m. 30? Erstes Blaff 18L Jahrgang Mittwoch. ZV. Dezember |93( Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Gberheffen Pntd vnv Verlag: VrLhl'sche UniverfilSlr-vuch- und Slelndruckerei B. Lange in (Sieben. Schriftleitung und Geschäftsstelle: SchuUtrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or H.THyriot,- für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Eriche im ic glich, außer Sonntags und Feiertag» Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr-Bezugsprets: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern Infolge höherer Gewalt. 5ernsvrechanschlüsse anterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Eietzen. Postscheckkonto: gronlfurtam Main 11686. Neue Fronten auf der Reparaiionskonferenz? Gefährliche Wendung. Der Baseler Bericht, der wie das Mädchen aus der Fremde allen etwas gebracht hat, kann vielleicht tributpolitisch einen Wendepunkt bedeuten. Wer schon zeichnen sich am Horizont riesengroß die Umrisse einer tribut- politischen Entwicklung ab, deren Räherkommen das deutsche Bolt aufmerksam zu verfolgen alle Ursache hat. Weil Deutschland mit Recht i m T r i b u t p r o b l e m die eigentliche Ur- fache der Krise sieht, ist es an sich verständlich, daß wir die Gedankengänge und Schlußfolgerungen, die uns unmittelbar angehen, auf die anderen Mächte übertragen. Tatsächlich ist indessen die Einstellung zum Tributproblem für jede der beteiligten Mächte verschieden, je nachdem sie mittelbar oder unmittelbar an der Lösung interessiert sind. Wer gerade darin liegt für Deutschland einegroßeGefahr, der es nicht >um erstenmal gegenübersteht, denn wir wissen ja, wie oft die anderen Mächte sich auf Kosten und auf dem Rücken Deutschlands geeinigt haben. Die Entscheidung des amerikanischen Kongresses, eine Verbindung von Tributen und Kriegsschulden nicht zuzulassen, entspricht gewiß der Auffassung der Mehrheit der Bevölkerung der Vereinigten Staaten. Die Kriegsschulden an die Union sind d i e Ko st en des Sieges, der sich für die europäischen Verbündeten der Union doch jedenfalls gelohnt hat. Auf der andern Seite: Für den Haushalt der Union spielt der Zinsendienst, den die europäischen Schuldner zu leisten haben, eine nicht unerhebliche Rolle, ganz abgesehen davon, daß eine Streichung aller Schulden nicht nur die Staatsfinanzen trifft, sondern auch die privaten Anleihebesitzer. Wer die französische Presse auf die Stimmungsmache hin verfolgt hat. mit der sie die Entscheidung des Union-Kongresses beantwortete, entdeckt sofort, daß der Beschluß des Kongresses eigentlich eine Rückendeckung für Frankreich darstellt. Bei jeder Gelegenheit haben die französischen Staatsmänner wiederholt, daß sie unter keinen Umständen auf eine Aende- rung des Poung-Plans oder eine Senkung der Tribute eingchen werden, wenn nicht zuvor die Union die Kriegsschulden ganz oder teilweise gestrichen hat. Selbst Leon Blum, der Führer der französischen Sozialisten, hat ausdrücklich erklärt, daß seine Partei in dieser Frage gerade so denke wie Laval und Tardieu. Bleibt also die Union unnachgiebig, so iniro dies auch bei Frankreich der Fall sein, eine Aussicht, die vor allem England stark in den Harnisch gebracht hat. Wenn Macdona d alles daran setzt, mit Laval ins Gespräch zu kommen, so ist das wohl darauf zurückzuführen, daß England auch dann noch erhebliche Zahlungen an die Union zu leisten hat, wenn England, Frankreich und die anderen Schuldner gemeinsam einen Zahlungsaufschub in Washington erklären. Die englische Presse läßt deshalb auch alle Minen springen, sie geht sogar so weit, die Völker Europas zu einer Einheitsfront gegen die Union aufzuhetzen. Das wird noch eine gute Weile haben, denn dazwischen liegen alle Möglichkeiten einer Verständigung, die wieder nur die Sieger unter sich suchen. Es besteht kein Grund, in Deutschland eine besondere Genugtuung über den Baseler Bericht zu empfinden. Es besteht noch weniger Grund, den Bericht selbst als einen Erfolg der deutschen Politik zu bezeichnen. Die schwerste Aufgabe ist überhaupt noch zu leisten, nämlich die, die am Voung- Plan beteiligten Mächte davon zu überzeugen, daß Deutschland keine Tribute mehr aufbringen kann, daß es dies auch nicht darf, wenn nicht die internationale Wirtschaft immer wieder von einer Krise in die andere stürzen soll. Wenn schon der Ertrinkende nach dem Strohhalm greift, so ist ja auch dem deutschen Volke nicht zu verdenken, sich an den Baseler Bericht zu klammern, obschon er so viel Verfängliches enthalt, daß wir Grund haben, uns nicht zu weit vorzuwagen. Das internationale Spiel der Diplomatie geht einstweilen darum, die Union mehr oder weniger sanft zu zwingen, den europäischen Schuldnern die Schulden ganz oder teilweise nachzulassen. Das Ziel wird kaum zu erreichen sein, es sei denn, daß vor allem. Frankreich, das ja der Union mehr als ein Dutzend Milliarden M ck schuldet, Opfer auf sich nimmt, die Frankreich nichts zu kosten brauchen, weil die Abwälzung auf Deutschland sicher ist. Es ist gar nicht von ungefähr, daß die Sachverständigen in Basel sich so ausgiebig mit der Lage der Deutschen Reichsbahn beschäftigt haben, um zu der Feststellung zu gelangen, daß sie i m Grunde gesund sei. Bedeutung hat das insofern, als ja die Reichsbahn finanztechnisch der Träger der ungeschützten Tributrate ist, also jenes Teils der Tributrate, den Frankreich dem deutschen Volke als dauernde Last auf= zwingen will. Es kommt nur darauf an, welchen Preis Frankreich seinen ehemaligen Verbündeten zu zahlen bereit ist, um eine Verständigung zu erzielen, deren Inhalt vermutlich nicht bei den Verhandlungen über das Tributproblem zustande gebracht werden wird, sondern sehr wahrscheinlich das Ergebnis der Besprechungen ist, die zwischen Paris, London und Washington hin und hergehen. Frankreich hat ja mehr als ein Eisen im Feuer, denn es kann nicht nur der Union Zugeständnisse machen, es kann auch in der Frage der privaten Verschuldung Deutschlands der City und Wallstreet alle die Drücken bauen, die von den privaten Gläubigern verlangt werden. Der Streit über den Vorrang der politischen Tribute vor der Privatverschuldung hört von selbst auf, wenn der politische Tribut etwa mit der finanziellen Ertragsfähigkeit der Reichsbahn verknüpft wird, während die Abwicklung der privaten Verschuldung die Sache des deutschen Außenhandels Paris, 29. Dez. (111.) In französischen und englischen diplomaiischen Kreisen herrscht im Augenblick eine außergewöhnlich rege Tätigkeit. Während der französische Botschafter in London, Fleureau, dem englischen Außenminister einen Besuch abstattete und den französischen Standpunkt in der Reparationsfrage erläuterte, erwartet man hier mit Interesse das Eintreffen des englischen Botschafters in Paris, Lord Tyrrell, da er sicherlich Träger englischer Vorschläge sein werde. Wan rechnet in Pariser gut unterrichteten Kreisen außerdem nicht damit, daß die Re- gierungskonferenz vor dem 25. Januar statlsinden könne. Als Verhandlungsort wird nach wie vor Lausanne genannt. Die französische Presse ist im übrigen bemüht, die wegen der englischen Zollmahnahmen getrübten Beziehungen zu England so rasch wie möglich wieder zu der enfente cordiale zurückzuführen, um auf der Regierungskonferenz nicht isoliert dazuslehen. Der „Temps" gibt das in auffallender Weife zu erkennen, wenn er schreibt, daß alle Kontroversen, wie z.B. über den Grundsatz der Priorität der Privatschulden, kaum noch wichtig seien, nachdem die Feststellung des Baseler Sachverständigenausschusses vorliege, aber auch angesichts der immer deutlicher werdenden Gegnerschaft des amerikanischen Kongresses gegen jede Revision der Schuldenabkommen. Die Rotwendigkeit für die Gläubiger Deutschlands und für die Schuldner Amerikas, eine geschlossene Einheitsfront zur Verteidigung ihrer Lebensinter e s s e n herzuslellen, bestimme die Beziehungen und Bedingungen jeder gemeinsamen Politik, die loyal den Rechten und Interessen eines jeden Rechnung trage. Es sei für jeden aufmerksamen Beobachter klar, daß Frankreich und England allein durch ihr volles Einvernehmen in der Lage seien, der Politik zu präzisen Ergebnissen zu verhelfen. Dic zwischen den französischen und englischen Sachverständigen schwebenden Verhandlungen und anderseits das persönliche Schreiben Wacdonalds an Laval bildeten nach dieser Richtung hin einen guten Anfang, über den man sich aufrichtig freuen müsse. Was meint man in England? London, 30. Dez. (WTB. Funkspruch.) Zu der kommenden Reparationskonferenz sagt der Daily Telegraph, die britischen und französischen Schatzamtssachverständigen würden auf der Re- parationskonferenz nur eine provisorische Lösung der Reparationsfrage erstreben, bestehend in einer Verlängerung des Deutschland gewährten Moratoriums um drei Jahre. — Der französische Plan für die Konferenz werde auf eine grundsätzlich e Aufrechterhaltung des Voungplanes hinauslaufen und werde „in gewissen britischen Kreisen" unterstützt. — Fi- nancialRews tritt dem Gedanken einer Verlängerung des Moratoriums entgegen. Das Blatt hofft, Deutschland werde bei einem Fehlschlag der Konferenz die Erklärung abgeben, daß es keine weiteren Reparationszahlungen leisten werde. Amerika hält sich zurück. Vorerst keine Beteiligung der Vereinigten Staaten an der Reparationskonfercnz. Washington. 29. Dez. (WTB.) Schatzamtssekretär Mills erklärte, die Vereinigten Staaten seien nicht einmal inoffiziell zu der bevorstehenden Reparationskonferenz ein» geladen worden, und sie würden, auch wenn sie eingeladen werden sollten, sich nicht an ihr beteiligen. Präsident Hoover hatte am Montagnachmittag mit Stimfon undMills eine längere Besprechung über die Schuldenfrage. Einflußreiche Regierungsbeamte vertreten die Ansicht, daß die Interessen der Vereinigten Staaten in der Frage der Schuldenrevision oder der Verknüpfung der Kriegsschulden mit den Tributen ohne Rücksicht auf den Kongreß vertreten werden müßten. Die ersten Schritte in dieser Richtung würden von Europa erwartet. Die Entsendung amerikanischer Vertreter zur Tributkonferenz werde für den Fall, daß sich diese Konferenz ausschließlich mit der Tributfrage beschäftigen sollte, als unwahrscheinlich erklärt. oder der deutschen Wirtschaftskraft bleibt. Es wäre ein Verhängnis für das deutsche Volk, wenn ein Teil der Presse aus parteipolitischen Gründen wieder mit Vorschußlorbeeren um sich wirst, während es doch für die Reichsregierung eine Frage auf Leben und Tod ist, die seelische und geistige Widerstandskraft des deutschen Volkes gegen jedes Tributjoch zu einer unüberwindlichen Front zu steigern. Davon sind wir leider einstweilen noch weit entfernt. Sollte die Konferenz dagegen auch die Frage der langfristigen Schulden, die Währungsfrage, sowie europäische Handelsfragen erörtern, so wäre eine amerikanische Teilnahme nicht ausgeschlossen. Das angebliche Programm einer provisorischen Lösung. Wie sich Frankreich das Ergebnis der ReparalionSkonferenz denkt. Pari», 30. Dez. (ERB. Funkspruch.) Der Berichterstatter des „Echo de Paris" in London glaubt, das Programm einer provisorischen französisch . englischen Reparationspolitik, an dessen Ausarbeitung die französischen und englischen Sachverständigen arbeiteten, wie folgt umschreiben zu können: 1. Deutschland würde ein dreijähriges p r o o i s o r i f che » W o r a t o r i u m für den geschützten Teil der Zahlungen zugebilligt erhalten. 2. Deutschland hätte in den drei Woratoriums- jahren den ungeschützten Teil der Young- annuitäten zu entrichten, den Frankreich aber, wie bei dem hoovermoratorium, unverzüglich der Reichsbahn wieder leihweise zur Verfügung stellen würde. 3. Deutschland würde Frankreich, Rumänien und Südslawieu weiterhin ein W i n - de st maß von Sachtei st ungen zugeslehen. 4. Rach Ablauf der dreijährigen Woratoriumsfrist würde die Zahlungsfähigkeit Deutsch, lands aufs neue abgeschäht werden. 5. Deutschland würde mit den amerikanischen, eng- tischen, französischen und neutralen Banken ein A b - kommen über die allmähliche Zurückzahlung der eingefrorenen kurzfristi- gen Kredite abfchließen. 6. Die alliierten Regierungen würden als Gläubiger Deutschlands die amerikanische Regierung zu überzeugen versuchen, daß, nachdem sie den wirtschaftlichen Wiederaufbau Deulschlands begünstigt hätten, ihre Opfer eine entsprechende Herabsetzung ihrer Schulden bei Amerika notwendig machen. Japans Vormarsch auf Tschingtschau. Die Chinesen ziehen sich hinter die große Maner zurück. Tokio, 29. Dez. (TU.) Ein japanisches Flugzeuggeschwader bombardierte am Dienstag chinesische Truppen bei Panschan. Im Laufe des Tages rückten japanische Truppen gegen die chinesischen Stellungen vor und schlugen die Chinesen nach längeren schweren Kämpfen in die Flucht. Die Japaner rückten darauf in Panschan ein und b e» setzten die Stadt. Eine andere japanische Truppenabteilung besetzte am Dienstagnachmittag die Stadt H s i n m i n, ohne daß es zu größeren Zusammenstößen kam. Der japanische Vormarsch auf Tsingtschau wird fortgesetzt. Die japanische Botschaft in Paris dementiert im Auftrage der Regierung alle Rachrichten von einem Vormarsch der japanischen Truppen auf Tschingtschau. Gemäß der Crllärung vom 24. Dezember wiederhole die japanische Regierung vielmehr noch einmal ihren Wunsch, j e d e n Zusammenstoß zwischen regulären chinesischen Truppen und japanischen Streitkräften zu verhindern. Rur aus diesem Grunde bestehe Japan auf der Räumung Tschingtschaus durch die chinesischen Truppen, da die japanische Regierung durch einwandfreie Zeugenaussagen die feste Ueberzeugung gewonnen habe, daß die Militärbehörden von Tschingtschau die chinesischen Banditen unterstützten die sich im Westen des Liao-Flusses in beträchtlicher 2lm zahl zusammengerottet hätten. Die japanischen Truppen träfen im Augenblick Vorbereitungen, um mit verstärkter Energie gegen das Banditen^ Unwesen einzuschreiten. Aus diesem Grunde werde die japanische Armee nach Westen vorstoßen. Die japanische Regierung lehne außerdem jede Verantwortung für Maßnahmen ab, die sie in Anwendung legitimer Verteidigung ergreifen müsse. Der chinesische Oberbefehlshaber Tschanahsue- l i a n g befahl den chinesischen Truppen in Tfching- tschau und Umgebung, sich hinter