am Nachmittag war daS Geschäft sehr ruhig bei kaum veränderten Äurfcn. Das englische Pfund behauptete sich auf 3,42 gegen den Dollar, 8,5150 gegen den Gulden. 87,13 gegen Paris, 17,52 gegen Zürich und 14,40 gegen die Reichsmark. Der Dollar war gut gehalten, die RcichSmart wies kaum eine Veränderung auf, in Amsterdam stellte sie sich auf 59.1150, in Zürich auf 121,45 und in Neuyork auf 23.75. Der französische Franken tendierte etwas leichter, ebenfalls Oslo, während sich die anderen Nord-Devisen, sowie die Südamerikaner gut behaupteten. Schöffengericht Gießen. • G iehen, 23.De^ Zunächst gelangten zwei Urkundenfälschungen zur Aburteilung. Ein wegen Unterschlagung vorbestrafter Weißbinder hatte sich auf einen gefälschten Bestellschein eine Armbanduhr verschafft. DaS Gericht erblickte darin eine qualifizierte Fälschung einer bewei«- erhcdlichen Privaturkunde. Cs billigte ihm mit Rücksicht auf den nicht erheblichen Betrag und das Geständnis mildernde Umstände zu. erkannte aber wegen der Vorstrafe auf zwei Monate Gefängnis. Da er auch gröblich gegen Treu und Glauben im Verkehr verstoßen, wurde von Bewilligung bedingten StrafauIfchubS abgesehen. Wegen Wechselfälfchung wurde ein unbestrafter Tapezierer zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Für die Höhe der Strafe war der Hobe Betrag etwa 1500 Mark — maßgebend: auch müsse der Wechselverkehr geschützt werden. Ein auswärtiger Gärtner hatte in einem Gießener Geschäft aus der Ladenkasse 6 Mark herauS- genommen. Er wurde erwischt und ihm daS Geld wieder abgenommen. Er war erst im Iahre 19-0 wegen Diebstahls im Rückfall mit drei Monaten Gefängnis bestraft worden. Strafe, fünf Monate Gefängnis, mit Rücksicht auf die Vorstrafen müsse dre Minimalstrafe von drei Monaten überschritten toerben. Sin Spengler au« Posen hatte mit einem Genossen zwecks Begehung eines MünzdeliktS Formen hergeftellt. Der Angeklagte war geständig und wurde wegen der Gemeingefährlichkeit der Tat zu drei Monaten Gefängnis ab- züglicy sechs Wochen Un'.erfuLungShalt verurteilt. Da der Angeklagte noch unbestraft war, wurde ihm bezüg'ich de« Strafrecht« bcd nztcr 6:rafauf- fchub bewilligt und die Probezeit auf fünf Iahre festgefetzt. Amtsgericht Wetzlar. Weglar, 28. Dez. Freche Diebstähle führte ein Einwohner au? Gießen zusammen mit einem Jugendlichen von hier in den Ortschaften der näheren Umgebung aus Der Gießener wurde für seine Vergehen bereits vom Jugendgericht abgeurteilt, während der Haupttater sich jetzt wegen eine« schweren und eines einfachen D'.eb- stahlS zu verantworten hatte Im letzteren Falle öffnete der Angeklagte in Nauborn in Abwesenheit der Bewohner die Tür eines Wohn- haute« und stahl au« der Wohnung nach Durch- wühlung sämtlicher Behälter Geldbeträge von 5 Mk. und 2,75 Mk. Der 3üngerc stand Schmiere. Nach dem Verlassen des Haukes wurden beide ertappt und feftgenommen und nach der Vernehmung wieder entlassen Zwei Tage später beehrten sie Mudersbach mit ihrem Besuch. Hier flieg der Angeklagte auf einer Leiter am hellen Tage, während die Bewohner im Felde waren, in die Wohnung ein Bei der Durchsuchung sämtlicher Schränke erbeutete er etwa 80 bi« 85 Mk Während der Tätigkeit des Angeklagten in der Wohnung stand der andere wiederum Schmiere. Beide teilten sich den Raub und verjubelten das Geld. Bei der Festnahme der Angeklagten fand man nur noch 2 Mk vor Da« Gericht billigte dem schon mehrfach Vorbestraften nochmal« mildernde Umstände zu und erkannte auf 6 Monate Gefängnis an Stelle einer verwirkten einjährigen Zuchthausstrafe. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung ) Line Anregung an die Gießener Maschinenbaofchule. An der Darmstädter städtischen Maschinenbauschute wird zur Zeit ein vorbildlicher Versuch zur Linderung der Not unternommen, in die die jungen Ingenieure und Techniker, die in täglich wachsender Zahl aus dem Wirtschastsprozeh ausscheiden müssen, oder für absehbare Zeit nicht in ihn ausgenommen werden, geraten sind. Sie haben Zeit und Geld auf- gewendet, sich auf ihren Beruf oorzubereiten. und teilen nun nicht nur die seelische Rot derer, deren wertvolle Kraft auf dem Arbeitsmarkt brachliegen muh, sondern sie laufen darüber hinaus Gefahr, bei dem schnellen Fortschreiten der technischen Entwicklung in kurzer Zeit den Anschluß in ihrem Beruf zu verlieren. Hier hat sich die Fachschule, aus der dieser Technikernachwuchs hervoraing. eingeschaltet und wird durch Beschäftigungskurie auf allen wich tigen Gebieten dem Maschinenbauer Gelegenheit zur Hebung und Vertiefung der Kenntnisie geben. In uneigennütziger Weise führt der gesamte Lehrkörper der Anstalt fionftruftionsübungen, Versuche und Dortragsveranstaltungen durch, durch die den jungen Maschinenbauern an allen Tagen der Woche vor- und nachmittags auf ihrem eigensten Fachgebiet kostenlose Anregung zu weiteren Arbeiten und zu Hebungen in ihrem Beruf gegeben wird Ware e» nicht möglich, auch an der Gießener Maschinenbau- schule diesen vorbildlichen Versuch einzuführen 9 fl. BriefToftcn der Redaktion (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der SchrifUeitung) D. 100. Di« in der Notverordnung vom 8. 12. 31 enthaltene Bestimmung über das Ruhen von Invalidenrente findet auf Beamte keine Anwendung. Die Vorschrift gilt nur für versichc- rungsfreie Beschäftigte nach § 1234 RVO. alte solche Personen, die an sich der Versicherunzspflicht unterliegen und nur auf Grund besonderen Ausspruchs der zuständigen Stell« (Reichsminister bzw. oberste Landesbehörde > versicherungSsrei erklärt sind. Zu beachten ist § 9 der gleichen Notverordnung. der hinsichtlich der Wartezeit folgendes bestimmt: In der Invalidenrente dauert die Wartezeit 250 Beitragswochen. Sind weniger al« 250 Beiträge auf Grund der Versicherungspflicht geleistet. Io dauert die Wartezeit 500 Dei- tragswochen. Bei der Altersinvalidenrente dauert die Wartezeit 750 Beitragswochen. M. Hg. Wir empfehlen Ihnen, sich an den Vorsitzenden des Arbeitsgerichts Gießen lAmtsgerichts- »zu wenden, der Ihnen auch Auskunft über gebenden Tarif geben wird. In persönlicher Beziehung besteht für die Behörde die Derpflich- tung zur Dienstverschwiegenheit W. B. F. Durch die letzte (lV.)Nvtverordnung sind die Laden freigegeben worden. Mieter wie Vermieter steht hiernach auch bei einem schriftlichen, für eine längere Mietzeit abgeschlossenen Vertrag ein Kündigungsrecht mit dem 1. April 1932 zu, das umgehend auszuüben wäre Ab 1. Januar ist der Mietpreis um 10 o. ch der F r i e d e n s miete, nach der Sie sich auf öcm Wohnungsamt erkundigen, ober die Sie jetzt noch festsetzen lassen können, zu senken. Fr. FL, Gießen. Für Genossenschaften |eber Art. also gleichgültig, ob es sich um eine Genossenschaft mit beschrankter ober mit unbeschrankter Ftoftpflicht handelt, ober um eine Ärebit- ober sonstige Genossen, schäft, ist weder hinsichtlich ihrer Geschäftsanteile, noch ihrer (Einlagen eine gesetzliche Auswertungs- pslicht begründe.' worden, nachdem bas Vermögen durch die Inflation verloren gegangen war Sine trotzdem erfolgte Auswertung beruhte auf Beschlüssen der Mitgliederversammlungen und geschah auf Grund freiwilligen Entgegenkommens nach Maßgabe später wieder erworbener und zur Verfügung stehender Mittel. G. A. Wenden Sie sich unter Schilderung der Verhältnisse an den Reichsfinanzminister In Berlin mit der Bitte, die säumige Stelle anzuweisen. Ihnen Bescheid zukommen zu lasten. , L W„ Hteflanlage. Gießen gebärt auf Drteflahe A. Die Vorschriften des Reichsmietengeleftes über Mieterschutz und Mieteinigungsämter gelten hier nach Art 1 der IV. Notverordnung nicht mehr für Miet- Verhältnisse über Wohnungen, deren Iahresfrieden»- miete 1200 RM. ober mehr betragt. Grenzzaun. Heber die Frage, ob und unter welchen Bedingungen die Errichtung von Grenzzäunen_ober lebenden Grenzhccken im freien Felde ober in (Bärten möglich ist, werben wir zur Beantwortung von immer wieberkehrenden Anfragen über dieses Thema in einer der nächsten Nummern der „Scholle" einen Artikel veröffentlichen,__________________________ Lprechstundcn vcr Ncvaktiorr. 11.30 bi» 12.30 Uur. 16 bl» 17 Uhr Samstag i nachmittag geschlossen.