nr. 255 Erstes Blatt M Zahrgang Samstag, 3l. Oktober Erscheint täglich,außer Sonntags und feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monat; Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig für Trägerlohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Hernfprechanschlüsse flnterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach» richten- Anzeiger Stehen, poftscheäkonto: granffurt am Main 11686. Gietzmer Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vn'ck Md verlaa: vrühl'sche UniverfilSlr-vuch' Md Stetnöruderei K Lange in Gletzen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Schulstra^e 7. 2lnnai)me oon Anzeigen für die Tagesnummer bi, zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20" , mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot,- für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Deutschlands Weg. Die politischen Ereignisse überstürzen sich. Der italienische Außenminister G r a n d i ist von seinem Besuch in Berlin wieder nach Rom zurückgekehrt und rüstet sich zur Reise nach Washington. Der Dampfer „Isle de France" mit dem französischen Ministerpräsidenten Laval an Bord befindet sich auf der Lieberfahrt von Amerika, die Wahlen in England brachten für die nationale Regierung und die Konservative Partei einen Sieg von ungeahntem und beispiellosem Ausmaß, in Deutschland deutet der Zusammentritt des Wirtschaftsbeirats aus den festen Willen hin, zur Ordnung des Hauses alles zu tun, was in unseren eigenen Kräften steht, daneben geht die Debatte zwischen internationalen Finanz- und Wirtschaftskapazitäten darüber weiter, was nach Ablauf des Stillhalteabkommens über die kurzfristigen deutschen Kredite und nach Ablauf des Hoovermorato- r i u m s für die zwischenstaatliche Verschuldung geschehen mutz, um eine erneute katastrophale Zuspitzung der Wirtschaftskrisis zu verhindern. Schon die bloße Registrierung dieser Ereignisse der letzten Woche dient der Erkenntnis, daß sie alle gleiche Symptome zur Grundlage haben und also auch in ihrer Auswirkung in engstem Zusammenhang betrachtet werden müssen. Grandis Besuch in Berlin gehört in die Kette der Staatsvisiten, die mit Brünings Wochenend in Chequers begann und vermutlich mit einer persönlichen Zusammenkunft zwischen dem Reichskanzler und dem amerikanischen Präsidenten Hoover in absehbarer Zeit ihr vorläufiges Ende finden wird. Der italienische Außenminister ist in der Reichshauptstadt mit der selbstverständlichen Herzlichkeit begrüßt worden, die dem Vertreter eines Landes entgegengebracht wird, das durch die Energie, die Zielsicherheit, den nationalen Clan und politischen wie wirtschaftlichen Ideenreichtum, mit denen sein Führer eine neue Aera der Gesundung eingeleitet hat, uns Deutschen ehrliche Bewunderung abringt, mit dem uns auch eine weitgehend gleichlaufende Anschauung der großen weltpolitischen Probleme verbindet. Dies letztere ist in den Besprechungen zwischen Brüning und Grandi zum Ausdruck gekommen und hat auch in der amtlichen Verlautbarung über den Besuch feinen Riederschlag gefunden. Zudem hat Mussolini selber, der aus Gründen, die für unser innerpolitisches Durcheinander- und Gegeneinanderregieren bezeichnend sind, diesmal auf die bereits in Aussicht gestellte Reise nach Berlin für seine Person verzichtet hat, in einer großen Rede in Reapel am Jahrestage des Marsches auf Rom, diese deutsch-italienische Interessengemeinschaft außerordentlich eindrucksvoll unterstrichen. Mit berechtigtem Selbstbewußtsein konnte der Duce darauf Hinweisen, daß Italien sich nicht auf fremde Anleihen eingelassen habe, dah seine Währung vom internationalen Vertrauen getragen werde und es deshalb von der Wirtschaftskrisis nicht in gleicher Stärke betroffen worden sei, wie andere Völker. Das gibt der italienischen Politik zwar einen gewissen Halt, er ist aber nicht stark genug, um in der Frage der Abrüstung oder der Schuldenrevision, die Mussolini in seiner Rede als politische Kernpunkte der Wcltkrisis heraushob und in denen die Parallelität zu den deutschen Interessen auf der Hand liegt, eine Aktion zu unternehmen, die gegenüber einem so mächtigen Widerpart wie Frankreich einige Aussicht auf Erfolg haben könnte. So darf man sich trotz allem nicht darüber täuschen, daß Don einer italienischen Karte, die gegenüber den französischen Trümpfen stechen könnte, 6<*cril nicht dir ^ede sein kann. So wies auch die amtliche Mitteilung über den Berliner Besuch Grandis mit dem Satz, dah eine wirksame Bekämpfung der Weltkrise „ohne eine planvolle Zusammenarbeit der beteiligten Rationen nicht mehr möglich ist", deutlich genug darauf hin, daß man auch in Rom die Auseinandersetzung mit Frankreich für Deutschland unerläßlich hält. Lind nicht anders ist für uns das Ergebnis der Zusammenkunft von Washington zu werten. Trotzdem wäre es falsch, von einer Enttäuschung zu sprechen oder gar von einem Sieg Frankreichs. Enttäuscht können nur die sein, die an die Besprechung Lavals mit dem Präsidenten Hoover Hoffnungen geknüpft hatten, die sich nach Lage der Dinge kaum erfüllen konnten. Lind der Sieg Frankreichs beschränkt sich doch, soweit wenigstens politische Fragen zur Erörterung standen, darauf, dah Laval in der Abrüstungsfrage keinerlei Zugeständnisse gemacht hat, dafür aber auch statt mit dem Kansultativpakt in der Tasche mit leeren Häxden aus Washington zurückkommt. Der französische Ministerpräsident, der über den Atlantik gekommen toa* um nach bewährtem Rezept gegon wirtschaftliche und finanzielle Zugeständnisse die Erfüllung politischer Forderungen einzutauschen, sah sich in Washington einem Lande gegenüber, das sich trotz aller schweren wirtschaftlichen Krisenzeichen der letzten Monate immer noch stark genug fühlt, um das Ansinnen, fremde Finanzhilfe mit einem Verzicht auf politische Grundsätze zu erkaufen, rundweg abzuweisen. Während Frankreich immer noch danach strebt, den Versailler Vertrag durch ein Bündnis mit den beiden angelsächsischen Mächten zu ergänzen, und nun auf der Hintertreppe des sog. Konsultativpakts zu erreichen suchte, was ihm 1919 die Opposition des amerikanischen Kongresses gegen Wilsons Europapolitik versagt hatte, beharren die Vereinigten Staaten — das hat besonders eindrucksvoll das Borah-Interview gezeigt — auf ihrem seit Wilsons Rückkehr aus Versailles immer wieder betonten Grundsatz der Richteinmischung in die politischen Interessen Europas. Das Giillhalieproblem wird beraten. Oer Wirtschastsbeirat setzt einen Ausschuß ein, der unter Vorsitz des Kanzlers die Konsolidierung der deutschen Auslandskredite beraten wird. Berlin, 30. Oft (WTB. Amtlich.) Die Ge- neralausfprache im Dirtschaftsbeirat der Reichsregierung würbe heule nachmittag unter dem Vorsitz des Herrn Reichspräsidenten zu Ende geführt. Es wurde ein Erfter Ausschuß eingesetzt, der sich besonders mit dem Slillhalteproblem befa'fen soll und unter Vorsitz des Reichskanzlers morgen früh feine Beratungen auf Grund der Vorschläge der Reichsregierung beginnen wird. Diesem Ausschuß werden die Mitglieder des Wirlfchaflsbeiratcs Dr. Pfc-dmenges, Dr. Schmitt, Dr. Schmitz und Dr. Siloerberg angehören, zu denen noch einige weitere Sachverständige treten werden. Die übrigen dem Dülschaflsbeirat zur Begutachtung vor- zulegenden Punkte werden in zwei weiteren Ausschüssen h,e h a n d e 11, die die Reichsregie- rung im Laufe der nächsten Woche einberufen wird. Rach Abschluß der Ausschußarbeiten ist eine S chlntzaussprache unter Vorsitz des Herrn Reichspräsidenten in Aussicht genommen. * Wie wir erfahren, werden die Beratungen des Ersten Ausschusses des Wirtschaftsbeirates, der gestern abend eingesetzt wurde, voraussichtlich vier Tage in Anspruch nehmen. Unter den Sachverständigen, die nach der amtlichen Mitteilung noch hinzugezogen werden sollen, ist natürlich in erster Linie d i e Reichsbankleitung zu verstehen; außerdem werden aber auch noch Fachleute des privaten Bankgewerbes befragt werden. Der Kanzler hat die Absicht gehabt, die Frage der Stillhaltung bevorzugt zu behandeln, damit man nicht eines Tages vor Ueberraschungen steht, die das deutsche Wirtschaftsleben wieder in eine Situation bringen könnten, ähnlich der, wie wir sie im Juli erlebt haben. Dr. Brüning dürfte in der Absicht noch dadurch bestärkt worden sein, daß — worüber ja in den letzten Tagen bereits Andeutungen zu hören waren — doch mehr Kredite zurückgezogen worden sind, als eigentlich zu erwarten war. Bei aller Anerkennung der Dringlichkeit auch der Lohn-, Preis- und Zinsfragen hält die Reichsrcgierung im Einvernehmen mit dem Wirtschaftsbeirat gerade auf dem Gebiet der Auslandverschuldung Eile für geboten. Die Vordringlichkeit gerade dieser Frage ergibt sich nicht zuletzt aus den Ergebnissen der Verhandlungen zwischen Laval und Hoover in Washington. Am Freitagabend ist der deutsche Botschafter in Paris, von hoesch, in Berlin eingetroffen. Herr v. hocsch wird nach einer Aussprache mit dem französischen Ministerpräsidenten die Reichsregierung im einzelnen darüber unterrichten, wie sich nunmehr die sranzö- Wenn Hoover persönlich wirklich den Wünschen des französischen Ministerpräsidenten nach einer Erweiterung des Kelloggpakts durch einen französisch-amerikanischen Äeutralitälsvertrag oder gar durch Boykotterklärung des Angreifers im Kriegsfälle hätte entgegenkommen wollen, so hätte der Präsident sich vermutlich eine schwere Desavouierung durch den Senat gefallen lassen müssen, und das konnte er so kurz vor den Wahlen nicht riskieren. So stehen sich in der Abrüstungs- frage die Ansichten unverändert schroff gegenüber. Frankreich lehnt jede Rüstungsbeschränkung ohne zusätzliche Sicherheit ab und die Vereinigten Staaten sind nach wie vor für keine weiteren Bindungen zu haben. Schon etwas mehr ist, was Laval in der Repa - rationsfrage erreicht hat. Die gemeinsame Verlautbarung, die sich im übrigen mit diplomatischen Floskeln über die Lücken hinweghilft, deren Offen- bleiben man zu verschleiern wünschte, besagt darüber, daß die Fortdauer der Wirtschaftskrisis vor dem Ablauf des Schuldenfeierjahres irgendein Abkommen notwendig machen könne, wofür die Initiative von den europäischen Mächten ergriffen werden soll, die „im Rahmen der vor dem l.Juli 1931 bestehenden Abkommen hauptsächlich daran beteiligt sind". Damit hat sich also Frankreich in Zukunft vor ähnlichen Ueberraschungen gesichert, die, wie das Hoover-Moratorium, in Paris so peinlich berührt haben. Amerika verzichtet auf eine weitere Initiative in der Schuldensrage und erklärt sich offenbar damit einverstanden, daß die Weiterbehandlung des Reparationsproblems vorwiegend einer direkten Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Frankreich als den am Poungplan hauptinteressierten voiLehalten bleibt. Damit ist keineswegs der Weg fflr eine nach Ablauf des Hoover-Moratoriums zwingend notwendig werdende Neuregelung der Reparationen und eine Konsolidierung unserer bis zum kommenden Februar still- gehaltenen kurzfristigen Schulden verbaut. Auch scheint Amerika, wenn es sich auch der Initiative begibt, doch nicht auf eine Mitwirkung verzichten zu wollen. Aber ebenso offenbar ist es auch, daß auch aus Washington die (Empfehlung kommt, uns mit Frankreich zu arrangieren. Um diesen Schritt kommen wir nicht herum, darüber dürfen wir uns keinen Illusionen hingeben, so außerordentlich groß auch die Gefahren sind, die sich bei dem Versuch einer solchen direkten Verständigung mit Frankreich aus den politischen Bedingungen ergeben, die schon im Juli eine Rolle gespielt haben und bei neuen Verhandlungen zweifellos wieder auftauchen werden. Aber die weltpolitische Konstellation wird für uns in absehbarer Zeit kaum günstiger werden und die sische Regierung die Regelung der Tributfrage denkt. An zuständiger Berliner Stelle verkennt man nicht, daß beide Probleme, Stillhaltefrage und Tributfrage, aufeinander Hinweisen. Man verhehlt sich jedoch nicht, daß die Stillhaltefrage, die bekanntlich lediglich die prioatwirtschaft- liche Verschuldung gegenüber dem Auslande betrifft, schon termingemäß als erste in Angriff zu nehmen ist. Das Stillhalteabkommen läuft bekanntlich Ende Februar ab, während das Hoover-Feierjahr erst am 30. Juni zu Ende ist. Weiteren internationalen Vereinbarungen wird es vorbehalten bleiben, wie das Problem der politischen Tributschulden auf das der Befriedigung der privaten Gläubiger abgestimmt werden kann. Zu dem französischen Vorschlag auf baldigen Z u - sammentritt des beratenden Sonderausschusses der BIZ. wird von amtlicher Stelle erklärt, dieser Sonderausschuß könne zweifellos bezüglich der Zahlungsunfähigkeit Deutschlands zu keinem anderen Ergebnis kommen, als in dem Wiggins-Layton-Bericht der Baseler Sachverständigen. In diesem Bericht werde zunächst die enge Verbundenheit Deutschlands und der Welt auf wirtschaftlichem Gebiet festgestellt. Ohne die Sanierung Deutschlands, so heißt es darin weiter, könne die Weltwirtschaft nicht genesen. Eine Aktivierung der deutschen Handels» b i l a n z sei notwendig. Die kurzfristige Verschuldung müsse in eine langfristige umgern a n d e 1 t werden, und es müßte für die Ingangsetzung der deutschen Wirtschaft notwendig Kredit gegeben werden. Damit das Vertrauen der ausländischen Geldgeber zur deutschen Wirtschaft wieder erwache, seien zwei weitere Dinge notwendig: 1. Müßten die politischen Beziehungen Deutschlands zu seinen Nachbarn auf eine feste Grundlage gegen- seitigen Vertrauens gestellt werden und zweitens müßten die übermäßigen Verpflichtungen Deutsch, lands (ließ Tributzahlungen) aufhören. Francquis plan einer internationalen Kreditbank. Frankreich und Amerika verhalten sich reserviert. Paris, 30. Oft. (WTB.) Rach einer Meldung von Bord der „Ile de France" haben sich Ministerpräsident Laval und der französische Finanzsachverständige R i st gestern eingehend über den Vorschlag des belgischen Finanzministers F r a n c q u i, eine internationale Kreditbank zu schaffen, unterhalten. Rist habe einige Zweifel hinsichtlich der Rützlichkeit geäußert und angeregt, ihn durch eine wirk s amere Methode zu ersetzen. Er schlage vor, dah die ausländischen Kredit gewährenden Banken gegenseitig Wechsel ziehen sollen, die vorher von der Reichsbank gegenge» zeichnet sind. Diese würden auf den verschiedenen Märkten zum regulären Diskontsatz der verschiedenen Emissionsinstitute in Umlauf gebracht werden. Auf diese Weise würde die Anwendung des Planes Francquis überflüssig werden. Wallstreet hat den Francqui-Plan zwar mit Interesse zur Kenntnis genommen, sich im übrigen aber zurückhaltend gezeigt. Von einem prominenten Bankier wurde bemerkt, Deutschland sollte zunächst versuchen, seine kurzfristigen Kredite zu vermindern, um dadurch finanzielles Vertrauen zu gewinnen, so daß eine freiwillige Verlängerung der kurzfristigen Kredite und später eine LI m w a n d - lung in langfristigere erfolgen könne. In Kreisen der Federal Reserve-Banken lehne man es ab, den Plan Francquis zu erörtern. Man bemerkte lediglich, es handele sich bei dem Projekt um einen privaten Vorschlag. Sine internationale Konferenz? Laval wird sich sofort mit Brüning in Verbindung setzen. Paris, 31. Oft (WTB. Funkspruch.) Bon Bord der „351e de France" meldet der Außenpolitiker des „Petit Parisien", daß Ministerpräsident Laval nach seiner Rückkehr mit verschiedenen europäischen Regierungen wegen der Ergebnisse seiner Washingtoner Besprechungen Fühlung nehmen werde, in erster Linie natürlich mit der deutschen Regierung, und es sei sogar möglich, daß er sich direkt mit Reichskanzler Brüning telephonisch in Verbindung sehen werde. Sicher sei auch, daß die Londoner Regierung, als deren Vertreter Lord Reading kurz vor Lavals Abreise nach Amerika sich über den bevorstehenden Meinungsaustausch über das Repa- ralions- und Schuldenproblem in Paris unterrichtet hatte, wieder einen Delegierten nach Paris entsenden werde, um erneut Fühlung zu nehmen. Das Schulden- und Reparationsproblem werde unverzüg- l i chs Gegenstand wichtiger Erörterungen und namentlich einer internationalen üonse- Wirtschaftslage zwingt uns, vor Ablauf des Stillhalteabkommens und des Schuldenfeierjahres die Frage zu klären, was an ihre Stelle treten soll. Wir können und müssen durch energische innerpolitische Maßnahmen, wie sie der Wirtschastsbeirat zusammen mit dem Reichskabinett soeben berät, unsere Ausgangsstellung für diese Auseinandersetzung mit Frankreich festigen, aber die Frist ist kurz, bald werden wir handeln müssen. In diesen Zusammenhang muß auch einmal das Ergebnis der Parlamentswahlen in England gerückt werden, das in anderer Beziehung bereits von unserem Londoner Korrespondenten hier behandelt worden ist. Voll Neid und Bewunderung sahen wir, wie England, das Mutterland des parlamentarischen Systems und Vorbild der Demokratie, sich mit Hilfe eines alles andere als „gerechten" Wahlrechts in einer Schicksalsstunde der Nation ein arbeitsfähiges Parlament zu schaffen vermochte, während wir mit einem jede Nuance des Volkswillens genauestens registrierenden Wahlrecht uns einen