Hl 202 Erster Natt 181. Jahrgang Montag, 3b August,931 Lrscheint täglich,außer Sonnlags und Feiertag». Beilagen: Die Illustrierte Gießener Jamilienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Blenats-Beiugsprels: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Iräger» lohn, auch bei Richter» eeinen einzelnerRummern folge höherer Gewalt. Zernfprechanfchlüfie ■nterSammemuinmer2251. Anschrift für Drahtnach- richtens Anzeiger Gießen. poßscheckkonto: granffurtam Main 11688. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen . vnick und Verlag: vrühl'fche UniverfilStr-vuch- und Sleindruckerei R. Lange in Sieden. Schriftlettung und Seschäftrftelle: Zchulfttahe 7. Annahme von Anzeigen für die lagesnummer bi» zum Rachmittag vorher. Preis für 1 mm HSHe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärt» 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Playvorfchrift 20'. mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Will). Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton l> H.IKyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Landnöten. Ilm die Krise deS öffentlichen HauShaltS, soweit sie von den kurz - und mittel fri st i- gen Krediten hcrdroht. endgültig zu überwinden, hat Dr. Paul Silverberg einen immerhin beachtenswerten Vorschlag gemacht. Dr. Silverberg ist nicht nur alS hervorragendes Mitglied ^des Vorstände- deS ReichSvcrbanbeS der Industrie bekannt, er ist auch als Generaldirektor der rheinischen Braunkohlenindustrie mit den finanziellen und wirtschaftlichen Problemen aus Erfahrung so vertraut, dah sein Vorschlag verdient, näher geprüft zu werden. Die Drund- züge find verblüffend einfach: Die kurz- und mittelfristigen Kredite der Länder und Gemeinden, die mit 2 Milliarden Mark ermittelt worden find, sollen von den deutschen Banken an das Reich übertragen werden. Der Kauspreis wird durch Reichsschahanweisung c n g e d e ck t, die mit 7 v. H. zu verzinsen sind, sowie eine Laufzeit von fünf Jahren erhalten, Ilm ein für allemal reinen • Tisch zu machen, sollen diese kurz- und mittelfristigen Kredite der Länder und Gemeinden mit denen des Reiche- zu einer Gesamtschuld vereinigt werden, so dah sich für das Reich nach Hereinnahme auch der langfristigen Verpflichtungen eine Schuldenlast von 12,3 Milliarden Mark ergibt. Dabei ist nicht zu ersehen, ob alle, also auch die fundierten Schulden des Reiche-, der Länder und Gemeinden mit hereingenommen werden sollen, was bei der Dawcs- onlelhe von 1924 und der Vounganleihe von 1930 nicht ohne Schwierigkeiten möglich sein wird. Es ist aber wohl anzunehmen, dah diese Aus- landanleihen, wozu auch eine Vounganleihe gehört. nicht mit hereingezogen werden, so dah eS sich also nur um die eigentliche innere Schuld des Reiches handelt. Es ist richtig, dah sie mit unterschiedlichen Zinsen ausgestattet sind, wie es auch richtig ist, dah an sich ihre Zusammenfassung sinanz- und bankpolitisch keine grohen Schwierigkeiten zu bieten braucht. Der Vorschlag sieht nun vor, dah die Gesamt- schuld hinsichtlich der Verzinsung und der Ablösung auf einen Generalnenner gebracht werden soll, wobei an eine Verzinsung von 4,5 v. H. sowie an eine Ablösung von 0,5 v. H. gedacht wird. Der für diesen Dienst erfor- derliche Auswand beträgt rund 625 Millionen Mark, für dessen unbedingte Sicherung d i e 11 m • sah st euer dienen soll. Da die Länder und Gemeinden vom Druck der kurz- und mittelfristigen Kredite entlastet werden, so ist es gewiß recht und billig, wenn sie auf der anderen Seite auf llcbcrtoeifungen aus berilm- saysteuer verzichten. 11m für den Erwerb dieser Anleihe des Reiches einen besonderen Reiz zu schaffen, wird von Silverberg vorge- fchlagen, die Anleihe steuerfrei zu lassen. Für den Vorschlag läht sich viel sagen, manches aber auch dagegen einwenden. Zweifellos wird durch Zusammenfassung der inneren Schuld des Reiches, der Länder und Gemeinden der Weg für den Reichsumbau freigemacht, denn es ist nun da- Reich, das an sich schon als Gesamtschuldner haftet, das alfo das Recht haben muh, die Finanzgebarung der Länder und Gemeinden nicht nur zu beeinflussen, sondern auch zu bestimmen. Fragt sich nur. wer d i e Zwischenverluste bei der Umwandlung tragen soll, ob die Länder oder das Reich, oder schließlich die Stellen, die die lang- und kurzsristigen Kredite vermittelt haben. Dah eine Reuverschuldung der Länder und Gemeinden nicht in Frage kommen darf, ist einer der wichtigsten Vorzüge des Vorschlags, insofern die Gemeinden nur Kassenkredite b i8 zu einer bestimmten Höhe ausnehmen dürfen, mit dem Zusah. dah alle Kredite darüber hinaus nichtige Rechtsgeschäfte darstellen. Damit werden aber auch die kurzfristigen Kredite der Länder und Gemeinden in Zukunft genehmigungspflichtig. Es hat wirklich einmal in Deutschland eine Zeit «geben, in der a u f jede Familie durchschnittlich vier Kinder entfielen. Vor Iahren natürlich. Heute wird nur noch von einem Zweikindersystem gesprochen, was aber leide mit den tatsächlichen Verhältnissen nicht mehr übereinstimmt. Richtig ist vielmehr, dah ein grober Prozentsatz aller Ehen unter dieser Zahl bleibt Genaue Untersuchungen kommen zu einem geradezu sensationellen Ergebnis: Das vorherrschende Kindersystem in Deutschland ist das Keinkindershsternl — Rach der Statistik bleiben rund vierzig Prozent der neueren Chen kinderlos; in weitem Abstand folgen einstweilen noch die Ehen mit zwei Kindern, und zwar etwa zwanzig Prozent, überraschend gering sind die Gin» kindereyen mit ungefähr dreizehn Prozent und fast in der gleichen Zahl finden sich Ehen mit drei Kindern (zwölf Prozent), während der verschwindende Rest fast zu gleichen Teilen auf Ehen mit vier, fünf und mehr Kindern entfällt Ilm die Kinderlosigkeit in ihrer ganzen Bedeutung zu erfüllen, muh man die einzelnen Landes teile getrennt betrachten. Während beispielsweise in Ober» schlesien mit seiner stark katholischen Bevölkerung nur etwa acht Prozent aller Ehen kinderlos bleiben, errechnet sich gleichzeitig für B e r l i n der Anteil auf etwa vierundsünkzig Prozent Unglücklicherweise find nun auch noch die fleinen Stäbte unb dasplatteLandinder Kinderfrage zu überaus lehrreichen Schülern der Grohstädte geworden. Der Abstand zwischen Stadt und Land wird immer geringer, die Kinderlosigkeit greift immer mehr um sich, und es ist gar nicht einmal so ausgeschlossen, dah sie sich über das ganze Land aus breitet Vorläufig keine neuen Steuern. Keine Vermehrung derGefamisteuerlast beabsichtigt.-Was geschieht mit der Hauszinssteuer? Berlin, 30.Uug. (OS.) Line Berliner Zeitung berichtet in ihrer Sonnlagsausgabe unter der lleberfchrift „wieder neue Steuern", die Rcichsrcgierung wolle sich in der neuen Woche der Aufgabe zuwenden, „zusätzliche Einnahme, q u e (l cn“ zu schassen, die den Geldbedarf der Lrwerbslosenfürsorge decken sollen. Ulan denke in erster Linie an einen Umbau der hau», zinssteuer, daneben an eine Erhöhung der Umsatz st euer, oder an das vom Städtetag oor- geschlagene 71 o töpfer aller nicht zur Arbeitslosenversicherung herangezogenen Gehaltsempfänger. Wit dieser Meldung werden nur Gerüchte verzeichnet, die bereits seit einer Reihe von Tagen in gewissen politischen Kreisen umgehen, ohne dah sich feststellen lieh, welche realen Grundlagen sie haben. Auf Anfrage erfahren wir nun von unterrichteter Seile, dah die Pläne der Reichsregierung keine neuen Steuern vorsehen, die da» jetzige Steuerootumen überschreiten. Bekanntlich sind die Erwägungen, ob es zweck- mähig ist, die hau sz in» st euer abzubauen, nicht ganz neu. Sollten sie zu einem praktischen Ergebnis führen, so wäre es natürlich nötig, den dadurch entstehenden Einnahmeaussall au» anderen Quellen auszugleichen. Das bedeutet aber nicht, dah die Reichsregierung oder der Reichs- finanzminister die Absicht hat, „wieder neue Steuern" zu verordnen, die die bisherigen Steuerlasten noch vermehren. Dietmehr konnte es sich im ganzen gesehen nur um Umstellung», mahnahmen handeln, die geeignet sind, d i e Gesamttage auf steuerlichem und wirtschast- lichem Gebiet zu erleichtern. Zusätzliche Steuern sind also nicht beabsichtigt. 3m Augenblick liegt auch keine Notwendigkeit dazu vor. welche Folgerungen im Lause des Winter» aus der Arbeitsmarktlage gezogen werden müssen, ist eine Frage, die sich heute und wohl auch in der nächsten Zeit noch nicht beantworten läht. L» ist deshalb klar, dah das Wirtschafts- und Finanzprogramm, da» die Reichsregicrung in dieser Woche vorbereiten wird, auch noch keine Beschlüsse zu solchen ungeklärten Fragen enthalten kann, wie sie von dem Berliner Blatt angekündigt werden. Schlechte Wirtschastslage des Handwerks. Ter Augustbericht des Reichsvcrbandes. Hannver, 30. August. (TU.) Die Auswirkungen der Wirtschaft-- und Finanzkrife haben sich im Monat August gegenüber dem Vormonat noch gesteigert. In allen Handwerkszweigen find Auftragsbestand und Umsatz weiter zurückgegangen, so dah ein grober Teil der Betriebe vollständig yum Stillstand gekommen ist. und ein weiterer Teil kaum in der Lage ist. die vorhandenen Lehrlinge weiter zu beschäftigen. Die schwierige Lage der öffentlichen Finanzen brachte es mit sich, dah die Behörden als Auftraggeber fast völlig ausfielen. Aber auch das private Publikum war mit Rücksicht auf die Schmälerung seiner Kaufkraft gezwungen, sich äußerste Beschränkung auszuerlegen, und selbst notwendige Arbeiten zurückzustellen. Die Bautätigkeit ist durch diese Verhältnisse fast gänzlich zum Ruhen gekommen. Auch bei den B e k! e i d u n g s gern e r b e n herrschte eine ausfallende Geschäfts- ♦ _______________ stille. Die während der Geldkrise getätigten Angst- käuse vermochten weder diesen Gewerben noch den übrigen Handwerksberusen eine Belebung zu bringen, da die Hauptkäufe nicht beim Hardwcrk, fon- dern in den Warenhäusern und den grohen Möbelhandlungen usw. getätigt wurden. In ländlichenBezirkenhat das Handwerk besonder- unter der Rotlage der Landwirtschast zu leiden. Infolge der ungünstigen Derhältnifse verstärkte sich der Druck aus die Preise deS Handwerks weiter. Trotzdem die Unionen der Betriebe, Löhne und sonstige Abgaben kaum eine Aenderung erfahren, muhte daSHandwerk eine starke Reduzierung seiner Preise vornehmen, wenn es Aufträge erhalten wollte. Die Zahlungsweife der Kundschaft war nach wie vor außerordentlich schlecht. Auhenstände waren sehr schwer und nur tropfenweise einzutreiben, während auf der anderen Seite die Zahlung der öffentlichen Abgaben durch exorbitante Verzugszuschläge erzwungen wurde. Auch die Lieferanten des Handwerks drängten zum Teil fehr auf Kassazahlung. Die Zahl der arbeitslosen Arbeitskräfte hat sich stark erhöht. In fast allen Handwerk-berufen wurden weitere Gehilfenentlassungen nötig. Die Schwarzarbeit hat infolgedessen weiter erheblich zugenommen. Berlin, 31. Aug. (ERB.) Don einem ernsten Projekt, das eine Wiederankurbelung der Wirtschaft verspreche weih die .Montags-Post" zu berichten. Es soll nämlich dieDerlinerBau- wirtschaft in Gang gebracht werden, wodurch die Einstellung von 7 5000 zur Zeit erwerbslosen Bauarbeitern ermöglicht würde. Das Projekt, das von Stadtbaurat Martin Wagner stamme und das Oberbürgermeister Sahm einzelnen Magistratsmitglie» dem bereits zur Begutachtung überreicht habe, sieht u. a. folgende Maßnahmen der Stadt vor: Eine der bereits bestehenden städtischen Bau- gesellschaften soll unter der Leitung eines Dau- kommissars gaiy auf die Parzellierung und Bebauung städtischen Dorstadt» bodenS umgcftellt werden. Die Gesellschaft arbeitet Kleinwvhnhäufer aus, die industriell in 6er ie n Hergestellt werden und bei deren Anfertigung und Aufstellung in erster Linie arbeitslose Facharbeiter und Hilfsarbeiter beschäftigt werden sollen. Bei der städtischen Sparkasse wird sofort eine Bausparkasse gebildet. Grund und Boden wird an die Siedler so lange billig in Pacht gegeben, bis der Kaufpreis durch Tilgungsraten beglichen ift Besonderes Augenmerk wendet das Bauprogramm der Reparaturbedürftigkeit vieler Berliner Häuser zu. Das Programm regt einen Reparatur z w a n g an, wodurch allein reichlich 20000 Bauarbeiter Beschäftigung finden würden. DaS B a u k a p i t a l für dieses RotstandS- programm soll nach dem Projekt des Stadtbaurats folgenden Quellen entnommen werden Mittel aus der Erwerbslosen- und Wohl- fahrtsunterftützung; Kündigung von Hauszinssteuerhypotheken bei Beamte und letzte Mverordnung Ein Protest dcO Ncichsvundcü der höheren Beamten. Berlin, 30. Aug. (TNB.) Der telegraphisch nach Berlin einberufene