Nr. 75 Erstes vlatt 18(. Jahrgang Montag, 30. März <931 GießenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck vnv Verlag: vrühl'sche Universttatr-Vuch- vnd Stdnöruderet B. Lange in Liehen. Schriftleitung und Seschäftrstelle: Zchulstraße 7. Eriche>ni täglich,trafen Sonntags und Feintag» Beilagen Die Illustrierte Ctefeenei Familienblätt« hnmat im Bild Die Scholle monats Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsenntg für Träger» lohn, auch bet Richter» scheinen nnjelner'Jlummem infolge höherer Gewalt, Hernfprechanschlüste anterSammelnummer2251 $n| Vor neuen Aufgaben. Die Reform der Arbciisiofcnverfichcrung. Berlin. 29. März. (ERB.) In politischen Kreisen rechnet man damit, daß zwar in der Außenpolitik die Diskussion über die deutsch- österreichische Zollunion auch über Ostern weilergeht, daß aber mit der Karwoche nun innerpolitisch d ie Osterpause beginnt. Die meisten Minister werden in den Feiertagen nicht in Berlin fein. Inzwischen werden in den Ministerien eine Reihe sachlicher Vorbereitungen zu treffen fein, damit Ende April weitere Maßnahmen zur Behebung der gegenwärtigen Notlage ergriffen werden können. Für diesen Zeitpunkt rechnet man in unterrichteten Kreisen mit dem Erscheinen einer weiteren, und zwar umfangreichen, Notverordnung, die eine Anzahl gesetzgeberischer Maßnahmen auf verschiedenen Gebieten umfaßt. Dazu dürfte u. a. eine Neuregelung der Arbeitslosenversicherung gehören, für die auch auf längere Sicht die Mittel gesichert werden müssen. Es darf nicht übersehen werden, daß die Durchschnittsziffer der Arbeitslosigkeit im Rechnungsjahr 1930 nur 3,2 Millionen betrug, daß aber nach dem starken Ansteigen der letzten Monate für das Jahr 1931 doch mitein er um einige 100 000 höhe- renDurchschnittszahl gerechnet werden muh. Der Reichsarbeitsminister wird seine auf weite Sicht eingestellte Politik, der es zu danken ist, dah die Arbeitslosenfürsorge trotz aller Schwierigkeiten durchgehalten werden kann, auch für das neue Etatsjahr beibehalten. Die rechtzeitige finanzielle Sicherstellung der Fürsorge ist auch schon deshalb notwendig, weil d i c Belastung der Gemeinden durch die Wohlfahrtsfürsorge gewaltig gestiegen ist und die Reichsregierung unter keinen Umständen neue Steuern einführen will. Auch die Probleme der Arbeitsbeschaffung und der Arbeitsstreckung werden in den nächsten Wochen weiter durchgearbeitet werden. Diese Fragen stehen in engem Zusammenhang mit der kredit politischen Entwickelung. In unterrichteten Kreisen erwartet man bekanntlich, dah die parlamentarische Verabschiedung des Etats sich in dieser Beziehung günstig auswirken wird. Es ist zu hpffen, dah sich darüber in einigen Wochen bereits eine gewisse Liebersicht gewinnen läht. Das ist besonders wichtig auch im Zusammenhang mit dem Problem der Wiedereingliederung größerer Teile des Arbeitslosenheeres in den Wirtschaftsprozeh und gilt besonders im Hinblick auf die Belebung des Baumark- tes. Auch im Reichsfinanzministerium werden eine Reihe von Fragen bearbeitet, die unter das Programm fallen, das die Reichsregierung im Laufe der nächsten Zeit zu verwirklichen gedenkt. Sie wird gleich nach der Osterpause an alle diese Dinge Herangehen und mit aller Energie die Bekämpfung der augenblicklichen Notstände aufnehmen. Aus aller Welt. Zehn Grad Kälte und Schneetreiben im Riefengebirge. Auf dem Kamm des Riesengebirges herrscht» Sonntagvormittag bei zehn Grad Kälte, starkem Nebel und lebhaftem Wind Schneetreiben. Cs sind im Gebirge bis ins Tal hinein etwa 10 Zentimeter Neuschnee gefallen. Auch in Görlitz und der weiteren Umgebung der Oberlausitz setzte in den frühen Morgenstunden bei etwa 2 bis 3 Grad Kälte mit Unterbrechung lebhaftes Schneetreiben ein, doch blieb der Schnee infolge steigender Temperaturen hier nicht liegen. Lin englischer Dampfer vom Lis erdrückt. Der 2000 Tonnen große britische Frachtdampfer „Arniston" ist in der letzten Nacht im Rigaer ÖH e e rb u | c n gesunken. Das Schiff befand sich in einer Dampferkarawane, die gegenwärtig von einem Eisbrecher aus Riga in die Ostsee geführt wird und mit ungeheuren Cis- schwierigkeiten zu kämpfen hat. Die Wände des englischen Dampfers wurden von den Cismassen eingedrückt und der Dampfer sank nach vierstündigem, vergeblichem Bemühen, ihn über Wasser zu halten. Seine 22 Mann starke Besatzung wurde von dem Eisbrecher gerettet. Auch die übrigen Schiffe der Karawane sind in kritischer Lage. Der deutsche Dampfer „Novex" hat einen Steuerscha. en, ein lettischer Dampfer ein großes Leck. Sie wurden von dem Eisbrecher ins Schlepptau genommen. Autobus im Schueesturm. — Fünf Kinder erfroren. Bei Towner (Colorado) wurde ein Schul- vminibus, in dem sich insgesamt 23 Kinder .m Alter von 8—14 Jahren befanden, von einem heftigen Schneesturm überrascht. Der Fahrer versuchte, die nächste Telephonstation zu erreichen, um Hilfe herbeizurufen, blieb jedoch unterwegs im Schnee sturm stecken. Zwei Scheiben des Autobusses wurden von dem Sturm eingedrückt. Die Kinder versuchten sich vor der Kälte zu schützen, indem sie ein Feuer aus Den Sitzen machten. Fünf Kinder sind erfroren. Ein Flugzeug ist unterwegs, um die überlebenden« Kinder zu retten. vier Personen mit der Axt erschlagen. In der Nacht zum 28. März wurden im Hause des Goldarbeitcrs Karl Zoll in Engelsbrand (Württemberg) vier Personen im Schlaf überfallen und mit einer Axt erschlagen. Die Getöteten sind der 60 Jahre alte Hausbesitzer Karl Zoll und dessen Ehefrau Rosine, ferner Rosa Beyle, geb. Zoll, Ehefrau des Goldarbeiters Eugen Beyle, sowie ihr achtjähriger Sohn Eugen, während ihr vier Wochen altes Stinb am Leben blieb. Die Bluttat wurde erst Samstag nachmittag von einer noch ledigen Tochter des ermordeten Karl Zoll entdeckt. Als vermutlicher Täter wurde der Ehemann der getöteten Rosa Beyle f e ft g e n o m m e n und ins Amtsgerichtsgefängnis nach Neuenbürg eingeliefert. Die Eheleute Beyle lebten infolge schwebender Ehescheidung getrennt. Der Verhaftete bestreitet die Tat. Flugzeug im Kampf gegen eine Schmugglerbande. Auf dem Eise des Finnischen Meerbusens hat sich ein erbitterter Kampf mit Schmugglern abgespielt. Ein Flugzeug hatte eine größere Schmugglerkarawane entdeckt, die sich v o n der estländischen Seite her ter finnischen Küste näherte. Die Schmuggler eröffneten sofort Gewehrfeuer auf das Flugzeug, das von drei Kugeln getroffen wurde. Daraufhin wurde eine starke Patrouille gegen die Schmuggler ausgesandt. Alle Zollstationen an der finnischen Küste wurden alarmiert. Nach großen Anstrengungen konnten die Schmuggler gefaßt werden. Nicht weniger als 16 Pferdegespanne mit 6000 Liter Sprit wurden beschlagnahmt. Fast alle Schmuggler, größtenteils Esten, wurden verhaftet. Frau Dr. Kienle aus der Hast entlassen worden. Frau Dr. Iakobowitz-Kienle istimHunger - streik geblieben. Die Ermittlungen lassen, wie das Gericht mitteilt, eine fernere Verdunkelungsgefahr nicht mehr begründet erscheinen. Deshalb hat die Untersuchungsbehörde von ihrer gesetzlichen Befugnis, die Zwangsernährung durchzuführen, keinen Gebrauch gemacht. Frau Dr. Iakobowitz ist im Hinblick auf das ZeugmS des Gerichtsarztes, der bei ihrem derzeitigen, durch den Hungerstreik verursachten Schwäche- zu stand die weitere Haftfähigkeit ernstlich bezweifelt, aus der Haft entlassen worden. Schweres Boolsunglück. Auf der unteren Ruhr bei Duisburg, oberhalb des Stauwerkes, ereignete sich ein schweres Bootsunglück. Zwei junge Leute aus Osterfeld befuhren die Ruhr mit einem Paddelboot. Durch die an .dieser Stelle herrschende starke Strömung wurde das Boot gegen einen Pfeiler des Stauwerkes geschleudert, wobei es zerschellte. Die beiden Insassen wurden das Stauwerk hinuntergetrieben und ertranken in dem starken Strudel. Aus der Provinzialbauptstavi Diehen. den 30.März 1931. Friedrich iRehneli 70 Jahre alt. Am heutigen Montag, 30. März, begeht der Unioersitäts • Garteninspektor i. R. Friedrich Rehnelt in Gießen in voller geistiger und körperlicher Frische, beseelt von rastloser Schaffens- freude, seinen 7 0. Geburtstag. Der Jubilar, ein geborener Schlesier, machte seine Lehrzeit in einer bedeutenden Obst- und Ge> musegärtnerei und anschließend die erste Gehilfen- tätigkeit in Schlesien durch. Von 1885 bis 1888 wirkte er an der Lehranstalt für Obst- und Wein- bau in Geisenheim am Rhein, danach war er bis 1890 im Frankfurter Palmengorten tätig, hierauf arbeitete er bis 1892 in einer Samenexporthandlung in Oberitalien. Sodann kam er im Herbst 1892 noch Gießen in den Betrieb des Universitätsgarlens, in dem er bis zum Herbst 1926, wo er als Uni- oersitäts Garteninspektor in den wohlverdienten Ruhestand trat, tätig war. Zur Weiterbildung in seinem Berufe unternahm Herr Rehnelt wiederholt Studienreisen. Er bereiste zum Studium der Pflanzenwelt die Alpenländer und Südeuropa bis nach Sizilien. Weitere Studienreisen führten ihn nach den Niederlanden und noch England. Vom Herbst 1911 bis Frühling 1912 war er in Begleitung des Geheimrats Hansen unterwegs nach Ceylon, von 1913 bis 1914 unternahm er dorthin noch einmal allein eine ausgedehnte Studienreise. Sein Wirken, das sich nicht nur auf seine dienstlichen Obliegenheiten im Unioersitätsgarten beschränkte, sondern auch schriftstellerisch und in Vorträgen zutage trat, brachte ihm zahlreiche Anerken- nungen ein; neben Orden und Ehrenzeichen ehrte und erfreute den Jubilar besonders ein Bild des früheren Grohherzogs mit eigenhändiger Unterschrift, das ihm als Zeugnis besonderer Auszeichnung zuteil wurde. In ehrenamtlicher Tätigkeit gehört Herr R e h n e l t dem Präsidium der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft an, ferner ist er erster Vorsitzender des Gießener Obst- und Gartenbauoer- eins und 2. Vorsitzender des Äreis-Obst- und Garten- bauoereins Gießen. Darüber hinaus gehört er noch verschiedenen Körperschaften an. Der Lesergemeinde des „Gießener Anzeigers" ist er als Mitarbeiter der „Scholle" feit einer Reihe von Jahren ein guter Berater in allen Fragen des Obst- und Garten- baues gewesen dessen Sachkunde und Erfahrung« vielen von großem wirtfchafllichen Nutzen geworden ist. Auch durch seine Vorträge in den Gartenbauvereinen und durch seine ehrenamtliche Beratertätigkeit bei verschiedenen größeren Obstbauaufgaben (Umpfropfaktion) hat er der Allgemeinheit wertvolle Dienste geleistet. Sein allezeit gefälliges und liebenswürdiges Entgegenkommen gegen jedermann, der seinen Rat sucht, sowie seine vortrefflichen Charaktereigen, schäften haben ihm die Verehrung und Wertschätzung weitester Bevölkerungskreise in Stadt und Land gesichert. Hessischer Gtädtetag. Der Vorsitz in: Hessischen Städte- tag geht ab 1. April d. 3. für die nächsten ätoci Jahre auf Oberbürgermeister Rahn in Worms