die Große Mauer zurückzuziehen, um so „den Japanern jeden Vorwand zu nehmen, den Krieg nach Nordchina auszudehnen". Die Räumung hat bereits begonnen und soll so schnell wie möglich durchgeführt werden. Die Senkung -er Postgebühren. Scharfe Kritik an dem geringen Umfang der Preissenkung. Berlin, 29.Dez. (WTB.) Der Arbeitsausschuß des Verwaltungsrats der Deutschen Reichspost beriet die Vorlage, die der Reichspostminister zur Senkung wichtiger Post- und Femmeldege- bühren gemacht hatte. Es wurde beschlossen, dem Plenum des Verwaltungsrats zu empfehlen, die Vorlage der Verwaltung mit gewissen Modifikationen anzunehmen. In Abweichung von der ursprünglichen Vorlage soll die Gebühr für die Fernpo st karte von acht auf sieben Reichspfennig ermäßigt werden, dafür aber die von der Verwaltung vergeschlagene Ermäßigung der Tele- grammgebühren und der Postwurfsendungen unterbleiben. Unter der Voraussetzung, daß das Plenum des Verwaltungsrats morgen dem Beschlüsse seines Arbeitsausschusses zustimmt, werden also gesenkt werden: die Gebühren für Drucksachen, für gewöhnliche Pakete, für die Orts- und Ferngespräche sowie für die Reben- stellenanlagen in der vom Reichspostministerium vorgeschlagenen Form und darüber hinaus die Gebühren für eine Fernpostkarte von acht auf sieben Reichspfennig. Es soll damit eine Regelung getroffen werden, die sowohl der Ankurbelung der Wirtschaft dienlich ist, wie auch dem Interesse der breiten Massen unseres Volkes, soweit das eben in den Kräften der Deutschen Reichspost steht. * Zu den neuen Senkungsvorschlägen nehmen verschiedene Berliner Blätter Stellung. Es wird allgemein festgestellt, daß die Preissenkung nicht den Erwartungen entspreche, die man in der breitesten Öffentlichkeit hege. Als peinlich wird empfunden, daß die beabsichtigte Senkung der Telegrammgebühren wieder fallengelassen werde. Allgemein wird betont, daß von den 10 v.H., um die das allgemeine Preisniveau mindestens gesenkt werden sollte, nichts zu merken sei. Es bleibe der peinliche Eindruck, daß die Regierung den Preisabbau, den sie von der Wirtschaft verlange, bei ihren eigenen Betrieben nicht durchführen könne. Wie die „DAZ." hört, ist damit zu rechnen, daß der Verwaltungsrat der Reichspost den Vorschlägen des Arbeitsausschusses beitritt. Die außerordentliche Kündigung von Mietverträgen. Berlin 29.Dez. (WTB.) Zu der Frage der Mietkündigung wird amtlich noch folgendes mitgeteilt: 1. Bekanntlich ist die vorzeitige Kündigung von Mietverträgen ausgeschlossen, wenn sich der Vermieter und der Mieter im Jahre 1931 a u s eine Ermäßigung des Mietzinses um mindestens 20 v. H. geeinigt haben. Die Höhe dieser Ermäßigung ist nicht wie bei der ab 1. Januar 1932 eintrelenden Mietsenlung von der Friedensmiete, sondern von der tatsächlich gezahlten Miete zu berechnen, wobei allerdings Heizungskosten, Fahrstuhl kosten und andere Rebenlei st ungen nicht mitgerechnet werden, sofern sie, wie z. B. bei Geltung der gesetzlichen Miete, besonders zu berechnen sind. Die gesetzlichen Umlagen (Grundvermögensteuerzu- ichläge) gehören zur gesetzlichen Miete und sind daher mitzurechnen. Die Feststellung, ob bei einer im Jahre 1931 vereinbarten Mietermäßigung der Betrag von 20 Prozent erreicht ist, kann im Einzelfall Schwierigkeiten machen. Folgendes ist zu beachten: Auszugehen ist von der Miethöhe, die zu der Zeit galt, als die Vereinbarung getroffen wurde. Bestand der Vertrag also längere Zeit und mar d i e Miete schon vor 19 3 1 ermäßigt worden, z.B. von 120 Mark monatlich auf 100 Mark, so darf nicht die ursprünglich vereinbarte Miete für die Berechnung der Ermäßigung zugrundegelegt werden, sondern nur der für 193 1 noch geltende Betrag von 100 Mark. War im Jahre 1931 mehrmals ermäßigt worden, so ist die erste Ermäßigung zugrundezulegen. Hat z. B. der Vei> Mieter von einer Monatsmiete von 100 Mark zu- nächst im Januar 1931 zehn Prozent ermäßigt so daß der Mieter nur noch 90 Mark monatlich zu zahlen hatte und sind dann im April durch eine zweite Vereinbarung dem Mieter von diesen 90 Mark noch einmal zehn Prozent ermäßigt worden, so daß er nur noch 81 Mark zu zahlen hatte, so wären im Sinne der Verordnung volle 20 Prozent nicht ganz erreicht, denn dazu wäre nötig, daß die 20 Prozent °on ?er "sten Mietherabsetzung zu zahlenden 100 Mark ermäßigt wurden, er also künftig nur noch 80 Mark zu zahlen hätte. 2. Vielfach sind im Mietvertrag sogenannte S t a f s e l m i e t e n vereinbart, d. h. der Mietzins ist für die einzelnen Abschnitte der Vertragszeit in verschiedener Höhe festgesetzt. Beispiel: Der Vertrag lauft ab 1. Januar 1929; für das Jahr 1929 sollen IrankreichsiichiciiieVorverständiguiiWiiLnglaiid Dr. (Earl Petersen wurde vom Hamburger Senat für 1932 wieder -um Ersten Bürgermeister gewählt. 100, für das Jahr 1930 sollen 150, für 1931 sollen 200, für 1932 sollen 250, für 1933 sollen 300 Mark monatlich gezahlt werden. Bei der Berechnung der 2Gproj€nligen Ermäßigung, die, wie gesagt, im Jahre 1931 vereinbart sein muß, ist von dem Stande zur Zeit der Vereinbarung aus-ugehen, und -war muß die Ermäßigung so bemessen sein, daß der Mieter von dem Tage ob, an dem die Ermäßigung eintreten soll, dauernd von dem jeweils -u -ahlcnden Betrage 20 Prozent weniger zu zahlen Hot, als vor dem Eintritt der Ermäßigung -u zahlen gewesen wäre. Sollte also im angegebenen Beispiel die Ermäßigung schon im Jahre 1931 eintreten, so müßte sie so bemessen sein, daß der Mieter im Jahre 1931 statt 200 nur 160, im Jahre 1932 statt 250 nur 200, und im Jahre 1933 statt 300 nur 240 Mark zu zahlen hat. Die Durchsührung der Lohn. undGe- haltssenkuna na» der Aoiverordnung Berlin, 29. Dez. (TU.) Amtlich wird mitye- teilt: Nach einem Berliner Blatt soll die Durchführung der in der Notverordnung oorgeschriebcnen Lohn- und Gehaltssenkung aus Schwierigkeiten stoßen. Die Darstellung ist aeeignet, falsche Vorstellungen zu erwecken. Es trifft nicht zu, daß die zuständigen Stellen von der großen Anzahl von Fällen, in denen die Tarifparteicn sich nicht einigen konnten, überrascht seien, vielmehr waren sich alle Sachkenner von vornherein darüber klar, daß eine Entscheidung durch den Schlichter in zahlreichen Fällen erforderlich sein werde. Die Behauptung, daß dies für 90 v. H. aller Fälle zutreffe, entspricht der Wirklichkeit aber keinesfalls. Bereits jetzt liegen Hunderte von Vereinbarungen im Reichsarbeitsministerium zur All- gemeinoerbindlichkeitserklärung vor. Auch die Nachricht, daß die Schlichter nicht in der Lage seien, d i e Menge der Streitfälle zu bewältigen, ist durchaus unzutreffend. Ucbereinstimmend berichten die Schlichter, mit denen das Reichsarbeitsministerium in ständiger Fühlung steht, daß sie b e • r v 11 6 eine große Zahl von Streitfällen erledigen konnten und daß sie die noch vorliegenden Fälle ohne Schwierigkeiten rechtzeitig zum Abschluß bringen werden. Oie Hausfrauen beim Heichskommiffar für Preisüberwachung Berlin, 29. Dez. (WTB.) Der Reichskom- miffar für Preisüberwachung hatte heute die Spihenvertretungcn der deutschen HauSfrauenvereine zu einer Besprechung gebeten» in der alle Fragen der Preissenkung, soweit sie Gegenstände und Leistungen für den lebenswichtigen Bedarf betreffen, behandelt wurden. Seitens der Hausfrauenvereine wurden insbesondere zur Frage der Preisauszeichnung und zu den Handwerkertarifen Anregungen gegeben, die vontRei hskommissar weiter verfolgt werden. Die Hausfrauenvereine sind *bom Reichskommissar um Unterstützung bei seinen Aufgaben gebeten worden. Bon den Verbänden ist der Wille zur Mitarbeit bereitwilligst bchmbct worden. Kampf um das Alkoholverbot in Finnland. H e l s t n g f o r s, 29. Dez. (XU.) Am Dienstag begann in Finnland die Volksabstimmung über das Alkoholverbotsgesey, die zwei Tage dauert. Während die Lappo-Blätter und die gesamte bürgerliche Presse Finnlands gegen das Verbot Stellung nehmen, verteidigen Sozialdemokraten und Agrarpartei das Verbot mit allen Kräften. Die Verbotsanhänger haben eine riesige Propaganda entfaltet. Sin Teil der finnländischen bürgerlichen Presse behauptet, daß der Propagandafonds der Verbotsanbänger von Alkohol- schmugglern und ausländischen Spiritusfirmen be- reitgestellt worden ist. Für die Zukunft der finnländischen Wirtschaft ist der Ausgang dieser VolkSabsttmmung entscheidend Sollten die Der- botSanhänger siegen, dann erscheint der Ausgleich im finnischen Staatshaushalt fast unmöglich Wird das Verbot abge'chafst, so fließen Finnland sofort Riesensummen aus dem Alkodolverkauf zu. Die großen Al- koholvorräte des sinnländischen Staates, die aus konfiszierten Schmuggelbestän den stammen, sollen nach Aushebung des Verbots in den Handel gebracht werden. Das Sr- gebnis der Abstimmung wird erst in einigen Tagen vorliegen (starke Zunahme der Arbeitslosigkeit in Amerika. R c w y o r k. 29. Dez. (XU.) Der Präsident des WohlsahrtsrateS der Stadt R e u y o r k, William Hodson, schähte vor dem SenatSausschuß d i e Zahl der Arbeitslosen in der Stadt Reuyork auf 800 00 0. Sr erklärte, daß Millionen, die bisher noch niemals arbeitslos ge- wesen seien, vom Hunger bedroht seien. Das freiwillige Hilfswerk sei erschöpft. Staats- bilfe sei dringend notwendig Der Direktor des jüdischen Hilfswerks m Hbikago, Samuel Goldsmith, schähte die Zahl derAr - beitslosen in Edikago im Oktober auf 62 4 000 oder 40 v. H. der arbeitenden Bevölkerung. Der Vertreter von Penn- Kommunistische Gireikvorbereiiungen im Huhrrevier. Essen. 29. Dej. (111.) Die „Rheinisch-Westfälische Zeitung" berichtet in ihrer Mittwochmorgenauvgabe in großer Aufmachung, daß sich im Ruhrgebiet e i n kommunistischer „Zentraler Kamps- ausschuß der Ruhrarbeiter- gebildet habe, der sich in einem Aufruf an die gesamte Rnhr- arbeiterschaft wende, um einen umfassenden Ist a f- senstreik der Beiriebe mit llnterstüßung der Er- werbslosen und aller Wohlfahrts-, Rotstand»- oder Pflichtarbeiter aus breitester Basis norjubereilen. Die „RWZ.- bemerkt hierzu u. a..- Diesem Aufruf ist sehr ernste Bedeutung beizulegen. Lr läßt erkennen, daß die RGO. (Revolutionäre Gewerkschastr- cppofltion) s i ch aus die Illegalität umzu- stellen begonnen hat. Zur Vorbereitung de» Streik» sind alle kommunistischen Organ i- sationen alarmiert worden, d.h. ein Kurierdienst ist eingerichtet worden, die Kompsausschuß- mitglieder sind in Funktion. Illegale Quartiere und Deckadressen sind vorbereitet. Auf vielen Werksanlagen haben in der letzten Zeit Milgllederversamm- lungen der Revolutionären Organisationen getagt, um die vorbereitungsmaßnahmen zu treffen. Am Abend des 1. Januar soll noch eine Alarm- sihung aller revolutionären Organisationen zum Zwecke der Ueberbringung der letzten Anweisungen abgehalten werden. Der eigentliche Streik soll wahrscheinlich am 2. Danuar be- I ginnen. Besondere Aufmerksamkeit soll der Arbeit innerhalb der freien und der christlichen Gewerkschaften gewidmet werden, die man für den Streik gewinnen will. Vie Strelfoorbereitungen sollen sich auch auf die Kreise außerhalb der eigentliche» Arbeiterschaft erstrecken. So soll z. B. sür de» 1. Iauuar ein wieterfireik proklamiert werden. Vor allem aber denkt man an die Mobilisierung der Erwerbslosen. Von besonderer Wichtigkeit ist der plan, am 2. Januar einen Besuch aller wohlsahrtsämter und Rathäuser und eine Unterstützung de» Streikkampfes der Betriebsarbeiter durch die Erwerbslosen vorzu- nchrnen, wie es da» Ruhrgebiet bi» jetzt noch nicht erlebte. Kommunistische Zlugblattvefieiler sestgenommen. Dortmund, 29 Dez. (TU.) Wie der Polizeibericht berichtet, verteilten in der Nacht zum Dienstag mehrere Kommunisten an üer Zeche „Westhausen- Flugblätter, in denen zum allgemeinen Streik vom 2. Januar ab aufgefordert wird. Bei der Flugblattverteilung kam es in der Nähe des Zechen- eingangs zu einer erheblichen Ansammlung, die das Herbeirufen des Uederfallkom- man dos notwendig machte. Den Beamten gelang es, die Verteiler der Flugblätter fe st zunehmen. Aus der Menge heraus versuchten Kommunisten, die Festgenommenen zu befreien. Dabei wurden die Beamten ernstlich bedroht, so daß sie von der Schußwaffe Gebrauch machen mußten, um die Menge zurückzuhalten. Verletzte sind hierbei nicht zu beklagen. Bei den Festgenommenen oorgenommene Haussuchungen förderten zahlreiche Flugblätter und illegale Druckschriften zutage, die beschlagnahmt wurden. Die Festgenom- menen wurden der politischen Polizei in Dortmund zugeführt. Frankreich versucht Deutschlands Einkreisung im Südosten. Oie Kleine Entente wird mobilgemacht. - Wirtschaftshilfe für Oesterreich und Llngarn gegen politische „Neutralisierung^. London, 29. Dez. (TU.) lieber die französischen Bemühungen, die Spitze der kleinen Entente, die ursprünglich gegen Ungarn gerichtet war, nunmehr gegen Deutschland zu wenden, meldet der „Daily Telegraph-, daß Paris nicht nur die Annäherung Polens an die kleine Entente, sondern auch die politische Jleutra- l i f i c r u n g Oesterreichs und Ungarns anstrebe. Beide sollten durch wirtschaftliche Abkommen an die Kleine Entente gebunden werden, um so den großen Block von 85 Millionen Menschen gegen Deutschland zu vervollständigen. Deshalb bemühe sich Paris, die bisherigen Gegensätze zwischen der Tschechoslowakei und Ungarn sortzuräumen. Ungarn und Oesterreich sollten durch Anleihen und Kredite von Frankreich abhängig gemacht werden, so daß sie sich dem sranzösischen Wunsche fügten. Das Blatt meint, daß die Tschechoslowakei, die ein verbündeter Frankreichs sei, sich nicht allzu bereitwillig mit dieser Politik abfinden werde, die ihre guten Geschästsbeziehungen zu Deutschland erheblich stören könne. Wiener Echo. Ter politische Pferdefuß des wirtschaftlichen Donau-Projektes. Wien, 29. Dez. (WTB.) Zu der in letzter Zeit wieder besonders lebhaft erörterten Frage eines wirtschaftlichen Zusammenschlusses derDonaustaaten schreibt die „N e u e Freie Presse-: Einer der größten Fehler besonders der französischen Politik war es, daß die natürliche Ten- denz der wirtschaftlichen Annäherung in Europa politif iert worden ist. Durch das Schlagwort s y l v a n i a sagte aus, daß in dem von ihm vertretenen Bundesstaat 1,5 Millionen Kinder von der öffentlichen Wohlfahrt abhängig feien. Die Zahl der Unterernährten gehe in die Hunderttausende. Aus aller Well. Lin aller Südwestafrikaner gestorben. Der frühere Landeshauptmann von Deutsch- Südwestafrika, Major a.D.KurtvonFran- C o t 6 , ist in Königswufterhausen im Alter von 79 Jahren gestorben. Francois war einet der hervorragendsten deutschen Kolonialpioniere. Er war der zweite Sohn des 1870 beim Sturm auf die Spicherer Höhen gefallenen Generals von Francois und ein Bruder des bekannten deutschen Heerführers im Weltkriege, General der Infanterie Hermann von Francois. Aus dem Schlachtfeld von Spichem trat er als Fahnenjunker in die Armee ein und erwarb sich als Gefreiter da- Eiserne Kreuz. Bon 1882 bis 1885 nahm er als Geograph an der )ur Erforschung des Kongobeckens entlaubten Wißmann-Erpedi- tion teil. 3n der Heimat war er alsdann im Großen Generalstab und im Auswärtigen Amt tätig. 