Nr. 7b Erstes Blatt 18t Jahrgang Dienstag, 31. März IM Stlftctm töglift,außer Sonntags and feiertags Beilagen vte 3Du[trierte Steßenei ^amihenblättei Hexmat im BUd Die Scholle monat$=Bejug$prel$; 2.20 Reichsmark und 30 Rexftspsenmg für Trüget» lohn, auch bei Nichterscheinen etnzelnerNummern Infolge höherer Gewalt, lfernfvrechanfchlüste anterSammelnummer2251 Snlftnfi tüi Drahtnach« richten Lnzetger Gießen. PoUfftedtonto: 5rae»NnN am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Dmd tittö üerlag: vrühl'fche Universttütr Buch- nnö Sieinörudcret 8. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: 8chu!llratze 7. Ännagme oon Anzeigen für bk Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorschrist 20°, mehr. Chefredakteur Dr Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyrivt; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filier, sämtlich in (Liehen. Briands Drohung. ^Deutschland und Oesterreich haben nicht das Recht gehabt, das zu tun, was sie unternommen haben, und Frankreich wird es im Rahmen der ihm gegebenen Möglichkeiten verhindern." Dieser Sah aus der Scnatsrede Briands stellt eine unverhüllte Interventionsdrohung des französischen Außenministers dar, und man muh ihm beinahe dankbar für die brutale Offenheit sein, mit der er immerhin noch rechtzeitig genug die wirklichen Absichten der französischen Politik Deutschland und Oesterreich gegenüber klargelcgt hat. Denn so hat auf jeden Fall eine zielbewuhte dcutsch-österreichische (3c- meinschastspolitik noch genügend Aklionsfrciheit, um mit den Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen, den französischen Angriff abzuwehren. Schon im Zeitpunkt der Veröffentlichung des provisorischen Zollabkommens zwischen Wien und Berlin mußte man sich darüber klar sein, daß namentlich von französischer und auch von tschechischer Seite her Gegenstöße erfolgen würden. Zwar werden nach beiden Seiten hin handelspolitische Interessen durch die geplante Zollunion nur verhältnismäßig wenig berührt. Frankreich läuft aber Gefahr, dah cs durch die gemeinsame deutsch-österreichische Zollfront die bisher unbestrittene politische Führung in Europa verliert, zumal sowohl Berlin wie Wien kein Hehl daraus gemacht haben, dah beide Regierungen den Anschluß anderer Staaten an ihre Zollvereinbarungen begrüßen würden. Rach dem jahrelangen Stillstand — praktisch ist ja der europäische Status mindestens seit Locarno völlig erstarrt —. eröffnet die deutsch-österreichische Zollunion hoffnungsvolle Aussichten auf eine bessere europäische Gemeinschaftsarbeit und damit eine bessere politische wie wirtschaftliche Zukunft des alten Kontinents. Die englischen Politiker haben sich, obwohl sic aus teilweise sehr naheliegenden inner politischen Gründen zum Träger des ersten Entente-Vorstoßes gegen Deutschland und Oesterreich in der Zollfrage gemacht wurden, dieser Einsicht auch nicht verschlossen, ebensowenig die italienische Regierung, die trotz alles französischen Liebeswerbens bisher eine beinahe betont wohlwollende Reutralität dem Zollvakt gegenüber gewahrt hat. Für Briand steht also nicht nur das durch den Flottenpakt ir'.t Italien scheinbar gefestigte europäische Prestige auf dem Spiel, sondern, was vermutlich für den gerissenen Parlamentstaktiker ebensoviel und mehr bedeutet, auch seine innerpolitische Position ist in Gefahr geraten. Es ist nicht anzunehmcn, dah man sich in Berlin und Wien durch solche Tiraden ins Bockshorn jagen läßt. Die Sachlage ist sowohl durch den Reichskanzler Dr. Brüning wie durch den österreichischen Bundeskanzler Dr. Schober gegenüber den englischen Diplomaten, die in Berlin und Wien Vorstellungen erhoben, ganz einwandfrei dahin gekennzeichnet worden, dah man sich in beiden Ländern auf eine politische Intervention — sei es des Völkerbundes, sei es irgendeiner auswärtigen Macht nicht e i n z u l a s s e n gedenke, daß man dagegen einer Erörtern ngderRechtslagenichtaus- wcichen wolle. Damit ist die Marschroute für beide Kabinette in den nächsten Wochen und Monaten von selbst gegeben. Ratürlich wird Briand nichts unversucht lassen, um den ganzen Fall vor das Forum des Dölkerbundsrates zu ziehen und hier über die Erörterung der reinen Rechtsfragen hinaus auch noch das politische Problem anzuschneiden. Cs ist auch nicht zu leugnen, dah das Schwergewicht des Zusammenschlusses auf die Dauer zu einer gewissen Stärkung des politischen Einflusses Mitteleuropas im Rahmen der gegenwärtigen Macht- konstcllation führen muh, so dah zwar nicht de jure, wohl aber de tacto allmählich eine Verschiebung des europäischen Zustandes, wie er in den Pariser Fricdensdiktaten geschaffen wurde, cintreten würde. Das zu verhindern, ist aber weder der französischen noch irgendeiner anderen Regierung mit reinen Rechtsmitteln möglich, nicht einmal die Kautschukparagraphen des Völkerbundsstatuts bieten hierfür eine geeignete Handhabe. ihn so mehr kann uns die Interventionsdrohung des französischen Auhenministers kalt lassen Denn die französische Politik würde mit einem aktiven Auftreten gegen die deutsch-österreichischen Zollpläne nicht nur wieder einmal den Rechtsboden verlassen, sondern sie würde in diesem Falte auch die starken politischen Interessen anderer europäischer Staaten, vor allem Englands und Italiens, durch ein derartiges Vorgehen berühren And es ist mehr als unwahrscheinlich, dah London oder Rom das zulassen werden. Auch der Abschluß des immer noch umstrittenen Flottenpaktes ändert an diesem Sachverhalt nichts. Man ist sich ebenso wie bei uns in den übrigen Hauptstädten darüber klar, dah die Kriegsdrohung Briands zum großen Teile i n - ner politischen Motiven entspringt. Dennoch wird man jetzt gerade in der deutschen Oefsentlichkeit sorgfältig darauf zu achten haben, daß unsere eigene innere Front nicht durch eine peinlich anmutende Sorte von Flaumacherei, wie wir sic unmittelbar nach der Veröffentlichung des Zollvorvertrages erleben muhten, geschwächt wird. Was uns zu der Zollunion mit Oesterreich drängt, ist weder ein hohler Hurrapatriotismus noch eine verstiegene politische Romantik, sondern einfach die Wucht der realen wirtschaftlichen Tatsachen, die die Zollunion zu einem Akt der Rotwehr für uns wie für Oesterreich stempelt. Nach Erlaß der Notverordnung. Vorsicht! Die Notverordnung vom 28 März, die uns bis dicht an die Grenze des zivilen Belagerungszustandes führt, hat bei der Opposition auf beiden Flügeln eine begreifliche Erregung ausgelöst. Die 5l o m m u = n i st e n schießen gleich dreimal. Sie verlangen die sofortige Aushebung und die sofortige Einberufung des Reichstags, haben darüber hinaus aber auch vorsichtshalber noch eine Interpellation eingebracht und werden, wenn alle Stränge reihen, wohl den Ueberwachungsausschuh noch mobil machen. Auch die R e ch t s o p p o s i t i o n hat sich gerührt und gleichfalls den Zusammentritt des Reichstages verlangt. Sie werden praktisch damit nichts erreidjen, die Sozialdemokraten denken vermutlich nicht daran, sich dem Wunsche anzuschließen. Die Opposition wird also unter sich bleiben und nicht stark genug sein, um die Mehrheit, die am Donnerstag die Vertagung des Reichstags beschloß, in eine Minderheit zu verwandeln. Entzückt ist sicher auch die bürgerliche M i-t t e über die ganze Notverordnung nicht, es sind soviele kautsd)ukartige Begriffe darin enthalten, daß Vorsicht am Platze ist und aufgepaßt werden muh, ob nicht etwa parteipolitische Scheuklappen die staatspolitische Durchführung gefährden. Wir haben vor allem Besorgnisse wegen der Art, wie hier die Presse einem polizeilichen Verbot ausgeliefert ist, ohne daß auch diesmal leider irgendwelche Sicherheiten geschaffen sind, die den Verwaltungsbehörden weitgehende Vorsicht auferlegen. Aber wir müssen doch audj anerkennen, daß die Regierung in der Notwehr handelt. Sie ist gezwungen worden, wenigstens zu versuchen, jetzt nach der Sanierung der Finanzen auch zu einer G c - funbung des innerpolltischen Kamp- f e s zu kommen. Das ist selbstverständlich auch der Gesichtspunkt gewesen, unter dem der Reichspräsident, gewiß nicht ohne Bedenken, die Verordnung untertrieben hat. Die Kundgebung der Nechtsopposition greift also in ihrer grundsätzlichen Einstellung wie in ihren Mitteln fehl, wenn sie den Eindruck zu erwecken fiufjt, als ob Herr von Hindenburg der Gefangene seiner Umgebung sei und blind lirgs alles unterschriebe, was ihm vorgelegt wird. Es ist aud) keine sehr glückliche Formulierung, wenn die Opposition dem Reichspräsidenten zumutet, er solle sich von seinen gegenwärtigen Beratern trennen. Die einzige Voraussetzung, unter der sich der Reichspräsident dazu verstehen könnte, wäre doch die, daß er eine f c ft e Mehrheit für eine Negierung sähe. Und dazu find doch alle Vorbedingungen geschwunden. Wie die Notverordnung zustande kam. Tic bayrische Regierung fühlt sich schlecht unterrichtet. München, 30. März. (Sil.) Von bayerischer amtlicher Seite wird mitgeteilt: „Gegenüber einer Aeußerung des bayerischen Iu,lizministers G ü r t n e r auf dem deutschnationalen Parteitag in Rürnberg, daß die bayerische Staatsregierung, seines Wissens auch der bayerische Innenminister Dr. Stützcl, von der Rotverordnung keine Kenntnis gehabt habe, wird aus Kreisen des Reichsinnenministeriums mitgeteilt, dah die Rotverordnung im Verlauf der Innen» ministerkonseren^ auch vom bayerischen Innenmini st er durchgearbeitet und eine Reihe bayerischer Wünsche berücksichtigt worden seien. Demgegenüber wird festgestellt, daß in. der Konferenz der Innenminister überhaupt kein Entwurf derRotver- ordnung vorgelegt worden ist, ja dah von dem Vorhandensein eines solchen Entwurfs nicht einmal die Rede war. Erst nach Abschluß der Konferenz wurden dem bayerischen Innenminister Stützet zu seiner streng vertraulichen und persönlichen Kenntnisnahme Mitteilungen über den Inhalteines vorläufigen Entwurfs zu einer Rotverordnung gemacht. Dabei erhob der bayerische Innenminister gegen diesen Entwurf sofort schwerwiegende Bedenken, insbesondere auch gegen die in diesem Entwurf in Ausficht genommenen Zuständigkeitsregelungen. Zugleich gab der bayerische Innenminister dem Wunsche Ausdruck, dah der endgültige Entwurf vor seiner Veröffentlichung der bayerischen Staatsregierung zur Kenntnis und Durchprüfung übermittelt werden müsse. Dies ist nicht geschehen. Die Veröffentlichung der Verordnung in diesem Zeitpunkt war vielmehr auch für die bayerische Staatsregi^rung und für den bayerischen Innenminister eine ileberraschung. Diesem Sachverhalt entsprach die Behauptung des Iustizministers Gürtner, die bayerische Staatsregierung habe von dem Wortlaut der Rotverordnung vor der Veröffentlichung keine Kenntnis gehabt, durchaus." Bayern und die Notverordnung. Der ursprüngliche Zweck in den Hintergrund getreten. München, 30'. Miir;. (Til ) D.e ..Bayerische Vollspartei-Korrespondenz" schreibt zur neuen Rotvervrdnung des Reichspräsidenten u. a.: Die Rotverordnung sei sichtlich in erster Linie a u f preußische Bedürfnisse zugespitzt, und man könne wohl sagen, dah die preußische Regierung dabei Pate gestan- den sei. Für sie werde die Rotverordnung auch nicht jene ileberraschung bedeutet haben wie für die anderen Länderregierungen, die vor Erlaß der Rotverordnung nicht unterrichtet worden seien. In Bayern werde sich auch nach dieser Rotvervrdnung aller Voraussicht nach nicht viel ändern. Als kürzlich die Innenminister nach Berlin einberufen wurden, da stand das Wort Kulturbolschewismus und Gottlosenbewegung im Vordergrund. Die neue Rotverordnung enthalte wohl auch einige begrüßenswerte Handhaben zum Vorgehen gegen diese Kulturseuchen. Man könne sich aber des Eindrucks nicht erwehren, dah dieses wichtige Kapitel in der Rotverordnung etwas i m Hintergründe stehe. Oer „Völkische Beobachter" München, 30. März. (Til.) Zu der neuen Rotvervrdnung schreibt der „Völkische Beobachter" am Montag unter der ileberfchrift: „Tod der RSDAP." u. a.: „Was sich d i e R e g i e r u n g B r ü n i n g-W i r t h Groener im Verein mit dem Reichspräsidcn- 9er Wortlaut der Kundgebung. Berlin, 30. Mär;. (ÖIB.) Amtlich. Die Reichsregierung erläßt folgende Erklärung: Vertreter der R e ch t s o p p o s i 1 i o n haben auf einer Tagung am 29. Mär; in Nürnberg eine Enl- fchließung gefaßt, die fid) mit falscher Bc- grünbung gegen die Verordnung des Herrn Reichspräsidenten ;ur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 2S. Mär; 1931 wendet. Die Verordnung des Herrn Reichspräsidenten richtet sich nicht gegen das Volksbegehren des Stahlhelms. Wie schon anläßlich der Konferenz der Innenminister der Länder vom 18. Mär; 1931 erörtert worden ist, soll sie der legitimen Werbung des Stahlhelms für fein Volksbegehren feinen Abbruch tun. 3n einer vor dem Erlaß der Verordnung liegenden Besprechung mit dem für ihre Ausführung in Preußen zuständigen Herrn Minister des Innern ist feftgefteUt worden, dah hierüber volles Einvernehmen ;roifd)en dem Reichsinnenministerium und dem preußischen Ministerium des Innern bestehl. Die erwähnte fionferen; der Innenminister hat einmütig auf die Notwendigkeit hingewiesen, im Interesse des Staats und der Kultur der von der rechts- und der linksradikalen Opposition geschürten Verhetzung deutscher Volksgenossen gegeneinander mit scharfen rechtlichen Waffen ent- gegen;utreten, dieser Verhetzung, die den Nährboden bildet für die ;ahlreichen politischen Morde und Ausschreitungen, die das deutsche Volk in den letzten Monaten ;u beklagen hatte. Dabei sind in einer gan;en Reihe von Ein;elheiten besondere Länderwünsche