Oefamtoorftanb de» Reichsbundes der höheren Beamten stellte nach den Berichten seiner Mitglieder aus allen Teilen des Reiches fest, dah die Erregung der Beamten über die ihnen erneut zugemutc- t e n Opfer um so größer sei, als die Entwicklung der Finanzlage immer deutlicher die Ergebnis» losigkeit dieser Opfer erkennen lasse. Die durch die letzte Notverordnung angebahnte Entwicklung bedeute nach den übereinstimmenden Berichten aus Ländern und Gemeinden denBeginnvölliger Zersetzung der Beamtenbedeutung. Während der Tarifschutz der Arbeitnehmer von der Regierung anerkannt werde, gebe man das Berufs» beamtentum schutzlos und rechtlos jedem Zu» griff preis. Dadurch würde der Grundsatz der Besoldungseinheit zwischen Reich und Ländern aufgegeben. Die höhere Beamtenschaft verlange, bevor ihr weitere Opfer zu- gemutet werden, die Aufnahme von Ber- Handlungen, welche die gerechte Berteilung der Lasten zum Ziele haben müßte. solchen Hausbesitzern, bei denen die Voraussetzungen einer Bewilligung nicht mehr zu- treffen; Erhöhung deS Zinssatzes der HauSzinssteuer- hypctheken bei allen Wohnbauten, dw auf der Grundlage einer Miete von 9 Mk. pro Quadratmeter finanziert worden find, biB zu einem Mietsah von 9 bis 10 Mk. Pro Quadratmeter; Eigenkapital von Daulustigen und Gigenkapilal von Bauunternehmern. Zwang zur Sparsamkeit für die preußischen Gemeinden. Tie Richtlinien des EtaatsministcriumS werden Zwangsvorschriften. Berlin, 30. Aug. (DDZ.) 3m preußischen Innenministerium ist beabsichtigt, die bestehenden Bestimmungen, die die Gemeinden zur äußersten Sparsamkeit anhalten, zu Zwangsbestimmungen zu machen. Diese Bestimmungen sind zur Zeit lediglich .Richtlinien", auf Grund deren ein unmittelbarer Zwang nicht aus- geübt werden kann. Wurden diese Richtlinien nicht eingehalten, so konnte bisher die Staats» regierung nur eine indirekte Einwirkung erreichen, indem sie z. D. eine Betätigung leitender Kommunalbeamter an die Innehaltung dieser Richtlinien knüpfte. Die neue Reichsnotverordnung soll nunmehr zur rechtlichen Grundlage genommen werden, um einen unmittelbarenZwang auf die Gemeinden zur Sparsamkeit auszuüben. Die Einzelheiten werden zur Zeit noch beraten. Es ist zu erwarten, daß in dieser Woche daS Staatsministerium einen entsprechenden Beschluß saßt. Oie Stadt Berlin will die Banwirtschast ankurbeln. Bebauung städtischen Vorstadtbodens mit Kleinwohnhäusern. Arbeit für 75 000 Bauarbeiter. Betrachten wir uns nun die Beweggründe für den Verzicht auf Rachkommen, so leuchtet sofort die wirtschaftliche Angst des Volkes grell hervor. Es ist die Furcht vor Abbau und Lohndruck, die viele junge Chen dazu zwingt, sich gar nicht erst ernsthaft mit der Rachkommenschaft zu beschäftigen. Aber bei vielen ist doch ein anderer Grund vorhanden: der Wunsch nach Erhöhung deS Lebesstandards — das sind die eigentlichen Motive für die bewußte Kinderlosigkeit, Lind hier ist wohl der Kernpunkt der ganzen Kinderfrage, da leibst in der oben erwähnten Statistik noch nicht das letzte, wirklich schwereKri- senjahr miteinbegriffen ist. Allerdings muß man auch die anormal hohe Zahl von Eheschließungen in den letzten Rachtriegsjähren in Betracht ziehen, die ganz erheblich höher ist als die der Dorkriegsjahre 1902 bis 1913. Wenn also in den letzten zwölf Iahren der Anteil der kinerlosen Chen sehr erheblich zugenommen hat, so ist das infolge der schar! gestiegenen Eheschließungen einstweilen noch nicht klar in der Geburtenzahl zum Ausdruck gekommen. Doch ist kaum damit zu rechnen, dah im laufenden Iahr sich die Geburtenzahl m Deutschland steigern wird. Cher — und dafür sprechen die schweren wirtschaftlichen Verhältnisse, die jeden Bürger unsicher und vorsichtig werden lassen — werden wir damit rechnen müssen, dah der Geb urten st and weiter zurückgeht. Eo werden wir wohl oder übel bald dahin kommen, wo sich Frankreich heute befindet, das im Augenblick schon Prämien aus fetzen muh, nur um den Geburtenst and um eine Kleinigkeit zu heben. Man wird bald von den deutschen Hauptstädten sprechen wie von der Seinestadt, wo jedem Fremden sofort die geringe Zahl der Kinder auffällt. Eine neue Zivilprozeßordnung?Seit 1877 besteht für das ganze Reich erfreulicherweise jenes Werk, das die Beziehungen zwischen dem Gericht und den Parteien eindeutig regelt und daher viel Zustimmung erfahren hat. Im Laufe der Zeiten ergab sich zedoch eine erhebliche Veränderung des RechtSlebens, das durch die Besonderheiten der allgemeinen Entwicklung bedingt war. Mehrere Reformen wurden auf dem Gebiet der Zivilprozeßordnung torgenommen, die letzte Rovelle stammt aus dem Iahre 1924 und vermochte sich trotz aller zunächst heftig einfehenden Anfeindungen auftechtzuerhalten. Das Reichsjustizministerium glaubt, dah es höchste Zeit sei, die Resvrmarbeit an der Zivilprozeßordnung zu einem Abschluß zu bringen. Dazu legt es einen Entwurf für eine Zivilprozeßordnung vor, der einen ausgewachsenen Band darftellt und die aller- gründlichste Durcharbeitung verlangen farm. Die Grundeinstellung bedeutet allerdings nichts vollkommen Reues; ihre wichtigste Aufgabe ist, sie den Bedürfnissen der Reuzeit anzupassen. AIS besonders dringlich gilt die Beschleunigung und die Vereinfachung des Prozeßverfahrens. älnd dazu muh der Zivilrichter aktivifiert werden, der Richter wird fortan an der Erledigung des Prozehftoffes mitzuarbeiten haben; er toll nicht mehr wie bi^er ungeteilt der Parteien Gezänk mit anhören, um sich später daraus ein Bild zu machen Er wird auf eine Arbeitsgemeinschaft zwischen Gericht und Parteien hinarbeiten, die gemeinsam im unmittelbaren Deweisversahren Gründe und Ge- g en gründe der Parteien anyört und würdigt. Die Beweisaufnahme toll nunmehr in vor Regel erst vor Gericht erfolgen Auch der Zwang, der auf den Richter bisher lastete, alle Parteien und Zeugen unbeMnat zu vereidigen, soll fallen gelaffcn werden- nach der Rovelle zur Zivilprozeßordnung kann der Richter den Eid nach freiem Ermessen aonehmen Sehr wichtig sind die Vorschriften des Entwurfs, die eine Verschleppung des Prozeßverfahrens von einer Instanz in die andere verhindern wollen Ieht soll das Berufungsbegehren nicht schon durch formalen Einspruch durchgesetzt werden können' der Antragsteller wird genau nachzuweisen haben, welche berechtigten Gründe ihn die Berufung verlangen lassen. Zum E he st rei t s ve r f a h r en bringt der Entwurf eine Umgeftaltung des Sühneter- mins. Die Frage des E he sch ö f f en ge r ich- tes ist nicht errbgültig ausgetragen worden, die beabsichtigte Reform will dazu erst noch die Kritik der Öffentlichkeit hören, wie ja grundsätzlich daS Reichsjustizministerium einen ftanen Widerhall der öffentlichen CDteinima auf seine Vorschläge erwartet. Die Kritck wird sich in erster Linie wcchl gegen die neuen Vorschriften über das Zw angs - vollstreckungsverfaren richten, die hx vereinfachter Form jetzt trorliegen, aber zweifellos noch immer nicht genügen, einen Schutz des Gläubigers vor böswilligen Machenschaften seines Schuldners zu gewähren. Oer Nürnberger Katholikentag Entschließungen zur politischen und sozialen Lage. 3m Großen Rathaussaal fand am Samstag die geschlossene Versammlung der Mitglieder des Katholikentages statt. Präsident 3 o o s begrüßte die Erschienenen. Lieber den Vertretertag berichteten die einzelnen fünf Gruppenleiter. Die Ergebnisse der Gruppenverhandlungen wurden in Entschließungen zusammenge- faht, die u. a. besagen: Das deutsche Volk ist zur Zeit in biologischem Riedergang begriffen. Aufgabe der deutschen Politik ist es infolgedessen, die Lebensgesehe zur Anerkennung und die Raturordnung, auf der die Erhaltung und Aufwärtsentwicklung eines jeden Volkes beruht, zur Geltung zu bringen, der weiteren P r v - letarisierung der Arbeiterschaft und dem Absinken des selbständigen Mi t- telstandes ist entgegenzuwirken. Wichtige gesetzliche Maßnahmen zur Volksgesundung sind u. a. die Verbesserung des Bodenrechts und die planmäßige Förderung des Wohnungsbaues, des Heimstätten- und Siedlungswesens. Die z e r - störende Propaganda des Bolschewismus ist mit unbedingter Entschiedenheit, zu bekämpfen. Wirtschafts- und außenpolitische Rücksichten dürfen keineswegs der planmäßigen Unter* wühlung unseres Volkstums freie Bahn geben. Gegen die Freidenker- und Gottlosenbewegung ist die in der Reichsverfassung verbriefte Vorzugsstellung der christlichen Religion mit allen gesetzlichen Mitteln zu verteidigen. Die Zusammenarbeit der Katholiken mit den anderen christlichen Konfessionen zur Erhaltung von christlich-sittlichem und deutschem Volkstum ist eine vaterländische Rotwendigkeit. Die Versammlung beschloß, als Tagungsort für den nächsten Katholikentag 1932 Essen zu wählen. Oer Festgottesdienst. Den Höhepunkt der Veranstaltungen des Sonntags bildete ein Festgottesdienst im Stadion, zu dem über 100 000 Menschen zusammengeströmt sind. Die große Tribüne ist von Ehrengästen bis auf den letzten Platz gefüllt, unter ihnen die Reichsminister W i r t h , Stege r w a l d und Schätzet, die Staatspräsidenten von Bayern, Württemberg und Baden, der hessische Minister Kirnberger, Reichskanzler a.D. Dr. Marx, zahlreiche Domherren, Prälaten, Aebte, die Bischöfe von Würzburg, Speyer, Augsburg, Meißen und Münster, der rumänische Bischof von 3assy, schließlich der Erzbischof von Bamberg. Von Militärmusik begleitet zog sodann der Apostolische R u n t i u s Vasallo di Torregrossa unter einem Traghimmel ein. Der Erzbischof von Bamberg Don links nach rechts: Der bayrische Ministerpräsident Dr. Held, Vasallo di Torregrossa, der päpstliche Nuntius in München, Dr. Johannes von Hauck, Erzbischof von Bamberg. hielt die Festpredigt. Hierauf zelebrierte der Apostolische Runtius die Pontifikalmesse. Kundgebung der Jugend. Die Kundgebung der katholischen 3 u g e n d hatte am Rachmittag wiederum eine gewaltige Zuschauermenge ins Stadion gelockt. Um 14.30 Uhr traf der Festzug der 3u- gend im Stadion ein. Die Musikkapelle der Landespolizei eröffnete den Zug, sodann folgte im strammen Marschschritt die katholische 3ugend, die aus allen Teilen Deutschlands, aus dem Egerland und aus Südtirol nach Rürnberg gekommen war. Von der Tribüne aus nahmen der Erzbischof von Bamberg und Führer der katholischen Verbände den Vorbeimarsch entgegen. Rach Ansprachen, in denen an die 3ugend appelliert wurde, der katholischen Bewegung die Treue auch weiterhin zu bewahren und für die 3ugendvereine zu werben, folgten Liedervorträge. Ausklang. An die 3ugendkundgebung im Stadion schloß sich die letzte große öffentliche Schluhver- f ammlung des Deutschen Katholikentages an. Ein Telegramm des Kardinalstaatssekretärs P a- celli besagt, daß der Segen des Heiligen Vaters auf allem ruhe, was auf der Versammlung beschlossen wurde und mit Gottes Hilfe sich verwirklichen möge. Oberbürgermeister Dr. Hipp (Regensburg) hielt hierauf einen Vortrag über das Thema „Der Christ in den sozialen Röten der Gegenwart". Er schloß seine Ausführungen: Möge das deutsche Volk als erstes im friedlichen Wettstreit mit den anderen Rationen die Grundsätze der sozialen Gerechtigkeit und christlichen Liebe im privaten wie im öffentlichen Leben, in Staat und Wirtschaft verwirklichen. Der österreichische Kultusminister Dr. C z e r m a k überbrachte die Grüße Oesterreichs. Der Präsident der 70. Generalversammlung, Reichstagsabgeordneter 3 o o s (Köln) sagte Dankesworte an die Stadt Rürnberg, die Katholiken Rürnbergs, die hohen Gäste, an Ministerpräsident Dr. Held, das Land Bayern, die Bischöfe, Aebte, Prälaten und den Runtius. Sodann trat der Erzbischof von Bamberg an die Brüstung, gefolgt vom Runtius und den Bischöfen und spendete der Versammlung den obüthirklichen Segen. Lustbombardement auf Nancy Oie großen französischen Lustmanöver Paris, 29. Aug. (TU.) Die französifcken Lustmanöver fanden bei Nancy statt. Marschall P6- tain wohnte einer neuen, mit zwei Maschinen durchgeführten Vernebelungsübung bei, die zur Befriedigung der militärischen Sachverständigen »erlief. Die leitenden Ingenieure überzeugten P6- Tain und seinen Stab von der Nützlichkeit des Der- Nebelungsverfahrens für das Feldheer. 