1888 hat er im Hinterlande von Togo in allen größeren Regersiedlungen die deutsche Flagge gehißt. 3m folgenden 3ahr wurde er der erste Kommandeur der neugebildeten Schuhtruppe in Deutsch- Südwestafrika und im Jahre 1891 Landeshauptmann dortselbst, wo er die langwierigen Kriege gegen den Hottentottenhäuptling Hendrick Witboi führte. 1895 nahm er feinen Abschied und lebte seitdem auf dem Gute Zernsdorf bei Königswufterhausen. Gr hat sich einen Rainen auch in der Kolonialliteratur gemacht und Hervorragendes in der Kartographie Togos und Deutsch-SudwestafrikaS geleistet. Die gefährdete vatikanblbllothek. Seit Samstag wird an der Gin ft urteile des siNinischen Flügels der Datikanbibliotpek an der Errichtung eines schweren Hvlzge- r ü st e » gearbeitet, das zum Abstühen der ge» fäbrdeteu Mauern dienen foll. Außerdem wird mit Hilfe dreies Gerüstes cm Rotdach errichtet Werden, das die stehengebliebcnen Wandsresken, von der Donauföderation hat man beinahe ebensoviel wirtschaftliches Unglück angeridjtet, wie durch die Zerschlagung der alten Monarchie. Dadurch, daß man eine Etikette anheftete welche allen Anschluß- freunden verhaßt sein mußte, war es undenkbar, auch nur die selbstverständlichsten und rein ökonomi. schen Belange in die Wege zu leiten Dr. Benesch mochte jetzt unbedingt zu einer Planwirtschast im Donaubecken gelangen. Wir glauben, daß die Ansichten heute noch viel zu ungeklärt sind und daß die Politik eine viel zu gewichtige Sprache spricht. Der wirtschaftliche Lebenswille muß sich durchringen, aber ohne daß „Systeme- auf- gestellt werden müßten. Diese Systeme haben immer geschadet und besonders in Oesterreich wird niemand sich bereitfinden, irgendeinem System beizutreten, welches w e i t e r g e h t, als es die wirt- schaftlichc Notwendigkeit mit sich bringt und das mit den politischen Bedingungen unvereinbar märe. Das »Reue Wiener Abendblatt" sagt: Die Liebe zum wirtschaftlichen Donaublock lebt aussallenderweise immer bann, auf, wenn bic Geschäfte in jenen Staaten schlecht gehen, die nach dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie mit Windeseile sich auf die sogenannte Autarkie, praktisch auf ein allen vernünftigen Handelsverkehr unterbindendes Hochschuhzollsystem, eingerichtet haben. Der Sekundant dieser Sehnsucht nach Wiederkehr wirtschaftspolitischen Verstandes im Donaubecken ist jeweils stets die französische Diplomatie, die 1918 und 1919 nichts dringenderes zu tun hatte, als die österreichisch- ungarische Monarchie zu zerschlagen. Ob diese Ideen diesmal der Verwirklichung nähergebracht werden, muß man abwarten. Die Leichensteine, welche seit 1918 allen ähnlichen Plänen gesetzt werden mußten, warnen eindringlich Bücherschränke und auch die noch unter den Trümmern liegenden Bestände vor den ilnbilben ber Witterung schützen foll. Das Dach muß etwa 700 Quadratmeter bedecken. 3n einer Woche foll diese Arbeit vollendet sein. Leider hat aber schon am Sonntag ein heftigerRegen eingesetzt. Die Visse in den noch stehenden Mauern sind mit Pa- bierftreifen überklebt worden, die stündlich geprüft werden, um fcftjuftcllcn, ob die Risse sich veränderet. Die Sprengung der Moskauer Erlöserkirche. Die letzten Sprengungen der Erlöserkirche in Moskau sind beendet. Die Baumaterialien und Ziegel von 150 030 Tonnen Gewicht sollen zum Bau von kommunistischen Klubs verwendet werden. Rach 'Beendigung der Räu- mungSarbeiten sollen die Auslchachtungsarbeiten für Den Lowjetpalaft mit etwa zwölf oder vierzehn Stockwerken begonnen werden. Eine oierföpflge Familie verbrannt. 3n Tilburg (Holland) ist in der verflossenen Nacht das Cafs Roelen durch einen Brand größtenteils zerstört worden. Der Eigentümer Roelen sowie seine Frau und die beiden Kinder kamen in den Flammen um. Ein Dienst- Mädchen wurde mit schweren Brandwunden in hoff- nungslosem Zustand tin Krankenhaus ausgenommen. Die Flammen hatten so schnell um sich gegriffen, daß ^s der Feuerwehr unmöglich gcweicn war, den im Schlafe von dem Brande überraschten Einwohnern von außen her Hilfe zu bringen. Reichsbonddank AG. der höheren Beamten, Berlin. Der (Stäub igerschutzverband der Reichs- bundbank AG. der höheren Beamten, Berlin, die im 'November 1929 ihre Zahlungen einstellen mußte, hat gegen d«e ehemaligen leitenden Persönlichkeiten von Aufsichtsrat und Vorstand, nämlich den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Dr Scholz, den früheren öauptgefchaftsführer Senatspräsident a. D. Spiegelthal, den Stadtsyndlkus a. D M ün- kel, den Regierungspräsidenten Pauli und den Bonkvorfteher Haase -Mühlner, bei der Staatsanwaltschaft I Moabit Strafanzeige erstattet. Die Anzeige macht den Betrestenden vor allem den Vorwurf, daß sic angeblich die Bank, obwohl namhafte Sachverständigengutachten über ihre aurs ichtslofe Lage vorhanden waren. Dr. Arthur von Gwinner, eine der markantesten Persönlichkeiten der internationalen Finanzwelt, ist in Berlin im Alter von 75 Jahren gestorben (Brom- ner übte bi» zu seinem Tode da» Amt des stellvertretenden Aufsichtsratsoorsitzenden der DD Banken aus, nachdem er 25 Jahre lang dem Vorstand der Deutschen Bank angeyörl hatte. bis zuletzt al» sicherste Kapitalanlage- stelle angepriesen haben: ferner wird ihnen oorgeworsen, die Gelder der Einleger angeblich in weitem Maße zu fatzungvwidrigen Ge- schäften verwandt, sowie die Verhöltnisie der Bank in ihren Bilanzen unrichtig angegeben zu haben. Jür 40 000 Mark Gold und Juwelen bei einem Einbruch erbeutet. Das Harburger Juwelier- und Uhrengeschäft von Helmut Balhorn wurde von Einbrechern heimgesucht, die aus den Gold- und Juwelenbeständen Werte in Höhe von 40 000 Mk. aussuchten und mit der Beute verschwanden, ohne Spuren zurückzulassen. Der Diebstahl wurde am Morgen entdeckt, als Helmut Balhorn junior kurz vor 8 ll&r das Geschäft offnen wollte. Gestohlen wurden 680 goldene Ringe, ferner etwa 75 wertvolle Brillantkolliers, sowie eine große Anzahl goldener Ringe mit kleinen Brillanten und vieles andere mehr. Es handelt sich bei den Dieben zweifellos um „ Fachleute". Die Polizei hat bis jetzt von den Xätem noch keine Spur. Schwere» Verkehrsunglück bei der Regensburger Feuerwehr. Bei Regensburg ereignete sich ein schweres Automobilunglück, das z in c i lote und c i n . n Schwerverletzten forderte. Das Automobil- löschgerät der Regensburger Berufsfeuerwehr unternahm gegen 15.30 Uhr mit drei Mann Besatzv' g eine Probefahrt, da sich bei einem L^ch- unternelpnen technische Mangel gezeigt hatten. '1 uf der Rückfahrt fuhr das Fahrzeug bei der Ortsch ft Graßlfing, nachdem es 6 bis 8 Randsteine umgc- stoßen hatte, b i e 8 b i 9 lOMeterhoheStia. ßenboschung hinab, überfchlag sich dabei u d kam wieder auf die Räder -u stehen. Der Feuer- mann Lachs wurde dabei fo unglücklich an ein n Randstein geschleudert und gequetscht, daß cr alsbald starb. Brandmeister Pschorr erlitt schwere Verletzungen und starb auf dem Wege in» Krankenhaus, während der Chauffeur Winter schwer verletzt geborgen wurde. Die Wetterlage. L -----\--» •' t 2 C - ! '.V & O*ofte*ex aui» • wo*»»« • • $<»■<« aViiHin e "tn OrU . <-unnaitu< «»auecfcMtt» l ELcttervoraussagc. Da» nordöstliche Störungssystem flacht sich weiter ab und nimmt seinen Weg nach Rußland hin Die Rückseite niacht sich bei uns weiterhin durch den Zustrom der Kaltluft bemerkbar^ durch deren Einwirkung das Barometer über Deutschland ansteigt und sich allmählich hoher Druck aufbaut. Dabei nimmt der Frost noch zu, auch tagsüber bleiben die Temperaturen unter Rull. Ausfichten für Donnerstag: Derfchär- fung de» Frostes, bewölkt und auf klarend, vereinzelt leichte Schneefälle. Ausflchten für Freitag: Fortdauer des Froftweucrs. Lufttemperaturen. Am 29. Dezember mittags 2.7 Grad Celsius, abends 0.3 Grad Am 30. Dezember mrrgens minus 2.1 Grad. Marimum 3,0 Grad. Minimum minus 2,8 Grab. Sonnen« scheindauer 4 Stunden. Erdtemperaturen in lOZent ime ter Tief e. Am 29. De^mber abends minus 0.2 Grad. Am 30. Dezember morgens minus 0,2 Grad^ Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 30. Dezember 1931. Silvester-Aberglauben. Die Menschenkinder, die neugierig vor dem dunklen Vorhang der Zukunft stehen, versuchen immer dann ein Zipfelchen des Vorhangs zu lüften, wenn In der willkürlich vor ihnen aufgestellten Zeitenuhr ein neuer Abschnitt sich ankündigt. Ganz konsequent gilt die Silvesternacht als eine Zeitspanne, in der eine Frage an das Schicksal frei ist. Ein bißchen Aberglaube ist fast mit allem verbunden, was mit der Silvesternacht zusammenhängt. Die Hausfrau wird beim Karpfenkauf einen rogenen verlangen, denn je mehr Rogenkorner der Silvesterkarpfen hat, um so mehr Geld gibt es im nächsten Jahr. Eine Schuppe des Silvesterkarpfens in den Geldbeutel getan, soll ebenfalls Wunder wirken, vorausgesetzt, daß man sie das ganze neue Jahr aufve- wahrt. Die große Schicksalsfrage nach dem ersehnten Mann beantwortet ein einsaches Orakel. Die sorgfältig geschälte und zusammenhängende Schale eines Apfels wird über den Kopf nach hinten geworfen. Die Form der auf dem Voden liegenden Schale zeigt den Buchstaben des Erwählten an. Allerdings ist sestgestellt worden, daß die Apfelschale sich lieber zu C, G, O oder S formt, als zu T, F oder K. Das sicherste Orakel ist aber immer noch das Bleigießen um die Mitternachtsstunde. Die beim Bleio eßen gewonnenen Figuren zeigen das Schic, sal des Gießers im neuen Jahre an. Wie die Augu.en aus den Gedärmen der Schlachttiere das Schicksal weissagten, so muß jetzt der Vleigießer aus den ähnlich bizarren Formen der Vleiklum- pen sein Schicksal für das kommende Jahr enträtseln. Ein Kniff sei zum Schluß verraten, wie man das Blei orakel wunschgemäß beeinflussen kann. Wenn man viel Geld fürs neue Jahr ersehnt, also viel „Moos" haben möchte, so muh man den Vleigiehlöffel recht nahe über das Wasser halten, dann zerspritzt das Blei in eine breite Masse. Vorausgesetzt, daß man die nötige Anzahl Gläser Punsch intus hat, wird es einem nicht schwerfallen, zu glauben, daß trotz Rotver- vrdnung der Zaster im Jahre 1932 wachsen, blühen und gedeihen wird. '^vrilvuzen. -- Tageskalender f ü r Mittwoch: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Königin Luise". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute bleibt das Theater geschloffen. Die 12. Abonnementsoorstellung für die Mittwoch- Abonnenten findet morgen Donnerstag. 19.30 Uhr, statt. Wer das alte Jahr stimmungsvoll verabschieden und für die letzten Jahresstunden aufs angenehmste unterhalten sein will, dessen Augenmerk richte sich auf die Erstaufführung der Zauberposse: „Lumpaci vagabundus“ von Nestroy. Auch in diesem Jahre wird die Spielleitung (Karl Heyser, Fritz Cuj6. Ewald Bäulke) für eine geschmackvolle Ausgestaltung dieses Werkes sorgen. Eine ganze Reihe bunter und gefälliger Programmdarbietungen eigner Art ist organisch in die Handlung eingesetzt worden. Es dürfte kein schlechter Rat stin, den Silvesterabend im Theater zu beginnen. Erstausführung zu gewöhnlichen Preisen. Ende der Silvesteraufführung 22 Uhr. Für Freitag, 1. Januar, hat die Intendanz infolge der regen Nachfrage eine nochmalige Werbeveranstaltung zu kleinen Preisen angesetzt. Zur Aufführung gelangt 19.30 Uhr das Lustspiel „Marguerite : 3" von Fritz Schwiefert. ** Fahrplan Linderungen auf der Kraftpoftlinie Gießen — W i e s e ck — A l - t e n ° B u s e ck. Vom Postamt wird uns mitgeteilt: Ab 1. Januar 1932 treten auf der Kraftpostlinie Gießen—Wieseck—Alten-Buseck folgende Aenderun- gen ein: Die werktäglichen Fahrten ab Gießen Bhf. 6.50 Uhr, ab Gießen Walltor 9.48, ab Wieseck 6.25 und 10.00 Uhr, sowie die sonntäglichen Fahrten ab Gießen Walltor 16.45, 20.15, 21.20, ab Wieseck 17.01, 21.32, ab Alten-Buseck 16.12 und 20.38 Uhr fallen aus. Die bisher nur werktäglich verkehrenden Fahrten ab Gießen Walltor 20.20, ab Wieseck 16.40, 21.25 und ab Alten-Buseck 20.42 Uhr verkehren für die Folge täglich. Die werktägliche Fahrt ab Wieseck 7.00 Uhr wird nur noch bis zum Walltor, diejenige ab Gießen Bhf. 17.05 Uhr nur noch bis Wieseck durchgeführt. Die werktäglichen ab Wieseck 17.44 und ab Gießen Bhf. 18.45 Uhr fallen Sonntags aus. Für die wegfallende sonntägliche Fahrt ab Alten- Buseck 16.12 Uhr wird ein Wagen ab Alten-Buseck 16.30 Uhr an Sonntagen eingelegt, der bis zum Bahnhof Gießen durchläuft. •• Gute Sport Möglichkeiten im Vogelsberg. Die Schneeverhältnisse im Vogelsberg sind nach dem erneuten Schneefall in der Rächt zum Dienstag recht günstig. Es liegen 15—23 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, der gute Sportmöglichkeiten bietet. Die Temperatur lag heute morgen 7 Grad unter Rull. Das Wetter ist leicht dunstig. Der hohe Vogelsberg dürfte zum bevorstehenden Jahreswechsel wieder das Ziel vieler Skisportler sein. " Der Frühjahrsmarkt in Gießen findet in der Zeit vom 3. bis 10. April statt. Die Plätze für Fahr- und Schaugeschäfte, sowie für Schieß- und Verkaufsbuden find zu vermieten. Räheres ist aus der heutigen Bekanntmachung ersichtlich. ** Reuse st sehung des Ortslohnes. In einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil wird der vom Oberversicherungsamt neu festgesetzte Ortslohn für den Stadtbezirk Gießen zur Kenntnis gegeben. Interessenten seien besonders darauf aufmerksam gemacht. ** Einsendung der Lohnsteuerbe- l e g e. In einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil wird daraus aufmerksam gemacht, daß die Lohnsteuerbelege ,ür