berücksichtigt worden. Die Behauptung des Nürnberger Beschlusses der Rechtsopposition, die Reichsregierung habe im letzten Jahre keinerlei Aufbauarbeit geleistet, richtet sich selbst und ist ebenso falsch wie die der völligen Abhängigkeit der Regierung Brüning von der So;ial- dernokratie. Der Herr Reichspräsident, der übrigens ffänbig Vertreter der Rechtsopposition persönlich angehört Hal und über ihre Auffassung unterrichtet ist, hat die Notverordnung in vollster Kenntnis ihrer e in;elnenBe st irnrnungen,ihrer Handhabung und ihrer Wirkung erlassen. Die Forderung der Aushebung der Verordnung stellt daher einen persönlichen Angriff gegen den Herrn Reichspräsidenten dar. Ls ist tief bedauerlich und bedarf der schärf st en Abwehr, daß nunmehr von deutschnationater Seite versucht wird, durch Entstellungen und durch die Verbreitung unwahrer Behauptungen im Volke das vertrauen in die Person und in die lleberparteilichkeit des Herrn Reichspräsidenten zu untergraben. Ein schlechter Anfang. Verbot eines Voltsbegehr-Plakates auf Grund der ne: en Notverordnung. Berlin, 30. März. (TU.) Der Stahlhelm veröffentlicht eine Mitteilung, wonach der Polizeipräsident oon Dortmund ein Plakat des Stahlhelms zum Volksbegehren, das f ch o n f e i t Wochen überall unbeanstandet geblieben war, auf Grund der neuen Notverordnung „zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen" verboten habe. Zn der Mitteiltung heißt es: Auf dem Plakat fei dargestellt, wie die symbolische Gewalt des Alten Fritz mit einem Stock die dem Dolkswillen nicht mehr entsprechende Mehrheit aus dem Landtags- tenv. Hindenburg mit der neuen Rotvcrord- nung geleistet hat, übersteigt alles bisher Dagewcfcne an politischer Entrechtung der Deutschen. Gefängnis!, Gefängnis!, Gefängnis!, das ist das Wort, welches uns aus der Angstverfügung der Reichsregierung ständig ent* gcgcngähnt. Dor allem kommt aber eines zum Vorschein, der gemeinsame Haß aller alten Parteien gegen die Symbolik der neuen Freiheitsbewegung. Ein derartiges Willkürregiment trägt den Keim des 'Verderbens seiner Urheber in sich, denn nicht im Zeichen eines großen Gedankens, eines großen Volkszieles wegen wird der Ausnahmezustand verhängt, sondern zmn Schuhe einer Partcienhcrrschaft, deren Anhänger von Wahl zu Wahl immer mehr zusammcn- schmelzen. Die Rationalsozialistischc Bewegung wird in streng gesetzlicher Weise gegen die unerhörte Knebelung der Meinungsfreiheit der Deutschen protestieren, und trotz der jetzt kommenden Verfolgung sollen fid) Zentrum und SPD. nur ja nicht darüber täuschen, daß es sich im Volke schon noch hcrurnsprechen wird, wie man diesen neuesten Art der Herren Wirth-Groener und Genossen einzuschähen hat." gebäube hcrauslreibe. Als Begründung für das Verbot habe der Polizeipräsident angegeben, das Plakat mache den Preußischen Landtag ver ä ch t l i ch, weil in der Zeichnung basLanbtags gebäube im Schmucke einer roten Fahne dargestellt sei. Diese Entscheidung sei besonders pikant in Anbetracht der Tatsache, daß Herr Lü b b r i n g -Mitglied der Sozialdemokratischen Partei sei, die fid) bekanntlich zur roten Fahne bekenne. Oie Haltung der Wirtschastspartei. Eine Sabotage des Stahlhelm-Volts» begehrens wird nicht geduldet. Berlin, 30.März. (VDZ.) Die Neichslaasfrak tion der Wirtschaftspartei ist für den 17. April nach Wernigerode einberufen worden, um .zu der Notverordnung gegen den Radikalismus und damit gleid;zeitig zu der Frage der Einberufung des Reichs, lages Stellung zu nehmen. Die Sitzung des A e 11 e ft e n r a t e s, in der über die Anträge auf Reichstagseinberufung Beschluß gefaßt wird, wird voraussichtlich erst nach diesem Termin stattfinden. Die Wirtschastspartei stimmt einer Verschärfung der gesetzlichen Bestimmungen, die geeignet ist, der Verwilderung der politischen Sitten Einhalt zu gebieten, durchaus zu. Wenn sich aber erweisen sollte, daß mit der 'Notverordnung der Nebenzweck verbunden fei, das Volksbegehren a u f Auflösung des Preußischen Landtags 3 u sabotieren und die politische Meinungsfreiheit einzuschränken, so könnte das möglicherweise für die Wirtschaftspartei ein Grund fein, für Die Aufhebung der Notverordnung und auch für die Reichstagseinberufung einzutreten. Um die Einberufung des Reichstags. Kaum eine Mehrheit für die Anträge der Opposition. Berlin, 30. März. (VDZ.) Die Einberufung des Reichstages wegen der neuesten Rvtverordnung wird nicht nur von den Kommunisten, sondern auch von den 2t a t i 0 na l * s0zialistcn und den Deutschnationalen beantragt, also von der gesamten Opposition. Don der Rechten wird dem Reichstag noch im Laufe des heutigen Tages ein ähnlicher Antrag zugehen, wie er bereits von den Kommunisten vorliegt. Reichstagspräsident L ö b c kehrt erst am Dienstag von einer Reise nach Berlin zurück. Die Entscheidung über die Anträge wird also erst im Laufe des Dienstags fallen. Rach dem mit großer Mehrheit vom Reichstage gefaßten Vertagungsbeschluß wird der Präsident die Anträge der Opposition voraussichtlich adle h n e n. Eine Einberufung des Acl- testenrates läßt sich dagegen nicht vermeiden. Die Einberufung muß ixach der Geschäftsordnung erfolgen, wenn es drei Mitglieder des Aeltesten- rates verlangen. Heber diese drei Mitglieder verfügen schon allein die Kommunisten. Auch im Aeltestenrat wird aber kaum eine Mehrheit für die Anträge auf Einberufung des Reichstages vorhanden sein. Der Aeltestenrat besteht aus den vier Präsidenten und 21 Mitgliedern der verschiedenen Frakstonen. Die Oppositionsparteien verfügen davon nur über insgesamt 9 Stimmen, denen 16 der anderen Parteien gegenüberstehen. Die Rechtsparteien haben die Absicht, in den nächsten Tagen auf die Vertreter der kleineren Parteien wie Wirtschaftspartei, Landvolk, Christlich-Soziale einzuwirken, um sie für die Reichstagseinberufung zu gewinnen Einmal ist anzunehmen, daß derartige Bemühungen kaum von Erfolg begleitet fein werden, andererseits wäre aber auch, selbst wenn aus den 9 Stimmen für die Reichstags- einberufung 11 oder 12 würden, noch immer eine Mehrheit für die Einberufung nicht gesichert. Eine Kundgebung der Reichsregierung. Das Kabinett stellt sich vor die Person des Reichspräsidenten. Wie stehl England zur Zoll-Union? Henderson gibt im Llnterhauö Auskunft. London, 30. März. (WTD.) 3m Unterhaus wurden fünf Ans ragen an den Staatssekretär des Aeußern über die geplante ö st e r r e i - chisch-deutsche Zollunion gerichtet, davon zwei von Chamberlain. Die eine bezieht sich darauf, daß Deutschland und Oesterreich vor dem Abschluß der Zollvereinbarungen der englischen Regierung keine Mitteilung machten. Die zweite ersucht um Mitteilung über den Inhalt des Präliminarabkommens und um Mitteilung, was die britische Regierung nun zu tun beabsichtigt, um festzustellen, ob das Liebereinkommen den Bestimmungen des Vertrags von St. Germain und des Gen fer Protokolls vom Jahre '1922 entspricht und in welcher Weise die Zollunion, wie sie von der österreichischen und der deutschen Regierung erklärt wird, die Meistbegünstigungsklausel der br'.ti'chrn Handelsverträge mit Deutschland und Oesterreich berühren würde. Staatssekretär Henderson antwortete: Deutschland und Oesterreich haben sich auf den Standpunkt gestellt, daß ihr Vorschlag sich mit dem Genfer Protokoll von 1922 in Liebereinstimmung befindet. Oesterreich erhebt keinen Einwand dagegen, daß die rechtlichen Seiten von den Regierungen geprüft werden, die das Protokoll unterzeichnet haben. Es erhebe Einwand gegen eine Prüfung des politischen Standpunktes, stelle jedoch jede Absicht, England vor eine vollendete Tatsache zu stellen, in Abrede. Die deutsche Antwort könne dahin ausgelegt werden, daß eine rechtliche Prüfung der Frage möglicherweise ohne ihre Mitwirkung werde geführt werden müssen, sie drücke auch die Absicht aus, in der Zwischenzeit Verhandlungen mit Oesterreich zu führen. In der Annahme, daß die deutsche Regierung seine Anregung vielleicht mißverstanden habe, habe er nach Berlin telegraphiert, sein Vorschlag sei einfach dahingegangen, daß, bevor die beiden Regierungen weiter fortschreiten, dem Völkerbundsrat eine Gelegenheit gegeben werde, sich zu versichern, daß der vorgeschlagcne Vertrag nicht im Gegensatz zu dem Protokoll vom Jahre 1922 steht. Die deutsche Regierung habe geantwortet, die Verhandlungen zwischen Oesterreich und Deutschland dürften voraussichtlich mindestens zwei bis drei Monate in Anspruch nehmen und die deutsche Regierung sehe keinen Anlaß, den vor- gcschlagencn Vertrag dem Völkerbund zu unterbreiten, da sie überzeugt sei, daß er dem Protokoll von 1922 nicht zuwiderlaufe. Den Signatarmächten des Protokolls sei es freigestellt, in der Vertragsangelegenheit sich an den Völkerbundsrat zu wenden, jedoch müsse sich die deutsche Regierung völlige Handelsfreiheit bezüglich des Verhaltens Vorbehalten, das etwa vorgeschlagen werden sollte. Ferner habe die deutsche Regierung ihre Einwände gegen eine Prüfung der Vereinbarung vom politischen Standpunkt aus in dieser Antwort auf sein Telegramm wiederholt. Es ist beabsichtigt, so fuhr Henderson fort, den Generalsekretär des Völkerbundes davon in Kenntnis zu sehen, daß der Wunsch besteht, bei dcr nächsten Sitzung des Völkerbunds- rats die Frage zur Debatte zu st eilen, ob die geplanten Zollvcreinbarungen mit den Oesterreich durch die Verträge uns insbesondere durch das Protokoll von, 1922 auferlegten Ver- pflichtungen vereinbar sind. Sollte ein allgemeiner Wunsch sich bemerkbar machen, daß der VölkerLundsrats durchdieRatschlägedes Internationalen Gerichtshofs unterstützt wird, so werde ich sicher die Heranziehung des Internationalen Gerichtshofes unterstützen. Die österreichische Regierung würde natürlich eingeladen werden, an der Besprechung der Rats- mitgliedcr teilzunehmen. Cs freut mich, feststellen zu können, daß die Mitteilung der ö st erreicht- s 6) e n Regierung den Schluß zuläßt, eine derartige Einladung werde von ihr als annehmbar betrachtet werden. Die Erwiderung der deutschen Regierung erkenne, soweit er sie verstehe, die Schicklichkeit einer Verweisung an den Völlerbundsrat an, während sie sich ihre Rccbte mit Bezug auf jedes Verfahren, dessen Verfolgung dort vorgeschlagen wird, vorbehält. Ich hoffe ernstlich, daß, wenn die Zeit kommt, gefunden wird, daß die Verhandlungen zwischen der österreichischen und der deutschen Regierung nicht soweit fortgeschritten sind, daß die freundschaftliche Atmosphäre, in der Fragen normalerweise vom Dölkerbundscat behandelt werden, beeinträchtigt wird. Zum Schluß möchte ich wiederholen und betonen, daß das von dcr britischen Regierung vorgeschlagene Verfahren die einzige Lösung einer Episode bietet, die eine bedauerliche Beunruhigung in Europa erzeugt hat. FraiÄeW plan eines EinmaMes in Belgien. Neues aus der französischen Aktenpublikation. — Wichtiges Material zur Widerlegung der Versailler Kriegsschuldthese. Paris, 30. März. (EBR.) Der fünfte Band des großen französischen Llrkuirdenwerkes ist heute zur Ausgabe gelangt. Er behandelt die Monate Felruar bis Mai 1912, eine Periode, in der sich d ie Tätigkeit Poincares airs- zuwirken begann, der kurz zuvor das Präsidium Les Kabinetts und das Porlefeuille des Auswärtigen, übernommen hatte. Der mit der Veröffentlichung betraute Verlag hat in einer Voranzeige Andeutungen gemacht, die vermuten ließen, daß Frankreich 19 12 an einen C i n- marsch in Belgien gedacht have. Die Publikation selbst zeigt die Angelegenheit jedoch doch in einem gairz anderen Licht. Allerdings fjnö die wichtigsten Dokumente nicht in dem Werk enthalten. Die Herausgeber haben sich darauf beschränkt, die ersichtlich zahlreichen Doku- snente über das wichtigste Geschehnis der Dor- kriegsgeschichte in einer Fußnote von wenigen Zeilen zusammenzufassen, die folgenden Wortlaut hat: 3n einer Unterredung, die Ministerpräsident p o i n c a r e am 21. Februar 1912 mit dem Lriegsminister, dem Marineminister, dem Chef des Generalstabs und dem Direktor der poli- tischen Abteilung des Außenministeriums hatte, legte General 3 o f f r e dar, welche Aussichten der französische Operationspion in einem Kriege mit Deutschland biete. Er glaubte hinzusügen zu sollen, daß die Aussichten auf einen Sieg größer wären, wenn das französische Heer die Freiheit hätte, die Offensive auf belgisches Gebiet zu tragen. Der Ministerpräsident erwiderte, daß ein solches Vorgehen mit der Gefahr verbunden sei, nicht nur Europa, sondern auch die Belgier gegen Frankreich einzunehmen. Er erklärte, die Offensive mühte mindestens auf die positive Drohung eines deutschen Einmarsches begründet sein. Er fügte hinzu: Uebrigens war doch gerade die Furcht vor einem deutschen Einfall in Belgien die Ursache unseres Geheimabkommens mit England. 