3m Laufe des Vormittags folgte die Vorführung verschiedener Schutzmaßnahmen gegen Luftangriffe, während am Abend auch die Zivilbevölkerung gewissermaßen zum Manöver herangezogen wurde. Die Aufaabe bestand darin, das ganze Uebungsgebiet auf ein Sirenensignal hin in tiefes Dunkel zu hüllen und durch Zusammenarbeit aller zivilen Organisationen mit dem militärischen Stab geeignete Schutz- und Rettungsmaßnahmen durchzuführen. Obgleich die Anwendung von Gift - und Gasbomben bekanntlich durch internationale Abkommen ausgeschlossen ist, trugen die Manöver in erster Linie einem derartigen Angriff Rechnung, lieber verschiedenen Plätzen der Stadt wurden Bomben-Attrappen abgeworfen. Polizei, Feuerwehr, Rettungswesen, Pfadfinder und Hilfsmannfchaften standen die Nacht über unter Alarm. Für die Zivilbevölkerung errichtete Unterstände wurden probeweise zerstört, um aus den Erfahrungen verstärkte Schutzmaßnahmen ableiten zu können. Samstagvormittag erfolgte ein geschlossener Luftangriff auf die Stadt, an dem alle Flugzeuge beteiligt sind. Es folgte ein allgemeines Bombardement aus der Luft, an dem sämtliche Formationen teilnahmen. Gleichzeitig traten Polizei, Feuerwehr unk Rettungsmannschaften in Tätigkeit. Nach dem Manöver flogen Luftfahrtminister Dumesnil, Marschall Pstain und General Poli- Marchetti, begleitet von ihrem Stabe, in drei Flugzeugen nach Straßburg ab, wo sie kurz vor 19 Uhr eintrafen. Das Oberkommando veröffentlicht einen Taaesbefehl, in dem den an den Hebungen mitwirkenoen Streitkräften, sowie der Zivilbevölke- Über Lothringen. rung ein Dank für ihre Leistungen ausgesprochen wird. * Wie ein Pariser Mittagsblatt mitteilt, werden an den großen Manöoern an der Aisne im Gebiet von Reims, die Anfang September beginnen, vier Abteilungen rivater Verkehrsflieger teilnehmen. ie Flugzeuge, die eine Motorenstärke von mindeste ns 80 und höchstens 140 PS haben dürfen, werden von ihren privaten Besitzern gesteuert, soweit sie ein militärisches Flugpatent haben. Die Teilnehmer erhalten eine Entschädigung von 60 Franks (10 Mk.) pro Tag und 300 Franks (50 Mk.) pro Flugstunde. Das Bruchrisiko geht zu Lasten des Besitzers. Für die Manöver sind zehn Tage vorgesehen. Man glaubt, daß diese kleinen Derkehrsapparate, die eine Geschwindigkeit von nur 130 Stundenkilometer erreichen, wichtige militärische Dienste als Der- bindungsflugzeuge leisten können. Nächtlicher Lustangriff auf Mailand. Rom, 30. Aug. (TU.) Am Sonntag bildete Mailand den Mittelpunkt der italienischen Flugmanöver. Die Aktion begann mit einem nächtlichen Luftangriff, der durch mehrere hundert Flugzeuge in breiter Welle vorgetragen wurde. Die Mailänder wurden durch das Geknatter der Petarden (künstliche Bomben I) und das Geratter der Motoren aus dem Schlafe gerissen, sofern sie das nächtliche Kriegsspiel vergessen hatten. Eine halbe Stunde lang beschien der Mond über Mailand ein eindrucksvolles Kriegsfeuerwerk. Am Vorabend wurde der Bahnhof, der Dom und alle strategisch wichtigen Punkte der Stadt mittels Bomben und Beschießung nach allen Regeln der Kriegskunst angegriffen. Zuletzt war Mailand in einen dichten Gasnebel gehüllt, der über der Stadt schwebte und aus dem der weihe Dom gespenstig aufragte. Kleine politische Nachrichten. Der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Peter Gemeinder, der Gauleiter der NSDAP, im Bezirk Hessen,ift am Samstagabend plötzlich o c r s ch i e d e n. Gemeinder hatte am Abend noch in einer großen Versammlung in der Mainzer Stadthalle gesprochen. Nach Schluß der Versammlung wurde er von einem Herzschlage getroffen, dem er kurze Zeit darauf erlegen ist. * 3n Doizenbur g (Mecklenburg) fand die Dürgermei st erwähl statt. 3n der Stichwahl standen sich der von den Rationalsozialisten und Bürgerlichen ausgestellte nationalsozialistische Rechtsanwalt Dr. Z e i 11 e r (München) und der kommunistische Rechtsanwalt Dr. Alexander (Berlin) gegenüber, der von den Kommunisten und Sozialdemokraten unterstützt wurde. Dr. Zeltler erhielt 1625 und der kommunistische Kandidat Dr. Alexander 1752 Stimmen. Somit ist der kommunistische Kandidat gewählt. Da die mecklenburgische Regierung kein Bestätigungsrecht hat, wie in Preußen, gilt Dr. Alexander endgültig als Bürgermeister. * 3m Woldemaras-Prozeß wurden zehn Angeklagte, darunter der ehemalige litauische Diktator Wolde- m a r a 5 und zwei seiner Adjutanten, frelge« sprachen. Zwölf Angeklagte wurden zu ie einem Jahr Gefängnis verurteilt. Der Rusteika-Attentäter Veitkiewiczus erhielt 15 Fahre Zuchthaus, fein Helfershelfer Pupaleikis zwölf Fahre Zuchthaus. Aus aller Welt. „Graf Zeppelin" auf der Fahrt nach Süd-Amerika. Am Samstagabend 21.30 Llhr ist das Luftschiff „Graf Zeppelin" unter Führung von Dr. Eckener zur Südamerikafahrt gestartet. An Bord waren außer der Besatzung zwölf Fahrtteilnehmer. Das Luftschiff hat nachts Südfrankreich überflogen. Zehn Minuten nach Mitternacht passierte es Besan^on, dann Lyon, Orange, Arles, Ste. Marie de la Mer und fuhr dann mit 120 Stundenkilometer bei strahlender Sonne und völliger Windstille an der spanischenOstküste entlang. Lieber Carthagena sah man auf braun-gelbes Küstenland, das von den ultrablauen Wassern des Mittelmeers umspült war. Bei Malaga wechselte dieses Bild, in ununterbrochener Folge zogen grüne Felder, Weingärten, zu denen schneebedeckte Berge einen stimmungsvollen Hintergrund abgaben, an den Augen der Reisenden vorüber. Die Kanarischen Inseln wurden am Montag früh gegen 6 Llhr passiert. Das Luftschiff fährt bei frischer Morgenbrise mit 145 Kilometer Stundengeschwindigkeit. Die Beisetzung des Präses Dr. Dr. IDolff. 3n der Aachener ^hristuskirche war eine zahlreiche Trauergemeinde versammelt, um dem verstorbenen Präsidenten der rheinischen evangelischen Provinzialshnode Dr. Dr. Wolff die letzte Ehre zu erweisen. 3n Vertretung des Kultusministers war Ministerialdirektor Dr. Trende- l e n b u r g erschienen. Reben vielen anderen wohnte der Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchenausschusses Dr. Dr. K a p l e r Der Trauerfeier bei. Worte des Gedenkens sprachen Generalsuperintendent D. S t o l Le n h o s s (Koblenz), ferner Konsistorialpräfident D. Freiherr von der Goltz (Koblenz), der Präses der Generolshnode D. W i n ck l e r, und der geistliche Vizepräsident des Evangelischen Oberkirchenrates. THatga von Etzdorf in Tokio. Marga von Etzdorf ist mit ihrem Junkers- Junior „Kiek in die Welt" in Tokio eingetroffen und hat damit ihr Ziel in überraschend kurzer Zeit erreicht. Sie st a r t e t e a m 1 8. A u g u st i n Berlin und folgte im allgemeinen der Route Moskau — Omsk — Irkutsk—Mulden—Söul. In durchschnittlichen Tagesleistungen von 1000 Kilometer hat sie die 11000 Kilometer lange Strecke in zwölf Tagen zurückgelegt. Trotz mehrfacher Behinderung durch Rebel und einer Zwischenlandung auf der offenen Kirgisensteppe. Unfälle beim THotor-Betgrennen. In Teterow (Mecklenburg) ereigneten sich bei dem ‘Bergrennen zwei schwere Unfälle. Der Teterower Fahrer Hochmeister stürzte im vierten Rennen mit seiner Maschine ins Publikum und riß zahlreiche Zuschauer zu Boden. Sieben Personen muhten vom Platz getragen werden. Ein Teil von ihnen wurde dem Krankenhaus zugeführt. Im darauffolgenden Rennen fiel ein Lübecker Fahrer von der Maschine, die allein weiterraste und im Publikum eine Panik hervorrief. Ein Kind wurde von dem Motorrad so schwer verletzt, daß es von der Bahn getragen werden muhte. Ein THoforrabunglürf fordert zwei Todesopfer. Auf der Straße von Straubing nach Alterhofen stieß der Bürgermeister und Landwirt Harlander aus Reiszing auf feinem Motorrad, als er einen Wagen Überholen wollte, mit dem Motorrad des 63jährigen Schnellinger aus Regenbura zusammen. Schnellinger wurde vom Kraftrad geschleudert und sofort getötet; eine auf dem Soziussitz mttfah- rende Frau wurde im schwerverletzten Zustande in das Krankenhaus gebracht. An ihrem Aufkommen wird gezweifelt. Harlander starb nach der Einlieferung in das Krankenhaus. Er hinterläßt Frau und neun Kinder. Geistesgegenwart eines Lhauffeurs. Ein Berliner Drofchkenchauffeur wurde nachts von zwei jungen Burschen zu einer Fahrt nach Hohenschönhausen aujgeforbert. Als man dort au unbebautem Gelände angekommen war, stieg einer der Burschen aus, trat mit gezogener Pistole an den Chauffeur heran und verlangte die Herausgabe des Geldes. Dann verlangten sie, daß Der Chauffeur sie nach der Stadt zurückbrin- gen und an der Stadtgrenze absehen sollte. Der Wagenführer fuhr nach Berlin zurück, schaltete jedoch das Licht aus imb fuhr dunkel toei- ter, da er hoffte, daß eine Schupostreife ihn anhalten würde. Zwei Schupobeamte hielten auch den unbeleuchteten Wagen an. Der Chauffeur verständigte die Polizisten und die beiden Insassen muhten mit aufgehobenen Händen herauS* fommen. 4tus Der Provinz,alhauptstadl. Gießen, den 31. August 1931. Oie Musik der Dreschmaschine. Die Dreschmaschine gibt jetzt den Ton in öefi Musik der Tage auf dem Lande an. Ihr ‘Brummen geht durch die Dorfgaffen und um die Häusergiebel. wie das Summen eines eigensinnigen Insektes. Die Dreschmaschine intoniert das Finale in der sinfonia rusticana, in jenem Auf- und Abklang, der verschiedenartigsten Motive, aus denen der Zyklus „Landarbeit" besteht. In diesen Schluhgesang sind alle Themen verwoben, die jeden Schritt und jeden Gedanken des Landwirts in langen zwölf Monaten gegleiteten. Für die Musik der Dreschmaschine hat der Landwirt ein feines Ohr. Er liebt es, wenn keine Störungen in dem Gleichlauf der Takte eintreten. Wie der Sand in der Stundenuhr, o muh das metallische Geräusch dahinrieseln. Wie nämlich in der Dreschmaschine das Gesetz von dem folgerichtigen Ablauf eines Ratur- geschehens technische Präzision empfangen hat, so läßt sich auch aus dem Rhythmus des täglichen Lebens manche reizvolle Variante-heraushören. Der eine drischt, so lange es irgendein^handelnder Teil ist, ständig taubes Stroh. Weil Klappern zum Handwerk gehört, sieht und hört man ihn immer und irgendwo. Wenn man abwägt, was er zuwege gebracht hat, dann verpustet sich das meiste aus der flachen Hand, wie bei dem letzten Hinterkorn. So wächst, blüht und gedeiht Scheinbares, das ebenso unscheinbar aus der Maschine rinnt. Ein anderer legte sich um der Sache selbst willen als Humus in die Furche der Pflichterfüllung, um den Weizen der innerlichen Genugtuung zu ernten. In der Dreschmaschine ist die Zeit nicht nur bares, sondern heute erst recht sehr hoch im Kurse stehendes Geld geworden. Was früher ein Quartett von Dreschflegeln vom ersten Hahnenschrei bis zum letzten Brüllen im Kuhstall die Voraussetzung für das tägliche Brot werden ließ, daS schluckt heute der Rachen der Dreschmaschine. Emsige Hebel zerteilen es und zerren die flachen Lagen über eine Trommel, wo es hart auf hart geht. Genau wie das Leben so häufig auf uns selbst herumtrommelt. Auf dem Rüttelsieb wird das Goethewort wirksam, daß uns das Leben erst einmal am Zeuge flicken muh, bevor wir für die Praxis tauglich werden. Nachdem die Spreu vom Weizen gesondert ist, werden die einzelnen Körner nach ihrem Umfange ausgewählt. Denn hier stehen ausnahmsweise einmal Aufmachung und Gehalt an Vitaminen in unlöslichem Zusammenhang. Das Vollkorn wird den vollen Wert vollinhaltlich enthalten. So brummig die Dreschmaschine tut, wenn es ihr bisweilen zu dick kommt, die Symbolik, die auf das Leben Bezug hat, ist auch hierbei ersichtlich. Zwischen dem Rattern der Mähmaschine und des Selbstbinders und der gleich Bergleuten, schürfenden Tätigkeit der Kartoffelgräber hat dis Dreschmaschine, besonders wenn das Wetter nichts anderes zuläht, die Aufgabe (und diese Aufgabe kann eine große Rolle in der Rentabilität des Betriebes spielen), tote Punkte überwinden zu helfen. Hier macht sie aus der Rot eine bedeutsame Tugend. Sie wird Lückenbüßer, Rothelfer, damit die Zeit das bleibt, was sie fein soll! Produktionsfaktor. Denn kein Kapital verzinst sich besser als die Zeit, wenn sie zur richtigen Zeit und zu dem richtigen Kurswert gehandelt wird. Wie im Leben, kommt auch bei der Dreschmaschine das meiste auf das Sieb an, durch das man gerüttelt worden ist, um als Voll- oder Hinterkorn feinen Platz auf dem Getreideboden der Domäne Menschheit zu finden. Oie Oevisenablieferung. Rach einer am Samstag im „Deutschen Reichsanzeiger" erschienenen „Dritten Verordnung zu« Durchführung der Verordnung des Reichspräsidenten über die Devisenbewirtschaftung vom 29. August 1931" werden Devisenbestände im Rennwert von über 1 000 Mark aufgerufen, die durch den Ausruf in der ersten Durchführungsverordnung zur Kapitalfluchtverordnung zum 31. Juli 1931 nicht erfaßt worden find. Für die durch die zuletzt genannte Verordnung bereits erfaßt gewesenen Anmeldepflichtigen, soweit sie ihren Verpflichtungen nachgekommen find, gilt der neue Aufruf nur für ihre Bestände an Gold (außer Kurs gesetzte