über. Die Geschäftsstelle des Hessischen Städtetages befindet sich von diesem Zeitpunkt ab in Worms (Rathaus). Radilaldemokratische Partei. Am Donnerstagabend sand im Cafe Leib eine Versammlung der Radikaldemokrati- schen Partei statt, die von Anhängern verschiedener Parteien besucht war. Der für die Versammlung vorgesehene Redner war, wie der Versammlungsleiter crilärtc, am Erscheinei, verhindert, an seiner Stelle sprach der Gauleiter von Westdeutschland, Herr Freyburger. Der Redner knüpfte an die Ereignisse seit dem 14. September an, übte Kritik am Rationalsozialismus, an der Form der deuschen Republik, an Justiz und Reichswehr imb verurteilte die in letzter Zeit zutage getretenen Erscheinungsformen der rohen Gewalt im politischen Kamps. Er kritisierte die Maßnahmen der Regierung in bezug auf Lohnsenkung und Preisabbau, und warf die Frage auf, wie sich die Verhältnisse zur heutigen Lage entwickeln konnten. Die Führer oer Republik seien nach der Revolution, so führte der Vortragende u. a. aus, der Lage nicht gewachsen gewesen, man könne heute nicht von einer sozialen Republik sprechen, auch nicht von einer wahren Demokratie, da das Volt niemals regiert habe. In den Parlamenten hätten nie Gesinnungsgemeinschaften. sondern lediglich Zweckgemeinschaften die Geschicke des Staates bestimmt. Das Parteiwesen und das öffentliche Leben befinde sich deshalb in dem Zustand der Erstarrung, der leicht zu einer Diktatur führen könne. Die Radikaldemokratische Partei habe gegründet werden müssen, nicht, um lediglich eine neue Partei zu schassen, sondern in energischem Zielstreben dahin zu wirken, daß mit Halbheiten gebrochen werde; das endgültige Ziel sei die wahrhaft soziale Republik. Eine Klassifizierung der Menschheit lehne die Radikaldemokratifc^ Partei ab, sie werde sich einsehen für eine Verständigungspolitik mit dem Ausland, auf dem Wege der Verständigung eine Herabsetzung der Tribute an- strcben, und ein geeintes Deutschland zu schaffen bemüht fein. Die Partei werde sich weiter einsehen für Reduzierung des Veamtenapparates, für Herabsetzung der Arbeitszeit, für Schulreform, für Abschaffung des § 218, sowie für die Ab- fchaffung der Todesstrafe u. a. m. Zum Schluß forderte der Redner auf, eine geschloffene Front zu bilden und mitzuhelfen an der Schaffung einer sozialen Republik. 3m -Anschluß an den Vortrag sand eine Aussprache statt, in der ein Mitglied der Rational- sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei,, ein Stahl- helmer und ein Vertreter der Staatspartei sprachen. Obwohl die Versammlung zum Teil sehr stürmisch verlief und durch viele Zwischenrufe gestört wurde, kam es erfreulicherweise zu keiner ernstlichen Auseinandersetzung. Daten für Dienstag, 31 März Sonnenaufgang 6.06 ilfcr, Sonnenuntergang 18.53 Tlhr. — Rlondausgang 15.45 U&r, Monduntergang 525 ilbr. 1596; der Philosoph Rene Descartes in. La Hahe geboren; — 1727: der englische "Naturforscher Isaac Rewton in London gestorben; — 1809: der russische Schriftsteller R. W. Gogol in Sorotschinzy geboren; — 1811: der Chemiker E. W. Dunsen in Göttingen geboren. Bornotizen. — Tageskalender für Montag: Gießener Konzertverein: Orgelkonzert Günther Ramin, Leipzig. — Sp -Vgg. 1900: Leichtathletik- Vollversammlung, 20.30 Uhr, Turnhalle Pesta- lozzischule. — Lichtspielhaus, Dahnhofstrahe: „Wiener Liebschaften". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Dienstag, 20 Uhr, Gastspiel der Fran Prasch-Grevenberg als Herzogin in Wildes Gesellschaftskomödie „Lady Windermeres Fächer"; Spielleitung Walter Väuerle. — Mittwoch. 1. April, 20 Uhr, das Spiel zu Dreien von Klabund: „X Y Z“ unter der Spielleitung Dr. Ritters. — Freitag (Karfreitag) bleibt das Theater geschlossen. — Für Samstag, 4. April (im Freitaaabonnement), hat die 3nteiw danz ein Werk Arthur Schnitzlers zur Uraufführung angenommen. Schnitzler nennt sein Stück „3m Spiel der Sommer lüfte", ein Spiel in drei Aufzügen. Spielleitung Walter Väuerle. — Am Ostersonntag, 18.30 Uhr, Wiederholung der Ge- sellschastskomödie Oskar Wildes „Lady Windermeres Fächer" unter der Spielleitung Walter Bäuerles mit Frau Prasch-Grevenberg. — Montag. 6. April (Ostermontag). 15 Uhr, zum letztenmal. Klabunds Lustspiel „X Y Z“ unter der Spielleitung von Dr. Ritter. — Am Mittwoch, 8. April, und Donnerstag. 9. April (im Dienstagabonnement), zweimaliges Gastspiel der Vereinigten Operettentheater Bochum-Hamborn. Zur Aufführung gelangt die Schlageroperette „Viktoria und ihr Husar", in drei Akttm von Grünwald und Löhner-Beda, Musik von Paul Abraham. * » " T o t a l eM o nd f i n st e rn i s a m 2. A pri l. Bei dem am 2. April d. 3. stattfindenden „Öfter- vollmond" tritt unser Trabant in den Schattenkegel unserer Erde und wird dadurch total verfinstert. Bei klarem Wetter kann das Himmelsereignis in Südwstdeutschland in seinem ganzen Verlauf bequem beobachtet werden. Der Mond geht etwa 18.50 Uhr auf und um 19.23 Uh^ beginnt der südöstliche Mondrand in den Kern- schaften der Erde einzutauchen. Um 20.22 ist die ganze Mondscheibe im Erdschatten: die Totalität hat begonnen. Doch verschwindet der Mond nicht völlig vom Himmel, vielmehr leuchtet er meist noch in tiefgelbem oder kupferrotem Licht, da durch die Strahlenbrechung des Sonnenlichtes in der Erdatmosphäre meist noch etwas Licht in den Kernschatten der Erde abgelenkt wird. Die Mitte der Finsternis tritt um 21.07 Uhr ein. Die Totalität endet um 21.53. Schließlich verläßt um 22.52 Uhr der Kernschatten völlig die Mondoberfläche, der Halbschatten verläßt sie um 23 48 Uhr. ** Ermäßigtes Porto für Ost ergrübe. Gedruckte einfache Oftertarten, die in Größe, Form und Pap;erstärkä den Desttmmungen für Postkarten entsprechen und ohne Umschlag versandt werden, unterliegen einer ermäßigten Gebühr. 3n diesen Karten dürfen außer den sogenannten Absenderangaben | Absendungstag, Rame, Starck» und Wohnort nebft Wohnung des Absenders) noch weitere fünf Wörter, die mit dem gedruckten Wortlaut im Zusammenhang stehen müssen, handschriftlich hinzugefügt werden. Als solche zulässigen Rachttagungen gelten z. D. die üblichen Zusätze „lendet", .Ihre", .Dein Freund", .sendet Dir", .sendet mit besten Grüßen Ihre" ulw. Die Gebühr beträgt sowohl im Ortsbereich des Aufgabeortes, als auch im innerdeutschen Fernverkehr sowie im Verkehr mit der Freien Stadt Danzig, Litauen und Memelgebiet, Luxemburg und Oesterreich für einfache Kartei: (ohne Umschlag versandt) 3 Psennig, und für Karten in offenem Umschlag bis 20 Gramm 4 Pf. ** Zu dem Unglücksfall auf der Heuchelheimer Chaussee, bei dem am Freitagabend der Chormeister Gör lach von Gießen in beklagenswerter Weise ums Leben kam, haben die polizeilichen Ermittelungen weiter ergeben, daß die nach Zeugenaussagen nicht ab- geblendeten Kraftwagen in der Gegend von 2im» bürg beheimatet sind. Das Personenauto ist auf den Ramen des Lehrers Duhlmann in Flacht bei Diez, das Lastauto auf den Ramen von Willy Müller, Kirberg bei Limburg zugelassen. ** Prüfung für Lebensrettung. Bei dem Lehrgang für Lebensrettung mit anschließender Prüfung konnte Frl. Margot Jakobsohn in Gießen als einzig mitwirkende Dame die Prüfung für den Grundschein der Deutschen Lebensrettungs- Gesellschaft bestehen. Es wurde ihr Urkunde und 21b- Zeichen zugestellt. ' Rückkehr der Schneegänse. Am Sonntagvormittag überflog ein Zug Schneegänse in der bekannten Keilform von Süden nach Horben unsere Stadt. Wahrscheinlich infolge des starken Rordnordostwindes flogen die großen, laut schreienden Vögel, 26 waren es, in nur geringer Höhe und mäßiger Geschwindigkeit. ’’ Ausstellung ''der Berufsschule. Auch die Berufsschule trat am Ende der vergangenen Woche mit einer Ausstellung an die Öffentlichkeit, die einen umfassenden Ueberblick über die Art des Schaffens in der Berufsschule gestattete. 3n der Hauptsache handelte es sich dabei um technische Zeichnungen, die aus der Praxis heraus und für die mögliche Verwendung in der Praxis geschaffen wurden. So sah man sauber ausgeführte Zeichnungen der Elektriker, der Schreiner, der Maschinenbauer, der Schlosser, Spengler und Installateure, schematische Darstellungen der Maurer und Dachdecker, Zeichnungen und Entwürfe der Weißbinder u. a. m. Besonders die Plakatentwürfe der Weißbinder konnten besonderes Interesse für sich in Anspruch nehmen, da gerade in diesen Arbeiten viel eigenes Schaffen dokumentiert wurde. Die Buchdrucker waren ebenfalls mit Entwürfen und den im eigenen Werkunterricht hergestellten Ausführun- 1 gen vertreten. Eine reichhaltige Ausstellung konnten auch die Friseure zeigen, denn im Werkunterricht tourben eine Reche von Perücken, Zöpfen und Ersatzteilen hergestellt, die eifrige praktische Arbeit bewiesen. Sehr reichhaltig war eine Ausstellung von Lehrmitteln für den landwirtschaftlichen Unterricht, der seit einiger Zeit ebenfalls an der Gewerbeschule mit viel Erfolg gepflegt wird. Die verschiedensten Düngemittel, Präparate für die Schädlingsbekämpfung, Krankheitsbilder einzelner Pflanzen, schematische Darstellungen über Viehhaltung, Geflügelzucht, Getreidewirtschaft usw. gaben zugleich einen Ueberblick über die umfangreiche Materie, mit der gerade die Landwirtschaft sich zu befassen hat. Die Einführung des landwirtschaftlichen Fortbildungsunterrichts darf man als einen großen Fortschritt bezeichnen. Jedem Besucher wurde die Bedeutung Der Berufsschule in ihrer ganzen Tragweite in dieser Ausstellung klar vor Augen geführt. Oberheffen. L "23 i e f c d, 30. März. Am Dienstag, 31. März; feiert unsere Mitbürgerin Katharine Weller Wwe., geb. (Sommerlab, in geistiger unb körperlicher Frische ihren 8 5. Geburtstag. g. Röbgen, 28. März. EPen schönen E l - ter nabend bereitete Lehrer Koch mit den Schülern der zweiten Schulklasse. Eltern, Geschwister und Verwandte unserer Schulkinder, dazu die älteren Schulkameraden unb viele Freunde unserer Schule hatten sich in stattlicher Anzahl in WagnerS Saal versammelt. Rach einem von Lehrer Koch, Lehrer Paul und Lippert vorgetragenen flotten ErössnungS- marsch begrüßte Lehrer Koch die •rfdjtcncncn und erläuterte kurz den Zweck der Veranstaltung. Darauf wickelte sich in bunter Reihenfolge ein reichhaltiges Programm vor den freudig überraschten Besuchern ab. Es war auf den Ton gestimmt: „Es muß doch Frühling werden!" Verschiedene Gedichte wechselten mit Sprechchor, Ein- zelaustritt unb Gesängen ab. Dazwischen wurden szenische Darbietungen und ein Frühlingsreigen ausgesührt. Die Zuhörer stimmten froh in das gemeinsame Lied: „Der Mai ist gekommen" mit ein. Bürgermeister Wagner dankte im 21 amen der Gemeinde. Pfarrer Bönning sprach als Vertreter der Elternschaft deren Dank aus unb lieh seine Ausführungen ausklingen in einem .Hoch auf daS Vaterland, worauf die Versammlung daS Deutschlandlied anfhmmtc. Dann sprach Lehrer Koch das Dankes- und Schlußwort. 