3edenfalls müßte man sich vergewissern, daß ein plan dieser Art die britische Regierung nicht veranlassen würde, uns ihre Unterstützung zu entziehen. Einige der im fünften Band abgedruckten Dokumente zeigen, wie Poincare alles aufbot, um die Zustimmung der britischen Regierung zum Einmarsch in Belgien zu erhalten. Aus seinen Weisungen wird ersichtlich, daß die britische Regierung den französischen wünschen widerstand entgegengesetzt hat, doch fehlen jene Dokumente, die vorhanden sein mühten, um die Haltung des britischen Staatssekretärs Grey über jeden Zweifel zu kennzeichnen. Lerschiedene Umstände lassen deutlich erkennen, mit welchen Schwierigkeiten die wissenschaftliche Kommission bei der Berösfentlichung dieser Dokumente zu kämpfen hatte, soweit überhaupt irgendeine Berösfentlichung erfolgt ist. Allerdings genügen selbst die wenigen veröffentlichten Stücke, uih die französische These von der Kriegsschuld ein für allemal restlos zu widerlegen. Oie junge Generation in Elsaß-Lothringen. Bon unserem Straßburger Mitarbeiter. Straßburg, März 1931. Rach den Enttäuschungen, die Frankreich bald nach dem Wafsenstillstand mit den „befreiten Brüdern" in Elsaß-Lothringen erlebt hat, wurde man sich im stillen Kämmerlein darüber klar, daß die Wirklichkeit dem Bilde von dem sehnsüchtig nach der Rückkehr zur OHutter Frankreich schmachtenden Kinde durchaus nicht entsprach. Man hat nach einiger Zeit sogar darauf verzichtet, diese Generation für den französischen Gedanken zu gewinnen. Im vergangenen Herbst, aus dem prunkvollen Poincare-Bankett zu Kay- sersberg, hat es einer der Maßgebenden der französischen Propaganda offen zugegeben, daß nach dem allmählichen Wegsterben der treuen alten Garde eine gefährliche Lleber- gangsperiode komme, wo die „französischen Elsässer" aufs energischste von Paris gestützt werden müßten, bis in ihre Rethen d ie in der Rachkriegs-Schule ausgewachsene junge Generation eintreten werde. Cs durfte da in starkem Maße eine weitere Enttäuschung herannahen. Gewiß hat die gewaltsame Sprachendressur schon jetzt erreicht, daß eine Schicht verwelschter elsässischer Bour- aeoissöhnchen zur Llebernahme führender Stellen bereitsteht. Aber das Volk selbst wird auch künftighin nicht in entscheidendem Maße zur Gefolgschaft für deren Parolen bereitstehen. Auch der Dienst in Heer und Marine hat bisher durchweg eher ernüchternd gewirkt; in der Kaserne haben die jungen Elsässer und Lothringer erst recht gemerkt, daß sie doch sehr viel anders sind als ihre „innerfranzösischen" Kameraden. Ein hiesiges Blatt hat dieser Tage auf einen merkwürdigen Fall aufmerksam gemacht. In einer höheren Schule entdeckte der französische Lehrer an der Klassentafel die Aufschrift: „V i v e 1 ’ A 1 s a c c autonome!" (Cs lebe das autonome Elsaß!) Die sofort angestellte Llntersuchung hat ergeben, daß dieses hochverräterische Bekenntnis angeschrieben war — vom Sohn eines namhaften Straßburger „Patrioten". Das Verfahren ist daraufhin ohne jedes Aufsehen als erledigt behandelt worden. Das war sicherlich nur ein Symptom, aber man darf hinzunehmen, daß die einzige I u ge ndbe i l a g e, die überhaupt in der elsässischen Presse besteht, die der autono- mistischen „Elsah-Lothringer-Zeitung" ist. Sie führt den Titel „Iungmannschaft", worin ein mit der Polizei zusammenarbeitendes Blatt sofort etwas gewittert hat, was pangermanistisch oder nach „Hitlerei" rieche. Es ist auch gesagt worden, daß die in dieser Beilage zu Worte kommenden Jungen in keiner Weise als Wortführer des kommenden Elsaß gelten könnten. Aber wenn dem so wäre, hätte sich das französische „Journal d'Alsace" sicherlich nicht auf eine ernstliche Diskussion mit dieser „Iungmannschaft". eingelassen, als darin gleich anfangs unverhüllt angedeutet wurde, daß Elsaß-Lothringen sich von Frankreich trennen müsse, wenn es sich zeige, daß cs nicht daran denke, den kulturellen Bestand und die freie geistige Entwicklung des bodenständigen Clsässertums zu sichern. Wenn die französischen Kreise wirklich so stolz auf die Erzie- hungsprodutte der von ihnen verherrlichten Schulmethode sein könnten, müßte doch irgendwo und irgendwie einmal dieses „nationale" Jung» Elsaß-Lothringen in Erscheinung treten. Da es für derartige Zwecke nie an Geld gebricht, hätte man sicherlich längst zum Beispiel dem gou- vernementalen „Elsässer Boten" eine Iugend- b ei läge angegliedert, da dieses Blatt ja auch alljährlich amtlich geförderte Schülerwettbewerbe durchführen darf. Wenn von der für Frankreich gewonnenen Jugend nichts vorgezeigt wird, so ist sie eben nicht vorhanden, jedenfalls nicht in einem geistigen Zustand, mit dem man sich „an den Laden legen“ könnte. Die junge ©eneration in Elsaß-Lothringen ist trotz der unelsässischen Schuldressur ihrer Heimat nicht untreu geworden. Sie wird Seite an Seite mit der zu deutscher Zeit gereiften Generation b:n Kampf gegen die Derwelschung führen, und die ihr aufgepfropften französischen Sprachkenntnisse werden ihr dabei noch von Ruhen sein, um sich gegen die „innerfranzosischen“ Gegner erfolgreich zur Wehr zu sehen. Aus aller Well. Das Flugzeug Elly Beinhorns nicht zu bergen. Die Afrikafliegerin Elly Beinhorn, die zur Zeit in Timbuktu weilt, teilt mit, daß ihr Flugzeug „D 1713“ nicht mehr zu retten ist. Elly Beinhorn kehrte nach einer kurzen Erholungspause vom Fußmarsch mit einer Hilss- farateanc zu ihrem im felsigen Wüstengelände zurückgelassenen Flugzeug zurück, um für den Abtransport zum Startplatz zu sorgen. Rach vieler Mühe mußte die Fliegerin erkennen, daß jeder Erdtransport durch die Sand- massen der Sahara unmöglich ist. Schweren Herzens wurde nunmehr der Bergungs- Versuch auf gegeben. Das Flugzeug wurde v ö l - lig unversehrt in der Wüste zurück- gelassen. Elly Beinhorn baute lediglich den wertvollen Motor aus, um diesen in die Heimat zurückzusenden. Sie wird nunmehr mi t einer Autokolonne der Saharalinie nach Algier und von dort nach Europa zurückkehren. Damit endet der Flug, den die Fliegerin trotz aller Widerstände so hervorragend durchgeführt hat. Rach fast 8000 Kilometer Flug und sechswöchiger Expeditionsarbeit hat ein O e l r o h r b r u ch, der an sich in einer knappen Stunde behoben werden könnte, alle weiteren Pläne der Fliegerin zunichte gemacht. Wegen Landesverrats zu zehn 3ahren Zuchthaus verurteilt. Der vierte Strafsenat des Reichsgerichts hat am Samstag das ilrteil im Spionageprozeß Ruhstrat gesprochen. Der 1895 in Stettin geborene Leutnant a. D. Heinrich Ruhstrat wird wegen Verrats militärischer Geheimnisse in Tateinheit mit Llnterschlagung zu zehn Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Der Verurteilte hat danach einen im Interesse der Landesverteidigung geheimzuhaltenden Gegenstand sich rechtswidrig angeeignet und ihn einem Fremden, nämlich dem französischen Rachrichtendien st in Mainz, ausgeliefert. Außerdem hat er organisatorische Maßnahmen der Reichswehr dem fremden Rachrichtendienst bekannt gegeben. Bei der Strafzumessung war zu berücksichtigen, daß der Angeklagte nicht nach Paragraph 51 des Reichsstrafgesetzbuches unzurechnungsfähig ist, wie er in seiner Verteidigung hatte behaupten wollen. Allerdings ist bei der Bemessung der Strafe eilte verminderte Zurechnungsfähigkeit berücksichtigt worden. Mildernde Llmstände mußten dem Angeklagten versagt werden, da er das Schlimmste getan hat, was ein Offizier überhaupt tun kann: militärische Dinge an eine fremde Macht verraten. Der Angeklagte Ruhstrat ist ein Mensch ohne jeden Charakter. Er hat eine Gesinnung von unerhörte rEhr- lof igfei t bewiesen. Aus diesem Grunde mußten ihm auch die bürgerlichen Ehrenrechte abgesprochen werden. Das Urteil ist rechtskräftig. Beim „Anhängen“ überfahren worden. Der 10jährige Sohn des preußischen Kultusministers Grimme, der in Zehlendorf von einem Lastauto überfahren wurde, ist an den Folgen des Unfalls gestorben. Ekkehard Grimme und ein 13jähriger Freund des Knaben fuhren zu Rad von der Schule nach Hause, als der Lastkraftwagen sie überfuhr. Auch der andere Knabe ist sehr schwer verletzt. Kultusminister Grimme, .der zur Zeit nicht in Berlin weilt, wurde von dem Unglück telegraphisch verständigt. Die Schuld an dem Unglück trifft, wie es scheint, die beiden Knaben, die sich an den Kraftwagen angehängt hatten. Schweres Autounglück. Bei Plauen ereignete sich ein schweres Auto» Unglück. Der 37jährige Lehrer Frotscher woUte mit seiner Wirtin, der Witwe Heinzmann, und dem Ehepaar Rammler zu einer Konfirmationsfeier nach Mittweida fahren. Das von dem Lehrer gesteuerte Auw geriet bei einer scharfen Kurve in der Rähe von Thohfell infolge des frischgefallenen Schnees ins Schleudern und fuhr in voller Fahrt an einen Baum, so daß die Insassen hinaus- geschleudcrt wurden. Fraiu Rammler war sofort tot, während Frau Heinzmann schwere Verletzungen erlitt und im Plauener Krankenhaus bald ihren Verletzungen erlag. Frotscher uriö Rammler trugen gleichfalls Verletzungen davon. Tödlicher Stur; von der Kellertreppe. In Koblenz öffnete eine in einem Hause in der Wöllergasse wohnende Frau im Alter von 65 Jahren irrtümlicherweise die verkehrte Tür im Hausflur. Sie stürzte die Kellertreppe herunter und blieb mit einer gefährlichen Schädelverlehung liegen. Die Schwerverletzte wurde in das Krankenhaus gebracht, wo sie starb. Mord in Dortmund. In Dortmund wurde eine schwere Mordtat verübt. Der 36jährige Bäcker Walter Feldhaus wurde erschossen, während er sich rasierte. Von der Tür her sind zwei Schüsse auf ihn abgegeben worden. Der erste ging in die Zimmerdecke, der zweite traf ihn in die Stirn. Die Kugel blieb im Kopse stecken. Der Schwerverletzte wurde sofort ins Krankenhaus geschafft, wo er mehrere Stunden später starb, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Feldhaus war im Begriff, zum zweiten Male zu heiraten, doch trat er im letzten Augenblick von der Heirat zurück, weil er Llngünstiges über feine Braut gehört hatte. Der Verdacht der Täterschaft lenkt sich gegen die Braut. Schwere Zuchthausstrafen gegen Vahnpofträuber. Das Schweidnitzer Schöffengericht verurteilte die beiden Eisenbahnposträuber Witzig und Römern) wegen Raubes unter erschwerenden Umständen und Bergehens gegen das Schußwaffengesetz zufesie - b e n Jahren und zwei M o 'n a t e n Zuchthaus, sechs Jahren Ehrenrechtverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Die beiden Angeklagten hatten zwischen Rohnstock und Grübest einen verwegenen Ueberfall auf den Bah npo st wagen eines P e r s o n e n z u a e 2 unternommen, den einzigen im Wagen anwesenden Beamten gefesselt und einen Betrag von 9500' Mark geraubt. Sie waren geständig. Die Frauen im Reichstag. In Kürschners Volkshandbuch Deutscher Reichstag 1930. das dcr Verlag Hermann Hillger, Berlin W 9, zum Preise von 1,25 Mark herausgibt, finden wir neben vielen anderen Liebe r- sichten auch folgende über die Frauen im Reichstag Im Reichstag 1928 sahen 31 Frauen, in dem eben gewählten von 1930 ab 39. Sie haben also prozentual stärker zugenommen als die männlichen Mitglieder des Reichstags. 16 gehören den Sozialisten an und 12 den Kommunisten. Die Deutschnationalen haben 3, das Zentrum hat 4 weibliche Abgeordnete entsandt, und der Christlich-soziale Volksdienst, die Deutsche Staatspartei, die Deutsche Volkspartei und die Bayerische Volkspartei je eine Frau, J^e Rationalsozialisten unter ihren 107 Abgeordneten keine weibliche. Der Bildungsgang dieser weiblichen Abgeordneten ist sehr unterschiedlich; wir finden 11 mit akademischer Vorbildung, sechs führen Len Doktortitel, davon drei ehrenhalber; 16 haben Volksschulbildung. Der Strahenhilfsdiensk. Der Ausbau des Strahenhilfsdienstes auf den deutschen Landstraßen hat weiterhin gute Fortschritte gemacht. Soeben ist mit dem Ausbau dec letzten Berliner Ausfallstraße auf der Strecke Berlin — Hamburg begonnen worden.Während schon vorher die Straße zunächst bis Perleberg mit Streckentelephonen ausgerüstet war, soll die Strecke jetzt von Berlin bis Hamburg vollkommen in den Dienst der Autohilfe gestellt werden. Im übrigen macht auch der Ausbau der Ausfallstraße von München weiterhin gute Fortschritte. Das Programm der Autohilfe fie)t darüber hinaus den Ausbau aller großen deutschen Derkehrsstrahen mit dem Autohilfsdienst vor, doch ist es im Augenblick bei der schweren wirtschaftlichen Lage noch nicht möglich, das großzügige Programm nach großen Gesichtspunkten in Angriff zu nehmen. Immerhin rechnet man damit, daß bis zum Jahre 1933 der Ausbau des großen deutschen Fernstraßennehes durchgeführt sein wird. Große Dammbaufen am Eolorado-Fluß geplant Der amerikanische Minister des Innern hat das Angebot von sechs Gesellschaften, zum Preise von 48 890 000 Dollar am Colorado-Fluh einen großen Damm und eine Kraft st ation von einer Million PS zu bauen, zur Annahme empfohlen. Der Damm, dessen Errichtung zehn Jahre beanspruchen soll, würde einer der größten der Welt sein. Man hofft, daß er Tausende von Acres unfruchtbaren wüsten Landes in Ob st gärt en und fruchtbare Felder umwandeln wird. Viele Tausende von Arbeitslosen haben bereits ihre Dienste angeboten, und der Minister gab bekannt, daß weitere Gesuche zwecklos seien, da die zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte den Bedarf schon weit übersteigen. Line Riesenerbschaff veruntreut. In München hat am 24. März Rechtsanwalt Bernardo Sala Selbstmord verübt. Er war viele Jahre Vermögen sverwalter des ehe- Oie Wetterlage. 50 iKf 35" Q 5^ Paris 6 ¥ - ZF ^13^ 2° /Wi Namdg. jsF J O Berlin |S13 Licbigitr. 97 H. iniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Ca. .O-1OO Ztr. la Roggen- Langstroh (Flegcldrusch) voll- tommen uell, t. Packzwecke, Hütsensabrik. undGartner am beit. geetgn.,hat anzubiet. Schristl. Angeb. unt. 23051) a.d. Gieß. Anz. illlllllllllllllllllllllllllllllHK M, und 1 höher E Q und höher ÄO _ und — höher Gut Kinderwagen zu verkaufen. 01862 Seltprsweg79Ill. Kleeheu ea. 2 Wagen, unter Tagespreis zu verk. Säirittl. Angeb. unt. 01856 a. d. Giefr. Anz. [Verschiedenes] 2 TenniS- parlnerinnen gesucht. Schristl. Eil» oiigeuote unt. 2303D an den Gieh. Anz. Eine Rcifetaiche auf d. Strecke Wevlar— Gießen—Dollar verloren. Fundmeldg. a.dlittield.Ann.-Erp. Gießen, Plockstr. 5. Tüchtiges, sehr ioltd. Wiki« aus guter Familie, nicht unter 20 Jahr., für Büfett ges. 0Isti Cafe u. 