Goldmünzen, Feingold oder legiertes Gold, Roh- oder Halbfabrikate) und für solche ausländischen Wertpapiere, die anders als gegen ausländische Zahlungsmittel oder Forderungen in ausländischer Währung erworben worden sind. Anmeldestellen sind, wie bisher, die örtlich zuständigen Reichsbankanstalten und die mit der Befugnis von An« und Verkauf von ausländischen Zahlungsmitteln ausgestatteten Kreditinstitute. Stichtag für die Freigrenze ist der 29. August 1931. Die Anmeldung der Werte hat bis zum 5. September 1931 zu erfolgen. Wer nachweifen kann, daß er der Werte zu volkswirtschaftlich gerechtfertigten Zwecken bedarf, hat die Entscheidung..der Reichsbank, oder eines von ihr ermächtigten Kreditinstituts anzurufen. Die wichtigste Reuerung an der Verordnung ist die Herabsetzung der Freigrenze des § 11 der Devisenbewirtschaftungsverordnung von 3000 Mark auf 1000 Mark. Die neue Freigrenze gilt also nicht nur für den Aufruf, sondern für das gesamte Gebiet der Devisenbewirtschaftung, also z. B. auch für den Erwerb von Devisen, die Verfügung über Devisen usw. Bornotizen. — Tageskalender für Montag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ,Hhre Hoheit befiehlt". * *♦ Rückfahrkarten auf der Kraft- postlinie Gießen —Hochelheim. Die Fahrpreise der Kraftpostlinie Gießen—Hochelheim sind seinerzeit durch die Oberpostdirektion Darmstadt unter Zugrundelegung des Satzes von 10 Pfennig je Kilometer festgesetzt worden. Einem verschiedentlich geäußerten Wunsche entsprechend, hat die Oberpostdirektion auf Vorschlag des hiesigen Postamtes nun die Einführung von verbilligten Rückfahrkarten genehmigt. Die Ausgabe der Rückfahrkarten erfolgt mit Wirkung vorn 4. Oktober ab. Der Preis für die Hin- und Rückfahrt von Groß-Rechtenbach nach Gießen beträgt 1,70 Mk. Eine weitergehende Ermäßigung ist wegen des zu erwartenden Einnahmeausfalles vorläufig nicht zugestanden worden. *• Gegen die Obsteinfuhr. Der Obstund Gartenbauverein Gießen richtete an den Vorstand des Landesverbandes hessischer Dbft- tmb ®artenbaut>erdne eine Eingabe, In welcher ersucht wird, bei der Reichsregierung alsbald wegen vorübergehender Schließung der Grenzen für Obfteinfuhr au- km Auslände vorstellig zu werden. •• (Ein Opfer des Spiels mit der Schußwaffe? Die polizeiliche Untersuchung des Todes des zehn Jahre alten Hans B ruckel x><\ Leihgestern, über den wir om Samstag berichteten, hat bis jetzt noch keine volle Klärung des Dorfalles bringen können. Der Later des auf io tragische Weise aus dem Leben obgerufenen Kindes hat bei der polizeilichen Unterluchung zugegeben daß er einen Revolver besessen Hal, den er im Kleiderschrank auf- bewahrte. Diese Schußwaffe ist nicht mehr vor- Händen und wo fie hingekommen ist. will auch dem Later des Kindes nicht bekannt fein. Die Untersuchung durch die LondeskriminalPolizei nimmt ihren Fortgang. Die Annahme durfte nicht von der Hand zu weisen sein, daß der bedauernswerte Zunge bet seiner alleinigen Anwesenheit im elterlichen Hause die Schußwaffe gefunden und damit gespielt hot, wobei er dann durch den tödlichen Schuß verunglückte. ,e DerkehrSunsall. Am Freitag gegen 1130 Uhr ereignete sich am OSwaldsgarten ein DerkehrSunfall, der sehr leicht schwere Folgen haben konnte. Ein Personenkraftwagen fuhr von der Neustadt in der Richtung nach dem Diadukt, als im gleichen Augenblick ein Gärtnerlehrling auf feinem Fahrrad lauf dem er außerdem einen kleinen Jungen mitführte) von der Kirchstrahe herkam und in die Neustadt einbieaen wollte. Bei dem unvermeidlichen Zusammenstoß stürzte der GSrtnerlehrling vom Rade, erlitt aber nur unerhebliche Derletzungen. Der Kraftwagensuhrer jedoch, anscheinend irritiert durch diesen Dorsall, geriet mit seinem Fahrzeug nunmehr auf den Bürgersteig und fuhr dort zwei Kinder im Alter von 4 und 6 Zähren um. Die Kinder, die dabei zu Schaden kamen, wurden von dem Kraftwagen- führer sofort nach der Chirurgischen Klinik gebracht. Die Derletzungen der Kinder sind zum Glück nur leichter Art. •• Die Bäcker - ZwangSinnung Gießen - Stadt beschäftigte sich in ihrer jüngftcn Generalversammlung unter dem Dorsch deS Obermeister- W. Loeber mit den Ergebnissen der Oberhessischen Provinzialversammlung, die am 20. August in Gießen stattfand. Dabei wurde zunächst die DrotpreiS-Statistik geprüft, auS der sich ergab, daß die Brotpreise in Oberhessen erheblich hinter den Brotpreisen in der Provinz Starkenburg zurückstehen, und zwar sowohl für Weizenmischbrot wie auch für Roggenbrot und Weißbrot. Weiter wurde darauf hingewiesen, bah der Mehlprci» infolge der verzögerten Einbringung der Ernte wieder auf 32 Mark pro Doppelzentner Roagenmehl gestiegen ist und die Dorräte an altem Roggenmehl sehr knapp sind. Trotzdem soll bis auf weiteres am Drotpreis nichts geändert werden, wobei man hofft, daß diese Stellungnahme bei der Konsumentenschaft die verdiente Würdigung finden werde. Ferner wurde dem dringenden Wunsche Ausdruck gegeben, daß trotz der gegenwärtigen Schwierigkeiten auf dem Geldmärkte den Kreditbedürfnissen des Handwerks weitgehend entgegenaekommen werden möchte, in Bezug auf das Bäckerhandwerk zu dem Zwecke, eine im Preis tragbare, ungestörte Dersorgung der Bevölkerung mit Brot sicherzustellen. Mit Befremden wurde in diesem Zusammenhang festgestellt, daß der Derein süddeutscher Mehlhändler in Frankfurt kürzlich in einem Rundschreiben an seine Abnehmer Lieferung-- und Zahlungsbedingungen aufgestellt hat, die im Verhältnis zu den gegenwärtigen Zeitumständen als wenig verständnisvoll bezeichnet werden mühten. Oderheffen. Beigeordnetenwahl in Grünberg. * Grünberg, 30. Aug. Am heutigen Sonntag wurde in unserer Stadt die Beigeordnetenwahl durchgeführt. Von 1573 Stimmberechtigten machten 106> von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Es wurden 1059 gültige Stimmen abgegeben. Metzgermeister und Landwirt Karl Böß (Mittelstandspartei und Landbund) erhielt 464 Stimmen der Fabrikant Karl R e p p 315 Stimmen, und auf den Kandidaten der Sozialdemokratischen Partei, Reichsbahnassistent Ernst Schellhaa», entfielen 280 Stimmen. Da keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit auf sich vereinigen konnte, wird Stichwahl zwischen Karl Böß und Karl Repp notwendig. Die Stichwahl wird voraussichtlich in 14 Tagen stattfinden. Landkreis Gießen. O ®rüningen,30. Aug. Die älteste Einwohnerin unseres Ortes, Frau Anna Elisabeth Hobeler, feierte heute im Kreise ihrer Angehö- rigen ihren 9 2. Geburtstag. > Burkhardsfelden. Zl.Aug Am gestrigen Sonntag ereignete sich ein tragischer Unfall. Sin junge- Ehepaar von hier fuhr am Nachmittag aus dem Rad nach Großen-Buseck zu den Eltern der jungen Frau, um dort an der KirmeS teilzunehmen. Kurz vor Großen-Buseck wurde die junge Frau plötzlich von starkem Unwohlsein befallen. Sie stieg vom Rad und wurde bewußtlo-. Ein vorbeisahrcndes Auto nahm fig aus und brachte sie in das Dors zum Arzt, der jedoch nur den bereits eingetretenen Tod seststellen konnte. Ein Schlaganfall hat dem Leben der jungen Frau jäh ein Ende bereitet. Statt froher Gäste wurde den Eltern die tote Tochter ins Hau» gebracht. Die jungen Leute waren erst seit Ostern diese- Jahre- verheiratet. + Grünberg. 30. Aug. Am Samstagabend brach in dem Anwescn des Fabrikanten Stamm- l c r in dem als S ch e u n e benutzten Teil Feuer aus. da- an dem dort lagernden Heu gute Nahrung sand. Da das große Gebäude massiv erbaut ist, konnte durch da- rasche Eingreifen der Freiwilligen Feuerwehr ein Umsichgreifen deS Feuers auf weitere Teile des Anwefens verhindert werden. Die Löfcharbeiten und daS Au-räu- men des Brandherdes wurden durch die starke Rauchentwicklung erschwert. Ein Feuerwehrmann erlitt eine Rauchvergiftung und mußte in die Klinik nach Gießen überführt werden. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Ucber die Entstehungsursachc deS Brandes ist nicht- bekannt. Mreid Friedberg. WSN. Friedberg, 29. Aug. Die Boden» bewegung in unserer Stadt ist zum Still- stand gekommen. Es ist noch nicht geklärt, ob die Wassermassen, die das ZerstörungSwerk an den Fundamenten der geräumten Häuser anrich- teten, von der Wasserleitung herrühren. Man hält es auch nicht für ausgeschlossen, daß das Regenwasser der letzten Wochen Einlaß in die Keller gefunden hat. Eine gründliche Untersuchung der Bodenverhältnisse in der Altstadt soll durch einen Markscheider vorgenommen werden. Mreid Büdingen. H Nidda, 30. Aug. 3n der jüngsten Gern e i n de r at S s i tz u na wurden u. o. folgende Beschlüsse gefaßt: Ucber den Waldwi rt- schas tsplan für das Jahr 1932, in dem außerordentliche Neuausforstungen, Nachbesserungen früherer Kulturen, sowie Ehaussie- rung eine« Waldweges vorgesehen sind, soll vorerst nochmals mit dem Forstamt verhandelt werden, da nach Ansicht des Gemeinderats die Arbeiten wegen der ungünstigen Finanzlage der Stadt nicht alle zur Ausführung kommen können. — Gs lagen eine Anzahl Gesuche um Stundung der 1930er Gemeinde-, Kreis- und Pro- vinzialumlagen vor, die zum Teil mit Einsprüchen gegen die Steuerveranlagung selbst und zum Teil mit der ungünstigen Wirtschaftslage begründet wurden. Der Gemeinderat genehmigte die Stun- dungSgesuche und ermächtigte gleichzeitig die Bürgermeisterei, weiter einlaufenden Htundungs- gesuchen, soweit sie begründet sind, stattzugeben. Die nach der Notverordnung des Reichspräsidenten angeordneten Verzugszuschläge werden von gestundeten Steuern nicht erhoben, sondern lediglich Verzugszinsen. bte mindestens 5 v. H und höchsten» 12 v. H pro Jahr betragen. Mreis Schotten. # Freienseen, 29. Aug. Dieser Tage wurden hier die Reichsjugendwettkämpfe des Bezirks Laubach durchgeführt. An den Kämpfen napmen die Schülerinnen und Schüler von Laudach, Ruppertsburg. Wetterseld. Lardenbach, Groß-Eichen, Sellnrod, Altenhain und Freienseen teil. 3m ganzen beteiligten sich 186 Schüler, von denen 148 die nötige Punktzahl 54 erreichen konnten. Al» Hebung war ein Di erkämpf (Hochsprung, Weitsprung. Ballweitwurf und 100- Metcr-Laufi vorgesehen. Nach der Siegerverkündigung hielt Schulrat Hasenzahl eine kurze Ansprache. Die besten Preise erhielten: Kna- ben-Oberstufe: 1. A Sauer. Freienseen, 105 Punkte: 2. K. Faust. Groh-Eichen, 78; 3. St Schreiner, Freienseen 74; 4 H Papst. Ruppertsburg, 71; 5. QL Schombert. Groß-Eichen, 70. Mädchen-Oberstufe: 1. Lina Merz. Sellnrod. 83 Punkte; 2. S. Schmidt. Laubach, 82; 3. W. Rühl, Lardenbach, 78; 4. Fr. Flick, Freienseen, 76; 5. M.Koch, Laubach, 74. Knaben-Dorstufe: 1. A Hansen, Groß-Eichen, 91 Punkte; 2 O. Parr, Ruppertsburg. 91; 3. G. Schreiner. Wetterfeld, 88; 4. R. Traum, Freienseen 86. Mädchen-Dorstufe: 1. 3. Hofmann. Klein- Eichen 87 Punkte; 2. E. Schleuning. Sellnrod. 86; 3. 3. Kühn Klein-Eichen 85; 4. E. Sauer, Lardenbach. 80. 'Preußen. Kreis Wetzlar. △ Hörnsheim. 30. Aug. Die Eheleute Anton Schäfer und Katharina geborene Schmidt von hier feierten da» Fest der goldenenHoch- zeit. Dem 3ubelpaar wurde vom Staat ein Geldgeschenk überreicht, gleichzeitig sprachen Landrat M i ß (Wetzlar) und Bürgermeister Dr. Neumann (Groh-Rechtenbach) Glückwünsche au». Die Wetterlage o .Hordoi 71 Wl fy O Ptrllney6 ■ Q Wottenlos. 0 ntner. <) narr* otdtc-i ® woino G DtdectK • Rtatfl # Sckacc a Qraupein ■ mur und 9 fachenI Ä lÄ'lele ssS-S Oand: 5-6 Zimmer oder Kans mit Garten in guter Lage zu mieten ober kaufen gesucht. Sä>r. Angebote um. 56871) an den Gieß. Anz. Groge Mali enverfteiüeruna. Dienstag, den 1. September., nachmittags ab 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen". Neuenweg 28: 5682D Speisezimmer, Schlafzimmer, Kleiderschränke, Wäscheschränke, Nähmaschinen, Grammophone, Wand- und Trumeau- spiegel, Blumenkrippen, Staubsauger, Nachttische Waschtische Kommoden, Kassenschrank, Schreibtische, Bilder, Oel- gemülde, Teppiche, Bücherschränke, Brotmaschinen u. v. a. Versteigerung bestimmt. 