Reichstag gewählt haben, der keiner Regierung eine starke sichere Mehrheit zu geben imstande war und schließlich den besten Dienst damit leistete, daß er sich durch Vertagung in Permanenz selber aus dem Wege räumte. Dabei ist in England dafür, gesorgt, daß Splitterparteien auf die Dauer keine ausschlaggebende Bedeutung erlangen können, daß aber auch zwischen den wenigen großen Parteien des Landes — da die liberale Mitte mehr und mehr zerrieben wird, handelt es sich int Grunde wieder um das traditionelle Zweiparteiensystem — stets wieder ein Ausgleich insofern erfolgt, als sich die große zwischen den Parteien hin und her fluktuierende Masse der Wähler, die einmal der einen in die Regierung verhalfen hat, das andere Mal sich der Opposition zuwendet. Wenn also auch diesmal die ßabourpartei eine beispiellose Niederlage erlitten hat, so bedeutet das keineswegs ihre Vernichtung. Sie wird aus der Lektion lernen, die die Wählerschaft einer Partei erteilte, die einer ernsten Lage der Nation nicht gerecht zu werden vermochte, sie wird auch Nutzen ziehen aus den Fehlern ihrer Gegner und zur gegebenen Zeit wieder zum Kampf um die Herrschaft im Parlament antreten können. Aber vorerst hat die nationale Regierung das Heft fest in der Hand, das bedeutet bei der tatsächlichen Lage der Dinge die Konservative Partei, und es ist notwendig, daß wir uns ganz kühl und nüchtern klarzumachen versuchen, wessen wir uns von ihr in den uns vor allem angehenden großen politischen Fragen zu versehen haben werden. Schon aus dem Verlauf des Wahlkampfs ergibt sich, daß neben der Stabilisierung des Pfundes die Handelspolitik im Vordergrund« der Bemühungen des künftigen Kabinetts stehen wird. Senn auch vermutlich Macdonald und einzelne übe« le Führer diesem vorerst noch angehören werden, so ist bestimmt damit zu rechnen, daß der überragende Einfluß der Konservativen die Preisgabe des Freihandels und den Uebergang zum Schutzzoll durchsetzen wird. Mag auch die Mög- lichkeit einer Zusammenfassung des britischen Reiches zu einer wirtschaftspolitischen Einheit im Sinn« einer Zollunion des Empire, wie sie dem bekannten Presselord Beaverbrook vorschwebt, noch nicht gegeben sein, so wird man doch damit rechnen müssen, daß England versuchen wird, durch Schutzzölle und Einfuhrkontingente die starken Verluste auf dem Weltmarkt durch eine bevorzugte Stellung der eigenen Industrie auf dem inneren Markt aüszu- gleichen. Das kann natürlich für Deutschland, das auf Forcierung feiner Ausfuhr angewiesen ist, um seine Schulden bezahlen zu können, nicht ohne sehr unerfreuliche Auswirkungen bleiben. Aber noch unangenehmer werden wir vermutlich bald die Tendenz der konservativen Außenpolitik zu spüren bekommen, bei F r a n k r e i ch Rückendeckung zu suchen, ja Frank, reich geradezu Generalvollmacht für Europa zu erteilen, um sich um so intensiver den weitgespannten britischen Interessen jenseits der Meere widmen zu können. Wir haben diese Machtoerteilung aus den Tagen Austen Chamberlains im Foreign Office noch in peinlicher Erinnerung. Was die französische Politik in Washington nicht erreichte, nämlich zusätz- liche Sicherheit durch neue Abkommen, rückt jetzt in London durchaus in den Bereich der Möglichkeit, ohne daß dort weitreichende Zugeständnisse in der Abrüstungsfrage erwartet werden, denn ein Mann wie Chamberlain wird stets geneigt fein, mit Frankreich einen Ausgleich der Interessen zu suchen und in Punkten, die England nur in zweiter Linie berühren, den französiichen Wünschen bis zum Aeußersten entgeaentommen. Die Verstimmung, die der französische Angriff auf den Sterlingkurs in London erregt hat, wird kaum auf die Dauer stark genug sein, die Konservativen von der Rückkehr zu ihrem alten frankophilen Kurs in der Außenpolitik abzuhalten. Wir dürfen also auch darüber uns keiner Täuschung hingeben, daß auch das Wahlergebnis in England für Deutschland keine Erleichterung der weltpolitischen Lage bedeutet. Alles weist viel- mehr darauf hin, die Aussprache mit Grandi, die Zusammenkunft von Washington und der neue Kurs in England, daß Deutschland in Zukunft mehr noch als bisher auf sich allein ge ft eilt ist und der Auseinandersetzung mit Frankreich nichr aus- tueidjen kann. Sich dazu denkbar stark zu machen, ist für die nächsten Wochen und Monate seine vor, nehmste Aufgabe. reo; fein, die wahrscheinlich im Dezember zusarn- menlrelen werde. — Der Pariser „Time»"-Korre. spondenl berichtet: Da Laval von seiner Reife noch nicht »urückgekehrl ist, ist man in offiziellen Kreisen sehr zurückhaltend. L» wird angenommen, daß Deutschland die wichtige Jrage der Zahlung», fähigkeit auswerfen wird. 3n Erwartung eine» derartigen Druckes ist man allgemein für die Einberufung einer internationalen Konferenz, wenn der erforderliche Meinung», auslaüsch zwischen der deutschen und der französischen Regierung slallgesunden Hal. Selbst in den Kreisen, in denen gewöhnlich Zweifel an Deutschland» gutem willen gehegt werden, wird jetzt endlich u n e i n - geschränkt anerkannt, daß Deutsch- land dringend Hilfe braucht. Gute Ratschläge aus Washington. Teutjchiand soll die Initiative ergreifen. Reu york, 30. DH. (ÖIB.) Lin Bericht der „Herold Tribüne" betont auf Grund von Insorma- tionen au» höchsten Regierungefreifen den dringen- den Wunsch der Regierung, daß Deutschland ohne Säumen d i e Initiative zur Men- berung de» Reparalionsabkommen» durch den Poungplanapparat ergreife. Zugleich wird erneut versichert, die Regierung werde die R e o l - (Ion der Kriegsschulden unter Zugrundelegung der Zahlungsfähigkeit anstreben, ungeachtet des Widerstandes aus Kongreh- treisen gegen weitere Konzessionen. Al» Beispiel diese, Widerstandes bringen die Blätter die gestrige Rede des Kongreßmitgliedes und Vorsitzenden des vankausschusses Mac J a b ö e n, der die Verabredungen zwischen Hoover und Laval scharf tritt- fierte und die Behauptung aufstellle, Frankreich bereite aus Grund der Washingtoner Konferenzen die Unterbringung von zwei Milliarden Boungplan-Obligatlonen vor, obwohl Amerika europäischer Anleihen über- brüffig fei. Die deutsche Auslandverschuldung. Zu den verschiedenen in der Presse erschienenen Schätzungen über die deutsche Auslandsverschuldung wird dem WTB.-Handelsdienst von maßgebender Seite mitgeteilt.- Aufgrund der Anmeldung, die mit Aotverordnung vom 27. Juli 1931 angeordnet wurde, ergibt sich nach dem Stande vom 28. Juli 1931 eine deutsche Auslandsverschuldung von 12 Milliard. Mark an kurzfristigen Schulden (weniger als 12 Monate), 11,5 Milliarden Mark an lang- fristioen Schulden (länger als 12 Monate). Diese Ziffern sind Bruttozisfern. Die deutschen Anlagen im Auslande, ebenso wie die im Wigginsbericht erwähnten Anlagen des Auslandes in Deutschland (Aktien und andere Werte sowie Grundstücke) sind bisher statistisch nicht erfaßt worden. Seit 3uü dürfte etwa eine Milliarde Mark zurückgezahlt sein. Eine „kleine" Derwaliungs- reform in Preußen. Aufhebung von Zwcrgkreiscn. Berlin, 30. Okt. ($H.) Die preußische Regierung beabsichtigt durch Zusammenlegung preußischer Landkreise eine „kleine" Verwaltungsreform durchzuführen. Dieser Plan soll lediglich dem Ziele dienen, Kreise zu schaffen, die wirtschaftlich lebensfähig sind und mit Stadtkreisen konkurrieren können. Die Provinz Hannover wird besonders stark von dem Abbau betroffen, allein in Hannover werden etwa 25 Landratsstellen Wegfällen, denn gerade in Hannover ist die Zahl der kleinen und kleinsten Landkreise besonders groß. Es wird von der Regierung darauf hingewiesen, daß Preußen diese Kreiseinteilung aus dem hannoverschen Königreich übernommen habe. Es gebe in Hannover eine Anzahl von Kreisen, deren Einwohnerzahl unter 20000 liege, so zähle z. D. der Landkreis Dannenberg 13 000 Einwohner, der Landkreis Hageln 16 000, Ilfeld 17 000, Keh- dingen 18 000, Bleckede 19 000. Eine große Zahl weiterer Kreise weise eine Einwohnerzahl auf, die sich in der Grenze zwischen 20 000 und 30 000 Einwohnern halte. Um Durchschnitt liege die Einwohnerzahl der hannoverschen Kreise um etwa zwei Drittel unter der für ganz Preußen anzunehmenden Durchschnittseinwohnerzahl. Bayern bereitet eine Vereinfachung der Staatsverwaltung vor. München, 30. Okt. (Tel.-Un.) Die Frage der Staatsvereinfachung steht nunmehr in Bayern vor einer entscheidenden Wendung. Am Donnerstag und Freitag hielt der Bayerische Ministerrat umfangreiche Beratungen über die in allernächster Zeit erscheinende Rotverordnung ab. die u. a. einen ft arten Berwal - tungsabbau bringen wird, darunter insbesondere die Aufhebung der Kreisregierungen von Riederbayern, Mittelfranken und Oberfranken. Die maßgebenden staatlichen Stellen werden seit mehreren Tagen geradezu bestürmt von Abordnungen, die Proteste und Vorstellungen erheben. Die Regierung wird sich aber durch solche Kundgebungen bei dem jetzigen Stand der Dinge nicht mehr beeinflussen lassen. Die .Bayerische Staats- £^tung'' weldet dazu, daß die bevorstehenden Maßnahmen den ganzen bayerischen Behörde norgonismuS durchgrei- Tcnd vereinfachen und dabei weder vor der größten, noch vor der kleinsten Stelle des Ver- waltungSapparates Halt machen werden. Kleine politische Rachrichten. 3n der letzten Woche vor den W a h l e n z u m Hessischen Landtag werden in Mainz persönlich in den Wahlkamps eingreisen: am 9 Ro» vember ReichSfinanzmtnifter Dr. D i e t r l d) für die Staatspartei und am 11. Rovernber Adolf Hitler für die Rationalsozialisten. Reichskanzler Dr. Brüning wird sich gleichfalls im Laufe der letzten Woche an die Wähler wenden. Die Rachverhandlungen im Lohnkonflikt bei der Reichsbahn, unter Leitung von Ministerialdirigent Dr. Mewes, haben tt*tMt, M hächr ner» itbtn. lagt. **DerücksichtlgungderCrntesch8den 19 31. In einem Schreiben an den Präsidenten des Landesfinanzamtes Darmstadt ersucht Finanz» Minister Kirnberger, die Finanzämter und Untererhebestellen anzuweisen, daß in den Haupt- schadensgebieten, die in den früheren Schreiben ein» zeln benannt sind, für Steuerpflichtige, die im Hauptberuf Landwirtschaft betreiben, die Schonfrist für die Entrichtung der dritten und vierten Rate der Landessteuer-Borauszahlungen 1931 bis zum 25. d. I. zinslos weiter gestundet gelten. Weitere Entschließung behält sich der Minister vor. ** Die Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei kleinen Preisen geöffnet. Um 11.30 Uhr findet eine Führung durch die vor- und frühgeschichtliche Abteilung DIE DEUTSCHE WELTMARKE TELEFUNKEN 340c einschl. Röhren RM 216, TELEFUNKEN 230w einschl. Röhren RM 216, RADIO Ausstellung „Alte und neue Graphik". Turmhaus am Drandplatz, 11 bis 13 Ahr. — Goethe- bund: Kulturfilm „Palmen und Pyramiden", 11.15 Ahr, Lichtspielhaus Bahnhofstraße. — Obstund Gartenbauverein: Vortrag, 16 Ahr, Hotel Hopfeld. — Deutsche Dolkspartei: 20 Ahr, Caf6 Leib, Versammlung, Redner: Abg. Dingeldeh. — Sozialdemokratische Partei: 15 Ahr, Eaf6 Leib, Wählerversammlung, Redner: Prof. Dr. Rölting und Reichstagsabg. Ritzel. — Radikaldemokratische Partei: 20.30 Ahr, „Aquarium", Versammlung, Redner: Dierbücher-Verlin und Valser- Ober-2ngelheim. — Konsumverein: Ordentliche Dertreterversammlung, 9 Ahr, Gewerkschaftshaus. — Sp.°Vg. 1900: 14 Ahr, Sportplatz Liebigshöhe, zwischen Heiden Terrinen hin. Musikalische mch heitere Vorträge umrahmten die harmonisch verlaufene Feier. Samstag-Programm. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Der tolle Reigen einer munteren Ausgelassenheit tobt morgen, Sonntag, l.Rovember, in der sensationellen Weltschlager- und Revue-Operette „3m weißen Röhl" über die Bühne. Das Operettentheater Hamborn bringt dieses Singspiel von Müller (frei nach Blumenthal und Kadelburg) mit der Musik von Ralph Benatzky als erstes Gastspiel zur Aufführung, und zwar zu ermäßigten Operettenpreisen als Fremdenvorstellung. Beginn 18.30 Ahr; Ende 21.30 Ahr. — Aus technischen Gründen mußte die Dienstag-Abonnementsvorstellung auf Montag, 2 Rovember, verschoben werden. Das Operettentheater Hamborn setzt sein Gastspiel „3m weißen Röhl" fort, und zwar mit einer letzten Wiederholung. Operettenpreisei Beginn 19.30 Ahr; Ende 22.30 Ahr. Wer als Dienstag-Abonnement die Montag-Vorstellung nichf besuchen kann, erhält einen Gratis-Amtauschschein an der Kasse! Dienstag bleibt das Theater geschlossen. — Vortrag Joachim Shdow. Man schreibt uns: Der Redner ist in Gießen von seinem früher hier gehaltenen Vortrag über Fragen der religiösen Kindererziehung und des Religionsunterrichtes bestens bekannt. Er wird diesmal aus der Praxis des Religionsunterrichtes heraus, wie er innerhalb der Bewegung für religiöse Erneuerung, der Christengemeinschaft, gepflegt wird, in einem öffentlichen Vortrag zum Thema „Altes und Reues Testament im Religionsunterricht" sprechen. Eltern, Lehrer und Erzieher seien auf diesen Vortrag besonders aufmerksam gemacyt. Der Vortrag findet am Montag, 20.15 Ahr, in der Oberrealschule statt. Rach dem Vortrag ist Aussprache und Fragenbeantwortung vorgesehen. Näheres in der heutigen Anzeige. — Der Ob st- und Gartenbauverein veranstaltet am Sonntag, 16 'Ihr, im Saale des Hotels Hopfeld eine Versammlung, in der Universi- täts » Gartenbauinspektor i. R. R e h n e l t über „Düngungsfraaen im Garten" sprechen wird. In der Versammlung findet auch eine Gratisverlosung statt. Näheres ist aus der gestrigen Anzeige ersichtlich. 8e[|. ''"Mei, Jung fej 9e u. a, SA: •Sä: SS-? w das bV W9C* ^Unglück ein« flhr.Xt Sä, srs lle Me nut J zu hin ge, ^iugcben unb fein, lb°be sie erwähnt, uKbachterweif! fier Mutter gegen» ^erhabe S, cI«6nt, unb bai worden. einer Zeit, da es eine „Gottlosenbewegung* gibt, zu einem zwingenden Gebote wird. H. B. Oberhessischer Kunstverein. Dom Oberhessischen Kun st verein wird uns geschrieben: Mit dem morgigen Sonntag schließt die Ausstellung „Alte und neue Graphik" ab. Die hat bei Mitgliedern und Richtmitgliedern, sowie auch bei den Schulen ein derartig starkes 3nteresse gefunden, wie keine der letzten Ausstellungen. Einen ganz besonderen Anziehungspunkt bildeten die 20 Original-Handzeichnungen holländischer und italienischer Meister, die stark bewundert wurden. Wir machen deshalb nochmals auf diese Ausstellung aufmerksam und bitten alle Freunde, diese seltene Gelegenheit, alte Originalzeichnungen betrachten zu können, nicht ohne einen Besuch der Ausstellung vorüber- gehen zu lassen. Auch die Blätter neuer Graphik haben starken Anklang gefunden und sind verschiedentlich angekauft worden. Es sei deshalb auf die morgige Besuchsmöglichkeit von 11 bis 13 Ahr statt. ** Geschäftsjubiläen. Am 1. November kann der Friseurmeister Wilhelm Balser, Lud- wigsplatz, auf ein 4 0 j ä h r i g e s B e st e h e n seines Geschäftes zurückblicken. — Am gleichen Tage feiert das Ehepaar Heinrich Jung und Frau, Inhaber “..... Marktplatz, das Kirche und Schule. 00 Klein» Linden, 31. Ott. Das diesjährige Mifsionsfeft des Dekanats Gießen wird am morgigen Sonntag in unserer Gemeinde ge» feiert. Im Gottesdienst am Vormittag wird Pfarrer Röhricht (Darmstadt) predigen, Dekan Guß« mann, Pfarrer Röhricht und Dolksschriftsteller Naumann (Nanzhausen) werden in der Nachver» sammlung sprechen. Posaunenchor, Kirchenchor und Schülerchor werden zur Verschönerung des Festes beitragen. 