2HIc Darbietungen ernteten lebhaften Beifall. Oie Detterlage. f 4 L 4^ ILc, ’-A o\j V VA Äi° LofxT_ 8 Qwoixemoi. 0 neuer. t>nafb vedernr. 9 woitig. • oeuem eRege^ w Sehnet a traupein. - NePel K Gewitter (Q)windstnte..o wflr «irnter C51 nissiger Süfliudwen q stormucntr tordweil oie »reue fliegen mit dem Winde. Pie veigen Stationen stenenden l*t» «n geben die Temperatur an. Pie Linien verbinden Ortcmit gleiche^ auf Meeresniveau „mgerrenneiee Luftdruck Wettervoraussage. Das Hochdruckgebiet hat sich über Skandinavien mit einem Kern von über 775 Millimeter Luftdruck aufgebaut und erstreckt sich bis über Deutschland. Die aus ihm ausfliehende Kaltluft überflutet weiterhin, begünstigt durch die Rückseite der Polenstvrung, Zentraleuropa und verursacht bei Aufklaren immer noch Rachtfrost. Rcuerdings kommt cs unter ihrer Einwirkung auch zu einzelner Wolkenbildung und in Ostdeutschland treten sogar einzelne Schneefälle auf. Der hohe Druck bleibt zunächst bestimmend für die Wetterlage, so daß außer vereinzelt auskommcnder Bewölkung bei uns keine wesentliche Acnderung zu erwarten ist. i Aussichten für Dienstag: Teils heiter, teils wolkig, weiterhin Nachtfrost, trocken. Lufttemperaturen am 29. März: mittags 4,7 Grad Celsius, abends —-1,3 Grad; am 30. März: morgens — 3,2 Grad. Maximum 5 Grad, Minimum —5,5 Grad. (Schluh des redaktionellen Teils.) Es ist bekannt, daß sich die amerikanischen Rund- sunkhörcr fast ausschließlich dynamischer Lautsprecher bedienen. Durch Benutzung solcher Geräte wird der Wert und die Leistung einer Rundfunkanlage wesent. lich gesteigert. Anläßlich der Leipziger Frühjahrsmesse hat die Firma Radio H. Mende & Co., G. m. b. $)., Dresden-N. 15, einen dynamischen Lautsprecher „Mende-Dynamo" herausgebracht, der allen gc- bräuchlichen Endröhren angepaßt ist, 2251V 10 Kaetioue*. FORD-WAGEN HFi iO^/>2-TUR6GE LIMOUSINE Ä YjOfiA I l/l/vAt 5-SITZIG, PREIS AB WERK M OOwU HEUTE MF ALLEN STRASSEN DER WELT/ WARUM? WEIL DER NAME FOPD FÜR DEN AUTOMOBILKÄUFER EIN QUALITÄTSBEGRIFF IST D1E CREDIT-AKTIEN GESELLSCHAFT FÜR FORD* FAHRZEUGE FINANZIERT IHREN ANKAUF FORD MOTOR COMPANY A.G. BERLIN-WESTHAFEN 0 und 4 Enkelkinder. Rudolf Görlach Gießen, Jena, Frankfurt a. M, Bensheim, Berlin, den 30. März 1931. 2290 D 01840 Bauerscher Gesangverein e.V 2289 D Lollar, den 27. März 1931. Weißwein 017 K Nachruf. ohne Glas, das Liter RM. 0.65 niar Aliendorf, den 29. März 1931. 0184' Gesangverein »Liederkranz«, Heuchelheim. 228n D Holzheim, den 26 März 1931 22?2 D teppich. 22790 2292 D Der liehe Gott nahm heute früh 5‘I, Uhr unsere innigstgeliebte Scliottitr. 13. ,D [22861) gefudjt. 2281 O fteplerstr.s, pari. (Sambach (Hessen). DRAHTGEFLECHT 2 Seiner- WNU Stachel- und Spanndraht, sowie sämtliche Garten- und landwirtschattl. Geräte. 1790 a EdgarBorrmann, Eisenhandlung Gießen, den 28. März 193L Die Beerdigung findet Dienstag, den 31. März, nachmittags 21/, Uhr von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt. Hotel Kobel Liebigstraße 9. Suche für Oste n ein. fiüftig^ flcfunö. Bäcker- Lehrling der die Brot-u. Feinbäckerei erlern, will. Schrilil. Angeb. nut. 2275 > a. d. (9h. Anz. Am 27. d. M. verschied plötzlich und unerwartet infolge eines Unglücksfalles unser Chormeister Seit 1924 hat der Verstorbene unseren Verein geleitet und demselben in vorbildlicher, aufopfernder Weise große Dienste geleistet. Tieferschüttert nehmen wir Abschied von unserem lieben Chormeister, dessen hervorragendes Wissen und Können und seine nie ermüdende Schaffensfreude wir sehr schwer vermissen werden Wir werden ihm ein dauerndes, ehrendes Andenken bewahren. Gießen (Bahnhofstr. 50), den 28. März 1931. Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 31. März, nachmittags 41/, Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. plötzlich entrissen worden. In tiefer Trauer die Hinterbliebenen: Lina Görlach, geb. Weinei Lotte Görlach : Verlobungs - Anzeigen ' H efert die Brühl'sche Druckerei Die Bestattung findet am Dienstag, dem 31. März, nachmittags um 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt In tiefer Trauer: Minna Mengel zugleich im Namen der Hinterbliebenen. Gießen, den 30. März 1931. Die Beerdigung findet statt: Mittwoch, den 1 April, nachmittags 2 Uhr. auf dem Alten Friedhof. 2300 D In tiefstem Schmerz: Familie Hermann Simons. Danksagung. Für die so große Anteilnahme bei dem Heimgange meines lieben, unvergeßlichen Mannes fierrn Franz Tauber!, »einumderaieisier i.n. sage ich auf diesem Wege im Namen der Hinterbliebenen herzlichsten Dank. Frau Katharina Taubert Wwe. Vereine Tanzclub Rot-Weiß Das Training findet heute abend in der Tanzschule Bäulke statt. 2296 d Der Vorstand. Am 28. März entschlief sanft nach kurzem Leiden meine liebe, treubesorgte Mutter, unsre gute Schwester und Schwägerin Frau Berta Mengel Wwe., geb. Kehm im 72. Lebensjahre. Für die vieltn Beweise aufrichtiger und wohltuender Teilnahme bei dem schweren Verluste, der uns betroffen, sagen wir allen unseren innigsten Dank. Familie Heinrich Mootz. Gießen, den 30. März 1931. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen Friedrich Bergener sagen wir herzlichen Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Mittwoch, den l.Äpnl 19ZI, nachmittags 2 ilhr, versteigere ich dahier Neuenweg 28, »Zum Löwen" zwang weise gegen Barzahlung: 1. einen Radioapparat, zwei Transmissionswellen. eine größere Partie Topfdeckel. eine Registrierkasse, Fruchfreffs, Sensenwürfe, Heurechen, Messingslan- gen, holzrietnenscheiben, Ofenrohre. Ofenrohrrosetten, Gardinenleisten, Portieregarnituren (zerlegbar, mit Ringen und Haltern), zwei Rübengabeln, Waschbretter. einen Schaufenstereinsah mik Marmor (für Mehgerladen), 400 Pfund Konseroensalz, einen Fleischwolf, einen Kassenschrank, einen großen Eisschrank, Bleistifte, Kopierstifte, Radiergummi, Tintengummi, Schreibmaschinengummi, federn. Schreibblöcke. Ouartbücher, Quartpapier. Oktaopapier, Dokumentenmappen. Zirkel. Reihzeuge, Füllfederhalter. Füllfederhalterständer, Postkar- tenrahmen. Bestellbücher. Gummistifle, einen Aktenschrank, sechs Bastkörbe (Reisetaschen). Türvorlagen von Leder, einen Photoapparat, einen Zimmer- Danksagung. Für die aufrichtige Anteilnahme an dem schweren Verlust, der uns betroffen hat,sprechen wir unseren herz I ich st enDan k aus. Frau Katharine Käs und Kinder. Danksagung. Für die so große Anteilnahme bei dem Hinscheiden meiner lieben Frau, unserer unvergeßlichen Mutter Frau Elisabethe Dörr sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Dörr, Oberweichenwärter.Diid Kinder. Gießen. Grünberger Straße 111. den 28. März 1931. _____________________________01796 NnMM sämtliche Lorten Kunstdünger Torfmull empfiehlt billigst H. Trechsler Telephon 3.581 ?i54d oeoeeeeeeeee Herr Otto Görlach Lehrer i R. Vevtrreterr welche tu Bäckereien gut etngefübi t sind, Mr Bezirk Gie en gegen hohe Provision gesucht. Eiferten an 2265 v ft. Grün, Mainz, Gaustr.IN. Durch einen schweren Unglücksfall ist uns mein lieber Mann, unser Vater und Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Otto Görlach Lehrer i. R. und Chormeister Irmgard nach langem schweren Leiden im blühenden Alter von 11 Jahren zu sich in den Himmel. Trailer“ Auswahl bereitwillig Telephon 3048 I 2. Chaiselongues, Schreibtische, Vertikos, Kleiderschränke, Zimmerteppiche, Kommoden, Büfetts, Ladenthcken, Grammophone, Diwans, Schreibmaschinen, Spiegel, Warenschräiue, Pianinos, zwei Klub, fessel, zwei Tisck)e, zwei Motorräder, zwei Tischdecken, ein Oelbild, einen Bil- derschrank. mit 95 Bildern, ein Fahrrad, 32 Platten Sperrholz, einen Ueberzieher, einen Photoapparat, einen Dauerwellen, apparat, eine elektrische Ständerlampe, einen Oekonomiewagen. Die Versteigerung zu 1 findet bestimmt statt. Verkauf aus freier Hand: ein Dreschwagen und Strohpresse (Näheres auf meinem Geschäftszimmer.) Wenn Zahlung nicht bis zum Dienstagabend erfolgt oder Fristschein vorgeleat wird, werden die Pfänder am Mittwoch, vormittag abgeholt. Boten zum Geldabholen werden nicht mehr gesandt. • Lunker, Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383 Heute vormittag 9 Uhr verschied nach schwerer Krankheit, am Todestage seines Vaters, unser heißgeliebter, braver Willy im vollendeten 23. Lebensjahr. In tiefem Schmerz, zugleich im Namen der Hinterbliebenen: Elise Noll, geb. Junker Marie Noll. Nachruf. Am 27. März 1931 abends verschied infolge eines tragischen Unglücksfalles unser allverehrter Chormeister Herr Otto Görlach. Schmerzerfüllt stehen wir an der Bahre dieses unvergeßlichen Mannes, der ein Menschenalter hindurch unser musikalischer Führer war. Was Otto Görlach während dieser Zeit uns gewesen ist, wie er in künstlerischer Hinsicht seine „Bauern" in immer steigender Linie glänzend aufwärts geführt und sie zu Leistungen befähigt hat, die in der Stadt Gießen und über ihre Grenzen hinaus anerkannt worden sind, das ist in weitesten Kreisen der Sängerwelt bekannt. Otto Görlach ist von uns gegangen. Sein liebenswürdiges Wesen, seine stete Hilfsbereitschaft und allezeit menschenfreundliche Gesinnung werden uns unvergeßlich bleiben. Die Beerdigung findet Dienstag, den 31. März, nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Caf6 Am end. Tüchtiges Saus Mädchen auch als Mithilfe im Cafö gesucht. 22980 Cafö Wolf fikiöeriioweroonne auch als Waschbüne geeignet, f. neu, billig au verkaufen. (01837 Seltersweg 3l>. a. d. G. Amr. | Mietgesuc te | 6-7-Zionn.^ohiig. mit Bad. für zahnärztliche Praxis geeignet, möglichst Zentrum. zu mte en gef. Offert, uni. Nr 1998 an Annoncen-Gxved. Germer L Wagner Neuen weg ü» , ^,V ^ohnung8fau8ch^ 5- bis B-Zmim.-Wöiin. im Zentr. der Stadt zu mieten gesucht. 4-Ziinmer-Wohnung kann in Tausch gegeben werden. Schr 2(n ebote um. 2283b) an den Gien. Anz. IM-MVMg für ktnderl. Ehepaar 2 Zimmer, Lttehe and Lavineft.MitteSiadt 2. Stock, gegen 2> bis 3-Zimmer Wobng. Schristl. Angeb. um. 01830 an d. Gb. 31 tu. | Stellenangebote! 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Dezember 1930 des durch die Stc falles haben die ! meinden von der kommenden Gebäu gebäudesteuer) ein« des Dohnungsba 1930 zu verwende schränkung de (eit. Für Länder nungsbedarf kann i im Einvernehmen auf Antrag zulass als die Hülste, jel Dohnungsbauant« steuer im Rechmt durch die Genfun wendet wird. 3n regierungen ermäc kung der Aealsteu zu beschränken, der (teuer, ober der @c durchschnitt vom 31 Eine Senkung unter nicht statt. Die Gen nungsjahr 1931 zu kung entstehenden den Betrag, der den die Gemeinde durch die Gteuerser Bon diesem Prc Verordnung Aus nämlich in einei Jectungsbetrc dungssteucr nicht senkung in dem n fronen Umfang vo neuern nur ur nchendcn Bet Wenfalls sind zu d Senkungssähe gleichen Verhältnis und die Eenkungs kur die Grundsteue Oberhessis, Fl'ühjal . Die am Sonnta lahrsausstellung ^rna Krüger Oü Ä « Pick S-Z und oirins." Liegend L ble ” ® Licht Wnani?b Ä bl ®i ^egelri" ’^'^fftei em Wt"fnti6es“ Folget das - < ^eger Ci KZ MS ^rbei^ Nr. 75 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Montag, 5). März 1931 " I ■!