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Die Liga der Spielvereinigung vermochte auf dem heißen Boden in Fronhausen ebenfalls einen Sieg zu erringen. Mit 4:1 muhten sich die Platzbesiher geschlagen bekennen. Die zweite Mannschaft verlor allerdings gegen die zweite von Fronhausen mit 5:2, die Alten Herren dagegen eiferten der Liga nach und gewannen ebenfalls mit 4:1. Die Lehrmannschaft errang gegen Lollar mit 3:1 einen schönen und hoch einzuschähenden Sieg: am Sonntag muhte sich die erste Mannschaft von Watzenborn-Steinberg gegen die gleiche Mannschaft der 1900er mit einem Unentschieden von 2:2 zufrieden geben. Die vierte Mannschaft gewann gegen die erste von Darbenheim mit 4:1. Die erste Äugend muhte sich in Weilburg mit 3:2 knapp geschlagen bekennen. Punfffämpfe in öer Gruppe Main. Die Gruppe Main hatte am letzten Augustsonntag einige sehr interessante Spiele auf der Karte. Mit besonderer Aufmerksamkeit blickte man nach Bornheim, wo der Fuhballsportverein gegen den Tabellenführer Offenbacher Kickers vor 8000 Zuschauern nach einem sehr harten Kampf ein Unentschieden von 1:1 erzielte. Die KickerS teilen sich jetzt mit dem Meister Eintracht in die Führung, denn die Eintracht konnte in Hanau einen — wenn auch knappen — 3:2-(2:0-)Sieg buchen. Rot-Weih Frankfurt verlor in Reu-3senburg die Punkte, die Platzherren blieben mit einem 1:0 (1:0) in Front. Während die genannten Ergebnisse nicht ganz unerwartet kamen, gab eS in den beiden anderen Spielen des Tage- Ueberraschun- gen. Mit einem Sieg von Union Riederrad gegen Germania 94 hatte man zwar gerechnet, aber doch nicht gleich mit einem 10: 0 (4:0). Germania Bieber lieh sich aus eigenem Platz von dem Heuling Heusenstamm mit 2:4 schlagen. Oie punltelampfe in Heften. In der Gruppe Hessen konnte am Sonntag der Liganeuling Kastel über Alemannia Worms mit 2:1 seinen dritten Sieg buchen und damit weiter vor Mainz 05, daS auS Lorsch einen überraschend hohen 6:2-Sieg mit nach Hause brachte, die Tabellenführung behalten, 3n den übrigen Spielen gab eS drei Überraschungen. Wormatia gewann nur ganz knapp 1:0 gegen Langen, Wiesbaden verlor an Walldorf unter interessanten Umständen mit 1:1 einen Punkt, und Darmstadt errang mit 42 gegen Urberach den ersten Sieg. Vier Verbandsspiele in Süddeutschland 3n der süddeutschen Fuhball-Liga kamen am Samstag wieder vier Punktespiele zum Austrag, von denen allein drei unentschieden endeten, im übrigen alle Überraschungen brachten. Jeweils 1:1 spielten Bayern München gegen DSD. München und DfR. Mannheim gegen Sandhofen. Phönix Karlsruhe und Rastatt trennten sich 2:2, während die Dp. Dg. Fürth gegen den ASD. Rümberg nur knapp 3:2 gewann. Herbst-Regatta in Gießen. Die Herbstregatta deS Lahnregatta-DerbandeS, die am Sonntag zur Austragung gelangte, war dem Verein Rudersport 1913 Gießen übertragen. Am SamStagnachmittag und am SonntagvormittSg wurden die bet der grohen Anzahl der eingelaufenen Meldungen notwendigen vielen Dorrennen ausgefahren. Bereits in diesen Dorrennen entwickelten sich außerordentlich scharfe Kämpfe, in denen sich trotz stärkster auswärtiger Konkurrenz die (Siebener Vereine sehr gut zu behaupten vermochten und sich meist bis in die Entscheidung durchrinaen konnten. Am Eonntagnach- mittag Begannen die Hauptrennen, die flott zur Durchführung gelangten. Das umfangreiche Programm von 19 Rennen wurde in der vorgesehenen Zeit durchgeführt. Die Einführung des Zehn- Minulen-Starts wurde von allen Besuchern der Regatta sreudig begrübt. Trotz alledem nahm die Abwicklung der Regatta vier Stunden in Anspruch. Der erfolgreichste Verein der diesjährigen Herbstregatta war die (Siebener Rudergesellschaft von 1877. Aus nicht weniger denn fünf Rennen (von acht gemeldeten Rennen) gingen die Mannschaften der GRG. als erste Sieger hervor. Der Verein Rudersport muhte sich allerdings mit einigen zweiten Plätzen begnügen. Der (Siebener Ruderklub Hassia vermochte lediglich einen zweiten Platz im 3ungmann-(3iner zu belegen. Die Mannschaften der GRG. erwiesen sich als in ausgezeichneter Form und lieferten ihren Gegnern großartige Kämpfe. Reben der GRG. vermochte auch die Frankfurter Rudergesellschaft einige schöne erste Siege zu erringen; die Mainz-Kasteler blieben in den von ihnen belegten Rennen ebenfalls siegreich. 3n den beiden Damen-Rennen des TageS blieben die Offenbacher Damen vor den Damen des Vereins Rudersport in Front. Der Große Achter, der die erfolgreiche Mannschaft von Mainz-Kastell im Rennen sah, wurde von Mainz-Kastell in hervorragender Zeit vor der Mannschaft der Donner RG. bravourös gewonnen. Die Regatta war von einigermaßen gutem Wetter begünstigt; obwohl gegen ba$ Ende leichter Regen niederging, wurde die Deranstaltung doch nicht wesentlich beeinträchtigt. Das Publikum, das sich sehr zahlreich eingefunden hatte, nahm lebhaftesten Anteil an den spannenden Kämpfen. Die erzielten Zeiten dürfen als sehr gut bezeichnet werden. Am Samstagabend fanden sich die Ruderer im Bootshaus des DereinS Rudersport zu einem bunten Abend ein, der einen sehr schönen Verlauf nahm. 3m Anschluß an die Rennen am Sonntag fand die Preisverteilung statt. Oie Ergebnisse: Lahn-Iungmann-Vierer: 1. (Siebener 9x(9. 5:58; 2. Verein Rudersport 6:08. Die körperlich kräftigere Mannschaft der (Siebener RG. (Wei» bia, Kuschte, Neuroth, Goetz, St.: Loh) errang einen sicheren Sieg vor Verein Rudersport. Mit nahezu drei Längen Vorsprung gingen die (Siebener RG.er durch das Ziel. Hassia und Marburger RD. schieden bereits im Dorrennen aus. Herb st-Vierer (1. Rennen): 1. (Siebener RG. 5:47,2; 2. Bonner RG. 5:47,4; 3. Wetzlarer RT. Nach einem scharfen Kampf zwischen (Siebener RG. (Knobeloch, Heß, Schneider, Hochstätter, St.: Loh) und Bonner RG. auf der ganzen Strecke, gingen die Siebener RG.er mit knappem Vorsprung durch das Ziel. Wetzlarer RE. lag weit zurück. Jugend-Gig-vierer: 1. Rv Rüsselsheim 3:16; 2. Frankfurter RV. Sachsenhausen 3:18. Die Rüsselsheimer gingen sehr frisch mit einer halben Bootslänge Vorsprung durch da» Ziel. Herd st-Vierer (2. Rennen): 1. Frankfurter RG. „Germania' 5.51,8; 2. Mainzer RV. 5:55; 3. Essener T. u. F. aufgegeben. In einem scharfen End- kompf gewannen die Frankfurter mit einer halben Länge Vorsprung. Er st er Lahn-Vierer: 1. Siebener RG. 5:50; 2. Weilburger RV. 6:03. Den Weilburgern war die Revanche für die Iubiläumsregatte nicht gelungen; sie mubten sich vielmehr von der (Siebener RG. (Flimm, Becker, Köhler, Hartmann, St.: Loh) schwer geschlagen bekennen. Nahezu vier Längen lagen die (Säfte zurück. Die Gießener gingen überraschend frisch durch das Ziel. Iungma^n- Achter (um den Herausforderungspreis de» Vereins „Uferkritik"): 1 Mainzer RA. 1878 5:18; 2. Neuwieder RG. 5:28. Beide Mann- schoflen ruderten das Rennen in schönem Spiel. Die Mainzer errangen mit eineinhalb Bootslängen Vorsprung einen sicheren Sieg. Iungmann-Einer: 1. K. Altmann (Neuwieder RG.) 6:34; 2. Ludolf Henn (Hassia (Sieben) 6:54. Dem Favoriten Altmann konnte der Sieg nicht streitig gemocht werden.M)er Marburger Bier- mann gab auf. Rübsam (Gießener RG.) schied bereits im Vorrennen aus. Domen-Gig-Dlerer (1000 Meter): 1. Offenbacher RB. 3:17; 2. Verein Rudersport 3:22. Die Offenbacherinnen waren nicht zu schlagen. Mit zwei Längen Vorsprung gingen sie vor den Gießenerinnen durch das Ziel. Immerhin hielten sich die Domen vom Verein Rudersport sehr tapfer. Zweiter Vierer: 1. Mainz-Kasteler RG. 5:48; 2. Akad. Ruderoerbinduna „Westfalen' Münster 5:59; 3. Essener T. u. F. 6:15,8. Erwartungs- gemäß ließen die Moinz-Kosteler in der Besetzung Gens, Berg, Paope, Bock, St.: Diefenbach, ihre Gegner weit zurück. Verein Rudersport schied bereits im Vorrennen aus. Alt-Herren-Vlerer: 1. Frankfurter RG. „Germania" 6:14,4; 2. Mühlheimer RG. 6:14,8. Die ölten Herren lieferten sich einen rassigen Kamps und dielten eine gute Zeit. Ein knapper Sieg der Frankfurter. Herb st • Achter (Georg - Appel - Gedächtnis - Preis): 1. Frankfurter RG. „Germania" 5:26; 2. Essener I. u. F. 5:30; 3. Neuwieder RG. 5:31,8. Noch dem die Neuwieder eine Zeitlang die Führung halten konnten, holten die Frankfurter Germanen ropid auf und machten das großartige Rennen mit eineinhalb Längen vor den Ruderern des Essener Turn- und Fechtklubs, während die Neuwieder auf den letzten Platz zurückfielen. Leider schied der Achter der Gießener RG. (Heussel, Schneider, Knobe- loch, Fleß, Georgi, Timpe, Schneider W., Hoch- ftätter, St.: Loh) im Vorrennen gegen Frankfurter RG. Germania aus, trotzdem die Mannlchaft die zweitbeste Zeit der Vorrennen fuhr (5:21) und auch die Zeit des Hauptrennens unterboten hatte. Anfänger-Vierer: 1. Mainzer RV. 5:52,8; 2. Neuwieder RG. 5:55,8; 3. Siegburger RV. 5:59. Die Mainzer rissen den Sieg an sich. In je einer Bootslänge Abstand folgten die beiden anderen Boote. Junior-Vierer (um den Ehrenpreis be» Rektors der Universität Gießen): 1. Saarbrücker RG. „Undine". „Saar" Saarbrücken und Weilburger RD. gaben bald auf, so daß „Undine" einen leichten Sieg errang. Lahn-Achter: 1. Gießener RG. 5:21; 2. Verein Rudersport 5:31,4. Dos Lokalderby endete mit einem sicher errungenen Sieg der Gießener RG.» Mannschaft. Die Zeiten der beiden Mannschaften dürften als ausgezeichnet betrachtet werden. ((Siebener RG: Weidig, Kuschke, Flimm, Hartmann, Köhler, Becker, Neuroth, Goetz, St.: Loh. Verein Rudersport: Münch, Wagenbach, Haas, Seipp, Beck, Steinbach, Fröhlich, Immel, St.: Mühlich.) Lahn-Einer: 1. Friedel Iödt (Gießener RG.) 6:15,2; 2. Ernst Leitz (Wetzlarer RV.) 6:20. Heinrich Grünfeld erzählt... 3um Tode des berühmten Eellisten. Mit Professor Heinrich Grünfeld, der, wie bereits gemeldet, am 26. August im Alter von 76 Jahren gestorben ist, verliert Das musikalische Berlin nicht nur einen Künstler hohen Ranges — seine Abendkonzerte waren 50 Jahre lang Treffpunkt der Gesellschaft —, sondern auch einen sehr amüsanten und schlagfertigen Plauderer. Die Zahl der von ihm und über ihn kursierenden Anekdoten ist Legion. Daß er es trotz seiner gewandten Zunge fertig- brachte, niemand zu verletzen, sondern jeden sich zum Freund zu machen, stellt seiner Menschlichkeit das schönste Zeugnis aus. Jemand jagte von ihm: Und haßt er auch den Lorbeerplunder, das bleibt sein schönstes Ruhmesblatt: Er ist das Wunder aller Wunder — Der Mann, der ke i n e Feinde hat. * Man täte einem Mann wie Grünfeld Unrecht, wollte man sich nicht auch bei diesem Anlaß, der viele traurig stimmte, an einige der Geschichten erinnern, mit denen er so vielen Freude machte, und die er zum Teil selbst in seinem Erinnerungsbuch ,Ln Dur und Moll" erzählt. Reizend ist eine Geschichte, die er von Hellmes. b e r g e r berichtet. Hellmesberger war Kapellmeister und hatte einen Kollegen, den (Seiger Grün, über den er gern spottete. Einmal meinte er: „Grün fehlt immer, Grünfeld nie." Ein andermal aber erzählte er: „Heute nacht träumte mir, daß ich gestorben sei. Das war mir sehr unangenehm, aber was sollte ich machen! Ich ging also oben hinauf und klopfte be- scheiden ans Himmclstor. Petrus machte auf und fragte barsch, was ich hier suche. .Verzeihen Sie, Herr von Petrus', antwortete ich, .mein Name ist Hellmesberger. Ich war ein bescheidener Geiger auf Erden und bin seit heute nacht tot. Ich möchte nun gern hier in den Himmel.' Worauf Petrus höchst ungnädig erwiderte: .Für Geiger haben wir keinen Platz ...' Da sehe ich durch die Türspalte ganz ge- mütlich den Grün in den Wolken herumjpazieren. Ich antwortete also: .Aber verzeihen Sie. Herr von Petrus, da geht ja doch der Grün spazieren!' Doch Petrus meinte aufklärend: /Der Grün? Der Grün war sein Lebtag kein Geiger!'" • Bei einer Trauerfeier spielte Grünfeld ein sehr gefühlvolles Cellosolo und rührte damit die Anwesen, den bis zu Tränen. Einer schüttelte ihm ergriffen die Hand: „Versprechen Sie mir", bat er, „daß Sie auch bei meiner Bestattung spielen." „Aber gern, Herr Kommerzienrat", meinte Grün- feld freundlich, „was möchten Sie gern hören?" In einem Gespräch mit Richard Strauß fragte Grünfeld angesichts des Riesenhanorars. das Strauß gerade für einen Militärmarsch eingesteckt hatte: „Wie kommen Sie sich eigentlich vor, lieber Strauß, wenn Sie Ihre Honorare mit den Summen Dergleichen, die Ihren seligen Kollegen Mozart, Schubert, Beethoven gezahlt worden sind?" Strauß meinte: „Das will ich Ihnen gern erklären. Ich muß heute Geld verdienen, denn ich halte mich nicht so lange wie die anbernr • Als Grünfeld einmal auf einer Tvurnse in Holland auch nad) Leiden kam und dort vor einem halbleeren Saal spielen mußte, meinte er: „Spielet in Leiden, ohne zu klagen." Ein sehr reicher, aber sehr geiziger Herr ärgerte das Hausmädchen eines Bekannten, bei dem er ein- und ausging, damit, daß er ihm niemals ein Trinkgeld gab. Als es ihn eines Abends wieder zur Haus- tür brachte sagte cs zu ihm: ,Lch habe in der vergangenen Nacht geträumt, daß Sie mir zehn Mark Trinkgeld gegeben haben." Lakonisch antwortete der Gast: „Ein bißchen viel, aber behalten Sie es ruhig!". • Eine entzückende Geschichte erzählte Grünfeld von einem zartfühlenden Badegast, den er bei der Kur kennengelernt hatte. Diesem Mann starb plötzlich ein Freund, und er übernahm es, die Gattin schonend zu benachrichtigen. Er depeschierte: .Leopold leicht erkrankt — Beerdigung nächsten Donnerstag!". Besonderen Spaß machte es Professor Grün seid, Sprichwörter umzudrehen. So sagte er: Je schöner der Abend, desto später die (Säfte. Sage mir, mit wem du umgehst, und ich werde dir sagen, wie er heißt. Einmal wurde er gebeten, bei einer Ein- äscherung zu spielen. Die Gattin des Verstorbenen ließ ihn darauf aufmerkam machen, daß der Der- blichene die Opern „Lohengrin" und „Meistersinger" besonders gern gehört habe und ließ ihn fragen, ob er nicht etwas daraus spielen wolle. Er ließ ihr sagen, daß es nicht üblich sei, bei derartigen Gelegenheiten etwas aus Opern zu spielen, er könne doch unmöglich aus .Lohengrin" zum Beispiel „Endlich allein" ober „Nun zieh' dahin, mein lieber Schwan" spielen. 