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März b Personen un überhaupt nicht Grasslächen, Waldungen eich Personen über 1 Während de Es sind vchi aus fremden Bi Zuwiderhan nach gesetzliche, strafe bis zu 3( Gießen, der Betr.: Das Ein An den he Bürge Wir verwei M2 des Fe 6.282) und er c. man ir 6riedrichsruhn tPmnen läßt id £ ?al)re 'des Lomals war hei G?'?°l°nderi y urtstag aus ^"hrer des q ^itte Man kein Ta J Garfif106 bcm § n.fs Qmen scho für b«1 ^de IS95?“'9tn nls 8390 6| »«in bes gB blt °> bitlst«? «"Id) Ichenk (tnn?rt' ree Qebroi * Qn 9 öWmti ch-n »»«««i zM .r »7 68,• höher Mizüge^J uarrn Ifihle^ mm.Qu*env„- , 68,- höher Anzög^J 'nSlaF0°ß,eeChe$ « 58,- Sh« reiswü^k'1 ’35*' 'el,H‘>se'1 Dienstag, 51. März 193 ( Sietzener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhessen) Nr. 76 Zweites Blatt Der Gießener Aerschichverein im Zchre 1930 (Nicht ohne Dank fei auch der zuständigen Behörden sowie der Presse gedacht, von denen der Verein stets wirksam unterstützt wurde. Der vom Verbände der Tierschutzvereine des £ocbfd)utnarfiricf)fen. Das Ordinariat für Geschichte an der Technischen Hochschule in Stuttgart ist dem Privatdozenten Dr. phil., Dr. rer. pol Helmut Göringan der Uni» oersität Köln übertragen worden Amtlich wirk die Versetzung des ordentlichen Professors Lr Otto Beckervon der Universität Halle in gleicher Eigenschaft noch Kiel bestätigt, Professor Becker übernimmt in .Kiel den Lehrstuhl der mittleren und neueren Geschichte als Nachfolger von Profefsoi? Friedrich Wolters. Zeitschriften. — Das 2nselschiss. Eine Zeitschrift für die Freunde des Insel-Verlags. 12. Jahrgang. 2. Heft. Ostern 1931. — Aus dem Inhalt des vorzüglich redigierten und ausgestatteten HesteS heben wir die folgenden Beiträge hervor: Albert Kösters lebendig und eindringend geschriebene Würdigung der Frau Bat, zum 200. Geburtstage: ein ungemein lesenswertes Kapitel über Freud aus (Stefan Zweigs jüngstem Buche „Die Heilung durch den Geist": neue Gedichte von Billinger aus dem Bande „Sichel am Himmel", wiederum ein Beispiel für die Rückkehr zur (Natur in der gegenwärtigen deutschen Kunst (nicht nur in der Literatur): Albrecht Schaeffers kluges, von Güte und Verständnis durchleuchtetes Prosastück „Mensch und Tier" aus einem neuen Bilder- werk -Roh und Reiter. Ihre Darstellung in der plastischen Kunst": ein Abschnitt aus dem „Bienenroman" von Georg Aendl, einem durch den Insel-Verlag eingeführten neuen Autor ... auf Maeterlincks Spuren: eine interessante Abhandlung „Vom chinesischen Urtext zur Weltliteratur" von Franz Kuhn: Hubert Mumelters Selbst- anzeige seines Minnesänger-Romans „Zwei ohne Gnade": Aphorismen von Hermann Graedener. dem Schöpfer des Dauernkriegfrieses „Utz Urbach". - Deutschen Reiches herausgegebene Kalender für j 1931 wurde in 3700 Exemplaren bezogen. Den | Mitgliedern wurde er als Geschenk, den hiesigen Ein Brief, der laut Poststempel am 1. April 1895 in Berlin aufgegeben wurde, trug als Adresse lediglich die Worte: An Ihn Der Berliner Postbeamte fügte hinzu: vermutlich Se Durchlaucht Fürst von Bismarck, Friedrichsruh, und hat sich auch in seiner Kombination nicht geirrt. Bruckners „Elisabeth von England" im Zranksurter Schauspielhaus. Bruckners Schauspiel wurde hier aus Anlaß seiner Uraufführung in Darmstadt schon ausführlich besprochen. Die Frankfurter • hatten zwar für die Rolle der Elisabeth keine Hermine Körner zur Verfügung, aber trotzdem wird man sagen dürfen, daß auch die Frankfurter Aufführung bei gerechter Würdigung der großen Schwierigleiten an Szenerie wie Besetzung starke Eindrücke vermittelte, die eine wärmere Anerkennung verdient hätten, als das nur mäßig besuchte Haus spendete. Felbers Regie hatte die große Auseinandersetzung zwischen Philipp und Elisabeth in den Vordergrund, geschoben, die Auseinandersetzung zwischen der religiösen Besessenheit der ..allerkatholischsten Majestät", in deren Staajsidee Machtpolitik des Hauses Habsburg und fanatischer Glaubenseifer eins werden, und der praktischen Vernunft der britischen Königin die als Kind der neuen reformierten Lehre selbst daran zweifelt, ob ihre Politik von einer höheren Idee beherrscht wird, wenn es nicht der real-nüchterne Gedanke an Freiheit, Größe und materielle Wohlfahrt ihres Landes ist. So waren die großen Parallelszenen London-Madrid (der Entschluß zum Kriege, die Nachricht vom Untergang der Armada. Philipps Tod) szenisch wie darstellerisch Höhepunkte der Aufführung. Gegenüber diesem welthistorischen Ringen Philipp-Elisabeth trat das Esser-Drama zurück, und in ihm interessierte wieder mehr das politische als das erotische Moment. Vielleicht eine ungewollte Ausw r.ung der Besetzung. Lilli Kann als Elisabeth fand wohl in dem Philipp Gerhard Ritters einen kongruenten Gegenspieler, nicht aber in dem schwachen Eftex des Herrn Arie. So fielen die Essex-Szenen, im Boudoir, im Park, am Schaffotk am schwäch- Der Gießener Tierschuhverein hielt im Kauf- männischen Dereinshause seine ordentliche Hauptversammlung ab. in der festgestellt werden konnte, daß auch im verflossenen Jahre eifrig aus dem Felde des Tierschutzes gearbeitet worden ist. Dem Jahresbericht, erstattet vom l.Schriftfuh- rer des Vereins, Oberreallehrer i. R. G. S t r au b, war zu entnehmen: Die Mitgliederzahl des Vereins betrug am 31. Dezember 1930 376 (1929: 372). Im Lause des Jahres wurden 6 Sitzungen (4 Vorstands- und 2 Ausschußsihungen) abgehalten. Vorstand und Verein erlitten schwere Verluste durch den Tod. Am 5. August 1930 Dcr- schicd zu Füßen am Lech der verdienstvolle erste Vorsitzende. Lehrer i. R. W. Fritzel, und am 25 November 1930 entschlief das bewährte Vorstandsmitglied Stadt-Oberveterinärrat Dr. I. M o d d e. Am 25. August 1930 wurde der zweite Schriftführer, Berufsschullehrer H. M ü I le r. einstimmig zum 1. Vorsitzenden, und Universitäts- Reitlehrer L. Sch öm bs am 23. März 1931 zum zweiten Schriftführer gewählt. Da die sahungs- gemäß ausscheidenden Mitgl'"^^"" in der Hauptversammlung wiedergewählt wurden so traten im Vorstände keine anderen Aeu^e^angen mehr ein. Häufig wurden dem Vorsitzenden und Mitgliedern des Vorstandes Tierquälereien mit der Bitte gemeldet, die Bestrafung dieser Rohlinge in die Wege zu leiten. Es bedarf zwar des Hinweises nicht, daß jede Anzeige möglichst oald geprüft wurde, wohl aber der nachdrücklichsten Forderung, daß alle schriftlichen Anzeigen mit vollem Namen unterschrieben sein müssen, zumal da sie streng vertraulich behandelt werden. Anonyme Anzeigen sind unfein und erschweren unnötig die mühsamen Nachprüfungen. Strafantrag wurde stets bei der zuständigen Behörde gestellt, wenn Verfehlungen grober Art vorlagen, oder wenn Belehrung und Verwarnung versagt hatten. Dankbar fei hervorgchoben, daß nicht selten Mißhandlungen durch zweckmäßige Maßnahmen besonnener Tierschüher verhütet wurden. Bortraa in der Gießener Hochschulgeselischast. Die Gießener Hochschulgesellschaft hatte am vergangenen Samstag ihre Mugtieder und Freunde in den Saal des Studentenhauses zu einem Vortragsabend geladen dem cr- freulicherv-eise auch aus der näheren ilmgcbung Gießens Interesse entgegengebracht wurde. Der Vorsitzende der Gesellschaft. Provinzlal- direktor ® tacf. gab in seinen einleitenden Worten davon Kenntnis, daß die Gesellschaft auch für den kommenden Winter die Abhaltung von Vorträgen in Gießen in Aussicht genommen habe, um auch auf diese Weise die Beziehungen zu ihren Mitgliedern zu pflegen. Nach der Begrüßung der Versammlung durch S. Magnifizenz, den Rektor, Professor Dr. Eger, der zugleich als Vorsitzender der Studentenhilfe die Gaste im neuen Heim willkommen heißen konnte, hielt der Redner des Abends, Professor Dr. M o m b e r t. einen hochaktuellen Vortrag über „Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise". Der Redner ging nach kurzen Vorbemerkungen zunächst auf die Ursachen der großen Arbeitslosigkeit ein. Er hob einmal hervor, in welchem Umfang seit Kriegsende das Angebot an Arbeitskraft zuge- nominen habe: Rückwanderung aus den abgetretenen Gebietsteilen, Verminderung des stehenden Heeres, Zunahme der Frauenarbeit und der Zahl der Erwerbstätigen infolge der großen Geburten- überfchüsse der Vorkriegszeit und der Wandlungen im Altersaufbau der Bevölkerung. Von 1907 bis 1925 nahm die Volkszahl um 13,5 v. H., die Zahl der Erwerbstätigen dagegen um 27,2 v. H. zu. Diesem steigenden Angebot an Arbeitskraft gegenüber konnte nun angesichts der schweren Wirtschaftskrise, wie sie im Jahre 1929 ausbrach, die Wirtschaft nicht die genügende Nachfrage auf dem Arbeitsmarki entwickeln. Diese Krise selbst hat mannigfache Ursachen: Die Verknappung auf dem deutschen Kapitalmarkt, der Sturz der Preise für Agrar- und Rohstoffe in den Ueberseegebieten, die Verknappung der verfügbaren Goldvorräte in der Welt und schließlich der Ausbruch der schweren wirtschaftlichen Störungen in den Vereinigten Staaten. Für die weitere Entwicklung, wenn auch nicht für sofort, zeigen sich gewisse Anzeichen einer Besserung. Als Folge des großen Geburtenausfalls in den Kriegsjahrcn wird im Gegensatz zu der Periode 1925 bis 1930 kein neues Angebot an Arbeitskraft auf den Arbeitsmarkt kommen: im Gegenteil wird die Zahl der im erwerbsfähigen Alter stehenden in der Periode von 1930 bis 1935 um jährlich 40 000 abnehmen. 2ftuh für die weitere Entwicklung der Konjunktur lassen sich einige günstige Merkmale fest stellen. Der Tiefpunkt der Krise scheint überwunden, und man kann vielleicht mit einer langsamen Besserung der wirtschaftlichen Lage rechnen, wenn nicht irgendwelche unvorhergesehenen. außen- oder innenpolitischen Störungen auf treten. Den bei aller Vielseitigkeit der behandelten Frage auch für den Laien erfreulich durchsichtigen und tiefgründigen Ausführungen des Vortrages fchlliß sich eine interessante Aussprache an, in der Praktiker des Wirtschaftslebens die Probleme von ihrem Standpunkt auS beleuchteten. Der Abend wurde in geselligem Beisammensein der Mitglieder in den schönen Räumen des Studentenheims beschlossen. Wiesecker Rechnungsabschluß. L Wies eck. 28. März. Gestern aber stand im Gemeinderat der Rechnungsabschluß für 1 929 zur (Beratung. Rach der Vorlage betragen die Einnahmen aus Rechnungsrest 30 803,98 Mark. Bei Gebäuden stehen einer Ein- nähme von 8253 Mark 6758,82 Mark Ausgaben gegenüber. Grundstücke: Einnahmen 16 729,24 Mark, Ausgaben 1871,14 Mark. Waldungen: Einnahmen 35519,03, Ausgaben 18 176,96, Jagden: Eimrahmen 1550, Ausgaben feine; Schäfereien, Weiden: Einnahmen 1854,64, Ausgaben 1294.48, Messen und Märkte: Einnahmen 273.25, Ausgaben feine, Waagen: Einnahmen 853,78, Ausgaben 245,90; Wasservorsorgung Einnahmen 16 524,59, Ausgaben 33 035.46; Verkehrswesen: Einnahmen 67 838.76 (Rückzahlung vom Zweckver- band geliehener Kapitalien). Ausgaben 11 840.96; Gasvers orgung Einnahmen 30 997,53, Ausgaben Heiteres von Bismarcks Geburtstagstisch. Aus dem Nachlaß von Hans B. Grube. Wenn man in der Einsamkeit des heut so füllen Friedrichsruher Waldes die Erinnerung ihre rZaden spinnen läßt, schweifen die Gedanken in die neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zuruck. Damals war der Ort gar oft von brausendem Leben erfüllt, besonders wenn zur Feier von B i s m a ras Geburtstag aus allen Weltrichtungen die Sdjar Der Verehrer des greifen Kanzlers herbeistromte. Von Mitte März bis lange nach Dem 1 2lprtl oerging oft kein Tag der mich nicht, als Chronist Des Blattes, Das Dem Fürsten Bismarck nabeftanD, in Den Sachfenwald führte. Da kamen schon viele Tage vorher aus allen Ge gcnDcn Del Erde Zeichen der Liebe und Verehrung für den Altreichskanzler Bon der ungewöhnlichen zlufgabe, Lie damals das Postamt in Friedrichsruhe zu bewältigen halte, geben einige Zahlen des Wahres 1895 einen ungefähren Begriff In den drei Tagen vom 31. März bis 2. April wurden nicht weniger als 8390 Telegramme, deren Wortzahl ftch aus 277 697 belief, aufgenommen Die Zahl der Briese betrug ungefähr 50 000, die der Postkarten 120 000 Darin sind aber noch nicht die Sendungen sm- geschlossen, die an Personen aus der Umgebung des Fürsten gerichtet waren Zum eigentlichen Ge- burtstagszimmer war regelmäßig das erste große Vorzimmer im rechten Schloßflügel ausersehen Geschenk stand an Geschenk, Kunstfachen, Luxus- und Gebrauchsgegenstände, Eßwaren, (betraute «noer, Adressen waren über die Tische verteilt, jedes fachen war besetzt, und alle Möbelstücke der beiden Zimmer mit Dingen aller Art beladen Viele Gaben waren von dichterischen Ergüssen begleitet, unter Denen sich natürlich auch aller et Lustiges fanD Ein wohlausgestatteter Jtaudjtiirt) trug auf Dem Aschenbecher, Der das Ansehen einer Stiefelwichsschale hatte Den Vers Daß Deine Wichse gut, unD lang ihr Glanz sich bau Darob ging längst schon auf ein Licht Der ganzen Welt Ein lederner Tabaksbeutel, mit einer seidenen Schlafmütze überzogen, trug in Seidenstickerei Die Worte: und Verpflegung finden. Schulen indesfcn nur auf Bestellung und gegen Bezahlung zugestellt. Obwohl der Winter verhältnismäßig mild war, so zog er doch für Die Tierwelt manchen Schaden nach sich. Leichte Fröste und geschlossene Schneedecken brachten den Vögeln öfters Tage der Not. Herr L. Die hl versah alsdann Die öffentlichen Futterhauschen und -Bretter reichlich mit geeignetem (üogelfuttcc und zahlreiche private Futterh''uschen und -ftang- fein, Meisendosen und -ringe kündeten, daß milde- Frauen- und Kinderhände sich Der darbenden Vögel nicht minder rege erbarmten. Um den Vereinsmitgliedern die Beschossung von Nistkasten zu erleichtern, ließ der Vorstand 15 bis 20 Nisthöhlen kommen. Freiwillige Spenden ermöglichten dem Vorstände den Beschluß, auch in diesem Jahre prämier, für treue Tierpflege und wachsamen Tierschutz zu verleihen. Die Verteilung der Diplome und Geldspenden wurde am 1. Weihnachtstage im Kausmännischen Vereiirshause vorgenommen. Zur schlichten Feier hatten sich außer dein Vorstande etliche Freunde und Gönner des Vereins eingefunden. Nach der Ansprache des ersten Vorsitzenden, worin er Zweck unD Ziel des Vereins erläuterte, wurden 6 Polizeibeamte durch Geldspenden und 6 Fuhrleute durch Diplome ausgezeichnet Nach 25jähriger treuer Dienstzeit (am 11. April 1930) war bereits dem vorbildlichen Tierpfleger C. Müller vom Vorstand ein Diplom zuerkannt worden. Nicht ohne Dank sei auch jener ehrend gedacht, die durch ihre freiwilligen Beiträge den Verein befähigten, Not und Qual der Stere nachdrücklich zu bekämpfen. Der Dorfihende hatte Herrn Llmv -Pros. Dr. H. Kraemer für einen Vortrag mit Lichtbildern gewonnen. Der Gelehrte sprach am 31. März in glänzendem Vortrage über Tierpsychologie und Tierschutz. Nach dem Kassenbericht des Rechners, Beamtenanwärter W. L e i t ne r, betrugen die Einnahmen des Vereins am 31. Dezember 1930 3228,45 Mark seine Ausgaben 3205,73 Mk., so daß em Barvorrat von 22,72 Mk. verblieb. Sein Gesamt- vermögen ergab den Stand von 1426,22 Mk. Die Rechnung wurde von den Herren D. Heil unö I W. Riebel geprüft und richtig bekunden. Ohne | Einspruch wurden Kassen- und Jahresbericht genehmigt.