4 Lich, 30. Okt. Auch in diesem Jahre veranstalten der Posaunenchor und die evangelische Jugendvereinigung unter der Leitung von Pfarrer D r a u b t am Samstagabend in der Turnhalle eine Reformationsfeier. Im Mittelpunkt des Abends wird ein Theaterstück stehen, das einiges aus dem Wirken Dr. Martin Luthers wiedergibt. Vorträge des Posaunenchors und Gedichtvorträge der Jugend werden den Rahmen bilden. Aus der proviuzialhauptffadi. Gießen, den 31. Oktober 1931. Reformationsfest. In der Pfingstzeit des Jahres 1521 erhielt Albrecht Dürer in Antwerpen die Nachricht, daß Martin Luther auf dem Rückwege vom Wormser Reichstage verschwunden sei. Der Künstler schreibt in seinem Lagebuche: „Dann do ihn des Kaisers Carols Herold mit dem kaiserlichen Gleit war zu geben, dem ward vertraut; aber sobald ihn der Herold bracht, bei Lyßenach in ein unfreundlich Ort, saget er, er dürfe fein nit mehr, und ritt davon. Alsbald waren 10 Pferd da, die führten verräterlich den verkauften frommen, mit dem Heiligen Geist erleuchteten Mann hinweg, der do war ein Nachfolger Christi und des wahren christlichen Glaubens. Und lebt er noch oder haben sie ihn gemördert, das ich nit weiß, so hat er das gelitten um der christlichen Wahrheit willen ... Und so wir diesen Mann verlieren, der do klarer geschrieben hat dann nie keiner in 140 Jahren gelebt, dem du ein solchen evangelischen Geist geben hast, bitten wir dich, o himmlischer Vatter, daß bu deinen heiligen Geist wiederumb gebest einem andern, der do dein heilige christliche Kirch allenthalben wieder versammel, auf daß wir all' ein und christlich wieder leben, daß uns unfern guten Wir» [en alle Ungläubigen als Türken, Heiden, Cala» cuten, zun uns selbst begehen und den christlichen Glauben annehmen." Als Dürer diese Worte schrieb, stand Luther erst Im Anfang feiner Tätigkeit, der Künstler aber erkannte mit großem Scharfblick, was sein Zeitgenosse für die christliche Kirche bedeute. In diesem Sabre, in dem man wieder an den schweizerischen Reformator Ulrich Zwingli gedacht hat, der am 11. Oktober, gerade vor 400 Jahren, in der Schlacht bei Tappel gefallen ist, liegt es nahe, die beiden Männer, ben Wittenberger Professor und den Züricher Chor» Herrn, nebeneinanderzustellen. Beide weisen ähnliche Züge auf. Luther wie Zwingli wollten die Kirche auf Grund der Bibel erneuern, sie kämpften beide für das Evangelium, sie verlangten, daß der Gottes» bienst in der Muttersprache gehalten werde. Die Grundrichtung ihres Wesens und Wirkens war dle» Sbe, aber in vielem waren sie voneinander ver- ieden. Martin Luther, der Sohn des Thüringer aldgebirges, in dem so viele Sagen und Erinnerungen aus der deutschen Vorzeit leben, ein Mann, der mit dem deutschen Leden ganz verwachsen war, war im Kloster erst nach schweren Seelenkämpfen zur Glaubensgewißheit gelangt. Ulrich Zwingli, der Sohn der Alpen, der in dem freien, weltoffenen Zürich feine Tage verbrachte, ist einen gcz anderen Weg gegangen, ihm blieb ein tief einschneidender Bruch mit seiner Vergangenheit erspart. Luther war eine schwerflüssige Natur, ein Mann, der ganz in Hott lebte, ein Mann von gewaltiger Tatkraft, Zwingli war mild, klar und versöhnlich. Von beiden war der Deutsche unstreitig der größere, er war einem Bergstrome vergleichbar, der alles mit sich fortreifet. Der Schweizer glich einem Flusse, der ruhig zwischen Ackerfluren und Wiesen dahinrinnt. Als Bibelübersetzer und Dichter übertraf der Wittenberger bei weitem den Züricher Reformator; Lutber hat eine lebendige, volkstümliche Sprache geschaffen, Zwingli schrieb in einem Dialekte, der in harten Lauten und unbehilflichen Formen ein- Verging. Für die evangelische Christenheit war es ein Ver» hängnis, daß die beiden Männer sich nicht auf eine Linie einigen konnten, obwohl der hessische Landgraf Philipp der Großmütige alles an diese Einigung fetzte. Es war vermutlich die verschiedene Auffassung vom heiligen Abendmahl, die die Verhandlungen, die im Oktober 1529 auf dem Schlosse zu Marburg geführt wurden, scheitern ließen. Luther konnte auch nie den Gedanken loswerden, daß Zwingli innerlich zu den Schwarmgeistern gehöre, die in der Schweiz die Bilder aus den Kirchen geschafft, sie auch wohl zerschlagen hatten. Im Laufe der Zeit haben jedoch Lutheraner 'und Reformierte, ohne ihre Eigenart aufzugeben, einander schätzen gelernt und haben vor allem gelernt, Segensreiches voneinander zu nehmen. Die lutherische Kirche ist reich an glaubensstarken, herrlichen Liedern, an trefflichen Erbauungs» büchern, an Werken der Liebe. Die reformierte Kirche zeichnet sich durch Sittenzucht und zweckentsprechende Organisation des Gemeindelebens aus. Zwingli und seine Gesinnungsgenossen sind Irrwege gegangen, als sie allen Schmuck in den Kirchen als „Götzendienst" verurteilten, im Anfang sogar Glockenläuten und Orgelspiel nicht duldeten, aber längst haben auch die Reformisten es anerkannt, wenn die Lutheraner nicht allen Schmuck aus ihren Gotteshäusern verbannten. Größer noch als die Einigkeit in äußeren Formen ist die Einigkeit im Geist, die für die Christen einer jeglichen Denomination in 2 5. Geschäftsjubiläum. ** Dienstjubiläum bei der Reichsbahn. Der beim Bahnhof Gießen an der Bahnsteigsperre beschäftigte Bahnhofsschaffner Heinrich Dörr, wohnhaft in Großen-Buseck, konnte dieser Tage auf eine 25jährige Dienstzeit bei der Reichsbahn zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurden dem Jubilar zahlreiche Ehrungen seitens der vorgesetzten Verwaltung und seiner Mitarbeiter zuteil. *• Eine Reichs-Porzellan Woche findet in der Zeit vom 30. Oktober bis 8. Äovem- ber, veranstaltet von der deutschen Porzellan-Industrie und dem deutschen Porzellan-Handel, im ganzen Reiche statt. 3n dieser Zeit wird alles gezeigt, was die deutsche Porzellan-3ndustrie an Schönem und Zweckmäßigem, an Gebrauchsporzellan für alle Verwendungszwecke, sowie Kunstporzellan erzeugt. Auch die Gießener Porzellangeschäfte werden während dieser Werbewoche bemüht sein, dem Porzellan neue Freunde zu gewinnen. Dem Publikum sei empfohlen, den Auslagen besondere Beachtung zu schenken. "DerBundderHotel-, Restaurant- und Caf6-Ange st eilten (Anion Ganymed) beging in diesen Tagen — wie man uns berichtet im Restaurant Andres das 25jährige Bestehen der Gießener Ortsgruppe des Bundes in der Form eines Herren-Kommerses. Der Vorsitzende Roll begrüßte die aus nah und fern erschienenen Mitglieder und Gäste, besonders die Vertreter der Ortsgruppen Marburg und Frankfurt. Bezirksleiter Dey lich (Frankfurt a. M.) überbrachte die Glückwünsche der Hauptverwaltung, kam auf den Werdegang der Ortsgruppe zu sprechen und betonte besonders die Ziele und Aufgaben der Berufsgewerkschaft der Gasthausangestellten. Mit einem Appell, in dieser schweren Zeit treu zur Organisation zu stehen, überreichte er im Auftrage der Verwaltung für den Vorsitzenden Roll das goldene, für den Kassierer Herr das silberne Verdienstabzeichen. Sein „Hoch" galt der Ortsgruppe Gießen, das mit dem Gelöbnis ausgenommen wurde, auch im Hessenlande der 3dee des Bundes im Geiste der christlich-nationalen Arbeiterbewegung zum Siege zu verhelfen. Für den 8. Bezirk überbrachte Schür- gcr (Frankfurt) Glückwünsche unter Aeberrei- djung eines Geldgeschenkes für einen wohltätigen Zweck. Zahlreich war die Zahl der Gratulanten, die in Schrift und Wort dem 3ubelverein ihre Wertschätzung zum Ausdruck brachten. Herr Schäfer vom Gießener Kellnerverein wies besonders auf das gute Freundschaftsverhältnis ntes* ^sagk' gbb-u de- hat Derlog'' echlgt " unb 6er 5 Lzea^we-hel" nb^^fuiib der ,f eaw £>* irt aUv. «nltie neM» ■n unl>& W 0^ liefe 6» . ain 3i y29 llUU. 1(11. Germania: 20 Ahr, Caf6 Leib, Stiftungsfest. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Der keusche 3osef". Verlassenen" Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, 1. November. 22. Sonntag nach Trinitatis. Reformafionsfeff. Sladtklrche. 9.30 Uhr: Pfr. Becker; Beichte und hl. Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde; 11: Kinderkirche für die Markusgemeinde; Pfr. Becker; 17: Pfr. Mahr.— Johanneskirche. 9.30: Pfarrassistent Seemann; 11: Militärgottesdienst; Pfr. Ausfeld; 17: Pfr. Bechtolsheimer; Beichte und hl. Abendmahl für Lukas- und Johannesgemeinde; 20: Bibelbesprechung im Johannessaal; Psr. Lic. Waas. — Kapelle des Allen Friedhofs. 9.30: Pfr. Lenz; 11: Kinderkirche für die Lutbergemeinde; Pfr. Lenz. — ElisabelhKlein- kinderschule. 9.45: Pfr. Lic. Waas; 18: Pfr. Lia Waas. — Klein-Linden. 10: Hauptgottesdienst; Pfr. Dir. Röhricht; 11: Kindergottesdienst. — wieseck. 10: Kollekte für die Gustav-Adolf-Stiftung. — Allen- Buseck. 10:; 13: Christenlehre für die männliche und weibliche Jugend. — Trohe. 14.30: Erntedankfest und Feier des hl. Abendmahls. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 11: hl. Abendmahl für die Jugend von Staufenberg; Kollekte für die Gustav-Adolf-Stiftung; 13.30: Lollar; Kollekte. — Hausen-Garbenteich. 10: Hausen; 13: Garbenteich. — Watzenborn-Steinberg. 13.15: Hauptgottesdienst; Opfer für den Gustav-Adolf-Der- ein. — Grünlngen. 10: Hauptgottesdienst; Kollekte für den Gustav-Adolf-Derein. — Lich. 9.15: Beichte; 9.30: Stiftspfarrer Draudt; hl. Abendmahl; 14: Stiftsdechant Kahn. Katholische Gemeinden. Samstag, den 31. Oktober. Giefeen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, 1. November. 23. Sonntag nach Pfingsten. Allerheiligenfest. Giefeen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Männer; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messö mit Predigt; 16.30 und 19: Beichte; 17: Rosenkranzandacht; 17.30: Dredigt; 18: Andacht für die Abgestorbenen. — Grünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 17.30: Predigt, Andacht und Beichtgelegenheit. — Laubach. 10: Hochamt mit Predigt; 14.30: Predigt, Andacht, Beichte. — Lich. 6.30: Beichtgelegenheit; 7.30: Hocyamt mit Predigt; 20: Predigt, Andacht, Beichte. — Ridda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schollen. 10.30: Hochamt mit Predigt. Montag, den 2. November. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; von 6 bis 8 Uhr sind bl. Messen; 8 Uhr ist ein Seelenamt für alle Verstorbenen der Pfarrei. In allen Messen und im Seelenamt wird die hl. Kommunion ausgeteilt. Um 20 Uhr ist Andacht für die Abgestorbenen. — Hungen. 8.15: Seelenamt; vorher Beichtgelegenheit. — Laubach. 10.15: Seelenamt; vorher Beichtgelegenheit. — Lich. 6: Austeilung der Kommunion; Beichtgelegenheit; 7: Seelenamt. — Nidda. 8.30: Seelenamt. Mittwoch, den 4. November. Hungen. 7.30 Uhr: Messe. Freitag, den 6. November. Gießen. 6.30 Uhr: Segensmesse. — Lich. 7.30: Segensmesse.___ Sonnt(w«dienttd.Aerzteu.Avotbekenaml. 11.81. Frl Dr. Gürtler. Dr. Geyer. Hlrschapvlbeke. __Aabnnrxt: i »r. Metz.__________ Bei Erkältungskrankheiten, bei Schmerzen rheumatischer, gichtiger u. nervöser Art haben sich Togal-Tabletten hervorragend bewährt. Togal beseitigt die Krankheitsstoffe auf natürlichem Wege! Frag. Sie Ihr. Arzt. In all. Apoth. Mk. 1.40. 12.6 % Lith.. 0.46 % Chia. 74,3 % Acid acet sallc. TELE FUN KEN 1 umTo Lon > f.. . . . Bcfiön möbliert, gr. lVermielunfle-J Zimmer m sä rl-llen imt u" □ schl« % -s 425! V em! Mit der durch ganz E u r o p a chlafk. evtl. kl. m. 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G. 21.7,i,V ‘*S- ur i. 255 Zweites Blatt * // 1 iit ei. y. :i. r, iw- ter* Uli' ien , tD nf« en. politische Eindrücke von einer Weltreise. Don Or. Paul Nohrbach. Nanking, Oktober 1931. Ter Telegraph hat sicher lange nach Hause meldet, was für eine merkwürdige Sache wir C7 in diesen Tagen erlebt haben: Studenten berfallen den Außenminister in inem Amt und schlagen ihn blutig, weil er tun z u schlapp gegen Japan ist! Am ;a.je nach dem Vorfall hatte ich Gelegenheit, hier in Nanking mit einigen Europäern in >herer Stellung, mit einem chinesischen Uni- ?r'itätsprofessor und einigen chinesischen Re- enungsbeamten zu besprechen. Im Grunde war r Urteil dasselbe: daß dem Minister nur übrig pixlieben sei, zu demissionieren, und daß den lubcnten nichts geschehen werde, weil niemand :c faktische Autorität dazu besähe! Cs sei schon vlcs Mögliche, dah die chinesische Eisenbahner valtung in Schanghai den 1000 oder 2000 ch»mghaier Studenten, die auch noch zum De- onftrieren nach Nanking kommen wollten, keinen ug gegeben habe! (Die Fahrt dauert? Stunden.) Man denke sich: Eine studentische Masse stürmt n5 Ministerium des Auswärtigen, demoliert Emen und Fenster, schlägt Möbel kurz und klein, :rfiHneidet Teppiche, dringt ins Kabinett des liiüsters, mißhandelt ihn mit Stöcken, Fäusten tifo Tintenfässern, bis er blutend am Boden k$t, und zieht erhobenen Hauptes davon. Dncum? Wegen seines schwächlichen Verhaltens p:g müder den Japanern! Mir fiel dabei ein, was der japanische General Hcxgi tat, als ihm während des russisch-japani- she n Krieges die Studenten vorwarfen, er sei n bedenklich, Port Arthur zu stürmen. Nogi pagte die jungen Leute: Wollt ihr stür- re n kommen? Tausende von Freiwilligen rcLbeten sich und erlitten im russischen Feuer |: furchtbare Verluste, dah nachher die Nede png, Nogi habe sein Harakiri nach dem Tode les Kaisers Meji Vertrauten gegenüber auch cis eine Sühne für sein grohes Studentenopfer kjvichnet. Ob das wahr sein kann, lasse ich ^Eingestellt. Jedenfalls leuchtet die Todes- krichtung des patriotischen Japaners Qud der krf chichte hervor. Die Studenten von Nanking Schanghai hätten nicht daran gedacht, nc§ der Mandschurei zu gehen, wenn man sie pfcagt hätte, ob sie gegen die japanischen Ge- tchre wollten. Mas aber wollten sie bann? Als ich kürzlich in Peking war und von der einstigen Palaststadt hif) unserer Gesandtschaft zurückfuhr, wurde ich c einer Straßenkreuzung eine halbe Stunde krch einen Demonstrationszug gegen Japan auf- pholten, in dem mehrere tausend Studenten und EchÄler marschierten. Ich fragte nachher einen yircsischen Professor, was auf den zahllosen r Iseführten Bannern und Spruchlappen ge- |::ixben hätte? „Kauft keine japanischen Waren!", greifet alle Japaner aus!", „Kriegserklärung fügen Japan!", „Schlagt jeden Japaner tot!“ usw. Ulf» meist wahnsinniges Zeug. Das Verhalten btr chinesischen Generale in der Mandschurei ja gezeigt, dah die Japaner dort mit keinem Jteeg“, sondern nur mit einer militärischen Hasenjagd zu rechnen brauchten. Tschiangkaischeks ünmkingtruppen sind besser, aber viel zu ftDach. * Oer Auhenminister C. T- Wang hätte den chinesischen Vertreter beim Völkerbund anweisen bei der Behandlung des Konflikts in flenf eine schärfere Haltung einzunehmen, wurde i: dem Nankinger Gespräch als ein Argument zu grünsten der Studenten vorgebracht. Als ich bittiuf erwiderte, dann hätte Alfred S z e (der chinesische Gesandte in London, Vertreter in Genf) ermächtigt sein müssen, unter Umständen mit Hrms Austritt aus dem Völkerbund zu drohen, Zuspruch aus einem Brief. Von Anton Schnack. | habe einen Brief, der mich demütig und sanft naqt; denn es ist ein Brief meiner Mutter. Leicht ien ihm liegt eine Stimmung, die ich mit dem 'lorrte altertümliche Poesie bezeichnen möchte. Das lipier ist glatt, einfach und unaufdringlich liniert, choch das lange Liegen in einer immer abgeschlossen Kommodenschublade ist in das Papierweih ein vawer, gelber Elfenbeinschein gekommen. Das Blatt kg bei alten, vollgekritzelten und zerschlissenen Ball- s-ch.im, bei getrocknetem Lavendelkraut, bei ge- nrißten Perlmutterrosenkranzen, es hielt Nachbar- fqa 't mit quittierten Rechnungen, die schon längst e rfüllen sind, hübsche und drollige Medaillons lagen ml ihm zusammen bei geweihten Gewitterkerzen Lid« verblaßten Bildern aus den Anfängen der pho- tlgnrphischen Kunst. Von allem, von wohlriechenden ■$ü izelchen, gepreßten Blumen, abgelegten Seiden- lb:n dem, schwarzlackierten Knöpfen, dickem Bern- slinschmuck und anderem, hat sich ein Duft hinein- igbeangt, Hauch und Duft der Vergangenheit und iaelicr abgelaufener Leidens- und Freudenjahre, und ik geziemt sich, daß der Brief einer alten Mutter Hauch mit sich bringt. Die Tintensarbe hat ia;j dem vergilbten Blatt Blässe angenommen und nridt den Eindruck, als stünde sie schon viele Jahre iir Nlase und hätte ihre Leuchtkraft verloren. 18)n der kräftigen deutschen Schrift bin ich hinleck 16 SLL & - Hm ’Jiur 2 ilufführnn?. WWW Lin-Mel in 3 M (frei nach demLm iriel von Blunich lhalunüKadelburs! von Hans 2^j|Üei- SÖlunf von Rom Benavkn. Test oa Eesiingevon ziobest Gilbert. o.l!>übls22/,M 5 LskllSlag'M.'M Ccerettenptej , Zum letzten Male- säg Benavkn. Geiangevon Robert G'lb^ tSÄ 8afnöSS.?uf Be,u*t. MÄLtz- WkiAs Wtott MzAW 1931, abdL. 8 Uhi, löDälS-tamlöllJ bei Kamerad Könia ^tabtfiafiell.Uni. tonn: Tieniianzua, Mutze. 7555D Mitteilungen. Tas Kommando, Hontag, den 2, Hot. Odenwald; Vereinigung 8 Uhr :,'d Hotel Köhler n läbe oße, ’t jari gen. Kein einziger lateinischer Buchstabe: wie die Uirne kleiner gotischer Kapellen gehen die langen, jfpjj.in s-Buchstaben in die Höhe, daneben fegt der fidnfe Schnitt des harten T durch die Wortzeilen', ,ulte - ib; kleine k ist derb, aber m.,t würdig und bewußt lun5f,rdmit^ne5 lhngesetzt. Seltsam: fünfundsiebzig Jahre ist diese :^-ü grau ist ihr Haar, verrunzelt das Gesicht, ‘ A leien in ihrer Schrift strebt eine Kraft, treibt sich ein :ku im herum, kämpft Härte mit Geschmeidigkeit und Ibhouptet sich ein lebensnaher Glaube, der uner- ||oü:tterlid) ist und der sich durch nichts vertreiben Il'h-Sie schreibt die herrliche Schrift der ßebens= l|eu:)e, nicht eingebogen durch Angst, Feigheit und !»d:ücktheit, Nervenschwäche und Kleinmut, obwohl iks Leben nicht immer rosig mit ihr umsprang. Die ! logen Buchstaben fangen alle mit schönen und cumberbaren Bogen an, immer noch bereit, das : lbin einzufangen und zu halten. Halte ich meine Islime, zerfaserte, winzige, auseinanderfallende, ner- infe., suchende und tupfende Schrift daneben, meine i6i)cift, die keinen Ruhepunkt hat, sondern gejagt ipd verzagt dahintreibt, von Unrast und Unruhe |Maltet ist, in der sich seelische und geistige Spal- aung: > W un J gß»* Stadttheater / Gießen. ,.:D Lonokaa.v. l.^ov. Iv.l8'!>dis21'-W \ ?5-rembennotiteti(i jÄuM Abonnement \ Ermangle ■1 LvereUenvceise. 