4000 Jahre alte Medizin. Eins der wichtigsten Zeugnisse zur Geschichte der altäghptischenMedizin, der sog. Edwin» Smith-Papyrus, der eine Art Lehrbuch für den medizinischen Unterricht aus der Pyramidenzeit, also mindestens vor viertausend 3ahren. darstellt, ist von dem amerikanischen Aegyptologen D r e a - sted herausgegeben worden und wird in seiner Bedeutung für die Heilkunde von dem Berliner Medizin-Historiker Professor P. Diepgen gewürdigt. Ein Mann der Praxis hat hier auf Grund lebendiger ärztlicher Erfahrung eine Sammlung von 48 Fällen zusammengestellt; es ist nur ein Fragment des ganzen Lehrbuchs, dessen Fälle vom Lehrer erläutert und vom Schüler nach Art eines Kollegheftes durch Rachträge ergänzt wurden. Die Beobachtungen zeigen große Selbständigkeit und nüchterne Sacht chkeit. „2tm meisten". so urteilt Diepgen in der ,Deutschen Medizinischen Wochenschriftimponieren .die Kenn t- nis vom Herzen als dem wirklichen Zentrum eines Systems im ganzen Körper verteilter blutführender Gesäße und vom Puls als Ausdruck der Herzkraft, ferner Ansätze zur Kenntnis der Stellung des Gehirns und Rückenmarks als Zentrum und Kontrollorgan peripherer Funktionen, zahlreiche feine Einzelheiten über die Folgen von Knochen- und Wirbelverletzungen und ein über das bisher bekannte Herausgehen der induktiven Methode bei der Diagnose. Die fast ausschließliche Beschränkung auf Unfall und Kriegsverletzungen beschränkt natürlich auch die historische Auswertung. die sich nur auf die ägyptische Ehirurgie erstrecken kann." Der Verfasser prüft u. a. die Wundabsvnderungen mit seinem Geruch, wendet die Klopfmethode an und sucht die Art der Krankheit durch die Möglichkeit gewisser Bewegungen zu erkennen, zu denen er den Patienten auffotbert. Es scheint, daß er auch schon den Puls zählte. 3edensalls stellt die bei 13 Fällen gegebene Be- K* ung der Diagnose aus den festgestellten Tat- das älteste Beispiel der induktiven Methode in der Geschichte des mensch- lichen Geistes dar. Stets wird sorgfältig geprüft, ob die Wunde nur die Weichteile oder auch den Knochen in Mitleidenschaft gezogen hat, ob edlere Organe verletzt sind usw. Bei der Behandlung werden die eigentlichen chirurgischen Maßnahmen von der Anwendung der Arzneimittel unterschieden. Der altägyptische Chirurg verwendet, wie es auch heute noch geschieht, aufsaugende Scharpie, bei Verletzung der Rate und Ohren festere Tampons, Verbände aus Leinen, deren geschickte Anlegung er wohl von dem besten Bandagisten des Altertums, Leitz konnte diesmal brm talentierten Gießener Iödt nicht ernstlich gefährlich werden. Mit drei Längen Vorsprung siegte Iodt jederzeit sicher. Iödt fuhr da» Rennen in bestechendem Stil Iungmann • Vierer (HerrmaniHappel-Gedächtnis-Preis): 1. Saarbrücker RG „Undine" 6:33; 2. Verein Rudersport 6:40. Der Iungmann-Vierer unterlag gegen die ausgezeichnete Mannschaft von „Undine" Saarbrücken erst nach einem scharfen Rennen. Die Gießener (Munch. Wagenbach, Fröhlich, Immel. St : Mühlich) gefielen sehr gut. Damen-Gig-Vierer: 1. Offenbacher RV. 4:02; 2. Verein Rudersport 4:09. Die Gießenerinnen mußten sich auch hier den befferen Offenbacherinnen beugen. Ermunterungs-Vierer: 1 Akad Ruderverbindung „Westfalen" Münster 5:55,5; 2. Wassersport Oberhausen 6:09. Großer Achter: 1. Mainz Kastel 5:14,2; 2. Bonner RG. 5:25. Die Mainz-Kasteler hatten sich bereits bei 1000 Meter einen Vorsprung von zwei Längen erarbeitet und lagen im Ziel mit dreiein- falb Längen vor dem Gegner. Ein glänzender End- purt, der die Leistungsfähigkeit der Mannschaft eindrucksvoll unter Beweis stellte, riß das Publikum zu lebhaftem Beifall hin. Im Staatspräsidenten -Vierer, der nicht ausgefahren wurde, erhielt die Mainz-Kasteler RG. den Preis zugesprochen. Kurze Sportnotizen. Die Deutsche Sportbehörde hak setzt wieder eine Reihe von Bestleistungen als deutsche Rekorde anerkannt. So den im Zchnkamps mit 7875,205 Punkten von S i e v e r t - Hamburg. Die übrigen Rekorde wurden von den Frauen aus- gestelft. Zweimal figuriert Ellen Braumüller aruntcr, und zwar im Fünfkampf mit 371 Punkten und im Speerwurf mit 42,28 Meter. 3 ack Dernpsey, der auf seiner Schaukampftournee einen Riesenverbrauch an Sparringspartnern hat, will Ende des 3ahres im Madison Square Garden in Reuyork zum ersten- mal wieder ernsthaft boxen. Dom Ausgang diefe- KampfcS hängt cs ab, ob er sich noch einmal um die Weltmeisterschaft bewirbt oder nicht. Bei den Europameisterschaften im Schwimmen in Paris siegte Ungarn im Gesamtergebnis der Herren (Europapokal) mit 101 Punkten vor Deutschland (84), Frankreich (34), Italien. Oesterreich, Schweden, Tschechoslowakei und Belgien. Auch im Wasserballturnier belegte Deutschland hinter Ungarn den zweiten Platz. Beim Bad Homburger Tennisturnier getoarm Roderich Menzel das Endspiel im Herren-Einzel gegen Kuhlmann mit 6:1, 6:1, 4:6, 6:0, während das Damen-Einzel von Aenne Peitz gegen 5tL Horn-Wiesbaden mit 6:3. 7:5 gewonnen wurde. Der Leichtathletik - Länderkampf Schweiz—Deutschland endete am Samstag in Bern zum 11. Male mit dem überlegenen Siege der deutschen Vertretung, die dazu noch nicht einmal unsere erste Garnitur war, mit 79'/, :57V, Punkten. Don den 15 Konkurrenzen fielen allein 11 an die Deutschen. Auch der Länderkampf gegen England konnte von den Deutschen gewonnen werden. Mit 7'/.:4"< Siegen biteben die Vertreter unserer Ration In Front. Der Schauplatz deS Länderkampfes Deutschland—England war das Kölner Stadion. Taten für Montag, 31. August. 1821: der Raturforscher Hermann v. Helmholtz in Potsdam geboren. — 1864: der Sozialist Zerd. Lassalle in Genf gestorben. — 1920: der Philosoph Wilhelm Wundt in Groh-Dothen bei Leipzig gestorben. dem Leicheneinbalsamierer, gelernt hatte. Er kannte drei Arten von Schienen, wie sie auch durch Mumienfunde belegt sind, nämlich solche aus leinenumwickeltem Holz, ander« aus mehrfach gelagertem, mit Leim imprägniertem Leinen, die sich den Körperformen besser anfdjmiegcn, und die dritten aus fest gerolltem Leinen, z. B. beim Bruch des Rasenbeins. Bei einem ganz besonders gefährlichen Fall von Schädelverletzung wurde auch eine Stütze aus Ziegeln hergestellt, durch die der Patient unter den Armen gestützt und so im Eitzen aufrecht erhalten wurde. Klaffende Wunden wurden mit Heftpflaster zusammen- gezogen wie auch richtig genäht, wie man eS ähnlich beim Schließen der geöffneten LeibeShöhle nach der Einbalsamierung tat Ein weiterer chirurgischer Eingriff war das Ausbrennen, das mit einem glühenden Stab ober Drillbohrer ausgeführt wurde. Bohrinstrumente, die zur Oeff- nung von Zahngeschwüren dienten, hat es in der Zeit der vierten Dynastie, also um 2900 v. Ehr. sicher gegeben. Unter den andern De Handlungsweisen bevorzugt der alte Arzt daS Auflegen von frischem Fleisch auf die Wunden, das durch einen Verband, aber nur am ersten Tag. festgehalten wird, dann folgt Auflegen von Salben mit Leinenlappen, die mit Fett und Hoiüg bestrichen sind. Bei Wundstarrkrampf werden warme Tlmschläge verordnet. An Heilmitteln finden wir die Der- Uxmbung von Salizyl in Gestalt von Weinblätterabkochung. von 2lmmoni af-Q3erbinbungen in Gestalt von 5hmg, sowie eine zusammenziehende Lösung, die Kupfer und Ratriurn enthielt. Bisweilen wird vor jeder Behandlung gewarnt und ausdrücklich die gewohnte Kost vorgeschrieben. Besonders merkwürdig ist, daß schon in dieser ältesten Zeit der ägyptischen Kultur eine S pez i a- lisierun g eingetreten ist. Das geht aus der scharfen Trennung der chirurgischen Behandlung von der durch Arzneimittel berrmr. Das hochstehende chirurgische Wissen, das sich hier offenbart, konnte ja auch nur auf dem Boden einer speziellen Ausbildung erworben werden. Wir wissen übrigens auch aus anderen Quellen, bah unter den ägyptischen Aerzten schon zu Ende des alten Reiches ein ausgedehntes Spezialistentum bestanden haben muß. So wurde einem Arzt der vierten Dynastie ein Grabmal gewidmet, auf dem der Dahingegangene zahlreiche Titel erhält. Er wird be- -eich7et als .der Arzt des Bauches des Pharao, der Hirte des Afters, der Oberste der Magier, bet geheime Rat, bet Aufseher bet Aerzte des Pharao, ber Arzt bet Augen des Pharao. " Daraus ergibt sich ebenfalls, baß schon bamals Spezialisten für bie Erkrankung der Dauchvtgane, für innere Krankheiten, für die Augen usw. vorhanden waren. (Für Form und Banknoten. Nachdruck verboten. 19 Fortsetzung, räumt, Schweine über Notiz. Dresden. 29. Aug. (W.T.D.) Sn der Heu- tigen außerordentlichen Generalversammlung der Dresdner Bank, die über bte Erhöhung des Grundkapitals von bisher 100 Mill. Mk. um 300 Mill. M k. Bor- zugsaktien und die Ermächtigung des Vorstandes zur Begebung dieser Vorzugsaktien an das Deutsche Reich gegen Gewährung von Schahanweisungen im gleichen Nennbeträge zu beschließen hatte, legte der Aufsichtsratsvorsitzende, Bankier Fritz Andreae, die Ursachen dar, die zur Vornahme dieser Transaktion führten. Nachdem der Redner darauf hingewiesen hatte, daß die Generalversammlung in der Geschichte der Dresdner Bank einen Wendepunkt bringe, der die großen Veränderungen anzrige. die seit dem Versailler Frieden im deutschen Wirtschaftsleben vor sich gegangen seren, gab er einen Rückblick auf die jüngsten Ereignisse rm internationalen Finanzleben, die dazu geführt haben, daß die Dresdner Bank ihre Bedenken und Sorgen der Reichsregierung mitteilte. Diese habe nach Anhörung hervorragender Sachverständiger des In- und Auslandes der Dank ein neues Kapital von 300 M ill. M k. zur Verfügung gestellt, und dieses Kapital zunächst in Schahanwcisungen des Reiches, und zwar mit einer Laufzeit für 100 Mill. Mk. von einem Jahre, 100 Mill. Mk. von zwei Jahren und 100 Mill. Mk. von drei Jahren. Die Bank werde, dies sei der Wille der Reichsregierung, in streng privatwirtschaftlichem Sinne weitergeführt werden. Im weiteren Verlaufe der Generalversammlung wurde der zwischen der Reichsregierung und der Dresdner Dank abgeschlossene Vertrag, wonach die Reichsregierung 300 Mill. Mk. 7pro- zentige Vorzugsaktien der Dresdner Dank übernimmt, verlesen. Hierauf sprach Rechtsanwalt Dr. Alfred Friedmann -Derlin. Der Kernpunkt der heutigen Verhandlungen sei der, daß ein kerngesundes Dantinstitut dem Fiskus ausgeliefert werden solle. Rur infolge des Beides der Großbanken untereinander habe es zu den heutigen Verhältnissen kommen können. Die treibende Kraft dabei sei die l)l)-Dank gewesen. Die Dresdner Dank hätte einen Anspruch auf den Schutz des Reiches gehabt, zumal das Reich der Danatbank diesen Schuh gewährt habe. Der Vertrag zwischen Reich und Dresdner Dank verstoße gegen die guten Sitten, da das Reich die Rotlage der Dank ausgenuht habe. Als Vertreter des Allgemeinen Verbandes der Deutschen Dankangestellten setzte sich M a r x, Derlin, für die Schaffung eines Banken- a m t e s ein, um eine wirksame Kontrolle der Kreditgewährung zu garantieren, damit derartige Vorkommnisse, wie in der letzten Zeit, sich nicht wiederholen förrntcn. Der Redner begründete sodann eine Anzahl Anträge, die sich mit den Bezügen der Vorstandsmitglieder, der Gewährung von Krediten über 500 000 Mk., der Gröhe des Aufsichtsrates und u. a. mit der Auffüllung des Reservefonds auf 100 Prozent des Grundkapitals beschäftigen. Rachdem noch eine Reihe von Aktionären zu Worte gekommen war, die sich vor allem gegen P eine Verstaatlichung der Dresdner Dank aussprachen, setzte sich Rechtsanwalt Dr. Hachen- 7 bürg mit den Ausführungen Dr. Friedemanns auseinander. Ein Anfechtungsprozeß Aufsichisratssihung. Im Anschluß an die Generalversammlung der Dresdner Dank fand eine Sitzung des Aufsichtsrates statt, in der Herr Fritz Andreas als Vorsitzender und Generaldirektor Oskar Oliven als stellvertretender Vorsitzender bestätigt und der Platz eines dritten stellvertretenden Vorsitzen- den noch offengehaltcn wurde. Ferner wurde ein Kredit- und Personalausschuh gebildet, bestehend aus Dankdirektor Ritscher als Vorsitzender, Dankier Fritz A n d r e a e, Generaldirektor Oskar Oliven, Geheimrat Rorden und Geheimrat Claussen. Dankier Pferdmenges und Dankdirektor P i l st e r, sowie Reichsminister a. D. Dr. Der nburg als beratende Mitglieder. Reue Oiskoutsenkung in dieser Woche? Derlin , 31. Aug. (ERD.) Da die 11 l t i m o- beanspruchung der Reichsbank sich voraussichtlich wieder in normalenDahnen bewegen wird und Anfang dieser Woche auch die Stillhalteverhandlungen ein gutes Stück vor- wärtsgekommen sein werden, ist, wie die „Germania" berichtet, anzunehmen, daß sich die Reichsbank nach Dekanntgabe des Ultimoausweises, der am 2. September vorliegen wird, zu einem neuen Diskontabbau entschlichen werde. Beschlüsse des Reichsbankdirektoriums seien bisher noch nicht gefaßt worden. Deshalb lasse sich auch über das Ausmaß der bevorstehenden Diskontsenkung noch nichts sagen. * Die Abwicklung der Terminengagements an der Frankfurter Dörse. Der Frankfurter Dörsenvorstand hat sich in seiner Sitzung vom Samstag den vom Berliner Dörsenvorstand bestimmten Prolongationszinssätzen an- geschlossen. Dei der Einteilung der Abnahme- und Lieferungsbereitschaften hat der Frankfurter 'Dörsenvorstand davon abgesehen, einheitliche Prozentsätze festzusehen. Es wurde bei der Einteilung darauf gesehen, daß in jedem Falle usance- mäßige Mindestbeträge zur Erledigung gebracht und kleine Salden möglichst ausgeglichen werden konnten. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. Das bißchen Erde. Vornan von Richard Skowronnek. Copyright by I. Engelhorns Nachf., Stuttgart. geringer Ueberftand, Kälber und Schafe ruhig, ge- ~ ' ruhig, ausoerkauft; Fettschweine Eingesandt. Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Äer war sie und wo kam. sie her? Roch vor einer Viertelstunde hatte er nichts von ihr gewußt, jetzt hatte irgendeine launische Welle^ sie zusammengetragen. Für wie lange? Die nächste führte sie wieder auseinander, nichts blieb zurück als die Erinnerung an ein flüchtiges Abenteuer ... An seinem Halse spürte er ein merkwürdiges feuchtwarmes Gefühl. Für einen Augenblick lockerte er die rechte Hand und griff hin. Als er sie wieder zurückzog, war sie voll Dlut. Und vom Halse rann es ihm weiter am Körper entlang. Da ging er mit langen Schritten dahin, die zu Anfang so leichte Last in seinen Armen wurde schwerer und schwerer. Ein seltsames Dangen schnürte ihm die Brust. Halb um das Leben, das hier vielleicht neben seinem Herzen verrann, halb um sich selbst. 2hm war es, als trüge er sein Schicksal ... Im Forsthause war noch Licht, Gott sei Dank. Er lehnte sich mit der Schulter an die Planken des Hoftores und wollte rufen, aber nur ein pfeifender Laut kam aus seinem Halse. Die Hunde schlugen an und stürmten wieder gegen den Gartenzaun, Hektor antwortete von der Straßenseite her, und es gab einen wahren Höllenspektakel, der mißtönend die Stille der Frühlingsnacht zerriß. Am Hause öffnete sich ein Fensterflügel, der Förster steckte den grauen Kopf heraus und fragte ärgerlich, was der Lärm zu bedeuten hätte. „Ich bin es, Graf Römnitz", rief Malte zurück, „und rasch. Es hat ein Unglück gegeben!" „Um Jesu Darmherzigkeit willen", schrie die Frau Förster auf, die hinter ihrem Manne gestanden hatte, und flink wie eine Kugel schoß sie zur Tür heraus, über den Vorgarten hinweg. Mit zitternder Hand schob sie den Riegel zurück, fragte nicht lange erst, sondern griff zu, half die Verunglückte ins Haus tragen. Ihren Gatten aber blies sie zornig an, er sollte nicht herum- stehen wie der dumme August im Zirkus, sondern Riechsalz aus der kleinen Hausapotheke herlangen, Verbandszeug und Karbolwasser. Und als die Dewußtlose auf dem säubern Bette lag im Schlafzimmer, schickte sie die beiden Männer hinaus, machte sich mit flinken linden Händen an ihr Samariterwerk ... Malte steckte sich eine Zigarette an nach all der Aufregung und gab dem Förster einen kurzen Bericht. Fragte zum Schluß, wer die unbekannte junge Dame Wohl sein könnte. Der Alte blickte zuerst verwundert auf, dann aber verbesserte er sich. „Ja richtig, Herr Graf, Sie können es natürlich nicht wissen. Das ist die Frau Gemahlin von dem Berliner Bankdirektor, wo ich Ihnen vorhin erzählte, daß er die Alten-Krakower Jagd und das Schloß gepachtet hat. Und von. uns verlangt, wir sollen das Gatter niederlegen gegrni eine angemessene Entschädigung. Da möchte ich benn doch befürworten, was geht das uns an, ob sich dieser Herr Dankdirektor nun mit der Pachtung reingelegt hat? Soll es vielleicht wieder dieselbe Reben dem blonden Kopfe der Gertrud Köhne- mann sah er einen widerlichen Greis, wie einen jener Gnomen, die in der Sage spukten. Der reckte seine dürren Finger aus, sie aber fand keinen Widerstand ... Statt ihr keusches Magdtum mit dem Tode zu verteidigen, unterwarf sie sich. Und wie ein Makel war es an ihr, den keine Wasser abwaschen konnten. Dis ihm mit einem Male einfiel, daß er wie ein Pharisäer sich über die andre erhob. Weil er sein kümmerliches Leben mehr geliebt hatte als seine Ehre, war er vor jenen zwei Jahren in die Fremde gegangen. Draußen lief man ganz leidlich herum, in der Heimat aber galt das alte Recht. Mit dem neuen Leben war es nichts, die Vergangenheit hob ihre starke Hand und forderte den Zins ... Da lehnte er sich mit dem Rücken gegen eine der alten Eichen, die die Straßen zu beiden Seiten säumten, und ein Aufschluchzen erschütterte seinen starken Körper. Andern ging das Leben dahin in glatter Dahn, kaum der Schatten einer Sorge trübte ihren Weg. Ihm aber türmten sich Hindernisse und Verhaue überall, und schließlich wurde man müde, dagegen anzurennen ... Hektor, der Drauntiger, hatte im Grabenrande ein Karnickel aufgestöbert, und da ihn kein mahnender Pfiff zurückhielt, hatte er sich das Vergnügen einer kleinen Privatjagd geleistet unb war dem flinken Ausreißer bis zu dem schützenden Erdloche nachgeprescht. Jetzt hielt er ein paar hundert Schritte voraus auf der mond- beschienenen Straße und gab Standlaut. Stürmte mit hellem Hals und rief wie bei einem verendeten Wild, das er tot verbellte. Da wischte sein Herr sich über die Augen uni) eilte vorwärts ... Mitten auf dem Wege lag eine Frauengestalt in dunklem Reitkleide, platt auf dem Gesicht und die Arme vor sich gestreckt, wie sie im Sturze hingeschlagen sein mochte. Ein paar Schritte dahinter aber stand ein edler Gaul, wieherte leise auf und hob den rechten Vorderlauf, der unterhalb des Kniegelenkes lose hin und her schlenkerte. Ein zierlicher Schimmel war es mit Araberblut in den Adern, und in seinen klugen Augen war deutlich die Ditte um Hilfe zu lesen ... Ein Jammer war es um das prächtige Tier, und „armer Kerl" muhte Malte denken, während er sich über die bewußtlos am Doden Liegende beugte, „dir kann kein Mensch mehr helfen, du bist erledigt" ... Ein jäher Schreck flog ihm durch die Drust, denn das Haar, das da vor ihm in lockern Strähnen unter dem runden schwarzen Hute her- vorquvll, war blond. Mit zitternden Händen griff er zu und drehte den Frauenkopf vorsichtig würbe kaum Erfolg haben. Einen öffentlich- rechtlichen Anspruch gegen bas Reich als Hoheits- Vertretung gebe es nicht. Der Aufsichtsratsvorsihenbe Anbreae wies den Vorwurf zurück, daß die Situation durch den Reid der Danken untereinander herbeigeführt worden sei. Die Reichsregierung habe versichert, daß die Dresdner Dank rein privatwirtschaftlich weitergeführt werden wurde. Von der Ausnutzung einer Notlage durch das Reich könne gar nicht die Rede fein, ebensowenig von einer Bankensozialisierung. Das Reich sei nicht zur Dresdner Dank, sondern die Dresdner Dank sei zum Reich gekommen. Auf eine weitere konkrete Anfrage erklärte Bankier Andreas, daß die Dresdner Dank die 300 Mill. Mk. brauche, wenn man auch nicht wisse, wann man sie verwerten werde. Don einem Plan der Reichsregierung, eine neue Genossenschaftsbank zu gründen, sei ihm nichts bekannt. Direktor Götz von der Commerz- und Privatbank werde neu in der Vorstand der Dresdner Dank eintreten. Die Annahme der Einträge würde die E»istenz der Dresdner Dank garantieren und ihr eine gesunde Arbeit in der Wirtschaft ermöglichen. Ein Aktionär gab sodann den Wunsch zu Protokoll, daß das Reich sich bereitfinden möge, den Stammaktionären ein befristetes Angebot zu machen, wonach sie ihre Stammaktien gegen Reichsschahanweisungen mit Fälligkeitsdatum vom 1. August 1932 im Verhältnis 1000:1000 Zug um Zug umtauschen können. Der Vertreter der schweizerischen Aktionäre gab eine Erklärung zu Protokoll, in der die Erwartung ausgesprochen wird, daß die Reichsregierung den Charakter der Dresdner Dank als eines privatwirtschaftlichen Dankinstituts unangetastet lassen und dazu beitragen werde, ihre Unabhängigkeit sobald als möglich wieder Hertz u st e l l e n, weil nur Danken, die frei von politischen Einflüssen in ihrem Handeln rein ökonomischen Gesehen unterworfen sind, ihre geldwirtschaftlichen Funktionen richtig zu führen vermögen. Die Abstimmung ergab die Annahme der Anträge der Verwaltung mit 3 621 893 Stimmen gegen 11515 Stimmen bei 12 405 Enthaltungen. Der Aktionär Rechtsanwalt Dr. F r i e d m a n n, der 4500 Stimmen vertrat, gab Protest zu Protokoll. Die von dem Vertreter des Allgemeinen Verbandes der deutschen Dankangestellten eingereichten Anträge wurden auf dessen Wunsch dem Aufsichtsrat zur Derücksichtigung und zur Verwertung in der nächsten Generalversammlung überwiesen. Reu in den Aufsichtsrat treten ein: Dankdirektor Ritscher (Reichskreditgesellschaft), Dankdirektor P i l st e r (früher Commerzbank), Dankdirektor Pferdmenges (Köln), Ministerialdirigent Geh. Rat Rorden (Reichs- finantzministerium), Ministerialrat Claussen (Reichswirtschaftsministerium), Ministerialdirektor R u p p e l, Direktor D a ch e m (Arbeiterbank), Prof. Dr. S t e i u (Deutscher Genossenfchaftsver- band). Der Aufsichtsratsvorsihenbe teilte bann noch mit, bah die Gerüchte über eine Fusion der Dresdner Bank mit der Eommer;- und prioat-Banf unzutreffend seien. Dei ber Verwaltung ber Dresbner Bank sei hierüber nichts bekannt. Das Reich und die Dresdner Bank Außerordentliche Generalversammlung. zur Seite, aber — Gott sei Dank wollte er fast sagen — bas blasse kleine Gesicht war ihm jremb. Wie das Gesicht einer schlafenden Puppe sah es aus mit den geschlossenen Augen, dem runden Oval und dem zierlichen Stumpfnäschen über dem kleinen, sanftgeschwungenen Mund. Die aber, an die er zuerst gedacht hatte in jähem Erschrecken, hatte ein schmales Antlitz mit dunkeln Augenbrauen über einer feinen geraden Rase ... Eine kleine Weile lang kniete er ratlos in dem noch vom letzten Regen her feuchten Sande. Wie das Unglück gekommen sein mochte, war ziemlich leicht zu erklären. Zu beiden Seiten der Straße im dichten Brombeergestrüpp lagen Hunderte von Karnickelbauen, die unterirdischen Gänge der kleinen Wühler liefen weit ins Feld hinaus und wohl auch unter dem Wege hin. Die tremde Dame da hatte nicht darauf geachtet, war womöglich in Karriere über die gefährliche Stelle gesprengt, und der Sturz war fertig. Der arme Gaul brach sich in einem der heimtückischen Löcher das Vorderbein, seine Reiterin aber flog in weitem Dogen vornüber aus dem Sattel ... Ob sie sich bei dem Sturze verletzt hatte, war nicht zu erkennen, eine schwere Erschütterung aber hatte es wohl gegeben, sonst wäre diese tiefe, einer Erstarrung gleichende Ohnmacht nicht zu erklären gewesen. Das Zartgefühl eines innerlich anständigen Menschen jedoch hielt ihn davon ab, die fremde junge Dame zu untersuchen. Rur ganz leise legte er fein Ohr an ihre Drust, und als er vernahm, daß das Herz noch mit schwachen Schlägen trieb, atmete er erleichtert auf. Aber was jetzt weiter? 