__ sten aus, während die kultivierte Kunst Taube S (Eecil) und Derhoevens (Daeon) die großen politischen Szenen in der Kirche, im Kronrat und im Kabinett der Königin stark heraushoben. 28 984,51, Allgemeine Verwaltung: Einnahmen 1911,53. Ausgaben 28 749,54; Oessentliche Sicherheit: Einnahmen 335,69, Ausgaben 6856.71 Mk.; Wohlfahrtseinrichtungen Einnahmen 486,86 Mk., Ausgaben 5305.84 Mk., Feuerlöschwesen: Einnahmen 222, Ausgaben 180,13; Armenpflege: Einnahmen 6662,27,. Ausgaben 14 908,37; Schulen: Einnahmen 1945,62, Ausgaben 9209.30; Evcmge- lische Kirche. Einnahmen 81 Pfecknig, Ausgaben 3974,56, Gemeindefriedhöfe: Einnahmen 284,50, Ausgaben 2274,62; Straßen: Einnahmen 15 037,35, Ausgaben 26 890,62; Kanäle: Einnahmen 37 070,20, Ausgaben 66 130,95: Landwirtschaftszwecke: Einnahmen 2638,58, Ausgaben 11 445,55. Grenzverhältnisse Einnahmen 5652.24, Ausgaben 8657,60; Oesfentliche Anlagen Einnahmen 5,50, Ausgaben 2005,50, Soziale Fürsorge usw.: Einnahmen 13 322,88. Ausgaben 23 489,97, Wohnungsfürsorge: Einnahmen 7852 Mark, Ausgaben 15 473,08 Mark: Steuern und Abgaben: Einnahmen 28,50, Ausgaben 11 525,23; Sondersteüern: Einnahmen 4843,50, Ausgaben 34,30. Anteile an Reichssteuern: Einnahmen 27 151,75. Ausgaben keine. Mobiliarerneuerungs- sonds Einnahmen 39. Ausgaben 39. Kapitalzinsen. Einnahmen 1439,99. Ausgaben 2395,56; Gemeindeumlagen: Einnahmen 60 470,11. Ausgaben 5066,87, Ausgleichsfonds: Einnahmen keine, Ausgaben 8435.64 Mark. Die Gesamteinnahmen betragen 398 598.68, die Ge - samta usgaben 357072.88 Mark, so daß em Einnahmere'st von 41 525.80 Mark verbleibt, der in einem baren Vorrat von 40 539.40 Mark und in liquidierten Außenständen von 986,40 Mark besteht. Die Vermögensrechnung stellt sich wie folgt: Einnahmen: Gebäude 3500, Kapitalien und Erneuerungsfonds 105 603,14 Mark, gleich insgesamt 109 105,64 Mark: Ausgaben: Gebäude 1600, Grundstücke 6384,34, Kapitalien und Er» neuerungssonds 98 000,55. Schulden (Auswertung) 31 210,75 Mark, gleich insgesamt 109 105.64 Mark. Kunst und Wiffenschast 3ubiläum im SfäDel. Frankfurt a.M., 30.März. (WSN.) Der Generaldirektor Der Frankfurter Museen, Professor Dr. Georg Swarzenski, kann am 1.April auf eine 2 5jahrigc Tätigkeit als Leiter des Städel- schen Kunstinstituts zurückblickcn. Professor Swarzenski, Der in Der kunstgeschichtlichen Welt einen guten Namen hat, hat sich um Den Ausbau Der Frankfurter Sammlungen außerordentlich verdient gemacht. Vor einigen Jahren wurde er zum Gene» ralDircftor Der Frankfurter Museen ernannt.________ „An unsere Stärke yal man erst geglaubt, Seit Du Die Michelmütze uns zogst vom Haupt." Die Durchsicht Der brieflichen und telegraphischen GlückwunschtorresponDenzen an Den Fürsten Bismarck nahm natürlich Wochen in Anspruch Manches Kuriosum befand sich Darunter. Ein amüsantes Stück von kindlicher Naivität bildet ein Schreiben, Das wie der Poststempel zeigte, aus Der Stadt Braunschweig kam, wo das Verständnis für gute Speisen dank Der weltberühmten Braunschweiger Honigkuchen-, Wurst und Konseroenindustrie, natürlich schon bei Der Heranwachsenden Jugend ausgebildet ist Das Brieflein war adressiert: „Herrn Bismarck in Friedrichsruh bei Hamburg" und lautete: Lieber Herr Bismarck! Mein Papa hat mir erzählt. Du hättest einen Baumkuchen, so groß wie unser Apfelbaum, zum Geburtstag gekriegt Ich gratuliere Dir auch vielmals und bitte Dich ganz freundlich, schick mir doch ein Stück davon für mich und meine beiden kleinen Brüder, wenn Du ihn nicht alle aufkannst Wir haben noch nie Baum- suchen gegessen Dielen Dank von Deinem Ma- riechen." Drei mit Glücksgütern anscheinend wenig gesegnete, doch kecken Humors nicht bare Gesellen in Hörde in Westfalen hatten Die Kühnheit, am 1 April 1895 eine Postkarte, auf die 1,50 Mark Nachnahme genommen war. an Den Fürsten Bismarck abzusen- den. Die folgenDen Inhalt hatte: Zum 80 Geburtstag fenbet im Namen Drei armer Dürftiger Kehlen die herzlichsten Glückwünsche unter gleichzeitiger Nachnahme von 1 Mark 50 Pf., welche Kühnheit wir in Anbetracht Der Derzeitigen Ver- hältnisse edelmütig zu entschuldigen bitten. 3.21.: (Unterschrift) Maschinenbauer Die Postkarte ist damals in Würdigung des durch sie zum Ausdruck gekommenen originellen Einfalls unter Einzahlung des Nachnahmebetrags vom Adressaten angenommen worden, und der Betrag den durstigen Maschinenbauern mit einem „Prosit" über« sandt worden Als Dank für Bismarckeichen aus Dem «ochsen- roalDe kam aus Mittelhufen Der hübsche Spruch „Von Den geschenkten Drei Eichen Wird keine Dir jemals gleichen Gegen Dich alten Necken Bleiben sie alle nur Stecken." S.J.-fpor/ Zwei Gporisensationen in Gießen. In aller Stille hat der neugegründete Schwimmverein „R e p t u n" für seine morgige große Gründungsveranstaltung eine Sportsensation ersten Ranges in die Wege geleitet. Um das kostspielige Unternehmen aus breitere Basis zu stellen, hat er sich mit dem ebenfalls ncugegründelen „SC. Olympia" ins Einvernehmen gesetzt, damit auch dieser Verein eine größere Werbeveranstaltung durchführe. Beide Organisationen werden morgen um 15 Uhr mit einer Doppelveranstaltung vor die breite Ocffent- lichkeit treten. Die drei Prominenten des Schwimmsports, Erich Rademacher (Magdeburg), der Breslauer Schubert und der Kölner B u d i g, werden in einem Wettschwimmen in der Lahn ihre Kräfte messen; Start an der Lahnbrücke, Wendepunkt am Wehr beim Elektrizitätswerk, Ziel wiederum an der Lahn- brücke. Der erste Sieger wird Ehrenmitglied des Städtischen Ausschusses für Leibesübungen in Gießen, der zweite Sieger erhält die Ehrenmitschaft des Gießener Mrkehrs- und Verschöne» rungsvereins und einen Freiflug nach Frankfurt. Der „SC. Olympia" hat die bekannten Läufer Dr. Pcltzer, Körnig und I o n a t h verpflichtet, die von der Lahnbrücke aus einen Lauf „Rund um Gießen" über die Westanlage, Südanlage, Ostanloge und Rordanlage durchführen werden. Der erste Sieger erhält die Chren- standarte der Stadt Gießen, der zweite Sieger erhält das Protektorat über das Fußball-Länderspiel (Rückkampf) Deutschland — Frankreich in Gießen. Da es sich morgen -bei beiden Veranstaltungen um Werbungen der neuen Vereine handelt. ist der Zutritt für jedermann frei Stadimannschast A gefällt in Fulda. Borussia Fulda — Gießen 2:1. Mancher pessimistischen Erwartung entgegen, kehrte die Stadtmannschaft A aus Fulda nur mit einer knappen Niederlage zurück, bot aber dem Gegner ein Spiel, das im Ergebnis ebensogut zu Gunsten der Hiesigen lauten' konnte, wenn nicht der Torhüter der Platzbesitzer eine ganz große Partie geliefert, und so die besonders in der zweiten Halbzeit oft sehr gefährlichen Angriffe der Gießener zunichte gemacht hätte. Die Gießener bestritten den Kampf in folgender Aufstellung: Müller (1900); Seiler (1900) Bingel (VfB.); Henrich (1900), Kreß 1 (VfB ), Glitsch (1900), Balser (19t)0), Arnold (1900), Haupt (VfB ), Lehrmund (VfB ), Ritter (VfB.). Die Mannschaft fand sich zur allgemeinen Ueberraschung sehr gut und vor allem auch verhältnismäßig schnell zusammen, raffte sich zugleich zu einheitlichen Aktionen auf, so daß sich ein überaus flotter und an spannenden Momenten reicher Kampf entwickelte, der die Zuschauer in hohem Maße fesselte und oft lebhaften Beifall auslöste. Besonders gut gefiel in der ersten Halbzeit Seiler in der Verteidigung, er machte dem <5turm des Gegners schwer zu schaffen. In der Läuferreihe gefiel Glitsch mit seiner rationellen Arbeit, im Sturm war es Haupt, der die Mannschaft immer wieder nach vorne reißen half, während sich Arnold mit seinen wuchtigen Schüssen als sehr brauchbar erwies. Kreß hatte als Mittelläufer gegen die beweglichen Borussen einen schweren Stand Das Spiel begann zunächst bei sichtlicher Ueber- legenheit der Borussen mit einem flotten hin und her,' bald aber fanden sich die Gießener zusammen, rückten mehr und mehr auf und vermochten ein Gleichgewicht im Feldspiel zu schaffen, das das Spiel ganz besonders reizvoll machte Die Borussen zeich- nekkn sich ^urch eine sichere Ballbehandlung aus und tarnen schließlich zum Führungstreffer, der durch eirön Kopfball aus hoher Vorlage erzielt wurde Der Anegleich ließ jedoch nicht allzu lange auf sich warten Arnold gelang es, aus schwierigster Situation heraus eine Flanke von links zu verwandeln. Mit 1:1 wurden die Seiten gewechselt Nach der Pause arbeiteten teilweise die Gießener eine leichte Uebcrlegenheit heraus, die sichtbar durch die größere Anzahl an Torchancen zum Ausdruck kam Aber was nicht die Beute des Torwarts wurde, ging knapp über oder neben die Latten. Haupt und Arnold Überboten sich dabei in Bombenschüssen, ohne daß ihnen jedoch der Erfolg beschiedcn gewesen wäre, der ein gerechtes Unentschieden hätte bringen können. Diel mehr gelang es den Borussen noch einmal einen Treffer für sich zu buchen. Müller, im Tor der Gießener, erwies sich als durchaus zuverlässig, lief aber einmal aus seinem Heiligtum heraus um die Situation vor dem Tor zu klären, vermochte sich aber nicht durchzusetzen und der Ball fand den Weg in das verlassene Tor. Der Kampf wurde sehr fair durchgeführt und litt lediglich etwas unter einer ungenügenden Schiedsrichterleistung, obwohl die beiden Mannschaften dem Spielleiter fein Amt nicht schwer machten. Das Publikum, etwa 800 Personen, verfolgten den schönen Kampf mit großer Spannüng In Anbetracht des ehrenvollen Ergebnisses, das die Mannschaft in dieser Aufstellung zu erzielen vermochte, in Anerkennung der harmonischen Zusammenarbeit, der sich die Fußballspieler der beiden hiesigen Vereine befleißigten, erscheint es angebracht, zu erwägen, ob es nicht möglich wäre, des öfteren derartige Spiele in der kommenden verbandsfpiel- freien Fest auszutragen. Für den sportlichen Ruf der Gießener Ligamannschaften könnte das zweifellos nur von bester Auswirkung fein, um fo mehr als man die Mannschaft noch etwas verstärken könnte und bann auch schwerere Gegner nicht zu scheuen brauchte. Die Vereinsvorstände sollten sich mit dieser Angelegenheit (auch über eventuelle Bedenken hinweg) einmal ernsthaft befassen. Oie Segelfliegerin von Nanzenbach. ■ _ Frau Helga Badde-Keller aus Ranzenbach bei Dillenburg hat, wie wir bereits kurz berichteten, als erste Frau ihre Fahrprüfung im Segelfliegen bei der Srgelflugschule Hirzerchain abgelegt und bestanden. Handball. 2. Kompanie — Rot-weiß Frankfurt 8:6 (5:1). Am Sonntag standen sich auf dem VfB.-Platz die Handballmannschaften der hiesigen 2. Kompanie und Rot-Weiß Frankfurt im Handballrückspiel gegenüber. Das Vorspiel endete 5:2 für Frankfurt. Im Spiel am Sonntag gelang es den Soldaten jedoch, Revanche zu nehmen und die Frankfurter mit 8:6 zu schlagen. Ausführlicher Bericht folgt. Geräie-Wettka ps Launsbach - Staufenberg - Wieseck im Arbeiter-Turn» und Sportbund. 