_!----■■----.. |----!----------------1------------------------- !____■■■ 11 Die Genkung der Realsteuern nach der Notverordnung des Reichspräsidenten vom 1. Dezember 1930. Von Bürgermeister Or. Dö.sing, Alsfeld. 3u ix-.n bedeutungsvollsten, aber auch einschneidendsten Maßnahmen für die Verwaltung der deutschen Länder und Gemeinden gehören die zur Steuererleichterung der Wirtschaft im vierten Teile der Verordnung getroffenen Maßnahmen zur Senkung der Real steuern. Zwecks Sicherstellung dieser Senkungsmahnahmen wurde angeordnet, daß mit Wirkung vom 1. April 1931 ab den Realsteuern (Grund- und Gewerbesteuern) keine höheren Steuersätze zugrunde gelegt werden dürfen, als die bis zum 31. Dezember 1930 rechts- wirksam beschlossenen, oder durch die Aufsichtsbehörde kraft Landesrecht festgesetzten Steuersätze unter Abzug der Senkungssähe. Diese betragen 10 Prozent bei der Grundsteuer und 20 Prozent bei der Gewerbesteuer. Rach den Durchführungsbestimmungen zur Realsteuersenkung im Rj. 1931 (§ 5) gelten Steuersätze nur dann bis zunt 31. Dezember 1930 als „rechtswirksam beschlossen", wenn die Genehmigung bis zu diesem Zeitpunkt endgültig erteilt wurde, die nach hessischem Landesrecht bekanntlich erforderlich ist. Ist bis zum 31. Dezember 1930 eine rechtswirksame Beschlußfassung oder Festsetzung nicht erfolgt, so gelten als Ausgangssähe für die Steuersenkung am 1. April 1931 die für das Rechnungsjahr 1930 erstmalig beschlossenen, oder durch die Aufsichtsbehörde festgesetzten Steuersätze, auch wenn sie erst nach dem 31. Dezember 1930 rechtswirksam geworden sind. Die Steuersenkung wird in der Weise durchgeführt, daß die Länder und Gemeinden die Grund» und Gewerbesteuer mit den vorbezeichneten Ausgangssähen abzüglich der Senkungssähe — 10 Prozent bei der Grundsteuer und 20 Prozent bei der Gewerbesteuer — erheben. Erweiterungen der Steuerpflicht und des Kreises der steuerpflichtigen Personen sind nicht statthaft. Auch die Gebäudeentschuldungsstcuer, in Hessen die Sondergebäudesteuer, darf nicht über den Satz vom 31. Dezember 1930 erhöht werden. Zur Deckung des durch die Steuersenkung entstehenden Ausfalles haben die Länder für sich und ihre Gemeinden von der nach dem 31. März 1931 aufkommenden Gebäudeentschuldungssteuer (Sondergebäudesteuer) einen Betrag in Höhe der Hälfte des Wohnungsbauanteils vom Rechnungsjahr 1930 zu verwenden. Dies bedeutet eine Einschränkung der Wohnungsbautätigkeit. Für Länder mit besonders großem Woh- nungsbedars kann der Reichsminister der Finanzen im Einvernehmen mit dem Reichsarbeitsminister aus Antrag zulassen, daß ein geringerer Betrag als die Hälfte, jedoch mindestens ein Drittel des Wohnungsbauanteils der Gebäudeentschuldungssteuer im Rechnungsjahre 1930 zur Deckung des durch die Senkung entstehenden Ausfalls verwendet wird. In diesem Falle sind die Landesregierungen ermächtigt, die vorgeschriebene Senkung der Reolsteuern auf diejenigen Gemeinden zu beschränken, deren Steuersätze bei der Grundsteuer. oder der Gewerbesteuer über den Landesdurchschnitt vom 31. Dezember 1930 hinausgehen. Eine Senkung unter den Landesdurchschnitt findet nicht statt. Die Gemeiirdcn erhalten für das Rechnungsjahr 1931 zur Deckung des durch die Senkung entstehenden Ausfalles von dem Lande den Betrag, der dem Steuerausfall entspricht, den die Gemeinden in diesem Rechnungsjahre durch die Steuersenkung erleiden. Von diesem Programm werden in der Rotverordnung Ausnahmen zugelassen. Wenn nämlich in einem Lande der vorgesehene Deckungsbetrag aus der Gebäudeentschuldungssteuer nicht a u s r e i ch t, um die Steuersenkung in dem in der Rotverordnung vorgesehenen Umfang vorzunehmen, so sind die Realsteuern nur um den zur Verfügung stehenden Betrag zu senken, notwendigenfalls sind zu diesem Zwecke die vorgesehenen Senkungssähe (10 bzw. 20 Prozent) im gleichen Verhältnis zu kürzen. Für Hessen sind die Senkungssähe iowischen auf 6 v. H. für die Grundsteuer und auf 12 v. H. für die Gewerbesteuer gekürzt worden. Eine weitere Ausnahme ist für den Fall vorgesehen, daß die Realsteuerbelastung eines Landes sich seit Beginn des Rechnungsjahres 1926 im Durchschnitt nicht wesentlich erhöht hat. In diesem Falle braucht ein Teil des Wohnungsbauantcils nicht zur Steuersenkung, sondern kann zur Deckung schwebender Schulden verwendet werden, ein Fall, der praktisch allerdings kaum vorkommen dürfte. Uebersteigt dagegen der einem Lande für sich und seine Gemeinden nach den Bestimmungen der Rotverordnung aus der Sondergebäudesteuer zufließende Deckungsbetrag den durch die Steuer- fenkung entstehenden Steuerausfall, so ist der übersteigende Betrag einem Ausgleichsfonds zuzuführen. Dieser Ausglcichssonds ist zur Unterstützung solcher Gemeinden zu verwen» den, die durch Wohlfahrtslasten in außerordentlichem Umfange belastet sind, oder unabhängig von der Realsteuersenkung durch einen Rückgang des Aufkommens ihrer Realsteuern im Rechnungsjahre 1931 besonders starke Einnahmeaus- sälle erleiden. In Ländern, in denen an Stelle oder neben den Gemeinden die Wohlfahrtslasten in erheblichem Umfang von den Gemeinde- Verbänden getragen werden, kann der Ausgleichsfonds auch zur Unterstützung solcher Gemeindeverbände verwendet werden, die durch Wohlfahrtslasten in außerordentlichem Umfang belastet sind. Indessen stehen die Hoffnungen der Gemeinden und Gemeindeverbände auf diesen Ausgleichsfonds auf ziemlich schwachen Füßen, denn die Rotverordnung ermächtigt die Landesregierungen, den übersteigenden Betrag, statt ihn dem Ausgleichsfonds zu überweisen, weiter zur Förderung der Bautätigkeit auf dem Gebiete des Wohnungswesens zu verwenden. Die Rotverordnung schreibt weiter vor. daß zur Förderung der Bautätigkeit von den Ländern im Rechnungsjahr 1931 der gleiche Betrag zu verwenden ist, der den Ländern für sich und ihre Gemeinden zur Deckung des durch die Steuersenkung entstehenden Ausfalls zur Verfügung gestellt wird. evtl, ist der fehlende Betrag aus dem Aufkommen an Wohnungsbauanteil des folgenden Rechnungsjahres vorweg zu entnehmen. Während die vorstehend erläuterten Senkungs- maßnahmen nur für das Rj. 1931 gelten, werden für die Zeit vom 1. April 1932 ab Grundsätze über die Bemessung der Realsteuern durch besonderes Reichsgesetz ausgestellt. Betrachtet man die Maßnahmen der Reichsregierung zur Senkung der Realsteuern, so muß man zu der Ueberzeugung kommen, daß diese Senkungsaltion aller Voraussicht nach nicht die erwartete Wirkung nach der Richtung haben wird, daß eine fühlbare Erleichterung f ür d ie allgemeine Wirtschaft eintreten wird, denn man darf sich nicht der Tatsache verschließen, daß gerade das Jahr 1930 mit seiner ungeheuer gestiegenen Zahl von Arbeitslosen und ausgesteuerten Arbeitslosen ein derartiges Anschwellen der sozialen Lasten für die meisten deutschen Gemeinden gebracht hat. daß infolge der Sperre der Umlagenerhöhung die Deckung dieser Lasten im Voranschlag 1931 fast durchweg, herab bis zu den kleinsten Landgemeinden, nur durch die Einführung der zugelassenen neuen Steuern, der Diersteuer und der Bürger st euer, möglich sein wird, wobei die Bier- Steuer für die kleinen Gemeinden ihres geringen Ertrages wegen von vornherein kaum in Betracht kommt. Unter Umständen werden die durch soziale Fürsorge besonders stark belasteten Gemeinden geradezu gezwungen sein, zur Ausgleichung des neuen Voranschlags 1931 von der in der Rotverordnung zugelassenen Möglichkeit, besondere Zuschläge zur Bürgerst e u e r zu erheben. Gebrauch zu machen, oder die Tarife ihrer Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke zu erhöhen. Es muß als ausgeschlossen gelten, derartige große Mehrlasten, wie sie im Rj. 1931 für die meisten Gemeinden erwachsen, durch Senkung der Ausgaben, die zum —-un .. |---■ ■!■!■■!■■■ II— Hl II--- ~ Oberhessischer Kunstverein. Frühjahrs-Ausstellung. Die am Sonntagvormittag eröffnete Früh- jahrsausstellung des Oberhessische nKunst- Vereins im Turmhaus umfaßt Gemälde von Erna Krüger, Osterode am Harz: Radierungen von Harald Pickert, Kufstein in Tirol: und Oelgemälde von Max Bombe, Endbach bei Gladenbach. Der junge Graphiker Harald Pickert bevorzugt, in der hier vorgeführten Folge von Radierungen. Freilichtstudien und Landschaftsmotive, vorwiegend südlichen Charakters: daneben findet man einige Architekturstücke und Porträts, eine Kreuzigung und endlich etliche Phantasiekompositionen wie die Blätter „Für einen Buchhändler" unb „Blind": die ästhetischen Werte dieser überwiegend auf ein kleines Format begrenzten Graphiken beruhen auf der sympathischen Zartheit der Strichführung, auf der klaren und liebevoll eingehenden Durchbildung auch geringer Motive und Bildeinzelheiten, sowie auf der mit viel Sinn für malerische Wirkungen geschaffenen Verteilung von Licht und Schatten. Schwarz und Weitz Hell und Dunkel: wir empfehlen besonderer Beachtung die Blätter „Vorfrühling", „Alte Gärtnerei", „Kufstein von der Klemm", „Alte Ziegelei", „Antibes" und „Ruhe aus der Flucht", ein Blatt, das — wie etliche andere in dieser Folge — ein wenig an den graphischen Stil von Ferdinand Staeger erinnert. Den größten Raum der neuen Ausstellung beansprucht eine umfängliche Gemälde-Kollektion von Erna Krüger. Ihr Spezialgebiet sind Porträts .figürliche Gruppen und Landschaften. In den Bildnissen erweisen sich Malweise und Gesamtstil als so verschiedenartig, daß sich zwischen den einzelnen Arbeiten zum Teil recht erhebliche Ausdrucksfpannungen ergeben; so etwa zwischen rein dekorativ wirkenden Stücken wie dem Links- rechtsprvfil ernes Mädchens vor grünem Hintergrund und einer sehr vornehm gemalten „Cello- spielerin" (Rückwand) — einer der für unser Gefühl reifsten Arbeiten der ganzen Ausstellung, bestechend vor allem durch den ruhigen unb noblen Museumslon feines Kolorits; in ähnlichem Sinne wäre auch die „Spreewälderin" zu beurteilen; daneben, weniger der malerischen Eigenwerte als des sympathischen Vorwurfs und des Stimmungsgehalts wegen, die beiden Kompositionen „Mutter und Kind". Hingegen scheint uns ein Herrenporträt (mit Buch) durch den unruhigen Hintergrund ebenso beeinträchtigt wie das Blumenstück (rechts), das an einer koloristischen Ueberfüllung leidet. Schließlich sind noch zwei große Figurengruppen zu 'erwähnen — die Zimmerleute auf der Walze und die Steinhauer —; im einzelnen gut gesehen und gemalt, im Gesamtbild jedoch, infolge der