das Kalenderjahr 1931 an die Finanzämter einzusenden sind. Interessenten seien besonders darauf hingewiesen. ** Der Kurzschriftverein von 1861, der am 13. August auf ein siebzigjähriges Bestehen zurückblicken konnte, eröffnet am Donnerstag, 7. Januar, in der Goetheschule (Westanlage) wieder einen Anfängerlehrgang in der deutschen Einheitskurzschrift. Am gleichen und am nächsten Tage beginnen weitere Ausbildungskurse zur Erreichung höchster Geschwindigkeiten. Das Unter- richtsgeld ist, wie man uns mitteilt, wesentlich herabgesetzt, außerdem erhalten Erwerbslose eine weitere Ermäßigung. — Man beachte die heutige Anzeige. ” Der Verein ehemaliger 116er beging auch in diesem Jahre wieder am zweiten Weihnachtsfeiertag sein traditionelles Weihnachtsfest. In Anbetracht der schwierigen wirt- fchaftlichen Verhältnisse wurde in diesem Jahre von einer Feier in der üblichen.Form abgesehen. DerJagdschuh in Preußen. Wichtige Ergänzungen zur preußischen Tier- und Pflanzenschuhverordnung. Die preußischen Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, sowie für Landwirtschaft, Domänen und Forsten haben am 8. Dezember eine Ergänzungsverordnung zur Tier- und Pflanzenschuhverordnung vom 16. Dezember 1929 erlassen, die für das ganze preußische Staatsgebiet gilt und am 1. Januar 1932 in Kraft tritt. Ihre wichtigsten Bestimmungen sind für die Pächter preußischer Jagden von größter Bedeutung. Zum .Schuh. gegen Wilddiebstähle und gewerbsmäßiges Wildern wird angeordnet, daß jedes Stück Elch-, Rot-, Dam-, Reh- oder Schwarzwild, das unzerlegt feilgeboten wird, mit einem Ursprungsschein versehen fein muh (Ausnahme Wiederverkauf durch berufsmäßigen Wild- Hände:). Ferner mü.fen alle Cewerbetre.benden, die Wild verarbeiten, ein Wildhandelsbuch führen, aus dem sich ersehen läßt, vom wem das verwertete Wild bezogen wurde (Ausnahme beim Bezug vom Händler). Cs wird ferner verordnet, daß jedes Stück Wild oder jedes Tier, das entgegen den Bestimmungen der Tier- und Pflanzenschuhverordnung oder des Jagdgesetzes erbeutet worden ist, beschlagnahmt werden muh (nicht mehr „kann"). Es ist zur Verwertung je nach Art entweder einer wissenschaftlichen Sammlung oder bei genießbarem Wild einem Krankenhaus, kurz einem gemeinnützigen Zwecke, zu überweisen. Dies trifft auch zu für alles Schalenwild, das mit Schrot- oder Posten- schuß beim Erleger, Jagdpächter oder Wildhänd- ler fest gestellt wird. Schließlich wird erfreulicherweise die Schonzeit für männliches Rot- und Damwild geändert, und zwar wie folgt: Damwild: männliches, Schußzeit 16. August bis 31. Dezember: weibliches und Kälber, Schuhzeit 16. Oktober bis 31. Januar. Rotwild: wie oben. Es endigt also bereits in diesem Jahr die Schußzeit für Hirsche am 31. Dezember, und zwar im ganzen preußischen Staatsgebiet, d. h. die in den früheren kurhessischen Gebieten geltenden Sonderbestimmungen, gegen die eine weidgerechte Jägerei schon lange Sturm lief, haben aufgehört. Da ein Teil der Rotwildreviere unseres engeren Gebietes zum Bezirk Kassel gehört, seien ihre Inhaber auf den Inhalt der Verordnung besonders aufmerksam gemacht. Es sei auch darauf hingewiesen, daß am 15. Dezember eine Polizeiverordnung betreffend Sonn« tagdjagden in Preußen in Kraft getreten ist. Danach sind während des ganzen Tages Treibjagden verboten, bei denen mehr als vier Schuhen oder sechs Treiber beteiligt sind, oder bei denen Getreideselder abgeklingelt werden. Die damit erlaubten Treibjagden sind aber während der Hauptzeit des Gottesdienstes auch verboten. Darunter ist zu verstehen: von 9 bis 11.30 Uhr. H. Die Leitung des Vereins bot dagegen den Mitgliedern zum ersten Male ein Militärkonzert. Die Kapelle des 1. Bataillons RJR. 15 konzertierte unter der Leitung von Obermusikmeister Stauf« in der bekannten vorzüglichen Weise. Alle Darbietungen wurven von dem vollbesetzten Hause dankbar und beifällig auf genommen; besonders gefiel ein meisterhaft zu Gehör gebrachtes Weihnachtstongemälde. Die Kapelle mußte sich zu mehrfachen Zugaben entschließen. Der an- schließende Tanz hielt die Teilnehmer noch lange beisammen. ** Der Gesangverein „Concordia" feierte — wie man uns berichtet — am zweiten Weihnachtsfeiertag in den Räumen des „Frankfurter Hofes" sein Weihnachtsfest. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Nach einigen einleitenden Musikstücken begrüßte der 1. Vorsitzende Frick die Teilnehmer. Er gab in seiner Ansprache gleichzeitig einen Ueberblid über das Jahr 1931, in dessen Verlauf der Verein wiederum bewies, daß er trotz der schweren Zeit bestrebt ist, den Gesang zu pflegen und auf der heutigen Höhe zu halten. Die zum Vortrag gebrachten Gesangschöre legten von einer vortrefflichen Schulung Zeugnis ab. Der Chor steht unter der Leitung des bewährten Dirigenten Philipp Groß (Wieseck), dem in anbetracht seiner Verdienste um den Verein durch den Vorsitzenden ein Geschenk überreicht wurde. Neben theatralischen Aufführungen füllten musikalische Darbietungen die restlichen Stun- den der Veranstaltung. Einigen Sängern wurde für fleißigen Besuch der Gesangsstunden eine Anerkennung in Form der Sängernadel zuteil. Verlosung und Tanz beschlossen den Abend. ** Diebstähle. Der Polizeibericht meldet: In der Nacht zum 23. d. M. wurden aus einem Garten im Schiffenberger Weg drei silbergraue Stallhasen und in der Nacht zum 24. d. M. aus einem Hühnerpferch im Wiesecker Weg drei Hühner gestohlen. Sachoienliche Angaben zur Täterermittlung erbittet die Kriminalpolizei. Oberbeffen. Stadtrats-Sihung in Buhbach. pb. Butzbach, 28. Dez. Wie der Stadt- r a t in feiner jüngsten Sitzung beschloß, soll der Gemeinnützige Bauverein bei Beschaffung der erforderlichen Gelder insofern unterstützt werden, als die Stadt gegen erststellige Sicherheit die Bürgschaft für weitere 20 000 Mk. übernimmt. Der Stadtrat nahm Kenntnis von der neuen Marktordnung für die Schweine- Märkte in Butzbach. Gleichzeitig wurde beschlossen, das Standgeld für Ferkel bei den Dchweinemärkten von 20 auf 10 Pf. zu ermäßigen. Sodann nahm der Stadtrat die Wahl des Bürgermeisters Dr. Jansen zum ersten Bürgermeister der Stadt Gronau i.W. zur Kenntnis und erklärte sich mit seinem Ausscheiden aus dem hiesigen Dienst einverstanden. Stadtratsmitglied I o u tz widmete dem am 15. Januar 1932 ausscheidenden Bürgermeister anerkennende Worte für seine Verwaltungstätigkeit. Ihm antwortete Bürgermeister Dr. Jansen, der betonte, daß ihm noch die Pflicht obliege, dem bisherigen Stadtrat sowohl als auch nachträglich den bereits ausgeschiedenen Beigeordneten P l o ch und Wittig den Dank der Stadt für ihre vier- bzw. sechsjährige Tätigkeit auszudrücken. Anschließend fand ein gemütliches Zusammensein im Gasthaus „Zur Eule" statt, wo dem scheidenden Bürgermeister ein Photographie-Album mit Ansichten der Stadt und einer von Fräulein Margret Kranz geschriebenen Widmung durch Stadtrat I o u h überreicht wurde. Landkreis Gießen. 8 Alten-Buseck, 29. Dez. Die Weihnachtsfeier des Gesangvereins „Germania" sand am zweiten Feiertage im Saale „Zur Waldlust" statt. Für die Aufführung einiger Theaterstücke hatten sich wieder mehrere Mitglieder des Vereins, sowie einige Jungfrauen des Ortes zur Verfügung gestellt. Die Aufführungen sanden starken Beifall. Gut zu Gehör gebrachte Musik- und Gesangsvorträge füllten die Pausen. y. Lollar, 29. Dez. Am Sonntag hielten die Siebziger des Kirchspiels Kirchberg bei ihrem Alterskameraden Konrad Moos, dahier, eine Zusammenkunft ab, zu der aus allen fünf Gemeinden, sowie auch von Alten-Buseck und Gießen Teilnehmer erschienen waren. Gute Bewirtung und Austausch von Kindheitserinnerungen hielt die Alterskameraden einige Stunden freundschaftlich beisammen. — Der Turn- und Gesangverein, dem ein stattlicher Frauenchor angegliedert ist, hielt in seinem Vereinslokal „Zum Schwanen" seine Weihnachtsfeier ab, die zahlreich besucht war und unter Leitung des Dirigenten, Lehrer Eberle, einen befriedigenden Verlauf nahm. Ein fünfstimmiger gemischter Chor aus dem 17. Jahrhundert und ein Frauenchor mit Violinbegleitung, die auch im Festgottesdienst zu Kirchberg gesungen worden waren, erfreuten die Familienangehörigen des Vereins. Ansprechende Theaterstücke und gemütliche Unterhaltung füllten die übrigen Abendstunden. * Lang-Gons, 29. Dez. Arn Sonntagabend veranstaltete die hiesige I u n g s ch a r eine Weihnachtsfeier, in deren Mittelpunkt ein Krippenspiel stand, das unter der Mitwirkung selbst der Kleinsten ansprechend und natürlich zur Aufführung gelangte. Die Aufführung fand verdienten lebhaften Beifall. Musikvorträge des neuen Orchesters der Jugendvereinigung und des Posaunenchores füllten den restlichen Abend. An dem Gelingen der Veranstaltung hat der Jugendführer Richard Doller ein wesentliches Verdienst. (pGrüningen,29. Dez. Der Turnverein „Gut Heil" veranstaltete am zweiten Feiertag einen gut besuchten Theaterabend. Einer Begrüßungsansprache des 1. Vorsitzenden folgten turnerische Vorführungen. Die gymnastischen Hebungen, die unter der Leitung von stud. phil. W. Fay standen, sanden besonders starken Anklang. Die anschließende Theatervorführung wurde mit Beifall ausgenommen. — Der Gesangverein „Eintracht" hatte ebenfalls zu einer Weihnachtsfeier eingeladen. Im Mittelpunkt des Abends standen drei Theaterstücke, die von dem Vorstandsmitglied Karl L e i d i ch eingeübt worden waren und verdientermaßen großen Beifall fanden. Die Aufführungen wurden umrahmt von musikalischen Darbietungen und einigen Chören des Gesangvereins. 0 Holzheim, 29. Dez. Am zweiten Feiertag hielt die Sonntagsschule im Vereins- Hause der Evangelischen Gemeinschaft ihre Weihnachtsfeier ab, bei der der gemischte Chor (Leitung W. Engel) mitwirkte. Ungefähr 200 Kinder wurden, nachdem sie einige Gedichte aufgesagt hatten, mit praktischen Geschenken bedacht. Ein Missionsfreund hielt eine Ansprache. D Lich, 28. Dez. Stadtbauingenieur Karl Zim - m e r zu Elbing, ein Sohn des Spenglermeisters und Ortserhebers i. R. Wilhelm Zimmer, dahier, wurde zum Stadtbaumei st er der Stadt E l - b i n g ernannt. > Muschenheim, 29. Dez. Unsere zweite S ch u l st e l l e, die durch Wegzug des Lehrers M a s s a r nach Okarben frei geworden war und seitdem von Frl. W. E i d e n m ü l l e r verwaltet wurde, ist dem Lehrer Karl Lehr, seither in Gammelsbach (Odenwald), übertragen worden, der mit Beginn des neuen Jahres den Dienst hier antreten wird. Es wird begrüßt, daß der neue Lehrer auch den Organistendienst mitversehen will. Frl. Eidenmüller wurde an die Volksschule zu Utphe versetzt. * Muschenheim, 29. Dez. Der Turnverein „Gut Heil" veranstaltete einen Theaterabend, der mit der Aufführung eines Volksstückes und eines Schwankes Mitglieder und Gäste sehr gut unterhielt. Die Stücke wurden unter der Lei tung des neuen Vorstandsmitgliedes, Lehrer L a u n, sehr ansprechend zur Darstellung gebracht und fanden verdienten Beifall. Kreis Büsingcn. + Hirzenhain, 29. Dez. Die Kleinkaliber- schühenabteilung des hiesigen Krieger- und Militärvereins veranstaltete am zweiten Weihnachtsfeiertag einen Theaterabend. Es gelangte u. a. ein Mehrakter ernsteren Inhalts zur Ausführung, der von den jugendlichen Darstellern mit viel Verständnis toiebergegeben wurde. Reicher Beifall belohnte die Spielschar. Kreis Schotten. ch Groß-Eichen, 28. Dez. Zimmermeister Hch. Peter II., dahier, feiert am 30. Dezember seinen 8 7. Geburtstag. Der Jubilar Ist körperlich noch sehr frisch und geistig noch sehr regsam. — Ihren 8 Ö. Geburtstag feiert am 31. Dezember ebenfalls in verhältnismäßig guter Rüstigkeit Frau Marie Wagner geb. Heßltzr. — Im Faustschen Saale veranstaltete der Turnverein eine sehr gut besuchte Weihnachtsfeier. Der Vorsitzende, Lehrer Bopf, hielt eine Ansprache. Weihnachtsspiele der Kinder, Gedichtvorträg»! und Aufführungen der Turner füllten sehr nett den Abend aus. — Der Män - nergefangoerein hatte zu einem Theaterabend in den Rahn scheu Saal eingeladen. Zwei Theaterstücke wurden flott gespielt und gefielen sehr gut. Die Pausen füllten Chöre des Vereins unter dem Dirigenten Lehrer Bell aus. Nach Schluß des offiziellen Teiles fand Ball statt. Eichelsdorf, 29. Dez. In unserer Gemeinde herrscht noch ein alter Weihnachtsbrauch, der unseres Wissens nirgends sonst üblich ist. Am Morgen des ersten Weihnachtstages zwischen 5 und 6 Uhr läuten vom Turme die Glocken. Anschließend brennen die Christbäume in den Häusern und die Bescherung erfolgt. Auf freiem Platze am Born sammeln sich inzwischen die Gemeindemitglieder und fingen an den verschiedensten Stellen des Dorfes je eines der alten Weihnachtslieder. Dabei erklingt auch der Weihnachtssang „Fröhlich soll mein Herze springen", aber in einer Melodie, die nur hier bekannt und geläufig ist und überaus gern gesungen wird. — Man darf wohl in diesem Weihnachtsbrauch einen An- und Nachklang an die Christmette aus der früher katholischen Zeit sehen. Sie blieb in veränderter Form in der Gemeinde lebendig, und das alte Herkommen überdauerte vier Jahrhunderte. Merkwürdig bleibt es, daß der Weihnachtsbrauch in keinem anderen Dorf des Vogelsbergs zu finden ist. Q Rudingshain, 29. Dez. Am Weihnachtsfeste fand hier eine Feier derSonntags- schule statt. Rach einigen Gedichtvorträgen, Zwiegesprächen und Liedern, die von den Kindern aller Altersstufen vorgetragen wurden, hielt Lehrer Bachmann (Marburg) die W:i,)nachtsan- sprache. Eine Bescherung bildete den Abschluß der Feier. — Am ersten Feiertag fand ein Elternabend der Volksschule statt. Rach einem gemeinsamen Liede begrüßte Lehrer Schwarz die Gäste. Alle Spiele, die von den Schülern beider Klassen aufgeführt wurden, stammten von bedeutenden Dichtern der Gegenwart. Kreis Alsfeld. * Alsfeld 29. Dez. In dem Rachbardorse Oberbreidenbach stürzte der 61 Jahre alte Maurermeister Christian Volz, als er in der Scheune mit dem Herabwerfen von Stroh vom Gerüst beschäftigt war, infolge eines Fehltritts vom Scheunenboden in die Tenne herab und zog sich dabei einen schweren Schädelbruch und innereVerletzungen zu. Einige Stunden später erlag der bedauernswerte Mann seinen schweren Verletzungen. Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf. *1* Ruppertenrod, 29. Dez. In Rächt des zweiten Feiertages wurde bei einem hiesigen Einwohner eingebrochen. Die Diebe sind anscheinend durch ein Fenster des oberen Stockwerkes, das der Straße abgewandt ist, in das Haus eingedrungen. Die Bewohner wurden des Einbruches erst gewahr, als sie am folgenden Morgen die Schränke offen standen. Es wurden acht Hemden, , Bettbezüge und Lebensrnittel entwendet. Ein Frauenkleid und ein Einmachglas mit Kirschen wurden im Garten gefunden. Es ist wahrscheinlich, daß die Diebe bereits am Abend, als alle Familienangehörigen außerhalb des Hauses warerr, den Einbruch verübt hoben. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) 3. in Gr.-B. Ein Berufsmetzger kann nach dem Reichsfleischbeschaugesetz eine „Hausschlachtung" in seinem Anwesen und in seinem Schlachtraum nicht vornehmen, für die die Untersuchung des betr. Tieres vor oder nach der Schlachtung unterbleiben kann. Der § 2 Abf. 3 des Gesetzes schließt den Haushalt der Schlächter, Fleischhändler, Gast-, Schank, und Speisewirte, Kasernen usw. ausdrücklich von der Befreiung aus. Um so mehr gilt das von einem Schwein, das in dem Schlachthaus eines Berufs- metzgers geschlachtet wird. f). S. B. Die Schlitzer Sfadtkirche, an der nachher Jahrhunderte hindurch in allen möglichen Stilen gearbeitet wurde, ist urkundlich am 20. September 812 durch den Bischof Richolsus von Mainz feierlich geweiht worden. Erbaut wurde sie von dem bau- luftigen Abt Ratparius von Fulda. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung ) An die Intendanz des Gießener EtadttheaterS. Die Fremdenvorstellung des Gießener Stadttheaters am 26. Dezember sollte 15.45 Uhr beginnen. Tatsächlich begann die Vorstellung aber erst um 16.00 Uhr. Das Ende der Vorstellung verzögerte sich denn auch um eine Viertelstunde. Solche Verzögerungen wirken sich für die auswärtigen Besucher, die mit der Bahn wieder zurückfahren wollen, recht unliebsam aus. Man muß vorzeitig das Theater verlassen und an die Bahn Hetzen. So wird aber den auswärtigen Besuchern die Freude am Besuch des Gießener Theaters genommen, und man bleibt eben weg, wenn man sich nicht auf pünktlichsten Beginn, zumal bei Fremdenvorstellungen, verlassen kann. Wenn die Theaterverwaltung auf auswärtigen Besuch rechnet, muß sie schon diese Rücksicht auf die mit der Bahn kommenden Besucher nehmen und pünktlichen Beginn garantieren. St. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Donnerstag, den 31. Dezember. Silvesterabend. Stadtkirche. 20 Uhr: Pfarrer Mahr. — Johannes- kirche. 20: Pfarrer Bechtolsheimer. — Kapelle des Alten Friedhofs. 18: Pfarrer Lenz; Beichte und heiliges Abendmahl für die Luthergemeinde. — Llifabeih-Kleinkinderfchule. 20 Pfarrer Lic. Waas. — Alten-Buseck. 18: Gottesdienst. — Hausen-Gar- benteich. Jahresschlußgottesdienst. 17.30: Garbenteich; 18.45: Hausen. — Klein-Linden. 20: Silvestergottesdienst. — Lollar. 20 Uhr. — Lich. 20: Stifts- Pfarrer Draudt; Beichte, heiliges Abendmahl. — Watzenborn-Steinberg. 20: Silvestergottesdienst. — Grüningen. 18.15: Silvestergottesdienst. — Wieseck. 18.30: Liturgische Jahresschlußfeier. Katholische Gemeinden. Donnerstag, den 31. Dezember. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte; 17.30: Pre- digt und Andacht. — Laubach. 4.30: Predigt und Andacht. — Hungen. 6.30: Predigt und Andacht. — Lich. 8.15: Predigt und Andacht. — Ridda. 6: Pre. Dieses Jahr kein Katarrh oiauMd Denken Sie an Stoffe/ denken Sie an L Bernard Geschwister Nather Gießen, den 29. Dezember 1931. Gienen (Wilheimstrabe 10), den 30. Dezember 1931. 9081 4668 V Lang-Göns, den 29. Dezember 1931. bcr«a| v. Münchow, Bleichstr. 22 II. 07614 ein. en iJtWf u Wilhelm Weigel IV., Kletn-I,Inden. Frankfurter Str. 141. 2 möblierte o.«m Zimmer ehta. oder zus. mit Zentrach. ,u öenn. 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Gemäß § 160 Abs. 2 der Reichsoersicherungsordnung und des § 1 des Angcstell- tcnoersichcrungsgesetzes wird mit Zustim- mung des Hessischen Oberversicherungsamts der Wert der Sachbezüge, die der Ver sicherte, wenn auch nur gewohnheitsmäßig, statt des Lohnes oder Gehalts oder neben ihm vom Arbeitgeber oder einem Dritten erhält, mit Wirkung vom 1. Januar 1932 auf täglich 1,50 RM. Radio 4 • Röhr- Empfang, mit Lautforecder t. den biUm. Preis o. 40 Mk. zu oert. «>-«, Äriebenäftr. 3 I r. Eichen- Schlafzimmer, hefte Ausf., unter Preis zu verkaufen. __stiordanlage 3. | Kaufgesuche Gute, junge, frischmelkende ckruh sofort tu kauf. gef. Schrifti.Angeh.unt. 90210 a b Gß. Anz. Selles Sflroeln 250-300 -yfb.fdiiDer, tu kauf. flef. 2d'r. Ang in PreiSana.u. 071.30 a.b.Eiß. Anz. Aattaeiett- tücibthcn 4-MDO M. von einer fdjulben- freien Gemeinde zu leihen gesucht. SchrisN.Anaeb.unt. Beamter in guter Stellung sucht 500 Mark (bobe Zinsen). Schr. Angebote u. 07613 an den Gieß. Anz. 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Beitiaritloi Die Beerdißunß findet Donnerstag, den 3L Dezember. 11% Uhr vormittags statt — Von BeUeldsbesuchen bittet man absehen zu wollen. rür die Beweise herzlicher Teilnahme unseren herz ichen Dank. Dienstag früh 1 Uhr verschied nach kurzer Krankheit unsere Innißstßellebte, treusorßende Mutter, Schwiegermutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau David Stamm\X/we Dir ndmaumahmefl Ilmtape M our J7.— ru im 82. Lebensjahr. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Albert Stamm Heinrich Stamm Anni Stamm Eberstadt, Garbenteich. Reiskirchen, den 28. Dezember 1931. "088 0 Die Beerdigung findet Donnerstag, den 31. Dezember, nachmittags V/z Uhr. in Eberstadt statt Nach Gottes unerforschlichem Ratschlufi entschlief heute abend sanft nach kurzem Krankenlager unser lieber Vater, Schwiegervater, Grobvater. Urgroßvater, Pate und Onkel Herr Johannes Weil Kriegs Veteran 1870/71 im 85. Lebensjahr. Die trauernden Hinterbliebenen. Nr. 504 Zweites Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 50. Dezember (95J Das Recht im täglichen Leben. Mord, Totschlag oder Körperverletzung? Von Lan dgerichtsrat Or. Bergmann,Halle a.S. verschiedentlich haben in l hier Zeit Hr- telle in Mordprozessen befremdet. Wie schwierig die Beurteilung solcher Straftaten u. H. sein kann, legt der Verfasser hier dar. D. Red. Verbrechen oder Vergehen wider das Leben sind die schwerwiegendsten Straftaten, die es gibt. Einmal büßt das Opfer dabei sein höchstes Gut, das Leben, ein. Zum anderen hat aus diesem Grunde der Täter mit den schwersten Strafen zu rechnen, unter Hmständen sogar mit der Todesstrafe. Deshalb ist auch die Verantwortnng des Dichters in diesen Fällen ganz besonders groß. Cs ist jedoch gar nicht immer leicht, festzustellen, welche Straftat vorliegt, so einfach der Fall auf den ersten Blick auch erscheint. Ein und derselbe äußere Tatbestand muh ja nach dem inneren Vorsatz ganz verschieden beurteilt werden. Ein Beispiel für diese Notwendigkeit: Ein Gutsinspcktor und ein Gutsarbeiter wohnen seit Zähren auf demselben Gute. Der Inspektor muh täglich an der Wohnung des Gutsarbeiters vorbei, um in die seine zu gelangen. Seit einiger Zeit ist das Verhältnis zwischen beiden sehr gespannt. Als der Inspektor eines Tages wieder gegen Mittag zur gewohnten Stunde an der Wohnung des Gutsarbeiters vorübergeht, steht dieser am Fenster, nimmt sein Jagdgewehr und fchieht durch die Scheibe auf den Inspektor. Der Inspektor wird am Knie getroffen, da ihm vollständig zerschmettert wird. Er wird ins K.an- kenhaus eingeliefert, wird operiert und stirbt alsbald an den Folgen der Operation. Welche Straftat hat der Gutsarbeiter begangen? Es lo.nmt Mo.d,'Trtchlag u.ck) K rperver- letzung mit Todesfolge in Frage, je nach der inneren Einstellung des Täters. Es ist zu entscheiden: „Was wollte der Täter?" Wollte er den Inspektor töten, oder wollte er ihn nur körperlich verletzen? Bei Bejahung der ersten Frage ist zu prüfen, ob er mit oder ohne Hebeclegung gehandelt hat. Cs ist für den Angeklagten von weittragender Bedeutung, weicher der drei Tatbestände sestgestellt wird. Nimmt man nur Körperverletzung mit Todesfolge an, so ist der Täter mit Zuchthaus oder Gefängnis nicht unter drei Jahren zu bestrafen. Bei Zubilligung mildernder Um» stände kann die Strafe sogar aus drei Monate Gefängnis herabgesetzt werden. Wird dagegen Totschlag festgestellt, so beträgt die Strafe Zuchthaus nicht unter fünf Jahren. Auf Mord steht ausdrücklich die Todesstrafe. Mildernde Hmstände gibt es bei Mord und Totschlag nicht. Hat nun der Gutsarbeiter den Vorsatz gehabt, den Inspektor zu töten? Er selbst bestreitet es und behauptet, er sei ein guter Schütze und habe absichtlich nach dem Knie gezielt, das er auch getroffen habe. Das will er deshalb getan haben, um dem Inspektor eins auiizuwischen. Daß der Schuh ins Knie den Tod des Inspektors zur Folge haben könnte, sei ihm gar nicht in den Sinn gekommen. Tatsächlich hat der Arzt nachträglich auch bestätigt, dah nicht vorauszufehen war, dah die Knieverletzung t.dlich sein würde. Kann dem Täter nicht nachgewiesen werden, dah er den Inspektor töten wollte, so kann er nur wegen Körperverletzung mit Todesfolge bestraft toerben (8 226 StGB). Voraussetzung dicf r Straftat ist nur, dah der Täter den Verletzten körperlich verletzen wollte, und dah der Tod infolge dieser Verletzung eingetreten ist. Es ist nicht notwendig, dah der Täter den Tod voraussehen konnte, oder wissen muhte. Falls er den Tod des Verletzten voraussehen muhte, over wenigstens damit rechnete, so ist er wegen Mordes oder Totschlags zu bestrafen. Denn dann hatte er den sog. dolus eventualis: er hatte den Tod seines Opfers als möglich vorausgesehen und war auch mit diesem Ergebnis einverstanden. Ob der Täter den Tötungsvorsah hatte, läht sich nach dem oben geschilderten tu zen Tatbestand nicht entscheiden. Dazu ist vielmehr ein eingehendes Studium aller Einzelheiten der Tat, sowie der vorhergehenden und nachfolgenden Vorgänge erforderlich, aus denen auf den inneren Vorsatz des Täters Schlüsse gezogen werden müssen. Kommt man zu dem Ergebnis, dah der Täter den Inspektor hat töten wollen, so ist die schwierige Frage zu prüfen, ob er mit oder ohne äleberlegung gehandelt hat. Wann liegt nun dieHeberlegung vor? Im allgemeinen pflegt man die Heberiegung dann anzunehmen, wenn der Tätör sich die Tat feit langem vorgenommen und von langer Hand vorbereitet hat. Dagegen liegt ein Handeln ohne Heber- legung meist dann vor, wenn der Täter sich ganz plötzlich zur Tat entschlieht und gleich darauf handelt. Die Zeitdauer zwischen der Fassung und der Ausführung des Entschlusses ist jedoch nur ein Beweisgrund für die Hrteilsfindung, ob Heber» legung gegeben ist oder nicht. Die Tötung muh mit Heberlegung ousgeführt fein. Das ist dann der Fall, wenn der Täter bei der Ausführung in genügend klarer Erwägung über den zur Erreichung seines Zweckes gewollten Erfolg der Tötung, über die zur Tat drängenden und von ihr abhaltenden Beweggründe, sowie ü?er die zur Herbeiführung des gewollten Erfolges erforderlichen Tätigkeit handelt (vgl. Entscheidung des Reichsgerichts. Band 2 Seite 262). Nach Franks Reichsstrafgesetzbuch i|t Heberlegung diejenige geistige Beschaffenheit, bei der sich der Täter der von der Handlung abhaltenden Beweggründe be- wuht ist, und sie gegen die ihn zur Handlung drängenden abwägt. Ohne Hcberlegung dagegen handelt derjenige, bei dem die vorgenannten Voraussetzungen nicht zutreffen, im Affekt handeln, d. h., dah ein die naturgemäße Aufregung übersteigendes und das folgerichtige Abwägen der für und wider die Tat sprechenden Hmstände aus- schliehendes Mah der Gefühlserregung das Handeln des Täters beherrscht. Nimmt man also an, dah in unserem Falle der Täter damit gerechnet hat, dah der Gutsinspektor am Tage der Tat um die gewohnte Mittagsstunde an feinem Fenster vorbeikommen würde, und dah er ihn mit dem schuhbereiten Gewehr seit einiger Zeit gerade an dieser Stelle aufgelauert hat, so wird man Tötung mit Heberlegung als erwiesen ansehen müssen. Kann dagegen nur festgestellt werden, daß der Täter sich ganz anfällig an jenem Fenster befunden hat und dah der Tötungsvorsatz ihm erst gekommen ist, als er den Gutsinspcktor plötzlich vor sich sah, so wird der Täter nur wegen Totschlag vcrurtc lt werden können. Bedenklich und aufzuklärcn b.icbc hier allerdings, wie es kommt, dah der Täter sein schuh- bereites Jagdgewehr sofort zur Hand hatte. Wie schwierig es im einzelnen Falle ist, eine zutreffende Entscheidung zu fällen, zeigt unser Beispiel. Nur die peinlichste Beobachtung aller Begleitumstände, sowie Lebenserfahrung und Menfchenlennlnis Lnnen zu einem richtigen Urteil führen. Die Befolgung einer polizeilichen Vorladung ist Pflicht. Eine politische Partei hatte in K. einen sog. Werbespaziergang veranstaltet. Dabei hatte sich eine Person bemerkbar gemacht, die den anderen Parteimitgliedern Anweisungen gab und sie aufforderte, die Weisungen der Polizeibeamten nicht zu befolgen. Dieser Person. dem Parteiführer Dr. Kr., wurde darauf vom Polizeipräsidium eine Vorladung zugestellt, damit er darüber belehrt werden sollte, dah im Falle der Wiederholung unmittelbarer polizeilicher Zwang angewendet werden würde. Aus diese Vorladung „zu einer mündlichen Aufklärung" hatte Dr. Kr. erwidert, er könne der Aufforderung nichtFolgc lei st en, weil er durch dringende berufliche Arbeit in Anspruch genommen sei. Daraufhin setzte der Polizeipräsident gegen Dr. Kr. eine Geldstrafe fest. Die gegen diese Verfügung erhobene Klage wies der Bezirksausschuh als unbegründet zurück. Der Berufung des Klägers hat das Preußische Oberverwaltungsgericht. wie die Deutsche Beamtenbund-Korrespondenz erfährt, nicht stattgegeben. Nachdem der Kläger einer zweimaligen Ladung nicht Folge geleistet, vielmehr durch das erwähnte Schreiben zum Ausdruck gebracht habe, dah er die Rechtmäßigkeit der ergangenen Ladung bestreite, habe die Polizei ihm bei erneutem Ausbleiben die zwangsweise Vorführung angedroht. Da die in § 132 Ziff. 3 des Landesverwaltungsgesetzes für die Anwendung unmittelbaren Zwanges vorgesehene Vorausfehung erfüllt war, waren gegen die angefochtene Verfügung keine Bedenken zu erheben. Die Polizeibehörde ist befugt, einer Person hinsichtlich ihres künftigen Verhaltens eine Belehrung oder Verwarnung zu erteilen, wenn darin nach Lage des Falles ein geeignetes Mittel zu erblicken