21m Samstagabend fand in Staufenberg ein Gerätewettkampf der Vereine Lausbach, Staufenberg und Wieseck im Arbeiter-Turn- und Sportbund statt. Geturnt wurde am Barren, am Pferd und am Reck. Die von den einzelnen Mannschaften gezeigten Hebungen bewiesen, daß auch das Geräteturnen im Bund noch stark gefördert wird. Besonders waren es die Wiesecker Turner, die prächtige Leistungen zeigten und starken Beifall sanden. Das Ergebnis des Wettkampfes, bei dem die vier besten Turner gewertet wurden, ist folgendes: Wieseck 437 Punkte, Launsbach 389 Punkte, Staufenberg 363 Punkte. Die besten Einzel- leistungen zeigten Karl Betin, Wieseck, 117 Punkte; Alfred Oßwald und Adols Kreiling, Wieseck, je 107 Punkte; Ernst Schöfs - mann, Wieseck, 106 Punkte; Leib, Launsbach, 104 Punkte; Wagner, Launsbach, 101 Punkte. Vom weißen Sport. Der Gießener Tennisktub 1922 wird Mitte April seine diesjährige Spielzeit eröffnen. Auch in diesem Jahr spielt der Klub auf den städtischen Plätzen hinter dein Schützenhaus, die neu hergerichtet werden. Mit Rücksicht auf das ständig wachsende Interesse an dem weißen Sport hat sich der Klub entschlossen, einen Trainer anzustellen, um auch den Anfängern Gelegenheit zu geben, von Anfang an stilgerechtes Tennis zu erlernen. Eine Reihe von Städtewettspielen mit namhaften Klubs sind abgeschlossen, die für Spieler und Zuschauer gleich reizvolle Kämpfe versprechen. Sport im Film. Werbeveranstaltung der Spielvereinigung 1900. Die Sport-Werbeveranstaltung der Spielvereinigung 1900, die gestern vormittag im Lichtspielhaus Bahnhofstraße oonstatten ging, fand leider nicht das erwartete Interesse. Der Filmvorstellung wäre ein besserer Besuch zu wünschen gewesen. Immerhin waren etwa 300 Personen erschienen. Der Vorsitzende des veranstaltenden Vereins Herr G u y o t begrüßte die Besucher. Der Vortrag über Schule und Sport wurde abgesagt und soll erst bei einer größeren Elternveranstaltung am 3. Mai gehalten werden. Sodann wurden vier verschiedene Filme gezeigt, die einen interessanten Einblick in die Arbeit der Leibesübung treibenden Verbände, die in der DSB. vereinigt sind, gab. Zunächst zogen unter dem Titel „Ein Tag der Jugend" Bilder von einem frischfröhlichen Jugendtreffen der Nürnberger Schulen an den Augen der Besucher vorüber. Knaben und Mädchen rangen in Spiel und Leichtathletik um den schlichten Eichenkranz und boten dabei ein Bild sprühenden Lebens. Der zweite Film zeigte den Iugendtac; der rheinischen Jugend in Nideggen. Eine Reihe sehr feiner Aufnahmen von einem großen Stafsellauf, Ausschnitte aus dem bewegten Treiben auf der großen idyllischen Festwiese zu Fußen einer alten Burg, Bilder von den in Verbindung mit dem Jugendtag durchgeführten Wanderungen in die Eifel gaben dem Filmstreifen das Gepräge. Mit besonderer Spannung sah man dem Film entgegen, der die Leichtathletikmeisterschaften von 1930 im Bilde wiedergeben sollte. Die Besucher wurden nicht enttäuscht. Die maßgeblichsten Größen Rund um de Eintracht Frankfurt — Spvg. Fürth 0:0. Auf diese Begegnung hatte man in Frankfurt ganz besondere Erwartung gesetzt, so daß es keine Heberrachsung bedeutete, daß .das Frankfurter Stadion ausverkauft war. Rund 35 000 Zuschauer verfolgten den rassigen Kampf, der sich bei prächtigem Frühlingswetter auf dem Spielfeld abwickelte. In der ersten Halbzeit konnten die Fürther dank ihres besseren SteUungsspiels und aus- gereifteren Könnens leicht überlegen sein. Erst in der Schlußviertelstunde kamen die Frankfurter stärker auf. Doch Erfolge blieben beiden Parteien versagt. Rach dein Wechsel dominierten dann die Frankfurter und drängten mit geringen Unterbrechungen die Gäste in die Defensive zurück. Doch auch jetzt kam es zu keinem Erfolg, so daß man sich in die Punkte teilte. Bedauerlich war, daß die Fürther in der Abwehr dito allzu scharfe Rote ins Spiel trugen. Italien und Schweiz spielen unentschieden 1:1. Mit einer Riesenübexraschung endete der am Sonntag in Bern vor 20 000 Zuschauern ausge- tragene Fußballkampf der Rationalmannschaften von Schweiz und Italien. Man hatte mit einem überlegenen Siege der Italiener gerechnet, die Eidgenossen erreichten jedoch ein verdientes Unentschieden von 1:1 Suddeutschland — Westdeutschland am Karfreitag Zu dem Freundschaftsspiel gegen Westdeutschland am Karfreitag hat der Süddeutsche Verband die folgende Mannschaft nominiert: Gisbert (Wormatia Worms); Heidlauf, Burkhardt (beide des Deutschen Sports waren bei ihren Rekordleistungen festgehalten. Man hatte Gelegenheit, Wegener beim Stabhochsprung zu bewundern. Körnig, Jonath u. a., die Meister im 400-, 800-, 10 000- Meter-Lauf zu beobachten und den Deutschen Meister des klassisck)en Marathonlaufs kennenzulernen. Zeitlupenaufnahmen gestatteten eine Beobachtung der Technik der Leichtathleten im Laufen, Springen, Kugelstoßen, im Speer, und im Diskuswurf. Der vierte Film führte schließlich in das Reich des Königs Fußball, man sah bekannte Fußballer unter der Leitung des Reichslrainers Nerz üben, lernte, sofern das noch nicht jedermann bekannt fein sollte, die Funktionen der einzelnen Mannschaftsteile in übersichtlicher Form kennen und bewunderte dann schließlich Ekuhlfaut, Kalb, Leinberger und andere in der „Hohen Schule" des Fußballs. Auch hier förderten die Zeitlupenaufnahmen das Verständnis und gestatten genaueste Beobachtung der einzelnen Aktionen. Ausschnitte aus den Spielen von Hertha- BSC. gegen den Hamburger Sportverein um die Deutsche Meisterschaft im Berliner Stadion und aus einem Länderkampf Deutschland gegen Schweden auf dem Sportplatz des 1. FC. zu Nürnberg bereicherten den Film. Die Bildstreifen, die sicherlich nicht unter leichten Umständen ausgenommen wurden, waren sehr geschickt zusammengefügt. Kurze Gporinoiizen.- — Beim internationalen Tennisturnier in Cannes feierte Cilly Äußern wieder einen Doppelerfolg. Das Dameneinzeln ent" ied sie gegen die Schweizerin Fahot mit 6:3, 6:3 für sich und im Doppel gewann sie mit ihrer ständigen Partnerin Miß Ryan über das Paar Satter- thwaithe/Thomas 6:0, 6:2. Die Europameisterschaften im Ringen vom 27. bis 30. März in Prag haben ein ausgezeichnetes Meldeergebnis gefunden. Vierzehn Rationen, darunter auch Deutschland, nannten insgesamt 86 Einzelbewerber. Einen neuen Motorboot-Weltrekord schuf der Amerikaner Garwood am Strande von Miami (Florida). Er durchbrauste auf seinem Rennboot „Miß Amerika IX" die abgesteckte Strecke zuerst mit einer Geschwindigkeit von 161,800 Stunden-Kilometer und erhöhte diese bei der zweiten Fahrt auf 162,675 Stunden- Kilometer. Damit hat Garwood den alten Rekord des tödlich verunglückten Engländers Sir Henry Segrave von 158,580 Stunden-Kilometer erheblich verbessert. i Rasensport. Germania Brötzingen); Hergert (FK. Pirmasens), Dretzing (SV. Waldhof), Größte (Ph. Ludwigshafen); Weidinger (Waldhof), Cyrich, Burkhardt (Spfrde. Frankfurt, Hörnle (Ph. Ludwigshafen). Walz (Waldhof). Hockey-Länderkamvf der Damen. Westdeutschland schlägt Holland 2:1. Vor 1200 Zuschauern gelangte am Sonntag in Krefeld der Hockey-Länderkampf der Damen von Westdeutschland und Holland zum Austrag. Beide Mannschaften lieferten sich einen flotten Kampf, bei dem in der ersten Spielhälfte die Hollän 'e- rinnen durch ihren Rechtsaußen in Führung gc'cn konnten. Rach dem Wechsel gewannen aber die Westdeutschen immer mehr an Boden. Ihre Angriffe häuften sich, so daß die Holländerinnen sich meist in die Defensive zurü Ziehen mußten Bereits in der 15. Minute fiel von Rechtsaußen der Ausgleich. Fünf Minuten später schon glückte dann der Linksaußen der siegbringende Treffer, so daß der Kampf mit einem verdienten 2:1-Sieg von Westdeutschlands Vertreterinnen endete. kreuznacher Osterhockey-Turuier. Für das alljährlich an den Ostertagen statt- findende Hockeyturnier in Kreuznach haben sich 30 Herren» und 12 Damenmannschaften eingeschrieben. Unter ihnen befindet sich auch die Herrenmannschaft von Red So? Zürich, so daß das diesjährige Turnier einen internationalen Anstrich erhält. Unsere Zeit erfordert Wirtschaftskämpfer! Jeden Tag werden viele und gute Geschäfte abgeschlossen, aber nur der macht das Geschäft, der um sein Geschäft kämpft, der seinen Betrieb mit allen modernen Hilfsmitteln ausgerüstet hat. Eines dieser Mittel sind die nach dem Wucht-Prinzip gebauten Blitz Lastwagen, die die Transportkosten verringern und den Aktionsradius vergrößern. Dank ihres geringen Anschaffungspreises und ihrer großen Wirtschaftlichkeit machen sie sich innerhalb kurzer Zeit bezahlt, werden zu unentbehrlichen Helfern und verdienen Geld! — Verlangen Sie unsere „Transport Analyse", — sie wird Ihnen zeigen, ob ein Blitz Lastwagen Ihre Gewinne steigern kann! Vk TONNER3905 R 2,6Ur 4Zyl.Chassis W w» M Chassis mit Führerhaus . . RM 3745.- Pritschenwogen ohne Plane RM 3995.- Pritschonwogen mit Plane . 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Dann schien es, als ob er erst jetzt die Vruan- gekommcnen bemerkte, und mit einer formellen Verbeugung wandte er sich an Drenck. Während der letzten wenigen Schritte hatte er bei aller inneren Angeregtheit blitzschnell überlegt: Sollte er sie wie ein Bekannter begrüßen? Aber wer stand ihm dafür, dah ihn nicht Drenck, nach allem, was geschehen, mit brüsker Kälte verleugnete? Vein, dem konnte und wollte er sich nicht aussehen, hier vor den Augen seiner Patienten. Außerdem war es für sie alle, die ein Zufall hier gegen ihren Willen zusammengeführt hatte, auch erträglicher, sie stellten sich auf den Fuß von ganz Fremden. »Wigand — der dirigierende Arzt des Hauses", stellte sich Wigand vor. Wie aus weiter Ferne hörte dann Ursula die Stimme ihres Mannes schallen — kühl und ihr unverständlich ruhig. »Drenck — meine Frau!" And während sie so wie eine Wildsremde dem Mann vorgestellt wurde, dessen Verlobte sie einst gewesen, der so furchtbar bestimmend in ihr ganzes Leben ein» gegriffen hatte, fühlte sie seinen Blick auf ihrem Antlitz ruhen. nur sekundenlang, aber so bohrend, so heiß brennend, dah sie es körperlich zu empfinden meinte. »Meine Frau!" Die zwei Worte hatten einen Blitz grell leuchtend in Wigands Seele geschleudert, in die Tiefe, wo sich ein großes Weh, nur mit Gewalt bezwungen, barg. Er hatte seit damals nichts mehr von Ursula und Drenck gehört. Sein Schicksal hatte ihn bald hier, bald da herumgeworfen. Keinerlei Beziehungen zur alten Heimat bestanden mehr, fo hatte er nicht gewußt, nie erfahren, was aus den beiden geworden war. Wohl hatten sich seine Gedanken nur zu oft mit ihnen beschäftigt, aber nie war ihm die Möglichkeit aufgedämmert, daß die beiden sich geheiratet haben könnten. Denn wie sehr er auch damals Drencks Interesse für seine Braut beargwöhnt hatte, er hatte darauf geschworen, daß s Ursula ihrerseits frei von jeder Gedankenschuld war. Und dann erst nach der unfdigen Katastrophe ! Er hätte es für ganz undenkbar gehalten, daß Ursula — wenn sie sich auch vielleicht später wieder einmal verlobte. — den Lebensbund mit jenem Dritten schließen könnte, um den doch all das Unglück gefonunen, durch den selbst er in den Strudel de-Verderbens so gefährlich mithin- cingerissen worden war. Freilich, wie et eben die beiden vor sich erblickt hatte, allein reisend, nebeneinander, da hätte er es ja eigentlich ahnen müssen. Aber das Erschrecken über dies Wiedersehen und die notwendige Ueberlcgung seines Verhaltens hatten ihn so in Anspruch genommen, daß er sich gar nicht bewußt geworden war, was dieses Veben- einander zu bedeuten hatte. ..Meine Frau!" Vun enthüllten ihm zwei Worte das wahre Bild der Situation: er war beiseite geworfen, damit der Eindringling seinen Platz erhalten konnte. Auf den Trümmern seines zerstörten Lebens hatten die beiden da unbedenklich ihr Glück gezimmert. Jetzt fiel mit einem Male das rechte Licht auf die Begebnisse, dis damals zu der Katastrophe geführt hatten. Also dos war es gewesen, was hinter ihrem vermeintlich harmlosen Treiben gesteckt hatte! Cs war Wigand einen Augenblick, als ob er ersticken müsse, so wallten Ekel, Empörung und lodernder Haß in ihm auf. Aber er bezwang sich, und nur sein Blick, der sijh einen Moment lang in den ihren bohrte, verriet die Glut, die in ihm brannte. Ursula fühlte diesen Blick und merkte, dah ihr das Blut aus den Wangen wich, doch ihre Miene trug die Maske gleichgültiger Kälte. Sie wie Fred mußte so auf die Umsihenden den Eindruck unangenehm reservi rter, hochmütiger Menschen machen: aber sei es darum? Was gingen sie auch die anderen an? Wigand hatte sich inzwischen auf seinen Platz am Kopfende zwischen Drenck und der älteren Dame zu seiner Linken niedergelassen. Er zog die Serviette aus dem Ving und entfaltete sie. Seine schmalen, jeden Vingschmucks entbehrenden Hände zeigten dabei ein heimliches Zittern. Ursula sah es, und wie sie auf seine nervös zuckenden Finger schaute, schoß es ihr plötzlich durch den Kopf, wie oft sie damals diese Hände geliebkost und ihm gesagt hatte, sie wären das Schönste an ihm — wahrhaft vornehme Hände. Und da sah sie nun hier und spielte eine Komödie zum Grausen oder zum Lachen. Was war das Leben doch für ein groteskes Possenspiel. Äe Lage machte es unvermeidlich, daß Wigand noch weitere Fragen an ihren Mann richtete. Die Herrschaften seien wohl eben erst angekommen, ob sie zusagende Räume hätten und ähnliches. Mit kühlem Konversationston wurden diese Fragen gestellt und beantwortet, anscheinend in vollster Ruhe, und doch atmeten die drei auf, erlöst von unerträglicher Qual, als die Tafel endlich aufgehoben wurde. 