Gleichförmigkeit im Körperrhythmus ein wenig starr und unlebendig, was besonders bei der Steinhauergruppe kaum zu übersetzen ist. Die Gesamtkollektion wird ergänzt durch zwei Oelgemälde von Max Bombe, einem jungen Mitgliede des Oberhessischen Kunstvereins. Man sieht eine weiträumig angelegte Frühlingslandschaft, deren ziemlich hartes Kolorit sich erst bei einem erheblichen Abstand dcs Beschauers ein wenig lockert und zusammenschlietzt; daneben ein auf dekorative Wirkung hin komponiertes Stilleben mit Früchten, Blumen und figürlicher Staffage. — Es dürfte sich übrigens empfehlen, zur leichteren Orientierung rind zur Vermeidung von Miß- verständnissen. jedes Bild der Ausstellung einzeln zu beschriften, wie das bisher üblich war; die Aushändigung eines Gesamtverzeichnisses (mit Preisen) an jeden Besucher würde, unabhängig davon, aus propagandistischen Gründen zu begrüßen sein. — y — Tanz im schwimmenden Dorf. Die Eingeborenen des südöstlichen Neu-Guinea unterbrechen zur Zeit des Südostmonsuns gern die Eintönigkeit ihres alltäglichen Daseins, um auf ihren eigenartigen Fahrzeugen, den sog. Lakatois, weite Fahrten zu unternehmen, um die von ihnen an= gefertigten Tonwaren gegen Sago umzutauschen, den sie von den Bewohnern des nördlichen Teils des Papua-Golfes erhalten. Eintritt dcs Nordgrößten Teil zwangsläufig sind, auch nur annähernd auszugleichen. Es ist weiter zu berücksichtigen. daß im Rj. 1931 infolge der lchweren Wirtschaftskrise mit ganz erheblichen Steuerausfällen an Gewerbesteuer und an Reichssteuerüberweisungen zu rechnen ist. für die ebenfalls Deckung gesucht werden muh. Unter solchen Umständen darf man sich keiner Täuschung darüber hingeben, daß die angeordnete Steuersenkung leider die erhoffte Wirkung nicht haben wird, was auf das tiefste zu bedauern ist. Es muh davor gewarnt werden, große Hoffnungen auf den vorgesehenen Ausglcichssonds zu setzen, da dessen Eristenz auf sehr unsicheren Grundlagen steht und es fraglich ist, ob er überhaupt in Erscheinung treten wird. Schuld an diesem Ergebnis ist nicht die Finanzpolitik der deutschen Gemeinden, fonbern daS Sanierungsprogramm der Reichsregierung. Mit Recht hak kürzlich der Hessische Städtetag in einer Entschließung darauf hingewiesen, daß d i e Rotverordnung den finanziellen Belangen der Gemeinden nicht ausreichend Rechnung trägt. Es werden Maßnahmen vermißt zur Sicherstellung der kommunallen Finanzwirtschaft, die durch die nach wie vor steigenden Ausgaben für die Wohl- fahrtserwerbÄosen und die Krisenunterstühung auf das schwerste gefährdet wird. Es gehört nicht zu den Aufgaben unb Möglichkeiten der kommunalen Selbstverwaltung, einen derartigen Massennot st and, wie ihn die ungeheuere Arbeitslosigkeit mit ihren Auswirkungen für die WohlsahrtserwerbSlosenfürsorge mit sich bringt, aus eigenen Mitteln zu beseitigen. Dies ist vielmehr ausschließlich Sache des Reiches. Daher muß die Forderung erhoben toerben, auS Mitteln des allein hierfür verantwortlichen und zuständigen Reiches den belasteten Gemeinden und G e m e in de v e r bän d en zu helfen. Weirn dies geschieht, bann werben auch bic Gemeinden in der Lage sein, die vorgeschriebene: Senkung der Realsteuern durchzuführen, ohne wieder zu neuen Steuern greifen zu müssen. Ein Sanierungsprogramm aber, das seine Rettung darin sucht, Lasten, die an und für sich gerechterweis« dem Reiche obliegen — wie die Fürsorge für die ausgesteuerten Erwerbslosen — auf die Gemeinden abzuwälzen, bringt keine Sanierung, sondern bedeutet in Wirllichkeit nur eine zwecklose Lastenverschiebung. Dies muh mit aller Deutlichkeit festgestellt werden. Zum Schlüsse fei noch auf zwei wichtige ‘Neuerungen der künftigen Regelung der Realsteuern hingewiesen, indem die Rotverordnung die freien Berufe, einschlicß.ich der Ro'.are, zur Gewerbesteuer hcranzieht. und bei der Gewerbesteuer als Besteuerungsgrundlage nur noch der Gewerbeertrag gilt. Das Gewerbe- kapital ist Bemessungsgruirdlage nur bann, tx>cnn der Ertrag geringer ist als 6 Prozent des Kapitals. Damit wird die Gewerbesteuer zu einer reinen Ertragssteuer. SJlxfpott Heffenkampf im Kunstturnen. (Bau Rheinhessen siegt vor den (Bauen Hessen und Rhein-Main. Bor mehr als 4000 Zuschauern fand gestern in der Mainzer Stadthalle der Kunstturnwettkampf der hessischen DT., (Bau Hessen, Rheinhessen und Rhein- Main die erste Wiederholung. Sieger in dem spannenden Wettbewerb blieb diesmal (Bau Rheinhessen mit 881 Punkten. Unser Heimatgau Hessen, der als vorjähriger Sieger den Wanderpreis dcs hessischen Staatspräsidenten zu verteidigen hatte, erreichte diesmal nur 829 Punkte, eine immer noch beachtliche Leistung, wenn man in Betracht zieht, daß er sehr gute Kräfte des Vorjahres nicht mehr in der Mannschaft hatte und mit zum Teil ganz neuen Kräften angetreten war. Gau Rhein-Main wurde mit 8054 Punkten 3. Sieger. Es wurde jetzt schon bestimmt, daß der dritte Hessenturnkampf bereits anfangs Oktober dieses Jahres in Gießen stattfindet. (Ausführlicher Sonderbericht folgt!) Fußball der Gießener Mannschaften. Sladtmannschaft B gegen DfR. Duhbach-FL. Grohen-Vuseck 2:1. Das Werbespiel, das gestern nachmittag aus Anlaß desIugendheim-Werbetages imWSV. auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe stattfand, entsprach nicht völlig den Anforderungen, die man gemeinhin an ein wahres -Werbespicl stellt. Die Stadt- mannschast B, die sich unter schwierigen Voraussetzungen bildete, trat gegen eine Mannschaft von Grotzen-Duseck und VfR. Butzbach an. Leider begann das kombinierte Werbespiel erst mit einer Verspätung von 20 Minuten, ein Umstand, der bei einem Werbespiel möglichst nicht in Erscheinung treten sollte. Das Spiel selbst erfüllte leider auch nicht die damit verknüpften Erwartungen, denn es wurde wenig besonderes gezeigt. Die Mannschaft der Gießener fand sich sehr schlecht zusammen; man spielte reichlich viel und etwas unbekümmert aneinander vorbei, eine geschlossene Aktion kam kaum zustande, die Erfolge blieben aus unb die Chancen, bic sich boten, wurden nach bewährtem Muster nicht ausgenüht. Die Gegenseite erwies sich nicht als besser, spielte lediglich etwas unkomplizierter, aber nicht weniger planlos. 3n der 15. Minute der ersten Halbzeit fiel der erste Treffer für Butzbach. Mit 1:0 wurden die Seiten gewechselt. Während der zweiten Spielhälfte kamen die Gießener etwas auf und vermochten durch ihre immerhin etwas reifete Technik zwei Erfolge zu erzielen unb damit einen knappen, aber wenig eindrucksvollen Sieg sicherzustellen. Erfreulicher war das Ergebnis, das die Stadt- mannschaft A nach Hause brachte. Konnte eS auch kein Sieg fein, so war es doch ein sehr ehren* Molles Ergebnis, das unter Umständen sehr gut auch ein Sieg heißen konnte, denn die Gießener waren in der zweiten Hälfte dcs Spieles ein sehr gefährlicher Gegner und nur der hervorragende Torwart der Platzbesiher rettete feiner Mannschaft diesen Ausgang des Treffens. — Eine weniger angenehme Kunde traf aus Lollar ein: die Gießener Vertretung kehrte aus dem Kampfe gegen Daubringen-Lollar mit einer 5:2-Rieder- lagc zurück. Westdeutsche Fußball-Endspiele. Fortuna Düsfeldorf und VfL. Dielefeld Gruppenficger. Wegen des westdeutschen IugendopfertageS wurden die Endspiele um die WSV.-Fußballmeisterschaft diesmal schon am Samstagnachmittag bzw. Sonntagvormittag ausgetragen. Die Kämpfe brachten bereits wertvolle Entscheidungen. Fortuna Düsseldorf wurde durch einen 4; 2-(4:1-) Sieg über FW Reuendorf Sieger der Gruppe B, während sich in der Gruppe A der VfB. Bielefeld durch einen 4; l-(3:0-)Erfolg. über Union Gelsenkirchen den Gruppensieg sicherstellte. Diese beiden Mannschaften bestreiten zusammen mit den Grup» penzweiten die eigentliche DSV.-Endrunde. AIS erster Gruppenzweiter wurde Alemannia Aachen nach seinem 5:1-(1: l-)6ieg über SC. 03 Kassel ermittelt. Der Zweite der Gruppe A wird in dem noch ausstehenden Spiel zwischen Union Gelsenkirchen und Meidericher Spielverein ermittelt. Oie süddeutschen Endspiele. Allmählich hat sich die Situation in den süddeutschen Endspielen soweit geklärt, daß sich der Endkampf zwischen SpDg. Fürth, Eintracht Frankfurt und vielleicht noch Bayern München abspielen wird. Daß sich am letzten Sonntag SpVg. Fürth und Eintracht Frankfurt im Frankfurter Stadion vor 35 000 Zuschauer (!) einen torlosen Kamps lieferten und daß zu gleicher Zeit die Münchener Bayern sich in Pirmasens vom FK. Pirmasens mit 3:1 (1:0) schlagen ließen, ist dabei von besonderer Bedeutung. Ueberraschend gut hielt sich wieder einmal Wormatia Worms, die aus dem Spiel in Karlsruhe gegen den KFV. ein 2:2 (0:2) mit nach Haufe brachte. Westwindes kehren sie dann wieder heim. Das eigenartige Leben und Treiben auf einer solchen Fahrt schildert der bekannte Forschungsreisende Dr. Paul Wirz in der Leipziger „3 11 u ft r i r t c n Zei - t u n g". Eine solche Lakatoi besteht aus 16 großen Einbäumen, die durch mehrere quer darüber gelegte Baumstämme zusammengehalten und fest miteinander verschnürt sind. Dieses annähernd quadratische Floß bildet ein schwimmendes Dorf. Ringsum sind 1X> Meter hohe, mit Sagolaub verkleidete Wände errichtet, die einen großen viereckigen Raum umschließen, auf dem die Frauen und Kinder, die Hunde, Ferkel und der gesamte Hausrat kunterbunt durcheinander verstaut sind. Bevor die Reise angetreten wird, treten die Aeltesten des Dorfes zusammen, um die wichtige Angelegenheit zu beraten. Einer der Erfahrensten wird Kapitän und erhält die Leitung des Fahrzeuges. Wer sich an der Fahrt beteiligen will, muß ein Kanu zur Verfügung stellen und nimmt alles mit, was er fein Eigen nennt. So lebt man auf der Reise nicht viel anders als zu Hause. Jeder hat seinen besonderen Platz mit seiner Familie, seinem Vieh und seinen sieben Sachen, jeder hat seine bestimmte Arbeit. Die Männer haben die beiden Steuerruder unb die seltsam geformten, in zwei mächtige geschweifte Hörner auslaufenden Segel zu bedienen. Sie müssen auch darauf achten, daß alle Bindungen der Stämme fest bleiben und schauen ab und zu nach dem aus* geworfenen Angelhaken, um die Beute einzubringen, die dann die Frauen und Mädchen zubereiten. Eine solche Reise dauert mit dem Aufenthalt und Besuch der verschiedenen befreundeten Stämme drei dis fünf Monate und bildet eine besondere Lustbarkeit. Die Abende werden in dem schwimmenden Dors mit Tanz und Gesang verkürzt. „Als wir an Bord kamen", so erzählte der Verfasser, „war man grabe mit ber Toilette beschäftigt, lauste sich gegenseitig unb bemalte sich Gesicht unb Körper, wie es sich zu einem Fest gehört. Die jungen Leute prangten in ihren umfangreichen, sorgfältig zurcchtgezupften unb reichlich mit Febern besetzten Frisuren unb ihren neuen, gelb unb rot bemalten Lendengürteln, und einer suchte den