ist, um einer von dieser Person drohenden Störung der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung vorzubeugen. Einer diesem Zwecke dienenden persönlichen Vorladung Folge zu l e i st e n. ist der Betroffene verpflichtet. Prozeßwut und Notverordnung. VonIustizinspeltor Schröder, Darmstadt. Die allgemeine Nervosität hat natürlich auch die Prozehwut gesteigert; sie etwas zu dämpfen, war der dritten Notverordnung des Reichs- Präsidenten vom 6. Oktober 1931 Vorbehalten. Für weite Kreise des Volkes ist es ein Leichtes, sich von der Ortsbehörde ein Armutszeugnis zu beschaffen, auf Grund dessen bei Gericht das Armenrecht nachzusuchen und so ohne Risiko einen Prozeh anzufangen. Nach der Notverordnung hat die Partei Anspruch auf Bewilligung des Armenrechts nur dann, wenn die beabsichtigte Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung Aussicht auf Erfolg bietet. Das Armenrecht ist zu versagen, wenn die beabsichtigte Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung mutwillig ist; als mutwillig ist die Rechtsverfolgung auch dann anzusehen, wenn eine vernünftige Partei nach Lage der Sache von der Prozehführung absehen, oder nur einen Teil des Anspruchs geltend machen würde. Oft genug werden wegen geringfügiger Unfälle an den Haftbaren unsinnige Ansprüche auf „Schmerzensgeld" oder gar Renten gestellt, um ein Geschäft zu machen, und anderes mehr. In Zukunft kann das Gericht Glaubhaftmachung der tatsächlichen Angaben verlangen, soll vor der Bewilligung des Armenrechts den Gegner hören und kann, falls keine erhebliche Verzögerung eintrilt, selbst Erhebungen anstellen. Gegen einen die Bewilligung des Armenrechts versagenden Beschluß des Beschwerdegerichts ist künftig die weitere Beschwerde ausgeschlossen, also der Instanzenzug abgekürzt. Das neue Verfahren verhütet somit nach Möglichkeit die Durchführung aussichtsloser Prozesse, deren Kosten nach den bisherigen Erfahrungen selten eindringlich waren. Besonders einschneidende Mahnahmen sind für das Privatklageverfahren getroffen worden. Wegen oft belangloser Aeuherungcn eines Zeitgenossen, die etwa nach „Beleidigung" rochen, lief man bislang zum Kadi. Nunmehr kann das Gericht, wenn „geringe Schuld des Täters vorliegt oder nur unbedeutende Straffolgen zu erwarten sind", das Verfahren ein- stellen, ohne dazu der Zustimmung des Staatsanwalts, des Privatklägers oder des Beschuldigten zu bedürfen. Dieses summarische Verfahren kann also die schönste Privatklage „entscheiden", bevor der Gegner überhaupt Kenntnis davon erhallen hat. Allerdings ist gegen den Einstellungs- beschluh sofortige Beschwerde zulässig. Die Revision ist für Privatklageverfahren, abgesehen von Sachen wegen Vergehens gegen das Wettbewerbs- oder das Hrhebergeseh, weggefallen; die Parteien müssen sich also bei dem Urteil des Berufungsgerichts beruhigen. — Ein Trost für den Privatkläger, dessen Klage ohne weiteres „eingestellt" wird, ist jedenfalls die Tatsache, dah eine Gerichtsgebühr nicht erhoben wird. Mögen einschneidende Olenberungen bestehender Gesetze durch Notverordnung auch bedenklich erscheinen, die hier besprochenen Mahnahmen zur Vermeidung aussichtsloser Prozesse und kleinlicher Privatklageverfahren find zu begrüßen, da sic den Staat und die Parteien vor unnötigen Kosten bewahren. Dagegen kann man geteilter Meinung darüber sein, ob die Erhöhung der amtsgerichtlichen Zuständigkeit auf 1000 Mk. und der Wertgrenze für das obligatorische Schiedsurteilsverfahren von 50 auf 100 Mk. durch Notverordnung geschehen muhte. Oer Mietwert des Eigenhauses. Von Steuerinspektor Frees, Gießen. Das Einkommensteuergesetz versteuert im gro- ßen und ganzen nur direkte Einnahmen bzw. Einkünfte. Eine Ausnahme von diesem Grundsatz bildet die Versteuerung des Wertes der Nutzung einevWohnung im eigenen Hause bzw. einer dem Steuerpflichtigen ganz oder teilweise unentgeltlich überlassenen Wohnung, einschließlich der zugehörigen sonstigen Räume, Gärten und Parkanlagen. Die Nutzung der Wohnung im eigenen Hause stellt an und für sich nicht eine Einnahme dar, sondern eine Aus- gabcersparnis. Das Gesetz betrachtet die Nutzung der Wohnung jedoch als ein dem Steuerpflichtigen zuslichendes G u t und damit als unmittelbare Einnahme. Die Höhe des Mietwertes der eigenen Wohnung in einem Miet- wohnhaus zu ermitteln, ist im allgemeinen nicht schwer. Die Feststellung des Mietwertes von herrschaftlichen Eigcnhäusem und Villen bietet in der Praxis zedoch große Schwierigkeiten. Dementsprechend hat sich der Reichsfinanzhof auch in einer sehr großen Anzahl von Fällen mit dieser Frage beschäftigen müssen und so Richtlinien für die Ermittlung des Mietwertes der Wohnung im Eigenhause geschaffen. Da das Gesetz den Wert der Nutzung der Wohnung im Eigenhause den Einkünften aus Vermietungen gleichstellt, so ist der Bewohner eines Eigenhauses so zu behandeln, wie wenn er an sich selbst vermietet hätte. Dementsprechend hat er Öen Mictwcrt z u versteuern, anderseits sind ihm grundsätzlich die Aufwendungen zur Sicherung, Erhaltung und Erwerbung des Nutzungswertes von Haus und Garten als W e r * bungskosten abzuziehen. Der Reichsfinanzhof führt in einem Hrteil hierzu aus, cs könne jedoch bei Eigcnhäusem vorkommen, daß bezüglich des ganzen Hauses, oder bezüglich bestimmter Anlagen der Wohnzweck ausscheidet, oder doch von so untergeordneter Bedeutung ist, daß das Haus oder gewisse Einrichtungen nicht mehr als dem Wohnbedürfnisse des Steuerpflichtigen dienend angesehen werden könne (z. D. Jagdhaus, das nur gelegentlich der Ausübung der Jagd benutzt wird und wie die Jagd selbst in erster Linie der Liebhaberei dient). In derartigen Fällen scheidet der Mietwert des betreffenden Vermögensstücks bei der Ermittlung des Einkommens aus, und die Auswendungen für diese Dermö- gensgegenstände bleiben ebenfalls außer Betracht. Der Leitgedanke sämtlicher' Entscheidungen des Reichsfinanzhofs über den Mietwert von herrschaftlichen Eigenhäusern und Villen gipfelt in dem Satz: „.Es ist eine Vermietung und damit ein M i e t z i n s zu unterstellen, bei dem auch der Vermieter auf seine Rechnung kommt." Ausscheiden muß ein Betrag, der bei vorübergehender Vermietung erzielt würde, der Mietwert entspricht dem, was ein Vermieter bei Abschluß eines langfristigen Vertrags — der dem Mieter die Vorteile der besseren, auf einen Sigcnbcsitzer abgeftellten Ausführungen bietet — verlangen könnte und in Rücksicht auf Größe, Bequemlichkeit und bauliche Einrichtung auch verlangen müßte, um dabei auf seine Kosten zu kommen und neben dem Ersah des Hn- terhaltungsauswandes noch eine angemessene Verzinsung des in dem Hause angelegten Kapitals oder des darin steckenden Wertes zu erlangen (RFH. VI A 439 -- 27 vom 8.2.28). Diese Entscheidung kann jedoch nicht dazu führen, daß nunmehr in jedem derartigen Falle der Mietwert auf Grund der Aufwendungen eines Jahres unter Zurechnung eines Aufschlags für das in dem Grundstück investierte Kapital ermittelt wird. Nach der Entscheidung soll das steuerlich erfaßt werden, was der Inhaber eines herrschaftlichen Eigenhauses tatsächlich verwohnt. Jedoch ist hierbei ein langfristiger Mietvertrag au unterstellen, und hierbei ist es wohl möglich, daß in einem Jahr ein kleiner Hcberschuh oder auch ein Verlust erzielt wird, während in anderen Jahren wieder eine größere Rentabilität sich ergibt. Bei der Ermittelung des Mietwertes wäre an sich gemäß § 21 Einkommensteuergesetz von den Mittelpreisen des Verbrauchsortes auszugehen. Dies lehnt jedoch der Reichsfinanz- hof in seinem Hrteil vom 19. November 1930 (VIA 1731 30) ab. Die Anwendung dieser Regel scheitere, wenn es sich um Räume handele, die ihrer ganzen Anlage und Bestimmung nach gar nicht auf ein Vermieten eingerichtet seien, vielmehr besonderen Bedürfnissen eines Alleinwohners dienen solle. Es bleibe daher nichts anderes übrig, als im Sinne und gemäß dem Zweck des Gesetzes nach anderen Richtlinien zu prüfen und festzustellen, welcher Geldwert dem Wohnen in dem besonders erstellten Eigenhaus gemäß sei, das auf die Bedürfnisse seines Erbauers oder sonstigen Inhabers zugeschnitten ist, oder ihnen sonst Rechnung trägt Weil regelmäßig für derartige bessere Einzelvillen eine Vermietung und eine Nachfrage von Mietern nicht in Betracht kommt. fei es abzulehnen, zu erwägen, ob sich bei torrf-i lieber Vermietung ein auf Grund der in ständiger Rechtsprechung gegebenen Richtlinien ermittelter Preis erzielen liehe. In seiner Entscheidung vom 17. Dezember 1930 lehnt der Rcichs- finanzhof auch um deswillen die „üblichen Mit- tclpreise des Verbrauchsorts" ab, da es einen allgemeinen Mietverkehr bei Villen und anderen herrschaftlichen Einfamilienhäusern im Gegensatz zu 'Etagen- oder Reihenhäusern nicht gibt. Es fehlt an einer allgemeinen Mieterschicht für Villen. Die Fälle einer tatsächlichen Vermietung bilden die Ausnahme. Der Grund dafür liegt darin, daß die in Frage kommende Bevölkerungsschicht regelmäßig kein fremdes, ihrem gesteigerten Wohnbedürfnis genügendes Anwesen mietet, sondern auf eigenem Grund und Boden sich eine ihren Ansprüchen entsprechende Wohngelegenheit selbst Herstellen läßt, oder käuflich erwirbt. Als Hilfsmaßstab zur Schätzung des N uh u n g s w e r t e s der eigenen Wohnung kommen neben dem Erhaltungsaufwand und dem investierten Kapital auch die Herstellungskosten bzw. bei käuflich erworbenen Grundstücken der Kaufpreis in Frage. Auch der Drand- versichcrungswert, der Vorkriegswert der Cin- heitswert können als Hilfsmittel zur Schätzung, was tatsächlich verwohnt wird, herangezogen werden (RFH. IV A 1746 30, Hrteil vom 11. März 1931). In diesem letzterwähnten Hrteil empfiehlt der Reichsfinanzhof, bei zweifelhafter Sachlage mehrere der erwähnten Mertmaßstäbe zu vergleichen, und erwähnt dabei, daß in den vom Reichsfinanzhof bisher entschiedenen Fällen u. a. von einer Bruttoverzinsung des in Dillen einschließlich Grund und Boden steckenden Kapitals ausgegangen wurde, die sich zwischen 5 Prozent und 7 Prozent, höchstens 8 Prozent bewegt. Oie Rechtsgültigkeit der Bürgersteuer. Von Bürgermeister Dr. Dölsing, Alsfeld. Mit der grage der Rechtsgültigkeit der Bürgersteuer Hot sich kürzlich der Reichsfinanzhof in einem Urteil vom 11. November 1931 (Reichssteuerblatt Nr. 45 vom 10. Dezember 1931) eingehend befaßt. Es war dabei die grundlegende Frage zu prüfen, ob nach den Borschriften der Reichsverfassung der Reichspräsident befugt war, nach Ablehnung der auch schon die Bürgeisteuer enthaltenden Notverordnung vom 16. Juli 1930 durch den Reichstag und nach ihrer Außerkraftsetzung auf Verlangen des Reichstags, sowie nach Auflösung des Reichstags, die Notverordnung vom 26. Juli 1930 mit im we sentlichen gleichen Bestimmungen über die Bürgersteuer zu erlassen. Bei der Prüfung dieser Frage ergeben sich wichtige, grundsätzliche Betrachtungen zu den Art. 48 und 11 der Reichsverfassung. Nach dem bekannten, für die Anschauung weiter Streife bereits bedenklichen Art. 48 Ads. 2 der Reichsverfassung, kann der Reichspräsident, wenn im Deutschen Reiche die öffentliche Sicherheit und Ordnung erheblich gestört oder gefährdet wird, die zu deren'Wiederherstellung nötigen Maßnahmen treffen. Ob die Voraussetzun gen für den Erlaß der Notverordnung — erhebliche Gefährdung der Sicherheit und Ordnung — Vorlagen, und ob die Maßnahmen: Erschließung von Einnahmen für die Gemeinden durch die Bürgersteuer nötig waren, ist vom Richter, auch vom Reichsfinanzhof, nicht nachzuprüfen, zu prüfen ist aber, ob die die Bürger st euer betreffenden Vorschriften nicht der Reichsverfassung widersprechen. Hierbei ist zunächst zu untersuchen, ob nach den Vorschriften der Reichsverfassung der Reichspräsident befugt war, nach Ablehnung der auch schon die Bürgersteuer enthaltenden Notverordnung vom 16. Juli .1930 durch den Reichstag und nach ihrer Außerkraftsetzung durch den Reichstag die neue Notverordnung vom 26. Juli 1930 mit den im wesentlichen gleichen Be- ftimmunqen über die Bürgersteuer zu erlassen. Der Reichsfinanzhof hat diese Frage bejaht unter Hinweis auf die Stellungnahme des 1. Strafsenats des Reichsgerichts in dem Urteil vom 6. Oktober 1931. Danach sind aus der Entstehungsge schichte der Notverordnung vom 26. Juli 1930 Bedenken gegen die Rechtsgültigkeit der Bürgersteuer nicht zu erheben. Dem Rechte des Reichstags aus Art. 43 Abs. 2 der Reichsverfassung, den Reichspräsidenten an der ferneren Ausübung seines Rechts zu verhindern, steht das nicht beschränkte Recht des Reichspräsidenten gegenüber, den Reichstag, der nach seiner Ansicht die staatlichen Belange nicht rich tig wahrt, aufzulösen, durch die Auflösung das Volk zu befragen und für die Zwischenzeit nach seinem pflichtmäßigen Ermessen von der Befugnis des Artikel 48 Abs. 2 der Reichsverfassung Gebrauch zu machen. Es ist aber noch zu prüfen, ob die Verordnung vom 26. Juli 1930 mit dem Art. 11 der Reichsver faffung vereinbar ist. Der Reichsfinanzhof bejaht auch diese Frage. Der Art. 11 gibt dem Reiche das Recht, im Wege der Gesetzgebung Grundsätze über die Zulässigkeit und Erhebungsart von Landesabgaben, soweit sie erforderlich find, aufzustellen, um wichtige Gesellschaftsinteressen zu wahren. Der Begriff der Landesabgaben ist in Art. 11 der Reichs- versassung im Gegensatz zu Reichsabgaben gebraucht und umfaßt daher auch die Gemeindeabgaben. Die Wahrung wichtiger Gesellschaftsinteressen ist darin zu erblicken, daß den durch die Wohlfahrtslasten belasteten Gemeinden neue Einnahmequellen erschloß (en werden sollen, was bei der engen Verbindung der Gemeindefinanzen mit denen des Reichs und der Länder eine Wahrung lebenswichtiger Interessen der Gesamtheit bedeutet. Fraglich ist nur noch, ob die Notverordnung vom 26. Juli 1930 sich innerhalb der Grenzen der Grund (atzgesetzgebuna im Sinne des Art. 11 der Reichsver- faflung hält. Auch diese Frage wird bejaht. Unter „Grundsätzen" versteht man allgemeine Richtlinien, Rechtssätze, die der näheren Ausführung im einzelnen insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Anpassung an die besonderen Verhältnisse der Länder fähig find. Die Grenze, wieweit das Reich bei der Aufstellung von Grundsätzen im Sinne des Art. 11 der Reichsverfassung zu gehen hat, wird bei den einzelnen Materien verschieden fein. Die Entscheidung hierüber ist im wesentlichen eine Ermeß sensfrage. deren Beantwortung sich nach dem Be dürfnis der Einheitlichkeit der Regelung für das ganze Reichsgebiet bestimmt. Grundsätzlich entfchej» bet daher über den Umfang der reichsrechtlichen Regelung das oflichtmäßige Ermessen des Reichs- aesetzgebers. Dessen Ermessen isl grundsätzlich für das Gericht bindend, es sei denn, daß ganz offensichtlich eine Ermessensüberschreitung oder ein Ermessens- mißbrauch vorliegt. 