6 j lSaitivicl brr CVcicttentbcnlui Hamborn. — b. Ujeo'DadienbeiiT.n ■2 ir. glicht. Eietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) wurde das von den chinesischen Herren anscheinend als zu gefährlich empfunden. Was alle Chinesen im Grunde verlangen, ist, daß Europäer und Amerikaner chnen durch einen gemeinsamen Druck auf Japan kostenfrei aus der japanischen Unannehmlichkeit heraushelfen sollen. Bei Deutschland speziell vermißt man „Sympathiekundgebungen". Dabei ist die Nankinger Negierung in letzter Zeit gerade gegen Deutschland unhöflich und rücksichts- l o s gewesen. Die Einzelheiten mögen hier unerörtert bleiben. Bei allen Mächten ohne Unterschied ist die bisherige liberale Bereitwilligkeit gegen China ausgesprochen abgekühlt, weil Nanking jede zu verletzen verstanden hat. Auch Amerika ist merkwürdig kühl geworden. Nanking sucht jetzt einen neuen Außenminister, aber wer hat Lust, sich zwischen die Japaner und die prügelnden Studenten in Nanking zu stellen? C. T. Wang hat sich schleunigst mit seinen Wunden aus Nanking nach Schanghai in die internationale Niederlassung geflüchtet, wo die Polizei (Europäer und indische Sikhs) keine Studenten an ihn heranlassen würde. Der neue Außenminister kann aber doch kaum seinen Amtssitz unter dem Schutz der Schanghaier internationalen Polizisten nehmen! Alfred Sze hat abgesagt, natürlich; jetzt wird mit dem früheren Premierminister (aus der Bor-Kuomintang-Zeit) Wellington Koo verhandelt, der im Flugzeug nach Nanking gekommen ist, eine Stunde mit Tschiangkaischek verhandelt hat und dann wieder nach Norden zurückgeflogen ist. Cs heißt, er habe Vorschläge zur Verständigung mit Japan gebracht — aber was werden die Studenten dazu sagen? Die ganz anormale Stellung der Studenten in China erklärt sich in der Hauptsache daraus, daß die junge Generation das neue China in der Hand hat. Die alten confucianischen Beamten sind alle ins Dunkel gescheucht, die Leute, die heute die maßgebenden Stellen einnehmen, sind jung; sie waren gestern noch Studenten, und wer heute Student ist, rechnet darauf, dah er morgen schon ein großes Amt hat. Es ist „Konjunktur für Jugend" in China; leider für eine vielfach sehr anmaßende, unerfahrene und nur oberflächlich geschulte Jugend. Von allen diesen Dingen hält der Staatspräsident und Oberbefehlshaber Tschiangkaischek sich geflissentlich fern. Er hat genug mit den militärischen Dingen und der inneren Politik zu tun. Neulich entdeckte er bei einer Revision, dah in der Artilleriestellung von Chen- fiang am Jangtse, eine Stunde unterhalb Nanking, wo acht schwere Marinegeschütze stehen, die sämtlichen Verschlüsse fehlten — unbekannten Aufenthalts! Alles, was innere Politik in China ist, kann nur in e inem Zeichen beurteilt werden: Kuomintang! Davon will ich einmal besonders sprechen. WeliwirWastsknse uni* Kredilmechanismus. Auf dem Wege über eine Währungs- und Kreditreform zu neuer Wirtschastskonjunktur. Von Professor Or. Ernst Wagemann, Präsidenten des Statistischen Michsamis und Direktor des Instituts für Konjunkturforschung. Der sensationelle parlamentarische Um» schwung i n England gehört zu den seltsamen politischen Blüten, die die Weltwirtschaftskrise überall in der Welt treibt. Darüber hinaus bedeutet aber dieser überwältigende Erfolg des Protektionismus eine schwere Niederlage der wirtschaftspolitischen Ideale, die vor hundert Jahren gerade in England von einer fortschrittsgläubigen und erkenntnistrunkenen Wissenschaft zum Siege geführt wurden. Wir müssen uns darüber klar sein, dah der Lehre wie der Politik des laissez faire fast auf allen wirtschaftlichen Gebieten durch tiefgreifende Strukturumbildungen die Voraussetzungen entzogen sind, unter denen sie erwachsen war. Das Kernstück der Freihandelslehre, die Vorstellung von den natürlich harmonierenden Interessen aller auf sich selbst gestellten wirtschaftlichen Kräfte, hat zwar niemals der Wirklichkeit völlig entsprochen; denn die freie Ertrags- und Konkurrenzwirtschaft, die gemeinhin als Kapitalismus bezeichnet wird, hat zu keiner Zeit und in keinem Lande den Produktionsprozeß vor den Störungen zu bewahren vermocht, die periodisch in der Form von Wirtschaftskrisen auftreten. 11 nb doch hat sie dabei Grohes geleistet; sie verstand es nämlich, immer wieder aus eigener Kraft den Gesundungsprozeh zu entwickeln, der aus einer Krise von selbst wieder zum Aufschwung führt. Ein außerordentlich verwickeltes Reaktionsspiel, der sogenannte „Wirtschaftsautomatismus", verwandelte allemal in verhältnismäßig kurzer Zeit eine in ihren Funktionen gelähmte Volkswirtschaft in einen gesund und kräftig pulsierenden Wirtschaftskörper. Dieser die Störungen immer wieder überwindende Mechanismus scheint jetzt aber selbst gestört zu sein. Die gegenwärtige Krise ist nicht unerwartet hereingebrochen; seit 1928 war sie sozusagen überfällig. Denn seit weit mehr als einem Jahrhundert sind in Abständen von durchschnittlich acht Jahren weltwirtschaftliche Erschütterungen aufgetreten, von denen die letzte die von 1920 gewesen war. Freilich hat die Krise diesmal eine Schärfe und Ausbreitung gewonnen, wie sie nie zuvor auch nur annähernd beobachtet werden konnte. Ungeheuerlich ist der Rückgang der Produktion, deren Index um über 30 v. H. gesunken ist. Noch erschreckender ist der Rückgang der Preise, deren Großhandelsindex um annähernd 50 v. H. gefallen ist. Jedoch gibt dieser schließlich nur graduelle Unterschied gegenüber früheren Krisen noch lange nicht der Vielzahl der Propheten recht, die darin Vorboten eines wirtschaftlichen Weltunterganges sehen wollen. Diel ernster ist ein Symptom, das von den Wirtschaftspolitikern aller Länder wohl kaum übersehen werden kann, das ihnen aber bisher noch nicht Veranlassung gegeben hat, praktische Konsequenzen daraus zu ziehen: Das ist die Tatsache, daß nach einer Krisendauer von zwei Jahren noch keine Tendenzen wahrzunehmen sind, die auf eine Erholung der schwer ringenden Wirtschaft hindeuten. Die Genesungskräfte scheinen gelähmt zu sein. Insbesondere ist ein Automatismus weitgehend außer Kraft gesetzt, der über dasGeld- undKre* ditsystem hinweg bisher immer wirksam gewesen ist. Jede Krise ist durch schrumpfende Warenumsätze und sinkende Produktion gekennzeichnet. Diese Einschränkung des Güterkreislaufs ist die Folge eines Liquidationsprozesses, durch den Geldkapitalien frei gesetzt werden; sie werden teilweise aus der Produktionswirtschaft herausgezogen, ohne gleich wieder Anlage zu finden. Das Geldkapital staut sich gleichsam an. Sein Ueberfluß in den Banken drängt zu neuer Verwertung, und so entsteht eine entscheidende Voraussetzung für einen neuen Konjunkturan stieg. Der Kreditapparat, der bei Beginn einer Krise jedesmal erschüttert zu werden pflegt, schien tungen und Widerstrebungen in der willkürlichen Anwendung von deutschen und lateinischen Buchstaben bemerkbar machen, meine Schrift, die Zer- brochenheit des Wesens widerspiegelt, die dünn ist wie ein Gespinst und sich vom kleinsten Stimmungswandel beeinflussen läßt, so erschrecke ich für mich; denn in der Schrift der alten Mutter hält sich mehr Kraft als in der Schrift des jungen Sohnes. In dem Brief stehen Worte, die ich in anderen Briefen, in kategorischen Geschäftsbriefen, in den eilfertig hingeschriebenen Briefen von Freunden, in den hingeschluderten von Freundinnen, die immer wieder von ihren neuen Kleidern und von ihrer letzten Ballbekanntschaft erzählen, feit vielen Jahren nicht gelesen habe. Groß und erhaben wölbt sich das Wort „Gott" heraus, ein Wort, das für viele Brieffchreiber verschollen und dunkel ist wie eine Sage; dieses Wort steht da wie die gütige, unerschütterliche Weisheit, wie ein Berg mit großer, ferner und unerreichbarer Linie. Es steht da, breit, aufgereckt und alle anderen Worte überschattend. Die Ewigkeit bricht mit diesem Wort in den vergänglichen Brief. Und dann steht noch ein seltsames Wort, das „Aufrichtigkeit" heißt und es klingt mir in den Ohren, wenn ich es spreche, wie ein Klang, den ich seit geraumer Zeit nicht mehr gehört habe. Wer kennt das noch? Wer hält noch etwas von ihm? Wer will es noch hören? Wer wagt es noch zu sprechen? Alle gehen darum herum, denn Stacheln und Dornen fitzen auf diesem Wort, eine ruppige Haut, die kratzt und sticht, ein klares, unbestechliches Auge blitzt aus diesem Wort, Sauberkeit steckt in ihm, Reinlichkeit, Helle und Feindschaft gegen Schmeichelei. Doch diese alte, in der Lebensdämmerung stehende Frau, hat Lust und Freude am Schmücken, am Ausmalen, am Verzieren, am Farbigen: „frischer Vollmond" schreibt sie. Sie schreibt: „Wenn ich von meinem Bette gegen das Fenster schaue, sehe ich den frischen Vollmond im obersten Glas hängen." Wie herrlich: ich sehe ihn mit ihr! Er steht ganz hoch und rundum. Er leuchtet tief und stark, grünlich schimmernd und überirdisch und zeigt sein frommes Licht aller Welt. Das hat die alte Frau ge- sthen und sie hält es für wert, dieses Bild, dieses altdeutsche malerische Bild, ihrem Sohne mitzuteilen. Ich erinnere mich an dte ganze schwelgerische, süddeutsche Landschaft; ich sehe die Hügelflanken, an denen der Wald herunterstürzt, ich sehe die im Mondlicht liegende Brücke, auf der der heilige Nepomuk und die Madonna von Ach sich schmunzelnd und lächelnd über einen Bauern aus Oesterreich unterhalten, der, ein bißchen selig vom Bier aus der Klosterbrauerei von Raitenhaßlach an der Salzach, seinen grünen Bauernhut vor ihnen zog und gesagt hat: „Vielmals um Entschuldigung, gütigste Frau von der Brücke zu Ach", und „3u Ehren Heiliger Nepomuk, ich bin ein fideler Bauer". Das schenkt mir meine Mutter mit ihren Worten, mit ihrer kleinen singenden und klingenden Zeile, sie schenkt mir eine ganze lichtgefüllte Nachtlandschaft unten im Süddeutschen ... Autos toben Straßen auf und ab als hätten sie das ewige Glück einzuholen, Zeitungsausrufer preisen die letzten Morde und Katastrophen an, Maschinen hauen mit schwerem Takt die Stunden in den Strudel der Vergänglichkeit, Telephone rasseln und verlangen entschlossen Auskunft, gequälte und sorgenvolle Männer zermartern sich das Gehirn um die Aufbringung der nächsten Miete, aber im Brief meiner Mutter hängt der volle runde Mond im Fenster und wandert seinen ewigen Bogen. Und unter ihm lebt eine alte Frau, die noch Zeit hat, dies zu sehen und noch Lust hat, dies zu sehen und noch Freude hat, dies zu sehen und es für wichtig hält, ihrem Sohne davon zu erzählen. Ich aber liebe diesen Brief. Hauhreitep und Filmdiven. Der bekannte amerikanische Deutschenfreund Edwin E m e.r s/> n plaudert im Novemberheft von Delhagen & Klasings Monatsheften über jenes heut versunkene Wild-West, das er noch als Rauhreiter in Wirklichkeit erlebt hat. Die urwüchsigen Gesellen konnten weder lesen noch schreiben. Aber Feldhühner schossen sie im Fluge, das Lasso schwangen sie unfehlbar und ritten die wildesten Gäule. Rur daß diese Pferde nicht so unermüdlich waren wie die der glücklichen Wildwest-Roman- und Filmheldew die alle ihre anstrengenden Ritte, vom Anfang der Handlung bis zu ihrem Ende, immer nur auf einem einzigen Reittier zu bestehen scheinen, ohne je umsatteln zu müssen. „Da der wilde West", fährt Emerson fort, „damals ein Land für rauhe Männer war, nicht für berittene Schauspielerinnen mit zierlich gewelltem Haar und zinnoberrotem Mündchen, konnten wir uns auch nie wie diese Dämchen daran erfreuen, in Fällen schwerer Gefahr immer wieder durch brave Cowboys in roten Hemden gerettet zu werden. Gar so rasend schnell wie die schöngestriegelten Rassepferde im Film rannten unsere Broncos damals allerdings nicht, auch waren unsere Gäule kaum so klug wie die witzigen Theaterpferde der heutigen Filmbühne. Nein, einige unserer Vierfüßler auf der Samstag, 3s. Moder 193( diesmal davon zunächst ziemlich unberührt zu bleiben. Die Dörsenkatastrophe in den Vereinigten Staaten im Herbst 1929 ergab sich inmitten einer Finanzkraft und einer Stärke der Danken, die den schwersten Wirtschaftsstürmen gewachsen schien. Wer hätte es daher für möglich gehalten, daß das Kreditwesen ins Schwanken kommen könnte, nachdem der Liquidationsprozeß der Wirtschaft weit fortgeschritten ist. Das lln- mögliche ist aber geschehen. Die Kreditkrise, die sonst eine Hochkonjunktur beendet, tritt diesmal nach zwei Jahren stärkster Preissenkungen auf, und die Folgen sind kaum ausdenk- tar, wenn gerade infolge von Kreditschwierigkeiten eine erneute Daissewelle ausgelöst werden sollte. In diesem Punkte gilt es daher, noch rechtzeitig — in letzter Stunde — anzufasfen. Wenn das Bankwesen, früher der vorsichtigste und weitblickendste Zweig der Wirtschaftsführung, in so verhängnisvoller Weise überall versagt hat, so hängt dies wohl hauptsächlich mit der internationalen Kreditverflechtung zusammen, die nach dem Weltkriege teilweise als Folge der politischen Derschuldung, aber auch aus vielen anderen Gründen außerordentlich rasch zugenommen hat. Hier zeigt sich mit ganz besonderer Deutlichkeit, daß Widersprüche zwischen der nationalen und öer internationalen Wirtschaftsbetätigung in höchstem Maße krisenerregend wirken können. Inländische und ausländische Kreditpolitik wurden nämlich irrigerweise zum Teil ganz verschiedenen Methoden unterworfen, wobei die G o l d d e v i s e n w ä h r u n g, wie sie sich nach dem Kriege als Streckungsmittel des Goldes allgemein verbreitete, eine verhängnisvolle Rolle gespielt hat. Für die nationale Wirtschaft nämlich bedeutet die Devise, die Anweisung auf ausländische Zahlungsmittel, ein volkswirtschaftliches Aktivum, das man dem Golde gleichsetzen zu können vermeinte. Darüber aber vergaß man, daß die Devise nichts weiter ist als eine S ch u l d f o r d e r u n g gegenüber der ausländischenWirtschaft. Auch für sie gilt daher die „goldene Bankregel", d. h. die Forderung, daß Aktiv- und Passivseite der Banken nicht nur nach der Größe, sondern auch nach der Verfallfrist einander entsprechen müssen — genau so wie im inländischen Kreditverkehr. Dieser Grundsatz ist aber bekanntlich weitgehend durchbrochen worden. Das Ergebnis ist eine Vertrauenserschütterung, durch die das Geldkapital der Produktionswirtschaft ferngehalten wird. Wenn es wirtschaftspolitische Möglichkeiten gibt, die die Gefahr einer immer tiefer greifenden Krise zu bannen vermöchten, so liegen sie in einer internationalen Kooperation mit dem Ziel der Neugestaltung eines gänzlich veralteten Kreditapparates. Die Einführung der Golddevisenu)ährung stellte zwar den Versuch dar, ihn zu modernisieren. Dies ist aber in gänzlich verfehlter Weise geschehen. Sv wird erst eine grundlegende Währungsund Kreditref orm den Weg zum Wiederaufstieg freilegen. 50 Jahre Feuerversicherungsverband der evangelischen Geistlichen. wg. Frankfurt a. M., 30. Oft. Der am 14. August gegründete Feuerversicherun gäbet b anb der cöange l. Geistlichen in Hessen hielt in diesen Tagen seine 5 0. H a u p t- öerfammlung in Frankfurt a. M. ab, die unter der Leitung des Aufsichtsratsvorsihenden, Dekan Brill (Groß-Steinheim), stand. Der von dem Verbandsvorsihenden, Direktor Pfarrer i. R. Weimar (Darmstadt), verfaßte Jahresbericht für 1930 wies eine günstige Entwicklung aus. Der Jubiläumsbericht, der einen sehr interessanten Rückblick auf 50 Jahre erfolgreicher Verbandsarbeit darstellte, wurde von Dekan R o e s ch e n erstattet. Die Verbandsrechnung für 1930 wurde von dem Verbandsrechner Pfarrer A n t h e s Ranch erschienen mir damals sogar etwas beschränkt — besonders die Ochsen —, aber so horn- dumm waren unsere Stiere doch nie, daß sie theatralische Cowboys und Cowgirls in Garibaldi-Hemden und knallroten Halstüchern ungestraft an sich vorbeigelassen hätten, wie wir das heute im Film zu sehen bekommen. Und man findet derlei Mummenschanz heute nicht nur im Film, sondern auch auf den sogenannten Dude- Ranches. Das sind großzügig angelegte Sport- und Kuranstalten im fernen Westen der USA., wo reitluftigen Kurgästen für teures Geld Gelegenheit geboten wird, mit abenteuerlichen Kleidern in bequemen Docksätteln sitzend, auf zahmen Pferden innerhalb weitgezogener Stacheldrahtumfriedungen sich Wildwestromantik vorzutäuschen." Rekord im Anzugmachen. Der australische Autorennfahrer Smith beteiligte sich vor einiger Zeit bei der Aufstellung eines neuen Rekords für die schnellste Anfertigung eines Anzugs. Das Scheren der Schafe und die Verwandlung der Wolle in Tuch nahm 1 Stunde 32 Minuten in Anspruch. Dann brachte Smith in feinem Kraftwagen den Stoff von der Tuchfabrik zu Mascot in 4X Minuten zu einer großen Schneiderfirma in Sydney, wobei er die Strecke von 6 Stilometer in 4! Minuten zurücklegte. 13 Minuten genügten für das Zuschneiden, Nähen und Bügeln des Anzugs, so daß der Rekord „vom Schaf zum Träger" sich auf genau 1 Stunde 52 Minuten 18! Sekunden belief. Der frühere Rekord, der vor kurzem in dem englischen Ort Huddersfield aufgestellt wurde, hatte 2 Stunden 9 Minuten 46 Sekunden betragen. Sochschulnackrichten. Der durch das Ableben von Prof. W. Sibelius an der Universität Berlin erledigte Lehrstuhl der englischen Philologie ist dem Ordinarius Dr. Walter Schirmer in Tübingen angeboten worden. Zum Nachsolaer von Prof. A. Ungnad auf dem Lehrstuhl der Asfyriologie an der Universität Breslau ist Prof. Dr. Hans Ehelolf von der Universität Berlin ausersehen. Amtlich wird die Ernennung des Ministerialdirektors i. e. R. Prof. Dr. Karl Rauch in Ober- Weimar zum ordentlichen Professor für Deutsches, Bürgerliches und Handelsrecht an der Universität Kiel bestätigt. Prof. Rauch übernimmt fein Kieler Lehramt Ostern 1932 als 'Nachfolger von Professor K. A. Eckardt. schilder anbringen zu lassen. I ö D und für ei Nachdruck verboten. 