11. Kapitel. Mit sommerlicher Wärme, prallte die Sonne vom tiefblauen, stahlgleißenden Himmel hernieder: ein richtiges Südlandswetter, wie es dieses gesegnete Scegestade ja meist bis tief in den Herbst hinein auftoeift. So warm war es, daß die Damen des Sanatoriums »Au Chatclard" in leichten Seidengewändern im Garten des HauseS sahen. Auch Frau Ursula war hier draußen. In Gesellschaft eines jungen Mädchen-, eines Fräulein Zindler, mit dem sie in den drei Tagen ihres Aufenthalts bereits etwas näher bekannt geworden war. sah sie auf einer Bank an einem versteckten Plätzchen des geräumigen Gartens, mit einer zauberisch schönen Aussicht auf den See. Frau Ursula sah, in stilles Schauen verloren, die Hände im Schoß verschlungen. Ein wohltuender Friede wehte sie aus diesem Bilde an. Die wohlige Sonnenwärme löste so milde tröstend alles alte Weh auf. das drinnen in der Brust starrte. Wie schön, diese linde, köstliche Sonnenluft zu atmen, zu schauen in diese Wunder eines gütigen Schöpfers! »Also, gnädige Frau haben sich nun doch entschlossen, hierzubleiben: ich glaube auch, Sie werden es nicht bereuen." Tie Worte ihrer Begleiterin störten Ursula aus ihren weltentrückten Sinnen auf. Ja so, sie war ja nicht allein. »Allerdings, Fräulein Zindler", erwiderte sie, »mein Mann scheut die Strapazen einer abermaligen Reise." In der Tat war es heute von Drenck beschlossen worden, nun doch hier auszuhalten. Als sie am Tage ihrer Ankunst, nach der Begegnung mit Wigand, wieder auf ihr Zimmer gekommen waren, hatten sie sofort Vorbereitungen zum Aufbruch getroffen- Es war ja ganz unmöglich, hier zu bleiben. So hatten sie denn deni Geschäftsführer des Hauses gegenüber dringende häusliche Angelegenheiten — die soeben ein Brief ihnen mitgeteilt hätte — als Grund für ihren Wiederaufbruch am nächsten Tage vorgeschüht. Aber am Abend hatte sich plötzlich bei Drenck erhöhte Temperatur eingestellt, wohl infolge der Erregung mittags - ujib so war man gezwungen gewesen, fürs erste noch zu bleiben. Ja, der Zustand Drencks hatte es sogar erfordert, daß Wigand zu ihm aufS Zimmer kam, um die nötigen ärztlichen Hilfsmittel zu verschreiben. Vun ging es ja zwar Drenck bereits wieder besser, aber eine längere Reise verbot sich einstweilen. So war man zunächst also zum Verweilen gezwungen. Ursula war ihrerseits bisher jeder Begegnung mit Wigand aus dem Wege gegangen. Sie hatte sich bei seinen ärztlichen Besuchen auf Freds Zimmer stets in das Veben- gemach zurückgezogen. Wigand hatte sich übrigen« bei diesen Visiten, bei denen ihn stets fein Assistent begleitete, sehr korrekt benommen, so daß Drenck die unangenehme Situation erleichtert worden war. Eie ließen sich auch die Mahlzeiten auf dem Zimmer servieren, so daß sie Wigand sonst nicht zu sehen bekamen. Alle diese Gründe hatte heute morgen Drenck seiner Frau entwickelt, und Ursula hatte sich schließlich darein gefügt; es mußte ja eben um Freds willen sein. Freilich blieb es trotz allem für sie ein ungeheures Opfer. Wenn sie Wigand auch wirllich in diesen paar Wochen kaum sehen sollte, es blieb gerade schon genug, mit ihm unter einem Dache zu hausen, stündlich in der Angst, ihm doch unerwartet einmal zu bc- O gegnen. Aus diesem Grunde ganz besonders hatte Ursula sich an Fräulein Zindler angeschlosfen. Das junge Mädchen hatte ihr schon allerlei von sich und den übrigen Sanatoriumsgästen berichtet. Fräulein Zindler selbst mußte eines Lungen- spitzenkatarrhs wegen hier schon den zweiten Winter verleben: aber sie nahm das mit ihrem Glücklichen Frohmut nicht ernst. Sie fühlte sich ier vielmehr äußerst wohl, war sie doch mit dem Hauspersonal und seiner Leitung sowie mit manchem Stammgast des Sanatoriums gut bekannt, und hoffte sie sicher, nach Beendigung dieser zweiten Winterstation wieder ganz her- gestellt zu sein. „Oh, der Winter ist so wundervoll hier", schwärmte Fräulein Zindler. „Wenn erst der Schnee liegt und der Wintersport beginnt. Und Ihrem Sycrrn Gemahl wird der Aufenthalt hier schon gut bekommen. Ich habe bereits in der einen Saison hier enorme Fortschritte gemacht — dreizehn Pfund zugenommen." Frau Ursula zog mit freundlichem Lächeln die zutrauliche kleine Begleiterin an sich. Sie war ja nur ein paar Jahre älter: aber wie I alt, wie gerdft durch bitteres Leid war sie gegen jene! (Fortsetzung folgt.) 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Der Gingen Heben anderen Ue vidende von 1 näte zur Ausschütt in dem Derichtsfah Der Aussichtsra Kommission die C gesamte Geschaftsta jung unterjogen. 21 zeit eine gesetzlich sicnsverband ftattg in beiden Fällen i Die ousscheidend wurden toicbcrgett Organen wurde Er 0«f Die Liehe im Jahre 1 930. aus Deutschland 1 70 000 und aus Sül vchweine eingesührt. * $ort(ani>»t Kerg-Mo>nnhei die Verwaltung der delberg-Mannheim-k delsdienst mitteilt, ' sihung beschlossen, de findenden Generalow jahr 1930 eine Div 10 Prozent! in Vorst * Frankfurter Verwaltung der Fri in ihrer gestrigen C TV. aus einem Sein Verteilung einer Di bas Stammaktienkap neben sonstigen Rück gesetzlichen und au auf insgesamt 12 V oent des Ctammakti Don 600250 M. to. 23. April statt. ~ Arank . sra nksurt a. '^ndl'ch, J.°T..Fa "öffnete in etwas wohl besondere Am dusammenhang mit SüS* 1953 Dienstag, 51. März (931 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen) Nr. 76 Drittes Blatt rnstdü, Wirffchast L»Ui 3, gegen 1IBA tfranffurt a. Datum 31.3 Hemden 74.9 58.13 147,65 150,75 147,25 114,25 114,5 Hemden 56,75 56,25 108,5 93,5 108,5 39,5 38,5 39,75 100,5 81,75 83,25 121,5 136,13 135.75 96,5 184,13 33.65 57,75 23,75 2,25 19,3 15,9 15,5 4,15 37,5 61,9 122,3 W 150.25 133.5 56.75 221.75 in beiten Fällen nicht ergeben. Die ausscheitenten Herren des wurden wiedergewählt, und den Organen wurde Entlastung erteilt. 84,75 99,75 57.6 6.35 93,5 Aufsichtsrates Verwaltungs- 127.25 113.75 111.5 111.5 91,5 128.5 63,25 87,5 71^5 82,25 48,5 56,5 74.5 34.25 96.75 141.65 34.5 55,75 122,25 48,5 56,5 75,75 freundlich, Z.°G.-Farben fester. Die heutige Dürfe eröffnete in etwas freundlicherer Haltung, obwohl besondere Anregungen nicht Vorlagen. 3m Zusammenhang mit den sehr schwachen Ausland- 100,5 95,75 93,2 100,5 19,3 16,8 57.5 6,25 93,5 19,4 16.5 1-sthr- fiur# 135,5 125.5 111,4 111,25 100,5 134.5 126.5 91,5 57,25 73,25 84.25 74,25 73.25 183.5 72 80.5 81,75 80,65 62.75 125.75 90,75 80,25 62.9 189.25 87,75 82.5 90,5 102.25 179.5 83.5 91 101,13 168.07 1.457 58.23 112.15 112.16 112 24 10.549 21.96 20.371 4.1930 16,397 80.665 45.70 2.070 0,317 58,945 12.422 7,365 73.03 3.036 18,82 81.47 1,784 5,435 4,190 2.982 20,895 168,41 1.461 58.40 112.37 112.38 112.46 10.569 22,00 20,411 4.2010 16,437 80.815 45.80 2,074 0.319 53.065 12.442 7.379 73.22 3,042 18.86 81.63 1.789 5,445 4,198 2.988 20,935 168,20 1,459 58,325 112.22 112.20 112,28 10.557 21.975 20.382 4,196 16,41 80.715 45.80 2.046 0,314 59,01 12,433 7,365 73,12 3.039 18,82 81,47 1,784 5,437 4,192 2,982 20,905 ydilufi' für 8 111,75 111,4 168,54 1,463 58.445 112.44 112.42 112.50 10,577 22.015 20,422 4.204 16.45 80.875 45.90 2,080 0,316 59,13 12.453 7,379 73.26 3.045 18.86 81.63 1,789 5,447 4,200 2,988 20,945 9,65 । 15.9 i 7-8 | Amtt.-Nott. iLu-n-AireS Brss.-Amm ^trrifhmua Äupinbagen Stockholm ■ HclüngforS. 5mlien. . - London. . . Weunort . . Paris.... Schweiz .. Spa neu . - Yavan . . . wo be Ian. Wien in D - Ceft. abgeft Prag . . . Belzrad . . fcabaixfi . . SjuLariea - Lissabon Tan4tg ■ . . Sonftmtnx. allen. Tonaoa lltu mW. . idro .. - 3. ®. Karben Industrie Tynamil Nobel ... Eckeideanstall.... Goldlchmidl .... Rüfflcritcetfe .... Melavgelelllchast. . . »opelin* m Kragen itasiesocKen vorschriftsmässig auf Moltkestrasse fuhr, widrigen Fahrens befehl über 25 31. Marz. Tendenz 4% OestecrelchitLe Goldrente . . 4,20% OcstcncichNche Eilberrente 4% Lesterrcichitche Einhetiliche Scnte 4% Ungarilche Solbrente .... 4% Ungcrifdie SlaalZrente V. 1910 414% dekgl. von 1913 4% Unponlcbe Kronen rento . . . 4% TürlNche Zollanleche von 1911 4% Türkiiche Bagdadbahn^lnl Seriel .... 4% deSgl. Serie U 5% Sdimänischs Verein-. RaUr von 1903 . SlmnSnischr Verein-. Rente von 1913 4% Rumänische verriuh. Reut». . ”Äeu |, '7 "inner Mmeriianbdie Noten ...... 4,181 BelgNcke Roten. ....... 58,08 Tönliche Noten ........ 111,83 Endliche Noten ....... 20.32 fiMaji’iiidie Noten ....... 16,41 Hoständstche Noten ....... 167,71 gialienijche Noten........ 22,05 Norwegitcke Noten....... 111,83 Deuhch-Oesterreich, * 100 Schilling 58.79 Rumünilche Noten....... 2.475 Eckwedilche Noten....... 111,95 Schweizer Noten........ 80,44 Svaniiche Noten........ 45,71 T'chechoNowoliiche Noten..... 12,38 Ungariiche Noten ... 72,91 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt Mailand 92.78; gegen Madrid 44,6275 Schweiz 25,2550; gegen Holland 12,1175. Berliner Börse. Phstivv Hol,mann . . Zementwerk Heidecherg Cemennverk Karlstadt. BaDB & Rteotag . . Kirchliche Nachrichien. Katholische Gemeinden. Dienstag, den 31. März. Giessen. 18.30 Uhr: Fastenandacht. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage) Donnerstag, den 2, und Freitag, den 3. April. Donnerstag: P a s s a h f e st ; Borabend 6.45 Uhr; morgens 8.30; Predigt, Freitag: Vorabend 6.45; morgens 8.30; Predigt. — Samstag, 4. April. Vorabend 6.45; morgens 8.30; abends 7.10 und 7.50 Uhr. Israelitische ReligionsgefeUschasl. Donnerstag, den 2 April, und Freitag, den 3. April 1931: Passah- f e ft. 1. Tag. Vorabend 6 45 Uhr, vormittags 8: Predigt ; nachmittags 4. — 2. Tag. Vorabend 7 45; vormittags 8. — Sabbatfeier den 4. April. Frei, tag abend 6.35; Samstag vormittag 8; nachmittags 4; Sabbatausgang 7.50. — Wochengottesdienst: morgens 6.30; abends 6.30 Uhr. Hamburg-Lüdoni. Dampfschiff. S Hanta Dampfschiff 10 Norddeullcker Lwvd . .... 3 Allgemeine TeuilcheCredllanst. 10 Barmer Bankverein . . . 10 Berliner HandcIege1ellILa,l . 12 Commerz- und Prioal-Banl. 11| Tarnislädler und Nalionalbank 12j Deutsche Boni und Ttscvnio GeieUtchasl, ... 10 Dresdner Bant ..... 10 RelchSbank • .................8 Bergmann 3 Gicht. Lteserungsgesellschall. 10 Licht und Straft 10 Jelle» « Guilleaume . . . 7% GcleUichasr für Slettrilchr Unieniehmungcn .... io Hamburger ElektrizitätL-Werke 10 dibetnifdie eiehrijität .... 9 Eckilcstlche Elektrizität. ... 10 Schucken L Co H Siemens 8c Halkke 16 Tron-rravlo.........8 r-abweyerLCo.......10 Buderus • • * Deutsche Erdöl SUcner ...............” Geilenkirchener = Hawcner .......• " Hoelck Eilen. ..••••••» I>se Bergbau ...... 1® Slöcknerwerke Söln-Ncuefleu....••••* Mannertnann-Otohre» • • • • 7 ManSIelder Sargbau . Oberschlei. Eiienbevars . . . . £bcrid)!cf. SokSwerte.... . - Bbönlr Bergbau 6¥i Rbeinilche Branulohielt . . ic Rheinst^lhI * Riebeck Mont« ..... Kühe in. Er schützt Ihr An- -undstücke auf Jahre > Unterhaltungskosten t aufzustellen, wegen im Einkauf von Dr. hl- ekommen Sie bei mir Handwerkszeug dazu. 6% Deutsche RelchSanleihe von 1927 7% Deutsche Neichranleihe von 1929 Deulsche Aul.-Ablöf..SchuN» mii Auelos.-Rtchlen....... Detgl. ohne Auilos.-Rechls . . - 6% Hell. Boll'slaat von 1929 «rückzahib. 102%) ..... Oderhesscn Provinz - Anleihe mH Auslos^Rechlen Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 .... 8% fironff. Hvp.-Bank Goldpse XIII unkündbar bis 1934 . . . 7% Franks. Hvp.-Bank Goldpse unkündbar bl8 1932 4y,% Rheinische Hyp.-Bank yiqu. Goldpse 8% Pr. Lanterpiandbrteflwstall. Psandbriese R. 1» 8% Pr LandeSplanebrtekanllall, Koinm^Odl.N. »0...... 7% Pr. Landekvlandbrietanstall, Psoubbriese 8i. 81...... A E G. obg. Bonrlegr-Obstgatio- ncn, rückzahlbar 1932 Berlin, 31. März. Nachdem im heutigen Vormittagsverkehr bei der herrschenden Geschäftsstille und infolge fehlender Momente stärkste Zurückhaltung bestand, eröffnete die Börse freund- lich undlebhaft inSpezialwcrten. Besonders Farben standen im Vordergründe und konnten bei grosseren Amsähen 2,13 Prozent gewinnen. Angeblich interessierte sich Amsterdam stärker für diesen Markt, an dem sich die Hoffnungen auf eine 12prozentige Dividende erhielten. Eine gewisse Anregung ging ausserdem von den Wirtschastsberichten einiger Bankfirmen (Gross- Tanken und Privat-Banken) aus, die alle ein- heitli che Zeichen einer Konjunktur- besserung erkennen zu können glauben. Auch von. ter heutigen Rede Dr. (S u r t i u »’ im Reichstag versprach man sich einen gewissen Erfolg. Eine Beruhigung ging auch von der Tatsache aus, dass sich die übrigen Auslandsbörsen von der schwachen Reuyorker Tendenz freimachen konnten. Mit wenigen Ausnahmen, bei denen Svenska mit minus 5,25 Mk. an erster Stelle stand, waren die ersten Kurse sehr gut behauptet. Ausgesprochen sest lagen Hansa mit plus 3,5 und Bergmann mit plus 2,5 Prozent, Rheinische Brai^ikohlen plus 2,75 Prozent, und die eingangs schon erwähnten Farben. Anleihen nicht ganz einheitlich. Altbesitz zogen ijin 0,5 Prozent an. Von Ausländern waren Mexikaner bis 0,5 Prozent hoher, teilweise sogar plus-plus. Pfandbriefe leicht freundlich. Reichs- schuldbuchforderungen bis 0,25 Prozent fester. Der Geldmark wies gegen gestern kaum noch Veränderungen auf, nur ist heute Tagesgeld und Geld über Ultimo resp. über die Feiertage auf 6 bis 8 Proz. angezogen. Monatsgeld und Warenwechsel unverändert. Auch im Verlaufe erhielt sich die freundliche Stimmung. Das Geschäft war, abgesehen von den wenigen Spezialwerten, weiter klein. Am Kalimarkt, und besonders in Salzdetfurth, machte sich etwas Realisationsneigung geltend, die später auf die Tendenz der übrigen Märkte übertrat, so dass sich das Kursniveau teilweise unter Anfang senkte. Amtsgericht Gießen. Ein Lieferkraftwagen fuhr, aus ter Roonstrasse kommend, durch die Moltkestrasse nach ter Oft- anlagc. Er nahm die von den beiten Strassen gebildete Ecke zu kurz und bog auf der linken, statt, wie Vorschrift, auf der rechten Seite in die Moltkestrasse ein. Der Wagenführer veranlasste dadurch einen ernstlichen Zusammenstoss mit einem Ml^orradfahrer. ter. von der Ostanlage kommend. ist angetlagt, in ter Hauptsache auch geständig, in der Rächt vom 14. zum 15. Januar d. 3. mit einem anderen, bereits Erwachsenen, auf einem Grundstück „3m Pfarrgarten' zu Giessen einen Rasse- Hafen von besonderem Werte mittels Einbruchsdiebstahls entwendet zu haben. Er hat das Tier sodann zu Hause geschlachtet, nachdem er feine Eltern über dessen Herkunft belogen hatte. Das Fell verkaufte er für wenige Pfennig an einen Pelzhändler. Das Urteil lautete auf drei Wochen Gefängnis. Da der 3unge jedoch arbeitsscheu, seinen Eltern „über den Kopf gewachsen" und im häuslichen Benehmen ein flegelhafter Geselle ist, ter bisher feinen Eltern nur Sorgen bereitet hat, ordnete das Gericht feine sofortige Fürsorgeerziehung an. R, GIESSEN WARTEN - durch die Beweisaufnahme, namentlich durch einen gerichtlichen Augenschein, nachgewiesen, dass sein? Geschwindigkeit in dem kritischen Zeitpunkt nicht eine derartige gewesen sein rann, dass er sein Rad auf die kürzeste Entfernung hätte zum Stehen bringen können. Unter den gegebenen Verhältnissen war es aber seine Pflicht, hieraus bedacht zu fein, einmal, weil die Strasse infolge von Rässe schlüpfrig war. dann aber, weil er der Einmündung einer Rebenstrasse (Roonstrasse) entgegenfuhr. die er bei einiger Aufmerksamkeit in ihrem Endteil schon von der Moltkestrasse aus hätte überblicken können und müssen; denn an der Ecke befindet sich leicht übersehbares Gartengelände. Bei genügender Achtsamkeit seinerseits wäre der Unfall vermieden worden. Er erhielt, da immerhin die Hauptschuld den Center des Cieserkrastwagens traf, eine verhältnismässig geringe Geldstrafe. - Ein hiesiger Kaufmann kreditierte einem Wetzlarer Ehepaar für Kleidungsstücke den Kaufpreis von fast 100 Mk. und zwar nur deshalb, weil ihm, wie er eidlich aussagte, dasselbe versichert hatte, es komme in aller Kürze durch Entrichtung einer Abfindungssumme von 2000 Mk. zu Geld und dann erfolge fraglos Zahlung. Die Angaben waren unwahr. Die Ehefrau wurde zu einer ansehnlichen Geldstrafe verurteilt, der Ehemann war ausgeblieben, so dass der gegen ihn ergangene Strafbefehl rechtskräftig wurde. Ein hiesiger Hausbesitzer jenseits der Cahn musste durch eine Gerichtsverhandlung erfahren, dass jemand in der Stadt auch zwei polizeilich anmeldungspflichtige Wohnungen haben kann. Seine Tochter und sein Schwiegersohn hatten Wohnung in seinem Haus genommen. Er meldete sie nicht an und bestritt, dass 1ic bei ihm wohnten. Die Beweisaufnahme ergab aber das Gegenteil. 