3n Fällen der letzteren Art steht den Gerichten die Befugnis zu, die Gültigkeit von Notverordnungen zu verneinen. Prüft man unter IV. Frankreich und sein Kolonialreich. Don unserem tz-Derichterstatter. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Pari-, Dezember 1931. DaS Jahr 1931 sollte einen Wendepunkt in der französischen Kolonialpolitik bedeuten. Die mit ungeheurer Anstrengung organisierte koloniale Ausstellung war dazu bestimmt, den .Empiregedanken" in Frankreich zu einer Realität werden zu lassen. DaS .gröbere Frankreich" sollte in dieser Ausstellung seinen Ausdruck erhalten und der einsache Bürger dazu gebracht werden, sich als diesem gröberen Frankreich angehörig zu fühlen. DaS Schicksal wollte anders: DaS Jahr 1931 ist daS 2 ahr der Enttäuschungen geworden. Und nicht nur Enttäuschungen materieller Ratur. Der lief in der französischen Volksseele schlummernde Skeptizismus ist wieder wach geworden. daS .w o - z u* , daS jeder französische Kolonialpolitiker mehr zu befürchten hatte als alle sachlichen Entgegnungen, klingt aus dem gespenstischen Schweigen, mit dem man heute in Paris alle kolonialpolitischen Fragen umhüllt, heraus. Die Krise der Rohstoffe bedeutet not- wendiaerweise die Krise der Kolonien. Lind diese Krise schnitt so tief in die Gedankenwelt der Gegenwart ein, dab auch eine Krise deS kolonial- polltischen Gedankens unvermeidlich war. Frankreich kann dem britischen Beispiel nicht folgen und sich samt seinen Kolonien zu einem wirtschaftlichen, sich selbst genügenden Ganzen erklären. Cs tann weder die Produkte seiner Kolonien ganz ausnehmen, noch für ihre wirtschaftlichen Bedürfnisse voll aufkommen. Bon einer einheitlichen Zollpolitik für alle Kolonien sprechen nur 5raumer; für die praktischen Politiker sind solche Ideen nur gegenüber anderen Staaten da, mit denen man eben verhandelt... Richt nur auS wirtschaftlichen Gründen ist es aber um die Kolonien still geworden. Die französische Außenpolitik» steht jetzt nicht im Zeichen der Entente cordiale. 3m Gegenteil, man ist davon weiter entfernt alS je feit dem Kriege., DaS französisch-englische Zusammengehen war von Europa her nie ganz zu verstehen, denn sein Wesen machte zur Halste immer di e kolonial- politische Zusammenarbeit aus. 3hr Fehlen wirkt notgedrungen auf die französische Kolcnialpolitil zurück. Dimmt man noch zu diesen Faktoren den Umstand, dab die Radikale Partei, die ihren Doktrinen entgegen die besten Kolonialpolitiker liefert, seit Jahren in der Opposition ist, so wird man die gegenwärtige Situation noch besser verstehen. Doch nach den Wahlen kann daS ander« werden... Die reichste der Kolonien, 3ndochina, ist durch die Wirtschaftskrise am härtesten getroffen. Der Erpvrt ging um ein Drittel zurück, der Import um die Hälfte. Die Lage des Reisbaus ist katastrophal. Der Hauptabnehmer für den indochinesischen Reis war China. Und China kann wenn überhaupt — nur mit Silber zahlen. Und das Silber gilt in Indochina nicht mehr als Währung. Der Reis ist zu annehmbaren Preisen u n v e r k ä u f l i ch ; die Regierung muf) der Landwirtschaft Kredite gewähren, um den Reisbau vor dem gänzlichen Der- fall zu retten. Mit dem Kautschuk steht es noch schlechter; trotz der Subventionen gehen die Plantagen zu Grunde. Den Todesstoß versetzte ihnen die Entwertung der englischen Währung, Kautschukpreise werden nämlich in Pfund kalkuliert. Der Kohlenbergbau leidet unter der Zugrundelegung dieser Ansicht die Bllrgersteuerrege- lung der Verordnung vom 26. Juli 1930, so kann nicht festgestellt werden, daß solche Umstände klar oorlicgen, die für eine Ermessens Überschreitung sprechen. Die Regelung der Bürgersteuer in der Notverordnung vom 26. Juli 1930 widerspricht daher nicht dem Art. 11 der Reichsverfassung. Stagnicrung der lokalen Industrie, die Zinn- minen. die den gröhten Reichtum des Landes bildeten, muhten zum Teil den Betrieb einstel- len. Dab unter solchen Verhältnissen die politische Lage sich nicht bessern konnte, ist selbstverständlich. Die kommunistische Propaganda, die im Vorjahre ihren Höhepunkt erreichte, ist noch nicht übertounben, sie hat das Vertrauen — auch finanziell — tief erschüttert. Indochina ist heute die Kolonie Frankreichs, die politisch die meisten Sorgen verursacht. Don einer Klärung ist man noch weit. Was für Indochina die chinesischen Unruhen bedeuten, ist für Französisch-Hinterindien die antieuropäische und nationalistische Agitation in Indien. Dab Gandhi in Paris von den offiziellen Kreisen so 'rostig empfangen wurde, ist Damit zu erklären. Die wirtschaftliche Depression macht sich in Französisch-Hinterindien sehr stark fühlbar, der Verkehr in dem Hafen von Pondichery, der einmal ernstlich mit Madras rivalisierte, ist bedeutend zurückgegangen. Allerdings soll dafür auch die schlechte Verwaltung verantwortlich fein. Madagaskar fühlt die Rohstoff- und Getreidekrise in allen Zweigen seines Wirtschaftslebens. Doch war dort die Entwicklung in Vergleich zu Indochina außerordentlich langsam, und das erweist sich jetzt als ein Glücks all. Immerhin muhte man in einem bestimmten Augenblick 10 Lektionen Fußball. Von Otto Aerz IX*). Torwächter, hilf! Wer die vorigen Abschnitte gelesen hat, wird säst nicht glauben, dah jemals ein Ball sich durch so viel Sperrketten und Scharfschützenreihen hin- durchschlängeln kann. Aber niemand ist vollkommen — mal versagt ein Verteidiger, mal ein Läufer, sogar versagende Slücmer soll cs gegeben haben, und dann stetzt plötzlich ein Mensch mit dem Ball vor dem Tor und will ihn über die Torlinie bringen. Da heißt es: „Tormann, hilf!" Daß das keine leichte Ausgabe ist, steht schon in den Fußballregeln; denn danach ist es dem Torwächter und nur ihm gestattet, den Fuhball mit der Hand zu spielen. Und davon soll er denn auch reichlich Gebrauch machen. In den Regeln steht aber auch, daß der Tormann gerempelt werden darf, und davon machen eben die anderen Gebrauch. Robust muß er also sein, und lang, sonst fliegen ihm die Bälle über den Kopf unhaltbar ins Tor; 1,75 bis 1,85 Meter ist die richtige Gröhe. Das stundenlange Stehen in der Sonne ist auch nicht jedermanns Sache, ost regnet es dazwischen — dafür hat der Torwächter das Recht, statt des Mannschaftstrikois eine besondere Ausrüstung zu tragen. Eine Schirmmütze soll er immer aussehen; mit Dem Kopf stößt er nie. Der Torwart muß es sich $um Leitsatz machen, alle Bälle mit den Händen aazuwehren oder aus. zufangen; Stöhe mit dem Fuß hat er nur auszuführen, wenn er den Ball ins Feld zurückbeför- bem will. Grundsätzlich soll der Tormann ferner zur Abwehr beide Hände nehmen. Kommt der Ball angerollt, so ist das Ausneh- men einfach. Man kann dabei auf ein Knie her- *) Dgl. die Hummern 165, 170, 178, 185, 199, 226, 260 und 277 des „(Siebener Anzeigers". — bevor man die Anleihe erhielt — sämtliche öffentlichen Arbeiten einstellen. Am besten widerstanden der Wirtschaftskrise die nordafrikanischen Kolonien. Ihr wirtschaftlicher Aufbau erwies sich alS ausfallend solid. Gerade in Rordasrika kommt der politische Zug des fränkischen ÄolonialtDcfcnd am stärksten zur Geltung. Während die Aktivität fast überall erlahmte, setzten die französischen Truppen in Südmarokko ihre Eroberungen fort. Die .Pazifizierung" geht weiter, trotz aller Roh» stosfkrisen. ES geht dort nicht um Geld, sondern um Macht. Kolonialpolitik ist für Frankreich keine reine Wirtschaftspolitik und die politischen Werte erwiesen sich diesmal fester al« die wirtschaftlichem Womit noch nicht gesagt werden soll, dah in Marokko die Lage endgültig stabilisiert fei. Don den noch nicht unterworfenen Stämmen, deren Kühnheit sprichwörtlich ist, sind immer militärische lieberrafd)ungcn zu erwarten. Das Wirtschaftsleben in 2lgier hat sich verlangsamt, wenn dort auch die Verhältnisse relativ günstig liegen. Die Zink- und Eisenausfuhr nach England und der PhoSphaterport haben stark nachgelassen. Zentral- und Aequatorialafrika sowie Senegal leiden stark unter der Krise des ArachidenölS. Es kam so weit, dah alle Danken zugrunde gingen und sogar die Emissionsbanken in Gefahr gerieten. Doch ist in diesen Ländern die Wirtschaft elastifch. Und die Subventionen der Regierung bedeuten sehr viel. Die Pariser Börse zeigt ein traurige« Bild von dem Zusammenbruch der kolonialen Wirtschaft. Die Kolonialpapiere sind gröhtenteils unverkäuilich, große Aktienpakete werden für lächerliche Summen angeboten. Man wagt es kaum, wirtschaftlich die Bilanz für 1931 zu stellen, politisch ist die Lage auch traurig, wenn auch nicht verzweifelt. Da gibt eS wenigstens günstige Aussichten, doch kann man die bevorstehende Genfer Auseinandersetzung über Syrien nicht zu ihnen rechnen... Fazit: Auch an die goldenen Wälle Frankreichs schlägt die Flut der von Frankreich hauptsächlich verschuldeten Weltkrise... untergeben, muß aber beachten, dah zwischen den Deinen keine Lücke entsteht, durch die der Dali gemütlich in« Tor rollt. Desser ist es, man beugt sich mit geschlossenen Knien herunter; sobald nämlich der Tormann den Dail berührt hat, darf ihn der Gegner anrempeln, und dann kann er den Dall aus dem Stand schneller wegwerfen oder stoßen, als wenn er sich erst erheben muh. Der Körper muh immer in der Richtung stehen, aus welcher der Dall erwartet wird. Das ist eigentlich ganz klar, und doch wird praktisch viel dagegen gesündigt. Halbhohe Dälle fängt man am Körper. Das Fangen ist technisch nicht schwer, wenn man genügend Hebung hat, aber es muh bei Däl- len in Schulterhöhe besonders geübt werden: kommt der Dall rechts, dann saht die rechte Hand den Dall oben und die linke ihn unten, und umgekehrt. Hohe Dälle werdenn mit beiden Händen im Flug angehalten, notfalls indem man hochspringt Beim Sprung reiht man ein Knie hoch, das schützt bei körperlichen Angriffen. Der Dali wird dann gleich vor die Drust gezogen. — Ebenso hält man Dälle in die Torecken, mögen sie nun hoch oder flach kommen. Der Torwächter muß mit einem mehr oder minder schrägen Hechtsprung sofort jede Ecke des Torvierects erreichen können. Der Hechtsprung sieht sehr schön aus und entzückt alle Zuschauer; aber es ist zu bedenken, daß der Tormann danach ziemlich unsanft auf dem Doden landet — Ab- schützen mit den Händen gibt - nicht, dazu sind die Hände in dem betreffenden Moment nicht da! Die nötige Kurage muh angeübt werden — von Ratur aus hat sie selten jemand, der Anfänger strebt immer unwillkürlich danach, sich vor dem Aufprall zu schützen. Sehr, sehr oft ist zum Fangen de« Dails keine Zeit mehr, weil die Gegner heronsaufen oder schon rempeln. Dann wird der Dali gefaustet, und zwar mit beiden Fäusten. Dei ganz hohen Dällen oder in sehr großer Dedrängni« kann man auch mit Die Welt an der Jahreswende. SjLrfpOtt Historisches vom Silvester-Punsch. Mcrktvürdiste alle Rezepte. Seitdem E. T. A. 5) o f f in a n n in feinen „Abenteuern der Silvesternacht" aus dem Dampf der Punsch-Terrine den bunten Geisterreigen des Neu- jahrs nuffteigen ließ, ist der Punsch das Lieblings- getränt geworden, mit dem wir das neue Jahr grühen und dessen herzerwärmende .straft uns des alten Zahres Leiden und Nöle vergessen läßt. Aber die Geschichte des Punsches reicht weit über die Zeit der Romantik zurück, tonnte vielleicht sogar bis in ferne Urzeiten verfolgt werden. In einem Papyrus, der über 4000 Jahre alt ist, hat man das erste Punschrezept ausfinden wollen, und jedenfalls ist es ein punschähnliches Getränk, das hier ein trinffreu- feiger Aegypter aus feer Zeit fees Königs Menes seinen Zeltgenossen empfiehlt. „Zerquirle mehrere Eier mit flüssigem Honig und im Saft frischer Trauben", heißt es da. „Dann koche starten roten Wein und gieße, sobald er zu sieden beginnt, das Gemenge hinein; rühre alles solange, bis es Schaum geworden, und nimm es danach vom Feuer. Bor dem Austischen füge dem Trant noch seingestoßene Granat-Apfelterne hinzu." Diesem altägyotischen Neujahrsgelrant fehlt aber noch die schone Einfach- beit, die dem Punsch eigen ist und die einem andern uralten Kulturland entstammt. Der Name „Punsch" tommt nämlich von dem indischen „Pantscha", das die Zahl ä bedeutet. Es find also fünf Elemente, nicht nier, wie Schiller dichtete, die innig gesellt die 'Welt des Punsches aufbauen: eine Säure (Zitronen- faft), ein Süßes (Zucker), ein Gewürz (Muskatnuß ober fegl ) eine geistige Flüssigkeit (Rum, Arrak usw.) und Wasser Zum erstenmal wird dieser Trank des Orients in untrem Schrifttum von Adam Olea- r i u s in seiner 1661» erschienenen „orientalischen Reisebeschreibung" erwähnt. Er berichtet, daß ein Schleswiger, namens Särgen Andersen 1634 feie Kunde von diesem Getränk, daß er „Palipuntz" nannte, nach seiner Heimat gebracht habe. Aber viel Erfolg bat es zunächst an der Waterkant nicht gehabt, sondern erst viel später haben die Deutschen die Rezepte des Punsches von den Engländern gelernt. Die britische Punsch Wissenschaft hat als dasjenige Werk, dem die Engländer das Re,cpt des Punsches verdanken, da» 1697 erschienene Reilewerk „Neuer Bericht aus Ostindien und Persien" von Fr nur festgestellt. Zu Anfang fees 18. Zabrhunderts wurde der Punsch dann auch in feen Hafenstädten der Nord see heimisch, drang aber weiter in Deutschland erst nach dem Siebenjährigen Krieg vor. Die Engländer hatten unterdessen den Punsch zu ihrem National getränk erhoben, wie die Rolle zeigt, die dieser im englischen Roman des 18. Jahrhunderts spielt. Besonders die alten Seebären erlabten sich gern an „Riesenvünschen", die in einem wahrhaft ungeheuren Ausmaß bereitet wurden. So wird von einer Punsch. Orgie berichtet, die der Admiral Rüssel am Jahresende 1710 veranstaltete. Er ließ im Garten von Eadix in einen mit holländischen Ziegeln aufgelegten Springbrunnen sechs Kufen