26. Sortierung. Heu des 1 stark nicht ging bieses Krahn e.D'.X-r von 2 ctccnm Platz sel.'chaMirl a Cpidöere l«0 (Cigc >.t 1 3ugenl FirrnDIchastsspi' cfjdsgt, da W b< träten müll ei ho'm und trägt 2 an solv.rrt die 1( wenn Menschen auseinandersehn Vornan von I. Schneider-Foerstl. vrheberrcchtsschutz 93 e r la g D. HR e l ft er, ©erbau. 2luf Killarnay blühten die Rhododendronhai« weih und fliederblau. Dazwischen mengten siü sattrote Kakteen, die wie slammende FeuerzungN vorn Grün des Rasens zum Himmel loderten. Rosmarie, seit QUonatcn Calderon- Gast, schoi dessen Fahrstuhl in die ßinbenallce, die ganz o»II schwerer Düfte war. Er sah sich nach ihr um. gewahrte, wiS sehr« süchtig ihre Augen dem Sonnenball folgten, dtt in lohenden Bränden den westlichen Himael überloderte, und streichelte da- schöne ^rau®* gesicht mit seinen Blicken: ..Heimweh nach kr Stepp«, Kind?" Sie neigte daS Gesicht herab und legte <1 gegen seine Wange. -Hast du die Zeitungen gelesen, Mary?" Ihre Hand bebte auf seiner Schulter. „CS |l doch so, wie ich immer aesagt habe. Kaum >• rückgekommen, plant er schon wieder neue Reilen. Wie da« geworden wäre, Onkel, wenn ich V- ihm geblieben sein würde? Ich käme mein flW zes Leben aus dem Weinen und Abschiedneho» nicht mehr heraus." „Bielleicht treibt ihn der Schmerz um tU wieder nach dem Horben." Sin ungläubiges Lächeln stand um ihre LipM* und lieh die schönen starken Zähne darunter aff' leuchten. „Er will nur noch berühmter werden, da- ist alles. Schmerz um mich ist es fickt nicht." „Kind, nun bist du wieder ungerecht." (Fortsetzung folgt) stehen. Mittlere Drohen wurden mit etwa 10 Mk, die besten Tiere mit 12 bis 14 Mark bezahlt Trotz der niedrigen Preise verblieb lleberftanb. Der Krämermarkt war zwar von Händlern sehe besucht, das Publikum sand sich allerbingi in der erhofften Anzahl ein. Das Gelchcht unter diesen Umständen sehr schlecht. ist Neuwahl erforderlich. Es wurde beschlossen, daß die Wahl des Bürgermeisters am Sonntag. 29. November, stattfinden soll. Die Entlohnung der von der Gemeinde beschäftigten Arbeiter soll nach dem Forstarbeitertarif erfolgen. Rabertshausen. 30. Oft. In dem hiesigen S ch u l h a u s wurde einnächtlicherEinbruch verübt. Die Schulgeige, zwei Paar Schuhe sowie ein Geldbetrag wurden entwendet. Die polizeilichen Ermittlungen vermochten noch nicht, den Täter ausfindig zu machen, der anscheinend gute Ortskenntnis besaß. Kreis Schotten. □ Laubach, 30. Olt. In der jüngsten Ge- meinderatssitzung wurde eine lOOprozentige Erhöhung der einfachen Bürger-, Bier- und Getränke st euerfähe abgelehnt. — Mittwoch nachmittag wurden aus einem unverschlossenen Auto eines Reisenden, als er sich in einem hiesigen Lebensmittelgeschäft aufhielt, ein Lederkoffer mit Inhalt, ein schwarzer Mantel, eine Geschäftsrnappe, sowie eine Reisedecke entwendet. Der Wert der gestohlenen Gegenstände wird auf 500 Mark geschäht. Don dem Täter fehlt jegliche Spur. Kreis Alsfeld. WSR. Alsfeld. 30. Olt. In Ermenrod brach nachts in dem Gehöft des Landwirts Hermann Scharch Feuet aus, das sich so rasch ausbreiten konnte, daß der Oberstock des Wohnhauses, die Scheune und die Stallungen, sowie der Oberstock eincS Aachbarhauses ein Raub der Der Geiger kam aber von der anderen Seite und neigte sich schon zwei Minuten später über Calderons verkrümmte Gestalt. Sich auf eine der weißen Bänke niederlassend, nahm er die vergilbten Greisenhände in seine lebensstarken, sah, daß die Sonne, die durch eine Lücke im Ast- toert spähte, die Augen Calderons belästigte und schob den Fahrstuhl eine Strecke weiter nach einer Stelle, die ganz in kühlem Schatten lag. „Ich danke dir!" Don den sonst so müden, graublauen Augen des Lords ging ein Glänzen aus. „Du mußt erlauben, daß ich dich duze, weil du doch mein Sohn werden willst. Mit zweiundsiebzig Jahren soll ich noch einen Erben haben!" „Mylord!" „Unterbrich mich jetzt nicht! Ich weiß, was ich sage. Söhne haben übrigens zu schweigen, wenn Däter reden, und zu gehorchen! Das setze ich als erste Bedingung!" „Mylord!" „Dis gegen Abend wird der Aotar hier sein. Ich heiße Charles Edward. Morgen ruft man dich ebenso: Charles Edward Calderon. Es hängt kein Stäubchen Unehre an diesem Damen." Horvath neigte sich herab und drückte den stammelnden Mund auf die zitternden Greisenhände. „Ich könnte auch ein Unwürdiger sein, Mylord." „Dein! Was Ley dir gesagt hat, stimmt nicht! Er hat dich belogen. Halte es seiner Treue zugute und schmäh ihn nicht deshalb. Ich bin so oft enttäuscht und betrogen worden im Leben. Dun hält er die Augen für mich offen, der Gute. Aber bei dir hätte es dieser Vorsicht nicht bedurft. Ich habe zwar nur dieses eine Auge, aber eS sieht mehr als zwei andere. Erzähle mir jetzt wieder von dir. Ich weiß noch so wenig." Und Horvath beichtete auch das letzte, was es zu sagen gab. Gegen Abend kam der Dotar Lindworth. Calderon schenke: „Dolljährig sind wir beide. Machen Sie's also rasch und gründlich." Als Horvath nach der Feder griff, zitterten feine Finger so stark, daß er sie wieder zur Seite legen mußte. Dann nahm er die Feder von neuem auS dem Behälter und unterschrieb das Dokument: CharleS Edward Calderon. Guido Horvath war endgültig aus der Reihe der Lebendigen gestrichen. „Laß dich- nicht gereuen, mein Lohn!" Die Worte seines Adoptivvaters rissen ihn hoch. Sr konnte weder dem Zittern der Lippen, noch dem Flimmern der Augen wehren, als der Lord ihn auf beide Wangen küßte. Calderon trug ein Leuchten im Gesicht. Horvath war fahl bis in die Lippen und zwang sich mit aller Kraft, feinen äußeren und inneren Menschen im Gleich- gewicht zu halten. Als der Dotar gegangen war. neigte er sich Flammen wurden. Den eifrigen Bemühungen btt Feuerwehren gelang eS dann, dem wütenden Wernen! Einhalt zu gebieten. Dem betroffenen Landwirt find auch die Futtervorräte mit verbrannt, bagegen konnte daS Dieh gerettet werden. Der Schaden ist groß. •!* Ruppertenrod. 30. Oft. Gestern wurde hier der Herbstmarkt abgehalten. Zum Schweinemarkt waren 229 Fackel aufgetr* ben. Die Preise lagen außerordentlich niedrig, Bereits für 7 Mark konnte man ein Ferkel et» h-------*•' VUl|l •ege mit den Mn iXOct-Wa ö» Itllen sein. 1 nicht Uid , 'M C r.ntag gegen W'ngn bemüh! »Scholen, ba W nicht sehr 3» Ans "u 5 C3 ®* ää £ «s '■£ S S « * « OS O J- Z Z I->- O •§ £ s « t> ca P-« ® m Schülerinnen- und Schüler-Turnfest, für das Ge- räte-Wettumen, den Gausporttag sowie für das Gau-Wettschwimmen werden die Versammlung beschäftigen. Außerdem ist die Neuwahl, bzw. die Wiederwahl des Gauvorstandes zu tätigen. Anträge der Gauvereine und des Gauvorstandes werden Erledigung zu finden haben. Zur Fortsetzung der Rachrunde stehen für den nächsten Sonntag folgende Spiele auf dem Programm: Gauklasse: Tv. Wieseck — Tv. Londorf I und Tv. Staufenberg — Tv. Ahbach. In beiden Spielen sollten jeweils die Gäste ein kleines Plus haben. Bcz rksklasse: Bezirk!: Tv.Waldgirmes 1 — Tv.WißmarI. Garbenheim — Kinzenbach und Erda — Rodheim. Bezirk!!: Tv. Londorf II — Tv. Lollar! und Allertshausen! — Tv. Allendorf II. Bezirk III: Tv.Hausen I — Tv. AlbachI und Burkhardsfelden l — Tv. Dauern I. I u g e n d g r u p p e: T?. Londorf — Tv. Kesselbach: Tv. Garbenheim — Tv. Rodheim: Tv. Garbenteich — Tv. Launsbach. Die Tabelle der Gauklasse: Tv. Londorf 5 gew.» 1 un., 0 Verl., 28:18,11:1 P., Tv. Allendorf 5 gew., 1 un., 0 Verl , 27:17,11:1 P., Tv. Ahbach 2 gew., 2 un., 2 Verl, 24:22, 6:6P., Tv.Garbenteich 2 gew., 1 un., 3vcrl., 35: 26. 5:7 P. Eine äleberraschung bereiteten in den bisherigen Spielen die Mannschaften von Allendorf und Garbenteich. Während Allendorf wieder stark im Kommen ist und zusammen mit Londorf ernsthafter Anwärter auf den Meistertitel ist, hat die Mannschaft von Garbenteich, durch Spielerausfälle usw., nachgelassen und wird kaum noch für eine Entscheidung in Betracht kommen. Den Zwi- schenplatz belegt hier Tv. Ahbach, der vorjährige Zweite des I. Bezirkes, dessen Mannschaft stark nach vorn gekommen ist. In den drei Bezirksgruppen ist die Lage noch ziemlich ungeklärt, da in allen drei Gruppen zwei bis drei Vereine Spitzengruppen gebildet haben. Erst die letzten Spiele dürften die Entscheidungen bringen. Sandball der Sp.-Dg. 1900. Zum letzten Verbandsspiel reist morgen 19008 erste Mannschaft zur Friedberger Turngemeinde, dem Spitzenreiter der Gruppe. Es besteht keine Veranlassung, anzunehmen, daß die Gießener Mannschaft den Friedberger Turnern ein Hindernis zur Meisterschaft sein wird. Die 1900er sind gezwungen, einige Umstellungen vorzunehmen, von denen man nicht ohne weiteres eine günstige Auswirkung annehmen kann. 1900s Jugend muh sich der Iugendmannschaft des Tv. Wehlar-Rieder- girmes stellen. Zwei-Stunden-Bahnlaufen. Wie wir bereits berichteten, führt die Spielvereinigung 1900 auf ihrem Sportplatz an der Liebigshöhe am morgigen Sonntag noch einmal eine leichtathletische Veranstaltung besonderer Art durch. Die Veranstaltung bringt nur eine Konkurrenz. Das erstemal gelangt in Gießen ein Zwei-Stunden-Dahnlauf zur Durchführung, der einiges Interesse für sich in Anspruch nehmen darf, da verschiedene Läufer von gutem Ruf antreten werden. Während die 1900er ihre zuverlässigen Läufer Gerhard und Schaaf in das Rennen stellen werden, ist auch der Marathonläufer 2 ä ck e l von Saarbrücken am Start. Außerdem ist Siegel vom Postsportverein Frankfurt, der Veste im Main-Dezirk, und der zweite Sieger im Süddeutschen 25-Kilometer Lauf am Start zu erwarten. Verhandlungen schweben außerdem noch mit dem Divisionsmeister im Marathonlauf Herrmann von Kassel. Während des Laufes werden die Zuschauer mit den Laufzeiten über 3, 5, 10, 20 und 30 Kilometer bekannt gemacht. Das Zwei-Stunden-Bahnlaufen hat in Deutschland erst seit kurzer Zeit Eingang gefunden. In England wird es schon länger gepflegt. Den Weltrekord hält auch ein Engländer namens Green, der in zwei Stunden 33,056 Kilometer lief. Dieser Rekord wurde im Jahre 1913 ausgestellt. Der deutsche Rekordinhaber ist G e i ß l e r vom SC. Charlottenburg, mit 32,319 Kilometer. Geißler lief diesen Rekord im September des vorigen Jahres. Erwähnenswert ist, dah I ä ck e l, der am Sonntag laufen wird, bei dem in dieser Woche und versitätssportplah die gleiche des Turn »in öiefem Herbst unk Spielvereinigung 1900 Gießen. Ergebnis Brennstoffverbrauch-Wettbewerbs des 7372 V aBlÄäkrahn & Comp., Gießen, Marburger Straße 7, Tel. 3039, autorisierter Fordhändler UMU-MW großes Ladenlokal V QbJ3C 1900 einer nach Liga ningäloS versagt, wie es in Fulda am vergange- trn; Sonntag der Fall war). Auf diese Weise läßt Baureife, unbebaute Grundstücke am Wartweg und^eih- gesterner Weg gelegen, zu günstigenZahlungsbedingun- gen in größeren oder kleineren Parzellen aus Nachlaß zu verkaufen. Schriftliche Angebote stnd zu richten unter 2319D a. d. Geschäftsst. d. Gieß.Anz. 1900 (Liga) — VfR. Buhbach (Liga). $>ie Ligamannschaft der Spielvereinigung fL<)l am morgigen Sonntag abermals vor iiDeren Aufgabe. Die Mannschaft muh llutzbach zum Verbandsspiel und tritt der i n bester Lage der Stadtmitte. Erwünscht breite Schau- s msterfront oder Umbaumöglichkeit auf Einheits- »lsstattung unserer Verkaufsbetriebe. Eilangebote nrit genauen Angaben über Naumgröhe, auch für vorhandene Nebenräume, und über die Lage unter „Köln 06336" an den Giehener Anzeiger. Deutschland wird bei den III. Olympischen Winterspielen in Lake Placid auch mit einer Eishockey-Mannschaft, die sich voraussichtlich aus den Berlinern Iaenecke, Lincke, Ball, Romer, Korff und Orbanowski, sowie aus den bayerischen Spielern Strobel, Schröttle, von Bethmann-Hollweg und Leinweber zusammen- sehen wird, vertreten sein. Wertpapier- Drucke Aktien, Schuldverschreibungen bei BrQhl.SChUlStr.T Wertpapiere Der Dau der hiesig« ist durch dieGemeM !r eingegangenen 2Inc; e Handwerksme: i Die Maurerarbeit ibertragen unter derÄ zehn erwerbslose Maur- iilen« oder Dohlfchö wcrden. Die Zimms udloig Deller üta isetzung der gemeinjarr Sportverein Butzbach zum fälligen Verbandsspiel. Die Gäste verfügen über eine beachtliche Spielstärke, die aber trotzdem kaum ausreichen dürfte, die 1846er in kompletter Aufstellung zu schlagen. Die augenblicklich glänzende Form, in der sich die Hiesigen befinden, befähigt sie zu einem glatten Siege, vorausgesetzt, dah jeder seinen Mann stellt. Besonders die Hintermannschaft muß sehr auf der Hut sein, da der Gästesturm sehr gefährlich ist. Vor diesem Spiel tragen die 2. Mannschaften der Spv. 1900 und des Tv. v. 1846 ein Freundschaftstreffen aus. 1900 dürfte hier etwas im Vorteil sein, da es durch die Verbandsspiele mehr Spielerfahrung besitzt. Handball im Lahn Oünsberg-Gau. 24. Gauturntag. Am kommenden Sonntag findet in Lollar der diesjährige ordentliche Gauturntag statt. Eine umfangreiche wichtige Tagesordnung liegt vor. Unter anderem dürften die Berichterstattung des Vorsitzenden, der Turn- Sport-, Spiel- und Frauenturnwarte besonderes Interesse finden. Die Wahl der Orte für das Gauturnfest, für das ta dortigen VfR. gegenüber. Die 1. Mannschaft VfR. Butzbach ist auf eigenem Platze um so g?8hrlicher, als ein Publikum hinter den Spie- Irm steht, das seine Mannschaft siegen sehen üC und für einen Sieg die psychologischen Vor- ac8 Atzungen schafft. Der Gegner des morgigen ^mittags dürfte außerdem hinsichtlich der Spiel- cntcge mit den Wetzlarern, die am Sonntag auf tat: 1900er-Plah zu Gast waren, auf eine Stufe ffiellen sein. Da die Butzbacher auch ein' reich- ltz körperliches Spiel pflegen, werden es die 1530er nicht leichter haben als gegen den jüngsten Qcgjicr. VfR. Butzbach verlor am vergangenen Zmittag gegen Wallau und wird nun um so Daten für Samstag, 31. Oktober. Sonnenaufgang 7.15 Uhr, Sonnenuntergang 17.01 Uhr. — Mondaufgang 19.42 älhr, Monduntergang 12.47 Uhr. 1517: Luther schlägt seine 95 Thesen gegen den Ablaßhandel an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg an; — 1731: Vertreibung der evangelischen Salzburger: — 1835: der Chemiker Adolf v. Vaeyer in Berlin geboren. (Schluh des redaktionellen Teils.) Das hat noch einmal gut gegangen! — wie oft hört man das, wenn auf zu glatt gebohnertem Fußboden oder Treppe ausgerutscht ist. Sehr oft geht es auch nicht gut. — Mancher Arm-, Bein- und Beckenbruch oder sonst eine Verletzung ist durch Ausrutschen schon vorgekommen. Warum dieser Gefahr nicht von vornherein aus dem Wege gehen und mit „Perwachs" bohnern, denn „Perwachs" macht tatsächlich nicht glatt. Auf Wunsch erhalten Sie von den Thompson-Werken G. m. b. H., Düsseldorf, gerne kostenlos eine Probedose. 6495 V Zur Bekämpfung derErwerbslosig- k e i t hat die Deutsche Turnerschaft ihren Kreisen 20 000 Mark zur Verfügung gestellt, die zur Durchführung von Freizeiten für erwerbslose Mitglieder unter gleichzeitiger Einrichtung eines freiwilligen Arbeitsdienstes verwandt werden sollen. 31. Oft 3n bet .Ho'z Klein-Linden hatte A rörigen Dreiirrbude er M.'ch" ewfid)ld er in die umliegende stelle, verbrachte er dii lgebiich weil er die Sin- mberling ein feftfltW Wie, wurde ethnj >altung zu Groh-De?'> und in daS AmM.: Amtsgericht Wetzlar. Q Wetzlar, 30.Oft, Ein junger Bursche aus Krofdorf hatte mehrere Diebstähle begangen und sich deshalb vor dem Richter zu verantworten. Der wegen Fahrraddiebstahls schon zu einer Freiheitsstrafe verurteilte Angeklagte hatte auch in diesem Falle ein Fahrrad entwendet. Er fuhr mit dem Rade nach Okarben und brachte es dort an den Mann. Den Erlös von 20 Mark verjubelte er. Weiter hatte er noch eine Herrenuhr entwendet, die aber dem Bestohlenen zurückgegeben werden konnte. Der Angeklagte war in vollem Umfange geständig. Er wurde zu einer G e f ä n g - nisstrafe von drei Monaten verurteilt. Ein Zimmermeister aus Lützellinden und sein Vater waren beschuldigt, das Arbeitsamt um 220 Mark zu Unrecht erhaltener Arbeitslosenunterstützung geschädigt zu haben, und sie waren daher wegen Betrugs angeklagt. Der Sohn war Arbeitgeber seines Vaters. In zwei Fällen stellte er seinem Vater Arbeitsbescheinigungen aus, auf Grund deren er Arbeitslosenunterstützung erhielt. Bei der Prüfung der Lohnbücher durch das Arbeitsamt ergab sich dann, daß die Bescheinigungen nicht den Eintragungen in den Lohnbüchern entsprachen und der ältere Angeklagte überhaupt noch keine Anwartschaft auf Auszahlung der Unterstützung hatte. Beide Beklagte bestritten jegliche strafbare Handlung. Das Gericht war jedoch gegenteiliger Meinung und erkannte gegen beide auf j e 7 5 MarkGeld strafe, hilfsweise je 15 Tage Gefängnis. Men und trägt gegen die dortige 1. Jugend ein 2plomspiel aus. Ebenfalls ein Diplomspiel ab- |i'.i> iert die 1. Schülermannschaft gegen die ersten C^iiter von Wieseck. Die 3. Schüler haben auf , - , ä « ■ « ti,jenem Platz die Schüler von Bieber im Ge- bil ®er !