andern mit feinem grotesk bemalten Antlitz in den Schatten zu stellen. Die Papua-Back- sifchchen aber kokettierten mit ihren schwarzbebän- berten Fransenschürzchen, bie beim Gehen fröhlich auf und nieder wippten unb die kunstvoll tätowierten Oberschenkel durchblicken ließen. Ueberall roch» es nach Del unb würzigem Betel, ber jetzt von alt un jung auf Leben unb Tob getaut würbe unb zur Erhöhung ber festlichen Stimmung beitrug. Es begann zu bunteln. Die Feuer würben angefacht, unb ber Widerschein der Flammen spielte auf den braunen, rotbemalten, öltriefenden Körpern. Plötzlich ertönte ein dumpfes Tuten. Schaurig klang es durch die sternenklare Nacht. Einer der Burschen war auf den Mast geklettert und blies das Muschelhorn, bas Zeichen zum Beginn bes Festes gebenb. Wie auf ein Kommanbo griffen jetzt alle zu ben Trommeln, bie im Takt bearbeitet würben. Auch einige Mädchen waren auf die Masten unb bas Dach geklettert unb warfen wie in ekstatischer Verzückung ihren Körper hin unb her, so baß bie Feder- schürzchen auf unb ab flogen. Alles schien plötzlich wie von einem Taumel ergriffen zu fein, unb gleichmäßig wogte ber ganze bunte unb schweißüberströmte Menschenknäuel auf unb nieder. Dumpf Hangen bie abgefetzten Trommelfchläge unb die hellen Stimmen in bie lauwarme Tropennackst hinaus.. Zeitschriften. — Westermanns Monatshefte bringen in bem Aprilheft eine Abhanblung „Dilettantismus unb Planmäßigkeit im mobernen Haushalt", in ber die Verfasserin, Vera Bern, eine Lanze für bie Mobernisierung unb Rationalisierung bes Haushaltes unb feiner Gebrauchsgeräte bricht. Sie gibt einen Uebcrblick über bie neuesten Apparate für bie Küche unb ben übrigen Haushalt unb wertvolle Hinweise für bie Vereinfachung ber Arbeit. Auch ber Artikel über Garten unb Blumen steht in engem Zusammenhang mit ber Frau, unb sicher hat bie Verfasserin Hertha Fricke mit ihrem Aufsatz „Garten unb Parkkunst unserer Zeit" ein Thema angeschnitten, bas mit befonberem Interesse gelesen werben wirb. Die farbigen Kunstwiedergaben ergänzen ben Bericht vorteilhaft; zeitgemäß ist auch „Neuzeitliches Bauen unb Wohnen". Nach dem Vorbild der neuen Siedlungen und Gruppenbauten in Frankfurt a. M. werden Wesen und Stil neuer Bauten von Dr. W. Schür- meyer erörtert. Ein brennendes Problem rollt Pros. Dr. Max Wolff mit ber Abhandlung „Preis und Lohn" auf. Trostrunde Südost. Die Spiele des Sonntags brachten wichtige Treffen. In München konnte 1860 durch einen 3:l°Sieg über den FC. Pforzheim seine führende Position befestigen und dürfte nach menschlichem Ermessen den Abteilungssieg in der Tasche haben. Sein stärkster Widersacher, der 1. FC. Nürnberg, fertigte die Augsburger Schwaben mit 5:1 ab, während die Stuttgarter Kickers über den stark zurückgegqnge- nen Karlsruher Phönix mit 4:1 die Oberhand behielten. In Rastatt trennten sich der FV. und die Fürther Rasenspieler unentschieden 1:1. Trostrunde Aordwest. Mit Rücksicht auf das Mannheimer Repräsentativspiel „Baden—Elsaß" gab es in der Trostrunde Rordwest diesmal nur verkürztes Programm mit zwei Spielen, in denen die beiden Spitzenreiter, Isenburg und Ludwigshafen, nicht beschäftigt waren. Die beiden nächsten, Saarbrücken und Rot-Weiß Frankfurt, trennten sich im Saarbrücker Ludwigskarp unentschieden 3:3 und Idar konnte seit langer Zeit wieder einmal einen Erfolg verzeichnen, indem es auf eigenem Platze den SD. Wiesbaden 3:1 besiegen konnte. Fußballklub 1926 Großen-Buseck. Vor einer gut besuchten Versammlung des Fußballklubs 1926 GroßemBuseck hielt der Obmann der Schiedsrichter-Vereinigung Gießen-Wetzlar, Herr Karl Grünewald-Gießen einen Vortrag. Der Redner legte die Ziele des Deutschen Fußballbundes dar, erklärte die Zusammensetzung des Westdeutschen Spicloerbändes, gab Zeugnis von den Leistungen des großen Deutschen Fußballbundes und bemerkte ausdrücklich, daß der Verband vollkommen politisch und konfessionell neutral sei. Die Ziele des Fußball- bundes gelten in erster Linie der Jugend. An Hand eines Fußballspielbelehrungsbrettes erläuterte Herr Grünewald die Fußballspielregeln. Die Ausführungen fanden lebhaften Beifall. Für die nächste Zeit sind weitere Vorträge und Belehrungsabende vorgesehen. Kurze Sporinotizen. H e r t h a/D S C. qualifizierte sich durch einen 2:1-Eieg über Viktoria 89 für die Endspiele um die brandenburgische Fußballmeisterschaft. * Mitteldeutscher Fußballmeister wurde wieder der Dresdner SC., der in Dresden vor 25 000 Zuschauern das Endspiel gegen Preußen Langensalza mit 6:0 (3:0) gewann. Die süddeutsche Handballmeister- schaft der Damen fiel wieder an Eintracht Frankfurt, die im Endspiel Mannheim 08 1:0 schlug. Das Endspiel um die süddeutsche Handballmeisterschaft wird zwischen SV. 98 Darmstadt und Sp. Vg. Fürth ausgetragen. DiesüddeutschenDezirksliga-Der- eine lehnten auf einer sehr gut besuchten Tagung in Stuttgart den neuen Spielshstem-Vor- schlag ab und beschlossen, eine Verlängerung des gegenwärtigen Mainzer Spielshstems auf mehrere Iahre zu fordern. < Die Schweizer Fußball-Rational- e l f erstritt einen großen Erfolg, sie spielte in Vern gegen Italien unentschieden 1:1 (0:0). Der Fuhballkampf Holland — Belgien endete im Olympischen Stadion zu Amsterdam mit einem verdienten 3:2-(2:0)-Sieg der Holländer. Racing-Club Paris ist Ostern in Westdeutschland zu Gast. Am ersten Feiertag spielen die Franzosen in Münster gegen eine kombinierte Mannschaft von Preußen und SC. 08 Münster, am zweiten Tage treten sie gegen den Südwestfalenmeister Hüsten 09 an. FC. Hanau 93 unternimmt zu Ostern eine Reise nach Südfrankreich und spielt in Rizza, Montpellier und Rimes. — Die Offenbacher Kickers besuchen an den Feiertagen VfB. Braunschweig, Arminia Bielefeld und Werder Bremen. Der spanische Rationalheros Za- m o r r a wird im Laufe des Sommers mit seinem Club, Real Madrid, in Deutschland spielen. Reben verschiedenen Spielen in Süddeutschland, vornehmlich in München und Frankfurt, werden die Spanier auch in Berlin und Köln Gastspiele geben. Wirtschaft. Stillegung des Hefrag Betriebs in Wölfersheim? F r i e d b e r g, 28. März. (WB.) Die H e f r a g in Wölfersheim, ein Unternehmen der Preag, beabsichtigt, den Tagebau in Wölfersheim einzustellen. Diese Maßnahme ist auf den Preissturz für Teerprodukte, die die Hefrag durch das Schwelverfahren aus der Braunkohle in großen Mengen gewinnt, zurückzuführen. Durch den zunächst vorsorglich gefaßten Beschluß, den Tagebau einzustellen, werden einige hundert Arbeiter brotlos. Reuerdings trägt die Verwaltung sich noch mit dem Gedanken, den Betrieb der Hefrag am 1. I ul i d. I. eventuell ganz ein- zu st eilen. Don einer solchen Maßnahme würden etwa 1300 Arbeiter und Angestellte betroffen. Zur Zeit sind Versuche im Gange, das Werk auch über den angegebenen Termin hinaus in Betrieb zu halten. Die Verwaltung hält dies jedoch nur dann für möglich, wenn es gelingt, bestimmte von ihr vorgeschlagene Pläne, über die gegenwärtig noch keine Mitteilung gemacht werden kann, durchzuführen. Buderussche Eisenwerke. Die Buderusschen Eisenwerke AG. in Wetzlar legen jetzt ihren Geschäftsbericht für 1930 vor. Rach dem Bericht des Vorstandes beziffert sich der Rohgewinn im Iahre 1930 auf 2 331 111,52 Mk., die Abschreibungen belaufen sich auf 1 550 720,51 Mk., so daß sich ein Reingewinn von 780391,01 Mk. ergibt, zu dem noch der Vortrag aus 1929 mit 166 940,69 Mk. hinzutritt, so daß insgesamt 947 331,70 Mk. zur Verfügung der am 28. April stattfindenden Generalversammlung stehen. Der Vorstand schlägt vor, den Reingewinn aus 1930 in Höhe von 780 391,01 wie folgt zu verwenden: 5 Prozent Dividende auf die Vorzugsaktien, 4 Prozent Dividende auf die voll dividenden- bcrechtigten Stammaktien, 4 Prozent Dividende auf die gemäß des Goldbilanzierungsgesetzes vom 28 März 1924 behandelten Stammaktien in Goldmarkwert. Die Dividendensumme beläuft sich auf 741 604,39 Mk., so daß ein Rest von 23 786,62 Mk. verbleibt, der zusammen mit dem Vortrag aus 1929 in Hohe von 166 940,69 Mk., insgesamt also 190 727,31 Mk., auf neue Rechnung vorgetragen werden soll. Die vom Vorstand vorgeschlagene Dividendenverteilung bedeutet für die Stammaktien eine Kürzung um ein Drittel der Vorjahrsdividende und entspricht dem verminderten Geschäftserträgnis. Der gesamte Umsatz des Unternehmens mit fremden Abnehmern stellte sich 1930 auf 33 069 800 Mk., im Iahre 1929 auf 49 417 700 Mk., verringerte sich mithin um 33 Prozent gleich 16 347 900 Mk. Demgegenüber liehen sich die festen Kosten trotz aller Einsparungsmaßnahmen nicht oder nur unwesentlich verringern. Beispielsweise erhöhten sich die Abgaben und Steuern um 283 772 Mk. auf 1 658 748 Mark; auf je 1000 Mk. Umsatz entfielen an Abgaben und Steuern im Iahre 1929 27,82 Mk., dagegen 1930 50,16 Mk. Der Vorstand erklärt in seinem Bericht u. a., einen raschen Aufstieg der Konjunktur werde niemand erwarten können, wohl aber dürfe man eine allmähliche Ueber- windung der jetzigen Krisis und eine Besserung unserer Wirtschaftslage erhoffen, wenn durch eine vernünftige und zielsichere Politik das allgemeine Vertrauen wiederzukehren beginne. Norddeutscher Lloyd. Rach dem Geschäftsbericht des Rorddeut- schen Lloyd. Bremen, für das Jahr 1930 beträgt das Gesamterträgnis für 1930 einschließlich eines Betrages von 16,73 Mill. Mark aus der ersten Rate der amerikanischen Freigabe und nach Vornahme des vertraglichen Ausgleiches mit der Hamburg-Amerika-Linie 56,08 (im Vorjahre 51,84) Millionen Mark. Der Gewinnvor- trog aus 1929 in Höhe von QJ2 Mill. Mark ist vorab zu inneren Rückstellungen verwandt worden, um mit der Hamburg-Amerika-Linie auf eine gleiche Grundlage zu gelangen. Allgemeine Verwalttmgskosten und Steuern beanspruchten 10,49, soziale Aufwendungen 7,11 (im Vorjahre zusammen 12,84) Mill. Mk., Anleihezinsen und 6 Prozent Dividende auf voll gezahlte Vorzugs- aktten 5,13 (im Vorjahre Anleihe- und sonstige Zinsen abzüglich Haben-Zinsen 5,32) Mill. Mk.» Abschreibungen 23,56 (20,04), davon auf Seedampfer und Hilfsfahrzeuge 22,44 (19,18) Mill. Mark. Von dem verbleibenden Ueberschuh von 9 792 000 (14 193 124) Mark wird eine Dividende von 6 Prozent (im Vorjahre 8Proz. plus 6 Prozent Vorzugsaktien-Dividende und 4 Prozent an Genußrechts-Inhaber) vorgeschlagen. Der Flottenbestand des Rorddeutschen Lloyd betrug am l.Ianuar 1931 gleich 489 Fahrzeuge mit 955 087 Bruttoregistertonnen (im Vorjahre 511 Fahrzeuge mit 942 162 Druttoregister- tonnen). Am 31. Dezember 1930 beschäftigte der Norddeutsche Lloyd insgesamt 18 426 Personen, davon Landpersonal 5037 und Bordpersonal 13 389 (im Vorjahre 17 563, davon Landpersonal 4996 und Bordpersonal 12 567). Hamburg-Amerika-Linie. Das Gesamterträgnis der Hamburg-Amerika-Linie für 1 930 einschließlich des Betrages au5 der