Wasser, ein Haides Orhost Malaga, 200 Gallonen Branntwein, 600 Ptund Zucker, 12 000 Zitronen und die genügende Menge Muskat hineintun und lud das ganze Dffi- zierkorps feiner Flotte nebst allen englischen Kaufleuten zu einem (Belage, bei dem ein Knabe, der in einem Boot auf dem Punschsee herumfuhr, unablässig die Becher füllte. Aber diese Riesenpunsch, bowle wurde noch in den Schatten gestellt durch die, die der Admiral Boscaven 1760 den Offizieren feiner Flotte zum Besten gab. In einem marmornen Bassin befanden sich 600 Flaschen Rum, 600 Fla- scheu Kognak, 1200 Flaschen Malaga und 4 Tannen kochenden Wassers: dazu kamen noch 200 Stück ge riebene Nüsse, 600 Pfund Zucker und 15 000 Zi- fronen. Auf dem Punsch.See ruderte- eine junge JÖebe in einem zierlichen Kahn von Akajou-Holz, die die Gäste bediente. Der Riefenpunsch soll 12 684 Dollars gekostet Haden. Ein andermal tranken englische Seeleute ihren Silvesterpunsch auf der Säule dec- Pornpejus im Hafen von Alexandria, auf die sie mit Lebensgefahr geklettert waren. Die (Einbürgerung des Punsches in Deutschland wird gern mit dem Alten Dessauer verknüpft, aber das scheint eine Verwechslung mit dem Fürsten Franz von Anhalt- Dessau zu sein, der sich besonders bemühte, die Trinksitten der Engländer auf deutschen Boden zu verpflanzen. Es war ein natürlicher Sohn des Alten Deffauer, der Oberhofmeister Heinrich Georg von B a r e n h o r st, der die Punschgelage, die logenann. ten „Puuschiaden", nach 1769 in die deutsche Gesellschaft einfuhrte, und nun findet der Trank auch Eingang in feie deutsche Dichtung. Die „Barden" schlugen ihre Harfe zu Ehren des „stolzen Briten- Punsches" und besonders hat Johann Heinrich Voß feen Göttertrank gefeiert, in dem er feen direkten Nachkommen fee» altgermanischen Met» sah. „Schlürfen wir gestählten Punsche» volles Maß!" ruft er au» und greift fo den „Stahl-Punsch", der kalt an- gerichtet und durch Hineintauchen eine» glühenden etable» erwärmt wurde. Nicht minder berühmt war der „Feuerzangen-Punsch", bei dem über da» fie- feenb heiße Getränk eine Feuerzange gelegt wurde. auf der ein großer Zuckerhut thronte; der Zucker wurde mit Rum oder Kognak durchtränkt, bann an- gezündet, und nun ließ man den gebrannten Zuckcr in den Punsch tropfen. Goethe und Schiller haben dem Punsch weisheitsvolle Verse gewidmet, und den Romantikern war er das Lieblingsgetränk, bei dem sie sich ihren phantastischen Visionen hingaben. Was her Taucher erlebt. Eine der romantischsten Schahbergungen vom Meeresgründe, die Wiedergewinnung des Goldes aus dem gefundenen Dampfer „Egypt", steht nunmehr vor der glücklichen Vollendung. Dabei muh die Tätigkeit der Taucher besondere Bewunderung erwecken, die daS schwere und gefährliche Derk unter den schwierigsten Umständen vollbracht haben. Das Taucherhandwerk hat ja seine eigene Romantik, und nicht jeder eignet sich zu diesem Beruf. Richt nur Mut und Körperkräfte sind dazu notwendig, sondern vor allem auch etne bestimmte seelische Einstellung, die man wohl am besten alS „optimistischen Fatalismus" bezeichnen kann. Wer nicht seinem Stern vertraut, darf sich nicht in die geheimnisvollen Tiefen des nassen Elementes hinabwagen. Bekonder- der erste Abstieg eines Tauchers ist ein merkwürdiges Erlebnis, daS uns bet englische Taucher Jack Heming anschaulich schildert: ..Mit den schwer belasteten Füßen im Dassel', schreibt er, „sinkt man rasch, und im ersten Augenblick hat man da- sichere Gefühl, dah dieser Abstieg zu schnell vor sich geht und zu nichts Gutem führen kann. Aber wenn man mit der Hand an der letzten Sprosse der Leiter sich hinabläht, bann fühlt man plötzlich bie Tragkraft bet luftgefüllten Taucherrüstung und gewinnt wieder Vertrauen. Man oergetoiffert sich, daß alles an dem Luft- sch'auch und dec Siznalle.ne in Ordnung ist. Man tastet in feinem Gürtel nach dem Messer und den andern Werkzeugen, die man bei sich führt, und man läht sich getrost sinken. Zunächst geht alle- gut und glatt Doch je mehr das Licht de« Tage- verblaßt und bie Dämmerung einen umfängt, je stärker das unheimliche Gefühl voll- lomincre. E n'amkeit au t i.t, desto unsicherer fühlt man sich, ohne noch btc körperlichen Veränderungen richt g wahrzunehmen. Wenn man sich bann rasch herabfallen läßt, dann fühlt man plötzlich den schweren Druck und muh die Geschwindigkeit wieder verringern. Ist man schließlich glücklich einer Faust arbeiten Dälle Dem vom faustet man zu den Seiten, Flankenbälle lenkt man in ihrer Richtung weiter. Rachdem der DaN gehalten ist, ftöht ihn der Tormann sobald wie möglich zu feiner Partei ins Feld zurück; ein Spaziergang mit dem Dall mag den Zuschauern imponieren, in Wahrheit ist es schlechte Technik. In der Rot kann der Torwart den Dall auch mit der Hand ins Feld schleudern. Aber der Dall ist schließlich kein glühendes Eifen, man muh zunächst sehen, wo man ihn hinbefördem will. Im Umkreis von elf Meter vor dem Tor soll der Torwart jeden Ball abfangen. Das Tor selbst darf er verlassen, wenn er den Dall sicher bekommen wird ober wenn ein Tor auf andere Wei e unvermeidlich ist. Sonst muh der Torwart natürlich immer zu der Seite laufen, auS welcher der Dall kommen kann — aber nicht zu leichtsinnig, denn vielleicht paßt der Gegner von links nach rechts, und von rechts knallt die Dombe ins Tor. — Einen Elfmeter kann der beste Torwart nur mit Dlück und Psychologie halten: er muß erraten, in welche Ecke der andere den Ball schießen wird. Roch ein paar goldene Regeln für den Torwächter Rach einem Ausflug ins Feld schnell ins Tor zurück! Rasse Dälle nicht fauften, sondern fangen, — nie sich verblüffen lassen. Wir haben uns jetzt mit allen Spielern einzeln beschäftigt. Aber es fehlt noch der letzte Schliff, das. waS die Mannscha t Aufammenbält die Kom- binationSformen beim Zusammenspiel. Davon soll der letzte Abschnitt handeln. öpielüereintgung 1900 Gießen. Die schlechten Wetterverhällnisie an feen Feiertagen brachten es mit sich, daß zahlreiche Absagen erteilt würben und nicht immer rechtzeitig für Ersatz gesorgt werben konnte. Die 4. Mannschaft weilte in Büblingshausen (1. E;s) mit 10 Spielern und verlor nach spannendem Spiel 4:1 (Halbzeit 3:0). Eine Um- slcllung erhöhte den Widerstand der Blauweihen vorteilhaft. Zur Begegnung in Steinfurth waren gar nur neun Spieler zur Stelle. Da» Ergebnis (3:1 für Steinfurth) ist noch recht schmeichelhaft zu nennen. Das Treffen 1900 III — Wieseck I würbe abgesagt, um bie Spieler zum Verbanbsspiel gegen bie 3. fee» Lokalgegners intakt zu halten. Eine kombinierte Mannschaft spielte gegen Bieber» 1. Elf in Bieber und siegte erwartungsgemäß mit 4:1 nach ansprechenben Leistungen. Die 2. unb bie 4. Mannschaft (kombiniert) schloßen bie Wettspielreise nach Muschenheim mit einem 6:4- Sieg ab. Die Gießener waren auch hier nicht komplett unb spielten außerbem leichtsinnig. DfB.-Gießen. DfB. III — Spog. 1900 III (cehrmannschafk) 2 J (2:1). Da» fällige Verbanbsspiel sah feie Lehrmannschast als erwarteten Sieger. Das Spiel war ziemlich verteilt und VfB. konnte überraschend in Führung gehen. In der zweiten Halbzeit setzten sich bie 1900er, als homogenere Elf, durch und wurden überlegen. Sie vermochten auszugleichen unb gegen Schluß den Siegestreffer zu erzielen. — Der Gegner feer 2. Mannschaft (Ligareserve) trat nicht an. Die Iugenbspiele fielen aus. Kurze Gportnottzen. Mit Max Schmeling zusammen werden auch die beiden deutschen Tennis-Professionals No man Najuch und Hans Nüßlein bei feer nächsten Ausfahrt des deutschen Schnelldampfer» „Europa" die Ueberfahrt nach Amerika antreten. Tennis-Dor uff i a Berlin wurde burA einen 6:0-Sieg über Wacker 04 Berliner Pokalfie^ c und qualifizierte sich damit als erster Teilnehmer für die Endspiele um die Berliner Meisterschaft. Im Berliner Sportpalast trugen an den Festtagen die kanadischen Eishockeyspieler von Ottawa zwei Spiele gegen den Berliner Schlittschuhklub aus In beiden Spielen siegten die Kanadier 6:1. • 17 Nationen (einschließlich Deutschland) haben für die Olympischen Spiele In Lake Placid ihre Meldungen abgegeben. • Bei 4GradKälte gewann am zweiten Festtag der Belgier M a l f a t bas traditionelle Schwimmen auf dem Meeresboden angelanpt, dann fühlt man sich eine Minute oder auch langer ganz hilflos, wie wenn man daS Gewicht des Universum« allein tragen müßte Aber biefc lähmende Schwere weicht, und plötzlich empfindet man. wie sich die MuSkeln den auhergewöhnsichen Forderungen angepaßt haben, wie der Körper seine Dewegungsfrcihcit wicdercrlangt, unb nun aeht man, wenn auch zunächst langsam, an die Arbeit. Das Licht von oben ist je nach der geographischen Lage sehr verschiedenartig. An manchen Orten deS Ostens bringt das Tageslicht so hell herein, dah der Taucher auch in der größten Tiefe xu sehen vermag Aber in den nordischen Gewässern ist es nur eine unsichere und unheimliche Dämmerung. Im allgemeinen hat der Taucher wenig zu fürchten, besonders in den nördlichen Breiten, wenn der Luftschlauch und die Signalleine in Ordnung sind, aber in den östlichen Meeren fehlt es nicht an aufregenden Abenteuern, von denen unS Taucher unter Wasser berichtet haben. Siner fühlte sich plötzlich völlig umhüllt von einer dicken, gallertartigen Meeralge, die seinen Tclephondraht ab- rih unb seinen Lustschlauch zuprehte. Er konnte sich erst nach einem furchtbaren, fast halbstündigen Kampf mit feinem Messer befreien, als er die schaurige Masse von seinem Kopf wegge- schnitten hatte, schloß sich die Alge an der verwundeten Stelle sofort wieder zusammen. Häufiger werden Taucher von Tintenfischen angegriffen. Ein solches Untier preßte einen neflgen Fangarm um einen Taucher, bevor er noch die Gesahr erkannt hatte, fo daß er seine Signalleine verlor. Er befreite sich mit dem Meller, wäre aber beinahe noch einmal von dem Untier gepackt worden, als er die Leine wiederzuerlangen suchte. Die größte Gefahr für den Taucher bilden wohl bie Haifische; fie find imstande, blitzschnell mit ihren scharfen Zähnen Telephondraht, Luftschlauch und Signalleine zu zerstören, und den Mann in den Meerestiefen in eine furchtbare Lage zu bringen.“ Hockschulnacknchlen. Der durch die (Emeritierung des Geheimen Rats Profesior Lenard an der Universität Heidelberg frei gewordene Lehrstuhl der Physik ist dem orbent- liehen Professor Dr. phil. Dr -Ing. h. c Robert Pohl, Direktor des ersten Physikalischen Institut» in (Böttingen, angeboten worden. „Quer durch die Seine" in Paris. Dio meisten Teilnehmer gaben wegen der großen Kälte auf. Der DFB. h a t jetzt endgültig bestimmt. daß das Bundespokalspiel Süddeutschland gegen Norddeutschland am 10. Januar in Saarbrücken stattzufinden hat. Die Berliner Einsprüche wurden also abgelehnt. Ladoumögue geht zu den Waldläufern. Jules LadoumLgue, Frankreichs größter und erfolgreichster Leichtathlet nach dem .Kriege, hat Launen wie eine Filmdiva. Nachdem sein Versuch als Rugbyspieler daneben gegangen ist, will er jetzt im Winter an den in Frankreich so populären Querfeldeinläufen teilnehmen. Allerdings beschränkt sich Ladoum^gue damit wenigstens auf sein Spezialgebiet. Bei seiner großartigen Veranlagung dürften auch hier Erfolge nicht ausbleiben. Mit Ladoumögue, Michot und Raymond besitzt der CAST. Paris eine der stärksten französischen Eroscountry-Mannschaften. Senkung des Frankfurter Straßenbahn arifs. Frankfurt a. M., 29. Dez. (WSN.) Die Verkehrsdeputation hat gestern beschlossen, alle Maßnahmen zu treffen, um die S e n k u n g d e s Straßenbahntarifs beschleunigt durchzuführen. Vor allen Dingen soll der Tarif für Kurzstreckenfahrer gesenkt werden. Künftig soll eine Straßenbahnfahrt über vier Teilstrecken mit Umsteiaeberechtigung nur 20 Pf. kosten und für die gleiche Fahrtstrecke sollen auch Fahrschcinheftchen mit fünf Fahrscheinen für 90 Pf ausgegeben werden, wenn die Fahrt ohne Umsteiaen durchgeführt wird. Bisher hatten Kürzstreckenfahrer nur die Möglichkeit, unter Benutzung von Fahrscheinheften drei Teilstrecken für 20 Pf. zurückzulegen. Weitere Senkungen sind vorgesehen für Netzkarten und für Monatsstreckenkarten. Der Tarifsenkungsvorschlag soll dem Reichskommissar für Preisüberwachung eingereicht werden, um den Erlaß der Reichsbeförderungssteuer, die etwa 900 000 Mark im Jahre beträgt, mit Hilfe des Reichskommissars zu erreichen. Zur Zeit nicht akut. WSN. Darmstadt, 29. Dez. Das Regierungsblatt meldet zu den Gerüchten über den Verkauf von Staatswaldungen: „Wie bekannt, hat sich seinerzeit die hessische Regierung vom Landtag ermächtigen lassen, Staatswoldungen in beschränktem Umfange zu verkaufen. Es haben deswegen auch verschiedene Verhandlungen stattgefunden. Ein Verkauf von Staatswald ist aber entgegen anderen Darstellungen zur Zeit nicht akut. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) B. 3- Der Grundstückswert im Sinne der §§ 1 bis 3 des dritten Teiles der III. Notverordnung, der mit sieben Zehnteilen bei der Zwangsversteigerung eines Grundstücks erreicht werden muß, ist vom Vollstreckungsgericht nach Maßgabe der folgenden Vorschriften festzusetzen: Bei der Festsetzung ist von dem für den 1. Januar 1931 festgesetzten Einheitswert und, soweit dieser noch nicht festgesetzt ist von dem sonstigen für die Steuern maßgebenden Wert auszugehen. Veränderungen des Wertes, die in der Beschaffenheit oder in sonstigen Verhältnissen des Grundstückes ihren Grund haben, sind zu berücksichtigen, ebenso etwaige Wertverschiebungen infolge der allgemein-wirtschaftlichen Entwicklung in angemessenem Umfange. Auswirkungen einer nur vorübergehenden Krise kommen nicht in Frage. Es können Sachverständige gehört werden. Der hiernach festgesetzte Wert ist vor der Aufforderung der Abgabe von Geboten bekanntzugeben. Der Zuschlag oder seine Versagung kann nicht mit der Begründung angefochten werden, daß der Wert unrichtig festgesetzt worden sei. Ich hab dir verzieh«! Vornan von W TMUERn YOH LICHTERFELDE Hine herzergreifende Tragödie aus einer preuß. Kadettcnan-talt MltzwklN */1 dl. o. Gl. 60 Hotroeln Mi M. 0. Gl. 70 büfier Hotroeln Viter o. «ZI. 1.20 Irnnüen-5ett */» Fl. 3.50 Sdsl Sett */i Fl. 1.70 Gröüeeren '/, Dose 1.20 Sdieimime o. K., Pfd. 25 r?r alt, 750, Oi^sen /?>,-. • Alk. i/ i. 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