- zum Segnet. dem noch hinter der Spielvereinigung. Das alles bedeutet, daß die 1900er mit erhöhtem Siegeswillen, mit allem Eifer und mit aller Zähigkeit in den Kampf gehen müssen und dabei das Schießen nicht vergessen dürfen. Vor allem bedarf es einiger Exaktheit im Torschuß, damit nicht jede Chance, die sich bietet, dadurch ausgelassen wird, indem der Ball gegen, über und neben die Latten gekickt wird. Der Sturm, in der Aufstellung der letzten beiden Spieltage, müßte imstande sein, mehr Tore zu machen, als es bisher geschah, denn die technischen Voraussetzungen sind gegeben. Eine fähige Läuferreihe steht den Stürmern zur Verfügung, die Verteidigung und der Schlußmann lassen auch nichts zu wünschen übrig. Was will man mehr? In diesemSpiel wird man allerdings Glitsch schmerzlich vermissen. Er wird voraussichtlich durch Müller erseht. Der Ausgang des Kampfes ist offen. Ein Unentschieden sollten die Gießener unbedingt halten können. Ein knapper Sieg liegt durchaus im Bereich des Möglichen. durchgeführten Kaschauer Marathonlauf als bester Deutscher auf dem 6. Platz landete. Er dürfte mithin ein gefährlicher Gegner für Gerhardt sein. — Eine Vorhersage über den Ausgang dieses Rennens ist aber kaum zu geben, da die Tageskondition der Läufer eine maßgebende Rolle spielt. Immerhin hat Gerhardt Siegesaussichten. Auf das Abschneiden von Schaaf darf man ebenfalls gespannt sein. Ob Peters läuft, ist noch nicht sicher. Kurze Sportnotizen. In der ausgezeichneten Zeit von 2:33,19 Stunden getoann der Argentinier Zabala den über 42 Kilometer führenden Katschauer Marathonlauf. Als bester deutscher Teilnehmer belegte Jäckel (Saarbrücken) in 3:03,40 Min. den 6. Platz. -i Kops auf dem eto Ist sie zu deiner fi m ein hohles Dein. den, lie ch meines W W Jugendspiele. Die 1. Jugend seht am Sonntag ihre Pflichtspiele fort und erwartet als Gegner die 1. Jugend vorn VfR. Butzbach. 1900 wird gegen den schnellen, kräftigeren Gegner keinen leichten Stand haben. Die 2. Jugend trägt in Marburg gegen die 2. Jugend des VfB. Kurhessen ein Gesellschaftsspiel aus. Da die Spielstärke des Gegners hier unbekannt ist, darf 1900 dies Treffen nicht zu leicht nehmen. Die 3. Jugend mißt ihre Kräfte im Pflichtspiel mit der 2. Jugend vom SV. Wetzlar und hat wenig Aussicht auf Erfolg. Trotzdem ist aber das Spiel noch nicht verloren, wenn die Elf alles aus sich herausgibt. Die 1. Schüler sind spielfrei. Die 2. Schüler müssen nach Wetzlar zu den 2. Schülern vom SV. Wetzlar und werden als Sieger erwartet. Fußballklub 1926 Großen-Buseck. Die 1. Mannschaft des FC. Großen-Buseck steht auf eigenem Platz am Sonntag der 1. Mannschaft der Spielvereinigung Leihgestern gegenüber. Die Gegner stellen eine gefährliche Mannschaft, fo dah die Einheimischen sehr auf der Hut sein müssen, wenn sie nicht eine Riederlage hinnehmen wollen. Die 2. Mannschaft hat die 5. Mannschaft von 1900 Gießen zum Gegner. Die Schüler spielen gegen die 2. Schüler des Tv. Wieseck. Sportverein 1928 Garbenteich. Die 1. Jugend des Sportvereins Garbenteich tritt am Sonntag gegen die 1. Jugend der Spielvereinigung Leihgestern an. Die Gastmannschaft ist Tabellenführer. Die Jugendlichen Garbenteichs werden alles daran sehen müssen, wenn sie ein ehrenvolles Resultat erzielen wollen. Handball im Gau Hessen (O.T.) Die 1. Mannschaft des Tv. 1846 Gießen empfängt am kommenden Sonntag auf dem Uni* ttrüallen. Das sollte aber kein Grund sein, des- hillb nachlässiger zu spielen. Schließlich hat eine 7«imschaft an Ruf zu verlieren. Auf das Spiel ta Sonntags darf man gespannt sein, denn es tit d eine endgültige Entscheidung über die Ein- : fcettjung der Mannschaft im Urteil des Publikums tanzen. Der Kampf ist offen. Eine Vorhersage ibei den Ausgang des Spieles ist unter den ge- (Ebenen Umständen ganz unmöglich. Leiter des kpicles ist Spurk (Butzbach). Die Ligareserve hätte eigentlich gegen Ehrings- jiiilen anzutreten, da aber Ehringshausen straf- taperrt ist, findet das Spiel nicht statt. Die taben Punkte fallen den VfD.ern kampflos zu. Jie 3. Mannschaft steht im Verbandsspiel der lWannschaft von Wieseck gegenüber. Der Aus- jmg des Kampfes ist nicht vorherzusagen. Die (Mannschaft bestreitet auf eigenem Platze ein kesiq Gäste stehen an letzter, die VfDer an zweit- ter Stelle der Tabelle. Man könnte also ver- ru ten, daß nach der Papierform einigermaßen (.Hchwertige Gegner einander begegnen, die sich riter Umftän&en sogar ein spannendes Spiel lie- r» könnten. Die Aussichten sind dafür allerdings dgt sehr günstig, wenn man das letzte Aufelen der VfBer in Fulda in Betracht ziehen will iB weiß, dah die Grünweißen dort effektiv Hts gezeigt haben. Dies erscheint allerdings um verwunderlicher, als die VfDer doch in den ■Vielen auf dem eigenen Platz noch vor einigen Hachen sehr ansprechende Partien lieferten. Es i nur an die Kämpfe gegen SC. 03 Kassel er- rurt (2:1 für Kassel), gegen Germania Marburg nb verschiedene andere, in denen die VfDer sich ttjachlich manchmal als die technisch Besseren er- tiden und nur immer im Sturm und da eigent- ch. nur im Torschuß versagten. Cs bedeutet aller- :n zs für eine Mannschaft ein schweres Manko, virn sie nur auf eigenem Platze gute Spiele zu cf em vermag und auf auswärtigen Plätzen, vor cmdem Publikum versagt (dazu noch so hoff- i dem in ca. 60 größeren Städten Deutschlands durchgeführten Ford - Brennstoffverbrauchs -Wettbewerb, an dem nahezu 1000 Fordwagen jeden Alters teilnahmen, betrug der durchschnittliche Verbrauch für den 8/28 PS FORD nur 7-9 Ltr. auf 100 km 13/40 PS FORD nur 8—10 Ltr. auf 100 km Adolf Hitler spricht in der Volkshalle am 9. November, abends 8 Uhr National-Sozialistische Deutsche Arbeiter-Partei • Kreis'eitung Gießen C6362 Redner PerWadu wird sofort noch dem JeMnationale Lolkspartei, Ortsgruppe Gießen (Llektrische Straßenbahn zu allen Zügen! 7332 D Sonntag, den 1. November, abends 8 llhr: Parteiführer Statt Kanten Eintritt 30 Pfennig 7223 D Deutsche Volkspartei, Ortsgr. Gießen Vermahlte Dammstrafie 24. Christlich-Sozialer Volksdienst 06363 Landesverband Hessen 06386 Eintritt frei! Verlobte 7269 D Reine Vertrauenssache Herren-Msätze 1,— Tarn.-Absätze 0,70 7J52C Llnaben-Sohlen Sparen Sie! Die 06403 Engi. Sprachkurse Asbest- Für Anfilnger 7.15 Uhr, für Fortgeschritt. riatlen Jir ?•4 und ....... ix mm n* adnr n in Günstige Bedingungen! 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Auftragsmangel oder völliger Auftragsschwund, schwere Lasten steuerlicher, sozialer oder sonstiger Art, mancherlei Schwierigkeiten und Verdruß aus dem Hausund Grundbesitz und ähnliche Dinge machen den Angehörigen des Handwerks den Existenzkampf schwer. Dazu kommen ferner die Konkurrenz von Großbetrieben mit starker Kapitalkraft und wenig erfreuliche Aussichten auf den voraussichtlichen Gang der wirtschaftlichen Entwicklung in der nächsten Zukunst. Unter all diesen Umständen ist es natürlich, daß auch die Handwerksmeister angesichts der vielen Widrigkeiten des Alltags Nerven" bekommen, die bei gewissen Gelegenheiten sehr empfindlich reagieren. In dieser Zeit der allgemeinen Krise mit ihren vielfachen Lasten hat das hessische Handwerk zur Zeit noch eine besondere Schwierigkeit zu überwinden, die für die Gesamtheit des Handwerksstandes von erheblicher Bedeutung ist. Es handelt sich um die Beseitigung der Mißstimmung, die auf dem jüngsten Ver- bandstag des Landesverbandes des hessischen Handwerks und Gewerbes in Bensheim, sowie in der oberhessischen Handwerkerversammlung am vorigen Montag in Gießen — wir berichteten darüber in unserer Nummer 252 vom 28. Oktober — der Oesfentlichkeit bekannt wurde. Diese Mißstimmung hat, wie man in der Gießener Versammlung feststellen konnte, einen doppelten Grund: einmal ist es die ungeheuer schwere Last, die wir in der Einleitung dieses Artikels kennzeichneten und deren Abwehr nach der Meinung mancher Angehörigen des Handwerks von den Verwaltungsstellen der Handwerkskammer nicht mit der nötigen Energie erfolgt sein soll, zum anderen ist es die Krise der Darmstädter Dolks- bank und die dadurch umstrittene Person des Aufsichtsratsvorsihenden der Dolksbank und Handwerkskammerpräsidenten. Wer als handwerksfreundlicher Beobachter die Zeitereignisse im Handwerk verfolgt, wird sagen müssen, daß Vorwürfe wegen ungenügender Vertretung der Handwerksinteressen durch das Bureau der Handwerkskammer und des Landesverbandes nicht berechtigt sind. Nicht nur auf den Handwerkertagungen, sondern auch in oer Arbeit des Alltags ist nach unserer Kenntnis der Dinge bisher von den Handwerkervertretungen in Hessen so rege gearbeitet und in so vielfältiger Weise für die Bedürfnisse des Handwerks gesorgt worden, dah die Angehörigen des Handwerks in anderen Gegenden des Reiches sich glücklich schätzen würden, wenn sie für ihren Bezirk die gleiche Feststellung machen könnten. Mit R»cht und im Sinne des gesamten Handwerks hat denn auch auf der Gießener Handwerkertagung der Bäckerobermeister .L o e b e r, Gießen, dem Handwerkskammerdirektor Schüttler die Versicherung gegeben, dsß KU ihm und dem Deamtenkörper der Handwerkskammer volles Vertrauen des Handwerks besteht. Weiter wurde besonders hervorgehoben, daß das Handwerk in der Person des Ministerialrats Hechler einen Freund und Förderer im Ministerium besitzt, dem — wir verraten damit kein Geheimnis — die Vertretung der hessischen Handwerksinteressen in den Ministerien nicht immer leicht gemacht worden ist. Bei dieser Sachlage ist es für den unparteiischen Beobachter schwer, eine gewisse Mißstimmung über die Handwerkskammerbeiträge wegen dieser Leistung an sich zu verstehen: ob es möglich sein wird, eine Senkung dieser Beiträge vorzunehmen, kann von Außenstehenden nicht beurteilt werden, grundsätzlich muß aber jeder Handwerksmeister sich vor Augen halten, dah seine gesetzliche Vertretung für die Arbeit zu seinem Besten Geldmittel braucht, deren Einsatz auch ihm in irgendeiner Weise Vorteil bringt. Die Entscheidung über eine Revision der Deitragshöhe, bei der die Durchschlagskraft der Arbeit der Kammer nicht beeinträchtigt werden darf, wird Aufgabe der berufenen Vertretung der Mitglieder der Handwerkskammer sein, kann aber nicht durch mißmutige Meinungsäußerungen bei dieser oder jener Gelegenheit nutzbringend behandelt werden. Jedenfalls wird das hessische Handwerk auch wegen der Kammerbeiträge an sich keinen Anlah haben, mit seiner gesetzlichen Vertretung unzufrieden zu fein. Man kann daher den Wunsch der Kammer und aller handwerksfreundlichen Kreise nach streng sachlicher Arbeit auch auf den Tagungen vor dem Forum der Oesfentlichkeit als berechtigt unterstreichen, wobei natürlich nicht gesagt sein soll, dah durch einen solchen Wunsch das Recht der freien Meinungsäußerung, auch wenn sie einmal . temperamentvoll ausfällt, behindert werden darf. Durch geordneten und fachlichen Arbeitsverlauf auf solchen Tagungen wird dem Handwerk ein guter Dienst geleistet werden. Die Mihstimmung gegen den derzeitigen Handwerkskammerpräsidenten darf gleichfalls nicht dazu führen, der Handwerkssache selb st Abbruch zu tun. Wir können verstehen, dah sich in Handwerkskreisen der auch auf der Giehener Tagung klar zum Ausdruck gebrachte Wunsch regt, nach den Darmstädter Ereignissen eine andere Persönlichkeit als Vorsitzenden an der Spitze der Handwerkskammer zu sehen. Ein solcherPosten ist eben nicht nur dazu geschaffen, die handwerklichen Gedankengänge bei dem Geschehen der Zeit möglichst tiefgreifend zur Geltung zu bringen, sondern er hat auch der Ausgabe der handwerklichen Repräsentation zu dienen und damit dem Ansehen des Handwerks sörderlich zu fein. Wenn die Giehener Tagung, wie ein Reoner zum Ausdruck brachte, nach dieser Richtung hin die Wirkung eines reinigenden Gewitters hat, kann das Handwerk zufrieden sein. Völlig abwegig wäre es, wenn man die Gegenwart der Presse als Vertreter der Oesfentlichkeit auf der Giehener Tagung als einen Schaden für das Handwerk ansehen wollte. 3m Gegenteil konnte man in dieser Versammlung als neutraler Beobachter die Feststellung machen, dah unser hessisches Handwerk durchaus gesunde Grundsätze vertritt und diese in gebührender Weise beachtet wissen will. Dieser Standpunkt ist für das Handwerk und seine Wortführer nur von Vorteil und in jeder Weise ehrenhaft. Und noch ein weiteres war als bemerkenswertes Ergebnis der Giehener Tagung zu verbuchen, nämlich die Forderung, bei den Arbeitsvergebungen — bei denen natürlich der Handwerkskammerpräsident ebenso wenig ausgeschaltet oder ungerecht behandelt werden darf, wie irgendein Innungsvorstand oder Innungsmeister — die Gesetze der Kollegialität in gebührender Weise zu beachten und dabei, wie Obermeister ßoeber (Giehen) nachdrücklich hervorhob, sich immer bewuht zu sein, dah an jedem Platze der Handwerksmeister leben will und ein Recht auf (^istenz hat, das ihm nicht in sachlich nicht vertretbarer Weise beeinträchtigt werden darf. Die starke Zustimmung, die von der Versammlung dieser Forderung zuteil wurde, brachte zum Ausdruck, dah das Handwerk in seiner Gesamtheit zu diesem Grundsatz steht und dah es sich von dessen Anwendung die Möglichkeit verspricht, auch über die gegenwärtige Krisenzeit in möglichst erträglicher Weise zu einer günstigeren Schaffensperiode hinüber zu kommen. Das hessische Handwerk ist trotz aller Not der Zeit in seiner Hundwerksmoral durchaus gesund. Es hat den Willen, im Rahmen der Handwerksgesamtheit alle Kräfte einzusehen zu seinem Vorteil und zum Besten der ganzen Bevölkerung. Und es ist bereit, allen denen Vertrauen entgegenzubringen, die für es eintreten und mit dem Kampf für die Schaffung besserer Existenzbedingungen des Handwerks auch den Kampf für eine gedeihliche Aufbauarbeit zum Nutzen des ganzen Volkes führen. Aber es fordert auch — und mit Recht —, dah sein Vertrauen und fein Wille zu positiver Arbeit in der erforderlichen Weise gewürdigt und erwidert werden. Und auch darin wird es die Zustimmung aller derer finden, die in der Erhaltung und Förderung eines gesunden handwerklichenMit- t e l st a n d e s eine der besten Möglichkeiten zur Wiederaufrichtung unserer Wirtschaft und unseres Volkes sehen. nachher einen Brief über den Verlauf seines Traumes an seinen Bruder, Iesuitenpater Eduard L ä - nhi, ab, dem er ebenfalls eine Skizze beilegte über die Gasse, über das Auto, die Volksmenge und den Mörder im Augenblicke, wie er auf das Auto sprang und die tödlichen Schüsse abfeuerte. Diese Zeichnung stimmte mit den photographischen Aufnahmen, die von der Presse nach einigen Tagen gebracht wurden, vollkommen überein... Man kann über das Traumgesicht des Verstorbenen denken, wie man will. Tatsache ist, dah ec die Ermordung des Thronfolgers vorausgesehen hat: das bestätigen seine vor dem Meuchelmord skizzierten und von Zeugen beglaubigten Aufzeichnungen. Landfriedensbruch-prozeß in Rodheim Das Urteil. * Rodheim, 31. Oft. Der Landfriedens- bruch-Prozeß, der aus Ersparnisgründen am Ort der Tätlichkeiten stattfand, ist gestern beendet worden, lieber den Beginn des Prozesses berichteten wir bereits in der Dienstag-Nummer. Gestern abend erging zu später Stunde nach mehrtägiger Verhandlung das Urteil. Von den elf Angeklagten die sämtlich dem Reichsbanner angehören, wurden vier freigesprochen, die übrigen Angeklagten wurden zu Gefängnis verurteilt, erhielten jedoch sämtlich Bewährungsfrist. Der Former Sj. P. (RodbeimV der Ziegeleiarbeiter O. W. P. (Rodheim) und oer Zementarbeiter W. M. (Rodheim) wurden zu je sechs Monaten Gefängnis bei dreijähriger Bewährungsfrist verurteilt. Der jugendliche Angeklagte Schlosser W. A. (Gießen) erhielt einen Monat Gefängnis bei fünfjähriger Bewährungsfrist. Die Angeklagten Arbeiter K. A. (Rodheim), Hüttenarbeiter K. B. II. (Rodheim) und Fuhrmann W. B. (Rodheim) wurden mit Gefängnisstrafen von je drei Monaten bestraft, dreijährige Bewährungsfrist wurde auch ihnen zuerkannt. Die Kraftwagenführer W. B.. W. R. und der Arbeiter A. K., sämtlich aus Gießen, wurden freigesprochen. Die Angeklagten haben die Kosten des Verfahrens zu tragen. Hilfsverein für die Geisteskranken in Hessen. Der Vorstand des Hilfsvereins für d ie Geisteskranken in Hessen hat seinen Bericht über die Tätigkeit in der Zeit vom 1. April 1930 bis 31. März 1931 erstattet. Der Verein hat sich bei seinem Wirken nicht allein auf die materielle Unter ft ütjung der Geisteskranken und ihrer Familien beschränkt, sondern er hat sich auch der psychiatrischen Aufklärungsarbeit gewidmet und auf diesem Gebiete mit Erfolg gearbeitet. Diese Aufklärungsarbeit wurde besonders im Zusammenhang mit der hessischen Wanderausstellung für Gesundheitspflege und soziale Fürsorge, die demnächst auch in Oberhessen gezeigt wird, durchgeführt. Der Verein hat die Zusammenarbeit mit dem Verband Deutscher Hilfsvereine für Geisteskranke gepflegt und sich an der Dresdner Hhgieneausstellung beteiligt. Vorträge usw. haben Aufklärung über Geisteskrankheiten und Anstalten für Geisteskranke in breitere Kreise der Bevölkerung getragen. Der Bericht bringt neben den Ausführungen über die allgemeine Tätigkeit des Vereins auch eine Aebersicht über die Beiträge der Provinzen und Kreise im Rechnungsjahr 1930. Die Gesamt-Einnahme beträgt 53 595,42 Mk., die Gesamtausgabe beziffert sich auf 52 366,61 Mk., so daß ein barer Aeberschuh von 4 228,81 Mk. zu verzeichnen ist. An S p e n d e n gingen u. a. aus Oberhessen von 18 324 privaten Gebern 6482 Mk. und von 50 öffentlichen Kassen 504 Wk. ein. In Rheinhessen wurden von 