3eht verteidigte er sich damit, fein Schwiegersohn wohne bei feinen Eltern, wie dieser ebenfalls behauptete. Aber auch hiermit konnte er nicht durchdringen. Selbst wenn seine Angabe richtig gewesen wäre, hätte ihn dies aus dem oben angedeuteten Grunde nicht straflos machen können. Strafe: 2 Mk. Gießener Jugendgericht. 3n der Märzsihung des Giessener Zugendgerichts wirkten als Jugendschöffen mit Fräulein Berta K 0 rel 1, Lehrerin in Giessen, und Wilhelm 3un g V., Landwirt in Leihgestern. Ein Lehrjunge eines hiesigen Geschäfts hat in diesem oder dem dazu gehörigen Lagerraum einige Geschäftsartikel, Bügeleisen, Bohner, eine Fleischmaschine und verschiedene sonstige Gegenstände entwendet. Er gibt an, dass er zu seinen Verfehlungen von einer mit feinen Eltern im gleichen Hause wohnhaften Frau angeftiftet worden sei, die ihm die entwendeten Gegenstände weit unter dem wahren Werte abgekauft habe. Trotz Warnung durch feinen Geschäftsherrn hat er feine Diebstähle fortgesetzt. Er erhält, da er nunmehr offenbar Reue zeigt und vollkommen geständig ist, eine Gefängnis st rase unter Strafaussetzung. Die Bewährungsfrist wurde auf vier 3ahre festgesetzt. Gleichzeitig wurden Erziehungsmassregeln angeordnet, über die der Vormundschaftsrichter befinden wird. Tei unerlaubtem Musizieren hat sich ein jugendlicher, bereits wegen schweren Diebstahls mit Gefängnis vorbestrafter junger Mensch beteiligt und hierbei gebettelt, obwohl feine gut beleumundeten Eltern in sicheren Verhältnissen leben und der Zunge, der fremden, verderblichen Einflüssen ausgesetzt ist und sich ihnen nicht entzieht, keinen Anlass hat, sich auf unerlaubte Weise Geld zu verschaffen. Er erhält deshalb eine Haftstrafe von zwei Tagen. Der gleiche junge Mensch im Jahre 1930. Frankreich hat im Jahre 1930 aus Deutschland 178 000 Schweine, aus Italien 70 000 und aus Südslawien 8800 Stück Rinder und Schweine eingeführt. * Portland-Eem entwerte Heidelberg-Mannheim-Stuttgart AG. Wie die Verwaltung der Portland-Eementwerke Hei- delberg-Mannteim-Stuttgart dem WTB.-Han- telsdienst mitteilt, wurde in der Aufsichtsrats- fihung beschlossen, ter am 15. Mai in Mainz ftatt- sindenten Generalversammlung für das Geschäftsjahr 1930 eine Dividende von 7 Prozent (i. D. 10 Prozent) in Vorschlag zu bringen. 'Frankfurter Hypothekenbank. Die Verwaltung ter Frankfurter Hypothekenbank hat in ihrer gestrigen Dilanzsihung beschlossen, der GV. aus einem Reingewinn von 2 415 291 Mt. die Verteilung einer Dividende von 12 Prozent auf das Stammaktienkapital vorzuschlagen. Hierbei ist neben sonstigen Rückstellungen eine Erhöhung des gesetzlichen und ausserordentlichen Reservefonds auf insgesamt 12 Millionen Mk., d. s. 100 Prozent des Stammaktienkapitals, durch Zuweisung von 600 250 Mk. vorgesehen. Die GV. findet am 23. April statt. frankfurter Börse. Oie Friedberger Stadtbibliothek im Jahre 1930. dr. Friedberg. 27. März. Die Stabt* bibliothek (Haagslrasse 16) wird unter dem schweren Druck der wirtschaftlichen Rot in steigendem Messe von Wissenschaftlern ausgesucht, denen die Benutzung auswärliger Institute aus Geldmangel unmöglich ist. Zm Zähre 1930 zählte man 287 Benutzer an Ort und Stelle. Die mit dem Stadtarchiv in drei grossen Sälen vereinigte Siadtvibliothet birgt unersetzliche Werte. Der Zugang durch Austausch. Schenkung oder Ankauf, betrug während des letzten Zahres 603 Rum» mern. Die zahlreichen Zeitschriften aus allen Gebieten der Altertums-, Geschichts- und Landeskunde sind besonders begehrt. Starke Rachsrage besteht desgleichen nach dem Schrifttum der Abteilungen: 'Wetterau, Hcssenland, Deutsche Geschichte, Weltkrieg, Hilfswissenschaften. Die Ver» waltungstätigleit umfasste im abgelaufenen Zähre 1006 Dries», 782 Drucksachen- und 31 Paketausgänge. denen alles in allem 1575 Posteingänge gegenüberstehen. Die Stadt Friedberg trägt durch Bereitstellung der notwendigen Mittel ihr redlich Teil bei zur Pflege der Wissenschaft, Bildung und kulturellen Fortentwicklung unseres Volkes. So wird das Museum z. D. Iahr für Zahr von mehr als 4000 Personen ausgesucht, ein erfreulicher Beweis für den Heimatsinn der Wetterauer Bevölkerung. Preußen. Kreis Wetzlar. Gardenheim, 30. März. Auf ter Kreis- strahe zwischen Garbenheim und Dorlar ist am Sonntagnachmittag der Gärtner Alfred M a h o i aus Wetzlar beim Motorradfahren tob- l ich verunglückt. Mahoi war mit einem Bekannten aus Wetzlar auf dessen Motorrad als Beisitzer nach Giessen gefahren. Auf dem Rückweg bei Block Dorlar veranlasste er feinen Freund, ihm das Kraftrad zu einer kurzen Probefahrt zu überlassen. Als diese gut abgelaufen war, behielt Mahoi, der nur wenig fahrkundig und nicht im Besitz eines Führerscheines war. die Führung des Rates, während ter Besitzer auf dem Sozius Platz nahm. Vor der Garbenheimer Höhe fuhr er zu weit nach rechts auf eine Kicsablagerung am Strassenrande und stürzte. Der Schwerverletzte wurde in das Krankenhaus nach 'Wetzlar gebracht, wo er verstarb. Der Begleiter des Verunglückten erlitt leichtere Verletzungen. der rechten Seite durch die Wegen seines vorschriits- crhiclt er einen Straf- Mk. Die polizeilichen Graber, dass auch der Motor- börfen hatte man vormittags noch mit einer ebenfalls schwächeren Borke gerechnet, sah sich aber zum offiziellen Verkehr angenehm überrascht. Eine Version, dass die Z.-G-Farben eine 12proz?ntige Rcttodividende zahlen, lieh für diese Werte stärkeres Znterefse zu Tage* treten, zumal von eingeweihten Kreisen grossere Käufe uorgenommen wurden. Die Spekulation schritt infolgedessen zu Deckungen und Käufen, so dass bei Z.-G.-Farben ein Gewinn von 3 Prozent zu verzeichnen war. Die Umsätze bewegten sich allgemein in sehr engen Grenzen, und nach Festsetzung der er st en Kurse stag- nierte der Verkehr fast vollkommen. Für den heutigen Zahltag befürchtet man keine Schwierigkeiten. Von Elcttrowcrten lagen AEG., Elektrische Lieferungen und Siemens je 1 Proz. freundlicher, dagegen Licht & Kraft etwas schwächer. Etwas lebhafter war das Geschäft inMon- tantcertcn, die meist Besserungen bis 1,5 Proz. auswiesen. Stärker abgeschwächt lagen am Kali- markt Westeregeln, die 3,5 Proz. einbüssten. Am Bauunternehmungsmarkt lagen Zement Heidelberg aus eine 7prozrnlige Dividende 2 Prozent fester, während man vorher nur mit einer solchen von 6 Proz. gerechnet hatte. Leichte Kurs- ermässigungcn hatten Aku, Deutsche Linoleum.- Daimler, Commerzbank und Chemienebenwerte. Riedriger setzten noch Wayss & Freytag (minus 0,75 Proz.) und Zellstoff Aschersleben (minus 1 Proz.) ein. Der Anleihemarkt lag stärker vernachlässigt. Von fremden Werten fielen Gold- mexikaner auf, erschienen jedoch gut behauptet. Der Pfandbriefmarkt lag sehr still. Reichsschuld- buchsorderungen geringfügig fester. 3m Verlause der Börse trat keine Geschäftsbelebung ein, doch blieben die Kurse gut behauptet. Rur bei 3.-G.»Farben kamen vereinzelt noch Um= sähe zustande. Am Geldmarkt wurde der Sah für Tagesgeld zum heutigen Zahltag auf 5,5 Prozent festgesetzt. Monatsgeld mit 5,25 bis 5.5 Prozent etwas leichter. Am Devisenmarkt lag die Mark etwas schwächer. Man nannte Mark gegen Dollar 4.1990, gegen Pfunde 20,3990; London gegen Reuhork 4,8580; gegen Paris 124,20; gegen Mittelungen ergaben radsahrer nicht schuldlos an dem Unfall war. Dieser bestritt aber jede Schuld, doch wurde ihm 15,75 7,75 I Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern- geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Neichsbankdiskont 5 o. H., Lombardzinsfuss 6 o. H brennhoiz fc;» ,ltlOn^U814® JnJ;'Velihi)fer «3cNon Au 193 Kian, linbenben Kreli Bie|ta . l'Nd die L_ Stillegung der Hefrag in Wölfersheim wie wir Horen, hat die h e f r a g tatsächlich beschlossen. ihre Betriebe slillzulegen, da sich infolge der schwierigen Wirtschaftslage die Absatzbedingungen (ür die in Wölfersheim anfallenden Produkte feit einiger Zeit st a r k verschlechtert haben und eine Besserung der Marktlage nicht abzusehen ist. Bon der Stillegung werden etwa 1300 ArbeiterundAnge st eilte betroffen werden. Niddaer Bank A. G. < R i d d a . 29. März. Am gestrigen Sams- tag fand im Hotel ..Zur Traube" unter Leitung des Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Oberreal- lehrcr i. R. Küfer, die diesjährige Generalversammlung der Riddaer Bank AG.. Ridda, statt. Aus dem von Bankvorsteher E e u m vorgetra- genen Geschäftsbericht über das 62. ®c- schäftsjahr 1930 ist folgendes zu entnehmen: Die Weiterentwicklung der Dank war'im 3ahre 1930 trotz wirtschaftlicher Depression befriedigend. Die Ausleihungen haben sich auf dem Hypotheken- und Darlehenskonto um 42 660.81 Mark auf 472 169.49 Mk. erhöht, das Konto der Schuldner in laafender Rechnung um 48 150,45 Mk. auf 510 385.46 Mark. Durch Uebernahme einer Reihe von Güterkaufschilkingen ist das Kaufgeld-Konto um 56 806.96 Mark auf 92 538,68 Mark angewachsen. 3m eigenen Depot der Bank befanden lich am Zahresschluss für 29 684,77 Mark Wechsel. Das Obligo ter in der Hauptsache an die Reichsbank weitergegebenen Wechsel betrug 31 385,16 Mark. Die übrigen Posten der Aktiven weisen gegenüber dem Vorjahre keine nennenswerten Veränderungen auf. Das Spareinlage-Konto beträgt 835 627,85 Mark und hat sich um 242 916,62 Mark erhöht. Die Kontokorrentguthaben haben sich um 38 183,73 Mark vermehrt, so dass sie am Ende des Zahres 308 608,82 Mark betrugen. Das Aktienkapital beträgt nach wie vor 55 000 Mark, wovon noch 19 455,05 Mark einzubezahlen find. Der Reingewinn beträgt 16 579,37 Mark. Reben anderen Ucbcrtocifungcn wird eine D i - vidende von 10 Prozent an die Aktionäre zur Ausschüttung gebracht. Verluste waren in dem Berichtsjahre nicht zu beklagen. Der Aussichtsrat hat durch eine besondere .Kommission die Bestände der Bank und die gesamte Geschäftstätigkeit einer eingehenden Prüfung unterzogen. Ausserdem hat in der Zwischenzeit eine gesetzliche Revision durch den Revi- sionsverband ftattgefunten. Anstände haben sich 30.3. 72.65 122,5 74,75 31.3 72.75 30.3. 72,5 GthultbeU Layenhotek ... 15 ..................12 atu...........1? »embetfl........." ZellNoy SalDbol .... IS'/, Bpllftcfl Sfdiaffenbatfl ... 12 Charlottenburger ZBallei ... 8 $ellauet ffles . ...... 9 Tmmler Motoren ..... 0 Deutsche Linoleum ..... Malckmenban A.-T. ..... c Oiat. Automobil ..... C Crenftein & Koppel 6 Leonhard Tietz ..... IC SvcnLla ....... • • • Frankfurter Malchioeo ... . Sritzner Heollgenkaedt ...••••< IungbanS .....( Leckiwerke . i Mainkraftwerke HichO a-M.» . t Miag...........1< Gebt. Roeder 1< Soigt L Harsfner i Süddeutsche Zucker .... 11 Berlin «Lchluv-IAnfaug- hird | Kurs Banknoten. Berlin. Zg.März iuveigeben.Lewiv der wollen dir m *• 0. «Ho. cinreidicn. WWeittli.cieükl- Ms, SllWM bti Mcke, HÄerayyeiT harten. tiornb:-M beieiiifli restlos auch m den barinäckiflst. .rauen todsicher um, (Sat.innetlj.Mifl, Erhält! nur Löwen. Drogerie W. Wlhimer 1 Nacht, Seitenweg ö. gl |W /i $ranrtun a. 2)1. Berlin Schluß-! 1-Uhr- hir< I Äurt Echluß- furd Anfang« Kur- Datum 30.3. 31.3. 30.3. 31-3 30.Marz 31 Mär, Amlliche Notierung OSeio Seiet iumlliche Nolierung Selb | Srir Frankfurt a. j. i. | Berlin Schluß- wr- 1 «Uhr- Kur- Eckluß- tur< Antanq« Kur- Dalum 30.3. 31.3. 30.3. 31.3. Bereinigte Ltohlwerle..... Ltavi Minen .... 16'/, 59,5 61 60,5 60,4 32 31,9 31,5 Salimerle 8Iidiert!eben . . . V 157,5 — 157.5 156 Kaliwerke Westeregeln ... 10 165 161,5 164 162.25 Kaliwerke Salzdetfurth ... 15 247 — 247 248,5 Selb Brief 4.181 4,201 58,08 58.32 111,83 112.27 20.32 >. 20.40 16,41 16.47 167,71 168.39 22,05 22.13 111,83 112,27 58,79 59.03 2,475 2,495 111,95 112,39 80,44 80.76 45.71 45.39 12,38 12.44 72,91 73,21 Gemüse- und Cbst-Jionserven der fäfeltq) -Gcscftüfte zeicfinen sidfo aus durtft: (Beste Qualität! (Billigen Siels! Stramme ©osenfüllung! — m 77//#,#; Wäsche Meter 4.50, . . 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O sL^GL ä^2 O5-5-H r— ZZ- r- c o u C c Q *: 2 oca z: — = E 5-» = d^29 E ^f2-§gp-^CQC^gl tc^h" •' D»LZZf o^Z « = a E ca = 02 3 B s E 3ä) >2 S-cÄS o GS. C ä c •= 60 = Z 5 o-D O .«ti 05® GQ^ <2 - ä« = sa.ro . ä a. 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