amerikanischen Freigabe stellt sich nach Vornahme des vertraglichen Ausgleichs mit dem Rorddeutschen Lloyd auf 55,15 (59,59) Mill. Mk. Handlungsunlosten und Steuern erforderten 11,31 (16,41), soziale Aufwendungen 8,16 (8,47) Mill. Mk. Rach Abzug der Anleihezinsen von 2,32 (2,59) Mill. Mk. ergibt sich ein Betriebsertrag von 33 356 821 (32 122 743) Mk. Es wird vor geschlagen, hiervon 23,54 (20,56) Mill. Mk. zu Abschreibungen zu verwenden und 6 (7) Prozent Dividende auf das Stammaktienkapital von 160 000 200 Mk. zu verteilen. Die Zahl der Angestellten verminderte sich von 18 358 im Iahre 1929 auf 17125 am Ende des Berichtsjahres. Das Dauprogramm ist im vergangenen Iahre durchgeführt worden: die letzten Werftverpflichtungen wurden im Ianuar 1931 getilgt. Der Flottenbestand der Gesellschaft war Ende 1930: 178 Seeschiffe, 4 Seebäder- Dampfer, 23 See- und Fluß-Fahrzeuge, 247 sonstige Fahrzeuge mit insgesamt 1 097 978 Drt. • * Di e Hessische Landesbank — Staatsbank — in Darmstadt empfiehlt im heutigen Anzeigenteil ihre 7prozentigen Gold- Hypothekenpfandbriefe zur Kapitalanlage. Die Pfandbriefe sind reichsmündelsicher und können vor l.Ianuar 1936 nicht zur Rückzahlung gekündigt werden. * D ie Erhöhung der Ausmahlungsquote für Roggen. Der „Reichsanzeiyer" veröffentlicht eine Berordnung des Reichsernährungsministers, wonach der Ausmahlungssatz für Roggenmehl von höchstens 60 v. H. auf höchstens 70 o. H. erhöht wird. Die Verordnung tritt drei Wochen nach ihrer Verkündung in Kraft. Frankfurter Börse. . Frankfurt a. M., 30. März. Tendenz: schwächer. — Zu Beginn der neuen Woche tarn das Geschäft am Effektenmarkt nur langsam in Gang. Die allgemeine Zurückhaltung und Lustlosigkeit, die schon zum Schluß der Samstagbörse in Erscheinung trat, hat sich noch verstärkt, zumal die Rede B r i a n d s hinsichtlich der Zollunion und der erneut schwächere Kurs der Reuhorker Börse hinzukamen. Bei minimalen Umsätzen überwog die Abgabe- neigung, und die ersten Rotierungen lagen überwiegend schwächer. Da das Angebot später sich nicht fortsetzte, konnten sich die Kurse im Verlaufe wieder um Bruchteile eines Prozents erholen. Elektrowerte waren etwas stärker angeboten. Schuckert büßten 4 Prozent, Siemens 3 Prozent, AEG. 2,75 Prozent und Licht und Kraft 1 Prozent ein. I.-G.-Farben eröffneten 2,5 Prozent, Rütgerswerke 1 Prozent niedriger. Ebenfalls niedriger setzten außerdem noch Deutiche Linoleum (minus 1 Prozent), Aku (minus 2,25 Prozent), Holzmann (minus 1,5 Prozent), Norddeutscher Lloyd (minus 1,25 Prozent) ein. Mehr angeboten waren ferner noch am Montanmarkt Stahlverein, die 3,75 Prozent, und Rheinstahl, die 2 Prozent verloren. Der Bankenmarkt hatte kaum Geschäft bei behaupteten Kursen. An den übrigen Märkten herrschte G e s ch ä f t s st i l l e. Am Anleihemaickt lagen Schutzgebiete 0,12 Prozent und von fremden Werten Anatolier 0,2 Prozent niedriger. Der Pfandbriefmarkt lag ruhig und kaum verändert. 3m Verlaufe übte die Spekulatton infolge der unklaren Situation weiter starke Zurückhaltung. Am Geldmarkt zog der Sah für Tagesgeld auf 5 Prozent an. Am Devisenmarkt erfuhr die Mark einen leichten Rückschlag. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1965, gegen Pfund 20,3890, London gegen Neu- York 4,8586, gegen Paris 124,22, gegen Mailand 92,72, gegen Madrid 44,52, gegen Schweiz 25,2525, gegen Amsterdam 12,1190. Berliner Börse. Berlin, 30.März. Im Gegensatz zu der festen Wochenschlußbörse eröffnete die heutige Montagbörse in schwach er Haltung. Schon vormittags hatte man starke Zurückhaltung geübt, da die innen» und außenpolitische Situation durch die Notverordnung und die Rede B r i » ands vom Samstag etwas unklar geworden ist. Hinzu kamen die schwachen Auslandbörsen, die alle unter dem Einfluß von Neuyor? standen, steiferes Geld vor dem Ultimo und die börsentechnische Situation vor der Feiertagsunterbrechung. In- und Ausland bekundeten eher Abgabeneigung, und die ersten Kurse lagen bei ruhigem Geschäft 2 bis 4 Prozent schwächer. Als besonders schwach sind hierbei NeueReichs- bank, Kali-Werte, Bergmann, Gesfürel, Schuckert, Siemens, Dessauer Gas, BMW., Waldhof, Polyphon und Montanwerte zu nennen. Bei letzteren wirkt sich anscheinend die Vermeidung des französischen Dergarbeiterstreiks im Kurs stärker aus. Interesse zeigte sich zu Beginn für Braubank, Vogel-Telegraph und Feldmühle. Bemerkenswert ist noch, daß sich die Spanne zwischen dem Hapag- und Lloyd-Kurs zugunsten des letzteren gebessert hat, da man den Abschluß des Norddeutschen Lloyd angeblich günstiger beurteilt. Anleihen uneinheitlich. Altbesitz fchwach. Von Ausländern Lissaboner Stadtanlerye 1,13 Prozent rückgängig. Pfandbriefe nicht unfreundlich. Geld weiter anziehend. Tagesgeld 5,5 bis 7,5, Monatsgeld 5,5 bis 7 Prozent, Geld über Ultimo resp. über die Feiertage 6 bis 8 Proz., Warenwechsel ohne Umsatz. Im Verlause trafen bei den Banken wieder einige Kauforders ein, besonders Kassaware soll verlangt worden sein, und die zu Anfang gedrückten Werte konnten sich 1 bis 2,5 Prozent erholen. Feldmühle setzten ihre Aufwärtsbewegung fort. Ilse holten int Verlaufe 1,5 Prozent ihres Dividendenabschlages ein. Dt. Linoleum erholten sich auf 95 Prozent. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 30. März. Der Franks ur- ter Produktenmarkt lag zum Wochenbeginn stetig, Geschäft konnte sich aber feind entwickeln, da allgemein schon Feiertagsstimmung herrschte. Das Angebot für Brotgetreide war nicht groß. Weizen lag um 5 Mk. per Tonne höher, auch Hafer konnte weitere 2,50 Mk. anziehen. Am Mehlmarkt wurden die hohen Mühlenforderungen von der Kundschaft kaum bewilligt. Roggenmehl war etwas stärker offeriert, bei jedoch fast unveränder- ten Preisen. Der Futtermittelmarkt lag im ganzen recht fest, doch war die Umsahtätigkeit auch hier gering. Es wurden notiert: Weizen 300 bis 302,50, Roggen 207,50 bis 210, Sommergerste für Brauzwecke 235, Hafer 187,50 bis 190, Weizenmehl 43,25 bis 44,75, Roggenmehl 28,75 bis 30,75, Weizenkleie 11,10 bis 11,25, Roggenkleis 12,50, Erbsen 28 bis 31, Linsen 28 bis 65, Heu, süddeutsches, gut, gesund, trocken 6,00, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt, 2,90, Weizen- und Roggenstroh, gebündelt, 2,75 bis 2,80, Treber, getrocknet, 2,25. Tendenz: stetig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 30. März. Auftrieb: 1194 Rinder, darunter 224 Ochsen, 112 Bullen, 494 Kühe, 340 Färsen: ferner 975 Kälber, 95 Schafe, 5706 Schweine, 8 Littauer. Es wurden notiert; Rinder: Ochsen, vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts, jüngere 46 bis 50, ältere 42 bis 45, sonstige vollfleischige, jüngere 37 bis 41; Bullen, jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 40 bis 45, sonstige vollfleischige oder aus- femästete 36 bis 39: Kühe, jüngere, vollfleischige, öchsten Schlachtwerts 37 bis 40, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 32 bis 36, fleischige 27 bis 31, gering genährte 22 bis 26; Färsen (Kalbinnen, Iungrinder), vollfleischige, ausge- mästete, höchsten Schlachtwerts 47 bis 51, vollfleischige 42 bis 46, fleischige 37 bis 41. Kälber: beste Mast» und Saugkälber 63 bis 68, mittlere Mast- und Saugkälber 58 bis 62, geringe Kälber 48 bis 57. Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 45 bis 48, vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 46 bis 49, von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 46 bis 50, von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 46 bis 49, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 44 bis 47 Mark. Marktverlauf: Rinder ruhig, geringer Ueberstand. Kälber und Schafe ruhig, geräumt. Schweine mittelmäßig, ausverkauft. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Dienstag, den 31. März. Gießen. 18.30 Uhr: Fastenandacht. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Neichsbankdiskont 5 o. H., Lombardzinsfuß 6 v. H. .rranrrun a. . 1 Aerlin Schluß-1 tur< | 1-Uhr« Kurs Schluß-1 Anfang» turt , fiurd Datum 28.3. 30.3. 28.3 30.3. 6% Deutsche NeichSauleihe von 1927 ...... 7% Deutsche Reicheanleihe von 1929 ........ 84,75 84,9 _ 99,75 _ 100 __ Deutsche NnI..Ablöi^Schutd mit Aurlos.-Rechlen ..... 58,25 57,7 57,8 57,5 Deegl. ohne Auklos.-Rechte . . 6,6 — 6,45 6,25 6% Hett. Bolttslaat von 1929 (rüdxablb. 102%)...... 93,5 — 93,4 Oberhcllcn Brovlnz • Anleihe mit Au-lol^Rechlen..... 55 — _ __ Deutsche Komm. Sarnmelabl. Anleihe Serie 1 ... 56,5 —— 56,2 - - 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfc XIII unkündbar bls 1034 . . . 100,75 _ _ 7% Franks. Hhp.-Bonk Goldpse unkündbar bis 1983 95,5 —- _ Bank Liqu. Goldpse.. . 93 _ 8% Pr. LandcSplandbriefansialt, Psandbriese R. l» 8% Pr LandeSpianvbriesanslalt, 91. 20. . 100,5 _ 100,5 7% Pr. Landevviandbriefanskalt, Psandbriese R N - - 96,5 96,5 DES- abg. BormegS-Obligatio' ven, rückzahlbar 1932 — — 4% OeslerreichNche Golvrrnle . . 24 — 24,1 _ 4,20% Oefterreichische Silberrcnie — — 2,5 _ 4% OcNeaeichiiche Einheitliche Rente _ — _ 4% Ungarische Goldrente .... 19,5 — 19,4 19,9 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 16,8 — 16,9 16,4 4H% bergt, von 1913 — —— 16,9 — l% Ungarische Kronenrentc — — —- — 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4,2 — 4,3 4,3 4% Türkische Bogdadbahn-Aol Serie l — —— 4,3 —— 4% dcrgl. Serie II 4,225 — 4,35 — 6% Rumänische veceinh. Rente von 1903 • —- — 9,75 9,4 1,12 Im „ 1b 90 „ = 27,78 „ „ 2a 51 „ = 30,52 „ „ 2b 19 „ - 19,57 „ u 3a 5 u a 5,83 „ „ 3b 1 „ -- 2,63 „ „ 4b 1 „ - 3,34 „ Kiefernstämme. Klaffe 2b 1 Stück -- 1,03 fm Angebote find bis zum Mittwoch, dem 1 April 1931, nachmittags 4 Uhr, bei der Bürgermeisterei, dahier, einzureichen. Die Verkaufsbedingungen fünften bei uns ein» gesehen werden. Odenhaufcn, den 27. März 1931, Bürgermeisterei: Nachtigall. Kreuzweg der Liebe. Roman von Paul Grabein Urhebevrechtsschutz: Romandienst „Digo", Berlin W 30. 13. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Vergnügt vor sich hinlachend, schenkte Drenck sich abermals ein. Gottlob, er hatte es doch noch nicht verlernt. Er stand noch seinen Mann, Wenns darauf ankam! Sn einem ihn wohlig durchströmenden Kraftgefühl reckte er seinen rechten Arm. 3a, er fühlte es: da war noch Mark drin! Seine Jugend und Elastizität waren doch nicht totzumachen. Herr Gott, was war er glücklich heute, ec hätte Bäume ausreihen mögen, so kraftstrotzend fühlte er sich: es trieb ihn förmlich, irgendwie diesen Kraftüberschuh zu betätigen. Seine Rechte spannte sich um das Glas und in der Freude an diesem Kraftgefühl stürzte er abermals den Wein bis zum letzten Tropfen hinab . .. Ursula war länger drauhen ausgehalten worden, als sie dachte. Rachdem in der Küche alles erledigt war und sie wieder nach vorn gehen wollte, kam gerade der Kaufmann aus der Stadt — richtig, es war ja heute Freitag! — und es galt, mit den Mädchen den Laufzettel für ihn fertigzustellen. Ein ziemlich zeitraubendes Werk. Endlich aber war es erledigt. Ml ihre Pflichten waren erfüllt, nun konnte sie wieder zu Freddy hinüber. Mit leichten Schritten huschte Ursula in das Schlafzimmer zur Waschtoilette hin. 3hr war so froh zumute, dah sie eine Melodie vor sich hinsang. Wie dankbar war sie gegen das Schicksal, das ihnen nach so viel Trübsal nun endlich einen solchen Sonnenblick gesandt! Was für «in prächtiger Mensch dieser Recknitz, und wie reizend konnte nun ihr Leben werden! Freddy hatte ja nun endlich einen Freund, dec ihn aufhcitcrte, und wie wohltuend würde für sie beide diese Ablenkung durch geselligen Verkehr fein. Gott sei gelobt, das schreckliche Gespenst in ihrem Hause, vor dem sie sich insgeheim so geängstigt hatte, es war gebannt. Run konnte auch sie noch einmal sich ihres Lebens freuen. Ach wie kindisch freute sie sich auf dieses Kostümfest! ..Gnä' Frau? Gnä' Frau!" Gellend scholl der Angstruf plötzlich in ihr Ohr, so dah sich ihr im ersten Erschrecken dos Herz zusammenkrampfte. Es war die Stimme des Hausmädchens, das sie suchend, türenwerfend durch die Zimmer flog. Run kam sie hereingestürzt, kreidebleich — mit allen Anzeichen tödlichen Entsetzens. „Um Himmels willen — Life, was ist?" 3n ihrer Angst packte Ursula plötzlich das Mädchen mit krallendem Griff. Das stierte sie mit entsetzten Augen an und zitterte am ganzen Leibe. „Ach, gnä' Frau — wie ich eben ins Eßzimmer komme, um den Tisch zu decken" — „So reden Sie doch! Doch nicht — der Herr?" — Das Mädchen nickte schlotternd. „Er liegt auf dem Sofa und —" Ursula horte nichts weiter. Wie eine Unsinnige stürzte sie hinüber ins Chzimmer. Aber der erste Blick, den sie auf den todblassen Mann dort warf, vernichtete die letzte Hoffnung, dah vielleicht nur eine äußere Verletzung — nein! Das Furchtbare war eingetreten, vor bem die Aerzte immer so eindringlich gewarnt hatten. Alles Schonen, olle die Opfer dieser trostlosen letzten drei Vierteljahre waren umsonst gewesen: Ein furchtbarer Blutsturz hatte Fred befallen! Es ging zum Abend. 3m Herrenzimmer, wo schon die Lampe auf Freds Schreibtisch stand, sah Ursula. 3m Schein des grünseidenen Lichtschirmes erschien ihr Antlitz noch fahler, als es war. Mit fest oufeinandergebissenen Lippen schrieb sie — einen Brief an Herrn von Recknitz über das Furchtbare, das sich kurz nach seinem Abgang zugetragen hatte. Und was der Arzt gesagt, der einige Stunden später gekommen war: der Zustand Drencks sei zwar nicht hoffnungslos, aber sehr, sehr ernst. Und wenn er auch, wie wohl zu erwarten fei, diese Attacke überstehen würde, so bestände doch immer die Gefahr einer Wiederkehr. Mso sei die peinlichste Schonung des Patienten dauernd geboten. Damit seien natürlich alle ihre heutigen Pläne von Grund aus zerstört. An ein geselliges Leben sei überharwt nicht mehr zu denken. Sie mühten froh sein, wenn es gelänge, Freds Dasein zu erhalten. Fürs erste müsse sie daher, im 3n- tereffc des Kranken, auch bitten, von einem Besuch absehen zu wollen. Run war der Brief beendet. Auf Ursulas Klingeln erschien das Mädchen und erhielt Anweisung, das Schreiben dem Postboten heute abend noch mitzugeben. Wieder allein, sank Ursula in den Stuhl zurück. Regungslos sah sie und starrte vor sich hin. 3n dieser grauen Stunde flog ihre Seele rückwärts durch die ganze Zeit ihrer Ehe, so kurz erst, aber schon so überreich an Leid und Selbstverleugnung. Wenn sie das hätte ahnen können, damals, als sie von Mitleid und Schuldgefühl getrieben, Fred ihre Hand gereicht hatte! Sie hatte ja freilich gewuht, dah sie einer ernsten, schweren Zukunft entgegengehen würde, aber doch nicht bar einer jeden Hoffnung. Damals durfte, sie noch die Erwartung hegen, dah die Zeit Freds Zustand bessern würde, und vor allem, wie es auch kommen würde, dah ihr Besitz ihn entschädigen würde für das, was das Leben ihm versagen sollte. Aber nun? Vorbei alles Hoffen! Der heutige Tag hatte Ursula ihr Los in seiner ganzen trostlosen Furchtbarkeit enthüllt: Fred war ein verlorener Mann, und 'sie konnte ihm nichts sein! Richt einmal dieser letzte Trost, der ihre Selbstaufopferung vielleicht noch erträglich gemacht hätte, war ihr geblieben. Und das war das Allerschrecklichste, daß dies Opfer nutzlos war! Zum ersten Male stand ihr Schicksal in feiner entsetzlichen Wirklichkeit vor ihren Augen: an einen langsam Hinsterbenden gefesselt, lebendig begraben, sie, deren junges Blut nach dem sonnigen, bunten Leben so sehnsüchtig pulste. Eine Totenangst schnürte Ursula die Brust zusammen. Cs ward plötzlich so schwarz, so eng um sie, als müsse sie ersticken, als würde sie in die dumpfe Gruft gezwängt. 10. Kapitel. Laut hallten die lang schwingenden Klänge des Gong durch das Haus: Ein Uhr! Das Zeichen für die 3nsassen des Sanatoriums, sich in den Speisesaal zu begeben. Drenck, der schon angezogen am Fenster gestanden hatte, ging an die Tür zum Rebenzimmer und klopfte an: „Bist du fertig? Cs ist so weit." Statt jeder Antwort öffnete sich die Tür, und Ursula trat zu ihm. Auch sie war bereits mit der Toilette fertig gewesen, aber drinnen für sich geblieben. Sie kannte des Gatten nörgelnde Stimmung, jedesmal in den ersten Tagen, wenn sie in ein neues Hotel oder Sanatorium gekommen waren. Und sie waren hier, in der Heilanstalt auf der Derghöhe, am Genfer See, gerade erst vor ein paar Stunden airgekommen. Da hatte Ursula sich den sie nur verstimmenden kritischen Anwandlungen des Gatten lieber entzogen: sie muhte ihre Kraft für ernstere Aufgaben aufsparen. Seit drei 3ahren reifte sie nun schon mit Drenck durch die Welt, den Winter stets im Süden oder Hochgebirge, die Sommermonate im deutschen Bergwald zubringend. Der Zustand des Gatten war seit der Erholung von jenem schweren Anfall immer derselbe geblieben. Er war und blieb ein hoher Schonung bedürftiger Patient und sie seine Trösterin, die ihn in Stunden der Verzweiflung wieder aufrichtete mit Worten der Zuversicht, an die sie selbst im 3nnersten nicht mehr glaubte. Sie hatte in diesen 3ahren die schwere Frauenkunst gelernt, mit blutendem Herzen zu lächeln. Drenck furchte die Stirn, als er sie so schnell heraustreten sah, die, wie er gewähnt hatte, noch mit ihrem Anzug beschäftigt war. „Warum läßt du mich denn so lange hier allein herumstehen?" „3ch war ja gerade eben erst fertig geworden", beschwichtigte sie ihn, wie eine Mutter ihr kränkelndes Sorgenkind — gütig, aber mit einer überlegenen Bestimmtheit im Ton. So nahm sie auch seinen Arm und drängte ihn sanft zur Tür hin, der noch Lust zu einer längeren Debatte zu haben schien. Draußen verbot sich ja: von selbst jede Aussprache, unö wenn auch Drenck allein mit ihr nur allzu oft ben Ton schuldiger Rücksicht vergaß, vor den Leuten beherrschte etf sich doch wenigstens noch immer. So schritten denn auch jetzt die Gatten schwei- genb nebeneinanber bem Speisesaal im Erdgeschoß zu. Als sie dort eintraten, fanden sie die Gäste schon an der Tafel versammelt vor. Drenck sah sich suchend nach seinem Platz um. Der das Service beaufsichtigende Direktor der Anstalt bemerkte es und trat zu ihm. „Bitte drüben, am oberen Tafelendek Die neu angekommenen Herrschaften sitzen immer neben dem Herrn Doktor." Drencks nahmen die bezeichneten Plätze ein, nachdem sie der Direktor noch mit ihren Tischnachbarn bekannt gemacht hatte. Die üblichen einleitenden Gesprächsphrasen wurden gewechselt. „Der Herr Doktor ist noch nicht da", bemerkte Drenck zu der Dame neben ihm: es wurde mit dem Servieren anscheinend auf. ihn gewartet. „Rein, aber er wird jeden Augenblick kommen. Er ist sonst immer sehr pünktlich. »Lehen Sie, da kommt er ja schon!" Mechanisch drehte Drenck den Kopf nach der großen Saaltür hin, im selben Augenblick fühlte er aber seine Rechte, die auf feinem Knie rufjtfc mit krampfhaftem Druck von Ursula gepreßt. Erstaunt sah er nach ihr hin, die mit dem Ausdruck tödlichen Erschreckens nach dem Eingang hinstarrte. Rasch folgte er ihrem Blick, und nun begriff er: Wigand, der einstige Verlobte seiner? Frau, kam da mit einem anderen Herrn heran- geschritten. Kein Zweifel, er mußte es sein, wenn auch sein Haar schon etwas grau meliert war und feine Züge etwas Fremdes. Donnerwetter — das war allerdings eine unerwartete Begegnung. Wie mochte der gerade hierher kommen? Aber, was war das? Run verabschiedete Wigand sich von dem fremden Herrn und kam schnelleren Schritts direkt auf sie zu. Sollte er am Ende —? Drenck hatte ja allerdings keine Ahnung gehabt und bis jetzt nocf> gar nicht darnach gefragt, wer denn der dirigierende Arzt des Sanatoriums „Au Chatelard" war: es schien ja wahrhaftig! — Und nun sah auch jener hierher, da — jetzt hatte er sie erkannt: Ein Zucken ün Gesicht, ein kaum bemerkbares Anhalten des Schrittes, doch bann sofort vollkommenste Selbstbeherrschung! 3m nächsten Augenblick Hat er auch schon ju ihnen an den Tisch. Das alles ging fo schnell, daß Ursula sich noch nicht zu fassen vermochte. 3hr Herz schlug ihr bis in den Hals hinauf._________________ (Fortsetzung folgt.) Sorgfältig gepflegte WEINE aller Weinbaugebiete 1745 d empfiehlt die Weingroßhandlung Chr.Inderthal.Giefeen Fernruf 3973 Preislisten zur Verfügung MiüWlM lebende Sciegeirctpfen lebende fielen ledkMM SWdje lebenöfrifdje Seeflfd); zu billigen Preisen. 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H c e c? e E :@^A^(9AA@®®S © = £ schöne Brünnelein, ei Drin sprudelt goldner Wein Wer hat's geinacht, -C et Z 2 «* . — c ■ H 3;. Stoo p et <3 .Es i^- JS« 3 5 9 E“ 5© c .2 'S* CS.P et 33-L-, 55 "ö 2s 2 PeS - E © ■=e — .E E 5 •ä-SÄE qW = S, £ £ .' e4%V3' tn«° g.E = ®:i et i Stet “ ®eZ: £ LS ’Z 3 c ,2 “ c 2 2.-«*0. 2*3®^“ 5 et = ® p g —H .= £ et £ 75 -6*^5 v O -2" — X.— §S»3 £ , ^--N- L E za csZ-X .2 Lu® X-ei E "c = £ cs.2 öS c ,E -- jfä ■54s =E §.Q= HT:: cs— '£ = 2 e A S ^E-SES^ttZLu *0-2 3 EL C 2ää CS/J p®(9 'U2-.; 2**c -2 £ .2 2 Hza Sa 2s3 s C E « 3 0 c? x> 0 •— »r» 52«^. ® - 33 3; © etZ2°Set c - o .2 e za za-za — za ,5"vo g Lu Lu ja o E -« 3 E BO Sä ö’CSA 0 -o = 7A7 C :3 — = to^ »22-“ cs - £ - C-Sc i- 3 3=S3 AS ©(?(?© -E" " =3 ,- — 7 Q A 4, (9 _H xss ä- E _ -e o'-Sas s -*©-£ — O — c ■§*e5a° “ S lu -e — o e.B C E 37' — —' ei « ‘”-2^2 c 3 3 3-2*3 -U5L B _©e = 8ä e e» ^ZL o uB \2- X = '— ~- > agA g ©■ A HS 3^'V“ •2 Jog; 8\2 U'e 3CS"° ^2 C :O lu - a-Z £>=' ® £ c", c 2 ' e. 3 s3 §t*e ER J3..2 S5 •=' lu rS x*S 2-7- - «Ä 'S? •’S'-» •“ ’Z Lu o.2ö B S ©« - .r? . m c a. fi = 3= et u> 2-."° 2 o ) n * ^,/d ä * 1— •3 (9 -C 3 0 Lu © ’-E 2.-°^.- ©Z-S*^ = öS ZL§°--ZZ- Z-k “CS C -q p u-.*€* ** £i“ = 3 2-5,^57. 5 E o e. 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