5311 Gebern 2499 Mk. und von 29 Kassen 431 Mk., in Starkenburg von 14677 Gebern 7422 Mk., und von 76 Kassen 931 Mk. aufgebracht. An der Gesamtsumme aus Oberhessen sind die einzelnen Kreise mit folgenden Beträgen beteiligt: Kreis Gießen: 5678 Geber mit 2034 Mk. (12 Kassen = 154 Mk.): Kreis Alsfeld: 2298 Geber mit 725 Mk. (1 Kasse = 30 Mk.): Kreis Büdingen: 2971 Geber mit 942 Mk. (8 Kassen = 80 Mk.): Kreis Friedberg: 3625 Geber mit 1594 Mk. (17 Kassen = 164 Mk.): Kreis Lauterbach: 1895 Geber mit 675 Mk. (2 Kassen — 7 Mk.); Kreis Schotten: 1857 Geber mit 510 Mk. (10 Kassen = 69 Mk.). Reben diesen Beträgen gingen dem Verein auch einige Mittel aus Pflegegeldbeiträgen, Stiftungen usw. zu. Ein historisches Traumgesicht. Einer, der den Mord von Serajewo vorhersah. Von Walter König, Budapest. Dieser Tage ist der Titularbischof Dr. Josef L ä n y i nach kurzer Krankheit gestorben. Der Verstorbene war vom Jahre 1900 bis 1906 ungarischer Sprachlehrer des in Serajewo ermordeten Thronfolgers Franz Ferdinand, von dem er wegen seines mannhaften Charakters wie auch wegen seines heilig-mäßigen Lebenswandels aufrichtig geliebt und geschäht wurde. Der Name des Verstorbenen war nach Ausbruch des Krieges in der ausländischen Presse, insbesondere aber in philosophischen Zeitschriften oft zu lesen. Er hätte nämlich in der Nacht vor der Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand ein Traumgesicht, in dem er diese bis in die kleinsten Einzelheiten genau Dor- ausgesehen hat. Die philosophischen Zeitschriften des Auslandes haben sich mit diesem Traumgesichte des Verstorbenen seinerzeit eingehend befaßt. Als die ungarische Presse unlängst wieder einmal über den Traum des Verstorbenen schrieb, bat ich ihn bei meinem nächsten Besuch, mir hierüber den wahren Tatbestand bekanntzugeben. Bischof Dr. Josef Länhi schilderte mir sein Traumgesicht, wie nachstehend folgt, Wort für Wort: „Am 28. Juli 1914 erwachte ich in der Früh um halb vier Ahr aus einem schweren Traume. Ich träumte, daß ich frühmorgens an meinen Schreibtisch ging, um die eingelaufene Post durchzusehen. Oben auf der eingelangten Post war ein Brief mit schwarzen Rändern, schwarzem Siegel und den Wappen des Erzherzogs Franz Ferdinand. Auf den ersten Blick erkannte ich die Schrift des Thronfolgers. Erregt öffnete ich den Brief und erblickte am Kopf des Briefpapiers in himmelblauer Farbe ein Bild wie auf Ansichtskarten, auf dem eine Straße und eine enge Gasse dargestellt war. Der Thronfolger sah mit seiner Gattin in einem Automobil. Ihnen gegenüber sah ein General und neben dem Chauffeur ein Offizier. Auf beiden Seiten der Straße stand eine große Menschenmenge. Plötzlich sprangen aus der Menge zwei Burschen hervor und gaben auf die Hoheiten einige Schüsse ab. Sodann folgte der Text des Briefes, der folgendermaßen lautete: Eure Bischöfliche Gnaden! Lieber Doktor Länhi! Ich teile Ihnen mit, daß ich heute mit meiner Frau in Serajewo alsOpsereinespoliti- schen Meuchelmordes falle. Wir emp- pfehlen uns Ihren frommen Gebeten und heiligen Meßopfern und bitten Sie, unseren armen Kindern auch fernerhin in Liebe und Treue so ergeben zu bleiben, wie bisher. Herzlich grüßt Sie Ihr Erzherzog Franz. Serajewo, 28. Juni 1914 um halb vier Ahr morgens. Zitternd und voll Tränen in den Augen sprang ich aus dem Bett und sah auf die Ahr, die gerade halb vier zeigte. Sodann eilte ich sofort zum Schreibtisch und schrieb pünktlich nieder, was ich im Traum gesehen und gelesen habe. Beim Niederschreiben behielt ich sogar die Form einiger Buchstaben, wie sie vom Erzherzog niedergeschrieben waren, bei. Mein Diener trat am selben Morgen um drei Viertel sechs Ahr in mein Arbeitszimmer ein und sah mich blaß dasihen, wie ich den Rosenkranz betete. Er fragte mich, ob ich krank fei. Ich erwiderte ihm: Ru^en Sie gleich meine Mutter und den Gast, denn ich will die heilige Messe für die Hoheiten lesen. Ich hatte nämlich über sie einen schweren Traum. Meine Mutter kam mit dem Gast um 6.45 Ahr herbei und ich erzählte ihnen und den neugierigen Dienern meinen Traum. Dann begaben wir uns in die Hauskapelle, wo ich für die Hoheiten die heilige Messe zelebrierte. Der ganze Tag verging in Angst und Dangen, bis mir ein Telegramm aus Wien die schreckliche Bestätigung brachte, daß die Hoheiten in Serajewo ermordet wurden." Des weiteren erzählte der Bischof, dah er nach Erwachen aus seinem Traume, dessen schriftlicher Niederlegung auch eine Skizze über das Bild und über d i e Ermordung, wie er sie gesehen hat, entworfen und beigelegt hätte. 3m Laufe des Vormittags lieh er seine Aufzeichnungen durch zwei Zeugen unterfertigen und faßte wo man Henkels Aufwasch-, Spül- und Reinigungsmittel für Haus- und Küchengerät. Hergestellt in den Persilwerken. ®ist nicht zu äußerst sparsam, wenn es richtig raucht wird! 1 Eßlöffel auf 10 Liter (1 Eimer) heißes Wasser kostet gut 1 Pfennig — damit reinigen Sie Ihr ganzes Mittagsgeschirr, alleTöpfeund Pfannen I Sauberkeit macht Freude, besonders wenn sie mit schnell und mühelos erreich wird. Erproben Sie — einen so guten Helfer finden Sie sobald nicht wieder. 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Oer | blieb hüt lar bSu" auf 2Ä 6 e£V ^4 S* L#h!"4 A Ueb^Q Nr. 255 viertes Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 3L Oktober Ml Buntes Allerlei. Die dicksten Männer. Der schwerste Mann Deutschlands, Robert Ruggr?.-ors. der kürzlich in Duisburg gestorben ist, war trotz seiner 250 Pfund durchaus nicht das höchste menschliche Lebendgewicht, das jemals die Erde gedrückt hat. Es hat berühmte „Schwergewichtler" gegeben, die ihn bei weitem übertrafen. Der Engländer Edward Bright wog 270 Pfund, als er starb. Er mast 178 Zentimeter um die Brust und 210 Zentimeter um den Bauch, und seine Armmitte hatte einen Umfang von 75 Zentimeter. Dieser mächtige Fleischberg hat sich niemals öfsentlich zur Schau gestellt, sondern war als Kaufmann tätig, bis sein immer wachsendes Gewicht ihn schließlich aus seinem Laden auf das Totenbett brachte. Bright, der glücklich verheiratet war und fünf Kinder hatte, war ein lustiger Mann, sein Appetit nicht größer als der eines Durchschnittsmenschen, aber er trank täglich Jahre hindurch seine fünf Liter Bier. Dieser Mammut- Mensch wird aber noch übertroffen durch einen anderen Engländer, der den Rekord der Dicke aufgestellt haben soll. Das war Daniel Lambert, der wenige Tage vor seinem Tode 340 Pfund wog. Lambert maß um den Leib herum 285 Zentimeter und um die Wade 95 Zentimeter. Sein Schneider, der ihm billige Preise machte, nahm ihm doch 400 Mark für den Anzug ab. Dieser dickste Mensch, der aus Leicester stammte, ver- sügte zugleich über große Kräfte, war ein ausgezeichneter Schwimmer und trug auf seinen mächtigen Fleischmassen noch zwei gewöhnliche Menschen sicher über die Wellen. Lamberts Bater hatte eine durchschnittliche Figur und war Gesangenwärter im Zuchthaus von Leicester. Sein Sohn folgte ihm in diesem Beruf und behandelte die Gefangenen so gut, daß er zum Direktor ernannt wurde. Aber sein immer größere Dimensionen annehmender Umfang zwang ihn frühzeitig, sich zur Ruhe zu setzen, und nun widmete er sich wohl oder übel der Schaustellung. Es blieb ihm nämlich nur die Wahl, sich lebenslänglich einzuschließen oder für seinen Anblick Geld zu erheben, denn wo er sich zeigte, war er sofort von einer wachsenden Menge umgeben, die ihn anstarrte und anstaunte. Um diesen Anblick nicht umsonst gewähren zu müssen, ließ er sich für Geld sehen. Lambert starb mit 40 Jahren und Bright mit 30, ein Beweis dafür, daß man, mit solchen Fettmassen behaftet, nicht alt wird. Elefanten-Karmen. Cs gibt jetzt zwei Elefanten-Farmen im Belgischen Kongo, in denen die großen Dickhäuter zu nützlichen Arbeitstieren abgerichtet werden. Die beiden Farmen, die von dem belgischen Ackerbauamt eingerichtet wurden, befinden sich zu Api und Gangara Ra Dodia im Welle-Bezirk, in der Rähe der Grenze des anglo-ägyptischen Sudan. Auf diesen Stationen werden 120 Elefanten im Alter von 15 bis 35 Jahren gehalten: sie sind alle zahm und verrichten nützliche Arbeiten, werden beim Ackern, beim Baumfällen und beim Transport benutzt. Man beabsichtigt, auch einige für militärische Zwecke zu verwenden, besonders für das Tragen von Maschinengewehren und Munition durch den Urwald. Das System, die wildey Elefanten in einen Kraal zu treiben und so einzufangen, das in Ceylon und Birma angewendet wird, ist am Kongo nicht möglich, da die afrikanischen Elefanten, männliche und weibliche Tiere, äußerst gefährliche Stohzähne haben. Die-Belgier haben daher ein ganz anderes Verfahren ausgebildet. Sie fangen die jungen Elefanten, wenn sie höchstens eine Höhe von Vj» Meter erreicht haben. Die Jäger gehen in Trupps von 11 Mann vor, geführt von Europäern auf Pferden. Sie folgen einer Herde, bis sich Gelegenheit bietet, ein solches Jungtier abzuschneiden, das dann an den Ohren, am Schwanz und an den Beinen gepackt wird, um auf diese Weise überwältigt zu werden. Dann wird das Tier mit Stricken gebunden, und während dieser Zeit muß eine andere Abteilung beständig schießen, um die Herde fern zu halten. Das gefangene Tier wird von einem zahmen Elefanten ins Lager gebracht, und dann beginnt sofort die Erziehung, bei der auf jede Gewalt verzichtet wird. Man macht den jungen Elefanten durch große Zärtlichkeit, durch Gesang zutraulich und gibt ihm reichliche Rah- rung. Die Abrichtung aus der Elefantenfarm dauert etwa ein Jahr. Während die asiatischen Elefanten in der Gefangenschaft niemals Junge bekommen, hat man bereits auf den Farmen am Kongo zwei Geburten von solchen zahmen Elefanten erzielt und hoffte, eine richtigen Elefaiv- tenzucht ausbilden zu können. Wirtschaft. Frankfurt schwach. Frankfurt a. M., 30. Okt. Im heutigen Essektenfreiverkehr von Bureau zu Bureau neigte die Tendenz zur Schwäche, nachdem bereits gestern nachmittag auf Gerüchte über Konzern- schwierigkciten, die bis jetzt noch keine Bestätigung gesunden haben, stärkere Kursrückgänge zu verzeichnen waren. Heute verstimmte vor allem das anhaltende Angebot in einzelnen Montanaktien, die zum Teil neue Tiefst- iurfc erreichten. Man brachte dieses Angebot Tiit Exekutionen zusammen, jedoch scheint auch der Ausgang der englischen Wahlen, durch den die Schutzzöllner die absolute Mehrheit bekommen haben, nicht ohne Einfluß geblieben zu sein. Verstimmung ging ferner von der schwachen Haltung der deutschen Werte an der gestrigen Reu- Lorter Börse und den neuerlichen Schalter- Schließungen von Bankfirmen im In- und Auslande aus. Bei etwas lebhafterem Geschäft er» zaben sich für Montanpapiere Kurs- «inbu ß en von 1 bis 3 v. H. I. G.-Farben »erkoren etwa 1,5 v. H. und Elektrowerte 1 bis 2 v. H., wobei Siemens, die ziemlich behauptet »lieben, eine Ausnahme machten. Bankaktien lagen kaum verändert, nur Reichsbank neigten um etwa 2 v. H. zur Schwäche. Auch im Rach- «littagsverkehr setzten sich die Kursrückgänge Weiler um 1 bis 2 v. H. fort, da weiterhin Exeku- lionsrnaterial auf die Märkte drückte. Das Ge- Ichäft wurde indessen etwas ruhiger. Arn Rentenmarkt war die Umsahtätigkeit etwas reger. Einiges Interesse bestand für Liquidationsvfandbriefe zu unveränderten Kurffen. 8prozentige Goldpfandbriefe wurden weiter offeriert und bröckelten leicht ab. Don Reichs- cmleihen standen Altbesih unter Kursdruck, Reichsschuldbuchsorderungen im Einklang mit dem Aktienmarkt ebenfalls etwas schwächer. Äuslands- wenten sehr still. Don Jndustrieobligationen lagen Larbenindustrie auf angebliche Jnterefsenkäufe gut gehalten. Berliner Börse. Berlin, 31. Okt. (WTB. Funkspruch.) Zum Wo- Henschluß herrschte die übliche Zurückhal- tu n g, das Geschäft kam nur sehr zögernd in Gang. Obwohl die Schultheis-Angelegenheit immer weitere Kreise zu ziehen scheint, war die Stimmung im heutigen Vormittagsoerkehr auf Grund des gestrigen festen Neuyork eher freundlicher, und man taxierte zunächst die gestrigen Abendkurse (Geld). Am De- oisenmarkt nannte man Pfund gegen Kabel 3,8575, gegen Schweiz 19,80, gegen Paris 98,25. Oer gestrige Devisenmarkt. An den internationalen Devisenmärkten konnte sich gestern das Pfund wieder eine Kleinigkeit erholen, es zog auf 3,86 an, doch blieb es noch unter seinem vorgestrigen Schlußkurs. In Amsterdam schloß es mit 9,75, in Zürich mit 19,83 und in Paris mit 98,50. Der Dol - Ca r blieb weiter fester, in Amsterdam zog er auf 247,95 an, in Zürich auf 513,25 und in Paris 25,4350. Die Reichsmark hat sich gut behauptet und wies keine Deränderungen auf. Der französische Frank war knapp gehalten, die Rord- Devisen waren ebenfalls kaum verändert. Schließung der Federation Bank and Trust Company, Neuyork. WTB. Neuyork, 30. Okt. Die Federation Bank and Trust Company, Neuyork, die größte G e - werkschaftsvank des Landes, wurde heute von der staatlichen Aufsichtsbehörde geschlossen. Oie Bank, die 1923 gegründet worden ist verfügt über Kapital und Reserven in Höhe von 15 Millionen Dollar. Die Schließung erfolgte wegen Illiquidität und Entwertung der Aktiven, die sich auf 18,143 Millionen Dollar beliefen. Die Aufsichtsbehörde Hal die Uebernahme der geschlossenen Bank durch die Manufacturers Trust Company arrangiert, die den Einlegern der insolventen Bank sofort zwei Drittel ihrer Guthaben zur Verfügung stellt. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt o. 2H. Banknoten 30 Oktober 31. Oktober Amtliche Notierung Amtliche Notierung CiSElO »rief Geld »rief Hetfingsor» . 8,49 8,51 8,49 8,51 Wien . . 58,94 59,06 58,94 59,06 Brog . . . 12,47 12,49 12,47 12,49 Budapest . . 73,28 73,42 73,28 73,42 Sofia ■ . . - ,072 3,078 3,072 3,078 Holland . . 170,58 170,92 170,43 170,77 Oslo ... 90,91 91,09 90,41 90,59 ffopenhagea. 91,91 92,09 91,66 91,84 Stodbolm 93,81 93,99 93,41 93,59 London . . 16,20 16,24 16,14 16,18 Buenos Aires 0.978 0,982 0,988 0,992 Neunori 4.209 4,217 4,209 4,217 «rüffel . . 58,74 58,86 58,69 58,81 Italien . . . 21,68 21,72 21,68 21,72 Paris . . . 16,59 16,63 16,58 16,62 Schweiz . . 82,12 82,28 82,02 82,18 Spanien 37.31 37,39 37,26 37,34 Danzig . . 12,62 82,78 82,57 82,73 Japan . . 2,058 2,062 2,058 2,062 Rio de 3an.. 0,259 0,261 0,259 0,261 Jugoslawien. 7,473 7,487 7.473 7,487 Lissabon 14.84 14.86 14,79 14,81 Gietzcnct oryenmarktpreise. Gießen, 31. Okt. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 120—130, Matte 30 bis 35 Pf. das Pfund, Kochbutter von 1 Mk. an das Pfund, Käse 10 Stück 60—140 Pf., Wirsing 8—10, Weißkraut 6—7, Rotkraut 8—10, Gelbe Rüben 8—10, Rote Rüben 8-10, Spinat 15—20 Römischkohl 8—10, Unter-Kohlrabi 5-6, Grünkohl 15, Rosenkohl 20—25, Feldsalat 80—100 Tomaten 35-40, Zwiebeln 8—10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30—35, Kürbis 5—6, Kartoffeln 4, Aepfel 8—10, Dirnen 8—10, Dörrobst 30—35, Honig 40—50, Rüsse 25—30, Junge Hähne 90—100, Suppenhühner 80—100, Gänse 80—90 Pf das Pfund, Tauben 50—60, Eier 12—13, Blumenkohl 20—60, Salat 10—15, Salatgurken 20—25 Endivien 10—15, Ober-Kohlrabi 8—10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10—15, Sellerie 10—40 Pf. das Stück, Kartoffeln 3,20—3.50. Aepfel 4,00—6 00 Weißkraut 2,00—2,50, Wirsing 4,00—5,00, Rotkraut 4,00—5,00 Mk. per Zentner. Geld 4,20 58,58 91,72 16,16 16,58 1.0,21 21,66 90,72 58,68 2,52 93,61 81,94 37,18 72,75 i 8 v. h. 10 v. h. 23rlcf 4,22 58,82 92,08 16,22 16.64 170,89 21,74 91,08 58,92 2,54 93,99 82,26 37,37 73,15 gcrlin, 30.Ol ober I Amerikanische Noten..... Belgische Nolen Dänische Nolen Englische Nolen Französische Nolen Holländische Noten Italienische Nolen Norwegische Nolen Deutsch-Oesterreich, • 100 Schilling Rumänische Noten........ Schwedische Noten Schweizer Noten Spanische Noten ... Ungarische Noten ....... Reichsbankdiskont Lombardzinsfuß : Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviebmarki. Der Frankfurter Schlachtviehmarkt verzeichnete noch keine grundlegende Besserung des Preisniveaus, wenn auch hier und da kleine Teilerholungen ein- traten. Die allgemeine Situation des Viehmarktes ist nach wie vor sehr unklar. Die stärker einsetzende Konkurrenz von Gänsen und Wildbret ist fühlbar. Der Kälbermarkt litt besonders darunter. Etwas besser war das Geschäft am Großvieh markt, obwohl der Auftrieb mit 1601 Stück (1578 Stück in der Vorwoche) größer war. Die Nachfrage erstreckte sich wiederum auf billiges Fleisch, so daß der Rindermarkt geräumt werden konnte. Die Preise blieben gegen die Vor woche behauptet. Sehr stark waren die Zufuhren zum Kälbermarkt: sie betrugen 1649 gegen 1282 Stück. Das Geschäft war sehr schlecht, und der Markt konnte nur zu erneuten Preisverlusten um bis zu 3 Mark geräumt werden. Auch am Schaf- markt ergaben sich erneut Preisnachlässe von 1 bis 3 Mark. Der Handel war ruhig. Der Austrieb stellte sich mit 696 Stück um etwa 150 Stück gegen die Vorwoche höher. Am Schweinemarkt war die Beschickung mit 5719 Stück etwas geringer. Nach anfangs etwas lebhafterem Geschäft wurde es später wieder wesentlich ruhiger, doch konnte der Markt ausverkaust werden. Gegen die vorwöchentlichen scharfen Preissenkungen trat in allen Gewichtsklassen eine Besserung um etwa 2 Mark für den Zentner ein. Fette Schweine waren dabei besser gefragt. Im einzelnen notierten pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen al) 36—39, a2) 32—35, bl) 27—31; Bullen a) 28—32, b) 24—27; Kühe a) 28—31, b) 24—27, c) 18—23; Färsen a) 35—39, b) 32—34, c) 27—31; Kälber b) 40—44, c) 35—39, d) 30—34; Schafe al) 27—30, b) 22—26, c) 17—21; Schweine a) 46—50, b) 45—50, c) 46—50, d) 45—49, e) 42 bis 47, g) Sauen 35—43. Rundfunkprogramm. Sonntag, 1. November. 