2ns Dorf zurücklaufen, um einen Wagen zu holen, ging nicht an. Wer mochte wissen, wie lange sie in dem dünnen Kleide schon auf dem feuchtkalten Erdboden gelegen hatte ... Also da blieb nichts andres übrig als ein rasches Zugreifen. Dis zum Dorfe waren es vielleicht zweitausend Schritte, aber so weit getraute er sich das zierliche Persönchen wohl zu tragen ... Er nahm sie vorsichtig in die Arme, legte ihren Kopf auf seine linke Schulter und ging mit behutsamen Schritten den Weg zurück, den er gekommen war. Dei der Bewegung hatte sich ihr lockeres Haar vollends gelöst, hing ihm wie ein langer blonder Schleier über den Arm, und der Wind wehte es ihm im Vorwärtsschreiten um die Knie. Hinter ihm aber erklang ein unsicheres Trappen, und er brauchte sich nicht umzuwenden, um zu wissen, woher es kam. Der brave Schimmel schleppte sich mühsam auf drei Deinen hinter seiner Herrin her, aber niemand konnte dem Getreuen mehr Helsen. Rur die mitleidige Kugel gab es noch, die ein nutzlos gewordenes Leben auslöschte ... Von dem weichen Frauenkörper in Maltes starken Armen ging eine wohlige Wärme aus, die ihm das Dlut rascher durch die Adern trieb. Und ein seltsames Zärtlichkeitsgefühl regte sich in feinem Herzen für die hilflose Unbekannte, die ihm ein Zufall in den Weg geworfen hatte. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 31. Aug. Die Frankfurter Getreidebörse verkehrte zu Beginn der neuen Woche in ruhiger Haltung. Die schwache Weizen-Tendenz des Berliner Marktes übertrug sich auch auf hier, so daß dadurch eine gewisse Unternehmungslust zu verzeichnen war, die noch durch den schwachen Wei- zenmehlkonsum verstärkt wurde. Weizen war stärker angeboten während Roggen kaum offeriert wurde und im Preise höher lag. Die verlangten Preise waren jedoch nicht zu erfüllen, da von Norddeutschland Roggen weit billiger zu haben ist. Im Mehlgeschäft besteht nach altern Weizen- und Roggen- mehl in effektiver Ware etwas Nachfrage. Am Futtermittelmarkt liegen Hafer, alte Ernte, und Mais recht fest, dagegen ist neuer Hafer kaum abzusetzen, da die Qualitäten stark zu wünschen übrig ließen. Hafer neuer Ernte wurde heute erstmals notiert. Kleie bei ruhigem Geschäft auf dem vorwöchigen Preisniveau unverändert. Die Allgemeintendenz der Getreidebörse war nachgebend. Es notierten: Weizen 237,50 bis 238,50, Roggen 212,50, Sommergerste für Brauzwecke 180, Hafer (inländischer) 175 bis 180, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0. alte Mahlung) 39,50 bis 40,25, Sondermahlung 35^-bis 36,25, Weizenmehl (niederrheinisches, alte Mahlung 39,75 bis 40, Sondermahlung 35,60 bis 36; Roggenmehl 29,50 bis 31, Weizenkleie 10, Roggenkleie 9,75, Erbsen (je nach Qualität für Speisezwecke) 32 bis 37, Linsen (je nach Qualität für Speisezwecke) 25 bis 65, Heu (süddeutsches, gut, gesund, trocfenl 4, Weizen- und Roggenstroh (drahtgepreßt) 3, Weizen- und Noggenstroh (gebündelt) 2,75 bis 3, Treber (getrock- net) 10,50 bis 11 Mark. — Tendenz: nachgebend. In Weizen und Hafer werden abfallende Qualitäten zu entsprechend billigeren Preisen angeboten. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a.M., 31. Aug. Auftrieb: 1539 Rin- . der (352 Ochsen, 240 Bullen, 488 Kühe, 430 Färsen), 531 Kälber, 97 Schafe, 4627 Schweine. Es notierten: Rinder: Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 42 bis 46 Mark, (ältere) 37 bis 41, sonstige vollfleischige 32 bis 36; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 33 bis 36, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 27 bis 32; Kühe: jüngdre, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 33 bis 36 sonstige vollfleischige oder ausgemästete 29 bis 32, fleischige 24 bis 28; Färsen (Kalbinnen, Jungrinder) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwerts 42 bis 46, vollfleischige 37 bis 41, fleischige 32 bis 36; Kälber: beste Mast- und Saugkälber 53 bis 56, mittlere Mast- und Saugkälber 48 bis 52 geringe Kälber 41 bis 47; Schweine: vollfleischige von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 57 bis 60, von etwa 200 bis 240 Pfund 57 bis 60, von etwa 160 bis 200 Pfund 56 bis 60, fleischige von etwa 120 bis 160 Pfund 50 bis 57 Mark. — Marktverlauf: Rinder schleppend. Fahrräder vor der Stadlpost. Das Pvlizeiamt wies im „Gießener Anzeiger" darauf hin, daß F a h r r ä d e r b e i m S t a d t p v st- amt in der Neuen Säue nicht auf dem Bürgersteig abgestellt werden dürfen und bemerkte, daß ein Platz zum Abstellen nicht vorhanden sei. Könnte der B o r - garten vor dem Stadtpostamt nicht dazu benutzt werden? __________________L. K. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Ayr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Schweinerei geben wie früher? Wo der Herr Daron Köhnemann uns das ganze Kahlwild abgeschlachtet hat im Winter und manchen braven Hirsch? Wenn wir ihn nicht vorher gekiegt hatten. Und überhaupt, erst seit das Gatter steht, kann man doch daran denken, sich einen ordentlich heranwachsen zu lassen im Geweih, bis er richtig zum Abschüsse reif ist. In Hohenrömmh wird nicht geludert, in den großher^oglichen Staatsforsten auch nicht, und jetzt soll das womöglich wieder anders werden? Das Gegnietsche wieder anfangen um jeden jagdbaren Hirsch, kaum daß er sich den Dast von den Stangen gefegt hat?" So sprach der grauköpfige Förster tn zornigem Eifer, Malte aber hatte von der langen Rede nur den Anfang vernommen, und der hatte ihm einen fliegenden Stich durchs Herz gegeben. Die Blondhaarige da hinter der braungestrichenen Schlafzimmertür war eine verheiratete Frau, das Eigentum eines andern hatte er in seinen Armen getragen. Der kam her und bedankte sich, das Abenteuer war zu Ende ... Am Gartenzaun vor dem offenen Fenster erklang ein schmerzliches Wiehern. Malte hob die Hand. „ „Da draußen steht einer, den wir vergessen haben. Sehen Sie mal nach, ob noch was zu Helsen ist. Der arme Kerl hat in dem verdammten Karnickelloch das rechte Vorderbein gebrochen. Ich hatte keine Zeit, mich um ihn zu kümmern ... „Zu Befehl, Herr Graf" ... Der Forster nahm die Hacken zusammen, ging vor die Tür hinaus... Und nach wenigen Minuten kam er zuruck, zuckte mit den Achseln. „Der Röhrenknochen gesplittert, em ganzes Stück herausgesprungen, Hängt nur lose an einem Hautfetzen. Alles mit Sand verschmiert, es ist ein Jammer um so ein prachtvolles Tier" ... ilnö er ging zum Gewehrschranke, holte den Drilling heraus. Malte aber wandte sich ab und preßte die Handflächen vor die Ohren. Den Schuß, der einem edeln Leben das Ziel setzte, mochte er nicht hören ... Mitten aus kraftstrotzendem Sein heraus ... Der muskelgeschwellte Körper war gesund, nur einer der schlanken Vorderläufe hing zerschmettert herab. Mit dem Rennen war es vorbei für alle Zeiten, aber zum Karrengaul hätte es vielleicht noch gereicht nach einem langwierigen Heilungsprozeß. Rur lohnte das nicht die Kosten ... Und was war er selbst denn viel andres als ein so mühsam zurechtgeflickter Karrengaul? Auch bloß eine Kleinigkeit war an ihm damals kaput gewesen, das bißchen Ehre ... Sophisterei war es doch nur, sich das wegzudisputieren, und gerade gut genug für die Fremde, wo niemand fragte: Hast du nicht vielleicht einen bösen Fleck auf der weißen Hemdenbrust? In der Heimat wehte eine schärfere Luft, aber der Teufel sollte das ewige Grübeln und Denken holen! (Schließlich trieb es einen doch noch zu einem rühmlosen Ende... (Fortsetzung folgt.) 29. August 31 .August Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld »rief Geld »rief _ Helsingfort . 10,59 10,61 10,59 10,61 Wien.... 59,18 59,30 59,17 59,29 Prag . . . 12,468 12,488 92,468 12,488 Budapest . . 73,43 73,57 73,43 73,57 Sofia . . . 3,057 3.063 3,057 3,063 Holland . . 169,73 170.07 169,74 170,08 Oslo.... 112,53 112,75 112,54 112,76 Kopenhagen. 112,53 112,75 112,54 112,76 Stockholm . 112,61 112,83 112,63 112,85 London. . . 20,458 20,498 20,463 20,503 Buenos Aires 1,203 1,207 1,204 1,208 Neuyork . . 4,209 4.217 4,209 4,217 Brüssel. . . 58.68 58,80 58,69 58,81 Italien. . . 22,03 22,07 22,03 22,07 Pari; . . . 16,50 16,54 16,50 16,5g Schweiz . . 81,27 82,13 81,92 82,08 Spanien . . 38,16 38,24 38,16 38,24 Danzig. . . 81,82 81,98 81,80 81,96 Japan . . . 2,078 2,082 2,078 2,082 Rio de Ian.. 0,255 0,257 0,256 0,258 Iuaoslawien. 7,413 7,427 7,413 7,427 Lissabon . . 18,55 18,59 18,55 18,59 Berlin, 29 Au-ust Geld »rief Amerikanische Noten....... 4,20 4,22 Belgische Noten..... • • . 58,52 58,76 Dänische Noten ........ 112,30 112,74 Englische Noten ......... 20,403 20,483 Französische Noten........ 16,465 16,525 Holländische Noten ........ 169,31 169,99 Italienische Noten........ 22,06 22,14 Norwegische Noten........ 112,30 112,74 Deutsch» Oesterreich, * 100 Schilling 59,08 59,32 Rumänische Noten........ 2,46 2,48 Schwedische Noten ........ 112,37 112,81 Schweizer Noten. ........ 81,79 82,11 Spanische Noten. ........ 37,82 37,98 Ungarische Noten........ 72.85 73,15 arlt. : 1539 Rin. 30 Kars»), s notierten: äftete, Höch, art, lallen) 36; Bullen: lerts 33 bis it 27 bis 32; ;d)lQd)tmerts lusgemöltete (Äalbinnen, e>e höchsten 37 bis 41, Mast, und und öaug< 41 bis 47; 240 bis 300 wa 200 bis 200 Pfund 160 Pfund ’ schleppend, ■ ruhig, ge- Tettschweine fQntturtn n^nben. * w, "«bllls, ,u 5 feier " wurde Preis. °tbbruiid). Mehl, h fo._ y 19 c 19 notiert ^ochjgei, "Venz der Weizen ßerfte für bis 18o Mahlung) 115 36, "nj 39,75 S? b,75, 3 bis 3i, 125 bis i, A ®°L ; gcs*5“ «ng=e*5 in leinen £t bcbanli8 !’$• en 5 E O <3> u» Ä* es r*> 35- = 3 <-> S 5 3 X E O E w o ♦ei E s E § 2 E g± ££=-5 2 = e äill) S § §5 E i!|E51 £. '£ Z®A E 2 ä£E S y q SO1 2 •-< o — E d 5 "(5 §Se (9 D e "6" JD K) to $ B E 3V. g CH H 80 2- S) © y = 3» *8 en E ? o E E = V- H 4> € lO a E x> w Lr tu y 80 e BID& HSc ag LZ -O XD ä . 82 J.-5Q cK C1Q** ES ■ c tt*Xr* • S 5 E-Öt 2^ jO 3 o -- 3~H t " CX C C erg p 2 EflE E 3jo c5-(5 5li . 3 Z 4 2-' a r- CT * HM»! 1 B 2 1 E BZ Sc|e-i E Cv® _ — B s !2 2 £<§SäSO« »512 _ o J=-K - ■ -Kilcf s|5"- E53^ 8? c ® 19 S *=« 7 V? — E -» -^:2 WC — .6 E a = — O Q _^HH o S 7?Z- =^eB «E .,5 c O ~ «ft •* j,eSö; =ÖS»1|S ± <- „'O E ** w hECat5^= c,.-5€ircß »i SG ß §§ Z c« E c £ Z. 2 2 -* = ^2-2" = ir £ = ?Ee l»W Ä Cfiej £?4=- E Ex it2ü- o ** « i E E E s S 53 53 53 83 “ 5 —— E c c ”S5-2;i:5'-o= = o» g^a^rE5^o LL^.2 ^wwvjOu:c=.= : -ZS2ZL 2 ci-gxf-S i 15p 5^2? 5£ss§:^ei v v <3 Ußtf - r- •- o; -- -- 5; P C o XD P cC^A ^SZ^^Z-^S C jo "’ö o xi:-2>— E o * « CÄC Be"12U^ E A.-S5 ‘■“'n r-^5s=3M ES 1^#!= 15f ■SB?. GZ7-B 10 qoS5£. ®.?3 «• c c 2: ?• C — C - 212= tx” c c 2 e£-° H — c S2B c 8 E =S=7„- w B 80 B o(D SS c Paris, stand täglich :> Rosen an. Rur selten •6-' 5? Es; Geld ein paar Blumen. dann dis in die Nacht hinein A a 53 c c es :a a c o ■ft o 3 cK c ei e s S 3 c 53 s ö * L! o Jf ' w E .ES Q 'LE w Q Ds: <3 E E» 2'22 .A 80 »K‘ = g c C 3'2 «ö 3 = LS) w ÖUME -=Ie 5.6e» ■e w w O w w JQ«^ Ö I« E E (5to £A' ■ft 3to ’S c .21 z '■ L Zc-b^ Q S »Sfti 'SE^i nftj c-eS o W ° ° — p s)-° c . c C S JO ^E5 2 = 2 S) , 5«» 5jS«ctö; ’s Eso 3 . « 5^^ k 3 e §se •.Ä-e*- -ft :- X C , L—^2 3 ZZ.7Z oSh - « eB(5.2! 2. .2 S E-i» = Z ?4? 5.2 'S '9 ceaS = a « E 2 "S 2a □ a (9 &ß £c S-r "Z-E-A -ZI-L. = .41-- I ä« I 21 = w* ä 2 L x> L ° c » 3.2» a1— - XP W !_ äAi Ä U.ID — F C 3~ ■ % El=~eCM ÄÄüSSats c »-vvs^s AZ L "3 c c c 35 = jo ■='■€' * .= jo O = "■= u .E ° o ._ « L a Ü c if B S B D SR E c? o -CP «ft c ZS c ö o ?A L- <0 «Q 3 3 c- c JO o c p a c e Ge o B «ö 19 o 3 Z _ a — cf M = P — O ° ^B = •g -41 «* t, c. =XfX — *» ec c, DZ «ft c jO esg oc^.® jO- u — a 3-°- E 5 21 c SS- Sx ZL' $E §- :3 C 3 _ fj$° LZ. W =4> SS ? c S.5 - o4f =-9 jQ§ Ef^ f jo LS i «ft O I = — 0 O t'E - L-°- ia^E« 41 O-P2 v 05 (9.0^- = «S g e eo 2C? «ft a knöhingianer « o Aber noch (9 53 A H 3 2 «9 «ft H tt) 19 19 «* L ■c ty e Lt9L 6R c'Z? c-C y Q 53 e c c g o: c o 519 «53 A c? cjg^f) p es A ® 6R =-.g EC7 53 H s B e: E =o o^T c : a o 4CR 3 Ö V e. =-•; Jf «» "cK) 3> P Efe 53 4, w*,o*E'S L-L-jS- — 3 - o -- O^9o’° LZ t = = h «sä 80 5 ;=i §ZL' ■« EÄ t :öeeo c "c SR E®?d c c So Sc« C = e=.PQ-X O °;o ~ 2 S“5ic = Ör = £^' — w •B^IjS fi5«ec = £-= ss> 3 jO -P" — <9 -= - -S’«' ZWZxi> :=Q^(9 ZIL o-*— 53 (9^— stp ■g— — = 2«-?^ Z£^I9 ®cx = W l?e = ; g = ° *.= ßjo^-f y C = §7 ce 'x ■ft = 41 •= cC? Z w(9 c . c 4 ' L ■=gA y -J o 80 S* §^c~s E t<9 L4 - 2 4"= 5 ® g(9 s 7pgt3A 2 <9 =-5 E . 5 w 4r'^ 0 Sä3 w E LL^-Kt9 a. xa 41.53 3’s*3 s : F <- o g«b8)HA 5=‘'^E Qsi=^*'8 5SZ o E Fg cSa xdC? § S.-®« 5 "=i(0 ~S.E^-3 2 . 2 ’E w *:° c, gv E jO — L 4. S ep' ü X X ^0X0 “ =£®ZEB sgS=-^ ~ s E r. 5Zpii- g^y-c Ct2 c ^19 , = L s ^^1 = .2 j- c 84 ES- ■eS £ g x>t9 c.2141. . äl9X = =IZZ§ o- e ?■ 3 Lg^-2 4 ;3 s y p ~ J3 C 4 hill = c g w 5» &2U)£| ■ps >-ppS = 5XDG. gv- o C« xd „ a - P C L- = EA* ~19® E 4 o.E o ^9? ZL Z kO B s o o p> W x> >3 M P a c 9 «o C 3 t) 3 5 oä® J3 5 = W-D 8 ;3§ 2 IS o 3 8 2 u> «3,d - ^SS-JS 2 Cs) 5* §c- ui ö 3 Hg A 3 c 5 3 8 ZZ öS ’S'O 3 Ä -3* S W n 3 S '3 ro 3 2 OD^ = CI 02 Z§ZZ 05 T VCm iSLZZHZ 08 Hc 2 &3- = 2 Ae L3 2 D •» ~ 8 8—2 gä 5 !--> 3 5s 3 v> c 3 0^,3 ° 3 2 3 gT" 8 3- d S- er £r ro " ^Fj £S = 3^8? 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