7.00 Uhr. Don Hamburg. Hafenkonzert. 9.30 bis 11.00: Aus der Stadtkirche Wittenberg: Reformations-Gottesdienst. 11.30: Don Leipzig: Reichssendung: Kantate. 12.00: Schallplattenkonzert. 14.00: Stunde des Landes. 15.00: Stunde der Jugend. 16.00: Marschmusik. 17.00: Das Ochfenmenuett. Singspiel in einem Akt von G. v. Hoffmann. 18.00: „Bildung oder Erziehung?", Dreigespräch zwischen Dr. Weil. Dr. Gg. Schmitt und Kurt Hirsch,e'd. 19 30: Im Flu e u n'die Welt: USA. III., Im Urwald der Großstadt. 20.45: Franz Liszt zum Gedächtnis. 22.35 bis 24.00: Unterhaltungskonzert der Funkkapelle Haas. Montag, 2. November. 7.20 Uhr: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert. 17.05: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.40: „Als deutscher Student in Grenoble", Dortrag von Rob. Hain. 19.05: Englischer Sprachunterricht. 19.45: Zitherkonzert. 20.15: Eine Viertelstunde Lyrik. 20.40: Russische Musik. 22.15: Von Wien: Allerseelen in der Kapuzinergruft. Dienstag, 3. November. 7.15 Uhr: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert. 15.20 bis 15.50: Haussrauen- Rachmittag: 1. Wochenschau, 2. Von der Kochtante: „Billiges Essen in der Zeit der Rot", 3. „Einrichtung des Gartens für den Winter", Vortrag von Dr. L. Corel!. 16.30: „Aus dem Leben der höheren Schule: Grundkräfte des geschichtlichen Werdens". 17.05; Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.40. „Der Himmel im Rovember und Dezember. Was uns die Sternschnuppen erzählen", Vortrag von Professor Edmund Sittig. 19.05: „Die Generation von 1899", Vortrag von Olfel Eggebrecht. 19.45: „Musikalische Grundbegriffe. Einführung in ihr Wefen und ihre Bedeutung", Vortrag von Hans Rosbaud. 20.15: Heiterer Abend: Dela Lyinskaja. 21.45: Sportkämpfe. Eine Schallplatten-Revue, Leitung. Dr. P. Laven. 22.35: Briefkasten. 0.30 bis 1.30: Auf den Kurzwellensender: Rachtkonzert. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 1. Rovember, von 14.30 bis 17.30 Uhr; Im weißen Rößl; von 20 bis 22.30 Uhr: Der Ring des Ribelungen. Vorabend: Das Rheingold. Montag, 2. Rov., von 19 bis gegen 23.30 Uhr: Der Ring des Ribelungen. Erster Tag: Die Walküre. Dienstag, 3. Rov., von 19.30 bis nach 21.30 Uhr. Don Pasquale Mittwoch, 4. Rov., von 20 bis 23 Uhr: Im weißen Rößl. Donnerstag, 5. Rov., von 20 bis 22 45 ilfjr: Cavalleria rusticana. Hieraus: Der Bajazzo. Freitag, 6. Rov., von 20 bis 23 Uhr: Im weihen Rößl. Samstag, 7. Rov., von 19.30 bis gegen 23 Uhr: Carmen. Sonntag, 8. Rov., von 15 bis 18 Uhr: Im weißen Rößl. Schauspielhaus. Sonntag, 1. Rov., von 16 bis nach 18.25 Uhr: Pygmalion; von 20 bis gegen 23 Uhr: Der Kaufmann von Venedig. Montag, 2. Rov., von 20 bis gegen 23 Uhr: Der Kaufmann von Venedig. Dienstag, 3. Rov., von 20 bis nach 22.15 Uhr: Bobby weint, Bobby lacht. Mittwoch, 4. Rov., von 20 bis gegen 22 Ahr: Vögel, die am Morgen fingen... Donnerstag, 5. Rov., von 20 bis gegen 23 Uhr: Der Kaufmann von Venedig. Freitug, 6. Rov., von 20 bis nach 22.15 Uhr: Bobby weint, Bobby lacht. Samstag, 7. Rov., von 20 bis gegen 23 Ahr: Der Kaufmann von Venedig. Sonntag, 8. Rovember, von 14.30 bis nach 17.45 Uhr: Der Hauptmann von Köpenick; von 20 bis gegen 22 Ahr: Einmaliger Tanzabend: Riddh Impekoven. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) M. B., Gießen. Den monatlichen Durchschnittsoerbrauch an Wasser für eine Familie anzugeben, ist leider nicht möglich, da natürlich die Kopfstärke der Familie und das Ausmaß des Wasserkonsums ganz verschiedenartig sind. Zur Aufklärung der starken Schwankungen im Wasserverbrauch Ihres Hauses wenden Sie sich am besten an die Direktion des Wasserwerks. Diese wird Ihre Angelegenheit durchaus objektiv und sorgfältig prüfen, ebenso eine fachmännische Nachprüfung der Wasserleitungsanlagen in Ihrem Hause vornehmen lassen. Letzte Nachrichten. Oie Ausschußberaiungen über die Kredii-Gtillhattung. Berlin, 31. Oft (LNB. Funkspruch.) Wie wir erfahren, ist der Stillhalteausschuß des Wirtschaftsbeirates heute um 10.30 Uhr in der Reichskanzlei zu feiner er ft en Sitzung zu fammengetreten. Der Kanzler hat außer den gestern bekanntgegebenen vier hauptmitgliedern auch noch einige Spezialsachleute hinzugezogen, und zwar außer dem Reichsbankpräsidenten Dr. L u t h e r die Bankiers Oskar Wassermann von der Deutschen Bank, Dr. I e i d e l s , Geschäftsinhaber der Berliner Handelsgesellschaft, Direktor Bachem von der Arbeiter-Bank, Gustav S ch l i e p e r (DD-Bank), Fran; v. Mendelssohn, Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer, Samuel Ritscher. Vorstandsmitglied der Reichskreditgesellschaft, Rudolf Löb (Bankhaus Mendelssohn) und Otto Wolff (Köln), weiter nimmt natürlich auch der Reichs- f i n a n ; m i n i st e r an der Sitzung teil. Besonders wichtig dürfte auch die Anwesenheit des Botschafters v. h o e s ch sein, der über die politische Seite des Problems besonders gut informiert ist. Die Dringlichkeit in den Stillhalteberatungen spiegelt sich deutlich in der heutigen Auslandpresse wider, die in erster Linie von dem Thema der kurzfristigen Schulden beherrscht wird. Das zeigt jedenfalls, wie notwendig es ist, einen sorgfältigen Aktionsplan auszuarbeiten. Er wird im Prinzip darauf hinauslaufen müssen, daß die Kreditabzüge, die über die Stillhaltevereinbarungen hinausgehen, wirksam abgetrennt werden. Außerdem wird man die Möglichkeit einer rechtzeitigen verlängern n g des Stillhalteabkommens ins Auge fassen und überlegen müssen, ob nicht ein Teil dieser kurzfristigen Schulden in langfristige Anleihen umgewandelt werden kann. Darüber hinaus wird man auch die grundsätzlichen Fragen nicht übergehen, die die Basis des ganzen Kredit- und Stillhalteproblems bilden, wie sie ja im Laylon- Bericht mit aller Eindringlichkeit behandelt worden ist. Verbindlichkeitserklärung im Reichsbahnlohnstreit. Berlin, 31.0ft. (WTB. Funkspruch.) 3m Lohn- ftreit bei der Deutschen Reichsbahngesellschaft ist der Schiedsspruch vom 27. Oktober 1931 im öffentlichen Interesse für verbindlich erklärt worden. Neues für den Büchertisch. sachlichen Art, die man an ihm kennt. Leiser Humor überglänzt hier und da die Erzählung, die unerbittlich wie die Bergwelt, in der sie sich abspielt vor uns steht. — Stirb und Werde. Aus Briefen und Kriegstagebuchblätter des Leutnants Bernhard v o n ö er Marwitz. Herausgegeben von Harald von Koenigswald. Ganzleinen 5,80 Mark. (Wilhelm Gottl. Korn Verlag, Breslau.) — 327. —Der Glaube und das geistige Ringen der Generation, die im Krieg ihr Blut gab, ist in diesem Buche lebendig. Marwitz, der Freund von Rilke und Paul Claudel, fies 1918 auf französischem Boden. Sein Buch ist das Bekenntnis eines Frühvollendeten, der mit seinem Schicksal um seiner künstlerischen Bestimmung willen ringt und sich gläubig beugt vor der höheren Pflicht, die das Vaterland von ihm fordert. Ein Buch, in dem der Krieg Hintergrund eines großen menschlichen Reifens ist. Aus der Trauer um den Tod des Freundes und des Bruders, die beide zu Anfang des Krieges fielen, und aus der Verbundenheit mit einer stolzen lebendigen Tradition kommt die Opferbereitschaft, sich selbst ganz einzusetzen, um in der schwersten Stunde dem Vaterland mit dem Blute zu dienen Der Krieg wird zur tiefempfundenen Leidensstation, in der sich die Liebe zu Heimat und Volk zur höchsten Reinheit verklärt. In der Ucberwindung der geistigen und körperlichen Aufgaben des Krieges glüht die Idee eines heiligen Kampfes um die Seele des Volkes. — Gustav Schröer; Schicksalshände. Preis geb. 4,80 Mark. (Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh.) — 325. — Der Hände Gestalt ist Wesensausdruck des Menschen. Hände sind Schicksal und prägen Schicksal. Dem durch herbes Geschick frühreifen Lehrerssohn strecken fidj überall helfende Hände entgegen. Mancherlei Menschen bestimmen sein Werden, das Gottsuchen seiner Jugend bis zum Gottfinden an der Schwelle des Mannesalters, schüchternes Fragen des Knaben, zweifelndes Ringen des Primaners, Drängen auf fertige Lösungen und endlich demütiges Sichbeugen des jungen Chi rurgen und Stillefein vor einem persönlichem Gott. — 3n Georg Frhr. v. Omptedas „Kleiner Zinne" (Verlag Ullstein, Berlin, Preis 1,8-5 Mark, — 342) — wird Anklage auf Mord gegen einen ruhig lebenden Gelehrten und Bürger erhoben. Fern aller Zeugen soll er vor Jahr und Tag aus einer Hochtour in der Einsamkeit der Alpen seine erste Frau von schmalem Grat hinabgestürzt haben. Zehn Jahre später erheben sich drückende Indizien gegen ihn, daß Justiz und Freunde, selbst die zweite Frau seine Unschuld, einen Unglückssall, bezweifeln, Ompteda erzählt diesen Kriminalfall in der ruhigen «TT "? V Kinderlein komme t." Advent im Klnderkreise in Feierstunden und Alltagstun. Von Mane C o p p i u s. Mit 11 Abb. Kart. 1,60 Mark. (SJerlag von B. G. Teubner in Leipzig.) — 272 — mtr das Kind zur Krippe führen" — davon er^^«r?a5 Büchlein. Das Büchlein zeigt, wie weihevolle Adventsstimmung den Alltag durchfließen kann, wie alle die Adoentssymbole die Kinder zum Miterleben und zum Darftellen führen. Es schließen sich zwei größere Aufführungen an, ferner eine An- Ipradje am Adventsmütterabend, die außer der Kin- dergartnerin auch mancher Mutter und Kinderschwester willkommen sein wird. — Dr. Otto toeesmann: Grundfra q-e n Handelspolitik. Preis kart. 0,80 Mark. («runnen-'Berlag, Willi Bischoff, Berlin SW. 68.) 7? fj8; ~ D'e Handelspolitik ist für unsere wirt- schaftliche und politische Zukunft von ausschlaqqeben- der Bedeutung. Die Ausführungen beginnen mit einer Auseinandersetzung über die alte Streitfrage Freihandel oder Schutzzoll. Besondere Erwähnung verdient der Abschnitt über die geschichtliche Entwicklung der deutschen Handelspolitik vom Zollverein bis jur Gegenwart Auch die statistischen Zusa.nmen- stettungen vermitteln lehrreiche Aufschlüsse. Der Verfasser beschrankt sich jedoch nicht auf die Darstellung des Vergangenen und Gegenwärtigen, sondern er 3eigt auch die Wege auf, die zur Gesundung führen. (Schluß des redaktionellen Teils.) Der Selektionsschalter - auch für Sie wichtig. Die bisher überall vorhandene getrennte Ein- ^eUrmg des Wellenbereiches und der Antennen- kopplung ist bet den neuen Gleichstrom-Reh- empfangern der Rora-Radio G. m. b. H, (Berlin- gbarlottenburg, in einem Griff, dem Selektions- schalter. zusammengefaht worden, wodurch die ^^.'Luung außerordentlich vereinfacht wird. Die 3-Rohren-Reyempfänger für Gleichstrom. Form j30 unö so r m G30L besitzen eine wohl immer genügende Reichweite und eignen sich nicht nur aus diesem Grunde zum einwandfreien Fernempfang; die Geräte enthalten einen eingebauten Sperrkreis, der einen etwa störenden Orts' oder Semfender ausschaltet und einen abstimmscharfen Europa-Empfang gestattet. 7343V Dienstag - Mittwoch!! Seiden-Stoffe Woll-Stoffe 75 <|00 J90 im 44. Lebensjahre. Die G. B. Alemannia F.V. I. A.: Rudolf Hechler Gießen, den 31. Oktober 1931. 7U5D et. 166 et Ib.fff. 182 Ib-jtL 135 et. 2a«»L 91 et. 2a-fL 105 et. 2b« »L 39 et. 2b-8L 73 29 et. 3a« und uns einzureichen. 7360V Beachten Sie unser Schaufenster! SCHUHHAUS 06368 verpachtet werden. 7364V Paul Piingst sen. und Angehörige Schulartikel Heuchelheim, den 31. Oktober 1981. Bürobedarf 06338 liefert I490V 500 Fstm. i. b. Jörterei 1200 Fstm. L b. Försterei 80 Fstm. i. b. Försterei Lot» 1: etwa Rödgen, Los 2: etwa Hochwart, too 3: etwa Gießen, Loo 4: etwa Wieseck. 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Oktober 1931. 70,51 Festmeter Lo- 8: Fichten-Langholz N 3b«ÄL 36,50 Festmeter „Äie unentbehrlichen Überschuhe modern-praktisch-billig Aus den Waldungen der Gemeinde Wieseck sollen au- der Wintersällung 1931 die nachverzeichneten Ruyholzsottimente im Submission-wege vergeben werden: Los 1: Fichten-Langholz N VERKAUFE im Auftrag einen besseren Haushalt rrur-gelchnutenes IfflläClMZ Cr^pc Satin 100cm breit. Kunstseide, wunderbare Qualität, für Abend-Kleider besonders geeignet, enorm billig. 4 ül Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten! Am 29. Oktober verschied nach langem schweren Leiden unsere liebe herzensgute Schwester. Schwägerin, Tante, Nichte und Kusine Maria Frieda Arnold Unterfertigte betrauert tief das Ableben ihres lieben A H. ProLDr. Adam Schneider ehern Oberbibliothekar an d. Universitätsund Landesbibliothek in Straßburg iE. Aktiv: 1880,1881. 24,08 Festmeter Lo» 2: Fichten-Langholz N 49,42 Festmeter Lo» 3: Fichten-Langholz N 45,99 Festmeter Lo» 4: Fichten-Langholz N 62,47 Festmeter Lo» 5: Fichten-Langholz N 65,59 Festmeter Lo» 6: Fichten-Langholz N 29,54 Festmeter Lo» 7: Fichten-Langholz N Zu besichtigen im Auktionshaus Koos Neustadt 10 «HESSEN Teleph. 3904 Annahme von Versteigerungen aller Art 06371 mWWWWWWW vergeben werden, und zwar: 500 Fstm. i. b. Försterei Lo» 9: Siefern-Langholz N 4 St. 2b»ÄL 3,14 Festmeter. Da» Holz ist entrindet und mit Rind« gemessen. Die Berkauf»bedingungen liegen auf hieiiger Büraermeisterei zur Einsicht offen. Tie»bezüguche Angebote sind pro Festmeter getrennt für jede» Lo» einzureichen. Erösfnungvtermin Tonncr»taz. den 5. November 1931, vormittag» 10*4 Ubr, in Gegenwart etwa erschienener Bieter. 7321D Dieseck, den 28. Oktober 1931. Hess. Bürgermeisterei Dieseck. Schomber. Altersvereinigung 1875—1925. Wir erfüllen hierdurch die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Hinscheiden unseres Heben Alterskollegen und Vorstandsmitgliedes Benn Heinrich Konrad in Kenntnis zu setzen. Dem leider allzufrüh Dahingeschiedenen werden wir stets ein ehrendes Gedenken bewahren. le Beerdigung findet am Montag, dem 2. Oktober. na nm. 14 Uhr. aut dem Neuen Friedhof statt Um zahlreiche Beteiligung bittet 7d7jD der Vorstand. Nowacks 7328 A Papiere Schreibwaren Wir suchen noch einen tüchtigen und strebsamen Verkaufs-Agenten Singer Nähmaschinen AG. Marktplatz 18 Wir bitten vorerst um kurze, schriftliche Angebote. 7370c Reste ii. Abschnitte aus Seide, Wolle, Samt uiw. f. Kleider, Mintel, Röcke, Blusen geeignet enorm billig! Merken Sie sich diese 3Tage,denn am Montag,Dienstag und Mittwoch veranstalten wir einen großen Extraverkauf in Woll- und Seiden-Stoffen zu unglaublich billigen Preisen! Da müssen und werden Sie kaufen, denn mit diesen Preisen helfen wir Ihnen sparen! Und Sie wissen doch: Wir führen nur ausprobiert gute Qualitäten! Bekanntmachung. Betr.: Ersatzwahlen zur Industrie- unb Handelskammer. In Gemäßheit de» Gesetze» über die Industrie« und Handel-kammern finden am 26. November d. I. im Wahlbezirk Gießez- Lfabt für den ausscheidenden Herrn Kommerzienrat Adolf Slingivor und für den verstorbenen Bergwerk-direttor Robert Liste sowie im Wahlbezirk Lich-Hirngen für den au»geschiedenen Herrn Brauerei- besitzer Heinrich Ihring in Lich Ersatzwahlen statt. E» wird die- mit dem Ansügen bekannt gemacht, daß vom 2. bi» H.Rovember d. I. die Liste der Wablberechttgten für den Wahlbezirk Gießen-Stadt aus dem Sekretariat der Kammer, Lonystr. 7, in der Zeit von 10 bi» 12 Uhr und 3 bi» 5 Uhr und für den Wahlbezirk Lich-Hungen auf der Bürgermeisterei in Lich während der üblichen Amt»stunden offen liegen. Einwendungen gegen den Inhalt der Listen find innerhalb der lOtägigen Frist bei der unterzeichneten -ammer schriftlich vorzubringen. Gießen, den 30. Oktober 1931. Industrie- und Handelskammer Gießen: __________Ludwig Rinn._____7317V veiMog öefWfleM lo öeo WMeo Wooges. Auf dem Wege de» schrifllichen Angebot» soll da» Rücken de» Stammholze» öffentlich „Das gute, billige Buch aus dem Insel-Verlag“ Buchhandlung Keihner früher Scfaulstrake 6 jetzt Kreuzplalx 8 Eingang Kaplansgasse ______w Gießen (Wilhelmstr.56), 30. Oftober 1931. Hessisches Forstamt Gießen. Jagd-Verpachtung. Am Dienstag, dem 10. November d. 3n nachmittags 2 Uhr, soll die hiesige Ge meinde-Dald- und -Jeldjagd in der Gastwirtschaft Rücker öffentlich auf sechs Jahre Ta» Gebot soll sowohl für entrindete», al» auch für nicht entrindete» Radel- Stammholz maßgebend sein. Schriftliche Angebote, für jede» Lo» getrennt, sind mit der Aufschrift „Angebot für Waldarbciten" bi» spätesten» Donnerstag, dem 5. Rot». 1931, 11 Uhr, im Stadthau», Bergstraße, Zimmer 18, abzugeben. Oefsnung der Gebote erfolgt in Anwesenheitetwa erschienener Bewerber zu dem genannten Termin in Zimmer 6. Zuschlagssrist 8 Tage. Tie Bedingungen können während der üblichen Tienststunden im Stadthau», Bergstraße, Zimmer 18, eingckchcn werden. Gießen, den 29. Oktober 1931. 7329C Bürgermeisterei Gießen. ________I. B.: Pr. Rosenberg. Holzsubmission In d. begonnenen Lehrg. noch bis Anf. Nov. möglich Vogue»« Handelsschulen Lieben Qo Uiestr. 32 7376* z h“ Z A s